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JOLITA URBANAVIČIENĖ

Institut für Litauische Sprache

Forschungsschwerpunkte: experimentelle Phonetik, Sprachakustik, Phonologie, Dialektologie, Lexikografie, Soziolinguistik.

INESE INDRIČĀNE

Institut für Lettische Sprache der Universität Lettlands

Forschungsschwerpunkte: experimentelle Phonetik, Sprachakustik, Phonologie, Dialektologie.

Frikative und Affrikaten der modernen baltischen Sprachen: vergleichende Analyse akustischer Merkmale

Frikative und Affrikaten der zeitgenössischen baltischen Sprachen: Vergleichende Analyse akustischer/spektraler Merkmale

ZUSAMMENFASSUNG

Gegenstand der Untersuchung des Artikels sind die Frikative und Affrikaten der Standardsprachen Litauisch und Lettisch, die anhand zweier akustischer Merkmale verglichen werden: der Frequenzen der Spektralspitzen und der relativen Intensität. Um objektive Ergebnisse zu erzielen, wurden die Frikative und Affrikaten beider Sprachen in Litauen und Lettland nach derselben Methodik analysiert. Ziel der Untersuchung ist es, die Spektraleigenschaften der Frikative und Affrikaten der heutigen baltischen Sprachen zu vergleichen und festzustellen, welchen Einfluss Palatalisierung, Stimmhaftigkeit, Artikulationsart und -ort der untersuchten Konsonanten sowie das Geschlecht der Versuchsperson auf die Frequenzen der Spektralspitzen und die relative Intensität haben.

Es wurde festgestellt, dass die akustischen Merkmale der Konsonanten sowohl im litauischen als auch im lettischen Standard mit denselben Kriterien korrelieren: Die Frequenz der Spektralspitze korreliert mit der Artikulation der Konsonanten (insbesondere mit ihrer Sibilanz), der Palatalisierung (i-Typ; nur im Litauischen) und dem Geschlecht der Versuchspersonen; die relative Intensität korreliert mit der Stimmhaftigkeit der Konsonanten und der Palatalisierung (i-Typ; nur im Litauischen).

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Acta Linguistica Lithuanica LXXV

Frikative und Affrikaten der heutigen baltischen Sprachen: ein vergleichender Ansatz zu akustischen Merkmalen

Die unterschiedlichen Ergebnisse zu den akustischen Merkmalen lassen darauf schließen, dass die Frikative und Affrikaten des Lettischen hinsichtlich der Spektralspitzenwerte den palatalisierten Konsonanten des Litauischen ähnlicher sind; lettische Konsonanten sind demnach „weicher“ als nicht palatalisierte litauische Konsonanten. Außerdem wurde festgestellt, dass die Frikative und Affrikaten des Lettischen eine höhere relative Intensität aufweisen als entsprechende palatalisierte und nicht palatalisierte litauische Konsonanten (hinsichtlich Stimmhaftigkeit, Artikulationsart und -ort). Diese Untersuchungsergebnisse könnten auf die unterschiedliche Stimmfülle der Versuchspersonen (angeboren oder ermüdungsbedingt) sowie auf die unterschiedliche Stärke des Audiosignals während der Aufnahme zurückzuführen sein.

SCHLÜSSELWÖRTER: Standardlitauisch, Standardlettisch, Frikative, Affrikaten, Frequenzen der Spektralspitzen, relative Intensität.

ANNOTATION

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den Frikativen und Affrikaten des Standardlitauischen und Standardlettischen. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden zwei akustische Merkmale dieser Konsonanten analysiert: die Frequenz der Spektralspitze und die relative Intensität. Die Frikative und Affrikaten wurden für Standardlitauisch und Standardlettisch nach ein und demselben Verfahren analysiert. Ziel der Studie ist es, die Frikative und Affrikaten der heutigen baltischen Sprachen zu vergleichen, um die wesentlichen spektralen Unterschiede sowie den Einfluss von Palatalisierung, Stimmhaftigkeit, Artikulationsart und -ort und des Geschlechts der sprechenden Person auf die Frequenz der Spektralspitze und die relative Intensität zu ermitteln.

Die Ergebnisse zeigen, dass die in dieser Untersuchung betrachteten akustischen Merkmale sowohl im Standardlitauischen als auch im Standardlettischen ähnliche Einflüsse erkennen lassen: Die Frequenz der Spektralspitze wird durch Palatalisierung (im Standardlitauischen), Artikulationsart und -ort sowie durch das Geschlecht der sprechenden Person beeinflusst, während sich in der relativen Intensität der Einfluss von Palatalisierung (im Standardlitauischen) und Stimmhaftigkeit zeigt.

Die in dieser Studie gewonnenen Daten zeigen, dass die für die Frikative und Affrikaten des Standardlettischen berechneten Frequenzwerte der Spektralspitze eher den Daten palatalisierter als nicht palatalisierter Konsonanten des Standardlitauischen mit entsprechender Stimmhaftigkeit, Artikulationsart und entsprechendem Artikulationsort ähneln; das heißt, die Frikative und Affrikaten des Standardlettischen scheinen „weicher“ zu sein als die nicht palatalisierten Frikative und Affrikaten des Standardlitauischen. Die Werte der relativen Intensität der Frikative und Affrikaten des Standardlettischen sind höher als die sowohl der palatalisierten als auch der nicht palatalisierten Konsonanten des Standardlitauischen mit gleicher Stimmhaftigkeit, Artikulationsart und gleichem Artikulationsort. Dies könnte entweder durch eine energischere Artikulation dieser Sprachlaute bei Sprechern des Standardlettischen oder durch Unterschiede beim Aufnahmepegel erklärt werden.

SCHLÜSSELWÖRTER: Standardlitauisch, Standardlettisch, Frikative, Affrikaten, Frequenz der Spektralspitze, relative Intensität.

