Page 1Asta MITKEVIČIENĖ
Institut für Litauische Sprache
BEZEICHNUNGEN DER GATTUNGEN VON EPIK, LYRIK UND DRAMA SOWIE ANDERER KLASSIFIKATIONSEINHEITEN IN DEN ERSTEN LITAUISCHEN LEHRBÜCHERN DER LITERATURTHEORIE
1. Einleitende Bemerkungen
Nicht selten hört man die Auffassung, die Terminologie der Literaturwissenschaft sei besonders wenig litauisch. War das schon immer so? Dieser Artikel widmet sich einer der wichtigsten Gruppen literaturwissenschaftlicher Termini, die während der Entstehung der heutigen Terminologie dieses Fachs verwendet wurden – den Bezeichnungen der Gattungen von Epik, Lyrik und Drama sowie anderer Klassifikationseinheiten in den ersten litauischen Lehrbüchern der Literaturtheorie. Dabei beschränkt sich die Untersuchung nicht auf die Herkunft der Termini allein: Erörtert wird auch ihre Synonymie, und einige weitere Aspekte ihres Gebrauchs werden angesprochen.
Das Material wurde K. Bizauskos Theorie der Schrift- und Literaturwissenschaft (Teil 1, 1918) und der dritten, ergänzten und überarbeiteten Auflage Literaturtheorie1 entnommen, ferner beiden Ausgaben von M. Gustaitis’ Stilistik (1923 und 1927), drei verschiedenen Ausgaben des Lehrbuchs von J. Norkus Literaturtheorie (Grundprinzipien der Prosa und der Poesie) (1923, 1926, 1930), St. Čėsūnas Theorien der Poesie und Prosa (1925) sowie J. Ambrazevičius’ Buch Literaturtheorie. Poetik (vierte Auflage, 1938²) zusammengestellt – das heißt, aus allen in der Zwischenkriegszeit erschienenen (ersten) speziellen Arbeiten zur Literaturtheorie. Warum wurden gerade Arbeiten zur Literaturtheorie ausgewählt? Wie J. Girdzijauskas feststellt, gab es bis zum Lehrbuch von K. Bizauskas „nur Bruchstücke theoretischer Überlegungen zur Literatur“ (Girdzijauskas 1993: 115). Obwohl sich in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die grundlegenden Begriffe und Vorstellungen in der Literaturkritik bereits herausgebildet hatten oder gerade herausbildeten (siehe ebenda),
1 Die zweite Ausgabe von K. Bizauskas’ Lehrbuch erschien ohne jegliche Änderungen (ebenfalls nur Teil I), und die vierte wurde, wie im Vorwort angegeben, nur geringfügig überarbeitet; die Termini blieben dieselben. J. Jablonskis rezensierte 1920 die zweite Ausgabe des Lehrbuchs und kritisierte sie scharf (Jablonskis 1933: 181–183).
2 Pirmieji leidimai – 1930, 1933, 1936 m. Ketvirtasis leidimas (1938 m.) pasirinktas todėl, kad tai paskutinis iki karo išleistas literatūros teorijos vadovėlis, atspindintis ketvirtojo dešimtmečio literatūrologijos terminų vartoseną.
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Page 2hatte oder entwickelte sich, wie gesagt, ein System von Begriffen (und zugleich der Termini selbst) am deutlichsten erst in literaturtheoretischen Arbeiten³. Übrigens versuchten gerade die Autoren der genannten Lehrbücher zur Literaturtheorie als Erste, die Termini Erzählung, Novelle zu definieren (Sprindytė 1996: 26; LLE 2001).
Die Lehrbücher unterscheiden sich selbstverständlich in ihrem fachlichen und sprachlichen Niveau sowie in ihrem Umfang. Auch die literaturwissenschaftliche Ausbildung der Autoren war unterschiedlich: K. Bizauskas studierte in Moskau Jura; M. Gustaitis studierte neben weiteren Studien im Westen Literatur- und Kunstgeschichte an der Universität Freiburg; J. Norkus schloss sein Geschichtsstudium an der Litauischen Universität ab; J. Ambrazevičius studierte Literatur an der Litauischen Universität, an der er später selbst lehrte, sowie an der Universität Bonn (LLE 2001; VLE III 2003, VII 2005; LE XX 1960). Auch die Bewertung der Lehrbücher zum Zeitpunkt ihres Erscheinens war unterschiedlich. J. Jablonskis kritisierte, wie bereits erwähnt, die zweite Ausgabe von K. Bizauskas’ Lehrbuch. Das nach einer Arbeit von D. Ovsianiko-Kulikovski zusammengestellte Lehrbuch von St. Čėsūnas erklärte die Prüfungskommission für wissenschaftliche Lehrmittel und Bücher des Bildungsministeriums für den Schulgebrauch ungeeignet (wohl aber beispielsweise für Lehrkräfte geeignet) (ŠD 1925: 1243); es erschien nur ein einziges Mal. Im dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde in den Schulen vermutlich vor allem das Lehrbuch des Lehrers J. Norkus verwendet (Misevičius 1930: 733).
Für die Geschichte der literaturwissenschaftlichen Terminologie ist das Vorwort zur Ausgabe des Lehrbuchs von K. Bizauskas aus dem Jahr 1922 Vorwort von großer Bedeutung. Der Autor schreibt, er habe die literaturwissenschaftlichen Termini der Terminologiekommission⁴ vorgelegt, die sie „in einer ganzen Reihe von Sitzungen erörterte, aber noch nicht endgültig festlegte“⁵; daher veröffentliche er das Lehrbuch „unter Berücksichtigung“
3Bezeichnungen der Gattungen von Epik, Lyrik und Drama sowie anderer Klassifikationseinheiten wurden beispielsweise bereits in literaturgeschichtlichen Arbeiten verwendet, die man ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zu veröffentlichen begann. Da diese Arbeiten jedoch die noch junge litauische Literatur behandeln, kann die Zahl der Termini in den hier untersuchten thematischen Gruppen ebenfalls nur begrenzt sein.
4K. Bizauskas’ Aufmerksamkeit für die Terminologie belegt folgender Gedanke von ihm: „Die Festlegung der Termini ist nicht die Angelegenheit eines einzelnen Interessierten oder Autors, sondern eine gemeinsame Angelegenheit von uns allen“ (Biz, 4).
5Die Terminologiekommission beauftragte J. Tumas 1921 mit der Bildung einer kleinen Kommission für literarische Termini und schlug vor, L. Gira und V. Krėvė dazu einzuladen. Die kleine Kommission legte der Kommission eine Liste der literaturwissenschaftlichen Termini von K. Bizauskas vor, die in sieben Sitzungen erörtert wurden. An allen Sitzungen nahm J. Jablonskis teil, an fünf davon K. Būga. Die meisten Sitzungen leitete A. Smetona; ihr Sekretär war A. Vireliūnas. Häufig nahmen P. Mašiotas und A. Dambrauskas an den Sitzungen teil. K. Bizauskas nahm nur an einer Sitzung teil. Leider veröffentlichte die Terminologiekommission keine Beschlüsse zu den Termini der Literaturwissenschaft, anders als zu denen des Rechts, des Straßenwesens, der Geografie und anderer Bereiche.
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Page 3unter Berücksichtigung der Anmerkungen der Terminologiekommission“ (Biz3 3). Für die Ratschläge dankt er besonders auch K. Būga und J. Jablonskis. Am Ende von J. Gustaitis’ Stilistikos ist ein Terminų sąrašas eingefügt (Gattungsbezeichnungen sind darin nur vereinzelt vertreten).
Die Termini werden in den Lehrbüchern auf sehr unterschiedliche Weise behandelt: Sie werden definiert, erörtert, beschrieben oder lediglich aufgezählt; außerdem werden Veränderungen der durch die Termini bezeichneten Begriffe sowie die Herkunft einiger Termini aufgezeigt. So heißt es beispielsweise: „Heutzutage bezeichnet man als Balladen kleine epische Werke, deren Inhalt viel Ungewöhnliches und Phantastisches aufweist <~>. Die Ballade hat ihren Ursprung in Südfrankreich, in der Provence. Die Volkssänger der Provence, die Troubadoure, zogen von Burg zu Burg und priesen die Rittertaten. Mit diesem Gesang gingen Tänze einher; deshalb nannte man diese Lieder Balladen (ballare – tanzen). Über Frankreich gelangten die Balladen nach England und Deutschland, wo man damit epische Werke fantastischen Inhalts zu bezeichnen begann“ (Biz3 154–155). Die Termini werden in den Lehrbüchern klassifiziert. Im Lehrbuch von J. Ambrazevičius findet sich ein Schema der Literaturtheorie, das die Hierarchie der darin aufgenommenen Termini erkennen lässt.
Gattung und andere Klassifikationstermini. Der Terminus žanras wird etwas häufiger nur im Lehrbuch von J. Ambrazevičius verwendet (vgl. baladės žanras Am4 90, poemos žanras Am4 98, romano žanras Am4 102 usw.). Doch auch die Arten der schönen Literatur werden als žanrais bezeichnet: Epos, Lyrik, Drama (Am4 89). In den Lehrbüchern von M. Gustaitis (1927) und J. Norkus finden sich nur wenige Belege für die Verwendung von žanro. Meistens bezeichnen alle Autoren sowohl die literarische Gattung als auch die Genreform mit dem Terminus rūšis, seltener mit forma (z. B.: Biz3 145, Nor1 46, Nor2 50, Am4 98), skyrimi (z. B. Čes 50). Als Rūšimi wird auch eine der Gattung untergeordnete Klassifikationseinheit bezeichnet, für die heute häufig unterschiedliche Benennungen verwendet werden. In der traditionellen litauischen Literaturwissenschaft lautet dieser Klassifikationsterminus häufig (žanrinė) forma, (žanrinis) tipas, modelis (siehe Zaborskaitė 1982, LTA 1982). Als Tipais werden zum Beispiel auch Lyrikarten bezeichnet: išpažintinė lyrika, filosofinė lyrika usw. (siehe Zaborskaitė 1982). In diesem Artikel geht es um Bezeichnungen für Gattungen und Genreformen sowie um Bezeichnungen für die Arten des Epos, der Lyrik und des Dramas.
In den ausgewählten Lehrbüchern wird neben der Literatur auch die Folklore behandelt; die Folkloretermini werden in diesem Artikel jedoch nicht eigens untersucht (sie dienen lediglich zum Vergleich mit literaturwissenschaftlichen Termini) und nicht in die Gesamtzahl der Termini einbezogen. Andererseits lässt sich die Folklore nicht immer ausklammern, da die Grenze zwischen literarischen und folkloristischen Gattungen nicht immer eindeutig ist. Bei der Erfassung der Termini für den Artikel stützte man sich hauptsächlich auf V. Zaborskaitės Literatūros mokslo įvadas (1982) und auf die von V. Kubilius herausgegebene Literatūros
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Page 4teorijos apybraiža (1982), literatūrologijos terminų žodynais, taip pat tautosakos darbais. Šiame straipsnyje aptariami 276 epo, lyrikos, dramos rūšių, žanrų ir žanrinių formų pavadinimai, neskaitant variantų. Tie terminai sudaro 44 nevienodo ilgio sinonimų eilutes.
