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Institut für Litauische Sprache
Forschungsschwerpunkte: Lexikologie, Entlehnungen, Lexikografie, Etymologie, Sprachgeschichte, Schriftlichkeit.
HOMONYME IN LITAUISCHEN WÖRTERBÜCHERN
Homonyme in den Wörterbüchern der litauischen Sprache
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel untersucht die Lietuvių kalbos žodyne (LKŽ, LKŽe) und im Wörterbuch von Jokūbas Brodovskis vorkommenden, überwiegend etymologischen Homonyme, die infolge der Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen entstanden sind und in den Wörterbuchartikeln nicht als Homonyme ausgewiesen werden. Einige Entlehnungen gleichen einem im Litauischen vorhandenen Wort mit einer anderen Bedeutung; da diese Wörter jedoch unterschiedlichen Ursprungs sind und verschiedene Bedeutungen haben, müssen sie in getrennten Artikeln aufgeführt werden. Auch im 2009 veröffentlichten Wortindex des handschriftlichen Wörterbuchs aus dem 17. Jahrhundert von Jokūbas Brodovskis, Lexicon Germanico=Lithvanicum et Lithvanico=Germanicum III, finden sich nicht voneinander getrennte Homonyme. Der Artikel stellt neue Homonyme vor, die weder im LKŽ noch im LKŽe verzeichnet sind.
SCHLÜSSELWÖRTER: lexikalische Homonyme, Germanismen, Wörterbücher Ostpreußens, Lexikografie.
ANNOTATION
Der Artikel untersucht die überwiegend etymologischen Homonyme, die im Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽ, LKŽe) und im Wörterbuch von Jokūbas Brodovskis vorkommen und durch die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen entstanden sind, jedoch in den Wörterbucheinträgen nicht als Homonyme ausgewiesen werden. Bestimmte Entlehnungen ähneln einem litauischen Wort mit einer anderen Bedeutung; diese Wörter haben jedoch einen anderen Ursprung und eine andere Bedeutung und sollten daher in getrennten Einträgen erscheinen. Das 2009 veröffentlichte Register des handschriftlichen Wörterbuchs aus dem 18.th Jahrhundert von Jokūbas Brodovskis, Lexicon Germanico=Lithvanicum et Lithvanico=Germanicum III, enthält ebenfalls nicht getrennte Homonyme. Der Artikel stellt neue Homonyme vor, die in LKŽ und LKŽe nicht verzeichnet sind.
SCHLÜSSELWÖRTER: lexikalische Homonyme, Germanismen, ostpreußische Wörterbücher, Lexikografie.
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EINLEITUNG
Der antike griechische Philosoph Aristoteles erwähnte den Begriff Homonym erstmals in seinen Kategorien. Er schrieb: „Gleichnamig (homōnyma) heißen Dinge, die denselben Namen haben, während die dem Namen entsprechende Wesensbestimmung verschieden ist“ (Aristoteles 190: 5). Litauische Homonyme untersuchte Vincas Urbutis in seiner Dissertation zum Kandidaten der Philologischen Wissenschaften mit dem Titel Bildungsverfahren lexikalischer Homonyme im Litauischen (1955, 251 S.). Die Definitionen von Homonymen litauischer Sprachwissenschaftler lauten wie folgt: Lexikalische Homonyme sind gleich ausgesprochene Wörter (Urbutis 1955: 41; Jakaitienė 2005, 257); Homonyme (gr. homōs ‚derselbe, gleich‘ und ónoma ‚Name‘) sind Wörter mit gleicher phonetischer Form und völlig unterschiedlichen Bedeutungen (Jakaitienė 1980: 42); es sind Wörter mit gleicher Lautstruktur, aber unterschiedlicher lexikalischer Bedeutung (Palionis 1985: 182). Rita Mikelionytė untersuchte den Gebrauch echter Homonyme im Litauischen und Veränderungen ihrer semantischen Strukturen (Mikelionytė 2016: 13). Homonyme sind demnach gleich ausgesprochene Wörter unterschiedlicher Bedeutung und häufig unterschiedlicher Herkunft. Nicht alle Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung sind jedoch Homonyme. Als echte Homonyme gelten Wörter, deren sämtliche grammatischen Formen phonetisch übereinstimmen. Homonyme entstehen: 1) durch Veränderungen im phonetischen System der Sprache (etymologische, historische); 2) durch die Bildung neuer Wörter (Wortbildungs-); 3) durch semantische Veränderungen von Wörtern und das Auseinandertreten ihrer Bedeutungen (semantische); 4) durch die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen. Entlehnungen aus verschiedenen Sprachen oder Dialekten passen sich den phonetischen und grammatischen Regeln des Litauischen an und ähneln dadurch Wörtern mit anderer Bedeutung, die bereits im Litauischen vorhanden sind. Nach ihrer Herkunft werden Homonyme in gleichstämmige (homogene) und verschiedenstämmige (heterogene) eingeteilt. Nach ihrer Entstehungsweise lassen sich Homonyme in drei Typen unterteilen: etymologische (1, 4), Wortbildungs- (2) und semantische (3). Zur Untersuchung der Probleme von Homonymie und Polysemie werden die komponentielle Wortanalyse, die distributionelle Analyse und die Methode der Derivationsanalyse angewandt (Jakaitienė 1980: 42–48). Die Begriffe Homonymie und Polysemie hängen miteinander zusammen. Hat ein mehrdeutiges Wort eine gemeinsame etymologische Wurzel, ist es kein Homonym, sondern ein polysemes Wort. Im Laufe der Zeit können sich Wortbedeutungen voneinander entfernen; dann entstehen mehrere Wörter. Homonyme entstehen auch durch den metaphorischen Gebrauch von Wörtern, wenn diese übertragene Bedeutungen annehmen.
Ziel dieses Artikels ist es, die im Wörterindex des III. Bandes des Wörterbuchs von Jokūbas Brodovskis sowie in LKŽ und LKŽe festgestellten Homonyme vorzustellen, die in den genannten Werken nicht als Homonyme behandelt werden. Die Aufgaben bestehen darin, nicht nur die Bedeutungen der Wörter anzugeben, sondern auch ihre Herkunft – insbesondere die Herkunft von Entlehnungen – anhand der historisch-vergleichenden, phonetischen und weiterer philologischer Methoden zu klären. Herangezogen werden etymologische Wörterbücher sowie neuere Arbeiten zur Herkunft von Entlehnungen. Untersucht werden die Ausgangswörter der Entlehnungen, aus denen diese hervorgegangen sind.
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und geben deren ursprüngliche Herkunft an. Die Erklärung von Homonymen ist für die Lexikografie und die Schreibweise von Wörtern von Bedeutung.
I. NICHT GETRENNTE HOMONYME IM WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN SPRACHE (LKŽ, LKŽe)
Es wurde festgestellt, dass einige Homonyme in LKŽ und LKŽe in einem einzigen Wörterbucheintrag aufgeführt sind. Homonyme unterschiedlicher Herkunft und Bedeutung müssen getrennt werden. Der Artikel behandelt daher die von der Autorin in den nicht gekennzeichneten und nicht getrennten lexikalischen Homonymen im Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽ und LKŽe) und im Wörterbuch von J. Brodovskis festgestellten Fälle, die überwiegend durch die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen entstanden sind. Der Artikel enthält Wortbelege aus der Bibel von Jonas Bretkūnas, aus preußischen Wörterbüchern und Dialekten sowie aus der lebendigen Sprache, die im Wörterbuch der litauischen Sprache nicht enthalten sind. Bei den meisten Homonymen stammen beide Wörter aus germanischen Sprachen; einige sind aus einem litauischen Wort und einem Germanismus, einem litauischen Wort und einem Slawismus, ein einziges aus einem litauischen Wort und einem Hybrid sowie ein weiteres aus einem Germanismus und einem Wort türkischer oder tatarischer Herkunft entstanden.
1. ETYMOLOGISCHE HOMONYME
Die meisten hier behandelten etymologischen Homonyme entstanden durch Entlehnung aus germanischen Sprachen, vor allem aus den deutschen Dialekten Ostpreußens; beide Wörter sind jeweils Germanismen. Einige gelangten über slawische und andere Sprachen ins Litauische. Das Homonym 1 tūtà ‚Rohr; röhrenförmiges Teil u. Ä.‘ ist ein Wort deutschen niederdeutschen Ursprungs, während 2 tūtà ‚Maulbeerbaum‘ türkischen und tatarischen Ursprungs ist. Einige Homonyme entstanden aus einem litauischen Wort und einem Germanismus. Ein Homonym entstand durch eine Lautveränderung aus zwei litauischen Wörtern. Die in diesem Artikel angeführten Homonyme unterscheiden sich nicht nur in ihrer Bedeutung, sondern gehen auch auf verschiedene Ausgangswörter zurück. Die meisten Homonyme finden sich in Dialekten und Schriftquellen sowie in den Wörterbüchern Ostpreußens seit dem 19. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert entstanden 1 štãras zool. ‚Star‘ und 2 štãras ‚Hamster‘; 1 šìna ‚Radreifen, Radbeschlag‘ und 2 šìna ‚Schilfrohr, Ried‘; im 17. Jahrhundert außerdem 1 šnỹpė ‚Schnupftabak‘ und 2 šnỹpė ‚getrieben‘.
a) Beide Wörter sind Lehnwörter, Germanismen:
1 ãkas m. (4) Werkzeug zum Häufeln N 2, K, Alm 23, KŽ, NmŽ, KtŽ, Vn; entlehnt aus dem Ostpreußischen hāk ‚Hacke, Haue‘ (Alm (PrW)), Hacke ‚Werkzeug zum Aushacken von Unkraut, Hacke, Haue‘; vgl. mnd. hacke, nhd. Hacke f. ‚Hacke‘,
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‚Häufelhacke‘ (R II 187, 214), verwandt mit dt. hacken ‚hauen, hacken; mit der Hacke bearbeiten, hacken‘ (Kluge 2002: 381);
2 ãkas m. (4) ‚Bucht, Meeresarm‘ A 1885, 11; zur Herkunft vgl. ostpreußisch-deutsch Hake (a=å) m. ‚Landzunge, Kap; lange schmale Untiefe, die sich von einer Landzunge am Ufer bis zur Bucht erstreckt‘, niederländ. hoek (Fr I 267), mnd. hōk, huk ‚Winkel, Ecke (Ort); Kap, Landzunge‘ (MndW II 283–284), dän. huk ‚Winkel, Bucht, Nehrung‘, schwed. huk, norw. dial. Huck ‚Landzunge‘ (Falk I 427), in schwedischen Dialekten hök ‚Winkel, Vorsprung, Landzunge‘, nhd. Haken m. ‚Haken‘ (Kluge 2002: 384); mnd. hage, age ‚Spitze‘ (MndW II 173); lat. acus f. ‚Spitze‘; lett. hok. Vgl. auch okas¹, užokis.
1 blióžė f. (1) 1. ‚Blase‘ KŽ, ZŠŽ (Snt), Vlkš. 2. ‚kleine Tabakdose, Beutel‘, JD 1289, K. Būg II 44, KŽ, ZŠŽ (Snt, Nm, Sr, Šk), GŽ, Gs. 3. ‚Geldbörse mit Verschluss, der mit zwei gedrehten Schnüren zugezogen wird‘ G1. 4. ‚Kleiner, zusammengesunkener Mensch‘ Klp, Plv. 5. scrotum ZŠŽ (Sr). 6. abw. ‚Sieb, Gesicht, Mund‘ ZŠŽ (Šk). 7. ‚schlechte, untaugliche Stute‘ ZŠŽ (Šk) < ostpreußisch blōz ‚Blase; Beule; Gefäß‘ (Ziesemer I 630); vgl. nhd. Blase f. ‚Blase‘, mhd. blāse, ahd. blāsa f., niederländ. blas; → dt. blasen ‚blasen‘ (Kluge 2002: 129); mnd. blase ‚Blase, Geldbörse‘ (MndW I 352);
2 blóžė f. (1) ‚Weste‘ Klvr, Mrj; zur Herkunft vgl. nhd. Bluse f. ‚(Damen-)Bluse‘ aus dem Französischen blouse; niederländ. blouse, blous; möglicherweise stammt das französische Wort aus frühromanisch *bulusa ‚rustikal‘ als spöttische Bezeichnung für die Kleidung der Bauern (oder ist mit bullo = pulla ‚Trauerkleidung‘ zu verbinden (Kluge 2002: 135); niederländ. blua ‚Damenoberbluse (ursprünglich Arbeitskleidung)‘ < franz. blouse ‚Bluse; langes weites Kleidungsstück u. Ä.‘; aus spätlat. pelusia ‚Kleidungsstück aus Pelusium (ägyptische Stadt)‘ (LKPŽ 2016: 236–237).
