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ALMA RAGAUSKAITĖ Institut für Litauische Sprache ORCID-ID: orcid.org/0000-0001-5952-8027 Forschungsrichtungen: historische Anthroponymik, historische Toponymik. DOI: doi.org/10.35321/all87-07

TENDENZEN DER BENENNUNG VON FRAUEN IN KĖDAINIAI IN DEN HISTORISCHEN QUELLEN DER STADT KĖDAINIAI AUS DEM 17.–18. JAHRHUNDERT

Tendenzen der Benennung von Frauen in Kėdainiai in den historischen Quellen von Kėdainiai aus dem 17.–18. Jahrhundert

ABSTRAKT

Zu den wichtigsten Quellen der historischen Anthroponymie der litauischen Stadtbevölkerung gehören die Aktenbücher der kommunalen Selbstverwaltungsinstitutionen, verschiedene Inventare, Register und Kirchenmatrikelbücher. Hervorzuheben sind darunter die Inventare von Kėdainiai aus den Jahren 1604, 1622, 1624 und 1666 sowie die in polnischer Sprache verfassten Dokumente der evangelisch-reformierten Kirche von Kėdainiai aus den Jahren 1628–1663. Aus diesen einzigartigen Handschriften des 17. Jahrhunderts wurden 82 Belege für die Benennung von Frauen aus Kėdainiai ausgewählt. Sie werden unter dem Aspekt der Benennung ausführlich erörtert. Es wurde festgestellt, dass die Einwohnerinnen der Stadt der Radziwiłłs meist mit zwei suffixalen, nach dem Ehemann gebildeten Personennamen verzeichnet wurden. Auf diese Weise wurden 32 Frauen genannt (39,02% aller Benennungen des 17. Jahrhunderts). Mit einem Vornamen und einem Familiennamen oder einem die Funktion des Familiennamens erfüllenden Anthroponym wurden 13 Frauen aus Kėdainiai bezeichnet (15,86%). Sie wurden meist mit traditionellen christlichen Namen benannt. Im späteren Taufmatrikelbuch der St.-Georgs-Kirche von Kėdainiai aus den Jahren 1752–1799 wurden 32 Familiennamen von Stadtbewohnerinnen mit litauischen Suffixen gefunden.

SCHLÜSSELWÖRTER: Kėdainiai, Frau aus Kėdainiai, historische Anthroponymie, historischer Personenname, Benennung.

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Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII

Tendenzen der Benennung von Frauen in Kėdainiai in den historischen Quellen der Stadt Kėdainiai aus dem 17.–18. Jahrhundert

A B S T R A K T

Zu den wichtigsten historischen anthroponymischen Quellen zur litauischen Stadtbevölkerung gehören die städtischen Registerbücher, verschiedene Inventare, Register und Kirchenmatrikel. Besonders hervorzuheben sind die Inventare von Kėdainiai aus den Jahren 1604, 1622, 1624 und 1666 sowie die in polnischer Sprache verfassten Dokumente der evangelisch-reformierten Kirche von Kėdainiai aus den Jahren 1628–1663. Aus diesen einzigartigen Handschriften des 17th. Jahrhunderts wurden 82 Belege für Frauen aus Kėdainiai gesammelt. Sie werden eingehend unter dem Gesichtspunkt der Namengebung erörtert. Es wurde festgestellt, dass die weiblichen Einwohnerinnen der Stadt der Adelsfamilie Radziwiłł gewöhnlich mit zwei suffixalen, nach ihrem Ehemann gebildeten Anthroponymen verzeichnet wurden. Nach diesem Muster wurden 32 Frauen benannt (39,02% aller Benennungsfälle). Insgesamt 13 Frauen aus Kėdainiai (15,86%) wurden mit Vornamen und Familiennamen oder mit einem die Funktion des Familiennamens erfüllenden Anthroponym verzeichnet. Sie erhielten gewöhnlich traditionelle christliche Namen. Im späteren Taufmatrikelbuch der St.-Georgs-Kirche der Pfarrei Kėdainiai aus den Jahren 1752–1799 wurden 32 Familiennamen von Stadtbewohnerinnen mit litauischen Suffixen festgestellt.

SCHLÜSSELWÖRTER: Kėdainiai, Frau aus Kėdainiai, historische Anthroponymie, historischer Personenname, Benennung.

EINLEITUNG

Der Prozess der Benennung von Frauen in den Städten Litauens war lang und komplex. Ihr Aufzeichnungssystem variierte sowohl in administrativ-juristischen Dokumenten des 16.–18. Jahrhunderts als auch in Kirchenmatrikelbüchern. Sicher ist nur, dass jedenfalls im 18. Jahrhundert das zweiteilige Benennungsmodell der Stadtbewohnerinnen am häufigsten war, jedoch noch nicht zur absoluten Norm geworden war (Ragauskaitė 2008: 33–34).

Die Einwohnerinnen von Vilnius zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden meist mit Taufnamen und Patronymika bezeichnet. Neben den Taufnamen der Frauen steht entweder kein Beiname oder ein Patronym; andere Beinamen kommen nur selten vor. Dies macht über 80% der Benennungen aus (im Eheregister sogar etwa 90%). Es war nicht üblich, bei der Bezeichnung der Frauen aus Vilnius nur ein Patronym ohne Taufnamen zu verwenden (Zinkevičius 1977: 48–49).

Die Entwicklung der Benennung von 1 293 Stadtbewohnern aus Kaunas im 16.–18. Jahrhundert ist durch mehrere Etappen gekennzeichnet: vom die Abhängigkeit vom Ehemann bezeichnenden Anthroponym bis zum zweiteiligen Benennungsmodell mit Vornamen und dem Familiennamen des Vaters oder Ehepartners (16. Jahrhundert – 61,07%, 17. Jahrhundert – 58,28%, 18. Jahrhundert – 45,85%). Die Benennung der Frauen aus den unteren und höheren Schichten des Stadtstandes unterschied sich. Im 16.–18. Jahrhundert wurde die Oberschicht (Ratsmitglieder, Ehefrauen von Bürgermeistern) deutlich häufiger mit kanonischen Formen christlicher Namen verzeichnet. Beim Vergleich der Forschungsergebnisse zur Benennung von Frauen aus Kaunas und litauischen Bäuerinnen wurde festgestellt, dass sich das zweiteilige Benennungssystem der Stadtbewohnerinnen von Kaunas schneller herausbildete als das der Bäuerinnen (Ragauskaitė 2005: 55, 144).

