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JŪRATĖ PAJĖDIENĖ

Institut für Litauische Sprache

UNBESTIMMTE ZEITADVERBIEN

KADA NORS UND KAŽKADA: BEDEUTUNGSVERHÄLTNIS UND GEBRAUCH

SCHLÜSSELWÖRTER: unbestimmte Zeitadverbien, pronominale Adverbien oder Pronomen als Proform, Adverbiale, Unbestimmtheitsmarker.

ABSTRACT

Der Beitrag behandelt die Ausweitung des Gebrauchsbereichs von kažkada: vom traditionellen Muster, mit dem die Zeit einer Handlung bezeichnet wird, die zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit stattfand (faktiv), hin zu einem weniger geläufigen Muster, bei dem kažkada zur Bezeichnung der Zeit einer möglicherweise in der Zukunft stattfindenden (irrealen) Handlung gewählt wird, die traditionell mit dem Adverb kada nors beschrieben wird. Die von Martinas Haspelmath (1997) durchgeführte typologische Untersuchung zu implikativen Universalien unbestimmter Pronomen, zu denen auch Adverbien pronominalen Ursprungs (PRO-ADVERBS) zählen, zeigt, dass bei der Wahl von kažkada zur Beschreibung der Zeit einer irrealen Handlung das Prinzip der Kooperation mit dem Gesprächspartner verletzt wird (engl. the cooperative principle; vgl. Grice 1975). Andererseits muss eine solche Wahl dennoch auch mit einer allgemeinen Tendenz zum Wandel der Bedeutungen und Funktionen von Unbestimmtheitsmarkern in Verbindung gebracht werden – mit der Möglichkeit, dass Bedeutungen von Unbestimmtheitsmarkern übernommen werden, die im Implikations-Universalienraum benachbarte Positionen einnehmen (vgl. Haspelmath 1997: 63).

EINLEITUNG

Der Gebrauch der Adverbien kažkada und kada nors scheint auf den ersten Blick durch eine kontrastive Anordnung von Zeitsituationen (Vergangenheit–Zukunft) begründet zu sein1. Dass man in jüngster Zeit immer häufiger das Adverb kažkada wählt, um die Unbestimmtheit einer zukünftigen Zeitsituation auszudrücken, anstelle von

1 Vgl. den Hinweis auf einer Website: „kada nors wird verwendet, um die Zukunft zu bezeichnen, und kažkada die Vergangenheit. Irgendwann werde ich reich sein; irgendwann war ich reich“ (https://vaistininkouzrasai.lt/ skaitytoju-klausimai/pastaba-kada-nors-vartojama; abgerufen am 2020-12-29). Interessanterweise kennzeichnen die in den Texten dieser Website vorkommenden kažkada und kada nors den Gegensatz zwischen Vergangenheit und Zukunft korrekt, weshalb die sprachliche Belehrung als eine Art Werbung für die Website gelten kann.

BENDRINĖ KALBA 94 (2021)

http://journals.lki.lt/bendrinekalba

ISSN 2351-7204

JŪRATĖ PAJĖDIENĖ. Neapibrėžiamieji laiko prieveiksmiai kažkada ir kada nors:

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des erwarteten irgendwann zeigt, dass das Bewusstsein der Sprecher dafür schwindet, dass dieses Temporaladverb ausschließlich zur Beschreibung vergangener Situationen dient, vgl.:

1) Irgendwann werde ich ein Buch darüber schreiben, mit welchen Menschen ich im Laufe meines Lebens gearbeitet habe.2

2) Es ist unwahrscheinlich, dass solche Computersysteme irgendwann besser funktionieren werden, als ein Mensch es kann <...>.3

3) Es ist notwendig, <...> irgendwann „Stopp“ zu sagen.4

4) Wenn wir über die Lage der Wirtschaft hier und jetzt nachdenken und nicht irgendwann in zehn Jahren, dann sind die wichtigsten Faktoren, die sie bestimmen, <...> die Erwartungen der Verbraucher sowie die dadurch bedingte Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen.5

5) Eine Karriere ist kein Prozess, der irgendwann nach dem Studienabschluss beginnt.6

6) Das Theater ist eine flüchtige Kunstform, es bleibt nicht bestehen. <...>. Deshalb werden alle Bühnenkünstler – Sänger, Schauspieler, Regisseure – wenn sie überhaupt Anerkennung finden, dann hier und jetzt und nicht irgendwann nach ihrem Tod.7

7) Dieses Geld kann auch <...> für die Unterstützung von Kindern mit anderen Mitteln verwendet werden. Nicht indem man versucht, diejenigen zu unterstützen, die erst irgendwann im nächsten Jahr geboren werden, sondern indem man genau hinsieht, wo soziale Probleme bestehen und welche finanzielle Unterstützung benötigt wird.8

In den Arbeiten zur Normierung der litauischen Sprache wird weiterhin viel Aufmerksamkeit den Verwendungsfehlern bei Verbindungen mit den indefiniten Adverbien (darunter irgendwann, irgendwann einmal) und tai⁹ gewidmet. Obwohl solche Verbindungen nicht mehr häufig verwendet werden, sind ihre Beispiele in anderer Hinsicht wichtig – sie verdeutlichen typische Verwendungskontexte von irgendwann. In linguistischen Arbeiten finden sich Bemerkungen zu irgendwann und irgendwann einmal

2 https://www.15min.lt/max/naujiena/verslas/versmes-sanatorijos-direktore-apie-135-atsauk imus-per-savaite-keista-nes-pas-mus-tikrai-saugiau-nei-uzeiti-i-parduotuve-1224-1409156 (abgerufen am 2020-12-29).

3 https://kauno.diena.lt/naujienos/nuomones/nuomones/snekamoji-kalba-mitai-realybe-ir-tyrimu-galimybes-870672 (abgerufen am 2020- 12- 29).

4 https://m.delfi.lt/lietuvoje/article.php?id=86384825 (abgerufen am 2021-02-12).

5 https://www.llri.lt/naujienos/ekonomine-politika/o-gal-ekonomikos-prognozuotojai-ne-taip-jau-ir-klydo/irinka (abgerufen am 2020-12-29).

6 http://www.vpvp mc.lt/karjeros-ugdymo-centras/580-karjeros-plano-nauda-siekiant-karjeros-tiksl1.html (abgerufen am 2020-12-29).

7 http://www.lkti.lt/apie_mus/knygynas/teatras/gintaro-varno-teatras.html (abgerufen am 2020-12-29).

8 https://www.delfi.lt/news/daily/lithuania/maciulis-apie-10-tukst-euru-mokejima-gimusiam-vaikui-siulymas-galintis-tureti-neigiamu-pasekmiu.d?id=86100285 (abgerufen am 2020-12-29).

9 Vgl. http://www.vlkk.lt/aktualiausios-temos/didziosios-klaidos/zodyno/neteiktini-vertiniai (abgerufen am 2020-12-29).

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Fälle einer Bedeutungsverwechslung sind schwer zu finden; Ziel dieses Artikels ist es daher, die angemessenen, mit ihrer Semantik zusammenhängenden Verwendungsmöglichkeiten der temporalen Indefinitadverbien kažkada und kada nors zu klären. Dazu werden drei Aufgaben gestellt: 1) einen Überblick darüber zu geben, durch welche Belege die Bedeutungen dieser Adverbien und ihrer Synonyme in den wichtigsten Wörterbüchern des Litauischen illustriert werden: im akademischen Lietuvių kalbos žodyne (LKŽe), im Dabartinės lietuvių kalbos žodyne (DŽ), im Bendrinės kalbos žodyne (BŽe)10 sowie im Sinonimų žodyne (SŽe); 2) zu erörtern, wie der grammatische Status und die Bedeutung dieser temporalen Indefinitheitsmarker in linguistischen Arbeiten beschrieben werden; 3) die Häufigkeitsverteilung der Verwendung von kažkada im Dabartinės lietuvių kalbos tekstyne (DLKT) und im Sakytinės lietuvių kalbos tekstyne (SLKT) zu untersuchen. Die Gliederung des Artikels folgt der Reihenfolge der Antworten auf diese Aufgaben: 1. Kažkada und kada nors in Wörterbüchern; 2. grammatischer Status und Semantik von Kažkada und kada nors; 3. Verwendung von Kažkada, kažin kada in DLKT und SLKT. Für den Überblick über das theoretische Material und die Untersuchung des empirischen Materials werden analytische und vergleichende Methoden herangezogen.

