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LIETUVIŲ LEKSIKOS IR TERMINOLOGIJOS PROBLEMOS

LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXIX (1991)

STASYS KEINYS

„WÖRTERBUCH DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN SPRACHE“ UND SPRACHNORMIERUNG

Die Zeit ist gegenwärtig, die Zeit war vergangen; wahrscheinlich liegt sie in der Zukunft, so wie diese in der Vergangenheit verborgen liegt.

T. S. Eliotas

1. Das „Wörterbuch der gegenwärtigen litauischen Sprache“ (im Folgenden DŽ) ist das erste normierende, erklärende und universell angelegte Wörterbuch der litauischen Sprache. Hinsichtlich seines Zwecks und Umfangs entspricht dieses Wörterbuch den entsprechenden weithin bekannten und sehr beliebten einbändigen Wörterbüchern anderer Sprachen. Auch seine beiden Ausgaben wurden unter Berücksichtigung ähnlicher Wörterbücher anderer Sprachen erarbeitet, von denen man gelernt hat. Das ist in der Einleitung zur zweiten Ausgabe knapp formuliert: „Zur Erklärung von Fachbegriffen und einigen allgemeinen Begriffen wurden auch die neuesten erklärenden Wörterbücher der russischen, polnischen, deutschen, englischen u. a. Sprachen herangezogen“ (DŽ, 2. Ausgabe, S. XXII). Ähnlichkeiten bestehen nicht nur bei einem Teil der Bedeutungserklärungen, sondern auch im Aufbau des Wörterbuchs. Daher entspringen die gelegentlich zu hörenden Versuche, irgendwelche Oxfords, Larousse- und Ozhegov-Wörterbücher (weithin bekannte Wörterbücher dieser Art des Englischen, Französischen und Russischen) dem DŽ gegenüberzustellen, jene ausschließlich zu loben und unser eigenes ganz und gar zu verdammen, wohl eher dem Wunsch, den Streit zu verschärfen, als einer auf unparteiischer Analyse beruhenden Überzeugung. Natürlich kann man auch bestimmte Unterschiede zwischen diesen Wörterbüchern (jedem einzelnen von ihnen, im Vergleich untereinander) nicht übersehen. Es ist sehr wichtig, nicht zu vergessen, dass die berühmtesten einbändigen Wörterbücher anderer Sprachen schon länger und viel häufiger erscheinen, ihre Tradition in der Wörterbucharbeit also ausgeprägter ist. Schließlich wird ihrer Erarbeitung auch viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Das DŽ hat bis heute keine eigene Abteilung für Lexikografie; es gibt nicht einmal eine Person, die sich ständig um dieses Wörterbuch kümmert (obwohl seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe bereits 35 Jahre vergangen sind). Deshalb wird die Arbeit am DŽ neben anderen (gewöhnlich vorrangigen) Aufgaben nur sporadisch aufgenommen und muss sehr hastig erledigt werden (wodurch ließe sich sonst erklären, dass in der zweiten Ausgabe zahlreiche lexikografische Redaktionsmängel geblieben sind?).

Das DŽ wurde von den bedeutendsten litauischen Lexikografen J. Balčikonis, N. Grigas, J. Kruopas, A. Lyberis, J. Paulauskas, K. Ulvydas u. a. erarbeitet, redigiert und überarbeitet. Auf die eine oder andere Weise haben die meisten Redakteure und Verfasser des großen „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ (im Folgenden LKŽ) an den ersten beiden Ausgaben dieses Wörterbuchs mitgewirkt. Außerdem muss man bedenken, dass das DŽ nicht aus dem LKŽ hervorgegangen ist. Denn 1954, als die erste Ausgabe des DŽ erschien, waren vom LKŽ erst zwei von J. Balčikonis redigierte Bände veröffentlicht, und 1972 (im Jahr des Erscheinens der zweiten DŽ-Ausgabe) waren es 8 LKŽ-Bände (bis zum Buchstaben P) von den geplanten 20 Bänden. Die Herausgeber der dritten Ausgabe konnten sich auf 14 LKŽ-Bände stützen.

