Page 1JŪRATĖ PAJĖDIENĖ Institut für Litauische Sprache ORCID iD: orcid.org/0000-0003-1542-2866
Forschungsschwerpunkte: Syntax, Semantik und Pragmatik der alten und der gegenwärtigen litauischen Sprache, Ethnolinguistik, Geschichte der litauischen Kultur und der kirchlichen Texte.
DOI: doi.org/10.35321/all90-04
DĖL DVISKAITOS RANKRAŠTINIUOSE JURGIO AMBROZIEJAUS PABRĖŽOS PAMOKSLUOSE
Zur Dualzahl in der handschriftlichen Predigtsammlung von Jurgis Ambroziejus Pabrėža
ANNOTATION
Eine bibliografische Notiz über die aus Karol Fabiani’s Buch Missya apostolska CZEŚĆ II (1783) herangezogene Lehre in einer Predigt von Jurgis Ambroziejus Pabrėža (1824) enthüllte nicht nur das Geheimnis der Herkunft der 30 in Teil I (S. 312) des Manuskripts von Kiprijonas Lukauskas (1797) niedergeschriebenen Predigten (siehe Pajėdienė 2022), sondern ermöglichte auch den Vergleich von drei Fassungen desselben Textes. Zwei Predigten über das Achte Gebot Gottes aus dem genannten Buch von Fabiani liegen sowohl in einer litauischen Übersetzung von Lukauskas als auch in einer samogitischen Übersetzung von Pabrėža vor. Der Vergleich der in verschiedenen Sprachen verfassten Textfassungen lässt auch recht subtile sprachliche Unterschiede erkennen. Die grammatische Eigenart der samogitisch verfassten Fassung der Fabiani-Predigten bei Pabrėža hängt mit dem Gebrauch der Dualzahl zusammen. Der Beitrag behandelt die unterschiedlichen Modelle des Gebrauchs der Dualzahl, die beim Vergleich des polnischen Fabiani-Textes mit der litauischen (Lukauskas) und der samogitischen (Pabrėža) Übersetzung sichtbar werden. Ein konsequenter Gebrauch der Dualzahl ist nicht nur für die Übersetzung der Texte von K. Fabiani durch Pabrėža charakteristisch, sondern auch für andere Predigten der handschriftlichen Sammlung von J. A. Pabrėža PAMOKSLAI Woyringosy Materyjosy.
SCHLÜSSELWÖRTER: Karol Fabiani (1716 – nach dem 09.04.1791), Kiprijonas Lukauskas (1757–1815), Jurgis Ambroziejus Pabrėža (1771–1849), Predigt als Lehre, Samogiten, die Dualzahl.
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ANNOTATION
Eine bibliografische Notiz über die Lehre aus Karol Fabianis Buch Missya apostolska CZĘŚĆ II (1783), die in einer der Predigten von Jurgis Ambroziejus Pabrėža (1824) gefunden wurde, enthüllte nicht nur das Geheimnis der Herkunft der 30 Predigten, die im ersten Teil (S. 312) des Manuskripts von Kiprijonas Lukauskas (1797) niedergeschrieben sind (siehe Pajėdienė 2022), sondern eröffnete auch die Möglichkeit, drei Fassungen desselben Textes zu vergleichen. Zwei Predigten über das Achte Gebot aus dem genannten Buch von Fabiani liegen sowohl in der litauischen Fassung von Lukauskas als auch in der samogitischen Fassung von Pabrėža vor. Der Vergleich von Textfassungen in verschiedenen Sprachen ermöglicht es, recht subtile sprachliche Besonderheiten zu erkennen. Die grammatische Eigenart von Pabrėžas samogitischer Fassung der Fabiani-Predigten hängt mit dem Gebrauch der Dualzahl zusammen. Der Beitrag erörtert die unterschiedlichen Modelle des Gebrauchs der Dualzahl, die beim Vergleich von Fabiani’s polnischem Text mit der litauischen (Lukauskas) und der samogitischen (Pabrėža) Übersetzung sichtbar werden.
Der konsequente Gebrauch der Dualform findet sich nicht nur in der Übersetzung der Texte Fabianis durch Pabrėža, sondern auch in anderen Predigten aus Pabrėžas handschriftlicher Sammlung PAMOKSLAY Wayringosy Materyjosy.
SCHLÜSSELWÖRTER: Karol Fabiani (1716 – nach dem 09.04.1791), Kiprijonas Lukauskas (1757–1815), Jurgis Ambroziejus Pabrėža (1771–1849), Predigt als Lehre, Samogiten, die Dualzahl.
EINLEITUNG
In der Sammlung PAMOKSLAY Wayringosy Materyjosy von Jurgis Ambroziejus Pabrėža (im Folgenden PWM; zur Transkription und zum Faksimile des Manuskripts siehe Šepetytė, Hrsg., 2020) zeigte eine bibliografische Notiz in der 1824 niedergeschriebenen Predigt Apey griekus lyžózwy über das aus Karol Fabianis Buch Missya apostolska CZĘŚĆ II (toliau – FMA2, 1783) pasitelktą mokymą übernommene Material nicht nur die Herkunft der genannten PWM-Predigt, sondern auch die Herkunft der 30 Predigten, die im ersten Teil (S. I–II; 1–310) des Manuskripts von Kiprijonas Lukauskas aus dem Jahr 1797 Pamokstas Isz Prasakimu Diewa Ape Pawinascias Giwenima Krikscioniszką [...]² niedergeschrieben sind (siehe Pajėdienė 2022). Zwei Predigten Fabianis über das 8. Gebot Gottes – NAUKA XXVIII. z Przykazania Boskiego Osmego. Nie bedziełz mowił fałszywego świadectwa przeciwko bliźniemu twemu (FMA2 457–469) und NAUKA XXIX. o Obmowach i innych języcznych grzechach, do tego Przykazania Boskiego, Osmego
¹ Vgl.: Wypisano prawie co do słowa z Missyi Apostolskiej Części 2 [...] Księdza Fabianiego PWM 228.