1. KAŽKADA UND KADA NORS IN WÖRTERBÜCHERN

Die erwähnte Unterscheidung in der Verwendung von kažkada und kada nors zur Beschreibung vergangener beziehungsweise zukünftiger Ereignisse lässt sich aus den Bedeutungserklärungen und den Beispielen in DŽ und BŽe ablesen (siehe Tabelle 1 mit dem Vergleich der Wörterbucheinträge zu kažkada und kada nors sowie zu möglichen Synonymen in den Wörterbüchern). In DŽ werden für kažkada zwei Bedeutungen unterschieden: „wann, ist nicht bekannt“ und „vor langer Zeit“, die jeweils durch Beispiele für vergangene Handlungen veranschaulicht werden. Auch die Verwendung der Adverbien kažkada, kažin kada wird in BŽe anhand einer vergangenen Handlung belegt (ohne Bedeutungsangabe). Die Einträge zu kažkada und kažin kada in LKŽe verweisen gegenseitig aufeinander: Die Bedeutung von kažkada wird durch einen Verweis auf kažin kada erklärt, und jene von kažin kada durch einen Verweis auf nežinia kada und kažkada. Die Beispiele in Tabelle 1 zeigen nicht nur in SŽe, sondern auch in LKŽe und teilweise in DŽ die Verbindung des Adverbs kažkada mit kažin kada, kadaise, kadai kadà, kadais, die auf einen unbestimmten Zeitpunkt einer vergangenen Handlung verweisen. Zur Erklärung der Bedeutung des Adverbs kada nors verwenden die Wörterbücher eine Beschreibung, die auf die Wahl beziehungsweise die Unbestimmtheit eines Zeitpunkts verweist, vgl.: zu jeder beliebigen Zeit

10 DŽ und BŽe sind normierende Wörterbücher, vgl. http://lkiis.lki.lt/lkz-pratarme, http://lkiis.lki.lt/lkz-ivadas und http://bkz.lki.lt/?pg=bendros_zinios.

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(LKŽe), zu einem beliebigen unbestimmten Zeitpunkt (DŽ), zu einem unbestimmten Zeitpunkt (BŽe). In BŽe wird die Verwendung von kada nors ausführlicher veranschaulicht: Mit diesem Adverb wird nicht nur der Zeitpunkt einer zukünftigen Handlung beschrieben, sondern auch die Möglichkeit einer Handlung in der Vergangenheit.

TABELLE 1. Einträge zu Kažkada, kada nors und zu Zeitadverbien, die ihnen hinsichtlich bestimmter Bedeutungsaspekte synonym sind, in den wichtigsten litauischen Wörterbüchern

LKŽe

DŽ

BŽe

ŠŽe

kažkadà

žr. kažin kada

1. unbekannt wann: Kažkada er lebte hier. 2. vor langer Zeit: Wir haben die Arbeit schon kažkada beendet.

Kažkada Hier befand sich einmal ein Geschäft.

kadaise

kaži(n) kadà

1. irgendwann, irgendwann: Kažin kadà wird der Zug kommen, wir müssen warten. 2. vor langer Zeit: Wir haben schon Kažin kadà die Kartoffeln ausgegraben <...>. ‖ sehr lange her: Kažin kadà war ich in Kupiškis. ‖ einst: Kažin kada konnte auch ich einmal so sticken <...>.

irgendwann

Ich bin irgendwann in eine ähnliche Situation geraten wie du jetzt.

–

einst

irgendwann, vor langer Zeit, einst: Tilindis <...> lächelte, als er sich daran erinnerte, dass auch er selbst einst ein Unruhestifter gewesen war <...>. Einst waren hier Wälder. <...>. Einst sang auch ich gut. <...> ◊vor langer, langer Zeit:

einst, vor langer Zeit: Früher lebten wir anders. Einst waren hier Wälder.

Einst gehörte diese Gegend den Deutschen.

nicht jetzt, in längst vergangenen Zeiten: Hier wuchs eine Eichenwaldung.

kadaĩ kadà

Einst waren hier Wälder. <...>. Einst sang auch ich gut. <...> ◊vor langer, langer Zeit:

vor langer Zeit: kadaĩ kadà das war, erinnere ich mich nicht mehr. kadaĩ kãdės, kadaĩ kadžių Adverb, umgangssprachlich: vor langer Zeit: Kadaĩ kãdės kehrte ich zurück. Kadaĩ kadžių sah ich dich.

Das war schon vor langer Zeit.

kadãi, kitadõs (Er lebte einst in der Stadt), kitadà, kìtasyk, kìtakart (Es lebte einst so ein alter Mann), irgendwann, kanakadõs,

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Es war einmal ein Dichter namens Mačys.

kadaĩ kąs prv. vor langer Zeit, nicht jetzt: Jemand von uns hat vor langer Zeit den Roggen gemäht

vor langer Zeit, früher (Hier haben die Wälder geschlafen), in den Jahren des Hochwassers Buch, einmal <...>. –

einst

1. siehe kadaise: Damals fuhren sie herum. <...> 2. irgendwann: Und wir wissen gewiss, dass auch wir alle irgendwann sterben werden BPII6.

kadaĩ prv. 1. vor langer Zeit: Ich warte schon lange auf dich. Er ist schon lange zu Hause. <...> 2. einst: Hier wuchs einst ein Wald.

Einst glaubte ich fest an die Liebe.

kadaĩ prv. → einst

ein andermal

früher, ein andermal, einst: <...> zwölf Stunden, die bald lang, bald kurz sind BPI 232. Die Bedrängnis wird uns irgendwann auferlegt Mž 290.

Adv. ein andermal, einst: Einmal lebte ein Mensch

Ich werde weder dann noch ein andermal kommen können.

–

einst

1. ein andermal: <...> Einst lebte ein König. <...> 2. manchmal: Manchmal weiß er selbst nicht, was er will

ein andermal

Einst befand sich an dieser Stelle ein alter Friedhof.

–

irgendwann

zu jeder beliebigen Zeit: Und komm auch irgendwann. J. Jabl.

zu irgendeinem unbestimmten Zeitpunkt: Vielleicht treffen wir uns irgendwann. Komm irgendwann.

zu einem unbestimmten Zeitpunkt: Haben Sie jemals etwas im Internet gekauft? Ich möchte noch so gern irgendwann nach Paris fahren. Das ist der stärkste jemals improvisierte Sprengsatz.

–

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Somit belegen die im DŽ angeführten Beispiele lediglich einen kontrastiv verstandenen Gebrauch von kažkada und kada nors (unbestimmte Zeit in der Vergangenheit: unbestimmte Zeit in der Zukunft); im BŽe wird das Bedeutungsspektrum dieser Indikatoren zeitlicher Unbestimmtheit ausführlicher dargestellt: kažkada wird mit tatsächlichen (faktischen) Situationen in der Vergangenheit verknüpft, während kada nors nicht nur mit dem Zeitpunkt einer in der Zukunft stattfindenden, sondern auch einer innerhalb eines bestimmten Zeitraums möglicherweise stattgefundenen Handlung verbunden wird.

Bevor der grammatische Status und die Semantik dieser Wörter erörtert werden, ist es wichtig zu betrachten, mit welchen Kategorien des verbalen Modalitäts- und Modusbereichs die genannten Beschreibungen einer in der Wirklichkeit stattgefundenen (faktischen) und einer möglichen (nichtfaktischen) Handlung zusammenhängen. Faktische (reale / tatsächlich stattgefundene) Handlungen bezeichnen wir gewöhnlich mit Verben epistemischer (bewertender11) Modalität. Im Hinblick auf die Moduskategorie werden sie dem Indikativ zugeordnet: „Epistemische Modalität ist mit dem Wissen der Menschen über die Welt verbunden <...>. Epistemische Prädikate modifizieren Aussagen, die hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts bewertet werden können, und das Ergebnis dieser Operation ist ebenfalls eine Aussage, deren Wahrheitsgehalt festgestellt werden kann“ (Holvoet, Judžentis 2004: 82, 85). Nichtfaktische Handlungen bezeichnen wir mit Verben deontischer (irrealer12) Modalität. Nichtfaktische Verben deontischer Modalität werden verwendet, um Handlungen im Zusammenhang mit der Zukunft – Absichten, Aufforderungen, Befehlen und Notwendigkeiten – auszudrücken: „Deontische Modalität – anders als epistemische – charakterisiert keine Aussagen, sondern abstrakte Propositionen, die Handlungen oder Verhaltensweisen bestimmter Subjekte ausdrücken“ (Holvoet, Judžentis 2004: 83). Im Hinblick auf die Modalität ist das Futur besonders zu beachten13. Es bezeichnet zukünftige Handlungen; deshalb sind Aussagen, die durch Verbformen dieses Tempus ausgedrückt werden, „zum Sprechzeitpunkt nicht verifizierbar: Sie können sich erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft erfüllen und somit überprüft werden“ (Holvoet, Pajėdienė 2004: 123). Die Zukunft ist mit Absichten verbunden14, die gewöhnlich als Pläne dargestellt werden, da die Abfolge geplanter zukünftiger Ereignisse gestört werden kann und das vorhergesagte Ereignis möglicherweise nicht eintritt. Die Bezeichnung zukünftiger Sachverhalte kann daher nicht allein mit dem Ausdruck von Zeit verbunden werden – zukünftige Sachverhalte enthalten auch ein Element der Vorhersage (Prophezeiung) sowie ein bestimmtes modalitätsbezogenes

11 Vgl. die von Vladimir Plungian gegebene Definition bewertender Modalität: „die Einschätzung der Wirklichkeit (oder des Wahrscheinlichkeitsgrads) einer Situation durch den Sprecher“ (Plungian 2011: 192).

