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Institut für Litauische Sprache
EIN LATEINISCH-LITAUISCHES WÖRTERVERZEICHNIS IN DER GRAMMATIK VON SAPŪNAS UND ŠULCAS
SCHLAGWÖRTER: Sapūnas, Šulcas, Compendium, Wörterverzeichnis, Übersetzung, lateinische Sprache.
ZUSAMMENFASSUNG
In der 1673 erschienenen litauischen Grammatik von Kristupas Sapūnas und Teofilis Šulcas Compendium Grammaticae Lithuanicae, kurz Compendium genannt, sind fast alle litauischen Wörter ins Lateinische übersetzt; somit verbirgt sich darin de facto ein litauisch-lateinisches Wörterverzeichnis mit 1380 Einträgen. Aus den Merkmalen dieses faktischen Wörterverzeichnisses geht hervor, dass die litauischen Wörter von einer Person ins Lateinische übersetzt wurden, deren Muttersprache Deutsch war. Daraus lässt sich schließen, dass die litauischen Wörter im Manuskript von Sapūnas ohne Übersetzungen stehen gelassen wurden und Šulcas sie später hinzufügte. Trotz kleinerer Ungenauigkeiten in den Übersetzungen bietet dieses Wörterverzeichnis wertvolle Belege zur litauischen Sprache des 17. Jahrhunderts in Kleinlitauen.
EINLEITUNG
Die von Kristupas Sapūnas und Teofilis Šulcas verfasste litauische Grammatik Compendium Grammaticae Lithuanicae, kurz Compendium genannt und in der litauistischen Fachliteratur häufig mit der Abkürzung SC bezeichnet, ist ein wertvolles Denkmal der litauischen Sprache des 17. Jahrhunderts. Die Forschenden sind sich einig, dass Kristupas Sapūnas sie verfasst hat und Teofilis Šulcas die Grammatik herausgab, wobei er einiges hinzufügte und die Vorworte verfasste. Es liegt nahe zu fragen, was Šulcas genau zum Manuskript von Sapūnas hinzugefügt hat. Wie
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Tamara Buchienė, Jonas Palionis und Kazimieras Eigminas haben dies untersucht (Buchienė, Palionis 1957: 21–27; Eigminas 1997: 19–22); abgesehen von den Vorreden wurden einige Auszüge aus Kleins Grammatik in den ursprünglichen Text des Compendium eingefügt, insbesondere das Kapitel über die Akzentuierung (Strockis 2007: 93–100). Können wir nur so viel wissen? Dies anhand des im Grammatikwerk von Sapūnas und Šulcas verborgenen lateinisch-litauischen Wörterverzeichnisses herauszufinden, ist das Ziel dieses Artikels1.
Kaip žinoma, Kristupas Sapūnas (1589–1659), gimęs Mažojoje Lietuvoje, arba Kusuose, arba Didžiuosiuose Rūdupėnuose, vėliau vadintuose Enciūnais (tiksli vieta nežinoma; Biržiška 1960: 263), įstojęs į Karaliaučiaus universitetą, ten užsirašė kaip Christophorus Sepun Lituanus pauper „Kristupas Sapūnas [vėliau jo pavardė vokiškai buvo rašoma Sappuhn], neturtingas lietuvis [ar lietuvininkas]“. Iš to (ir, žinoma, iš pačios jo gramatikos) galima spręsti, kad lietuvių kalba jam buvusi gimtoji. Jei nesame tikri dėl kurio nors Mažosios Lietuvos autoriaus gimtosios kalbos, gali padėti ir pavardės etimologija. Atrodo, kad Sapūno pavardė yra lietuviška, metroniminės kilmės. Ar tai reiškia, kad kas nors iš jo protėvių buvo nesantuokinis Sapės (Sofijos) sūnus, nežinia (pats Kristupas buvo Mykolo
1 Beim Zitieren von Stellen aus der Grammatik von Sapūnas und Šulcas wird in diesem Artikel die Seitenzahl der Originalausgabe von 1673 angegeben, die sich auch in der Faksimileausgabe von 1997 leicht finden lässt. Ist eine Seite im Original nicht nummeriert (in den Vorreden und im Schlusswort), wird die Seitenzahl der Faksimileausgabe von 1997 angegeben. Beim Zitieren von Kleins Grammatik (deren originale Seitennummerierung durch Korrekturfehler stark durcheinandergebracht ist) werden sowohl die Seitenzahl der Faksimileausgabe (1957) als auch die des Originals angegeben und durch einen Schrägstrich getrennt. In den Fällen, in denen die Seitenzahl des Originalexemplars von Kleins Grammatik aufgrund eines Druckfehlers nicht mit der tatsächlichen übereinstimmt, werden sowohl die tatsächliche als auch die falsch gedruckte Seitenzahl angegeben; Letztere steht in Anführungszeichen. Beim Zitieren des Compendium und von Kleins Text wird eine graphematische Transkription verwendet, bei der nur Grapheme sowie jene Allographe oder Ligaturen, die tatsächlich den Status von Graphemen erlangt hatten (ſ, æ; œ kommt nicht vor), durch eigene Zeichen wiedergegeben werden. Das Schriftbild des Originaldrucks bleibt dabei unberücksichtigt: Das z der sogenannten „gotischen“ (in diesem Fall Schwabacher-) Schrift wird also als dasselbe z wie das der Antiqua transkribiert und nicht mit dem Zeichen ʒ der modernen phonetischen Transkription (denn dies zu tun wäre ebenso sinnvoll, wie beispielsweise das g der „gotischen“ Schrift allein wegen seiner ähnlichen Form mit dem Zeichen ɡ der modernen phonetischen Transkription wiederzugeben). Der Buchstabe ß wird stets so transkribiert, unabhängig davon, ob er im Originaldruck als Ligatur (aus der das moderne deutsche Schriftzeichen ß hervorgegangen ist) oder als Einzelbuchstabe gesetzt wurde. Ist in ein in „gotischer“ Schrift gedrucktes Wort im Originaldruck ein Buchstabe der Antiqua eingefügt, wird er wie alle anderen Buchstaben transkribiert, ohne besondere Kennzeichnung. Die graphematische Transkription entspricht dem Ziel dieses Artikels am besten. Die für die Argumentation relevanten litauischen Wörter, die aus dem Compendium zitiert werden, sind fett gedruckt.
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Sapūno sūnus; Biržiška 1960: 263). Vis dėlto galime atkreipti dėmesį į tai, kad jo gramatikoje tarp negausių moteriškų vardų (skirtų moteriškajai gramatinei giminei lietuvių kalboje iliustruoti) paminėta ir Sape = Sophia (25)2. Iš to galima atsargiai spėti, kad galbūt bent pats Sapūnas taip suprato savo pavardės kilmę.
Von 1612 bis zu seinem Tod war Sapūnas Pfarrer in Groß Rūdupėnai (=Enciūnai). Wie angenommen wird, schrieb er seine Grammatik um 1643 (Biržiška 1960: 264; Eigminas 1997: 10). Diese Auffassung, die in der Literatur zwar nirgends ausdrücklich geäußert wird, geht vermutlich auf das Vorwort der Ausgabe von 1673 zurück, in dem es heißt, das Werk sei ultra luftrum fextum pulvere quafi obruta SC 48 „mehr als sechs Fünfjahreszeiträume lang gleichsam mit Staub bedeckt“, das heißt unveröffentlicht gewesen: Zieht man von dem Erscheinungsjahr 1673 sechs mal fünf = 30 Jahre ab, ergibt sich das Jahr 1643. Es scheint keinen Grund zu geben, diese Auffassung anzuzweifeln (vorausgesetzt, das Vorwort wurde im selben Jahr wie die Ausgabe verfasst und nicht etwas früher)3. Außerdem würde dies bedeuten, dass Sapūnas’ Grammatik tatsächlich älter ist als Kleins und ihr somit auch der Ruhm zukäme, die erste litauische Grammatik zu sein. Bekannt ist ferner, dass Sapūnas einer der Mitarbeiter an Kleins Grammatik war und Klein ihm das Manuskript seiner eigenen Grammatik geliehen hatte (Biržiška 1960: 264; Eigminas 1997: 21). Sapūnas ist auch als Verfasser lateinischer Gedichte bekannt (Biržiška 1960: 263; Koženiauskienė 1990: 244, 266–267). Er starb 1659 in Enciūnai (=Groß Rūdupėnai) (Biržiška 1960: 263; ZM 2014: 1555).
Teofilis Šulcas (1629–1673) gimė irgi Mažojoje Lietuvoje, Vėluvoje (Biržiška 1960: 343; ZM 2014: 1651; pastarajame šaltinyje šis faktas minimas su klaustuku). Įstojęs į Karaliaučiaus universitetą, jame užsirašė kaip Theophylus Schultz Welawensis Borussus „Teofilis [vėliau jo vardas buvo rašomas taisyklinga lotyniška forma Theophilus] Šulcas,
2 Wahrscheinlich war dies kein sehr häufiger Name, wenn Donelaitis keine seiner Figuren in den Metai danach benannte.
3 Die Behauptung, diese Grammatik sei acht Jahre lang verfasst worden (SC 255), ist falsch (dies wird später erörtert). Die Behauptung, sie sei um 1651 geschrieben worden, die in der bibliografischen Anmerkung der modernen Ausgabe auf der letzten Buchseite steht (SC 336), beruht auf einem Druckfehler.
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„ein verspäteter Preuße“. Daraus lässt sich schließen, dass Šulcas ein Preuße war (auch wenn dies lediglich „Bürger des preußischen Staates“ bedeuten kann), dessen Muttersprache Deutsch war; dafür spricht auch der deutsche Ursprung seines Nachnamens. Nach dem Universitätsabschluss arbeitete er als Pfarrgehilfe in Nybudžiai (ZM 2014: 1651), war ab 1650 Pfarrer in Išdagai und wurde 1662 Pfarrer in Katniava. Er starb 1673 (Biržiška 1960: 263; ZM 2014: 1651), also im selben Jahr, in dem das Compendium veröffentlicht wurde. Obwohl erwähnt wird, dass er als guter Kenner der litauischen Sprache galt (Biržiška 1960: 263), scheint Litauisch nicht seine Muttersprache gewesen zu sein. Es gibt Hinweise darauf, dass er ein litauisch-deutsch-lateinisches Wörterbuch verfasst hat (Biržiška 1960: 263), doch dieses ist, falls es überhaupt geschrieben wurde, nicht erhalten geblieben. Übrigens ist einer seiner sieben Kinder, Jonas, Pfarrer in Lazdynai (Lasdehnen) (ZM 2014: 1651), derselbe Jonas Šulcas, der 1706 eine Sammlung von Äsops Fabeln auf Litauisch veröffentlichte.
So viel wissen wir ungefähr über die beiden Autoren des Compendium. Sapūnas war 40 Jahre älter als Šulcas. Beide waren lutherische Pfarrer in litauischen Gemeinden, hatten die Universität Königsberg absolviert und wirkten an Orten, die höchstens so weit voneinander entfernt lagen wie Trakai von Vilnius. Wie wir aus dem Vorwort des Compendium wissen, betrachtete Šulcas Sapūnas als seinen Lehrer und erbte von ihm das einst verfasste Grammatikmanuskript (als Sapūnas seine Grammatik schrieb, dürfte Šulcas erst etwa 14 Jahre alt gewesen sein). 1673, etwa 30 Jahre nach ihrer Abfassung und 14 Jahre nach Sapūnas’ Tod, veröffentlichte Šulcas die Grammatik und starb noch im selben Jahr im Alter von 44 Jahren. Was können wir dem Text der veröffentlichten Grammatik noch entnehmen?
