Page 1ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
XLVI (2002), 73 – 80
Analogie in der Wortbildung des Litauischen. Potenzielle und okkasionelle Bildungen
JURGITA MIKELIONIENĖ
Vytauto Didžiojo universitetas, Kaunas
Der Artikel behandelt die Analogie in der litauischen Wortbildung, d. h. die Bildung neuer lexikalischer Einheiten auf der Grundlage bestehender Modelle. Eine Analyse jüngerer Entwicklungen im litauischen Lexikon zeigt, dass das Modell häufiger ein produktiver Wortbildungstyp als ein einzelnes Lexem ist. Es wird versucht, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen potenziellen und okkasionellen Lexemen aufzuzeigen und außerdem eine strukturelle Klassifikation okkasioneller Bildungen vorzulegen. Beispiele veranschaulichen die Wirkungsweise der Analogie bei der Bildung von Personenbezeichnungen, Werkzeugnamen, Abstrakta usw. Der Begriff der Produktivität von Wortbildungstypen wird erörtert. Schließlich wird gezeigt, dass Analogie eine Quelle für Wortbildungssynonymie, Kontamination und Wortspiel ist.
Aktive Prozesse in der Wortbildung und der unablässige Zustrom neuer Wörter sind wichtige Merkmale der Lebendigkeit und Dynamik einer Sprache. Die Analyse synchroner Wortbildungsprozesse ist untrennbar mit der Beschreibung der Bedingungen und Wege verbunden, auf denen neue Wörter entstehen. Eines der wichtigsten Ziele von Forschenden, die Wortbildung als ein sich ständig wandelndes System betrachten, besteht darin, nicht nur die existierenden, sondern auch die potenziell möglichen Bildungen zu ermitteln.
Wenn von neuen Wörtern die Rede ist, werden selbst bei der Definition von Neologismen häufig nur die extralinguistischen Gründe für ihr Entstehen hervorgehoben (das Bedürfnis, neu entstandene Gegenstände, Phänomene und Begriffe zu benennen). Die inneren, linguistischen Gründe, die weniger offensichtlich, aber nicht weniger wichtig sind, werden bisweilen vergessen. Dieser Artikel möchte die Analogie näher betrachten – einen der wirksamsten inneren Mechanismen der Sprache, die das Entstehen neuen Wortschatzes bestimmen. In der Wortbildungstheorie wird Analogie als Bildung neuer Wörter nach bereits in der Sprache vorhandenen Wortbildungsmodellen verstanden. Wörter können nach einem bereits existierenden konkreten Wort gebildet werden (so entstand, in Nachahmung von mėnuleigį, das Wort marsaeigis). Meistens geschieht dies jedoch auf der Grundlage produktiver Wortbildungstypen (Motsch 1999, Ferm 1994). Die Analyse litauischer Neubildungen anhand von Daten aus der zeitgenössischen Publizistik sowie der Belletristik und wissenschaftlichen Literatur zeigt, dass sich die Fähigkeit, Wörter nach vorhandenen Vorbildern zu bilden, sowohl bei usuellen als auch bei nichtusuellen (potenziellen oder okkasionellen) Bildungen beobachten lässt. Bei der Bildung oder Schöpfung neuer lexikalischer Einheiten wird somit in hohem Maße auf Analogie zurückgegriffen. Gerade die Entstehung von Wörtern, die nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sind, demonstriert die besondere Kraft der Analogie im Sprachsystem (Zemskaja 1992: 203); dieser Wortschatz steht im Mittelpunkt des vorliegenden Artikels.