² Zur Transkription der in der Bibliothek der Universität Vilnius aufbewahrten, 409 Seiten umfassenden handschriftlichen Sammlung F1–D654 siehe Karaciejus, Hrsg., 1996, im Folgenden LP.
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naležęcych (FMA2 470–489) liegen nicht nur in der litauischen Übersetzung von ³ Lukauskas (LP 281–301), sondern auch in der samogitischen Übersetzung von Pabrėža (PWM 203–228) vor. Der Vergleich der in drei Sprachen verfassten Fassungen des Fabiani-Textes zeigt auch recht subtile sprachliche Unterschiede. In Pabrėžas Übersetzung finden sich eigenständige Verwendungen von Dualformen und -konstruktionen. Ziel des Beitrags ist es, durch den Vergleich von Fassungen eines inhaltsgleichen Textes in drei Sprachen – Polnisch, Litauisch und Samogitisch – die von Pabrėža gewählte Wiedergabe der Dualzahl zu erörtern. Die von Pabrėža niedergeschriebene, dem Modell des polnischen Originals nicht entsprechende Dualzahl der Pronomen dokumentiert eine andere grammatische Kennzeichnung der beiden behandelten Subjekte oder Objekte. Der Beitrag gibt außerdem einen Überblick über die in anderen PWM-Predigten verwendeten Dualmodelle (d. h. die Flexion der Personal- und Demonstrativpronomen, die sich auch auf nominale Fügungen und das Verb erstreckt) sowie über die Motive für diesen Gebrauch.
Der für die heutige litauische Sprache charakteristische Gebrauch von Dualformen gilt gewöhnlich als aussterbend (vgl. Zinkevičius 1980: 180–181; 2009; Rosinas 1994), wobei zugleich die in einigen Dialekten (insbesondere im nordsamogitischen⁴) erhaltene Lebenskraft der Dualzahl hervorgehoben wird (vgl. Zinkevičius 1980: 181–182; Pabrėža 2017: 98–99). Bei der Untersuchung der Entwicklung der Dualzahl litauischer Substantive und Pronomen wurden ältere samogitische Schriften des 19. Jahrhunderts – die Werke von Simonas Daukantas und Simonas Stanevičius – als Beleg für den bei den Samogiten charakteristischen konsequenten Gebrauch der Dualzahl herangezogen (vgl. Zinkevičius 1980: 182; Rosinas 1994: 113, 119). Die in Pabrėžas Manuskripten regelmäßig verwendeten Dualkonstruktionen⁵ sind, selbst nach der Veröffentlichung der PWM-Predigtsammlung, bisher noch nicht eingehender behandelt worden (ausgenommen die von Rita Šepetytė vorgelegte Liste repräsentativer Dualformen von PWM – ausgewählter flektierter (Nomina und Partizipien) und konjugierter (Verben) Wörter –, siehe Šepetytė 2020: 50–51; 53).
³ Zu den sprachlichen Besonderheiten des Manuskripts von Lukauskas siehe Zinkevičius 2001.
⁴ Zur zweifachen Charakterisierung des samogitischen Sprachsystems siehe Juozo Pabrėžas (2017: 47) Darstellung des Unterschieds zwischen den Begriffen žemaičių kalba und žemaičių tarmė sowie seine Erläuterung des Gebrauchs des neutralen Begriffs žemaičių kalba „beim Sprechen oder Schreiben über ein einziges Sprachsystem“. Zur Bezeichnung des im Manuskript des Predigers Pabrėža aufgezeichneten Sprachsystems (mit im Laufe der Zeit ständig vervollkommneter Orthografie – vgl. Subačius 1996) als „Modell oder Projekt einer samogitischen Standardsprache“, das alle erforderlichen samogitischen Parameter besitzt: „auf dem samogitischen Dialekt beruhend, ausschließlich für Samogitien bestimmt, in Samogitien geschaffen und von einem Samogiten“, siehe Subačius 1998: 22.
⁵ Die Dualzahl wird auch in dem Manuskript von Pabrėža verwendet, das eine Übersetzung eines Geografiebüchleins enthält (siehe Šepetytė 2019: 47).
