Der Artikel zeigt verschiedene Forschungsperspektiven auf, die das umfangreiche Tagebuchwerk Emilia Wróblewskas Linguisten und Kulturhistorikern eröffnet. Es wird in der Handschriftenabteilung der Bibliothek der Wróblewski-Litauischen Akademie der Wissenschaften in Vilnius aufbewahrt. Das Schrifttum der relativ wenig bekannten Autorin aus Litauen des 19. Jahrhunderts verdient eine vielschichtige geisteswissenschaftliche Betrachtung und die Aufnahme in den breiten wissenschaftlichen Diskurs. Dies ist das Ziel des derzeit durchgeführten Dokumentations- und Forschungsprojekts: die Manuskripte Wróblewskas in Form einer digitalen Edition mit kritischer Bearbeitung zu präsentieren und die ideellen, sprachlichen und literarischen Aspekte weiblicher Intimitätsschriften aufzuzeigen, die unter den Bedingungen der Teilungen Polens entstanden.
1Der Artikel entstand im Rahmen des Projekts Egodokumente von Emilia Wróblewska aus den Jahren 1850–1886 – Zeugnis des Lebens und der ideellen Haltung einer Polin aus dem Kreis der Wilnaer Intelligenz. Digitale Edition von 7 Tagebüchern mit kritischer Bearbeitung und E-Monografie, das in den Jahren 2023–2028 im Rahmen des Programms „Nationales Programm zur Entwicklung der Geisteswissenschaften“, Projektnr. NPRH/F/SP/507578/2021/11, Modul „Grundlagen“, finanziert wird. Projektpartner sind die Bibliothek der Wróblewski-Litauischen Akademie der Wissenschaften in Vilnius und das Zentrum für Digitale Kompetenzen der Universität Warschau. Der vorliegende Text ist eine erste Sondierung und stützt sich auf eine vorläufige Exzerption der Quellen; die vorgestellten Überlegungen und Beobachtungen erheben daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und enthalten keine umfassend ausgearbeiteten Schlussfolgerungen. Eine vollständige sprachliche und stilistische Analyse des Schrifttums Wróblewskas wird erst die als Abschluss des Projekts erscheinende gemeinschaftlich verfasste E-Monografie bieten.
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ABSTRACT
Der Artikel zeigt die verschiedenen Forschungsperspektiven auf, die sich Linguisten und Kulturhistorikern durch die Untersuchung des reichen diaristischen Nachlasses von Emilia Wróblewska eröffnen, der in der Handschriftenabteilung der Wróblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften in Vilnius aufbewahrt wird. Die Schriften einer relativ wenig bekannten Autorin aus dem Litauen des 19th. Jahrhunderts verdienen eine vielschichtige geisteswissenschaftliche Betrachtung und eine breitere Einführung in die wissenschaftliche Öffentlichkeit. Ziel des derzeitigen Dokumentations- und Forschungsprojekts ist es daher, Wróblewskas Manuskripte in Form einer digitalen Edition mit kritischer Kommentierung zu präsentieren und die ideologischen, sprachlichen und literarischen Aspekte weiblicher Intimliteratur aufzuzeigen, die zur Zeit der Teilungen und der Herrschaft des Russischen Reiches entstand.
Die weibliche Intimliteratur des 19. Jahrhunderts stößt auf wachsendes Interesse, führt aber auch zu einer Polarisierung der Ansichten über diese literarische Gattung. Einige Forschende betrachten diese Art des Schreibens als eine marginale historische Quelle und als literarisch zweifelhafte, epigonale Literatur; andere hingegen sehen in den Egodokumenten von Frauen ein aufrichtiges Zeugnis des Lebens und Wirkens ihrer Verfasserinnen und zugleich ein Dokument der Ereignisse, die durch die Gefühle und Ausdrucksformen der Schreibenden vermittelt werden (Griškaitė 2012: 296). Die biografischen Schriften von Frauen aus dem Litauen des 19. Jahrhunderts sind wertvolle, jedoch zu wenig genutzte Quellen für die Erforschung der Sprache, der Ansichten und der Bestrebungen von Aktivistinnen aus dem intellektuellen Milieu, ihres organischen Wirkens zur Bewahrung grundlegender Werte (Dienst am Vaterland und an der Gesellschaft, Glaube an Gott, Familie, Frauenbildung, patriotische und staatsbürgerliche Erziehung der Kinder) sowie für die Entwicklung von Überlebensstrategien angesichts der Niederlage nationaler Befreiungsaufstände. Die Haltungen von Frauen und ihre Dilemmata im Zusammenhang mit ihrem Engagement im öffentlichen Leben an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind ein Bereich, der in der gegenwärtigen polnischen wie litauischen Historiografie immer deutlicher hervortritt (vgl. beispielsweise Kałwa 1997, 2014; Bairašauskaitė 2011; Żarnowska 2014 oder die Bände der Reihe Kobieta i... herausgegeben von Anna Żarnowska und Andrzej Szwarc).
In dieser kurzen Skizze möchte ich lediglich darauf hinweisen, welche interessanten Forschungsperspektiven sich den Geisteswissenschaftlern durch den reichen diaristischen Nachlass von Emilia aus dem Hause Benjowski Wróblewska eröffnen und warum es sich lohnt, diese Manuskripte den Forschenden in Form einer modernen digitalen Edition zugänglich zu machen: als Zeugnis des Lebens, der Sprache und der Axiologie einer Frau aus dem intellektuellen Milieu von Vilnius in der Zeit nach dem Aufstand – einer Frau, die sich in unterschiedlichen Bereichen verwirklichte: als Amateurschriftstellerin, hingebungsvolle Mutter, Lehrerin, aber auch als in ihrer Ehe nicht besonders glückliche Person, innerlich zerrissen zwischen konserva-
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tywnego społeczeństwa (zob. Medišauskienė 2001) a potrzebą przekraczania granic ról społecznych i poszukiwania dróg osobistego rozwoju intelektualnego. Aspiracje edukacyjne i samokształceniowe kobiet na Litwie od końca XVIII w. do początku w. XX przedstawiła szerzej Olga Mastianica w książce pod znamiennym tytułem Praverus namų duris (Po uchyleniu drzwi domu), ukazując stopniowe ewoluowanie ich ról społecznych, od opiekunki domu i co najwyżej pomocnicy mężczyzny, ku aktywności intelektualnej i zawodowej (Mastianica 2012). Emilia Wróblewska nie należy do postaci, które są opisywane w podręcznikach historii czy literatury polskiej, jak i litewskiej, ale też nie jest to osoba przez badaczy zupełnie niedostrzegana. Jest wspominana w publikacjach na temat dawnej Biblioteki Wróblewskich w Wilnie (np. Białokozowicz 2002: 207–208), jej imię figurowało obok imienia męża w nazwie tej instytucji (Biblioteka im. Eustachego i Emilii Wróblewskich, obecnie Biblioteka Litewskiej Akademii Nauk im. Wróblewskich). Wzmiankowali o niej też biografiści jej męża, zesłańca, lekarza-homeopaty i społecznika, Eustachego Wróblewskiego (1826–1891), a zwłaszcza badacze życia, działalności i postaw ideowych jej synów, Tadeusza Stanisława Wróblewskiego (1858–1925), słynnego wileńskiego adwokata, bibliofila, działacza społecznego, zesłańca i Augustyna Aniceta Wróblewskiego (1866–po 1913), naukowca, biochemika, socjalisty, teoretyka i propagatora anarchizmu. O obecności diarystyki Wróblewskiej w wileńskich zbiorach archiwalnych informowała w 1999 r. również historyczka Tamara Bairašauskaitė, ale przedstawiła te źródła fragmentarycznie (Bairašauskaitė 1999: 36–37). Cenny walor informacyjny dla zainteresowanych XIX-wieczną diarystyką kobiecą mają dane archiwalne na temat dzienników Wróblewskiej wraz z syntetycznym streszczeniem ich zawartości, umieszczone w bazie elektronicznej Archiwum Kobiet2, opracowanej w Instytucie Badań Literackich w Warszawie.
