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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVII (1997)

Danutė SABALIAUSKAITĖ – LIUTKEVIČIENĖ

BEZEICHNUNGEN FÜR DAS SAKKO IM LITAUISCHEN

Švarkas – „ein den Rumpf bedeckender Teil des Anzugs mit schließbaren Vorderkanten“. In Litauen, wie im Baltikum insgesamt, wurde es erst relativ spät Bestandteil der nationalen Kleidung. Frauenjäckchen wurden ab dem Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts getragen, als Westen aus der Mode kamen. Aus einem Oberkleidungsstück wurden sie zunehmend zu einem Unterkleidungsstück; ihre Funktionen übernahmen gerade die Jäckchen. Sie verbreiteten sich in ganz Litauen (Mastonytė 1961: 173; Kulikauskienė 1990: 263).

Das Sakko wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts Bestandteil des Männeranzugs (in einigen Gegenden Litauens etwas später). Bis dahin war der beliebteste Kleidungsgegenstand für diesen Zweck die sermėga, ein traditioneller Wollmantel (At Pr 109). Mitunter ist es recht schwierig, die Funktionen von Kleidungsstücken vom Sakko-Typ einerseits und vom sermėga- oder Manteltyp andererseits auseinanderzuhalten: Im Sommer wird das Sakko schließlich zum Oberkleidungsstück, während man im Herbst oder Winter wärmere Kleidung darüber zieht; dann ist es nur noch ein „Hauskleidungsstück“. Außerdem erinnerten Sakkos anfangs auch im Schnitt an sermėga-Mäntel oder Mäntel: Oft waren sie lang und aus demselben Material wie die Oberkleidung genäht.

Diese Verflechtung der Funktionen spiegelt sich auch in den Bezeichnungen wider. In vielen Fällen wurden sie für Sakkos von Oberkleidungsstücken übernommen, z. B. sermegėlė, trinyčiai. Daher haben zahlreiche Wörter dieses Typs mehrere Bedeutungen, vgl. binžokas „kurzes Sakko; mit Walkstoff überzogener Pelzmantel“; paletõnas „Sakko; Mantel“; žipõnas „Sakko; halblanger Mantel“. Ähnliches gibt es nicht nur im Litauischen; vgl. die beiden Bedeutungen aufweisenden estnischen pihtsärk, lettischen svārki, französischen paletot.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich der europäische Anzug. Damals kamen Sakkos eines etwas anderen Typs auf, die aus den Städten aufs Land gelangten. Es gab sie in den verschiedensten Schnitten und für ganz unterschiedliche Zwecke; meist kamen sie mit ihren Bezeichnungen nach Litauen. Daher gibt es in dieser lexikalisch-semantischen Untergruppe so viele Lehnwörter.

Die heute gebräuchliche Hauptbezeichnung ist das standardsprachliche Wort švarkas. Es ist stilistisch und semantisch neutral. In den Mundarten von Vilnius und Utena kommt die Form švarkà vor (LKŽ XV 452). Die Žemaiten verwenden auch die Form šàrkas „ebd.“ sowie šàrkai, šarkai „sermėga; Kleidung; Kamisol“ (LKŽ XIV 517). In mehreren Wörterbüchern ist šàrfus belegt (N; KŽ; LKŽ XIV 519). K. Būga zufolge weisen die älteren Formen kein -v- auf. Die Formen mit -v- könnten unter dem Einfluss des Wortes švarùs entstanden sein, vgl. švarùs šàrkas (Būga II 314). Solche Dubletten mit und ohne -v- sind in den litauischen Mundarten recht häufig, vgl. svogūnas / sogūnas, kvõtas „Henker“ / kõtas, kuvõlas / kuõlas u. a. Das Wort švarkas wird ebenso wie sein lettisches Äquivalent svārks „ebd.“ mit dem Kirchenslawischen спака „Hemd; Kleidung“ und dem Russischen сорочка, dem Weißrussischen

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sorocka „ebd.“ in Verbindung gebracht. Es ist durchaus möglich, dass es sich um ein einheimisches, den baltischen und slawischen Sprachen gemeinsames Wort handelt. Einige Linguisten verbinden es mit der indogermanischen Wurzel *serk- „flechten“. Die Verbindung wäre demnach: Flechten > Weben > Kleidung (Karulis II 331). Anderen Linguisten zufolge könnte die Bezeichnung aus dem mittelalterlichen Lateinischen in die baltischen und slawischen Sprachen gelangt sein, vgl. lat. serica: sarica „Seide“ (Būga II 314; Fraenkel 1955–1965: 964, 1039; ME III 1144). Gegen diese Annahme spricht jedoch offenbar die recht deutliche Bedeutungsabweichung: Das baltische und slawische Wort hat nichts mit Seide zu tun (Fasmer III 724–5).

In der litauischen Schriftsprache erscheint die Form šafkai erstmals im 17. Jahrhundert in der Bedeutung „sermėga“ (C I 812). In der Bedeutung „Kamisol“ sowie „Staubmantel“ ist das Wort Anfang des 18. Jahrhunderts im sogenannten Krause-Wörterbuch belegt (Q 110, 413). Die Form švarkas wird in Schriftzeugnissen des 19. Jahrhunderts erwähnt (Mit I 235; J). Zweifellos muss sie schon wesentlich früher existiert haben; lett. svārki findet sich bereits in lettischen Wörterbüchern des 17. Jahrhunderts (Laumane 1986: 151).

Andere Bezeichnungen dieser lexikalisch-semantischen Untergruppe sind seltener und werden in einzelnen Mundarten oder Schriftzeugnissen verwendet. Es gibt sowohl einheimische Wörter als auch Lehnwörter.

BEZEICHNUNGEN LITAUISCHEN URSPRUNGS

Sie sind alle bereits konnotiert: semantisch oder stilistisch. Zu den semantisch konnotierten Bezeichnungen gehören die folgenden:

apsiaūstas „Herrenjacke“: apsiaūsti. In dieser Bedeutung wird das Wort in der Umgebung von Eržvilkas verwendet (Kulikauskienė 1970: 144). Die übliche Bedeutung ist „leichter Sommermantel aus dünnem Stoff; ein Kleidungsstück zum Umhängen“.

lietsvarkis „Regenjacke“: lietūs + švarkas. Belegt in der Schriftsprache des 20. Jh. (Šlč; J.Balt; LKŽ VII 447).

palaidinis, pālaidinis „Jäckchen, Jacke“: palaidas. Verwendet von den westlichen Hochlitauern des Kaunaser Gebiets (LKŽ IX 227). In der Standardsprache hat das Wort eine etwas andere Bedeutung – „langer und weiter Kittel von Ärzten, Verkäufern u. Ä.“ (DŽ₃ 486).

pūšsvar kis „kurze Jacke“: pūse + švarkas. Ein Wort der Standardsprache (DŽ₃ 635; LKŽ X 1067).

Eine ähnlich gebildete Bezeichnung gibt es auch im Lettischen, vgl. lett. pussvārks, pussvārcis „eine solche Jacke; halbe Hosen“ (EH II 335; At Pr 335).

šarkinikė „Jäckchen“: šārkas. Seltenes Wort (Kin; LKŽ XVI 518).

šimt akloštis, šimt akloštė „plissiertes Damenkleidungsstück (meist ein Rock oder Jäckchen)“: šimt akloštis, -ė „mit vielen Falten“ < šimtas + klōstė. Belegt in der Schriftsprache des 20. Jh. (S.Čiurl; Ndž; LKŽ XIV 815). In den Dialekten ist das Hybridwort šimt akvoldis häufiger.

trinyčiai, trinyčia, trinỹtis „Jacke aus grobem Leinen“: trinỹtis „fischgrätartig gewebter Stoff“, trinỹtas, -a „fischgrätartig gewebt“ < trỹs + nỹtys. Es sei darauf hingewiesen, dass die Hauptbedeutung dieses Wortes „ein Umhang aus dickem weißem Leinen (gewöhnlich ungefüttert), der zum Schutz vor Staub oder Feuchtigkeit über der Oberbekleidung getragen wird; ein grober Hirtenkittel“ ist. In der Bedeutung „Stoff“ wird das Wort (in der Singularform) sowohl im Litauischen als auch im Lettischen verwendet, vgl. lit. trinỹtis „fischgrätartig gewebter Stoff-

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„Tuch“, lett. trinitis „kariertes Gewebe“, lett. trinitė „ein solches Gewebe“. Lit. trinytis wird, wie sich aus dieser Bezeichnung erschließen lässt, mit drei Litzen gewebt; lett. trinītis kann jedoch auch mit vier gewebt werden (ME IV 237; Reķēna 1975: 391). Ähnlich verhielt es sich auch mit lit. trinyčiais. „Trinyčiai wurden aus grobem, ungebleichtem, mit vier Litzen gewebtem Garngewebe, Hanfgewebe, seltener Leinenstoff genäht“ (LEB 373).