2. Epos, Lyrik, Drama
Fast alle Autoren verwenden die Termini epas6 Biz₃, 137, Gus₁ 4, Gus₂ 4, Nor₁ 43, Nor₂ 47, Nor₃ 60, Češ 49, Am₄ 71 (Biz₃ 64 enthält einen zusammengesetzten Terminus mit der Variante eposas – poetiškas eposas), lyrika Biz₃ 137, Gus₁ 4, Gus₂ 4, Nor₁ 55, Nor₃ 72, Am₄ 71 / lirika Nor₂ 47, Češ 81, drama Biz₃ 138, Gus₁ 4, Gus₂ 4, Am₄ 71 zur Bezeichnung der jeweiligen literarischen Gattung. Es ist jedoch anzumerken, dass epas in den Lehrbüchern durch den Terminus epinė poezija Biz₃ 137, Nor₁ 43 / epinė poezija Nor₃ 60, Češ 49, Am₄ 94, lyrika – lyrinė poezija Biz₃ 137, Nor₁ 72 / lyrinė poezija Nor₂ 58 / lyrinė poezija Nor₃ 22, Češ 7, lyriškoji poezija Biz₃ 165, Nor₁ 55, drama – draminė poezija Biz₃ 138, Nor₁ 62 / draminė poezija Nor₂ 64 oder dramatinė poezija Češ 57 ersetzt wird. Es zeigt sich, dass K. Bizauskas und J. Norkus zusammengesetzte Termini besonders bevorzugen. J. Ambrazevičiui reichen meist die Termini epas, lyrika, drama.
Die Bezeichnungen für Werke des Epos, der Lyrik und des Dramas variieren in den Lehrbüchern stark. Es entstehen recht lange Synonymreihen, zum Beispiel: lyrinis veikalas Biz₃ 137, Nor₁ 58, Nor₃ 75 / lirinis veikalas Nor₂ 62 – lyriškas veikalas Biz₃ 165 – lyrikos veikalas Biz₃ 166 – lyrinis dailės veikalas Biz₃ 167 – lyrinis kūrinys Biz₃ 179, Nor₁ 56, Nor₃ 73, Am₄ 110 / lirinis kūrinys Nor₂ 60 – lyrinės poezijos kūrinys Češ 59. Diese Dreiwortverbindungen ließen sich als Langformen der Termini auffassen. Die meisten Synonyme finden sich in der dritten Auflage von K. Bizauskas’ Lehrbuch, während J. Ambrazevičius Synonymie vermieden hat – dort gibt es ausschließlich lyrinis kūrinys. Bezeichnungen für Werke des Epos und des Dramas werden von mehr Autoren synonym verwendet, zum Beispiel: epinis veikalas Biz₃ 137, Gus₁ 57, Gus₂ 62, Nor₁ 43, Nor₂
6 Heute werden sowohl epas als auch epika im Sinne der erzählenden Literatur verwendet (der Terminus epika dürfte sich verbreitet haben, weil man unterschiedliche Begriffe durch unterschiedliche Benennungen ausdrücken wollte; vgl. romanas – romanistika, novelė – novelistika, humoras – humoristika usw.). In neueren Publikationen (zum Beispiel VLE V 2004) wird der kürzere Terminus bevorzugt.
7 Die Beispiele für Synonyme und Varianten sind im Artikel chronologisch angeordnet, damit der Wandel der Termini deutlicher erkennbar ist.
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Page 547, Nor₃ 61, Am₄ 98 – episches Werk Biz₃ 154, Am₄ 89 – Eposwerk Nor₁ 43, Nor₂ 47, Nor₃ 61, Am₄ 89 – Eposdichtung Nor₁ 56 – episches Werk Nor₂ 59, Nor₃ 57, Dramenwerk Biz₁ 12, Biz₃ 25, Nor₁ 10, Nor₂ 10, Nor₃ 13, Am₄ 14 – dramatisches Werk Biz₃ 137, Nor₁ 62, Nor₂ 64, Am₄ 111 – Dramendichtung (Gus₁ 231 / Dramendichtung Češ 57 – dramatisches Werk Češ 57 – dramatische Dichtung Nor₃ 56, Am₄ 121 und die lange Form Werk dramatischer Poesie Am₄ 121 (wie zu sehen ist, verwenden mehrere Autoren gern lange Formen). Ein kleines Epos nennt J. Norkus mit dem Terminus kleines episches Werk Nor₁ 52, Nor₂ 55; J. Ambrazevičius führt den Terminus kleines episches Werk Am₄ 122 ein. Diese große Synonymie ist auf den nicht gefestigten Ausdruck der Nebenbestimmungen und den synonymischen Gebrauch von Dichtung und Werk zurückzuführen.
3. Einwortige Termini
Der größte Teil (etwa 71%) der einwortigen Termini (von 69 gefundenen) der thematischen Gruppe sind internationale Termini. Die Bezeichnungen der Dramen- (und Theater-)gattungen stechen hervor – es gibt keinen einzigen litauischen Terminus. Diese Termini werden auch heute in derselben Form verwendet, z. B.: drama Biz₃ 185, Gus₁ 210, Gus₂ 204, Nor₁ 63, Nor₂ 47, Nor₃ 58, Am₄ 116, farsas Biz₃ 198, Češ 57, Am₄ 122, feerija Biz₃ 198, Am₄ 122 (fejerija TŽŽe 2002, feerija VaitkTŽŽe 2003), komedija Biz₃ 185, Nor₁ 63, Nor₂ 66, Nor₃ 58, Češ 57, Am₄ 115, melodrama Biz₃ 198, Češ 58, Am₄ 122, misterija Biz₃ 198, Češ 75, Am₄ 122, pjesė Am₄ 122, tragedija Biz₃ 185, Nor₁ 63, Nor₂ 66, Nor₃ 58, Češ 57, Am₄ 115, vodevilis Biz₃ 198, Češ 57, Am₄ 122. Als einziges setzte sich moralitetas Biz₃ 199 in einer anderen Form durch – moralitė (vgl. LTŽ 1962; Zaborskaitė 1982; TŽŽe 2002).
Gesondert zu erörtern ist der Terminus drama, der in der Bedeutung einer einzelnen Dramagattung verwendet wird. K. Bizauskas, J. Norkus und J. Ambrazevičius beseitigen im Text die Mehrdeutigkeit des Terminus drama, indem sie zur Bezeichnung einer Dramagattung Drama im engeren Sinne Biz₃ 185, Nor₁ 67, Nor₂ 70, Drama (im engeren Sinne) Nor₁ 66, Nor₂ 69 oder Drama (in engerer Bedeutung) Am₄ 116 / Drama in engerer Bedeutung Am₄ 121 verwenden (J. Ambrazevičius ist genauer). Übrigens verwendet St. Češūnas den Terminus drama noch in einer weiteren Bedeutung – „Tragödie“: „Oft hat der Terminus d r a m a eine solche Bedeutung, das heißt, er bezeichnet nicht irgendein dramatisches Werk, sondern nur ein t r a g i s c h e s“ (Češ 57). Dieser Gebrauch könnte durch die nichtterminologischen Bedeutungen der Wörter drama und tragedija bedingt sein (vgl. DŽ₅ 2003
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Page 6Drama 3. übertragen „großes Unglück, das seelisches Leid verursacht“ und tragedija 2. übertragen „großes Unglück, schreckliches Ereignis“).
Die Bezeichnungen der Gattungen und Werkarten des Epos und der Lyrik8 sind unterschiedlicher Herkunft. Zweifellos gibt es überwiegend internationale Termini, z. B.: Bukolik Biz3 156, Ekloge Biz3 156 (Ekloge LTŽ 1962, TŽŽe 2002, VaitkTŽŽe 2003, Ekloge Zaborskaitė 1982), Epigramm Biz3 178, Nor3 67, Češ 64, Epinikien Biz3 172, Epitaph Biz3 179, Epos Biz3 146, Nor3 71, Češ 51, Am4 96, Skizze Gus1 130, Gus2 137, Feuilleton Gus1 177, Gus2 178, Hymne Biz3 175, Gus1 62, Gus2 67, Nor2 64, Nor3 77, Češ 62, Am4 110, Humoreske Biz3 164, Jamben Biz3 178, Am4 111, Chronik Biz3 102, Gus1 106, Gus2 115, Češ 68, Am4 27, Memoiren Biz3 99, Gus1 113, Gus2 121, Nor1 36, Nor2 43, Nor3 50, Češ 68, Am4 27, Nachruf Biz3 106, Gus1 122, Gus2 129, Novelle Biz3 145, Gus1 4, Gus2 4, Nor3 68, Am4 80, Pamphlet Am4 110, Pasquill Biz3 177, Pastorale Am4 98, Psalm Biz3 175, Češ 62, Roman Biz1 12, Biz2 25, Gus1 4, Gus2 4, Nor1 5, Nor2 3, Nor3 3, Češ 6, Am4 7, Romanze Biz1 61, Biz3 91 usw. Die Autoren verwenden den Terminus Epos nicht im selben Sinne – K. Bizauskas, St. Češūnas und J. Ambrazevičius bezeichnen damit (lange) Heldenepen, J. Norkus dagegen einen bestimmten Roman (zum Beispiel Cervantes’ Don Kichotą).
In den Lehrbüchern werden auch die internationalen Termini Rondeau Biz3 179, Gus1 236, Gus2 77, Sonett Biz1 62, Biz2 92, Gus1 65, Gus2 77, Češ 36, Am4 74, Triolet Biz3 179, Gus1 64, Gus2 73, Am4 74. Die Autoren beschreiben die mit diesen Termini bezeichneten Begriffe unterschiedlich. So charakterisiert K. Bizauskas Sonett, Triolet und Rondeau, St. Češūnas das Sonett als eine bestimmte Art von Gedicht („Sehr viele lyrische Gedichte haben einzelne Bezeichnungen nicht nach dem inneren Gehalt, sondern nach Merkmalen der Verskunst“ (Biz3 179)), während M. Gustaitis sie schlicht als bestimmte Reimarten behandelt. J. Ambrazevičius beschreibt den Gebrauch solcher Termini am klarsten: „Einige Strophenstrukturen werden häufiger verwendet und haben bestimmte Namen. Mit diesen Namen werden auch
8 Die Bezeichnungen der Gattungen und Gattungsformen des Epos und der Lyrik werden gemeinsam erörtert, da sie sich nicht immer eindeutig einer oder der anderen literarischen Gattung zuordnen lassen, etwa Ballade; außerdem werden in den untersuchten Lehrbüchern manche Gattungen, beispielsweise Idylle, dem Epos zugeordnet, während sie heute gewöhnlich als lyrische Gattung gilt (siehe Zaborskaitė 1982: 155).