Die Begriffe der potenziellen und der okkasionellen Bildung werden unterschiedlich aufgefasst, ebenso wie ihr Verhältnis zueinander. Es wird diskutiert, ob eine solche Unterteilung des nichtusuellen Wortschatzes überhaupt sinnvoll ist. „Potenzielle Bildungen sind Wörter, die zu sehr produktiven und regelmäßigen Wortbildungstypen gehören, jedoch nicht als einzelne lexikalische Einheiten in die Sprache eingehen, sondern lediglich von diesen Typen vorgesehen sind und im Sprachgebrauch gebildet werden können
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realizuojami kiekvienu momentu“ (Urbutis 1978: 269). Okazionalizmai „Kalbotyros terminų žodyne“ (1990: 136) apibrėžiami kaip bendrajai kalbos vartosenai nebūdingi žodžiai, pasitaikantys tik kartą tam tikrame kontekste, darybos atžvilgiu netipiški, individualūs. Ne visi kalbininkai linkę skirti potencialinius ir okazinius darinius. Jų argumentai – ir potencialiniai, ir okaz(iniai) dariniai yra tos pačios darybinės sistemos nariai, ir vieni, ir kiti yra dvilypiai – turi griežtai apibrėžiamą struktūrą ir semantiką, todėl jiems suvokti dažniausiai neprireikia konteksto, tiek potencialinių, tiek okazinių darinių daryba remiasi analogija. Šiai nuomonei dažniausiai nenori pritarti tiriantieji atskirų funkcinių stilių okazionalizmus. Grožinės literatūros ir publicistikos neįprastų darinių okazionalumo laipsnis yra labai nevienodas. Publicistinio stiliaus okazionaliniai dariniai daug artimesni potencialiniams nei grožinės literatūros kūrėjų vaizdingi autoriniai dariniai (Ferm 1994: 92–93, Zemskaja 1992: 180–182).
Solche Bildungen sind in Wörterbüchern nicht verzeichnet; daher könnte man sie aus rein lexikografischer Sicht auch als Neubildungen betrachten. In der Neologieforschung führt dies zu zahlreichen Diskussionen. Tatsächlich ist es äußerst schwierig, eine Grenze zwischen einer Neubildung und einer potenziellen Bildung zu ziehen, denn nicht immer ist klar, ob ein existierendes Wort lediglich reproduziert oder jedes Mal nach den in der Sprache bestehenden Wortbildungsmodellen neu gebildet wird. Die auffällige, ins Auge springende Neuartigkeit einer okkasionellen Bildung ist eines ihrer wichtigsten Merkmale. Allerdings ist festzuhalten, dass auch die Kriterien der Einmaligkeit und Individualität sowie das erwähnte Merkmal der Neuartigkeit nicht immer erfüllt sind. Viele Okkasionalismen, insbesondere solche aus der Publizistik, verbreiten sich sehr schnell, prägen sich ein und werden potenziell, mitunter sogar zu Wörtern des allgemeinen Sprachgebrauchs.
In diesem Artikel wird die Auffassung vertreten, dass potenzielle und okkasionelle Bildungen nicht gleichgesetzt werden können. Ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal betrifft die Einhaltung oder Missachtung der Wortbildungsregeln. Eine okkasionelle Bildung, die – wie viele ihrer Forschenden betonen – individuell und autorengeprägt ist und eher aus schöpferischem Umgang mit Analogie als aus regulärer Wortbildung hervorgeht, verletzt meist die allgemeinen Wortbildungsgesetze. Die Bildung eines Wortes, das als potenziell gelten kann, ist regelgerecht: Es ergänzt das Wortbildungsparadigma, den Typ oder die Kategorie und ist systemkonform, wird aber dennoch nicht als usuell angesehen. Potenzielle Bildungen lassen sich jederzeit und ohne Hindernisse bilden, wenn das Bedürfnis entsteht, etwas zu benennen; häufig begegnen sie in schriftlichen Quellen, obwohl sie in Wörterbüchern nicht verzeichnet sind.
Um die Rolle der Analogie bei der Bildung potenzieller Wörter zu klären und atypische, individuelle Bildungen in den Blick zu nehmen, werden in diesem Artikel Bildungen aus den umfangreichsten Wortbildungskategorien analysiert – Personenbezeichnungen und Abstrakta – sowie aus einigen weniger umfangreichen, semantisch recht streng begrenzten Kategorien (z. B. Bezeichnungen für Fleisch). Außerdem werden Beispiele für neue suffixale Derivate der produktivsten Wortbildungstypen angeführt1.
