Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XL (1998)
Vilija LAZAUSKAITĖ, Danutė SABALIAUSKAITĖ-LIUTKEVIČIENĖ
Institut für Litauische Sprache, Vilnius
BEZEICHNUNGEN VON SPEISEN UND GETRÄNKEN IM „WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN GEMEINSPRACHE“
Bei der Erstellung des „Wörterbuchs der litauischen Gemeinsprache“ (im Folgenden – BŽ) wird eine der wichtigsten Quellen die dritte Auflage des „Wörterbuchs der modernen litauischen Sprache“ (im Folgenden – DŽ3) sein. Der vorliegende Beitrag untersucht die im DŽ3 enthaltene lexikalisch-semantische Gruppe der Bezeichnungen von Speisen und Getränken. Da im BŽ der Auswahl der Wörter und der Wiedergabe ihrer Bedeutungen große Aufmerksamkeit gewidmet wird, werden die Daten des DŽ3 mit dem Material des akademischen „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ verglichen.
Die Bezeichnungen von Speisen und Getränken bilden eine der am stärksten veränderlichen lexikalisch-semantischen Gruppen (das lässt sich beispielsweise von Verwandtschaftsbezeichnungen nicht sagen). Denn die Realien selbst verändern sich ständig – manche Gerichte geraten in Vergessenheit und werden nicht mehr zubereitet, andere werden erfunden oder „importiert“. Mit Letzteren kommen häufig Bezeichnungen ins Litauische, die mit dessen Sprachsystem nicht vereinbar sind, z. B. čipsai, miusliai usw. Um solche Bezeichnungen zu ersetzen, sucht man nach bereits vorhandenen oder ganz neuen litauischen Wörtern. Letztere setzen sich im tatsächlichen Sprachgebrauch nur langsam durch, z. B. javai̇nis, žuvainis usw. Somit muss beim Verfassen dieses Beitrags noch ein weiteres Problem gelöst werden – Kriterien für die Auswahl von Wörtern festzulegen, die nicht ins DŽ3 aufgenommen wurden, in der Gemeinsprache jedoch bekannt und gebräuchlich sind.
Das DŽ3 verzeichnet etwa 370 Wörter, die verschiedene Speisen und Getränke bezeichnen. Den größten Teil davon macht der einheimische Wortschatz aus – zahlreiche Bezeichnungen sind als Dialektismen oder umgangssprachliche Wörter einzustufen (z. B. ėdesys); ein Teil besteht aus älteren Entlehnungen, die sich im tatsächlichen Sprachgebrauch etabliert haben (z. B. arbatà). Am wenigsten enthält das DŽ3 neue Entlehnungen, die meist Nationalgerichte anderer Völker bezeichnen (z. B. guliašas).
1. „Für das Wörterbuch der litauischen Gemeinsprache nicht zu empfehlender Wortschatz.“
Bei der Analyse der im DŽ3 verzeichneten Wörter, die verschiedene Speisen oder Getränke bezeichnen, wird deutlich, dass ein bestimmter Teil des Wortschatzes für ein Wörterbuch der Gemeinsprache nicht geeignet ist.
Die meisten Probleme ergeben sich wohl bei den Dialektismen. Sie machen fast ein Fünftel der im DŽ3 gefundenen Speisenbezeichnungen aus. Nicht immer sind die Dialektismen im DŽ3 mit den entsprechenden Markierungen versehen: manchmal nur mit šnek., z. B. ėdis (2) šnek. ‚Speise‘, manchmal ganz ohne Hinweis, z. B. užkulas (1, 3b) ‚verschiedene Fette, Einbrenne, geschlossene Pastete‘, žalibarščiai (1) ‚kalte Rote-Bete-Suppe‘. Selbstverständlich wird nur ein Teil davon ins BŽ aufgenommen. Die im DŽ3 verzeichneten Dialektismen bezeichnen meist Gerichte ethnografischer Regionen, z. B. kiunkė (2) žem. ‚Speise aus gekochten und zerstampften Kartoffeln mit Erbsen‘, žildinys (3b) tarm. ‚geronnene, aus zerstoßenem Hanf hergestellte Milch und eine daraus zubereitete Speise‘. Ins BŽ sollten nicht Dialektismen schlechthin aufgenommen werden, sondern nur solche, die bereits als Ethnografismen gelten können. In Anbetracht dessen,
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Page 2Da der BŽ in erster Linie den Wortschatz der Gemeinsprache aufnimmt, besteht in bestimmten Fällen keine Notwendigkeit, die Zugehörigkeit von Wörtern zu einem bestimmten Dialekt hervorzuheben1. Daher sollten dialektale Wörter, die weithin bekannte ethnografische Gerichte bezeichnen und keine gebräuchlicheren gemeinsprachlichen Entsprechungen haben, im BŽ nur mit der Abkürzung etnogr. aufgeführt werden; auf Dialekthinweise dz., ryt., vak., žem., und tarm. sollte verzichtet werden, z. B. bei kastinys (3b) etnogr. ‚einem solchen žemaitischen Gericht aus geschlagener, erwärmter Sahne‘, aber pautienė (2) dz. siehe kiaušinienė usw. Bei der Entscheidung, wie Bezeichnungen für Speisen und Ethnografismen, die verschiedene Gerichte oder Getränke benennen, im BŽ aufgenommen werden sollen, sollte man sich am Prinzip der Systematik orientieren, d. h. die Namen der am weitesten verbreiteten oder zumindest bekannten Gerichte aufnehmen.
Taikant siūlomus tarmybių atrankos kriterijus (Lazauskaitė 1997: 14–15, 1998: 21–22), pirmiausia reikėtų atsisakyti retų, nedideliame tarmės plote vartojamų žodžių, pvz., burgė (2) vak. ‘prasta sriuba, buza; tiršta, nevykusi košė’ (LKŽ I, Alk, Pžrl), kėpis (2) žem. ‘su varške ar kanapių pienu iškeptas kepinys; toks sklindis’ (LKŽ V, S. Dauk, J, Ggr), kiūkis (2) vak. ‘suzmekusi duona’ (LKŽ V, Jrb, Šk, Slv), laistytinis (1) tarm. ‘miezinis taukais apipiltas pyragaitis’ (LKŽ VII, Škn, Žlns), miežainis (2) žem. ‘miežinis pyragas, ragaišis’ (LKŽ VIII, Brs, Skd), verstinis (2) tarm. ‘storas bulvinis sklindis’ (LKŽ XVIII, DŽ, NdŽ, Ad) ir kt.