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1. FASSUNGEN DES FABIANI-TEXTES IN DEN MANUSKRIPTEN VON LUKAUSKAS UND PABRĖŽA: UNTERSCHIEDLICHE AUSPRÄGUNG DER DUALZAHL
Beim Vergleich des Textes zweier Predigten aus dem Buch FMA2 – Nauka XXVIII. z Przykazania Boskiego Osmego. Nie będziełż mówił fałszywego świadectwa przeciwko bliźniemu swemu (FMA2 457–469) und Nauka XXIX. o Obmowach i innych języcznych grzechach, do tego Przykazania Boskiego, Osmego należących (FMA2 470–489) – mit ihren litauischen und samogitischen Fassungen in den Manuskripten von Lukauskas (LP 281–301) und Pabrėža (PWM 203–228) treten Unterschiede im Gebrauch der Dualzahl hervor. Die Übereinstimmung der Dualverweise in beiden Übersetzungen zeigt sich nur bei der Übersetzung der Dualpronomen im Fabiani-Text – des einteiligen oba und des zusammengesetzten obydwa (ihr Gebrauch wird durch die beschreibende lexikalische Bedeutung bestimmt, die den gemeinsamen Charakter des genannten Merkmals beider Glieder bei seiner ersten Erwähnung in den Mittelpunkt stellt⁶). Die Autoren beider Manuskripte – sowohl Lukauskas⁷ als auch Pabrėža – wählen für die genannten Dualpronomen dasselbe Äquivalent. Es handelt sich um das zusammengesetzte Pronomen abudu⁸, von dem aus sich die Dualzahl auch auf eine attributive Konstruktion (1b) oder eine Verbfügung (2a, 2b) erstrecken kann, vgl.:
(1) Wenn ein falscher Zeuge gegen einen Menschen auftritt und ihn des Meineids beschuldigt, stehen beide, die vor dem Herrn eine Rechtssache haben […] FMA2 458
(1a) Wenn ein falscher Zeuge gegen einen Menschen auftritt und ihn der Verfälschung der Wahrheit beschuldigt, stehen beide, die vor den Augen des Herrn eine Rechtssache haben […] LP 282
(1b) Wenn falsche Zeugen gegen einen Menschen auftreten und ihn wegen irgendeines Meineids verklagen, stehen beide, vor denen eine Rechtssache liegt, vor dem Herrn […] PWM 204
⁶ Nach Alberto Rosinas „werden die Dualformen gewöhnlich durch Pluralformen ersetzt, wenn dieselben Deskriptionen (Wortverbindungen) aus dem Fokus treten und im weiteren Text als bekannte Information nicht zum ersten Mal erwähnt werden, d. h. das Merkmal –Pp besitzen“ (Rosinas 1994: 114). Nach Ansicht des Forschers wird diese Aussage durch alle Texte des 16.–18. Jahrhunderts bestätigt (ebd.: 114–115); als konsequent oder regelmäßig gilt „nicht nur der Gebrauch der Dualzahl in den Fällen, in denen das von ihr bezeichnete Wort das Merkmal +Pp besitzt, sondern auch in den Fällen, in denen das von ihr bezeichnete Wort das Merkmal –Pp besitzt“ (ebd.: 113).
⁷ Zum Gebrauch der Dualzahl im Manuskript von Lukauskas, die ihm „aus seinem heimatlichen samogitischen Dialekt bekannt war“, siehe Zinkevičius (2001: 62–68; 72).
⁸ Die einteiligen Dualformen der Pronomen abu, abi gelten als aus der baltischen Ursprache ererbt, während die zusammengesetzten (kollektiven) abudu, abidvi später als die einteiligen sind (vgl. Rosinas 2001: 103). Nach Rosinas wird das Pronomen abu, abi oder abudu, abidvi anstelle des Zahlworts du, dvi verwendet, um „hervorzuheben, dass alle Elemente der aus zwei Objekten oder Personen bestehenden Menge das im Satz genannte Merkmal besitzen“, jedoch nur „in den Fällen, in denen die zwei Objekte oder Personen das Merkmal –Pp bereits besitzen (nicht erstmalige Erwähnung) oder aus der ‚Präsupposition des allgemeinen Wissensbestands‘ bekannt sind“ (siehe Rosinas 1994: 111). Zur Zuordnung von abu, abi nicht zur Klasse der Zahlwörter, sondern zur Klasse der Pronomen siehe ebd.: 109. Andere Sprachhistoriker nennen abu, abudu Zahlwörter (zu den mit den Zahlwörtern du, dvi, abu, abi, abudu, abidvi verwendeten Dualformen (Genus) siehe Palionis 1967: 143; Zinkevičius 1980: 179).