Es ist ein altes Wort, das in litauischen Schriftdenkmälern seit dem späten 16. Jh. belegt ist (zunächst in der Bedeutung „Mantel“, später auch „Jacke“) (BB 1 Moz 3,21; BB Ez 26,16; BP II 104, 194; B 5; Q 202; K.Donel; R I 98; MŽ I 186; N; KB II 72; K I 307).

In der Bedeutung „Jacke“ wird das Wort in Suvalkija verwendet; es kommt auch in einigen anderen Gegenden Litauens vor und war in Kleinlitauen bekannt (Kulikau­skienė 1990: 256; LKŽ XVI 848, 853). In der Bedeutung „Mantel“ wurde es bis Anfang des 20. Jh. fast in ganz Litauen gebraucht, seltener in Žemaitija (LKŽ XVI 848, 853; Kulikauskienė 1990: 255; Kulikauskienė 1970: 144; At Pr 128). An manchen Orten konnte das Wort auch Pelzkleidung, ein Hemd oder Kleidung allgemein bezeichnen. Heute ist die Sache selbst verschwunden, daher wird auch die Bezeichnung in der lebendigen Sprache nur noch selten verwendet.

Das Wort wurde aus dem Litauischen von einigen slawischen Sprachen entlehnt, vgl. weißruss. трыніца „leichter, einer Bluse ähnlicher Mantel, den Bauern bei regnerischem Wetter über dem Mantel oder Pelz tragen“, трыніты „трынічай“, трынітны „aus trinyčis genäht, aus trinyčis (von Kleidungsstücken)“, poln. dial. trynica „grobes hausgemachtes Gewebe; Mantel aus grobem Gewebe, den Bauern über anderer Oberkleidung tragen“, trynitny „aus grobem hausgemachtem Gewebe“, trynit „ein solches Gewebe (trinytis)“, tr(z)ynitny „gerieben (von Hanf- und Hemdengewebe)“. Einige dieser Litauismen sind in den slawischen Sprachen bereits seit dem 17. Jh. belegt (Urbutis 1969: 154–5; Grinaveckienė 1995: 491; Zinkevičius I 265, II 129, III 119, 126; Laučiūtė 1982: 50).

trumpikė, trumpė „kurze Damenjacke“: trumpas „kurz“. Das Wort wird in der Gegend um Eržvilkas verwendet (Kulikau­skienė 1970: 146, LKŽ XVI 1022, 1024). Es kann auch eine kurze Damenbluse und (in der Form trumpikės) kurze Hosen bezeichnen.

Stilistisch konnotierte Bezeichnungen beziehen sich gewöhnlich auf irgendeine schlechte, abgetragene oder zerrissene Jacke. Diese Wörter können auch ein zusätzliches semantisches Merkmal aufweisen.

bizdė abwertend „kurze Jacke“. Wahrscheinlich ist das Wort mit anderen Wörtern derselben Wurzel verwandt, vgl. bizdė „Furz; Mädchen“, bizdas „Hintern“, bizdailis „jemand, der barfuß, halb nackt und ohne Hosen herumläuft“, bizdelioti abwertend „unnötig schnell herumrennen“ u. a. Seltenes Wort (Krt; LKŽ I, 862).

pliurponas „eine bestimmte Damenjacke“. Das Wort ist mit anderen Wörtern derselben Wurzel verwandt, vgl. pliurpuoti „seltsam und ungewohnt gekleidet gehen; sich hässlich, scheußlich kleiden“, pliurpa „jemand, der unordentlich, nachlässig ist; jemand mit leichtfertigem Verhalten; Dummkopf“. Vgl. auch: Wie eine pliurpa herausgeputzt, geht sie pliurpuodama umher (Jrb); In pliurponas herausgeputzt, geht sie pliurpuodama umher, d. h. sie geht (J). Die Bezeichnung findet sich in einigen Wörterbüchern (LKŽ X 274).

šikelis „kurzes Männerkleidungsstück, Jacke“. Wahrscheinlich ist das Wort mit šikė „Hintern“ verwandt. Vgl. Über den Hintern kommt ein palitokas (J) und Ein šikelis ist bis zum Nabel genäht, das heißt, ein Männerkleidungsstück (J). Seltene Bezeichnung (LKŽ XIV 757).

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šikšarkis „eine Art kurze Herren- oder Damenjacke“, vgl. šikti + šarkas. Kommt in einigen niederlitauischen Mundarten vor (LKŽ XIV 764).

šliurpis, šliurpōkas „abgetragene Jacke oder Mantel“. Die Herkunft ist nicht ganz klar. Vielleicht entstand die Bezeichnung aus šliūrpa „Revers, Umschlag“. Auch ein Zusammenhang mit anderen Wörtern der Wurzel šliur-, die eine negative Färbung haben, ist möglich; vgl. šliūrpa „Tölpel, nachlässiger Mensch“, šliurpsėti „schmatzen, schlabbern“ (z. B. šliurpsintis apavas), šliurnōti „schlecht und unordentlich gekleidet umhergehen, schlurfen“, šliūrna „nachlässiger Mensch“, šliūrti „schmutzig, unsauber werden“. Seltene Bezeichnung (Tl; LKŽ XV 6,7).

švarkiūkštis „schlechte Jacke“: švākas (LKŽ XV 453).

švārkpal aikis „schlechte, zerrissene Jacke“: švākas + pal aikis (LKŽ XV 453).

SLAVISCHE LEHNWÖRTER

POLONISMEN

gunčia, gunčėlė „Herrenjacke“, vgl. poln. gunia, guńka, gunieczka „warmes Oberkleid aus grobem Stoff“ (LKA I 145).

Švarko reikšmė labai retas (Kulik auskienė 1971: 167, 168). Dažniau šio žodžio variantai vartojami kitomis reikšmėmis: gūnià „apsiaustas nuo lietaus, pintas iš šiaudų, nešiojamas piem enukų, naktigonių“, gūnčė „milinis kelionės apsiaustas“, gūnčiai „ilgi aptraukti kailiniai“.

Die Bezeichnung findet sich in vielen slawischen Sprachen, vgl. weißruss. гун я „Decke für den Kutschensitz oder zum Bedecken eines Pferdes; großer warmer Schal“, russ. гун я „schlechtes Kleidungsstück“, ukrain. гун я „grober Wollmantel“, bulg. гуня „Umhang aus Ziegenwolle“ usw. Die weitere Etymologie des Wortes ist unklar; es gibt verschiedene Hypothesen, vgl. lat. gunna „Pelz“, kymr. gwn „Kleid“, avest. gaōna- „Haar, Farbe“, neupers. gūn „Farbe“ (Trubačev 7, 175–177; Fasmer I 475; EŠBM III 114; Sławski I 378). Im Polnischen kam das Wort im 15.–16. Jh. in Gebrauch (Borejszo 141). Ins Litauische gelangte es recht bald: Die Sache selbst wird bereits in den Inventaren Litauens des 16. Jh. erwähnt (LI 551[23]), und das Wort gūnià erscheint in der Schriftsprache des 17. Jh.; dort bezeichnet es eine Decke für den Kutschensitz oder zum Bedecken eines Pferdes (SD (1) 40, 57). Diese letztgenannte Bedeutung sowie „Strohmatte, die im Winter über ein Fenster oder eine Tür gehängt wird, damit es nicht kalt ist“ sind wesentlich häufiger als die Bedeutungen als Kleidungsstück.

jūpkis, jupkėlė „Jacke, Damenjacke“, vgl. poln. jupka < jupa „altmodisches Damenkleidungsstück, Jacke“. In die slawischen Sprachen gelangte die Bezeichnung aus dem Deutschen, vgl. dt. Joppe, Juppe „Jacke, Weste“. Die Deutschen entlehnten diese Kleidungsbezeichnung um 1200 aus dem Altitalienischen, vgl. ital. giuppa „Jacke; Unterkleid“, das seinerseits aus dem Arabischen übernommen worden war, vgl. arab. gubba „Oberkleid mit langen Ärmeln; Unterkleid aus Baumwolle“ (Brückner 1927: 209; Sławski I 591; Fasmer IV 525; Kluge 1957: 333; Pfeifer 1993: 599–600).

