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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXI (1994)

KALBOS NORMALIZACIJOS KLAUSIMAI

ZAIGA IKERE

SYNONYME UND POLYSEMIE IN DER LETTISCHEN PHILOSOPHISCHEN TERMINOLOGIE

Die philosophische Terminologie ist als eines der sprachlichen Teilsysteme in größerem oder geringerem Maße all jenen lexikalisch-semantischen Prozessen unterworfen, die im Wortschatz der Literatursprache wirken. Hier wenden wir uns den wichtigsten von ihnen zu, nämlich der Synonymie und der Polysemie.

Sowohl Synonymie als auch Polysemie sind Erscheinungen, die bei der Standardisierung von Termini als negativ einzustufen sind und die wissenschaftliche Präzision der Sprache beeinträchtigen. Dennoch begegnen wir sowohl im Bereich der Terminusfestlegung (d. h. in Fachwörterbüchern) als auch im Bereich der Verwendung von Termini sowohl unterschiedlichen Bezeichnungen für ein und dieselbe Erscheinung als auch mehrdeutigen Termini.

Das Vorhandensein und die Beständigkeit dieser lexikalisch-semantischen Prozesse in der philosophischen Terminologie lassen sich bis zu einem gewissen Grad durch folgende extralinguistische Faktoren erklären. Erstens durch die Eigenbewegung und Differenzierung von Begriffen im Denkprozess. Diese Erscheinung tritt auf allen Sprachebenen zutage und spiegelt sich auch in diesem besonderen sprachlichen Teilsystem wider, der philosophischen Terminologie. Zweitens ist die Philosophie ein Kulturprodukt. Als Ergebnis des spekulativen Erkenntnisstrebens der gesamten Menschheit ist die Philosophie zutiefst international und nicht frei – und kann in dieser Hinsicht auch nicht frei sein – von Einflüssen fremder Sprachen. Der philosophische Wortschatz ist ein Produkt der Begegnung und Weitergabe zahlreicher Kulturen. Das Nationale und das Internationale sind hier eng miteinander verwoben. Drittens ist die Philosophie keine Folklore, sondern das Ergebnis des theoretischen Denkens einzelner Persönlichkeiten und der unter ihrem Einfluss entstandenen Schulen. Eine eigenständige Persönlichkeit kann für einen innerhalb desselben Systems invarianten Begriff eine andere, abweichende Ausdrucksform finden oder ein Wort wiederbeleben, das im Bewusstsein des Volkes bereits in Vergessenheit geraten ist, und einem bereits vorhandenen Wort eine andere Bedeutungsnuance verleihen.

Wenn man auf Sprachebene als Synonyme Wörter derselben Wortart betrachten kann, die sich in ihrer Bedeutung ähneln oder bedeutungsidentisch sind und denselben Begriff ausdrücken, sich jedoch durch Bedeutungsnuancen oder stilistische Färbung unterscheiden, so sind Synonyme auf der Ebene der Terminologie, d. h. im Terminsystem einer bestimmten Wissenschaft, bedeutungsidentische Wörter.

Wie die lettische Sprachwissenschaftlerin A. Laua feststellt: „Synonyme gibt es bei Termini gewöhnlich nicht, außer in den Fällen, in denen internationale und lettische Bezeichnungen parallel verwendet werden“1.

Diese Feststellung trifft zweifellos auf die große Mehrheit terminologischer Systeme zu; das terminologische System der Philosophie weist jedoch Besonderheiten auf, die sich auch im Bereich der Synonymie zeigen.

1 Laua A. Latviešu leksikoloģija. Rīga, 1981. 191. lpp.

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Denken ist ein Prozess. Gedanken werden nicht nur mithilfe von Wörtern ausgedrückt, sondern der Gedanke nimmt im Wort Gestalt an und entwickelt sich weiter. Diese Idee, die der russische Psychologe Lew Wygotski in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts vertrat, betrifft nicht nur einzelne Erscheinungen der Sprache, sondern auch die Rolle und Bedeutung jeder Nationalsprache für das Denken ihrer Sprecher.