1 blókis m. 1. ‚Strohmosaikmatte zum Abdecken von Beeten, Fenstern und Anzuchtbeeten, zum Abwischen der Füße u. Ä.‘ Brž. 2. ‚gebackener Fladen (?)‘ LV I 311; zur Herkunft vgl. mnd. flāk ‚geflochtener Gegenstand‘, mnd. vlake ‚alles aus Zweigen Geflochtene, geflochtener Gegenstand‘ (MndW V 265); lett. blāks ‚Strohmatte, Bastmatte‘ stammt aus dem mnd. flāk ‚geflochtener Gegenstand, Trockenhütte‘ (Sehwers 1953: 13–14); got. flata ‚(Haar-)Zopf‘; → dt. flechten ‚flechten‘ (Kluge 2002: 299); nhd. Flechtwerk ‚geflochtener Gegenstand‘. Im Mittelniederdeutschen wurde (w) durch b ersetzt (MndW V 188);
2 blókis m. ‚Fleck (auf Kleidung oder am Körper)‘ TP 181, 12, Klp < ostpreußisch Plack ‚dasselbe‘ (Fr II 151); vgl. mnd. vlake, vlecke (MndW V 264), plack(e) ‚Fleck‘ (MndW III 334), mhd. placke, niederländ. plac(ke), nhd. Placken m. ‚Fleck‘ (Kluge 2002: 705), nhd. Fleck ‚Fleck‘. In den thüringischen und süd-sächsischen Dialekten waren die Lippenlaute p und b vollständig zusammengefallen (Prellwitz 1894: 51; Paul 1956: 261). Vgl. auch blekis².
1 okas m. ‚Untiefe im Fluss, bei Niedrigwasser über die Wasseroberfläche ragende kleine Insel‘ J, KŽ, Vl, Zp, Šč; užokis m. (1) ‚Flussarm hinter einer Untiefe, hinter einem okas‘ J; Ableitung aus okas und dem litauischen Präfix už-.
2 blēkis m. (2) ‚Fleck auf einem Kleidungsstück‘ Akm, Lž, Krtn < dt. Fleck ‚Fleck‘.
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1 klùmpė f. (1) 1. ‘aus Holz ausgehöhlter Schuh; Schuh mit Holzsohle’ R II 209, MŽ II 279, K. Donel, N 20, K, BsMt I 47, klvD 107, Žem, P. Cvir, A. Vien, A. Vencl, Alm 69, FrnW, ŽŠŽ (Grš, Šnt, Sr, Slv), KžŽ, Vv, Eiš, Mrj, Krtv, Dkš, Pnd, Gs. 2. vulg. ‘abwertende Bezeichnung für eine Frau mit freizügigem Lebenswandel’ rš. ◊ aus den klùmpės herausfallen, herauskochen ‘sehr müde werden, erkranken’ Pjv, ‘sich betrinken’ Gs; jemanden aus den klùmpės werfen ‘aus dem bekleideten Amt entlassen’ ŽŠŽ (Šk); ‘sich bemühen, zu besiegen, zu überwältigen’ ŽŠŽ (Grš); ‘stark (von einem alkoholischen Getränk)’ ŽŠŽ (Grš); jemanden in die klùmpė treiben ‘in Streitigkeiten in die Knie zwingen, überwältigen’ Tl; jemanden aus den klùmpės heben, umwerfen ‘erschlagen, töten’ Vrn, Pg; klùmpės zusammennähen ‘zusammennähen’ Msn; das Zusammennähen der klùmpės ‘Festmahl, geselliges Beisammensein, Zusammenkunft, Vergnügen, Abendgesellschaft’ ŽŠŽ (Šk, Lkš), Alk, Dkš, Vlkv; klùmpės zusammenwerfen ‘zusammennähen’ ŽŠŽ (Br); die klùmpės auf den Dachboden werfen ‘sterben’ ŽŠ (Br) <Pr.ostpr. Klumpe m., f. ‘Holzschuh, aus einem Stück Holz geschnitzt’ (Fr I 383), mnd. klumpe, klumpe ‘Holzschuhe’ (MdW II 493); mnl. clompe; nhd. Klumpe entstand im 16. Jh. aus dem mnd. (Kluge 2002: 500; vgl. lett. klumpas ‘Holzschuhe’ aus dem mnd. klumpen ‘dass.’ (Sehwers 1953: 52), lett. klumbas Pl.: 1. Klumpe;
2 klùmpė f. (1) Bot. ‘eine Rübenart’ LC 1884, 14; → klumberė f. (1) ‘Kartoffel’ [K], Alm 69 <Lehnübersetzung von nhd. Grundbirne ‘Kartoffel’ (Alm 69; Grimm IX 761, 57); vgl. Pr.ostpr. Klumpe (Lex 54; C I 1082) ‘Stück, Klumpen’ und mhd. bir(e), nhd. Birne ‘Birne’ (Kluge 2002: 126).
1 màdaras (3ᵇ) Kv ‘flüssiger Schlamm’ K.Donel, V.Myk-Put, Alm 83, FrnW; vgl. Pr.ostpr. Moder m. ‘Schlamm, Sumpf, Morast, Moor; Schlamm; Sumpf; Moor, Morast, Straßenkot’ (Fr II 68), mnd. moder ‘Sumpf, Schlamm, Morast’ (MdW II 106); nhd. Moder m. ‘Sumpf, Fäulnis, Moor’, spätmhd. moder aus dem mnd.; zuerst Mitte des 14. Jh. in einer deutschen Mundart belegt mit der Bedeutung ‘Fäulnis, Schimmel, Schlamm’, später ‘Sumpf, Moor; Schleim, Schmutz (auf der Straße)’ (Grimm XII 242, 68; Kluge 2002: 626); lett. Mundartwort màdaras ‘Schlamm’ (Karulis I 556–557). Kazimieras Būga hält màdaras ‘flüssiger Schlamm’ für ein litauisches Wort und verbindet es mit lett. madere (Alm 83; FrnW I 394).
2 màdaras (3ᵇ) K, BŽ 464 vulg. ‘schlechte Arbeit’ K.Donel, Alm 83, FrnW; vgl. Pr.ostpr. Maderei ‘unnötige Beschäftigung, schlechte, mangelhafte Arbeit’ (Fr II 44), madern ‘arbeiten, handeln, ohne dazu berechtigt zu sein; etwas versuchen, ausprobieren, schlecht mit etwas umgehen (einer Sache, Angelegenheit); schlecht arbeiten’ (Fr II 43); lett. madere ‘komplizierte, verwickelte Angelegenheit’ aus mnd. maderje ‘schlechte Arbeitsweise; Qual, Pein, schlechte Arbeit’; lett. maderēt ‘bei der Arbeit Schwierigkeiten machen, sich an etwas wagen, das die eigenen Kräfte übersteigt’ <mnd. madern ‘langsam, vergeblich arbeiten, herumfuhrwerken’ (Sehwers 1953: 75).
1 prýskis (1) ‘Prise Schnupftabak’ K II 115, Alm 105 <Pr.ostpr. prise ‘Prise’ (Alm (PrW)); vgl. nhd. Prise ‘Prise Schnupftabak’ (diese Bedeutung ist seit dem 18. Jh. belegt; Bedeutung im 16. Jh.: ‘Beute, von einem Räuber oder Piraten erbeutetes Schiff’), entstanden aus frz. prise ‘Beute, Fang’, das ein
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abstraktes Verbalsubstantiv zum frz. prendre ‘nehmen, ergreifen’, aus lat. prehendere, mniederl. prīs, engl. prize, schwed. pris (Kluge 2002: 721).
2 prýskis (1) ‘beheizbare gemauerte Bank am Ofen’ ŽŽ, Br, Bgt; vgl. pryč- kis ‘kleines Mäuerchen am Ofen’ Ig, pricas (2) ‘kleines Mäuerchen am Ofen’ ŽŽ (Lkž), Šn, Krk, Kt, Pun, Pn, Dem. pricūkas Mrj, pricius ‘Pritschen, Liegestätten’ K II 115, Alm 104; Grundlage dieser Wörter ist nhd. Pritsche ‘Schlafplatz, Gitterrost und die darauf gelegten Bretter’ für den Dienst; das Lehnwort ist mit dt. Brett ‘Brett’ zu verbinden (Kluge 2002: 721), Pr.ostpr. Pritsche ‘Soldatenpritsche’ (Fr II 181).
1 redėlė f. (1), redelė FnW 1. Nom. Pl. ‘Seitenbrett eines Wagens’ Vaižg, Škn, Jnš, Krp, Pkl, ‘Seite eines Kinderbetts’ Vkš. 2. ‘Futterkrippe’ Vaižg (Dial.). 3. ‘Kinderbett mit Seiten aus Querstreben’ rš, ŠVŽŽ (lp). 4. ‘Rost des Herdes’ ŠVŽŽ (Kr, St, Vbl) <mnd. reddel ‘Seitenbrett’ (FrnW); vgl. mnd. ledder ‘Seitenbrett eines Wagens, leiterförmige Wagenseite’. Wegen seiner Weichheit wechselt mnd. l häufig mit dem Laut r (und n) (MndW II 644, 607; Čepienė 2006: 308); nhd. Leiter ‘Leiter’; mhd. lei- ter(e), s.fyz. hlader, hleder, → dt. Verb lehnen ‘stützen’ (Kluge 2002: 569); lett. rede, redes ‘Futterkrippe’ <mnd., mnd. redel ‘dass.’ (Vasmer II 458; Karulis II 192, 111); eine andere Auffassung: estn. redel ‘dass.’ stammt aus dem Finno-Ugrischen, daher könnte auch lett. redes aus dem Estnischen entlehnt sein (Karulis II 192, 111 (Meiste). Vgl. auch 1 redes Pl., 1 redlis.
2 redelė f. (1) 1. ‘großes Sieb, auf Beine gestellt, um die Körner aus dem gedroschenen Getreide auszuschütteln’, FnW, ŠVŽŽ (Mkl, Ms, Dauk, Šat), Als, Snt, Pln, Ms, Lkž, Kl, Trk, ‘Vorrichtung zum Aussieben des Getreides beim Dreschen’ KtnŽ. 2. ‘Drahtgeflecht’; vgl. mnd. rider, riter ‘grobes Sieb, Sieb’, redern, reden ‘(Mehl) sieben’ (MndW III 446); russ. pedēbъ, ost-russ. pēdubъ ‘grobes Netz, Sieb’ aus pėdui ‘grob’ (Vasmer III 458); lit. retas, lett. rēts. Vgl. 2 redelės, 2 redelis.
1 rėdelė f. Pl. (1) 1. ‘Futterkrippe’ Žd, Mžk, Žg. 2. ‘Deichseln der Egge’ Ps. Vgl. 1 redelė.
2 rėdelės f. Pl. (1) ‘großes Sieb, auf Beine gestellt, um die Körner aus dem gedroschenen Getreide auszuschütteln’, FnW, ŠVŽŽ (Yl, Šul), Vž, Mžk, Vkš, Vgr, Klm. Vgl. 2 redelė.
1 redelis m. (1) ‘Seitenbrett eines Wagens’ Krp. Vgl. 1 redelė.
2 redelis m. (1) 1. ‘großes Sieb, auf Beine gestellt, um die Körner aus dem gedroschenen Getreide auszuschütteln’ Lk, Klm, Lkv, Rs, Šv, Kv. 2. ‘Korb, Tragekorb’ Vb, Ps, Dj, Pmp. 3. ‘Drahtgeflecht’ Vk. Vgl. 2 redelė.
1 šnypkė f. (1) DŽ ‘Schnupftabak’ PVG 315 (1775), NdŽ, I. Simon, FnW, ŽŽ, Šv, Slv, Skr, Gr stammt aus Pr.ostpr. šnīfke ‘Schnupftabak’ (Alm (PrW)); Schnīfchen, mnd. Schnīfke, Schnüke m. ‘dass.’ (Fr II 304); vgl. nhd. Schnupftabak.
2 šnypkė f. ‘Schnipp’ Q 361 entstand aus dem deutschen Diminutiv Schnipp ‘Schnipp’ (Kluge 1957: 67), Pr.ostpr. Schnipschen n. ‘Schnipp an die Nase’ (Fr II 305), vgl. nhd. Schnippchen ‘Schnipsen mit den Fingern’.