12 Nach V. Plungian gehören die Bedeutungen irrealer Modalität, die zur Bezeichnung irrealer Situationen verwendet werden, aus kognitiver und kommunikativer Sicht zu den wichtigsten Bedeutungen – „wenn Modalitätsindikatoren eine bestimmte ‚alternative Welt‘ charakterisieren, die zum Zeitpunkt der Äußerung im Bewusstsein des Sprechers existiert“ (Plungian 2011: 193).

13 Weitere Ausführungen zur Problematik des Begriffs Futur und Literaturhinweise siehe Holvoet, Pajėdienė 2004: 122–124.

14 Apie ketinimų interpretaciją žr. Lyons 1993: 814tt.

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reikšmę (plg. Lyons 1993: 677). Lietuvių kalboje būsimojo laiko veiksmažodžių formomis reiškiamus teiginius15 galima laikyti modalumo požiūriu nežymėtais (plg. Holvoet, Pajėdienė 2004: 123).

2. IRGENDWANN UND IRGENDWANN: GRAMMATISCHER STATUS UND SEMANTIK

2.1. In sprachwissenschaftlichen Arbeiten irgendwann und irgendwann (sowie ihre Varianten und Synonyme16) können als zu drei verschiedenen grammatischen Unterklassen gehörig beschrieben werden – zu den Adverbien (vgl. Senn 1966; Ulvydas 1971, 2006; Paulauskienė 1976; Forssman 2003), den Adverbialen (vgl. Makauskaitė 2016, 2019) oder den Indefinitpronomen (vgl. Haspelmath 1997). Diese Unterschiede in der Klassifikation ergeben sich aus der Art und dem Umfang der Gruppierung des Untersuchungsmaterials.

Traditionell unterscheidet man irgendwann und irgendwann von Adverbien, die als eigenständige Wortart gelten und durch „Eigenständigkeit der lexikalischen Bedeutung“ gekennzeichnet sind (vgl. Ulvydas 1971: 425; 2000: 1; 2006: 410); diese Unterscheidung gründet sich auf die Funktion, „Umstände der durch das Verb ausgedrückten Handlung oder des Zustands“ anzugeben (vgl. Ulvydas 2006: 410). Der Begriff Adverbial wird verwendet, um Mittel zum Ausdruck zeitlicher Bedeutung verschiedener Herkunft (Bildung) zu beschreiben17. In der Untersuchung von Indrė Makauskaitė zu den Positionsmöglichkeiten von Temporaladverbialen im heutigen Litauischen werden den Adverbialen „Temporaladverbien und ihre semantischen Entsprechungen, die formal nicht als Adverbien gelten, sowie nahezu adverbialisierte Wörter oder Wortverbindungen“ zugeordnet (Makauskaitė 2019: 76). Es ist darauf hinzuweisen, dass Antanas Smetona und Aurelija Usonienė, die als Erste auf die Notwendigkeit hingewiesen haben, bei der Beschreibung einiger litauischer Sprachphänomene eine Klasse von Adverbialen zu unterscheiden18, betonen, dass die semantisch-funktionale Klasse der Adverbiale „weder mit den Adverbien als traditioneller Wortart in der Grammatik noch mit den adverbialen Bestimmungen als traditionellem Satzglied in der Syntax gleichgesetzt wird“ und dass mit dieser Wahl „der Status der betreffenden Sprachphänomene im Hinblick auf Wortarten oder Satzglieder nicht infrage gestellt wird“ (Smetona, Usonienė 2012: 124).

15 Vgl.: „Das Litauische verfügt über deutlich vom Modalsystem abgegrenzte Zeitformen; daher sind der deiktischen Zeitkategorie drei Werte zuzuordnen – Präsens, Vergangenheit und Zukunft“ (Holvoet, Pajėdienė 2004: 124).

16 Vgl. die in sprachwissenschaftlichen Arbeiten genannten kažin kada, kažin kuomet, kažkuomet, kuomet nors (Ulvydas 1971: 454; 2000: 30) oder kažkadais, kaž(i)n kada, kaž(i)n kuomet ir kuomet nors (Makauskaitė 2019: 77, 91, 107, 108).

17 Zu semantischen Untersuchungen litauischer Ausdrucksmittel der Zeit, die als Adverbiale gelten, siehe Makauskaitė 2016.

18 Siehe Smetona, Usonienė 2012: 124, 128–131, 136.

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Bei der Erörterung der Möglichkeiten, irgendwann und irgendwann passend zu verwenden, sind auch typologische Untersuchungen zu berücksichtigen. Diesen litauischen Indefinitheitsmarkern widmet Martin Haspelmath in seiner Arbeit Indefinite Pronouns (1997) besondere Aufmerksamkeit; darin werden die Ergebnisse einer Untersuchung implikativer Universalien von Indefinitpronomen in 140 Sprachen vorgestellt. M. Haspelmath verwendet den Begriff Pronomen nicht nur in etymologischem Sinn (PRO-NOUN), sondern auch in einem weiteren Sinn – als Ausgangsform (PRO-FORMA) –, als Terminus zur Beschreibung verschiedener Bildungen pronominalen Ursprungs, darunter auch Pronominaladverbien (engl. pronominal adverbs; vgl. Haspelmath 1997: 10–11). Die Notwendigkeit, irgendwann und irgendwann als Einheiten des Gesamtbestands der den Pronomen zuzurechnenden Wörter zu betrachten, zeigt sich auch in den grammatischen Beschreibungen des Litauischen: Diese Wörter und ihre synonymischen oder morphologischen Varianten werden dort als Adverbien vorgestellt, ihre pronominale Herkunft wird hervorgehoben, ebenso ihre Bildung als Fügungen aus mehreren Pronomen, und es werden weitere ähnliche Charakterisierungen gegeben (vgl. Senn 1966: 313; Paulauskienė 1976: 202, 204; Valeckienė 1979: 13019; Kniūkšta 2001: 16120; Forssman 2003: 284). Bevor auf die in Haspelmaths Untersuchung hervorgehobene Bedeutung und die Verwendungsmöglichkeiten von irgendwann und irgendwann (und ihren synonymischen Varianten) eingegangen wird, ist es wichtig, die Bedeutungsbeschreibungen dieser Temporalindefinitheitsmarker zu erwähnen, die in früheren (Ulvydas 1971, 1985) und jüngsten (Forssman 2003; Makauskaitė 2019) Untersuchungen litauischen Materials vorgelegt wurden.

2.2. In der Grammatik der litauischen Sprache (LKG) werden im Überblick über die Bedeutungsgruppen der Adverbien kažkada, kažkuomet21 sowie kada nors, kuomet norint den Temporaladverbien der Umstände zugeordnet, die „Gegenwart oder allgemeinere Zeitbegriffe“ bezeichnen (Ulvydas 1971: 454; 2000:

19 Adelė Valeckienė (1979: 131–133) aptaria kada etimologijas, taip pat mini ir kartūna „kada nors“ (ten pat, 130), kuris LKŽe šia reikšme iliustruojamas tarminiais pavyzdžiais (plg.: Kartūnta gal ir aš būsiu laimingas; Kartūnta tu paprašysi manęs).

