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RECENZIJOS

SPRACHWISSENSCHAFTLICHE UND PHILOLOGISCHE GABEN, MICHAEL HASIUK GEWIDMET.

HERAUSGEGEBEN VON JÓZEF MARCINKIEWICZ UND NORBERT OSTROWSKI

Poznań: Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu, Katedra Skandynawistyki i Baltologii, 2001, 273 p., ISBN 83-232-1198-1.

(Poznańskie Studia Bałtystyczne, 1.)

Es ist symbolträchtig, dass in den vergangenen Jahren gleich mehrere Festschriften für ausländische Baltisten neue baltistische Buchreihen eröffnen. So erschien 2000 eine dem bedeutenden deutschen Slawisten und Baltisten Rainer Eckert gewidmete Publikation, Aspekte baltistischer Forschung – der erste Band der Reihe „Schriften des Instituts für Baltistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald“. Diese Tradition setzt auch die dem Förderer der polnischen Baltistik, Professor Michał Hasiuk, gewidmete Aufsatzsammlung fort: Sie markiert den Beginn der Reihe „Poznańskie Studia Bałtystyczne“. Andererseits ist sie, wie aus dem Vorwort der Herausgeber Józef Marcinkiewicz und Norbert Ostrowski hervorgeht, auch eine Art Fortsetzung der älteren Reihe „Seria Filologii Bałtyckiej“ der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań, zu der drei für Baltisten wichtige Bücher gehörten, die noch in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts erschienen1.

Neben der Liste der Gratulanten zum 70. Geburtstag von Prof. Hasiuk und einer ausführlichen Bibliografie seiner Arbeiten bietet die erwähnte Aufsatzsammlung auch einen knappen Überblick über die wichtigsten Stationen im Leben des Jubilars, insbesondere über seine wissenschaftliche Tätigkeit (S. XV–XVII, Eugeniusz Rajnik). In dieser Darstellung werden mehrere zentrale Forschungsinteressen Hasiuks hervorgehoben – die litauische Dialektologie, Phonologie und Phonetik sowie die Geschichte der baltischen Sprachen. Selbstverständlich bemühten sich die Herausgeber darum, dass auch der größte Teil der Beiträge im Band Fragen aus eben diesen dem Jubilar nahestehenden Fachgebieten behandelt. Aufgenommen wurden auch literaturwissenschaftliche Arbeiten – schließlich hat Michał Hasiuk, der sich mit großem Einsatz für die Entwicklung der Litauistik in Polen, insbesondere in Poznań, engagierte (seit 1987 leitete er den Lehrstuhl für Baltische Sprachen an der Universität Poznań), auch deren literaturwissenschaftliche Seite maßgeblich gefördert.

Bei näherer Betrachtung der in der Publikation erschienenen Arbeiten wird deutlich, dass diachrone Untersuchungen der baltischen Sprachen den größten Raum einnehmen. Zahlreiche Beiträge befassen sich mit der Wortgeschichte – mit Etymologie, historischer Wortbildung und historischer Morphologie.

Ein Teil der etymologischen Arbeiten widmet sich der Erforschung von Entlehnungen. In seinem knapp betitelten Beitrag „Lit. (ž.) ābrinas“ (S. 73–79) ergänzt Vincas Urbutis die Wortgeschichte des Litauischen um einige weitere geklärte Entlehnungen. Diesmal wird überzeugend gezeigt, dass das žemaitische ābrinas ‘ein kleines Gefäß aus aufrecht stehendem Holz mit Deckel zum Hineinlegen von Butter o. Ä.’, das in DŽ₁₋₄ als einheimisches Wort aufgenommen wurde, in Wirklichkeit ein später Lettizismus ist, entlehnt aus den lettischen Mundarten der südwestlichen Ecke Kurlands. Nebenbei werden auch andere Bezeichnungen für das alte hölzerne Buttergefäß gestreift, besonders das mutmaßliche Slavismus vogōnas. Interessant ist die semantische Entwicklung von ābrinas und vogōnas. Die Bedeutung beider Wörter weicht erheblich von den Bedeutungen der Wörter in den Entlehnungsquellen – dem Lettischen und den slawischen Sprachen – ab; lett. abra bedeutet gewöhnlich ‘Teigtrog, Backmulde’, eine Bedeutung, die auch bei einem Teil der slawischen Beispiele vorkommt. Der Forscher führt überzeugend aus, dass sich die Bedeutung der litauischen Entlehnungen von ‘Teigtrog, Backmulde’ zu ‘altes hölzernes Buttergefäß, Abrin’ entweder über die Zwischenbedeutung ‘(hölzerne) Schüssel (mit Deckel)’ oder unmittelbar durch Bedeutungsverengung entwickelt haben könnte; vgl. lit. dežė ‘Truhe, Kästchen’ und ‘Abrin’, das auf weißruss. дзяжа sowie poln. dzieża ‘Teigtrog’ zurückgeführt wird.

1 Kolbuszewski (1977), Kudzinowski (1977), Hasiuk (1978).

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Unter Rückgriff auf bestimmte Schreibbesonderheiten in preußischen Texten identifizierte Pietras U. Dinis einen germanischen Lehnwortstamm im Prußischen: „Linguistics and Baltic Philology: On EV 469 Scrundus, EV 558 Scrundos“ (S. 131–136). Ihm zufolge spiegelt pruß. scrundus, scrundos ‚Schere‘ mit der ursprünglichen Bedeutung ‚*Abspaltung, Ablösung‘ pruß. [[rund-] wider und ist mit mhd. schrunde ‚Riss, Hautriss‘, schründic ‚mit Hautrissen versehen‘ zu verbinden (vgl. mhd. schrinden ‚sich ablösen, reißen, bersten, rissig werden‘). Da bei deutschen Ableitungen mit dem sogenannten Nullsuffix die Objekt- bzw. Resultatsbedeutung meistens eng mit der Bedeutung von nomina actionis verbunden ist, erscheint eine solche Entlehnung durchaus plausibel. Vielleicht hätte man angesichts der instrumentalen Bedeutung, die das prußische Germanismus-Lehnwort angenommen hat, noch weitere Parallelen anführen können.