Kommt in der Šiauliai-Mundart vor (LKŽ IV 430). Vgl. ferner andere Kleidungsbezeichnungen derselben Wurzel, die über slawische Sprachen entlehnt wurden, vgl. jupà „eine Art Oberkleid; Kleid“, jūpikas, jūpik is „Rock“, und über das Deutsche, vgl. jöpe, jöpke, jöpa

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„kurze Damenjacke; Weste“, jūopa „kurze Jacke; Bluse“. Aus derselben Quelle stammen auch die über die Slawen entlehnten šūba „lange, mit Pelz gefütterte Pelzkleidung“ und žiponas „Jacke; Halbmantel“.

Deutschen Ursprungs sind lett. jupkins, jupks „Damenjacke“ (EH I 567). kaptanikas „Jacke“, vgl. poln. kaftanik „Blüschen“. Poln. kaftanik entstand im 16. Jh. aus kaftan „ein solches Obergewand“ (Borejszo 1990: 145). Die Bezeichnung ist auch in anderen slawischen Sprachen verbreitet, vgl. weißruss. кафтан, каптан, russ. кафтан, ukrain. кафтан, каптан, tschech. kaftan usw. Es handelt sich um ein recht altes Lehnwort (im Polnischen im 15. Jh., im Weißrussischen im 16. Jh. belegt). In die slawischen Sprachen gelangte es über das Türkische, vgl. türk. kaftan „ein solches langes, leichtes Kleidungsstück“, aus dem Persischen, vgl. pers. qaftān „ein solches Kleidungsstück“. In einige westeuropäische Sprachen könnte es auch über das Arabische gelangt sein, vgl. arab. qaftān (Sławski II 20; Borejszo 1990: 145; ESBM IV 314; Fasmer II 212; Machek 1968: 235; Dauzat 1954: 126; Kluge 1957: 338; Pfeifer 1993: 607–8; Klein 1966–1967: 81; Webster 1976: 155).

Lit. kaptanikas ist eine seltene Bezeichnung, die in Südlitauen vorkommt (LKŽ V 252). Weitaus häufiger ist kaptōnas „Wattierte Jacke, Halbmantel; grober Wollmantel, Mantel; Winterjacke“. Dieses Kleidungsstück wird in den Inventaren Litauens aus dem 16. Jh. erwähnt (LI 251[43]). In Schriftquellen ist es erstmals um 1620 belegt (SD (1)50). Es wird von den südlichen Aukštaiten verwendet, kommt aber auch in anderen litauischen Dialekten vor (DrskŽ 138; Kulikauskienė 1990: 256; LzŽ 107; Stravinskienė 1968: 157; LKŽ V 253; At Pr 51 žemėl.).

Das Lehnwort gibt es auch im Lettischen, vgl. lett. kaftāns „langer, altertümlicher Mantel“ (LLVV IV 81).

kuzijākas, kuzijōkas, kuziokas, kuzjakė „kurze Jacke oder Umhang“, vgl. poln. kozyjaka, kazyjaka, kazyaka „männliches Obergewand, das einer Weste ähnelt“. Im Polnischen verbreitete sich das Wort im 16. Jh. Unklar ist, über welche Sprache es ins Polnische gelangte, vgl. mittellat. casaca „ein solches Kleidungsstück“, franz. casaque „Umhang, Bluse“, ital. casacca „Umhang, Uniformrock“, span. casaca „Jacke“, mhd. kasugele, kasuckel „Chormantel“ (aus den romanischen Sprachen) (Sławski III 26–7, 36; Borejszo 1990: 147–8, 153).

Einigen Sprachwissenschaftlern zufolge könnte diese Bezeichnung aus dem Deutschen ins Litauische gelangt sein, vgl. lit. kūzas (< dt. dial. kus „schlechtes Kleidungsstück“, ostpreuß. dt. kuz „kurz, klein“) und lit. jākas (< dt. Jacke „kurze Jacke, Jacke“), vgl. auch dt. dial. koz jacke „Reiseumhang“ (Alminauskis I 77; Janavičienė 1992: 83).

Die Bezeichnung findet sich in den Schriften von D. Poška und in Wörterbüchern des 19. Jh. (N; K; K II 336; J). Sie wird von den westlichen und nördlichen Žemaiten aus Kretinga verwendet und kommt in den Varniškiai-Dialekten der südlichen Žemaiten vor (LKŽ VI 1017, 1018). Sie kann auch „Weste“ oder „Bluse“ bedeuten.

pancėrius „švarkas“, plg. lenk. pancerz „šarvas“ (Skardžius 1931: 155). Į lenkų kalbą žodis atėjo iš vokiečių kalbos, plg. vid.vok.a panzi(e)r, vok. Pancer „t.p.“, galėjo tarpininkauti čekų kalba, plg. s. ček. pancier, pancir „t.p.“ (Brückner

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1927: 393; Borejszo 1990: 166).

In der Bedeutung „Jacke“ ist das Wort selten (Dr; LKŽ IX 328). Im Übrigen bedeutet es auch im Litauischen „Rüstung“ und ist bereits in Schriftquellen des 16.–18. Jh. belegt (DP 553; ChB 304; Q 379).

spancerka, spancierka „Jacke“, vgl. poln. spencer, spencerka „Jacke“ (Fraenkel 1955–1965: 859; LKŽ IX 327, 328, XIII 317). Diese Bezeichnung gibt es auch im Russischen, vgl. russ. спенцер „eine solche Jacke“. In die slawischen Sprachen gelangte das Wort aus dem Englischen, Deutschen oder Französischen, vgl. engl. spencer, dt. Spencer, franz. spencer „eine bestimmte kurze Umhang- oder Jackenart“. Die Bezeichnung geht auf den Familiennamen des englischen Politikers Lord George John Spencer (1758–1834) zurück, der dieses Kleidungsstück gern trug. In den genannten Sprachen verbreitete sich die Bezeichnung vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jh. (Fasmer III 733; Brückner 1927: 508; Webster 1976: 1118; Klein 1966–1967: 1485; Kluge 1957: 724; Dauzat 1954: 680).

In der Bedeutung „Jacke“ wird das Wort im Litauischen recht selten verwendet und kommt im Dialekt der südlichen Aukštaiten vor. Häufiger bedeutet es „Weste“.

Auch die Letten kennen diese Bezeichnung, vgl. lett. spenceris „Weste; Jacke“. Von dort gelangte sie aus dem Deutschen (Sehwers 1953: 115, 207, 232; ME III 989; EH II 549).

šaračkinė, šaračkinukas (Hybridbildung) „Šaračkin-Jäckchen“, vgl. lit. šaračkinis, -ė „aus Šaračka-Stoff genäht“, šaračka „schlechter Hanfstoff für Hosen und Jacken, gestreifter Stoff“, aus poln. szaraczek „eine Art Wollstoff; schlechtes Kleid aus diesem Stoff“.

Kommt in litauischen Schrifttexten des 20. Jh. vor (V.Krev; NdŽ; LKŽ XIV 513).

WEISSRUSSIZMEN

kulikas „kurze Herbstjacke, Jäckchen“. Die Herkunft ist nicht ganz klar, doch vermutlich ist das Wort aus dem Weißrussischen entlehnt, vgl. weißruss. кулёк „Jacke aus selbstgewebtem Stoff“ (SBG II 564). Das Wort kommt im nördlichen Teil des Wilnaer Dialektgebiets vor (LKŽ VI 831). Vgl. ferner lett. kuļiks, kuļka „Herrenjacke“, preuß. kuļiks „Beutelchen, Säckchen“. Im Litauischen gibt es auch kulinė „Fausthandschuh (preußisch: Pelzhandschuh).“

sermegà „Jacke“, vgl. altweißruss. сермяга „bäuerliches Obergewand aus grobem Gewebe“ (Fraenkel 1955–1965: 777; Skardžius 1931: 196; LKA I 145). Die Bezeichnung ist auch in einigen anderen slawischen Sprachen verbreitet, vgl. poln. siermięga, russ. сермяга, ukrain. сермяга „ebd.“. Ein Wort unklarer Herkunft. Einige Linguisten versuchen, es mit lit. širmas in Verbindung zu bringen, andere mit dem mittellateinischen scaramangum oder griech. σκαραμαγιον „ein solches Kleidungsstück“; es gibt auch andere Hypothesen (Fasmer III 609; Borejszo 1990: 178).

In der Bedeutung „Jacke“ wird das Wort in den žemaitischen Dialekten verwendet (LKŽ XII 431–2). Viel häufiger bezeichnet es jedoch ein bestimmtes Obergewand aus Wolltuch, einen Wollmantel. In dieser Bedeutung ist die Bezeichnung in litauischen Schriftquellen seit dem XVI. Jahrhundert belegt (BB 1 Moz 3,21; BB Ez 26,16; BP II 194; SD(3) 402; Lex 71a; K.Donel; H; R 235, 241; MŽ; N; J).