9 Der Artikel behandelt auch Termini, die Gattungen aus dem paratextuellen Bereich bezeichnen, der sogenannten Faktenliteratur (Termini aus LTA 1982: 265; Zaborskaitė 1982: 173).
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Page 7„ganze Gedichte, die aus solchen Strophen bestehen“ (Am4 74). K. Bizauskas und J. Ambrazevičius betrachten außerdem den Terminus Oktave Biz3 179, Am4, 74, als Bezeichnung eines bestimmten Gedichts; J. Ambrazevičius verwendet Terzinen Am4 / Terzine Am4 74 (durchgesetzt hat sich Terzine); heute werden diese Bezeichnungen meist als Namen bestimmter Strophen verstanden (vgl. LTŽ 1998). Bemerkenswert ist, dass sowohl K. Bizauskas als auch M. Gustaitis Rondeau verwenden – eine flektierte Variante des Terminus (heute Rondo), obwohl im ersten Lehrbuchdruck des letztgenannten Autors das Kapitel über das Rondo rondeau Gus1 236 überschrieben ist (die nicht litauisierte Variante ist auch in das Terminverzeichnis der genannten Ausgabe aufgenommen).
K. Bizauskas ordnet den Begriffen der Epik die Termini arabeska (-as?) Biz3 164 (heute „eine bestimmte Darstellungsweise“ (ЛЭТП 2001: 49)) und siluetas Biz3 164 (?) zu, erklärt sie jedoch nicht, sondern führt sie lediglich auf. Im Lehrbuch von St. Čėšunas wird der Terminus cona (eine Form der Liebeslyrik) verwendet, Čėš 63. Vielleicht ist damit die Kanzone gemeint?
Die Formen internationaler Termini, die in den Lehrbüchern verwendet werden, sind noch nicht endgültig festgelegt; es gibt Varianten, zum Beispiel: autobiografija Biz3 99 / autobiografija Gus1 121, Gus2 129, Nor1 36, Nor2 44, Nor3 51, Čėš 68, Am4 28, baladė Biz3 145, Nor3 65, Am4 90 / balada Nor1 46, Nor2 50, Čėš 50, bijografija Biz1 64, Biz3 99 / biografija Gus1 106, Gus2 115, Nor1 36, Nor2 43, Nor3 50, Čėš 68, Am4 27, elegija Biz3 171, Nor1 58, Nor2 61, Nor3 75, Am4 109 / elegija Čėš 63, idilė Biz1 145, Am4 98 / idilija Nor2 50, Čėš 50, odė Biz3 171, Nor1 75, Am4 109 / oda Nor1 58, Nor2 61, Čėš 62, poema Biz1 12, Biz3 25, Gus1 62, Gus2 56, Nor1 46, Nor2 50, Nor3 62, Čėš 6, Am4 79 / poema Gus1 88, satira Biz3 171, Nor2 61 / satyra Nor1 58, Nor3 75, Am4 109 usw. (zu den Varianten siehe ausführlicher Mitkevičienė 2004). Interessantere Varianten sind analai Biz3 102 / annatai Gus1 106, Gus2 115. Neben den genannten poemos / poeṁos verwendet M. Gustaitis den Hybridbegriff poemėlė Gus2 72 oder poemėlė Gus1 235, dessen Diminutivbedeutung durch das Adjektiv smulkesnė „kleiner“ noch verstärkt wird.
Die Bezeichnungen litauischer Gattungen und Werkarten sind ungefähr zweieinhalbmal seltener. Dazu gehören apybraiža Čėš 56, apysaka Biz1 12, Biz3 25, Gus1 4, Gus2 4, Nor1 5, Nor2 3, Nor3 3, Čėš 6, Am4 7, apsakymas Biz3 145, Nor1 54, Nor2 58, Čėš 5, Am4 104, atsiminimai Biz1 64, Biz3 103, Nor1 36, Nor2 43, Nor3 50, Čėš 68, dienynas Gus1 120, dienoraštis Biz3 102, Gus2 128, Am4 27, eilėraštis Biz1 93, Gus1 48, Gus2 51, Nor1 8, Nor2 6, Nor3 10, Čėš 59, Am4 7, gyvenimai Gus1 122, Gus2 130 „hagiografisches Werk (Heiligengeschichten)“, išpažintis Biz3 106, Gus1 121, Gus2 129, kelionraštis Gus1 100,
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Page 8Gus2 110 (offenbar analog zu dienoraščiu, metraščiu gebildet), metraštis Biz1, 64, Biz3 99, Gus1 106, Gus2 115, Nor1 36, Nor2 43, Nor3 50, Čėš 54, Am4 27, pasakėčia Biz3 20, Gus1 60, Gus2 65, Nor1 18, Nor2 21, Nor3 29, Čėš 24, Am4 11, pasakojimas Am4 100, paveikslas Nor1 54, Nor2 58, užrašai Biz3 99, Gus1 106, Gus2 115, Nor1 36, Nor2 43, Nor3 53, Am4 27, vaizdelis Biz3 164, Am4 9 usw. Alle aufgeführten litauischen Termini sind Ableitungen (entweder terminologisierte Wörter, etwa gyvenimai, oder eigens zur Bezeichnung literaturwissenschaftlicher Begriffe gebildet). Daneben werden neben heute geläufigen Termini auch litauische Diminutive verwendet, zum Beispiel: apysakaitė Am4 81, apsakymėlis Biz3 164, Nor1 54, Nor2 58, Nor3 68, metraštėlis Nor2 74. Der Terminus metraštėlis kommt nur in der zweiten Ausgabe des Lehrbuchs von J. Norkus vor (unklar ist, warum das Diminutiv gewählt wurde). In der dritten Ausgabe steht an derselben Stelle metraštis Nor3 82. Den Terminus apysakaitė verwendet ausschließlich J. Ambrazevičius. So bezeichnet er Šatrijos Raganos Vincą Stonį (ein Buch von 146 Seiten). K. Bizauskas setzt apsakymo ir apsakymėlio nicht gleich (Letzteres erwähnt er zusammen mit solchen „epischen Formen“ wie vaizdeliai, humoreskos usw.); J. Norkus führt die Termini nebeneinander auf, räumt jedoch apsakymui10 den Vorrang ein (in der Ausgabe von 1930 wird apsakymas nicht mehr als Bezeichnung einer bestimmten Gattung verwendet). Übrigens ist zu erwähnen, dass kleine und mittellange Prosawerke während der Entwicklung der litauischen epischen Prosa-Gattungen (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts) sehr unterschiedlich bezeichnet wurden (meist auf Litauisch!), zum Beispiel: vaizdelis, pasaka, nusidavimas, paveikslas, apsakymėlis, viešinys, apysakutė, apysakaitė, apysaka, istorija und Ähnliches (Sprindytė 1996: 24–25). Wie J. Sprindytė feststellt, kann man erst seit den 1950er Jahren den Gattungsuntertiteln vertrauen (Sprindytė 1996: 15), obwohl auch später Novellen noch als Romane und Erzählungen als Novellen bezeichnet wurden. Die Autoren der untersuchten Lehrbücher stützen sich auf die Untertitel der Werke. So bezeichnen M. Gustaitis, J. Norkus und J. Ambrazevičius den Roman Algimantas von V. Pietaris mit dem Terminus apysaka, das heißt alle Autoren, die das Werk erwähnen, da es mit diesem Untertitel veröffentlicht wurde. Nur Letzterer fügt die Anmerkung hinzu, dass die Autoren dieses und andere Werke als Novellen bezeichnen …
10 Interessanterweise bezeichnet J. Norkus Palangos Juzę als apsakymu ir apsakymėliu Nor3 35, Nor2 42, Nor3 50 (möglicherweise wird damit nicht die Gattung des Werks, sondern seine Art – ein erzählendes Werk – bezeichnet, der Terminus also in einer anderen Bedeutung verwendet). Apsakymėlis war, wie A. Zalatorius sagt, „lange Zeit sogar populärer als a p s a k y m a s, doch später begann a p s a k y m a s nach und nach a p s a k y m ė l į zu verdrängen“ (Zalatorius 1971: 19).
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Page 9…komischen, obwohl zum Beispiel Algimantas eher einem Roman ähnelt (Am4 103). Dass keine Unterscheidung getroffen wurde, zeigt sich daran, dass M. Gustaitis ein gemeinsames Beispiel für Novelle und Erzählung anführt (Žemaitės Kalėdos).
Nach den Angaben von A. Zalatorius war im dritten und vierten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts der Begriff novelė vorherrschend, nicht apsakymas11 (Zalatorius 1980: 7–8). Auch in den Lehrbüchern aus dem untersuchten Zeitraum ist ein allmählicher Übergang zu novelės zu erkennen. K. Bizauskas bezeichnet mit den Begriffen novelė und apsakymas unterschiedliche Konzepte und definiert sie: „Ein erzählendes Werk von geringem Umfang heißt a p s a k y m a s. Gewöhnlich schildert eine Erzählung ein einziges Erlebnis, charakterisiert meist eine Person, bemüht sich nicht, das Leben in seiner ganzen Fülle darzustellen, sondern ist gleichsam eine Episode, ein Moment aus dem Leben der Figuren. Die N o v e l l e verhält sich zum Roman wie die Ballade zum romantischen Epos. Sie ist eine kleine dichterische Erzählung über ein einzelnes Erlebnis, die gewöhnlich auf Wirklichkeit beruht, aber die Einzelheiten der Charakterisierung nicht ausschöpft“ (Biz3, 164). J. Norkus verwendet in den ersten beiden Auflagen seines Lehrbuchs den Begriff apsakymas als Bezeichnung für bestimmte kürzere Erzählwerke (außerdem nennt er die Begriffe apsakymėlis, paveikslas und merkt an, dass Letzterer nur gelegentlich gebraucht wird). Im Lehrbuch von 1930 wird im Unterschied zu den früheren Auflagen nur die Novelle beschrieben, obwohl unmittelbar daneben der Begriff apsakymėlis erwähnt wird. Auch J. Ambrazevičius behandelt nur die Novelle, merkt jedoch an, dass „neben der Novelle epische Werke kleineren Umfangs bestehen, die auch anders genannt werden: apysakaitė, apsakymas, vaizdelis“ (Am4 104). Anhand des in den Lehrbüchern enthaltenen Materials zu den Beziehungen zwischen den Bezeichnungen für Prosagattungen (zum Beispiel dazu, welche Begriffe synonym sind und welche nicht) lässt sich nur schwer ein Urteil bilden.
