Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXV (1995)
LIETUVIŲ LEKSIKOLOGIJOS TYRINĖJIMAI
Rita Šepetytė
ADVERBIALISIERUNG DER KASUS VON SUBSTANTIVEN UND IHRE DARSTELLUNG IM „WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN SPRACHE“
Adverbialisierung, auch Adverbialisierungsvorgang genannt, wird als „Übergang anderer Wortarten in die Kategorie des Adverbs“ definiert (LKM: 204); in neueren Arbeiten zur Morphologie der litauischen Sprache als „funktionale Bildung von Adverbien“, bei der „aufgrund bestimmter semantischer und funktionaler Umstände Formen verschiedener Wortarten und Wortverbindungen zu Adverbien werden“ (Paulauskienė 1994: 380—381). Die Adverbialisierung der Kasus in der litauischen Sprache hat K. Ulvydas umfassend untersucht und beschrieben; außerdem wird dieses sprachliche Phänomen gewöhnlich in Grammatiken behandelt. In linguistischen Arbeiten dieser Art werden bei der Erörterung der Adverbialisierung Formulierungen wie „hat die Verbindung zum Substantiv nicht endgültig abgebrochen“, „Zwischenstadium“, „kommt den Adverbien am nächsten“ verwendet (Ulvydas 1967: 7, 28, 30, Ulvydas 1959: 80) und Ähnliches.
Bei der Erstellung des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ muss entschieden werden, ob der Kasus seinen Status behalten oder zum Rang einer lexikalischen Einheit erhoben und als Adverb behandelt werden soll. Natürlich ist die Gliederung (Gruppierung) des Wortschatzes in Klassen (Wortarten) ein sehr komplexes linguistisches Problem. Die Adverbien erschweren die Lage zusätzlich, weil sie keine formal definierbare lexikalische Klasse sind; sie werden lediglich durch die kategorielle Bedeutung einer Umstandsbestimmung der Handlung zusammengehalten, genauer gesagt dadurch, dass Adverbien ein dynamisches (Verb) oder statisches (Adjektiv) Merkmal eines Gegenstands charakterisieren. Berücksichtigt man, dass verfestigte Wortverbindungen, z. B. auf einmal, von Grund auf, von Anfang an im LKŽ als Adverbien gelten, wird unklar, warum die Verbindung į šalį nicht als Adverb betrachtet wird (im LKG übrigens als lokales Adverb), obwohl sie semantisch dem Illativ šalin entspricht und in jenen Dialekten verwendet wird, in denen es den Illativ als paradigmatischen Kasus nicht gibt. Das Problem der Einteilung in Wortarten löst die funktionale Grammatik; im Sprachfluss stellt es sich überhaupt nicht. Auch in traditionellen Grammatiken (z. B. LKM: 204), in denen Wortarten aufgelistet, definiert und durch Beispiele veranschaulicht werden, gibt es keine größeren Schwierigkeiten, die Adverbialisierung zu behandeln. Schwierigkeiten entstehen, wenn Wörter in ein Register wie das „Wörterbuch der litauischen Sprache“ aufgenommen werden, in dem einem Wort eine morphologische Wortartenkennzeichnung zugewiesen werden muss.
Zunächst sollte die Darstellung adverbialisierter Substantivkasus im LKŽ überblickt werden (1), sodann ist sie zu bewerten (2) und sind bestimmte Schlussfolgerungen zu ziehen (3).
1. Wie bereits erwähnt, stehen Wörterbuchautoren bei der Beschreibung eines Substantivs sehr häufig vor dem Problem, ob ein semantisch von der Paradigmatik losgelöster Kasus als Adverb zu behandeln und in einem eigenen Wörterbuchartikel aufzuführen ist oder ob er als Belegbeispiel in den entsprechenden Substantivartikel „hineingezwängt“ werden soll (manchmal allerdings gesondert
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Page 2mit einer Erläuterung der Besonderheiten des Gebrauchs). Die „kompliziertesten“ Kasus sind der Singular-Akkusativ, der Instrumental und der Lokativ sowie der Plural-Instrumental. Dass dieses Problem besteht, zeigt sich sehr deutlich im LKŽ, in dem die Behandlung eines oder anderen Kasus häufig von der Auffassung des Wörterbuchautors oder -redakteurs abhängt.