Der Zusammenhang zwischen Denken und Sprache steht im Blickfeld von Philosophen, Psychologen und Linguisten. Gerade in der Terminologie als einer spezifischen lexikalischen Schicht tritt dieser enge Zusammenhang zwischen Begriff und sprachlichen Ausdrucksmitteln am deutlichsten hervor. Der litauische Philosoph R. Plečkaitis schreibt bei der Erörterung dieses Zusammenhangs: „Zur Struktur der Begriffsbildung gehört auch die Sprache, in der der betreffende Begriff formuliert ist. Genau deshalb ist beim Erstellen nationaler terminologischer Wörterbücher der Vergleich nationaler Termini mit den entsprechenden russischen Termini eine notwendige, aber nicht immer hinreichende Bedingung. Wurde beispielsweise ein Begriff zuerst auf Englisch formuliert, muss auch der entsprechende englische Terminus analysiert werden. Das wird auch einer der Aspekte des historischen Ansatzes in der Terminologiewissenschaft sein2. R. Plečkaičio Gedanke unterstreicht erneut den engen Zusammenhang zwischen der begrifflichen Welt und der Welt des sprachlichen Seins. Sprache ist nicht nur ein Mittel, etwas auszudrücken, sondern auch der Stoff, in dem dieses Etwas entsteht. Deshalb berührt die Verwurzelung der Nationalsprache tiefere Schichten der Existenz einer Nation und nicht nur rein sprachliche Erscheinungsformen.

Im Verlauf der Entwicklung des theoretischen Denkens entstehen mehrere sprachliche Zeichen für den Ausdruck ein und desselben Begriffs. In einem bestimmten Zeitraum bilden sich Synonymreihen zur Bezeichnung von Varianten eines Begriffs. Die Synonymie in der lettischen philosophischen Terminologie lässt sich sowohl synchronisch als auch diachronisch betrachten.

Die Entstehung und Entwicklung des lettischen philosophischen Denkens ist mit den 60er bis 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und der Tätigkeit der Junglet ten verbunden. Einer der bekanntesten Junglet ten, die philosophische Schriften popularisierten, ist Kaspars Biezbārdis. Gerade mit seinem Namen ist die Suche nach einem lettischen philosophischen Ausdruck verbunden. Das Bemühen, eine entsprechende lettische Ausdrucksweise und eine lettische Bezeichnung für einen Begriff zu finden, führt zwangsläufig zum Entstehen synonymischer Bezeichnungen in jener Phase, in der die Terminologie entsteht und sich herausbildet. So bezeichnet K. Biezbārdis beispielsweise einen Begriff wie „Sinnesorgane“ in der Anfangsphase der Terminologie mit folgenden synonymischen Bezeichnungen: „äußere Sinne“, „äußere Wahrnehmungssinne“, „Wahrnehmungssinne“, „Wahrnehmungskräfte“. In den 20er und 30er Jahren wurde dieser Begriff im lettischen philosophischen Wortschatz durch eine andere Reihe von Synonymen ausgedrückt, nämlich: „Sinne“, „Sinne“, „Sinnesorgane“, „Sinnesorgane“, „Wahrnehmungsorgane“.

Die Entstehung mehrerer für die Philosophie bedeutsamer Termini in der lettischen philosophischen Literatur lässt sich folgendermaßen darstellen: In einem bestimmten Zeitraum besteht eine Synonymreihe (dabei handelt es sich um Wörter der Literatursprache, die in terminologischer Bedeutung zur Bezeichnung und zum Ausdruck eines bestimmten philosophischen Begriffs verwendet werden). Aus dieser Synonymreihe tritt ein bestimmtes Wort als die am häufigsten verwendete Bezeichnung eines konkreten Begriffs hervor. Aus diesem Terminus kann sich dann ein terminologisches Wortfeld bilden, das von seiner Verankerung im System der philosophischen Terminologie zeugt. Im heutigen lettischen philosophischen Wortschatz sind aus der letzten Synonymreihe zwei Formen erhalten geblieben und gebräuchlich: „Sinnesorgane“ und „Sinne“, wobei

2 Плечкайтис Р. О выявлении понятий в связи с терминологической работой // Вопросы разработки научно-технической терминологии. Рига, 1973. С. 129.

