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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXIX (1998)

Nijolė ČĖPIENĖ

Institut für Litauische Sprache, Vilnius

GERMANISMEN IN DEN SCHRIFTEN DES MIKALOJUS DAUKŠA

In den aus dem Polnischen übersetzten Schriften von M. Daukša gibt es, wie auch in anderen religiösen Werken des 16. Jahrhunderts, nur wenige Germanismen. Die meisten finden sich in Jonas Bretkūnas „Biblija“. Besonders wenige Germanismen sind in Daukšas kleinem „Katekizmas“ (1595) zu finden. Darin gibt es sechs Germanismen und sieben daraus gebildete Ableitungen: kunigas, vertas, kuoras „Chor“, mirra „wohlriechendes Harz“, šarvas, skyda1; kunigystė, kunigiškas, hevertas, vertai, nevertai, nevertybė, išliuosuoti.

In M. Daukšas „Postilė“ (1599) wurden 21 Germanismen und 19 Bildungen gefunden – 18 Ableitungen und ein zusammengesetztes Wort: penigmainys. Neben den bereits aufgeführten sind folgende zu nennen: penigas (peringas, pinningas, pinigas), budelis, ola, stalda „Stall“, šilingas usw.; siehe Tabelle 1.

Die Schreibweise und die Formen einiger Entlehnungen in Daukšas Schriften variieren ebenso wie die einheimischer Wörter, z. B.: kunigáikszts, kunigáigszts, kunigáistis; kunigákzts; pęnigas, pęni-gas, penigas, pęnigas, peningas.

Bei der Bestimmung der Herkunft von Germanismen stellt sich die Frage, ob ein Wort unmittelbar aus dem Deutschen entlehnt wurde oder über die slawischen Sprachen, vor allem das Polnische oder Weißrussische, gekommen ist. Über die Herkunft mancher Entlehnungen bestehen unterschiedliche Auffassungen, z. B. leitet falšus K. Alminauskis aus dem Deutschen her, E. Fraenkel dagegen aus dem Polnischen; Pr. Skardžius führt dieses Wort in seinem Buch „Die slavischen Lehnwörter im Altlitauischen“ nicht an; lampa, mirra betrachtet Alminauskis als deutsche, Skardžius hingegen (im Original mira) als polnische Entlehnungen. Häufig hilft die Quellensprache nicht, die Herkunft zu klären, da die phonetische und morphologische Struktur deutscher und slawischer Formen ganz oder teilweise übereinstimmt, z. B.: gruntac, vgl. dt. Grunt, poln. grunt; handlius „Handel“, vgl. dt. Handel, poln. Handel; jarmarkas „Jahrmarkt, Markt“, vgl. dt. Jahrmarkt, poln. jarmark; laterna „Laterne“, vgl. dt. Laterne, poln. laterna; pancierius „Rüstung“, vgl. dt. Panzer, poln. pancerz; šturmas „Sturm, Unwetter“, vgl. dt. Sturm, poln. szturm; šniūras „Seil“, vgl. dt. Schnur, poln. sznur; tancius „Tanz“, vgl. dt. Tanz, poln. taniez. Diese Germanismen aus der „Postilė“ werden von vielen Forschern als Entlehnungen über die slawischen Sprachen angesehen. Bekanntlich bestanden zwischen Polen und Deutschland seit Langem Kontakte in Wirtschaft und Kultur. Deutsche Ritter kamen seit dem 11. Jahrhundert an polnische Höfe, und im 13.–17. Jahrhundert fand die größte Migration statt. Die Ritter der Höfe heirateten deutsche Frauen, polnische Herren hielten sich an deutschen Höfen auf. Von dort verbreiteten sich Moden, Bräu-

1 S. Karaliūnas hält dieses Wort für baltisch. – Baltistica 30(1), 1995, 29–39.

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… Kontakte gab es auch im wissenschaftlichen Bereich. 1364 wurde in Krakau eine Universität gegründet, die Studierende austauschte. In den ersten dreißig Jahren waren 12 von 19 Professoren Deutsche.

