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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA

XLVII (2002), 41–54

Der indogermanische Genitiv des Agens bei finiten Verben und Partizipien*

William R. Schmalstieg

The Pennsylvania State University

Beispiele für die Verwendung des finiten Verbs und des Genitivs mit Agensfunktion werden aus dem Altindischen, dem Altpersischen, dem Tocharischen, dem Griechischen und dem Slawischen angeführt. Ferner wird vorgeschlagen, dass das Genitivobjekt bestimmter Verbklassen, z. B. indogermanischer Verben mit dem Suffix *-é-, ursprünglich als Agens fungiert haben könnte und dass das etymologische Subjekt der Patiens war.

In diesem Aufsatz möchte ich einige Beispiele für den Genitiv des Agens (oder vielleicht besser: den Genitiv der Quelle) bei finiten Verben in einigen anderen indogermanischen Sprachen als den baltischen¹ anführen. Die etymologische possessive Interpretation ist bei passiven Partizipialkonstruktionen immer möglich; mir scheint es jedoch unnötig, für die Konstruktionen mit finiten Verben eine Erklärung und für die Konstruktionen mit passiven Partizipien eine zweite Erklärung anzunehmen, obwohl ich vermute, dass die Konstruktionen mit finiten Verben im Prinzip als analog zu denen mit Partizipien erklärt werden könnten. Zunächst möchte ich das Beispiel für die Verwendung des Genitivs des Agens bei einem finiten Verb aus dem Altpersischen anführen (Cardona 1970: 2; Kent 1953: 133):

(1)

avāy ūvijyā arikā āha

NOM. PL. MASC. NOM. PL. NOM. PL. MASC. 3 PL. IMPERF.

die Elamiter untreu waren

u-tāšam Auramazdā naiy ayadiya

CONJ.-GEN. PL. MASC. NOM. SG. MASC. NEG. 3 SG. PSV. IMPERF.

und von ihnen Ahuramazda nicht verehrt wurde

„Die Elamiter waren untreu, und Ahuramazda wurde von ihnen nicht verehrt.“

Note the Old Indic example with a finite verb (Jamison 1979: 134):

Ich möchte hiermit Prof. Vytautas Ambrazas und Prof. Algirdas Sabaliauskas dafür danken, frühere Fassungen dieses Aufsatzes gelesen und kommentiert zu haben. Außerdem möchte ich Prof. Giedrius Subačius dafür danken, die Passage aus Rhesas Bibel in der Chicago Newberry Library transkribiert zu haben. Obwohl ich ihn in diesem Aufsatz nicht direkt erwähnt habe, möchte ich Prof. Axel Holvoet meinen Dank aussprechen, dessen Schlussfolgerungen ich häufig nicht zustimme, dessen Aufsätze mir jedoch bei der Überarbeitung und Formulierung meiner eigenen Gedanken hilfreich waren. Sein in den Literaturangaben zitierter Aufsatz von 2001 war der unmittelbare Anstoß zu diesem Beitrag.

1 Haudry (1977: 409) writes that the subjective genitive and the genitive of belonging go back to the same origin as the genitive of agent, viz. the genitive of source, which when used with the passive participles denotes the author of the action and is opposed to the instrumental which denotes the element in contact, the object possessed or the instrument of the process.

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(2)

idáṃ tyát NOM. SG. NEUT. dieses jenes pātram NOM. SG. Becher indrapāṇam, NOM. SG. Indras Trank índrasya GEN. SG. von Indra

priyám NOM. SG. NEUT. lieb amṛ́tam NOM. SG. NEUT. unsterblich apāvi 3RD SG. PSV. AOR. wurde getrunken

„Dieser Becher selbst, Indras Trank, lieb und unsterblich, wurde von Indra getrunken.“

A Tocharian B example of the genitive of agent is given below (Krause, Thomas 1960: 83):

(3)

srukor NOM. SG. Tod aíśaumyepi GEN. SG. von einem Weisen olypo ADV. sehr [ri]toy(tā)r 3RD SG. MIDDLE OPTATIVE soll gesucht werden

‘eher dürfte der Tod von einem Weisen gesucht werden’

„Der Tod sollte vielmehr von einem Weisen gesucht werden.“

Nun ist wohlbekannt, dass im Verlauf der Sprachgeschichte im Laufe der Zeit die Präposition die einfache Kasusendung zu stützen beginnt. Sprachlehrer erklären ihren Schülern typischerweise, dass diese oder jene Präposition diesen oder jene Kasus verlangt; historisch gesehen ist es jedoch gewöhnlich genau umgekehrt. Die Präposition (als eine Art etymologisches Adverb) stützt einen ursprünglichen Kasus. Die Ersetzung von Lat. īre Romam durch īre ad Romam „nach Rom gehen“ ist wohlbekannt, doch gibt es auch viele weitere Beispiele. So schreibt Krys’ko (1997: 121–122), dass im Russischen während der Herausbildung der Kategorie des direkten Objekts der Gegensatz zwischen Objekt- und Umstandsformen verstärkt wird. Infolgedessen wird der Akkusativ des räumlichen Objekts, der die lexikalisch-lokative und die funktionale Objektkategorie verbindet, d. h. sowohl durch Umstandscharakter als auch durch Objektqualität gekennzeichnet ist, allmählich durch die Präposition čerez „durch“ plus Kasusform ersetzt. Interessanterweise sagt Krys’ko voraus, dass der einfache Akkusativ des Objekts bei Bewegungsverben allmählich durch eine Konstruktion aus Präposition plus Objekt ersetzt werden wird, wie dies bei bestimmten Konstruktionen bereits geschehen ist, z. B. perelet’ čerez zabor „über den Zaun klettern“, pereletet’ čerez more „über das Meer fliegen“.