Interessante Bezüge zur Geschichte litauischer Wörter stellt Lembit Vabas Artikel „Is the Finnic lanko a Germanic or a Baltic loan?“ (S. 157–160) her. Obwohl darin ein finnisches Wort untersucht wird, hängt die vorgeschlagene Etymologie der Bezeichnung für angeheiratete Verwandte lanko ‚angeheiratete Verwandte [und andere]‘ unmittelbar von der Klärung der Herkunft des Entlehnungsgebers – des litauischen Wortes – ab. Vaba hält Kaarlo Liukonen Versuche, finn. lanko mit lit. (ž.) nuolanka, lankà ‚Unterwürfigkeit, Demut; die Verbeugung der Schwiegertochter vor den Verwandten des Mannes‘ zu verbinden, semantisch für unbegründet. Allerdings wird diese verworfene Etymologie im Artikel nicht ganz korrekt wiedergegeben – bei nuolanka fehlt die Bedeutungsangabe ‚Unterwürfigkeit, Demut, Ehrfurcht‘; dadurch wirkt der etymologische Zusammenhang völlig unverständlich, obwohl er vor allem wegen des geringen Alters und der begrenzten Verbreitung der gewählten samogitischen Ableitung zu kritisieren wäre. Die vom estnischen Wissenschaftler selbst gewählte Entlehnungsquelle des finnischen Wortes – lit. laigonas – scheint semantisch sowie hinsichtlich Verbreitung und Alter geeigneter zu sein. Doch wie auch der Autor der Arbeit einräumt, stößt man in diesem Fall auf lautliche Schwierigkeiten und muss sich bereits mit Fragen der Etymologie des litauischen Wortes und der historischen Phonologie befassen. Bedauerlich ist, dass Vaba Rūta Buivydienės Monografie Lietuvių kalbos vedybų giminystės pavadinimai (1997) nicht herangezogen hat, in der die Forschungsgeschichte zu laigono ausführlich dargestellt und die vorgeschlagenen Etymologien bewertet werden. Buivydienė gibt begründet der Verbindung mit Wörtern der idg. Wurzel *leik- ‚verbinden, zusammenbinden‘, ‚erreichen, sich verpflichten‘ den Vorzug. Daher hätte der Linguist vermutlich nicht so viel Raum auf andere, weniger überzeugende Alternativen verwenden müssen. Als Prototyp des finnischen Wortes gilt im Artikel lit. *langonas, das mutmaßlich neben laigonas existiert haben könnte, ähnlich wie die Varianten aldra // audra; bengti // baigti; tvankas // tvaikas; strungas // strugas. Doch der Wechsel von Sonant und Vokal, genauer vielleicht von Diphthong und Doppelvokal, im Stamm oder Suffix ist ein recht problematisches, nicht völlig klares Sprachphänomen. Auch der Zusammenhang der angeführten Beispiele ist nicht vollständig klar; zumindest ein Teil davon spiegelt unterschiedliche sprachliche Gesetzmäßigkeiten wider: aldra // audra und ähnliche Varianten sind das Ergebnis des für manche Dialekte charakteristischen Wechsels al // au (siehe ausführlicher Zinkevičius 1966: 164); das bengti, das sich später neben baigti, beigti herausgebildet hat, enthält ein aus Infigierung stammendes n im Stamm (siehe Urbutis 1981: 100–104); über den Zusammenhang zwischen tvaikas und tvankas herrscht keine Einigkeit (Urbutis 1981: 102, Fußnote 26) usw.2 Die vorgeschlagene Erklärung des finn. lanko bleibt somit übermäßig hypothetisch.

Die Forschungen von Mariola Walczak-Mikolaiczakowa („Балтизмы в болгарском языке“, S. 167–173) führen das von Jūratė Laučiūtė erarbeitete Wörterbuch der Baltismen Словарь балтизмов в славянских языках (1982) weiter und präzisieren es. Ähnliche Arbeiten haben bereits andere Wissenschaftler geleistet, vgl. Vincas Urbutis’ Rezension (Urbutis 1984: 184–191) und Aleksandras Anikins Anmerkungen (Anikin 2001: 8–10). Der besprochene Artikel stellt zu Recht infrage, ob neun im Wörterbuch von Laučiūtė aufgeführte bulgarische Wörter als Baltismen gelten können

2 Auch das von Vytautas Vitkauskas eingehend untersuchte Phänomen, bei dem Nasalvokale aufgrund von Epenthese durch Diphthonge oder Doppelvokale ersetzt werden, eignet sich nicht für die postulierten Lautveränderungen des Wortes (Vitkauskas 2001: 120–126).

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Baltismen. Nur eines von ihnen – вепер – ist unbestritten baltischen Ursprungs, doch aus bulgarischer Sicht handelt es sich dabei um einen Russismus. Ähnlich sind auch einige der anderen im Wörterbuch aufgeführten Wörter über näher verwandte slawische Sprachen ins Bulgarische gelangt, während die übrigen vermutlich lediglich verwandte Wörter sind, deren Ursprung in die gemeinsame baltisch-slawische Periode zurückreicht.