Diese Lage ließe sich damit erklären, dass Wörterbuchautoren im Grunde keine Orientierungshilfe haben, das heißt, dass die Grammatiken der litauischen Sprache traditionell nicht genau bestimmen, welche Wörter „echte“ Adverbien sind und welche lediglich adverbialisierte oder den Adverbien „nahegekommene“ Kasus von Nomina. In der ersten Grammatik der litauischen Sprache werden unter den lokalen Adverbien viduj, apačioj aufgeführt (PG: 506), unter den temporalen kartais, vakarais, naktimis (PG: 507); außerdem wird dort vermerkt, dass „wie der Dativ griechischer Nomina häufig den Charakter eines Adverbs annimmt, so sind die Ablative im Singular und Plural vieler Nomina, insbesondere aber die instrumentalen Ablative, zu Adverbien geworden, z. B.: pulku ir pulkais, vardu, skyriu, atviromis...“ (PG: 508). Moderne Grammatiken der litauischen Sprache erkennen bei den Kasus einiger Substantive zwar den Status eines Adverbs an, erklären aber, dass „zwischen Nomina und Adverb seit den Anfängen der Herausbildung dieser Wortart Übergangserscheinungen bestanden haben und noch immer bestehen (und zweifellos auch künftig bestehen werden) – Wörter und Konstruktionen, bei denen bereits eine Abschwächung des nominalen oder verbalen Charakters erkennbar ist, eine vollständige Adverbialisierung jedoch noch nicht festgestellt werden kann, z. B.:... pulku (vgl. PG: 508 – R.Š.), ratu, stulpu..., krante,..., viduryje..., užpakalyje, apačioje,..., krūvoje“ (LKG: 428). In der neuesten Grammatik der litauischen Sprache wird die Abgrenzung der Adverbien, könnte man sagen, noch stärker verwischt. Dort heißt es, dass „zwischen Nomina und Adverb seit den Anfängen der Herausbildung dieser Wortart Übergangsfälle bestanden haben und bestehen (und zweifellos auch künftig bestehen werden) – Konstruktionen und Wörter, bei denen eine eigentliche Adverbialbedeutung nur dann hervortritt, wenn keine Attribute vorhanden sind, z. B.: iš matymo, iš ryto, ratu, būriu, šonu, žaibu. Sobald solche Konstruktionen und Wörter jedoch mit Attributen verwendet werden, kann von ihrer Adverbialität keine Rede sein, z. B.: iš ankstyvo ryto, dideliu būriu, dešiniuoju šonu“ (DLKG: 411). Diese beiden langen Zitate wurden angeführt, um zu zeigen, dass die Grammatiken der litauischen Sprache die Zuordnung von Substantivkasus zu den Adverbien nicht begründen (z. B. warum ein Attribut die „eigentliche Adverbialbedeutung“ aufhebt). Daher ist es verständlich, dass Wörterbuchautoren und -redakteure Kasus bestimmter Substantive häufig nach eigenem Ermessen in die Klasse der Adverbien aufnehmen (oder nicht aufnehmen).
Zum Beispiel führt das LKŽ den sogenannten temporalen Akkusativ, der semantisch aus dem Paradigma herausgefallen ist, systematisch als Beleg im Substantivartikel auf. So wird etwa dieną, das im LKG als temporales Adverb gilt (LKG: 458), im LKŽ im Artikel des Substantivs diena als gewöhnlicher Beleg aufgeführt (Kam lengva dieną, kam naktį, o kam niekados Siehe). Auch Kartą ist im LKŽ nicht als eigener Artikel aufgeführt; das analoge sykį, das im LKG unter den temporalen Adverbien genannt wird (LKG: 455), erscheint im LKŽ dagegen als eigener Artikel mit der Kennzeichnung adv. Apačioje wird im LKŽ nicht als Adverb gesondert behandelt, šaly (ir šalyje) dagegen als Adverb aufgeführt (offenbar wird dies auch bei viduje, viduryje, viršuje so gehandhabt werden). Eine Durchsicht der erschienenen Bände des LKŽ zeigt, dass man in den neuesten Bänden dazu neigt, semantisch „aus dem Paradigma herausgefallene“ Kasus konsequenter gesondert zu behandeln und sie in eigenen Artikeln als