Die meisten in der Grammatik erwähnten litauischen Wörter sind ins Lateinische übersetzt. Somit verbirgt sich in ihr de facto ein litauisch-lateinisches Wörterverzeichnis, das allerdings nicht in einem eigenen Kapitel zusammengestellt ist, sondern über den gesamten Text des Werkes verstreut vorkommt. Dieses faktische Wörterverzeichnis umfasst 1380 Einträge (meist einzelne Wörter mit Übersetzungen, aber auch Wortverbindungen oder ganze Sätze). Das entsprechende
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Ein Wörterverzeichnis mit 2057 Einträgen findet sich auch in Kleins Grammatik.4 So de facto liegen uns zwei litauisch-lateinische Wörterverzeichnisse aus dem 17. Jahrhundert vor. Gewiss sind sie viel kürzer als die etwas früher veröffentlichten Wörterbücher von Sirvydas, doch stellen sie dennoch wertvolle Denkmäler der litauischen Lexikographie des 17. Jahrhunderts dar, aus deren Analyse sich einiges erfahren lässt.
1. MERKWÜRDIGKEITEN DES WÖRTERVERZEICHNISSES
Bei der Lektüre der Grammatik von Sapūnas und Šulcas zeigt sich, dass ihr Wörterverzeichnis gewisse Merkwürdigkeiten aufweist, die den Verdacht wecken können, dass dem Übersetzer, der die litauischen Wörter ins Lateinische übertrug, Litauisch nicht Muttersprache war. Solche Merkwürdigkeiten finden sich nicht in Kleins Wörterverzeichnis. Gerade diese Besonderheiten des Wörterverzeichnisses von Sapūnas und Šulcas können dazu beitragen, die Kenntnisse über den Beitrag jedes Autors zum Text des Compendium zu präzisieren.
Zunächst gibt es selbstverständlich sowohl im Compendium als auch in Kleins Grammatik und somit auch in ihren Wörterverzeichnissen sowohl altertümliche grammatische Formen als auch altertümliche Wörter oder auch heute noch bekannte Wörter, die in altertümlichen oder seltenen Bedeutungen verwendet werden. Daher könnte ein moderner Leser sie nicht immer ohne Weiteres als litauisch-lateinische Wörterbücher benutzen. Solche Fälle sind selbstverständlich völlig unproblematisch und gehören nicht zu den hier angesprochenen Merkwürdigkeiten. Zur Veranschaulichung seien einige genannt: Skellu Debeo, Skellejau 57 (skelėti „verschuldet sein“); Lazda Nux 57 („Haselstrauch, Haselnussbaum“; und lazda bedeutet hier auch nicht „Stock“, nux nicht „Nuss“); Skilliu Elicio ignem, Skiliau 47 (skìlti, skìlia, skýlė „mit einem Feuerstein Feuer entzünden“; vgl. skìlti 2 LKŽᵉ), Gaudžiu Conqueror, Gauzdawau 49 (gausti „trauern, beklagen, klagen“; in Kleinlitauen
4 Das in diesem Artikel verwendete Wörterverzeichnis von Klein wurde während eines studentischen Praktikums von Ramunė Markevičiūtė digitalisiert, die derzeit an der Freien Universität Berlin (Freie Universität Berlin) promoviert. Auch ihr danke ich für wertvolle Gespräche zum Thema dieses Artikels.
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in Litauen belegte Bedeutung); Paſtimpu Rigeſco, Paſtippau 56 (pastipti „erstarren, sich zusammenziehen“; eine Bedeutung, die auch im LKŽe belegt ist), Wasfaris Januarius, Kowas Februarius, Karwèlininis Martius 25 (gut belegte alte Monatsnamen in Kleinlitauen) und andere. Dennoch sind einige Fälle etwas schwieriger.
1.1. Zweifelhafte, aber dennoch nicht fehlerhafte Fälle
In der Ausgabe von 1997 (SC 83) wurde bereits der Fall admįfu [sic; allem Anschein nach handelt es sich um einen Druckfehler aufgrund des Einflusses des lateinischen Präfixes ad-; es müsste atmįfu heißen], übersetzt mit divinabo 11, bemerkt und erörtert. Es könnte scheinen, als sei das Wort „atminsiu“ hier mit „ich werde vorhersehen, prophezeien“ ins Lateinische übersetzt, während dasselbe Wort in Kleins Grammatik (KG 103 / 9) als atmįfu mit recordabor („ich werde mich erinnern“) wiedergegeben wird. Offensichtlich wurde es hier in einer anderen Bedeutung desselben Wortes übersetzt; in der Grammatik von Sapūnas und Šulcas war die Bedeutung „ich werde erraten“ gemeint.
Auch der Fall Melmū Calculus 26 ist kein Fehler, obwohl es auf den ersten Blick so aussieht, als sei „Kreuzbein“ hier mit „Steinchen“ übersetzt. Melmuo bedeutet hier „Schmerzen im Kreuzbein, Steinleiden“; diese Bedeutung ist auch in anderen litauischen Sprachquellen Kleinlitauens aus dem 17. Jahrhundert belegt, wie aus dem LKŽe hervorgeht. Das Wort calculus konnte im Lateinischen ebenfalls einen Nieren- oder Blasenstein bezeichnen; somit liegt hier im Wesentlichen eine korrekte Übersetzung vor.
Der Fall Smagurauju Parafitum ago 51 wirkt auf den ersten Blick ungenau, als sei das Wort für „köstliche Speisen genießen“ hier mit „wie ein Kostgänger leben“ (d. h. wie ein „Parasit“ der antiken Gesellschaft (gr. παράσιτος, der von der Gnade seines Gastgebers aß) oder „faulenzen“ übersetzt worden. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass hier die Bedeutung „faulenzen, über seine Verhältnisse leben“ gemeint ist. Obwohl diese Bedeutung im LKŽe nicht belegt ist, schrieb Kristijonas Donelaitis: tu, lėbaudams ir
5 Zum Beleg in Großlitauen siehe den Artikel in Sirvydas’ Wörterbuch von 1642: Krzyźá bolenie, Lumbago, Melmenio populis SD3 137.
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Immer schwelgend, / hast du das Feld mitsamt den Zäunen und das ganze Haus aufgegessen DM PV 465–466. Aus diesem Kontext geht hervor, dass die Bedeutung des Wortes smagurauti weniger „Leckereien mögen“ als vielmehr „über die eigenen Verhältnisse schlemmen“ ist. Dies bestätigt die Übersetzung im Compendium mit „auf Kosten anderer leben“ (und es scheint, dass diese historische Bedeutung des Wortes smagurauti in das Lietuvių kalbos žodyną hätte aufgenommen werden können).
Der Fall Jauju Aqvā fervidā fup[er] infūdere, Jowjau Jowe 52 ist ebenfalls keine falsche Übersetzung, obwohl das LKŽₑ als Bedeutung des Wortes jáuti (jáuna / jáuja, jóvė) nur „aufwühlen, umdrehen, vermischen, Unordnung stiften, Schweinefutter durcheinanderbringen“ angibt, während der lateinische Satz „mit kochendem Wasser übergießen“ bedeutet. Bei näherer Überlegung scheint jáuti hier „Schweinefutter durcheinanderbringen“ nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinn zu bedeuten, nämlich ein bestimmtes Futter für Schweine zuzubereiten. Die Zutaten des Futters konnten mit kochendem Wasser überbrüht werden, sodass jáuti hier das bedeutete, was in Samogitien mit dem Verb plikyti6 und in Aukštaitien mit šutinti (apšutinti)7 ausgedrückt wird. Demnach ist die Übersetzung hier im Wesentlichen korrekt.
Dem heutigen Leser mögen die Fälle Skinnu Eradico 54 (die Übersetzung bedeutet „ich reiße mit der Wurzel aus“; passender wäre carpo gewesen) und Nėkaltaĩ impunē 67 (die Übersetzung bedeutet „ungestraft“; vielleicht wären die Wörter innocue, innoxie oder innocenter passender gewesen) ebenfalls nicht sehr präzise erscheinen, doch auch sie lassen sich nicht als eindeutig falsche Übersetzungen betrachten. Einige Fälle scheinen tatsächlich mit den Gegebenheiten des 17. Jahrhunderts zusammenzuhängen, zum Beispiel Kėlines Caligae 33 (und dieselbe Übersetzung in Kleins Grammatik: KG 166 / 72 „70“). Ein solches lateinisches Wort bedeutete in der klassischen Sprache „Soldatensandalen“. Selbstverständlich war die Kleidung im antiken Rom eine andere als im 17. Jahrhundert und ist heute wiederum eine andere; daher sollte man keine völlig exakten Entsprechungen erwarten. Welche Verwirrung im Latein des 17. Jahrhunderts herrschte, als man versuchte, die damaligen Kniebundhosen, langen Hosen, Stiefel, Gamaschen, Strümpfe und verschiedene Schuhe mit Bezeichnungen für ähnliche römische Kleidungsstücke zu benennen, zeigt Cn 1171 (im Artikel Vbránie powſzéchnie, odzież nóg). Dasselbe sehen wir auch im 16. Jahrhundert,
6 Für diese Auskunft danke ich meinem Kollegen, Dozenten Dr. Petras Skirmantas.
7 Für diese Auskunft danke ich meiner Kollegin, Dozentin Dr. Rasuolė Vladarskienė.
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DD 23, 357, 434, 485, wo das Wort caliga auf Deutsch als Hob oder kriegsstiffel („Hose oder Militärstiefel“) erklärt wird.8
Auch das Wort Schaf (Awju S.9 Aweju. Ich ziehe die Beinschienen an Awejau 52) übersetzt wurde; wie wir aber anderen Quellen entnehmen können, wurden im 17. Jahrhundert mit dem lateinischen Wort Stiefel auch bestimmte hohe Stiefel oder Schäfte bezeichnet; vgl. das bereits erwähnte Cn 1171 und sogar vier Belege in Sirvydas’ Wörterbuch: Bot, boty. Ocreæ. Czebatay SD³ 21; Cholewá. Ocrea. Aulas SD³ 30; Nágolenice żołnierſkie, Ocreæ militares. Cziebatay kariewwiu SD³ 189 und Skornie, Ocreæ, mullei. Ciebałay SD³ 406. Im Wesentlichen liegt derselbe Fall auch bei Szawju Ich schieße los, Szowjau Szowe 52 vor, wo das lateinische Wort „knalle“ oder „explodiere“ bedeutet; offensichtlich ist hier das Schießen mit Feuerwaffen gemeint, die den alten Römern unbekannt waren.
Etwas mehr Zweifel weckt die Übersetzung des Verbs saugoti mit einem lateinischen Wort, das „sich hüten“ bedeutet: Sawǥmi qs. Sawgoju Caveo, Saugojau 53 (passender wäre custodio gewesen). Die Bedeutung „sich hüten, meiden“ des Wortes saugoti ist jedoch im LKŽe belegt, sodass hier kein tatsächlicher Fehler vorliegt. Allerdings wird dasselbe Wort Sawǥmi im Compendium nur wenige Seiten später bereits als Cuſtodio wiedergegeben, 58.
Auf den ersten Blick mag die Übersetzung des Adjektivs rõdas (ein Slawismus mit der Bedeutung „einverstanden, bereit“) durch das Adverb „gern“ (Rodas libenter 67) wie ein Fehler erscheinen, doch diesen Fall
8 Dass das lateinische Wort caliga seit dem Mittelalter auch für Hosen verwendet wurde, geht ebenfalls aus Hanzíková 1988: 95 hervor. Dort heißt es, dass im Tschechischen seit dem 14. Jahrhundert die Hosenbezeichnung kalhoty belegt ist, die von der italienischen Form *caligotte „Militärstiefel mit langen eng anliegenden Schäften“ stammt, welche ihrerseits auf lat. caliga zurückgeht. Übrigens ist dies letztlich auch das Vorbild des im Litauischen bekannten Wortes kalgotkės („Strumpfhose“): Die ersten Strumpfhosen wurden Mitte des 20. Jahrhunderts in die damalige Sowjetunion und somit auch ins besetzte Litauen aus der Tschechoslowakei importiert; auf ihrer Verpackung stand auf Tschechisch kalhotky punčochové (wörtlich „Höschen mit Strümpfen“; vgl. die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwendete litauische Bezeichnung „Hosen-Strümpfe“). Zwar haben die Internetquellen, in denen diese letztgenannten Fakten erwähnt werden, nicht den Status begutachteter wissenschaftlicher Artikel, doch scheint es keinen Grund zu geben, ihren Angaben zu misstrauen. Eine Internetsuche nach den Wörtern kalhoty, caligotte, caliga, kalhotky punčochové (in verschiedenen Kombinationen) ergibt zahlreiche Quellen mit solchen Angaben.