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(2) nach dem Gesetz beide bestraft werden müssen FMA2 475 (2a) und nach dem Gesetz beide bestraft werden müssen LP 292 (2b) und nach dem Gesetz beide bestraft werden bestraft PWM 218
Im Text von Pabrėža zeigt sich auch in den Fällen ein vom polnischen Originalbeispiel unabhängiger Gebrauch der Dualzahl, in denen der Verweis auf zwei Subjekte (Objekte) im polnischen Fabiani-Text nicht aktualisiert wird. Beispielsweise werden bei der Erzählung der Geschichte von Hananias und Saphira (Apg 5) nur im Text von Pabrėža sowohl das Relativpronomen kuris als auch das indirekte Demonstrativpronomen anas⁹ dviskaitos formos: ktorzy FMA2 464 – kurie LP 286 – kórioúdó [...] anóudó [...] abódó PWM 208–209 zur Bezeichnung dieses Paares gewählt. Vgl. den Vergleich der Absätze, die diese Pronomenauswahl in den verschiedenen Schriften enthalten:
(3) Wir haben dafür ein Beispiel [...] Wir haben ein zweites in der Apostelgeschichte: Ananias und Saphira, die für das verkaufte Grundstück, als sie das Geld zu Petrus S. brachten und Petrus S. fragte: Habt ihr für dieses Grundstück wirklich nur so viel Geld bekommen? Sie antworteten: so viel; doch es war eine Lüge, und sogleich wurden sie an eben diesem Ort wegen dieser Lüge mit plötzlichem Tod bestraft. Diese Lüge scheint unter ihren Umständen leicht zu sein, weil sie niemandem schadete. Es bestand auch keine Pflicht, das für ihr eigenes Eigentum erhaltene Geld der gemeinsamen Kasse zu übergeben. Beachtet, wie streng sie bestraft wurden. FMA2 464
(3a) Dafür haben wir ein Beispiel [...] Ein zweites haben wir in der Apostelgeschichte über Ananias und Saphira, die für das verkaufte Grundstück, als sie das Geld zu Petrus brachten und Petrus fragte, ob sie für jenes Grundstück wirklich nur so viel Geld genommen hätten; sie antworteten: so viel, doch es war nicht wahr, und sogleich blieben sie an derselben Stelle wegen dieser Lüge durch einen plötzlichen Tod bestraft liegen. Diese Lüge scheint unter ihren Umständen leicht zu sein, denn sie schadete niemandem. Es gab keine Pflicht, das für ihr eigenes Gut erhaltene Geld der gemeinsamen Kasse zu übergeben. Achtet darauf, wie streng sie bestraft wurden. LP 285–286
(3b) Dafür zeugt diese Wahrheit [...] Das zweite Beispiel, das sich erfüllt hat, findet sich in der Apostelgeschichte, wie es in der Apostelgeschichte geschrieben steht: die ihr Grundstück verkauft hatten, um das Geld zum heiligen Apostel Petrus zu bringen. Der heilige Petrus fragte sie, ob sie wirklich nur so viel für jenes Grundstück genommen hätten: Sie antworteten so viel; doch es war nicht wahr: für diese Lüge wurden sie sogleich mit plötzlichem Tod von Gott bestraftbeide von Gott bestraft und blieben dort liegen. (: Actor. Cap. 5.:) Dennoch scheint ihre Lüge unter ihren Umständen leicht zu sein, denn sie war niemandem schädlich; und es gab kein ausdrückliches Gebot, dass sie ihr eigenes Gut verkaufen und es notwendigerweise in die allgemeine Kasse der heiligen Kirche geben sollten. O wie streng Gott sie dafür bestraft hat sofort und für eine solche Lüge. Denkt also darüber nach, wie streng bei Gott sowohl die großen als auch die kleinen Lügen bestraft werden. PWM 208–209
⁹ Zu den Relativpronomen und den indirekten Demonstrativpronomen siehe Rosinas 1996: 140, 94.
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Bei der Übersetzung des hinsichtlich der Wiedergabe der Dualzahl neutralen Verweises Fabiani’s pirmųjų z nich aktualisiert Pabrėža die Zahl (und zugleich die Bestimmtheit) des Verweises auf die gerade erwähnten Subjekte – dazu wählt er die Dualzahl des indirekten Demonstrativpronomens in der Fügung pyrmasis ysz anůdůs „der erste von den beiden“, vgl.:
(4) Diesen Satz vertreten die heiligen Kirchenlehrer Augustinus und Bernhard. Pierwſzy z nich sagt. Non accomodes aures ad Verba detractoris ne accipias mortem in Anima. Lass deine Ohren nicht auf die Worte des Verleumders ein, damit nicht der Tod in deine Seele eintritt. FMA2 475
(4a) Das ist die Meinung der heiligen Kirchenlehrer Augustinus und Bernhard. Der erste von ihnen sagt: Non accomodes aures ad Verba detractoris ne accipias mortem in Anima. Öffne deine Ohren nicht den Worten des Verleumders, damit der Tod nicht in deine Seele eintrete. LP 292
(4b) So bekräftigen es die heiligen Väter: der heilige Augustinus und der heilige Bernhard. – Pyrrnasis ysz anůdůs sagt. Non accordes aures ad verba detractoris, ne accipias mortem in Anima. Öffne deine Ohren nicht den Worten des Verleumders, damit der Tod nicht in deine Seele eintrete. PWM 218
Fabiani bezeichnete relative Konstruktion mit dem indirekten Demonstrativpronomen und Zahlwort du (owych dwoch ſtarcow, ktorzy) wird von Lukauskas entsprechend übersetzt (anus du senius, kurie); in Pabrėžas Übersetzung wird sie zusätzlich durch eine sich über die gesamte attributive Fügung erstreckende Dualzahl gekennzeichnet (anůdů Senió dó, kóriůdů „jene beiden Alten, die beiden, welche“), vgl.:
(5) Und jene beiden Greise, die falsch gegen die unschuldige Susanna aussagten, wurden vom versammelten Volk getötet […] FMA2 459
(5a) Und jene beiden Alten, dieanus du senius, kurie gegen die unschuldige Susanna fälschlich ausgesagt hatten, wurden vom versammelten Volk getötet […] LP 282
(5b) Anůdů Senió dó, kóriůdů hatten fälschlich gegen die unschuldige Susanna ausgesagt; das Volk versammelte sich und tötete sie mit Steinen […] PWM 204
Der große Bedarf an der Wahl von Dualformen (d. h. die für das samogitische Sprechen charakteristische Aktualisierung des Dualverweises) zeigt sich in Pabrėžas Übersetzung, die das Satzmodell des polnischen Originals durch zusätzliche Dualpronomen ergänzt. Beispielsweise wird die vergleichende Konstruktion des Fabiani-Satzes mit Demonstrativpronomen ten […] iako i ten […], die auch Lukauskas wählt (tas […], kaippo yr tas), in Pabrėžas Übersetzung durch das zusammengesetzte Dualpronomen abódó wiedergegeben, wobei zuvor bereits durch die erste Erwähnung im Ausgangssatz die Dualzahl aktualisiert wird: [p]akalbůsis, yr kórs klausós pakalbėty, welni tor abódó „derjenige, der verleumdet, und derjenige, der dem Verleumder zuhört, haben beide den Teufel“, vgl.:
(6) Der Verleumder und derjenige, der der Verleumdung zuhört, haben den Teufel, mit dem einzigen Unterschied, dass derjenige, der verleumdet, ihn auf der Zunge hat, und derjenige, der dem Verleumder zuhört, ihn in den Ohren hat; das heißt: so ten schadet dem seinen ebenso wie ten. FMA2 476
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(6a) Der Verleumder und derjenige, der der Verleumdung zuhört, haben den Teufel; mit dem einzigen Unterschied, dass derjenige, der verleumdet, ihn auf der Zunge hat, und derjenige, der dem Verleumder zuhört, ihn in den Ohren hat; das heißt: so schadet der eine dem seinen wie auch der andere. LP 292
(6b) Nach dem Gesagten und nach dem Gehörten sollen zwei Dinge, die Teufel haben beide: nur dem, der besonders spricht, werden die Teufel aus dem Mund kommen; und dem, der das besonders gesprochene Wort hört, werden die Teufel in den Ohren sein: das heißt, dass beide ihre Seelen verderben. PWM 218
Die in Pabrėžas Fassung des Fabiani-Textes erkennbare andere Tendenz – der konsequente Gebrauch von Dualkonstruktionen, der den entsprechenden Fassungen in den Texten FMA2 und LP nicht entspricht – kann mit samogitischem Denken und ausgeprägten Übersetzungsfähigkeiten in Verbindung gebracht werden10. Ein konsequenter Gebrauch der für das samogitische Sprechen charakteristischen Dualzahl findet sich auch in anderen Predigten der PWM-Sammlung.
2. DVISKAITOS FORMŲ ĮVAIROVĖ IR VARTOJIMO NUOSEKLUMAS KITUOSE PABRĖŽOS PAMOKSLUOSE
Die Vielfalt und Häufigkeit der Dualformen in PWM lassen sich mit der Pabrėža eigenen volkstümlichen Sprechweise11, der Vielfalt der für die Predigten gewählten Themen und Illustrationen sowie einer recht eigenständigen Argumentationsweise in Verbindung bringen, die das traditionelle Verständnis der gewöhnlich angenommenen Spezifik von Inhalt und Argumentation von Predigten widerlegt12. Indem Pabrėža die Zuhörer der Predigten mit dem katholischen Glauben und der katholischen Lehre (den Werten) vertraut machte, begründete er seine Aussagen mit konsequent aufgezählten
10 Inhalt, Struktur und Sprache der PWM-Predigten zeigen, dass es dem Autor der Texte darum ging, die zu übersetzenden Texte den Zuhörern möglichst klar und verständlich zu vermitteln und damit die in der Einleitung der Predigt aufgestellten Argumente zu begründen.
11 Zu Pabrėžas volkstümlichen Texten und seiner Konzentration auf die heimatliche gesprochene Sprache siehe Subačius 1996: 44. Etwas früher hatte Jonas Palionis (1979: 162) Pabrėža unter denjenigen genannt, „die längere Zeit vom Volk entfernt waren“, und versucht, diese Aussage mit dem kirchlichen Stil und der Fülle an Lehnwörtern (insbesondere Polonismen) zu begründen.
12 Das Schwinden der Dualzahl wird gewöhnlich damit in Verbindung gebracht, dass es sowohl in den schriftsprachlichen Quellen (vgl. die von Palionis (1967: 142–143) angeführte Verbindung der Seltenheit von Verbdualformen mit „der Spezifik des Inhalts der damaligen Schriften: Sowohl in verschiedenen Sammlungen religiöser Dogmen und Predigten als auch in Dokumenten bürokratischen Charakters (Erlassen, Eiden) ist gewöhnlich nicht von den Handlungen zweier, sondern vieler Personen die Rede; außerdem richtet man sich meist an viele Menschen“) als auch in der lebendigen Sprache selten einen Anlass gibt, sie zu verwenden (vgl. die Bemerkung von Zigmas Zinkevičius (1980: 180): „Denn nicht oft muss ein Mensch speziell über zwei Lebewesen, zwei Dinge oder zwei Erscheinungen sprechen. Gewöhnlich spricht man über eines oder über mehrere bzw. viele (drei, vier...), sodass man meistens Singular- und Pluralformen verwenden muss.“).