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JOLITA URBANAVIČIENĖ, INESE INDRIČĀNE

1. EINLEITUNG

In den vergangenen Jahren haben sich gemeinsame instrumentelle Untersuchungen des Lautbestands des Litauischen und Lettischen intensiviert, die in den jeweiligen Ländern nach derselben Methodik durchgeführt werden1. Zu nennen sind die Artikel von Juris Grigorjevs und Jurgita Jaroslavienė zum Vokalismus der heutigen baltischen Sprachen: zur spektralen Struktur und Dauer von Monophthongen (Grigorjevs, Jaroslavienė 2015a: 68–92) sowie zur Qualität von Monophthongen (Grigorjevs, Jaroslavienė 2015b: 57–89). Den Konsonantismus des Litauischen und Lettischen untersuchten die Autorinnen dieses Artikels, Inesė Indričānė und Jolita Urbanavičienė: Analysiert wurden die Spektren von Plosivlauten (Indričānė, Urbanavičienė 2015: 51–87) sowie die Lokuswerte von Obstruenten anhand der Lokusgleichungsmethode (Urbanavičienė, Indričānė 2015: 261–293). Beide heutigen baltischen Sprachen weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf: die phonologische Opposition zwischen kurzen und langen Vokalen, eine große Zahl an Diphthongen, ein Akzentsystem usw. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich im Litauischen und Lettischen jedoch auch wesentliche Unterschiede herausgebildet, die zu unterschiedlichen Phoneminventaren und phonologischen Klassifikationen der heutigen baltischen Sprachen führen, zum Beispiel: Das Lettische zeichnet sich durch einen festen Akzent und ein umfangreiches Subsystem palataler Konsonanten aus, während der litauische Akzent frei ist und sekundäre (i tipo) Palatalisierung sowie eine phonologische Opposition zwischen palatalisierten vs. nicht palatalisierten Konsonanten aufweist usw. Solche synchronen Vergleichsstudien tragen nicht nur dazu bei, die lautliche Eigenart verschiedener Sprachen, Nuancen phonologischer Klassifikationen und das unterschiedliche funktionale Gewicht derselben phonologischen Elemente herauszuarbeiten, sondern auch die Besonderheiten einer einzelnen Sprache aus typologischer Perspektive.

Gegenstand der Untersuchung dieses Artikels sind die Frikative und Affrikaten des Litauischen und Lettischen. Frikative sind Konsonanten, bei deren Artikulation sich zwei Sprachorgane so weit annähern, dass der zwischen ihnen hindurchströmende Luftstrom ein Reibungsgeräusch, also Friktion, erzeugt (Crystal 2008: 199). Gerade dieses relativ lange Intervall aperiodischer Energie ermöglicht es, Frikative einer eigenen Lautklasse zuzuordnen (Kent, Read 1992: 121).

Affrikaten bestehen aus Plosiv- und Frikativkonsonanten, die hinsichtlich ihres Artikulationsorts übereinstimmen (Reetz, Jongman 2009: 16). Affrikaten werden als Zwischenlaut zwischen einem Plosiv und einem am selben Artikulationsort gebildeten Frikativ interpretiert (Ladefoged, Maddieson 1998: 90). Wie Plosive beginnen auch Affrikaten mit einem Verschluss; nach dessen Lösung strömt die Luft weiter durch die Enge zwischen den einander angenäherten Sprechorganen und erzeugt Friktion. Daher wird nicht nur im Spektrum von Frikativen, sondern auch von Affrikaten ein Friktionsintervall aufgezeichnet

1 Diese Untersuchungen wurden durch das 2013–2015 am Institut für Litauische Sprache durchgeführte Forschungsgruppenprojekt „Die heutigen baltischen Sprachen: spektrale Lautmerkmale (instrumentelle Untersuchung)“ (Nr. MIP-081/2013, Leiterin Dr. Jurgita Jaroslavienė) angeregt.

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Dabartinių baltų kalbų pučiamieji priebalsiai ir afrikatos: akustinių požymių lyginamoji analizė

; er ist lediglich kürzer (bei Frikativen nimmt die Friktion faktisch die gesamte Dauer des Frikativs ein).

Obwohl die spektralen Eigenschaften von Affrikaten denen entsprechender Plosive und Frikative hinsichtlich Sonorität und Artikulationsort entsprechen (Kodzasov, Krivnova 2001: 177), gilt doch: „Bei der Differenzierung [...] von Affrikaten können alle Methoden der Untersuchung von Frikativen herangezogen werden“ (Ambrazevičius, Leskauskaitė 2014: 131). Deshalb wurden für diesen Artikel zwei eng verwandte Konsonantenklassen – Frikative und Affrikaten – ausgewählt, um sie anhand derselben akustischen Merkmale zu untersuchen.

In der theoretischen Literatur wird darauf hingewiesen, dass Frikative anhand der Dauer der Friktion, ihrer Spektraleigenschaften und Intensität sowie der Eigenschaften spektraler Formantübergänge (Lokusgleichungen) beschrieben werden können (Reetz, Jongman 2009: 189). Das Ziel dieses Artikels ist es, die Spektraleigenschaften der Frikative und Affrikaten der heutigen baltischen Sprachen zu untersuchen und ihre differenzierenden Unterschiede im Litauischen und Lettischen herauszuarbeiten. Dieses Ziel lässt sich in folgende Aufgaben unterteilen: 1) die Frequenzwerte der Spektralspitzen der Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen zu bestimmen; 2) die relative Intensität der Frikative und Affrikaten in beiden Sprachen experimentell zu analysieren; 3) zu vergleichen, welchen Einfluss die Palatalität, die Sonorität, die Artikulationsart und der Artikulationsort der Konsonanten auf die Spektralmerkmale von Frikativen und Affrikaten haben. Die Daten der von Männern und Frauen artikulierten Konsonanten wurden getrennt analysiert, um festzustellen, welchen Einfluss das Geschlecht auf die Spektraleigenschaften der Konsonanten hat.

Die Untersuchung ist neu und relevant, da bislang keine vergleichenden Studien zu den akustischen Merkmalen litauischer und lettischer Konsonanten veröffentlicht wurden, die nach derselben Methodik durchgeführt worden wären. Außerdem wurden die in diesem Artikel beschriebenen Methoden zur Untersuchung akustischer Konsonantenmerkmale in Arbeiten zur litauischen akustischen Phonetik bisher nicht verwendet.

2. ARTIKULATORISCHE KLASSIFIKATION DER FRICATIVE UND AFFRIKATEN DES LITAUISCHEN UND LETTISCHEN

Zur Notation der in den heutigen baltischen Sprachen untersuchten Konsonanten wird in diesem Artikel das weltweit weit verbreitete Internationale Phonetische Alphabet2 (TFA oder IPA – International Phonetic Alphabet) verwendet, das von der International Phonetic Association entwickelt wurde.

2 In dieser Untersuchung werden die IPA-Zeichen verwendet, die im Rahmen des Projekts „Die heutigen baltischen Sprachen: spektrale Lautmerkmale (instrumentelle Untersuchung)“ (Nr. MIP-081/2013) für die Konsonanten des Litauischen und Lettischen angepasst wurden.

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(Näheres siehe IPA 2015). Die nachstehende Tabelle (siehe Tab. 1) enthält jene Frikative und Affrikaten, deren IPA-Transkription von den nationalen phonetischen Alphabeten abweicht.