9 Die Abkürzung qs. steht hier für quasi („gleichsam, als ob“); das heißt, es wird gesagt, dass die Vergangenheitsform des Verbs aviu so gebildet wird, „als ob“ dessen Präsensform avėju lautete.
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paaiškina Neselmano žodynas: Jetzt wird Ródas, Ród’s allgemein als Adverbium gebraucht, gern, willig N 445.
Auch einige Pflanzennamen können Zweifel hervorrufen, doch wie die Erfahrung zeigt, sind Bezeichnungen biologischer Arten in Wörterbüchern, insbesondere in solchen älterer Sprachen, stets eine knifflige Angelegenheit, und völlige Konsequenz sollte man hier niemals erwarten. Compendium zufolge ist grikiai panicum (Grikkai Panicum 33), doch laut Sirvydas bezeichnet panicum Hirse: Ber. Panicum. Soros nežifžákoi, foros kulines SD3 10 (siehe auch die Erklärung von kūlinis 4 im LKŽe). Lėšiai sind laut Compendium ciceres. Das würde „Erbsen“ bedeuten, allerdings in einer falschen Pluralform10 (wahrscheinlich ein kleiner Irrtum, sofern es sich nicht um einen Druckfehler handelt); die Übersetzung lentes wäre passender gewesen. Laut Klein und auch Sirvydas bezeichnet cicer (der korrekte Singular) Buchweizen: grikkai ocymum, cicer KG 166 / 72 „70“; Tatárka iarzyna, Ocymum (vulgo) cicer. Gribiey SD3 442.
Außerdem finden sich in der Grammatik von Sapūnas und Šulcas (wie in jedem komplexen Buch) auch kleine Irrtümer, die sich nur schwer von Druckfehlern unterscheiden lassen. Offenbar sind bei der Wiedergabe von ufpraffu intelligo 2 gleich zwei Korrekturversehen aufgetreten, je eines im litauischen und im lateinischen Wort: Wenn es [fu]praffu intell[am] hieße das „ich werde verstehen“. Das litauische Wort wird auch in der Ausgabe von 1997 entsprechend korrigiert (SC 65; vgl. auch Kleins fuprantu intelligo KG 197 / 103 „101“). Ein ähnlicher Fall ist drifu audeam 11, wo die lateinische Form nicht „ich werde wagen“, sondern „ich würde wagen“ bedeutet (es müsste audebo heißen). Fälle wie Nubundu Expergifco 55 (es müsste Expergifcor heißen), žirkles Porpex 33 (es müsste Forpex heißen), Įfž te illuc inde 65 (es müsste illinc, inde heißen), Trysdefžimt Triginti 29 (es müsste Triginta heißen) sind mit ziemlicher Sicherheit Druckfehler. Ein offensichtlicher Druckfehler steht auf Seite 67 (Druckfehler; tatsächlich Seite 69), wo Folgendes gedruckt ist: Po, fub, fubter. Ante, coram. All dies ist in Wirklichkeit eine Erklärung dazu, welche
10 Grammatisch korrekt wäre der Plural cicera, doch wie Ciceros Zeitgenosse Marcus Terentius Varro in seinem Werk Über die lateinische Sprache (De lingua latina, 8.48) schreibt, ist dieses Wort Singular, und der Plural cicera wird überhaupt nicht verwendet.
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Die lateinischen Präpositionen entsprechen der litauischen Präposition po, doch es kam so, dass die lateinische Präposition ante („vor“) in jener Schriftart (Schwabacher) gedruckt wurde, in der im Compendium gewöhnlich nur litauische Wörter gesetzt waren; dadurch entstand der Eindruck, als sei ante eine litauische Präposition und coram („bei, in Gegenwart von“) ihre lateinische Übersetzung. Deshalb wurde das Wort ante sogar in das litauische Wortregister der Ausgabe von 1997 aufgenommen (SC 270), wenn auch mit einem Fragezeichen. Sollte eine neue Ausgabe des Buches vorbereitet werden, müsste das Wort ante unbedingt aus dem litauischen Wortregister entfernt werden. Gemeint war hier tatsächlich, dass die Präposition po in der Wendung po akimis „vor, in Gegenwart von“ bedeutet; vgl. poakim ante oculos 6, das Verwendungsbeispiel po Akimis Diewo coram Deo 93 sowie genau gleichlautende Beispiele, die in Kleins Grammatik nicht weniger als sechsmal angeführt werden (KG 111 / 17, 114 / 20, 115 / 21, 236 / 142 „140“, 262 / 168 „166“ und 265 / 171 „169“).
1.2. Fehler im Wörterverzeichnis
Kommen wir nun zu den Fällen, die wie echte Übersetzungsfehler erscheinen. Der Fall Sergmi, Sergeju Ægroto 53, der in der Ausgabe von 1997 als korrekt anerkannt wird (SC 167: Anm. 4), sieht keineswegs korrekt aus. Offensichtlich wird das Wort sergėti hier mit sirgti übersetzt. Vergleichen wir die Übersetzung in den angrenzenden SC-Seiten, wo richtig übersetzt wird: Sergmi Cufodio 58 („ich bewache“) und Sergu Ægroto, Sirgau 55 („ich bin krank“). Vergleichen wir außerdem die Übersetzung derselben Wörter in Kleins Grammatik: férgmi vigilo, excubias ago, férgiu cuftodio KG 214 / 120 „118“ und fergu ægroto KG 198 / 104 „102“, firga ægrotavit KG 194 / 100 „98“ (und nochmals auf der folgenden Seite). Dieselben Wörter können wir auch mit Neselmanns Wörterbuch vergleichen: Sergmi, Sergiu und Sergėju, ėjau, ėsu, ėti; bewahren, behüten, bewachen; Wache halten N 463 und Sergu, sirgau, sirgsu, sirgti, krank fein, leiden N 463. Auch im LKŽₑ finden wir nichts anderes. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Nirgends ist belegt, dass
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das Verb sirgti in Kleinlitauen jemals Formen des Verbs sergėti gehabt hätte. Selbst im Text des Compendium wird dieses Wort auf anderen Seiten korrekt übersetzt.
Der Fall Liekmi Volo 59 wird auch in der Ausgabe von 1997 als Fehler gewertet (SC 296). Offenbar sind hier die Verben likti und lėkti verwechselt worden, denn die lateinische Übersetzung lautet „ich fliege“. Eine Seite zuvor wird dasselbe Wort korrekt übersetzt: Liekmi Linqvo 58; vgl. die Übersetzung desselben Wortes in Kleins Grammatik: liekmi, paliekmi linqvo, relinqvo KG 213 / 119 „117“. Etwas Zweifel könnte daran wecken, dass das lateinische Wort linqvo (ebenso relinqvo) „(etwas) zurücklassen“ bedeutet und nicht „(selbst) bleiben“; dennoch ist die Bedeutung „etwas zurücklassen“ für das litauische Wort likti sowohl im LKŽe11 als auch in Neselmanns Wörterbuch belegt: Lėkmi, Žem. auch Lėkiu, likkau, liksu, likti, übrig bleiben; zurückbleiben; von etwas laffen N 365.
Auch der Fall Klibbu Dependeo, Klibbejau 57 scheint nicht korrekt zu sein, denn das Wort klibu ist hier mit „ich hänge“ übersetzt. Dass das Wort klibėti in Kleinlitauen die Bedeutung „hängen“ gehabt haben könnte, ist höchst zweifelhaft; vgl. Neselmanns Wörterbuch: Klìbu, bėjau, bēsu, bēti, klappern. Dantys kliba, die Zähne klappern. Klibanczos dantys, lose, wackelnde und daher klappernde Zähne N 215. Vgl. auch Donelaitis' Verwendung: Sparai po kraiku su čytais [Sparren unter dem Dachfirst und Giebel] kliba supuvę, / O viduj visur po stogu latgalai [Brettchen, die das Dachstroh stützen] kaba DM RG 610–611. Offenbar hatte klibėti stets nur die Bedeutung, die wir heute kennen.
Schließlich finden wir einen Fall, in dem der Übersetzer Homonyme nicht auseinanderzuhalten vermochte. Das Wort pakala bedeutet sowohl „Keil“ als auch „Hufeisen“ (LKŽe pakala 1), ferner „Rücken“ (LKŽe pakala 2) und „Segge“ (LKŽe pakala 3; in einer Quelle aus Kleinlitauen belegt). Auf Seite 92 des Compendium steht die Wendung Tu už mano Pakalos flapdawais, die ungeachtet der Schreibweise des 17. Jahrhunderts (und eines möglichen Druckfehlers im Wort flapdawais = flepdawais) für jeden litauischen Muttersprachler zweifellos „du hast dich hinter meinem Rücken versteckt“ bedeutet. Hier sehen wir, dass es übersetzt wird als Tu poft
11 Die Bedeutung II (transitiv) von likti im LKŽe; es gibt auch Belege aus Kleinlitauen.
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carecta latebas, d. h. „du verbargst dich hinter [das ausgelassene Wort ‚meine‘] Seggenbeständen“ (die Grammatik ist hier korrekt: „Segge“ heißt carex, und carectum bedeutet „Seggenbestand“). Das weckt bereits den ernsthaften Verdacht, dass der Übersetzer der Wörter im Compendium, der sie ins Lateinische übertrug, kein litauischer Muttersprachler war (obwohl dies in der Ausgabe von 1997 aus irgendeinem Grund als richtige Übersetzung gilt; siehe SC 305).
Reflexive Verben. Zweifel wecken auch die Übersetzungen einiger litauischer reflexiver Verben ins Lateinische, obwohl darunter auch treffende sind, z. B.: Besfibajiu Obftunefco, Besfibajefjau 47 („ich erschrecke, bin erstaunt“); Besfigailiu Tāgor mifericordia, Besfigailejau 47 („ich werde vom Mitleid berührt“); Besfigedžiu Pudet me, Besfigedejau 48 („ich schäme mich, es ist mir peinlich“); vgl. Donelaitis’ Gebrauch: Aš besigėdėdams išvydau Krizą bekumpsant DM PL 322 „Während ich mich schämte, sah ich Krizas bucklig werden“ und Ir besigėdėdams saugojos man parodyt DM VD 333 „Und während er sich schämte, hütete er sich, sich mir zu zeigen“.
Einige Übersetzungen lassen jedoch vermuten, dass der Übersetzer die Bedeutung des litauischen reflexiven Verbs selbst nicht ganz verstand, z. B.: Rūpinasfi ipfe mæret 14, d. h. rūpinasi ist mit „er selbst sorgt sich“ übersetzt; vgl. Kleins klare und genaue Übersetzung: rūpinūs sollicitus sum de me ipfo KG 180 / 86 „83“ „ich bin um mich selbst besorgt“; Rafžaus ego ipfe fcribo 41 (gedruckt als Rafžiaus, in der Liste der Corrigenda korrigiert) ist mit „ich selbst schreibe“ übersetzt; Mylius ego me diligo 41, d. h. das Wort myliuosi ist mit „ich liebe mich selbst“ übersetzt; Besfibjauriu Commaculo me, Besfibjaurejau 47, d. h. besibjauriu (bjauriuosi) ist mit „ich beschmutze mich selbst“ übersetzt. In Kleins Grammatik sind die reflexiven Verben tadellos übersetzt: apfibiaurinu contamino me ipfum „ich beschmutze mich selbst“ KG 180 / 86 „83“; pafididinu magnifico, extollo me ipfum „ich rühme mich, erhebe mich selbst“ KG 180 / 86 „83“; apfirupinu curam, rationem mei habeo „ich sorge für mich selbst, kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten“ KG 180 / 86 „83“; pafidarijk facias tibi „mach es für dich“ KG 251 / 157 „155“; pafizéminu humilio me „ich erniedrige mich“ KG 251 / 157 „155“.