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Argumente. Häufig wurden dafür nicht nur mehrfache, sondern gerade paarweise Argumente oder Aufzählungen alternativer Wahlmöglichkeiten aus zwei Möglichkeiten herangezogen (die auch bei der Wiedergabe von Bibelstellen vorkommen); dies begünstigte die Wahl von Dualkonstruktionen, vgl.:
(7) Nun wird jedem die Wahrheit vorgelegt. Es heißt: Wie kann man Gott besonders erzürnen? Der zweite Weg ist, dass man nicht gegen dieses Gebot sündigt. – Über diesen zweiten Weg wird im zweiten Teil dieses Gebots gesprochen. PWM 12
(8) Fr. Was tut die Notwendigkeit dem Menschen an? – Antw. Sie zieht ihn strenger heraus […] heißt es: […] – Zweitens. […] PWM 146
(9) Wer den Nächsten aus Neid verleumdet, füllt die zweite Sünde voll, heißt es, die Verleumdung, und die zweite, die Vergebung PWM 239
(10) Gott […] gebietet zweierlei: erstens: dass […] – zweitens: dass […] PWM 13
(11) Jede Sünde zweierlei zieht von selbst Schuld und Strafe nach sich PWM 729
(12) Diese Strafe wird auf zweierlei WeisePWM 729
(13) Viertens ist auch dies auszulegen, ob dieses Gebot in zweierlei Geboten geboten ist […] PWM 438
(14) (: Math. 6. 24.:) Niemand kann zwei Herren dienen: Ihr könnt nicht Gott und dem Teufel dienen. PWM 324
(15) Aber ich weiß nicht, ob alle sich über die zweifache Wahrheit PWM 745
(16) Über diese zweifache Sünde wird im folgenden Absatz gesprochen. PWM 87
(17) Damit ihr euch nicht rühmt, dass ihr nur kurz und wenig über diese umso schwerere Sünde gehört habt: denn die Zeit war sehr kurz. PWM 379
Der natürliche Gebrauch der Dualzahl wurde durch Pabrėžas Vorliebe gefördert, sich auf Autoritäten zu berufen (vgl. im Beispiel 18 die für die erste und wiederholte Erwähnung der Gemeinsamkeit des genannten Autoritätenduos gewählten Dualfügungen kóriuodó Apasztołó, tóudó Apasztołó), oder beim Nacherzählen biblischer und Heiligengeschichten sowie bei der Erörterung von Verhaltensmustern des Alltags Beispiele für angemessenes und unangemessenes (warnendes) Verhalten zu geben. Solche Illustrationen umfassen auch die Erwähnung von zwei in den nacherzählten Geschichten handelnden Subjekten (Objekten), z. B.:
(18) […] Bažnicze Szwięta tamy daykty sėk mysly Apasztołu Szwiętu Petra yr Powyła: kóriuodó tay Apasztołó pagalaus yr tyms, kóryi moteristie ira, zaliecyi tusy laykusy óżsytórieyma nóu Moteristys: byli tyktay tay daritu só prizwalyimó wyns ôntra: o tay dielto tóudó Apasztołó teyp zaliecyi, idant Wiernyiy geresney pylniawotu Małdos tusy laykusy. PWM 314
(19) Auf die Stadt und die Häuser blickend und zweierlei, nachdem er den Pfeil nach unten geschossen hatte, sprang er zurück und stürzte. PWM 118
(20) Beide diese Räuber wurden gerettet: doch zwischen den Sünden diesen lag ein UnterschiedPWM 132
In PWM finden sich auch für den Predigtstil wenig erwartbare Dualformen. Wenn Pabrėža Dialoge heranzieht (lebendig nacherzählt), umfassen die Einfügungen direkter Rede
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dies auch die Wahl der Dualzahl der Personalpronomen13, vgl. die kollektive Bezeichnung der ersten und zweiten Person durch das Pronomen wedō „wir beide“ oder die kollektive Bezeichnung des Adressaten der zweiten Person durch das Pronomen jodō „ihr beide“ (siehe Beispiele 21 und 22). Die kollektive Bezeichnung des Adressaten kann auch ohne Verweis auf ein Personalpronomen wiedergegeben werden – allein durch die Dualformen finiter oder infinitiver Verben (siehe im Beispiel 23 die Warnung, dass die Nichtbefolgung der Anweisungen des Ehesakraments zu einem nicht nur ehelichen, sondern auch jenseitigen Leben führt, das dem Streit zweier verheirateter Hunde gleicht – dort zeigt die Gemeinsamkeit des kollektiven Adressaten die Dualformen des Konjunktivs nōumyrsytau „ihr beide werdet sterben“, rys ytaus „ihr beide werdet euch streiten“ und des Halbpartizips budamō „als ihr beide seid“), vgl.:
(21) Aber ihr beide werdet als Bettler umhergehen, sagt der Sohn, ihr werdet auf ewig verdammt sein, nicht aber verlorengehen. PWM 291–292
(22) sagt: tiliekytau jodō padukielō sunu! PWM 292
(23) Da du die Gnaden Gottes nicht schätzen wirst, beginnst du, deinen Nächsten zu hassen, zu verleumden und zu schmähen, und gemäß deinen Ohren gibt es nur Schmutz: und in einem solchen verhassten Zustand wirst du ohne Umkehr sterben, beide werdet ihr mit loser Zunge bei der Beichte in die Hölle fahren, ohne das Ende der Ewigkeit zu entkommen. PWM 314
Den Beweis für den konsequenten Gebrauch des Duals in Pabrėžas Predigten liefert nicht nur die bereits etwas früher behandelte Übersetzung des polnischen Textes der Fabiani-Predigten, sondern auch aus anderen Quellen abgeschriebene Geschichten. Einige von ihnen können als von der Verwendung morphologisch vielfältiger Dualformen erfüllt beschrieben werden14, vgl.:
(24) Der heilige Antoninus, Erzbischof von Florenz, führte einst einen schrecklichen Streit über einen reichen Mann. – Dieser Reiche, von dem wir hier sprechen, nähert sich bereits dem Tod. Ihn, der in tödlichen Sünden lag, heilte ein Mönch, damit er seine verborgenen Sünden bekenne, die er vor dem Mönch verheimlichte: Er stand auf, nahm sein Schwert und legte es auf den Tisch, und ohne etwas zu erwägen, weder zur Reue noch zur Furcht. Er hatte zwei Söhne, er nähert sich und sagt zu beiden, zu welchem er selbst sagte, und der Mönch: Nun antworteten sie ihren Söhnen:
13 In typologischen Beschreibungen werden die mit dem Zahlwort du gebildeten grammatikalisierten appositiven Konstruktionen der litauischen Sprache, in denen sich auch das Geschlecht oder die grammatische Gattung des handelnden Subjekts widerspiegelt (vgl.: muud–mudvi, judu–judvi, jiedu–jiedvi), als unregelmäßige Ausdrucksformen charakterisiert – bei den Personalpronomen der ersten und zweiten Person wird dieser Unterschied nur im Dual ausgedrückt (vgl.: aš ir mudu, mudvi, „ich und wir zwei“; tu ir judu, judvi, „du und ihr zwei“). Eine gleichwertige Kennzeichnung des Geschlechts (der Gattung) der sprechenden Person weisen auch die samogitischen Formen der Personalpronomen auf. Bemerkenswert ist, dass der samogitische kollektive Dual der ersten Person mit den Wörtern wedō, wedvē „mudu, mudvi“ bezeichnet wird (zur Deklinationsparadigmatik der samogitischen Personalpronomen siehe Pabrėža 2017: 98). In PWM werden nur maskuline Formen der Personalpronomen im Dual verwendet, vgl.: wedō 291; jodō 291, jódō 291; die maskuline Form jódōus wird auch im Fall einer Verallgemeinerung gewählt – bei einem Verweis auf beide Geschlechter, vgl.: Daleys Dyiwas ōž tawa atkakliby pri jėmyma Sluba ōzgintō laykō, daleys ne pawadzio ōnt jódōus givenyma 313.
14 Vgl. den von Rosinas (1994: 113) angeführten dualreichen Auszug aus einer von Daukantas aufgezeichneten Erzählung.
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Meine Söhne können nicht, sie zurückzuführen: denn wenn sie sie zurückführen, wird es offenbar, du musst, mein armer Mann, gehen: und wenn sie sterben, müsst ihr arm werden. – Aber ihr zwei werdet weiterhin arm gehen, sagt der Sohn, denn ihr werdet bis in Ewigkeit ohne Habe sein, äußerst arm. – Der Alte, der seine schlechten Worte gegen Gott richtet und mit Furcht auf ihre Augen blickt, sagt: Lasst ihr beide den Sohn des Armen zurück! Oder wisst ihr nicht, wer Gott beleidigt? Denn obwohl ich ein Sünder bin, gibt es niemanden, der Gott mehr beleidigt: und ihr zwei werdet den Armen verlassen, den ihr verfolgen werdet? Und daraus, aus eurer unreinen Seele, wird Ewigkeit und Unsterblichkeit hervorgehen. – Nicht lange danach wird der eine Sohn diese Worte dem Vater sagen. Während sie beide untereinander streiten, begegnen sie einander, sagt er, ein Teil von Gott erfüllter, süßer Ermahnung, die dazu bestimmt ist, die Gotteslästerer zu beschämen: und der zweite, geht zum Vater, ohne etwas zu sagen. Aber was geschieht? Der gottlose Sohn stirbt nicht lange danach ebenfalls: und der unschuldige Sohn tritt in den Orden des heiligen Franziskus ein. Dieser Mönch betete eine Nacht lang inständig; Gott zeigte ihm die Hölle, und dort zwischen schwefligen Rauchsäulen, zwischen feurigen Flüssen und Flammenbündeln, sah er den Vater und seinen Bruder, elend und verflucht, in Flammen. Schließlich wurde jenem elenden Mann die Zunge zum letzten Wort herausgerissen: Dann riss er sich die Haare vom Kopf, dann zerfleischte er sein Gesicht: und sahen sie beide im Feuer, riefen: Wehe euch, sagt der Vater, wehe euch dieser Qual: – und ich wehe euch, antwortete der Sohn, verfluchter Vater! – Es wäre besser gewesen, sagt der Vater, wenn du niemals geboren worden wärest: und der Sohn antwortete dagegen: Es wäre besser gewesen, wenn mich die Bärin geboren hätte. – Darauf der Vater: Dieses gottlose Kind, hier quält es mich: und der Sohn antwortete: Und du bist mir der grausamste Vater. – Und als sie beide wieder in der Qual schrien, wäre es gewiss eine solche Strafe gewesen unter den schrecklichsten Qualen. (: Segneri Sermone 13. Nro. 8. Quadrag. wern.) PWM 291–292
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Der Vergleich der in den von Lukauskas (1797) und Pabrėža (1824) angefertigten Übersetzungen überlieferten Fassungen der Predigt über das 8. Gebot Gottes aus Fabianis Buch Missya apostolska CZĘŚĆ II (1783) zeigte eine mit dem Gebrauch des Duals verbundene grammatische Besonderheit des samogitischen Textes. In Lukauskas’ Übersetzung wird das vom polnischen Original vorgegebene Modell der Dualmarkierung wiederholt, das nur mit dem für die erste Erwähnung charakteristischen Gebrauch von Dualpronomen verbunden ist. In Pabrėžas Texten wird der Dual häufiger gewählt und ziemlich konsequent verwendet – seine Auswahl hängt nicht nur mit der ersten Erwähnung zusammen, sondern auch mit Wiederholungen von Dualkonstruktionen, die im gesamten Verlauf der jeweiligen Geschichte vorkommen. Der Gebrauch des Duals ist nicht nur für die Übersetzung der Fabiani-Predigt charakteristisch, sondern auch für andere Predigten der handschriftlichen Sammlung Pabrėžas