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Das Benennungssystem der Einwohnerinnen von Joniškis¹ vom Ende des 16. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts war vielfältig. Am häufigsten, insbesondere am Ende des 16. Jahrhunderts, wurden Mütter, Töchter und Patinnen lediglich mit einem christlichen Vornamen bezeichnet. Bei der Eintragung mit dem Vornamen wurde bisweilen die Verwandtschaftsbeziehung (über den Ehepartner oder den Vater) angegeben (Garliauskas 2004: 22). Bei der Benennung der Städterinnen mit einem christlichen Vornamen wurde manchmal ihre Zugehörigkeit zu einem Mann durch ein im Genitiv überliefertes männliches Anthroponym bezeichnet. Hervorzuheben sind die wenigen Einträge der Einwohnerinnen von Joniškis mit einem christlichen Vornamen, neben dem die familiäre Zugehörigkeit durch ein im Nominativ eingetragenes männliches Anthroponym angegeben wird. Daneben war auch ein weiterer Typ ihrer Eintragung verbreitet (insbesondere in den späteren Einträgen der Taufmatrikel von Joniškis aus den Jahren 1599–1621): mit zwei Anthroponymen. Am Ende des alten Manuskripts ist eine Benennungsweise der Einwohnerinnen von Joniškis mit drei Personennamen festzustellen (Ragauskaitė 2015: 60).

Die Erforschung der Familiennamen litauischer Stadtbewohner ist weiterhin aktuell, denn es zeigt sich, dass es nur wenige Arbeiten gibt, in denen die historische Anthroponymie der Frauen dieses Standes untersucht wird. Dies ist durch objektive Umstände bedingt; der wichtigste besteht darin, dass Stadtbewohnerinnen in historischen Dokumenten nur selten erwähnt werden. Ihre Benennung kann ungefähr seit Beginn des 16. Jahrhunderts eingehender und detaillierter analysiert werden (Ragauskaitė 2005: 11). Die historische Anthroponymie verschiedener litauischer Städte unterscheidet sich hinsichtlich der Slawisierung, der Bildung, der Herkunft u. a. Daher wird hier der weibliche Namensbestand einer der wenigen privaten² Magdeburger Städte Litauens – Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert – behandelt.

Ziel dieses Beitrags ist es, die Aufzeichnungstendenzen der Stadtbewohner von Kėdainiai (der Litauer und des polonisierten Teils der Gesellschaft³) im 17.–18. Jahrhundert zu untersuchen, festzustellen, welche Faktoren die Herausbildung ihrer Benennungstypen beeinflussten, und die Entwicklung des zweiteiligen Benennungsmodells der Einwohner von Kėdainiai (mit Vorname und Familienname) zu beschreiben.

Die Aufgaben dieses Beitrags sind: 1) die wichtigsten Arten der Aufzeichnung von Frauen anzugeben; 2) ihre Namen (die ersten Glieder zweiteiliger Benennungen) unter dem Gesichtspunkt ihrer Herkunft zu analysieren; 3) die Personennamen zu rekonstruieren, die in den Handschriften des 17.–18. Jahrhunderts mit litauischen Bildungssuffixen belegt sind.

Das anthroponymische Material wurde hauptsächlich aus den historischen Quellen der Stadt der Radziwiłłs aus dem 17. Jahrhundert⁴ gesammelt. Es handelt sich um die Inventare von Kėdainiai aus den Jahren 1604, 1622, 1624 und 1666 sowie um die in polnischer Sprache verfassten Dokumente der evangelisch-reformierten Kirche von Kėdainiai aus den Jahren 1628–1663 (siehe Ragauskaitė 2016: 47; 2016a: 112; 2017: 55; 2018: 102).

¹ Erst am 4. Juli 1616 wurde Joniškis das Magdeburger Privileg verliehen; eine Stadtbürgergemeinschaft begann sich herauszubilden (Kryževičius 1981: 133; Baliulis 1994: 31–35; Meilus 1994: 13–16).

² „Im litauischen Staat waren dies Biržai, Kėdainiai, Kretinga, Nesvyžius, Skuodas, Sluckas sowie die Stadt des Bischofs von Medininkai (Žemaitija), Varniai.“ (Kiaupa 1998: 171).

³ Zur ethnischen und religiösen Zusammensetzung der Einwohner von Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert siehe Tworek 1969: 213; Žirgulis 2002: 130–131; 2002a: 25–26; 2005: 180–183; Ragauskaitė 2016: 47–49; 2016a: 113–115; 2017: 54–56; 2018a: 175–177.

⁴ Eine Liste dieser historischen Dokumente findet sich am Ende des Beitrags.

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Tendenzen der Benennung von Frauen in Kėdainiai in den historischen Quellen der Stadt Kėdainiai aus dem 17.–18. Jahrhundert

Im ältesten Inventar von 1604 sind nicht nur die Einwohner der Stadt Kėdainiai, sondern auch die Einwohner des Verwaltungsbezirks verzeichnet. Im kleineren Inventar des Pfarrhauses von Kėdainiai aus dem Jahr 1622 sind die Einwohner von Kėdainiai sowie Angaben zum Besitz des Pfarrhauses registriert. Im letzten Stadtinventar von 1666 sind die Häuser, Grundstücke und Straßen der Einwohner von Kėdainiai verzeichnet. Bei der Erfassung der Bürgerhäuser wurde ihre Bauweise angegeben (Stein- oder Holzgebäude). Diese Originalinventare können nicht nur für die Erforschung der historischen Anthroponymie der Stadtbewohner, sondern auch für die Entwicklung historischer Straßennamen und die Geschichte der Stadtarchitektur von Nutzen sein (Šinkūnas 1928: 21). Außerdem wurde das Archiv der Pfarrkirche St. Georg in Kėdainiai eingesehen, in dem ein Taufmatrikelbuch aus den Jahren 1752–1799 gefunden wurde. Die Einträge dieses Kirchenbuchs können dazu beitragen, das Bild der Benennung von Frauen zu ergänzen und zu erweitern, das sich anhand der administrativen Dokumente gewinnen lässt.