Gesondert zu erörtern ist der Begriff eilėraštis, denn nicht überall bezeichnet er ein (kleines) Verswerk. K. Bizauskas verwendet diesen Begriff ab der dritten Auflage des Lehrbuchs; damit wird jedoch Sprache in Versen, Versmaß bezeichnet („Als Gedichte bezeichnen wir metrische Sprache, die in rhythmische Abschnitte gegliedert ist, welche den Takten der Musik ähneln“ (Biz3 80)), obwohl gelegentlich auch Verse gemeint sind (vgl. mišros eilės Biz3 85, baltosios eilės Biz3 91) (in der ersten Auflage wurde der Begriff …
11 Wie A. Zalatorius feststellt, „trug keine bedeutendere Sammlung litauischer Kurzprosa, die im dritten und vierten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erschien, den Untertitel ‚Erzählungen‘; sehr viele Bücher wurden jedoch von ihren Autoren selbst als ‚Novellen‘ bezeichnet“ (Zalatorius 1980: 7).
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Page 10istVers Biz1 13). Auch in den Lehrbüchern von J. Norkus und St. Čėšūnas ist eine solche Verwendung des Gedichts Nor1 39, Nor2 6, Čės 6 zu beobachten; sie verwenden jedoch auch Vers Nor1 39, Nor3 6, Čės 30 (mitunter ist schwer zu unterscheiden, was im konkreten Fall mit diesem Begriff bezeichnet wird). M. Gustaitis verwendet diese Bedeutung überwiegend mit dem Begriff Vers Gus1 40, Gus2 39. J. Ambrazevičius stellt fest, dass „die äußerliche Form der Lyrik am häufigsten das Gedicht ist“ (Am4 107).
Hervorzuheben ist, dass K. Bizauskas in der Ausgabe seines Lehrbuchs von 1918 Fabeln sakmėmis¹² nennt: „Eine Ausnahme bilden vielleicht nur die Fabeln, in denen häufig moralische Lehren enthalten sind, die gewöhnlich ans Ende der Fabeln gestellt werden und in denen deren Idee liegt“ (Biz1 9). Im selben Jahr 1918 erschien Margalis Übersetzungssammlung mit 62 sakmi, obwohl sakmė in der Bedeutung „mündlich überliefertes Volkserzählgut“ laut den Daten des LKŽe bereits in das 1915 von A. Lalis zusammengestellte und in Chicago herausgegebene litauisch-englische Wörterbuch aufgenommen worden war; in dieser Bedeutung verwendete J. Šliūpas das Wort. Wie bekannt, wurden Fabeln bis zum 20. Jahrhundert pasakomis genannt (dieser Begriff findet sich auch in den Titeln damals erschienener Fabelbücher, zum Beispiel in der von L. Rėza zusammengestellten Sammlung Aisopas, arba pasakos)¹³. So wurden sie auch noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet (zum Beispiel in S. Čiurlionienės Iš mūsų literatūros von 1913 (S. 35) und an anderen Stellen). Wie sich zeigt, bemühte sich K. Bizauskas, die Begriffe „Märchen“ und „Fabel“ unterschiedlich zu bezeichnen; deshalb wurde wohl sakmė gewählt (in keinem der untersuchten Lehrbücher kommt der Begriff sakmė in der Bedeutung „mündlich überliefertes Volkserzählgut“ vor). In der Ausgabe von K. Bizauskas’ Lehrbuch aus dem Jahr 1922 wird im selben Satz bereits pasakėčios verwendet. Der Begriff pasakėčia findet sich in der zweiten Ausgabe von P. Klimo Lehrbuch Skaitymai lietuvių kalbos pamokoms, die 1918 (?) erschien; etabliert haben dürfte ihn J. Jablonskis (1920 erschien Rygiškių Jono Pasakėčios: Rinkinėlis kalbos mokslui).
Die Bezeichnungen für Gattungen und Arten von Werken der Volksüberlieferung sind im Gegensatz zu denen der Literatur überwiegend litauisch, zum Beispiel: burtažodžiai Am4 94, daina Biz1 46, Biz2 93, Gus1 46, Gus2 47, Nor1 5, Nor2 3, Nor3 61, Čės 8, Am4 8, dainelė Biz3 51, Nor1 8, Nor2 6, Nor3 10, giesmė Biz1 62, Biz2 93, Am4 96, mįslė Biz3 144, Gus1 10, Gus2 11, Nor1 19, Nor2 21, Nor3 29, Am4 45, rauda Biz1 48, Biz2 73, Gus1 45, Gus2
¹² Diese Bedeutung ist im LKŽe nicht verzeichnet.
¹³ Der Begriff pasaka bezeichnete im 19. Jahrhundert allgemein ein erzählendes (fabulierendes) Werk (Zalatorius 1971: 39).
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Page 1145, Nor₁ 57, Nor₂ 60, Nor₃ 73, Češ 62, Am₄ 108, Überlieferung Biz₃ 164, Am₄ 94, Märchen Biz₁ 42, Biz₃ 64, Gus₁ 4, Gus₂ 4, Nor₁ 7, Nor₂ 49, Nor₃ 10, Češ 50, Am₄ 7, Sprichwörter Biz₃ 118, Gus₁ 5, Gus₂ 6, Nor₁ 44, Nor₂ 21, Am₄ 45, Redensarten Gus₁ 149, Gus₂ 154, Nor₁ 44, Nor₂ 48, Češ 46, Sutartinė Nor₁ 57, Nor₂ 60, Nor₃ 73 usw. Internationale Termini der untersuchten thematischen Gruppe gibt es nur vereinzelt, z. B.: Legende Biz₃ 144, Gus₁ 19, Gus₂ 19, Nor₁ 32, Nor₂ 37, Nor₃ 6, Am₄ 94, Mythos Biz₃ 139, Nor₃ 68, Am₄ 91 / Mythos Nor₁ 44. Aus dem Russischen übernommen wurde die Bezeichnung Byline für eine Gattung der russischen Folklore, Biz₃ 142.
4. Zweigliedrige Termini
Einwortige Termini fungieren als Grundglieder von Gattungstermini; daher sind auch die Grundglieder zusammengesetzter Termini der untersuchten thematischen Gruppe überwiegend international (etwa 77% aller zusammengesetzten Termini)14. Verschiedene literarische Gattungen werden häufig anhand derselben Merkmale klassifiziert. Daher stimmen die Quellglieder der Termini, die unterschiedliche Begriffe bezeichnen, oft überein oder sind ähnlich.
Termini mit einem fremdsprachigen Bestimmungsglied.15 Termini mit einem fremdsprachigen Bestimmungsglied machen etwa 57,3% aller zweigliedrigen Termini aus. Als Bestimmungsglieder zweigliedriger Termini treten am häufigsten Adjektive mit dem Suffix -inis auf (etwa 57% der Termini), z. B.: antikes Drama Češ 57, Abenteuerroman Am₄ 102, didaktische Ode Biz₃ 173, didaktische Fabel Biz₃ 158, emotionale Lyrik Am₄ 106, phantastischer Reisebericht Gus₁ 100, Gus₂ 110, phantastischer Roman Nor₃ 71, Am₄ 102, philosophische Ode Biz₃ 173, Heldenpoem Biz₃ 147, Heldenepos Biz₃ 139, individuelles Lied Am₄ 109, individuelle Lyrik Am₄ 108, individuelles Poem Češ 52, individuelles Epos Am₄ 90, historische Erzählung Gus₁ 142, Gus₂ 148, Nor₁ 54, Nor₂ 58, Češ 50, historische Chronik Nor₃ 59, historisches Poem Biz₃ 153, historisches Epos Biz₃ 139, Nor₁ 45, Nor₂ 48, Nor₃ 44, Am₄ 93, historische Skizze Biz₃ 105, historischer
14 In diesem Aufsatz werden zusammengesetzte Termini ausschließlich nach der Herkunft ihrer Bestimmungs- (nicht aller) Glieder klassifiziert. Wird nämlich ein Artbegriff unter einem bestimmten Aspekt (z. B. dem der Psychologie) benannt, ist die Herkunft des Gattungsbegriffs (der häufig als Grundglied fungiert) unerheblich – das Artglied bleibt in jedem Fall dasselbe (z. B. psychologische Erzählung, psychologischer Roman).
15 Wörter oder Termini fremder Herkunft sind alte Entlehnungen, Internationalismen und Hybride.
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Page 12Roman Biz₃ 44, Nor₁ 54, Nor₂ 58, Nor₃ 70, Čes 50, Am₄ 102, klassische Komödie Biz₃ 194, Am₄ 120, klassische Ode Biz₃ 172 / klassische Ode Biz₃ 174, klassisches Poem Biz₃ 145, klassische Tragödie Biz₃ 187, Am₄ 117, klassisches Epos Biz₃ 145, mythisches Epos Biz₃ 138, moralische Erzählung Gus₁ 142, Gus₂ 148, naturgetreue Ode Biz₃ 172, patriotische Gedichte Am₄ 106, politischer Roman Nor₃ 70, psychologische Erzählung Gus₁ 142, Gus₂ 148, psychologischer Roman Am₄ 102, pseudoklassisches Drama Čes 57, pseudoklassische Idylle Biz₃ 156, pseudoklassische Komödie Biz₃ 195, pseudoklassische Lyrik Biz₃ 166, pseudoklassische Ode Biz₃ 172, pseudoklassisches Poem Biz₃ 145, Nor₂ 53 (und die Variante pseudoklassisches Poem Nor₁ 50, Nor₃ 65), pseudoklassische Tragödie Biz₃ 190, pseudoklassisches Epos Biz₃ 145, realistische Tragödie Am₄ 118, reflexive Lyrik Am₄ 106, religiöse Lyrik Čes 62, religiöse Ode Biz₃ 175, religiöse Gedichte Am₄ 106, ritterlicher Roman Biz₃ 162, romantisches Poem Biz₃ 146, moralische Satire Čes 64¹⁶, politische Satire Čes 64, satirische Lyrik Čes 64, sentimentale Erzählung Gus₁ 142, Gus₂ 148 usw. Einige Termini sind mit den Gliedern literarisch, episch, lyrisch gebildet, z. B.: literarisches Lied Am₄ 163, literarisches Märchen Am₄ 103, episches Poem Gus₁ 74, Nor₁ 54, Nor₂ 57, Nor₃ 61, lyrisches Poem Biz₃ 153, Am₄ 97, lyrische Gedichte Biz₃ 179, Nor₁ 56. Die Gruppe der Termini mit einem fremdsprachigen Bestimmungsglied ließe sich um Termini erweitern, deren Bestimmungsglieder mit dem Suffix -inis litauisierte Adjektive sind, z. B.: realistischer Reisebericht Gus₁ 100, Gus₂ 110, sozialer Roman Nor₃ 71, Am₄ 102.