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Es liegt auf der Hand, dass die veröffentlichten Bände des LKŽ für die Herausgeber neuer DŽ-Ausgaben eine äußerst wichtige Grundlage bilden und dabei helfen, die Darstellung und Auswahl der Wörter zu präzisieren. Das allein reicht jedoch nicht aus. Das DŽ muss enger mit dem neuesten Sprachgebrauch verbunden sein, den Kern des Wortschatzes verschiedener Fachgebiete umfassen und den Veränderungen in Wissenschaft, Technik, Kultur und allen anderen Bereichen des nationalen Lebens Rechnung tragen. Deshalb hat sich die Redaktion des DŽ umfassend mit Fachleuten aus verschiedenen Gebieten beraten. Zu diesen Beratern gehörten der Physiker, Akademiemitglied P. Brazdžiūnas, der Jurist und korrespondierende MA-Mitglied J. Bulavas, der Chemiker, Professor K. Daukšas, der Botaniker und korrespondierende MA-Mitglied J. Dagys, der Geograf und korrespondierende MA-Mitglied V. Gudelis, der Historiker und Akademiemitglied J. Jurginis, der Literaturhistoriker und Akademiemitglied K. Korsakas, der Militärfachmann, Oberst Vl. Lunia, der Mediziner, Professor S. Biziulevičius, der Ingenieur, Professor A. Novodvorskis, der Astronom und Akademiemitglied P. Slavėnas, der Mathematiker und Dozent G. Žilinskas u. a. Die meisten dieser bedeutenden litauischen Fachleute haben sich große Verdienste um die litauische Sprache erworben, denn sie haben viel zur Schaffung und Pflege der litauischen Terminologie beigetragen und ihre wissenschaftlichen, Lehr- und populärwissenschaftlichen Arbeiten überwiegend auf Litauisch veröffentlicht – was sich leider von einem großen Teil der Wissenschaftler und anderen Fachleute der mittleren und jüngeren Generation nicht mehr sagen lässt. Somit entsprach das wissenschaftliche Niveau der ersten beiden Wörterbuchausgaben bei den Erklärungen von Fachbegriffen dem besten Stand der litauischen Wissenschaft. Natürlich verändert sich alles, daher müssen einige dieser Erklärungen überarbeitet werden. Doch den gelegentlich geäußerten Behauptungen einzelner Wissenschaftler oder Lehrender, das DŽ sei terminologisch hoffnungslos veraltet, kann man nicht zustimmen. Solche Ansichten zeigen lediglich, dass ein Teil unserer Intellektuellen nicht recht versteht, wonach man in einem bestimmten Wörterbuch suchen sollte. Das DŽ ist weder ein Fachwörterbuch noch ein Terminologiewörterbuch. Es ist ein breit angelegtes philologisches Wörterbuch. Weder habe ich je gesehen noch gehört, dass Wörterbücher dieser Art für die breitesten Bevölkerungsschichten und nicht für Fachleute bestimmt wären und Fachbegriffe ausführlich erläuterten, bis hin zur Darstellung unterschiedlicher Auffassungen verschiedener wissenschaftlicher Richtungen und Schulen. Das wird übrigens meist nicht einmal in Terminologiewörterbüchern getan.

Das DŽ baut auf der langen Erfahrung der litauischen Lexikografie und Sprachnormierung auf. Besonders gut spiegelt es die normierende Tätigkeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider – die Empfehlungen und Korrekturen von K. Būga, J. Jablonskis und „Gimtoji kalba“ (das Wörterbuch wurde kurz nach dem Krieg erarbeitet). Neue Ausgaben müssen selbstverständlich auch mit den Sprachnormierungsarbeiten der letzten Jahrzehnte abgestimmt werden: mit neuen umfassenden Arbeiten zur litauischen Grammatik (die zweite DŽ-Ausgabe war nicht einmal konsequent mit den Bänden I und II der akademischen „Litauischen Grammatik“ abgestimmt), mit den nach der zweiten DŽ-Ausgabe veröffentlichten „Hinweisen zur Sprachpraxis“, mit Untersuchungen zum Erbe der Sprachnormierung und mit anderen wichtigen Arbeiten, darunter solchen, die in den Publikationen „Kalbos kultūra“ und „Mūsų kalba“ veröffentlicht wurden.

