TRANSKRIPTION LITAUISCHER MUNDARTEN MIT IPA-SYMBOLEN: DIE WESTLICHEN HOCHLITAUEN VON ŠIAULIAI
Transkription litauischer Dialekte mit IPA-Symbolen: die westliche aukštaitische Mundart von Šiauliai
ZUSAMMENFASSUNG
Der Beitrag erörtert die Möglichkeiten, die westliche aukštaitische Mundart von Šiauliai mit den Symbolen der aktuellen Fassung des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) zu transkribieren. Bislang wurden die Laute der litauischen Dialekte in der Dialektologie meist mit der sogenannten Kopenhagener Transkription notiert, die Georg Gerulis zu Beginn des 20. Jahrhunderts angepasst hatte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts nahm der Bedarf an einer zeitgemäßen IPA stark zu, als in Litauen neue Ansätze zur Erforschung der Dialekte aufkamen. Daher erstellten Dialektologen des Instituts für Litauische Sprache 2016 einen probeweisen Satz von IPA-Symbolen, der noch auf die Besonderheiten aller Mundarten hin „getestet“ wird.
Der Beitrag stellt die Entsprechungen zwischen IPA-Symbolen und der Kopenhagener Transkription dar, notiert in Palemono-Schriftzeichen. Im Hauptteil werden IPA-transkribierte Beispiele aus der Mundart von Šiauliai aus zwei unterschiedlichen Siedlungspunkten analysiert: Ažytėnai, das zum südlichen Teil der Mundart gehört, und Šakyna im Norden, nahe dem Gebiet der Žemaiten. Anhand der Beispiele sollte geprüft werden, inwieweit sich die meisten phonetischen Besonderheiten der Mundart von Šiauliai mit IPA-Symbolen erfassen lassen.
Die meisten Transkriptionsprobleme bei den Besonderheiten der Mundart stellten keine Schwierigkeiten dar. Die im IPA-Satz enthaltenen Vokal- und Konsonantensymbole entsprechen in den meisten Fällen ungefähr den Lauten der Mundart; einige von ihnen werden mit zusätzlichen diakritischen Zeichen notiert. Im Konsonantensystem ist die Bezeichnung der sogenannten „schiefen“ Laute – Zwischenlaute zwischen s, z, c, dz und š, ž, č, dž – mit IPA-Symbolen einigermaßen problematisch, da die artikulatorischen Merkmale dieser Zwischenlaute bislang nicht genau beschrieben sind. Wie in anderen Mundarten und in der Standardsprache bleibt auch im Gebiet von Šiauliai die Erfassung prosodischer Einheiten, insbesondere der Varianten der Akzentuierung, mit IPA-Symbolen am schwierigsten.
Der Artikel erörtert die Möglichkeiten, die neueste Version des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) zur Transkription des westaukštaitischen Dialekts von Šiauliai anzuwenden. Bislang wurden dialektale Laute in der litauischen Dialektologie gewöhnlich mit der sogenannten Kopenhagener Transkription wiedergegeben, die Georg Gerulis zu Beginn des 20th. Jahrhunderts angepasst hatte. Mit dem Aufkommen neuer Forschungsfelder in der Dialektologie zu Beginn des 21st. Jahrhunderts verstärkte sich der Bedarf an einer zeitgemäßen IPA-Transkription. Dies führte 2016 zur Zusammenstellung eines vorläufigen Satzes von IPA-Symbolen durch die Dialektologen des Instituts für die litauische Sprache. Dieser wird nun anhand der Besonderheiten aller Dialekte „erprobt“.
Der Artikel stellt die Entsprechungen zwischen den IPA-Symbolen und der Kopenhagener Transkription dar, die mit der Schriftart Palemonas wiedergegeben werden. Im Hauptteil werden Beispiele aus dem Dialekt von Šiauliai analysiert, die mit IPA-Symbolen transkribiert wurden und von zwei unterschiedlichen Wohnorten stammen: Ažytėnai gehört zum südlichen Teil des Dialekts, Šakyna liegt im Norden, nahe dem samogitischen Gebiet. Anhand der Beispiele wurde geprüft, inwieweit sich die meisten phonetischen Merkmale des Dialekts von Šiauliai mit IPA-Symbolen erfassen lassen.
Die meisten Merkmale des Dialekts bereiteten bei der Transkription keine Schwierigkeiten. In der Mehrzahl der Fälle entsprechen die IPA-Vokal- und Konsonantensymbole den Lauten des Dialekts annähernd; einige sind durch zusätzliche Diakritika gekennzeichnet. Im Konsonantensystem ist die Wiedergabe der Laute des sogenannten Phänomens šlėkiamas – Zwischenlaute zwischen s, z, c, dz und š, ž, č, dž – mit IPA-Symbolen etwas problematischer, da es nach wie vor keine präzise Möglichkeit gibt, die artikulatorischen Eigenschaften von Zwischenlauten zu beschreiben. Wie bei anderen Dialekten und in der Standardsprache bleibt die Wiedergabe prosodischer Einheiten, insbesondere von Akzentvarianten, mit IPA-Symbolen auch im Gebiet des Dialekts von Šiauliai am problematischsten.
Für die Vertreter der Dialektologiewissenschaft war die Frage der Aufzeichnung des Sprechens, also der Transkription, seit jeher von Bedeutung. Selbst die Transkription von Standardsprachen kann nicht alle feinen Lautvarianten wiedergeben; die schriftliche Darstellung bleibt lediglich annähernd. Es wird angenommen, dass die subjektive Interpretation des Transkribierenden zwangsläufig alle Sprachebenen beeinflusst – Semantik, Lexik, Grammatik und Phonetik. Der Transkribierende neigt naturgemäß dazu, seine eigene sprachliche Interpretation niederzuschreiben, die nicht immer
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stimmt mit der bereitgestellten kodierten Information überein. Bei der Verschriftlichung dialektaler Daten besteht besonders viel Mehrdeutigkeit auf der phonetischen, genauer gesagt phonemischen Ebene, da sich die Person, die die Aufzeichnung transkribiert, beim Dekodieren des aufgenommenen Textes auf das ihr am besten vertraute Phonemsystem stützt (meist das des eigenen Dialekts). Objektivität bei der Transkription ist eine nur sehr schwer zu bewältigende Aufgabe; es wird anerkannt, dass schriftlich meist ein „impressionistisches“ Bild der lebendigen Sprache wiedergegeben wird1 (Ladefoged 1990: 32–36; Pandeli, Eska, Ball, Rahilly 1997: 65; Widdowson 2012: 57 u. a.).
