Page 1LIETUVIŲ KALBOS SANDAROS TYRINĖJIMAI
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXVI (1987)
VANDA BARANAUSKAITĖ
J. BALČIKONIS – ÜBERSETZER VON A. MICKEVIČIUS’ „GRAŽINA“
A. Žirgulys veröffentlichte 1974 in der ersten Ausgabe von „Mūsų kalba“ den Artikel „J. Balčikonį prisimenant“, in dem er erzählt, wie Prof. J. Balčikonis 1966 die Übersetzung von A. Mickevičius’ „Gražina“ herausgeben wollte. Aus Bescheidenheit gestand der Professor nicht ein, dass er selbst „Gražina“ übersetzt hatte, sondern erzählte A. Žirgulys, der damals im Verlag in Kaunas arbeitete, die Geschichte von einem kleinen Gutsbesitzer aus Kėdainiai, der den Professor gebeten hatte, die Sprache der Übersetzung zu überarbeiten. Leider war der Übersetzer gestorben; die Übersetzung herauszugeben hieße also, den Wunsch des Gutsbesitzers zu erfüllen. Doch diese Übersetzung gelangte nie an die Öffentlichkeit: Es waren bereits zwei Übersetzungen von „Gražina“ erschienen (von V. Sirijos-Gira und Just. Marcinkevičius), und „Vaga“ wollte keine dritte veröffentlichen.
Den Verlagsmitarbeitern erschien die Sprache der Übersetzung ausgesprochen balčikonisch, doch sie glaubten der Version des Professors und meinten, Balčikonis habe die Sprache bei der Überarbeitung der Übersetzung so verändert. Und ohne die Aussage des Sprachwissenschaftlers A. Lyberis, eines Verwandten des Professors, er habe die Manuskripte der Übersetzung von „Gražina“ gesehen, wüssten wir bis heute nicht, dass der Professor „Gražina“ übersetzt hatte.
Dass der Professor die Poesie liebte und übersetzen konnte, belegt auch folgender Umstand: In seiner Jugend schrieb und übersetzte J. Balčikonis Gedichte. Sie wurden in „Viltis“ und „Lietuvos ūkininkas“ gedruckt. „Damals waren sie recht populär. So vertonte Mikas Petrauskas Balčikonis’ Gedicht „Mes ir žuvom ir kentėjom…“; „Kalinys“ wurde sehr bekannt und zur Volksweise; später wurde es von J. Švedas harmonisiert. Wie Volksdichtung wurden die Gedichte „Ateis laikai“ und die Übersetzung von A. Pleščėjevs „Paukštytė“, einem Gedicht des russischen Dichters, aufgezeichnet. Prof. B. Pranskus schätzte Balčikonis’ revolutionäre Poesie sehr und stellte sie neben die des Dichters Jovaras1. J. Balčikonis zeichnete seine Gedichte mit den verschiedensten Pseudonymen: Trimittas, Sparnaitis, Bijūnėlis. „Gražina“ übersetzte er unter dem Pseudonym Silvestras Rimgaija.“
Viele Dinge behandelt Balčikonis als Übersetzer auf eigene Weise. In der Einleitung zu J. Balčikonis’ „Rinktinių raštų“ heißt es, er habe eine Reihe wertvoller Arbeiten zur litauischen Onomastik veröffentlicht und sich zur Litauisierung von Familiennamen geäußert. Dass der Professor eine eigene Haltung hatte, zeigt sich auch in der Übersetzung der Namen im Poem. Den Namen der Hauptfigur des Poems Gražina ersetzt er durch Gražine; der Name des Fürsten Liutaura wird zu Liutvdru, der Ortsname Naugardukas zu Naugardu, der Staatsname Vokietija – Vokia, und možūrai werden mazovais genannt.
