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Ein Termin neben dem anderen. V

JONAS KLIMAVIČIUS

Institut für Litauische Sprache

ZWEI Fersen

Bei der Festlegung der Form des etwas variierenden Schuhterminus – pakūlnis (dies ist auch ein Fachausdruck der Mechanik) oder pakūlnė – muss man zuerst die Daten der gesprochenen Sprache betrachten und nicht die „Gesetze“ der Wortbildung, denn diese Daten prüfen die Wortbildungsspezialisten selbst sorgfältig – sie stellen keine solchen eisernen Gesetze auf, mit denen mitunter ein Schuhfachmann oder sogar ein Linguist kühn operiert, ohne die Arbeiten zur Wortbildung gründlich studiert zu haben. Danach sind die Normierungstradition (oder ihre Wendungen) und das System zu berücksichtigen.

1. Daten der gesprochenen Sprache. Bei der Beurteilung der erwähnten variierenden Bildungen ist zunächst zu wissen, dass es von ihrem Grundwort, das zudem mehrdeutig ist, neben der standardsprachlichen Norm kulnas mehrere Varianten gibt – kūlnas, kulnis, kulnė: 1kūlnas 1. „hinterer Teil des Fußes“ Léipalingis, Krókialaukis, Daugai, Pagiriai (Kėdainių r.), Pociūnėliai, Šakýna, Panevėžys, Vabalninkas, Šimónys, Anykščiai, Dūsetos, Raseiniai, M. Valančius [und 1kulnis 1. Vilkaviškis, Griškabūdis, Švėkšna, Šilalė, Šatės, J. Bretkūnos Bibel, Wörterbücher von P. Ruigys und F. Kuršaitis (wie preuß. kulnis), kulnė in den Erzählungen von J. Murka (aus Šimonys), Tautosakos darbai 6, 1939, 87 – Pilviškiai, mir jedoch als gebürtigem Pilviškiai unbekannt (wie lett. selten kulne, etwas häufiger kulna]), 3. „Beugung der Beine [d. h. des Beins. – J. K.] eines Tieres (gewöhnlich der Hinterbeine) [d. h. des Hinterbeins. – J. K.]“ Pelesà, Kápčiamiestis, Álovė, Vidiškiai, Ramýgala (und 1kulnis 2. Serėdžius, Hochzeitslieder von A. Juška), 5. „Erhöhung des Schuhs am hinteren Teil der Sohle“ Léipalingis, Kruopiai (und 1kulnis 3. Salantai, M. Valančius, kulnė 2. Tvyrai) LKŽ VI 1962. Auch andere körperliche Bedeutungen von 1kulno – 1. „Knie“ Liškiava, Veisiejai, 4. „Knöchel, Fußgelenk“ Dūsetos (und kulnėlis 1. Sasnavà, Daukšiai, Varėna, Nočia, Dievėniškės, Lazūnai, Sudeikiai), sowie 6. „hinterer Teil des Fußes“

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(obwohl nur schriftlich belegt, stammt es zweifellos aus der gesprochenen Sprache) LKŽ VI 1962 zeigt ebenfalls deutlich dieselbe Wortwurzel der Formen kul̃nas / kul̃nis / kul̃nė und kul̃šnis / kul̃štymas / kul̃štinas || kulkšnis, -iẽs / kùlkšnis / kulkšnỹs / kùlkšnas / kulkš- na || kulkštìs / kulkštė / kùlkštymas / kùlkštimas / kùlkštinas / kul̃kština / kùlkštinė / kul̃kštenas / kul̃kštena / kulkšteninkas || klùkštymas / klukšti-mas sowie kulšis / kulšìs / kulšė / kulša / kul̃šas LKŽ VI 1962, und dieselbe – die Wurzel mit silbischem Sonanten *kl– findet sich auch in kelis, -io / kelỹs / kėlias || ¹kelėnas / kalėna / kelėnas / keliena / kelienis LKŽ V 1959, ²klubas 1. „Stelle, an der sich der Oberschenkelknochen mit dem Kreuzbein verbindet“; 2. „oberer Teil des Beckenknochens“ (vgl. ¹kulnis 3. „hervorstehender Teil des Beckens“ Daugėlìškis), ¹klùmbas „Oberschenkelknochen“ Seredžius, ¹klùpas „<...> Hüftknochen eines Tieres, Hüfte“ Plókščiai, klùpštis 1. „Knie, Kniescheibe“ Westdzūken, Ródūnia, Armõniškės, Šãlos, Šiauliai / klùpstas Marcinkónys, Druskininkai / klupstùkas Armõniškės, klùpsnis „Spitze des großen Zehs bis zum ersten Gelenk“ Upýna (LKŽ VI 1962).