Im Griechischen ist die Präposition ὑπό „von“ dazu gekommen, den Genitiv im Sinne eines Agens zu stützen. So:

(4)

ἠνάγκασμαι ὑπὸ τῶν γεγενημένων... τούτου κατηγορεῖν 1 SG. PSV. AOR. PRÄP. GEN. PL. GEN. PL. GEN. SG. INF. Ich bin durch das Geschehene gezwungen... diesen anzuklagen

„Ich bin durch das Geschehene gezwungen, diesen Mann anzuklagen.“ (Goodwin, Gulick 1958: 261.)

Paul Andersen (1991: 123) showing how in Greek the introduction of an agent can change the interpretation of an active intransitive construction to a passive construc-

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…tion ergibt die folgenden Beispiele (Herodot 3, 15, 4):

(5) αἷμα ταύρου πιών ἀπέθανε παραχρῆμα ACC. SG. GEN. SG. NOM. SG. MASC. PAST ACT. PART. 3 SG. AOR. ADV. Blut eines Stiers trinkend starb er auf der Stelle ‘Nachdem er das Blut des Stiers getrunken hatte, starb er auf der Stelle.’ (Herodot 7, 213, 2)

(6) ἀπέθανε ὑπό ’Αθηναδέω ἀνδρός Τρηχινίου 3 SG. AOR. PREP. GEN. SG. GEN. SG. GEN. SG. MASC. starb durch Athenades Mann Trachinier ‘Er wurde von einem Trachinier namens Athenades getötet.’

With regard to Old Church Slavic Vaillant wrote (1964: 189) that the agent of a passive verb may be rendered by the instrumental or otъ plus the genitive. Vaillant (1964: 195) gives the example from Matthew 3.6:

(7) krъštaaxo sę otъ nego 3 PL. IMPERF. REFL. PTCL. PREP. GEN. SG. wurden von ihm getauft ‘Sie wurden von ihm getauft.’

Die Hinzufügung von otъ verstärkt lediglich die ursprüngliche Bedeutung des Genitivs des Agens.

Oben habe ich Belege für die Verwendung eines agentiven Genitivs mit einem finiten Verb im Altiranischen, Altindischen, Tocharischen, Griechischen und Slawischen angeführt. Daher scheint mir ein indoeuropäischer Ursprung der Konstruktion durchaus wahrscheinlich.

Ausgehend von der Auffassung, dass unmotivierte Syntax ihren Ursprung in motivierter Semantik hat, schlage ich vor, dass der unmotivierte Genitiv, der von bestimmten Verben gefordert wird, den Reflex einer früheren agentiven Bedeutung darstellt. Aus synchronischer Sicht würde man sagen, dass dieses oder jenes Verb einen bestimmten Kasus verlangt, dafür gibt es jedoch keine Motivation. In vielen Konstruktionen lässt sich das Subjekt also als ursprünglich das Objekt (oder den Patiens) der Handlung oder des Zustands verstehen und das Genitivobjekt als Agens oder Quelle der Handlung oder des Zustands. Als die indoeuropäische Sprache vom ergativen Typ zu einem nominativ-akkusativischen Typ überging, wurde der ursprüngliche Patiens als Subjekt aufgefasst und die Analyse der alten ergativen Satztypen änderte sich.

So werden beispielsweise bestimmte altenglische Konstruktionen traditionell als „unpersönlich“ bezeichnet, obwohl Visser (1963: 20) diesen Begriff für eine Fehlbezeichnung hält. Nach Visser (1963: 23): „Diese Konstruktion wird nicht selten von einer Ergänzung in Form eines Substantivs oder Pronomens im Genitiv begleitet … oder von einer Präposition (for, of, æt, to usw.) + Substantiv … Da es zweckmäßig ist, einen Namen für die Ergänzung in Form eines (Pro-)Nomens im Genitiv zu haben, wird sie KAUSATIVES OBJEKT genannt, da sie in den meisten Fällen die Ursache oder den Anlass der durch das Verb, auf das sie sich bezieht, bezeichneten Handlung oder des bezeichneten Zustands ausdrückt.“ Vissers Begriff „kausatives Objekt“ ist sehr passend, da er mit der Auffassung übereinstimmt, dass der Genitiv ein Agens oder eine Quelle ist, die die Handlung oder den Zustand hervorruft. Beispiel:

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(8) him sceamode ðæs mannes DAT. SG. 3 SG. PRET. GEN. SG. MASC. GEN. SG. ihm beschämte es wegen jenes Mannes „er schämte sich jenes Mannes.“