Unter den Untersuchungen zur Herkunft baltischer Erbwörter ist an erster Stelle die Arbeit von Wojciech Smoczyński zu nennen. In seinem Artikel „Litewskie stógas obok innych refleksów pie. pierwiatków na *h₂Te“ (S. 15–27) führt er den in früheren Arbeiten „Indoeuropėjiškie podstawy słownictwa litewskiego“, „Komentar laryngalistyczny do wybranych formacji litewskich“ (Smoczyński 2001: 131ff., 252) vorgebrachten Gedanken zur Herkunft von lit. stógas, genauer balt. *stág-a-, weiter. Seiner Ansicht nach ist dieses isolierte Wort eine Ableitung des untergegangenen Verbs lit. *stógti, stóga, stógo ‚tropfenweise abfließen, durchsickern, tröpfeln‘ (das Entsprechungen im Griechischen hat)3. Die ursprüngliche Bedeutung von stógas wäre demnach ‚Abflussrinne (des Daches), Dachtraufe zum Ablaufen des Regenwassers‘; die heutige Bedeutung hätte sich metonymisch entwickelt. Die semantische Seite der vorgelegten Hypothese weckt gewisse Zweifel. Es fehlen offensichtlichere Parallelen aus anderen Sprachen. So hängt die Motivation der wichtigsten Dachbezeichnungen in einem beträchtlichen Teil der idg. Sprachen mit dem Bedecken zusammen: dt. Dach, germ. *þaka-, lat. toga, russ., weißruss. крыша usw.; vgl. auch lit. dial. dangtis ‚Dach‘ (LKŽII 259). Daher scheint die im Artikel nicht erwähnte Etymologie von Vytautas Mažiulis im Prūsų kalbos etimologiniame žodyne überzeugender, die auf frühere Versuche zurückgeht, das Wort mit idg. *(s)teg- ‚bedecken‘ zu verbinden: balt. (dial.) *stágas – ein Flexionsstammderivat des Verbs balt. *stīg- / stag- ‚bedecken‘ ← *stag-, das neben dem Verb balt. *steg- ‚bedecken‘ existierte, vgl. verwandt pruß. steege ‚Scheune‘ < pruß. *stēgē ‚Bedeckung‘ < pruß. stēg- ‚bedecken‘ < balt. *steg- ‚ebd.‘ usw. (Mažiulis 1997: 157ff.). Neben der Etymologie von stogas erörtert Smoczyński in seinem Artikel gut ein Dutzend litauischer Wörter, die in ihrer phonologischen Struktur dem angenommenen *stág- < *stéh₁g-, d. h. *C(C)eh₂T, entsprechen. Auf die Herkunftserklärungen einiger der hier untersuchten Wörter hatte der Autor bereits in früheren Arbeiten hingewiesen. Es gibt jedoch auch ganz neue etymologische Verknüpfungen, die das bedeutende Werk der deutschen Linguisten Lexikon der indogermanischen Verben durch neues Material ergänzen (siehe Rix 1998).

Recht problematisch sind die von Piotr Stalmaszczyk und Krzysztof T. Witczak vorgelegten etymologischen Untersuchungen („On two Baltic-Celtic terms for ‘stallion’“, S. 29–32). Wie sich dem Artikel entnehmen lässt, stehen sie in engem Zusammenhang mit dem an der Universität Łódź entwickelten Projekt eines neuen vergleichenden etymologischen Wörterbuchs der indogermanischen Sprachen. Die Linguisten legten zwei neue Etymologien baltischer Wörter für Hengst bzw. Pferd vor. Ihrer Auffassung nach ist die Entlehnungsquelle von pruß. sveriapis ‚Turnierpferd‘ und kirchenslaw. *swerjepъ das Wort der ausgestorbenen ostkeltischen Mundart *swerihāpos ‚Hengst‘, vgl. altirisch serrach ‚junges Pferd, Fohlen‘ usw. Dennoch wird nicht ausgeschlossen, dass die Prußen dieses vermutete keltische Wort unmittelbar entlehnt und sogar ein gemeinsames baltisch-slawisches Wort *sweriapas besessen haben könnten. Wahrscheinlich handelt es sich, wie die meisten führenden heutigen Prußisten meinen, um einen Polonismus im Prußischen. Außerdem ist weder in den slawischen noch gar in den baltischen Sprachen auch nur ein einziger verlässlicher Entlehnungsfall aus dem Keltischen nachgewiesen, ebenso wenig eine uneingeschränkt überzeugende exklusive baltisch-keltische Isoglosse (vgl. Dini 2000: 53f., 152f.). Daher erscheint statt der konstruierten, komplizierten Etymologie die bereits von Trautmann und Vasmer vorgeschlagene Verbindung mit poln. świerzepa ‚Stute‘, tschech. sveřep(ec) ‚Feldunkraut; Zuchthengst‘ usw. mit einem im Polnischen nicht erhaltenen, aber in anderen slawischen Sprachen belegten Adjektiv viel plausibler, vgl. altostslaw. swerěpъ ‚wild‘, slowen. srěp ‚zornig, rau‘ usw. Eine neue, vermutete baltisch-keltisch-indoiranische etymologische Verbindung: ostbalt. *kumelias ‚Hengst‘ (*ku-

3Übrigens ist unklar, warum die offengelegte Wortbildung nur bis in die vorlitauische Zeit zurückreicht, obwohl stogas ein gemeinbaltisches Wort ist.

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melias), altir. meile ‘Pferd’ < und kelt. *melyos, ai. máryaḥ ‘Hengst’ – scheint ebenfalls umstritten. Das ai. Wort márva- in der Bedeutung ‘Hengst’, das angeblich im Rigveda belegt ist, wird nur in älteren Sanskritwörterbüchern vom Ende des 19. Jahrhunderts aufgeführt. In neueren wissenschaftlichen Arbeiten wird diese Bedeutung gar nicht angegeben (vgl. Mayrhofer 1996: 326; Geldner 1951 a: 191.13; 1951 b: IX 97.18). Das Wort existiert im Altindischen also wahrscheinlich nicht mit dieser Bedeutung. Die genetischen Beziehungen des mutmaßlich verwandten altir. meile lassen sich zudem wegen der nicht ganz eindeutigen Bedeutung nicht zuverlässig bestimmen.