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Page 3Adverbien. Doch auch hier fehlt es an großer Konsequenz. Üblicherweise werden jene Kasusformen herausgestellt, die Zeit oder Ort bezeichnen, z. B.: pavakarė adv. „vor dem Abend“ (daneben der Artikel pavakarė Subst. 1. „Zeit um den Abend, vor Einbruch der Dunkelheit“); pavakariais adv. „gegen Abend, vor dem Abend“; pagiriomis „beim Morgengrauen“; šalyje „in der Nähe, daneben“; šalinis „von den Seiten, von den Flanken“; kairėn „nach links“; kartais „manchmal, gelegentlich“; prieblanda „bei Einbruch der Dunkelheit“; prieblandžiu „ebd.“; priebrėkšmiu, priebrėkšmiais „in der Dämmerung, bei Einbruch der Dunkelheit“; priekin „in Bewegungsrichtung weiter, vorwärts“; priešryčiu „kurz vor dem Morgen“; šonais „daneben“; šonan „zur Seite, weg“; tamsėje „im Zustand des Abends oder der Nacht, nach Einbruch der Dunkelheit“; tarpais 1 „stellenweise, in Abschnitten, hier und da“ und tarpais 2 „manchmal, bisweilen, gelegentlich“; daiktais „stellenweise“; amžiais 1 „die ganze Zeit, sehr lange“ oran 1 „nach draußen“; lauke „draußen“ usw. Als Adverb wurde auch die eine oder andere Kasusform mit modaler Bedeutung herausgestellt, z. B.: drauge 1 „in einer Gruppe, zusammen, nicht getrennt“; mainais „im Austausch, tauschend“; skyrium „getrennt“; choru „alle zusammen, einstimmig“; balsu „laut, mit Stimmen“; raštu „schriftlich“; šuoliais „in Sprüngen, mit Rufen, in hastigen Sätzen“; risčia „in schnellem, dichtem Schritt (laufen, reiten, fahren)“ usw.
2.1. Bei der Bewertung der Darstellung adverbialisierter Substantivkasus im LKŽ ist zunächst die Diskrepanz zwischen diesem Wörterbuch und der LKG hervorzuheben. Die große Diskrepanz zwischen der LKG und den Bänden 1–8 des LKŽ lässt sich damit erklären, dass die LKG zum Zeitpunkt der Herausgabe dieser Wörterbuchbände noch nicht gedruckt vorlag (1971). Ab dem 9. Band des LKŽ wird diese Diskrepanz geringer, bleibt jedoch bestehen. So sind im LKŽ beispielsweise nicht als eigene Lexeme angesetzt Formen, die in der LKG als Adverbien erwähnt werden (pagrioviais, patakiais — LKG: 443, senybėj, senybėse — LKG: 455, pradžioje — LKG: 456, popiečiu, prievakarėj — LKG: 458, prieblandelėj, prietemelėj, prietemeliais, prietemelytėj — LKG: 459, šešiose — LKG: 436), oder als Übergangsfälle (paavyzdžiais, pabalais, padebesiais, padirviais, pakluonėm, pakampėm usw.).
2.2. Ohne die Einordnung der Adverbien in der „Grammatik der litauischen Sprache“ infrage zu stellen, ist die Diskrepanz zwischen ihr und dem Wörterbuch etwas schockierend. Wenn die Lexikografen die Daten der LKG jedoch kritisch beurteilen, wären präzisere Kriterien dafür wünschenswert, welche adverbialisierten Kasusformen im LKŽ angesetzt werden. Wünschenswert wäre auch die Beibehaltung eines gewissen Systems. Gerade daran mangelt es dem LKŽ auch in dieser Hinsicht.
2.3. Man kann annehmen, dass sich das LKŽ auf eine lexikografische Tradition stützt. So sind im Wörterbuch von F. W. Haack (Haack 1730) als Adverbien angesetzt: drauge adv., iš vidaus, iš viršaus, lauke adv. loci, laukan adv. loci, priešais (ohne Kennzeichnung), rytmečiais adv. temp., rytą metą adv. temp., šalin adv. loc., vakarais adv. temp., vargu adv. dubit. Im Wörterbuch von Pil. Ruigys (Ruhig 1747) wurden zusätzlich zu diesen auch apačioj adv., kartais (ohne Kennzeichnung), čėsu adv., rytmetyj adv. angesetzt. Im LKŽ fehlen als eigene Lexeme nur apačioj, rytmečiais und rytmetyj (gemeint sind die erschienenen Bände). Im Wörterbuch von G. H. F. Nesselmann (Nesselmann 1851) sind laukan, priešais (ohne Kennzeichnung), čėsu in eigenen Artikeln angesetzt,
¹ Die LKG führt unter den Übergangsformen des Pluralinstrumentals auch pabobais an, obwohl dies keine Kasusform ist — ein Paradigma des Substantivs *pabobys gibt es überhaupt nicht.