Pakuolnė 1. „Stelle entlang der Fersen“ und sowohl die Bedeutungsangabe entlang der Fersen als auch die Belegsätze – Als er wegging, warf man ihm noch einen Stein in die Fersen. Wenn ich mich einmal in die Fersen mache, dann trödele hier nicht herum! Kairiãi (LKŽ IX 1973) weisen wohl auf ein Substantiv im Plural pakul̃nės hin. Anderswo gibt es jedoch auch eine andere, nach Numerus flektierende Form pãkulnė – 3. „kleine Schlittenkufen, auf die beim Transport von Brettern der dünne Teil gelegt wird; kleiner Schlitten, kleiner Schlittenwagen“ Šãtės (: ¹kulnis 1. Šãtės). Natürlich gibt es auch ³pakul̃nis 3. „Stelle unter den Beinen eines Tieres [d. h. dem Bein. – J. K.] (gewöhnlich den Hinterbeinen) [d. h. dem Hinterbein. – J. K.] an der Beugung“: Das Kind warf dem Schaf einen Stein in die Kniekehle und verletzte ihm das Bein Linkuvà.

2. Normierung und Terminologisierung. Die Erörterung der Beseitigung von Synonymen für die F e r s e des F u ß e s kulno in der Standardsprache muss mit dem Wort péntis / pentìs / pén- té 3. „Ferse“ beginnen, das bei den westlichen Dzūken, in Aziérkai, Žirmūnai, Armõniškės, Nemenčinė und im Wörterbuch von K. Sirvydas (1642) belegt ist, ebenso in Kintai und Várduva (Žemaičių Kalvarija), LKŽ IX 1973. In DŽ 1954 und 1972 ist pentis 3. umgangssprachlich kulnis, in DŽ 1993 dagegen dialektal kulnas; die dialektale Phraseologie ant penčių stovėti (jemanden antreiben, sich zu beeilen, ohne nachzulassen), pentis laižyti (schmeicheln) – blieb jedoch erhalten. Im SinŽ 1961 findet sich weder kulno noch penties, im SinŽ 1980 dagegen kulnas 1. (hinterer Teil des Fußes) – pentis, also ohne jegliche Bewertung und Normierung (in der Standardsprache gibt es allerdings pentelė „kleines Eisen, auf dem die Sense gedengelt wird“, pentinas (sowohl beim Reiter als auch beim Hahn), pa- pentis 3. „Teil der Sense am Stiel“ (wobei 1. „Brotkruste“ und 2. „Brett am Rand eines Schreibens“ in DŽ 1993 recht dialektal sind). Eine große Systemwidrigkeit besteht

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užpentis „užkulnis“ DŽ 1954, 1. „pėdos užpakalinė dalis ties kuln i m i“; 2. „apavo dalis ties kuln i m i“ (net su iliustracija!) DŽ 1972, 1. „užkulnis“; 2. „apavo dalis ties kulnu“ DŽ 1993, taip pat SinŽ 1980 užkulnis (kuln i e s ar bato užpakalinė dalis) – užpentis [be pažymos tarm., net su iliustracija], atapentis tarm.