Einige Germanismen sind jedoch keine besonders alten Entlehnungen in den slawischen Sprachen, z. B. wurden die polnischen jarmark, lampa, laterna im 15. Jh. verwendet, handel, szturm, taniec, grunt „Fundament, Grundlage“ im 16. Jh. (wie auch im Litauischen). Ein Teil dieser Entlehnungen, etwa pinigas, kunigas, die ins Litauische gelangten und laut K. Būga um das 12.–13. Jh. übernommen wurden, also schon vor Daukša bekannt waren, könnte unmittelbar aus dem Deutschen ins Litauische gekommen sein. Die Wege der Übernahme konnten vielfältig sein: Kleinlitauen, der nördliche Teil Litauens (die livländische deutsche Mundart des Niederlitauischen) und schließlich auch die im Großfürstentum Litauen verwendete deutsche Sprache. Bereits im 14. Jh. gab es Deutsche in Litauen; sie errichteten die St.-Nikolaus-Kirche in Vilnius. Einige Entlehnungen könnten auch auf dem Wege der Bücher übernommen worden sein, als Schriften aus dem Deutschen übersetzt wurden (izopas, mirra).

Ein Teil der in M. Daukšas Schriften verwendeten Entlehnungen hat keine litauischen Entsprechungen oder Ersatzformen. Sie gelangten mit neuen Realien in die Sprache, um unbekannte Begriffe auszudrücken und Dinge oder Personen zu bezeichnen. Alle direkten Germanismen im „Katekizmas“ werden in der Standardsprache verwendet, mit Ausnahme der Ableitung išliuossuoti (statt skyda lautet die standardsprachliche Form skydas, und statt kuoras – choras). In der „Postilė“ finden sich, wie auch in anderen alten Schriften, heute nicht mehr gebräuchliche Entlehnungen, z. B. cieks „Zeichen, Fleck“, liuosas, stalda.

Ein Vergleich der Germanismen in Daukšas „Postilė“ mit den Entlehnungen in Mažvydas Schriften und Bretkūnas „Postilė“ zeigt, dass Daukšas „Postilė“ einschließlich der Bildungen die meisten Germanismen aufweist (40), Bretkūnas „Postilė“ 39 und M. Mažvydas Schriften am wenigsten (25, darunter fünf Familiennamen). In den drei genannten Werken wurden nur 10 identische Wörter verwendet: kunigas, penigas, mûras, hûkis, izapas (izopas), kaplanas (kaplonas), kunigaikštis, mirra (myrha, mirrhas), skyda, hûkinykas (hukenykas); DP und BP haben 19 gemeinsam, Mž und BP 13, DP und Mž nur 11. Von den insgesamt 65 Germanismen in Daukšas und Mažvydas Schriften sowie in Bretkūnas „Postilė“ (Familiennamen nicht mitgezählt) werden in der Standardsprache nur 20 verwendet; außerdem liegen einige Entlehnungen in anderer Form vor, z. B. steht statt hercekis die Form hercogas.

Es wurde festgestellt, dass DP zahlreiche aus Entlehnungen gebildete Wörter enthält, vor allem Ableitungen, z. B.: išliuosuoti, išliuosavimas: liuosuoti; peniguojas „reich an Geld“, penigėlis: penigas; kunigystė, kunigiškas, kunigaikštis: kunigas; šarvuotas, šarvinukas „gepanzerter Mensch“, pašarvinti „bewaffnen“: šarvas; vertumas, never- tumas /DK nevertybė/; vertas. Insgesamt gibt es in Daukšas „Postilė“ 19 aus Germanismen gebildete Wörter, in Daukšas „Katekizmas“ 7, in Bretkūnas „Postilė“ 9 und in Mažvydas Schriften 7.

