Zu den Wörtern įmislė und įžastis im LKŽ
1. Das Wort įmislė (LKŽ IV 68: įmislė? (orig. įmiesle) sf. Anlass, Gelegenheit) stammt aus der Erzählung „Aplankymas seniuko“ (1853) des Schriftstellers und Didaktikers Petras Gomalevskis. Hier wird es zweimal verwendet – in den Formen des Singulars im Akkusativ und des Plurals im Genitiv: o vienok rejk cze pasymyslity, nes cze turem gera imiesle ant pagelbiema artyma; … žmones jeszka tokiu imieslu, idant par dawymą pagalbas artymui, galėtum padauginty gerus darbus sawa… (S. 40). Der Autor der Erzählung hat dieses Wort in einer Fußnote auf Polnisch erklärt: okazya, d. h. Gelegenheit, Anlass, günstige Gelegenheit.
Das Wort imiesle von P. Gomalevskis ist ein eindeutiger Lettizismus, vgl. lett. iemēls „Vorwurf; Vorwand“; K. Mühlenbach führt in seinem Wörterbuch (ME II 44) anhand der schriftlichen Quelle „Lat-golas Wôrds“ außerdem die Form iemesle „Ursache“ an. P. Gomalevskis verwendete dieses Wort nicht zufällig. Während seines langen Aufenthalts in Latgale, in Ilūkste, kam er zweifellos ständig mit dem Lettischen in Berührung und hatte es möglicherweise sogar erlernt. Die Wortgestalt in seiner Erzählung kann der dialektalen Aussprache entsprechen, denn in vielen lettischen Mundarten dieser Gegend wird anstelle von ie ein langes i und anstelle des engen ē der Diphthong ie ausgesprochen (Rudzīte, 1964, S. 273, 281 ff.). Wenn wir die Lautform an die lettische Standardsprache anpassen, erhalten wir iemēslē „Vorwurf; Vorwand“. Das Wort iemēls mit langem ē im Wortstamm ist auch im Lettischen belegt: iemēls² aus Nīgranda (siehe ME II 45).
Da P. Gomalevskis das lange ī mit dem Buchstaben i bezeichnete (vgl. sein idant ~ y dant), sollte das Wort in unserer Sprache als ymislė wiederhergestellt werden, d. h. in seiner dialektalen Form (aber wohl kaum in der Form der lettischen Standardsprache: iemēslē).
2. Im LKŽ IV 282 wird das Wort įžastis angeführt (: įžastis, -ies sf (?) S. Dauk. Ursache); wie die Zettelkartei des LKŽ zeigt, stammt es aus einem Satz in S. Daukantos „Lietuvos istorija“, erschienen in den USA: Vienok visoje toje Lenkų ūkės namkarėje Lietuvių giminės namie lindoję; negal žinote ižasties to jų ramumo, turėjo būti ar didei nuvarge dabar, minavotose Gudų karėse, ar patys nekibinamais nenorėjo be lyzciaus karės pradėti (Lietuvos istorija, 1893, S. 134).
Im Manuskript der „Istorijos žemaitiškos“ (Original), das im Handschriftenbestand der Bibliothek des Instituts für Litauische Sprache und Literatur aufbewahrt wird, lautet der zitierte Satz: Wienog wisso to mumkarie Lankų ukes, Lethuwi gimines numei lindoię negal žinote ižasteis (viršuj šio žodžio paaiškinta: liczaatis — B. V.) to iu rumuma, turieję bute ar dide nuwarge dabar mundotose Gudu karėse, ar patys nekibynamis nenorieję be licziaus karęs pradiete (Istorije Žemaytyszka, Bl. 60). Wie wir sehen, unterscheidet sich das mit der Bedeutung „Ursache“ verwendete Wort įžastis in seiner Schreibung von der im LKŽ aufgeführten Form. So wird das Wort nicht nur in der „Istorijoje žemaitiškoje“ geschrieben, sondern auch im Manuskript von S. Daukantos Übersetzung der Erzählung von J. Kampė; vgl. Js turieje ižasti wilteis, iog krasztas amerikôs nefoley turieje bute (Rubinatio Pelužės Giwenimas, S. 180).
Da das Wort įžastis zweimal und nicht im selben Werk gleich geschrieben ist, scheint es keinen Grund zu geben, an seiner Existenz und seiner graphischen Gestalt zu zweifeln. Anders verhält es sich mit der im LKŽ aufgeführten Variante įžais tis, die bislang nur in der genannten Publikation von S. Daukantas belegt ist. Es bleibt unklar, auf welches Manuskript der „Istorijos žemaitiškos“ man sich bei der Herausgabe dieses Werks stützte; kaum aber war es, wie vermutet wurde, die vor kurzem in Leningrad entdeckte Abschrift (Žilevičius, 1983), in der im zitierten Satz anstelle dieses Wortes
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