1 TABELLE. Zeichen der Frikativ- und Affrikatenphoneme des Litauischen und Lettischen gemäß den nationalen (LTFA und LVFA) sowie dem internationalen (TFA) phonetischen Alphabet

LT-GraphemLTFA-PhonemTFA-PhonemLV-GraphemLVFA-PhonemTFA-Phonemvvʋ1vvvjjjjjjchxxhxxh2hɣ–––ššʃššʃžžʒžžʒcctscctsččtɕččtɕdzʒdʑdzʒ3dʑdžʒdʒdžʒ4dʒ

In diesem Artikel werden 34 konsonantische Phoneme der heutigen baltischen Sprachen analysiert, die nach der Artikulationsart in folgende Gruppen eingeteilt werden:

1) Frikative – 22 Phoneme:

a) lit. /f, fʲ, s, sʲ, z, zʲ, ʃ, ʃʲ, ʒ, ʒʲ, x, xʲ, ɣ, ɣʲ/ – 14 Phoneme;

b) lett. /f, v, s, z, ʃ, ʒ, ʝ, x/ – 8 Phoneme;

3 Zu den unterschiedlichen phonologischen Interpretationen der Sonanten v und j im Litauischen und Lettischen siehe Abschnitt 3.

4 Im lettischen Konsonantensystem gibt es keinen stimmhaften velaren Konsonanten h, das Graphem h wird jedoch in folgenden Fällen verwendet: 1) zur Bezeichnung der Hauptvariante des Phonems /x/ – des velaren Frikativs [x]; 2) zur Bezeichnung des Allophons des Phonems /x/ – des pharyngalen Frikativs [ħ]; 3) zur Bezeichnung des Allophons des Phonems /x/ – des palatalen Frikativs [ç] (LVG 2013: 70). Die Allophone des Phonems /x/ – das pharyngale [ħ] und das palatale [ç] – werden meist unter dem Einfluss des Englischen und Deutschen ausgesprochen.

5 In der nationalen Transkription des Lettischen (LVFA) kann die Affrikate dz sowohl als dz [d͡z̥sma] als auch als ʒ [ʒi̯esma] geschrieben werden (LVG 2013: 26).

6 In der nationalen Transkription des Lettischen (LVFA) kann die Affrikate dž sowohl als dž [d͡ʒems] als auch als ǯ [ǯems] geschrieben werden (LVG 2013: 26).

7 Das dem Konsonanten nachgestellte hochgestellte Modifikationszeichen „j“ kennzeichnet im Internationalen Phonetischen Alphabet einen palatalisierten Konsonanten, zum Beispiel [tʲ], [dʲ].

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Dabartinių baltų kalbų pučiamieji priebalsiai ir afrikatos: akustinių požymių lyginamoji analizė

2) Affrikaten – 12 Phoneme:

a) Lit. /t͡s, t͡sʲ, dz, dzʲ, t͡ʃ, t͡ʃʲ, d͡ʒ, d͡ʒʲ/ – 8 Phoneme;

b) Lett. /t͡s, dz, t͡ʃ, d͡ʒ/ – 4 Phoneme.

Nach dem Artikulationsort werden die untersuchten Konsonanten der baltischen Sprachen in folgende Klassen eingeteilt (vgl. Urbanavičienė, Indričānė 2015: 265–267; vgl. DLKG 2005: 33–34; LVG 2013: 58):

1) labiodental: Lit. /f, fʲ/ und Lett. /f, v/;

2) dental: Lit. /s, sʲ, z, zʲ, t͡s, t͡sʲ, dz, dzʲ/ und Lett. /s, z, t͡s, dz/;

3) alveolar: Lit. /ʃ, ʃʲ, ʒ, ʒʲ, t͡ʃ, t͡ʃʲ, d͡ʒ, d͡ʒʲ/ und Lett. /ʃ, ʒ, t͡ʃ, d͡ʒ/;

4) palatal: Lett. /j/;

5) palatalisierte velare (palatovelare): Lit. /xʲ, ɣʲ/;

6) velare: Lit. /x, ɣ/ und Lett. /x/.

Die Zahl der untersuchten konsonantischen Phoneme im Litauischen (22 Phoneme) ist fast doppelt so hoch wie im Lettischen (12 Phoneme), da für das Litauische Konsonantenoppositionen nach dem Stimmhaftigkeitsgrad (stimmlos – stimmhaft) und nach der Palatalisierung (nicht palatalisiert – palatalisiert) charakteristisch sind, während das Lettische nur eine Opposition nach dem Stimmhaftigkeitsgrad kennt.

3. DER PHONOLOGISCHE STATUS DER KONSONANTEN v UND j IM LITAUISCHEN UND LETTISCHEN

Nach der Artikulationsart zählen die litauischen /ʋ, ʋʲ, j/ zu den Approximanten (und werden daher aus dem Untersuchungsbereich ausgeschlossen), während die lettischen /v, j/ zu den Frikativen zählen.

Instrumentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass der stimmhafte labiodentale /v/ und der palatale /j/ im Lettischen mehrere Aussprachevarianten aufweisen (Čेirane 2011). Ist beim Hervorbringen dieser Konsonanten die Enge zwischen den Artikulationsorganen klein, werden die Frikative [v] oder [j] artikuliert – der durch die Verengung strömende Luftstrom erzeugt Turbulenz und verleiht dem Englaut eine geräuschhafte Frikationskomponente (vgl. LVG 2013: 66). Ist beim Hervorbringen der Konsonanten /v/ und /j/ die Enge zwischen den Artikulationsorganen weiter, werden die Konsonanten ohne Frikation artikuliert, d. h. als Nichtfrikative oder Approximanten [ʋ] und [j]⁸ (vgl. LVG 2013: 66). Im Lettischen können die Approximanten [ʋ, j] anstelle der Frikative [v, j] artikuliert werden, wenn die Sprechweise gedämpft oder weniger energisch ist (LVG 2013: 68; 71). In tautosilbischer Position nach einem kurzen oder langen Vokal unterliegen die konsonantischen Phoneme [v, j] des Lettischen einer vollständigen oder teilweisen Vokalisierung, z. B.: [tɐus] tavs

8 Beide Realisierungen der Phoneme /v/ und /j/ (die Frikative [v], [j] und die Approximanten [ʋ] und [j]) werden in Untersuchungen zum Lettischen mit dem Begriff „geräuschhafter Englaut“ bezeichnet (lett. spraudzīens troksnenis) (vgl. Čेirane 2010; Čेirane 2011; Čेirane, Indričāne 2012; Markus, Grigorjevs 2002).