Eine weitere umfangreiche Gruppe zweigliedriger Termini bilden Termini, deren Bestimmungsglied der Genitiv eines Substantivs fremder Herkunft ist (etwa 25,5% der Termini), z. B.: Kirchenhymne Gus₂ 53, Kirchenlied Biz₃ 144, Charakterkomödie Am₄ 121, philosophische Lyrik Čes 62, griechische Komödie Am₄ 120¹⁷, griechische Ode Biz₃ 172, griechische Tragödie Biz₃ 188, Nor₁ 64, Nor₂ 66, Nor₃ 58, Am₄ 117, Heldenepos Am₄ 93, Intrigenkomödie Am₄ 121, historische Erzählung Gus₁ 142, Gus₂ 148, Geschichtsepos Am₄ 90, historischer Roman Biz₃ 163, Gus₁ 142, Gus₂ 148, christliches Kirchenlied Biz₃ 175, Literaturepos
16 Eine umgekehrte Reihenfolge der Glieder ist ansonsten nicht üblich.
17 In diesem und einigen anderen Fällen (siehe unten) sollten zusammengesetzte Bezeichnungen mit Völkernamen als Termini und nicht als nomenklatorische Bezeichnungen gelten, da sie nicht irgendeine Erscheinung der Literatur des jeweiligen Volkes, sondern einen bestimmten historischen Gattungstyp bezeichnen.
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Page 13Biz₃, Nor₁ 43, Nor₂ 47, literarische Lyrik Biz₃ 167, Nor₂ 58, Nor₂ 74 / literarische Lyrik Nor₂ 6118, patriotische Lyrik Čes 62, Ode der Pseudoklassiker Biz₃ 175, religiöse Lyrik Čes 62, Ritterroman Nor₃ 70, Čes 53, Am₄ 102, römische Idylle Biz₃ 156, Satirepigramm Gus₁ 65, Satirelyrik Čes IV 64, Satireroman Biz₃ 163, allerdings passt dieser Genitiv nicht überall (z. B. patriotische Lyrik, religiöse Lyrik, Satireroman u. a.). Unklar ist, ob der nachgeordnete Bestandteil des Terminus Dramenchroniken Čes 57 im Genitiv oder im Nominativ steht („In Bezug auf Turin werden dramatische Werke in historische Werke (zu denen auch die sogenannten ‚Dramenchroniken‘ zählen) <...> eingeteilt“). Nur bedingt lässt sich der Personenname enthaltende Terminus Shakespeares Tragödie Nor₃ 58 dieser Gruppe zuordnen („Die Weltliteratur kennt drei bedeutende Arten der Tragödie: die altgriechische, die französische klassische Tragödie (17. Jh.) und Shakespeares Tragödie“ (Nor₃ 58)).
Zusammengesetzte zweigliedrige Termini werden seltener von einem hybriden Adjektiv mit dem Suffix -iškas gebildet, z. B.: humoristischer Roman Čes 54, lyrisches Liedchen Am₄ 99, poetische Biografie Biz₃ 159, poetisches Epos Biz₃ 64, ritterlicher Roman Biz₃ 162, romantisches Poem Gus₂ 231, Gus₂ 75, satirisches Lied Nor₁ 60, Nor₃ 76 / satirisches Lied Nor₂ 63, satirische Fabel Nor₂ 63 / satirische Fabel Nor₃ 76, satirischer Roman Am₄ 102, subjektives Poem Nor₃ 65; insgesamt selten sind ein internationales Adjektiv oder ein hybrides Partizip, z. B.: dramatisierte Erzählung Am₄ 122, dramatisiertes Poem Am₄ 122, lyrisches Epos Čes 56, subjektives Poem Nor₁ 50 / subjektives Poem Nor₂ 54. Pronominale Formen werden nahezu nicht verwendet (es gibt nur einen Terminus mit einem pronominalen nachgeordneten Bestandteil).
Außerdem kommen Varianten nachgeordneter Bestandteile vor, die auf unterschiedliche Anpassungen der Termini ans Litauische zu verschiedenen Zeiten zurückgehen. Solche Varianten waren im dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verbreitet (siehe Mitkevičienė 2004).
Termini mit litauischen nachgeordneten Bestandteilen. Als nachgeordneter Bestandteil tritt am häufigsten (bei etwa 37% der Termini) der Genitiv eines Substantivs auf, z. B.: Seinsepos Čes 50, Gegenwartsroman Biz₃ 163, Kunstepos Biz₃ 138, Nor₁ 43, Nor₂ 47, Kunstode Biz₃ 172, Kunstfabel Biz₃ 157, Kunstroman Biz₃ 163, Naturlyrik Čes 62, Festode Biz₃ 173, Kriegslied Čes 62, Kriegslyrik Čes 62, Heldenepos Čes 50, Am₄ 90, Reisebeschreibung Biz₃ 112, Gus₁ 88, Gus₂ 99, Nor₁ 35, Nor₂ 42, Nor₃ 49 / Reisebeschreibungen Biz₃
18 Literarisches Epos und literarische Lyrik sind Artbegriffe, die derselben Ebene angehören wie das Epos der Folklore, die Lyrik der Folklore.
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Page 14113, Reiseroman Nor3 70, Volksepos Biz3 138, Nor1 43, Nor2 74, Volkslyrik Biz3 167, Nor1 56, Nor3 72, Am4 108 / Volkslyrik Nor2 59, Liebesgedichte Češ 63, Liebeslyrik Češ 63, Bürgerdrama Biz3 197, Bürgerdrama Am4 121, Nichtheldenpoem Češ 50, Abenteuerroman Češ 55, Nor3 70, Am4 102, Lobode Biz3 173, Sittenkomödie Am4 121, Familienroman Biz3 197, Nor3 71, Am4 102, Folkloreepos Am4 90, Folklorelyrik Am4 108, Gesellschaftsroman Biz3 163, Gus1 142, Gus2 148; allerdings stehen ihnen Adjektive mit dem Suffix -inis kaum nach (etwa 30%), z. B.: Seinsnovelle Češ 50, Seinsroman Češ 50, künstliche Ode Biz3 172, Vers-Epos Am4 90, Gefühlslyrik Am4 106, Heldenpoem Am4 95, Heldenepos Biz3 139, Prosaepos Am4 90, Hirtenidylle Biz3 156, Schriftlyrik Am4 108, Schriftliche Novelle Nor3 68, Schriftepos Am4 90, mündliches Epos Biz3 138, Gesellschaftssatire Češ 64, sektenbezogene Ode Biz3 172, Familienroman Biz3 163, Familienroman Biz3 163, Volkslied Biz3 175, liturgisches Lied Biz3 144, gesellschaftliche Gedichte Am4 106, Gesellschaftsnovelle Gus1 142, Gus2 148, Gesellschaftsroman Nor3 71. Auch der Genitiv eines Substantivs ist in manchen Fällen, etwa in den Termini Kunstode, Lobode, nicht die geeignetste Wahl.
Einfache Adjektive (die meisten davon sind pronominale Formen) treten ebenfalls als nachgeordnete Bestandteile von Termini auf, z. B.: leichte Satire Biz3 177, der neue Roman Češ 55, die neue Komödie Am4 121, die neue Ode Biz3 173, das neue Poem Biz3 153, Am4 97, die neue Tragödie Nor1 64, Nor2 66, die ernste Satire Biz3 177 / die ernste Satire Am4 110, das alte Poem Nor2 53. Es gibt einige Termini, deren nachgeordneter Bestandteil ein litauisches Adjektiv mit dem Suffix -ingas ist. Termini mit solchen Adjektiven scheint M. Gustaitis besonders zu bevorzugen, z. B.: sinnreicher Feuilleton Gus1 177, Gus2 178, sinnreiche Monografie Gus1 130, Gus2 137, abenteuerliche Novelle Gus1 104 / abenteuerliche Novelle Gus2 113, abenteuerlicher Roman Gus1 104 / abenteuerlicher Roman Gus2 113; Kriegslied Češ 62.
Sowohl pronominale als auch nichtpronominale Partizipien bilden die nachgeordneten Bestandteile einiger Termini, z. B.: beschreibender Roman Biz3 163, beschreibendes Poem Am4 98, ungereimte Lyrik Am4 107, verspottende Satire Am4 110, lehrhafter Roman Biz3 163 und lehrhafter Roman Biz3 197, reflektierende Lyrik Am4 106, gesprochene Lyrik Biz3 167, verspottetes Poem Biz3 149, Nor1 50, Nor2 53, Nor3 65, Am4 95, gereimte Komödie Biz3 197. Aus den Beispielen ist ersichtlich, dass litauische nachgeordnete Terminbestandteile häufig
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Page 15… sind meist bestimmt (vgl. Termini mit einem fremdsprachigen untergeordneten Bestandteil). Nur ein Terminus wird (übrigens im selben Lehrbuch) sowohl in bestimmter als auch in unbestimmter Form verwendet. Die Variation litauischer untergeordneter Bestandteile ist ein vergleichsweise seltenes Phänomen.
Termini mit anderen untergeordneten Bestandteilen kommen nur vereinzelt vor. So verwendet M. Gustaitis beispielsweise den Terminus apysaka–fantazija Gus2 148, der dem Werk von M. Vaitkus entnommen ist, das mit einem solchen Untertitel erschienen ist: Tvano.
Der literaturwissenschaftliche Terminus liaudiška daina Gus1 53, Gus2 56, Am4 109, „ein Lied, das einem Volkslied ähnelt“, unterscheidet sich vom volkskundlichen Terminus liaudies daina Biz1 35, Biz3 54, Gus1 4, Gus2 4, Nor1 20, Nor2 12, Nor3 21, Češ 5, Am4 38. Zu diesem Zweck wurde hier zutreffend das Adjektiv mit dem Suffix -iškas gewählt.
Die Beispiele zeigen Fälle von Synonymie untergeordneter Terminusbestandteile (zur Synonymie siehe weiter unten; die Termini selbst sind keine Synonyme), z. B.: būtinė apysaka – būties epas, didaktinė pasakėčia – pamokomasis romanas, filosofinė odė – filosofijos lyrika, lyrinė poema – lyringasis epas, patriotizmo lyrika – patriotiniai eilėraščiai, sakytinis epas – sakomoji lyrika usw. Ähnliche Ausdrucksvarianten finden sich sowohl im selben Lehrbuch als auch in verschiedenen Publikationen. Leider entwickelt sich die Tendenz nicht immer zum Besseren.
5. Weitere zusammengesetzte Termini
Termini mit litauischen und fremdstämmigen untergeordneten Bestandteilen. Die untergeordneten Bestandteile dieser Terminustypen werden gewöhnlich durch einen Genitiv des Substantivs und ein Adjektiv (meist mit dem Suffix -inis) ausgedrückt, z. B.: fantastinis kelionių aprašymas Gus1 88, Gus2 99, liaudies epinė poema Nor3 63, liaudies herojinė poema Biz3 145, liaudies istorinis epas Biz3 143, tautos herojinis epas Am4 95; realusis kelionių aprašymas Gus1 88, Gus2 99 und die Variante realinis kelionių aprašymas Gus1 100, Gus2 110, sentimentalus šeimos romanas Češ 55; fantastiškų kelionių aprašymas Biz3 113, filosofinio pobūdžio lyrika Nor3 75; senovinė graikų drama Am4 115. Bei einigen Termini sind beide untergeordneten Bestandteile flektierbar, z. B.: krikščioniškas tikybinis epas Biz3 144, naujoji klasikinė drama Češ 57, sekamoji klasikinė poema Biz3 145, während bei einem Terminus die Bestandteile regiert werden, etwa senovės graikų tragedija Nor3 58.