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1 šūlmistras m. (1) KŽ, šūlmistras (1) NdŽ, šūlmistras (1) NdŽ „Lehrer“ BB 2 Mak 1,10, Lex 77, C II 49, Q 465, B 356, 892, 906, R I 54, R II 18, K. Donel, PVG 93 (1728), 166 (1744), 339 (1788), MŽ I 282, MŽ II 426, LLCh (Glossar), N 523, NdŽ, I. Simon, rš, FrnW, KŽ, Smln, Pr < mnd. Schulmeister „dass.“ als Dialektwort; vgl. preuß. šolmeister (Alm (PrW)), mnd. scholemeſter „dass.“, poln. mistrz; vgl. auch šūlmistras „dass.“ KŽ, Smln, šūlmistras (1) K I 303, K II 171, K, NdŽ, Alm 126, FrnW, šūlmistras m. PVG 101–102 (1734), šūlmistras K, NdŽ, Alm 126, FrnW, KŽ, šolmes „Lehrer“ Alm 132, FrnW.
2 šūlmistras m. (1) „Seil zum Aufhängen eines kurischen Netzes; Netz, das am Flügel eines anderen Netzes befestigt wird“ BzF 185 (orig. sżlmes), KŽ, šulmes „dreieckiges Netz am jeweiligen Flügel eines kurischen Netzes“ Fr II 321 (orig. szulmes); vgl. dt. Schleuder „dreieckiges Netz an jedem Flügel eines kurischen Netzes“ (Fr II 321), mnd. schül, schule „Versteck“, schule, schole „Flocke im Stern“ (MndW IV 145, 148), mnd. schulen „sich verstecken“ (MndW IV 147).
1 trasa f. „Zinsen, Prozente“ BzF 190, Pr; vgl. 1 trasas, 1 tresas.
2 trasa f. 1. „altertümlicher weiblicher Kopfschmuck – eine mit Brokat umwundene Blume“ rš; vgl. 2 resas.
3 trasa f. „Bootstau“ KlvD 35, KlpD 10; vgl. mnd. trosse „Seil, das nur einmal gedreht ist und nur aus zwei oder drei Litzen besteht“ (MndW IV 616), nl. tros, n.nor. tros, mnd. Trosse f. „starkes Schiffstau“; dt. aus dem Frz. trousse „Bündel“ (Kluge 2002: 932); lett. trasa „Seil, Tau“ < mnd. trosse (Sehwers 1953: 144).
Wie aus den Beispielen hervorgeht, gibt es im Litauischen auch dreigliedrige Homonyme. Im LKŽe werden alle drei Homonyme als ein Wort aufgeführt.
1 trąsas m. (2) „Zinsen, Prozente“; vgl. 1 trasa, 1 tresas.
2 trąsas m. 1. „mit Gold- oder Silberfäden gewebter Stoffbesatz (Borte) an Kleidungsstücken oder Möbeln, Galon“ BzF 189, KŽ, ŽŽ, Šk. 2. „altertümlicher weiblicher Kopfschmuck – eine mit Brokat umwundene Blume“, ŽŽ, Vv, Šk. Vgl. 2 trasas.
1 tręsas m. (2) K, pr. Pl. trēsai K I 158, 66, Mit I 46, NdŽ, LV IV 231, FrnW, KŽ, (4) NdŽ, Slv, trēsas Rg „Zinsen, Prozente“ L, K, K II 372, Mit I 355, Rdž, př, Alm 143, FrnW (BzF 190) < preuß. tres, treβ „Zinsen, Prozente“ Alm (PrW), Tressen Pl. „Nutzen, Prozente, Zinsen“ (Fr II 411), nl. interes, n.schwed. interesse, mnd. Interesse „Interesse; Anteilnahme; Prozente“ aus spätlat. interesse „Nutzen“ (Kluge 2002: 444), lat. Interesse „Teilnahme; Nutzen, Gewinn; Prozente“ (Georges DLHW 386). Vgl. auch 1 trasas, 1 trasa, tresas Pl.
2 tręsas m. preuß. Pl. (2, 4) 1. „mit Gold- oder Silberfäden gewebter Stoffbesatz (Borte) an Kleidungsstücken, Hüten oder Möbeln, Galon“ K, ĮD 114 (Dim. trešuzis), FrnW, ŽŽ (Šnt), Slv, Plv, Vrb, tręsai Pl. Alm 143, FrnW. 2.
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„ein alter Frauenkopfschmuck – ein Brokatblumenband“ K, A 1884, 137–138, Lb 109, Tat, v. Piet, Alm 143, FrnW 119, Skr. 3. „lange Schwanzfeder eines Hahns“ LV IV 231 < Pr.v. trese, treß „Bändchen, Einfassung (Futteressen)“ (Alm 143), n.v.a. Trese f. „Galon, Bändchen, Einfassung, Besatz“ aus frz. tresse f. „Seil, Einfassung“, das mit it. treccia „(Haar-)Zopf“ in Verbindung gebracht wird; vgl. n.nl. tres, n.engl. tress (Kluge 2002: 928); lett. trese „Galon“ aus dem Deutschen (Sehwers 1953: 144). Vgl. auch 2 tras, 2 trasa.
b) Homonyme, bei denen das eine Wort ein Germanismus und das andere ein über das Polnische gekommenes germanisches Wort, ein Slavismus oder ein Wort aus einer anderen Sprache ist:
1 bonė sf. (2) „Turm“ J, Mair, Krš, (4) bonė Žg < w.n. bone „beliebige Erhöhung aus Brettern; Behälter auf dem Dachboden“ (MdW I 384); vgl. Pr.v. Bohn „beliebige Erhöhung aus Brettern“ (Ziesemer I 862), n.v.a. Bühne f. „Erhöhung aus Brettern, Bühne; Gewölbe, Decke, Galerie, oberer Raum eines Hauses; Scheune, Schuppen“ (Grimm II 508, 47). Vgl. auch 1 bonia.
2 bonė sf. (2), bonė (4) 1. „Metall- oder Tontopf“ C I 801, Q 231 (orig. Bone). 2. „aus Stroh geflochtener Bottich, Fass“ Rs, Bsg. 3. „Krug mit engem Hals“ JD 809, J, Šnk. 4. Ck „Betonring eines Brunnens“ Vl. Vgl. 2 bonia.
1 bonia sf. (1) „Turm“ NS 1181 (Dim. bonelis), Trgn, Kp, Ds, Rm. Vgl. 1 bonė.
2 bonia sf. (1), bonia (4); 1. „aus Stroh geflochtener Bottich, Fass“ Upn, Ant. 2. „Krug mit engem Hals“ Snt. 3. „Ofeneinsatz zum Brennen von Kalk“ Lš, Lp. Vgl. 1. ba-nia; russ. баня „Bad; Gefäß, Kuppel, Bienenstock“ (Vasmer I 122); n.nl. ben „Fischkasten“ (Kluge 2002: 159).
1 būta sf. (1) 1. „Bündel, Packen“ M; vgl. w.n. bunt „Bündel, das, was zusammengebunden ist“ (Sehwers 1953, 21), Pr.v. bunt „ebd.“ (Ziesemer I 871), w.hd. bunt, nhd. Bund m. „Bündel, Paket“, verwandt mit dt. binden „binden“; 1. bunt. Vgl. auch buntas³.
2 būta sf. (1) „Schar, Gruppe“ Mit I 78; vgl. nhd. Bande „Schar, Gruppe“ aus frz. bande „Schar, Menge“, nhd. Band „Verbindung, Bund“, Pr.v. Band „Zusammenfügung, Vereinbarung“ (C I 409); (dial.) n.l. bunt „Bündel; Bündel von 15 Gegenständen; Bund; Aufruhr usw.“ < w.hd. bunt, nhd. Bund „Bündel; Bund; Vereinigung, Organisation; Gürtel“; ostbrus. бунт „Aufruhr; Verbindung von Menschenmengen“ (LKPŽ 2016: 249); 1. bunt aus dt. Bund (Brückner 1974: 49).
1 kūpeloti, -ioja, -iojo tr. 1. „verbinden, verknüpfen“ N 21 (orig. Kuppeloti). 2. „den Dachfirst mit Stroh, Spreu u. Ä. belegen, damit kein Regen eindringt und der Wind es nicht abdeckt“ Grg, apkūpeloti tr. „den Dachfirst herrichten“ End, Dr. Grundlage dieser Wörter ist das Pr.v.
3 būntas m. (1) K, būntas (2) „Bündel, Schober, Haufen, Masse, Schwad“ PG 347 (1788), S. Dauk, M. Valanč, Alm 38, Rmc, Btn, Grg, Nmž, Vvr, Dim. buntelis PG 347 (1788 m.), J, BzF, N 337, K I 268, Trg, Šlu, Ktn, Įp, buntukas Trg, buntukai Pl. „Strohschober auf dem Dach“ BzF 103, buntelukas Lkv.
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kupeln ‚zusammenbinden, verbinden‘ (Fr I 447); vgl. mhd. kuppeln, kupelen, koppeln, ko-pelen ‚verbinden, zusammenfügen‘; nhd. kuppeln (Kluge 2002: 548), lit. germ. küpelė f. (1) ‚gekreuzte Stangen oben auf dem Dach, damit der Wind den First nicht abreißt; Dachreiter‘ Dr, Krn, Grg, pl. küpeliai BzF 130 (urspr. küpelei) aus pr. Koppel ‚gekreuzte Stangen auf dem Strohdachfirst zu dessen Befestigung‘ (Fr I 335). Vgl. auch 1 kupelioti.
2 kūpeloti, -ioja, -iojo tr. ‚Gemüse anhäufeln‘ Grg, Šv; wahrscheinlich mit poln. kupa ‚Haufen‘, kopa ‚graben‘ oder weißruss. kyna ‚Haufen‘ zu verbinden. Vgl. 2 kupelioti.
1 kupelioti, -ioja, -iavo ‚binden, verbinden‘ B 830 (urspr. kupeloti), [K], apkupelioti tr. ‚die Oberseite eines Strohdachs mit kupelės (gekreuzten Stangen) belegen‘ Prk. Vgl. 1 kupelioti.
2 kupelioti, -ioja, -iavo ‚voll machen, stopfen‘ Skr, Vdž, Jrb, Trg, Gs. Vgl. 2 kupelioti.
1 šponka f. (1) Žvr, šponkà L, KŽ ‚Zapfen, runder Holzstöpsel zum Verschließen eines Bierfasses‘ Rtr, J, KŽ, ŽŽ (Žvr); wahrscheinlich aus pr. spunt, spunt ‚Zapfen, Fassspund‘ (Alm 118 (PrW)), mnd. spunt ebenso (MndW IV 349), ein Dialektismus für den Stopfen, vielleicht über poln. szponkę; vgl. dt. dial. spont, ndl. spon, mndl. sponde, spätmhd. spunt, nhd. Spund ‚Fassspund, Stopfen‘; dt. aus ital. (s)punto, dieses aus lat. (ex)punctum n. ‚das, was durchstochen ist‘ (Kluge 2002: 872; Grimm XVII 230, 66); lett. spūde ‚Fassspund‘ aus altpreuß. spund (Sehwers 1953: 118); poln. szpunt ‚Zapfen, Fassspund‘ aus dt. Spund (Brückner 1974: 555); vgl. mnd. špōn ‚Span, Kienspan, dünne Holzscheibe, Holzspan‘ (MndW IV 538); altisl. spån, spōn, ags. spōn, spon, altengl. spōn m., f., altfries. spōn, altschwed. spån, altengl. spon, neuisl. spón, nhd. Span m. ‚Span, Holzspan, Kienspan, Fackel‘; Wortherkunft unklar (Grimm XVI 1862, 51; Kluge 2002: 860); poln., tschech., niedersorb. (dial.) szponka ‚Knopf, Klemme; Haken; Spange; Holzpflock, Fassspund u. a.‘ < mhd. spān, nhd. Span ‚Span‘ (LKPŽ 2016: 63). Vgl. auch šponka (LKŽe).