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‚dein‘, [sɑus] sɑvs ‚eigen‘, [dzeiniek͡s] dzeinieks ‚Dichter‘, [zveiniek͡s] zveinieks ‚Fischer‘; [pɑːrdevɛːis] pārdevējs ‚Verkäufer‘, [teːus] tēvs ‚Vater‘, [pɑːrmī̯nieks] pārmi̯nieks ‚Schaffner‘; [tuːs] tuos ‚nahe‘ (LVG 2013: 86).

In der traditionellen litauischen Phonetik9 (Pakerys 2003) und in der akademischen Grammatik (DLKG 2005: 33) werden [j], [ʋ], [ʋʲ] den Approximanten (Sonanten) zugeordnet. Diese Interpretation von [ʋ, ʋʲ, j] im Litauischen beruht nicht auf der Artikulation (die Art der Behinderung ist dieselbe wie bei anderen Frikativen10), sondern auf den funktionalen Eigenschaften dieser Konsonanten: Am Wortende verlieren [ʋ, j] ihre Reibung, werden noch stimmhafter und verwandeln sich in nichtsilbische [u̯, i̯], die mit den vorangehenden Vokalen Diphthonge sekundären Ursprungs bilden, z. B.: [jūːro̯i] ‚auf dem Meer‘, [kėːdėːi] ‚auf dem Stuhl‘, [sudie̯u] ‚leb wohl‘.

Von den beiden Positionsvarianten – den Frikativen [v, j] und den Approximanten [ʋ, j] – werden im Lettischen die Frikative /v, j/ als Phoneme angesetzt (vgl. LVG 2013: 76–77), im Litauischen dagegen die Approximanten /ʋ, ʋʲ, j/. Der Unterschied zwischen den Approximanten [ʋ, ʋʲ] und den Frikativen [v, vʲ] ist schwer wahrnehmbar, da stimmhafte Frikative aufgrund ihrer spezifischen Artikulation (bei der Artikulation stimmhafter Frikative werden gleichzeitig im Vokaltrakt Frikationsgeräusch erzeugt und die Stimmbänder in Schwingung versetzt, wodurch der Luftstrom gebremst wird) dazu neigen, sich in Approximanten zu verwandeln11.

Das Problem der Identifizierung der Konsonanten /ʋ, ʋʲ, j/ im Litauischen ist noch nicht vollständig gelöst und erfordert eine umfassende instrumentelle Begründung (gestützt auf eine objektive Untersuchung der artikulatorischen Lautmerkmale). In diesem Artikel wird der traditionellen Interpretation gefolgt; daher werden die litauischen Sonanten /ʋ, ʋʲ/ (so haben die labiodentalen Frikative /f/ und /fʲ/ im Litauischen kein stimmhaftes Gegenstück) und /j/ nicht in die Untersuchung der Frikative einbezogen, während in das lettische Sprachmaterial die stimmhaften Frikative /v, j/ aufgenommen wurden (hier besteht die Opposition /f/: /v/).

4. SPEKTRUM UND INTENSITÄT DER FRIKATION

Unter dem Gesichtspunkt der Stimmhaftigkeit unterscheiden sich gleichartige Frikative hinsichtlich der Energieverteilung im Spektrum und ihrer Intensität (Kent, Read 1992: 122). Diese akustischen

9In den neueren Klassifikationen der litauischen Konsonanten (vgl. Abrazevičius, Leskauskaitė 2014: 167; Pakerys 2014: 91) gelten die Konsonanten /v, vʲ/ nicht als Sonoranten, sondern als stimmhafte labiodentale Frikative, die hinsichtlich der Stimmhaftigkeit mit den entsprechenden stimmlosen /f, fʲ/ kontrastieren.

10 E. Mikalauskaitė (1975: 41–46) lietuvių /ʋ/, /ʋʲ/ ir /j/ priskyrė pučiamiesiems, o akademinė Lietuvių kalbos gramatika (LKG 1965: 70) šiuos priebalsius, kaip turinčius didelį kiekį virpesių, neturinčius tono moduliacijos, nesukeliančius priebalsių skardėjimo, laiko tarpiniais tarp pučiamųjų priebalsių ir sonantų.

11Stimmhafte Frikative sind in den Sprachen der Welt relativ selten (Johnson 2003: 122).

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Auf der Grundlage dieser Merkmale unterscheidet die theoretische Literatur zwei Gruppen von Frikativen: Sibilanten (sibilant) (zum Beispiel die alveolaren Frikative /s/, /z/ und die postalveolaren Frikative /ʃ/, /ʒ/ des Englischen) und Nicht-Sibilanten (non-sibilant) (zum Beispiel die labiodentalen Frikative /f/, /v/, die interdentalen Frikative /θ/, /ð/ und den pharyngalen Frikativ /h/ des Englischen). Sibilanten unterscheiden sich von Nicht-Sibilanten durch eine höhere Spektralenergie und Intensität (Kent, Read 1992: 122): Sibilanten werden auch „helle“, Nicht-Sibilanten hingegen „dumpfe“ Konsonanten genannt (Ambrazevičius 2011: 37). In älteren phonetischen Arbeiten zum Litauischen und Lettischen war es nicht üblich, Konsonanten nach ihrer Sibilanz einzuteilen, d. h. danach, ob der Luftstrom auf die Zähne gerichtet wird. In der neuesten akustischen Untersuchung der litauischen Konsonanten (vgl. Ambrazevičius, Leskauskaitė 2014: 301) werden die litauischen Konsonanten /s, sʲ, z, zʲ, ʃ, ʒ, ʒʲ/ sowie die Affrikaten /ts, tsʲ, dz, dzʲ, tʃ, tʃʲ, dʒ, dʒʲ/ den Sibilanten zugeordnet. Auch im Lettischen gelten die Frikative /s, z, ʃ, ʒ/ und die Affrikaten (Verschlusskonsonanten) /ts, dz, tʃ, dʒ/ als Sibilanten (vgl. I. Indričānes Untersuchungen zu Sibilanten und Nicht-Sibilanten in den Gruppen der stimmlosen Obstruenten des Lettischen, siehe Indričāne 2012; 2013; 2014). In diesem Artikel werden die Begriffe „Sibilant“ und „Nicht-Sibilant“ gegebenenfalls ebenfalls verwendet.

