Institut für Philologie, Taras-Schewtschenko-Nationaluniversität Kyjiw
Forschungsgebiete: amerikanische und britische Landeskunde, interkulturelle Kommunikation, Methodik des Englischunterrichts. orcid.org/0000–0002–5514–9799
VIRA PONOMAROVA
Institut für Philologie, Taras-Schewtschenko-Nationaluniversität Kyjiw
Forschungsgebiete: theoretische Phonetik, Methodik des Fremdsprachenunterrichts, CAT im Englischunterricht. orcid.org/0000–0003–1880–4691
DOI: https://doi.org/10.35321/al182–03
DIE LEXIKALISCH-SEMANTISCHE GRUPPE „AUSSIE“ IM ZEITGENÖSSISCHEN AUSTRALISCHEN SLANG
Die lexikalisch-semantische Gruppe „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang
52
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 2
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
ZUSAMMENFASSUNG
Ziel des Artikels ist die Untersuchung der lexikalisch-semantischen Gruppe „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang (auch strine genannt). Die Aufgaben des Artikels bestehen darin, die semantische Struktur des Lexems Aussie und die Beziehungen zwischen seinen LSV zu bestimmen, die LSG „Aussie“ und ihre synonymischen Reihen zu rekonstruieren, ihre Darstellung in lexikografischen und Internetquellen zu untersuchen sowie lexikalisch-semantische und stilistische Analysen der Mitglieder der synonymischen Reihen ihrer LSV vorzunehmen. Die durchgeführte Untersuchung hat ergeben, dass das Lexem Aussie im australischen Slang vier Bedeutungen hat: die Hauptbedeutung „Australien“ (Grundsem „Land“) und die abgeleiteten Bedeutungen „ein Australier“ / „die australische Bevölkerung“ (Grundsem „Einwohner“), „australisches Englisch“ (Grundsem „Sprache“), „australischer Dollar“ (Grundsem „Geld“). Die Haupt- und die abgeleiteten Bedeutungen stehen in den lexikalisch-semantischen Beziehungen „das Ganze – der Teil“. Jede Bedeutung (LSV) bildet eine synonymische Reihe von Slangbezeichnungen – Wörtern und Wortverbindungen – mit folgender zahlenmäßiger Repräsentation: „Australien“ – 13, „ein Australier“ – 170, „australisches Englisch“ – 4, „australischer Dollar“ – 45 lexikalische Einheiten. Die lexikalisch-semantische und stilistische Analyse der Synonyme hat ergeben: a) die Bildungsweisen – durch Affigierung, Komposition oder beides, Kürzung, Abkürzung, hypokoristische Kürzung, Kontamination, Iteration; b) die Benennungsprozesse – durch Periphrase, metaphorische oder metonymische Übertragung, Antonomasie, Alliteration, Assonanz, Onomatopöie, Reim, Ablaut / Gradation, Allusion; c) die semantischen Merkmale, die ihre Bildung fördern – Farbe, Größe, Material, Funktion, Aussehen, sozialer Status, Lage, Klima, Freizeitbeschäftigung, Gefühl.
Ziel des Artikels ist die Untersuchung der lexikalisch-semantischen Gruppe „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang (auch als „strine“ bekannt, d. h. als australische Variante der englischen Sprache). Ziel des Artikels ist es, die semantische Struktur des Lexems „Aussie“ und die Beziehungen seiner LSV (lexikalisch-semantischen Varianten) zu bestimmen, die lexikalisch-semantische Gruppe (LSG) „Aussie“ und ihre synonymischen Reihen zu rekonstruieren, ihre Darstellung in lexikografischen und Internetquellen zu untersuchen sowie eine lexikalisch-semantische und stilistische Analyse der Mitglieder der synonymischen Reihen ihrer LSV vorzunehmen. Die durchgeführte Untersuchung zeigte, dass das Lexem „Aussie“ im australischen Slang vier Bedeutungen hat: die Hauptbedeutung „Australien“ (Grundsem „Land“) und die abgeleiteten Bedeutungen „Australier“ / „Australier“ (Grundsem „Einwohner“), „australisches Englisch“ (Grundsem „Sprache“) und „australischer Dollar“ (Grundsem „Geld“). Die Haupt- und die abgeleiteten Bedeutungen spiegeln sich in den lexikalisch-semantischen Beziehungen „das Ganze – der Teil“ wider. Jede Bedeutung (LSV) bildet eine synonymische Reihe von Slangbezeichnungen – Wörtern und Wortverbindungen –, die in folgender zahlenmäßiger Form dargestellt werden: „Australien“ – 13, „Australier“ – 170, „australisches Englisch“ – 3, „australischer Dollar“ – 45. Die lexikalisch-semantische und stilistische Analyse der Synonyme ergab: a) ihre Bildungsweisen – Affigierung, Komposita, Kürzungen, Abkürzungen, hypokoristische Kürzungen, Kontaminationen (verschmolzene Wörter), (Wieder-)Holungen;
Straipsniai / Articles
53
Page 3
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
b) die Benennungsprozesse – Periphrase, metaphorische oder metonymische Übertragungen, Antonomasie, Alliteration, Assonanz, Onomatopöie, Reim, Ablaut / Gradation, Allusion; c) die semantischen Merkmale, die ihre Bildung erleichtern – Farbe, Größe, Material, Funktion, Aussehen, sozialer Status, Lage, Klima, Freizeitbeschäftigung, Gefühl.
Lange Zeit wurde Englisch nur in seiner einzigen Form untersucht – als BBC-Englisch oder britische Received Pronunciation (RP); eine weitere Bezeichnung ist das „Englisch der Königin“. Als die Kontakte aufgrund des Internets, der Mobiltelefone, der Satellitenkommunikation und anderer elektronischer Geräte gegen Ende des 20th. und zu Beginn des 21st. Jahrhunderts persönlicher wurden, zogen soziale Varietäten des Englischen sowohl die Aufmerksamkeit der Allgemeinbevölkerung als auch der Wissenschaftler auf sich. Die oben genannten Kontakte werden in vielen Fällen einerseits durch die allgemeine Tendenz zur Globalisierung der Welt und andererseits durch ein echtes Interesse an den lokalen Besonderheiten der regionalen Umgangssprache bestimmt.
Unter den Wissenschaftlern, die sich mit dem australischen Englisch beschäftigt haben, sind die Arbeiten von J. R. L. Bernard (1969), K. Burridge und J. G. Mulder (1999), P. Collins (2012), F. Cox (2006), D. Moore (2008) u. a. zu nennen. Unter den ukrainischen Wissenschaftlern ist der Beitrag von L. Bilas (2017) und V. Parashchuk (2014) hervorzuheben. Obwohl die Autoren das australische Englisch aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten – phonologisch, stilistisch, soziolinguistisch, historisch usw. –, gilt unsere vorrangige Aufmerksamkeit jenen Veröffentlichungen, die seine nichtstandardsprachlichen, alltäglichen, umgangssprachlichen und slangsprachlichen Schichten beleuchten.
Ziel des Artikels ist die Untersuchung der lexikalisch-semantischen Gruppe „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang. Die Forschungsaufgaben bestehen darin, die semantische Struktur des Lexems Aussie und die Beziehungen zwischen seinen LSV zu bestimmen, die LSG „Aussie“ und ihre synonymischen Reihen zu rekonstruieren, ihre Darstellung in lexikografischen und Internetquellen zu untersuchen sowie lexikalisch-semantische und stilistische Analysen der Mitglieder der synonymischen Reihen ihrer LSV vorzunehmen.
