Page 15. Das rezensierte Wörterbuch ist ein erwartetes und notwendiges Werk. Man kann sich nur darüber freuen, dass die Ingenieure des Rechenmaschinenwerks Vilnius und des Spezialkonstruktionsbüros für Rechenmaschinen sich einer so umfangreichen Arbeit angenommen haben. SKŽ repräsentiert die gegenwärtige litauische Terminologie der Rechentechnik gut. Das umfangreiche Wörterbuchmaterial ist jedoch noch kaum normiert und systematisiert. Für die Entwicklung der Terminologie der Rechentechnik ist dieses Werk lediglich ein guter Anfang. Den Verfassern von Terminologiewörterbüchern anderer technischer Fachgebiete kann es nicht nur als beispielhaftes Vorbild enthusiastischer Arbeit, sondern auch als Fundament dienen, auf dem noch vollkommenere Bauwerke errichtet werden können.
A. Kaulakienė
EIN BUCH ÜBER FISCHNAMEN
B. Laumane, Zivju nosaukumi latviešu valodā, Rīgā, 1973, 307 p.1
Die Monografie von Benita Laumanė ist nicht nur für die lettische Sprachwissenschaft sehr aktuell, sondern auch für die baltische und indoeuropäische Sprachwissenschaft und Ethnogenese, da zahlreiche Fischbezeichnungen aus uralter Zeit überliefert sind. Diese Monografie ist die erste umfassende Untersuchung der baltischen Fischbezeichnungen.
B. Laumanė merkt an, dass P. Tymė, ausgehend davon, dass Lachse nur im Einzugsgebiet der Ostsee leben und verwandte Bezeichnungen in den slawischen, baltischen, germanischen sowie tocharischen Sprachen vorkommen, den Versuch unternommen habe, zu beweisen, dass die indoeuropäische Urheimat im Ostseeraum gelegen habe. Mit dieser Hypothese hängt die Frage nach den Ureinwohnern der Ostseeküste zusammen, die die Autorin an mehreren Stellen erwähnt. B. Laumanė stützt sich auf die Auffassung von Archäologen, dass die Balten oder ihre Vorfahren um das 18. Jahrhundert v. Chr. in die Umgebung der Ostsee eingewandert seien2 und dort Verbindungen zu anderen Bewohnern der südöstlichen Ostseeküste aufgenommen hätten – zu den Ureinwohnern, die nach Ansicht der Autorin3 möglicherweise mit den Balten verwandte Indoeuropäer waren, sowie zu den Ugrofinnen (S. 14).
Die Hypothese, dass die genannten Ureinwohner des Ostseeraums Indoeuropäer gewesen seien, ist für die Frage nach der Ethnogenese der Balten und Indoeuropäer von großer Bedeutung. Zurzeit wird sie von manchen besonders nachdrücklich vertreten4. Im Mesolithikum waren im östlichen Ostseeraum zwei Kulturgruppen (und nach Rimantienės Auffassung ethnische Gruppen) charakteristisch: die mikrolithisch-makrolithische und die Kunda-Kultur. Die mikrolithisch-makrolithische Kultur gehörte zu Litauen und teilweise zu Belarus. Die Kunda-Kultur war in den Gebieten des heutigen Estlands und Lettlands verbreitet, während sie in Litauen lediglich den äußersten Norden erreichte
1 Wegen des begrenzten Umfangs wird in der Rezension nur die in B. Laumanės Buch aufgeworfene Frage nach den Ureinwohnern der Ostseeküste behandelt.
2 Archäologen vertreten derzeit die Auffassung, dass die Träger der Schnurkeramik Litauen gegen Ende des III. Jahrtausends v. Chr. erreichten; siehe R. Rimantienė, Pirmieji Lietuvos gyventojai (XI—IV tūkstantmetis pr. m. e.), Vilnius, 1972 (im Folgenden: Rimantienė PLG), S. 96.