Diesem „unpersönlichen Satzbau“ mit einem „kausativen Objekt“ ging wahrscheinlich ein persönlicher Satzbau voraus, ebenfalls mit einem „kausativen Objekt“. Im Altenglischen ersetzte ein Dativobjekt ein ursprüngliches Subjektnominativ. Vergleiche das gotische Beispiel mit einem verwandten Verb (Lukas 9.26):

(9) saei... skamaib sik meina NOM. SG. 3 PRES. REFL. GEN. SG. wer immer sich meiner schämt „wer immer sich meiner schämt“ (Streitberg 1919: 131)

According to Erhart (1980: 182) Indo-Iranian fourth class verbs (those in -ya) were originally stative, but some had developed into passives already in the Indo-Iranian period. Let us compare the following sentence from Old Indic (Macdonell 1916: 319):

(10) ānnasya tṛṇyati GEN. SG. 3RD SG. PRES. mit Nahrung erquickt er sich „Er erquickt sich mit etwas Nahrung.“

Nach der Interpretation in Lehrbüchern regiert das Verb tṛp- den Genitiv; man beachte jedoch, dass dieses Verb zur vierten Klasse des Indischen gehört und man die syntaktische Interpretation umkehren könnte, indem man einen genitivischen AGENT (oder in Vissers Terminologie ein kausatives Objekt) und einen nominativischen Patiens annimmt. Dann könnte man den Satz so verstehen: „Die Nahrung erquickt ihn.“ Betrachten wir nun das folgende lateinische Beispiel:

(11) pudet mē tuī 3 SG. PRES. ACC. SG. GEN. SG. beschämt mich deiner „Ich schäme mich deiner.“ (Bennett 1945: 140)

Dies ließe sich auch verstehen als: „Du beschämst mich.“ Vergleiche das obige altenglische Beispiel (8) und gotische Beispiel (9). Hermann (1926: 286–287) bringt die lateinischen Verben auf *-ē- mit den litauischen Stativverben auf -ė- in Verbindung, die häufig ein Genitivobjekt verlangen; vgl. den litauischen Satz von Basanavičius:

(12) o jéí tù manęš taip bjaurési CONJ. CONJ. NOM. SG. GEN. SG. ADV. 2 SG. PRES. aber wenn du von mir so abgestoßen bist „aber wenn du so von mir abgestoßen bist.“

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Das Verb bjaurētis ‚abgestoßen werden‘ ist ein Stammverb auf -ē- (<*-ē-). Dies könnte man verstehen als: ‚aber wenn ich dich so zurückstoße‘.

Weitere litauische Beispiele sind:

(13) Vaikas svečių drōvisi (inf. drovėtis)

NOM. SG. GEN. PL. 3 PRES.

child by guests is made shy (DŽ 1993: 13)

‚Das Kind wird durch die Gäste schüchtern gemacht, d. h., das Kind ist in Gegenwart der Gäste schüchtern.‘

Dies ließe sich auch umkehren und verstehen als: ‚Die Gäste machen das Kind schüchtern.‘

(14) Manęs visi bōdis (inf. bodėtis)

GEN. SG. NOM. PL. 3 PRES.

von mir ist jeder genervt (LKŽ, 966)

‚Jeder ist von mir genervt‘, was man verstehen könnte als ‚Ich nerve jeden‘.

Die Verben in den obigen Beispielen (9) bis (14) gehören alle derselben indoeuropäischen Klasse von Zustandsverben an und nehmen hier durchweg Genitivobjekte, oder in Vissers Terminologie ‚Kausativobjekte‘. Siehe auch Ambrazas (2001a: 29–34) für viele weitere Beispiele und teilweise ähnliche Schlussfolgerungen.

Meiner Ansicht nach lässt sich eine Analyse des Genitivs des Agens nicht von einer Analyse des Instrumentals trennen, mit dem er in bestimmten syntaktischen Fügungen konkurriert2. Man beachte folgenden litauischen Satz (Paulauskienė 1979: 99):

(15) žēmė ēsti sniegū (sniego) nuklōta

NOM. SG. 3 PRES. INSTR. SG. GEN. SG. NOM. SG. FEM.-T-PART.

Erde ist mit Schnee (durch Schnee) bedeckt

‚Die Erde ist mit (durch) Schnee bedeckt.‘

In diesem Fall würde die Verwendung des Instrumentals sniegū bedeuten, dass Schnee als Instrument betrachtet wird, während die Verwendung des Genitivs sn一ego bedeuten würde, dass Schnee der Agens ist.

2 Nun kann man eine ähnliche Dichotomie auf die o-Stamm-Substantive anwenden. Dann kann der Nominativ Singular auf *-s (wahrscheinlich ein alter Ergativ) als Quelle der Handlung betrachtet werden, im Gegensatz zum Nominativ Singular auf *N (= *-m oder *-n, wahrscheinlich ein altes Instrumental), der als Instrument betrachtet werden kann. Der Grund für die Zuordnung belebter Substantive zur morphologischen Kategorie *-s liegt darin, dass sie eher als Quelle der Handlung fungieren.