1 Pupkis A., Mažiulis V. Juozas Balčikonis. – Kn.: J. Balčikonis. Rinktiniai raštai. V., 1978, t. 1, p. 11.
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Page 2Beim Lesen von J. Balčikonis’ Übersetzung „Gražinė“ fällt uns sofort der reichhaltige Wortschatz auf. Statt der üblichen Wörter, die durch häufigen und allgemeinen Gebrauch verblasst sind, wählt der Sprachwissenschaftler lebendigere Synonyme. Die Sprache von J. Balčikonis’ „Gražinė“ ist volkstümlich und lebendig. Der Übersetzer scheut sich nicht vor umgangssprachlichen Wörtern. Er verwendet reichlich Dialektwörter und -formen, zum Beispiel: „wenn du jene Erzählung aufmerksam verfolgt hast“, „schließlich entschloss er sich, es anders zu machen“, „und um das Wort dort umzukehren (zu ändern), genügte ein wenig“, „sie setzt Liutvaras als ihren Fürsten ein“, „wir dürfen hier nicht säumen“, „ich werde noch einmal schnell den Mann aufrichten“, „nebeneinanderstehend schlagen sie den gemeinsamen Feind“, „das Wetter ist schlecht, irgendein Wind“, „die Erschöpften drängte er sogleich zurück“, „es muss ihn wohl irgendein Starrsinn befallen haben“, „es steht uns nicht gut an, untereinander zu streiten“, „ihr Gesicht wird heiß, sie ist schrecklich aufgeregt“ und „denk daran, was befohlen wurde; seid bereit“ und so weiter.
Auch an Archaismen mangelt es in „Gražinė“ nicht; sie sind sehr wichtig: Sie verleihen der Erzählung etwas Geheimnisvolles und versetzen einen gleichsam in alte Zeiten zurück, zum Beispiel: „sie beschließt, zur Tür der Fürstin zu gehen“; das Wort „kunigė“ wird in den Schriften von M. Mažvydas und im Wörterbuch von K. Sirvydas verwendet. „Es gelang, die Gesandten der Kreuzritter hinauszujagen“ — das Wort „kryžeiviai“ findet sich in den Werken von A. und J. Juška sowie S. Daukantas, „siuntiniai“ im Gesangbuch von S. Slavočinskis und im Wörterbuch von K. Sirvydas. Auch andere von J. Balčikonis verwendete Archaismen finden sich in alten Schriften: „Was höre ich, o Herrscher?“, „das ist ein Fürst“, „weiter irgendwo in den Dörfern angesiedelt“, „und der Falke – des Jägers wahrer Stolz“, „das ist eine Frau, obwohl sie die Waffen eines Mannes trägt“.
In der Übersetzung tauchen auch einige seltene Wörter auf — etwa gardas, das J. Basanavičius und V. Pietaris verwendeten, das sich jedoch nie durchsetzte: „den einen gibt er eine Stadt, den anderen Land“. Ins Auge fällt auch das Wort arioti des Sprachwissenschaftlers selbst, das mit einer neuen Bedeutung verwendet wird: „hier ziehen wir ins polnische Land, um es zu verwüsten“.
Wörter aus verschiedenen lexikalischen Gruppen, die in der Übersetzung verwendet werden, besitzen ein potenzielles ästhetisches Gewicht. Im Sinne der kulturellen Tradition bedeutet das Archaismus medėjas semantisch nicht dasselbe wie medžiotojas; kunigas lässt sich nicht durch kunigaikštis ersetzen, kiemas nicht durch kaimas. Dialektwörter und Archaismen schaffen ein historisches Kolorit. Fast alle Dialektwörter sind ausdrucksstarke Wörter der Umgangssprache, doch ihre poetische Umformung gelingt nicht überall: Sie passen nicht zum romantischen Poem und wecken andere Assoziationen, etwa: „sie ist schrecklich aufgeregt“ und „aber der Unterschied zu deinen Männern ist wesentlich“.
Versuchen wir nun, einen längeren Abschnitt der Übersetzung zu betrachten. Stellen wir J. Balčikonis’ Übersetzung den Arbeiten anderer Übersetzer gegenüber. Wodurch zeichnet sich J. Balčikonis’ Übersetzung aus?
Nehmen wir die Beschreibung des anbrechenden Morgens als Beispiel:
Schon flieht die Nacht, schon breitet die Morgenröte ihr rosiges Haar über die östliche Wolke aus.
In J. Balčikonis’ Übersetzung fehlen die strahlenden Haare der Morgenröte und die Personifizierung; den Gedanken vermittelt der Übersetzer in einfacher Volkssprache, so, wie ein Dorfbewohner vom Morgengrauen sprechen würde:
Noch ist Nacht, doch eine Seite des Himmels ist schon rot vom Widerschein des Morgenrots…
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Page 3Der Sinn des Originals wird wiedergegeben, wenn auch nicht mit einem identischen Bild und ohne Anspielungen auf die antike Literatur (für die Romantiker war die antike Literatur ein Ideal). Auch die Syntax der Übersetzung wurde verändert. Der Übersetzer verlängert den ersten Satz um die Hälfte des zweiten Satzes; die wiederholten „schon“ verschwinden, doch beeinträchtigt das den Sinn der Übersetzung nicht: Der Satz ist flüssig, wenn auch ohne poetischen Einschlag.