Die litauische Forscherin Reda Griškaitė (2012, 2017) führte Wróblewskas Gestalt umfassender in den historischen Diskurs ein. Sie stellte interessante biografische Aspekte und das Werk der Diaristin ausführlich als wertvolle Quelle für literatur- und geschichtswissenschaftliche Untersuchungen dar. Außerdem präsentierte sie ausgewählte Einträge der Autorin aus verschiedenen Jahren; dennoch wurde bislang keiner der sieben Bände von Wróblewskas diaristischem Nachlass (mit insgesamt etwa 1200 Seiten) kritisch ediert.
2 http://archiwumkobiet.pl/autor/wroblewska-emilia [abgerufen am 2024 02 13].
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Die Egodokumente der Diaristin, die 1830 in der Stadt Kobryn im Gouvernement Grodno als Tochter von Augustyna Kryńska (1809–1869) und dem Major Bartłomiej Beniowski (1800–1867), einem Teilnehmer des Novemberaufstands und Emigranten (Lewak 1935: 429), geboren wurde, bedürfen weiterhin einer gründlichen sprach- und kulturwissenschaftlichen Untersuchung sowie einer Einordnung in die weibliche Literatur im Zusammenhang mit ihrem biografischen, familiären und sozialen Kontext. Aufgewachsen in den Traditionen des romantischen Patriotismus, lernte sie ihren Vater, einen nach dem Novemberaufstand emigrierten und im Ausland tätigen Aktivisten (Harris 2019), erst nach mehr als 20 Jahren in London kennen. Sie bewunderte ihn für seinen Mut, sein außergewöhnliches Gedächtnis und seine wissenschaftlichen Arbeiten. In ihrem Tagebuch schrieb sie über ihren im Exil lebenden Vater: „denn alles konnte er in fremdem Land finden, / doch vergeblich würde er dort suchen – Hilfe, Rat und Ruhm / werden ihm alle gewähren, doch ein Herz, lässt sich das so leicht finden / und dazu noch unter Engländern“ (DBW1, Wilno, 16 września 1851, k. 38r).
Auch die Schwester von Emilias Mutter, Leokadia aus dem Hause Kryńska Andrzejkowiczowa (1810–1882), engagierte sich für die Unabhängigkeitsbewegung. Sie leitete in Vilnius eine Mädchenschule, die nach dem Januaraufstand 1864 geschlossen wurde. Dank der eingehenden Archivrecherchen der erwähnten R. Griškaitė (2017: 102–103) wissen wir nun, dass Emilia Wróblewska für ihre Zeit eine gebildete Frau war. Sie wurde zunächst zu Hause, anschließend in den besten Mädchenschulen von Vilnius und am Adelsinstitut in Vilnius unterrichtet. Sie hatte eine Begabung für Sprachen und beherrschte Französisch, Deutsch, Russisch und Englisch. Auch übersetzte sie gerne Bücher, die sie aus dem Ausland beschaffte. Sie übersetzte die wissenschaftliche Arbeit ihres Vaters A Handbook of Phrenotypics for Teacher and Student (London 1842)⁴ aus dem Englischen ins Polnische und eine Sammlung religiöser Meditationen mit dem Titel Les Paillettes d’Or (Okru aus dem Französischen.
3 In den angeführten Zitaten aus Wróblewskas Tagebüchern bewahre ich die sprachlichen Merkmale der Originale. Die Schreibweisen der Diaristin passe ich nicht an die heutigen Rechtschreibregeln an, da sie regionale Aussprachemerkmale und den Sprachgebrauch im ehemaligen polnischen Ostgebiet widerspiegeln und orthografisch-phonetische Entwicklungen dokumentieren können, die im allgemeinen Polnisch des 19. Jahrhunderts noch im Gange waren. Ich entferne keine von der Verfasserin selbst vorgenommenen Streichungen aus dem Text. Lediglich die Zeichensetzung modernisiere ich und füge Satzzeichen ein, die aus syntaktisch-logischen Gründen erforderlich sind. Die Verwendung von Bindestrichen oder längeren Gedankenstrichen im unteren Schriftbereich betrachte ich als graphische Manieriertheit. Bisweilen übernehmen sie die Funktion eines Punktes, Semikolons oder Auslassungszeichens; sie können auch einen Einschub ankündigen. Ich schließe nicht aus, dass die Schreibende auf diese Weise ihre starken emotionalen Zustände signalisierte (eine Art emotive Interpunktion).
4 Das 60 Blatt umfassende Manuskript dieser Übersetzung mit einem von Wróblewska verfassten Vorwort vom 16. November 1886 ist in den Beständen der Wróblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften (im Folgenden abgekürzt: BW LAN), Signatur F9–242, erhalten geblieben. Das Buch ihres Vaters brachte sie wahrscheinlich nach 1855 aus London mit; ein Exemplar von Beniowskis Werk wird in der BW LAN unter der Signatur 41915 aufbewahrt.
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che goldene. Ein Kranz kleiner Ratschläge zur Heiligung und Beglückung des Lebens5). 1851 nahm sie eine Stelle als Lehrerin für den Elementarunterricht in der von der erwähnten Tante Andrzejkowiczowa und Emílias Mutter, Augustyna geb. Kryńska Beniowska, in Wilna geführten Pension an. Außerdem erhielt sie die Erlaubnis, privat Französischunterricht zu erteilen. Die Tagebücher dokumentieren Wróblewskas Vorliebe für die Arbeit an der Basis, die sie als Erziehung der Kinder (Stärkung ihrer moralischen Charakterkraft) und ihre Bildung verstand. Sie zeigen auch ihre Begabung für wissenschaftliche Arbeit sowie schließlich ihr Streben nach Selbstvervollkommnung durch die Auswahl vielfältiger Lektüre, um ihr Wissen auf verschiedenen Gebieten zu vertiefen und ihre Spiritualität zu entwickeln.