šimtakyöldis, šimtaköldė, šimtaka dė (Hybridbildung) „gefältetes Frauenkleidungsstück, meist ein Rock oder Jäckchen, einhundert Falten“. Ein seltenes Wort, das in Schriftquellen des XX. Jahrhunderts vorkommt

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der litauischen Sprache (LKŽ XIV 815).

šúšpōnas „pušsvarkis“, plg. s. brus. жупань „švarkas; puspaltis“ (Grinaveckienė 1993: 176). Fonetiniai pakitimai galėjo atsirasti jau lietuvių kalbos dirvoje, plg. seksmė < sekmė (Zinkevičius 1966: 196). Lietuvių kalboje šia reikšme retas. Dažnesnis yra šūšpōnis „drobinis apsiaustas, paprastai velkamas ant kailinių“. Dar žr. žipōnas.

RUSSIZMEN

čepānas „Zipunjacke“. Ein Wort unklarer Herkunft. Möglicherweise kam es über das Russische, vgl. russ. dial. чапан, чепан „eine Art bäuerliches Obergewand“ (Dal’ IV 582, 589). Ins Russische gelangte das Wort aus den Turksprachen (Fasmer IV 315). Allerdings wird diese Bezeichnung in den östlichen russischen Dialekten verwendet. Eine andere Möglichkeit wäre, die Bezeichnung mit dem ganz andersstämmigen russ. чапан, weißruss. жупан, poln. żupan „ebd.“ in Verbindung zu bringen.

Im Litauischen ist es nur in Liedersammlungen des XIX. Jahrhunderts belegt (JR 58; JV 718; LKŽ II₂ 69).

frenčius, prenčius „militärisch geschnittene Jacke“, vgl. russ. френч „ebd.“. Das Wort findet sich auch in einigen anderen slawischen Sprachen, vgl. weißruss. фрэнч, poln. frencz „ebd.“. Diese Bezeichnung geht auf den Familiennamen des englischen Feldmarschalls des Ersten Weltkriegs, John Denton French, 1852–1925, zurück (Fasmer IV 207, Anmerkung von O. Trubatschow; TrpŽ (3) 169). In Litauen war diese Art Jacke, die zusammen mit ihrer Bezeichnung übernommen wurde, in den 1920er- und 1930er-Jahren besonders beliebt. Das Wort wurde vielerorts in Litauen verwendet, besonders in Suvalkija und Dzūkija (Kulik aukskienė 1970: 147; Kulikauskienė 1990: 256; Grinaveckienė 1993: 164; LKŽ II₂ 1184; Zinkevičius 1966: 151).

Aus den slawischen Sprachen gelangte die Bezeichnung auch ins Lettische, vgl. lett. standardspr. frencis, lett. dial. prencis, preņcs „ebd.“ (Reķēna 1975: 465; LLVV II 546).

kupāika „kurze Wolljacke, Bluse“, vgl. russ. umgangsspr. куфайка, фуфайка „wattierte Jacke“. Die Bezeichnung gibt es auch im Weißrussischen, vgl. куфайка „ebd.“. Ein Wort unklarer Herkunft (Fasmer IV 212; ĖSBM V 174). Im Litauischen selten (JD 108; LKŽ 919).

Skolinį turi ir latvių kalba, plg. lat. pupaika „t.p.“ (Reķēna 1975: 466).

livrėja, livrejā, livrejā „bestimmte Uniformjacke für Schweizer oder Butler“, vgl. russ. ливрея „ebd.“. Ins Russische gelangte das Wort aus dem Französischen, vgl. franz. livrée „ebd.“, altfranz. livree „Kleidung, die die Herrschaft ihren Dienern gab (aushändigte)“ < franz. livrer „aushändigen, liefern“. Dies ist eine Nebenform des Verbs libérer „befreien“. Weiter wird es auf lat. liberāre „ebd.“, liber „frei“ zurückgeführt (Fasmer II 492; Klein 1966–1967: 899; Dauzat 1954: 440).

Kommt in der Schriftsprache vor (NdŽ; LKŽ VII 632; TrpŽ (3) 293).

Das Wort ist auch in einigen weiteren Sprachen verbreitet; außer den bereits genannten vgl. noch lett. livreja, engl. livery, dt. Livree „ebd.“.

mundiera, mundierā, mundiērius, mandierā, manderā, mundyras, mundyrius „Uniformjacke eines Soldaten oder sonstigen Bediensteten“, vgl. russ. мундир, russ. dial. мундер „ebd.“ (Fraenkel 1955–1965: 405). Das Wort gelangte im XVIII. Jahrhundert ins Russische.

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möglicherweise zu Beginn unter Vermittlung des Deutschen, vgl. dt. Montierung, dt. dial. mundierung „Soldatenrock“, aus dem Französischen, vgl. frz. monture „(Soldaten-)Kleidung“ (Dauzat 1954: 484; Fasmer III 9–10; Kiparsky 1975: 134).

Die Bezeichnung ist in der litauischen Schriftsprache des 18.–20. Jahrhunderts belegt, in den Dialekten ist sie heute bereits selten (R 258; MŽ 345; K; LB 125; JD 621, 1160, 1120; JV 338; BsO 82, 292; KpID 30; NS 500, 507; LKŽ VIII 406, 407). Wahrscheinlich entstand bereits im litauischen Sprachraum auch die Form mandaras „Jacke; Rock“ (LKŽ VII 820–1). Vgl. ferner mandūra, mundūras.

Das Lehnwort gibt es auch in der lettischen Standardsprache, vgl. lett. mundieris „ebd.“ (ME II 667; LLVV V 290).

saraponas „zerrissene Jacke oder Mantel“, vgl. russ. сарафан „ein solches ärmelloses russisches Frauenkleidungsstück, das einem Kleid ähnelt“. Die Bezeichnung gelangte bereits vor langer Zeit ins Russische, vgl. alt-russ. сарафань, über das Türkische sārap(i) aus dem Persischen, vgl. pers. serāpā „vornehme Kleidung“, ferner gr. σάραπις (Fasmer III 561).

Im Litauischen wird es selten in der Bedeutung ‚Jacke‘ verwendet (Ds; LKŽ XII 150). Häufiger kommt sarafānas „ein solches ärmelloses, einem Kleid ähnliches Kleidungsstück“ vor. In dieser Bedeutung wird es auch in einigen lettischen Dialekten verwendet, vgl. sarapanc (Reķēna 1975: 457).

sertùkas, sartùkas „zweireihige Jacke, Surdute“, vgl. russ. dial. серту́к, russ. скортук (Dal’ IV 178) „ebd.“. Die Bezeichnung ist auch in einigen anderen Sprachen verbreitet, vgl. poln. surdut, weißruss. сурдут, alb. surtukë, rum. surtuc, engl. surdout. Das Wort wurde aus dem Französischen entlehnt, vgl. frz. surtout „Mantel, Oberbekleidung“ (Brückner 1927: 526; Buck 1949: 420; Fasmer III 823). Es ist ein Wort französischer Herkunft, wörtlich surtout „über allem“ < sur „auf, über“ + tout „ganz, alles“ (Dauzat 1954: 693; Klein 1966–1967: 1548).

Die genannten Varianten sind im Litauischen selten gebräuchlich (Auk, Rš; LKŽ XII 168, 433). Sartùkas ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts belegt (LB 215). Deutlich häufiger kommt sùrdutas „eng anliegendes, langschößiges, zweireihiges Männerobergewand“ vor. Es ist in vielen Mundarten verbreitet oder zumindest belegt (LKŽ XIV 210; LŽŽP 179; Mastonytė 1970: 121; At Pr 113).

UNBESTIMMTE SLAVISMEN

kapotà „Jacke, Bluse“, vgl. poln. kapota „ein solches Obergewand“, weißruss. капота „Obergewand; Jacke“. Ins Weißrussische gelangte das Wort aus dem Polnischen. Das Polnische entlehnte die Bezeichnung im 16. Jahrhundert aus dem Französischen, vgl. altfrz. capot, frz. capote „Umhang mit Kapuze; weibliche Kopfbedeckung“: cape „Umhang“, aus dem Lateinischen übernommen, vgl. lat. cappa „Umhang“ (Sławski II 58–9; Borejszo 1990: 147; EŠBM IV 253; Fasmer II 187; Dauzat 1954: 139; Kluge 1957: 349).