2. HAUPTTEIL
2.1. Vorläufige Beobachtungen
Australisches Englisch (AuE, AusE, AusEng, en-AU) ist eine relativ neue Sprachvariante (die erste britische Kolonie wurde 1788 in New
54
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 4
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
Wales, einer Provinz Australiens, gegründet), die aus dem heute verschwundenen Englisch, den schottischen und irischen Dialekten, dem Cockney-Slang sowie den Sprachen der Ureinwohner und anderen Sprachen entstand, die von den Bewohnern auf den Kontinent gebracht wurden (Moore, 2008). Das australische Englisch begann als Koine der zweiten Generation weißer Siedler. J. Bernard bezeichnet es als „Proto-Broad“, das sich infolge eines umfangreichen Zustroms von Einwanderern aus Großbritannien in den 1850er bis 1880er Jahren in drei erkennbare Akzente aufspaltete: Broad, General und Cultivated (Bernard 1969). Wie auf dem ATMC Social Portal angegeben, repräsentiert der allgemeine Akzent die häufigste in Australien gesprochene Form des Englischen; der breite Akzent wird gewöhnlich als extremer beschrieben (und mit der Sprache der Arbeiterklasse in Verbindung gebracht); der kultivierte Akzent ist eine Prestigevarietät, die der britischen RP etwas nähersteht (obwohl tatsächliche Sprecher dieser Varietät in der Minderheit sind) (3TAA 2018).
Die australische Phonetikerin Felicity Cox ist der Ansicht, dass das AusE gegenwärtig nach der Art der Aussprache von Wörtern drei Gruppen umfasst: Standard AusE, Varietäten des Aborigine-Englischs, ethnokulturelle AusE-Dialekte (Cox 2006: 10). Der Status des australischen Englischs wurde ferner anhand von drei Kategorien bestimmt: regionaler australischer Dialekt, Variante des Standardenglischs, unabhängige Nationalsprache des australischen Kontinents (3TAADB 2011).
Gegenwärtig verfügen die Australier über einen eigenen umfangreichen Wortschatz, der sich in bestimmte Subsprachen oder Sprachebenen ausdifferenziert. Dieser Wortschatz übernahm viele von britischen und irischen Sträflingen gesprochene Wörter, die heute Bedeutungsvarianten aufweisen: bush – „ein ländliches Gebiet“, mate – „ein Freund“ (BrE „ein Ehepartner“), paddock – „ein Feld“ (BrE „ein kleines Gehege für Vieh“), station – „ein Rinder- oder Schafzuchtbetrieb“, to tie up – „am Pfosten festbinden“ usw. Einige andere Lehnwörter gelten als einzigartig: bluey, dinkum, brumby, damper, sheila, swagman, koori, jackaroo, alcheringa, bunyip, yowie, bind-eya, coolibah, joey, jumbuck, kangaroo, quokka, wallaby, yabby, billabong, bombora, gilgai, boomerang, didgeridoo, yidaki, cooee, yakka, bogey, boots n’all – mit den Definitionen und Wendungen wie abgedruckt.
Außerdem haben die Australier ihre eigene farbenfrohe Umgangssprache namens strine, die aus dem Cockney-Slang und dem irischen Dialekt der frühen Sträflinge entstand und
Straipsniai / Articles
55
Page 5
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
den Namen flash language erhielt. Es handelt sich um eine informelle, humorvolle und metaphorische Subsprache der rebellischen Subkultur, die die Eigenart des Landes widerspiegelt. Sie ist Australiens größtes kreatives Produkt und kann ironisch und selbstironisch, aber auch grob, vulgär und grausam sein (Hampshire 2010). Der australische Slang, der als „informelle Sprache oder bestimmte Wörter, die hauptsächlich in der gesprochenen Sprache verwendet werden“ definiert wird (100ASWP 2020), ist voller Abkürzungen, Schimpfwörter und Vulgarismen, z. B.: arvo (für afternoon), Aussie (für Australia or an Australian), ABC (für an Australian born Chinese), barbie (für a barbecue), doco (für ein Dokument), footy, footie (für football), smoko (für smoking), telly (für a television), G’day, gidday (für Good day), BYO (für bring your own) mit der Bedeutung „die Leute sollen ihre eigenen Getränke, Speisen oder Desserts mitbringen“ (AS); white maggot (für an Australian football player, abwertend), wog (für a person of Mediteranean or Middle Eastern descent, heute weniger abwertend, aber weiterhin beleidigend) (TBGAS 2004: 120); prawn (für a fool person, abusive) (MOAWI); piss (für beer), piss up (für a party), pissed as a newt (für drunk), a piece of piss (für an easy talk) (UASD 2011: 46). Die letztgenannten Bezeichnungen tragen vulgäre und grobe Konnotationen.
In der Encyclopedia Britannica wird der Begriff „Slang“ von D. W. Maurer als „unkonventionelle Wörter oder Wendungen, die etwas Neues oder etwas Altes auf neue Weise ausdrücken. Seine farbenfrohen Metaphern richten sich im Allgemeinen gegen die Respektabilität, und diese prägnante, manchmal geistreiche, häufig unverschämte Gesellschaftskritik verleiht dem Slang seinen charakteristischen Geschmack“ definiert (Maurer 2020). Diese Wörter entsprechen der Definition des Slangs durch die ukrainische Wissenschaftlerin Lesia Stavyts’ka: „Slang ist ein sprachliches Kommunikationsumfeld einer großen Zahl von Menschen, das von der Gesellschaft als expressiv nichtoffiziell, alltäglich und vertraut bewertet wird“ (Stavyts’ka 2005: 24). J. Hunter, der Herausgeber von The True Blue Guide to Australian Slang, bemerkt: „Australier sind für ihre Informalität und ihre entspannte Art bekannt, und dies spiegelt sich in ihrem großzügigen Gebrauch farbenfrohen und amüsanten Slangs wider“ (TBGAS 2004). Aussies sind in ihrem Sprachverhalten ziemlich liberal; sie verwenden Witze und Metaphern, Reime, Flüche, Dysphemismen, sexuelle Anspielungen sowie Wörter, die Eigenheiten ausdrücken. Der Aussie-Slang ist zu einer lockeren, informellen Alltagssprache des Landes geworden, das irrelevanten Witz, Humor, Ironie und Selbstironie schätzt. Wendungen wie budgie smugglers („die Badehose eines Mannes“), dingo’s breakfast („überhaupt kein Frühstück“), ducks on the pond („Frauen kommen“) (ASDKN 2018) wurden typisch für die alltägliche Kommunikation der australischen Muttersprachler.
2.2. Methodik
Die Methodik der Untersuchung basiert auf den Arbeiten des australischen Lexikologen J. R. L. Bernard (1969) und der Phonetikerin Felicity Cox (2006), die sich
56
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 6
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
mit den regionalen und lokalen Varietäten des AusE, d. h. seinen Aussprachevarianten und seiner lexikalisch-semantischen Differenzierung, befassen. Die Untersuchung konzentriert sich daher auf den australischen Slang als soziolinguistisches Phänomen. Die angewandte Methodik umfasst die Methoden der Wortdefinitionen und des Vergleichs der Bedeutungen von Slangwörtern in verschiedenen lexikografischen und Internetquellen, die Komponentenanalyse des Lexems Aussie sowie lexikalisch-semantische und stilistische Analysen der Mitglieder der synonymischen Reihen von LSV. Die theoretische Grundlage der Untersuchung wird durch die allgemein akzeptierte Vorstellung von der systemischen Organisation einer Sprache oder Subsprache, insbesondere des australischen Slangs, gestützt. Diese Sichtweise beruht einerseits auf Ferdinand de Saussures Theorie der Sprache als hierarchischem Beziehungssystem: „In einer Sprache beruht alles auf Beziehungen“ (Saussure 1916: 122) – linearen / syntagmatischen, paradigmatischen, assoziativen, oppositionellen, identischen, äquivalenten, ähnlichen, komplementären, kontrastiven, Beziehungen der Inklusion / Exklusion, Ursache–Folge-, Hyponym–Hyperonym-Beziehungen usw.; andererseits auf der systemisch-strukturellen Organisation des Wortschatzes in lexikalisch-semantischen Feldern (LSF), lexikalisch-semantischen Gruppen (LSG), synonymischen Reihen (SR), thematischen Gruppen (TG) usw. (Levytskiy 2012: 271).