Der auf Latein verfasste Artikel von Ignacas R. Dankas „De Balticis ciconiae nominibus“ (S. 1–4), mit dem die Herausgeber den Band eröffneten und gleichsam repräsentierten, ist ein anschauliches Beispiel für die Ideologisierung indogermanistischer Forschung und die Nichtlektüre etymologischer Literatur. Die Arbeit bietet einen Überblick über die Untersuchungen zur Herkunft einiger baltischer Bezeichnungen für den Storch. Meist beschränkt sie sich auf die Arbeiten der alten Klassiker der Indogermanistik; was Baltisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschrieben haben, wurde nicht berücksichtigt. So gilt etwa lie.gužas, gužutis seit Pokorny angeblich als indogermanisches Erbwort, obwohl es sich in Wirklichkeit, wie Vincas Urbutis feststellte, um eine Bildung aus der litauischen Sprachperiode handelt (vgl. gūžinti ‘gekrümmt und gebückt gehen’, gūžinėti ‘zusammengezogen gehen, umherhuschen’, gūžtis ‘sich zusammenziehen, sich zusammenkrümmen’, gaužtis ‘sich ducken, den Hals einziehen, sich niederkauern’ usw.; siehe Urbutis 1981: 33 und Anm. 43). Auch andere in Urbutis’ Studie Baltų kalbų garrnio pavadinimai ausführlich analysierte Etymologien von lie. garnys, genė usw. sowie lett. dial. guoris bleiben unerwähnt (Urbutis 1981: 18, 24 f., 32 f.), obwohl sie weitaus besser begründet sind als die im Artikel wiedergegebenen. Noch merkwürdiger ist, dass anscheinend nur eine germanische Herkunft des Wortes gandras erörtert wird und andere Möglichkeiten gar nicht zur Sprache kommen; vertieft man sich jedoch in die in der Fußnote (S. 2, Fußnote 4) angeführte Literatur, die diesen einzigen Weg scheinbar bestätigt, stellt sich heraus, dass dort ganz anderen Herkunftserklärungen der Vorzug gegeben wird. Außerdem wird im Artikel mehrfach auf das einst von Z. Zinkevičius veröffentlichte polnische jatwingische Glossar verwiesen; daraus werden angeblich jatwingische Entsprechungen zitiert (sterkas, gerwe), obwohl Wolfgang Schmid überzeugend festgestellt hat, dass in diesem Büchlein keineswegs die jatwingische Sprache dokumentiert ist⁴. Auch die etwas später dargelegte Ansicht Zinkevičius’, dass hier Wörter der Jatwinger (als eines bestimmten baltischen Stammesbundes) und der Litauer, die im Einzugsgebiet des Flusses Narew lebten, aufgezeichnet seien (Zinkevičius 1992: 99–133), rechtfertigt keinen so vertrauensseligen und unkritischen Umgang mit dieser Quelle. Schließlich wird allenthalben betont, dass die Daten mit großer Vorsicht zu beurteilen sind.

Der Band enthält mehrere Arbeiten zur Onomastik. Józef Marcinkiewicz erörtert die Herkunft des Suffixes -ukas in suvalkischen Personennamen („The -uk- affix in Lithuanian personal names of the Suwałki region“, S. 55–62). Auf der Grundlage der sogenannten [veröffentlichten] Daten aus den Kirchenregistern von Falk (17.–18. Jh.) behauptet er, das genannte Suffix in suvalkischen Personennamen sei litauisch und nicht weißrussisch (letzteres nehmen hier zahlreiche Forscher an). Die vorgelegten Fakten erlauben jedoch keine endgültige Antwort: Ein Teil der lateinischen Kirchennamen gelangte gerade über das Weißrussische oder Polnische ins Litauische, und es ist sehr schwierig, bei den engen Beziehungen zwischen Polen, Litauern und Weißrussen über eine typische Litauisierung bestimmter Varianten zu urteilen. Mitunter fehlt es auch an Genauigkeit. So wird behauptet, die von anderen Linguisten genannten Weißrussismen in polnischen Dialekten seien „really Lithuanian origin (sic)“ (S. 56, Fußnote 4), obwohl die litauischen Entsprechungen eines Teils davon, z. B. pacuki (vgl. paciūkas), kańcuk (vgl. kańčukas), kindžuk (vgl. kindžiūkas), Lehnwörter sind.

Die Anpassung baltischer Toponyme und Anthroponyme im polnisch-weißrussisch-litauischen Grenzgebiet behandelt Michał Kondratiuk in seinem Artikel „О славянизации балтийских топонимов и антропонимов на

4 Im Glossar ist tatsächlich eine Mischung aus litauischen, lettischen und deutschen Sprachen festgehalten, die von einem zugezogenen Juden gesprochen worden sein könnte, der Litauisch und Lettisch nicht gut beherrschte (siehe Schmid 1986: 273–286).

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polsko-belorussko-litovskom pogranič’e“ (S. 161–166). Diese Untersuchungen gingen aus früheren Arbeiten des Wissenschaftlers hervor (vgl. insbesondere Kondratiuk 1985 und 2000). Die zusammengestellte Namensdatenbank aus dem polnischen Gebiet um Białystok und der belarussischen Umgebung von Grodno ermöglichte einen Überblick über die Verfahren zur Slawisierung der festgestellten litauischen Toponyme und Anthroponyme: die phonetische, die phonetisch-derivationelle, mehrere hybride Varianten (Wortstamm baltisch, der übrige Teil slawisch), die Übersetzungsanpassung sowie die Anpassung nach Art der Volksetymologie.

Interessant, wenn auch kontrovers, ist Mykolas Palmaičis’ Arbeit, die den Ursprung einiger prußisch-russischer Orts- und Personennamen analysiert („Old Prussian Share in Creating the First Russian State“, S. 141–153). Auf der Grundlage von Daten aus Geschichte und Vorzeit (Chroniken, Legenden), Archäologie und Onomastik rekonstruiert (erschafft?) der Linguist ein Fragment der prußischen Geschichte des 9.–13. Jahrhunderts, das eng mit der Entstehung der Kiewer Rus verbunden ist. Damit wird die normannische Theorie über den Ursprung des Staates weiterentwickelt. Die Prußen sind hier gewissermaßen Verbündete und Vermittler der Normannen, also der Wikinger und Waräger. In diesem Zusammenhang wird eine eigene Herleitung des Namens Russia und des Ethnonyms der Russen vorgeschlagen: Es gehe auf die Bezeichnung der Wikinger Rūs < Rōs zurück, vgl. altnord. róþs-menn ‚Ruderer‘; es handle sich um eine Verallgemeinerung nach dem Namen der Prußen, die im Einzugsgebiet des Flusses Rusnė (Russ / *Rusā) lebten: *Rus(ai), Russes. Im Allgemeinen ist das Material aus Chroniken und Legenden vielschichtig, mehrdeutig und nicht überprüfbar; es ist hier sehr schwierig (wenn nicht unmöglich), Spekulationen zu vermeiden. Der von Palmaičis entwickelten Hypothese ist ihre „Prußozentrik“ sofort als erheblicher Einwand entgegenzuhalten. Der Umgang mit Fakten und sprachlichem Material scheint zu stark einer einzigen Idee untergeordnet: Das über die Prußen ins Russische gelangte vitjaz’ (← pruß. *vītingis ← urgerm. vikingr) beruhe auf dem Stamm des prußischen Wortes jō; der als prußischen Ursprungs geltende Name des Warägerfürsten Oleg ← pruß. *Algis (ein solcher prußischer Personenname ist allerdings nicht belegt) fasse dagegen den mutmaßlichen Stamm auf *Algas im Genitiv und weiteren Kasus zusammen: ō. Etymologisch werden auch einige alte zweistämmige nordgermanische, baltische und slawische Personennamen miteinander verbunden.