Selbst die Normierer betrachten Sprachnormen keineswegs einheitlich. Einige sind streng und bemühen sich, möglichst alles zu kodifizieren und feste Regeln aufzustellen; andere sind maßvoller und lassen den Sprachbenutzern mehr Freiheit. Jeder, der auch nur etwas mehr im DŽ geblättert hat, wird leicht bemerkt haben, dass dieses Wörterbuch eine vergleichsweise liberale Haltung gegenüber Normen widerspiegelt. Übrigens hat ein solcher Liberalismus in unserer Sprachwissenschaft Tradition – er kennzeichnet die erwähnten Sprachwissenschaftler der Vorkriegszeit sowie teilweise auch einen der Initiatoren des DŽ und zweifellos den bedeutendsten litauischen Lexikografen dieses Jahrhunderts, J. Balčikonis. Wegen dieses Liberalismus wurde und wird das DŽ bisweilen von einigen, insbesondere radikaleren

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Sprachwissenschaftler und neue Fehlersucher. Hier muss gesagt werden, dass jene in wohl jeder erdenklichen Weise verbreiteten Tadel – schriftlich wie mündlich, an Hochschulen wie auch bei verschiedenen Begegnungen mit der Öffentlichkeit – unserer Sprachkultur geschadet haben. Viele, sogar Lehrkräfte für Litauisch, waren nicht daran gewöhnt worden, ständig aus diesem Wörterbuch zu lernen, denn es gab Dozenten, die eine negative Einstellung ihm gegenüber vermittelten. Somit wurde solchen Lehrkräften ein ständiger und, im Grunde genommen, zuverlässiger Ratgeber genommen (der selbstverständlich gewisse Mängel aufweist). Wie man es auch sehen mag: Das DŽ ist jedenfalls kein Fehlerwörterbuch. Und falsche Angaben gibt es in diesem Wörterbuch vergleichsweise wenige. Nicht weniger davon findet man auch in vielen anderen Publikationen zu Fragen der Sprachkultur und Sprachnormierung. Es ist selbstverständlich, dass Fehler in Publikationen dieser Art, besonders in grundlegenden Werken, weder entschuldigt noch gerechtfertigt werden können. Das veranlasst uns erneut zu der Forderung, die bisherige Praxis bei der Erstellung dieses Wörterbuchs – neben anderen Arbeiten und unter ständigem Zeitdruck – unverzüglich zu beenden, denn diese Frage betrifft nicht allein Sprachwissenschaftler. Das DŽ wird vom ganzen Volk benötigt; folglich ist dieses Wörterbuch, ebenso wie das LKŽ (jedes an seinem Platz), ein Prestigeprojekt der litauischen Sprachwissenschaft.

2. Das DŽ wurde als Wörterbuch der litauischen Sprache erstellt und muss auch weiterhin als solches bearbeitet werden. Es enthält einen reichen Schatz an Volkssprache, Folklore und schöngeistiger Literatur (insbesondere der Klassiker), doch auch die Lexik aus Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichem Leben wird berücksichtigt. Ethnografismen und spezifische Wörter aus allen Regionen Litauens wurden im Wörterbuch weder vermieden noch sollten sie vermieden werden, insbesondere solche, die in unserer klassischen Literatur verwendet werden. In dieser Hinsicht erscheinen die Einwände einiger Sprachwissenschaftler, im Wörterbuch gebe es zu viele Dialektwörter, nicht ganz überzeugend. Man muss sich ansehen, um welche Dialektwörter es sich handelt. Die meisten dieser Wörter wurden von S. Daukantas, M. Valančius, A. Baranauskas, Žemaitė, Lazdynų Pelėda, V. Kudirka, Vaižgantas, Krėvė, Vienuolis, P. Cvirka und anderen unserer Schriftsteller verwendet. Solche Wörter in das DŽ aufzunehmen, erscheint nicht nur gerechtfertigt oder wünschenswert, sondern schlicht notwendig. Schließlich gibt es kein anderes allgemein zugängliches (und für alle bestimmtes!) Wörterbuch, in dem Leser dieser Werke solche Wörter finden könnten. Es wäre naiv, den Lesern in jedem Fall zur Benutzung des LKŽ zu raten oder sie gar auf die Wörterbücher zu den Werken dieser Schriftsteller zu verweisen (von denen es übrigens so gut wie keine gibt). Diese Wörterbücher werden gewiss von Fachphilologen benutzt; man kann sich wünschen oder vielleicht sogar fordern, dass Sprach- und Literaturlehrer sie zu Rate ziehen, doch sollte man nicht erwarten, dass sie jedem Gebildeten, Studierenden oder Schüler, dem sogenannten „Massen“-Sprachnutzer, leicht zugänglich sind. In dieser Hinsicht erfüllt das DŽ also die Rolle eines Schlüssels zur Kultur des Volkes.