20 Vgl.: „Heutzutage wird die Vielfalt der Indefinitpronomen und der ihnen entsprechenden Adverbien vergessen, und man begnügt sich mit Formen mit kaž-: kažkas, kažkoks, kažkada… A. Vienuolis verwendet Formen mit kaž- und kazin so, wie es in der gesprochenen Sprache üblich ist – wenn etwas einzelnes, nicht ganz klar Bestimmtes genannt wird: <...>. Wenn von einem unter mehreren unbekannten Dingen die Rede ist, wählt der Schriftsteller feinfühlig ein anderes Wort: <...> Jeder erinnerte sich daran, dass auch er irgendwann (früher oder später) sterben musste (R II 84). Aus der zeitgenössischen Literatur könnten wir Hunderte von Sätzen zusammentragen, in denen auch in solchen Fällen bereits kažkoks und kažkada eingeschoben werden. Das semantisch verwischte Wort kažkada braucht A. Vienuolis überhaupt nicht – eine unbestimmte Zeit in der Vergangenheit bezeichnet er mit den Adverbien kadaise ir kitados <...>“ (Kniūkšta 2001: 161).

21 Vgl. den Hinweis in der LKG, dass die Adverbien „<...> kadaise, <...>, kitada, kitados <...>“ eine „allgemeinere Vergangenheitsbedeutung“ haben (Ulvydas 1971: 455; 2000: 31).

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30)22, einer Untergruppe, obwohl die Beispiele, die die Aussage belegen sollen, dies nicht zeigen: kažkada wird durch Sätze mit Verbformen der Vergangenheit illustriert, während kada nors, kuomet norint – durch Sätze mit Verbformen der Zukunft, vgl.:

8) Kažkuomet <...> trat sie auf eine weggeworfene Sense <...>.

9) Kažin kada Auch ich konnte einmal so sticken <...>.

10) Kada nors Ich werde dir irgendwann von Damulienė erzählen.

11) Immer kuomet norint wird er loslassen müssen <...>.

In der Grammatik der litauischen Gegenwartssprache (DLKG) zeigt sich eine Präzisierung dieser Beschreibung: In der Untergruppe der Adverbien des Umstands, die „die Gegenwart oder allgemeinere Zeitbegriffe“ bezeichnen, wird nur kada nors erwähnt, und in der Untergruppe der die Vergangenheit bezeichnenden Adverbien wird – von den zuvor genannten – nur kadaise angeführt23 (vgl. Ulvydas 2006: 426).

In neueren Untersuchungen wird auf die Deiktizität dieser Wörter hingewiesen. Berthold Forssman (2003: 51, 264) ordnet kažin kada / kažkada / kažkuomet „irgendwann“ (der Beschreibungskontext lässt vermuten, dass auch kada nors24) den punktuellen, aber nichtdeiktischen25 unbestimmten Zeitadverbien zu, während I. Makauskaitė (2019) sie den deiktischen Temporaladverbialen zuordnet. Die unterschiedlichen Einschätzungen hängen mit der durch die Untersuchungsmethoden bedingten Definition von Deiktizität zusammen: Im ersten Fall – in der morphosemantischen Beschreibung des Adverbsystems – wurden die untersuchten Elemente als anaphorischer Verweis (d. h. als Verweis, der im allgemeinen Diskursverständnis verortet ist) bewertet, im zweiten dagegen anhand der Semantik der beschriebenen Elemente im realen Diskurs oder der subjektiven Deixis26. Bei der Beschreibung von Temporaladverbialen nach der Dreiteilung in deiktische, intrinsische und

22 Vgl. ferner die einem anderen Werk entnommene, unzutreffend der Wortverbindung kuomet norint zugewiesene Bedeutung „jederzeit“, illustriert durch den Satz Oi, klius jam nuo manęs kuomet norint (Ulvydas 1974: 23; 2000: 320).

23 Vgl. die in Грамматика литовского языка angegebene russische Übersetzung: kada nors „когда-либо“, kadaise „некогда, когда-то“ (Ulvydas 1985: 341).

24 Die Zuordnung von zu dieser Gruppe punktueller, nichtdeiktischer unbestimmter Adverbien lässt sich aus der im Deutschen angegebenen Bedeutung erschließen, vgl.: kadanorint (kadanonts, kadanorįs, kadanōrs) „irgendwann“ (Forssman 2003: 200). Hier kann man an die von Alfred Senn (1966: 313) angeführten Übersetzungen der besprochenen Adverbien erinnern, vgl.: kažkada, kažkuomet, kaž(n) kada, kaž(i)n kuomet wird mit „irgendwann einmal, vor langer Zeit einmal, wer weiß wann“ übersetzt, während kada nors mit „je, einmal“ wiedergegeben wird.

25 B. Forssman zufolge bezeichnen nichtdeiktische Zeitadverbien eine auf Weltwissen beruhende absolute Position, die als früher, später oder gleichzeitig mit der angegebenen Bezugszeit klassifiziert werden kann, oder sie bezeichnen eine Position, bei der der Zeitpunkt des Geschehens bewusst offen oder unwichtig gelassen wird (vgl. Forssman 2003: 51).

26 Apie deiksę ir anaforą dar plg. Lyons 1993 [1977]: 673tt; Levinson 1983: 54–55.

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… des Modells der extrinsischen Zeitreferenz wurden deiktischen Adverbialen zeitliche Konzepte zugeordnet, die von der Position des Beobachters abhängen (vgl. Makauskaitė 2019: 12, 37, 39, 40).

I. Makauskaitė (2019: 82) adverbialą kažkada vadina daugiazoṅiu27: juo gali būti nusakoma tolima praeitis, nežinomas laikas praeityje bei ateityje. Tyrėja adverbialą kada nors apibūdina kaip galintį nurodyti nežinomą laiką praeityje ir ateityje, kuriuo realizuojami leksiniai konceptai NEŽINOMAS LAIKAS PRAEITYJE ir NEŽINOMAS LAIKAS ATEITYJE, bet daugiazoṅiu jo nevadina (plg. Makauskaitė 2019: 91, 107–109, 228–229). Remdamasi DLKT užfiksuotos vartosenos pavyzdžiais, autorė teigia, kad ir kada nors, ir kažkada būna pasirenkami leksiniams konceptams NEŽINOMAS LAIKAS PRAEITYJE ir NEŽINOMAS LAIKAS ATEITYJE28 perteikti, o adverbialais kažkada, kažkuomet (kaip ir adverbialais kadaise, kitados, kitąkart, kitąsyk, seniai ir senokai bei jų variantais) dar gali būti realizuojamas ir leksinis konceptas TOLIMA PRAEITIS (plg. Makauskaitė 2019: 230–231). Taigi, naujausiame tyrime pateiktas kada nors semantinių galimybių apibūdinimas atitinka įprastą vartoseną (kuri atspindima ir BŽe pateiktuose pavyzdžiuose), o kažkada, kažkuomet ir jų variantų reikšmės aprašai skiriasi. Tai skatina pažvelgti ne vien į DLKT pasitaikančius paskirus kažkada vartojimo atvejus pasirenkamam leksiniam konceptui NEŽINOMAS LAIKAS ATEITYJE realizuoti, bet ir nustatyti santykinį tokių atvejų dažnumą tiek visame tekstyne, tiek jo dalyse (žr. šio straipsnio 3 sk.).

2.3. Die von Martinas Haspelmath (1997) durchgeführte typologische Untersuchung implikativer Universalien indefiniter Pronomen ermöglicht es, Systeme der in verschiedenen Sprachen durch Pronomen als Proformen ausgedrückten Indefinitheit zu erkennen und Möglichkeiten eines Wandels im Ausdruck indefiniter Pronomen vorherzusagen29. Haspelmath zufolge wird der Seriencharakter (engl. SERIES) indefiniter Pronomen durch zwei Bestandteile bestimmt: einen Stamm, der eine ONTOLOGISCHE KATEGORIE bezeichnet (in diesem Fall wären dies die die Zeitkategorie ausdrückenden kada und kuomet, vgl.: kada nors,

27 Nach dem von Renaat Declerck vorgeschlagenen Modell zur Einteilung von Adverbialen, die vier Zeitbereiche bezeichnen (vgl. Declerck 2006: 590), gilt ein Adverbial, mit dem ein Zeitraum in der Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit bezeichnet werden kann, als mehrzeitig (vgl. Declerck 2006: 593; Makauskaitė 2019: 85).

28 I. Makauskaitė weist darauf hin, dass dieses lexikalische Konzept durch „dieselben Adverbialen realisiert wird, mit denen auch eine unbekannte Zeit in der Vergangenheit bezeichnet werden kann. An sich verweisen diese Adverbialen lediglich auf temporale Indefinitheit; erst der Kontext entscheidet, ob sie Vergangenheit oder Zukunft bezeichnen“ (Makauskaitė 2019: 107–108).