Wątkiem, który wymaga gruntownego zbadania jest podana przez R. Griškaitė (2017: 90) za biografami rodziny Wróblewskich i badaczami oświaty na Litwie w XIX w. (por. Romanowski 2003: 285) informacja o prowadzeniu przez Emilię przez 40 lat tajnej pensji dla dziewcząt w Wilnie, w której edukację początkową pobierały uczennice z najznakomitszych miejscowych rodzin. Sugeruje to inskrypcja „40 lat dzieci uczyła” umieszczona na nagrobku Wróblewskiej na cmentarzu na Starej Rossie. W samych dziennikach nie znajdujemy na ten temat informacji, być może był to ze strony autorki rodzaj autocenzury, by nie zdradzać szczegółów, które mogłyby zagrażać bezpieczeństwu uczennic i ich rodzin, gdyby trafiły w nieodpowiednie ręce. W jednym tylko wpisie, dokonanym prawdopodobnie w 1884 r., w Notatach różnych zatytułowanych Moje mysli (bardzo trudnych do odczytania), podzieliła się taką refleksją: „Jestem nauczycielką od 15 r. życia, a / teraz mam już lat 54. [nieczytelne], więc od lat zajmuję się pracą tak ciężką dla innych, a dla mnie tak miłą, kocham wiek dziecin[n]ny, młodociany” (NRW2, k. 17v), Z prostego wyliczenia wynika zatem, że niemal 40 lat Wróblewska zajmowała się nauczaniem u podstaw.
5 BW LAN, Sign. F9–928, 929. In einem Heft befinden sich Übersetzungen zweier Meditationssammlungen, die mit separaten Signaturen versehen sind und insgesamt 155 Blätter umfassen. Im Handschriftenkatalog der BW LAN sind die Jahre 1871–1873 angegeben; in der Quelle selbst ist die erste Sammlung auf 1868–1870, die zweite hingegen auf 1871–1873 datiert. Der Katalogeintrag enthält auch einen Hinweis auf die Veröffentlichung des Manuskripts unter dem Titel Złote okruchy (1877) in der Druckerei Józef Zawadzkis. In der Ausgabe fehlt jedoch die Angabe, wer die Übersetzung angefertigt hat. Auf dem Titelblatt steht lediglich der Untertitel Zbiorek pierwszy, doch das Buch enthält beide Sammlungen, wie sich anhand des digitalisierten Exemplars von Złotych okruchów aus der Pfarrbibliothek in Liszki feststellen lässt, siehe https://polona.pl/item-view/056e4994-7432-4324-bd9d-3e2465385e0c?page=4 [Zugriff am 2023 12 01]. Der Vergleich des Übersetzungsmanuskripts mit dem veröffentlichten Text belegt eindeutig, dass es sich um eine Übersetzung Wróblewskas handelt. Rätselhaft bleibt jedoch, warum der Name der Übersetzerin in der Veröffentlichung nicht genannt wurde.
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Die Tagebuchschreiberin verwirklichte sich nicht nur in der Rolle einer Amateur-Schriftstellerin und Übersetzerin, sondern war, wie ihre Tagebücher eindrücklich belegen, auch eine Mutter, die ihren Kindern emotional sehr eng verbunden und an ihrer intellektuellen Bildung beteiligt war. In den Pädagogischen Notizen, die sie 1867 während ihres Aufenthalts in London verfasste, erklärte sie, dass sie die Zeit, die sie fern von ihrer Familie verbringe, bestmöglich zum Studium der Frenotypik6, zur Lektüre historischer Werke, zum Erlernen der englischen Sprache und dazu nutzen solle, „<...> an allem zu arbeiten, von dem ich sehe, dass es meinen Kindern nützlich sein könnte“ (NPW, Bl. 1v).
Von den sieben Kindern der Wróblewskis erreichten nur zwei Söhne das Erwachsenenalter. Wróblewska überlebte den Verlust von drei Söhnen (Władysław, Zygmunt und Kazimierz) und zwei Töchtern (Stanisława und Maria). Ihre Tochter Maria, für die sie ein Tagebuch führte, starb, bevor sie 18 Jahre alt wurde. Die Tagebuchschreiberin starb im Alter von 56 Jahren; sie führte fast 30 Jahre lang Tagebuch, mit längeren Unterbrechungen in den Jahren 1873–1877 und 1879–1883. Sie gehörte zu den Frauen, die – wie R. Griškaitė treffend formulierte – „nicht anders konnten, als zu schreiben“ (Griškaitė 2017: 109).
Der handschriftliche Nachlass Emília Wróblewskas ist eine wertvolle Quelle für linguistische Forschungen unterschiedlicher Ausrichtung. Die polnische Sprache ist ein konstitutiver Wert in der patriotischen Wertsphäre einer adligen Familie; dennoch hat sich bislang keiner der Forschenden zu den Manuskripten der Tagebuchschreiberin auf deren sprachliche Qualitäten, die Graphie ihrer Aufzeichnungen oder die stilistische und gattungsspezifische Vielfalt von Wróblewskas Schriften konzentriert. Dabei sind ihre Egodokumente (nicht nur Tagebücher, sondern auch Briefe, Übersetzungen und Zusammenfassungen gelesener Werke7) eine wertvolle
6 Frenotypik (engl. phrenotypics) nannte Bartłomiej Beniowski die von ihm konstruierte Maschine, die der Verbesserung der Gedächtniskapazität und der Aufnahme einer Fülle von Daten dienen sollte; Näheres hierzu siehe: Griškaitė 2017: 98. Die Tagebuchschreiberin selbst bezeichnete die Erfindung ihres Vaters als „Bilder des Gedächtnisses“, „Wunder des Gedächtnisses“; im Vorwort zu ihrer Übersetzung von Beniowskis englischsprachigem Werk schrieb sie: „Sein erfinderischer Geist suchte eine Motormaschine <...>, die mit hundertfach größerer Geschwindigkeit diese gewaltige Menge an Informationen in sein Gedächtnis einprägen sollte, die er seinem / Gedächtnis übermitteln wollte – und die neben ihrer Schnelligkeit eine solche Kraft besitzen sollte, dass sie, einmal ins Gehirn eingeprägt, sie so tief darin einritzte, dass sie mit ihm eins würden – eine einzige untrennbare Einheit. Er dachte nach, suchte und untersuchte alle seit Menschengedenken bestehenden Systeme der Mnemonik (Gedächtniskunst) und stellte schließlich durch verschiedene Kombinationen nach eigenem Entwurf diese Motormaschine zusammen und schuf sie; er konstruierte ihre Rädchen und Wellen“ (BW LAN, Sign. F9–242, Bl. 2r–2v].
7 Zusammenfassungen gelesener Bücher und das Sammeln von Notizen aus verschiedenen Wissensgebieten (Wirtschaft, Alte Geschichte, Geschichte und Kultur Wilnas, Geografie) begann Wróblewska am 15. November 1871 (NRW1, Bl. 1r). Sie belegen die Breite ihrer Interessen. Am Anfang des Manuskripts Treść moich czytań erläuterte sie den Zweck ihrer Arbeit: „Ich schreibe dies in Gedanken an meine Tochter, weil ich sie dazu ermuntern möchte, wenn sie größer ist, jedes gelesene Werk selbst zusammenzufassen—
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ein Zeugnis des Polnischen des 19. Jahrhunderts, wie es in der Schriftsprache von intellektuell aktiven Vertreterinnen der Wilnaer Intelligenz verwendet wurde.