Für die Übertragung gesprochener Sprache aufs Papier sind auch die Wahl des Transkriptionssystems und die Festlegung seiner Prinzipien von großer Bedeutung. In verschiedenen Ländern setzen sich häufig eigene, nationale Transkriptionssysteme durch. Wie wir wissen, besteht in Litauen seit einem Jahrhundert die von Georg Gerulis adaptierte (1930) Tradition der sogenannten Kopenhagener Transkription, die in späteren Zeiträumen von allen namhaften Dialektologen weiterentwickelt wurde (siehe Gerulis, Stang’as 1933; J’onikas 1939; Salys 1992 [1946]; Zinkevičius 1994; Skirmantas, Girdenis 2001 [1998] u. a.; ausführlicher zur Transkription litauischer Dialekte im 20. und frühen 21. Jahrhundert siehe Bakienė, Čepaitienė 2017a). Obwohl die Zeichen dieser Transkription auch für die litauischen Dialekte auf Grundlage der IPA (Fassung von 1925) angepasst worden waren, unterscheiden sie sich stark von den heutigen IPA-Symbolen. Lettische Dialektologen verwenden ihr eigenes Transkriptionssystem (siehe AV 2016: 14–15; BA Pr 2009: 50–57; BA I 2013: I 74–81). Bei gemeinsamen Forschungsprojekten, die sich besonders seit Beginn des 21. Jahrhunderts häuften, musste jedoch anerkannt werden, dass dies den Forschungsbereich stark einschränkt und den Vergleich von Daten aus mehreren Sprachen erschwert2. Ein weiterer Grund für den wachsenden Bedarf an einem universellen Transkriptionssystem für Dialekttexte waren die methodologischen und ideologischen Veränderungen im Umgang mit Dialekten zu Beginn des 21. Jahrhunderts3.
Angesichts dieser Bedürfnisse erarbeiteten die Dialektologen des Instituts für litauische Sprache 2016 einen probeweisen Satz von Symbolen der Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) zur Verschriftlichung der heutigen
1 Vgl. die treffende Bemerkung Antanas Baranauskas’ zur Frage der Dualität von geschriebener und lebendiger Sprache: „Das eine ist das Buch, etwas anderes der Mund: Im Buch ist die Sprache halb erstorben, im Mund dagegen ganz lebendig“ (Baranauskas 1970: 248).
2 Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stießen besonders die Forscher der baltischen Standardsprachen auf Probleme mit der Transkription, als sie akustische Eigenschaften von Lauten verglichen (siehe Grigorjevs, Jaroslavienė 2014; 2015; Jaroslavienė 2014; 2015; Urbanavičienė, Indričāne 2015; 2016). Litauische und lettische Dialektologen diskutierten darüber vor allem bei der Erarbeitung von BA Pr 2009 und BA I 2013.
3 Eine einheitliche Darstellung ist besonders wichtig, wenn Dialektdaten mit Computerprogrammen analysiert werden, beispielsweise mit RuG/L04, Gapmap (ausführlicher siehe Nerbonne u. a. 2011: 65–89 ff.; Leinonen u. a. 2016: 71–83 ff.) und anderen. Mit ihnen werden vor allem dialektometrische Messungen durchgeführt – Ähnlichkeiten oder Unterschiede zwischen Dialekten werden berechnet, dargestellt und analysiert, meist unter Berücksichtigung der geografischen Lage (siehe Smrecany 2011: 45).
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ABB. 1. Netz der Erhebungspunkte für Kontrolldialekte (LKA 197, Karte Nr. 1)
Symbole der Fassung zur Verschriftlichung litauischer Dialekte4. In jüngster Zeit wird dieser Satz der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt und von Forschern baltischer Dialekte sowie von Geolinguisten erörtert5. Der nächste Arbeitsschritt besteht darin, sorgfältig ausgewählte IPA-Symbole entsprechend
4 Diese Arbeit war ein Bestandteil einer umfassenderen Untersuchung litauischer Dialekte, in der die IPA-Transkription benötigt wurde, um Dialektmaterial mit Computerprogrammen zu analysieren, die auf der Methode der Dialektometrie beruhen.
5 Der für die Laute litauischer Dialekte erarbeitete IPA-Satz wurde am 03.05.2016 in einer Sitzung des Zentrums für Geolinguistik am Institut für litauische Sprache geprüft. Der wissenschaftlichen Gemeinschaft wurde er auf internationalen wissenschaftlichen Konferenzen in Litauen vorgestellt (Bakšienė R., Čeipienė A. „Die Anwendung des Internationalen Phonetischen Alphabets (engl. IPA) auf Texte litauischer Dialekte: Möglichkeiten und Probleme“. Internationale wissenschaftliche Konferenz Dabartinių baltų kalbų ir tarmių transformacijos. Institut für litauische Sprache, Universität Vilnius, Vilnius, 19.–21.10.2016) und Lettland (Bakšienė R., Čeipienė A. „Transkription litauischer Dialekte: Tradition und IPA“. Internationale wissenschaftliche Konferenz Teksts un vārds. LU Institut für lettische Sprache, Riga, 22.–23.02.2017; Bakšienė R. „Vom Laut zum Wort: Probleme der Transkription litauischer Dialekte“. Internationale wissenschaftliche Konferenz Vārds un tā pētniecības aspekti. Universität Liepāja, Liepāja, 30.11.–01.12.2017). Einen entsprechenden Satz zur Transkription lettischer Dialekte erarbeiten derzeit auch lettische Dialektologen.