Für die eingehende Untersuchung wurden Quellen ausgewählt, die ausreichende Informationen über alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten der Stadt enthalten. Bei der Klassifizierung und Analyse der gesammelten Daten zur historischen Anthroponymie der Frauen aus Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert werden die folgenden grundlegenden, für Arbeiten zur historischen Anthroponymik litauischer Stadtbewohner üblichen Methoden angewandt: die deskriptive, die vergleichende und die rekonstruktive Methode (Zinkevičius 1977: 4; Ragauskaitė 2005: 31; 2019: 179; 2020: 116; Sinkevičiūtė, Račickaja 2014: 296–298; Sinkevičiūtė, Račickaja 2014a: 332–333; Sinkevičiūtė 2016: 222–223).

Nach den damaligen rechtlichen Bestimmungen wurde nicht nur die Ehefrau, sondern auch die Mutter, die Schwester, die Schwiegermutter und die unverheirateten Schwestern der Ehefrau vertreten. Eine Frau musste unter dem Schutz eines Mannes (des Vaters, Ehemanns oder Bruders) stehen, der sie vor Gericht begleitete oder in ihrem Namen am Gerichtsverfahren teilnahm u. a. (Karpavičienė 2001: 18–26; 2001a: 5–19; 2005: 42–44; Ragauskaitė 2005: 33; 2021: 8–10). Dies wurde durch die höhere gesellschaftliche Stellung der Männer beeinflusst. In den untersuchten Inventaren von Kėdainiai aus dem 17. Jahrhundert wurden häufig nur verwitwete Stadtbewohnerinnen erwähnt. Aufgrund dieser historischen Umstände gibt es wesentlich weniger Aufzeichnungen von Frauen als von Männern. Ihre Benennung variierte, und zu verschiedenen Zeiten (im 17. und 18. Jahrhundert) wies sie jeweils eigene Besonderheiten auf.

1. MODELLE DER AUFZEICHNUNG VON FRAUEN IM 17. JAHRHUNDERT

Aus den erörterten historischen Quellen der Stadt der Radziwiłłs aus dem 17. Jahrhundert wurden 82 Benennungen von Frauen gesammelt. Gezählt wurden verschiedene Varianten der Anthroponymformen (graphische Varianten sowie Varianten mit unterschiedlichen Suffixen und Endungen). Die meisten Frauen aus Kėdainiai wurden ohne Vornamen, lediglich mit zwei Personennamen, aufgezeichnet, die aus dem Namen des Ehepartners oder Vaters und einem zweiten Anthroponym gebildet waren. Es handelt sich um 32 Belege (39,02% aller Benennungen des 17. Jahrhunderts). Der Name der Frau ist in diesen Aufzeichnungen nicht angegeben, da die suffixalen Personennamen, die die Abhängigkeit vom Ehemann bezeichnen, von besonderem Interesse sind. Wie erwähnt, sind in den untersuchten Inventaren von Kėdainiai aus den Jahren 1604, 1622, 1624 und 1666 die Straßen angegeben, in denen

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die Stadtbewohnerinnen lebten. Durch die Angabe der Straßennamen lässt sich ein genaueres Bild von der Verteilung der Frauen in der Stadt nach ihrer ethnischen Zusammensetzung gewinnen, zum Beispiel: 1624 Vlica Wielka [...] Janowa Berelowa KI₂ 1v⁵; 1666 Ulica Skomgolska [...] Janowej Butkiewiczowej Gen. KI₃ 11; 1624 w Koncu Vlicy Kowiensk iey [...] Abrahamowa Giendrelewiczowa KI₂ 9 – 1624 Vlica Kowienska [...] Abramowa Giendrełowa KI₂ 8; 1624 Vlica Szatska [...] Macieiowa Girniowa KI₂ 6; 1624 Vlica Skongolska [...] Stanisławowa Gredowa KI₂ 5; 1666 Ulica Kon ska [...] Andrzeiowej Karasiowej Gen. KI₃ 6; 1631 Thomaszowej Kliszewiczowej Gen. CZK 13; 1604 Ulica 3a niewiąza prawa ftrona [...] Pawłowa Klifżowa KI₁ 12v, 13; 1624 Vlica Kowienska [...] Adamowa Lelałowa KI₂ 8; 1666 Ulica Konska [...] Plac Joz ephowej Lipskiey Gen. KI₃ 6, 7; 1666 Ulica Konska [...] Domek Jakubowey Łozowey Gen. KI₃ 6, 7; 1624 Vlica Iaswoynska [...] Janowa Łukaszewiczowa KI₂ 4; 1604 Ulica Wielka [...] rynku prawa ftrona [...] Sczepanowa Michciowa KI₁ 5, 6; 1624 Vlica Stara [...] Druga Strona [...] Adamowa Mikszewiczowa KI₂ 2, 2v; 1631 Stanisławowa Mukciowa CZK 13; 1666 Ulica Konska [...] Domek Pawłowey Odoyciowey Gen. KI₃ 6, 6v; 1624 Trzecia Kwatera [...] Ławrinowa Pacewiczowa KI₂ 1; 1624 Vlica Stara [...] Czepowa Paiełezowa KI₂ 2; 1624 Vlica Kowienska [...] Andrzeiowa Paleciowa KI₂ 8; 1604 Miafta Kieydany 3a rzeka niewiąza [...] Pawłowa Pozarowa KI₁ 13v, 15; 1666 Ulica Kowienska [...] Jakubowey Praniewskiey Gen. KI₃ 12; 1604 ulica Wielka [...] Grehorowa Sruogieiwiczowa KI₁ 5v, 6v; 1624 Vlica Kowienska [...] Druga Strona [...] Mikołaiowa Stagiełowa KI₂ 8, 8v; 1604 Ulica Wielka [...] Ławrzynkowa stanisławowiczowa KI₁ 5; 1624 Vlica Szatska [...] Mikołaiowa Tykn iowa KI₂ 6; 1624 Pierwsza Kwatera Rynku [...] Abramowa Trzeciakowa KI₂ 1; 1604 Ulica Wielka [...] Sebestianowa Trzeciakowa KI₁ 5; 1604 Ulica Konska z rynku prawa ftrona [...] Pawłowa Waskowa KI₁ 10v; 1624 Vlica Kowienska [...] Druga Strona [...] Krzysztophowa Wolczkowa KI₂ 8, 8v; 1604 Ulica nowa od Kościoła prawa Strona [...] Maczułowa Wubkiewiczowa KI₁ 15v; 1604 Miafta Kieydany 3a rzeka niewiąza [...] Jakubowa Zusłowa KI₁ 13v, 14; 1666 Ulica Konska [...] Janowey Zwilgowej Gen. KI₃ 6, 6v.