Im „Wörterbuch der litauischen Gemeinsprache“ sollte auf Dialektismen und historische Wörter verzichtet werden, die aus älteren Schriften oder anderen Wörterbüchern ins DŽ3 und ins akademische „Litauische Wörterbuch“ gelangt sind und in der heutigen Sprache fast nicht mehr gebraucht werden (manchmal ist fraglich, ob sie selbst in den Dialekten bekannt sind), z. B. grūdiene (2) žem. ‚ein Gericht aus gekochtem Getreide‘ (LKŽ III, M. Valanč, DŽ), grikainė (2) ‚Buchweizenbrei‘ (LKŽ III, MŽ, K), lašinėtis (2) kul. ‚Küchlein mit Speck‘ (LKŽ VII, I, BŽ 367, DŽ, Žem), miltainė (2) ‚Mehlspeise (meist süß)‘ (LKŽ VIII, DŽ, trš), skinkis (2) vak. 1. ‚schwaches Bier, Kwass‘ (LKŽ XII, Q 442, C II 412, R 305, MŽ 409, N, LsB 285, K, Jn, L, K. Donel, Vaižg), sviestiniukas (2) ‚mit Butter gebackenes Brötchen‘ (LKŽ XIV, Ser, NdŽ) usw.
Im DŽ3 wird ein Gericht nicht selten mit mehreren Wörtern aus verschiedenen Mundarten bezeichnet. In solchen Fällen sollten im BŽ nur die am stärksten etablierten, bekannten Bezeichnungen verbleiben. Vergleichen wir fünf im DŽ3 aufgeführte Bezeichnungen für verschiedene Arten von Eiergerichten: keptienė (2) siehe kiaušinienė (LKŽ V, Šn, Smn), kiaušinienė (2) ‚ein Gericht aus gebratenen Eiern‘, omlėtas (2) ‚Rührei, meist mit Mehl und Milch‘, pautienė (2) dz. siehe kiaušinienė (LKŽ IX, Dv, Mrc, Pb, Švnč, Srj, JD169, Jrk 130, Lp, Šlvn), plaktienė (2) ‚Rührei‘ (LKŽ X, Krok). Im BŽ sollte neben dem gemeinsprachlichen Wort kiaušinienė von den genannten Bezeichnungen das etablierte Lehnwort omlėtas und der dzūkische Ausdruck pautienė aufgenommen werden, da die anderen Wörter …
K. Morkūnas (1997: 44) apskritai siūlo bendrinėje kalboje tvirčiau neįsigalėjusias tarmybes norminamajame žodyne pateikti tik su pažyma tarm.
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Page 3… selten gebraucht werden. Ähnliche Fälle finden sich auch im DŽ3, z. B. kraujienė (2) kul. ‚Suppe aus Blut, kruvienė‘ (LKŽ VI, Ml), kruvienė (2) ‚Suppe aus Blut‘ (LKŽ VI, DŽ, GK 1934, 84), juodikis (1) ryt. ‚Blutsuppe, in Sauerampfer gekocht‘ (LKŽ IV, Dglš). Auf Grundlage des Materials des akademischen „Litauischen Wörterbuchs“ meinen wir, dass für ‚Suppe aus Blut‘ das Wort kraujienė …. Dass ein Wort gebräuchlichere, allgemein verwendete Entsprechungen hat, wird im DŽ3 nicht selten durch den Verweis žr. angezeigt, z. B. gurgūtis (2) siehe k i a u r u t i s, krekšėliai (2) siehe d r e b u č i a i 1, mūsas (2) siehe p u t e s i a i usw.
Zu beachten sind Ableitungsvarianten, die zwar den Wortschatz der Gemeinsprache erweitern, aber nichts zum Bedeutungswortschatz beitragen2, z. B. pādažalas (3⁴b) ‚Soße‘ und pādažas (3ᵇ) ‚Würze zum Eintunken eines Gerichts, Tunke‘; skanėšis (2) siehe s k a n ė s t a s, skaninys (3ᵇ) siehe s k a n ė s t a s und skanumynas (1) ‚schmackhaftes Gericht, Leckerbissen‘, skanėstas (2) ‚schmackhaftes Gericht, Leckerbissen‘ usw. Wir meinen, dass in einem solchen Fall im Wörterbuch nur pādažas, skanumynas und skanėstas verbleiben sollten.
Im BŽ sollten keine nicht empfohlenen Wörter enthalten sein (im DŽ3 werden sie gewöhnlich mit dem Hinweis ntk. gekennzeichnet), wenn sie gebräuchliche, weit verbreitete Entsprechungen haben, z. B. ruletas (2) ntk. = v y n i o t i - n i s, sližikas (2) ntk. = p r e s k u t i s, sosiška (2) ntk. = d e š r e l e, liūklas (2) siehe g l a j u s usw. Bemerkenswert ist, dass die früher häufig verwendeten Wörter buljonas, kūgelis ir vinegrėtas allmählich aus dem Gebrauch verdrängt werden durch ihre allgemein bekannten Entsprechungen sultinys, (bulvių) plokštainis ir mišrainė. Daher ist zu erwägen, ob die ersten drei im „Wörterbuch der litauischen Gemeinsprache“ empfohlen werden sollten.
Zweifellos sollte auf Wörter der Kindersprache verzichtet werden, z. B. niūnė (2) ‚Brot (in der Kindersprache)‘ und Ähnliches.