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… für jeden litauischen Dialekt geeignet ist. Zu diesem Zweck wurde ein Netz von 24 Erhebungspunkten erstellt (Grundlage: LKA 1977), das alle litauischen Dialekte umfasst. Es wurde versucht, die Grundsätze der Einheitlichkeit und Symmetrie einzuhalten: Die ausgewählten Orte liegen zwischen Isoglossen, die die Hauptgebiete der Dialekte durchqueren, und repräsentieren unterschiedliche Areale (siehe Abb. 1). Auf der Grundlage chrestomatischer Quellen (vor allem LKŤCh 2004) wurde aus diesen Erhebungspunkten ein Satz von Kontrollwörtern zusammengestellt, die die meisten Dialektmerkmale veranschaulichen. Anhand der Beschreibungen der Mundarten wurden alle Wörter sowohl in traditioneller Kopenhagener Orthografie als auch mit den heutigen TFA-Symbolen transkribiert6 (ausführlicher siehe Bakšienė, Čepaitienė 2017). Bislang wurde die Transkription mit TFA-Symbolen nur für Beispiele aus dem dem Standard am nächsten stehenden Dialekt, dem westaukštaitischen Kauniškiai-Dialekt, ausführlich behandelt (siehe Bakšienė, Čepaitienė 2017a).
Ziel dieses Artikels ist es, die Möglichkeiten der Anwendung der aktuellen Redaktion der TFA-Symbole auf einen weiteren westaukštaitischen Dialekt – den Šiauliškiai-Dialekt – zu erörtern, dessen Lautsystem ebenfalls vergleichsweise wenig von der litauischen Standardsprache abweicht. Die konkreteren Aufgaben der Untersuchung sind: aus dem Satz von Kontrollwörtern Beispiele auszuwählen, die die phonetischen und Akzentuierungsmerkmale der Šiauliškiai-Dialekte am besten veranschaulichen; die ausgewählten Beispiele in Kopenhagener Transkription und mit TFA-Symbolen wiederzugeben; die Möglichkeiten der Transkription mit TFA-Symbolen sowie die dabei aufgetretenen Probleme zu erörtern. Der Artikel soll die Diskussion der Forscher baltischer Sprachdialekte zu dieser Frage fortführen.
2. ENTSPRECHUNGEN ZWISCHEN TFA- UND KOPENHAGENER TRANSKRIPTIONSZEICHEN
Bei der Zusammenstellung eines für die litauischen Dialekte geeigneten Satzes von TFA-Symbolen wurde von der aktuellen Tradition der litauischen Dialekttranskription ausgegangen. Seit sich die grundlegenden Prinzipien der Lautwiedergabe etabliert haben, werden in den meisten dialektologischen Werken dieselben Transkriptionszeichen verwendet; in jüngster Zeit werden sie meist mit Palemono-Zeichen geschrieben (ausführlicher siehe Aleknavičienė et al. 2005). Die Prinzipien der Zuordnung zwischen Kopenhagener Transkription und TFA-Symbolen wurden in wissenschaftlichen Publikationen bereits erörtert (siehe Bakšienė, Čepaitienė 2017); daher wird hier lediglich eine zusammenfassende Entsprechungstabelle vorgelegt (siehe Tab. 1) und gezeigt, wie viele und welche TFA-Symbole für Vokale und Konsonanten verwendet wurden (siehe Abb. 2, 3).
6 Mit diesem Transkriptionsversuch soll das in der Chrestomathie dokumentierte „Referenzbild“ der Dialekte überprüft werden. Die Veränderungen, neuen Erscheinungen usw. des 21. Jahrhunderts werden vorerst nicht berücksichtigt. Sobald ein für alle Dialekte geeigneter Satz von TFA-Symbolen erstellt ist, können auch Aufnahmen lebendiger Sprache transkribiert werden.
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TABELLE 1. Entsprechungen zwischen den Zeichen der TFA- und der Kopenhagener Transkription der Dialekte
Laute und andere phonetische Einheiten TFA Kopenhagener Transkription
Der Akzent der kurzen Silbe wird nicht gekennzeichnet ˌ
Fallend-steigende Intonation ˆ ˊ
Steigend-fallende Intonation ˇ ˜
Fortdauernde Intonation ˇˇ ˜˜
Gebrochene Intonation wird nicht gekennzeichnet ˆ
Mittlere Intonation wird nicht gekennzeichnet ˢ
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Transkription litauischer Mundarten mit TFA-Symbolen: die Šiauliškiai der westlichen Aukštaiten
ABB. 2, 3. Für die Transkription litauischer Dialekte ausgewählte TFA-Vokal- und Konsonantensymbole (Grundlage: IPA 2015)
3. TRANSKRIPTION VON BEISPIELEN DER ŠIAULIŠKIAI DER WESTLICHEN AUKŠTAITEN MIT TFA-SYMBOLEN
Um die Eignung des zusammengestellten TFA-Symbolinventars für die Verschriftlichung der Besonderheiten der Šiauliškiai zu prüfen, wurden aus dem Gebiet dieser Mundart zwei recht unterschiedliche Erhebungsorte ausgewählt: Ažėnai im südlichen Teil und das im Norden gelegene Šakyna, das sich durch seine sprachliche Eigenart besonders auszeichnet (siehe Abb. 4) (die Mundart der Umgebung von Šakyna aus der Mitte des 20. Jahrhunderts hat A. Jonaitė ausführlich untersucht und beschrieben; siehe 1959; 1960; 1960a; 1964; 1967; 1969; 1972). In allen dialektologischen Arbeiten wird betont, dass der nördliche und der südliche Teil der Mundart sehr unterschiedlich sind und darüber hinaus Unterschiede zwischen östlichen und westlichen Mundarten bestehen. Die Šiauliškiai gehören wohl zu den am wenigsten einheitlichen litauischen Mundarten (zu den Unterschieden zwischen dem nördlichen und südlichen Teil sowie zu den Besonderheiten einzelner Mundarten siehe ausführlicher Jonaitė 1960b; Grinaveckis 1974; Zinkevičius 1994: 36–40; ŠPT 2001; LKTCh 2004: 60–75; Kazlauskaitė 2002; 2003; 2005: 9–27; 2008; VAS 2007; Geržotaitė 2012; 2016: 107–131; zur Situation zu Beginn des 21. Jahrhunderts siehe Kaikarytė 2010; 2015; Aliūkaitė, Bakšienė, Jaroslavienė u. a. 2014: 155–157).