Die Normierung der Varianten von Kulnas verzögerte sich nur wegen des späten Aufkommens der normativen Lexikografie, verlief aber konsequent – kulnis siehe kulnas DŽ 1954, 1972, 1993. Doch noch lange begegnet kulnis auch in Bedeutungserklärungen. Hinzuzufügen ist, dass sich von allen Verben, die aus den Varianten – kulnas / kulnis / kulnė – gebildet wurden, kulnuoti, kulnoti / kulniuoti, kulnioti, kulnyti / kulnėti, in der Standardsprache gleichsam von selbst die Ableitung kulnis kulniuoti durchsetzte (LKŽ VI 1962; DŽ 1954, 1972, 1993). Das Adverb pakulniui „zu den Fersen hin, entlang der Fersen“ (DŽ 1993) lässt sich im Bedeutungsbereich von kulnis unterbringen (LKŽ IX 1973 erläutert es ebenfalls so – 1. „zu den Fersen hin, entlang der Fersen“), doch solche Adverbien (mit der Endung -iui) werden gleichermaßen von allen Stammtypen gebildet (pavėjui, pamečiui; pakeliui; pažodžiui, pasluoksniui; panakčiui; padieniui, pabangiui; paeiliui, paraidžiui, pasroviui; pamėnesiui, paskiemeniui, pavandeniui).

Kulnas bedeutet im DŽ 1954 nur „hinterer Teil des Fußes“, während im DŽ 1972 und 1993 bereits kulnas 2. „Erhöhung am hinteren Teil der Schuhsohle“ unterschieden wird.

Die Bedeutungsübertragung von kulno / kulnies / kulnės auf den Fuß des Litauers erfolgte, als dieser Schuhe zu tragen begann (teilweise vielleicht sogar Bastschuhe, genähte Schuhe aus Tierhaut oder Holzschuhe). Bereits LKŽ I₁ 1941 sind aus Grūžiai aukštakulniai batai „hochhackige Schuhe“ belegt. Doch ging das nicht ganz leicht – hinderlich waren zahlreiche Fremdwörter aus den benachbarten germanischen und slawischen Sprachen (die auch die Lehnwörter batas, šliurė, klumpė sowie eine Fülle von Fremdwörtern beigesteuert hatten – čebatas, čeverykas, kamašas, bašmakas, brandavykas, pantaplis / kantaplis, tuplis, lakierka, …): āpzacas (dt. Absatz) K 1883 (im Artikel zum Wort pakulnis) und K I 1870 23 (LKŽ I₁ 1941) apčācas (bruss. обуяс, poln. obcas) in Tvėrai (LKŽ I₁ 1941) und apcōcas in Stāklškės (LKŽ I₁ 1941; außerdem unbelegt in Sugińčiai), kūrka (poln. korek) in Valkiniņkai, Veiveriai, Skriaudžiai, Lekėčiai, in den Liedern von A. Juška (LKŽ VI 1962), kablūkas (russ. каблук) in Kūpiškis, Dusetos (LKŽ V 1959). Letzteres, ein russischer Turkismus arabischen Ursprungs, wird zum Jargonwort und aggressiv verbreitet, z. B.: mit kleinen „Swart“-Autos oder „kablukais“ Vd 2009 10 26.

In der Terminologie scheint zur Erzielung größerer Distinktivität kulniūkas geeignet (vgl. vaizdas↔vaizdelis, dantis↔dantukas u. Ä.); es ist übrigens weder in der akademischen noch in der normativen Lexikografie verzeichnet, in der Umgangssprache aber recht lebendig.

Doch echte Distinktivität und Präzision in der Schuhterminologie bietet die kulno-