Das Lehnwort wird von den Bewohnern von Širvintos und Utena verwendet (LKŽ V 242). Die besser bekannte Bedeutung ist „warmes Obergewand“.

kurtà „kurze Jacke; Damenjäckchen“, vgl. poln. kurta, altweißruss. курта

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„kurzes Obergewand“ (Skardžius 1931: 116). Das Wort gibt es auch in einigen anderen slawischen Sprachen, vgl. russ. курта, ukrain. курта „ebd.“. Man nimmt an, dass es über das Polnische aus dem mittelalterlichen Latein in die ostslawischen Sprachen gelangte, vgl. lat. curtus „kurz“. Das Polnische übernahm das Wort im 16. Jahrhundert; möglicherweise war das Ungarische die Vermittlersprache, vgl. ungar. kurta „kurz“ (Brückner 1927: 284; Sławski III 413–4; Borejszo 1990: 155; ÈSBM V 170; Fasmer II 429–430). Das Wort könnte jedoch auch auf anderen Wegen ins Russische gelangt sein, vgl. lesg. kurt „kurzer Pelzmantel“, osset. kuraet „Bešmet (ein Kleidungsstück für Männer und Frauen)“ u. a. (Abaev I 609–610; Fasmer II 430, Anmerkung von O. Trubačov).

In der litauischen Schriftsprache ist das Wort erstmals 1642 in einer Ausgabe des Wörterbuchs von K. Sirvydas belegt (SD (3) 144). Die Sache selbst wird bereits im 16. Jahrhundert in litauischen Inventaren erwähnt (510[2]). Dies ist eine recht seltene Bezeichnung (Užv; N; [K]; LKŽ VI 973, 979). Häufiger kommt kurtkà „Jacke; Pelzmantel; Bluse“ vor.

liberija „Livree“, vgl. poln. liberia, russ. либерия „ebd.“. Die Bezeichnung gelangte wahrscheinlich über das Niederdeutsche in diese slawischen Sprachen, vgl. dt. Lib(e)rei aus dem Spanischen, vgl. span. librea „ebd.“ (Fasmer II 429; Brückner 1927: 298).

Kommt in der Schriftsprache des 19.–20. Jahrhunderts vor (LKŽ VII 398). Siehe auch livrėja.

marinárka, malinárka, maninárka, mananárka „Herrenjacke; langer Herrenrock“, vgl. poln. marynarka „Jacke“, weißruss. марынарка „Jacke; kurzer Mantel“. Die Bezeichnung gelangte aus dem Polnischen ins Weißrussische (ÈSBM VI 242; SBG III 38–9). Poln. marynarka ist von marynarz „Seemann“ abgeleitet, das auf lat. marinus „zum Meer gehörig, marin“ zurückgeht (Karłowicz II 890; Doroszewski IV 481).

In litauischen Dialekten ist eine Dissimilation häufig, bei der das erste von zwei r durch l ersetzt wird. Das ist besonders bei Fremdwörtern typisch, vgl. almideris „Lärm“ < armideris, kalikatūrā < karikatūrā, levò/veris < revò/veris (Zinkevičius 1966: 172). Auf diese Weise entstand auch die Form malinárka. Es gibt Fälle, in denen das erste r durch n ersetzt wird, vgl. antilèrija < artilèrija, dezentýras < dezertýras (Zinkevičius 1966: 172). Dasselbe geschah auch bei der Form maninárka.

Die Bezeichnung kommt an vielen Orten im östlichen und südlichen Litauen vor (LKŽ VII 797; LzŽ 155; LzŽP 193; Kulikauskienė 1971: 168; Stravinskienė 1968: 155; Miliuvienė 1989: 155; Grinaveckienė 1993: 168).

nažutkà „kurze Damenjacke oder wattierte Jacke“, vgl. poln. narzutka „ärmelloser Umhang, Pelerine“ (Fraenkel 1955–1965: 488), weißruss. нажутка „kurzes Obergewand; Jäckchen, Jacke; Bluse“. Dies ist ein Wort polnischer Herkunft, vgl. narzucać „überwerfen, sich umhängen“ (Karłowicz III 156).

Eine etwas häufigere Bedeutung dieses Wortes ist „Bluse“. In der einen oder anderen Bedeutung wird es in fast allen litauischen Dialekten verwendet, möglicherweise mit Ausnahme der westlichen Aukštaiten (LKŽ VIII 595; Stravinskienė 1968: 154; Mastonytė 1964: 146; Miliuvienė 1989: 153; Bdr 157).

paletėlis (Hybridbildung) „Damenjacke“, vgl. litau. pāletas, pāltas „langes Obergewand aus dickerem Stoff, Mantel“, aus poln. palto, paleto „Mantel“ oder weißruss. паліто. (Fraenkel 1955–1965: 534; Sabaliauskas 1990: 249). In die slawischen Sprachen

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Die Bezeichnung stammt aus dem Französischen, vgl. frz. paletot „ebd.“. Die Franzosen übernahmen sie im 14. Jh. aus dem Mittelenglischen, vgl. engl. paltok „ein solches weites Obergewand“. (Interessant ist, dass die Engländer später die französische Wortform übernahmen, vgl. engl. paletot.) Das englische Wort setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: pal + tok. Die Herkunft des zweiten Bestandteils ist unklar. Das englische Wort pall „Umhang, Mantel“ wird aus dem Lateinischen hergeleitet, vgl. lat. pallium „ebd.“, lat. palla „langes Obergewand“. Dessen Herkunft ist unklar. Möglicherweise ist es verwandt mit kirchenslaw. pelena „Windeln“, altskandinav. feldr „Schaffellmantel; Umhang“, lat. pellis (Brückner 1927: 395; Dauzat 1954: 525, 526; Guiraud 1971: 84; Kluge 1957: 528; Klein 1966–1967: 1114, 1115; Webster 1976: 825; Oxford 1985: 642, 643; Fasmer III 194, 228–9; Kiparsky 1975: 157).

Lit. paletėlis ist eine seltene Bezeichnung (Tršk; LKŽ IX 254). Páltas ist eine der wichtigsten Bezeichnungen für Oberbekleidung und in ganz Litauen verbreitet (LžŽ 183; DrskŽ 242; LKŽ IX 275; DŽ₃ 490).

paletõnas, palitõnas „Jacke“, vgl. poln. paleton, palton „Mantel; ein solches Obergewand“, belaruss. палітон „Jacke“. In dieser Bedeutung kommt es vereinzelt in Ostlitauen und in Žemaitija vor (LKŽ IX 254, 267). Es kann auch „Mantel“ bedeuten. Siehe auch paletėlis.

pindžiãkas, pinžõkas, binžõkas „kurze Jacke“, vgl. poln. pindżak „kurzes Kleidungsstück“ (LKA I 145), belaruss. пінжак, пінджак, бінджак „Jacke“. In die slawischen Sprachen gelangte das Wort, vgl. auch russ. пиджак „ebd.“, aus dem Englischen, vgl. pea-jacket „kurzer Umhang, Jacke“ (Fasmer III 259). Die Engländer übernahmen es aus dem Mittelniederländischen, vgl. nl. pijjekker „Jacke aus grober Wolle“: pij (< nl. pie „Kleidungsstück aus grober Wolle“) + jekker „Jacke“ (Klein 1966–1967: 1143; Webster 1976: 843).

Die Bezeichnung wird von den Bewohnern von Utena, Anykščiai und Panevėžys verwendet und kommt auch im südaimaitischen Dialekt vor (LKŽ I 831, 834, IX 1036, 1037). Pindžiãkas kann auch einen wattierten Halbmantel bezeichnen, binžõkas hingegen einen mit Wollstoff überzogenen Pelz.

Das Wort ist im Lettischen und Estnischen belegt, vgl. lett. dial. pindžuks, pindžaks, pin-džoks, bindžaks, bindžuks „Jacke; ein solches Obergewand“, est. pintsak „Jacke“ (Rekēna 1975: 464; At Pr 51 Karte, 113).

ploščiùkas (Hybridbildung) „Jacke“, vgl. lit. plóščius „langer wattloser Umhang, Regenmantel“, aus altbelaruss. плашч, poln. plaszcz „ebd.“ (Fraenkel 1955–1965: 629; Skardžius 1931: 171; Palionis 1967: 280; Zinkevičius III 37, 133). Dieses Wort findet sich in fast allen slawischen Sprachen – es ist eine der wenigen urslawischen Bezeichnungen für Kleidungsstücke. Es ist bereits für das 10.–11. Jh. belegt, vgl. kirchenslaw. плащь (Schrader I 603; Niderle 1956: 236; Machek 1968: 455). Die weitere Herkunft des Wortes ist nicht ganz klar, gewöhnlich wird es jedoch entweder mit russ. плат „Tuch“ oder mit russ. плоский, poln. plaski „flach“ und anderen Wörtern dieser Wurzeln in Verbindung gebracht (Brückner 1927: 420; Fasmer III 277).