Iš kontrolinio visų patarmių žodžių rinkinio (plačiau žr. Bakšienė, Čepaitienė 2017) atsirinkti pavyzdžiai, aktualūs Šakynos ir Ažėnų punktams, iliustruojantys šiauliškių fonetines ir kirčiavimo ypatybes. Pagrindinės iš jų daugmaž vienodai realizuojamos abiejuose tirtuose punktuose, smulkesniosios – ryškiai skiriasi. Remiantis šnektų aprašais, jie transkribuoti tradicine fonetine transkripcija ir TFA simboliais. Toliau pateikiama išsami transkripcijos apžvalga ir užrašyti pavyzdžiai.
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Abb. 4. Für die Transkriptionsillustrationen ausgewählte VAS-Erhebungsorte
Die stammbetonten ie, uo, die für die Zugehörigkeit der Šiauliškiai zu den Aukštaiten maßgeblich sind, werden an beiden Kontrollorten ebenso wie in der Standardsprache realisiert (LKA 1982: Karte 64, 66; Zinkevičius 1994: 85; LKTr 2004: 29). Um diese Laute mit TFA-Symbolen möglichst genau in ihren positionsbedingten Varianten wiederzugeben, wurde die Akzentuierung der Silbe berücksichtigt. Die Zirkumflex-Diphthonge ie, uo werden an beiden Orten völlig gleich realisiert, wie auch in vielen anderen Dialekten, wobei der wechselnde Stimmverlauf zu Beginn stark hervorgehoben wird. In TFA werden sie als [i̯e] und [u̯o] notiert: Am Anfang stehen die Symbole [i], [u], die geschlossene Laute bezeichnen; darüber wird das den fallenden Ton markierende Diakritikum (engl. falling) gesetzt (zur Transkription der Akzentuierung siehe weiter unten), z. B.: ˈs'u̯ĩests – sviests ~ sviestas, d'ūona – duona ~ duona7. Die Realisierung der Zirkumflex-Diphthonge ie, uo unterscheidet sich an den genannten Erhebungsorten leicht: In Ažytėnai wird gewöhnlich das Ende des Zirkumflexlauts hervorgehoben, während in Šakyna, das nahe bei den Žemaiten liegt,
7 Die Beispiele werden überall in folgender Reihenfolge wiedergegeben: TFA-Transkription (in aufrechter Schrift), orthographische Transkription und Entsprechung in Schriftzeichen der Standardsprache.
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Transkription litauischer Mundarten mit TFA-Symbolen: die Šiauliškiai der westlichen Aukštaiten
ploto, – pradžia (VAS 2007: 120; LKTChr 2004: 63). Ąžtenų pavyzdžiose tono kilimą (an. rising) žymintis ženklas rašytas ant antrojo dėmens (ˈjėns – šėns ~ šėnas, ˈjɔks – jūks ~ jūkas), o Šakynos – ant pirmojo (ˈjėns – šėns, jɔks – jūks). Aptariamųjų garsų pabaiga nuo priegaidės priklauso mažiau, visas atvejais čia rašyti TFA simboliai [ɛ] ir [ɔ], žymintys vidutinio atviro bal-sius. Atsižvelgiant į kintamą šių garsų artikuliaciją, galima juos transkribuoti ir su jungiamuoju lankeliu (an. linking) apačioje – ˈsʲu̯ɛsts, jɔks / ˈjɔks.
Unbetontes ie, uo wird im Erhebungsort Šakyna mit denselben TFA-Symbolen transkribiert wie die Zirkumflex-Diphthonge (ˈjėˈnėlis – šienėlis ~ šienėlis, pɔˈdʊks – puoduks ~ puodū-kas). Im südlichen Teil können unbetonte ie, uo auf zwei Arten realisiert werden: ie > æ /e, e, uo > u, o (LKA 1982: Karte 64, 66; Kazlauskaitė 2005: 14). In TFA werden sie entsprechend als [æ] / [ɛ], [e], [ʊ], [o] notiert – zur Wiedergabe der etwas offeneren Artikulation der letzten drei dient ein Diakritikum, das einen Vokal mit abgesenkter Zungenhöhe bezeichnet (engl. lowered8) (ˈjėˈnėlis / ˈjėˈnėˈlis – šėnė.lis / šėnɔ.lis, pɔˈdʊks / pɔˈd̪ʊks / poduks / poduks).
Die unterscheidenden Merkmale der Aukštaiten-Mundarten – die Nasalvokale ą, ę und die Diphthonge an, am, en, em – werden im gesamten Gebiet der Šiauliškiai ebenfalls wie in der Standardsprache ausgesprochen; Varianten können nur durch den Einfluss prosodischer Elemente entstehen. Die Laute werden mit den entsprechenden TFA-Vokal- und Konsonantensymbolen transkribiert (siehe jeweils Tab. 1; Abb. 2, 3), z. B.: ˈkɑːsn̪is – kā.snis ~ kã.snis, ˈkʲæːstʲ – kǣst / ˈkʲɛːstʲ – kēst ~ kėsti, ˈsɑːmʲis – sā.mis ~ sámis, ˈʃvʲɛːnts – švēn.c / ˈʃvʲɛnts – švēnc ~ švēntas, ˈpʲɛŋkʲi – penki / ˈpʲɛŋˈkʲi – pēˈŋˈki ~ penki.