Beachtung verdient noch ein weiterer Aspekt: polyseme Wörter, deren im DŽ3 aufgeführte Bedeutungen im tatsächlichen Gebrauch nicht alle bekannt sind, z. B. núoviros dgs. (1) 1. ‚das beim Kochen an die Oberfläche steigt, Schaum von Verunreinigungen‘, 2. ‚beim Kochen am Gefäßrand haftender Bodensatz‘, 3. siehe n u o v i r a s und vgl. núoviras (1) ‚Flüssigkeit, in der etwas gekocht wird: Mėsos nuoviras (Fleischbrühe)‘. Wie das Material des akademischen „Litauischen Wörterbuchs“ zeigt, ist die dritte Bedeutung des Wortes núoviros in den Dialekten überhaupt nicht belegt; daher sollte sie wahrscheinlich nicht in den BŽ aufgenommen werden.
2. Bedeutungsdefinitionen.
Bei der Untersuchung des Materials des DŽ3 anhand einzelner lexikalisch-semantischer Gruppen treten zahlreiche Uneinheitlichkeiten zutage, die sich auch nicht vermeiden lassen, wenn ein Wörterbuch nach dem alphabetischen Prinzip verfasst wird. Im BŽ, das sowohl systematisch verfasst als auch redigiert werden wird, sollte es derartige Dinge nicht geben. Dies gilt insbesondere für Definitionen. Die Bedeutungen der Wörter, die einzelne lexikalisch-semantische Gruppen bilden, sollten mit bestimmten schematischen Formulierungen erklärt werden (Paulauskas 1974: 47).
Bei der Analyse der im DŽ3 angegebenen Definitionen von Bezeichnungen für Gerichte und Getränke fallen einige Dinge ins Auge, die im BŽ vermieden werden sollten.
2 Näheres dazu siehe P a u l a u s k a s 1979: 77–80.
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Page 42.1. Häufig wird eine Speisenbezeichnung mit einem Wort erklärt (oder durch den Verweis „siehe“ darauf verwiesen) oder mit mehreren Synonymen, die ihrerseits wiederum mit demselben Wort erklärt werden; die genaue Bedeutung des erklärenden Wortes bleibt dabei ungeklärt, z. B. dažinys (3ᵇ) 2. siehe p a d a ž a s, pādažas (3ᵇ) „eine Speisenzutat zum Eintunken, Tunke“, pāmirkalas (3⁴ᵇ) „padažas, mirkalas“, mirkalas (3ᵇ) „eine Tunke aus Fett mit Mehl, Milch u. Ä., eine Speisenzutat zum Eintunken“.
2.2. Bei der Erklärung von Bezeichnungen für Gerichte und Getränke (übrigens auch von allen anderen Wörtern) stößt man auf ein weiteres Problem – die sogenannten Doppelverweise, z. B. buizà (4) siehe b u z a, bužà (4) siehe p l i u r z a 2; tešlainis (2) 2. siehe s a u s a i n i s 2, sausainis (2) 2. siehe d ž i ū v ė s i s usw.
2.3. Im BŽ sollte der genauen Bedeutung der definierenden Wörter besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden (die in der Gemeinsprache verbreitet sein sollte), damit keine Mehrdeutigkeiten entstehen, z. B. miežienis (2) „Gerstenkuchen, Roggenmischbrot“, pyrāgas (2) „Backware aus feinem Mehl“, ragaišis (2) „Brot aus grobem Weizen- oder Gerstenmehl“ (D޳). Somit wäre miežienis eine „*Backware aus feinem und grobem Weizen- oder Gerstenmehl“. Vgl. auch varškėtis (2) „Küchlein oder Teigtasche mit Quark“, pyragaitis (1) 2. dial. „Teigtasche, großer Kartoffelkloß“, virtinis (2) „Kloß aus geriebenen Kartoffeln oder Teig mit Füllung“ (D޳). Demnach wäre varškėtis eine „*Teigtasche, ein großer Kartoffelkloß oder eine Teigtasche (die ein großer Kartoffel- oder Teigkloß ist) mit Quark“. Einige Definitionen sollten einfach präzisiert werden, z. B. wird didžkukulis (1) im D޳ als „großer rundlicher Kloß, gewöhnlich mit Fleisch- oder Quarkfüllung“ bezeichnet; Klöße werden jedoch nicht nur aus Kartoffeln, sondern auch aus Mehl, Fleisch und Fisch zubereitet, weshalb in diesem Fall konkretisiert werden muss, woraus der Kloß besteht.
2.4. Bei der Definition von Gerichten wird im D޳ nicht selten das Wort Gericht vielleicht etwas zu häufig verwendet, wo genauere Erläuterungen nötig wären, z. B. Reibegericht (2) ‚Gericht aus geriebenen Kartoffeln‘ (welches – ein Pfannkuchen, ein Auflauf oder ein Brei?); Reibekartoffelgericht (2) ‚Brei oder Gericht aus geriebenen Kartoffeln‘ (aber ein Brei ist doch ebenfalls ein Gericht); Mehlgericht (2) ‚Gericht aus Mehl‘ (so kann man sowohl Brot als auch einen Pfannkuchen bezeichnen).
2.5. Bei der Analyse lexikalisch-semantischer Wortgruppen im D޳ zeigt sich ein allgemeines Problem – die unterschiedliche Wahl der Verfahren zur Bedeutungserklärung in vergleichbaren Fällen. Dies gilt auch für die lexikalisch-semantische Gruppe der Bezeichnungen für Gerichte und Getränke, vgl.
I a) núoviralas (1) siehe n u o v i r a s b) núoviras (1) „Flüssigkeit, in der etwas gekocht wird“
II a) pādažalas (3⁴ᵇ) „Tunke“ b) pādažas (3ᵇ) „eine Speisenzutat zum Eintunken, Tunke“
III (a und b in einem Artikel) užmaišalas (3⁴ᵇ), užmaišas (1) „das Ansetzen des Brotteigs, zum Ansetzen verwendetes Mehl“
In diesem Fall variiert im D޳ die Verwendung definierend-beschreibender, synonymischer und verweisender Verfahren der Bedeutungserklärung. Im BŽ wird zweifellos nur ein Teil der im D޳ angeführten Ableitungsvarianten verbleiben; daher ist zu erwägen, welches Verfahren zur Darstellung von Wortbedeutungen neben dem definierend-beschreibenden verwendet werden soll. Eines ist klar: Zumindest Varianten desselben Ableitungstyps sollten im Wörterbuch einheitlich dargestellt werden (darauf wird später noch eingegangen).