3 Su nuoroda į: Л. В. Ванкина, Торфяниковая стоянка Сарнате, Рига, 1970, p. 140, 144—145, kur Sarnatės stovyklos radiniai datuojami III tūkst. pr. m. e. pirmą pusę ar vidurį, o gyventojai hipotetiškai laikomi indoeuropiečiais; plg. taip pat R. Rimantienės tvirtinimą, kad „apie kokį nors kultūrinį-etninį finougrų klodą Lietuvos akmens amžiaus medžiagoje, tuo labiau senųjų, vietinių, priešvirvelinės kultūros gyventojų priskyrimą finougrų gentims, negali būti nė kalbos“ (Žr. R. Rimantienė, Lietuvos akmens amžiaus šukinė puodų ornamentika ir finougrų klausimas, — Lietuvos istorijos metraštis. 1972 metai, Vilnius, 1973 (toliau: Rimantienė LIM), p. 26; plačiau žr. p. 5—26; taip pat žr.: Rimantienė PLG; Р. К. Римантене, Палеолит и мезолит Литвы, Вильнюс, 1971 (toliau: Римантене ПМЛ).
4 Siehe die populärwissenschaftlichen Artikel von A. Seibutis: Padavimai ir tikrovė, — Mokslas ir gyvenimas, Vilnius (im Folgenden: MG), 1971, Nr. 5, S. 38—40; Vėlyvojo ledynmečio vietovardžiai, — MG 1971, Nr. 10, S. 16—20; Kaip Nemunas į Vyslą tekėjo, — MG 1973, Nr. 3, S. 28—30 u. a.
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Page 2Gebiet. Beide Kulturen verbindet das Vorhandensein von Elementen der Maglemose-Kultur5. R. Rimantienė zufolge „waren die Bewohner des Mesolithikums im Baltikum eindeutig Europoiden“6. Aus der mikrolithisch-makrolithischen Kultur entwickelte sich die frühneolithische Kultur des oberen Nemunas-Gebiets, aus der Kunda- und Narva-Kultur die Nemunas-Kultur7. Die litauische Keramik, deren erste Erzeugnisse R. Rimantienė zufolge wahrscheinlich Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. auftraten, „gehört zu einer großen kulturellen Gruppe des südlichen und östlichen Baltikums, die sich von Westlettland bis nach Jütland erstreckt“8, während sie „in vielen anderen Merkmalen (zumindest die Lagerplätze Westlitauens) […] zu einem engeren Kulturgebiet der Narva- und Nemunas-Kultur gehören, das zwischen diesen Flüssen bestand“9. Zur Begründung der Annahme einer engen Verwandtschaft der genannten Kulturgruppen liegen überzeugende sprachliche Belege vor. Denn die sogenannte alteuropäische Hydronymie (alteuropäische Hydronymie – ein Begriff von H. Krahe) ist auch in Skandinavien verbreitet10. Pajunenan, der in Finnland eine Fülle von Gewässernamen dieses Ursprungs gefunden hat, hält sie für spezifisch baltisch11. V. P. Schmid weist auf eine Besonderheit der alteuropäischen Hydronymie hin: Sie konzentriert sich im ehemaligen und heutigen baltischen Sprachgebiet12. Wissenschaftlern zufolge existiert eine „baltische Tonhöhenakzentsprache-Union“, der neben den baltischen Sprachen auch die livische und estnische Sprache, die nordkaschubischen, einige deutsche Mundarten des Baltikums, die Mundarten Ostschleswigs und der benachbarten dänischen Inseln sowie die schwedische und norwegische Sprache angehören. Kennzeichnend für diese Union ist, dass die melodische Tonkorrelation für die anderen „Bündnispartner“ – anders als für die baltischen Sprachen selbst – ein neues Phänomen ist13. Bemerkenswert sind die skandinavisch-baltischen Parallelen in Wortbildung, Semantik usw.14.
B. Laumane hält, gestützt auf die Auffassung anderer Forscher, nicht wenige Fischbezeichnungen für aus dem Baltikum stammendes Erbe der Ureinwohner oder neigt dazu, sie dafür zu halten. Die wichtigsten Argumente für diese Auffassung sind die Verbreitung der untersuchten Fischbezeichnungen in zahlreichen Sprachen der Ostseeküste sowie ihre unklare Etymologie. Das zweite Argument ist unserer Ansicht nach nicht stichhaltig, und die Autorin verwendet es zu Unrecht unkritisch. Aus diesem Grund ist die Untersuchung einiger Fischbezeichnungen in der Monographie sehr widersprüchlich. So hält B. Laumane im Abschnitt zu den Arbeiten lett. sapals „leuciscus cephalus“ für eine Ableitung mit dem Suffix -als und vergleicht es mit lit. šapalas „ebd.“ (S. 40); im Hauptteil hingegen – dem zu den Fischbezeichnungen – erwähnt sie, dass lett. sapals, sapalis usw. angeblich mit lit. šapalas verwandt sind, welche