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Page 11Zum Dual in den handschriftlichen Predigten von Jurgis Ambroz ej aus Pabrėža
PAMOKŠLAY W ayringosy Materyiosy. Einige Textabschnitte dieser Predigten können als in Dual erzählte Geschichten bezeichnet werden (vgl. die Belegstelle PWM 291–292). Die Fülle der Dualkonstruktionen in PWM, die durch Pabrėžas volkstümliche samogitische Sprechweise und den Inhalt seiner Predigten bestimmt ist (darin kann der Dual verwendet werden, um zwei Personen durch eine Anrede miteinander zu verbinden, sie als in einer bestimmten Geschichte Handelnde zu charakterisieren oder sie als Quelle einer bestimmten Aussage oder Meinung zu kennzeichnen), sowie der aufzählende Charakter der Argumentation (duale Argumente sind besonders häufig) weisen auch auf weitergehende Motive für den Gebrauch des Duals hin, als sie in sprachwissenschaftlichen Beschreibungen gewöhnlich angegeben werden (vgl. Palionis 1967: 142–143; Zinkevičius 1980: 180).
ŠALTINIAI
F M A 2 – [Fabiani eKarol 1783] MISSYI APOSTOLSKIEY CZĘŚĆI II. w ktorey się przekładaią NAUKI z przykazan boskich o powinnościach z ycia chrześciańskiego. przez x. karola fabianiego kanonika kaliskiego, Szkół Wydziałowych Łęczyckich Kaznodzieię NAPISANE, po rożnych Missyach MOWIONE, i do druku PODANE. Za dozwoleniem Zwierzchności. w KALISZU, 1783. w Drukarni J. O. Xcia Jmci Prymasa, Arcy-Biskupa Gnieźnieńskiego. Prieiga internete: https://polona.pl/item/missyi-apostolskiey-czesc-ii-w-ktorey-sie-przekladaia-nauki-z-przykazan-boskich-o,MTM5MjMwNjY5.
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PWM – [Pabrėža Ambroziejus, rašyta 1799–1831] PAMOKSLAY Wayringosy Materyiosy Ał rožniu wyitu, iwairiusy taykusy Sakity par Kónyga Ambroziejo Pabrėža Tercyjoriǫ Zokana Szwęta Tiewa Prąčyszkaus, faksimilė ir perrašas. – Pamokslai vairin-gose materijose, sakyti Ambroziejaus Pabrėžos, par. R. Šepetytė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2020.
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Straipsniai / Articles
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Page 12JŪRATĖ PAJĖDIENĖ
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Acta Linguistica Lithuanica XC
Page 13Dėl dviskaitos rankraštiniuose Jurgio Ambroziejaus Pabrėžos pamoksluose
On the Dual Number in the Manuscript Collection of Sermons by Jurgis Ambroziejus Pabrėža
SUMMARY
A bibliographic note about the teaching from Karol Fabiani’s book Missya apostolska CZĘŚĆ II (1783) found in one of the sermons of J. A. Pabrėža (1824) not only revealed the mystery of the origin of the 30 sermons written in the first part (p. 312) of Kiprijonas Lukauskas’ manuscript (1797) (see Pajėdienė 2022) but also provided the opportunity of comparing three versions of the same text. Two sermons on the Eighth Commandment from the above book by Fabiani appear in the Lithuanian version by Lukauskas and the Samogitian version by Pabrėža. Comparing versions of the text written in different languages allows us to see quite subtle linguistic peculiarities. The grammatical distinctiveness in Pabrėža’s Samogitian version of Fabiani’s sermons is related to the usage of the dual number. The article discusses the different models of using the dual number, which became apparent in comparing Fabiani’s Polish text, the Lithuanian (Lukauskas), and Samogitian (Pabrėža) translations.
The expression of the dual number resembling the Polish original, which is repeated in Lukauskas’ translation, is associated solely with the selection of dual pronouns typically used for the first mention. Meanwhile, in Pabrėža’s text, the dual form is used not only for the initial mention of the two acting subjects (objects) as a means of drawing attention but also for repeating the relevance of such binary membership throughout the narration of a particular story. The consistent use of the dual form is not only found in the translation of Fabiani’s texts by Pabrėža but also in other sermons from Pabrėža’s manuscript collection PAMOKSŁAW Wawringosy Materyjosy. Such use of the dual number is associated with Pabrėža’s natural Samogitian speech patterns, his characteristic enumerative argumentation (where dual arguments are prevalent), and the selection of illustrative didactic stories (often involving only two characters) to convey different arguments.
Įteikta 2023 m. gruodžio 19 d.
JŪRATĖ PAJĖDIENĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT–10308 Vilnius, Lietuva
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