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Page 5Bei Verwendung der definitorischen – beschreibenden Erklärungsmethode sollte die Struktur der Definition einheitlich sein. Im D޳ werden häufig analoge Sachverhalte unterschiedlich erklärt, z. B. čiulkinys (3ᵇ) ‘zerstampfter Brei (eine Speise aus Grütze, Hafermehl, Erbsen, Kartoffeln usw.)’, šiupinys, šiupinys (3ᵇ) ‘Brei, der aus Erbsen, Bohnen und Kartoffeln oder Roggenmehl, Fleisch usw. gekocht wird’; ausėlė (2) ‘gefaltetes Teiggebäck, narsliukas, žagarėlis’, žagarėlis (2) ‘trockenes, dünnes, in Fett gebackenes Teiggebäck, ausėlė’; srėbalas (3ᵇ) menk. ‘Suppe, dünne Brühe’, šleipalas (3ᵇ) šnek. ‘was geschlürft wird, srėbalas’; degtinė (2) ‘starkes alkoholisches Getränk aus Spiritus und Wasser’, konjakas (2) ‘starkes alkoholisches Getränk aus Trauben’, užpiltinė (2) ‘süßes alkoholisches Getränk, hergestellt aus mit Spiritus übergossenen Frucht- und Beerensäften’ usw.
Bei der Erstellung des BŽ sollte man sich offenbar der beschreibenden – erklärenden und der Verweis-Erklärungsmethode bedienen. Auf synonymische Erklärungen sollte ganz verzichtet werden, denn Synonyme sind meist nicht bedeutungsgleich und weisen zusätzliche Bedeutungsnuancen auf, die dem erklärenden Wort fehlen können. Bei manchen Wörtern könnten Synonyme am Ende der Erklärung nach einem Semikolon angegeben werden, wobei in der Einleitung des BŽ darauf hinzuweisen wäre, dass das nach dem Semikolon Stehende nicht zur Bedeutungserklärung gehört.
Bei der Verweis-Erklärung wird die Bedeutung eines Wortes im D޳ nicht erklärt, sondern auf eine gleichartige Bedeutung eines anderen Wortes oder auf das Wort verwiesen, von dem es abgeleitet ist. Tatsächlich ist die Verweis-Erklärung aus mehreren Gründen zweckmäßig. Erstens kann man so bei Bedarf die unterschiedliche Etablierung synonymisch verwendeter Wörter in der Gemeinsprache zeigen, z. B. narsliukas (2) siehe auselė 2 usw. Zweitens lassen sich auf diese Weise bequem Speisenamen aufnehmen, die im D޳ nicht enthalten, aber bekannt und gebräuchlich sind, z. B. kūčiukas (2) siehe prėskutis usw. Drittens kann damit das Problem der Terminologie-, Stil- und sonstigen Markierungen gelöst werden – der Verweis siehe zeigt an, dass synonymisch verwendete Wörter hinsichtlich ihres Stils oder als Fachbegriffe gleichwertig sind, z. B. gurgutis (2) 2. siehe kiaurutis und vgl. kiaurutis (2) kul. ‘ein durch ein Sieb o. Ä. gedrehter Kloß’ usw. Viertens lässt sich im Wörterbuch in vielen Fällen vermeiden, dieselbe oder eine ähnliche Erklärungsformulierung zu wiederholen, z. B. skanėstas (2) ‘schmackhafte Speise, Leckerbissen’, skanumynas (1) ‘schmackhafte Speise, skanėstas’ und vgl. gardėsis (2) ‘skanėstas’, gardumynas (1) ‘skanėstas’ usw.
3. Artikelgestaltung.
Im D޳ werden manche Namen (genauer gesagt: Suppennamen) nicht in einem eigenen Artikel, sondern am Ende der Artikel zu den entsprechenden Wörtern aufgeführt, vgl. kopūstas (2) 1. bot. ‘Nutz- und Futterpflanze aus der Familie der Kreuzblütler (Brassica oleracea)’, 2. ‘Kohlkopf’. Δ Kiškio (zuikio) k. (kiškiakopūstis). Jūros ~ai (Seetangarten); kopūstai Pl. (2) ‘geschnittener Kopf oder Blätter dieses Gemüses; Suppe daraus, Kohlsuppe’; rūgštynė (2), rūgštynė (1) bot. ‘wild- und kultivierte essbare und heilkräftige Pflanze aus der Familie der Knöterichgewächse, Unkraut (Rumex)’; rūgštynės Pl. (2) ‘Blätter dieser Pflanze oder eine daraus zubereitete Suppe’. Vgl. auch die andersartige Darstellung solcher Suppen im D޳: kruopą (2) 1. meist Pl. ‘geschrotetes Getreidekorn (meist zerkleinert)’, 2. übertr. ‘kleines Stück Hagel oder etwas anderem’, 3. übertr. ‘ein wenig’, 4. Pl. ‘Suppe aus geschrotetem Getreide’; barščiai Pl. (2) 1. ‘Rote-Bete-Suppe’, 2. ‘angebaute Rote Bete mit Sauerampfer’; bu ērokai Pl. (2) siehe barščiai. Somit haben wir
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Page 6eine dreifache Darstellung analoger Bezeichnungen: 1) am Ende des Artikels (kopūstai, rūgštynės), 2) als eine der Bedeutungen ( kruopos) und 3) als eigener Artikel (barščiai, burokai). Wir meinen, dass im dritten Fall am richtigsten verfahren wurde. Schließlich stehen diese Wörter nur im Plural und haben seit Langem spezifische Bedeutungen angenommen. Alle genannten Suppennamen sind im akademischen „Lietuvių kalbos žodynas“ in eigenen Artikeln verzeichnet. Die Aufnahme solcher Wörter am Ende eines Artikels ist auch deshalb mangelhaft, weil dabei zwei Bedeutungen miteinander vermengt werden (in diesem Fall die Blätter der Pflanze und die Suppe selbst).