Bei der Untersuchung des Analogie-Mechanismus stößt man unweigerlich auf die Begriffe Produktivität und Aktivität eines Wortbildungstyps. Die Frage, worin die Aktivität eines Wortbildungsmodells oder eines Formans besteht und woran sie erkennbar ist, soll anhand von Beispielen aus dem faktischen Material beantwortet werden, das aus dem computergestützten Korpus der litauischen Gegenwartssprache der VDU zusammengestellt wurde. Die Produktivität des Wortbildungstyps beziehungsweise des Formans spielt bei der analogen Wortbildung eine entscheidende Rolle. Man kann jedoch nicht behaupten, dass Wörter nicht nach unproduktiven Wortbildungstypen gebildet werden
1 Das Suffixverfahren wurde für die Analyse ausgewählt, da es derzeit am produktivsten ist.
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Typen. Als unproduktive Suffixe werden in den Grammatiken -eika, -ėnas, -ila, -muo, -išius, -ėlius aufgeführt. Doch auch mit ihnen werden Ableitungen gebildet, z. B.: šnibždeika, svaidmuo, madišius, kirmėlius, žuvenas u. a. Daher muss man, ohne die Bedeutung der Produktivität auszuschließen, auch von der Aktivität oder Lebendigkeit eines Wortbildungstyps sprechen. Im Allgemeinen können unproduktive Wortbildungstypen in bestimmten Zeitabschnitten wieder aktiv werden und usuellen, potenziellen oder sogar okkasionellen Neubildungen hervorbringen.
Ich bemerkte: Sich anzuziehen versteht sie, aber keine madišius. Der erwachte Ksaveras, der gar nichts begriff, überblickte alle mit dem blicklosen Blick eines dramstu menulėno...
Im Folgenden untersuchen wir einige Wortbildungstypen, die traditionell als recht produktiv gelten2. Wie das gesammelte Material zeigt, sind sie derzeit auch ausreichend aktiv. Der größte Teil der analysierten Bildungen ist als potenzielle Ableitungen einzustufen, doch kommen auch Beispiele okkasioneller Wortbildung vor.
Ein typisches Beispiel für eine potenzielle, analogisch gebildete Ableitung sind die Ableitungen mit dem Suffix -iena, die zur Wortbildungskategorie der Fleischbezeichnungen gehören. In Wörterbüchern finden sich folgende aus Tier- und Vogelnamen gebildete Wörter, die in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sind: briediena, elniena, kalakutiena, kiauliena, stirniena, šerniena, veršiena, vištiena u. a. Als potenzielle Bildungen gelten solche im VDU-Korpus gefundenen, im DLKŽ jedoch nicht verzeichneten Ableitungen mit derselben Wortbildungsbedeutung: kengūriena, kurapkiena, lokiena, nutrijiena, parš eliena, smaugliena, sraigiena, strutiena, stumbriena, šuniena, varliena, varniena, vėžliena, žaltiena, žiurkiena, žvirbliena. Viele davon bezeichnen das Fleisch eines bei uns oder anderswo verzehrten Vogels oder Tieres.
Beim Essen war sie nicht wählerisch –... sie verschmähte weder Schlangenfleisch noch in der Glut gebratene junge Krähen. Schneckenfleisch eignet sich für Salate mit gekochten getrockneten Steinpilzen. Jeden Tag werden auf den Markt in der südlichen Provinz drei Tonnen Rattenfleisch gebracht.
Mit demselben Suffix gibt es einige aus Fischbezeichnungen gebildete Ableitungen, obwohl diese Bedeutung in den Grammatiken nicht aufgeführt wird: lašišiena, lydekiena, žuviena.
Das Fleisch des Üsorė-Fisches ist sehr schmackhaft, wenn auch grätenreich... Einfacher wäre es, im Laden geräuchertes oder gesalzenes Lachsfilet zu kaufen.
V. Urbutis savo monografijoje (1978: 272) tokių darinių nelaiko net ir potenciniais ir juos traktuoja tik kaip darybos klaidas. Manome, kad akivaizdi tiek semantinė, tiek darybinė analogija leidžia tokius darinius priskirti jei ne potenciniams, tai bent jau okaziniams dariniams, nes „kalbos norma yra pakanti skirtingam okazionalizmų ekstravagantiškumui“ (Lykov 1976: 18).