Dies könnte also erklären, warum solche lateinischen Substantive wie gladium ‚Schwert‘, scutum ‚Schild‘, caelum ‚Himmel‘ ältere alternative Nominativ-Singular-Formen gladius, scutus, caelus haben. Vgl. auch Gk. ζυγόν ‚Pflug‘ neben ζυγός. Ursprünglich hing die Wahl des Nominativs Singular von der Wahrnehmung des Sprechers hinsichtlich der Funktion des Subjekts ab, nämlich entweder als Quelle (mit der Endung *-os) oder als Instrument (mit der Endung *-oN). Natürlich ist man mit dem Phänomen des Genuswechsels beim Adjektiv vertraut, nämlich Lat. bon-us, bon-um, bon-a usw.; beim Substantiv setze ich jedoch für die Nominativ-Singular-Formen *-os, *-oN, *-ā unterschiedliche ursprüngliche Funktionen voraus, obwohl ich derzeit keine Erklärung für den Unterschied zwischen *-oN und *-ā hätte; für Letzteres schlägt Haudry (1977: 449) eine ursprüngliche Instrumentalfunktion vor. Er vergleicht die Form des Instrumentals des *-ā-Stamms mit der Funktion des Nominativs Singular in den lateinischen Sätzen (1) miles sagitta hostem vulnerat ‚der Soldat verwundet den Feind mit einem Pfeil‘ und (2) militis sagitta hostem vulnerat ‚der Pfeil des Soldaten verwundet den Feind‘. Dies würde erklären, warum dieselbe Wurzel in verwandten Sprachen als maskuline oder neutrale *-o-Stämme oder als (meist feminine) *-ā-Stämme auftreten kann.

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oder Quelle der Handlung. Es ist anzumerken, dass der agentivische Gebrauch des Genitivs nicht auf belebte Wesen beschränkt ist. Weitere von Paulauskienė (1979: 99) angeführte Beispiele sind:

(16) Daiktinis ar veiksmìnis simbolis būvo užstelbtas

NOM. SG. CONJ. NOM. SG. NOM. SG. 3 PRET. NOM. SG. -T- PART.

materielles oder aktives Symbol wurde erstickt

īr užtemdytas žodiniu apvalkalu (žodinio apvalkalo)

CONJ. NOM. SG. -T- PART. INST. SG. INST. SG. GEN. SG. GEN. SG.

und von der verbalen Hülle überdeckt (verbale Hülle)

‚Das materielle oder aktive Symbol wurde von der verbalen Hülle erstickt und überdeckt.‘

(17) Bendruomenės istorijos kūrimas yra

GEN. SG. GEN. SG. NOM. SG. 3 PRES.

der Aufbau der Geschichte der Gemeinschaft ist

neįžvelgiama paslaptim (neįžvelgiamos paslapties) pridengtas...

INST. SG. INST. SG. GEN. SG. GEN. SG. NOM. SG. MASC. -T- PART.

mit einem undurchdringlichen Geheimnis (durch ein undurchdringliches Geheimnis) verborgen

„Die Entstehung der Geschichte der Gemeinschaft ist von einem undurchdringlichen Geheimnis verborgen.“

Man muss sagen, dass hier der Urheber und das Instrument (oder vielleicht Quelle und Weg) nicht klar voneinander unterschieden werden, obwohl die litauische Sprache in den meisten Fällen sehr wohl klar unterscheiden würde (Paulauskienė 1979: 99). Dennoch stellt man selbst bei Verben auf -ėti eine Konkurrenz zwischen dem Genitiv und dem Instrumental fest; vgl. das folgende Beispiel mit (14) oben:

(18) Kai jisai sirgo, visi juō bodėjosi

KONJ. NOM. SG. 3 PRET. NOM. PL. INSTR. SG. 3 PRET.

Als er krank war, ärgerten sich alle mit ihm.

„Als er krank war, ärgerten sich alle über ihn.“ (LKŽ, 967)

In Beispiel (3) oben habe ich ein Tocharisches Beispiel mit einem Genitiv des Urhebers angeführt. Neben dem Genitiv können im Tocharischen jedoch auch der Instrumental (bei Unbelebtem) und der Perlativ (bei Belebtem) als Instrumental- und Agenskasus fungieren. Beachten Sie das folgende Beispiel aus dem Tocharischen A (Krause, Thomas 1960: 84; Lane 1947: 49):

(19) mā poryo tskāmsamtār mā wāryo

ADV. INSTR. SG. 3 PL. MEDIUM PRÄS. ADV. INSTR.

nicht durch Feuer werden verbrannt, nicht durch Wasser

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sikamtār mā lāñcā pārtsi vātēnc 3 PL. MIDDLE PRES. ADV. PERLATIVE PL. INF. 3 PL. PRES. fortgespült nicht durch Könige zu nehmen können sein ‘Sie werden nicht verbrannt durch Feuer, nicht fortgespült durch Wasser, können nicht von Königen fortgetragen werden...’