5 Rimantienė ПМП 95–196.
6 Rimantienė PLG 95.
7 Rimantienė ПМП 196, plg. 176; Rimantienė PLG 95–96; plg. Rimantienė LIM 9–10.
8 Rimantienė LIM 20.
9 Ebenda.
10 Siehe z. B.: W. P. Schmid, Zum litauischen Flußnamen Aitra, – „Baltistica“, VII (1), Vilnius, 1971, S. 37–42; ders., Aura und Aurajoki, – „Baltistica“, IX (2), Vilnius, 1973, S. 189–194; Heikki J. Hakkarainen and Matti Ruoh tula (Finland), Das Auftreten indogermanischer (alteuropäischer) Gewässernamen in Finnland (im Folgenden: Hakkarainen – Ru ohtula), – XIe Congres international des sciences onomastiques. Sofia, 28 juin–4 juillet 1972. Résumés des communications, Sofia, 1972 (im Folgenden: XIe Congres), S. 89.
11 Hakkarainen – Ru ohtula 89.
12 Wolfgang P. Schmid (BRD – Göttingen), Baltische Gewässernamen und das vorgeschichtliche Europa, – XIe Congres, p. 205.
13 Siehe Б. Лаумане, А. Непокупный, К постановке вопроса об атласе морской и рыболовецкой лексики Балтийского моря, – Baltistica, IV(I), Vilnius 1968 (im Folgenden: Лау-мане – Непокупный, – Baltistica), S. 69 und die dort angeführte Literatur.
14 Siehe Лаумане – Непокупный, – Baltistica, S. 69–78; Б. Лаумане, А. Непокупный, Балто-славяно-финские языковые параллели из области мореплавания и рыболовства, – Взаимосвязи балтов и прибалтийских финнов, Riga, 1970, S. 189–202 und die in diesen Artikeln angeführte Literatur.
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Page 3Linguisten vergleichen es mit Sanskrit s’aphara-h „cyprinus sophore“15; weiter unten schreibt sie, dass A. Gėrdas ähnliche Bezeichnungen in den slawischen, germanischen und finno-ugrischen Sprachen anführt und sie alle als Erscheinung eines gemeinsamen Substrats betrachtet, das sich im Ostseeraum bereits in einer vorindoeuropäischen Periode herausgebildet hat16 (S. 213). Die Linguistin verteidigt hier also nicht einmal ihre oben erwähnte Auffassung, dass die Ureinwohner als Indoeuropäer anzusehen seien. In die Listen baltischer Gemeinsamkeiten bei Fischbezeichnungen nahm B. Laumane lett. sapals und lit. šapalas nicht auf (s. S. 10–11 und 278). Unserer Meinung nach hängt die Bezeichnung šapalo tatsächlich mit einer Sprache zusammen, die in einem weiten Gebiet an der Ostseeküste existierte; es gibt jedoch keinen Grund, diese Bezeichnung nicht als baltisch anzusehen.
Betrachten wir noch ein weiteres Beispiel. B. Laumanė hält, wie andere Forscher auch, lett. salaka (salaks) „osmerus operlanus“ für eine Entlehnung aus liv. salāk bzw. est. salakas (S. 101); da diese finnischen Fischbezeichnungen keine verlässliche finnische Etymologie haben, neigt sie, gestützt auf die Ansicht von V. P. Schmid, dazu, sie für vorfinnischen Ursprungs zu halten (S. 18)17. E. Fraenkel betrachtet lett. salaka als Entlehnung aus den erwähnten livischen und estnischen Entsprechungen und verbindet es außerdem mit salata, -te „aspius aspius“ oder „aspius rapax“ sowie lit. salatis, salotė, celatis „ebd.“18. B. Laumanė stimmt dieser Vermutung jedoch nicht zu: Ihrer Ansicht nach müsste man in diesem Fall anerkennen, dass lett. salata eine Entlehnung aus den ostseefinnischen Sprachen sei, das heißt aus dem Livischen und Estnischen. Zwar finden sich ähnliche Formen in karelischen Dialekten und im Finnischen (vgl. karel. dial. salat’t’i, finn. salatti „alburnus lucidus“). Dennoch verbindet B. Laumanė, obwohl sie dies berücksichtigt und das sprachgeographische Kriterium geschickt nutzt (Entlehnungen aus finnischen Sprachen sind gewöhnlich in einem kleineren Gebiet verbreitet als die untersuchte Bezeichnung), lett. salata, salate, salāta, salāts; saluonis, saluozis, lit. salotė, salatis „aspius aspius“ oder „aspius rapax“ sowie den lettischen Hydronym salates upīte und die litauischen Seenamen Salōtas, Salōtė, Salōtė, Salōtis mit lit. dial. sālti „fließen“, altpreuß. salus „Bach“ und führt als semantische Parallele außerdem lett. upītis, upietis „leuciscus indus“ an (S. 209). Dies ist eine etymologische Entdeckung der Autorin (andere Sprachwissenschaftler haben die erwähnte Etymologie nicht vorgeschlagen); solche Entdeckungen gibt es in der Monografie zahlreiche, was zeigt, dass B. Laumanė insgesamt ein gutes Sprachgefühl besitzt.