Auf Grundlage der semantischen und wortbildnerischen Struktur des Wortes dveseliena wurden die Wörter lavoniena, moteriena. Hinsichtlich der Bedeutung ihrer Basiswörter entfernen sich diese Ableitungen noch stärker als die Fisch-„Fleisch“-Bezeichnungen von den typischen Beispielen des untersuchten Wortbildungstyps. Wirkliche
2Bei der Feststellung, ob ein Wortbildungstyp produktiv ist, stützt man sich auf die Grammatik der litauischen Gegenwartssprache (Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1994).
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Als Okkasionalismen, deren strukturelle und semantische Deformation besonders ausgeprägt ist, gelten bulvariena, formuliena, laikraštiena, žodiena, žodeliena, žurnalistiena..., da ihr Basiswort weder das Fleisch eines Tieres noch das eines Vogels bezeichnet. Bisweilen stehen solche Ableitungen auch den Speisenbezeichnungen nahe, die ebenfalls dieser Kategorie zugeordnet werden (vgl. šaltiena), oder überhaupt Bezeichnungen für das „Fleisch“ irgendeines Körpers, vgl. uoliena, grybiena,...objektai padaromi iš kalbinės medžiagos – žodienos. Bei den genannten Okkasionalismen ist weniger die Wortbildung als vielmehr die Semantik ungewöhnlich.
Unsere Gesellschaft wurde mit vergifteter Zeitungskost gefüttert....hat eine hundeartige Spürnase und flieht augenblicklich vor der verdorbenen Wortkost, von der es in ihren Wäldern jetzt ganze Berge gibt. Synthetischer Rohstoff ist ein gezähmter Beutel des Nichtseins, eine verdichtete Formel. Solches Material haben wir formuliena genannt.
Ein deutlicher Einfluss der Analogie zeigt sich in der Bildung von Werkzeugbezeichnungen. Die Untersuchung der im DLKŽ nicht verzeichneten, jedoch im Korpus gefundenen Ableitungen mit dem Suffix -iklis zeigt klar die Produktivität und Lebendigkeit dieses Wortbildungstyps. Mit diesem Formans werden aktiv neue Begriffe der Informatik gebildet (griebiklis, kauniklis, trumpiklis, valdiklis), Bezeichnungen für verschiedene Geräte und Apparate (delsiklis, gaviklis, kroviklis, lankstiklis, šaldiklis, šildiklis) sowie für Stoffe, die die durch das Basiswort ausgedrückten Eigenschaften aufweisen (emulsiklis, ploviklis, raudviklis, rižiklis). Ableitungen dieses Typs werden gern auch als Entsprechungen zu Lehnwörtern gebildet, z. B.: statt konteinerio – talpiklis, statt mikserio – plakiklis, statt polirėlio – blizgiklis. Ungewöhnliche, sogar nicht ganz regelgerechte Beispiele dieses Wortbildungstyps sind von präfigierten Stämmen abgeleitet, werden jedoch nicht als etwas Ungewöhnliches oder Individuelles wahrgenommen und sind daher nicht als Okkasionalismen zu betrachten: iškasiklis, nuėmiklis, pertraukiklis, pračiūžiklis, pranešiklis, prįdegiklis, susėgiklis. Neuer und ungewöhnlicher wirken allenfalls kvepiklis, liesiklis, reiškiklis:
Damit das Auto duftet, hängen Sie einen speziellen kvepiklis in den Innenraum. Dieser für den Ton von Töpfen vorbereitete liesiklis ist von derselben Körnung wie derjenige, der bereits in den gebrannten Töpfen zu finden ist....solche Merkmale hervorheben: 1) die Auffassung des Satzes als primärem Ausdrucksträger eines Gedankens...
Die angeführten Beispiele zeigen, dass, obwohl beide Arten von Bildungen auf Analogie beruhen, sich die Pragmatik, Semantik und Struktur potentieller und okkasioneller Bildungen mitunter, wenn auch nur geringfügig, tatsächlich unterscheiden. Die Entstehung der ersteren wird häufig durch bestimmte Bedingungen verursacht (z. B. die Vielfalt der in Restaurants angebotenen Gerichte), während die letzteren Produkte sprachlicher Erfindungskraft und der Fantasie des Schreibenden sind. Potentielle Bildungen erfüllen somit in erster Linie eine nominative Funktion, während die Rolle der okkasionellen mit der Vermittlung einer emotional-expressiven Bewertung verbunden ist.