Die Untersuchung der Intensität der Spektralspitze lettischer prä­vokalischer stimmhafter Frikative in CVC-Verbindungen ergab, dass in dieser Gruppe die höheren statistischen Mittelwerte der Intensität für den dentalen [z] und den alveolaren [ʒ] charakteristisch sind, die niedrigeren für den labiodentalen [v] und den palatalen [j]. Der niedrigste statistische Mittelwert der Intensität entfällt auf den labiodentalen [v], der höchste auf den alveolaren [ʒ], wobei dieser sich nur geringfügig vom Intensitätswert des dentalen [z] unterscheidet. Berücksichtigt man die Standardabweichungen, lassen sich der dentale [z] und der alveolare [ʒ] vom labiodentalen [v] unterscheiden; die Standardabweichungen des palatalen [j] sind jedoch relativ groß, sodass sich sein Wertebereich sowohl mit dem des labiodentalen [v] als auch mit dem des dentalen [z] überschneidet (Čeirane 2011: 117–119).

Untersucht wurden außerdem die Intensität der Spektralspitze, die mittlere Intensität sowie die relative Intensität lettischer prä­vokalischer stimmloser Frikative in CVC-Verbindungen. Mit verschiedenen Methoden wurden übereinstimmende Ergebnisse erzielt: Die höheren statistischen Mittelwerte der Intensität sind für den dentalen [s] und den alveolaren [ʃ] charakteristisch, die niedrigeren für den labiodentalen [f] und den velaren [x]. In allen Fällen weist der labiodentale [f] den niedrigsten statistischen Mittelwert der Intensität auf, der alveolare [ʃ] den höchsten (bei Berechnung der Intensität der Spektralspitze) beziehungsweise der dentale [s] (bei Berechnung der mittleren und der relativen Intensität). Auch innerhalb der Gruppe der stimmlosen Konsonanten sind die Intensitätswerte des dentalen [s] und des alveolaren [ʃ] sehr ähnlich. Durch einen niedrigeren Intensitätswert hebt sich der labiodentale [f] von den übrigen stimmlosen Frikativen ab; der Intensitätswert des velaren [x] liegt nahe bei den Werten des dentalen [s] und des alveolaren [ʃ]. Ein Vergleich der Standardabweichungen zeigt, dass die Intensität der stimmlosen Frikative

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verčių sritys visais atvejais persidengia (žr. Indričāne 2014: 112, 114–115; 1, 4 ir 7 grafikai).

Untersuchungen zu lettischen prä­vokalischen stimmhaften Frikativen (vgl. Čeirane 2011; Indričāne 2014: 101–119) zeigen ähnliche Tendenzen: Sowohl in der Gruppe der stimmhaften als auch in der der stimmlosen Frikative weist der labiale Frikativ (Nicht-Sibilant) die niedrigste Intensität auf, der dentale oder alveolare (Sibilant) dagegen die höchste. Außerdem zeigen die statistischen Mittelwerte der Intensität, dass die Intensität des labiodentalen sowie des palatalen und velaren Frikativs (Nicht-Sibilant) geringer ist als die des dentalen und alveolaren Frikativs (Sibilant). Somit stimmen die Ergebnisse dieser Untersuchungen mit den in der theoretischen Literatur angeführten Beobachtungen überein, beispielsweise hinsichtlich der Intensitätsunterschiede zwischen Sibilanten und Nicht-Sibilanten im Englischen12.

Untersuchungen zur Intensität litauischer Konsonanten sind bislang nur in sehr geringem Umfang durchgeführt worden. Sigitos Dereškevičiūtės

In Sigita Dereškevičiūtės Dissertation Akustische Eigenschaften der litauischen Konsonanten (2013: 138) werden Daten zu den Frequenzen der Spektralspitzen und den Energiekonzentrationsbereichen litauischer Frikative vorgestellt: Intensivere spektrale Spitzen sind für palatalisierte Konsonanten charakteristisch (insbesondere [xʲ], [ʋʲ]); höhere charakteristische Frequenzen und eine höhere Intensität treten bei stimmlosen Konsonanten auf. Die Untersuchungen der Autorin zeigen außerdem eine Verstärkung der spektralen Energie bei Sibilanten (insbesondere [ʃ, ʃʲ, ʒ, ʒʲ, ʤ, ʤʲ]), die mit doppelter Artikulation in Verbindung gebracht wird, sowie eine Absenkung der Energiekonzentrationsbereiche bei labialen Konsonanten, die mit der Lippenartikulation zusammenhängt.

Die Intensität der Frikative der heutigen baltischen Sprachen wird anhand der Intensität der dominanten Spektralspitze (peak intensity/ amplitude), der mittleren Intensität des Frikativs (overall noise intensity/ amplitude) oder der relativen Intensität (relative intensity/ amplitude) untersucht. Letztere Messgröße gilt in Arbeiten zur Konsonantenakustik als besonders aussichtsreich, da sie beispielsweise eine Klassifikation sämtlicher englischer Frikative nach dem Artikulationsort ermöglicht (siehe Jongman et al. 2000: 1252, 1259–1262; Reetz, Jongman 2009: 192; Indričāne 2014: 103). In der theoretischen Literatur wird darauf hingewiesen, dass stimmhafte Frikative eine geringere Intensität aufweisen als ihre stimmlosen Entsprechungen, da bei der Artikulation eines stimmhaften Frikativs mehr

12Untersuchungen englischer Konsonanten zeigen, dass beispielsweise die Intensität der stimmlosen Sibilanten /s/, /ʃ/ um 10–15 dB höher ist als die der stimmlosen Nicht-Sibilanten /f/, /θ/ (Reetz, Jongman 2009: 192). Die Intensität des stimmhaften alveolaren Frikativs /z/ übersteigt die des stimmlosen alveolaren /s/ um 6 dB, während die Intensität des stimmhaften labiodentalen Frikativs /v/ um 13 dB höher ist als die des stimmlosen labiodentalen Frikativs /f/. Außerdem zeigt sich, dass innerhalb einer Gruppe von Frikativen mit gleichem Stimmhaftigkeitsstatus die Intensität der Sibilanten höher ist als die der Nicht-Sibilanten: Die Intensität des stimmhaften Sibilanten /z/ (70 dB) ist höher als die der stimmhaften Nicht-Sibilanten /v/, /ð/ (66 dB), und die Intensität der stimmlosen Sibilanten /s/, /ʃ/ (64–65 dB) ist höher als die der stimmlosen Nicht-Sibilanten /f/, /θ/ (53–54 dB) (Jongman 1989: 1724; Kent, Read 1992: 122).

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Dabartinių baltų kalbų pučiamieji priebalsiai ir afrikatos: akustinių požymių lyginamoji analizė

Energie wird verbraucht, wenn der Luftstrom durch schwingende Stimmlippen strömt (Kent, Read 1992: 122; Reetz, Jongman 2009: 192; Ambrazevičius 2011: 33).