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der letztere sowohl im Funktionsbereich als auch im Bereich der Fixierung Vorrang erlangt hat. Der letztere hat Vorrang, weil es sich um ein einzelnes Wort handelt, das sich in Wortbildungsmodellen verwenden lässt und ein terminologisches Wortfeld bildet. So sind beispielsweise in einem Wörterbuch philosophischer Termini folgende Termini aufgeführt: sinnlich, Sinnlichkeit, sinnlich, Sinnlichkeit, sinnliches Sein, sinnliche Existenz, sinnliche Anschauung, sinnliche Wahrnehmung.3. „Sinne“ und seine Ableitungen sind in solche Mehrworttermini aufgenommen wie: sinnliche Welt, sinnliches Leben, sinnliches Bild, sinnliche Wesen, Gegenstände der Sinne, äußere Anschauungsform der Sinnlichkeit, reine Form der Sinnlichkeit, Form der sinnlichen Anschauung4.

Ein weiteres Beispiel ist ein philosophischer Terminus wie „Verstehen“. Dieses Wort ist im Wörterbuch von Mīlenbahs und Endzelīns mit dem Hinweis „Neologismus“ gekennzeichnet. Zur Zeit der Erstellung des Wörterbuchs bestand folgende Synonymreihe der allgemeinen Lexik: saprašā, saprata, saprašana, sapratne, izpratne; außerdem saprate im Sprachgebrauch des Schriftstellers A. Upītis5.

Taču 1922.g. publicētajā zinātniskās terminoloģijas vārdnīcā vārdi „sapratne“ un „sapratisks“ jau iekļauti filozofijas terminu sarakstā6. Mūsdienu filozofijas terminoloģijas leksikā šis termins izveidojis noteiktu terminoloģisko ligzdu: sapratne, iepriekšsapratne, praktiskā sapratne, spekulatīvā sapratne, vērojošā sapratne, subjektīvā sapratne, sapratisks prāts, sapratnes filozofija.

Eine Quelle der Synonymie im philosophischen Wortschatz ist die Entlehnung internationaler Wörter. In der philosophischen Terminologie nimmt die Frage des Internationalismus einen besonderen Platz ein, da die Philosophie als Wissenschaft das Ergebnis kultureller Begegnungen verschiedener Nationen ist. Eine Analyse des Internationalismus in der philosophischen Terminologie verdiente eine ausführlichere Betrachtung; daher beschränken wir uns hier auf die Feststellung, dass im 1987 veröffentlichten russisch-lettischen Wörterbuch der philosophischen und ethischen Termini von etwa 1200 aufgenommenen Termini 30 parallel durch ein internationales Wort und eine lettische Bezeichnung übersetzt wurden.

Noch einige Worte zu Synonymen, die sich morphologisch unterscheiden, begrifflich jedoch identisch sind. Beispiele dafür sind „pieredzes“ und „pieredzisks“, „līdzesamība“ oder „līdzdzāsesamība“. Letzterem begegnet man im Sprachgebrauch; seine Entstehung wurde offenbar durch das im Lettischen vorhandene Muster „līdzāspastāvēšana“ beeinflusst.

Gleichzeitig bestehen auch zusammengesetzte Termini und Mehrworttermini als Synonyme nebeneinander. In der philosophischen Terminologie existieren derzeit sowohl „Außenwelt“ als auch „ārpasaule“, sowohl „Weltverständnis“ als auch „pasaulizpratne“. Ebenso bestehen parallel sowohl „klātējā esamība“ und „klātesamība“ als auch „Weltanschauung“ und „pasauluzskats“. Da das Lettische bei der syntaktischen Bildung determinativer Komposita sehr flexibel ist7, spiegelt sich diese Erscheinung auch im philosophischen Wortschatz wider. Es ist eine Tendenz zu beobachten, vom Mehrwortterminus zum zusammengesetzten Terminus überzugehen, da sich aus letzterem leichter ein Terminus bilden lässt

3 Sk.: Konsultants // Palīglīdzeklis valodas praksē. 6. laid. Rīga, 1987. 5.—33. lpp. Turpmāk: Konsultants.

4 Sk.: Kants I. No vācu val. tulk. R. Kūlis. Rīga, 1990.

5 Sk.: Upīts A. Vēstules. Rīga, 1977. 83. lpp.

6 Zinātniskās terminoloģijas vārdnīca. Rīga, 1922. 3. lpp.

7 Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika. Rīga, 1959. 1 sēj. 200. lpp.