Just. Marcinkevičius teilt den ersten Satz des Originals in zwei Sätze, bewahrt dadurch die Dynamik und den Klang der Originalsprache, verändert jedoch ebenfalls das künstlerische Bild:
Die schreckliche Nacht ist vergangen. Bald wird es hell, im Osten ist der Himmel wie mit Purpur übergossen.
Die Übersetzung von V. Sirijos-Gira erinnert an ein Volkslied. In der Übersetzung werden „Morgenröte“ und „Wolke“ zu Diminutiven, das künstlerische Bild bleibt nicht erhalten. Auch die Syntax wurde verändert, doch wird der Sinngehalt wie in den vorherigen Übersetzungen wiedergegeben.
J. Žilius – Jonila übersetzt diese Verse wörtlich:
Schon dämmert der Tag, schon bedeckt das Morgenrot mit weißem Licht den Himmel …
Der Übersetzer gibt das künstlerische Bild des Originals genau wieder und bewahrt die Personifizierung sowie die Anspielungen auf die antike Literatur (man denke an Homers „Odyssee“ und die rosenfingrige Morgenröte), doch die Übersetzung klingt nicht, sie ähnelt einem Prosatext. J. Žilius-Jonila verändert die Syntax des Originals: Der aus zwei Sätzen bestehende Originalabsatz wird zu einem Satz, doch der Sinngehalt ändert sich dadurch nicht; die Wiederholung von „schon“ bleibt erhalten.
Ein weiteres Beispiel. Darin wird nachts das geheimnisvolle Bild der Burg von Naugardukas gezeichnet, jedes Detail wird genau beschrieben:
Über die Rasenwälle und den bläulichen Sand hinweg ragte wie eine riesige Säule der braune Schatten empor und stürzte in den Graben, wo, in ewiger Enge, das Wasser unter grünem Schimmel keuchte.
Die Syntax des Originals bleibt in keiner der Übersetzungen erhalten; die Wortstellung wird verändert, und die Satzverknüpfung ist dem Original nicht angemessen.
In J. Balčikonis’ Übersetzung finden sich Informationen, die im Original nicht vorhanden sind (imaginierte Informationen); wir können sie lediglich erahnen:
Die Türme werfen ihre langen Schatten in die Ferne. Ringsum schwärzt sich der tiefe Wassergraben, Seine ruhige Oberfläche ist mit Moorpflanzen überzogen, Doch über ihn wird kein ungebetener Gast schreiten.
Die Übersetzung ist bildhaft, der Sinn wird wiedergegeben, auch wenn das künstlerische Bild nicht ganz genau ist. Der Farbeindruck des Originals geht verloren: „bläulicher Sand“, „grüner Schimmel“. Doch „Moorpflanzen“ vermittelt bereits für sich sowohl den Farbeindruck als auch einen wesentlich natürlicheren Klang als „grüner Schimmel“. In der Übersetzung werden Tropen verwendet: die Synekdoche „die Türme werfen Schatten“ und die Anthropomorphisierung „die Türme werfen“. Diese Stilmittel beleben die Übersetzung.
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Page 4Diese Zeilen übersetzte V. Sirijos-Gira beinahe wörtlich:
Der Schatten der Burg lag wie eine Säule Auf dem bläulichen Sand, dem Wall; in die Tiefe Stürzte er in den Graben, wo im feuchten Schatten Das Wasser zwischen grünen Schimmelstellen atmete.
Hier bleiben wie im Original die Personifizierung „das Wasser atmete“ und der Farbeindruck erhalten, doch die Übersetzung klingt leblos; dem Satz fehlt die Lebendigkeit, und er springt über die Versgrenzen hinweg.
Die Übersetzung von P. Arminas-Trupinėlis:
Auf gelblichem Sand und auf den Burgwällen Lagen die Schatten wie Riesen, Als wäre ein Teil von ihnen in den Graben gestoßen, Wo altes Wasser und Schimmel faulen.