5. UNTERSUCHUNGSMATERIAL UND INFORMANTEN

Das Untersuchungsmaterial des Artikels besteht aus den Affrikaten und Frikativen beider heutigen baltischen Sprachen, die in isolierten CVC-Verbindungen in prä-vokalischer Position artikuliert wurden (sowohl vor kurzen als auch vor langen Vokalen), z. B.:

– 1ie. sis [sˈis], sès [sˈɛs], sàs [sɐs], sòs [sɔs], sùs [sʊs], sýs [sˈiːs], sẽs [sˈeːs], sės [sˈæːs], sãs [sɐːs], sõs [sɔːs], sǖs [suːs], siòs [sˈɔs], siõs [sˈoːs], siùs [sˈʊs], siũs [sˈuːs];

– 1a. sis [sis], ses [ses], ses [sæs], sas [sas], sos [sɔs], sus [sus], sīs [siːs], sēs [seːs], sẽs [sæːs], sās [sɑːs], sōs [sɔːs], sūs [suːs].

Der Einfluss der Akzenttypen wurde aus dieser Untersuchung ausgeschlossen, da davon ausgegangen wurde, dass Akzenttypen stärker auf das Ende des vokalischen Segments und den postvokalischen Konsonanten wirken als auf die prä-vokalische Position.

Das Material für die instrumentelle Untersuchung wurde in Litauen und Lettland unter Anwendung einheitlicher Auswahlkriterien für die Informanten aufgenommen. Für die Aufnahmen wurde dieselbe Ausstattung verwendet, deren technische Parameter vereinheitlicht worden waren. Die untersuchten Verbindungen wurden von 12 litauischen und 12 lettischen Informanten vorgelesen: jeweils 6 Männern und 6 Frauen (im Alter von 20 bis 48 Jahren). Alle Informanten sind Muttersprachler des Litauischen bzw. Lettischen. Ihre Aussprache weist keine auffälligen Mängel auf und entspricht den Normen der litauischen bzw. lettischen Standardsprache.

Die Informanten artikulierten die untersuchten CVC-Verbindungen jeweils 3–5 Mal: mit neutraler Intonation und möglichst gleichmäßigem Tempo. Das Untersuchungsmaterial wurde mit einem tragbaren digitalen hochauflösenden Aufnahmegerät Tascam DR-100MK II und einem Gesangsmikrofon AKG C 520 aufgenommen. Die Abtastrate des Audiosignals betrug 44 100 Hz, die Quantisierungstiefe 16 Bit. Die Daten von Männern und Frauen wurden getrennt analysiert.

Die instrumentelle Untersuchung der Frikative und Affrikaten wurde mit den Computerprogrammen PRAAT (Version 5.3.60, Programmautoren: Paul Boersma, David Weenink), MS EXCEL (Version 13, Microsoft Corporation) und SPSS (Version 19, IBM Corporation) durchgeführt.

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6. FORSCHUNGSMETHODIK UND ERGEBNISSE

6.1. Frequenz des Spektralmaximums

6.1.1. Bestimmung des Frequenzwerts des Spektralmaximums

Um den Frequenzwert des Spektralmaximums (Hz) zu bestimmen, werden zunächst im Sprachsignal-Analyseprogramm PRAAT FFT-Spektren aller untersuchten Konsonanten erstellt13. Wir platzieren den Mauszeiger in der Mitte des Geräuschabschnitts des Frikativs / der Affrikate, klicken auf Select, wählen die Option Move start of selection by, stellen einen Abstand von 0,01 s ein, klicken auf die Optionen Spectrum – View spectral slice – View – Zoom und legen den Frequenzbereich von 0,0 bis 8000,0 Hz fest14. Damit die Anzahl der Spektralelemente ungefähr gleich ist und die FFT-Spektren verglichen werden können, wurden die Spektren aller untersuchten Konsonanten aus einem gleich langen Intervall von 0,01 s bzw. 10 ms erstellt (siehe Abb. 1–4). In den meisten Fällen ist das Segment, aus dem dieses Intervall entnommen wurde, länger als 10 ms, sodass der Vokalbeginn, der die Energieverteilung im FFT-Spektrum beeinflussen könnte, nicht in das untersuchte Intervall fällt. Das 10-ms-Intervall der Frikative wurde ungefähr aus ihrem mittleren Bereich ausgeschnitten (Abb. 1–2), das der Affrikaten ungefähr aus der Mitte der Verschlusslösungsphase (Abb. 3–4).

0,01-s- bzw. 10-ms-Intervalle

ABB. 1. Stimmhafter Frikativ [z]

ABB. 2. Stimmloser Frikativ [s]

13Dies sind sogenannte ungeglättete Spektrogramme, auch schnelle Fourier-Transformation, engl. Fast Fourier Transform, abgekürzt FFT-Spektren.

14 Vgl.: H. Reetz und A. Jongman vertreten die Auffassung, dass die den Schall charakterisierende Energie im Spektrum unterhalb von 8000 Hz liegt, während die Energie höherer Frequenzen als Hintergrundrauschen gilt (Reetz, Jongman 2009: 160).

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ABB. 3. Stimmhafte Affrikate [dz]

ABB. 4. Stimmlose Affrikate [ts]

Der Frequenzwert wurde im Spektrum der dominanten, d. h. höchsten Spitze, gemessen (Abb. 5–6).

Bestimmung des Frequenzwerts der Spektrumsspitze (Hz)

ABB. 5. FFT-Spektrum des stimmhaften Frikativs [z]

ABB. 6. FFT-Spektrum des stimmlosen Frikativs [s]

Die mit dem Programm PRAAT ermittelten Frequenzwerte der Spektrumsspitze (Hz) wurden in das Programm EXCEL übertragen und anschließend mit dem statistischen Analyseprogramm SPSS verarbeitet, das die statistischen Mittelwerte (VSV) der Frequenzen der Spektrumsspitze berechnete.

6.1.2. Frequenz der Spektrumsspitze der Frikative und Affrikate des Litauischen und Lettischen

Die während der Untersuchung ermittelten statistischen Mittelwerte (VSV) der Frequenz der Spektrumsspitze der Frikative und Affrikate des Litauischen und Lettischen sind in Tabelle 2 aufgeführt.