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Page 4drauge, greta, lauke (Orig. laukia), šalia, šalimis, šalin mit der Kennzeichnung adv., lauke mit der Kennzeichnung adv. und der Erklärung „eig. locat. von laukas“; die Formen apačioj, kartais, risčia, rytmečiais, suoliais, tarpais, prysokiais in den Artikeln der entsprechenden Substantive; die Wortverbindungen iš vidaus, iš viršaus, iš pradžios ebenfalls in den Artikeln der entsprechenden Substantive. Im Wörterbuch, das im LKŽ mit der Abkürzung NdŽ bezeichnet wird, sind als Adverbien angesetzt: drauge, greta, laukan, oran; priešais, šalia, šalį, šalim, šalimis, šalin, šoriais, tarpais, iš karto, iš pradžios (Originalschreibung — R.Š.); truputį ist als Bedeutung 2 des Substantivs truputis abgegrenzt. Die im LKŽ als Adverbien aufgeführten Formen kruopą, kuliais, šuoliais, choru, laiku, mainais, metu, nakčia, paryčiais, pavakare, risčia, raštu, šonais finden sich im NdŽ nicht als Belegbeispiele bei den entsprechenden Substantiven. Daher wäre es nicht zutreffend zu behaupten, dass sich das LKŽ an die lexikografische Tradition hält. Übrigens wurde die Tradition auch in den Ausgaben des Wörterbuchs der Gegenwartssprache (D޹, D޲), das sich, wie es scheint, auf das LKŽ und dessen Belegsammlung stützt, nicht bewahrt: Nicht angesetzt sind die Adverbien choru, balsu (angegeben ist nur die adverbiale Bedeutung des Singularinstrumentals), laiku (in D޲ angesetzt), iš karto, iš pradžių, paryčiais, pavakare, raštu usw.
2.4. Somit wird im LKŽ, so kann man sagen, die lexikografische Tradition weiterentwickelt, d. h. im Vergleich zu früheren litauischen Wörterbüchern werden immer mehr Kasusformen in die Wortklasse der Adverbien aufgenommen. Ins Auge fällt jedoch die mangelnde Systematik — unklar ist, warum die Kasusformen mancher Substantive als Adverbien gelten, die anderer, semantisch analoger Substantive dagegen nicht. Ich werde dies anhand einiger Beispiele veranschaulichen. Die Form pašalėje ist als Adverb mit der Bedeutung „daneben, neben“ angesetzt; nuošalėje wird als adverbialisierte Bedeutung 2 des Substantivs nuošalis aufgeführt; priešakyje und priekyje sind nicht als eigene Artikel angesetzt, wohl aber aus irgendeinem Grund die Form prieky (obwohl eine Zeitbedeutung auch dem Substantiv priekis eigen ist). Die Form priekin ist angesetzt, die analoge Form priešakin („Jis žengia priešakin“). dagegen nicht. Das Adverb daiktais („Upė daiktais išdžiūvusi K“) ist angesetzt; offenbar wird man ebenso mit vietomis verfahren, die analoge Form plotais („Rugiai plotais išplikę K“) wird jedoch nicht als Adverb angesetzt. Das Adverb šoriais wird nach den Angaben des LKŽ folgendermaßen erklärt: „stellenweise, in Böen“ und „in Streifen, streifenweise“; weder gūsiais noch ruožais gelten jedoch als Adverbien. Nuorudeniu „zu Beginn des Herbstes, im Herbst“ ist als Adverb angesetzt — apyrudeniu (Apyrudeniu numirė Grž) — im Artikel des Substantivs; aptemiais als Adverb, apytamsiais als Substantiv usw.
2.5. Es ist anzumerken, dass im LKŽ am häufigsten Kasusformen mit Zeit- und Ortsbedeutung als Adverbien behandelt werden; offenbar wird angenommen, dass sie am ehesten aus dem Paradigma herausfallen. Kasusformen mit modaler Bedeutung (Singular- und Pluralinstrumental) kommen in dieser Hinsicht deutlich zu kurz. Systematisch herausgestellt werden nur Wörter, die die Art der Bewegung bezeichnen — risčia, šuoliais; vermutlich wird auch žingine angesetzt werden. Andere Substantivkasus mit modaler Bedeutung (mit wenigen Ausnahmen — choru, balsu, mainais u. Ä.) werden nicht in eigenen Artikeln aufgeführt — dazu gehören die Formen ratu (vgl. Paulauskienė 1994: 378), būriu, apskritimu, srove, jėga, lašais, vamzdžiu, tūta, glėbiais, gniužulais usw. Auch ein Akkusativ mit Mengenbedeutung wird gewöhnlich nicht angesetzt (mit Ausnahme von kruopą), d. h. die Formen kąsnį, krūvą, kupetą usw.