Diese Rolle als Schlüssel zur Kultur des Volkes muss zumindest vorerst bestehen bleiben, solange es keine vielfältigeren, spezialisierten Wörterbücher der litauischen Sprache gibt. Damit trägt das DŽ übrigens auch zur sprachlichen Bildung und Entwicklung der Gesellschaft bei. Eine solche positive Sprachbildung scheint wesentlich wichtiger und wirksamer zu sein als eine negative Sprachbildung, das heißt das ständige Korrigieren von Fehlern.

Wenn von den sogenannten Dialektwörtern im DŽ die Rede ist, muss noch ein weiterer Umstand berücksichtigt werden. Neben einem allen Litauern gemeinsamen Wortschatz (auch hier kann es morphologische, Akzentuierungs- und andere Varianten geben) verfügen Sprecher der Literatursprache über einen gewissen Teil an Wörtern, die nur für Menschen charakteristisch sind, die aus diesem oder jenem Gebiet stammen. Dieses Gebiet kann mit Dialekten übereinstimmen, ist aber meist kleiner (Unterdialekte, Mundarten, Sprechweisen oder noch kleineren Einheiten nach) und offenbar seltener größer.

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Übrigens halten sich Wörter oft nicht innerhalb der Grenzen der nach Lautmerkmalen unterschiedenen Dialektgebiete; ihre Verbreitungsgrenzen verlaufen etwas anders. Jeder, der seine Muttersprache auf natürliche Weise erlernt hat, verwendet solche regionalen Wörter, besonders diejenigen, die in einer lebendigen (vor allem dialektalen) Sprachumgebung aufgewachsen sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Wörter kein Bestandteil der Literatursprache wären. Der größte Teil des Wortschatzes ist nicht allen Sprachnutzern bekannt – abgesehen von der erwähnten territorialen Besonderheit unterscheidet er sich auch in anderer Hinsicht, besonders deutlich etwa in beruflicher Hinsicht. Daher geht es hier häufig nicht um die Frage, ob ein Wort der Literatursprache angehört oder nicht, sondern darum, ob es in einem größeren oder kleineren Gebiet verwendet wird. Im DŽ wurde auf eng begrenzt verwendete Wörter verzichtet. Die Kennzeichnungen im DŽ dz. (dzūkisch), ryt. (ostaukštaitisch), tarm. (dialektal), vak. (westaukštaitisch), žem. (žemaitisch) sowie die in der dritten Ausgabe hinzugefügte Kennzeichnung aukšt. (aukštaitisch) sollten daher nicht wörtlich verstanden werden, das heißt, die damit gekennzeichneten Wörter sollten nicht als vollständig dialektal gelten. Plausibler erscheint es, solche Wörter als Wörter der Literatursprache anzusehen, die in einem begrenzteren Gebiet verwendet werden (sie sind für einen bestimmten Verwendungsraum der Literatursprache und die Sprache der aus diesem Gebiet stammenden Menschen charakteristisch). Eine solche Bewertung der ins DŽ aufgenommenen Wörter aus der Perspektive der Literatursprache schließt selbstverständlich nicht aus, dass dieselben Wörter beispielsweise aus dialektologischer Sicht, das heißt hinsichtlich der territorialen Verteilung der Dialektlexik, kategorischer beurteilt werden können (in einem solchen Fall unterscheidet sich allerdings meist zumindest etwas die lautliche Gestalt der betreffenden Wörter).

Der Wert des DŽ als Wörterbuch der litauischen Sprache hängt in hohem Maße davon ab, wie umfassend es die Gegenstände und Erscheinungen des materiellen und geistigen Lebens des Volkes, seine Bräuche sowie die Vergangenheit und Gegenwart des Staates und des Volkes widerspiegelt. Der größte Teil der ins DŽ aufgenommenen Wörter dient genau diesem Zweck. Diese Ausrichtung des Wörterbuchs muss weiter gestärkt werden. Besonders wichtig ist eine systematischere Darstellung der mit der Geschichte Litauens verbundenen Lexik (in den ersten Ausgaben des DŽ gibt es etliche Historismen dieser Art, doch fehlt auch vieles). In der dritten Ausgabe des DŽ wird ebenfalls versucht, die Bezeichnungen litauischer Pflanzen und Tiere sowie Wörter, die die litauische Landschaft widerspiegeln, systematischer darzustellen.