Die Tagebuchschreiberin verfügte über umfassende Sprachkenntnisse; ihr Schaffen zeichnet sich durch sprachliche Sorgfalt und lexikalischen Reichtum aus. Zugleich zeigen Wróblewskas Aufzeichnungen verschiedene Arten von Schwankungen, die sowohl auf Variabilität in der damaligen Graphie und auf das Vorhandensein eines besonderen, in Handschriften verwendeten Grapholekts als auch auf die schriftliche Wiedergabe von Merkmalen der Aussprache der Wilnaer Intelligenz des 19. Jahrhunderts hindeuten können. Die bereits bei der ersten Lektüre von Tagebuchauszügen erkennbare regionale Färbung des Polnischen der Tagebuchschreiberin bedarf einer gründlichen qualitativen und quantitativen Analyse sowie eines Vergleichs mit der Sprache anderer polnisch schreibender Autoren des 19. Jahrhunderts aus Litauen und mit den Entwicklungstendenzen des allgemeinen Polnischen des 19. Jahrhunderts. Nur ein komparatistischer Ansatz ermöglicht es, regionale Phänomene in Wróblewskas Schriften und individuelle Merkmale ihres Stils festzustellen.
Schon eine oberflächliche Durchsicht der Tagebucheinträge aus verschiedenen Jahren zeigt, dass die Schreibende bei der Verwendung der Konsonanten dreier Reihen schwankt: der Zischlaute (Z), der weichen Zischlaute (Ź) und der sch-Lautreihe (Ż). Auf graphischer Ebene äußert sich dies in Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung diakritischer Zeichen (Punkte, Striche). Irena Bajerowa (1986: 33) bezeichnete den Zustand der Orthografie in Handschriften des 19. Jahrhunderts hinsichtlich der Verwendung diakritischer Zeichen als noch nicht stabilisiert und häufig nachlässig. Auch Wróblewska lässt die Diakritika relativ häufig weg oder gibt sie uneinheitlich und inkonsequent wieder, wobei sie Striche und Punkte recht frei verwendet (Beispiele dazu folgen im weiteren Verlauf des Artikels). Daher ist bei der Rekonstruktion des Verhältnisses zwischen einer graphischen Einheit (Graphem) und ihrer lautlichen Realisierung auf der Grundlage einer nicht stabilisierten Graphie Vorsicht geboten. Ziel der digitalen Edition ist es, die Tagebücher der Tagebuchschreiberin so originalgetreu wie möglich und unter Wiedergabe ihrer graphischen Varianten zu transkribieren und anschließend vergleichende Untersuchungen durchzuführen, die eine Einschätzung ermöglichen, inwieweit sich Aussprachemerkmale in der Schrift widerspiegeln. Auf der Grundlage der bislang transkribierten hundert Manuskriptseiten lässt sich bereits auf das Vorhandensein zweier entgegengesetzter, wahrscheinlich artikulatorisch bedingter Tendenzen in Wróblewskas Tagebüchern hinweisen: das Weglassen des Akutzeichens bei palatalen Konsonanten im Wortauslaut (Typ pa-mięć, odbyt, dziś, tydzień, bądź, wyraz „deutlich“) und die Kennzeichnung der Weichheit des Konsonanten c in derselben Position (Typ pomóc). Das Auftreten sekundärer Prozesse der Akzentuierung palataler Konsonanten—
—sollte, denn erst dann wird es ihr wirklichen Nutzen bringen. / Ich habe zu spät begonnen, doch für einen guten Schritt / kann es niemals zu spät sein“ (NRW1, Bl. 1r).
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Die Palatalisierung und Depalatalisierung von Konsonanten in verschiedenen Positionen im nordostpolnischen Polnisch ist natürlich nichts Überraschendes, denn es gibt zahlreiche Belege für diese Phänomene aus verschiedenen Entwicklungsphasen und funktionalen Varietäten des in Litauen gesprochenen Polnischen (Kurzowa 1993: 237, 239–240).
Forschungsinteressant ist die Tatsache, dass eine Person aus dem intellektuellen Milieu, gebildet und belesen, mit verschiedenen Texten vertraut, sprachkundig und andere unterrichtend, die eine gehobene Variante des Polnischen verwendet8, trotz ihrer Sprachkompetenz den Einflüssen des regionalen Sprachgebrauchs unterliegt. In diesem Zusammenhang ist die Beobachtung von Zofia Kurzowa anzuführen, die Störungen in der Distribution der Konsonanten der drei Reihen als „das auffälligste Merkmal des Konsonantismus der Philomaten“ und den gesamten Bereich des Gebrauchs der Konsonanten der drei Reihen als „das einzige Gebiet, auf dem sich die Philomaten im Bereich der Phonetik nicht zu helfen wussten“ bezeichnete (Kurzowa 1972: 47, 67; Bajerowa 1986: 125). Es zeigt sich, dass auch dieser Bereich, der an der Grenze zwischen Schriftbild und Aussprache liegt, Wróblewska Schwierigkeiten bereitete, obwohl sie damit wesentlich besser zurechtkam als die Philomaten. Eine Modernisierung der Schreibweise in den Manuskripten der Tagebuchschreiberin auf den heutigen Stand und die Beseitigung der Variantenvielfalt, die auch die Orthografie und das morphonologische System des allgemeinen polnischen Sprachgebrauchs im 19. Jahrhundert prägte (Bajerowa 1986: 123–124), würde diesen Quellen den Wert authentischer Zeugnisse des Polnischen des 19. Jahrhunderts nehmen, wie es in weiblichen Ego-Dokumenten aus Litauen verwendet wurde. Erwähnenswert ist, dass die kurzen Zitate aus Wróblewskas Manuskripten, die in der Datenbank Archiwum Kobiet wiedergegeben werden, modernisiert sind und daher für Sprachhistoriker und Forschende des regionalen Polnischen keinen dokumentarischen Wert besitzen. Lediglich R. Griškaitė bemühte sich, in den zitierten Tagebuchauszügen die Schreibweise und Segmentierung des Originals beizubehalten; Überlegungen zu Schwankungen bei den diakritischen Zeichen, zum Vorkommen ungewöhnlicher Formen und zu den regionalen Bedingungen des Polnischen der Tagebuchschreiberin stellte sie jedoch nicht an. Ich mache ihr daraus keineswegs einen Vorwurf, denn die Forscherin beschäftigte sich mit der Analyse des Dokumentinhalts (und führte sie meisterhaft durch), nicht aber mit Fragen der Graphemik, Phonetik oder Morphonologie. Unsere
8 Tym terminem określam za Anną Zielińską (2002: 12) wariant polszczyzny używanej na Litwie przez inteligencję pochodzenia ziemiańsko-szlacheckiego. Określenie to, motywowane socjolingwistycznie, wydaje się adekwatne do dobrej znajomości języka polskiego Wróblewskiej jako przedstawicielki warstwy ziemiańsko-szlacheckiej, która zasiliła szeregi inteligencji wileńskiej. Trudno na wstępnym etapie badań wyrokować, jaki twórca mógł być dla piszącej inspiracją i wzorcem literackim do naśladowania, ale warto w przyszłości skonfrontować polszczyznę diarystki z językiem jej współczesnych popularnych autorów, np. Syrokomli (por. Trypućko 1955–1957; Karaś 2022), który przyjaźnił się z Eustachym Wróblewskim, mężem Emilii.