An den Erhebungsorten werden unbetonte lange Stammvokale unterschiedlich gekürzt. Die meisten Šiauliškiai kürzen sie vollständig, doch in der Umgebung von Šakyna bleiben die langen Vokale vor dem Akzent halblang (LKA 1982: Karten 29, 36, 41, 45; LKTChr 2004: 61). Bei der Transkription mit TFA-Symbolen wird in den Beispielen aus Šakyna das Zeichen für Halblänge (engl. half-long) rechts vom Vokal gesetzt, vgl.: ˈgrʲɛːʒʲms – gre.žims / ˈgrʲɛʒʲims – grežims ~ grežimas, gʲiˈvʲɛːnʲtʲ – gi.vē.nī / ˈgʲuˈvʲɛːntʲ – gi.vē.nī ~ gyventi, suˈnʲɛːlis – su.nē.lis / sʊˈnʲɛːlis – sunē.lis ~ sūnelis. In Fällen, in denen die langen Vokale y, ū vollständig gekürzt werden, verändert sich auch ihre Qualität: Sie werden etwas offener und weniger gespannt; deshalb wird empfohlen, sie überall mit den TFA-Symbolen [ɪ], [ʊ] zu transkribieren. Nur in offenen bzw. geschlossenen Endsilben werden unbetonte lange Vokale an beiden Erhebungsorten auf Kurzvokale gekürzt. Sie werden mit den passenden TFA-Symbolen für Kurzvokale notiert (siehe Tab. 1), z. B.: ˈʃɑka – šā.ka ~ šāka, ˈlɑːpʲɛ – lā.pe ~ lāpė, ˈpʲɛːmʲpʲɛ – pǣ.mpe ~ pēmpė, ˈdɑŋgʊ – dāngu ~ dāngų, ˈmɑːta – mā.ta ~ māto, ˈʃɑkas – šā.kas ~ šākos, ˈgrɑːʒʲes – grā.žes / ˈgrɑːʒʲos – grā.žos ~ grāžios,
8 Das verkürzte u < wurde ebenfalls als etwas offenerer Laut als das von Natur aus kurze u betrachtet.
9 Am Erhebungsort Ąžtenai kann auch eine Variante mit Endungsakzent verwendet werden: kasˈnʲis – kasnīs ~ kɑsnīs.
An beiden Punkten werden kurze Endungsvokale häufig abgeworfen oder getilgt. Nach dem Schwund eines vorderen Vokals (in Infinitiven oder anderen Formen des Verbs) bleiben die Palatale erhalten (Jonaitytė 1960a; LKA 1982: Karte 90; LKTChr 2004: 62; Kazlauskaitė 2005: 17). In diesen Fällen wurde am Wortende die Weichheit der Endpalatale überall mit dem IPA-Palatalisierungszeichen (engl. palatalized) – dem hochgestellten ʲ – gekennzeichnet, z. B.: 'ʒʲuˈæŋʲɪ – žvã.ŋė / 'ʒʲuˈɛŋʲɪ – žvė.ŋė ~ žvėngė, kəmʲˈpʲɪtʲ – kamšìt ~ kamšyti.
Im Gebiet von Šiauliai variiert die Qualität des betonten Stammvokals e. Die südlichen Mundarten haben den offenen Vokal stärker verallgemeinert (LKA 1982: 11, 12; Kazlauskaitė 2005: 15). Daher wurde in den Beispielen aus Ažytėnai das e sowohl vor einem harten als auch vor einem weichen Palatal gleich transkribiert – mit dem offenen IPA-Symbol [æ], z. B.: lɛnʲˈgʲælʲɪs – lãngė.lis ~ langėlis, kemʲˈpʲælʲɪs – kampė.lis ~ kampelis, mʲæˈdʲɪs – mẽ.dìs ~ medis. In der Umgebung von Šakyna tendiert man stärker dazu, die Qualität des Vokals e nach dem folgenden Palatal zu differenzieren: Vor einem weichen wird häufiger ein geschlossener, vor einem harten ein offener Vokal gesprochen. In analogen Beispielen wurde das IPA-Symbol [ɛ] verwendet, das einen etwas geschlosseneren Vokal bezeichnet (lɛnʲˈgʲɛlʲɪs – lãŋė.lis, kemʲˈpʲɛlʲɪs – kampė.lis, mʲɛˈdʲɪs – mẽ.dis.
Eine bei allen drei Orten festgestellte Eigenschaft Šakynas und anderer Šiauliai-Mundarten nahe dem žemaitischen Gebiet ist die schwache Diphthongierung der Vokale e und o (LKA 1982: Karte 27, 35; Zinkevičius 1994: 38; LKTChr 2004: 62; VAS 2007: 116). Für die Darstellung einer solchen Diphthongierung mit IPA-Symbolen wird vorgeschlagen, über den ersten Elementen [ɪ̯], [ʊ̯] ein Diakritikum anzubringen, das einen sehr kurzen Vokal bezeichnet (engl. extra short), z. B.: 'tʲɛu – tẽva ~ tẽvą, 'tʲɛˈvʲɛlʲɪs – tʲevė.lis ~ tėvelis, 'kʊ̯ɔjɛ – kóje ~ kója, 'ʊ̯bʊˈlʲɪs – 'ubuo.lis ~ obuolys. Möglich ist hier auch eine Transkription mit einem Bindebogen unterhalb der Zeichen: 'tʲɛu, tʲɛˈvʲɛlʲɪs, 'kʊ̯ɔjɛ, 'ʊ̯bʊˈlʲɪs. In den Beispielen aus Ažytėnai wurden diese betonten Vokale mit den geschlosseneren IPA-Symbolen [e], [o] wiedergegeben; unbetonte können, wie ie und uo, mehrere Varianten aufweisen, z. B.: 'tʲɛu – tẽva, 'tʲɛˈvʲɛlʲɪs – tevė.lis / tʲɛˈvʲɛlʲɪs – tevė.lis, 'kóje – kója, 'ʊbʊˈlʲɪs – ubulìs / 'oˈbʊlʲɪs – obolìs.