Die genannten lexikalischen Schichten prägen bis zu einem gewissen Grad die Eigenart des DŽ, machen dieses Wörterbuch aber nicht zu einem rein ethnografischen oder litauistischen Werk. Viele der zu diesen Schichten gehörenden Wörter bezeichnen Begriffe, die auch anderen Völkern eigen sind, und ebenso allgemeine Werte der Menschheit. Schließlich hat und hatte das litauische Volk gemeinsam mit anderen Völkern Anteil am gemeinsamen Prozess der Zivilisationsentwicklung. Daher bemüht sich das Wörterbuch, die verschiedensten Lebensbereiche der Menschen widerzuspiegeln.

3. Im DŽ sind umfangreiche und vielseitige, im Wesentlichen sämtliche grundlegenden Informationen zu jedem Stichwort zusammengetragen. Die normierende Funktion dieses Wörterbuchs erstreckt sich daher auf alle Sprachebenen, mit denen das Wort als Gegenstand der Lexikografie verbunden ist. Das DŽ gibt Normen für Rechtschreibung, Akzentuierung, Flexion (Morphologie), Bedeutungen (Semantik) und Gebrauch (Syntax und Stilistik) sowie teilweise auch für die Aussprache an; außerdem spiegelt es die Wortbildungsnormen wider.

Für den durchschnittlichen Sprachnutzer – sei es ein Gebildeter, ein Fachmann aus irgendeinem Bereich, ein Studierender oder ein Schüler – sollten die vom Wörterbuch bereitgestellten Informationen völlig ausreichen. Fachleute wünschen sich zwar gelegentlich, dass die Lexik eines bestimmten Fachgebiets im Wörterbuch ausführlicher dargestellt wird. Doch allen ist klar, dass man den Umfang des Wörterbuchs grundsätzlich nicht erweitern kann, ohne das Wör-

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Bei einem solchen Umfang ist das unmöglich. Fachwörterbücher kann das DŽ weder ersetzen noch überflüssig machen. Das DŽ ist und muss zumindest vorerst das grundlegende und wichtigste, aber nicht das einzige normierende Wörterbuch der litauischen Sprache bleiben.

Etwas mehr Wünsche hinsichtlich des Informationsgehalts des DŽ (insbesondere hinsichtlich der Berücksichtigung von Verbindungen zwischen Wörtern) haben diejenigen, die mit Sprache ihr Brot verdienen. Dazu gehören verschiedene Redakteure, sogenannte Stilisten und Sprachkorrektoren. Doch ist dies eine spezielle und vergleichsweise kleine Nutzergruppe des Wörterbuchs (zumindest zurzeit). Die Informationsbedürfnisse all dieser Menschen kann ein allgemeines philologisches Wörterbuch wohl grundsätzlich nicht erfüllen. Den weitreichendsten Bedürfnissen sollten in Wahrheit das LKŽ und verschiedene Fachwörterbücher gerecht werden. So sollten etwa Wortverbindungen ausführlich in einem Valenzwörterbuch dargestellt werden (ein solches Verbenwörterbuch wird derzeit verfasst). Außerdem wäre es gut, Wörterbücher vom Typ des DŽ für verschiedene Nutzergruppen zu haben, zum Beispiel für Kinder, Schüler, Studenten, Arbeiter, Intellektuelle, Angestellte usw. In einigen anderen Ländern wird dies auch so gehandhabt. In Litauen wird man solche Wörterbücher leider nicht so bald herstellen, obwohl das eine oder andere in Vorbereitung ist. Somit wird das universelle DŽ zumindest in nächster Zukunft im Wesentlichen das einzige litauische Wörterbuch dieser Art bleiben. Doch schon jetzt muss die Erstellung normierender Wörterbücher ausgeweitet werden. Im Forschungszentrum für litauische Sprache muss endlich eine Abteilung für normierende Lexikografie eingerichtet werden. Die Gesellschaft wartet schließlich nicht nur sehnsüchtig auf normierende Wörterbücher und Wörterbüchlein unterschiedlichen Zwecks und Umfangs. Auch ein mehrbändiges normierendes Bedeutungswörterbuch der Literatursprache wäre unbedingt erforderlich, doch, so scheint es, plant bislang niemand ein solches Vorhaben.