Aus lit. dial. sālti, altpreuß. salus oder ähnlichen Wörtern sind auch lit. sėliavà „coregonus albula“, seliavà „ebd.“, sėliova „ein solcher Seefisch“ usw. abzuleiten. B. Laumanė hält lett. sēlava für eine Entlehnung aus Nachbarsprachen und erklärt, es sei sehr schwierig, die Entlehnungsquelle genau zu bestimmen, da phonetisch entsprechende Formen außer der erwähnten litauischen Entsprechung auch in den russischen Gegenden um Pskow und Nowosokolniki vorkommen – селёва – sowie im Polnischen (bereits im 15. Jahrhundert schriftlich belegt) – sielawa19. Nach Ansicht der Autorin ist der weitere Ursprung dieser Wörter unklar: Es seien Ansichten geäußert worden, wonach die slawischen Bezeichnungen aus dem Litauischen entstanden seien
15 Mit Verweis auf: K. Mūlenbachs, Latviešu valodas vārdnīca. Rediģējis, papildinājis, turpinājis J. Endzelīns (im Folgenden: LVV), III, Rīgā, 1928, S. 696; E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, Heidelberg, 1962–1965 (im Folgenden: LEW), S. 963.
16 Zu A. Gėrdas’ Ansicht siehe А. С. Г е р д (Antwort auf einen Fragebogen), – Лексичные балтизмы ў беларускай мове, Мінск, 1969, S. 9–10.
17 Siehe ferner: Лаумане – Непокупный, – „Baltistica“, S. 76.
18 LEW 759.
19 Diese lettische Bezeichnung könnte trotz ihrer geringen Verbreitung auch mit der litauischen Bezeichnung verwandt sein – der Unterschied zwischen den litauischen und lettischen Entsprechungen betrifft nur die Quantität des Stammvokals. Doch e: ē ist auch für das Litauische charakteristisch: Neben den erwähnten sėliova, seliavà: sėliavà vgl. auch Hydronyme – einerseits Seliovinaičiai (zwei Seen), abgeleitet vom See Seliovinis (A. Vanagas, Lietuvos TSR hidronimų daryba, Vilnius, 1970 [im Folgenden: Vanagas], S. 76), der seinerseits vom erwähnten sėliova abgeleitet ist (Vanagas 158–159), andererseits Šėliupis (Lietuvos TSR upių ir ežerų vardynas, Vilnius, 1963 [im Folgenden: LUEV], S. 143).
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Page 4und umgekehrt20. Tatsächlich sind jedoch sowohl die Wurzel als auch das Suffix in lit. sėliavā, sėliavā usw. zweifellos baltischen Ursprungs. Mit slawischen Sprachdaten lässt sich die Herkunft des russ. селёва „Ukelei, cyprinus alburnus“ (nach Dal’s Wörterbuch), селёва „aspus clupeoides“ an der Schwarzmeerküste und im Kubangebiet, des weißruss. селёва sowie des poln. sielawa „Ukelei“ nicht erklären; das Suffix ава (-awa) sowie -ява ist den Slawen fremd (es ist für die baltischen und thrakischen Sprachen sowie die sogenannte alteuropäische Hydronymie charakteristisch). M. Fasmer zufolge können die litauischen Wörter salavā, selavā „Muräne“ wegen der südlichen Verbreitung des russischen Wortes nicht dessen Quelle sein; diese Aussage ist insofern zu korrigieren, als das селёва an der Schwarzmeerküste und im Kubangebiet unter dem Einfluss der verwandten thrakischen Sprachen, die den baltischen Sprachen nahestehen, entstanden sein kann. Die Entsprechungen in den den Balten territorial näheren slawischen Sprachen — weißruss. селёва, poln. sielawa sowie in den russischen Dialekten, die den baltischen Sprachen näherstehen — betrachten wir als Ergebnis baltischen Einflusses, vermutlich eines Substrateinflusses.