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… gebildet. Zum Beispiel sind aus der genannten Zusammensetzung „pasauluzskats“ die folgenden Termini abgeleitet: „pasauluzskatiskie ideāli“ und „pasauluzskata kategorijas“.

Betrachten wir den zweiten wichtigen lexikalisch-semantischen Prozess – die Polysemie. Einige Sprachwissenschaftler sind der Ansicht, dass Polysemie bei der Standardisierung von Termini keine Rolle spielt; dennoch besteht sie und ist Ausdruck der natürlichen Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung des Wortschatzes.

Die Forderung nach Eindeutigkeit der Termini ist auch in der philosophischen Terminologie eine aktuelle Frage. So forderte etwa der deutsche Philosoph W. Leibniz, philosophische Termini sollten so präzise sein wie mathematische Symbole. Dieser Wunsch blieb jedoch unerfüllt, denn es gibt bestimmte Gesetzmäßigkeiten, die dieser Tendenz entgegenwirken.

Um die Besonderheiten der Polysemie in der philosophischen Terminologie zu verstehen, muss man das Begriffssystem erfassen, das durch ihre Terminologie widergespiegelt wird. Dabei sind zwei Aspekte wichtig: Erstens ist die Philosophie eine historische Wissenschaft. Sie entstand nicht erst mit der Begründung einer bestimmten Gesellschaftsordnung, und ihre Begriffe sind nicht in einem einzigen konkreten Zeitraum entstanden, sondern vielmehr das Ergebnis der historischen Entwicklung des gesellschaftlichen Seins. Zweitens ist die Philosophie keine homogene Wissenschaft, sondern setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Richtungen zusammen. Jede philosophische Richtung spiegelt ein bestimmtes Phänomen im System menschlicher Weltanschauungen wider. So gab es beispielsweise im 20. Jahrhundert sowohl marxistische als auch analytische Philosophie sowie Hermeneutik und Moralphilosophie. Demnach erhält ein und dasselbe sprachliche Zeichen nicht nur auf diachronischer, sondern auch auf synchronischer Ebene unterschiedliche Inhalte.

Als Beispiel nehmen wir einen der zentralen Termini der Philosophie – „esamība“.

Die erste philosophische Konzeption des Seins entwickelten Philosophen bereits vor Sokrates; danach befassten sich sowohl Platon als auch Aristoteles mit diesem Begriff. Praktisch alle philosophischen Richtungen haben das Verhältnis der objektiven Welt zum Bewusstsein berührt und damit eigene Deutungen dieses Begriffs vorgelegt. Betrachtet man nur die Definitionen des 20. Jahrhunderts, zeigen sich Unterschiede in der Interpretation dieses Begriffs, etwa beim Vergleich der Philosophie marxistischer und analytischer Ausrichtung. Letztere versteht „esamība“ als eine allen existierenden Dingen zukommende Eigenschaft. In der marxistischen Philosophie hat der Terminus „esamība“ zwei Bedeutungen. Das Wort „esamība“ im Sinne von Existenz erschien Ende des 19. Jahrhunderts in der Ausgabe „Pūrs“ der Junglettischen.12

Der Anschaulichkeit halber vergleichen wir zunächst die Semantik des Wortes „esamība“ als gemeinsprachliches Wort – wie es im modernen Wörterbuch der lettischen Literatursprache dargestellt ist – mit seiner Verwendung als Terminus.