Ebenfalls belegt ist der einzige viergliedrige Terminus istorinė naujųjų laikų poema Biz3 153 / naujųjų laikų istorinė poema Biz3 153.
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Page 16Termini mit litauischen untergeordneten Bestandteilen. Die Gattung wird durch zwei Genitive gekennzeichnet, z. B.: naujųjų laikų komedija Biz₃ 196, Am₄ 120, naujųjų laikų poema Biz₃ 152, Am₄ 95 / naujųjų laikų poema Biz₃ 153, naujųjų laikų tragedija Biz₃ 192, senųjų amžių poema Nor₃ 53, šių laikų idilė Biz₃ 156; ebenso durch den Genitiv eines Substantivs und ein Adjektiv, z. B.: liaudies karžyginė poema Biz₃ 145, Nor₃ 46, Nor₃ 51, liaudies karžyginis epas Biz₃ 146, naujasis dailės epas Biz₃ 145, tautos karžyginis epas Am₄ 96; oder durch zwei Adjektive, z. B.: seniausia karžyginė poema Am₄ 95 und seniausioji karžyginė poema Am₄ 96, senoji karžyginė poema Am₄ 96, naujoji tautinė drama Češ 57–58; durch ein Partizip und ein Adjektiv, beispielsweise sekamoji karžyginė poema Nor₁ 49, Nor₂ 53, Nor₃ 65.
Termini mit fremdstämmigen untergeordneten Bestandteilen. Termini mit fremdstämmigen untergeordneten Bestandteilen sind am seltensten. Bei solchen Termini ist ein untergeordneter Bestandteil meist ein Adjektiv mit dem Suffix -inis, der andere ein Substantiv im Genitiv, z. B.: antik inė graikų komedija Am₄ 120, antikinė graikų tragedija Am₄ 117 / graikų antikinė tragedija Am₄ 117, klasikinė prancūzų komedija Am₄ 120, realistinė anglų tragedija Am₄ 117, prancūzų klasikinė tragedija Nor₃ 58 / klasikinė prancūzų tragedija Am₄ 117. Vgl. ferner andere Termini, etwa: klasikinė herojinė poema Biz₃ 146, lyrinis epinis eilėraštis Nor₃ 66; sentimentalus idėjos romanas Češ 55.
Die untergeordneten Bestandteile zusammengesetzter folkloristischer Termini sind überwiegend litauisch (die meisten werden durch einen Substantivgenitiv ausgedrückt), z. B.: buit ies daina Biz₃ 169, būties pasaka Am₄ 91, būsenos daina Biz₃ 168, garsų ir darbo dainos Nor₁ 57, Nor₂ 60, Nor₃ 73, gyvulių ir paukščių dainos Nor₁ 57, Nor₂ 60, Nor₃ 73, gyvulių pasaka Biz₃ 141, Am₄ 91, laidotuvių rauda Češ 63, našlaičių daina Nor₁ 57, Nor₂ 60, Nor₃ 73, papročių pasaka Biz₃ 141, tikėjimų ir papročių dainos Nor₁ 87, Nor₂ 60, Nor₃ 73, vaikų pasaka Am₄ 92, vestuvių daina Biz₃ 169, Nor₁ 20, Nor₂ 22, Nor₃ 32, Češ 62; aprašomoji pasaka Biz₃ 141, vestuvinė daina Nor₁ 57 usw. Fremdstämmige Wörter treten als untergeordnete Terminusbestandteile wesentlich seltener auf (die untergeordneten Bestandteile sind oft identisch oder verwandt), z. B.: istorijos daina Biz₃ 99, istorinė daina Biz₃ 143, Nor₁ 45, Nor₂ 49, Nor₃ 61, Am₄ 93, mitinė daina Biz₃ 168, mitinė pasaka Biz₃ 140, Am₄ 91, mitų pasaka Am₄ 91¹⁹, saty rinė pasaka Biz₃ 141, satyros pasaka Am₄ 92 usw.
19 Heute wird anstelle der Termini mitų pasaka und mitinė pasaka der Terminus sakmė verwendet.
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Page 17Das litauische Element ist jedoch gewöhnlich nur ein untergeordnetes Element mehrgliedriger Termini, zum Beispiel: historisches Volkslied Nor1 71, Nor1 79, Nor3 87, heroisches Volkslied Nor3 62, lyrisches Volkslied Nor1 57, Nor3 74 / lyrisches Volkslied Nor2 61, poetisches Volkslied Nor1 45 / poetisches Volkslied Nor2 49, Nor3 62 usw.
6. Terminsynonymie
Die Synonyme der betrachteten Terminigruppe sind hinsichtlich ihrer Quelle vielfältig. Einige werden vom selben Autor in derselben Lehrbuchausgabe verwendet, andere finden sich nur in verschiedenen Lehrbuchausgaben, wieder andere in Lehrbüchern verschiedener Autoren (derselben oder einer anderen Zeit). Somit zeigen die synonymen Termini, dass die Bezeichnungen für Epik, Lyrik und Drama, für Gattungen und Gattungsformen nicht gefestigt sind und sich verändern. Die Reihen der Terminsynonyme umfassen zwei bis neun Termini. Am häufigsten sind zweigliedrige (52%) und dreigliedrige (34%) Synonymreihen.
Zweigliedrige Synonymreihen:
a) Synonymie eingliedriger Termini. Eingliedrige synonyme Termini gibt es nur wenige: litauische Termini dienoraštis Biz3 102, Gus2 128, Am4 27 und dienynas Gus1 120; die internationalen Termini idilė, arba pastoralė Am4 98 (gelten heute nicht als Synonyme). Die Synonymie der Termini dienynas und dienoraštis ist das Ergebnis des Sprachwandels. Das Wort dienynas „Heft für Aufzeichnungen über die täglichen Arbeiten und Ereignisse“ verwendete nach den Angaben des LKŽe beispielsweise J. Šlapelis 1921 im Litauisch-russischen Wörterbuch. Ein solcher Wandel im Wortgebrauch spiegelt sich in der literaturwissenschaftlichen Terminologie wider, in die die Wörter bereits als Termini eingingen. Über den Zusammenhang der Termini tragedija und drama wurde bereits zuvor im Lehrbuch von St. Čėsūnas gesprochen.
b) Synonymie mehrgliedriger Termini. Der häufigste Fall derartiger synonymischer Termini ist der synonymische Gebrauch eines Adjektivs (gewöhnlich eines Adjektivs mit dem Suffix -inis) und eines Substantivs im Genitiv, z. B.: historischer Roman Biz3 44, Nor1 54, Nor2 58, Nor3 70, Čės 50, Am4 102 – Roman der Geschichte Biz3 163, Gus1 142, Gus2 148, historische Novelle Gus1 142, Gus2 148, Nor1 54, Nor2 58, Čės 50 – Novelle der Geschichte Gus1 142, Gus2 148, historisches Epos Biz3 139, Nor1 45, Nor2 48, Nor3 44, Am4 93 – Epos der Geschichte Am4 90, religiöse Lyrik Čės 62 – Lyrik der Religion Čės 62, satirische Lyrik Čės 64 – Lyrik der Satire Čės 64; Satireroman Biz3 163 – satirischer Roman Am4 102, Kampflied Čės 62 – Kriegslied Čės 62. Einige Synonymreihen entstehen dadurch, dass das als sekundäres Glied fungierende Adjektiv durch ein verwandtes Adjektiv ersetzt wird
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Page 18(im Laufe der Zeit), z. B.: romantisches Gedicht Biz₃ 146 – romantisches Gedicht Gus₁ 231, Gus₂ 75, subjektives Gedicht Nor₁ 50 und die Variante subjektives Gedicht Nor₂ 54 – subjektivisches Gedicht Nor₃ 65.
Im Lehrbuch von J. Ambraz(e)vičius finden sich mehrere synonyme Termini, deren sekundäre Glieder unterschiedlicher Herkunft sind – eines ist litauisch, das andere fremdsprachig, z. B.: gefühlsbetonte, emotionale Lyrik Am₄ 106, reflektierende, reflexive Lyrik Am₄ 106. Der Autor gibt den litauischeren Termini den Vorzug.
K. Bizauskas verwendet Bezeichnungen für historische Odenarten synonym, deren sekundäre Glieder litauischer Herkunft (die neue, die Kunstode Biz₃ 172) beziehungsweise fremder Herkunft sind (klassische oder natürliche Ode Biz₃ 172). Die Synonymie dieser Termini ist eigentümlich, denn obwohl neu – künstlerisch „literarisch, kunstvoll“ und klassisch – natürlich „nicht künstlich, echt“ keine Synonyme sind, sind die Termini selbst neue Ode – Kunstode, klassische Ode – natürliche Ode (der Hauptterminus ist klassische Ode) synonym, genauer gesagt semantisch nicht gleichwertige Synonyme (der Begriff wird durch Hervorhebung unterschiedlicher Merkmale bezeichnet). Die Synonymiebeziehung wird nicht an der Ausdrucksform, sondern nur am Gebrauch erkennbar.
Die Synonymität aller aufgeführten Termini ist durch unterschiedliche (synonyme oder nicht synonyme) sekundäre Glieder bedingt.
c) Synonymie von Termini mit unterschiedlich vielen Gliedern. Folgende Beispiele wurden gefunden: Reisebeschreibung Biz₃ 112, Gus₁ 88, Gus₂ 99, Nor₁ 35, Nor₂ 42, Nor₃ 49 (und die Variante Beschreibung von Reisen Biz₃ 113) – Reisebericht Gus₁ 100, Gus₂ 110, Komödie der Neuzeit Biz₃ 196, Am₄ 120 – neue Komödie Am₄ 121, Gedicht der Neuzeit Biz₃ 152, Am₄ 95 / Gedicht der Neuzeit Biz₃ 153 – neues Gedicht Biz₃ 153, Am₄ 97, Gedicht der alten Zeit Nor₂ 53 – altes Gedicht Nor₂ 53, philosophische Lyrik Češ 62 – Lyrik philosophischer Art Nor₃ 75. Die dreigliedrigen Termini (mit Ausnahme des letzten) stehen im selben Lehrbuch an früherer Stelle als zweigliedrige Termini oder werden in früheren Ausgaben verwendet. Die Varianten wirkliche Reisebeschreibung Gus₁ 88, Gus₂ 99 und realistische Reisebeschreibung Gus₁ 100, Gus₂ 110 (ihre sekundären Glieder sind durch unterschiedlich litauisierte Adjektive gebildet) haben das Synonym realistischer Reisebericht Gus₁ 100, Gus₂ 110. St. Češūnas verwendet synonym die Termini neues klassisches Drama Češ 57 und pseudoklassisches Drama Češ 57.