2.6. Wie aus dem LKŽ hervorgeht, bereiten den Lexikografen diminutive
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Page 5die Zuordnung von Substantiven, die gewöhnlich im Artikel des Grundworts in der Belegstelle angeführt werden, zu den Adverbien. So wird adv. kruopą durch die Bildungen kruopelę, kruopelytę veranschaulicht. In späteren Wörterbuchbänden werden die Flexionsformen diminutiver Bildungen, die als Adverbien behandelt werden, in eigenen Artikeln aufgeführt, da anerkannt wird, dass die Suffixe -elis, -ė, -ytis, -ė usw. so oder so Wortbildungselemente der Substantivbildung sind, z. B.: adv. riščia ir ristėlė, ristutė, adv. šuoliais, šuoliu ir šuoleliais, šuoleliu (aber nicht šuoliukais), adv. tarpais ir tarpėliais, tarpučiais, tarpukais. Doch auch dieses System wird nicht konsequent durchgehalten; so wird etwa šalele im Artikel šalis aufgeführt.
3.0. Nach der Betrachtung einiger Besonderheiten der Darstellung der Adverbialisierung von Substantivkasus im LKŽ möchte man bestimmte Schlussfolgerungen ziehen.
3.1. Zunächst wird das LKŽ verfasst, ohne dass klare Kriterien dafür bestehen (oder indem sie inkonsequent angewandt werden), welche Kasus welcher Wörter als Adverbien zu behandeln sind, wann ein Kasus semantisch isoliert ist (Ulvydas 1967: 7) und wann seine Endung „ihre Funktion als Kasusmarker verliert“ (Ulvydas 1959: 84).
Dass ein Substantivkasus als Subjekt, ein anderer als Objekt und ein dritter als Adverbialbestimmung im Satz fungiert, bedeutet noch nicht, dass einer von ihnen semantisch isoliert ist (diena prašvito; aš mėgstu dieną, nekenčiu nakties; dieną dirbu). Bei Substantiven mit einer Zeitsemantik können der Lokativ, der Instrumental und der Akkusativ die Bedeutung einer Temporalbestimmung haben, bei einer Ortssemantik die einer Lokalbestimmung, bei einer Art- und Mengensemantik die einer Modalbestimmung. Dies sind paradigmatische Kasusbedeutungen; in den Grammatiken werden ja der temporale Akkusativ (Jablonskis 1928: 73—74; LKG I: 197), der temporale Instrumental (Jablonskis 1928: 81—83 — Belege: nakčia, protarpiais, gaidgyste usw.; LKG I: 201 — Beleg kartais (sic!)), der Weg- (Orts-)Instrumental (Jablonskis 1928: 79—81 — Belege: tarpais, daiktais, ruožtais usw.; LKG I: 203), der Modal-Instrumental (Jablonskis 1928: 86—88 — Belege: balsu, šuoliais, kuliais; LKG I: 203—204), der temporale Inessiv und der temporale Illativ genannt (LKG I: 206, 208). Meiner Ansicht nach ist der Gebrauch solcher Formen ohne Attribute – der als einer der wichtigsten Indikatoren für die „Adverbialisierung“ angeführt wird (Ulvydas 1963: 8; LKM: 204; DLKG: 411) – kein hinreichendes Argument dafür, sie als Adverbien zu betrachten. Im Gegenteil: Dass sie mit Attributen gebraucht werden können, zeigt, dass es sich lediglich um einen Kasus und nicht um ein Lexem handelt. So wird die Fügung didokais šuoliais im LKŽ im Artikel des Substantivs šuolis angeführt, während šuoliais als eigenständiges Adverb angesetzt wird; tarpučiais wird als Adverb angesetzt (Tarpučiais geriau, kai negeria. Jrb), während eine Fügung mit analoger (temporaler) Bedeutung — (Tokiais tarpučiais užeina lyt Jrb) — als Beleg für die Bedeutung des Substantivs tarpas dient. Offenbar verkompliziert dies lediglich die Wörterbuchstruktur. Adverbien, die formal lediglich Kasusformen sind, können gewöhnlich keine Attribute haben, z. B.: retkarčiais, priešokiais (das Substantiv priešokis ist offenbar lediglich eine Rückbildung), pašokom usw. Dass mengenbezeichnende Akkusative wie trupuči, kruopą, kasnelį, valandėlę usw. zum Flexionsparadigma gehören, zeigt auch, dass sie unter Negation in den Genitiv übergehen (palauk trupučio, nelauksiu nė trupučio), d. h. sie verhalten sich wie reguläre paradigmatische Kasus.