Unter einer lexikalisch-semantischen Gruppe von Wörtern wird „eine Menge unterschiedlich strukturierter Einheiten verstanden, die auf der Grundlage eines gemeinsamen semantischen Kerns gebildet werden, der die Abhängigkeit und die Beziehungen ihrer Elemente als Einheiten des Sprachsystems bestimmt“ (Krekhno 2005: 25). Nach L. M. Vasiliev gilt eine lexikalisch-semantische Gruppe als „eine Klasse von Wörtern (Lexemen), die durch mindestens ein lexikalisches paradigmatisches Sem vereint sind“ (Vasiliev 1971: 109).
Der bedeutende ukrainische Wissenschaftler V. V. Levytskiy schlägt sieben differentielle Kriterien vor, um eine LSG von anderen lexikalischen Mikrosystemen zu unterscheiden, nämlich: 1) die sprachliche / außersprachliche Bestimmung lexikalischer Verbindungen; 2) die Art der strukturellen Beziehungen (Kommutation / Substitution) im Rahmen eines Mikrosystems; 3) die Art und Position der Gruppenbezeichnung; 4) das materielle / ideelle Denotat; 5) die Diskretheit / Nichtdiskretheit der bezeichneten Gegenstände der Wirklichkeit; 6) der Umfang der Gruppe; 7) die Konfiguration der Gruppe (ein-, zwei- oder dreidimensional) (Levytskiy 2012: 269–283).
Nach den ersten beiden Kriterien ist eine LSG ein Mikrosystem mit nichtrelevanten Beziehungen zu Gegenständen der Wirklichkeit; daher erfolgt die Anordnung ihrer Lexik auf der Grundlage innersprachlicher Beziehungen – sowohl synonymischer als auch antonymischer. Nach den übrigen Kriterien umfasst eine LSG Wörter, die sowohl materielle als auch ideelle Gegenstände bezeichnen, ebenso wie Wörter mit abstrakten und konkreten Bedeutungen; das lexikalische Dominant ist ein Gruppenmitglied; die Elemente der Gruppe stehen in Kommutations- und Substitutionsbeziehungen; der Umfang der Gruppe umfasst mindestens mehrere Mitglieder, und sie weist eine zweidimensionale Konfiguration auf.
Straipsniai / Articles
57
Page 7
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
Wie der russische Lexikologe A. A. Ufimtseva feststellt, „ist die Grundlage einer LSG ein Wort <...> in seinen variablen und komplexen Beziehungen zu anderen Wörterbucheinheiten“ (Ufimtseva 2002: 4). Ein solches Grundwort (auch Bezeichnung oder semantisches Dominant genannt) ist ein polysemes Lexem. Jede seiner lexikalisch-semantischen Varianten bildet mit anderen Wörtern, die zu dieser LSG gehören, eine synonymische Reihe. Die lexikalisch-semantische Struktur eines semantischen Dominants einer LSG kann nach V. V. Levitskiy (2012: 280) durch folgendes Schema veranschaulicht werden:
Schema 1. Lexikalisch-semantische Struktur des semantischen Dominants einer LSG
Nach Schema 1 steht das Symbol A für ein polysemes Grundwort einer LSG; die Haupt-LSV wird durch die Symbole a¹ – a² – a³ usw. dargestellt; die übrigen LSV werden entsprechend durch die Symbole b¹ – b² – b³ usw. sowie c¹ – c² – c³ usw. dargestellt.
Der nächste Schritt bei der Untersuchung einer LSG besteht darin, die semantische Struktur des Grundworts zu rekonstruieren, die Beziehungen zwischen seinen LSV nachzuzeichnen, zu jeder LSV synonymische Reihen zusammenzustellen sowie lexikalisch-semantische und stilistische Analysen der Synonyme vorzunehmen.
2.3. Korpusdaten
Die zusammengestellten Korpusdaten umfassen authentische australische Slangwörterbücher, Wortschätze und Lexika, nämlich: Australian Guide to Language (AGL), Australian Slang (AS), Aussie Slang Dictionary (ASD 2004), Aussie Slang Dictionary. Koala.net (ASDKN 2018), Australian Slang and Other Local Lingo (ASOLL 2017), Dictionary of Australian Slang (DAS), Concise New Partridge Dictionary of Slang and Unconventional English (CNPDSUE 2008), A Dictionary of Australian Words and Terms von G. W. Lawson (DAWT 1997), Meanings and Origins of Australian Words and Idioms (MOAWI), The True Blue Guide to Australian Slang von J. Hunter (TBGAS 2004), The Ultimate Aussie Slang Dictionary (UASD 2011), Word up. A Lexicon and Guide to Communication in the 21st Century von M. McCrindle und E. Wolfinger (WLGC21C 2011), 100 Australian Slang Words and Phrases (100ASWP 2020), 125 Australian Slang Words and Phrases. A Guide to Aussie Slang (125ASWP 2015); Internetressourcen zum untersuchten Thema: Crow-eaters, Sandgropers, Banana benders, Cornstalks and More (CSBBCM 2016), Ever Colourful Australian Currency Slang Nicknames (ECACSN), Holey Dollars to Grey Nurses von M. Gwynn (Gwynn 2014), Slang:
58
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 8
The Lexical-Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
What Aussies call other Aussies von F. Povah und A. Middleton (Povah 2013), Slang Terms for Money. Current Denominations (STMCD) sowie die Onlineplattform zur Klärung der Bedeutung bestimmter Slangwörter: Browse the Aussie Slang Dictionary (BASD 2020).
2.4. Rekonstruktion der LSG „Aussie“
Die LSG „Aussie“ wurde aus folgenden Überlegungen zur Analyse ausgewählt: Sie wird durch ein polysemes Wort (mit mindestens vier Bedeutungen) bezeichnet und besitzt außerdem im Vergleich zu anderen Bezeichnungen die größte Zahl an Synonymen (231 lexikalische Einheiten) (Sport und Spiele – 50, Ortsnamen – 40, Politik – 24, militärische Angelegenheiten – 19), wie unsere Berechnungen der Slangeinheiten im untersuchten Material ergeben haben.
Die nächsten Schritte bestehen, unter Bezugnahme auf die oben dargestellte Methodik, darin, die Bedeutungen / LSV des Wortes Aussie zu erläutern, seine semantische Struktur zu rekonstruieren (die Haupt- und abgeleiteten Seme sowie die Beziehungen zwischen ihnen zu bestimmen) und für jede LSV anhand der untersuchten lexikografischen und anderer einschlägiger Quellen synonymische Reihen zu bilden.