Zur Onomastik gehört auch der Artikel von Henryk Jankowski „The names of habitation places of Polish-Lithuanian Tatars“ (S. 189–200). Er untersucht die Herkunft der Toponyme für Siedlungsorte der Tataren im Gebiet von Trakai und Vilnius sowie in einigen Gegenden Weißrusslands und Polens, die, so die Vermutung, türkischen Ursprungs sind. Neben Ortsnamen mit dem türkischen Suffix -Lar werden auch Toponyme behandelt, die von tatarischen Personennamen mit angefügten slawischen oder litauischen Suffixen abgeleitet sind. Übrigens wird das litauische Suffix -išk- (in slawisierter Form -iški) aus unbekanntem Grund ungenau als slawisch oder gar litauisch-slawisch eingestuft. Interessant und noch der Beurteilung durch litauische Onomasten harrend ist auch der Versuch, den Namen des Flusses Vokė mit dem türkischen Eigennamen Waq in Verbindung zu bringen.

Witold Mańczaks Arbeit „Coup d’oeil sur le dictionnaire de fréquence du lituanien“ (S. 47–53) verbindet auf eigenständige Weise synchrone und diachrone Untersuchungen von Wörtern und Formen. Darin wird der Gedanke des Autors weiterentwickelt und begründet, dass unregelmäßige Lautwandel durch häufigen Wortgebrauch bedingt sein können. Auf Grundlage des Dažniniu dabartinės rašomosios lietuvių kalbos žodynu von Laima Grumadienė und Vida Žilinskienė (1997) wird eine Liste besonders häufiger Wörter vorgelegt, deren Herkunft sich weder durch Lautgesetze noch durch Analogiewirkung erklären lässt. Offenbar ist ein Großteil dieser Wörter oder Formen verkürzt, andere sind aus mehreren längeren Wörtern zusammengewachsen, wieder andere weisen veränderte Laute auf. Merkwürdigerweise enthält der Artikel keinerlei Literaturverweise auf Arbeiten, die zur Bestimmung der Wortherkunft herangezogen wurden. Unklar ist, ob neben dem mehrfach erwähnten Fraenkel (vermutlich seinem Werk Litauisches etymologisches Wörterbuch?) weitere Arbeiten berücksichtigt wurden. Wahrscheinlich war dies nicht der Fall. Daher bedürfen die Kommentare zu einigen Wörtern der Präzisierung: Zur Herkunft von namō und žemyn gibt es ziemlich unterschiedliche und widersprüchliche Ansichten – sie müssen nicht unbedingt verkürzt sein (siehe Zinkevičius 1981: 170, 182 f. mit Lit.). Auch über eine Verkürzung des Germanismus pinigas besteht keine völlige Klarheit. Kazimieras Būga zufolge übernahmen nur die žemaitischen Dialekte die längere Variante piningas (aus ahd. penning), während pinigas etwas später (um 1200) aus mnd. pennig übernommen wurde.

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buvo perimtas aukštaĩčiu (Būga 1959: 91). Vadinasi, čia susiduriame ne su vienos formos trumpėjimu, o su kelių formų konkurencijos išdava. Tikslumo kartais trūksta pateikiant Fraenkelio žodyno duomenis. Teigiama, jog dalelytė gi yra sutrumpėjusi veiksmažodžio girdi forma. O iš tiesų ta dažniausiai vartojama pabrėžiamoji dalelytė gi laikoma archajiška ir siejama su senuosiuose tekstuose paplitusiomis -ge, -ga, -gu, taip pat su slavų ir kitų kalbų atitikmenimis (Fraenkel 1962: 126; Zinkevičius 1981: 197). Dėl pakartotos kitos Fraenkelio (remiantis Endzelynu 1939: 74, 188) hipotezės apie homonimišką gi, pasitaikančią sakinio pradžioje ir neva kilusią iš girdi, galima ir paabejoti⁵. Kad ir kaip ten būtų, į dažninį žodyną veikiausiai buvo įtraukta tik įprastinė archajiškoji dalelytė gi. Taip pat svarstytina, ar verta nedėsningu trumpinimu laikyti dūrinio pirmojo sando galūnės (arba istorinio kamiengalio su galūne) numetimą, plg. šimtmetis, viešbutis komentarus⁶. Dūrinių formavimasis iš dviejų žodžių junginio vyksta ne chaotiškai, o pagal tam tikrus dėsningumus. Autoriaus hipotezę atitinkančiu trumpėjimu nebent būtų galima laikyti dūrinio jungiamojo balsio išmetimą, tačiau naujadaras viešbutis, neturįs ilgesnių variantų, čia taip pat netiktų. Turbūt korektūros klaida laikytinas nors kildinimas iš noris, o ne iš noris.

Eine ähnliche Arbeit von W. Mańczak zur prußischen Sprache wird auch in einem anderen Beitrag des rezensierten Bandes mit dem eleganten und subtil humorvollen Titel „A note on Old Prussian dewas, Marx and engels“ (S. 155–156) kommentiert und korrigiert. Der Autor, Williams Schmalstieg, berichtigt mehrere prußische Sprachbeispiele, die den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der genannten Wörter und unregelmäßigen Lautveränderungen unzutreffend veranschaulichen. Die verkürzten Formen von dewas und anderen Wörtern mit ǭ-Stamm können nicht als nom.-sg.-Formen auf -is (dewis usw.) gelten, denn nur diese Formen (neben ihnen gibt es keine Variante dewas) sind im ältesten prußischen Text, dem Elbinger Vokabular, belegt. Auch die Form des Genitivs Singular sīras ‚des Herzens‘ ist ungekürzt: Das von Mańczak zum Vergleich herangezogene altkirchenslawische česo spiegelt tatsächlich einen ǭ-Stamm wider, während die prußische Form einen konsonantischen Stamm aufweist, vgl. gr. χῆρος.