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Mikrosystem: užkulnis, apykulnis ir pakulnis1. Die Behauptung irgendeines Schuhmachers (in einer Diskussion), für sie sei dies kein System, ist bedeutungslos, wenn nicht gar mehr als das. Diese Präzision wurde jedoch nicht sofort und auch nicht ganz mühelos erreicht. Grundlage sind Wörter der lebendigen Sprache; doch užkulnis ist darin (nicht am Fuß – 1, 2) mehrdeutig – auch 4. „Schuhferse“: Die ganze Sohle ist noch heil, nur der hintere Schuhteil ist abgenutzt in Upýna (auch in Pikeliai, Rajongemeinde Mažeikiai), 6. „Ferse des Strumpfs“ in Kretingà, Kuliai, doch am weitesten verbreitet – sowohl bei den westlichen Hochlitauern als auch bei den Žemaiten, sogar in Kápčiamiestis und Pãjstrys – ist 3. „hinterer Teil des Schuhwerks um die Ferse herum, <...>“: Der hintere Schuhteil ist aufgerissen – <...> in Barstýčiai; ferner 5. „festes Leder, Einlage, die in den hinteren Schuhteil eingesetzt wird“: Der Schuh hat den hinteren Teil aufgescheuert; <...> in Miėžiškiai (LKŽ XVII 1996). Auch im normativen Wörterbuch steht užkulnis an erster Stelle mit der Bedeutung 1. „hinterer Teil der Ferse“ (DŽ 1954 und 1972; 1. „hinterer Teil der Ferse“ DŽ 1993), erst danach 2. „hinterer Schuhteil um die Ferse herum“ und 3. „dickeres [DŽ 1993: festes] Leder, das in den hinteren Schuhteil eingesetzt wird“ (DŽ 1954 und 1972). Užkulnis bedeutet tatsächlich „hinter der Ferse“, während der größere Teil rund um die Ferse, der auch die Seiten der Ferse umfasst, später mit der Neuschöpfung apkulnis bezeichnet wurde (LTE I 1976 517, VLE II 2002 326; übrigens ist die russische Unterscheidung unscharf: задник – užkulnis, заднinka – apkul̃nis PolŽ 1984). Auf der Sitzung der Terminologie-Unterkommission der VLKK am 4. März 2009 berichtete A. Ratautas, dass mein früherer Hinweis zur Form dieser Neuschöpfung angenommen worden sei: nicht apkul̃nis, sondern apýkulnis (vgl. apyakis, apyausis, apýburnis,

1In diesem Mikrosystem gab es eine Zeit lang auch antkulnis. Das Wort antkulnis wird im LKŽ I₁ 1941 synonym mit „užkulnis“ erklärt und nur aus dem litauisch-lettisch-polnisch-russischen Wörterbuch von M. Miežinis angeführt: antkulnis – v. [d. h. siehe] užkulnys – papėdis. pieto. n̦ama, n̦amka M 1894. Im LKŽ I₂ 1968 wird antkulnis mit der nicht ganz klaren Bedeutung „Leder oder Gummi, das auf die Schuhferse gesetzt wird“, ebenfalls durch einen nicht besonders klaren Satz aus einem Text aus der Vorkriegszeit illustriert: Der abnehmbare antkulnis wird mit kleinen Stiften am Hauptteil der Ferse befestigt [vgl. spučiukas 1. „eindrückbarer Knopf, Druckknopf“: Der antkulnis wird mit zwei kleinen Druckknöpfen befestigt (sowjetische Presse)] LKŽ XIII 1984. Etwas später wurde antkulnis als Terminus mit klarer Bedeutung verwendet – als Ersatz für das Fremdwort nabóika (russ. набойка) „Beschlag an der Schuhferse; Fersenstück“: in Liškiavà, Viduklė, Variante nabóikė in Marijámpolė (LKŽ VIII 1970); набойка – 2. (am Schuh) antkulnis TechnŽ 1949, PolŽ 1959. Im Wörterbuch der Standardsprache bedeutet antkulnis „Leder oder Gummi, das auf die Ferse gesetzt wird“ (DŽ 1954 und 1972). Im DŽ 1993 ist antkulnis („auf die Ferse gesetztes <...>“) bereits als veralteter Gegenstand bezeichnet: schon im DŽ 1972 findet sich ¹pakalà, allerdings noch mit der Bedeutung 2. „Eisenplättchen, das unter die Schuhferse [d. h. des Schuhs – J. K.] genagelt wird“ [auch LKŽ IX 1973 ¹pakalà 2. „Hufeisen“ in Daugėliškis || „Eisenplättchen, das unter die Schuhferse genagelt wird“ (sowjetische Presse)]. Seitdem verwenden Fachleute konsequent nur pakala (AvalM 1972 213, LTE I 1976 517, PolŽ 1984 (nabóuka 1. Leder), AvalMt 1986 120, VLE II 2002 326). Auch im DŽ 1993 bedeutet ¹pakalà nicht mehr „Eisenplättchen“, sondern 2. „Gummi, Lederstreifen, die unter die Schuhferse [d. h. des Schuhs – J. K.] genagelt werden“: Pakala ist keine Übersetzung des russischen набойка – dafür wären antmuša(s) oder antkala passend [K. Sirvydo antkala „Amboss“ (Punktay sakimu, II 74) LKŽ I₁ 1941, I₂ 1968, Palionis 2004 ist eine Lehnübersetzung des polnischen nakowalnia]. Pakala ist auch kein priekala – man muss sie nicht einfach prikalti „annageln“, sondern am pakulnis von unten pakalti „beschlagen“: pakalti 2. „von unten annageln“: ein Hufeisen von unten annageln (DŽ 1972); vgl. auch pasiegti „von unten befestigen“ und pasagà 1. „unter die Hufe von Pferden [d. h. den Huf – J. K.] genageltes Eisen, <...>“ (sowie pasagas 1), pasagas 2. „unter den Kufenschlitten genageltes Holz“, ferner mušti 6. „nageln, ziehen, nähen“: ein Haus mit Brettern verschalen und verkleiden; „Eisen, das unter eine Kufenschlittenkufe genagelt wird“ (DŽ 1972; von oben bzw. von außen – ap-). Pakala ist der terminologisierte Ausdruck ¹pakalà 2. „Hufeisen“ in Daugėliškis (1. „Keil“, östliches Hochlitauisch; ebenso ¹pakalas 1. in Ežvilkas, Wörterbuch von A. Juška; vgl. ¹pakalas 2. „bestimmter Keil zur Befestigung der Sense am Stiel“ im westlichen Hochlitauischen und südlichen Žemaitischen) LKŽ IX 1973. Nicht zu diesem Mikrosystem gehört der nur in einer Quelle belegte potentielle Wortbildungstyp priekulnis „Stelle am Fuß beim Fersenbereich“ LRKŽ III 1957 (LKŽ X 1976).