Im Zusammenhang mit der Mehrdeutigkeit des Terminus „esamība“ ist ein interessantes Phänomen zu erwähnen, das sich im Lettischen abzeichnet. Der Terminus „esamība“ bezeichnet einen der Grundbegriffe der Philosophie; deshalb bemüht sich das menschliche Denken hier, Missverständnisse auszuräumen. Gegenwärtig zeichnet sich im Lettischen die Tendenz ab, für die Bedeutung „Existenz im Allgemeinen“ ein eigenes Wort zu verwenden – „esība“. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt – zu Beginn der 90er-Jahre –

8 Siehe: Konsultants. S. 14.

9 Sk.: Kūle M. Ceļš saprašanas labirintos. Rīga, 1989. 21. lpp.

10 Даниленко В. П. Русская терминология. М., 1977. С. 180.

11 Sk.: Lacey A. R. Dictionary of Philosophy. London, 1976. P. 16.

12 Siehe: Baltiņa M. Esamība, esība, esme, esotība. In: Fragen der lettischen Sprachkultur. Heft 13. Riga, 1977. S. 46.

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Existenz

Allgemeiner Wortschatz

Terminologie

1. Philos. Die unabhängig vom Bewusstsein bestehende objektive Welt, die Materie.

1. Ein philosophischer Begriff, der die unabhängig vom Bewusstsein bestehende objektive Welt, die Materie, bezeichnet.

2. Bestehen, Existenz13.

2. Der allgemeinste und abstrakteste Begriff, der das Vorhandensein von etwas überhaupt bezeichnet14.

Existenz und Sein

Allgemeiner Wortschatz

Terminologie

1. Philos. Die objektive Welt

1. Die objektive Welt

2. Existenz, Bestehen = Sein → 2. Existenz, allgemeines Bestehen

In diesem Fall ist diese Erscheinung nur auf der Sprachebene angesiedelt und hat keinen streng terminologischen Status erlangt.

In der lettischen Literatursprache wurde das Wort „esība“ mit der Bedeutung „Existenz, Bestehen“ bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren verwendet. Dieses Wort begegnet uns damals auch in den Schriften lettischer Philosophen als Synonym für „esamība“ mit der Bedeutung „Existenz im Allgemeinen“. Zum Beispiel:

Für einen Mann zeugt seine Arbeit, für eine Frau – ihr Dasein, ihre Persönlichkeit. Die Frau ist wie Licht. „Das Licht muss sich nicht anstrengen, um zu leuchten, und doch erblühen die Dinge in seinen Strahlen in all ihren Farben. So wirkt auch die Frau ohne Anstrengung, indem sie lediglich ihr Sein in der Umgebung ausstrahlt“15.

Dass das Wort „esība“ danach strebt, den Status eines Terminus zu erlangen, zeigt sich daran, dass es nicht nur im Bereich des Gebrauchs, d. h. im Wortgebrauch der Philosophen, sondern auch im Bereich der terminologischen Erfassung auftritt. Beispiele für die Verwendung dieses Wortes im Sinne von „Existenz im Allgemeinen“ in philosophischen Schriften:

Wahrlich, der Kosmos ist in uns, und wir sind in ihm. Doch nur wer sich dieser Untrennbarkeit bewusst ist, vermag sich in die kosmische esība in ihrer ganzen Fülle einzufügen.

In ihrem Schaffen versucht H. Rēriha, Antworten auf die Grundfragen der menschlichen esība zu finden16.

Das Epos, schreibt Šacs-Aniņš, bildet die plastische Ordnung der Erscheinungen und die Symmetrie der menschlichen esība poetisch ab17.

13 Mūsdienu Latviešu literārās valodas vārdnīca. Rīga, 1973. 2 sēj. 509. lpp.

14 Filozofijas vārdnīca. Rīga, 1964. 111. lpp.

15 Mauriņa Z. Sievišķības ideāls pagātnē un tagadnē. Grām.: Pārdomas un ieceres // Eseju krājums. Rīga, 1934. 10. lpp.

16 No Helēnas Rērihas vēstulēm (1929.—1938.) // Sieviete, 1990. Nr. 2. 4. lpp.

17 Mauriņš A. Lāčplēsi — spaciistu vai temporalistu? // Literatūra un Māksla. 1989 g. 23. decembrī.

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Was den Bereich der Erfassung betrifft, so enthält das bereits erwähnte russisch-lettische Wörterbuch der Philosophie- und Ethiktermini folgende Entsprechungen: субъективное ничтожество — subjektīvā neesība, ничтожность в себе — neesība par sevi, ничтожество, ничтожность — neesība, niecība18.