Wie oben erwähnt, regiert in den griechischen Beispielen (4) und (6) der Genitiv des Agens die Präposition ὑπό. Der griechische Dativ fungiert als Instrumental, da das Griechische den Instrumental aus dem Proto-Indoeuropäischen nicht ererbt hat. Somit entspricht die Konkurrenz von Genitiv und Instrumental im Litauischen der Konkurrenz des Genitivs mit dem Dativ im Griechischen. Man beachte die Beispiele bei Schwyzer (1966: 526):

(20) ἐδάμη ὑπὸ χερσί ποδώκεος Αἰακίδαο 3 SG. PSV. AOR. PREP. DAT. PL. GEN. SG. GEN.SG. wurde durch die Hände des schnellfüßigen Aiakos erschlagen ‘Er wurde von den Händen des schnellfüßigen Aiakos erschlagen.’ (Ilias II, 860)

(21) σῷ ὑπὸ δοὐρὶ πόλιν πέρθαι DAT. SG. PREP. DAT. SG. ACC. SG. MIDDLE INFINITIVE dein durch Speer Stadt verwüstet werden ‘Stadt, die durch deinen Speer verwüstet werden soll’ (Ilias XVI, 708)

Wie beim Genitiv kommt die Präposition ὑπό lediglich hinzu, um den ursprünglichen Instrumental zu verstärken. Die Tatsache, dass ὑπό sowohl mit dem Genitiv (mit agentiver Bedeutung) als auch mit dem Dativ (mit instrumentaler Bedeutung) verwendet wird, zeigt, dass der ursprüngliche Bedeutungsunterschied durch den Kasus und nicht durch die Präposition bestimmt wurde.

Der Gebrauch des Instrumentals beim Passiv (im Gegensatz zum Genitiv wie in Satz [2] oben) ist im Altindischen belegt (Jamison 1979: 131):

(22) adbhír góbhir mrjyate INSTR. PL. INSTR. PL. 3 PRES. mit Wasser mit Kühen wird gewischt ‘Er wird mit Wasser (und) Kühen (= Milch) abgewischt.’

(23) sá mrjyámānaḥ kavíbhiḥ... NOM. SG. MASC. NOM. SG. MASC. PSV. PART. INSTR. PL. er (= Soma), von den kavis abgewischt werdend...

According to Haudry (1977: 414) the use of the instrumental as an agent in Old Indic is a result of the extension of the subject of origin to the subject of instrument. Haudry writes that this results from the fact that ṛṣayo hinvanti ‘the seers incite’ and the innovation matāyo hinvanti ‘the thoughts incite’ are parallel, so that the parallel to matíbhiḥ hitá ‘incited by the thoughts’ would be ṛṣibhir hitá ‘incited by the seers’.

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Im Russischen zeigt sich die Konkurrenz zwischen dem Genitiv des Agens und dem Instrumental in diesem Beispiel aus dem Igorlied, vgl. die Rekonstruktion von Jakobson (1966: 170):

(24) Poskěpani sabljami kalenymi šelomi NOM. PL. MASC. PAST PSV. PART. INSTR. PL. INSTR. PL. NOM. PL. zerschlagen mit Säbeln gehärtete Helme Ovarbskïi otъ tebe, Jarъ ture Vъsevolode! NOM. PL. MASC. PREP. GEN. SG. VOC. SG. VOC. SG. VOC. SG. Avar von dir Wilder Stier Vsevolod! „Zerschlagen mit gehärteten Säbeln sind [ihre] awarischen Helme – von dir, Wilder Stier Vsevolod!“

Im modernen Russischen ist dieser Unterschied natürlich verloren gegangen; dementsprechend lauten moderne russische Ausdrücke wie (25) und (26):

(25) napisano NOM. SG. NEUT. PAST PSV. PART. mnoju INSTR. SG. „von mir geschrieben“

(26) napisano NOM. SG. NEUT. PAST PSV. PART. karandašom INSTR. SG. „mit einem Bleistift geschrieben“

würden im Litauischen jeweils mit (27) und (28) wiedergegeben, siehe Paulauskienė (1979: 99).

(27) parašyta NOM. SG. NEUT.-T-PART. màno GEN. SG. „von mir geschrieben“

(28) parašyta NOM. SG. NEUT.-T-PART. pieštukù INSTR. SG. „mit einem Bleistift geschrieben“

Im modernen Russischen beobachten wir eine Entwicklung parallel zu der des Altindischen, nämlich den Ersatz des Genitivs (mit otъ) durch den Instrumental. Die Konkurrenz zwischen Genitiv und Instrumental findet sich auch in den von Wackernagel und Debrunner (1954: 582) aus Patañjali zitierten altindischen Sätzen:

(29) idam aheḥ sṛptam ADV. GEN. SG. NOM.-ACC. SG. NEUT. -T- PART. hier Schlange gekrochen

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(30) ihāhinā (= iha + ahinā) srptam

ADV. INSTR. SG. NOM.-ACC.SG.NEUT. -T-PART.

hier Schlange kroch

„Die Schlange kroch hierher.“

Im modernen Armenischen wird das Partizip auf -c mit einem AGENT-GEN verwendet, das offenbar nicht auf indoeuropäische Zeit zurückgeht und als Neuerung betrachtet werden muss; anders als die Verwendung des GEN mit dem Partizip auf -l, die höchstwahrscheinlich alt ist. Beachten Sie das moderne armenische Beispiel (Fairbanks and Stevick 1975: 227):

(31) im barekami grac girk’a hetak’akir ē

POSS. PRON. GEN. SG. PAST PART. NOM. SG. NOM.SG. 3 PRES.

mein von Freund geschriebenes Buch interessant ist

„Das von meinem Freund geschriebene Buch ist interessant.“

Ein solcher Satz könnte ins Litauische mit nahezu genau derselben syntaktischen Struktur übersetzt werden:

(32) māno bičiūlio parašyta knygà yrà įdomi

POSS. PRON. GEN. SG. PAST PART. NOM. SG. 3 PRES. NOM. SG.

mein von Freund geschriebenes Buch ist interessant

Beim Partizip auf -c begegnet uns im Armenischen auch der INSTR-Gebrauch (Tumanjan 1962: 58):

(33) angin k’arov šarac

ADJ. INSTR. SG. PAST PART.

mit wertvollen Steinen besetzt

‚mit wertvollen Edelsteinen besetzt‘

Vgl. Lith.