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TABELLE 2. Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen: Frequenz der spektralen Spitze VSV (Hz)

C | Daten der Männer | Daten der Frauen | Lit. | Lett. | Lit. | Lett. | Frikative | [ʋ] | — | 2414 | — | 3056 | [f] | 1686 | 4466 | 3180 | 6770 | [fʲ] | 3043 | — | 3183 | — | [s] | 5924 | 5715 | 5601 | 6731 | [sʲ] | 5805 | — | 5654 | — | [z] | 5230 | 5298 | 5288 | 6740 | [zʲ] | 5714 | — | 5749 | — | [ʃ] | 2436 | 3055 | 4451 | 4326 | [ʃʲ] | 3031 | — | 4523 | — | [ʒ] | 2640 | 3189 | 3677 | 4443 | [ʒʲ] | 3166 | — | 4256 | — | [j] | — | 3935 | — | 4224 | [x] | 946 | 1797 | 1023 | 2105 | [xʲ] | 2896 | — | 3704 | — | [ɣ] | 1010 | — | 1053 | — | [ɣʲ] | 2480 | — | 3678 | — | Affrikaten | [t͡s] | 4402 | 5763 | 5326 | 6560 | [t͡sʲ] | 5911 | — | 6030 | — | [dz] | 5497 | 5768 | 5188 | 6775 | [dzʲ] | 6040 | — | 5718 | — | [t͡ʃ] | 3241 | 2925 | 4601 | 4379 | [t͡ʃʲ] | 3079 | — | 4331 | — | [dʒ] | 2991 | 3129 | 4540 | 5040 | [dʒʲ] | 3452 | — | 4747 | —

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Die Konsonanten des Litauischen und Lettischen weisen in aufsteigender Reihenfolge der Frequenz ihrer spektralen Spitze folgende Abfolge auf:

1) Daten der Männer:

Lit. [x]<[ʋ]<[f]<[ʃ]<[ʋʲ]<[ʒ]<[xʲ]<[dʒ]<[ʃʲ]<[fʲ]<[tʃʲ]<[ʒʲ]<[tʃ]<[dʒʲ]<[ts]<[z]<[dz]<[zʲ]<[sj]<[tsj]<[s]<[dzj], Lett. [x]<[v]<[tʃ]<[ʃ]<[dʒ]<[ʒ]<[j]<[f]<[z]<[s]<[ts]<[dz];

2) Daten der Frauen:

Lit. [x]<[ʋ]<[f]<[fʲ]<[ʒ]<[ɣʲ]<[xʲ]<[ʒʲ]<[tʃʲ]<[ʃ]<[ʃʲ]<[dʒ]<[tʃ]<[dʒʲ]<[dz]<[z]<[ts]<[s]<[sj]<[dzj]<[zj]<[tsj], Lett. [x]<[v]<[j]<[ʃ]<[tʃ]<[ʒ]<[dʒ]<[ts]<[s]<[z]<[f]<[dz].

6.1.3. Vergleich palatalisierter und nichtpalatalisierter Konsonanten des Litauischen mit den Konsonantendaten des Lettischen

Die Frequenzen der spektralen Spitze VSV palatalisierter und nichtpalatalisierter litauischer Konsonanten werden in Abb. 7–8 mit den Daten des Lettischen verglichen.

ABB. 7. Vergleich der mittleren statistischen Werte der Frequenzen der spektralen Spitze palatalisierter und nichtpalatalisierter litauischer Konsonanten (Hz) mit den Ergebnissen für das Lettische: Daten der Männer

Lettische Konsonanten | Litauische Konsonanten | palatalisiert | nichtpalatalisiert | ● | ○ | ●

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8 ABB. Vergleich der mittleren statistischen Werte der Spektralspitzenfrequenzen (Hz) palatalisierter und nicht palatalisierter Konsonanten des Litauischen mit den Ergebnissen des Lettischen: Daten von Frauen

Konsonanten des Lettischen | Konsonanten des Litauischen | palatalisiert | nicht palatalisiert | ▲ | △ | ▲

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die VSV der Spektralspitzenfrequenzen palatalisierter Konsonanten des Litauischen meist höher sind als die entsprechender (hinsichtlich Stimmhaftigkeit, Artikulationsort und Artikulationsart) nicht palatalisierter Konsonanten des Litauischen und Lettischen. Diese Regelmäßigkeit zeigt sich bei den Gruppen der velaren (Daten von Männern und Frauen), alveolaren und dentalen Konsonanten sowie der Affrikaten (nur Daten von Männern). Es wurde jedoch auch eine entgegengesetzte Tendenz beobachtet, d. h. die VSV der Spektralspitzenfrequenzen palatalisierter Konsonanten des Litauischen sind niedriger als die der entsprechenden Konsonanten des Lettischen, vgl.: nach den Daten der Männer – lit. [fʲ] < lett. [f], lit. [ʒʲ] < lett. [ʒ], lit. [ʃʲ] < lett. [ʃ]; nach den Daten der Frauen – lit. [fʲ] < lett. [f], lit. [zʲ] < lett. [z], lit. [sʲ] < lett. [s], lit. [džʲ] < lett. [dž], lit. [t͡sʲ] < lett. [t͡s], lit. [ʒʲ] < lett. [ʒ], lit. [dʒʲ] < lett. [dʒ], lit. [tʲ] < lett. [t]. Darüber hinaus unterscheiden sich in vielen Fällen die Spektralspitzenfrequenzen palatalisierter alveolarer Konsonanten des Litauischen von den Werten entsprechender nicht palatalisierter Konsonanten des Litauischen und liegen näher an den Spektralspitzen des Lettischen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Aussprache alveolarer Frikative und Affrikaten des Lettischen durch eine zusätzliche Artikulation, die Palatalisierung, gekennzeichnet ist, d. h. durch das Heben des mittleren Zungenrückens in Richtung des harten Gaumens (vgl. LVG 2013: 64;

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66); im Lettischen hat diese zusätzliche Palatalisierung der Konsonanten jedoch im Unterschied zum Litauischen keine phonologische Bedeutung.

Bei den labialen Konsonanten sind die VSV der Spektralspitzenfrequenzen palatalisierter litauischer Konsonanten (sowohl nach den Daten der Männer als auch der Frauen) niedriger als die VSV entsprechender nicht palatalisierter Konsonanten, jedoch höher als die Spektralspitzenfrequenzen der labialen Konsonanten des Lettischen. Die mittleren statistischen Werte der Spektralspitzenfrequenzen stimmloser labiodentaler Konsonanten – lit. [f]/[fʲ] und lett. [f] – unterscheiden sich stärker voneinander als die anderer Konsonanten (siehe Abb. 7–8): Für den palatalisierten litauischen Laut [fʲ] ist ein deutlich niedrigerer mittlerer statistischer Wert der Spektralspitzenfrequenz kennzeichnend als für den lettischen Konsonanten [f]; das bedeutet, dass die Spektralspitze dieses Konsonanten im Lettischen im Hochfrequenzbereich, im Litauischen dagegen im Niederfrequenzbereich liegt.