Dreigliedrige Synonymreihen:
a) Synonymie einwortiger Termini. Die meisten einwortigen synonymischen Termini sind lexikalische Synonyme. Synonymisch verwendete Termini ab-
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Page 19minimai Biz, 64, Biz₃ 103, Nor₁ 36, Nor₂ 43, Nor₃ 50, Češ 58 – memuarai Biz₃ 99, Gus₁ 113, Gus₂ 121, Nor₁ 36, Nor₂ 43, Nor₃ 50, Češ 68, Am₄ 27 – užrašai Biz₃ 99, Gus₁ 106, Gus₂ 115, Nor₁ 36, Nor₂ 43, Nor₃ 53, Am₄ 27. In der ersten Ausgabe des Lehrbuchs von K. Bizauskas findet sich nur der Terminus atsiminimai, der in der dritten Ausgabe gleichsam in den Hintergrund gedrängt wird, da der Autor überwiegend memuarai schreibt (zunächst findet sich užrašai ar memuarai Biz₃ 99, memuarai, arba užrašai Biz₃ 101). Atsiminimai wird zuerst als Bestandteil zusammengesetzter Termini verwendet: literatūros atsiminimai, teatriniai atsiminimai Biz₃ 103. M. Gustaitis verwendet den Terminus atsiminimai überhaupt nicht (obwohl er als Beispiele Werke anführt, deren Titel dieses Wort enthalten). In seinem Lehrbuch wird dem Terminus užrašai der Vorzug gegeben (užrašai arba memuarai Gus₁ 113, Gus₂ 121), der gewöhnlich auch verwendet wird. J. Norkus erwähnt in den ersten Ausgaben zunächst die Synonyme užrašai, arba memuarai Nor₁ 36, Nor₂ 43, in der dritten Ausgabe hingegen atsiminimai, arba memuarai (in beiden Fällen wird der litauische Terminus bevorzugt). Im Folgenden verwendet er in diesen Fällen jedoch überwiegend den Terminus atsiminimai. Übrigens kritisiert der Rezensent der zweiten Ausgabe den Autor dafür, dass er Aufzeichnungen ohne Erklärung atsiminimais nennt (Misevičius 1930: 735). Es wurde festgestellt, dass an einer Stelle der dritten Ausgabe ebenfalls der Terminus užrašai verwendet wird. Offenbar betrachtet St. Češūnas die Termini atsiminimai und memuarai als Synonyme (sie stehen durch ein Komma getrennt nebeneinander). In den erst nach K. Bizauskas erschienenen Lehrbüchern bemühte man sich, litauische Termini zu verwenden. Bei J. Ambrazevičius ist es jedoch wieder umgekehrt: verwendet wird memuarai, arba užrašai Am₄ 27 oder ausschließlich memuarai. Somit lässt sich sagen, dass sich der Terminus atsiminimai nur schwer durchsetzte (vgl. memuaristika, memuaristas).
Ein weiteres, nicht minder interessantes Terminus-Trio ist metraštis Biz, 64, Biz₃ 99, Gus₁ 106, Gus₂ 115, Nor₁ 36, Nor₂ 43, Nor₃ 50, Češ 54, Am₄ 27 – kronika Biz₃ 102, Gus₁ 106, Gus₂ 115, Češ 68, Am₄ 27 – analai Biz₃ 102 / annalai Gus₁ 106, Gus₂ 115. In der ersten und dritten Ausgabe des Lehrbuchs von K. Bizauskas wird der Terminus metraštis verwendet; in der dritten Ausgabe werden jedoch noch zwei weitere Bezeichnungen für denselben Begriff genannt: kronika ir analai. Auch M. Gustaitis bevorzugt meist den Terminus metraščiai, der gelegentlich durch kronika ersetzt wird. Annalai wird offenbar nur ein einziges Mal verwendet. J. Norkus vermied Synonymie: verwendet wird ausschließlich metraščiai. Die Termini metraščiai und kronika finden sich im Lehrbuch von St. Češūnas, sind dort jedoch weder miteinander verknüpft noch erklärt, sodass sich ihr Verhältnis schwer beurteilen lässt. J. Ambrazevičius verwendet, wie K. Bi
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Page 20zauskas, den litauischen Terminus metraščiai, sagt jedoch, dass sie auch kronikomis genannt werden.
b) Synonymie zusammengesetzter Termini. Der häufigste Fall der Synonymie zusammengesetzter Termini ist die Synonymie von Bestimmungswörtern. Nicht selten sind die Bestandteile von Termini, die dreigliedrige Reihen bilden und sich voneinander unterscheiden, unterschiedlichen Ursprungs – ein litauisches und ein fremdes Wort. So verwenden K. Biz auskas und M. Gustaitis den Terminus Gesellschaftsroman Biz₃ 163, Gus₁ 142, Gus₂ 148; J. Norkus schreibt in der Ausgabe von 1930 gesellschaftlicher (sozialer) Roman Nor₃ 71 (der litauischere Terminus wird weiterhin bevorzugt; zur Bezeichnung der Art wird statt des Genitivs eines Substantivs ein Adjektiv mit dem Suffix -inis gewählt), während J. Ambrazevičius den Terminus sozialer Roman beibehält, dessen Bestimmungswort allein durch ein Fremdwort ausgedrückt wird, Am₄ 102. Die Synonymreihe Abenteuerroman Gus₁ 104 / Abenteuerroman Gus₂ 113 – Roman voller Abenteuer Nor₃ 70, Češ 55, Am₄ 102 wird durch den Terminus Abenteuerroman Am₄ 102 ergänzt, der ein synonymisches, jedoch bedeutungsmäßig entferntes Fremdwort als Bestimmungswort enthält. Letzterer Terminus wird nur von J. Ambrazevičius verwendet, und der Autor bevorzugt ihn gegenüber dem Abenteuerroman. Somit wird der Weg der Internationalisierung beschritten. Für denselben Begriff verwendet J. Ambrazevičius drei Termini: Volkslied Gus₁ 53, Gus₂ 56, Am₄ 109 – individuelles Lied Am₄ 109 – literarisches Lied Am₄ 163; die Wörter, die darin als Bestimmungswörter fungieren, sind keine Synonyme. Den von K. Bizauskas und J. Norkus verwendeten Terminus Literaturlyrik Biz₃ 167, Nor₁ 58, Nor₃ 74 / Literaturlyrik Nor₂ 61 ersetzt J. Ambrazevičius durch zwei Termini: geschriebene oder individuelle Lyrik Am₄ 108. In der bereits erwähnten Rezension des zweiten Lehrbuchs von J. Norkus wurde vorgeschlagen, das Bestimmungswort Literatur- zu ersetzen: „In einer neuen Ausgabe wird der Autor nur die eine oder andere Kleinigkeit zu ändern haben, und zwar <...> die Termini ‚Literaturepos (Kunstepos)‘ und ‚Literaturlyrik‘ durch genauere Termini zu ersetzen: ‚Individualepos‘, ‚individuelle Lyrik‘ (Misevičius 1930: 733). Offenbar konnten die Termini Literaturlyrik und Literaturepos (siehe unten) ungenau verstanden werden, weil damals auch die Folklore in die literaturwissenschaftliche Theorie einbezogen wurde.
Die untergeordneten Bestandteile einiger Termini, durch die sich diese unterscheiden, sind litauische Wörter (jedoch keine Synonyme), z. B.: liaudies epas Biz₃ 138, Nor₁ 43, Nor₂ 74 – sakytinis epas Biz₃ 138 – tautosakos epas Am₄ 90, liaudies lyrika Biz₃ 167, Nor₁ 56, Nor₃ 72, Am₄ 105 / liaudies lirika Nor₂ 59 – sakomoji lyrika Biz₃ 167 – tautosakos lyrika Am₄ 108. K. Bizauskas gibt den Vorzug
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Page 21dem Terminus liaudies epas, liaudies lyrika; so sind auch die entsprechenden Abschnitte überschrieben. J. Ambrazevičius betrachtet tautosakos lyriką als Hauptterminus.
Synonymische Ausdrücke für den Roman, die mit verwandten Wörtern (grammatischen Synonymen) gebildet werden: 3 162 – Ritterroman Biz3 162 – Ritterroman Nor3 70, Čes 53, Am4 102; Familienroman Biz3 163 – Familienroman Biz3 163 – Familienroman Biz3 197, Nor, 71, Am4 102 sind die abschließenden Bestandteile. Synonymisch werden diese Begriffe nur im Lehrbuch von K. Bizauskas bezeichnet; in späteren Lehrbüchern wird nur ein Terminus (mit Genitiv) verwendet.
Als Synonyme gelten miestelėnų drama Biz3 197 – verkšlenamoji komedija Biz3 197 – miestiečių drama Am4 121. Neben miestelėnų dramos führt K. Bizauskas den völlig andersartigen Terminus verkšlenamoji komedija mit deutlich abwertender Färbung an und erklärt, dass in Frankreich die Bürgerdramen so genannt wurden (Biz3 197). Somit ist letzterer Terminus lediglich ein historischer Beleg. Im Lehrbuch von J. Ambrazevičius findet sich nur miestiečių drama.
c) Synonymie von Termini mit unterschiedlich vielen Bestandteilen. Synonymisch werden Bezeichnungen historischer Typen dramatischer Werke verwendet, zum Beispiel: klassische Komödie Biz3 194 – antike griechische Komödie Am4 120 – griechische Komödie Am4 120; pseudoklassische Tragödie Biz3 190 – französische klassische Tragödie Nor3 58 / klassische französische Tragödie Am4 117 – klassische Tragödie Am4 117, pseudoklassische Komödie Biz3 195 – klassische französische Komödie Am4 120 – klassische Komödie Am4 120. Das Adjektiv klassisch wird also in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet: Für K. Bizauskas bedeutet klassisch antik (griechisch), für J. Ambrazevičius hingegen klassizistisch.
Das Synonym des dreigliedrigen Terminus fantastiškų kelionių aprašymas Biz3 113 – fantastinis kelionių aprašymas Gus1 88, Gus2 99 ist der zweigliedrige Terminus fantastinis kelionraštis Gus1 100, Gus2 110.
Mehrgliedrige Synonymreihen. Es handelt sich meist um viergliedrige Synonymreihen. Eine davon ist literarisches oder bildkünstlerisches Epos Biz3 138, Nor1 43, Nor2 47 – schriftliches oder individuelles Epos Am4 90. K. Bizauskas verwendet meist den Terminus bildkünstlerisches Epos (vgl. zuvor literarische Lyrik). Welchen Terminus J. Norkus bevorzugt, lässt sich schwer sagen. J. Ambrazevičius verwendet, wie auch im Fall der Lyrik, zwei Termini – schriftliches oder individuelles Epos.