Neben diesem produktivsten Benennungstyp wurden die Frauen aus Kėdainiai auch auf andere Weise verzeichnet. Der Kürze halber wurde eine Stadtbewohnerin in 21 Fällen (25,61%) mit nur einem suffixalen Personennamen aufgezeichnet, z. B.: 1666 [...] Domek Ambroziowey Gen. KI₃ 1v; 1604 Ulica ftara [...] z rynku prawa ftrona [...] Borysowa KI₁ 8; 1666 Druga strona [...] ulicy zamkowej [...] Dom Buzewiczowey Gen. KI₃ 2; 1644 Gierdwiłowey Gen. CZK 62; 1630 Pani Jakubowa CZK 8; 1622 Vlicy Wilensk iey [...] Karaiowey

⁵ Alle Benennungen von Frauen sind mit Quellenangaben versehen. Bei jeder ist das Jahr angegeben, in dem der Personenname belegt wurde, außerdem die Abkürzung der historischen Quelle und die Nummer des Blattes (der Seite). Bei der Wiedergabe der Anthroponyme aus Kėdainiai wird versucht, ihre originale Schreibweise zu bewahren, anders als nach der Editionspraxis historischer Quellen (vgl. Lepszy 1953: 12; Wolff 1957: 32).

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Tendenzen der Benennung von Frauen aus Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert in den historischen Quellen der Stadt Kėdainiai

Gen. KKČI 3; 1638 Pani Kozakowa CZK 45; 1666 Ulica Konska [...] Druga strona [...] Memayciowej Gen. KI₃ 7; 1604 Ulica za niewiasą prawa strona [...] Narwidowa KI₁ 13; 1652 Paksztewiczowej Gen. CZK 81; 1624 Ulica Stara [...] 3 Paweysiową Instr. KI₂ 2; 1653 Perkunowej Gen. CZK 94; 1631 Petras zowej Gen. CZK 13; 1666 Ulica Skomgolska [...] Philipowej Domek Gen. KI₃ 11; 1622 Ulica Nowomiejyska [...] Ruybiowa KKČI 1; 1638 Pani Sadkowa CZK 45; 1637 p(ani)⁶ Stanisławowa CZK 15; 1666 Druga strona [...] ulicy zamkowej [...] Domek Tomaszewiczowej Gen. KI₃ 2, 2v; 1638 P(ani) Trzeciakowa CZK 45; 1655 Warnelowa CZK 102; 1604 ulica [...] Witowtowa KI₁ 15v.

Ein dem häufigsten Benennungstyp ähnliches Aufzeichnungsmodell besteht aus einem die Abhängigkeit bezeichnenden suffixalen Personennamen und dem Appellativum našlė (in den polnisch verfassten Quellen: wdowa). Dieser Hinweis war im 17. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil der Benennung von Frauen. Auf diese Weise wurden 16 Stadtbewohnerinnen (19,51%) verzeichnet, z. B.: 1666 Ulica Wilenska [...] Domek Budrowey wdowy Gen. KI₃ 13v; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] wdowy Butkowey Gen. KI₃ 15; 1666 Ulica Kowien ska [...] Domblewskiey wdowy Gen. KI₃ 12v, 13; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] Wdowy Dubowey Gen. KI₃ 14, 15v; 1666 Ulica Kowien ska [...] Gudowa wdowa KI₃ 12v, 13v; 1624 Ulica Stara [...] Druga Strona [...] z Jaroszewiczowa wdową Instr. KI₂ 2v; 1604 Ulica nowa od Kościoła prawa Strona [...] Jurgidowa wdowa KI₁ 15v; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] Wdowу Kiborynskiey Gen. KI₃ 14, 16; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] wdowy Maculowey Domek Gen. KI₃ 14, 16; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] wdowy Pupowey Domek Gen. KI₃ 14, 15v; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] Wdowy Sereykowey Domek Gen. KI₃ 14, 16; 1604 Ulica [...] prawa strona [...] Stanisławowey wdowy Gen. KI₁ 8v, 9; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] wdowy Stephanowey Domek Gen. KI₃ 14, 16; 1666 Ulica Skomgolska [...] Tomaszowey wdowy Dom Gen. KI₃ 11; 1666 Wilenskiey Ulicy [...] wdowy Zwirblowey Domek Gen. KI₃ 15v.

Mit einem Vornamen und einem Familiennamen oder einem ihn ersetzenden Anthroponym wurden 13 Frauen (15,86%) verzeichnet. In den meisten Fällen sind die ersten Glieder dieser zweiteiligen Benennungen polnische Formen christlicher Namen (siehe auch Zinkevičius 1977: 49–50; 2008: 352; Maciejauskienė 1991: 253, 258; 1999: 109; Mickienė, Černiauskaitė 2014: 168, 175–176; Ragauskaitė 2015: 61–62; 2021: 7). Es wurden mindestens 9 verschiedene traditionelle christliche Namen verwendet. Die historischen Formen christlicher Namen werden mit den heutigen litauischen Frauennamen verglichen, z. B.: 1624 Barbara KI₂ 2. Vgl. lit. Gegenwartsform Barborą (LVKŽ 90); 1604 Helzbiety Gen. KI₁ 13v. Vgl. lit. Gegenwartsform Elzbietą (LVKŽ 148); 1604 Hanna KI₁ 8v, 9, 13v, 14v; 1604 Hanny Gen. KI₁ 4. Vgl. lit. Gegenwartsform Oną (LVKŽ 294–295); 1604 Huliana KI₁ 9v, 10v. Vgl. lit. Gegenwartsform Julijoną (LVKŽ 213); 1604 jęwa KI₁ 13v. Vgl. lit. Gegenwartsform Ievą (LVKŽ 195); 1649 Katarzyna CZK 66. Vgl. lit. Gegenwartsform Kotryną (LVKŽ 235); 1659 Klarą Instr. CZK 110. Vgl. lit. Gegenwartsform Klarą (LVKŽ);

⁶ Abkürzungen in den historischen Dokumenten werden ergänzt. Die Ergänzung steht in Klammern.

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1604 Magdalena Kl₁ 7v. Vgl. lit. Gegenwartsform Magdalėnà (LVKŽ 255–256); 1604 Zophia Kl₁ 14v, 15v, 16. Vgl. lit. Gegenwartsform Žȯfija (LVKŽ 385). Neben den Langformen sind auch Kurzformen christlicher Namen gebräuchlich, z. B.: 1624 Dorota Kl₂ 2. Vgl. lit. Gegenwartsform Daratà (LVKŽ 112); 1604 Polonia Kl₁ 4. Vgl. lit. dialektale Gegenwartsform Paliõnija (LVKŽ 77).