Potentielle Bildungen, die nach einiger Zeit nicht selten in die Kategorie systemischer Bildungen übergehen, entstehen also aus der Notwendigkeit, neue Tätigkeitsbereiche zu benennen. Wir analysieren die Neubildungen des Typs mit dem Suffix -(inink)ystė in der Wortbildungskategorie denominaler Abstrakta. So wurden mit dem produktiven Suffix -ininkystė gebildete, aber noch nicht in Wörterbücher aufgenommene Bezeichnungen für Wirtschaftszweige wie grybininkystė, grūdininkystė, jautininkystė, pupelininkystė, sliekininkystė, uogininkystė, žąsininkystė. Als Wortbildungsbasis dieser Wörter dienen Bezeichnungen der gezüchteten oder angebauten Tiere und Pflanzen sowie Namen der hergestellten Produkte: dešrininkystė, koklininkystė, laikraštininkystė, pašarininkystė, prieskonininkystė. Andere Ableitungen mit diesem Suffix bezeichnen ebenfalls eine Tätigkeit, doch ist das Basiswort hier die Berufs- oder Amtsbezeichnung einer Person: namudininkystė, operatorystė, orakuly stė, oratorystė, popiežystė, sielininkys
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tė, šaulystė, trenerystė, virėjystė, žygeivystė. Diese Bildungen haben häufig einen ironischen Beiklang: premjerystė, prezidentystė, rašytojųstė. Die Produktivität des Suffixes zeigt sich auch in Ableitungen von neuen Lehnwörtern: sponsorystė, sutenerystė. Eigenschaften bezeichnen etwa folgende Ableitungen: autsaiderystė, kekšystė, luošystė, nemokšystė, prisitaikėlystė, verteivystė, sowie Ableitungen von nicht normgerechten Wortstämmen: šmuklerystė, šulerystė, žulikystė. Fast alle sind negativ konnotiert, mit Ausnahme von vegetarystę,. Unter den Ableitungen mit diesem Suffix, die unterschiedliche Bedeutungsnuancen aufweisen, gibt es viele Bildungen mit zusammengesetztem Stamm, deren erstes Glied die Bezeichnung eines Gegenstands ist, auf den die durch das zweite Glied ausgedrückte Handlung gerichtet ist: niekdirbystė, stikladirbystė, ženkladirbystė; motinžudystė, tironžudystė. Die Analogie in der Wortbildung dieser Wörter ist an den serienbildenden Gliedern -dirbystė, -žudystė erkennbar (vgl. die in Wörterbüchern verzeichneten kryždirbystę, broliųžudystę). Sie sind von Personenbezeichnungen mit zusammengesetztem Stamm abgeleitet. Anders verhält es sich mit vaistažolininkystė. Von Zusammensetzungen mit einem Adjektiv als erstem Glied abgeleitet sind naujagimystė, aklagimystė. Einzelfälle sind brokdarystė, knygrišystė, kraugerystė, pilvapenystė, vaizdakūnystė, žiniarinkystė, žmogėdystė. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Semantik ähneln sie bereits okkasionellen Bildungen. Als okkasionell können Bildungen mit einem untypischen zweiten Glied gelten (Substantiv oder Adjektiv statt Verb): saldžiabalystė, suktagalvystė, šleivakreivystė, šventpaikystė. Noch weiter von regelgerechter Wortbildung entfernt sind klaidži atikystė, regėjystė, suaugystė, vidursuaugystė, televienvaldystė.
Und für diejenigen, die lieber mit Rucksack auf dem Rücken zu Fuß reisen, bietet das Zentrum verschiedene Wanderstrecken an....hatte sich bereit erklärt, die schwere Bürde einer kurzen Amtszeit als Premierminister zu übernehmen....nur die Bibliothekarinnen konnten meine Buchbinderei verstehen, mein jüngerer Bruder Vytas....Bauchfresserei wurde mir zur Gewohnheit, deshalb wühle ich mich im schlammigen Sumpf.
Manchmal wird die individuelle Autorschaft auch daran sichtbar, wie Okkasionalismen in den Text eingebettet sind: Sie stehen neben dem Wort, das sie nachahmen und auf dem sie beruhen:
...die Ringelnattern krochen heran und leckten seine Äuglein, Öhrchen, Köpfchen... Daraus entstanden die Hellseherei, Hellhörerei und Klarverstandheit des Weisen Prūtas. Er wird sich irgendeine Schweinerei (oder Rattenmacherei) ausdenken.