Neben einer „Figur“ des Originals (dem Wasser) tritt in der Übersetzung noch eine zweite hinzu, die aus einer Ortsangabe gemacht wurde (der Schimmel). Nicht nur der Ausdruck „altes Wasser“ stößt auf, auch die Versgestaltung. Bedenkt man, dass dies die allererste Übersetzung von „Gražina“ war, dürfen wir nicht allzu kritisch sein.
Die Übersetzung von Just. Marcinkevičius ist zwar anmutig und klangvoll, entstellt jedoch den Sinn des Originals:
Am Grashügelwall empor gestiegen, Kriechen große Schatten über den Sand. Erschöpft stürzen sie in den alten Graben, Wo zwischen Gräsern frisches Wasser plätschert.
Es entsteht ein völlig neues poetisches Bild. Gewiss, ein romantisches, wie es auch in einem romantischen Epos sein sollte; doch der Autor dieses Epos wollte nicht die heitere Stimmung plätschernden Wassers vermitteln, sondern die geheimnisvolle und unheimliche nächtliche Stille zeigen, die das Plätschern des Wassers nur stören würde. Außerdem kann das Wasser in dem Graben, der die Burg umgibt, nicht plätschern und schon gar nicht frisch sein.
Verglichen wir die Übersetzungen mit dem Original und miteinander, fänden wir viele interessante Dinge, doch dafür wäre eine ausführlichere Arbeit nötig. Erwähnt sei, dass nicht nur Balčikonis den Namen Gražina änderte. P. Arminas-Trupinėlis übersetzte Gražina als Gražioji. Jonila bemühte sich, das Gedicht möglichst stark zu litauisieren: Naugardukas wurde zu Naujapile, Liutauras zu Liūtudaru. V. Sirijos-Gira übersetzte pasiuntinius mit legatais, J. Balčikonis mit siuntiniais. Für Balčikonis gleicht der Kreuzritterorden einer „vielköpfigen Schlange“, für Gira einer „Hydra“, für Marcinkevičius einem „Drachen“.
Schon aus einem kurzen Vergleich der Übersetzungen können wir einige Schlussfolgerungen ziehen. In den Übersetzungen von J. Žilius-Jonila und P. Arminas-Trupinėlis wird eine möglichst große Bildtreue angestrebt; manchmal wird vergessen zu prüfen, ob die Sprache der Übersetzungen geschmeidig und leicht zu lesen ist. Die Übersetzung von V. Sirijos-Gira ist nicht immer künstlerisch präzise; stellenweise wird eine wörtliche Übersetzung versucht, doch das Talent des Dichters hilft vieles auszugleichen. Für Just. Marcinkevičius kommt es vor allem darauf an, Kolorit, Stimmung und Klangdynamik des Originals zu bewahren. J. Balčikonis versieht die Übersetzung bewusst mit archaischem Anstrich und gibt die Bilder des Originals so wieder, wie sie einem Litauer vertraut wären
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Page 5Weltanschauung. Eine Tendenz zur Volkstümlichkeit der Sprache ist spürbar. Den elfsilbigen silabischen Vers überträgt er in einen fünfhebigen Jambus, der dem silabischen Versmaß am nächsten kommt. J. Balčikonis’ Arbeit ist eines der vollkommensten Beispiele für eine philologische Übersetzung: Fast überall hält er sich an eine genaue Übersetzungsweise, erläutert idiomatische Wendungen, und die Sätze fließen glatt, wenn auch ohne poetischen Schwung.
Der Professor überarbeitete die Übersetzung der „Gražina“ wiederholt und suchte nach anschaulicheren und lebendigeren Formulierungen. Er ersetzte nominale Konstruktionen durch Ausdrucksmittel, die für die volkstümliche Umgangssprache charakteristischer sind, und verbesserte die Reime. Er bemühte sich um eine möglichst bildhafte und konkrete Ausdrucksweise, auch wenn sich dadurch stellenweise die Poetik des Originals veränderte. Hier einige Beispiele:
Er schläft nicht – das wussten seine Vertrauten, Doch die Leute im Schloss und die Wachen der Burg, Die ehrenwerten Männer aus dem Rat, Wagten nicht, an die Tür des Herrschers zu klopfen.