Zum Thema Transitivität des Verbs lässt sich noch hinzufügen, dass das Wort važiuoju mit „ich fahre (jemanden/etwas)“ übersetzt ist (Ważuju Veho, Ważawau 52), sofern es sich nicht um einen Druckfehler handelt: veho statt vehor.
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Kausative Verben. Den stärksten Verdacht hinsichtlich der Muttersprache des Übersetzers weckt die Übertragung litauischer Kausativverben (wie rašydinti) ins Lateinische. Der Beleg [R]afžidinu12 permitto scribere 41 ist mit lateinischen Wörtern übersetzt, die „ich erlaube zu schreiben“ bedeuten. Dasselbe zeigt sich auch bei der Übersetzung des reflexiven Verbs rašydintis (vgl. die erwähnten merkwürdigen Übersetzungen reflexiver Verben): Rafžidinūs ego ipfe permitto scribere 41 „ich selbst erlaube zu schreiben“. Tatsächlich bedeutet die litauische Form rašydinu nicht „ich erlaube (erteile die Erlaubnis), zu schreiben“, sondern „ich sorge dafür, dass geschrieben wird; ich veranlasse jemand anderen, (für mich etwas) zu schreiben“; eine entsprechende lateinische Wendung wäre facio scribi13 oder facio ut scribatur14; die wohl beste Wendung für diese Bedeutung wäre jedoch scribendum curo15. Zwar könnte eine lateinische Übersetzung mit permitto in bestimmten seltenen Fällen vielleicht passen (in manchen Zusammenhängen bedeutet das lateinische Wort permittere „überlassen“, „übergeben“ und Ähnliches), doch gibt sie die genaue Bedeutung des litauischen Wortes dennoch nicht wieder. Es liegt der Verdacht nahe, dass der Übersetzer die litauischen Wörter, bevor er sie ins Lateinische übertrug, gedanklich zunächst ins Deutsche übersetzte, d. h. rašydinti zuerst als schreiben lassen auffasste und dies dann ins Lateinische übertrug16.
Vergleichen wir, wie Klein die Kausativverben übersetzt: rafzydinu, id eft, dūmi rafzyti, ich laffe fchreiben, jūkinnu ridere facio, ich mache lachen, puldinu facio labi, ich mache fallen KG 179 / 85 „83“. Zwar verglich Klein diese Wörter natürlich ebenfalls mit deutschen Konstruktionen, doch sind die lateinischen Übersetzungen genaue Entsprechungen der litauischen Wörter: juokinu
12 In der Originalausgabe war Kafžidinu gedruckt; dies wurde in der Ausgabe von 1997 korrigiert (SC 143: Anm. 2).
13 Vgl. beispielsweise Ciceros Gebrauch in Kapitel 142 des Werkes Brutus.
14 Vgl. beispielsweise Ovids Gebrauch in den Metamorphosen, I.545.
15 Vgl. beispielsweise die Inschrift aus dem 1. Jh. v. Chr. Post[umus] Mimesius (sowie die Namen von fünf weiteren Amtsträgern) murum <...> faciundum coiravere (=faciendum curaverunt) „Postumus Mimesius (und fünf weitere Amtsträger) ließen die [Schutz-]mauer <...> errichten“ (EDCS 12700059) sowie zahlreiche ähnliche Inschriften.
16 Deutsche Konstruktionen mit dem Verb lassen waren, wie die Quellen zeigen, die am weitesten verbreitete Art, litauische Kausativverben zu übersetzen; vgl. Neselmann (Raszydinu <...> fchreiben laffen N 429), Kurschat (rafžydinu <...> schreiben lassen K 346; pykinu erzürnen, pykin(d)inu erzürnen lassen KrG § 1277) und so weiter vielfach, obwohl bisweilen auch andere Verben verwendet werden.
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„ich bewirke, dass sie lachen“, puldinu „ich bewirke, dass sie einstürzen“. Obwohl wir feststellen, dass Kleins lateinisches Wort facere nur dort verwendet wird, wo in den deutschen Entsprechungen machen steht, wurde lassen dennoch nicht mit dem lateinischen Wort permittere übersetzt, wohl weil man spürte, dass dieses nicht recht passen würde. Ein Beispiel, in dem im Deutschen lassen verwendet wird, ist nur ins Litauische „übersetzt“, das heißt, mit anderen litauischen Wörtern umschrieben: rašydinu „ich gebe zu schreiben“. Man kann auch noch anmerken, dass Klein die kausativen Verben transitiva nannte, während sie im Compendium permissiva („Erlaubnisverben“; so auch in SC 143 übersetzt) genannt werden, als hätten sie eine Bedeutung des Erlaubens. Offenbar kannten die Urheber des heutigen Terminus curativa (verwendet im LKŽe; „kausative Verben“) die Konstruktion des klassischen Lateins faciendum curo.
Formen des Imperativs.
Ähnliche Zweifel weckt auch die Übersetzung litauischer Imperativformen: Tevadinna jo permitte ut vocet illum 39 „lass zu, dass man ihn nennt“; wadinkem, permitte ut vocemus 39 „lass zu, dass wir nennen“; Dūkem, permitte ut demus 39 „lass zu, dass wir geben“. Im Lateinischen hätten für all diese Fälle die Formen des coniunctivus iussivus oder des coniunctivus hortativus ohne zusätzliche Wörter genügt: vocet, vocemus, demus (vgl. das allen bekannte Gaudeamus). Es besteht der Verdacht, dass der Übersetzer auch hier an deutsche Konstruktionen mit dem Verb lassen dachte (das heißt, vadinkim übersetzte er gedanklich in lass uns nennen, und dies wiederum ins Lateinische als permitte ut vocemus usw.)17. Ein Vergleich mit Kleins Grammatik zeigt, dass solche Formen dort korrekt und in schönem Latein übersetzt sind, wobei der coniunctivus hortativus verwendet wird: Izwęskem 100 / 6 „lasst uns segnen“, wadinti bukime vocati fimus 199 / 105 „103“ „gerufen lasst uns sein“18.
17 Was die Übersetzung der Formen mit te- ins Deutsche betrifft, lassen sich noch Kuršaitis’ (KrG § 1369) Anmerkungen zum Permissivum vergleichen (dem eigentlichen litauischen Permissivum, nicht den erwähnten SC-„verba permissiva“ = verba curativa).
18 In Kleins Grammatik ist die Form gélbėkim (KG 251 / 157 „155“) erwähnt; sie ist eine verkürzte Form von gelbėkimi („rette mich“), und ihre lateinische Übersetzung juva me ist vollkommen korrekt.
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1.3. Unklare Fälle
Einige Übersetzungen litauischer Wörter ins Lateinische in der Grammatik von SC bleiben unklar. Auf Seite 48 heißt es: Besfigerriu Bibens bibo, Befigerejau. Die lateinischen Wörter bedeuten „trinkend trinke“ (wörtlicher: „der Trinkende trinke“). Eine solche Konstruktion ist für das Lateinische untypisch, und es ist unklar, was sie genau bedeuten soll; sie ähnelt jedoch den sogenannten heiligen Tautologien, das heißt tautologischen Wendungen in der Bibel, die in der lateinischen Vulgata wörtlich übersetzt sind. Ein solcher Fall findet sich im Buch Jeremia 46:12: ecce quibus non erat iudicium ut biberent calicem, bibentes bibent et tu quasi innocens relinqueris? non eris innocens, sed bibens bibes VUL (die Zeichensetzung unterscheidet sich in den verschiedenen Ausgaben geringfügig). In der heutigen litauischen Bibel (der Übersetzung von A. Rubšys und Č. Kavaliauskas aus dem Jahr 1998) wird dies so übersetzt: Selbst jene, die es nicht verdient haben, den Becher zu trinken, werden ihn austrinken müssen! Glaubst du etwa, du bleibst unbestraft? Unbestraft bleibst du nicht, du musst ihn trinken! SNT. Im lateinischen Text der Vulgata, der viel wörtlicher ist, steht anstelle von werden ihn austrinken müssen „trinkend werden sie trinken“, und du musst ihn trinken entspricht „trinkend wirst du trinken“. Die Bedeutung dieser Konstruktionen könnten genauer nur Hebräischspezialisten erklären (vielleicht etwas Ähnliches wie du wirst im Trinken austrinken, ähnlich wie „laufend lief er davon“?19); doch waren diese Konstruktionen den Bibelforschern seit Langem bekannt. So heißt es etwa in deutschsprachigen Kommentaren des 18. Jahrhunderts, dass der hebräische Text wörtlich besage: „trinkend werden sie trinken oder trinkend haben sie getrunken“ (Dietelmair 1760: 719).
Es ist möglich, dass der Übersetzer des litauischen Wortes jene Bibelstelle im Sinn hatte; hier stellt sich jedoch ein anderer, viel größerer Zweifel: Könnte das litauische Wort Besfigerriu, Befigerejau nicht besigėrėti bedeuten statt besigerti? In diesem Fall wäre die lateinische Übersetzung völlig falsch. Das Wort gėrėtis verwendete auch Donelaitis (Gėrėjos didei dukters sulaukusiu svodbą DM RG 138), während das Wort gertis (es sei denn, sein
19 Man kann darauf hinweisen, dass hebräische Tautologien in Kleins Grammatik mit litauischen Verbaladverbien verglichen werden (im Lateinischen jedoch wörtlich durch lateinische Gerundien wiedergegeben): girdėte girdėjau audiendo audivi f. rectiffimē audivi, wörtlich „hörend hörte ich oder am richtigsten hörte ich“; fakyte fakiau, dicendo dixi, feu diligenter dixi „sagend sagte ich oder sorgfältig (deutlich) sagte ich“ KG 259 / 165 „163“.
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Die Bedeutung „sich vollsaugen, absorberi“ ist in Schriftdenkmälern im Allgemeinen schwer belegt zu finden. Ein wenig Zweifel könnte daran wecken, dass Besfigerriu mit zwei -rr- geschrieben ist, als wäre der ihnen vorausgehende Vokal kurz; doch ebenso steht auf derselben Seite auch das Wort žerriu, žerrejau, bei dem es sich eindeutig um žėrėti handelt (nicht um žerti; die Übersetzung Scintillo bestätigt dies).
Ein weiterer unklarer Fall ist Perriu Lavo, Perrejau 48. Die lateinische Übersetzung lautet „ich wusch“, als wäre das litauische Wort perti, also in der Badeanstalt waschen. Es besteht der starke Verdacht, dass hier tatsächlich das Wort perėti verwendet wurde (wozu das lateinische incubo „brüten, sitzen“ gepasst hätte, das bei der Übersetzung des Wortes tupėti 52 verwendet wurde). Aus Neselmanns Wörterbuch20 geht nicht hervor, dass perti und perėti verwechselt worden wären; möglicherweise hat sie also der Übersetzer der litauischen Wörter im Compendium verwechselt.
Zur Unklarheit trägt auch bei, dass das Wort auf derselben Seite, bei dem es sich eindeutig um sėti handelt, die Vergangenheitsform Sejeiau aufweist. Die Verdoppelung der Buchstaben -ej- ist wahrscheinlich ein Druckfehler, denn die Vergangenheitsform *sėjėjau ist unseres Wissens nicht nur in Kleinlitauen21, sondern überhaupt nirgends belegt.
Ein sehr zweifelhafter Fall ist Swellu Glifco, Swillau 54, der übrigens in der Ausgabe von 1997 nicht besprochen wird.
Die litauischen Wortformen lauten wahrscheinlich svilti, svela, svilo; das Wort wäre somit identisch mit dem heute bekannten Wort svilti, svyla, svilo, könnte aber auch svelti, svela, svile lauten (das im LKŽ mit der Bedeutung „schwelen“ oder „versengen“ verwendet wird; übrigens ist das Verb svelti vor allem in Denkmälern Kleinlitauens belegt). Die lateinische Übersetzung bedeutet „sich ausdehnen, anschwellen, sich aufblähen, größer werden“. Dieser merkwürdige Fall lässt sich auf mehrere Arten erklären, aber die Belege reichen nicht aus, um sich für eine davon zu entscheiden.