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apy kaklė, apynagė, apynosė, apysnukis; apyšeklis, apyšerdė, apyvaisis, apyžie-dis; apyežerė, apypelkis; apygarda, apymiestis, apynamė; apylangė, apyraktė, apystalė).

Pakulnis, abgeleitet von kulnas / kulnis und užkulnis, wird bereits in den Wörterbüchern von G. H. F. Nesselmann und F. Kuršaitis unterschieden: kulnis, nės – die Ferse, die Hacke am Fuß, pakulnis, -nės – der Absatz am Schuh, užkulnis, nės – das Hackleder am Schuh N 1851; Absatz: A. am Schuh, Stiefel – kūrpės, sopāgo kulnis; pakulnis; jetzt gewöhnlich āpzatsas K I 1970, kulnis, -iės – die Hacke, Ferse; pakulnis, -iės – der Absatz am Schuh; sonst āpzatsas, pakulnis, -io – der Teil des Fußes unter der Ferse (oder Hacke), der Absatz von Schuhen, Stiefeln, ùžkulnis, -io – das Hackleder K 1883. Somit führt E. Kuršaitis 1870 noch Synonyme an – bato kulnis und pakulnis, während er 1883 kulnį nur dem Fuß zuordnet, aber auch einen Teil der kulnis bezeichnet – pakulnis, -io, obwohl dieses auch dem Schuh zugeordnet wird; hier ist zudem bato pakulnis, -iės als Synonym angegeben.