29 Apie šį tyrimą žr. Croft 2003: 133–138. Apie proformomis perteikiamo apibrėžtumo ar neapibrėžtumo semantinę ir pragmatinę skirtį žr. Bhat 2007: 201–202.

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kuomet nors; kažkada, kažkuomet) und ein danebenstehendes Affix (Präfix oder Postfix), das die Funktion eines Indefinitheitsmarkers (engl. INDEFINITENESS MARKER) erfüllt – dies wären kaž(i(n)) oder nors / norįs / norint(s), vgl.: kada nor(int)s / kuomet nor(int)s, kaž((i)n)kada, kaž(i)n))kuomet (Haspelmath 1997: 21–22). Indefinite Pronomen können mit Negation, Negativpolaritäsphrasen, Spezifitäts- und Unspezifitätsangaben, dem Ausdruck des Sprecherwissens sowie der freien Wahl verbunden sein (vgl. Haspelmath 1997: 31–52). Die hier behandelten litauischen Marker temporaler Indefinitheit, gebildet mit kaž- und nors30, stehen in einem durch den Kontrast ihrer Verwendungsmöglichkeiten begründeten Verhältnis: Bildungen mit kaž- drücken spezifische, solche mit nors dagegen unspezifische Indefinitheit aus (vgl. Haspelmath 1997: 38–39). Ob auf Spezifität oder Unspezifität verwiesen wird, hängt davon ab, ob es in der Wirklichkeit ein entsprechendes Referenzobjekt gibt oder nicht: Ein spezifischer Verweis ist mit Referenzobjekten in der Wirklichkeit verbunden – dies ist der Bereich des Wissens oder der Fakten; Verweise, die keine Spezifität vermitteln, stehen mit dem Wunschbereich oder dem Irrealisbereich in Verbindung, der durch Konstruktionen mit Können, Müssen, Futur, Imperativ, durch Konditionalsätze und Fragen ausgedrückt wird (vgl. Haspelmath 1997: 108, 109)31. Hinsichtlich der in der litauischen Sprache gewählten Verweise auf temporale Indefinitheit ist hervorzuheben, dass Spezifität durch pronominale Adverbien ausgedrückt wird, die aus dem Stamm des Verbs žinoti ‚wissen‘ hervorgegangen sind: kažkada / kažkuomet (<-- kažin kada / kuomet <-- wer weiß wann, Unspezifität dagegen durch pronominale Adverbien aus dem Stamm des Verbs norėti ‚wollen‘32: kada / kuomet nors (kada / kuomet norįs / norint(is). Haspelmath zufolge kann der durch Indefinitheitspronomen ausgedrückte Gegensatz von Spezifität und Unspezifität in vielen Kontexten auftreten, ist aber besonders deutlich, wenn zwischen Beschreibungen faktischer und irrealer Handlungen gewählt wird (Haspelmath 1997: 39). In realis-Kontexten werden ausschließlich spezifische indefinite Pronomen gewählt – hier also die Verwendung von kažkada zur Bezeichnung temporaler Indefinitheit in der Vergangenheit. In bestimmten irrealis-Kontexten33 ist sowohl die Verwendung eines Markers spezifischer als auch unspezifischer Indefinitheit möglich.

30 Alberto Rosinas Auffassung nach werden im litauischen Standard und in den Dialekten zwei Typen von Indefinitpronomen (substantivische und adjektivische) verwendet, die mit kaž(in) (präpositiv) beziehungsweise nors (postpositiv) gebildet werden; zwischen ihnen besteht keine kontrastive, sondern eine komplementäre Distribution (vgl. Rosinas 1988: 114–115; 1996: 116). Diese mit kaž- und nors gebildeten Pronomen werden der Gruppe der Existenzpronomen („Unbestimmtheit“) zugeordnet, die das differenzierende Merkmal ‚indefinit‘ aufweisen, da sie dem Adressaten unbekannte, unbestimmte Elemente angeben oder markieren (vgl. Rosinas 1988: 113, 253).

31 Zu den Möglichkeiten und dem Wunschbereich, die das Gebiet der irrealen Modalität bilden, siehe Plungian 2011: 199–200.

32 Dar plg. Forssman 2003: 200.

33 Zu den Bedeutungen der Termini realis und irrealis sowie ihrer Verwendung zur Bezeichnung von Modustypen siehe Holvoet, Judžentis 2004: 88ff.

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Die Möglichkeit, entweder kažkada oder kada nors zu wählen, zeigt sich auch in einigen Sätzen aus dem DLKT, die hypothetische Situationen in der Vergangenheit beschreiben, vgl.:

12) Einige Kinderlieder kažkada könnten einst ein wichtiger Bestandteil des Repertoires von Zauberern und vaidilos gewesen sein.

13) Dass das abgegrenzte Gebiet kažkada viel größer gewesen sein könnte, darauf deuten Erwähnungen hin <...>.

14) Heute ist es schwer zu glauben, dass Menschen kada nors so wunderbar <...> dvoibeždžiauti konnten.

Pasak M. Haspelmatho (1997: 41), kai kuriuose irrealis kontekstuose dera tik nespecifinis neapibrėžtumo rodiklis. Specifinių neapibrėžiamųjų įvardžių netinkamumą imperatyvo konstrukcijoms M. Haspelmathas (1997: 42) grindžia bendradarbiavimo principo (angl. the cooperative principle; žr. Grice 1975) pažeidimu, šiam teiginiui iliustruoti pateikdamas ir lietuviško sakinio variantus su kada nors ir kažkada34 kaip tinkamo ir netinkamo vartojimo parinktis, plg.:

15) (a) Besuchen Sie mich kada nors.

(b) *Besuchen Sie mich kažkada.

Wenn der Sprecher um einen Gefallen zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft bittet, muss er zur zeitlichen Bestimmung kada nors wählen. Entscheidet er sich für kažkada, würde er dem Gesprächspartner wichtige Informationen vorenthalten, da er den Zeitbezug nicht nur als unbestimmt, sondern auch mit Merkmalen der Spezifizität kodieren würde (diese würden als dem Sprecher bekannt, dem Gesprächspartner jedoch verschwiegen verstanden)35. Laut M. Haspelmath wäre das Kooperationsprinzip ebenfalls verletzt, wenn Indefinitpronomen in Fragen oder Konditionalsätzen verwendet würden, da auch das Einsetzen spezifischer Indefinitpronomen in diesen Sätzen die Verletzung des Kooperationsprinzips begünstigen würde (Haspelmath 1997: 42, 44). Solche Situationen des Bittens (ausgedrückt durch Fragesätze) sowie des Versprechens oder der Möglichkeit (ausgedrückt durch Konditionalsätze)36 ließen sich durch die Umformulierung der Sätze 15 (a und b) in Fragen oder Konditionalsätze veranschaulichen, vgl.:

16) (a) Werden Sie mich kada nors besuchen?

(b) *Werden Sie mich kažkada besuchen?

17) (a) Ich würde Ihnen das Buch zeigen, wenn Sie mich kada nors. besuchen würden.

(b) *Ich würde Ihnen das Buch zeigen, wenn Sie mich kažkada. besuchen würden.

34 M. Haspelmath zitiert die Varianten des Satzes auf der Grundlage der Untersuchung von Alfonso Pilka (Pilka 1984: 56).

35 Platesnį aiškinimą ir nuorodas į literatūrą žr. Haspelmath 1997: 42. Apie bendradarbiavimo principą bei konvencinę ir nekonvencinę implikatūras dar žr. Satkauskaitė 2011: 29–42.

36 Zur Verwendung des Konjunktivs in Konditionalsätzen und zur Bedeutung der Möglichkeit siehe Holvoet, Judžentis 2004: 99ff.

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M. Haspelmath zufolge ist das Wissen des Sprechers der semantische Faktor, der darüber entscheidet, ob der mit einem Indefinitpronomen bezeichnete Referent identifiziert wird oder nicht (Haspelmath 1997: 45). Faktizität hängt mit der Einzigartigkeit und dem Wissen über eine Handlung/ein Objekt zusammen. Das litauische irgendwann (wie auch andere Indefinitheitsmarker des kaž-Typs) leitet sich etymologisch von Konstruktionen ab, die eine Wissensfrage aufwerfen: kaž- (< kažin < kas žino37) kada (vgl. Haspelmath 1997: 275). In Beschreibungen von Irrealis-Situationen werden Handlungen/Objekte mit einer möglicherweise vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen, aber noch nicht bestätigten oder nicht eingetretenen Einzigartigkeit sowie mit Wahlmöglichkeiten in Verbindung gebracht (solange ein Objekt noch nicht als existent wahrgenommen wird, ist es nicht einzigartig, weshalb seine Eigenschaften unspezifisch sind); im Litauischen werden diese durch Indefinitheitsmarker ausgedrückt, die aus Verbindungen mit nichtfiniten (nicht-personalflektierten) Formen des Verbs wollen hervorgegangen sind38 (vgl. Haspelmath 1997: 71, 159).