Somit ist das Lexem Aussie lexikografisch mit folgenden Bedeutungen verzeichnet: 1) „Australien“ (MOAWI); 2) „australisch“ (AS; ASDKN 2018; MOAWI; UASD 2011: 15), „ein Australier“ (DAS), „die australische Bevölkerung“ (TBGAS 2004:10); 3) „australisches Englisch“ (MOAWI); 4) „australischer Dollar“ (MOAWI).
Die Hauptbedeutung des Wortes Aussie ist „Australien“, während die anderen – „ein Australier / die australische Bevölkerung“, „australisches Englisch“, „australischer Dollar“ – seine Ableitungen sind. Sie entstanden auf der Grundlage der Hauptbedeutung durch metonymische Übertragung und entsprechen ihr als „der Teil“ dem „Ganzen“, wodurch die lexikalisch-semantischen Beziehungen „das Ganze – der Teil“ gebildet werden.
Die erste Bedeutung / LSV „Australien“ (Grundsem „Land“) bildet folgende Synonymreihe, die durch 13 lexikalische Einheiten repräsentiert wird: Bazzaland – „Australien“ (UASD 2011: 17); Down Under – „Australien und Neuseeland“ (ASDKN 2018); The Great Southern Land; The Land of the Long Weekend (TBGAS 2004: 65); The Lucky Country – „eine mit Australien synonyme Bezeichnung“ (ASDKN, 2018); Never Never – „das Zentrum Australiens“ (ASDKN 2018); Outback – „das australische Inland“ (ASDKN 2018); Oz – „Australien“ (ASD 2004; ASDKN 2018; DAS; UASD 2011: 45); RARA – „das ländliche und regionale Australien“ (TBGAS 2004: 86); Straya – „Australien“ (125ASWP 2015), „Kurzform für Australien“ (100ASWP 2020); Top End – „der äußerste Norden Australiens“ (ASDKN 2018); the wide brown land / the sunburnt country – „bezieht sich auf Australien“ (MOAWI).
Straipsniai / Articles
59
Page 9
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
Die erste Synonymreihe wird durch Slangeinheiten repräsentiert, die gebildet werden durch: Kürzung des bereits bestehenden Wortes in Form einer Synkope – Straya (Australia); Abkürzung in Form eines Akronyms – RARA (rural and regional Australia); Komposition – Bazzaland; Iteration – Never Never; Umbenennung. Die Umbenennung erzeugt Periphrasen auf der Grundlage der folgenden semantischen Merkmale: „Lage“: Down Under – Outback – Top End, The Great Southern Land; „Klima“: the sunburnt country; „Farbe“: the wide brown land; „Freizeitbeschäftigung“: The Land of the Long Weekend; „Gefühl“: The Lucky Country oder Allusion: Oz.
Interessant ist, dass der Spitzname Bazzaland unter dem Einfluss der von Barry Humphries 1973 geschaffenen Zeichentrickfigur Barry (Bazza) McKenzie entstand (CNPDSUE 2008: 39). Der Ortsname Oz gibt schriftlich die Aussprache des Toponyms Australia wieder. Sein erster Beleg als Oss erschien 1908; gelegentlich wurde das Wort als Aus geschrieben, aber auf dieselbe Weise ausgesprochen. Vermutlich wurde die Form durch „The Wizard of Oz“ beeinflusst (verfilmt nach dem Märchen von L. Frank Baum), einem Film, der 1939 weltweite Popularität erlangte. Der erste Beleg für das Wort Oz in der Bedeutung „Australien“ wurde 1944 in einem Kriegsnewsletter verzeichnet (MOAWI). Die Periphrase The Great Southern Land erschien erstmals im Titel einer 1982 veröffentlichten Single der australischen Rockband Icehouse; the wide brown land und the sunburnt country stammen aus dem Gedicht „My Country“ von Dorothea Mackellar aus dem Jahr 1908.
Die zweite Bedeutung / der LSV „ein Australier“ / „australische Menschen“ (das Grundsem „Einwohner“) bildet die folgende Synonymreihe, die durch 170 lexikalische Einheiten repräsentiert wird: ABC – „ein in Australien geborener Chinese“ (AS); abo / boong – „ein Aborigine“ (AS); apple eater – „jemand aus Tasmanien“ (UASD 2011: 14); banana bender – „eine Person aus Queensland“ (ASDKN 2018; UASD 2011: 16); bruce – „ein australischer Kerl“ (125ASWP 2015), bushie – „ein Buschmann“ (ASDKN 2018; DAS; TBGAS 2004: 27; UASD 2011: 21); cabbage patcher – „ein Bewohner des Bundesstaates Victoria“ (AS; UASD 2011: 21); cane toad – „jemand aus dem Bundesstaat Queensland“ (AS); cockroach – „eine Person aus New South Wales“ (ASDKN 2018); crow eater / pie eater – „ein Bewohner Südaustraliens“ (AS; ASDKN 2018; UASD 2011: 44); dinky di / dink / dinkum / ridgy didge – „ein echter Aussie“ (AS; ASOLL 2017; DAS; TBGAS 2004: 36; UASD 2011: 55); Easterner – „eine Person aus den östlichen Bundesstaaten“ (UASD 2011: 28); gebung – „ein gebürtiger Australier, der in einer abgelegenen Gegend lebt“ (UASD 2011: 32); gumsucker – „ein Bewohner des Bundesstaates Victoria“ (ASDKN 2018: 33); Joe Bloggs, Joe Blow – „ein gewöhnlicher Aussie“ (DAS; TBGAS 2004: 60); magpie – „ein Südaustralier“ (UASD 2018: 41); mainlander – „eine Person vom australischen Festland“ (UASD 2011: 42); Mexican – „eine Person aus dem Süden der Grenze zwischen Queensland und New South Wales“ (ASDKN 2018); norm – „ein durchschnittlicher Kerl“ (TBGAS 2004: 74); Oz – „ein Australier“ (ASD 2004); sandgroper – „eine Person aus Westaustralien“ (AS; ASDKN 2018; UASD 2011: 50); swaggie
60
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 10
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
/ swagman – „ein Buschmann“ (UASD 2011: 53); Sydneysider – „ein Bürger Sydneys“ (DAS); tassie tiger – „ein Bewohner Tasmaniens“ (UASD 2011: 54); Taswegian – „eine Person aus Tasmanien“ (ASDKN 2018; UASD 2011: 54); top ender – „eine Person aus dem Northern Territory“ (UASD 2011: 55); true blue – „ein sehr echter, loyaler und einheimische Werte ausdrückender Australier“ (MOAWI); westie – „eine Person aus den westlichen Vororten Sydneys“ (TBGAS 2004: 118; DAS); whitefella – „eine nicht-aborigine Person europäischer Abstammung“ (TBGAS 2004: 119); wog – „eine Person mediterraner oder nahöstlicher Abstammung“ (ASDKN 2018; TBGAS 2004: 120; UASD 2011: 58), „ein Migrant aus Südeuropa“ (MOAWI); Zorba – „ein liebevoller Spitzname für eine Person griechischer Abstammung“ (TBGAS 2004: 125).