Als Bezeichnung für eine Jacke ist das Wort selten und kommt in Ostlitauen vor (LKŽ X 308). In der Bedeutung „Umhang“ ist es in ganz Litauen bekannt (LKŽ X 308, 309). Dies ist ein altes

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ein Lehnwort aus dem Litauischen, das bereits in den frühesten schriftlichen Denkmälern belegt ist (Mž 34; SD(1) 820; SP I 223; ChB 59). Hier bedeutet es „Umhang“. Später wurde es in dieser Bedeutung nicht mehr verwendet.

Auch die Letten haben das Wort aus dem Russischen entlehnt, vgl. lett. plašcs „Regenmantel“ (Reķena 1975: 472). Wahrscheinlich gleicher Herkunft sind auch lett. plašķis „weiter Mantel“, plāšķi „schlechter Rock“, plarkšis „Regenmantel“ (ME III 320; EH II 284; Kagaine III 99). Das Wort gibt es auch im Preußischen, vgl. ploaste „Laken, Bettdecke“, doch seine Herkunft ist nicht ganz klar. J. Endzelīns zufolge könnte es sich nicht um ein Lehnwort, sondern um ein verwandtes Wort handeln (Fraenkel 1955–1965: 629; Endzelīns 1943: 228; Fasmer III 277).

sākas, sakēlis, sakūtis, sokēlis „Jacke; Damenjacke; Herrenjacke“, vgl. poln. sak „leichter Sommermantel für Herren“, weißruss. сак „eine Art Oberbekleidung für Frauen“. Das Wort ist in vielen slawischen Sprachen verbreitet und bezeichnet in einigen einen Sack oder ein Fischernetz. Es gelangte aus den romanischen Sprachen in die slawischen Sprachen, vgl. frz. sac, ital. sacco „Sack; ein solches Kleidungsstück“. Das romanische Wort stammt aus dem Lateinischen, vgl. lat. saccus „Sack; Kleidungsstück aus grobem Stoff“. Auch die germanischen Sprachen entlehnten die Bezeichnung aus dem Lateinischen, vgl. engl. sack, dt. Sack „ebd.“ usw. Ins Lateinische gelangte es über das Griechische, vgl. gr. σ ά κ κ ο ς „ebd.“, aus dem Hebräischen, vgl. hebr. śaq „ebd.“ (Brückner 1927: 479; Fasmer III 546–7; Dauzat 1954: 644; Kluge 1957: 618; Klein 1966–1967: 1370; Oxford 1985: 1017; Buck 1949: 419).

Die Bezeichnung ist im südlitauischen Dialekt verbreitet; sie wird von den ostlitauischen Wilnaer Dialektsprechern verwendet und kommt auch in anderen Gegenden Ostlitauens vor (Mastonytė 1961: 178; Grinaveckienė 1993: 173; Stravinskienė 1968: 154, 157; LžŽ 241; LKŽ XII 21).

Turi šį pavadinimą ir latviai, plg. lat. saks „rudeninis paltas“ (Reķena 1975: 472).

žakėtas, žākietas, žēketas, žėkietas „kurzes Oberkleid für Frauen, Jäckchen“, vgl. poln. żakiet, russ. жакет, weißruss. жакет, жакят „ebd.“. In die slawischen Sprachen gelangte das Wort im 19. Jh. aus dem Französischen, vgl. frz. jaquett(e) < jaque „Jacke, Sakko“ (Fasmer II 34; Šanskij I(5) 273; EŠBM III 202).

Die Bezeichnung ist in ganz Litauen verbreitet (DūnŽ 557; DrskŽ 471–2; Stravinskienė 1968: 154) und wird auch in der Standardsprache verwendet (DŽ⁶ 949; Priešauskaitė 1977: 41). Siehe auch jākė.

Dies ist auch ein Wort der lettischen Standardsprache, vgl. lett. žakete „ebd.“ (LVV 880).

žipōnas, žiupōnas, župōnas „Jacke; halblanger Mantel“, vgl. poln. żupan, weißruss. жупан „ebd.“ (Skardžius 1931: 248). Die Ersetzung von u durch i in solchen Fällen ist in litauischen Dialekten nicht selten, vgl. žiubėrklas, žiubėrklas, žibėrklas, žebėrklas, žiupsnys, žipsnys, čiupyrna, čipyrna „Kopfhaar“ (< poln. czupyrna, weißruss. чупрына) usw. (Urbutis 1981: 125).

Die Bezeichnung findet sich auch in einigen anderen slawischen Sprachen, vgl. russ. жупан, ukrain. жупан „ebd.“, tschech. župan „Bademantel; Wams“. Wahrscheinlich gelangte es aus dem Italienischen in die slawischen Sprachen, vgl. ital. giuppone, giubbone „Herrenbekleidung aus grobem Stoff, Bluse“: giuppa, giubba „Jacke; Bluse“. Die Italiener erhielten dieses Wort

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aus dem Arabischen, vgl. arab. gubba „langärmiges Obergewand“ (Borejszo 1990: 161; Sławski I 591; Fasmer II 66, IV 525; Machek 1968: 731; Kluge 1957: 333; Pfeifer 1993: 599–600; Dauzat 1954: 422).

Ins Polnische gelangte die Bezeichnung im 16. Jh., und bereits seit demselben Jahrhundert ist dieses Kleidungsstück in litauischen Inventaren belegt (LI 550[47]). In der Schriftsprache erscheint die Bezeichnung in der Mitte des 17. Jh. (SD(3) 555). Sie ist in fast allen Mundarten anzutreffen, außer bei den Žemaiten (DrskŽ 480, 481; Kulikauskienė 1990: 256, 263; Urbutis 1981: 125; At Pr 51 žemėl.).

Die Bezeichnung kommt auch in einigen lettischen Dialekten vor, vgl. lett. zupāns, župāns „ebd.“, županas „Lumpen“ (At Pr 51 žemėl.; ME IV 832).

GERMANISMEN

LEHNWÖRTER AUS DEM DEUTSCHEN

jėkė, jākė „Damenjacke“, vgl. dt. Jacke „kurze Jacke“, Jäckchen „kleine Jacke“ (Alminauskis I 57; Fraenkel 1955–1965: 189). Die Deutschen entlehnten die Bezeichnung im 15. Jh. aus dem Französischen, vgl. frz. jaque „kurze Männerjacke; Jacke“. Im Weiteren gehen die Meinungen der Sprachwissenschaftler auseinander. Einige meinen, die Franzosen hätten das Wort über das Spanische erhalten, vgl. span. jaco „kurze Jacke“, aus dem Arabischen, vgl. arab. šakk „Rüstung“ (Kluge 1957: 329; Dauzat 1954: 417, 418; Brückner 1927: 197; Fasmer II 34; Šanskij I(5) 273; Oxford 1985: 490; Buck 1949: 419). Andere behaupten, die Kleidungsbezeichnung gehe auf den Eigennamen Jacques (< Jacobus) zurück, mit dem französische Bauern, die dieses Kleidungsstück trugen, als Spitznamen bezeichnet wurden (Pfeifer 1993: 593; Klein 1966–1967: 823).

Vartoja vakarų aukštaičiai kauniškiai bei pietų aukštaičiai (Kulikauskienė 1990: 263; DrskŽ 125; Mastonytė 1961: 180; LKŽ IV 290–1, 338, 339). Kiek dažnesnė šio žodžio reikšmė yra liemenė. Lietuvių raštų kalboje žodis (liemenės reikšme) pirmą kartą paminėtas XIX a. (JV I 718; J I 678). Pavadinimas buvo žinomas ir Mažojoje Lietuvoje (Kapeleris 1970: 347).

Aus dem Deutschen gelangte das Wort ins Lettische und Estnische, vgl. lett. jaka (in einigen Dialekten jaks) „Bluse, Jacke“, estn. jakk, jake „ebd.“ (Sehwers 1953: 43, 233; ME II 95; EH I 558; Rekēna 1975: 462; LLVV IV 24). Dort wird es in der Standardsprache verwendet.

jópė, jópa, jópkė „kurze Damenjacke“, júopa „kurze Jacke; Bluse“, vgl. dt. Joppe, Juppe „Jacke; Weste“ (LKŽ IV 357, 423).