Die Multifunktionalität von Indefinitpronomen führt in bestimmten Fällen auch zu Mehrdeutigkeit: Dieselbe Funktion (Verweis auf eine spezifisch bekannte, eine spezifisch unbekannte oder eine unspezifische (irreale) Handlung oder ein Objekt usw.) kann in verschiedenen Sprachen – das Gebrauchsmodell jeder Sprache ist einzigartig – durch Indefinitpronomen einer oder mehrerer Untergruppen realisiert werden (vgl. Haspelmath 1997: 59, 76).

Die Gebrauchsmodelle von Indefinitheitsmarkern bestimmter Fremdsprachen, insbesondere solcher, deren Gebrauch – das Erlernen und die Beherrschung – auf staatlicher Ebene erwünscht ist und/oder als prestigeträchtig gilt, werden bisweilen als Vorbild wahrgenommen. Dies kann dazu führen, dass die vorhandenen Gebrauchsmodelle für Indefinitheitsmarker in der Muttersprache beibehalten werden (wenn die funktionalen Möglichkeiten, Indefinitheit in Sprachen mit besonders engem Kontakt auszudrücken, übereinstimmen) oder sich allmählich ändern (wenn die Möglichkeiten, Indefinitheit auszudrücken, voneinander abweichen). Betrachtet man die Gebrauchstendenzen von Indefinitpronomen (im weiteren Sinne) mit kaž- im litauischen Standard, lässt sich feststellen, dass das Russische

37

Zu Reduktionsvarianten der Verbindung kas žino in den žemaitischen und aukštaitischen Dialekten oder zum Ursprung der Verbindung *kas žina + nežymimasis įvardis (indefinite pronoun) siehe Rosinas (1981: 25–26; 1988: 220–223; 253). Zur zweifachen Herkunft von Indefinitpronomen, entweder aus INTERROGATIVPRONOMEN oder aus SUBSTANTIVEN, DIE EINE ALLGEMEINE ONTOLOGISCHE KATEGORIE BEZEICHNEN, siehe Haspelmath 1997: 26ff.

38 Zu den bereits in der vorlitauischen Epoche aus Indefinitpronomen und dem gewöhnlich postpositiv stehenden Partizip Aktiv *narins entstandenen Verbindungen, die das Merkmal „indefinit“ aufweisen und als positionsbedingte Variante von Verbindungen mit der Bedeutung „jemand“ fungieren, siehe Rosinas 1988: 223–224.

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Das System der Indefinitheitsmarker der Sprache39 hat über einen bestimmten Zeitraum hinweg40 dazu beigetragen, den traditionellen Gebrauch dieser Indefinitheitsmarker – zur Wiedergabe des Verweises auf spezifisches Nichtwissen – beizubehalten. Die von M. Haspelmath erstellten Karten zu Implikationsuniversalien zeigen, dass sich die Gebrauchsmöglichkeiten des russischen Indefinitheitsmarkers -to und des litauischen Indefinitheitsmarkers kaž- überschneiden, da diese Indefinitheitsmarker in beiden Sprachen dieselben Funktionen erfüllen (vgl. Haspelmath 1997: 71, 273, 275–276). Die veränderte Rangfolge der Fremdsprachen und die Tatsache, dass das Beherrschen des Englischen zu einem erstrebten Ziel (einer Realität) wird, können vermutlich gewisse Veränderungen beim Gebrauch von Indefinitheitsmarkern (darunter auch Markern temporaler Indefinitheit) begünstigen. Es ist anzunehmen, dass Indefinitheitsmarker der englischen some-Untergruppe, die sowohl auf spezifisches unbekanntes als auch auf unspezifisches unbekanntes referieren, die Verwendung von litauischen Indefinitheitsmarkern der kaž-Reihe geringfügig ausweiten können: von der Bezeichnung spezifischer unbekannter Indefinitheit hin zur Bezeichnung unspezifischer unbekannter Indefinitheit (zur Möglichkeit, dass Bedeutungen von Indefinitheitsmarkern, die auf der Karte der Implikationsuniversalien benachbarte Positionen einnehmen, in eine bestimmte Richtung übergehen, siehe Haspelmath 1997: 63). Die Verwendung von Kažkada anstelle des üblichen kada nors könnte nicht nur durch das Englische, sondern auch durch Vorbilder aus anderen Sprachen – dem Polnischen, Deutschen und Lettischen – begünstigt werden. Dieses Thema bedarf jedoch selbstverständlich einer gesonderten Untersuchung.41

39 M. Haspelmath betont, dass das System der russischen Indefinitpronomen quantitativ und qualitativ umfangreicher ist als das englische (Haspelmath 1997: 64–65)

40 Zum Bilingualismus im sowjetischen Litauen und zu möglichen Gründen für dessen Widerstand siehe vergleichend Toyota 2010: 132–133.

41 Zum Einfluss des Englischen auf die Vermischung der Bedeutungssphären der Indefinitpronomen kažkas und kas nors siehe Rosinas 1996: 116.

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3. VERWENDUNG VON KAŽKADA, KAŽIN KADA IN TEXTKORPORA

3.1. Im DLKT sind nicht nur Verwendungsfälle von kažkada, kada nors, sondern auch der synonymen Formen kažin kada, kuomet nors42 belegt (die beiden letztgenannten Ausdrücke der zeitlichen Unbestimmtheit sind in den Korpusteilen, die gesprochene Sprache wiedergeben, nicht vertreten – Sakytinė kalba und Administracinė literatūra43); siehe Tabelle 2.

TABELLE 2. Häufigkeit der Verwendung der Adverbien kažkada, kada nors, kažin kada, kuomet nors, die zeitliche Unbestimmtheit ausdrücken, im DLKT

kažkada | kažin kada | kada nors | kuomet norsDLKT-Teile | Publizistik | 3 001 (61,1%) | 29 (53,7%) | 3 478 (53,25%) | 7 (63,6%) | Belletristik | 1 394 (28,4%) | 21 (38,9%) | 1 957 (29,96%) | 1 (9,1%) | Sachliteratur | 320 (6,5%) | 4 (7,4%) | 955 (14,62%) | 3 (27,3%) | Verwaltungsliteratur | 108 (2,2%) | – | 113 (1,73%) | – | Gesprochene Sprache | 91 (1,8%) | – | 29 (0,44%) | – | 4 914 (100%) | 54 (100%) | 6 532 (100%) | 11 (100%)

Wie aus den in Tabelle 3 dargestellten Daten hervorgeht, wird kažkada im DLKT zur Wiedergabe des lexikalischen Konzepts UNBESTIMMTE ZEIT IN DER ZUKUNFT nicht besonders häufig gewählt – solche Fälle machen nur etwa 3,05% aller Verwendungsfälle aus.

42 Die Adverbien kažkuomet, kaži(n) kuomet sind im DLKT nicht belegt.

43 Die Hauptquelle der im betreffenden DLKT-Teil vorkommenden Belege für kažkada und kada nors sind die Protokolle der Sitzungen des Seimas der Republik Litauen.