Hier ist die Ableitung aiškiagirdystė hinsichtlich ihrer Wortbildung als potentiell einzustufen (sie entspricht dem Muster aiškiai girdi, aiškiai regi), während aiškiaprotystė auch okkasionell sein kann, da hier das zweite Glied der Wortbildungsbasis ein Substantiv ist (aiškus protas). Bei ähnlichen, in Wörterbüchern verzeichneten Ableitungen von zusammengesetzten Substantiven mit dem Erstglied aiškus-/aiškiai- ist das zweite Glied der Wortbildungsbasis verbal. Nach Analogie zu visažinyste, wurden visaregystė und visagalystė. gebildet.
Allgemein lässt sich die Vielfalt potentieller und okkasioneller Ableitungen eines Wortbildungstyps anhand von Beispielen denominaler Abstrakta mit dem Suffix -ybė veranschaulichen. Unter den Substantiven mit dem Suffix -ybė, die im „Wörterbuch der Gegenwartssprache Litauisch“ (2000) nicht zu finden, aber im computergestützten Korpus der VDU belegt sind, gibt es zahlreiche potentielle Bildungen, d. h. solche, die lediglich als Ersatz für Ableitungen mit dem Suffix -umas dienen, ohne Bedeutungsunterschied, aber etwas ungewöhnlicher und neuer klingen, z. B.: ribotybė, sodrybė, šlapybė, vaiskybė, vienišybė, žiaurybė:
...stellen wir uns vor, dass wir plötzlich all unser Wissen, alle unsere Theorien über die sichtbare Welt verlieren: Was für ein Chaos, was für eine Verlassenheit wird sich vor dem Menschen auftun....und die Schwärze, Säure und Nässe dieses Brotes! –
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wie eine beschissene Seife......am höchsten Punkt – die paradiesischen Schatten der Kindheit, am tiefsten – die Dunkelheit der Hölle....nachdem sie über das Unglück unserer Tage gelesen hat – unzählige Verbrechen, unbeschreibliche Grausamkeiten.
Offensichtliche Wortbildungsentsprechungen haben die von nicht besonders typischen Grundwörtern abgeleiteten apstybė, jokybė, nenumatomybė, pažįstamybė, vidybė: nicht:
Der Witz in dieser kleinen Erzählung – eine lebendige apstybė. Die einzige Qualität und das Wesen des reinen Wortes bestehen gerade in seiner jokybė. …die Zukunft ist ein Bereich der Unbestimmtheit und nenumatomybės. …ein in den theoretischen Blickkreis geratener Gegenstand verliert nichts von seiner Verständlichkeit und nichts von seiner pažįstamybės.
Interessantere Ableitungen sind švankybė, žinomybė, die in Sätzen die Funktion von wortbildungsmäßigen Antonymen zu präfigierten Ableitungen erfüllen: nešvankybė, nežinomybė. Als individuelle okkasionelle Bildung mit diesem Suffix kann die Ableitung kosmosybė: gelten.
Seit den Anfängen des litauischen Fernsehens war der Zuschauer daran gewöhnt, aus dieser Kiste eine limonadenhafte švankybę zu sehen… So entsteht im Bewusstsein ein Gegensatz zwischen žinomybės und Unbekanntem. Die Union ist etwas Unbekanntes, irgendein „Sojus“, nur nicht jener, den die Russen in die kosmosybes starten ließen.
Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal potentieller Bildungen ist, dass sie Wortbildungsnester sehr rasch erweitern, wobei jedes Glied ebenfalls analogisch analysiert werden kann. So entsteht häufig ein Verb, das eine Handlung bezeichnet, die von der im Grundwort genannten Person ausgeführt wird: yrininkauti, jūrininkauti, muitininkauti. Oft entsteht zugleich auch die Bezeichnung der Handlung – pensininkauti, pensininkavimas; turistauti, turistavimas; verslininkauti, verslininkavimas. Es kommen auch Abstrakta vor, ohne dass ein entsprechendes Verb belegt ist: kilpininkavimas, kultūrininkavimas, palūkininkavimas, sąmokslininkavimas. Es ist offensichtlich, dass das Auftreten dieser Verben in der Presse nur eine Frage der Zeit ist.