An den ausgewählten Orten unterscheidet sich die Realisierung der betonten kurzen Vokale: In den südlichen Mundarten werden sie zu halblangen abgeschwächt, während sie in der Umgebung von Šakyna kurz bleiben (LKA 1982: Karten 1, 13, 19; Zinkevičius 1994: 37; LKTChr 2004: 62; Kazlauskaitė 2005: 10; VAS 2007: 28, 116). Positionsbedingt lange Vokale wurden mit IPA-Symbolen transkribiert, indem vor dem Zeichen für den Hauptakzent der Silbe der Akzentstrich und nach dem Vokal das Zeichen für Halblänge gesetzt wurde. Auf die Kennzeichnung des sogenannten Mitteltons kann in diesen Silben verzichtet werden, da sie von Natur aus kurz sind und für sie kein Gegensatz der Tonverläufe typisch ist, z. B.: 'rɑːts – rã.ts ~ rãtas, 'rʊːts – rù.ts ~ rùdas, 'ʒʲɪb – žì.b ~ žiba, 'sʲæːk – sã.k ~ sėk, 'bʊːvɑ – bū.va ~ buvo. Nicht verlängerte Vokale werden einfach mit den entsprechenden IPA-Symbolen wiedergegeben; vor der Silbe wird ebenfalls das Zeichen für den Hauptakzent gesetzt.
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Bei den nördlichen Šiauliai-Mundarten muss unbedingt eine besondere Eigenschaft des Konsonantismus erwähnt werden – das sogenannte „Schielen“. Am unmittelbar benachbarten Kontrollpunkt Šakyna ist dieses Phänomen nicht beschrieben; gewöhnlich wird es etwas weiter nördlich verortet, in der Gegend von Žagarė, Skaistgirys und Rudiškiai (Jonaitė 1960b; Zinkevičius 1994: 38; Girdenis, Pabrėža 2000 [1978]: 119; LKChr 2004: 63; VAS 2007: 120; Kaikarytė 2015 und die dort angeführte Literatur). In jüngster Zeit wird dieses Phänomen als Realisierung der präbilabialen s, z, c, dz und š, ž, č, dž durch Zwischenlaute bezeichnet, die in der Kopenhagener Transkription mit den Symbolen ś, ź, ć, dź geschrieben wurden. In früheren Arbeiten (Jonaitė 1960b) waren Beschreibungen dieser Laute als „Verwechslung“, „Mischung“ oder „unregelmäßiger Gebrauch“ häufiger. Der Ursprung des Phänomens wird meist mit dem zemgalischen Substrat in Verbindung gebracht; nach der Erklärung von Girdenis und Pabrėža (2000 [1978]: 119) könnte es sich jedoch um ein sehr altes Relikt eines litauischen Areals handeln, in dem der Gegensatz vom Typ s: š fehlte. Die Bezeichnung der genannten Zwischenlaute mit IPA-Symbolen ist recht problematisch. Selbst die Entsprechungen der litauischen Zischlaute s, z, c, dz und der Reibelaute š, ž, č, dž im IPA-Alphabet sind nicht völlig genau, da es auf Grundlage der Laute des Englischen erstellt wurde (ausführlicher siehe Ambrazėvičius, Leskauskaitė 2014: 166–167; Bakšienė, Čepaitienė 2017). Girdenis und Pabrėža bezeichnen diese Laute anhand fremdsprachlicher Daten als apikal-retroflekt (2000 [1978]: 118); ähnlich beschreiben auch andere Autoren ihre Artikulation (LKChr 2004: 20). Daher könnten sie möglicherweise mit IPA-Symbolen für Retroflexe wiedergegeben werden, ergänzt durch ein untergesetztes Diakritikum für apikale Artikulation – [s̺], [z̺]. Vorerst ist dies nur eine der vorgeschlagenen Varianten.
Im gesamten Šiauliai-Gebiet ist eine unterschiedlich starke Akzentzurückziehung charakteristisch; sie ist eines der Merkmale, die diese Mundarten von den westaukštaitischen kauniškiai unterscheiden (Jonaitė 1959: 112–118; Grinaveckis 1974; LKA 1982: Karte 105; Zinkevičius 1994: 37; Kazlauskaitė 2005: 18–19; VAS 2007: 27; Kaikarytė 2015: 151–157). Am Ort Šakyna kommt eine allgemeine Akzentzurückziehung vor, in Ažėnai dagegen nur eine stärker ausgeprägte bedingte, weshalb die ausgewählten Beispiele unterschiedlich akzentuiert werden. Außerdem bleibt in Šakyna, das weit vom žemaitischen Gebiet entfernt liegt, in den Silben, aus denen der Akzent zurückgezogen wurde, auch ein Nebenakzent erhalten, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in den žemaitischen Mundarten. Bei der Transkription mit IPA-Symbolen wurden in Beispielen mit Akzentzurückziehung die Zeichen für Haupt- und Nebenakzent (sofern vorhanden) verwendet; auf die Kennzeichnung des Tonverlaufs des zurückgezogenen Akzents wurde jedoch bislang verzichtet. In der Literatur liegen mehr Daten zu den Tonverläufen des zurückgezogenen Akzents im Žemaitischen vor; im Šiauliai-Gebiet sind sie noch nicht eingehend untersucht, obwohl angenommen wird, dass auch dort Unterschiede bestehen, wie zumindest die Daten einzelner Mundarten belegen (ausführlicher siehe Jonaitė 1959; Kazlauskaitė 2005a). Beispiele für drei Arten der Akzentzurückziehung in IPA-Transkription: a) Zurückziehung des Akzents von einer kurzen Endung auf eine kurze Silbe (nur in Šakyna): dɔˈrʲis – durìs / ˈdɔ̞rʲis – dùris ~ dùris, mʲeˈtʲus – metùs / ˈmʲe̞tʲus ~ metùs; b) Zurückziehung des Akzents von einer kurzen Endung auf
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eine lange Silbe (in beiden Punkten zurückgezogen, in Šakyna ist ein Nebenakzent erhalten): ˈtʲiˑlʲs – ˈtʲiˑlʲs – ˈtʲiˑlʲu ~ tylù, ˈjɔˑdɑ – jū́odɑ / ˈjɔˑdɑ – ˈjuo̯dɑ ~ juodɑ, ˈʋeikɑs – ʋaikùs / ˈʋaikɑs – ˈʋai̯kʊs ~ vaikùs, ˈkɛlbɑ – kálbɑ / ˈkɑlbɑ – ˈkálba ~ kalbà; c) Zurückziehung des Akzents von einer langen Zirkumflex-Endung auf eine Silbe unterschiedlicher Länge (der Akzent wird nur in Šakyna zurückgezogen): verˈjɪ̯kɛ – ʋār̃škė / ˈʋarˌjɪ̯kɛ – ˈʋār̃škɛ ~ varškė, zmɔ̄ˈnɔˑs – žmùnōs / zmɔ̄ˈnɔˑs – žmɔ̄ˈnɔˑs / ˈzmɔ̄ˌnɑs – ˈžmùonɑs ~ žmonės, ˈgʲɛˌrɛi – gerai. / ˈgʲɛˌrɛi – ˈgɛˌrai ~ gerai.