(34) pàpuoš tas brángakmeniais

NOM. SG. INSTR. PL.

‚mit Edelsteinen geschmückt‘

Ein Argument für den possessiven Ursprung des AGENT-GENITIVE im Baltischen ist der akzeptierte Gebrauch der Possessivpronomen Lith. màno, Latv. mana ‚mein, von mir‘ und Lith. tàvo, Latv. tava ‚dein (Sg.), von dir (Sg.)‘ als Agensformen anstelle der standardmäßigen Genitive Lith. manęs, Latv. manis ‚mein, von mir‘ und Lith. tavęs, Latv. tevis. Natürlich gibt es Ausnahmen. Endzelins (1923: 384) vermerkt das Schwanken zwischen Latv. dziēsma mana padziedāta ‚das von mir gesungene Lied‘ und, später an derselben Stelle, manis jāūna padziedāta ‚a me juvenco cantata, von mir, einem jungen (Burschen), gesungen‘

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Vilius Gaigალaitis writes (1998: 81): Mano tėvas ir motina buvo gryni lietuvininkai, juose nebuvo nei lašelio svetimo kraujo ir aš esmi savo lietuviškumą ir lietuvišką kalbą motinos pienu įžindęs. ‘My mother and father were pure Lithuanians, in them there wasn’t a drop of foreign blood and I have imbibed my Lithuanian nationality and Lithuanian language along with my mother’s milk’. Still we encounter here such sentences as the following (1998: 69):

(35) lankiausi Kretingoje ir kai kada manęs 1 SG. PRET. LOC. CONJ. ADV. ADV. GEN. SG. Ich besuchte Kretinga und einmal die von mir aptarnaujamoje Gargždų parapijoje LOC. SG. FEM. PRES. PSV. PART. GEN. PL. LOC. SG. betreute Pfarrei Gargždai ‚Ich besuchte Kretinga und die Pfarrei Gargždai, die einst von mir betreut worden war.‘

Another example (1998: 134):

(36) mėnesinis organas, manęs redaguojamas NOM. SG. MASC. NOM. SG. GEN. SG. NOM. SG. MASC. PRES. PSV. PART. monatliches Organ, von mir herausgegeben ‚das von mir herausgegebene Monatsorgan‘

In Marcel Prousts La prisonnière (Kalinė), übersetzt von Pranas Bieliauskas ins Litauische (1998: 180), begegnet uns das Beispiel:

(37) baronas lydimas Brišo, manęs NOM. SG. NOM. SG. MASC. PRES. PSV. PART. GEN. SG. GEN. SG. der Baron, begleitet von Brichot, von mir ir Sanjeto... CONJ. GEN. SG. und von Saniette... (= le Baron... suivi de Brichot, de moi, et de Saniette... [Proust 1984: 328]).

Žulys (1969: 170) gives the examples from Vaižgantas:

(38)... kokio taves esama lipšnaus GEN. SG. GEN. SG. PRES. PSV. PART. GEN. SG. wie süß du bist ‚...wie süß (du) bist‘

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(39) Ir manęs tesama malonaus CONJ. GEN. SG. PRES. PSV. PART. GEN. SG. und ich bin ihr immer noch angenehm jos akims, ne širdžiai GEN. SG. DAT. PL. CONJ. DAT. SG. ihr für die Augen, nicht aber für das Herz ‚Und ich bin ihr immer noch angenehm für die Augen, nicht aber fürs (ihr) Herz.‘

Žulys schreibt, dass ein solcher Gebrauch von manęs und tavęs wahrscheinlich keine Abweichung von der Grammatikalität, sondern eine freie Variation darstellt, auch wenn es ohne eine spezielle Untersuchung schwierig ist, dies zu entscheiden, da der doppelte Genitiv bei diesen Pronomen selten ist.

Man könnte vermuten, dass zumindest in den Beispielen aus der Region Klaipėda der deutsche Einfluss beim Gebrauch von manęs und tavęs eine Rolle spielt, wo man nach den Regeln der Standardsprache mano und tavo erwarten würde. Man könnte folgendes Szenario vorschlagen. Im Standarddeutschen werden in Kollokationen wie mein Buch ‚mein Buch‘ und das von mir geschriebene Buch ‚das von mir geschriebene Buch‘ der Besitzer beziehungsweise der Agens auf unterschiedliche Weise ausgedrückt. Vielleicht führte dies auch in baltischen Dialekten zu der Tendenz, sie unterschiedlich auszudrücken. Eine solche Erklärung scheint mir jedoch unwahrscheinlich. Ich möchte auch auf das dialektale deutsche das Buch von mir für ‚mein Buch‘ hinweisen. Ich weiß nicht, ob dieser Ausdruckstyp im Klaipėda-Deutsch üblich war oder nicht, doch scheint es wenig Grund zu geben, die beiden litauischen Konstruktionen aufgrund deutschen Einflusses zu unterscheiden.