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Lesarten stimmen, wie ich anhand der von R. Griškaitė (2012) veröffentlichten Zitate aus ausgewählten Manuskripten feststellen kann, im Wesentlichen überein, auch wenn es gewisse Unterschiede gibt. So würde ich beispielsweise raźnych (Griškaitė 2012: 241) als różnych ‘verschiedenen’ lesen (DWB1, Bl. 38r), da das Graphem z z mit ungenau gesetztem diakritischem Zeichen in Wróblewskas Manuskripten sowohl das Phonem [ž] als auch [ź] wiedergibt. In diesem Fall hilft jedoch der Kontext beim richtigen Verständnis der Form, denn es ist von Menschen różnych wiekiem i narodem i stanem9 die Rede; die Lesung do późna (Griškaitė 2012: 275) ist dagegen nach dem Vergleich mit dem Manuskript zweifellos do późna (DBW1, Bl. 7r). Schließlich ist die ungenaue Schreibweise chrescianki (Griškaitė 2012: 264) zu nennen, während im Manuskript die Form chrześcjanki (DMW, Bl. 2r) mit dem Allographen rz für das Phonem [ž] vorkommt. Angesichts der festgestellten Unterschiede bei der Lesung der Handschrift der Tagebuchschreiberin besteht die beste Lösung – sowohl aus Sicht der sprachwissenschaftlichen als auch der historischen Forschungspraxis – darin, eine frei zugängliche digitale Edition der Tagebücher vorzubereiten, die zwei Ansichten des Manuskripts präsentiert: eine Transkription des Originals, ergänzt durch ein Netz interaktiver Kommentare, sowie eine visuelle Wiedergabe des Originaltexts.
Dann wird es möglich sein, je nach gewähltem Bezugsrahmen eine Korrektur der vorgeschlagenen Lesarten anzuregen und sich zu einigen problematischen Schreibweisen Wróblewskas zu äußern, die sich im Laufe der Jahre verändert haben. Die grafisch vielfältigste Wiedergabe des Phonems [ž], wie bereits oben erwähnt, ist die sorgfältige Schreibung als ž und rz, sowie die weniger sorgfältige oder geradezu manierierte Schreibung als z z mit einem Strich unterschiedlicher Länge, der über dem Buchstaben oder deutlich davon entfernt steht. Diese letzte Schreibweise gebe ich in den nachfolgenden Beispielen schematisch als <ź> wieder, um sie vom Zeichen ź zu unterscheiden, das den Laut [ź] symbolisiert, wie etwa im Wort jeśli, das die Assimilation hinsichtlich der Stimmhaftigkeit widerspiegelt (jeśli > jeźli). Die Einträge der Tagebuchschreiberin, in denen der Konsonant z statt des erwarteten ž oder ź und umgekehrt erscheint, bedürfen einer umfassenderen Interpretation und der Suche nach Parallelen in den Schriften anderer Autoren aus Litauen des 19. Jahrhunderts. Die Häufigkeit dieser Phänomene im gesamten Material zu ermitteln und die Einzelbedingungen zu untersuchen, ist entscheidend, denn so lässt sich feststellen, ob es sich um tatsächliche
9 Emilia Kolinko, Übersetzerin und Redakteurin der polnischen Ausgabe des Textes von Griškaitė, führte die moderne Schreibweise różnych ein und beseitigte zugleich das Reflex der regionalen Phonetik in Gestalt des Wechsels ó > o (Griškaitė 2017: 100). Auch andere Zitate aus Wróblewskas Manuskripten normalisierte sie nach den heutigen Rechtschreibregeln.
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Lautmerkmalen (d. h. Reflexen der nordostpolnischen Aussprache) oder um Fehler beim Gebrauch diakritischer Zeichen handelt, die sowohl aus der Schwäche der Norm als auch aus Unachtsamkeit der Autorin resultierten, die nicht selten in großer emotionaler Erregung schrieb. Die folgenden Textausschnitte aus verschiedenen Manuskripten Wróblewskas dokumentieren die oben erwähnte Variation bei der Kennzeichnung oder Auslassung diakritischer Zeichen:
Ach, wie groß / ist doch die Wahrheit, ‹źe das Joch des Herrn süß und seine Last / leicht ist. Die engelsgleiche Jungfrau Kazimiera hat nicht wenig dazu beigetragen, mir den Weg des Lebens zu erhellen, in mir eine größere Liebe zu meinem Beruf / und meinen Pflichten zu wecken. Gott‹ze segne sie! und vergelte ihr, was / sie für mich getan hat!
<...> denn wozu sonst> ist uns das Leben / gegeben, wenn nicht dazu, dass wir durch es den Himmel verdienen. / Ein Monat also ‹zerstreuten Lebens, voller Fehler, / ist dem Himmel verloren. Man muss arbeiten, man muss / schwitzen, denn das Reich Got‹tes erleidet Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich / (existenzielle und religiöse Betrachtungen, DBW1, Wilno, 28. Januar 1855, Bl. 86r).
Heute wiesen mir alle meine / geistlichen Übungen / das Ziel meines ‹Lebens und meiner Bestimmung, / nämlich Gott, und zeigten mir die / vollkommenste Art, Ihm zu die- / nen: mich in heiliger Gleichgültigkeit zu üben, / das heißt, für alles bereit zu sein. / Mein Herz wurde von dieser / großen und grundlegenden Wahrheit ergriffen, ‹dass / ich für Gott geschaffen bin und nur dazu / (Meditationen während der Exerzitien, WEW, 1854, Tag I, Bl. 1v–2r).
Eustachys Gleichgültigkeit mir gegenüber, / sein völliges Vergessen meiner [Tintenfleck, der einer Träne ähnelt], ‹sein Leben / außerhalb des Hauses, mit einem Wort, all das, was / seine Haltung mir gegenüber [unleserliche Streichung] / bis dahin so sehr bedrückte und die Ursache / meiner Tränen war, wird für mich etwas / Natürliches, Gewöhnliches werden. Ich trockne meine Tränen, vertreibe die Traurigkeit, / werde ruhig, lächelnd und fröhlich sein, / denn den Willen Gottes mit ewiger Klage / und Murren zu erfüllen, ist nicht christlich (DBW3, Bl. 23r–23v).
Da> nichts mich in der Stunde des Todes und des Gerichts rechtfertigen wird, sollte ich jetzt also nicht sagen: / „Ich kann nicht, es fällt mir schwer“, denn diese / Ausreden werden mir den Himmel nicht öffnen und mich nicht / vor der Hölle bewahren (Meditationen während der Exerzitien, WEW, 1854, zweiter Tag, Bl. 5v–6r].
Soll also> diese Lektüre das Gedenken / an den Vater sein; soll die Vertrautheit mit seiner Seele / für mich nutzlos sein? Der Anblick dieses großen Geistes, / seiner genialen Einfälle, / dieses brennenden Wissensdurstes, dieses ständigen / Strebens nach Vollkommenheit, seiner / Ausdauer bei der Arbeit erhebt mich / und macht mich, wenn ich so sagen darf, ‹stolz / und zeigt mir zugleich, wie kostbar / die Zeit ist und wie ich die Augenblicke, die ich / nutzlos vergeude als Tochter dieses bedeutenden Mannes, für die / Vervollkommnung auch nur einer einzigen / Fähigkeit nutzen könnte, die ich wohl von meinem Vater geerbt haben muss, / um sie so weit zu vervollkommnen, / dass sie meiner Familie nützt / und der Allgemeinheit von Nutzen sein kann / (über ihren Vater Bartłomiej Beniowski, NPW, London, 1867, Bl. 2r–2v).