Die Einträge in den historischen Quellen zeigen, dass die Ehefrauen von Mitgliedern der Stadtverwaltung und wohlhabenderen Kaufleuten mit kanonischen Namensformen bezeichnet wurden. Vereinzelte diminutive Namensformen tragen Vertreterinnen der unteren Schichten von Kėdainiai – Dienstmädchen, städtische Tagelöhnerinnen u. a., z. B.: 1604 Giendrula Kl₁ 10v, 11v. Vgl. lit. Gegenwartsform Geñdrė (LVKŽ 174), ferner vgl. ältere Namensvariante Gendrutà (LVKŽ 174); 1604 Katrynėla Kl₁ 13. Vgl. lit. Gegenwartsform Kotrynà (LVKŽ 235); 1604 Paliula Kl₁ 11v; 1604 Paliula Kl₁ 14v. Vgl. lit. Gegenwartsform Pãlė (LVKŽ 296), ferner vgl. lit. dialektale Gegenwartsform Paliõnija (LVKŽ 77). Ihnen gegenüber verhielt man sich nachlässiger, weshalb die Schreiber die Einheitlichkeit und den offiziellen Charakter ihrer Namensformen nicht beachteten.

Die nach dem Vater gebildeten Personennamen der Stadtbewohnerinnen tragen das Suffix –ovna (in den Quellen –owna), die nach dem Ehepartner gebildeten das Suffix –ova (–owa). Einige wurden aus männlichen Anthroponymen mit polnischen Suffixen des Typs –sk– gebildet. Diese Personennamen von Frauen können als Ableitungen mit der Endung –a betrachtet werden (siehe Ragauskaitė 2005: 107; 2015: 63), z. B.: 1604 Miąsto Kiędany Rynek prawa strona od mostu […] Hanny Gielezowney Gen. Kl₁ 4; 1649 Katarzyna Girdwiłowa CZK 66; 1604 Miąsta Kiędany […] Helżbiety Gowienowey Gen. Kl₁ 13v; 1604 Ulica od rynku prawa strona […] Huliana juchnowa Kl₁ 9v, 10v; 1624 Vlica Stara […] Dorota Pawlukowa Kl₂ 2; 1604 Miąsto Kiędany Rynek prawa strona od mostu […] Polonia Szałbowa Kl₁ 4; 1604 Ulica stara 3 rynku lewa strona […] Magdalena Žeykniowa Kl₁ 7v; 1604 Miąsta Kiędany […] Hanna Andrzeiowna Kl₁ 13v, 14v; 1604 Ulica nad eyfmilgą […] Hanna Kunigielowna Kl₁ 8v, 9; 1604 Ulica nowa od Kościoła prawa Strona […] Zophia Pranowna Kl₁ 15v, 16; 1604 Ulica Kon̨ka 3 rynku prawa strona […] Giendrula Wiprikowna Kl₁ 10v, 11v; 1659 mit Fräulein Klarą Lipską Instr. CZK 110.

Unverheiratete Mädchen wurden in historischen Quellen nur selten verzeichnet. Dies geschah, wenn ihre Eltern starben. Bisweilen werden in einem Dokument neben dem Mann auch andere Familienmitglieder verzeichnet – die Ehefrau, Töchter und Söhne. Wie ersichtlich, war die Benennung der Einwohner von Kėdainiai im 17. Jahrhundert uneinheitlich und wies eigene Besonderheiten auf. Ihre Aufzeichnungstendenzen sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

TABELLE 1. Die Benennung der Frauen aus Kėdainiai im 17. Jahrhundert

Lfd. Nr. | Benennungsmodell (alphabetisch) | Anzahl der Benennungen | Prozentsatz 1. | Zwei suffixale Personennamen | 32 | 39,02% 2. | Zweiteilig | 13 | 15,86% 3. | Suffixaler Personenname + wdowa | 16 | 19,51% 4. | Einteilig | 21 | 25,61%

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Tendenzen der Benennung von Frauen aus Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert in den historischen Quellen der Stadt Kėdainiai

Die angeführten Beispiele belegen, dass sich das Benennungssystem der Einwohner von Kėdainiai im 17. Jahrhundert noch nicht endgültig herausgebildet hatte. Einige dieser Aufzeichnungen spiegeln typische Lebenssituationen wider (Verwitwung, zwei Ehen u. a.). Es kann angenommen werden, dass die Beziehungen einer verheirateten Frau zu ihrem Ehemann auf mindestens mehrere Arten bezeichnet wurden, nicht nur im offiziellen Gebrauch, sondern auch in der gesprochenen Sprache. Dies wurde durch die Besonderheiten der Stadtinventare und den Kontext ihrer Einträge beeinflusst.

2. PERSONENNAMEN VON FRAUEN MIT LITAUISCHEN SUFFIXEN IM 17.–18. JAHRHUNDERT

In den verschiedenen Benennungstypen der Einwohner von Kėdainiai im 17. Jahrhundert waren die slawischen Suffixe –ova und –ovna am häufigsten. Es kamen jedoch auch Personennamen unverheirateter Stadtbewohnerinnen mit den litauischen Suffixen –aičia (geschrieben –ayčia) und –yčia (–yca) vor. Die Formen der Anthroponyme mit litauischen Bildungselementen wurden nach den Prinzipien der Wiedergabe litauischer Familiennamen in polnischer Sprache rekonstruiert (Ragauskaitė 2014: 11–12; 2015: 63–64; 2021: 9). Bei der Rekonstruktion der Personennamen von Frauen aus dem 17. Jahrhundert werden die Suffixe –aičia und –yčia beibehalten (in der litauischen Standardsprache werden heute –aitė und –ytė verwendet), da sie die alte Bildung der Anthroponyme belegen. Die rekonstruierten Formen werden mit heutigen Männerfamiliennamen und in einigen Fällen auch mit heutigen Vornamen verglichen. Wenn im heutigen Namensbestand kein genau belegtes Gegenstück gefunden wurde, werden mehrere Familiennamen mit entsprechender Wurzel oder entsprechendem Stamm angegeben, z. B.: *Budrai­čia: 1604 Miaſta Kieydany za rzeka niewiąza [...] Paliula Budraycia KI₁ 13v, 14v. Vgl. heutigen Familiennamen Budrà (LPŽ₁ 329); *Sabulýčia: 1624 Vlica Stara [...] Barbara Sabulica KI₂ 2. Vgl. heutigen Familiennamen Sabùlis (LPŽ₂ 654); *Vatai­čia: 1604 Miaſta Kieydany za rzeka niewiąza [...] J̨eva Wataycia KI₁ 13v. Wegen vat vgl. heutigen Familiennamen Vatėnas (LPŽ₂ 1173) (siehe Ragauskaitė 2015: 73). Personennamen unverheirateter Frauen mit dem Suffix –yčia wurden meist aus männlichen Personennamen mit den Endungen –is, –ys gebildet, jene mit dem Suffix –aičia aus männlichen Anthroponymen mit den Endungen –a und –as (Maciejauskienė 1991: 268–271). Dieses Phänomen war jedoch in den historischen Quellen nicht konsequent und variierte (Ragauskaitė 2015: 65).