Einer der schwierigsten Aspekte der Transkription mit TFA-Symbolen ist nach wie vor die Wiedergabe der in den litauischen Dialekten gesprochenen prosodischen Einheiten. Obwohl es in allen Dialekten ebenso wie in der Standardsprache nur zwei phonologische Akzenttypen gibt, existieren dennoch Lautallotone, die von der prosodischen Systematik des Dialekts, den silbenbildenden Lauten, der Position im Wort und anderen Faktoren abhängen. Die Notation mit TFA-Symbolen wird auch dadurch erschwert, dass die litauischen Akzenttypen ein komplexes Phänomen sind, das durch ein Bündel phonetischer Merkmale (Dauer, Grundton, Intensität, Qualität) realisiert wird. Die Beziehungen und die Bedeutung dieser Merkmale bei der Differenzierung der Akzenttypen variieren ebenfalls je nach dem System des jeweiligen Dialekts, dem Silbenkern usw. In jüngster Zeit neigt man zu der Auffassung, dass die litauischen Akzenttypen eher tonaler Natur sind (einen Überblick siehe Švageris 2015: 20–36; Bakšienė 2016: 46–55). Bislang wurden aus dem TFA-Symbolbestand zur Kennzeichnung der Akzenttypen lediglich zwei Diakritika ausgewählt: [˄], das einen Tonhöhenfall bezeichnet, und [˅] – einen Tonhöhenanstieg. Qualitätsmerkmale würden durch Vokalzeichen, Quantitätsmerkmale durch die daneben gesetzten Zeichen für Länge bzw. Halblänge wiedergegeben. Es ist anzuerkennen, dass eine solche Wahl nicht einmal alle Merkmale der Akzenttypen der Standardsprache abbilden kann: Ihr Tonhöhenverlauf ist nicht immer ausschließlich fallend oder steigend, Intensitätsmodulationen usw. bleiben völlig unberücksichtigt.10 Die Möglichkeiten, dialektale Lautallotone mit TFA-Symbolen wiederzugeben, müssen noch Gegenstand künftiger Forschung und Diskussionen sein.
Auch im Šiauliai-Dialekt gibt es Akzentallotone (siehe Jonaitė 1959; LKA 1982: Karte 106; LKTCh 2004: 63; VAS 2007: 120). Die ersten Komponenten der akzentuierten Diphthonge / Diphthongoide a, e werden im gesamten Gebiet zu halblangen Lauten gedehnt11; daher werden sie in der Transkription mit TFA-Symbolen durch ein Diakritikum für fallenden Ton über dem Vokal
10 Vgl. den Vorschlag von Professorin Asta Kazlauskienė, die Akzenttypen der litauischen Standardsprache mit TFA-Symbolen einfach als Akzent der 1. bzw. 2. Art zu kennzeichnen und die Merkmale dieser Typen gesondert zu beschreiben (Vortrag „Das Internationale Phonetische Alphabet für die litauische Standardsprache: Vokale, Akzent, Akzenttypen“ auf der Konferenz Linguistika (Baltistik) šiuolaikiniuose ugdymo procesuose, die am 06.–07.05.2017 an der Litauischen Universität für Bildungswissenschaften stattfand). Übrigens geben auch Akut und Zirkumflex, mit denen die litauischen Akzenttypen weiterhin üblicherweise bezeichnet werden, keine ihrer Merkmale wieder; es handelt sich um rein konventionelle Zeichen. Vgl. im Lettischen die Kennzeichnung des fallenden Akzenttyps mit einem Graviszeichen – melē ‚Zunge‘.
11 A. Jonaitės (1959: 122) nuomone, jie pailgėja iki ilgųjų, tačiau autorė taip teigė tik iš klausos, jokių matavimų atlikta nebuvo. Kiti autoriai (A. Kaikarytė, R. Kazlauskaitė) šiauliškių tekstuose šioje pozicijoje žymi pusilgius dėmenis.
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und rechts davon das Zeichen für Halblänge gesetzt wird, z. B.: ˈpãⁿtʲɪs – pã.n̩tis ~ pán-tis, ˈtʲãːmst – tãːmst ~ témsta. Die Komponenten i, u bleiben jedoch nur im südlichen Teil erhalten, zu dem auch Ažytėnai gehört; im Ort Šakyna werden sie betont, bleiben aber kurz, und bei ihrer Transkription wird das Zeichen für Halblänge nicht gesetzt, vgl.: ˈtʲɪts – tī.ts / ˈtʲɪts – tìts ~ titas, ˈkùlʲtʲ – kū.lʲtʲ / ˈkùltʲ – kūlʲ ~ kulti.