Aus den oben angeführten Beispielen geht hervor, dass es genügend semantische Parallelen gibt, die eine Herleitung des lett. salaka (salaks) aus lit. šalti „fließen“ und preuß. salus „Bach“ stützen. Die Auffassung, dass lett. salaka (salaks) kein Lehnwort ist, wird auch durch das Vorhandensein entsprechender litauischer Ortsnamen gestützt: See Salakai, Salakas (Degučiai, Dorf Palivarko)21, Marktflecken (Bezirk Zarasai) Šalkas, Šalko giria22. Relikte der Fischbezeichnung salaka finden sich somit im baltischen Sprachgebiet weit entfernt von der lettischen Ostseeküste. Auch die Bildung des lett. salaka (salaks) ist baltisch (vgl. etwa, wenn auch spärliche, Beispiele von Ableitungen mit den Suffixen -aka, -aks, -ėka auf S. 39).
Die finnischen Entsprechungen des lett. salata und salaka sowie anderer baltischer Bezeichnungen mit der Wurzel sal- sind, da ihnen eine verlässliche finnische Etymologie fehlt, selbstverständlich als Baltismen zu betrachten. Als Baltismen gelten auch die deutschen Dialektformen (im ehemaligen Ostpreußen) Salat, Zalat, die zusammen mit den genannten lett. salate und lit. salotė eine Isoglosse bilden, die Kurland über Litauen (Samogitien) mit dem ehemaligen prußischen Sprachgebiet verbindet. B. Laumane hat übrigens nicht nur eine solche Isoglosse festgestellt. Der Aussage der Autorin, dass derartige Isoglossen besonders wertvoll sind (S. 278), ist zuzustimmen. Ergänzend sei angemerkt, dass auch die deutschen Dialektformen (im ehemaligen Ostpreußen) Perpel, Parpel sowie die kaschubischen parposz, pelpaże, denen lettische Dialektformen pērpele, perpele und lit. pērpelė „Finte“ entsprechen (S. 152–153), als Baltismen zu betrachten sind. Dafür sprechen sowohl das linguogeographische als auch das etymologische Kriterium. Einige lettisch-ostslawische Isoglossen interpretiert die Autorin dagegen klar und zutreffend: die weißrussischen und russischen Dialektformen курмель „gobio fluviatilis“ (S. 98), вягало, вягело „lota lota“ (S. 244) sind Baltismen.
Kehren wir jedoch zur sogenannten aboriginen Lexik zurück. Es gibt noch mehrere Wörter, die man dieser Lexik zuordnen möchte, für die sich aber auch eine gute baltische Etymologie finden lässt. Zu nennen ist etwa lett. leste, lekste „pleuronectes flesus trachurus, Flunder“. V. Thomsen verband diese Bezeichnung völlig zu Recht mit lett. lē̃sns, lēsns, lėss sowie lit. lėkštas und betrachtete estn. lest „Flunder“ als Entlehnung aus den baltischen Sprachen (S. 173). Für die Etymologie des genannten lett. leste, lekste gibt es eine ausgezeichnete semantische Parallele: lett. plekste, pleksta, plėkste; plekzde, plekzde sowie lit. plėkšnė, plėkštis, plėkštė, plėgždė „Flunder“ werden mit lett. plāškans „platt, flach, breit“ und lit. plókščias23 (S. 174) in Verbindung gebracht. B. Laumane folgt jedoch offenbar L. Kettunen und V. Zeps, die lett. leste für eine Entlehnung aus liv. ļieštā halten
20 Vgl. LEW 774; М. Фасмер, Этимологический словарь русского языка (im Folgenden: Фасмер ЭСРЯ), III, Москва, 1971, S. 594.