Diese Synonymreihe umfasst auch australische Slangwörter mit bestimmten zusätzlichen Semen, nämlich: „Geschlecht“: bint – „eine Frau“ (DAWT 1997: 8); bit of muslin – „eine Frau“ (DAWT 1997: 26); bloke – „ein australischer Mann“ (TBGAS 2004: 17); blokette – „eine australische Frau“ (TBGAS 2004: 17); bodgie – „ein jugendlicher Larrikin“ (MOAWI); fluff – „eine Frau“ (DAWT 1997: 16); gin – „eine Aborigine-Frau“ (DAWT 1997: 18); Jane – „eine Frau“ (DAWT 1997: 18); jackaroo – „ein männlicher Arbeiter auf einer Viehstation“ (UASD 2011: 37); jillaroo – „eine weibliche Arbeiterin auf einer Viehstation“ (UASD 2011: 37); lubra – „eine erwachsene australische Aborigine-Frau“ (DAWT 1997: 24); mate – „eine Anredeform für Männer“ (TBGAS 2004: 70); ocker, ockerdom – „ein typischer australischer Mann“ (ASD 2004; DAS; MOAWI; TBGAS 2004: 75); ockerette, ockerina – „das weibliche Gegenstück eines ockers“ (MOAWI; TBGAS 2004: 75); sheila – „eine Australierin, ein Mädchen oder eine Frau“ (UASD 2011: 51); skirt – „ein Mädchen“ (DAWT 1997: 35); tabby – „ein Mädchen“ (DAWT 1997: 37); tin plate – „ein Kumpel“ (DAWT 1997: 37); twist and twirl – „ein Mädchen“ (DAWT 1997: 38); widgie – „das weibliche Gegenstück eines bodgie“ (MOAWI);
76; UASD 2011: 44); ol’ man / old man – „ein Vater“ (UASD 2011: 44); old pot – „ein Vater“ (DAWT 1997: 31); pard – „ein Freund“ (DAWT 1997: 30); rellie / rello / rels – „ein Familienangehöriger“ (ASOLL 2017; UASD 2011: 49); tart – „eine Freundin oder Geliebte“ (MOAWI); trouble and strife – „eine Ehefrau“ (WLGC21C 2011: 81);
„Sozialer Status“: battler – „eine Person, die darum kämpft, ihren Lebensunterhalt zu verdienen“ (CNRDSUE 2008: 38; UASD 2011: 15); bunyip aristocracy – „Australier, die aristokratische Allüren und Umgangsformen vortäuschen“ (TBGAS 2004: 23); feral – „eine Person, die außerhalb der konventionellen Grenzen der Gesellschaft lebt“ (MOAWI); silvertail – „ein Mitglied der Oberschicht“ (TBGAS 2004: 97); squatter – „eine Person mit erhöhtem sozioökonomischem Status“ (MOAWI); squattocracy – „der frühe Landadel in der weißen Besiedlung Australiens“ (TBGAS 2004: 101); tall poppy – „eine Person mit großem Reichtum oder hohem Status“ (ASD 2004; DAS; UASD 2011: 54), „erfolgreiche Menschen oder Prominente“ (ASOLL 2017);
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
„Verhalten“: arse-licker / boot-licker – „ein Ja-Sager“ (UASD 2011: 15); bad lot – „eine unehrliche, anrüchige Person“ (ASD 2004); bogan – „eine unkultivierte, grobe oder ungehobelte Person“ (MOAWI), „eine raue, unzivilisierte Person“ (UASD 2011: 19); brick – „eine gute und zuverlässige Person“ (TBGAS 2004: 21); dag – „eine exzentrische, ungepflegte Person“ (UASD 2011: 25); deadshit – „eine lästige Person“ (TBGAS 2004: 35); flake – „eine exzentrische Person“ (TBGAS 2004: 45); galah – „eine laute, unhöflich auftretende Person“ (TBGAS 2004: 48); gutless wonder – „eine feige Person“ (TBGAS 2004: 53); hoon – „jemand, der asoziales Verhalten an den Tag legt“ (TBGAS 2004: 57); larrikin – „eine ungestüme Person, die wenig Rücksicht auf Autoritäten nimmt“ (TBGAS 2004: 65), mongrel – „eine schreckliche Person“ (TBGAS 2004: 70); ripsnorter – „eine außergewöhnliche Person“ (TBGAS 2004: 89); shonk / shonky – „eine unehrliche Person“ (TBGAS 2004: 96); weirdo – „jemand, der sich exzentrisch verhält“ (TBGAS 2004: 118); wowser – „eine Person, deren Verhalten puritanisch oder prüde ist, ein Spielverderber“ (MOAWI); yahoo – „eine ungehobelte, pöbelhafte, unkultivierte Person“ (TBGAS 2004: 122); yawn – „eine langweilige Person“ (TBGAS 2004: 123); yob / yobbo – „ein Flegel, ein Rowdy, ein Rüpel“ (TBGAS 2004: 123).
Einige Synonyme dieses LSV besitzen neben dem Grundsem „Einwohner“ auch mehrere zusätzliche Seme, nämlich: „Alter“ + „Geschlecht“ – boiler – „eine alte Frau“ (AS), codger – „ein alter Mann“ (AS), fowl – „eine alte Frau“ (DAWT 1997: 16); „Aussehen“ + „Geschlecht“ – bat – „eine hässliche Frau“ (AS), nugget – „ein kleiner, muskulöser Mann“ (ASD 2004), slapper – „ein hässliches oder unkultiviertes Mädchen oder eine solche Frau“ (ASD 2004), wing-nut – „ein Mann mit abstehenden Ohren“ (TBGAS 2004: 120); „Verhalten“ + „Geschlecht“ – lair / mug lair / two-bob lair / lairize – „ein großspuriger, vulgärer junger Mann“ (TBGAS 2004: 65).
Die zweite Synonymgruppe wird durch Slangwörter repräsentiert, die gebildet wurden durch: Affigierung – Easterner, looker, good-looker, top ender; Kürzung – abo, boong, hoon, rel; Kürzung + Affigierung (sogenannte hypokoristische Kürzung) durch das Hinzufügen der Suffixe –a, –o, –ie – rello, bushie, rellie, swaggie, westie, wrinkie; Komposition – battleaxe, cockroach, dingbat, magpie, swagman; Komposition + Affigierung – mainlander, Sydneysider; Komposition + Kürzung + Affigierung – whitefella; Kontamination – squattocracy (squatter + aristocracy). Einige Slangwörter entstanden durch Bedeutungsübertragung in Form von: Periphrase auf der Grundlage eines bestimmten Merkmals eines Gegenstands – ankle biter, apple eater, banana bender, bit of muslin, cabbage patcher, cane toad, crow eater / pie eater, gumsucker, kiddiewink, old pot, rug rats; Antonomasie – bruce, Jane, Joe Bloggs, Joe Blow, Mexican, rocker, sheila, Zorba; Metonymie – skirt; Metapher – bat, battleaxe, beanpole, brick, boiler, curly, eggshell blonde, fowl, galah, half pinter, head-turner, keg-on-legs, nipper, sandgroper, stickybeak, wing-nut. Die semantischen Merkmale, die den Metaphorisierungsprozess fördern, sind folgende: „Farbe“ – bluey, eggshell blonde; „Aussehen“ – bat, boofhead, bush pig, stickybeak; „sozialer Status“ – battler; „Größe“ – half
Straipsniai / Articles
63
Page 13
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
pinter, keg-on-legs; „Alter“ – ol’ cheese, oldies, olds, ol’ man; „Material“ – brick; „Funktion“ – boiler, cook, nipper. Die übrigen wurden durch Alliteration gebildet: ridgy didge, whipper-snapper; Assonanz: true blue; Reim (sogenannter Reimslang): ball and chain (Jane), billy lid / tin lid (kid), cheese & kisses (misses), mark foy (boy), tin plate (mate), trouble and strife (wife), twist and twirl (girl); Ablaut / Gradation (phonetisch variierte Zwillingsformen): dingdong, ningnong; Onomatopoesie: dingaling, dingbat, geebung, wowser; Allusion: yahoo (eine bildhafte Rasse von Bestien, die J. Swift in Gulliver’s Travels, 1726, schuf).