4. Markierungen umg., abw., kul.
4.1. Zur stilistischen Charakterisierung von Speisen werden im D޳ zwei Markierungen verwendet – menk. und šnek. Die erste steht bei Wörtern mit abwertender Konnotation (in der lexikalisch-semantischen Gruppe der Speisen gibt es insgesamt nur vier solche Fälle), z. B. ėdalas (3ᵇ) menk. ‘schlechte Speise’, ėdesys (3ᵇ) menk. ‘Essen, Speise’ usw.; die zweite zeigt an, dass das Wort der Umgangssprache angehört (im D޳ sind dreizehn Bezeichnungen mit der Markierung šnek. versehen), z. B. pliūrpalas (3ᵇ) šnek. 1. ‘schlechte Suppe; schlechtes Getränk’, pliūrza šnek.(1) ‘schlechte, dünne Speise’ usw. Im D޳ gibt es jedoch Fälle, in denen bei stilistisch konnotierten Wörtern keine der beiden Markierungen verwendet wird, z. B. kepaišis (2) ‘schlecht gebackener Kuchen oder Brot’, gėralas (3ᵇ) ‘schlechtes Getränk’ usw. Bei der Erklärung der Bedeutungen solcher Wörter werden fast immer dieselben Wörter prastas, nevykęs usw. verwendet, die die stilistische Nuance kennzeichnen. In ähnlichen Fällen ist vermutlich meist die Markierung menk. vorzuziehen, die sich von der Abkürzung šnek. dadurch unterscheidet, dass sie eine wertende Komponente (anders gesagt: eine negative Nuance) enthält, z. B. mitalas (3ᵇ) ‘Nahrung, Speise; schlechtes Essen’, prāmitalas (3⁴ᵇ) ‘Essen, Speise’ (zu beachten ist der Beispielsatz: Aus jedem pramitalas lässt sich etwas machen, und zwar ganz gut) und vgl. naminė (2) šnek. ‘hausgemachter Wodka’ usw.
Bei der Analyse stilistisch konnotierter Dialektlexik stellt sich die Frage, welche Markierung – eine stilistische oder eine dialektale – bei der Aufnahme von Dialektwörtern zu verwenden ist, die schlechte Speisen bezeichnen, z. B. skiņkis (2) westdial. 1. ‘schwaches Bier, Kwas’, 2. ‘schlechte Suppe’ usw. Vermutlich ist in den Fällen, in denen das Dialektwort in der Gemeinsprache keine gebräuchlicheren Ersatzformen hat, die Markierung šnek. vorzuziehen und auf Dialekthinweise zu verzichten.
4.2. Bei der Erstellung des BŽ muss die Verwendung der Markierung kul. präzisiert werden. In der Einleitung des D޳ (S. XIV) heißt es, dass Fachbegriffe aus bestimmten Bereichen durch Markierungen gekennzeichnet werden, die ihren Verwendungsbereich angeben, z. B. agr. – Agronomie, bot. – Botanik usw. Die Markierung kul. weist darauf hin, dass ein Fachbegriff dem Bereich der Kulinarik angehört.³
Bei der Erörterung der Gründe für die Verwendung (oder Nichtverwendung) der Markierung kul. sollte man sich zunächst am Prinzip der Systematik orientieren. Wie bereits erwähnt, werden Speisen im D޳ häufig definitorisch – beschreibend erklärt und zusätzlich synonymisch erläutert. Üblicherweise wird ein so erklärtes Wort mit der Markierung kul. versehen, z. B. aušėlė (2) kul. ‘gefaltetes Teiggebäck, narsliukas, žagarelis’, koldūnas (2) kul. ‘Teigtasche mit Hackfleischfüllung, mesėtis’ usw. Die Bestandteile synonymischer Erklärungen werden jedoch nicht immer mit einer solchen Markierung angegeben,
3 Kulinarik wird im D޳ als Kunst der Speisenzubereitung definiert.
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Page 7Der erwähnte Hinweis bezeichnet zwar dasselbe Erzeugnis, vgl. etwa tešlainis (2) 1. ‚ein solches süßes Teiggebäck‘ und vgl. žagarėlis (2) 2. kul. ‚trockenes, dünnes, in Fett gebackenes Teiggebäck, Öhrchen‘ u. Ä. Tatsächlich dürften in ähnlichen Fällen keine Zweifel an der Verwendung der Abkürzung kul. aufkommen. Es muss jedoch festgestellt werden, ob Wörter mit derselben Bedeutung in der Gemeinsprache gleichermaßen bekannt und gebräuchlich sind, etwa koldūnas und mėsėtis. In Fällen, in denen Wörter sich in der Gemeinsprache unterschiedlich stark etabliert haben, muss zunächst erwogen werden, welche Bedeutungsangabe vorzuziehen ist – eine Verweisangabe oder eine synonymische. Tatsächlich sollte die Struktur des BŽ so gestaltet sein, dass beim Wörterbuchbenutzer keine Zweifel daran aufkommen, dass der Verweis žr. die Anwendung stilistischer, terminologischer u. a. Angaben nicht nur auf das Hauptstichwort, sondern auch auf das Verweisstichwort bedeutet, etwa didžkukulis (1) kul. ‚großer, rundlicher Kloß, gewöhnlich mit Fleisch- oder Quarkfüllung‘ und vgl. cepelinas (2) 2. žr. d i d ž k u k u l i s u. Ä. In diesem Fall wird im D޳ klar gezeigt, dass das Wort cepelinas ebenfalls dem Bereich der Kochkunst zugeordnet ist, obwohl die Fachgebietsangabe kul. nur beim Wort didžkukulis steht. Folglich sollte das Wort mėsėtis im BŽ nicht synonymisch (mėsėtis (2) ‚koldūnas‘), sondern mit einem Verweis angegeben werden (mėsėtis (2) žr. k o l d ū - n a s). Auf diese Weise würde auf zwei Dinge hingewiesen: erstens darauf, dass die beiden Wörter in der Gemeinsprache unterschiedlich stark etabliert sind⁴, und zweitens darauf, dass die Fachgebietsangabe kul., die in der Definition des Wortes koldūnas steht, auch für das Wort mėsėtis gilt.