2 šponka f. (1) ‚eindrückbarer Metallknopf, Druckknopf‘ Knv, Lš; vgl. altisl. spong, altengl. spang, nhd. Spange ‚Schnalle, Knopf, Kupplung, Klemme‘, mhd. spange, mndl. spange, ahd. spanga, → dt. spannen ‚spannen, aufstecken; zusammendrücken‘ (Grimm XVI 1875, 62; Kluge 2002: 860); mnd. span n. ‚Schnalle, Schließe (für Bücher, Kleidung u. a.)‘ (MndW IV 301); (poln., tschech.) niedersorb. (dial.) szponka ‚Knopf, Klemme; Haken; Spange; Holzpflock, Fassspund u. a.‘ < mhd. spān, nhd. Span ‚Span‘; weißruss. (dial.) унока ‚Knopf, Klemme, Druckknopf; hölzerner Hemdknopf; Garnknopf; Holzkeil, mit dem Bretter zusammengehalten werden‘; russ. dial. унока ‚Verschluss, Schnalle, Haken‘ (LKPŽ 2016: 63); russ. унока ‚Querstange (am Zaun, Schlitten)‘, ukrain. унька ‚Knopf‘, bulg. унока ‚Verschluss, Knopf‘, altpreuß. spōn; ein Wort slawischen Ursprungs oder eine Entlehnung aus dt. Span ‚Span‘, altpreuß. spōn, mhd. spān über das Polnische (Vasmer IV 474–475); tschech. sponka. Vgl. auch sponka (LKŽe).
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Beide Wörter könnten über slawische Sprachen ins Litauische gelangt sein.
1 štāras m. (4) zool. 1. ‚Mauersegler (Apus apus)‘ SD¹ 48, Rtr, E, NdŽ, LTR (Lš, Mrk), KŽ, Krok. 2. ‚Uferschwalbe (Riparia riparia)‘ ŽŠŽ, Sn, Lzd, Jsv, Bs, Glv, Gg, Kvr, Ktv, Kpč, Žal, Nm; vgl. nhd. Star m. ‚Vogelart, Star; Bezeichnung verwandter Vogelarten‘, mhd. star, mnd. stār, ahd. staro m., dt. (Rhein-Dial.) star, star, mndl. stare, engl. dial. stare, altnord. star, schwed. stare, lat. sturnus ‚Star‘ (Kluge 2002: 875; Grimm XVII 256, 54). Vgl. auch 1 štārelis (LKŽe).
2 štāras m. (4) ‚Hamster‘ C I 841 (urspr. S₃taras, ӡ später eingefügt), Q 24; vgl. nhd. Hamster ‚Hamster‘, mhd. hamster, mndl. hamster, ags. hamstra, ahd. hamstro, hamstro, altslaw. hamstra gurgulio; aus dem Slawischen chomestor oder einer anderen westslawischen Sprache; vgl. kirchenslaw. choměstorъ ‚Hamster‘ (Kluge 2002: 388), altkirchenslaw. choměstar (Grimm X 322, 76); altostslaw. xoměstor, xoměstar (ALEW II 970). Lit. štāras (B 627, K) könnte mit lit. stirtį (FrnW II 896) zusammenhängen. Vgl. auch staras. In LKŽ und LKŽe werden beide Wörter in einem Artikel aufgeführt.
1 tūtà f. (2) K, Rtr, LV IV 283, NdŽ, DŽ (4) KŽ; FrnW; tutà (2) Žž 1. ‚Rohr; ein rohrförmiges Bauteil‘ NdŽ, BŽ 542, rš, KŽ, FŽ 372, DŽ, GTŽ, ŽtŽ. 2. ‚etwas Röhrenförmiges‘ NdŽ, KŽ, rš, ŽŠŽ (Lkš), Diminutiv tūtėlė (2) ‚Fläschchen‘ ŽtŽ. 3. ‚Papiertüte‘ K, K I 325, BŽ 191 (TP 1880, 52), J. Jabl, NdŽ, DŽ, FrnW, KŽ, KrtŽ, Šk, Prk, Diminutiv tūtėlė KŽ, ‚beliebige schmale Tüte‘ Lb, Yl. 4. ‚Patronenhülse‘ NdŽ, Polž¹ 47, rš, Diminutiv tūtėlė KŽ. 5. ‚flacher, rund geformter Kasten‘ GTŽ. 6. ‚Hirtenhorn, Pfeife‘ SchG 142, NdŽ, KŽ. 7. ‚zusammengelegte Hüllblätter, Blütenstandsscheide‘ Tvr < aus mnd. tüte oder altpreuß. tüte (FrnW II 1146); vgl. mndl. tüte ‚Blasinstrument‘, nhd. Tute f. ‚Signalhorn, Horn‘, Tüte ‚Tüte, Papiertüte‘; lett. tūte ‚Tüte, Papiertüte‘ aus altpreuß. tüte ‚ebd.‘ (Sehwers 1953: 147). Vgl. auch tūtė (LKŽe).
2 tūtà f. (2) ‚Maulbeerbaum‘ LBŽ, NdŽ < aus dem Türkischen, tatar. tut ‚ebd.‘ (Vasmer IV 126); vgl. tutas, tumdis. In LKŽe steht es im selben Wörterbuchartikel wie tūta ‚Rohr usw.‘
1 ūkas (4) in der Bedeutung anat. ‚Wucherung im hinteren Teil des weichen Gaumens, Zäpfchen‘ Mit I 134, K, BŽ 192, LV IV 406, NdŽ, Alm 145, FrnW, KŽ ◊ ūkus užrišti Dsn ‚sterben‘; ūką sūkti ‚sehr ausgelassen feiern, schlemmen‘ Prk ist ein Germanismus, der aus pr. hūke ‚ebd.‘ stammt (Alm (PrW), Hūke, Hucke (Fr I 302)); dieser Ansicht ist auch Ernst Fraenkel (FrnW I 516); vgl. altpreuß. hūk (Sehwers 1953: 149), mnd. hūk m. ‚ebd.‘ (MndW II 328); lett. ūka leitet Konstantinas Karulis aus dem Mnd. hūk her; das Wort sei gleichen Ursprungs wie mnd. hake, nhd. Haken, woraus lett. ūkis ‚Haken‘ entstand, das in Wörterbüchern des 18. Jahrhunderts belegt ist (Karulis II 452).
2 ūkas m. ‚Brummen, Summen, Dröhnen, Lärm; Echo, Schall, Ton; zool. ein Vogel aus der Familie der Reiher, die Rohrdommel (Botaurus stellaris); der Uhu (Bubo bubo); eine tiefe Basspfeife aus Schilf; die siebte und achte schilferne Hirtenflöte; Orgel
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Teil; ein sich drehendes Spielzeug, ein Brummkreisel, ein Kreisel’ LKŽ, LKŽe ist ein Wort anderer Herkunft. In LKŽe wird die Herkunft als unklar angegeben, da sie mit einem Fragezeichen als slawisch bezeichnet wird. E. Fraenkel betrachtet ūkas unter Berufung auf K. Būga in der Bedeutung ‘Brummen, Summen, Dröhnen, Lärm; Echo, Widerhall, Klang’ als Entlehnung aus dem Belarussischen huk (FrnW); vgl. l. huk (Brückner 1974: 173), mnd. hûk ‘Fuß’ (MnDW II 328). Übrigens unterschied auch Wojciech Smoczyński dieses Wort nicht als Homonym von den anderen, die mit den oben genannten Bedeutungen belegt sind. Er bringt ūkas mit ūti in Verbindung und hält es für ein lautmalerisches Wort (Smoczyński 2007: 702).
c) Homonyme, die aus einem litauischen Wort und einem Germanismus gebildet wurden:
1 krūkė Fem. (2) ‘Haken, an dem eine Tür oder ein Tor aufgehängt ist und sich dreht’ R I 68, MŽ I 132, N 230, KŽ < dt. Krücke f. ‘Haken, gebogener, gekrümmter und verzweigter Stock’, ein Dialektwort; vgl. ostpreuß. krukas ‘Stock mit gebogenem Ende’ (Natau 1937: 71), mnl. kruk, mhd. krucke, krücke, mnd. kruke, ahd. krucke, ae. cruce f., as. krukka, afries. krǫk ‘Haken, Bogen’ (Kluge 2002: 542); l. kruk ‘Haken’, krukė aus dt. Krücke (Brückner 1974: 272).
2 krūkė Fem. (2) 1. BzBk XXVIII 294, Į ‘Schweineschnauze, Rüssel’ N 230 (Rg), [K]. 2. ‘Grunzen (vom Schwein)’ [K] ◊ kiaulių kruké scherzh. 1. ‘Schweinegott (so von den litauischen Heiden genannt)’ B 598 (orig. Kiaulu Kruke), R I 57 (Kiaulių Krukė), MŽ I 112, N 230 (orig. Kruke kiaulū), [K]. 2. ‘Schimpfwort für einen Schweinehirten’ MŽ I 112, N 230 (Krūke kiaulū), [K]; → lit. krukti, krukti, krukti, krukti, lautmalerisches Wort.
1 šarpas ‘Unebenheit der Oberfläche (besonders von Holz), Schuppe’ Šs; wahrscheinlich mit lit. šerpeta verwandt.
2 šarpas Mask. Sing. (3) ‘Schärfe der (Säge-)Zähne’ Šs; vgl. šarpa Fem. Sing. (1) ‘Schärfe der (Säge-)Zähne’ Šs; zur Herkunft vgl. ostpreuß. šarpe ‘schärfen’ (Alm (PrW)), nhd. Schärfe, Adj. mhd. scharp/f, nhd. scharf (Kluge 2002: 794).
1 šina Fem. (2) SD³ 439 (orig. šina), SD 366, L, Rtr, NdŽ, KŽ, (4) LžŽ, DvŽ, Mr, Įz, Dl, Pl, Kp. 1. ‘Radreifen, Reifen eines Rades’ NdŽ, Oz 56, LKA I 100, LžŽ, DvŽ, Lš, Dl, Trgn, Rm, Rš, Pl, Kp, Krč, Rod, Sk, ‘Radreifen eines Wagens’ LKA I 100, Karte 42. 2. ‘Beschlag der Kufen eines Schlittens’ NdŽ, Srj, Lš, Krsn, Ūd, Kpč. 3. ‘Eisenbahnschiene’ Slč. 4. ‘Reifen eines Rades’ NdŽ. Vgl. nhd. Schiene ‘schmaler, langer Körper; Beschlag, Radreifen, Eisenbahnschiene, Schiene’, ahd. schina, schena, mnd. schene, mnl. sc(h)ene; → dt. scheiden ‘trennen’ (Kluge 2002: 802); ostpreuß. Schēne, Schēne, Schōne f. ‘Schiene’; in Bayern Schin ‘alles, was einer Schiene ähnelt, Radreifen, Beschlag’ (Fr II 266), mnd. schene ‘Radreifen, Schiene’ (MnDW IV 71); lett. šine ‘Radreifen, Schiene’ aus dt. Schiene; šėne ‘ebd.’ aus mnd. schene ‘ebd.’ (Sehwers 1953: 130; 131); poln. szyna aus dt. Schiene (Brückner 1974: 561), weißruss. шына; russ. шина ‘Radreifen; Reifen; Schiene; (Schlittenkufe
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kufe’ < dt. Schiene ‘Beschlag, Radreifen; Schiene’ (Vasmer IV 439). Vgl. ferner šinē, šenē, šenis, šienis, šyna, šynas, šinas, šinos Pl. (LKŽe).
2 šina Fem. (2) 1. ‘Binse, Schilfrohr’ BB Job 40,16 (orig. loc.pl. fchinoſa). 2. ‘Spule zum Aufwickeln der Kettfäden, Webblatt, Rute’ Gdl, Čk; ALEW bringt šina mit lit. šieti ‘den Flachs schlagen’ in Verbindung (ALEW II 1030). In LKŽe stehen sie in einem einzigen Artikel (der Beleg aus BB fehlt); die Wörter werden nicht als Homonyme betrachtet.
1 žurga Fem. (1) ‘Sorge’ K, NdŽ, Am 150, FrnW < dt. Sorge ‘Sorge, Unruhe’; vgl. mhd. sürge (mnd.?) (Grimm XVI 1755, 76), mhd. sorge, ahd. sorga, as. sor(a)ga, mnl. sorg, schwed. sorg (Kluge 2002: 858). Vgl. auch žurgas (LKŽe).
2 žurga Fem. (1) com. ‘jemand, der lästig ist’ Nm, Skr, Rs → lit. zurgti, zurgzti; lautmalerische Wörter (FrnW 1280–1281; Smoczyński 2008: 143–144).