Man kann beobachten, dass potentielle Bildungen häufig Reihen wortbildungsmäßiger Synonyme ergänzen. Sie sind jedoch weder besonders bildhaft noch stilistisch markiert und gelten lediglich als eine Art sprachlicher Überschuss oder gar Ballast: So finden wir beispielsweise im Wörterbuch die Ableitung vynininkystė, während in der Presse neben ihr mit demselben Suffix auch vyndarystė, vyndirbystė: belegt sind.
Das Jahr war besonders erfolgreich für vynininkystei: Das Wetter war den Weinbauern und Weinproduzenten besonders wohlgesonnen. Von großer Bedeutung für die vyndarystei sind die Launen der Natur – Regen, Hagel und Stürme verwüsten die Weinberge... Das Ahrtal ist eines der nördlichsten vyndirbystės Gebiete.
Noch häufiger kommen wortbildungsmäßige Synonyme mit anderen Suffixen vor, in diesem Fall mit den Suffixen -ybė, - (išk)umas, -izmas: bergždystė, luošystė, modernystė, patriotiystė, savanaudystė (vgl. bergždumas, luošybė, modernizmas, patriotizmas, savanaudiškumas). Synonymie dieser Art kommt sogar innerhalb eines einzigen Satzes vor:
Wir sind überzeugt, dass ohne spirituelle Grundlage aus einer schwachen blaivystė bestenfalls passive Befürworter der blaivybės entstehen können.
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Zwischen potenziellen und okkasionellen Bildungen gibt es zahlreiche Hybride. Analogie in der hybriden Wortbildung zeigt sich, wenn ein produktives fremdes Affix an einheimische Wurzeln angefügt wird: In Grammatiken wird das Suffix -ismus als eines der produktivsten entlehnten Affixe vorgestellt. Besonders deutlich ist die Analogie, wenn damit Ableitungen von Eigennamen gebildet werden, die mit dem politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Leben verbunden sind: lukašizmas, miltin'izmas, stašaitizmas, tomkizmas, urkinizmas, vydūnizmas, žiugždizmas. Wenn das Basiswort ein Appellativ ist und Bezeichnungen für bestimmte Richtungen, Systeme, Staatsordnungen oder sonstige Eigenschaften meint, können die Ableitungen potenziell sein (mieščionizmas, paminklizmas, raidizmas, rūšizmas, sarmatizmas, žodizmas); doch oft verbindet ihre ungewöhnliche Semantik und Wortbildung sie mit der okkasionellen Wortbildung (izmas, skliautizmas). Wortbildungsgrundlage sind sowohl ältere als auch neuere Fremdwörter (švogerizmas, ubagizmas; snoumenizmas) sowie ungewöhnliche Basiswörter (pliugžmizmas, saldžiahy rizmas).
Nach einem Wunder zu verlangen, ist keineswegs snoumenizmas....Auch die Angst, des švogerizmu beschuldigt zu werden, veranlasste dazu, solche Bestimmungen in das Anwaltsgesetz aufzunehmen....Die Erzählung von Teklės Leben ist mit dem für die litauische Prosa typischen saldžiahy rizmo durchsetzt („die beiden blieben stehen und blickten lange auf den roten Sonnenuntergang“).
Analogie wirkt sich auch auf solche Bildungen aus, die durch Verschmelzung von Teilen zweier Wörter entstehen. Auch unter ihnen gibt es zahlreiche Mischbildungen. Zwar betrachten manche Sprachwissenschaftler Kontamination, selbst wenn sie bewusst vorgenommen wird, nicht als echte Wortbildung (Urbutis 1978: 301), doch würden wir sie bei okkasionellen Bildungen als ungewöhnliche Wortbildungsweise ansehen: darboholikas, muzikoholikas, seksoholikas, šokoladoholikas; pilvokratija, pornokratija, seimokratija; maustizacija.