Raštuose forma jópė pirmą kartą minima XVIII a. pr. (Brand 1702: 95). Dabar pavadinimas pasitaiko apie Klaipėdą ir Šakius, buvo žinomas Mažojoje Lietuvoje (K 159; KŽ 996; I.Simon; LKŽ IV 357). Dar žr. júpkis.

kamzuolė „Jacke mit Weste und Schößen, Gehrock“, vgl. dt. dial. kamsōl „kurze Jacke“. Mitunter könnte das Wort auch über slawische Sprachen übernommen worden sein, vgl. poln. kamzoła, russ. камзол, weißruss. камзол „Weste“. Die Bezeichnung wird auch in einigen anderen slawischen Sprachen verwendet, vgl. russ. камизэлка, камзол, ukrain. камзол, bulg. камзол, tschech. kamizola usw. In die slawischen Sprachen gelangte dieses Wort über das Französische, vgl. frz. camisole „Bluse“, aus dem Italienischen, vgl. ital. camiciola, gebildet aus cami-

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cia „marškiniai“, kuris kilęs iš lot. camisia „t.p.“ (Brückner 1927: 215; Sławski II 38–9; Borejszo 1990: 146; ÈSBM IV 223; Fasmer II 175; Dauzat 1954: 132).

Kamzuolė kommt in den westlichen litauischen Dialekten vor. Häufiger bedeuten Varianten dieser Bezeichnung, die über germanische oder slawische Sprachen übernommen wurden, – kamziolė, kamžolė, kamizėlka, kamžėlka, kazimelka usw. – „Weste“.

Pavadinimą turi ir latvių kalba, plg. lat. kamzuļka „liemenė“ (Reķēna 1975: 447, 466).

kedelys „Halbjacke“, vgl. niederdeutsch keddel, ostpreußisch-deutsch kēdel „kurzer Mantel; Rock“ (Alminauskis I 64; Būga II 296; Fraenkel 1955–1965: 234). Es handelt sich um eine dialektale Form des deutschen Kittel „Jacke“.

In der Bedeutung „Halbjacke“ ist kedelỹs im Litauischen seit dem 17. Jahrhundert belegt (Lex 54); heute kommt es in der Gegend von Lazdijai vor (LKŽ V 480). Weitaus häufiger ist die Bedeutung „Rock“. Siehe auch kitelis.

kitelis, kitlius „Militärjacke; Leinenjacke; Leinenmantel“, vgl. deutsch Kittel „(Arbeits-)Kittel; Bluse; Jacke“ (Būga III 672; LKŽ V 904). Das Wort gelangte aus dem Arabischen in die europäischen Sprachen; vgl. arabisch quṭn, quṭun „Baumwolle“; ins Deutsche gelangte es im 13. Jahrhundert (Kluge 1957: 371; Pfeifer 1993: 658; Klein 1966–1967: 848). Es gab Versuche, das Wort anhand germanischen oder allgemein indogermanischen Sprachmaterials zu erklären (Vries 1971: 317).

Es ist in einigen westlitauischen Mundarten und in Wörterbüchern belegt (J II 134; KŽ 1130; LKŽ V 904, 905). Aus derselben Quelle stammen das bereits erwähnte kedelỹs und kik įlikas „eine bestimmte Art Weste“.

Kitèlis „Kittel“ wird in der lettischen Standardsprache verwendet (LLVV IV 549).

kūzas „kurze Jacke“, vgl. dialektal deutsch kus „schlechte Kleidung“ oder ostpreußisch-deutsch kuz „kurz, klein“ (Alminauskis I 77; Frischbier I 450, 452). Das Lehnwort war in Kleinlitauen bekannt (K; K II 82; KŽ; LKŽ VI 1016). Es kann auch „Damenweste“ und „Bluse“ bedeuten.

mandūra, mandūras, mandūrė „Soldatenjacke“, vgl. deutsch Montur, dialektal deutsch mondur „ebd.“ (Alminauskis I 84; Fraenkel 1955–1965: 405).

Das Lehnwort findet sich in litauischen Wörterbüchern und Folklore-Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts; heute kommt es noch in einigen Gegenden Žemaitijas vor (D 114; N 346; KIpD 41; K; KŽ; LKŽ VII 824, 825). Häufiger sind Formen dieser Bezeichnung, die über slawische Sprachen übernommen wurden. Siehe auch mundiera.

mantelis, mentelis, mendelis „Jacke“, vgl. deutsch Mantel, ostpreußisch-deutsch mentel, mantel „Mantel; Jacke“ (Alminauskis I 84; Fraenkel 1955–1965: 409; Skardžius 1931: 127). Die Quelle des deutschen Mantel ist lateinisch mantum „kurzer Mantel“ (Kluge 1957: 460; Pfeifer 1993: 836).

Die Formen māntelis, mentelis können auch „Mantel“ und „Überzieher“ bedeuten, während mendelis „Damenbluse“ bedeutet.

Ein Teil der Žemaiten und Suvalkier verwendet das Wort (DūnŽ 508; LKŽ VII 845; VIII 7, 18). In Litauen ist es erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt (in der Bedeutung „Mantel“) (SD(3) 298, Lex 60 a).

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Die Entlehnungen mantelis, mantels, mantaļs, mentelis „Umhang“ gibt es auch im Lettischen; mantelis ist ein Wort der lettischen Standardsprache (Sehwers 1953: 76, 79; ME II 601; EH I 782, 800; Reķēna 1975: 468; LLVV V 87).

ANGLICIZMAS

kautėlis (Hybridbildung) „kurze Damenjacke“, vgl. lit. kautas „Wintermantel, Umhang“, vgl. engl. coat „ebd.“ (Margeris 1956: 256; Sabaliauskas 1990: 281). Die Quelle von engl. coat ist afrz. cote „ebd.“, das wiederum auf frank. *kot-ta zurückgeführt wird. Der weitere Ursprung dieses in den westeuropäischen Sprachen verbreiteten Wortes, vgl. dt. Kotze „grober Umhang“, ital. cotta, span. cota „Umhang“, ist unklar (Klein 1966–1967: 305; Oxford 1985: 185; Kluge 1957: 397).

Dies ist ein interessanter und ziemlich seltener Fall, in dem ein Wort ohne Vermittlersprache aus dem Englischen ins Litauische gelangte. In diesem Fall übernahm das amerikanische Litauisch die Rolle der Vermittlersprache. Auf diese Weise sind auch weitere Wörter ins Litauische gelangt, vgl. inžinas „Motor“, kvoderis „Viertel einer Währungseinheit“, vėjus „gemeinschaftliche Arbeit, Aktion, Kampagne“ u. a. (Sabaliauskas 1990: 281–2).

In Litauen ist die Bezeichnung kautėlis in Marcinkonys belegt (LKŽ V 449).

WÖRTER, DIE INTERNATIONALEN NAHESTEHEN

frākas, prākas, prakā „Frack; Frack mit langen Schößen hinten; ein solcher Festanzug“, vgl. russ. фрак, poln. frak, dt. Frack, frz. frac „ebd.“ Die Bezeichnung gelangte aus dem Englischen in die slawischen Sprachen, vgl. engl. frock „Kleid; Mönchskutte“, das sie aus dem Altfranzösischen übernahm, vgl. afrz. froc „Kapuze mit Kutte“. Weiter wird es auf frank. hroc „Obergewand, Umhang“ zurückgeführt. Dieses Wort ist verwandt mit altnord. rokkr, altengl. rocc, niederl. rok, dt. Rock „Rock; Umhang“ (Fasmer IV 205; Brückner 1927: 127; Kluge 1957: 213–4; Pfeifer 1993: 369; Klein 1966–1967: 624; Dauzat 1954: 338, 344).

Lietuvoje šį drabužį XIX a. viduryje dėvėjo bajorai (Guzevičiūtė 1991: 10, 12). Vėliau pati pavadinimą kai kur perėmė ir valstiečiai, žinoma, svetimą garsą f pakeitę įprastiniu p. Abi formos (su p ir su f) fiksuojamos nuo XIX a. vidurio (I; M). Tarmėse gana retas, pasitaiko apie Akmenę ir Varėną (LKŽ II 1184, X 506, 511; Zinkevičius 1966: 151). Frākas yra bendrinės kalbos žodis.

Diese Bezeichnung kommt auch in der lettischen Standardsprache vor, vgl. lett. fraka „ebd.“ (LLVV II 544).

redingōtas „langer Mantel mit einem bestimmten Schnitt“, vgl. poln. redingot, redżgot, russ. редингот, frz. redingote, engl. redingote „ebd.“ In Europa verbreitete sich die Bezeichnung im 18. Jahrhundert. Sie ist englischen Ursprungs, vgl. engl. riding-coat: riding „Reiten“ (< ride „reiten“) + coat „Mantel“. Das englische redingote ist seinerseits aus dem Französischen entlehnt (Dauzat 1954: 617; Klein 1966–1967: 1315; Webster 1976: 968).