1 žebelė Fem. (1) NdŽ, K.Būg, Jn ‘unglaubwürdige Erzählung, Märchen, Unsinn, Geschwätz’ S. Dauk, FrnW, Pl. žebelės KrtNž, ◊ žebelės gaudyti ‘Unsinn reden, dummes Zeug erzählen’ ŠVŽŽ (Že), KrtNž → žebeloti; vgl. nhd. salopp sabbeln ‘plappern, undeutlich reden’; ein niederdeutsches Wort (Kluge 2002: 778). Vgl. auch žebeloti, žaberuoti (LKŽe).
2 žebelė Fem. (1) 1. ‘Gespenst, Schreckgestalt’ LMD (Slm). 2. com. Skd ‘Versager, Dummkopf’ Slnt, Plt, Šts. 3. ‘Blinder’ Krtn. Dieses Wort ist mit lit. žabalas ‘blind, kurzsichtig, schlecht sehend’ verwandt.
1 žiogas Mask. (3) Zool. ‘Heuschrecke, ein springendes Insekt aus der Ordnung der Geradflügler (Tettigonia)’ DP 620, SD 102, Lex 49 (orig. ʒogas), C I 924 (žogas), Q 264, B 677 (acc.pl. žogus), 694 (žogas), H, R I 189 (žogas), MŽ I 346, N 550, K, K I 636, KlvD 155, Rtr, RŽ, NdŽ, DŽ, KŽ, siehe auch LKŽe; in schriftlichen Quellen, Dialekten und der Standardsprache weit verbreitet. E. Fraenkel bringt lit. žiogas mit lit. žioti in Verbindung (FrnW). W. Smoczyński bezweifelt dies jedoch und meint, dass das Wort wahrscheinlich lautmalerischen (Jagd-)Ursprungs ist (Smoczyński 2007: 787). Vgl. 1 žiogas.
2 žiogas Mask. 1. ‘Holzbock, Gestell’ NdŽ, DŽ, Gs. 2. ‘Pfosten, der den Dachfirst abstützt’ Rdm ◊ žiogą gėdinti Krt ‘urinieren (von Männern)’. In LKŽe steht es im selben Artikel wie žiogas zool. ‘Heuschrecke, ein springendes Insekt aus der Ordnung der Geradflügler (Tettigonia)’, doch bei der Bedeutung ‘Holzbock, Gestell’ steht gem.? Ein Germanismus gleicher Herkunft, žėgis (2) ‘zusammengebundene Stangen zum Trocknen von Flachskapseln’, Brs, ist in LKŽe verzeichnet. Grundlage dieser Lehnwörter sind dt. Säge ‘Säge’, Segel ‘abgeschnittenes Stück’, as. skn. sag, schwed. såg, mnl. zaag, nhd. Säge (Kluge 2002: 780), mnd. sage f. ‘Säge’ (MndW IV 9). Vgl. 2 žiogas.
1 žiōgis (1) Zool. ‘Heuschrecke, ein springendes Insekt aus der Ordnung der Geradflügler (Tettigonia)’ LKŽe unter žiogas; vgl. 1 žiogas.
2 žiōgis (1) ‘Stange zum Auffädeln von ausgedroschenem Flachs’ Ms (im LKŽe bei žiogas aufgeführt); vgl. 2 žiogas.
d) Homonyme, die aus einem litauischen Kompositum und einem Hybridwort gebildet wurden:
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1 dūmalākas m. (2) ‘Schornstein, Rauchfang’ Š, Plt (vgl. dūmolakas C II 483, B, [K]); ‘Rauch, Rauchabzug’ Mrs, Srj, sind einheimische Wörter, Zusammensetzungen aus dūmas und lakas ‘Spalt, durch den die Bienen den Bienenstock verlassen’; Letzteres ist mit lit. lėkti ‘fliegen’ zu verbinden.
2 dūmalākas⁴ Die Bedeutungen (2) – ‘aus Lumpen gedrehte Fackel zum Tragen des Feuers oder zum Räuchern der Bienen, Kienspan’ Lš, ‘Bündel, Traglast’ Lp, Vlkv – sind ein Hybridwort; das Grundwort des zweiten Bestandteils könnte mnd. laken sein (as. lakan ‘Tuch, Stoff’ (MndW II 614); vgl. dt. Laken ‘Stück Stoff’, ein Wort niederdeutscher Herkunft, mnd. laken, nl. laken, as. lakan, schwed. nordgerm. -lak (Kluge 2002: 554); während dūmalākas ‘Bezeichnung für einen nicht existierenden Gegenstand, den man in Unkenntnis dieses Schwindels zu den Nachbarn schicken lässt, um ihn auszuleihen (diese stecken einen Stein oder einen anderen schweren Gegenstand in den Sack)’ Klvr, Mrj, LTR (Srj), wahrscheinlich durch Kontamination mit pruß. Dumla ‘dummer Mensch’ (Ziesemer II 128), Damlak, Dūlak (Fr I 131) entstanden ist; vgl. mnd. Adv. dumlik, dumliken, dumelik ‘dumm’ (MndW I 595–596), nd. Dämelach mundartlich ‘Dummkopf, Trottel, Narr’, das mit dt. dameln, dämeln ‘herumgehen, sich benehmen, verwirrt, durcheinander sein’ sowie Dämer ‘Verdunkelung (des Verstandes)’ in Verbindung gebracht wird (Kluge 2002: 178). In litauischen Dialekten sagt man durniaus gabalas, tinginio gabalas]. Avyž (im LKŽ bei gabalas).
e) Homonyme, die aus zwei litauischen Wörtern entstanden sind:
1 kliõre (dial. klere) f. (2)].lab, Kp ‘großes, ausgeweitetes Loch’; → lit. klerti, ein lautmalerischen Ursprungs.
2 kliõre f.].lab, kp ‘dünnflüssiger Matsch, Pampe (auf dem Weg)’ → lit. pliorė, pliūrė ‘dünner Brei; dünner, aufgeweichter Boden, Schlamm’. In litauischen Dialekten sind noch weitere Wörter belegt, bei denen am Wortanfang k anstelle von p steht. Diese Homonyme entstanden durch Lautwandel: Der Laut p wurde zu k.
4 Belegt ist ferner dūmalākas (2) ‘aus Lumpen gedrehte Fackel zum Tragen des Feuers oder zum Räuchern der Bienen, Kienspan’ Pns, ‘Bündel, Traglast’ Vs, ‘Bezeichnung für einen nicht existierenden Gegenstand, den man in Unkenntnis dieses Schwindels zu den Nachbarn schickt, um ihn auszuleihen (diese stecken einen Stein oder einen anderen schweren Gegenstand in den Sack)’ Rdm, mundartlich ‘Dummkopf, Dummchen’ Rdm, Šn, Sn.
2. SEMANTISCHE HOMONYME
Semantische Homonyme entstehen durch die Bedeutungsverschiebung eines Wortes und den metaphorischen Gebrauch eines Wortes. In dem Artikel angeführten semantischen Homonymen sind beide Wörter Entlehnungen; ihre Bedeutungen sind nicht nur auseinandergetreten, sondern sie können auch auf unterschiedlichen Wegen in die litauische Sprache gelangt sein. So lässt sich beispielsweise das Internationalismus talentas ‘Gewichtsmaß, Geldeinheit’ aufgrund der Bedeutungsverschiebung von talentas in der übertragenen Bedeutung ‘außergewöhnliche angeborene schöpferische Begabung’ usw. unterscheiden. In etymologischen und
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anderen Wörterbüchern werden semantische Homonyme häufig als polyseme Wörter aufgeführt.
1 arpa Fem. (1) ‘Saiteninstrument, Harfe, Kanklės’ Lex 46, C II 81, Q 244, B 121, 636, 851, H 10, R I 7, RD 204, MŽ I 11, MŽ II 254, N 9, K 22, K I 589, Alm 27, KŽ; vgl. altisl. harpa, ahd. harpa, mndl. harp, ae. harp, aschwed. harpa, aisl. harpa, mhd. harpfe, ahd. har(p)fa, harfe, nhd. Harfe ‘Harfe’. Der ursprüngliche Wortursprung ist unklar (Kluge 2002: 392), ital. arpa; ndl. dial. arpa ‘Getreidereinigungsmaschine; ein solches Sieb; Musikinstrument, Harfe usw.’ < nhd. Harfe ‘Harfe’ (LKPŽ 2016: 213, 215).
2 arpa Fem. (1) ‘Worfel, Maschine zum Reinigen und Worfeln von Getreide’ OZ 7, KŽ, ZŠŽ (Nm, Br, Šk), LŽ, Gs; vgl. mndl. harp ‘Sieb, Durchwurfsieb’, südw. harpe ‘Gestell zum Trocknen von Getreide’, nhd. Harfe ‘viereckige Vorrichtung aus Draht zum Reinigen von Getreide, deren Drähte wie die Saiten einer Harfe angeordnet sind’ (Grimm X 474, 35; Kluge 1957: 288–289), mnd. harpe (Sehers 1953: 34); lit. dial. arpa ‘Getreideworfelmaschine; ein solches Sieb; Musikinstrument, Harfe usw.’; weißruss. dial. а́па ‘Vorrichtung zum Worfeln von Getreide’ (LKPŽ 2016: 215). In vielen Wörterbüchern wird es als polysemes Wort aufgeführt.
1 arpas Mask. (4) ‘Kanklės’ C I 849, R II 191, RD 209, MŽ II 254, N 9, T, KŽ, Smn, Vv, Pn; vgl. 1 arpa.
2 arpas Mask. (4) ‘Maschine zum Worfeln und Reinigen von Getreide’ Važg, KzRŽ, Pn, Ut, Kt, Prn, Vv, Vlkv, Smn; vgl. 2 arpa.
1 gonkai Mask. Pl. (2) 1. ‘Eingangshalle, Vorbau, Veranda’ Lex 74, TDr IV 67 (Ck), LKA I 39 (Ps, Rk apyl.), DvŽ, ZŠŽ (Nm), Klm, Sv, Ps, Rk. 2. ‘Vorlaube’ LKA I 48 (Rod); vgl. nhd. Gang ‘Korridor, Durchgang, Weg’, schwed. gang, mhd. ganc, ahd. gang, ags. gangr Mask., ae. gang Mask., afries. gang, gong, ung, got. gag Neutr. (Kluge 2002: 329); preuß. Gang ‘Lager, Holzgebälk; Treppe’ (R II 157); lett. ganga ‘Vorbau’, aus dt. Gang (Sehers 1953: 35); (südslaw., westslaw.) poln. ganek ‘Vorbau; Balkon; eine solche überdachte Anlage usw.’ < mhd. ganc, nhd. Gang ‘Korridor, Durchgang’; altweißruss. ганок, ганок, ганек (ганок), ‘Vorbau, Balkon usw.’; neuweißruss. (dial.) ганак, ганек ‘Vorbau, Veranda’, neuweißruss. dial. ганок ‘Vorbau’; neuruss. dial. ганок, ганку Pl. ‘ebd.’ (LKPŽ 2016: 307). W. Smoczyński leitet das Wort vom Polnischen ganek, na ganku ab (Smoczyński 2007, 192), ebenso ALEW vom Polnischen ganek (ALEW I 350). P. Skardžius meint, dass lit. gõnkas in Bretkūnas’ Bibel unmittelbar aus dem Deutschen entlehnt sein könnte (Skardžius 1931: 7. Vgl. 2 gonkas; gankas, gonka, Pl. gonkos (LKŽe).
2 gõnkai Mask. Pl. ‘Schussreihen (von Garn, Stoff)’ B 518, 570, MŽ I 83, Kp, Klm, Pn, Zr, Rd, An, Klp, Ut, Ign, Šlu, Ukm, Mlt, Vrn, Ščn, Šnč, Vnv < preuß. Gang ‘eine Reihe von 20 Fäden im Webstuhl, die alle 10, also bei jedem halben „Gang“, von den Zähnen des Kammes eingezogen wird’ (Fr I 215), mnd. gang, fachsprachlich ‘Bezeichnung aus der Weberei’ (MndW II 10–11); lett.
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gañgis aus dem älteren Wörterbuch gang „Webereifachausdruck, eine bestimmte Anzahl von Fäden im Kettbaum oder in der Vorrichtung (in Aufzug)“ (Schwers 1953: 35). Vgl. 2 gonkas.