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Auf die polnische Sprache der Tagebuchschreiberin lässt sich auch aus ethnolinguistischer, genauer gesagt axiolinguistischer Perspektive blicken, denn in persönlichen Zeugnissen treten neben dem historischen und sozialen Kontext wertende Konzepte zutage, die sich auf der Grundlage der Sprache rekonstruieren lassen. Die Erforschung etwa des Bedeutungsumfangs des Begriffs PATRIOTISMUS in Wróblewskas Schriften erfordert, diesen Wert in einen umfassenderen Begriffsverbund einzubeziehen (Bartmiński 2020: 109) und ihn in Beziehung zu anderen für sie und allgemein für die damalige Intelligenz wichtigen Werten zu setzen, etwa HEIMAT, GOTT, FAMILIE, ARBEIT, ERZIEHUNG. Wir stimmen darin überein, dass die semantische Dominante des Konzepts PATRIOTISMUS die Liebe zur Heimat ist, doch schlägt sie sich in verschiedenen Ausprägungen des Patriotismus nieder: im heroischen, romantischen, positivistischen, nationalen, christlichen, lokalen und weiteren (Karolak 1993; Brzozowska 2006, 2009). Emilia Wróblewska wählte, geleitet vom philosophischen Denken ihrer Epoche und der Idee der Arbeit an der Basis, eine andere Strategie des Dienstes an der Heimat als ihr Umfeld. Sie unterstützt die Idee eines Aufstands, doch dokumentieren ihre Tagebücher vor allem ihren positivistischen Patriotismus, verstanden als Bildung und Vertiefung der intellektuellen Sphäre, als Stärkung des Geistes durch eifrige Religiosität und christliche Ethik sowie als Sorge um die Bewahrung grundlegender Werte in der Familie. Sie bringen auch einen lokalen (heimatbezogenen) Patriotismus zum Ausdruck, wovon etwa der folgende Tagebucheintrag zeugt, der eine Replik auf die Äußerung der Tochter eines Emigranten ist, der aus Frankreich in die Heimat zurückgekehrt war:
ihr gefällt / nach dem glänzenden Paris<ź>u unser armes Litauen nicht, mit / seinem schwarzen Brot, den armseligen Hotels, den unterdrück- / ten [?] Bauern. Im Vorübergehen sah ich fremde / Länder, aber aus P... rufe ich: Trotz aller Komforts, / des bon genre und der so laut und weit gerühmten Zivilisation / des Ostens ziehe ich mein armes Land vor! Alles darin / liebe ich, die Erde, die Menschen und unseren wolkenverhangenen Himmel. / Gott gebe mir, mit diesen Menschen zu säen und zu ernten, / mit ihnen zu leben, mit ihnen zu sterben! (DBW2, Wilno, 23 lutego 1858, k. 42r).
Patriotischen Charakter haben auch einige von Wróblewskas Aufzeichnungen im bereits erwähnten Notizbuch mit dem Titel „Meine Gedanken“. Hier greift sie auf das für den heroischen Patriotismus prägende Konzept des Rächers zurück, der sich erheben wird, um Polen für das zugefügte Unrecht zu entschädigen und die Gerechtigkeit wiederherzustellen:
Równie te<ź> nie mamy prawa zrzec się ani / jednej z wiekowych naszych dą<ź>ności, gdy<ź> / nasi bohaterowie, nasi męczennicy, [skreślenie] rzuciliby / straszne przekleństwo na odstępców świętej sprawy. / Żyjemy! Nieprawdą jest, że P. w grobie. <...> świadczą o tem nasi wieszcze, nasi filozofowie / nasi malarze, nasi rzezbiarze, nasi pracownicy na ka<ź>dém polu // Żyjemy, bo groby naszych mę-
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tyrer rufen mit lauter Stimme und erinnern / Europa an ein kämpferisches Volk – den Schild der Freiheit! // Diese Gräber, diese Gebeine der Helden Polens, sind / unser Reichtum, die Quelle unserer Zukunft // Aus diesen Gebeinen wird ein Rächer auferstehen! (NRW2, grudzień 1883, k. 18r–18v).
Die Autorin äußert sich sehr kritisch zum Russischen Imperium, das sie als „riesiges Gefängnis“ betrachtet (NRW2, k. 19v). „Dieses Volk, das sich russisch nennt und / glaubt, nicht nur zivilisiert zu sein, / sondern sogar Apostel der Zivilisation!, kämpft / gewöhnlich «im Namen Gottes», «im Namen Christi»“ (NRW2, k. 19v). Die Tagebuchschreiberin verurteilt auch den russischen Panslawismus, der „lächerlich wäre, / hinge er nicht wie ein Damoklesschwert / über den Häuptern aller Völker der Erde“ (NRW2, k. 20r). Den imperialistischen Aktivitäten Russlands in Europa (wie aktuell das doch immer noch ist!) stellte sie die Haltung der Polen gegenüber, die bereit waren, für die Unabhängigkeit anderer Völker zu kämpfen:
So dürfen wir stolz sein. Wir waren / stets die Vorhut unabhän / giger Völker – und sind es noch. // Davon zeugen Hunderttausende von Gräbern, / in denen unsere Väter, unsere Brüder [sic], begraben liegen, / die im endlosen Kampf / mit diesen wilden Barbaren in euro / päischen Gewändern gefallen sind“ (NRW2, k. 20r).
Wróblewska engagierte sich, wie bereits erwähnt, für die patriotische und staatsbürgerliche Erziehung ihrer eigenen Kinder; zwei für sie verfasste Tagebücher stellen eine besondere literarische Gattung dar – eine Art Wegweiser durch die Welt der Werte. Sprachlich sind sie hingegen ein interessantes Zeugnis für den Gebrauch eines von Zärtlichkeit und Emotionalität geprägten mütterlichen Stils (Masojć, Sawanie wska-Mochowa 2024: 38). Die Tagebuchschreiberin sprach die Kinder häufig direkt mit ihrem Namen an, als zukünftige Leserinnen und Leser der Tagebücher:
Maryjko, mein liebstes Kind, heute, am Neujahrstag, / schenke ich dir zu Weihnachten dieses Buch, das du als Erinnerung an deine Mutter bewahren sollst, die dich mehr liebt als alles auf der Welt! (DMW, Wilno, styczeń 1865, k. 2r);
Denk daran, / Tadziu, dass im späteren Leben Leid und Schmerz / schon an der Wiege beginnen, dass jeder leiden muss – lerne / also, mein Söhnchen, und gewöhne dich von Kindheit an an Mut / und Geduld. Deshalb verwöhne ich dich auch nicht und zerbreche mir / nicht allzu sehr den Kopf um dich [?], obwohl jeder deiner / geringsten Schmerzen tief in meinem Herzen widerhallt. Aber / ich weiß nicht, was dich im Leben erwartet; vielleicht wirst du vieles ertragen / müssen. Auch wenn ich dich mit meiner eigenen Brust vor allen / Geschossen schützen wollte, könnte ich doch niemals / ertragen, dass mein Sohn aus Mangel an Mut und Standhaftigkeit vom / Pfad der Pflicht abkäme, dass er aus Angst vor dem Leiden [korrigiert zu: Furcht] es täte / und so ein undankbarer Sohn des Vaterlandes, ein schlechter Christ würde-
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ABB. 1. Meine Gedanken, Sign. F9–883 (NRW2, Bl. 20r). Fotokopie aus dem Quellenkorpus, der von der BW LAN im Rahmen des Projekts zugänglich gemacht wurde.