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TABELLE 3. Gesamthäufigkeit der Verwendung von kažkada im DLKT

kažkada bezeichnet den Zeitpunkt eines unbestimmten, in der Vergangenheit stattgefundenen Vorgangs | bezeichnet den Zeitpunkt eines unbestimmten, möglicherweise in der Vergangenheit stattgefundenen Vorgangs | bezeichnet den Zeitpunkt eines unbestimmten, möglicherweise in der Zukunft stattfindenden Vorgangs | (in Kontexten der Verpflichtung und Bedingung) | (Ausdruck der Zukunft als Wunsch oder Möglichkeit) | Gesamtzahl der Vorkommen im DLKT und ihr relativer Anteil | DLKT-Teile | Publizistik | 2 904 (~59,1%) | 10 (~0,2%) | 19 (~0,39%) | 68 (~1,38%) | 3 001 (~61,1%) | Belletristik | 1 376 (~28%) | 2 (~0,04%) | 5 (~0,1%) | 11 (~0,22%) | 1 394 (~28,37%) | Sachliteratur | 314 (~6,4%) | 3 (~0,06%) | 1 (~0,02%) | 2 (~0,04%) | 320 (~6,51%) | Verwaltungsliteratur | 81 (~1,65%) | – | 15 (~0,3%) | 12 (~0,24%) | 108 (~2,2%) | Gesprochene Sprache | 74 (~0,08%) | – | 5 (~0,1%) | 12 (~0,24%) | 91 (~1,85%) | Gesamtes Korpus | 4 749 (~96,64%) | 15 (~0,3%) | 45 (~0,92%) | 105 (~2,14%) | 4 914 (100%) | 4 764 (~96,95%) | 150 (~3,05%)

Vergleicht man die relative Häufigkeit der beiden Verwendungsfälle von irgendwann in verschiedenen Korpusteilen, zeigt sich, dass irgendwann zur Bezeichnung unspezifischer Situationen im Zusammenhang mit der Beschreibung zukünftiger Ereignisse in der Schriftsprache wesentlich seltener verwendet wird als in den Teilen des DLKT, die gesprochene Sprache wiedergeben (siehe Tabellen 4 und 5). In den Texten der Schriftsprache beziehen sich von 4 715 Belegen (das sind 95,95% der gesamten irgendwann-Stichprobe im DLKT) 106 Belege (~2,25%) auf zukünftige Situationen: 87 Belege (~2,9%) finden sich in publizistischen Texten, 16 Belege (~1,1%) in den DLKT-Teilen mit Belletristik und 3 Belege (~0,9%) in den Teilen mit Sachliteratur. In den DLKT-Teilen, die gesprochene Sprache wiedergeben, beziehen sich von 199 Belegen (das sind 4,05% der gesamten irgendwann-Stichprobe im DLKT) 44 Belege (~22,11%) irgendwann auf zukünftige Situationen: 27 Belege (25%) finden sich im DLKT-Teil Verwaltungsliteratur und 17 Belege (~18,7%) im Teil Gesprochene Sprache.

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TABELLE 4. Verteilung der Verwendungsfälle des Adverbs kažkada in den Teilen des DLKT, die gesprochene und geschriebene Sprache enthalten

kažkada

bezeichnet einen unbestimmten Zeitpunkt einer vergangenen Handlung

bezeichnet einen unbestimmten Zeitpunkt einer Handlung, die möglicherweise in der Zukunft stattfindet

Gesamtzahl der Vorkommen im DLKT und ihr relativer Anteil

Teile des DLKT

Publizistik

Belletristik

Sachliteratur

4 609 (97,75%)

106 (~2,25%)

4 715 (100%)

Verwaltungsliteratur

155 (77,89%)

44 (~22,11%)

199 (100%)

Gesprochene Sprache

Im gesamten Korpus

4 764 (~96,95%)

150 (~3,05%)

4 914 (100%)

TABELLE 5. Relative Häufigkeit der Verwendungsmuster des Adverbs kažkada in den Teilkorpora des DLKT

kažkada

bezeichnet einen unbestimmten Zeitpunkt einer Handlung in der Vergangenheit

bezeichnet einen unbestimmten Zeitpunkt einer möglicherweise in der Zukunft stattfindenden Handlung

Gesamtzahl der Belege im DLKT und ihr relativer Anteil

Teilkorpora des DLKT

Publizistik

2 914 (~97,1%)

87 (~2,9%)

3 001 (100%)

Belletristik

1 378 (~98,9%)

16 (~1,1%)

1 394 (100%)

Sachliteratur

317 (~99,1%)

3 (~0,9%)

320 (100%)

Verwaltungsliteratur

81 (~75%)

27 (~25%)

108 (100%)

gesprochene Sprache

74 (~81,3%)

17 (~18,7%)

91 (100%)

im gesamten Korpus

4 764 (~96,95%)

150 (~3,05%)

4 914 (100%)

Im SLKT gibt es nicht viele Belege für die Verwendung des Adverbs 44 kažkada (kažin kada, kažkuomet sind nicht belegt); auch seine Verwendung in Zukunftskontexten ist selten – 3 Fälle (7,3%) von

44 Die Quelle der Untersuchung ist das morphologisch annotierte SLKT (sakytinistekstas.vdu.lt), das an der Vytautas-Magnus-Universität aufgebaut wird. Die Erstellung des Korpus wurde vom Litauischen staatlichen Wissenschafts- und Studienfonds (2006–2008) sowie von Litauens

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41 (siehe Tabelle 6). Beachtenswert ist der situative Kontext dieser Fälle: Es handelt sich um Kommunikation in den Medien – einen Satz einer Teilnehmerin einer Fernsehsendung (2,4%) – sowie um spontane institutionelle Rede – zwei von Bankangestellten geäußerte Sätze (4,9%).

TABELLE 6. Relative Häufigkeit der Gebrauchsmuster des Adverbs kažkada im SLKT

kažkada

gibt den unbestimmten Zeitpunkt eines in der Vergangenheit stattgefundenen Vorgangs an

gibt den unbestimmten Zeitpunkt eines möglicherweise in der Zukunft stattfindenden Vorgangs an (Ausdruck des Futurs)

Anzahl der Belege

Anteil am SLKT

Akademische Kommunikation (Gesamtzahl der Wörter: 50 714)

4 (9,8%)

–

4 (9,8%)

Kommunikation in den Medien (Gesamtzahl der Wörter: 68 493)

2 (4,9%)

1 (2,4%)

3 (7,3%)

Theologische Kommunikation (Gesamtzahl der Wörter: 2 100)

–

–

–

Spontane private Rede (Gesamtzahl der Wörter: 121 788)

27 (65,9%)

–

27 (65,9%)

Spontane institutionelle Rede (Gesamtzahl der Wörter: 40 478)

5 (12,2%)

2 (4,9%)

7 (17,1%)

Im gesamten Korpus (Gesamtzahl der Wörter: 297 798)

38 (92,7%)

3 (7,3%)

41 (100%)

So zeigen die Teile des DLKT Verwaltungsliteratur und Gesprochene Sprache, dass zur Bezeichnung des lexikalischen Konzepts UNBEKANNTE ZEIT IN DER ZUKUNFT kažkada wesentlich häufiger gewählt wird als

der Forschungsrat im Rahmen des Nationalen Programms zur Förderung der Litauistik für 2009–2015 (LIT-9-11) und des Staatlichen Programms für litauistische Forschung und Verbreitung für 2016–2024 (LIP-085/2016).

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beim Schreiben: Beim öffentlichen Sprechen machen solche Fälle 25% aus, bei privater Kommunikation 18,7% (siehe Tabelle 5). Das SLKT verzeichnet kažkada in Kontexten des Futurs nur im öffentlichen Bereich – 7,3% (siehe Tabelle 6).

3.2. Eine Betrachtung der Gebrauchsmuster der Adverbien kažkada, kada nors, kažin kada, kuomet nors im DLKT lässt eine weitere Hypothese zu: Die Annäherung der Bedeutungen von kažkada und kada nors könnte auch dadurch begünstigt werden, dass kažkada mit dem weniger grammatikalisierten komplexen Adverb kažin kada gleichgesetzt wird, das sich zur Bezeichnung eines Zeitpunkts sowohl für eine vergangene (faktische) Handlung als auch für eine zukünftige (irreale) Handlung eignet45. Der Gebrauch des komplexen Adverbs kažin kada ist im DLKT vergleichsweise selten (54 Belege). Es ist nur in den Korpusteilen zu finden, die geschriebene Sprache wiedergeben (21 Belege in literarischen Texten, 4 in Sachtexten und 29 in publizistischen Texten)46. In 44 Fällen (81,5%) wird die Unbestimmtheit des Zeitpunkts einer eingetretenen (spezifischen) Handlung ausgedrückt, in 10 Fällen (18,5%) die Unbestimmtheit des Zeitpunkts einer möglichen (unspezifischen) zukünftigen Handlung (siehe die DLKT-Daten in Tabelle 7). Die Bedeutung „vor langer Zeit“ von kažin kada in Kontexten faktischer Handlungen kann durch die nachdrückliche Partikel jau hervorgehoben werden, die Bedeutung „wer weiß wann“ dagegen durch Wendungen mit verschiedenen Markern des Typs kaž- (siehe die Sätze 20–21). In Kontexten zukünftiger (irrealer) Handlungen hat kažin kada seine etymologische Fragebedeutung „wer weiß, wann“ noch bewahrt, die sich auch zur Bezeichnung des lexikalischen Konzepts UNBEKANNTE ZEIT IN DER ZUKUNFT eignet (siehe die Sätze 22–23), vgl.:

18) Povilas hatte kažin kada den Sohn schon lange nicht mehr angesehen. DLKT

19) Kazys hast du doch schon lange kažin kada nicht mehr gesehen. DLKT

20) Einen Salon schmückte ein türkisches Zelt, kažin kada von irgendwem hergebracht. DLKT

21) Der Vater hatte kažin kada irgendwann irgendetwas gesagt <...>. DLKT

22) Das Ende seiner Reihe ist schon ganz nah, aber die Kiefer? Wer weiß, wann. DLKT

23) Mit Versprechen will sie sich nicht zufriedengeben – sie möchte jetzt Hilfe, aber nicht kažin kada. DLKT

Obwohl also kažin kada im DLKT 91-mal seltener vorkommt als kažkada (vgl.: 4914: 54), zeigen die Gebrauchskontexte, dass das weniger grammatikalisierte kažin kada wesentlich häufiger (~18,5%)

45 Dieses Gebrauchsmuster zeigen auch die von der LKG angeführten Beispiele, vgl.: Ich hatte ihn irgendwann in der Stadt getroffen; Aniolus (=Engel) werden wir irgendwann sehen <...> (Ulvy das 1971: 454).