21 LUEV 141.
22 Mažoji lietuviškoji tarybinė enciklopedija, III (R–Ž), Vilnius, 1971, p. 148–149.
23 LEW 611, 628.
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Page 5(estn. leste) (S. 173); außerdem vertritt sie die Ansicht, dass die lettische Fischbezeichnung ein Lehnwort aus den ostseefinnischen Sprachen sei (S. 17, 281). Zu dieser Auffassung dürfte auch beigetragen haben, dass estn. lest die Bedeutung „Flaches, Plattes“ hat und mit den genannten finnischen Flunderbezeichnungen in Verbindung gebracht wird (S. 173). Wie die oben erwähnten Bezeichnungen ist B. Laumane geneigt, estn. lest und liv. lestā „Flunder“ in Anlehnung an V. P. Schmid aus einer vorfinnischen Sprache abzuleiten, da für diese Formen keine verlässliche finnische Etymologie vorliegt (S. 18)24. Unserer Ansicht nach ist estn. lėkštas, lett. lēsns usw. aufgrund der etymologischen und linguogeographischen Kriterien als baltisch zu betrachten, da diese Formen eine gute baltische Etymologie haben, während estn. lest „Flaches, Plattes“ nur im Estnischen, also in einer Sprache nahe dem heutigen baltischen Gebiet (und offenbar zu dessen früherem Areal gehörend), verwendet wird. Daher ist estn. lest sowohl in der genannten Fischbedeutung als auch mit der Bedeutung „Flaches, Plattes“ als Baltismus anzusehen.
Es gibt auch Wörter, die hypothetisch der aboriginen Lexik zugerechnet werden, für die jedoch weder eine verlässliche baltische noch eine indogermanische Etymologie gefunden wurde. Die Bedeutung mancher Bezeichnungen könnte in Vergessenheit geraten sein (lassen sich denn alle einheimischen Wörter etymologisieren?). Andere Wörter, die mehr oder weniger das Küstengebiet der Ostsee umfassen, könnten durch den Einfluss einer anderen, an dieser Küste verwendeten Sprache (nicht einer baltischen) auf die übrigen Sprachen dieses Gebiets entstanden sein. Auch solche Elemente sind belegt25. Sie sind nicht das Ergebnis einer Ureinwohnersprache, sondern späteren Einflusses.
Die Entstehung der Fischbezeichnungen ist offenbar in erster Linie mit dem Auftreten mesolithischer Fischer (der Maglemose-Kultur) im Ostseeraum zu verbinden26. Dafür spricht auch die Tatsache, dass der größte Teil der mikrolithisch-makrolithischen Kultur aus der Maglemose-Kultur übernommen wurde und dass eine Welle dieser Kultur in Nordlitauen, Lettland und Estland eine weitere Kultur hervorbrachte – die Kunda-Kultur27. Somit ist anzunehmen, dass die genannten Fischer baltisch oder eine den baltischen Sprachen nahe verwandte Sprache sprachen.
R. Rimantienė zufolge „ist die Maglemose-Kultur mit dem Ostsee-Magdalénien verwandt“28. Die Auftritte von Vertretern dieser letzteren Kultur im Paläolithikum sind in der Tat bemerkenswert! Sie „kamen in kleinen Gruppen aus dem Westen und zogen wieder fort“29, waren also im Ostseeraum nur Gäste30. Die Tatsache, dass seit dem Paläolithikum die Vertreter der einheimischen Swiderien-Kultur lediglich mit Vertretern einer einzigen Kultur – des Ostsee-Magdaléniens – in Kontakt standen und im Mesolithikum nur eine einzige Welle der mit dieser verwandten Maglemose-Kultur auftrat (die, wie bereits erwähnt, bei der Entstehung der mikrolithisch-makrolithischen Kultur und der Kunda-Kultur eine Hauptrolle spielte), lässt vermuten, dass zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Gästen besondere Beziehungen bestanden.
Wir neigen dazu, diese Beziehungen als die ältesten baltisch-thrakischen Beziehungen zu betrachten31, die bis in die ersten Jahrhunderte n. Chr. andauerten. Ihre Untersuchung ist jedoch Aufgabe einer gesonderten Studie und nicht Gegenstand einer Rezension von B. Laumanes Buch.
Hier kommen wir lediglich auf die zu Beginn der Rezension erwähnte Hypothese von P. Thimme zurück. Offenbar hatten die Indoeuropäer, nachdem sie Kleinasien verlassen hatten, schon seit sehr früher Zeit keine gemeinsame Heimat mehr.
24 Außerdem siehe Лаумане—Непокупный, — Baltistica, S. 76.
25 Siehe z. B. Лаумане—Непокупный, — Baltistica, S. 70—71.
26 Римантене ПМЛ 118—125, 174—175, 196; Rimantienė PLG 57—65; 95.