Po pusšimčio metų išdygsta pakulnė: каблук – kūrka, pakulnė, kulnis RLŽ 1932. Gana greitai randasi dar vienas variantas – pakulnỹs: Iš kurpalio apa-čios priklijuojamas <…> gumos padas ir pakulnys LEnc IX 1940 882. Veikiai P. Skardžius visus grąžina prie gyvosios kalbos formos pakul̃nis, nors tai ir ne avalynės terminas, o paprastosios kalbos žodis – „užkulnis“ Linkuvà (Skardžius 1943: 450) – LKŽ IX 1973 tai yra ³pakulnis 3. „vieta po gyvulio kojų (ppr. užpakalinių) [t. y. kojos (ppr. užpakalinės). – J. K.] sulenkimu“: Vaikas leido akmenį avelei į pakul̃nį ir išmušė koją Linkuvà. Dar po dešimtme-čio lietuvių–vokiečių kalbų Lietuvių rašomosios kalbos žodynas (Heidelber-gas) keistai dvejina – kojos ir kojinės pakulnis, o bato pakulnė: pakul̃nis, -io 1. Stelle an der Ferse (z. B. Fersenteil des Strumpfes), 2. = pakul̃nė, o pakul̃nė -ės – Absatz (am Schuh), Hacken LRKŽ II 1951.

In der lebendigen Sprache hat Ferse auch eine seltene Bedeutung aus der bäuerlichen Technik – 7. „Hilfsrauchfang des Brotbackofens; Rauchrohr“ Pakruojis (LKŽ VI 1962). Es gibt den Begriff auch in der wissenschaftlichen Technik, jedoch mit anderer Bedeutung: яма – 1. maž. kūlnas: вагono, бегио, атрамinis,... PolŽ 1984 ir подшятник – pakulnys, vertikalaus veleno atraminė pakak (maš.) TechnŽ 1949, Axialzapfen, Axiallager (maš.) PolŽ 1959, maš. Axialzapfen (und des Hammers pentis – боек 1) PolŽ 1984. Hier ist auch ein Fachbegriff aus einem anderen Bereich gleichbedeutend: каблук – od. pakul̃nis: Keil-, Voll- oder zusammengesetzt PolŽ 1984.

Das erste normierende Wörterbuch der litauischen Standardsprache, das sehr verspätet erschien und sich nur auf die Zettelsammlung des akademischen LKŽ und dessen gerade einmal zwei erste Bände (A–B und C–F) stützte, erfasste leider die Daten der lebendigen Sprache nicht gründlich,

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missachtete dieses Terminologiesystem und führte Doppelbezeichnungen ein: pakūlnis – Fachsprache: „hinteres Lager eines vertikalen Schafts oder einer Achse“, pakūlnė – „Stelle entlang der Fersen; Fersenkappe“: Paleido pagalį į pakulnę DŽ 1954 (in der lebendigen Sprache gibt es nur entweder į pakulnį oder į pa-kulnes), pakūlnis 2. Fachsprache, während 1. auf pakulnė verweist; dieses ist zweideutig: 1. „Stelle entlang der Fersen“, 2. „Erhöhung am Schuh unter den Fersen“ DŽ 1972. Erst DŽ 1993 erscheint pakulnis als Schuhteil, nun „unter der Ferse“, und nach der lebendigen Sprache wird der Plural pakūlnės mit der Bedeutung „Stelle entlang der Fersen“ angegeben.

Kalbos praktikos patarimai sekė DŽ 1972, nors atsargiau, – dvejino: pakulnis – g e r i a u pakulnė; vart. spec. „veleno ar ašies atrama“ KPP 1976 ir 1985. Pabrėžtina, kad terminologų rengtuose taisymuose TT 1992 nėra – žiūrėta specialistų termininės vartosenos: pakulnis AvalM 1972 209, 212, 216, 220, 222, 223, AvalMt 1986 119–121, LTE I 1976, VLE II 2002 (avaldynės straipsnyje). Deja, pasitaiko dar ir dvejinimo, net apversto: pa-kulnis – каблук, pakulnė – подн’ятник. Net nežinia ką sakyti, kai šito imasi etimologas: pakulnė, pakūlnė „obcas“ SEJL 2007.