Vielleicht war für die Wahl dieses Wortes ausschlaggebend, dass das Wort glisco in der lateinischen Literatur auch in Bezug auf Feuer verwendet wird, zum Beispiel in Vers 474 des ersten Gesangs von Lukrez’ Über die Natur der Dinge: ignis gliscens „ein sich ausbreitendes = stärker glimmendes = aufflammendes Feuer“? Gestützt auf solche Verwendungen
20 Pēru, perējau, ēsu, ēti, brüten, von den Vögeln. Ant pautū perēti, auf den Eiern sitzen 285. Peru, pēriau, persu, perti, Jemanden baden; mit dem Badequast schlagen; dann auch allg. Jemanden schlagen, prügeln <...> N 286.
21 Im Wörterbuch von Neselmann: Sėju, sėjau, sėsu, sėti, säen. Ropes sėti, Rüben oder Kartoffeln setzen N 459. Im Wörterbuch von Hako: Sėti säen, prf. ju, prt. jau, fut. fu H 115.
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Anhand der Beispiele lässt sich vielleicht eine Ähnlichkeit mit der Bedeutung „schwelen“ erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Übersetzer die deutschen Wörter schwelen „glimmen, schwelen“ und schwellen „anschwellen, sich aufblähen“ irgendwie verwechselt hätte, scheint gering, denn eine solche Verwechslung ist nur bei Wörtern einer fremden, nicht aber der eigenen Muttersprache möglich. Vielleicht gab es im 17. Jahrhundert in den Mundarten Kleinlitauens tatsächlich das sonst nirgends belegte Wort svelti (eine Entlehnung aus dem Deutschen?22) mit der Bedeutung „sich aufblähen“? Zwar bestätigen die Wörterbücher23 dies nicht, doch gibt eine Zeile Donelaitis’ Anlass zu gewissen Überlegungen: Manch ein angebrannter Herrlein, der sich am Ofen versengt hat, lacht wohl über die Bauern DM VD 278. Was genau bedeutet „nusvilęs“ hier? Offenbar hat diese Stelle vielen Kopfzerbrechen bereitet: Im LKŽe wird sie (unter Zitierung genau dieser Stelle von Donelaitis) mit „heruntergekommen, verarmt“ erklärt, Rėza hingegen (der Donelaitis’ Mundart und somit auch ihre bildhaften Wendungen vielleicht am besten verstanden haben dürfte) übersetzte sie ganz wörtlich: Manches Herrlein, verfengst am Ofen, verlacht zwar den Bauer „am Ofen verbrannt“ (R 47). Bedeutete nusvilęs hier nicht vielleicht „dick, aufgebläht“? Man kann auch eine weitere Zeile Donelaitis’ vergleichen, in der in einer sehr ähnlichen Wendung (und an derselben Stelle im Hexameter) das Wort bauchig: Wenn irgendein dickbäuchiges Herrlein sich so verflucht DM VD 126. Summa summarum bleibt ohne neue Daten unklar, warum das Wort Compendium svelti (oder svilti) mit glisco übersetzt wurde; eine gute Übersetzung scheint dies jedoch nicht zu sein.
Ein weiterer Fall, der Fragen aufwirft, ist Sellu Saliwam emitto, Sellejau 57. Die lateinische Übersetzung bedeutet „ich lasse Speichel austreten“. Wenn das litauische Wort tatsächlich seleti, sela (seli, seleja), selejo lautet, bedeutet es „schleichen“. So wird es auch im LKŽe angegeben, wo verschiedene Quellen zitiert werden, besonders aus Kleinlitauen. Unter ihnen führt das LKŽe auch genau diese Stelle (SC 57) an, was bedeutet, dass stillschweigend
22 Die etymologischen Wörterbücher sind sich darin einig (https://www.dwds.de/wb/etymwb/schwellen), dass diese Wurzel mit der Bedeutung „anschwellen“ nur in germanischen Sprachen belegt ist (vgl. englisch swell „anschwellen“; zum anderen Wort schwelen „glimmen, schwelen“ vgl. übrigens das heutige englische swelter „unter der Hitze leiden“). Die Wahrscheinlichkeit, dass das baltische Wort *svelti „anschwellen“ existiert (als gemeinsames indogermanisches Erbe mit den Germanen), erscheint daher gering. Ein deutsches Lehnwort wäre phonetisch dennoch wohl möglich; vgl. svėlis aus dem Deutschen Schwelle „Schwelle“ K 417, LKŽ.
23 In den Wörterbüchern finden sich für die Verben svilti und svelti nur die Bedeutungen, die wir auch heute kennen: Swelù, swélti, f. u. Swylu N 508; Swylu, swillau, swilsu, swilti, glimmen, fchwelen. Swelù, sweliàu, swélsu, swélti, daff. N 509; [fwelu, fweliau, fweltiu, fwelti = fwylù, schwelen.] K 417 (eckige Klammern bedeuten in diesem Wörterbuch von Kurschat, dass er ein solches Wort aus seiner heimischen Mundart nicht kannte, sondern nur aus schriftlichen Quellen).
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Es wird anerkannt, dass die lateinische Übersetzung in SC falsch ist, im Ausgabe von 1997 jedoch sowohl die Form selėti als auch die Bedeutung „Speichel absondern“ als richtig gilt (SC 313). Zwei Deutungen sind möglich: Entweder handelt es sich um das Wort selėti mit der Bedeutung „umherschweifen“, oder in der Originalausgabe des Compendium von 1673 liegt ein Druckfehler vor (die Buchstaben -ell- statt -eil-). Das Wort seilėti verwendet auch Donelaitis: Taip kad jam daugsyk seiledams jo liežuvėlis DM PV 519.
Ein weiterer zweifelhafter Fall ist Kibždu Submoveo, Moto, Kibždejau 57. Kibždeti bedeutet „sich bewegen“, während die lateinische Übersetzung „stoßen, bewegen“ besagt; vielleicht war also „in Bewegung setzen“ gemeint. Ob das Wort kibždeti einst tatsächlich eine transitive Bedeutung gehabt haben könnte oder ob es sich um einen Übersetzungsfehler handelt, ist unklar (wahrscheinlich letzteres).
Es sei nochmals daran erinnert, dass wir in Kleins Grammatik keine solchen zweifelhaften Übersetzungen finden.
Alle darin ins Lateinische übersetzten litauischen Wörter sind trotz der Schreibweise des 17. Jahrhunderts und archaischer Formen für einen heutigen Litauer verständlich und fügen sich gut in die lateinischen Übersetzungen ein. Alles Zweifelhaftes, was sich in Kleins Grammatik finden lässt, abgesehen von den bereits erwähnten ungefähr wiedergegebenen Pflanzen- oder Kleidungsbezeichnungen des 17. Jahrhunderts, beschränkt sich auf einige Fälle – genauer gesagt, auf eine Gruppe von Fällen –, in denen das litauische Präsens parašau mit dem lateinischen Perfekt übersetzt wird (als stünde im Litauischen parašiau ar esu parašęs): afz fawa warda parafzau, ego meum nomen fcripfi; tu fawa warda parafzai, tu tuum nomen fcripfifti; jis fawa warda parafza, ille fuum nomen fcripfit; afz tawa warda parafzau, ego tuum nomen fcripfi; tu tawa warda parafzai, tu tuum nomen fcripfifti KG 243 / 149 „147“24. Nach allem zu urteilen handelt es sich um ein versehentliches Versehen. Unabhängig davon, welcher ethnischen Herkunft Daniel Klein war, steht außer Frage, dass seine Beherrschung des Litauischen der eines Muttersprachlers gleichkam.
Dies sind die zweifelhaften Fälle der Übersetzung litauischer Wörter ins Lateinische im Compendium. Dennoch sollte nicht der Eindruck entstehen, dass dieses Werk von Fehlern nur so wimmelt.
24 Es handelt sich eindeutig um Präsensformen und nicht etwa um phonetische oder orthographische Varianten der Vergangenheit; vgl. die tatsächlichen und entsprechend übersetzten Vergangenheitsformen: mufze verberavit KG 195 / 101 „99“, atnefze... attulit KG 241 / 147 „145“ usw.
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Wie erwähnt, gibt es 1380 Übersetzungen litauischer Wörter und Wendungen ins Lateinische; zweifelhaft sind davon nur so viele, wie in diesem Artikel besprochen wurden. Alle übrigen Übersetzungen sind korrekt und treffend. Dazu gehört auch ein Fall, den die Bearbeiter des LKŽ offenbar falsch verstanden haben: Die zweite Bedeutung des Wortes paskr̄isti 2 im LKŽₑ (paskrinda, paskrito), ist allein durch einen Beleg aus der hier behandelten Grammatik gestützt (angegeben als SC 55), und die Bedeutung wird mit „ausbohren, aushöhlen“ angegeben. Prüfen wir diese Stelle im Text des Compendium, so lesen wir: Pajkrindu Cavus fio, Pajkrittau 55. Die lateinische Übersetzung lautet „ich werde hohl (oder vertieft)“, folglich bedeutet dieses Wort nicht, etwas „auszuhöhlen“, damit es hohl wird (das wäre cavum facio), sondern selbst hohl zu werden, also „durchlöchert werden“ oder „sich vertiefen“.
2. DAS WÖRTERVERZEICHNIS ENTHÄLT WERTVOLLE ANGABEN
Das hier behandelte Wörterverzeichnis enthält außerdem viele interessante und wertvolle Informationen, die nicht unmittelbar Gegenstand dieses Artikels sind, aber dennoch Erwähnung verdienen. Darin finden sich belegte Namen alter litauischer Gottheiten (Kaukas, Gabv̄artas, Gab̄aujis, Velinas, Žemyna 24–25; Klein belegt die Form Žemynė KG 157 / 63 „61“), Orts- und Einwohnerbezeichnungen (prūsas, Prūsa; Klein belegt die Form Prūsija KG 158 / 64 „62“), Karaliaučius, karaliaučionis, Danckas [Danzig oder Gdańsk], danckionis, Tilžė, tilžėnas, Įsrutis, įsrutenas, Katenava [Katniava], katenaūviškis [katniaviškis], Lietuva, lietuvininkas 19, 25; eine ähnliche Liste findet sich auch in Kleins Grammatik, doch stehen nur einige dieser Namen in beiden Listen). Das Wörterverzeichnis des Compendium bezeugt außerdem die alte Bedeutung des Wortes kunigaikštis, mirabile dictu, die es nicht ins LKŽ geschafft hat: Kunigaik[f]štis Principis filius 19 „Sohn des Herrschers, Monarchen (des „Fürsten“ im heutigen Sinne)“, vgl. Kunigas Princeps 19 („Herrscher, Monarch“, d. h. „Fürst“ im heutigen Sinne; diese letztere Bedeutung des Wortes kunigas wurde ins LKŽ aufgenommen). Dass dies kein Zufall ist
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Ob es sich um einen Irrtum handelt, lässt sich aus dem Kontext erkennen: Im selben Kapitel, auf Seite 19, werden die Titel verschiedener Herrscher und ihrer Söhne erwähnt: Karalius Rex, Karalunas Regis filius; Ercikis Princeps, Ercikaitis Principis filius, ebenso Klebonas Paftor, Klebonaitis Paftoris filius (gemeint sind natürlich lutherische Pfarrer, die verheiratet waren und Kinder hatten). Wir können dies auch mit Kleins Belegen vergleichen: Kunigas Dominus „Hausherr, Herrscher“, Kunige Domina „Hausherrin, Herrscherin“ KG 118 / 24 und Kunigaikštis Principis filius, Princeps „Sohn eines Herrschers; Herrscher“ KG 161 / 67 „65“ (vgl. auch die anderen Wörter, die Klein dort anführt).