Vielleicht ist die Wahl von mano und tavo anstelle von manęs und tavęs im Standardlitauischen jedoch dadurch bedingt, dass bei Verbalnomen der Agens mit dem Possessivpronomen ausgedrückt wird, während das Patiens im üblichen Genitiv steht. Mein Kollege Prof. Vytautas Ambrazas hat mich (persönliche Mitteilung) darauf hingewiesen, dass mano (tavo) išnaudojimas ‚meine (deine) Ausbeutung‘ bedeutet, dass ich (du) jemanden ausbeute(st). Dagegen bedeutet išnaudojimas manęs, tavęs ‚die Ausbeutung von mir (dir)‘, dass jemand mich (dich) ausbeutet. Ebenso bedeutet mano (tavo) baimė ‚meine (deine) Angst‘ < aš (tu) bijau resp. bijai ‚ich (du) fürchte(st) (jemanden oder etwas)‘, während manęs (tavęs) baimė ‚die Angst vor mir (dir)‘ < bijo manęs / tavęs ‚(jemand) fürchtet mich (dich)‘ bedeutet. Eine weiterführende Erörterung findet sich bei Ambrazas (2001b). Dies scheint dem englischen Gebrauch von my fear (ich empfinde die Angst) und (56) fear of me (jemand anderes hat Angst vor mir) zu entsprechen.

In Latin according to Menge (1955: 54) typically the possessive pronoun expresses the subjective genitive, e.g., epistulae tuae ‘your letters, i.e., letters from you’, nostra origo ‘our origin, i.e., where we come from’, etc. On the other hand the genitive of the personal pronoun mei ‘of me’, tui ‘of you (sg.)’, sui (3rd reflexive), nostri ‘of us’ vestri ‘of you’ is customarily used to express the objective genitive, e.g., memoria nostri ‘memory of us’, misericordia tui ‘compassion for you’, invidia tui ‘jealousy of you’, ratio vestri ‘concern for you’, although sometimes one encounters the possessive pronoun in an objective meaning, e.g., meam quoque rationem habere debetis ‘you must also have concern for me’.

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Als Nächstes möchte ich kurz einige litauische Rätsel erwähnen. Das erste betrifft die Übersetzung von Lukas 7,30. Im Griechischen begegnet uns οἱ δὲ Φαρισαῖοι καὶ νομικοὶ τὴν βουλὴν τοῦ θεοῦ ἠθέτησαν εἰς ἑαυτούς μὴ βαπτισθέντες ὑπ’ αὐτοῦ (Nestle e.a., eds., 1981) = Lat. Pharisaei autem, et legis periti consilium Dei spreverunt in semetipsos, non baptizati ab eo (Nestle, ed., 1971), was in der King-James-Übersetzung ins Englische lautet: ‚But the Pharisees and lawyers rejected the counsel of God against themselves, being not baptized of him‘.

I note here Rhesa’s (1824: 84) edition:

(40)

Bet Parizeuszai ir raszte: mokiti

KONJ. NOM. PL. KONJ. LOC. SG. NOM. PL.

Aber die Pharisäer und die Schriftgelehrten

paniekinno Diewo roda priesz sawe

3 PRET. GEN. SG. ACC. SG. PREP. ACC.

verwarfen Gottes Rat für sich selbst

ir nedawesi jo krikstziti

KONJ. 3 PRET. GEN. SG.?

und ließ sich nicht von ihm taufen? [getauft werden]?

Die syntaktische Analyse des obigen Satzes ist nicht einfach. Prof. V. Ambrazas schreibt (persönlicher Brief vom 2002/01/15), dass dieser Ausdruck ein Hapax ist, für den es weder in der lebendigen Sprache noch in anderen schriftlichen Quellen eine Analogie gibt, dass er aber vielleicht aus einer Vermischung zweier Konstruktionen hervorgegangen ist: nesidavė krikštyti ‚unterwarf sich nicht der Taufe‘ und nebuvo jo krikštyti ‚wurde nicht von ihm getauft‘.

Ein weiteres interessantes litauisches Beispiel stammt aus Markus 1,9 im Neuen Testament von Tilžė aus dem Jahr 1823 (LKŽvi 588):

(41)

ließ sich taufen von Johannes im Jordan

3. PERSON PRÄTERITUM REFLEXIVES VERB PRÄPOSITIONALER GENITIV LOKATIV

Die englische Übersetzung der King James Bible lautet: „wurde von Johannes im Jordan getauft“3. Der griechische Originaltext (Nestle u. a., Hrsg., 1981) hat das Passiv ἐβαπτίσθη εἰς τὸν Ἰορδάνην ὑπὸ