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… und Bürger. Leide lieber, mein Kind, leide für andere / und anstelle anderer, als dass du in nichtswürdiger Ruhe / dein Leben verschläfst und vergeudest! (DTW, Wilna, 11. Juni 1859, Bl. 17v);
An mein Augustynka // Mein lieber Sohn, heute beginnst du dein 21. Jahr. / In einem Jahr wirst du bereits volljährig sein, und ich werde / vielleicht schon im Grab neben der geliebten / Maryjka ruhen, deren Andenken jetzt so sehr in / deinem Herzen wiederaufgelebt ist und, wie du sagst, / eine so rührende Sehnsucht nach diesem Schwestergeist geweckt hat, / der dich zu Lebzeiten, du gedankenloses Kind, / zu Opfern für die Leidenden antrieb (DMW, Wilna, 7. Juli 1886, Bl. 46r).
Wenn die Diaristin in ihren Tagebüchern existenzielle und moralisch-religiöse Themen aufgreift, hält sie nahezu regelmäßig Gewissenserforschung. Sie vertraut sich zu ihren geistigen Bedürfnissen und der fortwährenden Suche nach einer vertieften Beziehung zum Heiligen sowie zum authentischen Erleben des Glaubens an. Stilistisch lassen sich in der Struktur zahlreicher Tagebucheinträge konstitutive Merkmale der Sprache des privaten Gebets erkennen: Danksagungen, Bitten, Meditationen und Glaubensbekenntnisse, Entschuldigungen für die eigene Unvollkommenheit und sündige Natur, Ermahnungen sowie auf der Wortebene ein gehobener Wortschatz mit expressiven Funktionen. Zu den Schlüsselwörtern im religiösen Diskurs Wróblewskas gehören: Seele, Sünde, Sein (Gottes) Wille, Glaube, Tugend, Engel, Barmherzigkeit, aber auch Hochmut und Reue. Auf syntaktischer Ebene fallen das Vorkommen langer Phrasen und von Wiederholungen auf.
Einträge im religiösen Stil zeichnen sich außerdem durch eine besondere Dialogizität aus; die Verwendung der 2. Person zeigt, dass die Diaristin einen inneren Dialog mit sich selbst führt und sich Ermahnungen erteilt:
Heute mehr denn je, halte dich / an Gott, lebe mit starkem und einfachem / Glauben, suche das Glück nicht hier auf Erden, / sondern in der engsten Vereinigung / mit Ihm, denn heute siehst du klarer / und greifbarer als je zuvor, / dass der Mensch ohne Gott, selbst das größte / Genie, nichts ist, und dass er erst in / der Vereinigung mit Ihm wirklich / groß wird (Eintrag nach dem Tod des Vaters, NPW, London, 1867, Bl. 3r);
Auch du wirst sterben, sorge dich / also nicht übermäßig um die / vergänglichen Dinge; tue, was du sollst, / tue, was in deiner Macht steht, und / überlasse den Rest dem Herrn. Denke täglich / an den Tod und richte dein Leben, / deine Angelegenheiten so ein, dass er dich niemals plötzlich / überrascht. Dein Gewissen, / deine Angelegenheiten, deine Pflichten sollen stets in Ordnung sein, / damit nach deinem Tod niemand beklagt, dass du etwas nicht getan hast, / was du hättest tun sollen. Schiebe nichts / auf später auf, was du heute tun / kannst, denn der Tod kann dich jeden Augenblick hinwegraffen. Als Christ / tue, solange du lebst, was du kannst, für / deine Seele. Nutze jeden / Augenblick, der dir gegeben ist, um für deine Sünden / Buße zu tun – fürchte die Sünde, versäume keine Gelegenheit, / die Tugend zu fördern oder dich zu vervollkommnen (wie oben, NPW, Bl. 3v–4r].
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SCHLUSSFOLGERUNGEN
Das vorgestellte handschriftliche Vermächtnis Emilia Wróblewskas, das notwendigerweise nur auszugsweise präsentiert werden konnte, verdient erstens eine gründliche graphemische Untersuchung und die Erarbeitung einer möglichst klaren Darstellungsweise der Besonderheiten des Grapholekts der Diaristin. Zweitens eröffnet es Forschenden, die sich für weibliche Intimitätsschriften interessieren, verschiedene Erkenntnisperspektiven, die sich mithilfe unterschiedlicher Analyseinstrumente erschließen lassen: Herstory, Autobiografik, (Axiolinguistik) oder Genologie. Drittens erfordert die vollständige Erfassung des sprachlichen, literarischen und dokumentarischen Werts von Wróblewskas Tagebüchern, sie vor dem Hintergrund der diaristischen Praktiken des 19. Jahrhunderts zu verorten und zu Vergleichszwecken sowohl sprachliche Phänomene in den Schriften von Autorinnen und Autoren aus dem Litauen des 19. Jahrhunderts als auch die Hauptentwicklungsrichtungen der Veränderungen im polnischen Gemeinsprachlichen des 19. Jahrhunderts zu berücksichtigen. In den Aufzeichnungen der Diaristin spiegeln sich verschiedene Tendenzen des damaligen polnischen Gemeinsprachlichen ebenso wie des regionalen Usus wider. Einerseits zeigt sich die Schwäche der Norm bei der Verwendung diakritischer Zeichen, andererseits sind zahlreiche Prozesse der Depalatalisierung und sekundären Palatalisierung von Konsonanten zu beobachten, die im Vergleich zu den Kodifizierungsrichtungen der Gemeinsprache zumindest als frequenzielle Regionalismen interpretiert werden sollten.
QUELLEN
DBW1 – Tagebuch der Emilia Beniowska (Wróblewska) 1850–1855 (Tagebuch aus der Zeit als unverheiratete junge Frau), BW LAN, Sign. F9–183, 92 Blätter.
DMW – Tagebuch der Marja Wróblewska, geführt von ihrer Mutter Emilia Wróblewska, geb. Beniowska 1865–1878; der mit dem Datum 7. Juli 1886 hinzugefügte Eintrag trägt den Titel An meinen Augustynek und wurde anlässlich des einundzwanzigsten Geburtstags des Sohnes verfasst, BW LAN, Sign. F9–152b, 47 Blätter.
DTW – Tagebuch des Tadeusz Wróblewski, geführt von seiner Mutter Emilia Wróblewska, geb. Beniowska 1859–1886, BW LAN, Sign. F9–149, 100 Blätter.