2.1. Zitate klassischer römischer Autoren
Im Glossar des Compendium finden sich unter den verschiedenen Sätzen, die die Syntax der litauischen Sprache veranschaulichen, auch mehrere Zitate klassischer römischer Autoren. Obwohl sie kurz sind, stellen sie dennoch die ältesten bekannten Übersetzungen dieser Werke ins Litauische dar. Bei drei von ihnen ist auch der Autor angegeben; einige andere sind ohne Autorschaftsangabe und blieben in der Ausgabe von 1997 unidentifiziert25. Hier folgen die Zitate mit angegebenen Autoren:
Ipač[ę] Lieko rytę tur, ant ataũžimo Ligg[o]fą kuno karščius. Sing[u]lare remedium habent ad refrigerandum in morbis corporis ardores. Plinius 86–87 (gedruckt waren Ipačė, Liggũfą, Singnlare). Dies ist ein Zitat aus Plinius dem Älteren26 und bedeutet: „hat die besondere heilende Eigenschaft, bei Krankheiten die Hitze des Körpers abzukühlen“ (über wilde Weinreben).
Neigi viena ręčiž kuri ant jednojimo Deiwių pareitis’ nera užlikta. Neq[ue] ulla res quae ad placand[os] De[o]s pertinet, praeteroifa eft. Cic. 86 (gedruckt war placandum Deus; dies belegt, dass Druckfehler nicht nur in litauischen, sondern auch in lateinischen Wörtern zu erwarten sind
25Im Vorwort der Ausgabe von 1997 (SC 19) werden nur zwei Zitate erwähnt, von Plinius und Cicero; dabei wurde das gleich darauf besprochene Horaz-Zitat übersehen, das in SC 223 identifiziert wurde.
26 Naturalis historia, XIV. 99 (in manchen Ausgaben weicht die Kapitelnummerierung ab, doch dürfte die Stelle ungefähr am Anfang des letzten Drittels von Buch XIV stehen). Plinius’ Gesamtwerk ist bis heute nicht ins Litauische übersetzt worden.
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in den Wörtern; außerdem wird in einigen Abschriften von Ciceros Text (und in modernen Ausgaben) anstelle von übersehene die Form ausgelassene mit fast derselben Bedeutung verwendet). Dies ist ein Satz Ciceros aus der dritten Rede gegen Catilina27 (In Catilinam, III.20), der bedeutet: „Nichts von dem, was zur Besänftigung der Götter gehört, ist [=war nicht] ausgelassen worden.“ Deiwjų bedeutet hier wörtlich der Göttinnen, doch wurden die Gottheiten der alten Litauer (und somit auch der Römer) allgemein mit der weiblichen Form Göttinnen bezeichnet; daher könnte man sagen, dass eine der alten Bedeutungen des Wortes Göttinnen (Plural) schlicht „Gottheiten“ ist (nicht nur weibliche Gottheiten); vgl. die feminine Form des Plurals Menschen in alten Schriften. Im LKŽe wird eine solche Bedeutung beim Wort Göttin übrigens nicht erwähnt, obwohl das in dem dort angeführten Satz von Mažvydas verwendete Wort Diese Göttinnen können euch nichts Gutes geben genau diese Bedeutung hat („Gottheiten“; die von Mažvydas in diesem Zusammenhang erwähnten Gottheiten sind tatsächlich männlich).
Schon wirst du ein altes Weib, ach, doch willst du schön anzusehen sein. Fis anus & tamen vis formofa videri
Horat. 4. Carm. Od. 13 81. Wie angegeben, handelt es sich um ein Zitat aus Horaz’ Odžių (Carmina, IV.13.2–3). Das Original umfasst das Ende der zweiten und die dritte Zeile der sogenannten vierten asklepiadeischen Strophe; die litauische Übersetzung hält sich metrisch eng an das Original28.
Einige Zitate römischer Autoren stehen ohne Verfasserangabe. Hier sind sie:
Warum soll ich sagen, ob du des Namens würdig oder unwürdig bist? Digna tuo cur fis indignaq[ue] nomine, dicam 76.
Dies ist die erste Zeile (ein Hexameter) aus Martials Epigramm III.34. Auch die litauische Übersetzung ist ein Hexameter (bei der Deklamation müsste eine Elision vorgenommen werden: vert’ argu, wie in lateinischen Hexametern); es handelt sich also um eine frühe, wenn auch nicht die älteste litauische Hexameterzeile. Das ganze Epigramm Martials lautet:
27Eine moderne Übersetzung findet sich in folgendem Buch: Markas Tulijus Ciceronas. Kalbos, übersetzt von E. Ulčinaitė, Vilnius: Pradai, 1997. S. 118–169.
28Eine moderne Übersetzung findet sich hier: Horacijus. Lyrika, übersetzt von H. Zabulis, Vilnius: Vaga, 1977. S. 183.
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Ich werde sagen, warum du deines Namens würdig und unwürdig bist.
Du bist kalt und schwarz: Du bist und bist nicht Chione.
Das Epigramm ist einem Mädchen namens Chione gewidmet. Der griechische Name Chionē (Χιόνη) bedeutet ungefähr „Schneewittchen“ oder „Schneechen“, und das ganze Epigramm bedeutet: „Warum du deines Namens würdig und [zugleich] unwürdig bist, werde ich sagen: Du bist kalt [=leidenschaftslos] und bist schwarz [=von dunkler Hautfarbe, die bei den Römern nicht als Schönheitsideal galt]: [also] bist du Schneewittchen und [zugleich] bist du es nicht.“ Es gibt auch eine moderne Übersetzung dieses Textes, wie auch fast aller anderen (mit Ausnahme der obszönsten) Epigramme Martials29. Dass die Autoren des Compendium ausgerechnet dieses Epigramm zur Veranschaulichung der Syntax ausgewählt haben, scheint darauf hinzudeuten, dass sie, obwohl sie lutherische Pastoren waren, die Freuden des Lebens und den römischen Witz schätzten30. Man kann feststellen, dass auf Seite 84 zur Veranschaulichung der Rektion der Kasus die Wortverbindung mylu mergą („ich liebe ein Mädchen“) gewählt wurde; die Wendung pareimi mylėjęs 8 bedeutet jedoch wahrscheinlich „ich kehre zurück, nachdem ich einem Freund einen Gefallen erwiesen habe“ oder Ähnliches (vgl. Donelaitis’ Gebrauch von pamyleti =„bewirten“ DM RG 116), denn andernfalls stellte sich die Frage, aus welcher Einrichtung der Sprecher genau zurückkehrt.
Wem nützt es? Cui bono? 79. Obwohl es sich um eine kurze Wendung handelt, ist sie aus Ciceros Rede Für Roscius (Pro Roscio 84, 86 etc.) bekannt: „Wem hat dies [die Ermordung von Roscius’ Vater] genützt?“31 Vgl. die heutige Wendung (die wohl letztlich auf diese Rede Ciceros zurückgeht): „Wem nützt das?“
29 Siehe Marcus Valerius Martialis. Epigramme, übersetzt von A. T. Veličkienė, Vilnius: Baltos lankos, 1998. S. 74.
30 Übrigens veröffentlichte, wie erwähnt, Šulcs’ Sohn Jonas 1706 Übersetzungen von Äsops Fabeln (darunter auch Fabelstoffe, die aus den Werken des Phaedrus und Horaz bekannt sind) ins Litauische. Vielleicht hatte er seine Vorliebe für antike Literatur von seinem Vater geerbt.
31 Žr.: Markas Tulijus Ciceronas. Kalbos, vertė A. Kučinskienė, Vilnius: Pradai, 1997, 35–88.
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Ich kehre vom Essen zurück. Redeo obfonatu 85. Obwohl es sich um eine kurze Wendung handelt, ist sie ein Zitat aus Plautus’ Komödie Die Zwillinge 32 (Menaechmi 277, 288). Die wörtliche Bedeutung dieser Wendung lautet „ich kehre zurück, nachdem ich für Essen gesorgt habe (z. B. indem ich auf dem Markt eingekauft habe)“, doch handelt es sich nicht um einen Übersetzungsfehler, sondern um eine mögliche übertragene Bedeutung.
2.2. Bibelzitate
Im Compendium-Text finden sich außerdem etwa 90 litauische und die entsprechenden lateinischen Zitate aus dem Alten und Neuen Testament, gewöhnlich mit genauen Stellenangaben. Die lateinische Fassung vieler davon stimmt mit dem Text der Vulgata überein (oder weicht nur geringfügig von ihm ab) und entspricht dem litauischen Text. Es gibt jedoch Fälle, in denen offenbar eine falsche Entsprechung aus der Vulgata für den litauischen Text ausgewählt wurde: Girriafi Piktybe, five ifž Piktybės fawo. Gloriatur Peccator in desideriis an[im]æ fuæ. Pf. 10, 3 79 (gedruckt war anmiæ). Die Psalmangabe ist korrekt, doch bedeutet der lateinische Text „der Sünder rühmt sich der Begierden seiner Seele“ (in der Übersetzung von A. Rubšys und Č. Kavaliauskas aus dem Jahr 1998: „Denn der Frevler rühmt sich der Anschläge seines Herzens“). Für den litauischen Text scheint eine Stelle aus Ps 52:3 (in der Vulgata 51:3) besser zu passen: gloriatur in malitia („er rühmt sich seiner Bosheit“; der ganze Satz: quid gloriatur in malitia qui potens est in iniquitate? „Warum rühmt sich seiner Bosheit, wer mächtig ist im Unrecht?“; die Fassung von A. Rubšys und Č. Kavaliauskas: „Warum brüstest du dich, du schändlicher Recke, mit deiner bösen Tat?“). Dies bestätigt schließlich den Verdacht, dass im ursprünglichen Manuskript der Grammatik alle oder fast alle litauischen Wörter und Sätze ohne Übersetzungen standen und die lateinischen Übersetzungen später von einem anderen hinzugefügt wurden, nämlich von Teofilis Šulcs.
32 Eine moderne Übersetzung der Komödie (von Aleksys Churginas) findet sich in folgendem Buch: Antike Komödien, herausgegeben von D. Dilytė, Vilnius: Vaga, 1989, 445–504.
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3. UNGENAUIGKEITEN IN DEN HEUTIGEN ÜBERSETZUNGEN
Schließlich sind die Ungenauigkeiten zu erwähnen, die in den heutigen Übersetzungen der lateinischen Vorreden des Compendium (die, wie allgemein angenommen wird, von Šulcas verfasst wurden) in der Ausgabe von 1997 vorkommen. Sie sind unterschiedlicher Art; viele sind geringfügig oder ähneln poetischen Nacherzählungen, doch einige erschweren in gewissem Maße das Verständnis der in den Vorreden dargelegten Sachverhalte. Sollte jemals eine neue Ausgabe dieses Denkmals vorbereitet werden, wäre es sinnvoll, dies zu präzisieren.
In der Vorrede des Originals, auf den unpaginierten Seiten (SC 48, 50), findet sich folgender Satz: Multa & ferè sexcenta forfitan (si spectes gentis Lithvanicæ originem, nonnullorum Grammatices præcepta respuentium, & ex usu addiscendam linguam, contendentium, objectiones) monenda occurrent, nisi ne monstri ad instar appareant, timor obicem poneret, & aurem quasi vellicaret tritum illud & verissimum Veriverbium: Vino vendibili non opus est fuſpenſâ hederâ. Er bedeutet (fast wörtlich übersetzt): „Viele und beinahe sechshundert [lateinische Redewendung im Sinne von ‚unzählige‘] Zweifel könnten wohl aufkommen (wenn man den Ursprung des litauischen Volkes [und] die Einwände einiger Leute berücksichtigte, die die Regeln der Grammatik verwerfen und behaupten, man müsse die Sprache durch praktische Anwendung erlernen), [monenda: Anmerkungen, Warnungen], wenn nicht die Furcht, sie könnten wie ein Ungeheuer erscheinen, ihnen einen Riegel vorschöbe und einem nicht jene abgedroschene, aber sehr wahre Wahrheit einfiele [wörtlich: ‚das Ohr zwickte‘]: Gute Ware braucht keine Werbung [wörtlich: ‚für verkäuflichen (=gut verkäuflichen) Wein braucht es keinen aufgehängten Efeu‘ [der laut Erasmus, Adagia 589C, in römischen Tavernen als Werbeschild diente]].