Im Šiauliai-Gebiet unterscheidet sich auch die Stelle des Akzentimpulses beim Zirkumflexakzent. Am südlich gelegenen Ort Ažytėnai konzentriert sich der Impuls des Zirkumflexakzents gewöhnlich auf die zweite Komponente, die halblang bleibt. In TFA-Symbolen wird ein solcher Akzent durch das Diakritikum für steigenden Ton über der zweiten Komponente und das Zeichen für Halblänge daneben wiedergegeben, z. B.: ˈvɑːka – vāka ~ vaika, ˈrɑ̃ːka – rāŋ.ka ~ ranka, ˈlʲeŋʲkʲ – lēŋ.kʲ ~ lenkia, ˈvʲɪlʲks – vīl.ks ~ vilkas, ˈkʊ̃mps – kūm.ps ~ kumpas. Am Ort Šakyna, der nahe am Samogitischen liegt, konzentriert sich der Impuls des Zirkumflexakzents auf die erste Komponente; die Betonung ist jedoch schwach und die akzentuierten Komponenten werden nicht gedehnt. In solchen Fällen wird über die erste Komponente einfach das TFA-Zeichen für steigenden Ton gesetzt, z. B.: ˈvɑka – vāka, ˈrɑŋka – rāŋka, ˈlʲeŋʲkʲ – lēŋkʲ, ˈvʲɪlks – vīlks, ˈkʊmps – kūmps.
4. STATT EINES FAZITS
Nach der Betrachtung des mit TFA-Symbolen transkribierten Materials aus dem westlichen Aukštaitischen, genauer dem Šiauliai-Dialekt, lässt sich schlussfolgern, dass die meisten Merkmale des Dialekts keine Transkriptionsprobleme aufwerfen. Hinsichtlich der Transkription zählen die Šiauliai-Sprecher zu den einfacher zu transkribierenden Dialektsystemen. Die im TFA-Bestand enthaltenen Vokal- und Konsonantensymbole entsprechen in den meisten Fällen annähernd den Lauten des Dialekts; einige werden mit zusätzlichen Diakritika notiert. Diskussionsbedürftig bleiben einige Punkte, die in ausführlicheren Untersuchungen präzisiert werden sollten.
Im Konsonantensystem bereitet die Kennzeichnung der sogenannten „schiefen“ Laute – Zwischenlaute zwischen s, z, c, dz und š, ž, č, dž – mit TFA-Symbolen Probleme. Es gibt zahlreiche Arbeiten zu dieser einzigartigen Besonderheit; die Artikulation dieser Laute ist bislang jedoch nicht ausführlich beschrieben, experimentelle Untersuchungen wurden nicht durchgeführt, und die Beschreibungen stützen sich ausschließlich auf das Gehör. Daher ist es besonders schwierig, für diese Konsonanten genau passende TFA-Entsprechungen auszuwählen, da auch die artikulatorischen / akustischen Eigenschaften aller anderen im Litauischen verwendeten Sibilanten deutlich von denen des Englischen abweichen, auf deren Grundlage der TFA-Symbolbestand erstellt wurde. Wie Untersuchungen des 21. Jahrhunderts zeigen, ist die „schiefe“ Aussprache im Begriff, rasch zu verschwinden; die betreffenden Konsonanten behalten in den nordlichen Mundarten des Šiauliai-Gebiets dennoch ihre besondere Artikulation, weshalb ihre Transkription mit TFA-Symbolen künftig wahrscheinlich noch präzisiert werden muss.
Wie in anderen Dialekten und in der Standardsprache bleibt auch im Šiauliai-Gebiet die Erfassung prosodischer Einheiten, insbesondere der Varianten der Akzenttypen, mit TFA-Symbolen am schwierigsten. Die mit Haupt- und Nebenakzent hervorgehobenen Silben lassen sich kennzeichnen, doch die Modulationen langer betonter Silben, die mit den verschiedenen Akzenttypen zusammenhängen, werden nicht völlig adäquat wiedergegeben. Das prosodische System der Šiauliai-Sprecher ist im Vergleich zu den zuvor behandelten Kaunas-Sprechern komplexer,
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da ein Phänomen der Akzentzurückziehung vorliegt. Dadurch entsteht das Problem, die Intonationen zurückgezogener Akzente zu kennzeichnen; zudem kommen an der Grenze zu den Žemaiten auch versetzte Akzente sowie durch einen Nebenakzent hervorgehobene lange Silben vor, von denen der Hauptakzent zurückgezogen wurde. An den Rändern des Dialektgebiets können auch Fälle anderer Intonationsallotone auftreten – der mittleren, gebrochenen und fortlaufenden Intonation. Bislang sind die Intonationsmerkmale solcher Silben nicht mit TFA-Symbolen festgehalten; ihre Kennzeichnung bleibt weiterhin Gegenstand künftiger Forschung und Diskussion.
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Trancription of Lithuanian Dialects by IPA Symbols: the Western Aukštaitian Subdialect of Šiauliai
SUMMARY
This paper discusses the oportunities for the application of the International Phonetic Alphabet (IPA) to the sounds of Western Aukštaitian of Šiauliai. From the 20th to the 21st century texts of Lithuanian dialects were marked using the transcription that was adapted by Georg Gerullis in 1930. It is a distinctive transcription which differs from those applied to other languages. Nowadays, the usage of this transcription became more complicated after quantitative measurements of language variance became popular. They are usually made by computer programs which require identical data. In order to avoid transcription variation in the future, the pilot study transcribing the sounds of Western Aukštaitian of Šiauliai (from Ažytėnai and Šakyna regions) using IPA symbols was performed.
After review the illustrative material of Western Aukštaitian of Šiauliai, it can be concluded that in the IPA there are almost all characters that are suitable to mark a variety of sounds found in this subdialect. Only a few sounds need to be marked with additional diacritics. Intermediate sounds between s, z, c, dz and š, ž, č, dž are problematic in the consonant system. Appropriate IPA symbols somewhat differ from the dialectal sounds by their characteristics of articulation or function.
The marking of prosodic units in Šiauliai subdialect using the IPA symbols is most problematic. They can be marked as an accented syllable (with primary and secondary stress) and a long-syllable tone fall (= acute) / rise (= circumflex). Some allotones in the accents of Šiauliai subdialect cannot be marked using the IPA. It is the object for future research.