3 Wahrscheinlich würde die obige Konstruktion in (69) einem Sprecher des heutigen Litauisch falsch erscheinen; wenn sie jedoch falsch ist, hätte dann das angesehene Wörterbuch der Litauischen Akademie die Wendung ohne einen Hinweis auf ihre syntaktische Unangemessenheit stehen lassen sollen? Ich möchte hinzufügen, dass mir als Sprecher des heutigen amerikanischen Englisch die King-James-Übersetzung derselben Wendung ebenfalls falsch erscheint. Ich würde eher sagen: „von ihm im Jordan getauft“. Ich weise jedoch darauf hin, dass das Webster’s Third New International Dictionary (S. 1565) den archaischen Gebrauch von of als Funktionswort zur Kennzeichnung des Agens oder Urhebers einer Tat oder Handlung aufführt. Was einer Generation falsch erscheint, mag für eine andere Generation angemessen gewesen sein. Muttersprachliche Intuitionen über grammatische Wohlgeformtheit lassen sich bekanntlich nur schwer feststellen, und Sprachen können syntaktische Konstruktionen verlieren, die für eine frühere Periode charakteristisch waren. Vergleiche den folgenden Satz, der Jonas Jablonskis zugeschrieben wird (LKŽviii 108) Tik jo apsimetimas negyvo (tik jo negyvo apsimetimas) lokį iš čion nuvarė „nur sein Totstellen (nur sein tot sich Stellen) jagte den Bären von hier fort“. Prof. Algirdas Sabaliauskas schrieb (Brief vom 17.05.2001), der obige Satz klinge für ihn seltsam und er würde hier den Instrumental verwenden (Jo apsimetimas negyvo… klingt für mich seltsam. Ich würde hier den Instrumental verwenden). Sabaliauskas vermutet, dass die Verwendung des Instrumentals durch den Einfluss des Russischen bedingt sein könnte. In diesem Fall hätte offenbar der Einfluss einer Fremdsprache einen etymologisch korrekten einheimischen Gebrauch falsch werden lassen.

THE INDO-EUROPEAN GENITIVE OF AGENT

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’Ιωάννου und das Lateinische (Nestle, Hrsg., 1971) hat baptizatus est a Ioanne in Iordane. Die beste Übersetzung von Krikštydinosi wäre jedoch wohl etwas wie „ließ sich taufen“, doch fällt der mit einem finiten Verb verwendete Agensgenitiv auf (mit der verstärkenden Präposition nuo). Die Verwendung von litauisch nuo (siehe Ulvydas, Hrsg. 1971: 601; Fraenkel 1929: 113–114) und lettisch no zusammen mit dem Genitiv zur Bezeichnung des Agens bei einem passiven Partizip der Vergangenheit wird gemeinhin jeweils dem Einfluss des Polnischen und des Deutschen zugeschrieben; bemerkenswert ist jedoch, dass beide Sprachen für die Agenskonstruktion verwandte Präpositionen gewählt haben. Meiner Ansicht nach könnten Deutsch und Polnisch als Katalysatoren gewirkt und den Weg vielleicht geebnet haben; tatsächlich ist das Hinzutreten einer Präposition zur Stützung einer früheren bloßen Kasusendung jedoch ganz normal, und die Konstruktion wäre nicht entstanden, wenn sie den allgemeinen Entwicklungstendenzen dieser Sprachen zuwiderliefe. Allgemein scheint mir jedoch, dass man, wenn man auf ein sprachliches Merkmal stößt, das nicht mit einer vorgefassten Vorstellung übereinstimmt, gewöhnlich den Einfluss irgendeiner Nachbarsprache dafür verantwortlich machen kann.

Man beachte einen entsprechenden Instrumental (LKŽVI 588; Lukas 7,29 in der Berliner Bibel von 1931):

(42) Ir krikštydinosi Jono krikštu UND 3. PERSON PRÄTERITUM REFLEXIVES VERB GENITIV INSTRUMENTAL Und wurde mit der Taufe des Johannes getauft

Die englische Übersetzung der King James Bible lautet: „mit der Taufe des Johannes getauft“. Der griechische Originaltext (Nestle u. a., Hrsg., 1981) hat βαπτισθέντες τὸ βάπτισμα Ἰωάννου, und das Lateinische (Nestle, Hrsg., 1971) hat baptizati baptismo Ioannis.

Abschließend würde ich sagen, dass es in den indogermanischen Sprachen zahlreiche Belege für einen Agensgenitiv gibt, der nicht aus dem Possessiv entstanden ist. Vielleicht gibt es sogar im Litauischen Belege dafür, wenn man die oben angeführten Beispiele berücksichtigt. Auch dies ist kein Beweis dafür, dass der Agensgenitiv bei Partizipien aus dem Indogermanischen ererbt ist; tatsächlich kann ein solcher Genitiv seinen Ursprung in einer possessiven Konstruktion haben und ein späteres, völlig unabhängiges Phänomen sein. Dennoch sehe ich keine Möglichkeit, eine der beiden Auffassungen endgültig zu beweisen.

ABKÜRZUNGEN

DŽ = Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache, Hrsg. St. Keinys et al., Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1993.

LKŽ = Wörterbuch der litauischen Sprache 1–19, Vilnius: Mintis; Mokslas; Mokslo ir enciklopedijų leidykla.

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Gauta 2002 05 24

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