27 Римантене ПМЛ 174—175, 196.
28 Rimantienė PLG 63.
29 Ebenda, S. 95.
30 Ebenda, S. 95; siehe auch: S. 30—39.
31 Die baltischen und thrakischen Begriffe sind hier relativ: Als baltisch bezeichnen wir das nördliche baltisch-thrakische (oder baltische im weiteren Sinne) Sprachgebiet, als thrakisch das südliche.
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Page 6Aber die Kontakte brachen nicht ab. Offenbar verbreitete sich der Name lašišos aus dem Baltikum in jene indogermanischen Sprachen, die ihre alte Verwandtschaft noch nicht vergessen hatten und weiterhin miteinander in Kontakt standen.
Die Monografie von B. Laumane ist ein bedeutender Erfolg der baltischen Sprachwissenschaft. Kaum kann man es als einen auch nur etwas größeren Mangel ansehen, dass der Einfluss des Baltischen auf die Nachbarsprachen unzureichend berücksichtigt wird. Schließlich gibt es vergleichsweise noch wenige Arbeiten, in denen der baltische Einfluss auf die Nachbarsprachen besser erklärt wird.
V. Rimša
K. DRAŠUTAVIČIUS’ (DRAŠUTIS’) TERMINOLOGISCHE WÖRTERBÜCHER UND LISTEN
Der bedeutende, bis heute jedoch weithin unbekannte Kultur-, Literatur- und Pressemitarbeiter der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, K. Drašutavičius, entfaltete auch auf dem Gebiet der Lexikografie und Terminologie eine vielfältige Tätigkeit. In seinem umfangreichen handschriftlichen Nachlass1 wurden 13 terminologische Wörterbücher und Listen gefunden.
Bei der Ausarbeitung von Lehrplänen und Fragen für Lehrbücher der Naturwissenschaften (Botanik, Zoologie, Parasitologie u. a.), der Geografie, Geschichte, Literatur und anderer Fächer (für eine mehrteilige „Chrestomathie“), beim Zusammentragen von Material dafür, beim Verfassen einzelner Abschnitte und Übersetzen verschiedener Texte aus dem Polnischen, Russischen und Deutschen sowie beim Anfertigen ihrer Zusammenfassungen musste K. Drašutavičius mit dem Mangel an litauischer Terminologie konfrontiert sein, in verschiedenen Quellen nach ihr suchen und terminologische Wörterbücher und Listen für unterschiedliche Fachgebiete zusammenstellen.
1. Terminologische Wörterbücher und Listen der Botanik
K. Drašutavičius suchte, sammelte und verzeichnete vor allem naturwissenschaftliche, insbesondere botanische Terminologie.
Wie aus den ausgearbeiteten Lehrplänen hervorgeht (F₁ – 2453, 2468, 2489, 2547) und die Hauslehrerin J. Juškytė in ihren Erinnerungen berichtet, dachte K. Drašutavičius an die Zusammenstellung einer mehrteiligen „Chrestomathie“ (genauer gesagt: von Lehrbüchern), von denen eines älteren Kindern grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse vermitteln sollte2.
Aus dem Prospekt „Lehrpläne für den zweiten Teil“ (F₁ – 2489) geht hervor, dass in diesem naturwissenschaftlichen Grundkurs von Haustieren, Nagetieren, Fischen, Käfern, Bäumen u. a. die Rede sein sollte. J. Juškytė sollte den Grundkurs verfassen3, doch auch K. Drašutavičius selbst wirkte daran mit, denn von ihm stammen die Artikel „Würmer“ (F₁ – 2493), „Pflanzen ohne Samen“ (F₁ – 2492), „Pflanzen im Meer“ (F₁ – 2941), „Käfer“ (F₁ – 2490), „Fische“ (F₁ – 2488) u. a.
Hier ein kleiner Auszug aus dem Artikel „Pflanzen ohne Samen“: „Alle Pflanzen, die wir kennengelernt haben, tragen Blüten; aus den Blüten entstehen Früchte, und in der Frucht findet sich stets
1 Er wird im Institut für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR aufbewahrt (F₁ – 2324–2560, insgesamt 230 Mappen mit mehr als 6400 handschriftlichen Seiten unterschiedlicher Formate).
2 Mūsų senovė, Bd. II, Nr. 4(9), 1939, S. 11–614.
3 Ebenda, S. 611.
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