Wenn man über die Semantik des Wortes „esība“ schreibt, darf man eine weitere Besonderheit dieses Wortes nicht unerwähnt lassen, die sich als eigenständige Bedeutungsnuance widerspiegelt, nämlich „Existenz als individuelle subjektive Existenz“. Eine solche Eigenheit des Wortes hat unser Volksdichter Imants Ziedonis herausgehört und festgehalten:

Das Gefühl der esība im Menschen ist das allererste Thema der Kunst. In der lettischen Sprache erhält das Wort „esība“ eine besondere Bedeutungsverstärkung, weil die Bedeutung des Wortes „būt“ mit der Bedeutung des Wortes „es“ übereinstimmt. Aufeinander projiziert verleihen diese Wörter dem Wort „esība“ eine vieldeutige Tiefe: Ich bin ebenso, wie alles ist; alles ist mit mir, alles kann durch mich erscheinen19.

Derzeit ist eine solche Bedeutungsnuance in Wörterbüchern nicht erfasst; sie lässt sich lediglich als Merkmal, als Tendenz erahnen, die auch wieder verschwinden kann. Wegen dieser Nuance musste man jedoch bei der Übersetzung der Werke von G. Berkeley, dem englischen subjektiven Idealisten, ins Lettische für die Wiedergabe des englischen „being“ gerade „esība“ und nicht „esamība“ verwenden, da Letzteres in der heutigen Sprache den objektiven Charakter der Existenz impliziert20.

Sprache ist ein sich wandelndes und zugleich bestehendes Phänomen. Auch die philosophische Terminologie als Teilsystem der Sprache verändert und wandelt sich und spiegelt dabei die Entwicklung des theoretischen Denkens sowie das Weltverständnis einzelner Personen wider. Auf linguistischer Ebene spiegeln sich diese Veränderungen in den Phänomenen der Synonymie und Polysemie wider, die der philosophischen Terminologie eigen sind.

SYNONYMIE- UND POLYSEMIEPROZESSE IN DER LETTISCHEN PHILOSOPHISCHEN TERMINOLOGIE

Zusammenfassung

Die philosophische Terminologie als Subsystem der Gemeinsprache wird von denselben lexikalisch-semantischen Prozessen beeinflusst wie der Wortschatz der Gemeinsprache. Der Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten davon – Synonymie und Polysemie.

Das Entstehen von Synonymie und Polysemie lässt sich damit erklären, dass die Philosophie als Wissenschaft nicht nur die Errungenschaften anderer wissenschaftlicher Disziplinen integriert, sondern zugleich eine Wissenschaft ist, in der sich die Erkenntnisfähigkeiten des Menschen und das wissenschaftliche Denken weiterentwickeln. „Der Gedanke wird nicht nur ausgedrückt, sondern auch im Wort verkörpert“, schrieb in den 1930er-Jahren der russische Psychologe Lew Wygotski. Dieses psychologische Phänomen hängt nicht nur mit den Problemen der Synonymie und Polysemie in der Sprache zusammen, sondern auch mit der Bedeutung der Muttersprache für das menschliche Denken.

Die Entwicklung des fortschrittlichen philosophischen und gesellschaftspolitischen Denkens sowie das Aufkommen philosophischer Literatur in lettischer Sprache hängen mit der Tätigkeit der Junglettischen in den 1870er- bis 1890er-Jahren zusammen. Kaspars Biezbardis, einer der bedeutendsten Junglettischen, erläuterte den lettischen Lesern philosophische Begriffe.