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Germanismen in den Schriften des 16. Jh. (Mž, BP, DK, DP)

Tabelle 1

Entlehnungen Ableitungen Grundwörter Quellen

brantai „Syphilis“ v. v. W. brant BP

Henker Pr. v. v. W. budel DP

ciekas „Zeichen“ pabugruoti „verleihen“ v. borgen Mž

Daubmanas „ein solcher Familienname“ Pr. v. W. žeken DP

farba „Farbe“ v. Daubmann Mž

gasas „Straße, Weg“ v. Farbe BP

grabė „Graben“ Pr. v. gas, gass BP

hereckis (herčiks) „Herzog“ Pr. v. grobė, v. Graben BP

heubtmonas (hotimanas) „Vorgesetzter, Anführer“ hereckystė „Herzogtum“ v. Hertzig Mž, BP

hūkis mnd. houbetman Mž, BP

hūkinykas, -ė (hūkenykas) preuß. Huck, Hucke Mž, BP, DP

ūkinykas DP

hūkenystė BP

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Lehnwörter

Ableitungen

Grundwörter

Šaltiniai

Hulrichas „tokia pavardė“

hūkinykavimas

v. Hulrich

DP

ižapas (izopas) „vaistinio juozapo (Hyssopus officinalis) sultys“

kunigė „kunigo žmona; kunigaikštienė“

v. Isop

Mž

juozapo (Hyssopus officinalis) sultys“

kunigystė (kunigysta) „kunigo pareigos, kunigavimas; viešpatystė“

v. Kaplan

Mž, BP, DP

kaplanas (kaplonas) „kunigas“

kunigiškas „dvasininkiškas“

s.s. kelik, v.ž. kelik, s.v.a. kelich

Mž, BP, DP

kylikas „taurė“

kunigauti, būti kunigu; viešpatauti“

s.v.a., v.a.a., v.v.ž. kuning

Mž, BP, DK, DP

kunigas

kunigaikštis „karo vadas ir srities valdovas“

Mž

DK, DP, BP

kuoras (choras)

kunigaikštė „kunigaikštytė“

Pr.v. kor, v.v.a. kor,v.Chor

Mž

kvieys

gout hwaities, s.gem. xweitiz,

DK, DP, Mž

BP, DP

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Skoliniai | Dariniai | Pamatiniai žodžiai | Šaltiniai lampa (liampa) | | isl. hweite | DP, BP liuossa „laisvas“ | | v. Lampe | DP | išsiuosti | v. los | DK, DP | išluosiavimas | | DP Lutheras „tokia pavardė“ | | v. Luther | Mž malkas „gurkšnis; gėrimas“ | | Pr.v. malche „viena karta“ | DP midus | | gotų *midus | BP, DP Mikielės menuo „Mikėles (Mykolo) mėnuo“ | | Pr.v. Michėl | BP mirra (myrrha, mirrhas) „kvapus sakai“ | | v. Myrrhe | BP, Mž, DK, DP mūras | | v.v.ž. mūre, v.v.a. mûre Pr.v. mûr | Mž, BP, DP ola | | v.v.ž. hol | BP,DP Osterbegeras „tokia pavardė“ | | v.Osterberger | BP pantas „dovana“ | | Pr.v.pant | Mž pेंिगas | | v.ž. pennig, penning, s.ž. grem. penning, Pr.v. fenning, pfennig | Mž,BP, DP (peningas, pinigas, pinigas) | | | BP,DP | | pengėlis | DP | | penguojas „piningas“ | DP

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Skoliniai

Dariniai

Pamatiniai žodžiai

Šaltiniai

Perbant „tokia pavardė“

penigmainys

v. Perbant

DP

ratūžė „rotušė“

Pr.v. rūthús

Mž

skıda „skydas“

s.frizu skid, s.v.a. scit

BP

spykerė „javų sandėlis, klėtis“

v.v. ž. spiker, Pr.v. špiker

Mž, DK, DP, BP

stalda „vartas“

danu stald, v.v. ž. stal(l-)