Bestimmte verbreitete Slangwörter, die aus Eigennamen hervorgegangen sind, haben folgenden historischen Hintergrund: bruce – „ein Mann“, wie in der Skizze von Monty Python, in der alle Australier Bruce hießen (UASD 2011: 19); ocker wurde zunächst nur auf Männer namens Oscar angewandt (1920er-Jahre), doch seine Bedeutung weitete sich im 20.th Jahrhundert auf alle Männer aus (MOAWI); sheila leitet sich vom Eigennamen Sheila ab; zunächst bezeichnete es eine Frau irischer Herkunft, seit dem 19.th Jahrhundert jedoch jede Frau oder jedes Mädchen (MOAWI).
Slangwörter, die Bürger aus bestimmten Teilen Australiens bezeichnen, haben folgende Erklärungen für ihren Ursprung: apple eater ist „jemand aus Tasmanien, wo Äpfel zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen gehören“ (AS); banana bender beruht auf der Assoziation mit dem Bananenanbau im tropischen Queensland („Bananenland“) (MOAWI); cabbage patcher ist „ein Bürger des Bundesstaates Victoria, der wegen seiner geringen Größe Garden state oder Cabbage Patch genannt wird“ (Povah 2013); crow eaters sind Siedler, die aus Notwendigkeit einige Krähen aßen, die als „mount backer pheasants“ ausgegeben wurden (Povah 2013); cane toad ist „ein Queenslander, benannt nach dem Zustrom riesiger Mengen von Aga-Kröten, die zwischen 1940 und 1980 in diesem Bundesstaat in Fünfjahresabständen auftauchten“ (AS); gumsucker wurde ursprünglich auf alle Kolonialbewohner angewandt, weil sie sich in ihrer Freizeit von bestimmten Akazienarten süßen Gummi saugten; heute bezeichnet es ausschließlich Einwohner Victorias (Povah 2013); sandgroper bezeichnet die Bewohner Westaustraliens, „ein Spitzname, der möglicherweise nach dem grabenden Insekt entstand, das in dem sandreichen Land vorkommt“ (CSBBCM 2016).
Für die dritte Bedeutung / den LSV „Australisches Englisch“ (das Grundsem „Sprache“) wurden nur etwa vier Synonyme gefunden. Dies sind: Ozspeak – „australische Umgangssprache“ (AGL); Ozwords – „australische Umgangssprache“ (Gwynn 2014); strine – „Australisches Englisch“ (DAS), „Aussi-Englisch“ (AS), „stereotypischer australischer Akzent“ (WLGC21C 2011: 79), „australischer Slang und australische Aussprache“ (ASDKN 2018; UASD 2011: 53), „australische Umgangssprache“ (AGL).
Die wichtigsten Bildungsweisen von Synonymen in dieser Gruppe sind Kürzung (in Form einer Synkope) – strine (von Australian) und Komposition – Ozspeak, Ozwords. Das Wort strine wurde durch das 1966 in Sydney veröffentlichte Buch Let Stalk Strine von Professor Afferbeck Lauder popularisiert.
64
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 14
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
Die vierte Bedeutung / der LSV „Australian dollar“ (das Grundsem „money“) bildet eine Synonymreihe, die durch 45 lexikalische Einheiten vertreten ist: axle grease – „Geld“ (UASD 2011: 15); bickies, bikkies / big bickies – „eine große Menge Geld“ (AS; ASD 2004; TBGAS 2004: 15; UASD 2011: 17); big notes – „große Geldsummen“ (MOAWI); big sugar – „großes Geld“ (DAWT 1997: 8); (blue) bond – „eine Kaution“ (ASOLL 2017); blue swimmer / crab – „eine $10 note’ (CNRDSUE 2008: 46); boodle – ‘money’ (DAWT 1997: 8); brass – ‘a coin’ (DAWT 1997: 9); bread and honey – ‘money’ (WLGC21C 2011: 81); dosh – ‘money’ (AS); dough – ‘money’ (ASD 2004; DAWT 1997: 14); fiver, deep sea diver, sky diver – ‘a $5-Note“ (ECACSN; STMCD); folding stuff – „Geld (Scheine & Münzen)“ (AS); grey nurse – „eine $100 note’ (TBGAS 2004: 53); lobster / red lobster, redback & rusky – ‘a $20-Note“ (ECACSN; STMCD); moola, moolah – „Geld“ (ASD 2004); motza, motsa, motser, motzer – „eine große Geldmenge“ (TBGAS 2004: 71), „eine große Geldsumme; ein Vermögen“ (MOAWI); Oxford scholars – „Dollar“ (ASOLL 2017); pineapple / big pineapple – „eine $50 note’ (ECACSN; STMCD); pony – ‘25 pounds’ (DAWT 1997: 30); pot – ‘a sum of money’ (DAWT 1997: 31); prawn – ‘a $5-Note“ (ECACSN); quid, quid fiddly, saucepan – „ursprünglich ein Pfund Sterling, heute ein Dollar“ (AS; STMCD); razoo / arse razoo / brass razoo – „eine nicht existierende Münze von geringem Wert“ (AS; MOAWI); redback – „ein australischer $20 note’ (BASD 2020; TBGAS 2004: 88); rhodes scholar – ‘a dollar’ (UASD 2011: 49); score – ‘a sum of 20 dollars’ (ASD 2004); slab – ‘a thousand dollars, $1000er“ (ASD 2004); stuff – „eine Münze“ (DAWT 1997: 36); sugar – „Geld“ (DAWT 1997: 36); the needles – „Geld“ (DAWT 1997: 28); tin – „Geld“ (DAWT 1997: 37); zac, zack – „ein Sixpence“ (ASDKN 2008; DAWT 1997: 43).
Die wichtigsten Bildungsweisen der Slangwörter in der vierten Synonymgruppe sind die Periphrase – axle grease, folding stuff; die Metapher auf der Grundlage der semantischen Merkmale „Farbe“ – (blue) crab / blue swimmer („blau“), grey nurse („zwischen 1984–1994 war ein 100-Dollar-Schein grau“), lobster („rot“), pineapple („gelb“), prawn („rosa“) und „Material“ – brass, tin; Alliteration – redback & rusky und Reim: bread and honey (money), fiver, deep sea diver, sky diver (diver), Oxford scholars (dollars), rhodes scholar (dollar), saucepan lid / quid (quid).
2.5. Ergebnisse
Die durchgeführte Untersuchung erlaubt die Formulierung folgender Aussagen: a) Das australische Englisch wird repräsentiert durch Standard AusE, varieties of aboriginal English, and ethnocultural AusE dialects; b) Standard Australian weist bestimmte Besonderheiten auf, etwa Bedeutungsvarianten englischer Wörter, einzigartige Wörter und Entlehnungen aus Aborigine-Sprachen; c) der australische Slang (auch strine) ist die informelle Sprache
Straipsniai / Articles
65
Page 15
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
der rebellischen Subkultur, die von spezifischen Abkürzungen, Schimpfwörtern und Vulgarismen geprägt ist; d) Aussie-Slang wird auf der Grundlage bestimmter Konzepte gebildet, die seine lexikalisch-semantischen Felder organisieren; diese zerfallen wiederum in kleinere Einheiten – thematische und lexikalisch-semantische Gruppen; e) lexikalisch-semantische Gruppen sind auf der Grundlage polysemer Wörter organisiert, deren LSVs bestimmte Synonymreihen bilden.