Das Aufeinandertreffen sprachlicher Ausdrucksmittel und Begriffe sowie die Suche nach einem geeigneten Wort zur Bezeichnung eines Begriffs in der Entstehungs- und Entwicklungsphase der Terminologie machen Synonymie unvermeidlich. Einige sprachliche

18 Berater. S. 16.

19 Ziedonis I. Garainis, kas veicina vārīšanos. Rīga, 1976. 70.lpp.

20 Siehe: Berkeley, G. Abhandlung über die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis. Drei Gespräche zwischen Hylas und Philonous / Aus dem Englischen übersetzt von Z. Ikere. Riga, 1990.

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Das Vorhandensein von Ausdrücken, die einen einzigen Begriff bezeichnen, ist in dieser Phase nicht selten sogar unvermeidlich, wenn man die Philosophie im Blick hat, ein komplexes und abstraktes Gebiet des wissenschaftlichen Denkens. So wurde beispielsweise der Begriff „Sinnesorgane“ während der Entstehung des lettischen philosophischen Wortschatzes durch folgende Synonyme bezeichnet: ārējie prāti, ārējie jūšanas prāti, jūšanas prāti, jūšanas spēki.

Bei der Entstehung und Entwicklung eines Teils der lettischen philosophischen Terminologie lassen sich folgende Phasen unterscheiden: Zunächst gibt es eine Synonymreihe, aus der ein Wort hervortritt, das am häufigsten als Terminus verwendet wird; auf der Grundlage dieses Terminus bildet sich ein Terminusnest. Die Entstehung eines Terminusnests ist ein gewisser Indikator dafür, dass sich ein Terminus in der lettischen philosophischen Terminologie etabliert.

Der Begriff „Sinnesorgane“ wurde in den 1930er- und 1940er-Jahren durch folgende Synonymreihe ausgedrückt: jutekļi, jūtekļi, jutekļa orgāni, maņu orgāni, sajūtu orgāni. Im heutigen lettischen philosophischen Wortschatz sind nur noch zwei Termini aus dieser Synonymreihe gebräuchlich: sajūtu orgāni und jutekļi, wobei der zweite häufiger verwendet wird. Gerade auf seiner Grundlage bildet sich das Terminusnest.

Eine der Quellen für Synonymie ist die Entlehnung. Zur philosophischen Terminologie gehören auch Internationalismen, die Entsprechungen in der eigenen Sprache als absolute Synonyme haben. In der 1987 veröffentlichten russisch-lettischen Liste philosophischer und ethischer Termini finden sich etwa 1200 Termini; etwa 30 davon sind sowohl durch eigene als auch durch internationale Synonyme übersetzt.

Neben den bereits erwähnten absoluten Synonymen gibt es Termini, die sich nur morphologisch unterscheiden, z. B.: ārpus-pieredzisks | ārpuspieredzes „nichtempirisch“, līdzesamība | līdzāsesamība „Ereignis“. Mitunter werden zur Bezeichnung desselben Begriffs synonym ein zusammengesetztes Wort und eine Wortgruppe verwendet, z. B.: ārējā pasaule | ārpasaule „Außenwelt“, pasaules uzskats | pasauluzskats „Weltanschauung“.

Obwohl die Terminologie Eindeutigkeit verlangt, ist auch Polysemie für die lettische philosophische Terminologie von Bedeutung. Dies legt nahe, ein System philosophischer Termini zu schaffen, in dem die Termini sehr logischen mathematischen Zeichen ähneln würden. Diesen Gedanken entwickelte der deutsche Philosoph G. W. Leibniz. Dieses Ziel ließ sich jedoch nicht erreichen, und der philosophische Terminus bleibt mehrdeutig – eine Verbindung aus einem sprachlichen Zeichen und mehreren Definitionen. Das lässt sich durch außersprachliche Faktoren erklären. Denn erstens ist die Philosophie eine historische Wissenschaft. Sie beginnt und endet nicht mit der Entstehung einer Gesellschaftsordnung. Und zweitens spiegelt die Philosophie den Entwicklungsweg des menschlichen Denkens wider, der aus vielen sehr unterschiedlichen Strömungen besteht.