Das DŽ ist ein normierendes Wörterbuch nicht für Sprachwissenschaftler, sondern, wie gesagt, für breitere Kreise der Nutzer der litauischen Sprache. Außerdem ist es ein einbändiges Wörterbuch (auch wenn der Band umfangreich ist). Daher wurde darin eine Auswahl getroffen – bei Wörtern ebenso wie bei Bedeutungen und beim Sprachgebrauch. Eine solche Auswahl wird man zweifellos fortwährend vornehmen müssen, solange dieses Wörterbuch erscheint: manches streichen, anderes ergänzen und wieder anderes korrigieren. Der Hauptbestand an Wörtern wird jedoch in allen Ausgaben des Wörterbuchs erhalten bleiben.

4. Das DŽ hat bereits eine bedeutende Rolle bei der Stabilisierung der Normen gespielt. Von der ersten Ausgabe wurden 20.000 Exemplare gedruckt (ebenso viele wie vom „Wörterbuch der litauischen Rechtschreibung“ von 1948), die Auflage der zweiten Ausgabe betrug bereits 50.000 Exemplare. Zu jener Zeit (1972) erreichten selbst populäre Romane nur selten eine solche Auflage. Gemessen an seiner Verbreitung ist das DŽ wohl das am weitesten verbreitete litauische Wörterbuch, abgesehen natürlich vom schulischen Rechtschreibwörterbuch und vom „Wörterbuch der Internationalismen“, das 1985 in einer Auflage von 100.000 Exemplaren erschien – ein Rekord in der Geschichte litauischer Wörterbücher.

Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass sich seit dem Erscheinen des DŽ alle bedeutenden normierenden Arbeiten zur litauischen Sprache auf die Empfehlungen dieses Wörterbuchs stützen. Es gibt zwar Einwände, doch sind es nicht so viele, dass sie Anlass gäben, die normierende Bedeutung des Wörterbuchs grundsätzlich infrage zu stellen. Seit vier Jahrzehnten orientiert man sich in Verlagen an den Empfehlungen des DŽ; Mitarbeiter von Presse, Rundfunk und Fernsehen nutzen es, und auf diesen Empfehlungen beruht der Unterricht in der heutigen litauischen Literatursprache an Schulen aller Art. Da im DŽ die Erfahrungen mit der Normalisierung der litauischen Sprache gesammelt und zusammengefasst werden und dieses Wörterbuch die Grundlage für weitere Normalisierungsarbeit und die Vermittlung der Normen bildet, kann man mit gutem Grund behaupten, dass das DŽ ein grundlegendes Werk zur Normalisierung der litauischen Sprache ist.

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Jedes Wörterbuch hält den Stand der Normalisierung im Jahr seiner Ausgabe fest (genauer gesagt: im Jahr seiner Erarbeitung, denn auch die Veröffentlichung kann mitunter lange dauern). Normen werden präzisiert, manchmal auch geändert. Daher altern Wörterbücher, selbstverständlich auch das DŽ. So wurden nach 1972, als die zweite Ausgabe des DŽ erschien, einige Einzelormen insbesondere in den 1976 und 1985 veröffentlichten „Hinweisen zur Sprachpraxis“ sowie in der 1976 erschienenen „Litauischen Rechtschreibung und Zeichensetzung“ angepasst. Da diese Publikationen unmittelbar nach der zweiten Ausgabe des DŽ erschienen, ist es verständlich, dass manche Empfehlungen des DŽ nahezu sofort überprüft und korrigiert werden mussten. Das ist schlecht, zumal der Abstand zwischen den DŽ-Ausgaben viel zu groß ist – etwa zwei Jahrzehnte. Solche plötzlichen Widersprüche bei den Normen muss man vermeiden, wenn man die Kultur der Muttersprache wirksam und einheitlich verbessern will. Wie lässt sich das vermeiden?

Vor allem muss das DŽ viel häufiger erscheinen. Im schlimmsten Fall sollte eine neue Ausgabe des Wörterbuchs nicht später als nach zehn Jahren herauskommen; anzustreben ist jedoch ein Erscheinungsrhythmus von fünf Jahren. Unter den Bedingungen unseres Landes erscheint ein Zeitraum von fünf Jahren zwischen den Wörterbuchausgaben durchaus angemessen.