3. SCHLUSSFOLGERUNG UND AUSBLICK
Das australische Englisch ist ein eigenständiger regionaler Dialekt, dessen spezifische Merkmale durch mehrere Faktoren bestimmt werden: die große Entfernung vom Mutterland, die spezifische historische Entwicklung der Gesellschaft, der Zustrom von Einwanderern aus verschiedenen Teilen der Welt, die lokale Kultur der Aborigines, das Bildungs- und Kulturleben, die Entwicklung einer eigenen literarischen Tradition, das Interesse an den Sprachen, Bräuchen und Traditionen der indigenen Bevölkerung sowie das Selbstverständnis als wahrhaft unabhängige Nation. Die australische Umgangssprache strine, die aus dem Cockney-Slang, dem irischen Dialekt und lokalen Aborigine-Sprachen hervorgegangen ist, ist eine informelle, humorvolle, metaphorische Subsprache, die die Eigenart des Landes widerspiegelt.
Im Verlauf der Untersuchung wurde festgestellt, dass das Lexem Aussie im australischen Slang vier Bedeutungen hat: die Hauptbedeutung – „Australien“ (das Grundsem „Land“), die abgeleiteten Bedeutungen – „ein Australier“ / „australische Menschen“ (das Grundsem „Einwohner“), „Australisches Englisch“ (das Grundsem „Sprache“), „Australischer Dollar“ (das Grundsem „Geld“). Die Haupt- und die abgeleiteten Bedeutungen stehen in den lexikalisch-semantischen Beziehungen „das Ganze – der Teil“. Jede Bedeutung bildet eine Synonymreihe, die durch verschiedene Slangbezeichnungen in folgender zahlenmäßiger Darstellung repräsentiert wird: „Australien“ – 13, „ein Australier“ – 170, „Australisches Englisch“ – 4, „Australischer Dollar“ – 45 lexikalische Einheiten.
Die Synonyme in Form von Wörtern und Wortverbindungen weisen unterschiedliche Bildungsweisen auf – durch Affigierung, Komposition oder beides, Kürzung, Abkürzung, hypokoristische Kürzung, Kontamination und Iteration. Sie durchliefen verschiedene Benennungsprozesse, nämlich: Periphrase, metaphorische oder metonymische Übertragung, Antonomasie, Alliteration, Assonanz, Onomatopoesie, Reim, Ablaut / Gradation und Allusion. Bestimmte Synonyme enthalten außerdem besondere semantische Merkmale, die ihre Bildung fördern – Farbe, Größe, Material, Funktion, Aussehen, sozialer Status, Ort, Klima, Freizeitbeschäftigung und Gefühl.
Der Artikel eröffnet Perspektiven für die weitere Untersuchung des australischen Slangs unter verschiedenen Gesichtspunkten: a) historisch – Veränderungen während der folgenden Zeiträume: der Kolonisierung des Kontinents im 18. – 19. Jahrhundert, des Goldrauschs (1850er-Jahre), des Ersten Weltkriegs, der Nachkriegseinwanderung (1945–1960er-Jahre), des
66
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 16
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
späten 20th – dem Beginn des 21st. Jahrhunderts; b) linguokulturell – Quellen für die Entlehnung von Slangwörtern aus verschiedenen englischen Dialekten, Aborigine- und anderen Sprachen; c) soziokulturell – der Ursprung von Slangwörtern in verschiedenen sozialen Bereichen und Subkulturen: Politik, Wirtschaft, Armee, Sport, Internetkommunikation, der Sprache von Sträflingen, Jugendlichen, Buschläufern und Strandläufern.
L I T E R A T U R V E R Z E I C H N I S
AGL – Australian Guide to Language. Verfügbar unter: https://www.justlanded.com [Zugriff am 5. März 2020].
AS – Australian Slang. Western Australia Now and Then. Verfügbar unter: www.wano.wandthen.com [Zugriff am 7. März 2020].
ASD – Aussie Slang Dictionary, 2004. Verfügbar unter: www.modernisms.tripod.com/group/id15.html [Zugriff am 3. März 2020].
ASDKN – Australian Slang [Dictionary]. Koala Net. Aktualisiert 2018. Verfügbar unter: www.koalanet.com.au/australian-slang.html [Zugriff am 9. März 2020].
ASOLL – Australian Slang and Other Local Lingo. Sydney Concierge. 14. März 2017. Verfügbar unter: https://www.sydney.concierge.com.au/australian-slang-dictionary [Zugriff am 2. März 2020].
BASD – Browse the Aussie Slang Dictionary. Australia Day, 2020 [online]. Verfügbar unter: www.australiaday.com.au [Zugriff am 10. März 2020].
Bernard J. R. L. 1969: On the Uniformity of Australian English. – Orbis 18, 62–73.
Bilas Liliia 2017: Some Peculiarities of Australian English in the Frame of Lingua-Cultural Studies. Scientific Research Priorities – 2017: theoretical and practical value: Proceedings of International Scientific Conference, 22.–23. Juni, Nowy Sącz, Polen: Nowy Sącz: National–Lois University, 37–38.
Burridge Kate, Mulder Jean Gail 1999: English in Australia and New Zealand: an introduction to its history, structure and use, Oxford: Oxford University Press.
CNRDSUE – Concise New Partridge Dictionary of Slang and Unconventional English, T. Dalzell, T. Victor (Hrsg.), London, N. Y.: Routledge, 2008.
Collins Peter 2012: Australian English: Its Evolution and Current State: University of New South Wales. Verfügbar unter: https://ejournals.epublishing.ekt.gr/article.pdf [Zugriff am 3. Febr. 2020].
Cox Felicity 2006: Australian English Pronunciation into the 21st. Jahrhundert. – Prospect 21. 1, 3–21.
Straipsniai / Articles
67
Page 17
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
CSBBCM – Crow-eaters, Sandgropers, Banana benders, Cornstalks and More. Veröffentlicht am 16. Febr. 2016. Verfügbar unter: https://www.lonestester.com/2016/02/crow-eater [Zugriff am 3. März 2020].
DAS – Wörterbuch des australischen Slangs. Verfügbar unter: www.australiatravelsearch.com.au/trc/slang.html [Zugriff am 5. März 2020].
DAWT – Ein Wörterbuch australischer Wörter und Begriffe, von G. W. Lawson, Sydney: University of Sydney Library, 1997.
ECACSN – Die immer farbenfrohen Spitznamen für australisches Geld im Slang. Verfügbar unter: https://www.noteworthy-collectibles.com [Zugriff am 7. März 2020].
Gwynn Mark 2014: Holey Dollars to Grey Nurses. – Ozw ords, Newsletter: Oxford University Press Australia. Verfügbar unter: https://www.Ozwords.org [Zugriff am 5. Febr. 2020].
Hampshire David 2010: Leben und Arbeiten in Australien, 8th. Aufl., Sydney: International Press Softcom.
Krekhno Tetiana 2005: Istoriya leksyko-semantychnogo polia “platy-podatky-povynnosti” v ukrainskiy movi XY–XYIII stolit (na materialakh ukrainskikh pamiatok): Zusammenfassung der Dissertation. 10.02.01 – Ukrainska mova, Charkiw: KNU imeni V. N. Karazina.
Levitskiy Viktor 2012: Semaseologie: Eine Monografie für Nachwuchsforschende, 2nd. Aufl., Winnyzja: Nova Knyha.
Maurer David 2020: Slang. Encyclopedia Britannica. Aktualisiert am 20. Febr. 2020. Verfügbar unter: https://www.britannica.com/topic/slang [Zugriff am 7. Febr. 2020].