Der Artikel behandelt den Terminus esamība „Sein“. Die erste philosophische Konzeption des Seins wurde von den vorsokratischen Philosophen entwickelt, und in den verschiedenen Schulen wurde dieser Begriff unterschiedlich verwendet. Betrachtet man, in welchen Bedeutungen er heute verwendet wird, so zeigt sich, dass Vertreter verschiedener philosophischer Strömungen ihn auch in unserer Zeit in unterschiedlichen Bedeutungen gebrauchen. In der marxistischen Philosophie hat der Terminus būtis zwei Bedeutungen: 1) einen philosophischen Begriff, der die von menschlichem Bewusstsein unabhängige objektive Welt, die Materie, bezeichnet; 2) den allgemeinsten und abstraktesten Begriff, der das Existieren von etwas überhaupt bezeichnet.

Jede wissenschaftliche Disziplin verlangt Eindeutigkeit, und diese lässt sich nur durch eine klare und eindeutige Definition erreichen. Im Lettischen besteht die Tendenz, die zweite Bedeutung des Terminus būtis mit einem eigenen Wort, esība, zu bezeichnen, also esība „Existenz, Sein überhaupt“. Dieses Wort aus dem allgemeinen Wortschatz gewinnt in seiner gesprochenen Bedeutung in der lettischen philosophischen Terminologie allmählich den Status eines Terminus.

Die Sprache verändert sich ständig. Als Subsystem der Gemeinsprache entwickelt sich auch der philosophische Wortschatz. Diese Entwicklung zeigt sich in den aktuellen Prozessen der Synonymie und Polysemie im philosophischen Wortschatz.

SYNONYMIE UND POLYSEMIE IN DER LETTISCHEN PHILOSOPHISCHEN TERMINOLOGIE

Zusammenfassung

Die philosophische Terminologie ist eine Schicht des Sprachsystems und unterliegt denselben lexikosemantischen Prozessen wie die Sprache im Allgemeinen. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf zwei dieser Prozesse, nämlich Synonymie und Polysemie in der lettischen philosophischen Terminologie.

Die Philosophie befasst sich mit der Entwicklung abstrakten Denkens. Das Wort ist nicht bloß ein technisches Mittel zur Vermittlung von Ideen. Ideen reifen im Wort – wie der russische Psychologe

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Lev Vigotsky meinte. Der Denkprozess selbst und die Suche nach der angemessensten Bezeichnung für einen bestimmten philosophischen Begriff sind die Quelle für das Entstehen synonymischer Benennungen.

Synonyme Termini finden sich sowohl in der Entstehungszeit der lettischen philosophischen Terminologie als auch in ihrer gegenwärtigen Phase. Als die lettische philosophische Terminologie entwickelt wurde (ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts), gab es für manche Begriffe Gruppen synonymischer Benennungen. In der Regel wurde ein Wort aus der bestehenden Reihe von Synonymen am häufigsten verwendet und erlangte allmählich die Eigenschaften eines Fachterminus. Anschließend wurden ausgehend vom am häufigsten verwendeten Terminus weitere Ableitungen und Wortverbindungen gebildet, um mit dem ursprünglichen Begriff verbundene Vorstellungen auszudrücken.

Entlehnung ist eine bekannte Quelle von Synonymen. Internationalismen und einheimische Wörter existieren in der philosophischen Terminologie als synonyme Termini. Eine weitere Gruppe synonymischer Termini bilden morphologisch unterschiedliche Termini, z. B. pieredzisks| pieredzes (empirisch); das heißt, ein Adjektiv und ein Substantiv im Genitiv. Eine weitere Gruppe von Synonymen wird durch Termini gebildet – zusammengesetzte Wörter und Termini – Wortverbindungen, z. B. pasauluzskats| pasaules uzskats (Weltanschauung).

Ein philosophischer Terminus kann mehr als einen Begriff bezeichnen. Somit ist Polysemie in der philosophischen Terminologie vorhanden. Sie ist darauf zurückzuführen, dass die Philosophie eine lange Entwicklungsgeschichte hat und aus verschiedenen Strömungen besteht. Dieser Beitrag analysiert einen der grundlegenden Begriffe der Philosophie, nämlich „esamība“ (Sein), als Beispiel für einen polysemen philosophischen Terminus.

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