5. Auswahl neuer Termini.
Die im D޳ dargestellte lexikalisch-semantische Gruppe der Speisen und Getränke muss um Bezeichnungen für neue Realien ergänzt werden. Bei der Entscheidung über die Aufnahme von Wörtern, die neue Speisen bezeichnen, in das BŽ stellt sich zunächst das Problem ihrer Auswahl. Als wichtigste Kriterien für die Auswahl neuer Lexik gelten die Eignung des Wortes für das System der Gemeinsprache und seine Etablierung im tatsächlichen Sprachgebrauch.
Bei der Erstellung des BŽ muss über die Grundsätze der Wortauswahl entschieden und das Verhältnis zwischen Lehnwörtern und dem Wortschatz der Gemeinsprache festgelegt werden. Schließlich sollten die meisten Lehnwörter nicht in ein Wörterbuch der Gemeinsprache, sondern in ein Fremdwörterbuch aufgenommen werden, etwa kriušonas, ragù u. Ä. Wenn es jedoch für die Bezeichnung einer verbreiteten Speise kein bedeutungsgleiches oder bedeutungsähnliches Wort der Gemeinsprache gibt, sind Lehnwörter aufzunehmen. Dies gilt vor allem für Nationalgerichte anderer Völker oder Lebensmittel, die es früher in Litauen nicht gab, etwa belišas, bifilinas, čenačas, jogùrtas, kibinas, picà, spagečiai u. Ä. Die genannten Wörter sind ebenso aufzunehmen wie andere Lehnwörter derselben lexikalischen Ebene, die sich bereits in der Gemeinsprache etabliert haben, etwa čeburėkas, guliašas u. Ä.
Auch Lehnwörter, die in der Gemeinsprache weit verbreitet sind und spezielle Speisen (meist verschiedene Fleischgerichte) bezeichnen, sollten in das BŽ aufgenommen werden, etwa befstrògenas ‚Gericht aus geklopftem, in Streifen geschnittenem, angebratenem und geschmortem Rindfleisch‘, langėtas ‚längliches Schnitzel aus geklopftem Rindfleisch‘, servelãtas ‚Räucherwurst aus zerkleinertem Fleisch (Rind- oder Schweinefleisch)‘ u. Ä.
4 Im Allgemeinen ist das Wort mėsėtis eher als Fachterminus der Spezialliteratur anzusehen.
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Page 8Einige Bezeichnungen für alkoholische Getränke, die sich seit Langem in der Gemeinsprache etabliert haben, sollten aus Gründen der Systematik in das BŽ aufgenommen werden, etwa neben den im DŽ3 aufgeführten konjako, viskio u. Ä. auch brendis, džinas u. Ä.
Bei der Anwendung des Kriteriums der Verbreitung von Wörtern sei auf das bereits erwähnte Wort kūčiukas hingewiesen, das im DŽ3 nicht aufgeführt ist, in den Dialekten weit verbreitet ist und sich zunehmend in der Gemeinsprache etabliert. A. Šiupienienė (1998: 63) bezeichnet es als korrekt und empfiehlt es.
In das BŽ sollten Bezeichnungen für Mehlgebäck aufgenommen werden, die dessen Form beschreiben, etwa juostėlė, krepšelis, šiaudelis, žiedas u. Ä. (wobei zu berücksichtigen ist, dass das DŽ3 bereits auselė, pynutė, plokštainis, ragelis, riestainis u. a. enthält).
Zweifellos sollten in das BŽ auch Ersatzwörter für Lehnwörter aufgenommen werden, die erst vor Kurzem verwendet wurden, in der Gemeinsprache aber nicht empfehlenswert sind, etwa dešrainis, javainis, mėsainis, sūrainis, žuvainis u. Ä. Dadurch ließen sich Sprachfehler in der Verwendung und Verbreitung verhindern und die Etablierung der von Sprachwissenschaftlern empfohlenen Normen im tatsächlichen Sprachgebrauch beschleunigen. Besonders wichtig ist es, Neubildungen in das BŽ aufzunehmen, die seit Langem etablierte Realien bezeichnen, etwa čiulpinukas (2) ‚Lutschbonbon, gewöhnlich mit Stiel‘ u. a.
Bei der Erstellung des BŽ sollte darauf geachtet werden, die im DŽ3 angegebenen Bedeutungen der Wörter um neue Bedeutungen zu ergänzen, anders gesagt, die Möglichkeiten zur Erweiterung der semantischen Felder von Wörtern zu berücksichtigen. Tatsächlich gibt es Wörter, die neben gewohnten Begriffen in der Gemeinsprache auch neue bezeichnen, etwa bandelė, das heute nicht nur als ‚kleines Gebäckstück‘ verstanden wird. Bandelė wird auch ein kleines, rundliches Kartoffelklößchen aus geriebenen Kartoffeln ohne Füllung genannt, ebenso ein gebackenes Kartoffelgericht ohne Füllung. Dasselbe gilt für das Wort ragėlis, das heute nicht nur ein Gebäckstück mit gebogenen Enden, sondern auch ein kleines gebackenes Kartoffelgericht mit Fleischfüllung bezeichnet.
Anhang
DŽ3 BEZEICHNUNGEN FÜR SPEISEN UND GETRÄNKE, DIE NICHT IN DAS „WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN GEMEINSPRACHE“ AUFZUNEHMEN SIND
Wir möchten darauf hinweisen, dass die meisten in dieser Liste aufgeführten Wörter allein aufgrund der Besonderheiten des Wörterbuchs nicht in das BŽ aufgenommen werden sollten. Das bedeutet jedoch nicht, dass vorgeschlagen wird, ganz auf sie zu verzichten (selbstverständlich mit Ausnahme der Fälle, in denen ein Wort als Sprachfehler anzusehen ist, z. B. kakao, liū克ras, sližikas usw.). Ein Teil dieser Wörter könnte wohl dazu dienen, neue Gerichte zu bezeichnen oder bessere Ersatzformen für bereits bestehende Bezeichnungen zu finden, z. B. miežienis, tašiukas, uogainė usw.
(Es wird nicht vorgeschlagen, auf die mit einem Sternchen gekennzeichneten Bedeutungen zu verzichten; sie werden hier aufgeführt, damit die nicht in das BŽ aufzunehmende Bedeutung klarer wird.)
