Fragment aus einem langen, langen Gedicht „Apgraibomis“
Wenn die gewöhnliche Welt nicht mehr existiert, zieht sich das Bewusstsein in die letzte Zitadelle zurück – die sprachliche Wirklichkeit – Dort, Wo es mit dem Wort „Hand“ Noch möglich ist, das Wort „Katze“ Zu streicheln, mit dem Wort „Gott“ – das Wort „Unsinn“ Zu bezwingen, mit dem Wort „liebe“ zu den Toten zu gehen, um sie zu besuchen.
Rimvydas Stankevičius
Liebe Acta Linguistica Lituanica-Leserinnen und -Leser!
Der 90. Jubiläumsband der Zeitschrift hatte Glück. Der treue Mensch der Sprache, der talentierte Dichter Rimvydas Stankevičius, schenkte einige noch unveröffentlichte Zeilen, die mit Wörtern verbunden sind. Nie hätte ich gedacht, dass dieses Geschenk, das auch die Treue zur Muttersprache bezeugt, mich dazu bringen würde, meine eigenen Wörter wieder zu streicheln und mich darüber zu freuen, dass in mir der žemaitische Dialekt und die einzige heimische litauische Sprache bestens miteinander harmonieren, obwohl die zum Studium gewählte deutsche Sprache nicht nur ein Schlüssel zur Dichtung von R. M. Rilke war, sondern auch zur weiteren Welt der auf Deutsch verfassten Philosophie oder der in diese Sprache übersetzten zahlreichen unerhörten und ungesehenen Bücher.
Warum schreiben und veröffentlichen Wissenschaftler Bücher, Aufsätze und Werke anderer Gattung und Art, lesen und übersetzen schwierige Manuskripte? Neugier, der Wunsch, den Anfang vieler Erscheinungen und Ereignisse zu begreifen und ihn bekannt zu machen, damit die Lesenden verstehen, dass es vor ihnen bereits Schichten der Schriftkultur gab, dass man sich beeilte, sie für die Geschichte zu bewahren. Oft kann man dies als treuen Dienst an der Geschichte oder vielleicht auch als Halt im Leben eines Wissenschaftlers bezeichnen. Schwer zu sagen, welche Seite der Wissenschaft wir sehen: diejenige, die Punkte zählt, oder jene, ohne die das Leben keinen Sinn für Behaglichkeit, keine Freude an Entdeckungen und kein Bewusstsein dafür hätte, dass wir darauf warten, wann Frieden eintritt. Immer wieder erinnern sich die Augenblicke, in denen man, nachdem man im Archiv die so lange gesuchte Bestätigung der eigenen Wahrheit gefunden hatte, den inneren Zustand wohl kaum beschreiben konnte. Die Wissenschaft hilft, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnvoll zu gestalten, Wärme und Ruhe im Hinblick auf die Zukunft der eigenen Gedanken und ihr Leben mit anderen Menschen zu empfinden.