Eine weitere viergliedrige Synonymreihe bilden Bezeichnungen für einen historischen Typ der Ode: dirbtinė, sektinė arba pseudoklasikinė odė Biz3 172 – pseudoklasikų odė Biz3 175 (am häufigsten wird pseudoklasikinė odė verwendet). Mit vier und fünf
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Page 22Mit den Termini werden zwei historische Tragödientypen bezeichnet, z. B.: griechische Tragödie Biz3 188, Nor1 64, Nor2 66, Nor3 58, Am4 117 – klassische Tragödie Biz3 187 – antike griechische Tragödie Am4 117 / griechische antike Tragödie Am4 117 – altgriechische Tragödie Nor3 58; Tragödie der Neuzeit Biz3 192 – moderne Tragödie Nor1 64, Nor2 66 – Shakespeare-Tragödie Nor3 58 – realistische englische Tragödie Am4 117 – realistische Tragödie Am4 118.
Eine Art des Volksepos wird sogar mit sieben Termini bezeichnet. Drei davon verwendet K. Bizauskas (Heldenepos (heroisches Epos) Biz3 139, Volksepos Biz3 146), vier hingegen J. Ambrazevičius (Epos der Helden Am4 90 – Heldenepos Am4 93 – heroisches Epos des Volkes Am4 95 – Heldenepos des Volkes Am4 96). Diese große Synonymvielfalt ergab sich aus dem synonymischen Gebrauch von Adjektiven als sekundären Bestimmungswörtern sowie von Genitivattributen zu Substantiven (litauischer und fremder Herkunft), ferner aus dem Nebeneinander längerer und kürzerer Terminusvarianten und den unterschiedlichen Ergänzungen bei dreigliedrigen Termini. Obwohl die Benennungen des Begriffs vielfältig sind, überwiegen in den Lehrbüchern Synonyme mit einem litauischen sekundären Bestimmungswort (Heldenepos, Epos der Helden). Heute bezeichnet der Terminus heroisches Epos beispielsweise Homers Odyssee und Ähnliches. Für diesen Zweck verwenden die Autoren jedoch (mit Ausnahme von St. Čėšunas, der Epos der Helden Čėš 50 schreibt) andere Termini. Es sind sogar acht (mit St. Čėšūnas Epos der Helden neun), zum Beispiel: heroische Volkspoesie Biz3 145, Nor1 46, Nor2 51 – heroische Volkspoesie Biz3 145 – Epopöe Biz3 146, Čėš 51, Am4 96 – heroische Poesie Biz3 147 – epische Volkspoesie Nor3 63 – älteste heroische Poesie Am4 95 / älteste heroische Poesie Am4 96 – heroische Poesie Am4 95 – alte heroische Poesie Am4 96. Es wurde festgestellt, dass K. Bizauskas im Gegensatz zum Fall des Heldenepos häufiger einen Terminus mit einem sekundären Bestimmungswort fremder Herkunft verwendet: heroische Poesie (oder heroische Volkspoesie). Der Terminus Epopöe wurde als alternative Begriffsbezeichnung in die Lehrbücher aufgenommen.
7. Schlussfolgerungen
1. Die dritte Auflage des Lehrbuchs zur Literaturtheorie von K. Bizauskas erschien im selben Jahr, in dem in Kaunas die Universität Litauens gegründet wurde und dort der Literaturunterricht begann. Der Bedarf an litauischen literaturwissenschaftlichen Termini war also bereits sehr groß, und Termini mussten rasch geprägt sowie geeignete bereits gebräuchliche Termini schnell ausgewählt werden (es gab Termini, denn
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Page 23bereits im 19. Jahrhundert wurden Artikel zu literarischen Themen gedruckt, seit 1890 erschienen litauische Literaturgeschichten usw.). Die Terminologiekommission konnte dabei nur wenig helfen: K. Bizauskas musste sich auf ihre Hinweise beschränken, statt festgelegte Termini einfach zu übernehmen und zu verwenden. Viele Termini aus seinem Lehrbuch dürften andere Autoren übernommen haben; die von ihnen verwendeten Termini sind leider nicht immer besser als die von K. Bizauskas. Bezeichnend ist, dass die Verfasser der ersten Bücher zur Literaturtheorie ein Jurist, ein Historiker und ein Geistlicher waren, der im Ausland Literatur studiert hatte … Nur J. Ambrazevičius war Literaturwissenschaftler und hatte eine litauische Universität absolviert.
2. Die meisten Bezeichnungen für die Gattungen und Genres von Epos, Lyrik und Drama sowie für andere Klassifikationseinheiten in den ersten litauischen Lehrbüchern zur Literaturtheorie sind fremder Herkunft: Es wurden fast zweieinhalbmal so viele internationale einwortige Termini wie litauische gefunden; gemischtstämmige (litauische und fremdsprachige) zusammengesetzte Termini machen mehr als die Hälfte aller zusammengesetzten Termini aus, fremdsprachige Termini mehr als zwei Fünftel, während rein litauische nur etwa ein Sechzehntel ausmachen. Die geringe Zahl zusammengesetzter Termini litauischer Herkunft ist auf das Überwiegen einwortiger Termini fremder Herkunft zurückzuführen: Einwortige Termini werden zu den Hauptbestandteilen zusammengesetzter Termini. Bei zweiwortigen Termini sind fremdsprachige Wörter als sekundäre Bestimmungswörter fast anderthalbmal häufiger als litauische; nur dreigliedrige Termini mit fremdsprachigen sekundären Bestimmungswörtern sind seltener als solche, deren sekundäre Bestimmungswörter litauische Wörter sind.
3. Sowohl einwortige als auch zusammengesetzte Termini weisen ein im dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts recht verbreitetes Phänomen auf: Variation. Sie wurde vor allem durch die unterschiedliche Einbürgerung internationaler Termini oder fremdsprachiger Wörter verursacht, die als sekundäre Terminusbestandteile fungieren. Litauische Adjektive oder Partizipien als sekundäre Terminusbestandteile sind fast immer pronominal flektiert, fremdsprachige dagegen leider besonders selten. Das beeinträchtigt die Systematik.
4. Die sekundären Bestimmungswörter zweiwortiger Termini werden meist durch Adjektive mit dem Suffix -inis ausgedrückt. Solche Termini gibt es etwa anderthalbmal so häufig wie Termini mit einem Genitivattribut. Diese beiden Strukturtypen zweiwortiger Termini überwiegen wie auch heute. Termini mit sekundären Bestimmungswörtern, die durch Adjektive mit dem Suffix -iškas ausgedrückt werden, machen nicht einmal ein Zehntel aller zweiwortigen Termini aus.
5. Über sämtliche Auflagen der Lehrbücher zur Literaturtheorie hinweg ergeben sich mehr Synonymreihen, als in nur einer einzelnen Auflage vorkommen (am häufigsten sind Zwei-
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Page 24Mitglieder). Außerdem wurde im Laufe der Zeit beim Ersetzen von Termini durch synonyme Termini nicht immer der bessere – der Litauisierungs- – Weg eingeschlagen. Ein Vergleich der Anzahl der Synonymreihen im Lehrbuch von K. Bizauskas aus dem Jahr 1922 und in der Arbeit von J. Ambrazevičius aus dem Jahr 1938 zeigt, dass sie nicht abnahm (nur sind Terminvarianten für J. Ambrazevičius untypisch; zudem gibt es weniger Unregelmäßigkeiten im Ausdruck der Nebenbestandteile).
6. Die ersten litauischen Lehrbücher der Literaturtheorie bezeugen einige wichtige Aspekte der literaturwissenschaftlichen Terminologie, zum Beispiel uneinheitliche Verwendungen der Bezeichnungen für Gattungen der epischen Prosa, die Verwendung von sakmės im Sinne von „Märchen“, den nicht abrupten Übergang von Erzählung zu Novelle, die Differenzierung der Termini Volkslied und Volkslied, den schwierigen Weg des Wortes Erinnerungen in die literaturwissenschaftliche Terminologie und anderes.
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THE NAMES OF EPIC, LYRICS, DRAMA GENRES AND OTHER CLASSIFICATION UNITS IN THE FIRST LITHUANIAN TEXTBOOKS OF LITERATURE THEORY
Summary
This article investigates the origin, synonymy and some usage issues of names of epic, lyrics, drama genres, genre forms and kinds used in the first Lithuanian textbooks of literature
105
Page 26ture theory. The material for this article was collected from all special works on the theory of literature published between two wars – Raštijos bei literatūros teorija (The Theory of Writing and Literature) (1918) and its third edition Literatūros teorija (The Theory of Literature) (1922) by K. Bizauskas, the textbook Stilistika (Stylistics) (1923 and 1927) by M. Gustaitis, three different editions of the textbook Literatūros teorija (pagrindiniai prozos ir poezijos dėsniai) (The Theory of Literature (The main laws of prose and poetry)) (1923, 1926, 1930) by J. Norkus, Prozos ir poezijos teorija (Theory of Prose and Poetry) (1925) by St. Češūnas, the fourth edition of the textbook Literatūros teorija. Poetika (The Theory of Literature. Poetics) (1938) by J. Ambrazevičius.
Most of the names of epic, lyrics, drama genres and other classification units are of the foreign origin: there are two and a half times more international one-word terms than Lithuanian terms, complex terms of the mixed origin (Lithuanian and foreign origin) – make a bigger half of all complex terms and terms of the foreign origin make more than two fifths. Words of foreign origin are the elements of two-word terms one and a half times more frequently than Lithuanian words. Only three-word terms with the subordinate elements of the foreign origin are fewer than three-word terms with the subordinate elements of the Lithuanian origin.
There is one feature of terms (both one-word and complex terms) in textbooks, published in the twenties of the 20th century, which was quite common at the time – variation. It was predetermined by not unified Lithuanianisation of international terms or words of the foreign origin, which made the subordinate elements of complex terms.
Like nowadays, two structural types of two-word terms prevail – terms with the suffix -inis and terms with a genitive of the noun.
There are more synonym lines in all editions of the textbooks of literature theory than in one publication (usually there are two synonyms used in one publication). In some cases when changing synonymous terms not always the better way – the Lithuanisation – was chosen. The comparison of the synonym lines in the textbook by K. Bizauskas published in 1922 and in the work of J. Ambrazevičius dating 1938 shows that a number of synonyms was not decreasing.
The first textbooks of theory of literature show some things important to the terminology of literature theory, for instance, a promiscuity in the usage of the names of epic prose genres, the usage of sukmė (saga, story) in the meaning of “pasakėčia“ (fable), not hasty move from apsakymas (story) to novelė (novella), a differentiation of terms liaudiška daina and liaudies daina (folksong), a difficult way of the word atsiminimai (memoirs) into the terminology of the literature theory.
Asta MITKEVIČIENĖ
Gauta 2005-10-24
Lietuvių kalbos institutas
P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
E. paštas [email protected]
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