46 Im DLKT finden sich 55 Belege für kažin kada, doch in einem Fall ist diese Verbindung Teil einer direkten Frage, vgl.: Gnädige Frau, wer weiß, wann ich diesen Fernseher nach Hause bringen kann? Eine Fragephrase, die aus den nebeneinanderstehenden Elementen kažin kada besteht, ist häufiger mit Futurkontexten verbunden (wie das zitierte Beispiel zeigt), kann aber auch dazu dienen, den Zeitpunkt einer bereits ausgeführten Handlung zu ermitteln, vgl. den folgenden Satz: Wer weiß, wann dieser Rucksack hier aufgetaucht ist? Zu Unterschieden und Ähnlichkeiten im Gebrauch von Frage- und Indefinitpronomen siehe Bhat 2007: 231–232.

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als kažkada (~3,05%) für die Beschreibung von Kontexten mit auf die Zukunft bezogenen Situationen (irrealer Handlung) verwendet wird.

TABELLE 7. Semantische Gebrauchsmuster des Adverbs kažin kada im DLKT

kažin kada

gibt einen unbekannten Zeitpunkt einer in der Vergangenheit stattgefundenen Handlung an

gibt einen unbekannten Zeitpunkt einer möglicherweise in der Zukunft stattfindenden Handlung an

Insgesamt

Textanteil

Publizistik

21 (38,9%)

8 (14,8%)

29 (53,7%)

Belletristik

19 (35,2%)

2 (3,7%)

21 (38,9%)

Sachliteratur

4 (7,4%)

–

4 (7,4%)

Verwaltungsliteratur

–

–

–

Gesprochene Sprache

–

–

–

Im gesamten Korpus

44 (81,5%)

10 (18,5%)

54 (100%)

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Ein Vergleich der Beschreibungen der Adverbien kažkada und kada nors in den wichtigsten litauischen Wörterbüchern zeigt, dass das Bedeutungsspektrum dieser indefiniten Zeitangaben im Wörterbuch der Standardsprache am umfassendsten dargestellt wird: Die dort angeführten Beispiele zeigen, dass der Gebrauch von kažkada ausschließlich mit realen (faktischen) Situationen in der Vergangenheit verbunden ist, während kada nors nicht nur den Zeitpunkt einer in der Zukunft stattfindenden, sondern auch einer innerhalb eines bestimmten Zeitraums möglicherweise stattgefundenen Handlung bezeichnet.

In sprachwissenschaftlichen Arbeiten finden sich drei verschiedene Zuordnungen des grammatischen Status dieser Zeitindefinitheitsmarker: zu den Klassen der Adverbien, Adverbiale oder indefiniten Pronomen (im weiteren Sinne). Die Unterschiede in der Klassifikation ergeben sich allein aus dem unterschiedlichen Umfang der Gruppierung des untersuchten Materials. Auch die Bedeutung dieser Wörter wird unterschiedlich beschrieben. Es gibt zudem eine irreführende Bedeutungsbeschreibung von kažkada und kada nors, die der Semantik der in den Beispielen angeführten Sätze widerspricht: Sie werden dabei den Adverbien zugeordnet, die „die Gegenwart oder allgemeinere Zeitbegriffe“ bezeichnen (Ulvy das 1971: 454), sowie eine allein auf dem faktischen Vorkommen im DLKT beruhende Beschreibung (ohne die relative Häufigkeit dieses Gebrauchsmusters zu erörtern), die es ermöglicht, dieses Wort den mehrdeutigen, d. h. sowohl vergangene als auch zukünftige Situationen bezeichnenden Adverbialen zuzuordnen (vgl. Makauskaitė 2019: 82).

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Das typologische Forschungsprojekt zu implikativen Universalien indefiniter Pronomen, einschließlich Adverbien pronominalen Ursprungs, von M. Haspelmath (1997) trägt dazu bei, das mit der Semantik der indefiniten Zeitadverbien kažkada und kažkada sowie kada nors verbundene Gebrauchsmuster zu klären. Auf dieser Grundlage kann nur der Gebrauch von kažkada als angemessen gelten, wenn es zur Bezeichnung der zeitlichen Unbestimmtheit faktischer (durch Spezifizitätsmerkmale gekennzeichneter) Situationen dient. Wird Kažkada auch zur Beschreibung einer realen (unspezifischen) Handlungszeit gewählt, würde dies gegen das Prinzip der Kooperation mit dem Gesprächspartner verstoßen.

Die Untersuchung der Häufigkeit verschiedener grammatisch-semantischer Gebrauchsweisen von kažkada im Textkorpus der litauischen Gegenwartssprache zeigt, dass kažkada, das eine unbestimmte Zeit einer möglicherweise in der Zukunft stattfindenden Handlung angibt, etwa 3,05% ausmacht (Gesamtzahl der Belege: 4 914). Ein Vergleich der Häufigkeit solcher Belege in verschiedenen Teilen des Korpus zeigt, dass kažkada zur Bezeichnung der Zeit einer irrealen (unspezifischen) Handlung in Texten gesprochener Sprache wesentlich häufiger verwendet wird (~22,11%) als in geschriebener Sprache (~2,25%). Die Analyse der Daten des Korpus der gesprochenen litauischen Sprache (Gesamtzahl der Belege nur 41) zeigt, dass kažkada zur Beschreibung der Zeit einer irrealen (unspezifischen) Handlung gewählt wird, wenn nicht privat, sondern in der Öffentlichkeit gesprochen wird: Ein seltener Gebrauch wurde in den Korpusteilen Medienkommunikation (2,4%) und Spontane institutionelle Sprache (4,9%) verzeichnet.

Die Gründe, die dazu führen, dass kažkada zur Bezeichnung der Zeit einer irrealen (unspezifischen) Handlung anstelle von kada nors gewählt wird, können vielfältig sein: Dazu zählen sowohl Gebrauchsmuster indefiniter Pronomen in einigen Fremdsprachen als auch das System der litauischen Indefinitheitsmarker oder allgemeine Entwicklungstendenzen beim Gebrauch solcher Marker. Um diese Gründe zu klären, sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.

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Gauta 2021 02 24

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reikšmės santykis ir vartosena | 25

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INDEFINITE TEMPORAL ADVERBS KAŽKADA AND KADA NORS: RELATIONSHIP OF MEANING AND USAGE

Summary

The article discusses the shift in the usage of kažkada ‘sometime’ from the traditional model under which the time of the specific (real) action, which took place at an indefinite moment in the past, is described towards a less usual model where kažkada is used to describe the time of the non-specific (irreal) action, which may potentially occur in the future and which is traditionally expressed by the adverb kada nors ‘sometime’. Referring to Martin Haspelmath’s (1997) typological research addressing the implicational universals of indefinite pronouns, which also include pronominal adverbs, the article attempts to explain this shift and anticipates the further shift in the usage of kažkada. The analysis of kažkada usage patterns is based on the data provided by two text corpuses – the Corpus of the Modern Lithuanian Language and the Corpus of Spoken Lithuanian.

KEYWORDS: indefinite temporal adverbs, pronominal adverbs or pronoun as pro-forma, adverbials, indefiniteness marker.

JŪRATĖ PAJĖDIENĖ

Lietuvių kalbos institutas

Petro Vileišio g. 5, 10308 Vilnius

[email protected]

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