In der demokratischen Welt hat sich pilvokratija durchgesetzt. Die hochgewachsene, gebildete Generation unserer Jugend – die Kriukiai, erkennbar an niedrigen Stirnen und gleichförmigen Beulen, die zeigen, dass sich in Zeiten der für die Frechheit der Kriukiai nötigen maustizacijos kleine Gehirne entwickeln mussten, was man von den smegenis der rechten und linken Gehirnhälfte nicht sagen kann; infolgedessen rutschte ihre Intelligenz in den unteren Körperteil...
Bei der Anwendung von Analogie entsteht auch Wortspiel, eine Art Paronomasie, die nicht nur auf Wortbildung, sondern auch auf der lautlichen Ähnlichkeit von Wörtern unterschiedlicher Bedeutung beruht. Solche Bildungen unterscheiden sich meist nur durch einen Laut, z. B. pliuralizmas – pliurpalizmas.
...Die Geschichte erinnert an einfache Dinge und hilft, sie zu erkennen. Und erst danach – pliuralizmas, pliurpalizmas und andere hübsche „Dingelchen“. Die Vereinbarung mit den Industriellen macht eine Klarstellung erforderlich: Was war gemeint, lobizmas ar lubizmas, wenn von Geschäftsinteressen die Rede ist?...privatizacija wurde in den Händen gerissener Burschen zur „prichvatizacija“. Die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die Geschichte verschiedenster Bolschewismen, Faschismen, Nationalsozialismen, „našizmas“, Schändungen und Bedrohungen der Demokratie.
Der litauische Wortschatz wird also fortwährend um Beispiele neuer Lexik erweitert, darunter viele potenzielle Bildungen. Produktive und derzeit aktive Wortbildungselemente bewirken auch das Entstehen okkasioneller Lexik. Die Ungewöhnlichkeit litauischer Okkasionalismen zeigt sich sowohl in ihrer untypischen Bedeutung als auch in einer regelwidrigen Wortbildung; doch ist nicht immer für sie kennzeichnend
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unvergängliche Neuheit und Alltagsferne. Unter den auf Analogie beruhenden okkasionellen Bildungen lassen sich mehrere strukturelle Typen unterscheiden:
1) Okkasionelle Bildungen, die analog zu einem in der Sprache existierenden Wort geschaffen werden, verletzen keine Wortbildungsregeln, z. B.: aiškiaregystė – aiškiagirdystė, uogautojas – vabalautojas, statyba – emyba;
2) Okkasionelle Bildungen, die auf der Grundlage existierender Wortbildungsmodelle geschaffen werden und dabei einige für diese typische Wortbildungsregeln verletzen: naivizmas, šuneliukizmas, pažadukizmas;
3) Okkasionelle Bildungen, die nicht nur nach dem Vorbild eines Wortbildungsmodells gebildet werden, sondern auch auf der lautlichen Ähnlichkeit mit dem nachgeahmten Wort beruhen, z. B. nacizmas – našizmas;
4) Okkasionelle Bildungen, die durch Kontamination entstanden sind: kaukodromas, seksodromas (vgl. kosmodromas); seksozauras, sportozauras (vgl. dinozauras).
Der Einfluss der Analogie ist sowohl bei der Wortbildung potenzieller als auch okkasioneller Wörter offensichtlich. Sie ist es, die das Entstehen vieler neuer lexikalischer Einheiten sowohl des üblichen als auch des nichtüblichen Sprachgebrauchs bewirkt.
LITERATŪRA
FERM, L. 1994: Особенности развития русской лексики в новейший период (на материале газет), Uppsala. (Acta Universitatis Upsaliensis. Studia slavica Upsaliensia, 33.)
GAIVENIS, K., KEINYS, S. 1990: Kalbotyros terminų žodynas, Kaunas: Šviesa.
LYKOV, A. G. 1976: Современная русская лексикология (русское окказиональное слово), Москва: Высшая школа.
MOTSCH, W. 1999: Deutsche Wortbildung in Grundzügen, Berlin–New York: de Gruyter. (Schriften des Instituts für deutsche Sprache, 8.)
URBUTIS, V. 1978: Žodžių darybos teorija, Vilnius: Mokslas.
ZEMSKAJA, E. A. 1992: Словообразование как деятельность, Москва: Наука.
Jurgita Mikelionienė Vytauto Didžiojo universitetas S. Daukanto g. 28, 3000 Kaunas, Lietuva [email protected]
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