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Page 92 rund‖lich Adj. (2)
1. kul. Klößchen
1 Hafergericht (2)
Brot aus Hafermehl
Schote‖, ~en f. (1)
*1. Hülse reifer Bohnen oder Erbsen
2. Gericht aus gekochten solchen Hülsen
burgė (2) westl.
2. schlechte Suppe, dünne Suppe; dicker, misslungener Brei
Rote-Bete-Salat (2) östl.
Rote-Bete-Salat
Grieben‖ (3ᵇ)
3. in der Pfanne gebratener Speck
4. prickelndes Getränk
Sülze (1)
siehe K a l t s p e i s e
Speise (2)
2. umgangssprachlichMahlzeit
Speisereste, ~ų Plural Genitiv (3ᵃ)
2. niederlitauischMahlzeit, Speise
Leckerbissen (1)
2. Leckerei
2 Getränk (2)
Getränk, alkoholisches Getränk
Buchweizengrütze (2)
Buchweizenbrei
Getreidegericht (2) niederlitauisch
Gericht aus gekochtem Getreide
Stampfgericht (2)
*1. grobe Gerstengrütze, Graupen
2. Suppe aus solcher Grütze
gurgūtis (2)
2. siehe k i a u r u t i s
išspirga (1)
siehe s p i r g a s
išsukos Pl. (1)
2. siehe pa s u k o s
išsunkos Pl. (1)
1. das Ausgepresste, Trester
juodikis (1)
1. östl. Blutsuppe, in Sauerampfer gekocht
kakāo Akk. Sg., Akk.
= k a k a v a
kanapienė (2)
Speise aus Hanfsamen, Hanfbrei
Leber (2)
1. niederlitauisch Braten
Brennerei (2) ethnogr.
ein angebratenes, hartes Osterei zum Eierstoßen
Brennerei (2) niederd.
mit Quark oder Hanfmilch gebackenes Gebäck; ein solcher Pfannkuchen
keptienė (2)
weiblich E i e r g e r i c h t
kiūkis (2)
2. westlitauisch zerbröseltes Brot
Kiunke (2) niederd.
ein Gericht aus gekochten und zerdrückten Kartoffeln mit Erbsen
Kliurke (2) westlit.
2. schlechte Suppe, wässrige Suppe
Blutwurst (2) kul.
Suppe aus Blut, Blutsuppe
Kruštienė (2) Dial.
*1. Gerstengrütze
2. ihre Suppe
Kruvienė (2)
Suppe aus Blut
Laidytniai Pl. (1) westl.
gekochte Teigstücke
Laistytinis (1) Dial.
ein mit Schmalz übergossenes Gerstenküchlein
Liūkras (2) Küche
siehe g l a j u s
Maišalienė (2), Maišalynė (2)
1. eine aus verschiedenen Zutaten zubereitete Speise
1 Miežainis (2) südl.
Gerstenkuchen, Roggenmischbrot
1 Miežien‖is (2) östl.
Gerstenkuchen, Roggenbrot
213
Page 10Mehlspeise (2)
Mehlgericht (meist süß)
Mehlspeise (2) ethnogr.
fermentierter Hafermehlbrei
Mūsas (2)
siehe p u t ė s i a i
Nárstytinis (1)
siehe a u s e l ė 2
Niūnė (2)
Brot (in der Kindersprache)
Núoviralas (1)
siehe n u o v i r a s
Núoviros Pl. (1)
3. siehe n u o v i r a s
Oranžadas (2)
ein Getränk aus Orangensaft, Zucker und Wasser
pādažalas (3⁴ᵇ)
Soße
paliėpsn║is (2) aus dem Osten Litauens
ein vor der Ofenflamme gebackenes Brötchen, Fladen
pāmentalas (3⁴ᵇ) aus dem Osten Litauens
1. Brei aus Roggenmehl; Gäransatz aus Sauerteig und Rüben zur Herstellung von Kwas 2. aus Roggenmehl hergestellte Säure 3. Bodensatz der Säure oder des Kwass, Trester
pāmirkal║as (3⁴ᵇ)
Soße, Tunke
pārpelis (1) ryt.
ein Klößchen aus Mehl oder Kartoffeln
pavalg║ā (3ᵇ) tarm.
1. Nahrung, Essen
pavalg║is (2)
Mahlzeit, Speise
pyragā║tis (1)
2. dial. Knödel, Kartoffelklöße
Schlagspeise (2)
geschlagenes Rührei
Plikbarščiai Pl. (1) dial.
einfache, unzubereitete Rote-Bete-Suppe
Pliurškalas (3ᵇ)
1. ugs. dünne, schlechte Suppe, dünne Brühe
2 plōn║is (1) süddial.
ein dünnes rundes Fladenbrot, das auf heißen Kohlen gebacken wird
prāmetal║as (3⁴ᵇ) dial.
womit eine Speise gewürzt wird, Beigabe (Fett, Milch)
prāmital║as (3⁴ᵇ)
Nahrung, Speise
Preškienė (2), Preškinys (3ᵃ)
eine saure Speise (meist Suppe, Kartoffelsuppe)
Zwischenmahlzeit (1)
essbarer Gegenstand
privalgis (1)
siehe p r i e v a l g i s
ragaišduonė (1)
schwach fermentiertes Brot
rauginys (3ᵃ)
Flüssigkeit, die zum Marinieren verwendet wird
1 riestinis (2) kul.
gefülltes Fleischkotelett, Roulade
rūkinys (3ᵇ)
geräucherte Speise
gerollt (2) nkt.
= w i c k e l i g
saldabandė (2) vak.
süßes, ungesäuertes Fladenbrot, Ragaischbrot
saldienė (2) etnogr.
siehe S a l d ė
Sausienė Substantiv (2) westlit.
trocken gekochte, geschmorte Kartoffeln; Schmorgericht
Šikė (2) mundartl.