1 gonkas Subst. m. (2) Š, LŽ, gonkas (1) [K] „Nebenraum, Vorhalle, Veranda“ BB 1 Sam 9,22, BB 1 Kar 5,5, Ch Teis 3,23, C II 400, MŽ I 83, N 260, [K], FrnW, LKA I 39 (vorwiegend im nordöstlichen Teil des litauischen Sprachgebiets, an, Ut, Ob, Kp, Pn, Rd, Ūkm, Mlt, Ign, Zr, Klm, Tl, Klp, Trv, Dkst, Ap, Dv, Šlčn, Lz, Zt, Vnv, Rod, Pls und Umgebung), ZtŽ, Sm, Ds, Trv, Klt (im preußischen Gebiet), Dem. gonkelis Brž, Klt, Ds, gonkeliai Pl. Krtn, Rd, gonkiukas Klm, Šl, Rs, gonkuči Pl. Klm, Šl, Rs, siehe LKA I 39, vorwiegend im nordöstlichen Teil des litauischen Sprachgebiets. Vgl. 1 gonkai.
2 gonkas Subst. m. (2) Pl. „Schuss (von Garn, Gewebe)“ B 715 (urspr. Gen. Pl. Gonku), 716 (Gen. Pl. gonku), 768 (Gen. Pl. Gonku), N 260, [K]. Vgl. 2 gonkai.
1 rūkis Subst. m. (1) Kv, rūkis (2) 1. „Hanfzwirn (gewöhnlich eher kurz, mit Falten)“ K. Būg, Alm 113, FrnW, KŽ, Šlu, Sg, Šv, Žv, Žr. 2. „grobes Hanfgewebe“ D. Pošk, J, FrnW, Up, Vdk; vgl. westpreuß. rock „Oberkleid; Kleidungsstück der Geistlichen“ (MndW II 494). Preuß. rock „Rock“ (Mitzka 1919: 123; Čepienė 1994: 158, 160); westoberdeutsch roc, rok, altsächsisch rok, niederländisch rok, niederbayerisch Rok „Kittel, Rock, Jacke, militärischer Waffenrock, Uniformjacke des Soldaten“ (Kluge 2002: 768). Vgl. ferner ruikė, rikis (LKŽe).
2 rūkis Pln „Beschnitt eines groben Gewebes (etwa 1 m lang)“ Gr, Vdk könnte durch Bedeutungsübertragung aus rūkis „Rock“ entstanden sein. Wegen derselben Bedeutung „Gewebestück“ lässt es sich jedoch mit dem Diminutiv ruikis aus rūis „Gewebestück“ in Verbindung bringen < preuß. rul „Wäschewringer, Rolle, Wäschemangel“ (Alm (PrW)), westpreuß. rule „Nebel, Walze, Spule, Welle, Rolle (Papier)“ (MndW III 526).
1 tálentas Subst. m. (1), talentas (2) DP 362 1. „Gewichtsmaß, das in Griechenland, Mesopotamien, Syrien und Ägypten verwendet wurde und 26,2–37 kg entsprach“ BB 2 Moz 37,24, BB 1 Krn 20,6, BB 1 Kar 16,24, BB 2 Mak 4,8, BB Zak 5,7, Ch 2 Moz 25,39, Skv 2 Moz 25,39, TrpŽ. 2. „Geldeinheit im antiken Griechenland, Babylonien, Persien und Kleinasien, bestehend aus 60 Minen“ BB 2 Moz 37,24, BB 2 Moz 38,24, BB Mt 25,15, DP 359, 387, 389, 390, SD 367, SD³ 440, SP I 51, S. Dauk, NŽ, GN Mt 25,16, DŽ, TrpŽ. Vgl. deutsch Talent n. „(griechische) Geldsumme entsprechend einem Gewicht“, niederländisch talent, norwegisch talent; deutsch aus dem Französischen talent m. „angeborene Begabung“, dieses aus dem Lateinischen talentum „Pfund“, das wie griech. tálanton „Waage; das, was gewogen wird; ein bestimmtes Gewicht; eine bestimmte Geldsumme“ eine Gewichtseinheit und eine Waage bezeichnet (Grimm XXI 96, 53; Kluge 2002: 904); 1. talent „Gewichtsmaß“ aus dem Lateinischen talentum „griechische Masseneinheit = 26,2 kg; griechische Geldeinheit = 600 Drachmen; dieses aus griech. talanton „Waage; Silbermünze“ (Brückner 1974: 564; LLŽ 847), (V.) 1. talent „außergewöhnliche Fähigkeit; Gottesgabe; Fähigkeit zu zaubern; Glück; altes Silber- oder Goldgewicht < franz. talent „Fähigkeit, Begabung“, aus mittellat. talentum „Pfund; Begabung, Gelehrsamkeit, Neigung; Verlangen“, aus lat. talentum „griechische Maßeinheit
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Einheit (~26,2 kg); Geldeinheit, aus griech. tálanton „Waage; Maßeinheit (~26,2 kg); Geldeinheit (LKPŽ 642). Vgl. 2 tálentas.
2 tálentas Subst. m. (1) 1. „außergewöhnliche angeborene schöpferische Fähigkeiten“ S. Dauk, M, Rtr, KŽ, NdŽ, D޹, J. Balč, A. Grc, „von einem Menschen mit großer Begabung“ J. Gruš, Pt, „positive, gewöhnlich angeborene Eigenschaft“ LTs IV 434, NŽR. 2. Neut. „Anteil, Los, Schicksal“ Sln, LR (Ls), Krž, Šml. 3. Neut. „Glück, Erfolg, Gelingen“ Žem, NŽR, DS 157 (Rs), Brs, Ms, Šts, Lk, Rt. 4. Neut. „Handwerk, Beschäftigung, Geschäft“ Šrn, Gdr, Sr, Pv, Lpl, Png, Plm. 5. „Art, Mittel“ Png. Vgl. (V.) 1. talent „außergewöhnliche Fähigkeit; Gottesgabe; Fähigkeit, Zauberei auszuüben; Glück; nach alten Silber- oder Goldgewichten < franz. talent „Fähigkeit, Begabung, aus mittellat. talentum ‚Pfund; Begabung, Gelehrsamkeit, Neigung; Verlangen‘, aus lat. talentum ‚griechische Maßeinheit (~26,2 kg); Geldeinheit‘, aus griech. tálanton ‚Waage; Maßeinheit (~26,2 kg); Geldeinheit‘ (LKPŽ 642); weißruss. talent (FrnW II 1053). Vgl. auch 1 tálentas.
3. Wortbildungs-Homonyme
Wortbildungs-Homonyme entstehen, wenn an Wurzeln mit ähnlicher oder gleicher Lautstruktur dasselbe Affix angefügt wird oder wenn sich die Wortbildungsweisen unterscheiden. Hier werden Homonyme angeführt, die aus der Ableitung 1 steigė ‘Dachziegel; Schindel’ und dem Germanismus 2 steigė ‘Stichling’ entstanden sind.
1 steigė sf. (4) DŽ; Ser 1. ‘Dachziegel’ Š, NdŽ, MLE II 336, sp, FrnW. 2. ‘Schindel’ Š, NdŽ. Dainys von stiegelė; vgl. mnd. tegel ‘Dachziegel’ (MndW IV 517), nhd. Ziegel ‘Dachziegel’; lett. stiegelis ‘Ziegel’ aus mnd. tegel ‘Ziegel’ mit einem vor t eingeschobenen s (Sehwers 1953: 122), lat. tegula. Vgl. auch stiegel (LKŽe). W. Smoczyński hält steigė ‘Dachziegel’ für eine Ableitung von lit. stiegti ‘ein Dach mit Stroh decken’ (Smoczyński 2008: 603), E. Fraenkel hingegen für ein Lehnwort aus dem Lateinischen über einen mnd. Dialekt (FrnW).
2 steigė sf. (4) zool. ‘Stichling (Gasterosteus aculeatus)’ rš < mnd. stekele ‘kleiner, stacheliger Fisch, Stichling’ (MndW IV 379; FrnW II 900); vgl. nhd. Stichling m. ‘verschiedene kleine Fische’; lett. stērkeles ‘kleiner, stacheliger Fisch’ aus mnd. stekele ‘ebd.’ (Sehwers 1953, 122). Vgl. auch stiegis, stegė, stėgis, stėkė, stėkis (LKŽe).
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II. NICHT GETRENNTE HOMONYME IM INDEX VON JOKŪBAS BRODOVSKIS’ WÖRTERBUCH
Nicht getrennte Homonyme finden sich auch im 2009 veröffentlichten Wortindex des handschriftlichen Wörterbuchs Lexicon Germanico=Lithvanicum et Lithvanico=Germanicum III aus dem 18. Jahrhundert von J. Brodovskis. Unter einem Eintrag erscheint der Germanismus gliōti ‘Wert haben, kosten; bedeuten, passen’ B 548 (orig. Gliōti), B 815, PVG 67 (1715, orig. glilōti), 393 (1793), 538 (1808), 524 (1908), R II 5 (ne glilōti ‘nicht passend’), MŽ II 6, LLCh (Wörterverzeichnis), TDr VII 36, giliuoti BB 1 PvM 5,11 (orig. gilōti), Lex 40a (gilōti), Q 23 (orig. Giliūti), B 548 (orig. Gil-lūti), PVG 125 (1738), 434 (1797), K, K I 572, A 183, 191, SngŽ, Alm 54, kŽ, kzŽ, Ss, Ktk, Mr, Pv, giliōt žŽ (žk) < Pr.v. gele ‘einen bestimmten Wert haben’ (Alm (PrW)); vgl. nhd. gelten ‘Wert haben; gültig sein; als (etwas) gelten; für (etwas) bestimmt sein’, got. geldan, ahd. gala (Kluge 2002: 343); sowie das litauische Wort gylōti, gyluoti ‘herumstreifen, umherlaufen, unruhig sein’ B 258, 290, 842, 865, 870, orig. Ænig Linns Stom, Bittes giloi5, wirzuj’ Saule teka; Dacht, Wachs uſnd das Bren[n] des Lichts (B 258);
pikis (pykis) ‘Speer, Bajonett, Axt mit langem Stiel (Kriegswaffe)’ B 978 (Pikis), BzF 154, K, K II 110, BsP I 10, Alm 100, entlehnt aus dem Pr.v. Pik ‘Stock mit spitzem Eisen zum Stechen, Speer’ (Fr II 142), pik ‘Speer’ (Alm (PrW)), Pike (B 978); vgl. mnd. pek, peke ‘ebd.’ (MndW II 313), ahd. pik, mnl. pick, nhd. Pike ‘Speer’, mfrz. pique (Kluge 2002: 702); nicht getrennt von einem anderen Wort, dem Germanismus pikis ‘teerartige Masse, die bei der Herstellung von Teer, Steinkohlenteer und Ähnlichem entsteht’ Lex 67, Q 381 (orig. Pikis), C I 102, C II 196, 680, Bb Sir 13,1, B 95, 239, 552, 968 (orig. Pikis. Smala degtā), R I 107, R II 275, RB 2 Moz 2,3, MŽ I 198, MŽ II 368, N 289, K, J, I, Dor (Klp), Alm 100, K. Büg, Sim, FrW, DŽ, ŠDŽ, ŽSŽ (Snt, Žlt, Grš), kzŽ, ŠVŽŽ (Gail, Klaus, Ms), Jn, Krš, Grš, Škr, Varn, Grn, Up, Jnš, ‘bestimmte schwarze Farbe’ Šts, entstanden aus dem Pr.v. pick, pek ‘Teer’ (Alm (PrW)), Pech ‘Pech, Teer’ (Lex 67, C II 196), mnd. pek, pik ‘ebd.’ (MndW II 313), nhd. Pech n. ‘Teer, Pech; umgangssprachlich: Pech’; vgl. mhd. pech, got. pik, ae. pic, mnl. pek, pik (Kluge 2002: 687); lett. piķis ‘Teer’ aus mnd. pik ‘ebd.’ (Sehwers 1953: 88);
randa ‘Rente, Einkünfte’ B 912, 1014; vgl. mhd. rent(e) ‘Einkünfte aus Prozenten, Zinsen’, nhd. Rente, ahd. rānta, mnl. rente, mfrz. rente (Kluge 2002: 758); weißruss. panda ‘Miete?’; wird zusammen mit randa ‘Strich, Narbe, Bluterguss (von einer Prellung)’ B 40 angeführt, das mit lit. rantas, rantyti in Verbindung gebracht wird (Smoczyński 2007, 499);
5Im Dialekt der preußischen Litauer war das i in diesem Wort wahrscheinlich kurz, da danach ll geschrieben wird.