Mit der historischen Morphologie verbunden sind die Untersuchungen des litauischen Verbs von Norbert Ostrowski („Zu den litauischen nasalinfigierenden Verben des Typs ved. punāti“, S. 69–71). Dem Autor zufolge lassen sich im Litauischen einige Verben mit einem alten n-Infix finden: trinti, skinti und minti; die von früheren Forschern als Vertreter dieses Typs bestimmten Verben žinoti und gauti (gauna) sind auszuschließen.

Fragen der historischen Wortbildung behandelt Frederik Kortlandt („OPr. -snā, Lith. -sena, Latv. -šana“, S. 137–139). Dies ist ein weiterer Versuch, den genetischen Zusammenhang zwischen lit. -sena, lett. -šana und pruß. -snā zu bestimmen (zu anderen Versuchen siehe Ambrazas 1993: 60ff.). Kortlandt rekonstruiert folgendes baltisch-slawisches Paradigma: Nom. Sg. -sin, Akk. Sg. -senin, die übrigen Kasus mit -snā-.

Karl H. Schmidt gibt einen Überblick über archaische baltische Reflexivformen, die als indogermanische Erbstücke gelten („Zum baltischen Reflexivum“, S. 5–14). Die Stellung des enklitischen Pronomens s(i) in Wörtern und Sätzen der alten baltischen Texte sowie der Gebrauch des possessiven Genitivs savo des Reflexivpronomens im Satz werden mit entsprechenden Formen in alten indogermanischen Sprachen (indoiranischen, tocharischen, griechischen u. a.) verglichen und typologisch auch den Tendenzen ergativischer Sätze in den nichtindogermanischen kartwelischen Sprachen gegenübergestellt.

5 Fraenkel weist darauf hin, dass es die Bedeutung ‚jedoch, sondern, aber‘ hat. Das LKŽ führt diese Bedeutung jedoch nicht an; eine ähnliche, in der Umgangssprache vorkommende Verwendung von gi (die in sprachpflegerischen Arbeiten korrigiert wird) in vergleichenden oder adversativen Satzverbindungen ist durch die russische Konjunktion und Partikel же bedingt. Andererseits sollte man Endzelyns Gedanken nicht völlig verwerfen. Anders als Fraenkel gab der lettische Sprachwissenschaftler keine klare zweite Bedeutung der Partikel gi an. Möglicherweise hängt die Herkunft der von ihm später genannten Bedeutung von jaugi, ‚in der Tat, ja, übrigens‘ (sie ist auch im LKŽ verzeichnet), tatsächlich mit der Verbform girdi zusammen.

6 Übrigens könnten die Grundwörter des Kompositums viešpilas, das als Modell (Prototyp) für das Wort viešbutis angegeben wird, nicht viešas und pilis, sondern viešas und pilti gewesen sein.

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Einige angeführte semantische Parallelen aus den kaukasischen und baskischen Sprachen zur Etymologie des emphatischen Pronomens *patis stützen die von einem beträchtlichen Teil der Sprachwissenschaftler vertretene Erklärung, etwa von Delbrück, Gamkrelidze, Ivanov und in jüngster Zeit besonders ausführlich begründet von Rosinas, dass die ursprüngliche Bedeutung von idg. *pot ‚Herrscher, Hausherr‘ gewesen sei (siehe Rosinas 2000: 129–140).

Der einzige Beitrag zum komplexen Thema der baltischen historischen Akzentologie ist Rick Derksens Arbeit „Tonal oppositions on non-initial syllables in Latvian“ (S. 81–87). Darin wird Steven Youngs Behauptung überprüft, dass der sekundäre gebrochene Tonakzent in nichtinitialen Wortsilben in den mittellettischen Mundarten fast regelmäßig den ursprünglichen Zirkumflex vertrete. Die durchgeführte Analyse zeigt, dass die festgestellte Regelmäßigkeit nicht regelmäßig ist: Ein Teil der von Young angeführten Beispiele lässt sich auch ganz anders interpretieren – in den lettischen und litauischen Mundarten gibt es zahlreiche abweichende Akzentuierungsvarianten; zudem wird die Wirkung des Saussure-Fortunatov-Gesetzes in nichtinitialen Silben unbegründet verabsolutiert. Für weitere Untersuchungen zur Herkunft des gebrochenen Tonakzents in nichtinitialen Silben schlägt Derksen eine Reihe geordneter Schritte vor: zunächst die vorhandenen lettischen Mundartvarianten zu berücksichtigen, dann sie mit den Befunden aus den litauischen Mundarten zu vergleichen und schließlich die Etymologie des Morphems heranzuziehen. Übrigens könnten diese Untersuchungen vielleicht auch durch Lehnwortdaten auf eigene Weise korrigiert werden; vgl. die im Beitrag erwähnten Germanismen sī-puōls, maguōne sowie den Slawismus čilvēks (cilvēks).

Aus den Untersuchungen zur Geschichte alter Texte enthält der Band zwei letonistische Beiträge. Gvidas Michelinis untersucht die Quellen des katholischen Katechismus von Petrus Canisius aus dem Jahr 1585, des ersten gedruckten lettischen Buches („Quellen des lettischen Katechismus von 1585“, S. 121–129). Anhand umfangreicher Zitate wird gezeigt, dass sich keine eindeutige Quelle des Katechismus ausfindig machen ließ. Der lettische Text ähnelt eher den deutschen kleinen Katechismen von Canisius; am nächsten stehen ihm Der kleine Katechismus von 1584 und Catechismus In Kurtze Frag. von 1581.Der kleine Katechismus Catechismus In Kurtze Frag. Der Autor zufolge gibt es jedoch noch zahlreiche Textstellen ohne eindeutige Entsprechungen. Es werden zwei Hypothesen aufgestellt: Entweder wurde das lettische Werk aus Übersetzungen mehrerer verschiedener, zuvor verfasster Katechismen von Canisius zusammengestellt, oder es wurde eine kompilierte handschriftliche (deutsche) Vorlage verwendet. Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass eine Überprüfung der aus nicht näher ersichtlichem Grund im Beitrag verschwiegenen Hypothese zur Urheberschaft des Übersetzers möglicherweise zusätzliche einschlägige Erkenntnisse liefern könnte: Es wird vermutet, dass der Übersetzer des Katechismus der Deutsche Erthmann Tolgsdorff gewesen sein könnte. Übrigens ist der Name des Herausgebers der Faksimileausgabe des Katechismus falsch angegeben – richtig ist Günther und nicht Günter.