Auch in den Aktenbüchern von Kėdainiai aus dem 17.–18. Jahrhundert sind Personennamen von Frauen aus Kėdainiai mit litauischen Suffixen belegt. Diese Variation hängt vermutlich mit der inoffiziellen Bezeichnung der Stadtbewohner zusammen. Die Protokolle der Gerichtsverhandlungen geben die in der Schriftsprache wiedergegebenen Familiennamenformen wieder. Es ist bekannt, dass man im Magistrat von Kėdainiai im 17. Jahrhundert sprechen, Zeugnis ablegen und auf verschiedene Fragen antworten durfte. Somit vermischen sich hier deutlich die Daten der gesprochenen Sprache mit der damaligen Schreibtradition der Kanzlei des Magistrats von Kėdainiai, z. B.: *Eivaičia: 1690 Anna Jeywaycia Macieiowa Garnelowa Mieszcz(anka) Miaſta Kieydan KAK₁ 16. Vgl. heutigen Familiennamen Ėiva, Ėivà (LPŽ₁ 570); *Jasaičia: 1690 [...] Zofia Jafaycia KAK₁ 4. Vgl. heutigen Familiennamen Jãsas (LPŽ₁ 813); *Mažaičia: 1731 Ja Zofia Mazaycia Zwilgowa KAK₂ 74. Wegen maž vgl. heutige Familiennamen Mažėika, Mažaitis (LPŽ₂

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191); *Meškaičia: 1704 z Panią Jadwigą Marcinowiczową Augustynowiczową alias Mieszkaycia KAK₂ 4v. Vgl. heutigen Familiennamen Mešką (LPŽ₂ 212); *Plauškaicia: 1690 [...] Pani Zofia Plawżkaycia Piotrowa Mordafzewiczowa KAK₁ 13. Vgl. heutigen Familiennamen Plauška (LPŽ₂ 469) (siehe Ragauskaitė 2014: 15; 2021: 12, 19).

Das unterschiedliche Benennungssystem der Kėdainierinnen im 18. Jahrhundert bezeugt deutlich, dass die offizielle zweigliedrige Benennung der Frauen (mit Vor- und Nachnamen) in administrativen Dokumenten juristischen Charakters langsamer kristallisierte und sich endgültig etwas später als bei den Männern herausbildete⁷. In den untersuchten Aktenbüchern von Kėdainiai aus dem 18. Jahrhundert werden 115 Bürgerinnen erwähnt. Sie wurden meist mit dem Vornamen und dem Nachnamen des Vaters oder des Ehegatten eingetragen (48, das sind 41,74% aller Benennungen des 18. Jahrhunderts). Neben der häufigsten Form wurden Frauen in diesem Jahrhundert noch auf folgende Weise benannt: 1) 22 (19,13%) Einträge mit vier Anthroponymen; 2) 17 (14,79%) Benennungen mit zwei auf den Ehemann bezogenen Personennamen; 3) 15 (13,04%) Einträge nur mit dem Nachnamen; 4) in 13 (11,30%) Fällen mit drei Anthroponymen (Ragauskaitė 2021: 14–18).

Im Taufregisterbuch der Pfarrkirche St. Georg von Kėdainiai aus den Jahren 1752–1799 werden Mütter und Patinnen der Neugeborenen erwähnt. Die Vielfalt ihrer Benennungen ist wesentlich geringer als in den genannten Aktenbüchern von Kėdainiai aus dem 18. Jahrhundert. Die Kėdainierinnen sind überwiegend mit Vor- und Nachnamen eingetragen. Ausgewählt wurden nur jene Einträge von Frauen, die mit dem polnischen Vermerk Kieydany gekennzeichnet sind. Die ersten Glieder dieser zweigliedrigen Benennungen sind kanonische christliche Vornamen. Es wurden mindestens 10 verschiedene Vornamen verwendet, deren historische Formen mit den heutigen litauischen Frauennamen verglichen wurden, z. B.: 1755 Agata KKr₁ 27; 1758 Agatha KKr₁ 164. Vgl. den heutigen Vornamen Agotà (LVKŽ 62); 1755 Anna KKr₁ 27. Vgl. den heutigen Vornamen Onà (LVKŽ 294–295); 1760 Barbara KKr₁ 203. Vgl. den heutigen Vornamen Barborà (LVKŽ 90); 1754 Catharina KKr₁ 19. Vgl. den heutigen Vornamen Kotrynà (LVKŽ 235); 1762 Dorothea KKr₁ 127. Vgl. den heutigen Vornamen Dorotėjà (LVKŽ 127); 1759 Elisabeth KKr₁ 81; 1754 Elisabetha KKr₁ 21. Vgl. den heutigen Vornamen Elzbietà (LVKŽ 148); 1772 Helena KKr₁ 260. Vgl. den heutigen Vornamen Elenà (LVKŽ 146); 1766 Magdalena KKr₁ 203. Vgl. den heutigen Vornamen Magdalènà (LVKŽ 255–256); 1764 Marianna KKr₁ 100. Vgl. den heutigen Vornamen Marijonà (LVKŽ 264); 1765 Zophia KKr₁ 127. Vgl. den heutigen Vornamen Žofijà (LVKŽ 385).