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rūtà Bot. ‘Pflanze’ Lex 70, LKŽe, B 272 (orig. Kiżkio Ruta), 420 (orig. Paukščiu Rutos), 999 (orig. Ruta), <preußisch oder lettisch ruta (FrnW), nicht von dem Germanismus rūtà ‘Fensterglas’ B 999, R II 178, 287, MŽ II 236, 384, N 452, K I 431, M, FrnW, Kv, Ktn, Tg, Rkl, Pg < Pr.v. rūt ‘Fensterglas’ (Alm (PrW); Fr II 217); vgl. westgerm. rute ‘Raute, regelmäßiges Viereck, Fensterglas’ (MndW III 536), spätwestgerm. rūte, mittelniederländisch rute, neuhochdeutsch Raute ‘geometrische Figur’; im 14. Jh. belegt; die ursprüngliche Herkunft des Wortes ist unklar (Kluge 2002: 747). Im LKŽe nicht aus dem Wörterbuch von J. Brodovskis aufgenommen. J. Brodovskis führte sie als getrennte Wörter auf und betrachtete sie als Homonyme, z. B.:
Raute 1 Kraut Ruta Luc 11,42. 2 Glas im Fenster Ruta Lango.
Im von Vincentas Drotvinas erstellten Wortindex sind sie jedoch nicht getrennt aufgeführt.
urtas m. (1) Präußisch. Pl. 1. ‘Umzäunung, Pferch, Gehege’ B 727 (orig. Pl. Urtai, Horten der Schaafen) mittelniederdeutsch Hürte, N 35 (B), KŽ. 2. ‘Herde, Gruppe (von Rindern)’ LžŽ; zur Herkunft vgl. preußisch Hürde, Hürte ‘Umzäunung, Pferch (für Rinder)’ (Lex 51a, C I 98; B 727, 733), Horten, Hürte ‘Pferch (für Schafe)’ (B 727), Hort ‘Bretterverschlag (für Schweine), offener Platz; korbartiger, länglicher geflochtener Gegenstand zum Sammeln und Aufbewahren von Obst in der Speisekammer’ (Fr I 299); mittelhochdeutsch hurt, althochdeutsch hurt ‘Geflecht’, gotisch hurds, altsächsisch hurd, neuhochdeutsch Hürde ‘Umzäunung, Hürde, Gehege’ (Kluge 2002: 428); westlitauisch urt, (westlitauisch, niederlitauisch hurt) ‘tragbarer Flechtzaun zum Einzäunen einer Schafherde; Herde, Schar; Schafe; Gruppe; Handelsware in großen Mengen; Haufen von Gegenständen’ < mittelhochdeutsch hurt ‘Schafpferch, Flechtzaun’; niederpreußisch (dial.) zym ‘Herde, Schar; Brandstätte; Haufen; Menge usw.’ (LKPŽ 177); neurussisch zym ‘Herde, Schar, Gruppe’, entlehnt über das Litauische hurt aus dem Mittelhochdeutschen hurt ‘Zaun aus geflochtenen Zweigen und Ruten, in dem Schafe übernachten’ (Vasmer I 476); das Wort ist nicht vom Germanismus urtas m. (2) ‘eine alte Silbermünze, etwa ¼ Taler, ein Ort’ B 962, R II 324, MŽ II 434, N 35 (Klp, Rg), sr, K, BS 112, JD 1501, Jn, FrnW, KŽ < Pr. Ort, Ortsthaler ‘ebd.’ (B 962), mittelniederdeutsch ort n., m. ‘Ort, an dem zwei Linien zusammentreffen, Winkel; Spitze; ein Viertel einer Maßeinheit, Münze usw.’ (MndW III 238–239); vgl. altsächsisch ort, mittelhochdeutsch ort m., n., altsächsisch ort m., niederländisch oort, neuhochdeutsch Ort m., n. ‘Spitze, äußerstes Ende (besonders von Waffen), Winkel; Viertel einer Münze; Viertel eines Gewichts oder Maßes; kleine Münze, Ortstaler, Ortsgulden ‘Vierteltaler’ (Grimm XII 1350, 70; PaulW 447); lettisch ūorts, ūorte ‘Ort, Münze (1/4 Taler, später 30 Silberkopeken)’, aus dem mittelniederdeutschen ort ‘1/4 Taler, Münze’ im 16. oder frühen 17. Jh. (Sehwers 1953: 148, 215); (westlitauisch) niederlitauisch urt ‘Silbermünze des 16.–17. Jh. (≈ ¼ Taler), die in Europa und anderenorts verwendet wurde’; (süd- und westlitauisch) niederlitauisch ort ‘ebd.’ < mittelhochdeutsch, althochdeutsch ort ‘Münze usw.’ (ALEW I 56; LKPŽ 177, 216); polnisch urt < sowie deutsch Örten, Ürten ‘Gewicht; Münze, Vierteltaler’ (Brückner 1974: 595). E. Fraenkel leitet litauisch urtas von polnisch ort, urt ab (FrnW), W. Smoczyński
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ebenfalls von polnisch ort ‘eine im 16.–17. Jh. geprägte Teilmünze’ ab (Smoczyński ALE 58, 2008: 57). Vgl. ferner urta, polnisch ortas, orta, artas (LKŽe). vóga f. (1) Ndž, vóga f. (2) KŽ ‘Erdscholle, Erdklumpen’ C I 56, Q 56, B 52 (orig. Gruntas, Woga, deutsch Ackerscholle, N 85, [K], LsB 218, LV IV 492, FrnW, ein einheimisches Wort, verwandt mit litauisch vãgà ‘Furche beim Pflügen; aufgeworfener Erdwall’ (FrnW II 1271; ALEW II 127), wird zusammen mit einem anderen Wort angeführt, dem Germanismus vóga f. (1), voga (2) ‘Waage, Wiegevorrichtung’ BB Jer 32,10, VlnE 169,20, Q 29 (orig. Aukso woga ‘Waage zum Wiegen von Gold’, deutsch Gold=Wage), PVG 442 (197 m.), B 185 (orig. Wogós Balkis, deutsch Bake an der Waage), 269 (orig. Szwyn Woga l Swartis, deutsch BleyWage), R I 182, R II 390, Klim, MŽ I 332, MŽ II 524, N 85, [K], M, Alm 148, KŽ, ŽŽ (Nm), DvŽ, Slm, Kv, Varn, Grv, Al, Kt < Ryt. Pr.v. wōy ‘Waage’ (Mitzka 1919: 153), mittelhochdeutsch wog (häufig in Luthers Bibel und in elsässischen Sprachdenkmälern), frühneuhochdeutsch woge; vgl. dänisch våg ‘bestimmtes Gewicht’, neuschwedisch våg, norwegisch vaag, ne niederländisch waag, deutsch Wage, neuhochdeutsch Wage f. ‘Gewicht; Vorrichtung zum Wiegen, Waage; Wiegen; Gleichgewichtslage, Gleichgewicht; übertragen: Waagschale; Zugstange usw.’; mittelhochdeutsch wāge, althochdeutsch wāga, altsächsisch wāga, urgermanisch wāga (Grimm XXII 346, 62; Kluge 200: 96); mittelniederdeutsch wage ‘Waage, Wiegevorrichtung; Ort des Wiegens; Richtigkeit der Waage; bestimmtes Gewicht (abhängig von der Warenart)’ (MndW V 573–574); preußisch wōg ‘Zugstange’ (Alm (PrW), Wage f. ‘Zugstange’ (Fr II 452); lettisch vāga ‘Waage’ aus dem Mittelniederdeutschen wāge (Sehwes 1953: 152); (süd- und westlitauisch) niederlitauisch (dial.) waga ‘Waage; Ort, an dem gewogen wird; Wiegen; Zug; Gewicht; gewogene Menge; Gewicht usw.’ < mittelhochdeutsch wāge, althochdeutsch wāga, neuhochdeutsch Wage ‘Waage; Gewicht; Gewichtseinheit; weißrussisch вага ‘Gewicht; Gewichtssystem; Wiegeberechtigung; Wiegegebühr; Waage; Wiegeraum; Bedeutung; Hängelasten usw.’ (LKPŽ 672–673). Es wurde festgestellt, dass im „Wortindex“, Bd. II, zum Wörterbuch von J. Brodovskis das einheimische Wort grows ‘Werkzeug zum Abreißen von Mauern’ B 902 (orig. [Maur]brecher Muro grows) zusammen mit dem Germanismus gros ‘Graf’ B 599 (orig. Graff Growś), 763, 839, angeführt wird; dessen Grundlage ist preußisch Groaf ‘Graf’ (Riemann II 487), rheinischer Dialekt des Deutschen grōf (Grimm VII 168, 52), neuhochdeutsch Graf ‘Graf’; vgl. mittelhochdeutsch grāve, mittelniederländisch grave, grewe, mittelniederdeutsch grave ‘ebd.’, niederländisch graaf, lateinisch -gravius (Kluge 1957: 266; 2002: 367); polnisch gróf aus dem Ungarischen grof (Brückner 1974: 173); diese Wörter sind natürlich keine Homonyme.
II. HOMONYME, DIE IM LITAUISCHEN WÖRTERBUCH (LKŽ, LKŽe) NICHT AUFGEFÜHRT SIND
Einige Wörter sind im LKŽ und LKŽe nicht verzeichnet (es gibt nur 1 dėkis). Aus Entlehnungen entstehen nicht nur zweigliedrige, sondern auch dreigliedrige Homonyme, zum Beispiel dėkis. 1 dėkis und 2 dėkis könnten semantische Homonyme sein.
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1 dėkis Subst. (2) ‘Decke (für ein Bett, einen Sitz, die Füße); Pferdedecke, Pferdetuch, Überwurf; Bedeckung, Abdeckung’ BB 2 Moz 26,7, BB 2 Moz 34,35, Lex 67a, C I 453, C II 205 (orig. Arklių Dėkis Pferd=Decke), B 244, 289, 341, 358, 545, 901, 974, R I 24, R II 98, MŽ I 48, MŽ II 128, 332, PVG 34 (1775 m.), N 136 (orig. dėkis), K, ALI 54, 34 (NTK), J, Alm 43, KŽ, ŽŠŽ (VšR, Nm), Kz-RŽ, KtnŽ, ŠVŽ (Ms, Krv, Prlg), Ktn, Kv, VšR, Užv, Gs, Dem. dekelis N 136, dėkis KzRŽ, ‘Bettdecke’ ŽŠŽ (Žvr, Lkč, Nm, Bbl), KzRŽ, Ktn, dėkis NmŽ < Prv. dėk ‘ebd.’ (Ziesemer II 32; Alm (PrW)); vgl. Prv. Decke ‘Unterlage, Überwurf, Teppich’ (Lex 23; C I 453), altpreuß. dece ‘ebd.’ (Sehwers 1953: 26), nhd. Decke ‘Decke; Pferdedecke, Pferdetuch; Tischdecke; Abdeckung; Gewand; Decke’ → dt. decken ‘bedecken’; lett. dēdis ‘Decke, Überwurf’ aus dem Altpreuß. dece (Sehwers 1953: 26). Vgl. auch dekė (LKŽė).
2 dėkis Subst. ‘Zimmerdecke’ LKA I 49 (Pž) < Prv. Deck ‘Zimmerdecke’ (Ziesemer II 32); vgl. nhd. Decke ‘Decke’; mhd. decke ‘Dach’ (Grimm II 660, 32), niederl. dac, dek, nhd. Dach n. ‘Dach’, → dt. decken ‘bedecken’ (Kluge 2002: 176).
3 dėkis Subst. ‘Deck (eines Schiffs)’ KŽ, dek’ Dor (Klp) < dt. Deck n. ‘ebd.’; vgl. niederl. dek, engl. deck; ein Wort niederländischer Herkunft (Kluge 1957: 124; 2002: 183).
1 giselis Subst. ‘Lehrling, Gehilfe (eines Meisters, Kaufmanns, Müllers)’ Lex 77a, B 306, N 257; vgl. 1 gizėlis.
2 giselis Subst. ‘Bremse, Walzenstab des Webstuhls, auf den die Kette und das Gewebe aufgerollt werden (Hemmung am oberen Webebaum)’ N 257. Vgl. auch 2 gzelis; gyslys (LKŽė).