Zweitens sollten größere Präzisierungen oder Änderungen der Normen mit der Vorbereitung einer neuen DŽ-Ausgabe abgestimmt werden. Die Lage, die in den ersten Jahren nach der zweiten Ausgabe des DŽ entstand, schadete der Vermittlung der Sprachnormen, der Sprachpflege und schließlich auch dem Ansehen der Sprachpfleger selbst sowie dem Prestige der Normalisierung. Denn das eben erschienene umfangreichste grundlegende normierende Werk geriet gleichsam in den Schatten (wenn nicht noch schlimmer), weil ein Teil seiner Empfehlungen in anderen Arbeiten verworfen oder infrage gestellt wurde. Der Fairness halber muss man sagen, dass dieser verworfene oder infrage gestellte Teil im Verhältnis zum Umfang der im DŽ enthaltenen Informationen recht klein war. Dennoch brachte dies den Nutzern des Wörterbuchs zweifellos gewisse Unannehmlichkeiten; bei einem Teil von ihnen (insbesondere bei den sprachlich weniger versierten) konnte es auch Zweifel daran wecken, ob man diesem Wörterbuch überhaupt vertrauen kann. Das ist nicht gut. Bei normaler Betrachtung sind schließlich alle übrigen normierenden Wörterbücher und Wörterbüchlein – zu Rechtschreibung und Akzentuierung, Aussprache, Fehlern, Wortverbindungen usw. – lediglich Begleiter des DŽ. Die Rolle all dieser Wörterbücher und Wörterbüchlein ist im Vergleich zum DŽ eine unterstützende. Sie sollten daher nicht mit dem DŽ in Konflikt geraten oder ihm entgegengesetzt werden. Das bedeutet nicht, dass in rein normierenden Wörterbüchern, Wörterbüchlein oder anderen Publikationen die Normen des DŽ nicht präzisiert oder, wenn es nötig wird, geändert werden dürfen. Solche Änderungen sollten jedoch nicht in Lehrwerken, Übersetzungswörterbüchern, verschiedenen Enzyklopädien, Nachschlagewerken und Ähnlichem vorgenommen werden.

5. Um die Kultur der litauischen Sprache wirklich zu verbessern, wirksam zu ihrer Pflege beizutragen und das Interesse der Gesellschaft an ihrer Sprache zu fördern, muss man an den Hochschulen allen künftigen Lehrkräften für Litauisch und andere Sprachen den Umgang mit dem DŽ und weiteren normierenden Sprachpublikationen vermitteln und zur Gewohnheit machen; auch den Studierenden aller anderen Fachrichtungen wäre dies dienlich. Alle Lehrkräfte für Litauisch sollten Schüler der höheren Klassen sowie Berufsschüler und Technikumsschüler dazu anhalten, das DŽ und andere für die Öffentlichkeit bestimmte Publikationen zur Sprachnormalisierung zu nutzen. Alle Lehrenden und Lehrkräfte sämtlicher Fächer sollten dieses Wörterbuch verwenden, um die Sprachkultur ihrer selbst sowie ihrer Studenten und Schüler zu fördern. Darüber hinaus sollte es neben dem DŽ und nicht als sein Gegenstück zahlreiche andere Wörterbücher, Wörterbüchlein, Grammatiken, Sammlungen von Sprachhinweisen und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen geben. Somit besteht die wichtigste Aufgabe bei der Vermittlung der litauischen Sprachnormen darin –

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… ist es, ein harmonisches System von Normalisierungswerken zu schaffen, die sowohl für die gesamte Öffentlichkeit als auch für einzelne ihrer Gruppen bestimmt sind. Das zentrale Werk dieses Systems muss der ständig verbesserte und überarbeitete „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ sein, der dem Stand der Theorie und Praxis der Normalisierung der Literatursprache entspricht1.

С. КЕЙНИС

„WÖRTERBUCH DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN SPRACHE“ UND SPRACHNORMIERUNG

Zusammenfassung

Der Artikel behandelt die normative Bedeutung des einbändigen universellen Bedeutungswörterbuchs der modernen litauischen Sprache „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ (1. Auflage – 1954, 2. Auflage – 1972) und beleuchtet Fragen zur Vorbereitung seiner Neuauflagen.

1Der Artikel basiert auf einem Vortrag, der am 13. Oktober 1988 auf der institutsübergreifenden wissenschaftlichen Konferenz „Verbesserung der Methodik des Studierendenunterrichts unter den Bedingungen der Umgestaltung der Hochschule“ gehalten wurde, die am Pädagogischen Institut Šiauliai stattfand.

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