NPW – Emilia Wróblewska [unleserlich] Über die Arbeitsordnung. Pädagogische Notizen 1867 (in London geführte Aufzeichnungen), BW LAN, Sign. F9–311, 56 Blätter, polnische und französische Sprache.
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NRW1 – Verschiedene Notizen von Emilia Wróblewska 1871, BW LAN, Sign. F9–902, 35 Blätter.
NRW2 – Verschiedene Notizen von Emilia Wróblewska „Meine Gedanken“ 1883–1884, BW LAN, Sign. F9–884, 56 Blätter in schlechtem Zustand.
WEW – Wrażenia Emilii Wróblewskiej, 1854, BW LAN, sygn. F9 – 998, 17 kart: Wrażenia i wynikające z nich uczucia i postanowienia z odbytych Rekolekcyi 1854 Gr 16 (opis przeżyć z sześciu dni rekolekcji).
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Gauta 2024-03-11
Priimta 2024-04-15
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T H E D I A R I E S O F E M I L I A W R Ó B L E W S K A, NÉE B E N I O W S K A, F R O M Y E A R S 1850–1886 A S A S O U R C E F O R L I N G U I S T I C A N D C U L T U R A L R E S E A R C H
S u m m a r y
The article initiates interdisciplinary research on the rich manuscript heritage of Emilia Wróblewska née Beniowska from the years 1850–1886, related to the preparation of a digital edition of her seven manuscripts. Reda Griškaitė was the first to introduce the intimate writings of this little-known author from 19th century Lithuania into the historical discourse. She drew attention to the literary and documentary values of Wróblewska’s diaries, which were important from the point of view of researching Lithuanian society of that day. However, the diary’s Polish as her primary language system has never been a subject of linguistic analysis. Wróblewska’s entire work (diaries kept for herself, for her son Tadeusz and daughter Maria, various notes, reading notes, translations of the texts from French and English) was created in Polish, so it constitutes a unique linguistic document of the era.
The article draws attention to the fact that the diarist’s Polish language requires researching from various perspectives, taking into account such aspects as: 1) the author’s grapholect and the diacritic variability; 2) frequency of regional phenomena and individual characteristics; 3) the presence of processes characteristic of
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the general language of the 19th century (especially recessive and expansive features), 4) stylistic and genre diversity of women’s diaries (the richness of expressivisms and emotionalisms, the use of elements of ‘maternal style’ in children’s diaries – a specific genre of intimate diaries, the use of constitutive features of the language of a private prayer).
The diary’s Polish language should also be looked at from an axiolinguistic perspective, since in addition to the historical and moral context, her personal testimonies reveal evaluative concepts that can be reconstructed on the basis of language. Discovering the capacity of the concept of PATRIOTISM in Wróblewska’s writing requires including this value in a broader conceptual complex and presenting it in relations with other values important for her and, more broadly, for the intelligentsia of that time, such as HOMELAND, GOD, FAMILY, WORK, EDUCATION. The semantic dominant element of the concept of PATRIOTISM is love for the homeland, but it translates into the functioning of various models of patriotism: heroic, romantic, positivist, national, Christian, local and others. Wróblewska’s diaries document her positivistic patriotism, understood as educating herself and deepening her intellectual sphere, refreshing her spirit through zealous religiosity and Christian ethics, and maintaining fundamental values in the family, as well as embracing local patriotism.
KEYWORDS: diaries, herstory, 19th century, Lithuania, digital edition of sources, Polish language from the former North-Eastern Borderlands.
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1850–1886 METŲ EMILIJOS BENIOVSKYTĖS-VRUBLEVSKIENĖS DIENORAŠČIAI – KALBOS IR KULTŪROS TYRIMŲ ŠALTINIS
S a n t r a u k a
Straipsniu inicijuojami tarpdisciplininiai Emilijos Beniovskytės-Vrublewskienės (1850–1886) turtingo rankraštinio paveldo, kurio pagrindu rengiamas skaitmeninis septynių jos dienoraščių leidimas, tyrimai. Šios mažai žinomos XIX amžiaus Lietuvos bajorės rankraščius į istorinio diskurso akiratį pirmą įtraukė Reda Griškaitė. Ji atkreipė dėmesį į moterų dienoraščių literatūrinę bei dokumentinę vertę
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ir jų svarbą tyrinėjant šio laikotarpio Lietuvos visuomenę. Tačiau diaristės vartojama lenkų kalba, kuri jai buvo gimtoji, iki šiol nebuvo lingvistinės analizės objektas. Visa Vrublevskienės rankraštinė kūryba (dienoraščiai, rašyti sau, sūnui Tadui bei dukrai Marijai, įvairūs užrašai, skaitytų knygų santraukos, tekstų vertimai iš prancūzų ir anglų kalbų) lenkų kalba, todėl yra svarbus šios epochos kalbinis dokumentas.
Straipsnyje atkreipiamas dėmesys į tai, kad į dienoraščio kalbą reikia žiūrėti iš įvairių perspektyvų, atsižvelgiant į tokius aspektus: 1) autorės rašybos grafines savybes ir diakritinių ženklų variantiškumą; 2) regioninių savybių ir individualių bruožų dažnumą; 3) XIX amžiaus bendrinei kalbai būdingų procesų (ypač nykstančių ir ekspansyvių bruožų) raišką; 4) moterų dienoraščių stilistinę ir žanrinę įvairovę (ekspresinės ir emocinės leksikos gausa, motinos stiliaus elementai dienoraščiuose, skirtuose vaikams, specifinis intymių dienoraščių žanras, privačiai maldos kalbai būdingos ypatybės).
Į dienoraščio kalbą reikėtų pažvelgti ir aksiolingvistiniu požiūriu, nes Vrublevskienės asmeniniai liudijimai, be istorinio ir moralinio konteksto, atskleidžia aksiologinius konceptus, kuriuos galima rekonstruoti remiantis kalba. Norint suprasti PATRIOTIZMO sampratos turinį Vrublevskienės kūryboje, reikia įtraukti šią vertybę į platesnį sąvokų kompleksą, nurodant ryšius su kitomis jai, o plačiau – to meto inteligentijai svarbiomis vertybėmis, tokiomis kaip TĖVYNĖ, DIEVAS, ŠEIMA, DARBAS, UGDYMAS. Semantinė PATRIOTIZMO sampratos dominantė yra meilė tėvynei, tačiau ji pasireiškia įvairiais patriotizmo modeliais: herojiniu, romantiniu, pozityvistiniu, tautiniu, krikščioniškuoju, lokaliniu ir kt. Vrublevskienės dienoraščiuose dokumentuotas jos pozityvistinis patriotizmas, kuris suprantamas kaip savęs ugdymas ir intelektinių aspiracijų gilinimas, dvasios palaikymas per uolų religingumą bei krikščionišką etiką ir pagrindinių vertybių šeimoje išsaugojimas. Vrublevskienės dienoraščiuose taip pat atspindimas lokalinis patriotiškumas.
ESMINIAI ŽODŽIAI: dienoraščiai, moterų istorija, XIX amžius, Lietuva, šaltinių skaitmeninimas, šiaurės rytų paribio lenkų kalba.
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