Interessant ist, dass in dieser kirchlichen Quelle 32 Formen von Nachnamen der Kėdainierinnen mit litauischen Suffixen gefunden wurden. Die zweiten Glieder der zweigliedrigen Benennungen sind Nachnamen, die mit den litauischen Suffixen –ienė (geschrieben: –enie, –ienią, –ienie), –aičia (–aycia, –ayczia), –yčia (–iczia) gebildet sind, z. B.: *Abromaitienė: 1760 Catharina Abramaytienia [...] Kieydany KKr₁ 98. Vgl. den heutigen Nachnamen Abromáitis (LPŽ₁ 60); *Petrilaitienė: 1759 Elisabeth Petrylienę [...] Kieydany KKr₁ 81. Vgl. den heutigen Nachnamen.

⁷ In den Aktenbüchern von Kėdainiai aus dem 18. Jahrhundert hatten bereits alle Bürger Nachnamen. Als Ergebnis der weiteren Entwicklung der Nachnamen der Kėdainier kann das Phänomen der Variation von Nachnamen am Ende des 18. Jahrhunderts betrachtet werden. Die Nachnamen der in der Stadt lebenden Diener, Tagelöhner und Angehörigen marginalisierter Schichten bildeten sich langsamer heraus (siehe Ragauskaitė 2017: 67).

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Tendenzen bei der Benennung der Kėdainierinnen in den historischen Quellen zur Geschichte der Stadt Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert

Nachname Petrilaitis (LPŽ₂ 441); *Petrilienė: 1754 Elisabеtha Petrylenie [...] Kіеdany KKг₁ 21. Vgl. den heutigen Nachnamen Petrilā (LPŽ₂ 441); *Augustaičia: 1755 Agata Augustaycžia [...] Kіеdany KKг₁ 27. Vgl. den heutigen Nachnamen Augustaitis (LPŽ₁ 136); *Brazaіčia: 1764 Anna Brazayczia [...] Kіеdany KKг₁ 167; 1759 Catharina Brazayczia [...] Kіеdany KKг₁ 80. Vgl. den heutigen Nachnamen Bražas (LPŽ₁ 301); *Brazionaičia: 1767 Marianna Brazionayczia [...] Kіеdany KKг₁ 222. Vgl. den heutigen Nachnamen Braziōnis (LPŽ₁ 302); *Butnoraičia: 1758 Agatha Butnorayczia [...] Kіеdany KKг₁ 64. Vgl. den heutigen Nachnamen Būtnoras (LPŽ₁ 370); *Dimšlaičia: 1766 Catharina Dymszlaycia [...] Kіеdany KKг₁ 203. Vgl. den heutigen Nachnamen Dimšlys (LPŽ₁ 500); *Dominykaičia: 1756 Anna Dominikayczia [...] Kіеdany KKг₁ 188. Wegen dominyk vgl. den heutigen Nachnamen Domininkaitis (LPŽ₁ 514), den Vornamen Dominykas (LVKŽ 126); *Grigaliūnaičia: 1760 Barbara Grygalunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 203; 1766 Magdalena Grygalunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 203; 1764 Marianna Grigalunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 100. Vgl. den heutigen Nachnamen Grigaliūnas (LPŽ₁ 711); *Gustaičia: 1767 Elisabeth Gustayczia [...] Kіеdany KKг₁ 211; 1764 Marianna Gustayczia [...] Kіеdany KKг₁ 169. Vgl. den heutigen Nachnamen Gūstas (LPŽ₁ 748); *Juškaičia: 1760 Anna Juskayczia [...] Kіеdany KKг₁ 94. Vgl. den heutigen Nachnamen Juška (LPŽ₁ 873–874); *Juškutaičia: 1765 Anna Jus kutayczia [...] Kіеdany KKг₁ 182. Wegen juškut vgl. die heutigen Nachnamen Juška, Juškus (LPŽ₁ 873–874, 875); *Laurynaičia: 1763 Agatha Laurynayczia [...] Kіеdany KKг₁ 160. Vgl. den heutigen Nachnamen Laurynas (LPŽ₂ 35); *Levonaičia: 1754 Catharina Lewanayczia [...] Kіеdany KKг₁ 19. Vgl. den heutigen Nachnamen Lėvonas (LPŽ₂ 68); *Liugaičia: 1765 Marianna Lugayczia [...] Kіеdany KKг₁ 190. Vgl. den heutigen Nachnamen Liūgas (LPŽ₂ 99); *Liutkaičia: 1789 Catharina Lutkayczia [...] Kіеdany KKг₁ 421. Vgl. den heutigen Nachnamen Liūtkas (LPŽ₂ 102); *Margaičia: 1762 Dorothea Margayczia [...] Kіеdany KKг₁ 127. Vgl. den heutigen Nachnamen Mãrgis (LPŽ₂ 161–162); *Matekūnaičia: 1759 Catharina Matekunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 80. Vgl. den heutigen Nachnamen Matekūnas (LPŽ₂ 179); *Matilionaičia: 1765 Catharina Matilonayczia [...] Kіеdany KKг₁ 186. Vgl. den heutigen Nachnamen Matilionis (LPŽ₂ 180); *Mikalojūnaičia: 1772 Helena Mikołaiunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 260. Vgl. den heutigen Nachnamen Mik alojūnas (LPŽ₂ 227); *Navickaičia: 1755 Anna Nawickayczia [...] Kіеdany KKг₁ 27. Vgl. den heutigen Nachnamen Navīckas (LPŽ₂ 310–311); *Paliūnaičia: 1767 Zophia Palunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 214. Vgl. den heutigen Nachnamen Paliūnas (LPŽ₂ 382); *Petrilaičia: 1763 Catharina Petrylayczia [...] Kіеdany KKг₁ 156. Vgl. den heutigen Nachnamen Petrilā (LPŽ₂ 441); *Petrošiūnaičia: 1764 Magdalena Petraszunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 164. Vgl. den heutigen Nachnamen Petrošiūnas (LPŽ₂ 442); *Skuraičia: 1767 Magdalena Skurayczia [...] Kіеdany KKг₁ 218. Wegen skur vgl. die heutigen Nachnamen Skurãuskas, Skurãvičius (LPŽ₂ 756); *Soraičia: 1758 Catharina Sorayczia [...] Kіеdany KKг₁ 64. Vgl. den heutigen Nachnamen Sóra (LPŽ₂ 779); *Valiūnaičia: 1765 Zophia Walunayczia [...] Kіеdany KKг₁ 127. Vgl. den heutigen Nachnamen Valiūnas (LPŽ₂ 441).