MOAWI – Bedeutungen und Ursprünge australischer Wörter und Redewendungen. Verfügbar unter: https://slll.cass.anu.edu.ua/centres/and/ meanings-origins [Zugriff am 9. März 2020].
Moore Bruce 2008: Unsere Sprache sprechen: Die Geschichte des australischen Englisch, Melbourne: Oxford University Press.
Povah Frank, Middleton Amy 2013: Slang: Wie Aussies andere Aussies nennen, 16. Mai 2013. Verfügbar unter: https://www.australiangeographic.com.au [Zugriff am 3. Febr. 2020].
Saussure Ferdinand de 1916: Grundkurs in allgemeiner Linguistik, Ch. Bally, A. Sechehaye (Hrsg.), übersetzt von W. Baskin, N.Y., Toronto, London: McGraw-Hill.
68
Acta Linguistica Lithuanica LXXXII
Page 18
The Lexical–Semantic Group ‘Aussie’ in Contemporary Australian Slang
Stavyts’ka Lesia 2005: Argo, Jargon, Slang: Soziale Differenzierung der ukrainischen Sprache: Eine Monografie, Kyjiw: Krytyka.
STMCD – Slangbegriffe für Geld. Gegenwärtige Bezeichnungen. Verfügbar unter: https://en.wikipedia.org [Zugriff am 10. März 2020].
TBGAS – Der echte Blue Guide zum australischen Slang, hrsg. von J. Hunter, Sydney: New Holland Publishing, 2004.
UASD – Das ultimative Aussie-Slang-Wörterbuch, 2011. Verfügbar unter: www.bunburybackpackers.com.au [Zugriff am 11. März 2020].
Ufimtseva Anna 2002: Lexikalische Bedeutung: Das Prinzip der semiologischen Beschreibung, Moskau: Nauka.
Vasiliev Leonid 1971: Theorie der semantischen Felder. – Voprosy yazykoznaniya 5, 105–113.
WLGC21C – Word up. Ein Lexikon und Leitfaden zur Kommunikation im 21st. Jahrhundert, von M. McCrindle, E. Wolfinger, Canberra: Halstead Press, 2011.
3TAA – Die 3 Arten australischer Akzente. Veröffentlicht am: 18. Apr. 2018. Verfügbar unter: https://www.atmc.social/posts/the-3-types-of-australian-accents [Zugriff am 13. März 2020].
3TAADB – Die 3 Arten australischer Akzente. Dialect Blog, veröffentlicht am: 10. Juni 2011. Verfügbar unter: www.dialectblog.com/2011/07/10/type-of-australian-accents [Zugriff am 13. März 2020].
100ASWP – 100 australische Slangwörter und Redewendungen, aktualisiert 2020. Verfügbar unter: https://ielts.com.ua [Zugriff am 12. März 2020].
125ASWP – 125 australische Slangwörter und Redewendungen. Ein Leitfaden für Anfänger zum Aussie-Slang, von A. Jones, 2015. Verfügbar unter: https://nomadsworld.com/aussie-slang [Zugriff am 15. März 2020].
Die lexikalisch-semantische Gruppe „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel untersucht das Problem eines zu Unrecht vernachlässigten sprachlichen Phänomens, nämlich des australischen Slangs, der die alltägliche Kommunikation im heutigen Australien kennzeichnet. Ziel des Artikels ist es, die lexikalisch-semantische Gruppe „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang zu untersuchen. Die Aufgaben des Artikels bestehen darin, die semantische Struktur des Lexems „Aussie“ und die Beziehungen zwischen seinen lexikalisch-semantischen
Straipsniai / Articles
69
Page 19
LIUDMYLA NAUMENKO, LILIA BILAS, VIRA PONOMAROVA
Varianten (LSV) zu bestimmen, die lexikalisch-semantische Gruppe (LSG) „Aussie“ und ihre Synonymreihen zu rekonstruieren, ihre Darstellung in lexikografischen und Internetquellen zu untersuchen sowie eine lexikalisch-semantische und stilistische Analyse der Mitglieder der Synonymreihen ihrer LSV vorzunehmen.
Die Voruntersuchungen umfassen die Erforschung des australischen Slangs in den Arbeiten ausländischer und ukrainischer Wissenschaftler, die lexikalisch-semantische und vergleichende Analyse einschlägiger moderner Wörterbücher, Thesauri, Websites und Internetquellen zu diesem sprachlichen Phänomen sowie die Analyse von Slangwörtern aus verschiedenen Quellen, um ihre Bedeutungen und Herkunft zu klären. Die methodologische Grundlage der Untersuchung stützt sich auf neuere semasiologische und lexikologische Forschungen und setzt entsprechende Methoden voraus: die Analyse von Wortdefinitionen sowie eine vergleichende, komponentielle, lexikalisch-semantische und stilistische Analyse.
Die Untersuchung ergab, dass das Lexem „Aussie“ im zeitgenössischen australischen Slang vier Hauptbedeutungen hat: die Hauptbedeutung – „Australien“ (Grundsem „Land“), die abgeleiteten Bedeutungen – „ein Australier“ / „Australier“ (Grundsem „Einwohner“ bzw. „Einwohner“), „australisches Englisch“ (Grundsem „Sprache“) und „australischer Dollar“ (Grundsem „Geld“). Die Haupt- und die abgeleiteten Bedeutungen spiegeln sich in den lexikalisch-semantischen Beziehungen „Ganzes–Teil“ wider. Jede Bedeutung (LSV) bildet eine Synonymreihe von Slangbezeichnungen – Wörtern und Wortverbindungen –, die in folgender Anzahl angegeben werden: „Australien“ – 13, „ein Australier“ – 170, „australisches Englisch“ – 3, „australischer Dollar“ – 45.
Die lexikalisch-semantische und stilistische Analyse der Synonyme ergab: a) ihre Bildungsweisen – Affigierung, Komposition, Kürzung, Abkürzung, hypokoristische Kürzung, Kontaminationen (Wortverschmelzungen), (Wiederholungs-)Iteration; b) Benennungsprozesse – Periphrase, metaphorische oder metonymische Übertragung, Antonomasie, Alliteration, Assonanz, Onomatopöie, Reim, Ablaut / Gradation, Allusion; c) semantische Merkmale, die ihre Bildung erleichtern – Farbe, Größe, Material, Funktion, Erscheinung, sozialer Status, Ort, Klima, Freizeitbeschäftigung, Gefühl.
Der Artikel eröffnet Perspektiven für die weitere Erforschung des australischen Slangs unter verschiedenen Gesichtspunkten: a) historisch – Entwicklungen in folgenden Zeiträumen: die Kolonisierung des Kontinents im 18.–19. Jahrhundert, der Goldrausch (1850), der Erste Weltkrieg, die Nachkriegsimmigration (1945–1960), das Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts; b) sprachlich-kulturell – Quellen, aus denen Slangwörter aus englischen Dialekten, den Sprachen der Aborigines und anderen Sprachen entlehnt werden können; c) soziokulturell – die Herkunft von Slangwörtern aus verschiedenen sozialen Bereichen und Subkulturen: Politik, Wirtschaft, Militär, Sport, Internetkommunikation, Gespräche von Gefangenen, Jugendlichen, Bushido- und Strandspielern.
Eingegangen am 2. April 2020.
LIUDMYLA NAUMENKO
Institut für Philologie, Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Kyjiw T. Schewtschenko-Boulevard 14, Kyjiw 01060 Ukraine v–[email protected]