1 gizėlis m. (2) 1. „Lehrling, Gehilfe (eines Handwerkers, Meisters, Händlers, Müllers)“ B 76, 306, 566, 663 (Gizelis), 663, 906, 912, Q 458, 466, R II 190, MŽ II 173, 229, PVG 194 (1748 m.), 301 (1770 m.), 505 (1806 m.), StgŽ, Drg, N 257, K, K II 349, Sch 213, Alm 54, FrnW, KŽ, Vlkv, Lvn, Pc, Lkš, ŽŠŽ (St, Lkš, Nm, Žvr, Sr), gizėlis (1) KŽ, Pn, Kdn, Pc, Vdk, Ds, gizelis Vlk, giželis Klp 63, gegenüber KtnŽ, Dimin. gizeliukas KlvD 191, KŽ. 2. m. „Nichtwoller“ Pl < Prv. gesel ‘Geselle (eines Handwerkers); Freund’ (Alm (PrW)), Gesell (C I 741; O 466; B 566); vgl. mhd. Geselle ‘junger Mann, Geselle, (Arbeits-)Kamerad’, ahd. geselle; soziale Ableitung von dt. Gesal ‘Saal, Raum’ (Kluge 2002: 352); n.ostpr. dial. gizel (n.ostpr. gizeł ‘Geselle, Meistergehilfe; Händler’ < mhd. Geselle ‘Geselle, (Arbeits-)Kamerad; junger Mann; Freund’ (LKPŽ 66). Vgl. auch 1 giselis; gezelis, gžėlius, gžėlis (LKŽė).
2 gizėlis Subst. (2) ‘Bremse am oberen Webebaum (Hemmung am oberen Webebaum)’ B 570 (orig. was den obersten Baum aufhält). Gefll. Gizėlis, N 257, KŽ < Prv. Gesell ‘ebd.’ (B 570). Vgl. auch 2 giselis.
1 kóka f. (1) 1. „Schandpfahl“ N 204, [K], K II 113, KŽ, Alm 70. 2. „Hafenzeichen, das anzeigt, dass das Schiff einlaufen kann“ N 204, [K], KŽ < Prv. kok, kāk m. ‘Schandpfahl’ (Fr I 326, Alm (PrW)), Kaak ‘Schandpfahl, Pfahl’ (C I
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1030, B 765, 985), Kak ‘Schandpfahl’ (Lex 52a); vgl. mnd. kāk ‘Schandpfahl’ (MnW II 417); schwed. kāk, norw. kaak f., dän. kag, niederl. kaak, dt. Kak m., kake f., ein niederdeutsches, teilweise mitteldeutsches sowie rheinisches Wort (Grimm XI 47, 65; Fr I 326); lett. kāķis ‘Schandpfahl’ aus mnd. kāk (Sehwers 1953: 186); lit. koka. Vgl. auch 1 koka.
2 kóka m. ‘Küchlein’ K II 23 (urspr. linsēniu kōka, dt. Leinkuchen), Alm 70, KŽ < Prv. kóke ‘ebd.’ (Alm (PrW)); vgl. mnd. kōke m. ‘Küchlein’ (MnW II 514), nl. kōke, altengl. cake, altisl. kaka f., nhd. Kuchen ‘Küchlein’. Vielleicht ein Wort romanischen Ursprungs; vgl. sardisch coca ‘Küchlein’, katalanisch coca ‘Milchbrot, Küchlein’, südfranzösisch coco ‘rundes Weißbrot, Weißbrot’ (Grimm XI 2496, 72; Kluge 2002: 543). Vgl. auch 2 koka.
Im LKŽe werden in einem Artikel folgende Bedeutungen von kókas aufgeführt: 1. ‘Beichte’ K II 23. 2. K II 113 ‘Schandpfahl’. 3. [k] ‘Hafenzeichen, das anzeigt, dass ein Schiff einlaufen kann’. 4. ‘Pille (?)’ TŽ V 250. Im Wörterbuch von F. Kurschat (K II 23) findet sich die Bedeutung ‘Küchlein (aus Leinsamen)’, aber nicht ‘Beichte’. Die Bedeutung ‘Küchlein’ der Wörter koka, kókas ist im LKŽe nicht verzeichnet.
1 kókas m. 1. ‘Schandpfahl’ B 985. 2. ‘Wetter’ JD 659. 3. ‘Kegel’ N 204, [k], KŽ. Vgl. 1 koka.
2 kókas m. ‘Küchlein’ KŽ; vgl. 2 koka.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Auch Entlehnungen aus verschiedenen Sprachen oder Dialekten, die phonetisch einander angeglichen wurden, werden zu gleichlautenden Wörtern. Homonyme, die aus Entlehnungen entstanden sind und deren beide Wörter sich in Bedeutung und Herkunft unterscheiden, sollten in getrennten Wörterbuchartikeln verzeichnet werden.
Ein Kriterium zur Unterscheidung von Homonymen und polysemen Wörtern könnte nicht nur die unterschiedliche Bedeutung von Entlehnungen, sondern auch ihre Herkunft, das unterschiedliche Herkunftswort der Entlehnung sein. Semantische Homonyme stehen polysemen Wörtern nahe. Sie entstehen, wenn Wörter weitere, häufig übertragene Bedeutungen annehmen, weshalb sie in Wörterbüchern oft nicht voneinander getrennt werden. Wenn die übertragene Bedeutung eines Wortes aus einer anderen Sprache übernommen wurde, sollte man sie wahrscheinlich als Homonyme betrachten. Der ursprüngliche Ursprung einiger Homonyme könnte derselbe gewesen sein; später entwickelten sie jedoch in verschiedenen Sprachen neue Bedeutungen.
Etymologische, verschiedenstämmige Homonyme, die durch Entlehnungen entstanden sind – deren beide Bestandteile Germanismen, ein Germanismus und ein Slawismus oder ein litauisches Wort und ein Germanismus sind –, sind vor allem in den Schriften und Wörterbüchern Ostpreußens sowie in den westlichen und südwestlichen litauischen Dialekten belegt. Bereits in den ersten litauischen Schriften, in Bretkūnas’ Bibel aus dem 16. Jahrhundert, finden sich Wörter (šilmistras, gongas), die später zu Homonymen wurden. Am häufigsten sind zweigliedrige Homonyme; es gibt auch einige dreigliedrige.
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ABKÜRZUNGEN
ags. – angelsächsisch
engl. – englisch
kirchenslaw. – kirchenslawisch
weißruss. – weißrussisch
dän. – dänisch
dem. – Deminutiv
dial. – Dialekt
fries. – friesisch
germ. – germanisch
got. – gotisch
gr. – griechisch
hbr. – Hybrid
isl. – isländisch
poln. – polnisch
lett. – lettisch
lit. – Litauisch
lat. – Lateinisch
n. – neu
ndl. – Niederländisch
nndl. – Neuniederländisch
norw. – Norwegisch
nhd. – Neuhochdeutsch
holl. – Holländisch
orig. – im Original
vgl. – vergleiche
frz. – Französisch
Pr. – Preußisch
praef. – praefixum, Präfix
Pr. – preußisches Deutsch
östl. – östlich
russ. – Russisch
s. – alt
sk. – schwedisch
s.nl. – altniederländisch
s.s. – altsächsisch
s.skand. – altnordisch
s.v.a. – althochdeutsch
šv. – schwedisch
t. p. – ebenfalls
v. – mittel
v.lot. – Mittellatein
v.nl. – Mittelniederländisch
vok. – deutsch
v.a. – oberdeutsch
v.v. – mitteldeutsch
v.v.a. – mittelhochdeutsch
v.v.ž. – mittelniederdeutsch
v.ž. – niederdeutsche Mundart
Die übrigen Abkürzungen sind dieselben wie im akademischen Wörterbuch der litauischen Sprache und im LKŽ.
LITERATUR UND QUELLEN
ALEW – Alt litauisches etymologisches Wörterbuch. (ALEW). Unter der Leitung von Wolfgang Hock und der Mitarbeit von Elvira-Julia Bukevičiūtė und Christian Schiller, bearbeitet von Rainer Fecht, Anna Helene Feulner, Eugen Hill und Dagmar S. Wodtko. Band 1. A–M, Band 2. N–Ž, Band 3. Verzeichnisse und Indices. Hamburg: baar Verlag, 2015.
Alm – Die Germanismen des Litauischen. Teil 1: Die deutschen Lehnwörter im Litauischen von Dr. K. Alminauskis. Kaunas: Buchhandlung der St.-Kasimir-Gesellschaft, [1934]. Alm (PrW): W. Ziesemer Preussisches Wörterbuch, ein Manuskript, das K. Alminauskis verwendete.
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LKŽe – Wörterbuch der litauischen Sprache 1–20, 1941–2002, elektronische Ausgabe, Herausgebergremium: Gertrūda Naktinienė (Chefredakteurin), Jonas Paulauskas, Ritutė Petrokienė, Vytautas Vitkauskas, Jolanta Zabarskaitė. Vilnius: Institut für Litauische Sprache, 2005 (aktualisierte Version, 2008). Online verfügbar: http://www.lkz.lt.
LLCh – Chrestomathie der Geschichte der litauischen Literatur. Epoche des Feudalismus, hrsg. von K. Korsakas und J. Lebedys. Vilnius: Staatlicher Verlag für Belletristik, 1957.
LŽ – Petrauskas Jonas, Vidugiris Aloyzas. Wörterbuch des Lazūnai-Dialekts. Vilnius: Mokslas, 1985.
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Palionis Jonas 1985: Kalbos mokslo pradmenys. Vilnius: Mokslas.
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PaulW – Deutsches Wörterbuch von Hermann Paul. Halle (Saale): Veb Max Niemeyer Verlag, 1961.
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Ziesemer Walther 1975: Preussisches Wörterbuch. Sprache und Volkstum Nordostdeutschlands 1: A–C; 2: D–Fi. Herausgegeben von Ludwig Erich Schmitt. Hildesheim New York: Georg Olms Verlag.
ZŠŽ – Wörterbuch der zanavykischen Mundart 1: Vilnius: Institut für Wissenschaft und Enzyklopädien, 2003; 2: Zentrum für Wissenschaft und Enzyklopädien, 2004; 3: Zentrum für Wissenschaft und Enzyklopädien, 2006.
ZtŽ – Vidugiris Aloyzas 1998: Zietelos šnektos žodynas. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
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Homonyme in den Wörterbüchern der litauischen Sprache
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel untersucht die Homonyme im Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽ, LKŽe) und in J. Jokūbas Brodovskis’ Wörterbuch, die durch die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen entstanden sind und in den Wörterbuchartikeln nicht als Homonyme ausgewiesen werden. Nach ihrer Entstehung werden die Homonyme in etymologische, semantische und derivationelle eingeteilt. In den meisten Fällen stammen beide Wörter aus germanischen Sprachen; einige sind aus einem litauischen Wort und einem Germanismus oder aus einem litauischen Wort und einem Slawismus entstanden; eines geht auf ein litauisches Wort und ein Hybridwort zurück; eines stammt aus einem Germanismus und einem Wort türkischer bzw. tatarischer Sprachen. Entlehnungen ähneln einem litauischen Wort mit anderer Bedeutung, doch diese Wörter haben einen unterschiedlichen Ursprung und eine unterschiedliche Bedeutung und sollten daher in getrennten Wörterbuchartikeln aufgeführt werden, z. B. 1 stiegė „Dachziegel; vgl. stiegelė und verwandt mit mnd. tegel ‚Ziegel‘ (Mnd W IV 517); vgl. nhd. Ziegel ‚Dachziegel‘; lit. stegelis ‚Ziegel‘; lit. tegula, während 2 stiegė zool. ‚Stichling (Gasterosteus aculeatus)‘ aus dem Mittelniederdeutschen stele ‚kleiner Stachelflosser, Stichling‘ entlehnt ist. Der Artikel führt die Homonyme auf, die im LKŽ und LKŽe fehlen.
Das Register von J. Brodovskis’ Wörterbuchmanuskript aus dem 18.th Jahrhundert, Lexicon Germanico=Litvanicum et Lithvanico=Germanicum, das 2009 veröffentlicht wurde, enthält ebenfalls nicht getrennte Homonyme. So wird etwa das einheimische Wort uga ‚Klumpen, Erdscholle‘ nicht vom Germanismus voga ‚Waage‘ getrennt; der Germanismus urtas ‚altes Geld, Artas‘ steht zusammen mit urtas ‚Stall, Umzäunung‘, ‚Viehstube, Koben‘. In seinem Wörterbuch führte J. Brodskis die Wörter rūta ‚Pflanze‘ und rūta ‚Fensterscheibe‘ als getrennte Wörter auf und betrachtete sie als Homonyme; im von Vincentas Drotvinas erstellten Register sind sie jedoch nicht getrennt.
Eingereicht am 10. Juli 2017
NJOLĖ ČEPIENĖ
Institut für litauische Sprache
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Litauen
[email protected]
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