3. Neigungen bei der Wahl des Stammes von Präfixableitungen. Da die Norm der Standardsprache kulnas lautet, verbinden wir die Ableitungen mit den Präfixen už-, apy-, pa- mit dem Grundwort kulnas, obwohl auch die Variante kulnis als Ausgangsform gedient haben könnte. Die Ableitungsvariante užkulnė aus Kvėdarna und Tirkšliai (LKŽ XVII 1996) ist so selten, dass für die Standardsprache sofort užkulnis übernommen wurde, ohne zu zögern. Die Neubildung apy-kulnis / apkulnis hat denselben Stamm. „Ableitungen mit dem Präfix pa- haben entweder einen ia-Stamm (häufiger mit der betonten Nominativendung -ys im Singular, etwas seltener mit unbetontem -is) oder (fast ebenso häufig) einen ė-Stamm“ (LKG 1965 § 743 2). Der Fachmann für Wortbildung Vincas Urbutis beginnt also nicht mit dem ė-Stamm, sondern schließt damit (obwohl er dazwischen auch die Ableitung pakulnė erwähnt, die offenbar aus DŽ 1954 übernommen wurde). Die Form pakulnis (: kulnas) wird durch viele ähnliche Bildungen gestützt – patėvis (: tė-vas), paberžis (: beržas), paąžuolis (: ąžuolas), pavainikis (: vainikas), pakaušis (: kaušas), pakomitetis (: komitetas), paryt ys (: rytas), pagalys (: galas), pakraš-tys (: kraštas), pakarklynys (: karklynas), pažastis (: žastas). Es gibt kein unumstößliches Gesetz: „Die Wahl der Stämme hängt g r o ß e n t e i l s von der Form des Grundwortes ab“ (LKG I 1965 § 743 2), oder „bei ihrer Wahl ist vor allem die Tendenz maßgeblich, Ableitungen mit dem Präfix pa- durch das Genus von den Grundsubstantiven zu unterscheiden“ (DLKG 1994 § 455). Doch nicht Sprachwissenschaftler wählen, sondern die lebendige Sprache selbst. Manchmal gibt es zwei Formen – pavakarė / pavakarys (obwohl nur parytys). Manchmal bleibt der Stamm ganz unverändert: das pakoja (: koja) einer Drehbank, eines Spinnrads, Tisches, Stuhls oder Wagens – so lässt es sich bequem bedeutungsmäßig von einer anderen Ableitung unterscheiden, pakojis / pakojys.

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„Stelle unter den Füßen oder bei den Füßen“ DŽ 1993. Ebenso verhält es sich mit der Neubildung padalyvis (: dalyvis). Wir müssen also stets an die berühmte Maxime von Juozas Balčikonis denken: Vor den Tatsachen müssen auch die Gesetze verstummen (Balčikonis 1978: 384). Und wir dürfen das Terminologiesystem nicht vergessen – užkulnis, pakulnis, apykulnis.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Sowohl die Normierung der Varianten des Grundwortes kulnas und der Ableitung pakulnis als auch die Entwicklung der gesamten terminologischen Mikrosystematik – kulnas, užkulnis, apykulnis, pakulnis (eine Zeit lang auch antkulnis; heute pakala) und ihre Pflege erfolgten verspätet, schleppend und unkoordiniert – sie zogen sich über mehrere Jahrzehnte hin und waren sprachlich mitunter unbeholfen, ohne Rücksicht auf Systematik. Die sehr seltene dialektale Variante užkulnė aus einem Teil des Niederlitauischen war nicht einmal sporadisch in das System aufgenommen worden. Die Neubildung apykulnis wurde jahrzehntelang bis heute in der unrichtigen Variante apkulnis verwendet. Der maschinenkundliche Terminus pakulnis wird konsequent ohne Varianten verwendet. Der schuhtechnische Terminus pakulnis wurde in Fachbüchern und Terminologiewörterbüchern für das Schuhwesen nahezu durchgängig verwendet; nur in allgemeinen Wörterbüchern gab es lange Zeit – durch Wiederholung – auch pakulnė. In der Wortbildung gibt es keine strengen Regeln für das Stammauslautmuster von Ableitungen, sondern nur Tendenzen; deshalb muss man sich an die Daten der lebendigen Sprache halten und in der Terminologie außerdem an die Systematik.

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Eingegangen am 2008-12-23

Jonas Klimavičius Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas: [email protected]

Terminologija | 2008 | 15 2 3 3

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