Diese Verse überarbeitet er so:
Er schläft nicht, die Seinen wussten es, Obwohl ein so wichtiges Anliegen sich ergab, Dessen Lösung ohne den Führer nicht gelang, Doch wagten sie nicht, an die Tür des Führers zu klopfen.
Das Wort die Seinen ist konkreter als das Wort Vertrauten, und die Ersetzung von Herrscher durch Führer unterstreicht die Bedeutung des Geschehens im Epos, denn alle erwarteten, dass Liutauras nicht nur Herrscher, sondern auch Heerführer sein würde. Die Verse 2 und 3 wurden vollständig verändert. Sie werden informativer, der Gedankensprung entfällt, die Sprache wirkt lebendiger: Der erweiterte einfache Satz wurde durch einen Satz mit einem untergeordneten Nebensatz zweiten Grades ersetzt.
Bei der Übersetzung der Verse
Im Rat ist er der Weiseste, Auf dem Schlachtfeld der Tapferste von allen,
hat der Übersetzer vermutlich die sprachliche Monotonie vermeiden wollen und ersetzt daher die gereimten Adjektive im Superlativ durch ganz andere Wörter.
Im Rat fällt er stets gute Entscheidungen, Auf dem Schlachtfeld erringt seine Waffe den Sieg.
Außerdem ist die Personifizierung „seine Waffe erringt den Sieg“ bildhafter und volkstümlicher.
Man wird sagen: Du wolltest dir Reichtümer rauben, Und musstest fremdes Land überfallen.
Diese Verse überarbeitet er so:
Man wird sagen: Ihn lockte fremder Besitz, Gierig machte er sich auf den Weg und fiel ein.
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Page 6Die Korrektur wird durch das anschauliche Verb magėjo lebendiger, ebenso durch den Wechsel von der zweiten in die dritte Person, denn es soll die Sicht anderer auf den Herrscher vermittelt werden und nicht unmittelbar zu ihm gesprochen werden. Eine emotionale Nuance verleiht die Bezeichnung des Protagonisten godišium. Ein einfallsreicherer Reim.
Die Verse
Prächtig bauen die Kreuzritter nun Festungen, Ein Blick auf sie schon schüttelt die Preußen vor Furcht.
werden sogar zweimal überarbeitet:
Prächtige Festungen bauen die Kreuzritter, Von ihnen leiden die Preußen viel Unheil.
ir
Prächtige Burgen der Kreuzritter im Land der Preußen, Von dort lauern sie darauf, unser Land zu unterwerfen.
Das geschieht vermutlich wegen des Reims. In der zweiten und dritten Überarbeitung geht die Personifizierung der ersten Übersetzung verloren, dafür wird die Formulierung „prächtig bauen“ vermieden. „Prächtige Burgen“ klingt in der dritten Übersetzung überzeugender als „prächtige Festungen“.
Mit A. Žirgulis’ Worten: „Das ist nicht das Werk eines professionellen Dichters, sondern eines Sprachspezialisten. Obwohl er eine Neigung zur Poesie verspürte, feilte und glättete er sein ganzes Leben lang an der Prosa; mit der Entwicklung der poetischen Sprache kam er nur gelegentlich in Berührung. Kurzfristige Kontakte konnten nicht so viel poetische Sprachkraft vermitteln, wie sie Menschen zugänglich ist, für die die Dichtkunst das Hauptfach ist …“2
J. BALČIKONIS – ÜBERSETZER VON A. MICKEVIČIUS’ „GRAŽINA“
Zusammenfassung
Der Artikel stellt J. Balčikonis als Übersetzer von Lyrik vor. Erörtert wird die von J. Balčikonis angefertigte Übersetzung von A. Mickevičius’ Gedicht „Gražina“.
In der Übersetzung von J. Balčikonis werden viele sprachliche Erscheinungen auf eigene Weise behandelt und Wörter aus verschiedenen lexikalischen Schichten verwendet.
Die Übersetzung von J. Balčikonis wird mit anderen litauischen Übersetzungen von „Gražina“ verglichen (von J. Žilius-Jonila, P. Arminas-Trutnigelis, V. Sirijos-Gira und Just. Marcinkevičius). Beachtung gilt auch den Korrekturen an der Übersetzung, die J. Balčikonis selbst vornahm, um eine möglichst volkstümliche Sprache zu erreichen.
2 Žirgulys A. Auf literarischen Wegen. — V., 1976, S. 105.