Daraus geht hervor, dass der Satz eine Anspielung auf die Vorrede zu Kleins Grammatik ist, in der mögliche Einwände von Gegnern gegen den Plan, eine litauische Grammatik zu verfassen, vorgebracht und anschließend Punkt für Punkt widerlegt wurden. Diese Einwände lauteten im Wesentlichen: 1) Das Litauische sei aus einer Mischung von Sprachen hervorgegangen und habe zudem zahlreiche Dialekte, weshalb es unmöglich sei, eine Grammatik zu verfassen; 2) man könne eine Sprache durch praktische Anwendung besser erlernen als mithilfe einer Grammatik. Šulcas, der sich nicht auf solche Diskussionen einlassen wollte, sagt hier lediglich
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aus, dass Einwände dieser Art (monenda) in unzähligen Varianten auftreten könnten, es sich aber nicht lohne, ihnen Beachtung zu schenken. Die Worte „wenn man den Ursprung des litauischen Volkes berücksichtigte“ spielen auf den von Klein bereits widerlegten Einwand an, dem zufolge das Litauische aus einer Mischung von Sprachen hervorgegangen sei. Dass jedoch nicht vom „Ursprung der litauischen Sprache“, sondern vom „Ursprung des litauischen Volkes (gentis Litvanicæ)“ die Rede ist, könnte bedeuten, dass Sapūnas und Šulcas auch mit der Theorie vertraut waren, die Litauer stammten von den Römern ab. Warum sonst wären zur Veranschaulichung der litauischen Syntax Stellen aus den Werken römischer Autoren ausgewählt und Versfragmente metrisch übersetzt worden? In Kleins Grammatik werden übrigens keine Zitate klassischer Autoren herangezogen.
Auf den unpaginierten Seiten der Vorrede (SC 50, 52) wird unter den Gründen für die Veröffentlichung dieser Grammatik auch folgender genannt: ex tam crebrâ descriptione ortus timor, ne citra tum Inventoris, tum Autoris Gratiam typis concederentur „die aus dem häufigen Abschreiben entstandene Befürchtung, dass sie gegen das Interesse sowohl des Urhebers als auch des Autors [diese Anfangsgründe der litauischen Sprache] nicht der Druckerpresse anvertraut [=zum Druck gegeben] würden“. Daraus ersehen wir, dass man im 17. Jahrhundert, wie zu erwarten, mit Urheberrechten freizügiger umging als heute: Viele fertigten Abschriften dieses Werkes an (wahrscheinlich nachdem sie das Original von Šulcas ausgeliehen hatten), bis Šulcas schließlich zu befürchten begann, jemand könnte das Werk drucken und die daraus erzielten Einnahmen für sich nutzen. Dies erklärt auch, warum Šulcas sich selbst „Autor“ nennt: Das lateinische Wort auctor (hier in der späten Variante autor verwendet) kann auch einen rechtmäßigen Eigentümer bezeichnen, der das Recht hat, sein Eigentum zu verkaufen. Šulcas, der das Manuskript von Sapūnas geerbt hatte, betrachtete sich demnach, wie wir es heute ausdrücken würden, als Inhaber der vermögensrechtlichen Urheberrechte und deutet an, dass dies auch Sapūnas’ eigener Wille gewesen sei (in der Vorrede „Urheber“, Inventor, genannt). Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. Übrigens wird dieses Werk zwar auf dem Titelblatt Compendium grammaticæ Lithvanicæ („Abriss der litauischen Grammatik“) genannt, in den Vorreden jedoch durchgehend erwähnt
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als wäre sein Titel Elementa linguæ Lithuanicæ („Anfangsgründe der litauischen Sprache“) gewesen33.
Wie wir wissen, starb Šulcas im selben Jahr 1673, in dem dieses Werk gedruckt wurde. Diese Abweichung deutet daher wahrscheinlich darauf hin, dass Šulcas vor seinem Tod keine Gelegenheit mehr hatte, die Ausgabe endgültig fertigzustellen. Das würde auch solche Druckfehler erklären, insbesondere in den lateinischen Wörtern, die ein Mensch mit ausgezeichneten Lateinkenntnissen nicht hätte stehen lassen.
Eine weitere Ungenauigkeit in der Ausgabe von 1997 ist zu erwähnen. Im Schlusswort (SC 254) heißt es: Et tu fortean L[ector] C[uriofe] fi hos octerniores [sic] perlegeris <...>. In der Ausgabe von 1997 wird dies folgendermaßen übersetzt: „Und auch du, aufmerksamer Leser, wenn du <...> dieses acht Jahre lang verfasste Werk <...> durchliest“ (SC 255). Tatsächlich sagt das Original nicht, wie viele Jahre an diesem Werk geschrieben wurde. Das Wort octerniores im Original ist keine Variante des Wortes octennium („Zeitraum von acht Jahren“), sondern ein offensichtlicher Druckfehler für octerniones. Das Wort octernio (wörtlich etwa „Achter“) ist eine neulateinische Neubildung (nach dem Vorbild des klassischen ternio „Dreier“) und findet sich daher nicht in Wörterbüchern des klassischen oder mittelalterlichen Lateins (auch nicht bei Forcellini ar Thesaurus Linguae Latinae, ar DuCange). Eine Internetsuche zeigt jedoch sofort, dass es im 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit Druckereien und Druckwerken verwendet wurde. So heißt es beispielsweise im Vorwort zu Comenius’ lateinischem Wörterbuch Lexicon atriale latino–latinum (1657)34: Habet n. [=enim] Lexicon hoc Octerniones 40, h. e. foliola 320 „Dieses Wörterbuch umfasst nämlich 40 octerniones, das heißt 320 Blätter“. Daraus geht hervor, dass ein octernio acht Blätter, also 16 Seiten, umfasst. Folglich ist ein octernio ein Druckbogen von sechzehn Seiten beziehungsweise acht Blättern (in octavo). Dass die Grammatik von Sapūnas und Šulcas im Format in octavo gedruckt wurde, wird im Vorwort der Ausgabe von 1997 angegeben (Stundžia 1997: 5). Folglich bedeutet fi hos octernio[n]es
33 Einige Quellen erwähnen außerdem, dass Sapūnas’ Grammatik auch Nomenclatorium genannt wurde (Biržiška 1960: 264). Diese Bezeichnung (eine neulateinische Neubildung, die ungefähr „Namensverzeichnis“ bedeuten würde) eignete sich jedoch eher für ein Wörterbuch als für eine Grammatik.
34 Online verfügbar: http://comlex.pbworks.com/w/page/9977075/Jan_0.
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perlegeris bedeutet „wenn du diese Druckbogen durchgelesen hast“ oder „diese Ausgabe im Format in octavo“. Wie lange dieses Werk tatsächlich geschrieben wurde, wissen wir nicht.
Das Wort octerniones (diesmal ohne Druckfehler) wird auch in der Widmung der Ausgabe an Karl Emil, den Sohn des Herzogs von Preußen35, auf einer unnummerierten Seite erwähnt: hi octerniones numerum fanctum vix attingentes, ad SERENISSIMÆ CELSITUDINIS TUÆ pedes devoluti <...> SC 42.
Das bedeutet: „diese Druckbogen, die die heilige Zahl kaum erreicht haben, zu den Füßen DEINER DURCHLAUCHTIGSTEN HOHEIT niedergelegt <...>“. In der lateinischen Literatur36 wurde die Zahl 7 als heilige Zahl bezeichnet. Wie im Vorwort von 1997 ausgeführt wird (Stundžia 1997: 6), umfasst die vollständige Originalausgabe des Compendium 113 Seiten, was sieben Druckbogen plus einen Bruchteil eines Bogens entspricht. Daraus sehen wir, dass die Widmung verfasst (oder zumindest überprüft) wurde, nachdem der Haupttext des Buches bereits in der Druckerei gesetzt worden war und die Anzahl der Druckbogen feststand.
Das von Šulcas verfasste Vorwort (SC 40) präzisiert die Kenntnisse über seine Biografie ebenfalls ein wenig.
Den Quellen zufolge war die Witwe des Teofilis Šulcas, Ona Blumaitė (Anna Bluhmin), 1675 mit ihren sieben noch unmündigen Kindern infolge zweier Brände in große Armut geraten (ŽM 2014: 1651). Daraus könnte der Eindruck entstehen, die beiden Brände hätten erst nach Šulcas’ Tod stattgefunden; aus dem Vorwort erfahren wir jedoch, dass es drei Brände waren und sie sich noch zu Šulcas’ Lebzeiten ereigneten: Ingenue fateor, meam pulvere Lithvanico jam vigesimum, & quod excurrit, annum, sopitam quasi, interea[que] à Vulcano tertiò impeditam, favillis obrutam & mediis omnibus orbatam tenuitatem, eloqui vix valere, quantum Ornamentum, PRINCIPEM <...> cum singulis suis subditis patriâ loqui posse linguâ <...> „Offen gestehe ich, dass ich, wie von litauischem Staub betäubt, nun schon zwanzig Jahre und darüber, gleichsam eingeschläfert und währenddessen zum dritten Mal von Vulkan behindert, von Asche bedeckt und aller Mittel beraubt, kaum auszudrücken vermag, wie sehr die Armut“
35 Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von SC war er 18 Jahre alt; ein Jahr später, 1674, starb er.
36 Vgl. Senecas Briefe an Lucilius, Kapitel 90.6 (litauische Übersetzung: Liucijus Anėjus Seneka. Laiškai Lucilijui, übersetzt von D. Dilytė, Vilnius: Pradai, 1999, 299).
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kaum auszudrücken vermag, welch eine Zierde es ist, wenn der HERRSCHER <...> mit jedem seiner Untertanen in der Muttersprache sprechen kann <...>.“ Die Formulierung „zwanzig Jahre von litauischem Staub betäubte Armut“ bezeichnet hier wahrscheinlich die Zeit, in der Šulcas als Pfarrer litauischer Gemeinden tätig war – ab 1650 in Išdagai und ab 1662 in Katniava. Daraus lässt sich vermuten, dass das Vorwort vielleicht um 1670 verfasst wurde, also etwa drei Jahre vor dem Erscheinen der gedruckten Ausgabe.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Forschenden sind sich einig, dass die litauische Grammatik, kurz Compendium genannt, von Kristupas Sapūnas verfasst wurde, während Teofilis Šulcas sie herausgab und dabei einiges hinzufügte sowie die Vorworte schrieb. Es stellt sich die Frage, was genau Šulcas dem Originalmanuskript von Sapūnas hinzufügte. In den Vorworten ist Šulcas’ Autorschaft offensichtlich; doch was wurde dem Grammatiktext selbst hinzugefügt? Wie eingangs erwähnt, wurden einige Auszüge aus Kleins Grammatik in den ursprünglichen Text des Compendium eingefügt. Ist das alles?
Ein Vergleich der lateinischen Übersetzungen der in dieser Grammatik erwähnten litauischen Wörter (de facto ein litauisch-lateinisches Wörterverzeichnis) zeigt einige verdächtige Merkmale, die wir in Kleins Grammatik nicht finden würden: 1) Einige Wörter wurden falsch übersetzt, insbesondere weil ähnlich klingende litauische Wörter verwechselt wurden (likti und lėkti, sirgti und sergėti und Ähnliches); 2) einige litauische reflexive Verben wurden etwas vage übersetzt, als wäre ihre Bedeutung nicht ganz verstanden worden; 3) Homonyme wurden dort in ihrer Bedeutung verwechselt, wo diese einem litauischen Muttersprachler offensichtlich wären; 4) litauische Kausativverben und einige Imperativformen wurden so übersetzt, als hätte der Übersetzer sie zunächst gedanklich ins Deutsche übertragen; 5) als Entsprechung für ein litauisches Bibelzitat wurde ein ähnliches, aber nicht identisches Bibelzitat aus der lateinischen Vulgata gewählt. Das hätte nicht geschehen können, wenn der Autor selbst die lateinischen Entsprechungen bereits während der Abfassung des Werks zusammengestellt hätte (geschehen konnte dies nur, wenn die litauischen
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Die Zitate wären ohne lateinische Entsprechungen geblieben, und ein anderer hätte sie später im lateinischen Text der Vulgata heraussuchen müssen).