BP

(staldas)

DP

stukis „gaballas, liūtas“

Pr.v. stuk, v.v. ž. stukke

BP

šarvas (Šarvai)

šarvinykas „šarvuotas žmogus“

gotu sarva

DP

šarvuotas

BP, DK, DP

BP, DP

šarvuotas

DP

pasārvinti „apginkluoti“

DP

šilingas

v. Schilling

DP

Šiparus „irkluotojas, laivininkas“

Pr.v. Schipper

BP

šūrčės „prijuostė“

v. Schürze

BP

vertas

v. wert

BP, DK, DP

nevertas

BP, DK, DP

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Školiniai

Dariniai

Pamatiniai žodžiai

Šaltiniai

Weinreichas „tokia pavardė“

vertai

v. Weinreich

DK, DP

žėgplis „purė“

neverta(i)

v. Segel

DK, DP

vertumas

DP

nevertumas

DP

nevertėbė

DK

vertingas

BP

vertingai

BP

Mž

BP

Gauta 1998 02 25

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ABKÜRZUNGEN

isl. – isländische Sprache. Pr.v. – preußisches Deutsch. s. s. – altsächsische Sprache. s. v. a. – althochdeutsche Sprache. š. germ. – nordgermanische Sprache. v. – deutsche Sprache. v. v. a. – mittelhochdeutsche Sprache. v. v. ž. – mittelniederdeutsche Sprache. v. ž. – niederdeutsche Sprache.

Die übrigen Abkürzungen entsprechen denen im großen Wörterbuch der litauischen Sprache.

LITERATŪRA

Alminauskis K. Die Germanismen des Litauischen. Die deutschen Lehnwörter im Litauischen, Teil 1, Kaunas, /1934/.

Brückner A. Słownik etymologiczny języka polskiego, Warszawa: Wiedza Powszechna, 1974.

Būga K. Rinktiniai raštai, V: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 1958–1959. T. 1–2.

Fraenkel E. Litauisches etymologisches Wörterbuch 1–2, Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht, 1955–1965.

Karaliūnas S. Dėl baltų kalbų šaukšto ir skydo pavadinimų kilmės – Baltistica 30(1), 1995, 29–39.

Karszniewicz-Masur A. Zapożyczenia leksykalne ze źródła niemieckiego w współczesnej polszczyźnie, Wrocław, 1986.

Skardžius Pr. Die slavischen Lehnwörter im Altlitauischen, Kaunas, 1931.

DIE GERMANISMEN IN SCHRIFTEN DES MIKALOJUS DAUKŠA

Zusammenfassung

Die Übersetzungen von M. Daukša, wie überhaupt die litauischen Religionsschriften des 16. Jhs., enthalten nicht viel Germanismen. Im „Katekizmas“ (1595) sind sechs Germanismen und sieben von ihnen gebildete Ableitungen, in „Postilė“ – einundzwanzig Germanismen, achtzehn Ableitungen und eine hybride Zusammensetzung. Bei der Bestimmung des Ursprungs der Germanismen entsteht eine Frage – das Wort ist gerade aus dem Deutschen oder durch die Vermittlung der slawischen Sprachen ins Litauische gelangt. Manche deutsche Lehnwörter konnten ohne Vermittlung der slawischen Sprachen ins Litauische gelangen, z. B.: šturmas (Sturm), gruntās (Grant), tancius (Tanz). Aus 65 in den Schriften von Daukša, Mažvydas und Bretkūnas „Postilė“ vorliegenden Germanismen werden nur 20 in der litauischen Gegenwartssprache gebraucht. Die Übersetzungen des M. Daukša unterscheiden sich von den Schriften der anderen oben genannten Autoren des 16. Jhs. durch die Mehrheit der aus den Lehnwörtern gebildeten Ableitungen.

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