Toshikazo Inoues Beitrag „Некоторые заметки к изданному Бецценбергером тексту латышского Катехизиса 1586 года“ (S. 113–119) behandelt einen weiteren alten lettischen Katechismus, die Übersetzung von Martin Luthers Enchiridion aus dem Jahr 1586.Enchiridiono Tatsächlich handelt es sich hier um eine Liste von Abweichungen und kleinen Fehlern, die in Adalbert Bezzenbergers kritischer Ausgabe des lettischen Enchiridions (1875) gefunden wurden.Enchiridiono Die vom Autor vorgeschlagene Lesart des Gesamttextes mit Kommentaren auf Japanisch wurde in Japan veröffentlicht. Diese textkritischen Anmerkungen sind lediglich der Anfang einer geplanten größeren Arbeit, in der alle drei baltischen Enchiridion-Texte miteinander verglichen werden sollen.Enchiridiono Ein solches Vorhaben wird auch dadurch ermöglicht, dass die Quellen der prußischen und lettischen Texte von Forschern recht gründlich untersucht worden sind (siehe Trautmann 1909: 217–479; Mažiulis 1966: 33–40; Vanags 1995: 52–62). Es scheint allerdings, dass das Verhältnis der litauischen Übersetzung von Baltramiejus Vilentas, ENCHIRIDION Catechijmas maþas, zu ihren Quellen seit Trautmanns Studie von niemandem erneut untersucht worden ist; Vilentas’ Werk ist auch als ein erweiterter Teil eines Katechismus von 1547 aufgenommen, der aus dem Polnischen übersetzt wurde (wahrscheinlich ein Werk von Martynas Mažvydas selbst).ENCHIRIDION Catechijmas maþas

Der rezensierte Band enthält mehrere Beiträge zur Dialektologie. Es hätten durchaus mehr sein können, denn die Erforschung der Mundarten ist wohl Michało Hasiuks wichtigstes Forschungsgebiet. Fast alle dialektologischen Arbeiten sind der Analyse der litauischen Mundarten in Polen gewidmet. Kazimieras Garšva

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In dem Artikel werden die phonologischen und einige akzentologischen Besonderheiten dieser Dialekte überblicksartig dargestellt („The Lithuanian dialects of the Seinai region“, S. 33–38). Besonders hervorgehoben werden die phonologische Interpretation der Varianten des Vokals i:, von a und e sowie die Probleme bei der Bestimmung der Quantität von End- und Nachtonvokalen; außerdem wird die Nivellierung der Intonationen langer Vokale behandelt. Hinsichtlich der erwähnten Härtung der Konsonanten l, r, s sind auch gegenteilige Einschätzungen möglich: siehe Kardelis (2001: 141–150 mit Lit.).

Ziemlich studentisch anmutend sind die Dialektstudien von Piotr Grablunas und Jowita Niewulis. In Grablunas Arbeit „Einige (sic!) Fragen zum Gebrauch des Lokativs im polnischen Dzūkija-Dialekt“ (S. 39–46) fallen die sehr unbeholfene und verwirrende Verwendung der Bezeichnungen für den Lokativ ins Auge. Aus der Einleitung des Artikels und der englischen Zusammenfassung geht hervor, dass die Bezeichnungen Lokativ / Inessiv, Illativ / Direktiv synonym verwendet werden, also anstelle des inneren Zustandslokativs beziehungsweise des inneren Richtungslokativs. Die Beispiele zeigen jedoch etwas anderes: „Der Inessiv kann a) für den Lokativ und b) für den Inessiv gebraucht werden“ (S. 40); „Auch der Illativ kann a) für den Inessiv und b) für den Lokativ gebraucht werden“ (S. 40), „Ebenso nähert sich der Illativ in seiner Bedeutung dem Direktiv und nicht dem Lokativ“ (S. 44)7. Betrachtet man die Übersicht über den terminologischen Gebrauch der Lokativbezeichnungen, die auf Grundlage der Einteilung der Kasusbedeutungen von Jonas Šukys erstellt wurde, zeigt sich im Übrigen, dass ein beträchtlicher Teil der beschriebenen Lokativverbindungen syntaktische Lehnübersetzungen aus slawischen Sprachen sind (im Artikel ist nur von der Übernahme einiger Konstruktionen aus dem Polnischen die Rede). In Jowita Niewulis’ Artikel „Besonderheiten der Pronomen im Dialekt von Punsk“ (S. 62–67) werden besondere Formen einzelner Pronomen des Dialekts von Punsk behandelt. Auch hier finden sich gewisse Ungenauigkeiten. So werden die Formen jisai, jinai, tasai als pronominale artikulierte Formen aufgefasst, tatsächlich handelt es sich jedoch um Formen, die durch die angehängte Partikel -ai, -nai erweitert sind und in einigen Dialekten lediglich als artikulierte Formen behandelt werden (vgl. Zinkevičius 1966: 430ff.).

Der Artikel-Publikation von Friedhelm Hinze „Mehrsprachigkeit rund um das Kurische Haff im Bewusstsein meines Gewährsmannes Fritz Peleikis (1904–1984) aus Preil“ (S. 98–111) ist der Erforschung eines ganz anderen besonderen Dialekts, vielleicht sogar einer anderen Sprache, gewidmet. Veröffentlicht wird hier ein später Text in kurischer Sprache, verfasst von Fritz Peleikis, einem ehemaligen Fischer aus Neringa. Wertvoll ist, dass zusätzlich die steigende Intonation markiert wurde, die der Informant beim Kommentieren sprach. Auch ausführliche Kommentare zu Ortsnamen und bestimmten Wortformen mit Vergleichen zum Deutschen und zu den baltischen Sprachen wurden erstellt. Der Autor hebt hervor, dass Peleikis’ „Panorama“ wie andere späte Texte des 20. Jahrhunderts deutliche Anzeichen eines aussterbenden Dialekts aufweist.