Kann man einem oder dem anderen Mitverfasser vorwerfen, Latein nicht vollkommen beherrscht zu haben? Ganz sicher nicht, denn beide hatten an der Universität Königsberg eine lateinische Ausbildung erhalten und Werke in einwandfreiem Latein verfasst. Wie steht es dann mit ihren Kenntnissen des Litauischen? Der Verfasser der Grammatik beherrschte das Litauische wie ein Muttersprachler (sein Litauisch war einwandfrei), während der andere das Litauische, wie die Übersetzungen erkennen lassen, gut beherrschte, aber kein Muttersprachler war. Bestimmte Merkmale der Übersetzungen weisen darauf hin, dass seine Muttersprache Deutsch war. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: In Sapūnas’ Manuskript waren die litauischen Wörter und Wendungen (zumindest die meisten) ohne lateinische Übersetzungen geblieben; die lateinischen Entsprechungen fügte ein Mann hinzu, der das Litauische gut beherrschte, dessen Muttersprache jedoch Deutsch war, also Teofilis Šulcas. Dazu veranlasste ihn wahrscheinlich der Umstand, dass in Kleinos Grammatik fast alle litauischen Wörter ins Lateinische übersetzt worden waren und Šulcas, wie bekannt, auch diese Grammatik benutzte. All dies steht im Einklang mit der Tatsache, dass Šulcas Sapūnas im Vorwort seinen Lehrer nennt (Praeceptor). Was hätte Sapūnas Šulcas lehren können, wenn beide an der Universität Königsberg dieselbe Ausbildung erhalten hatten? Offensichtlich das Litauische, dessen Kenntnisse Šulcas verbessern musste, als er Pastor einer litauischen Gemeinde wurde.
Dennoch sollte man daraus nicht den Eindruck gewinnen, dass die von Šulcas ergänzte und herausgegebene Grammatik Sapūnas in irgendeiner Weise mangelhaft sei. Die in diesem Artikel behandelten lateinischen Übersetzungen einiger Wörter sollte man mit Vorsicht betrachten, wenn sie dem widersprechen, was wir aufgrund der muttersprachlichen Kompetenz und historischer Quellen über die Bedeutungen litauischer Wörter wissen. Dennoch muss man anerkennen, dass Šulcas mit der Herausgabe von Sapūnas’ Grammatik dieses wertvolle litauische Sprachdenkmal für uns bewahrt und durch das Hinzufügen lateinischer Übersetzungen zu litauischen Wörtern und Wendungen de facto ein litauisch-lateinisches Wörterverzeichnis mit 1380 Einträgen geschaffen und damit auch solche Sprachzeugnisse des Litauischen aus dem 17. Jahrhundert bewahrt hat, die es zweifellos verdienten, auch in das LKŽ aufgenommen zu werden.
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Schulz’ Übersetzungsungenauigkeiten wären für jeden Nichtmuttersprachler unvermeidlich gewesen (besonders für jemanden, der keine modernen Hilfsmittel zur Überprüfung von Informationen zur Verfügung hatte). Wir, moderne Muttersprachler, die mit Datenbanken gewappnet sind, können dem im 17. Jahrhundert deutschsprachigen Preußen für seine Arbeit nur danken. Hätte der Autor dieses Artikels die Aufgabe gehabt, deutsche Wörter aus einer deutschen Grammatik auf Latein zu erklären, wären die Ergebnisse viel, viel schlechter gewesen (ebenso wie der Versuch, ohne Datenbanken die benötigte Stelle in der lateinischen Bibel zu finden). Schließlich lauten die letzten Worte Schulz’ am Ende der veröffentlichten Grammatik: si quæ per Sphalmata irrepsisse videantur ac observari potuēre, placidè corrige „wenn etwaige [Fehler] versehentlich eingeschlichen zu sein scheinen und bemerkt werden können, korrigiere sie freundlich“ SC 254. Dieser Artikel ist ein respektvoller Versuch, genau das zu tun.
ŠALTINIAI
Cn – R. P. Gregorii Cnapij Societatis Iesu Theologi Thesauri Polonolatinogræci Tomus I. Cracoviæ: Typis & Sumptu Francisci Cæfarij, 1643.
DD – Dicionarium Latinogermanicum, et vice versa Germanicolatinum ex optimis Latinæ linguæ scriptoribus concinnatum. Autore Petro Dasypodio. Argentorati: per Wendelinum Rihelium, 1537.
DM – Donelaičio „Metų“ tekstas šiuolaikine rašyba. Prieiga internete: http://www.xn--altiniai-4wb.info/files/literatura/LF00/Kristijonas_Donelaitis._Metai.LF0900.pdf.
(Giesmės žymimos santrumpomis: PV = Pavasario linksmybės, VD = Vasaros darbai, RG = Rudenio gėrybės; tada nurodomas eilutės numeris).
EDCS – Epigraphik-Datenbank Clauss / Slaby (Lotynų įrašai). Prieiga internete: www.manfredclauss.de.
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H – Vocabularium Litthuanico-Germanicum, et Germanico-Litthuanicum, Darin alle im Neuen Testament und Psalter befindliche Wörter nach dem Alphabet enthalten sind; Nebst Einem Anhang einer kurtzgefaßten Litthauischen Grammatic. Ausgefertiget von Friederich Wilhelm Haack, S. S. Theol. Cultore, zur Zeit Docente im Litthauischen Seminario zu Halle, Halle: Druckts Stephanus Orban, Univers. Buchdr., 1730.
KG – Pirmoji lietuvių kalbos gramatika, fotograf. leidimas, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 1957.
KrG – Kuršaitis F. Lietuvių kalbos gramatika (1876), par. B. Kabašinskaitė, iš vok. k. vertė A. Tekorius. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2013.
KrG – Kurschat Friedrich. Grammatik der littauischen Sprache, Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1876.
LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas, t. 1–20, 1941–2002 (elektroninis variantas), vyr. red. G. Naktinienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005. Prieiga internete: www.lkz.lt.
N – Nesselmann G. H. F. 1850: Wörterbuch der Littauischen Sprache von G. H. F. Nesselmann, Königsberg: Verlag der Gebrüder Bornträger.
R – Rhesa L. J. Das Jahr in vier Gesängen, ein ländliches Epos aus dem Litthauischen des Christian Donaleitis, genannt Donalitius, in gleichem Versmaaß ins Deutsche übertragen von D. L. J. Rhesa, Prof. d. Theol., Königsberg: in der Königl. Hartungischen Hofbuchdruckerei, 1818.
SC – Sapūno ir Šulco gramatika, fotograf. leidimas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 1997.
SD3 – Dictionarium trium linguarum, In ufum Studiofæ Iuventutis, auctore Constantino Szyrwid è Societate Jesu. Tertia editio recognita & aucta. Vilnae: Typis Academicis Societatis Jesu. MDCXLII [1642]. Prieiga internete: www.thesaurus.flf.vu.lt (paieška pagal lotynišką žodį; originalaus leidinio puslapių numeriai faksimilėse).
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SNT – Šventasis Raštas: Senasis ir Naujasis Testamentai. Senąjį Testamentą iš hebrajų, aramejų ir graikų kalbų vertė, pratarmę, įvadus ir ST sąvokų žodyną bei paaiškinimus parašė prel. prof. Antanas Rubšys. Naująjį Testamentą iš graikų kalbos vertė, įvadus ir NT sąvokų žodyną parašė kun. Česlovas Kavaliauskas, Vilnius: Katalikų pasaulis. Prieiga internete: biblija.lt.
VUL – The Latin Vulgate. Prieiga internete: www.biblestudytools.com/vul.
LITERATŪRA
Biržiška Vaclovas 1960: Aleksandrynas: senųjų lietuvių rašytojų, rašiusių prieš 1865 m., biografijos, bibliografijos ir biobibliografijos. I: XVI–XVII amžiai, Čikaga: Kultūros fondas.
Buchienė Tamara, Palionis Jonas 1957. Pirmosios spausdintos lietuvių kalbos gramatikos. – Pirmoji lietuvių kalbos gramatika, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 9–63.
Dietelmair Johann Augustin 1760: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, nebst einer vollständigen Erklärung derselben, welche aus den auserlesensten Anmerkungen verschiedener Engländischen Schriftsteller zusammengetragen, und in der holländischen Sprache an das Licht gestellet, nunmehr aber in dieser deutschen Uebersetzung aufs neue durchgesehen, und mit vielen Anmerkungen und einem Vorberichte begleitet worden von D. Johann Augustin Dietelmair, der heil. Schrift Prof. ord. zu Altorf, und Archidiac. der Stadtkirche. Der neunte Theil, welcher die Weißagungen und Klaglieder Jeremiä enthält, Leipzig: Verlegts Bernhard Christoph Breitkopf.
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ISSN 2351–7204
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Eigminas Kazimieras 1997: Kristupo Sapūno ir Teofilio Šulco „Compendium Grammaticae Lithvanicae“. – Sapūno ir Šulco gramatika, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 9–32.
Hanzíková Ludmila 1988: Názvy kalhot v češtině z hlediska principů sémantické motivace. – Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. Studia minora Facultatis Philosophicae Universitatis Brunensis A 36, Brno: Masarykova univerzita, Filozofická fakulta, 95–101.
Koženiauskienė Regina 1990: XVI–XII amžiaus prakalbos ir dedikacijos, Vilnius: Mokslas.
Strockis Mindaugas 2007: Klasikinių kalbų kirčio žymėjimo įtaka lietuvių kirčio žymėjimui: daktaro disertacija, Vilnius: Vilniaus universitetas.
Stundžia Bonifacas 1997: Pratarmė. – Sapūno ir Šulco gramatika, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 5–7.
ZM 2014: Das „Zwischenmanuskript“ zum Altpreußischen evangelischen Pfarrerbuch 6. Saalfeld bis Szypulowski. Auf der Grundlage der Sammlungen von Friedwald Moeller bearbeitet von Walther Müller-Dultz, Reinhold Heling und Wilhelm Kranz, Hamburg: Im Selbstverlag des Vereins [für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V. Quellen, Materialien und Sammlungen zur altpreußischen Familienforschung (QMS)].
Gauta 2020 12 09
Priimta 2020 12 30
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LATIN-LITHUANIAN GLOSSARY IN THE 1673 LITHUANIAN GRAMMAR
BY SAPŪNAS AND SCHULTZ
Summary
A short grammar of Lithuanian, written in Latin and published in 1673 in Koenigsberg, referred to as the Compendium, was written by Kristupas Sapūnas (in German known as Christoph Sappuhn) and published by Theophilus Schultz (in Lithuanian known as Teofilis Šulcas). It has been a consensus among scholars that Schultz, to whom Sapūnas had bequeathed his unpublished manuscript, published it, years after the death of the original author, with his own additions; yet, in the absence of the original manuscript, it is not always clear what exactly these additions are.
Almost all Lithuanian words mentioned in the Compendium are accompanied with Latin translations; thus we have a de facto Lithuanian–Latin glossary consisting of 1380 entries.
Most of the words are translated well, but the peculiarities of the translation of certain Lithuanian grammatical forms suggest that the translator had to mentally translate them into German first before producing the Latin version; also, certain similar-sounding or homonymous Lithuanian words, which could not have presented any difficulty for a native speaker, seem to have confused the translator. From this a conclusion can be drawn that in the original manuscript by Sapūnas (who was beyond doubt a native speaker of Lithuanian) the Lithuanian words had no accompanying Latin translations, and that these were added by Schultz (who was a Germanophone Prussian). Yet, despite these minor shortcomings inevitable with a non-native speaker, Schultz must be commended for his work in preserving for the posterity this interesting document on Lithuanian as it was spoken in Lithuania Minor in the 17th century.
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KEYWORDS: Sapūnas, Šulcas (Schultz), Compendium, glossary, translation, Latin.
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