2. flacher Kuchenlaib
Skanėsis (2)
siehe S k a n ė s t a s
Geschmacksgeber (3ᵇ)
siehe S k a n ė s t a s
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Page 11skińkis (2) westlit. 1. dünnes Bier, Malztrunk 2. dünne Suppe
šližikas (2) veralt. = Pfannkuchen
slopė (2) Žemaitisch geschmorte Kartoffeln (meist mit Fleisch)
sosiskà (2) veralt. = Würstchen
sūdinys (3a) gesalzenes Lebensmittel
svieštinūkas (2) mit Butter gebackenes Brötchen
svogūnėtis (2) dial. Braten mit Zwiebeln
šautas (2) 1. Žemaitisch Blättersuppe, Blättersuppe aus Kohlblättern
šlerpalas (3b) umgangsspr. etwas, das geschlürft wird, Schlürfgericht
šutienė (2) gekochte und trocken geschmorte Kartoffeln mit irgendeiner Füllung, Schmorgericht
tašiūkas (2) klebriges Bonbon, Toffee
tenėšiai Plural (2) etwas, das geliert ist, Wackelpudding
trintainė (2) Kartoffelpüree
uogainė (2) Beerensuppe
uogainis (2) Kuchen mit Beeren
užtrinalas (34b), užtrinas (1) Fett, das zum Würzen von Speisen oder Suppe verwendet wird, Füllung, Einlage
Imbiss (1) Snack, Speise
Fruchtsuppe (2) 1. Fruchtsuppe; Früchtekompott 2. veralt. Sirup
Mahlzeit (4) morg. 2. Vorrat an Speisen, Speise
Suppe (1) dial. Brühe, Suppe
1 Verstinis (2) dial. dicker Kartoffelkloß
Grünborschtsch Pl. (1) kalte Rote-Bete-Suppe
Hanfspeise (3b) 1. dial. gekochte Hanfmilch aus zerstoßenen Hanfsamen und eine daraus zubereitete Speise 2. gewöhnl. Pl. Klümpchen aus saurer Milch
Kräutersuppe (2) 1. Kräutersuppe
Gauta 1998 06 12
215
Page 12LITERATUR UND QUELLEN
DŽ3 – Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1993.
L a z a u s k a i t ė V. 1997: Dėl dzūkybių pateikimo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“ – Jaunųjų kalbininkų konferencija. Konferencijos tezės. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 13–15.
L a z a u s k a i t ė V. 1998: Dėl tarmybių ir jų reikšmių pateikimo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“. – Mokslinis seminaras, skirtas A. Jonait y tės 70-mečiui. Pranešimų tezės. Šiauliai: Šiaulių universitetas, 21–24.
LKŽ – Wörterbuch der litauischen Sprache 1–2, Vilnius: Mintis, 1968–1969; 3–6, Vilnius: Staatlicher Verlag für politische und wissenschaftliche Literatur, 1956–1962; 7–9, Vilnius: Mintis, 1966–1973; 10–15, Vilnius: Mokslas, 1976–1991; 16–17, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1995–1996.
M o r k ū n a s K. 1997: Norminamasis žodynas ir lingvistinė geografija. – Lietuvių kalbotyros klausimai 37, 40–45.
P a u l a u s k a s J. 1974: Aktualios leksikos norminimo problemos ir žodynas. – Kalbos kultūra 27, 40–49.
P a u l a u s k a s J. 1979: Die Normierung lexikalischer Varianten. – Sprachkultur 37, 77–80.
Š i u p i e n i e n ė A. 1998: Atmintinė rašančiam maisto prekių etiketes, valgiaraščius, Vilnius: Presvika.
Die übrigen Abkürzungen wie im LKŽ.
DIE BEZEICHNUNGEN DER GERICHTE UND GETRÄNKE IN „BENDRINĖS LIETUVIŲ KALBOS ŽODYNAS“ („WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN GEMEINSPRACHEN“)
Zusammenfassung
Im Beitrag wird die in der 3. Auflage von „Bendrinės lietuvių kalbos žodynas“ (Vilnius, 1993; weiterhin DŽ3) vorliegende lexikalisch-semantische Gruppe der Gerichte – und Getränke-bezeichnungen untersucht. Die wichtigsten Resultate, die sich aus der Untersuchung ergeben sind folgende:
1. Die Analyse des eigenen, persönlichen Wortschatzes, der Gerichte gewöhnlich einer ethnographischen Region bezeichnet, veranlaßt, selten vorliegende, auf einem kleinen Mundartgebiet gebräuchliche Dialektismen und Wörter nicht anzuführen, da sie ins DŽ aus archaischen Schriften oder aus anderen Wörterbüchern aufgenommen sind. Überhaupt ist es wünschenswert, auf die nicht anzuführenden Wörter und die sich im Gebrauch der Gemeinsprache nicht durchgesetzten Wortbildungsvarianten oder Bedeutungen zu verzichten.
2. Bei der Erörterung der Bezeichnungen der Gerichte und Getränke die in DŽ3 angeführt sind, wird auf die nichtgleichartige, unterschiedliche Bestimmungsweise der Bedeutung hingewiesen. Es wird versucht festzustellen, wodurch sich die verschiedenen Weisen der Bedeutungsbestimmung – die beschreibende, die synonymische und die hinweisende – unterscheiden. Wir vertreten den Standpunkt, daß die in DŽ vorliegenden Bezeichnungen dieser Objekte nach einem einheitlichen semantischen Prinzip zu strukturieren sind.
3. Da die Bezeichnungen von Gerichten und Getränken zu einer lexikalisch-semantischen Gruppe gehören, die sich sehr schnell entwickelt und ändert, ist beschlossen, sie durch Bezeichnungen neuer Realien zu erweitern. Dabei gelten für die Auswahl der neuen Lexik die Krite-
216
Page 13rien, daß ein Wort dem System der Gemeinsprache entspricht und daß es im reellen Gebrauch verbreitet ist. Davon ausgehend ist beschlossen, von den neuen Entlehnungen vorerst die anzuführen, die Nationalgerichten anderer Völker u. ä. bezeichnen und Neologismen, die in die Gemeinsprache vor kurzem eingeführt sind als Ersatz für Entlehnungen, die nicht gebraucht werden sollen. Dabei soll das semantische Feld eines Wortes durch neue, im reellen Gebrauch längst bekannte Bedeutungen erweitert werden.
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