Das Kleidungsstück gelangte Mitte des 19. Jahrhunderts nach Litauen, als sich die europäische Kleidung verbreitete. Es wurde vom Adel getragen (Guzevičiūtė 1991: 12, 17). Die Bezeichnung ist in fast allen in Litauen veröffentlichten Wörterbüchern der Internationalismen verzeichnet (TrpŽ (1) 846; TrpŽ (3) 416).

smōkingas „schwarze Herrenjacke mit seidenbesetzten Revers“, vgl. russ.смокинг,

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poln. smoking, frz. smoking, dt. Smoking „ebd.“. Die Bezeichnung verbreitete sich im 19. Jh. als Kürzung des englischen smoking-jacket „Rauchjacke, Hausjacke“: smoking „Rauchen“ (< smoke „rauchen“) + jacket „Jacke“ (Pfeifer 1993: 1302).

Ein Wort der litauischen Standardsprache (DŽ₃ 717; LKŽ XIII 200). Es wird auch im Lettischen verwendet, vgl. smokings „ebd.“ (LLVV VII(2) 54).

BEZEICHNUNGEN UNKLARER HERKUNFT

jákas „Jacke“. Es ist nicht ganz klar, wie diese Form ins Litauische gelangte. Sie könnte wie jėkė über das Deutsche entlehnt worden sein, vgl. dt. Jacke „kurze Jacke“ (Alminauskis I 57; Fraenkel 1955–1965: 189). Als Vermittlersprache könnte jedoch auch das Polnische gedient haben, vgl. poln. jak, jaka „kurze Bluse, Jacke“ (LKŽ IV 290). Ebenso ist es möglich, dass das Wort erst im Litauischen gebildet wurde: Neben dem Femininum jekės, das eine Weste oder ein Damenjäckchen bezeichnet, wurde die maskuline Form jakas mit der Bedeutung „Jacke“ gebräuchlich. Gegen eine solche Erklärung spricht jedoch anscheinend die Verbreitung: jėkė wird häufiger in Suvalkija verwendet, während jákas im Westsamogitischen vorkommt (LKŽ IV 290).

mundūras, mundūra, mùnduris „Uniformjacke eines Soldaten oder sonstigen Bediensteten“, vgl. poln. mundur, dt. Montur, dt. dial. mondur „Soldatenjacke“. Belegt in der litauischen Schriftsprache des 19. Jh. (StnD 25; K II 68, 190). Wird in einigen Mundarten im Süden und Osten Litauens verwendet (LKŽ VIII 407; LžŽ 169). Siehe außerdem mundiera 47.

šlėmė, šlemedrėlė „kurze Damenjacke, Bluse; ärmellos“. Ein Wort unklarer Herkunft. Möglicherweise ist es eine Umgestaltung des Germanismus šlėbė „langes, langärmeliges Obergewand für Frauen, das über den Kopf gezogen wird; kurzes ärmelloses Obergewand, Weste“.

Die Bezeichnungen šlėmė und šlemedrėlė werden in der Gegend um Skuodas verwendet (LKŽ XIV 1042).

šverdelis „langes Obergewand – Jacke, Mantel“. Ein Wort unklarer Herkunft. Möglicherweise ist es mit dem Belarussischen швэдар, швэдэр „Pullover“ verwandt; vgl. auch lit. švėderis „ebd.“ Dies ist eine seltene Bezeichnung (Žg, Škn; LKŽ XV 517).

šverliokas „schlechtes Obergewand – Jacke oder Mantel“. Möglicherweise könnte es mit šérliokas, šeflokas „leuchtend roter Stoff, Kleidungsstück“ verwandt sein. Seltene Bezeichnung (Škn: LKŽ XV 517). Vgl. außerdem nušverliokuoti „mit flatternden Schößen weggehen“ (Srd).

švernelis „langes Obergewand – Jacke, Mantel“. Belegt in den Mundarten der Westaukštaiten von Kaunas (LKŽ XV 517).

Es wurden mehr als 60 Bezeichnungen für die Jacke gefunden (Varianten sind in dieser Zahl nicht enthalten). Nur etwa ein Viertel davon sind litauischen Ursprungs. Sie sind nicht besonders häufig. Die wichtigste Bezeichnung dieser lexikalisch-semantischen Gruppe ist das unmarkierte Lexem švarkas. Möglicherweise ist dies ein einheimisches Wort, das den baltischen und slawischen Sprachen gemeinsam ist. Die übrigen litauischen Bezeichnungen sind semantisch oder stilistisch konnotiert.

In der Schriftsprache wurden Bezeichnungen für die Jacke litauischen Ursprungs erst im 19.

166

vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, mit Ausnahme von trinyčiai (Ende des 16. Jahrhunderts) und šafkas (17. Jahrhundert), die später auch in der Bedeutung „Jacke“ verwendet wurden. 6 davon sind im Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache (1993) verzeichnet, doch bezeichnen keineswegs alle in der Standardsprache eine Jacke: apsiaustas, palaidinis, pūšsvarkis, švarkas, trinyčiai, trumpikės.

Die Lehnwörter werden danach eingeteilt, aus welcher Sprache sie stammen. In manchen Dialekten sind sie häufig, andere wiederum sehr selten. Es wurden 30 Slawismen (einschließlich Hybridbildungen), 10 Germanismen und 3 den Internationalismen nahe Lehnwörter gefunden. Letztere gelangten erst relativ spät ins Litauische; es wäre schwierig festzustellen, aus welcher konkreten Sprache sie stammen. Die Herkunft von 6 Bezeichnungen ist unklar. In schriftlichen Quellen wurden Lehnwörter recht früh verwendet: pancierius, sermegà – Ende des 16. Jahrhunderts, kaptōnas, žipōnas, kurtà – im 17. Jahrhundert, kedelỹs – zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Im Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache sind nur 4 Wörter fremder Herkunft verzeichnet: frākas, sermegà, smōkingas, žakėtas.

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WEITERE ABKÜRZUNGEN

a. – oberlitauisch

air. – irisch

brus. – weißrussisch

bulg. – bulgarisch

ček. – tschechisch

dial. – dialektal

hibr. – Hybridbildung

it. – italienisch

kuršinink. – kuronisch

lat. – lettisch

lenk. – polnisch

liet. – litauisch

lot. – lateinisch

plg. – vergleiche

rus. – russisch

s. – alt

sl. – slawisch

ukr. – ukrainisch

vengr. – ungarisch

vid. – mittel

vok. – deutsch

žemėl. – Karte

žem. – samogitisch

Abkürzungen von Ortsnamen wie LKŽ.

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BEZEICHNUNGEN FÜR MANTEL IN DER LITAUISCHEN SPRACHE

Zusammenfassung

Dieser Artikel behandelt die lexikalisch-semantische Untergruppe der Bezeichnungen für Mäntel. Im Litauischen finden sich mehr als 60 davon (phonetische Varianten sind sogar noch zahlreicher). Der Mantel als Kleidungsstück kam erst im 19. Jahrhundert auf; deshalb waren seine Bezeichnungen meist Namen anderer ähnlicher Kleidungsstücke. Daher können Bezeichnungen für Mäntel mehrere Bedeutungen haben.

Nur ein Viertel dieser Bezeichnungen ist litauischen Ursprungs. Die allgemeine Bezeichnung für dieses Kleidungsstück lautet švāfkas „Mantel“. Sie kommt auch im Lettischen vor (svārki). Vielleicht ist dieses Wort balto-slawischen Ursprungs. Es wurde erstmals im 17. Jahrhundert belegt (seine Variante šākas). Weitere neutrale Bezeichnungen litauischen Ursprungs gibt es nicht. Die übrigen sind semantisch oder stilistisch konnotiert. Eine davon – trinyčiai „Leinenüberrock; Leinenmantel“ – trat gegen Ende des 16. Jahrhunderts in der Schriftsprache auf. Fünf Bezeichnungen werden im Standardlitauischen verwendet.

Die Entlehnungen werden nach der Sprache unterteilt, aus der sie stammen. 30 Entlehnungen stammen aus dem Slawischen (kaptōnas, žipōnas, kurtā usw.), 8 aus dem Deutschen (kūzas, kitelis, manitelis usw.). Einige davon wurden bereits vor recht langer Zeit ins Litauische übernommen (panciērius, sermēgā – 16. Jahrhundert, kaptōnas, žipōnas, kurtā – 17. Jahrhundert), doch die meisten sind nur aus einzelnen litauischen Dialekten oder aus bestimmten Schriftzeugnissen bekannt. Nur 4 Entlehnungen werden im Standardlitauischen verwendet.

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