Ein interessanter Beitrag zur lettischen Lexikologie und Folklore ist Rainer Eckerts Artikel „Satzgliedwertige und satzwertige Phraseologismen aus der Sprache der lettischen Folklore“ (S. 89–98). Der Linguist untersuchte ein Phraseologismenfeld, dessen Grundlage die Wörter siets und sijāt bilden. Der Vergleich verschiedener folkloristischer Phraseologismen und Sprichwörter legte überzeugend die Bedeutung von Wendungen wie caur sietu sijāt kādu und ähnlichen Wendungen, nämlich ‚verachten, beschimpfen, misshandeln‘, offen und widerlegte Artūrs Ozols’ Auffassung, in der lettischen Liedfolklore gebe es lediglich unausgearbeitete „Keime“ von Phraseologismen.

Die noch vergleichsweise junge sprachwissenschaftliche Teildisziplin der Soziolinguistik in Litauen und Lettland vertreten der Beitrag von Joanna Ostaszewska und Tomasz Wicherkiewicz „Žemaitisch und Latgalisch als europäische Regionalsprachen“ (S. 175–188). Die Autoren stellten fest, dass auch die žemaitische und die latgalische Sprache aufgrund ihrer charakteristischen Merkmale als Regionalsprachen gelten können. Bei der Wiedergabe historischer Fakten über Žemaitija sind der Arbeit einige Ungenauigkeiten unterlaufen. Das Gebiet der Žemaiten (der Dialekt) wurde mit dem historischen XV–

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In den ersten beiden Fällen könnte ein Druckfehler vorliegen: Denn den Dialektsätzen nach zu urteilen, müsste es statt „Inessiv“ „Illativ“ heißen, vgl. ind’e:j’p’uodi p’inigus; nuv’3:jo: lauk’uosna darb’u: dzi:rpcie.

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Die Fürstentum Žemaitija des 17. Jahrhunderts (und das Bistum, dessen Gründungsdatum und Gründer ebenfalls falsch angegeben sind), das überwiegend hochlitauischsprachige Gebiete im mittellitauischen Land umfasste und eine hochlitauische Variante der Schriftsprache etablierte. Daher wird Mikalojus Daukša, der im mittleren Hochlitauischen schrieb, fälschlich als žemaitischer Autor bezeichnet, während neben dem eindeutig žemaitischen Skuodas die hochlitauischen Orte Jurbarkas und Kėdainiai genannt werden. Die Priester und Mönche pflegten die Idee einer žemaitischen Gemeinsprache nicht im 18., sondern im 19. Jahrhundert. Auch zum 18. Jahrhundert hätte man wenigstens einige Worte sagen können – gerade damals (und nicht im 20. Jahrhundert) begann sich eine eigenständige žemaitische Rechtschreibung herauszubilden. Außerdem ist der Aussage, die Žemaiten sähen bis heute anders aus als die Hochlitauer, wohl kaum zuzustimmen (offenbar wurden sie mit den tatsächlich typisch aussehenden Latgalen verwechselt).

Neben dieser Arbeit zur externen Linguistik sind einige weitere Beiträge zu nennen, die über die Grenzen der traditionellen Linguistik hinausgehen: Alfred Majewicz’ Studie „Bronisław Piłsudski and Lithuania“ (S. 201–214) über die Verbindungen des berühmten Ethnografen Piłsudski zu Litauen und Bernard Piotrowskis Untersuchung „W oczekiwaniu na niepodległość. Litwini amerykańscy i z Prus Wschodnich wobec spraw narodowych (1914–1915)“ (S. 215–227) über die politischen Erwartungen der Litauer in Ostpreußen und Amerika in den Jahren 1914–1915.

Wie bereits erwähnt, enthält der Band auch literaturwissenschaftliche Arbeiten. Sie alle stehen in irgendeiner Weise mit der Literatur Litauens in Verbindung. Litauische Autoren und ihr Werk analysieren jedoch nur Juozas Girdzijauskas’ Artikel „Liudvikas Adomas Jucevičius kultūrų kryžkelėje“ (S. 241–249) und Monika Pokorska-Iwaniuks ziemlich studentisch anmutender Überblick „Maironis – didysis lietuvių poetas“ (S. 251–263). Die beiden übrigen interessanten Arbeiten stammen aus der Geschichte der polnischen Literatur: der expressiv verfasste Artikel von Jerzy Borowczyk und Radosław Okulicz-Kozaryn „Pasilinksminimai niūriu metu pas bazilijonus. Filomatų papročiai Vėlinių III dalyje“ (S. 229–239) und Justyna Prusinowskas Beitrag „Vitolio rauda – užmiršta J. I. Kraše vskio lietuviškoji daina“ (S. 265–270). Bedauerlich ist, dass Prusinowska in ihrer Arbeit das Original von Kraszewski nicht mit der litauischen Übersetzung von Andrius Vištelis verglichen hat.

Der Michał Hasiuk gewidmete Sammelband enthält also sehr unterschiedliche Beiträge – sowohl ernsthafte wissenschaftliche Studien als auch bescheidene Überblicksarbeiten, auf die die Herausgeber möglicherweise hätten verzichten können. Das besprochene Werk wird durch die erstaunlich wenig redigierte Sprache einiger ins Litauische übersetzter (oder auf Litauisch verfasster?) Beiträge beeinträchtigt, die voller Verstöße gegen den Sprachgebrauch und Druckfehler ist (besonders bei den literaturwissenschaftlichen Arbeiten). Zum Beispiel: nesąmonė (S. 66), sudominavo įvardį (S. 66), atitikmenys bendrinėje kalboje (S. 64), pagrindinė skirstymo kriterija (S. 37), veikalo užuomazga pasireiškė [...] Improvizacijos kūrybinėje eksplozijoje (S. 299), manuskriptu analize (S. 299), taip vadinamą (S. 230), provokacingoje [...] dramoj (S. 230), tris metus (S. 231), poetiniame mate įgy dav o gl esnę prasmę (S. 232), o tuo pačiu (S. 267), būt ybes be kritiškai priskiria (S. 267) etc. etc. Daher möchte man den Herausgebern, die die Bücher der gegründeten wissenschaftlichen Reihe „Poznańskie Studia Bałtystyczne“ künftig weiter herausgeben werden, mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit wünschen.

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Birutė Kabašinskaitė Baltistikos ir bendrosios kalbotyros katedra Vilniaus universitetas Universiteto g. 5, 2734 Vilnius, Lietuva [email protected]

Gauta 2002 12 20

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