ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LI (2004), 113–114
B E M E R K U N G E N
Remarks
K L E I N I G K E I T 4
Schon schien die angeblich von F. Kuršaitis in Katyčiai gehörte Form kylė zur Ruhe gekommen zu sein, die mit cylo ‘Kiel’ aus preußischsprachigen Handschriften verglichen wurde.
Im gesamten Memelland ist seit Walter Fenzlau der unregelmäßige Wandel ie, uo > zu i·, u· bekannt (siehe W. Fenzlau, Die deutschen Formen der litauischen Orts- und Personennamen des Memelgebiets, Halle, 1936, 45). Die neuen Tatsachen von dort, die Vladas Grinaveckis veröffentlicht hat (Žemaičių tarmių istorija, Vilnius, 1973, 195), wurden auch im Nachdruck der Schriften von Jānis Endzelīns1 sowie in Vytautas Mažiulis’ Prūsų kalbos etimologiniame žodyne (Bd. 2, Vilnius, 1993, 184) wiederholt. Nun vermittelt die soeben erschienene höchst bedeutende Monografie von Aloyzas Vidugiris Zietelos lietuvių šnekta erneut dieselbe Nachricht – eine Tatsache des sprachlichen Erbes von Zietela und des Preußischen (S. 342).
Leider ist der Wandel von ie, uo zu den Vokalen i·, u· in diesen Mundarten eine Neuerung; häufig schwankt der Gebrauch – dieselbe Person kann dú·k | də·k, l'i·p | lē·p, vi·nc | vė·nc ir ki·le | kė·le sagen (von Šilutė bis Dovilai und Dreverna), während die Mundart von Katyčiai (mit den 1964 von mir gehörten Formen pri·šinks ‘entgegengesetzt’, kari·mini ‘Heer’, m'i·ls ‘lieb’) stärker auf Verbindungen mit den žemaitischen Mundarten hindeutet. Nach Aussage der älteren Mundartsprecher war die Mundart von Katyčiai, in der F. Kuršaitis kylę gehört hatte, stark von der Sprache der žemaitischen Dunininker-Tagelöhner durchdrungen. Im Übrigen waren alle Einheimischen zweisprachig – sie sprachen Deutsch und Litauisch, insbesondere im Umgang mit den angeheuerten katholischen Arbeitskräften. (Ausführlicher wurde dies bereits zuvor dargelegt; siehe V. Vitkauskas, „Lietuvių kalbos kylė – naujybė“, Kalbotyra 44 (1), 1995, 93–94; nur eine Bemerkung wurde übersehen). Die Form von Antanas Juška ist lediglich ein Beleg für das sogenannte Dunininkieren (LKŽv 776).
K L E I N I G K E I T 5
Zwischen Kuršėnai und Raudėnai befand sich ein riesiges Moor, Gelžė (g'el'ž'i Krš | g'el'ž'e Rdn, Trš, Pp). Die Leute sammelten säckeweise Preiselbeeren und Moosbeeren, legten Heuvorräte an und konnten den ganzen Sommer über so manche Kuh oder anderes Vieh ausgiebig weiden lassen.
Zu Sowjetzeiten wurde das Moor im Zuge der Umgestaltung der Natur trockengelegt und das Wasser vollständig abgepumpt; weder Preiselbeeren noch Moosbeeren, Heu oder Weideland blieben übrig. Man begann Torf abzubauen, und die Behörden ließen sogar mehrere dreistöckige Häuser für die Torfarbeiter errichten. Geologen prognostizierten große Lagerstätten und gewaltige Torfmengen, doch nachdem man eine Weile abgebaut hatte, kam die Produktion nach wenigen Monaten zum Erliegen; noch einige Zeit transportierte man Torfkrümel ab.
1 Endzelīns, J., Darbu izlase 4a, Rīgā: Zinātne, 1982, 238 (wird allgemein als Variante von kielės angegeben: kylė).