3.2. Die Markierung adv. sollte nur nach sorgfältiger Prüfung gesetzt werden, ob der Kasus tatsächlich aus dem Paradigma herausgefallen ist oder noch den übrigen Substantivkasus zugeordnet werden kann
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Page 6kann. Als Sprecherin des Litauischen suchte ich das Wort kartais2 im Artikel des Substantivs kartas (beide sind durch die zeitliche Bedeutung verbunden), das Wort kartu hingegen an einer anderen Stelle des Wörterbuchs. Jie sustojo greta (gretomis) hat die Bedeutung einer Art und Weise (greta bezeichnet die Art der Anordnung von Gegenständen; ähnlich wären sustojo eile, eilėmis, eina vorele usw.); mit diesen Fügungen könnte das Substantiv greta⟧ illustriert werden. In dem Satz Aš atsisėdau, o ji atsistojo greta wäre greta ein Adverb (mit lokaler Bedeutung).
3.3. Die meisten Unregelmäßigkeiten bei der Darstellung der Adverbialisierung sollten dennoch damit entschuldigt werden, dass es in dieser Hinsicht keine theoretische Grundlage gibt – in den Grammatiken ist die „Substantivierung und Adverbialisierung“ der Substantivkasus nicht hinreichend begründet.
LITERATŪRA
DLKG — Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, Vilnius, 1994.
DŽ1 — Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, Vilnius, 1972.
DŽ2 — Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, Vilnius, 1993.
Haack F. W. 1730 — Vocabularium Litthuanico-Germanicum et Germanico-Littvanicum, Halle.
Jablonskis J. 1928: Rygiškių Jono. Linksniai ir prielinksniai, Kaunas.
LKG — Lietuvių kalbos gramatika 2, Morfologija, Vilnius, 1971.
LKGI — Lietuvių kalbos gramatika 1, Fonetika ir morfologija, Vilnius, 1965.
LKM — Jakaitienė E., Laigonaitė A., Paulauskienė A. Lietuvių kalbos morfologija, Vilnius, 1976.
LKŽ — Lietuvių kalbos žodynas 3—15, Vilnius, 1956 — 1991; II leid. 1—2, 1968—1969.
NdŽ — Lietuvių rašomosios kalbos žodynas. Lietuviškai-vokiška dalis 1—5. Sudarė H. Niedermnas, A. Sennas, F. Brendris, A. Saly s, Heidelberg, 1932—1968.
Neselmann G. H. F. 1851 — Wörterbuch der Littauischen Sprache, Königsberg.
Paulauskienė A. 1994: Lietuvių kalbos morfologija, Vilnius.
PG — Pirmoji lietuvių kalbos gramatika, Vilnius, 1957.
Ruhig P. 1747 — Littauisch-Deutsches und Deutsch-Littauisches Lexicon..., Königsberg.
Ulvy das K. 1959: Dėl vienaskaitos galininko prieveiksmėjimo dabartinėje lietuvių kalboje. — Lietuvių kalbotyros klausimai 2, 75—89.
Ulvy das K. 1967: Vienaskaitos vietininkų prieveiksmėjimo klausimu.— Lietuvių kalbotyros klausimai 9, 6—42.
ADVERBIALIZATION OF SOME SUBSTANTIVAL FORMS AND THEIR PRESENTATION IN THE DICTIONARY OF THE LITHUANIAN LANGUAGE
Summary
The article deals with the lexicographical problem of adverbialization. The author presumes that only those substantival forms which cannot be related to declensional paradigm of corresponding substantive, must be given separate entries in the dictionary as adverbs. The possibility of having attributes (bego šuoliais — bėgo dideliais šuoliais) and the usual transformation that takes place in negative sentences (davė truputį — nedavė nė trupučio) show that spoken forms belong to the class of nouns and not to the one of adverbs.
2 Beje, J. Jablonskis šį žodį pateikia kaip laiko įnagininko iliustraciją: Kartais ir vilkai moka pasirodyti meiliūs (Jablonskis 1928: 81).
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