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Möglicherweise wurde dieses Taufregisterbuch von Priestern verfasst, die die litauische Sprache gut beherrschten. Die Formeln der Einträge in der kirchlichen Quelle waren nicht einheitlich; ihre Schreibweise änderte sich im Laufe der Jahre. Es wurde festgestellt, dass die Kompetenz und Nationalität der Schreiber, ihre Einstellung zu ihrer Arbeit sowie die Besonderheiten historischer Dokumente die Slawisierung der Personennamen der Kėdainier im 17.–18. Jahrhundert beeinflussten (Ragauskaitė 2015: 73; 2018: 105; 2021a: 6–7). Die evangelisch-reformierten Einwohner von Kėdainiai pflegten im 17.–18. Jahrhundert die Traditionen der litauischen Sprache. In diesem Zeitraum war die Stadt ein Zentrum des litauischen Evangelisch-Reformiertentums im Großfürstentum Litauen (Lukšaitė 1970: 15). In Kėdainiai fanden litauische Gottesdienste, beginnend mit dem dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts und mit einer fünfjährigen Unterbrechung (1682–1687), bis 1785 statt (Lukšaitė 2001: 23). Es ist wahrscheinlich, dass sich auch in anderen historischen Quellen noch mehr authentische Anthroponyme finden lassen, mit denen litauische Bürgerinnen damals in der gesprochenen Sprache bezeichnet wurden.

3. SCHLUSSFOLGERUNGEN

1. In den historischen Dokumenten von Kėdainiai aus dem 17. Jahrhundert werden 82 Kėdainierinnen erwähnt. Ihre Benennungen bezeugen verschiedene Formen christlicher Vornamen (lange traditionelle Formen, Kurzformen und ihre diminutiven Ableitungen). Die Frauen wurden überwiegend mit zwei suffigierten, auf den Ehegatten bezogenen Personennamen erfasst (32, das sind 39,02% aller Benennungen des 17. Jahrhunderts). Weitere verbreitete Benennungsweisen waren: 1) 21 (25,61%) Benennungen nur mit einem suffigierten Personennamen; 2) 16 (19,51%) Fälle mit einem die Zugehörigkeit bezeichnenden Anthroponym und dem appellativischen Beiname našlė (poln. wdowa).

2. Im 17. Jahrhundert wurden 13 (15,86%) Bürgerinnen mit Vor- und Nachnamen eingetragen. Dies zeigt deutlich die Tendenzen bei der Herausbildung des zweigliedrigen Benennungssystems. In den Personennamen der Einwohner von Kėdainiai wurden am häufigsten die slawischen Suffixe –ova und –ovna verwendet. Es gab jedoch auch vereinzelte Fälle der Verwendung von Nachnamen von Mädchen und Frauen mit den litauischen Suffixen –aičia und –yčia.

3. Im späteren Taufregisterbuch der Pfarrkirche St. Georg von Kėdainiai aus den Jahren 1752–1799 dominierte das zweigliedrige Benennungsmodell der Bürger (mit einem kanonischen christlichen Vornamen und einem Nachnamen). Aus dieser Quelle wurden 32 authentische Nachnamen der Kėdainier mit den litauischen Suffixen –aičia, –yčia, –ienė gesammelt, rekonstruiert und mit den heutigen Nachnamen litauischer Männer verglichen.

ABKÜRZUNGEN

db. – der heutige, –ė gal. – Akkusativ įnag. – Instrumental kilm. – Genitiv

naud. – Dativ plg. – vergleiche pvd. – Nachname v. – Vorname

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Tendenzen bei der Benennung der Kėdainierinnen in den historischen Quellen zur Geschichte der Stadt Kėdainiai im 17.–18. Jahrhundert

ŠALTINIAI

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KAK2 – Kėdainių aktų 1704–1720 m. knyga. LVIA, f. SA, b. 15358.

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KI2 – Kėdainių 1624 m. inventorius. VUBRS, f. 4, ap. A1724, b. 34308b.

KI3 – Kėdainių 1666 m. inventorius. VUBRS, f. 4, ap. A215, b. 16891.

KKČI – Kėdainių klebonijos 1622 m. činšo inventorius. VUBRS, f. 4, ap. A207, b. 16292.

KKr1 – Kėdainių Šv. Jurgio bažnyčios krikšto 1752–1799 m. registracijos knyga. LVIA, f. 1424, ap. 1, b. 1.

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ALMA RAGAUSKAITĖ

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Kėd möchte?

ALMA RAGAUSKAITĖ

Trends in the Naming of Kėdainiai Women in Kėdainiai Historical Sources of the 17th–18th Centuries

SUMMARY

The article discusses the anthroponyms of the female residents from the town of the Radziwill noble family in the 17th–18th centuries. The records of 82 townswomen were collected from several historical sources of the 17th century (Kėdainiai inventories of 1604, 1622, 1624 and 1666 and the collection of documents Collecta zboru Kieydanskiego of Kėdainiai Evangelical Reformed Church of 1628–1663). Having investigated the system of naming of Kėdainiai women of the 17th century, it was determined that the first elements of the binomial naming model are Christian names. Their different forms were used (traditional long forms, abbreviations and their diminutive derivatives). Nine different canonical Christian name forms were identified. During the period under study, the townswomen were recorded by suffixal personal names formed from the name of their spouse and the second anthroponym (32, which accounts for 39.02% of all the naming records of the 17th century). Other naming types were not that popular. They are: 1) 21 (25.61%) cases of naming by a single suffixal personal name; 2) 16 (19.51%) cases of naming by an anthroponym designating belonging and appellative nickname našlė (Pol. wdowa); 3) 13 (15.86%) cases of naming by the first name and surname or an anthroponym replacing it. The 17th century records of townswomen collected from the town’s documents of administrative type are predominated by the Slavic suffixes –ova, –ovna, though Lithuanian suffixes –aičia, –včia were occasionally found as well. The binomial naming model (Christian first name and surname) prevailed in the later baptismal register of 1752–1799 kept by St. George’s Church of Kėdainiai Parish. A total of 32 surnames of Kėdainiai women with Lithuanian suffixes –aičia, –yčia, –ienė were recorded in the abovementioned church source.

Įteikta 2022 m. rugpjūčio 2 d.

ALMA RAGAUSKAITĖ

Baltų kalbų ir vardyno tyrimų centras Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT–10308, Vilnius, Lietuva [email protected]

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