Man merkt: Der Übersetzer beherrschte das Preußische für eine solche Arbeit zu wenig. Ich möchte gern hinzufügen, dass er sich fließend unterhalten konnte, ungefähr so, wie ein deutschbaltischer Gutsbesitzer Lettisch versteht. Aber das reicht nicht aus, um grammatisch richtig sprechen oder etwas schriftlich darlegen zu können, besonders wenn der Text so verworren ist. Hier konnte selbst ein guter Übersetzer nicht viel helfen, weil er den Sinn schwieriger Stellen nicht verstand. Willis oder sein Übersetzer hörte gut nur die Intonation. Die Pabeter Preußen sprachen vermutlich sehr deutlich. Aber wie lässt sich das mit der „entstellten“ Sprache vereinbaren?
Natürlich ist für diejenigen, die Willios Übersetzung als schlecht bezeichnen müssen, nicht alles falsch und unpreußisch, was nicht mit dem Litauischen oder Lettischen übereinstimmt. Außerdem weist das Preußische zu viele ausgeprägte Merkmale auf, die im Litauischen und Lettischen fehlen. Umso bedauerlicher ist es, dass Willios Enchiridion so vieldeutig bleibt; denn aus Willios schlechter Arbeit wird sich kaum zufriedenstellend herausarbeiten lassen, was ein rein preußisches Merkmal ist, das sich vom Litauischen und Lettischen unterscheidet, oder was dem tatsächlichen deutschen, das heißt niederdeutschen Einfluss zugeschrieben werden muss.
Übersetzt von Nijolė Čepienė*
DER BRIEF VON JURGIO GERULIS AN JONAS JABLONSKIS
In der Bibliothek des Instituts für Litauische Literatur und Folklore (F 52—199) wird ein Brief von J. Gerulis an J. Jablonskis vom 29. November 1922 aufbewahrt. Der Brief ist wegen J. Gerulis’ Ansichten zur litauischen Standardsprache und zur Rechtschreibung sowie wegen seiner eigenen Sprache interessant. Sprache und Zeichensetzung des veröffentlichten Briefes wurden nicht korrigiert (berichtigt wurden lediglich ein paar offensichtliche Druckfehler).
A. Sabaliauskas
29. XI. 22
Sehr geehrter Herr,
herzlichen Dank für die Zusendung der „Grammatik der litauischen Sprache“. Wäre es nicht gut, Ihre Bücher und einige andere, wie Būgas „Sprache und Altertum“ usw., auch in Deutschland zu verkaufen? Švyturys und die Verlagskommission könnten bei Vinter in Heidelberg für solche Bücher eine „Kommission“ einrichten. Es genügt nicht, gute Bücher zu schreiben, man braucht auch Propaganda! Offenbar muss man das nicht zum Ruhme der Autoren, sondern für Litauen tun. Die Welt muss erfahren, dass es in Litauen durchaus ernsthafte Arbeit gibt, von der sie nur nichts wusste. Solche Dilettanten wie dieser Basanavičius machen uns Schande! (Ich weiß, dass B. sich stärker für Litauen eingesetzt hat als hundert andere, aber die Welt liest seine Schriften über die Thrakier und lacht über einen solchen „Litauischen Sprachforscher“.) Wegen der Rechtschreibung habe ich Būga, als er bei mir zu Hause zu Gast war, eindringlich aufgefordert, gemeinsam mit Ihnen ein kurzes Rechtschreibhandbuch herauszugeben. Meine Meinung ist folgende: Ein Rechtschreibhandbuch, auch wenn es unvollkommen ist, ist viel besser als eines, das offenbar ohne Einigung1
* Die Zitate aus dem Lateinischen übersetzte Kazys Eigminas.
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