Größere Unterschiede der Spektralspitzenfrequenzen wurden auch bei den velaren und palatalisierten velaren (palatovelaren) Konsonanten festgestellt. Da bei der Bestimmung der VSV der Spektralspitzenfrequenzen des lettischen Konsonanten [x] auch palatovelare/palatale Varianten mitgerechnet wurden15, wurde festgestellt, dass der Wert der Spektralspitzenfrequenz des nicht palatalisierten lettischen velaren Konsonanten [x] höher ist als der der nicht palatalisierten litauischen Velare [x], [ɣ], jedoch niedriger als der der palatalisierten litauischen Velare und des lettischen palatalen Konsonanten (siehe Abb. 7–8). Die velaren Konsonanten des Litauischen und Lettischen, die palatalisierten litauischen Velare sowie der palatale lettische Konsonant ordnen sich nach steigenden VSV-Werten der Spektralspitzen folgendermaßen:

lit. Velare [x], [ɣ] < lett. Velar [x] < lit. palatalisierte Velare [xʲ], [ɣʲ] < lett. palataler Konsonant [j]

Obwohl die Regelmäßigkeiten bei der Veränderung der VSV der Spektralspitzenfrequenzen nicht palatalisierter und palatalisierter litauischer Konsonanten zahlreiche Ausnahmen aufweisen, liegen die Spektralspitzen palatalisierter Konsonanten in den meisten Fällen im höheren Frequenzbereich als die entsprechender nicht palatalisierter Konsonanten; die Spektralspitzen lettischer palataler Konsonanten liegen wiederum im höheren Frequenzbereich als die palatalisierter litauischer Konsonanten.

6.1.4. Vergleich stimmloser und stimmhafter Konsonanten

Weder im Litauischen noch im Lettischen beeinflusst die Stimmhaftigkeit der Konsonanten die Werte der Frequenzen der Spektralspitzen – die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Spektralspitzenfrequenzen (VSV) stimmloser Konsonanten und ihrer stimmhaften Entsprechungen unsystematisch variieren; bestimmte Gesetzmäßigkeiten lassen sich nicht erkennen.

15 Im Lettischen kann das Frikativphonem /x/ vor Vorderzungenvokalen [i], [iː], [e], [eː] und Diphthongen, die mit den Komponenten [i] und [e] beginnen, auf zwei Arten realisiert werden: als palatovelarer Allophon [xʲ] und als palataler Allophon [ç] (LVG 2013: 69).

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6.1.5. Vergleich der Daten von Männern und Frauen

Die Daten sowohl des Litauischen als auch des Lettischen zeigen, dass von Männern ausgesprochene Konsonanten niedrigere Frequenzwerte der Spektralspitzen aufweisen als die entsprechenden von Frauen ausgesprochenen Konsonanten. Somit hängt der Wert der Spektralspitzenfrequenz mit dem Geschlecht der Versuchsperson zusammen. Dieser Tendenz folgen die palatalisierten Konsonanten [sʲ], [dʲ] und die nicht palatalisierten Konsonanten [s], [d] im Litauischen nicht16 – diese von Männern ausgesprochenen Konsonanten weisen höhere Spektralspitzenfrequenzwerte (VSV) auf als die entsprechenden von Frauen ausgesprochenen Konsonanten.

6.1.6. Einfluss der Artikulationsart bzw. des Artikulationsorts der Konsonanten auf ihre akustischen Merkmale

Die Konzentration der Spektralenergie in bestimmten Frequenzbändern liefert Informationen über die artikulatorischen Merkmale von Lauten. Konzentriert sich die Energie eines Konsonanten im Bereich von 5000–6000 Hz, ist ein hoher Frikativlaut vom s-Typ zu hören; konzentriert sich die Energie im Bereich von 3000–4000 Hz, ist ein tiefer Zischlaut vom š-Typ mit intensivem Rauschen zu hören (Kodzasov, Krivnova 2001: 565–566).

Anhand dieser Kriterien lassen sich die litauischen und lettischen Konsonanten zunächst in Nicht-Sibilanten (deren Energie sich im Bereich von ~1000–3000 Hz konzentriert), d. h. lit. [x], [xʲ], [ɣ], [ɣʲ] und lett. [v], [j], [x], sowie Sibilanten (deren Spektralspitzenfrequenzen im Bereich von 3000–6000 Hz konzentriert sind) einteilen. Die Sibilanten lassen sich weiter untergliedern in alveolare Konsonanten (deren Spektralspitzen im Bereich von 3000–4000 Hz liegen), d. h. lit. [ʃ], [ʃʲ], [ʒ], [ʒʲ], [tʃ], [tʃʲ], [dʒ], [dʒʲ] sowie lett. [ʃ], [ʒ], [tʃ], [dʒ], und dentale Konsonanten (deren größte Spektralenergie sich im Bereich von 5000–6000 Hz konzentriert), d. h. lit. [s], [sʲ], [z], [zʲ], [ts], [tsʲ], [dz], [dzʲ] und lett. [s], [z], [ts], [dz]. Unter den Nicht-Sibilanten stechen die velaren lit. [x], [xʲ], [ɣ], [ɣʲ] und lett. [x] hervor (ihnen steht auch das labiodentale lett. [v] nahe), deren Spektralspitzen sich im Bereich von ~1000–3000 Hz konzentrieren.

Die Einteilung der Konsonanten in Sibilanten und Nicht-Sibilanten hängt jedoch in erster Linie nicht mit der Spektralenergie, sondern mit der Intensität zusammen. Sibilanten weisen eine höhere Intensität auf, da der Luftstrom bei ihrer Artikulation ein Hindernis – die Zähne – passieren muss. Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Sibilation und Spektralenergie, vgl.: Nicht-Sibilanten

16 Aufgrund der Besonderheiten der Konsonanten [s] und [dz] kann auch ein Datenfehler entstanden sein. Im Frequenzbereich von 0–8000 Hz ist gewöhnlich nur eine Spektralspitze der Konsonanten [s] und [dz] sichtbar. Bei der Untersuchung eines breiteren Frequenzbereichs (zum Beispiel 0–10 000 Hz) können zwei Spektralspitzen dieser Konsonanten sichtbar sein (wie auch bei [ʃ]). Da die Männerstimme durch niedrigere Frequenzen gekennzeichnet ist, könnte die zweite (höhere) Spektralspitze auch im engeren Bereich von 0–8000 Hz erscheinen. Die von Frauen ausgesprochenen Laute weisen dagegen höhere Frequenzen auf; deshalb wurde den untersuchten Konsonanten stets der Wert der ersten Spitze zugeordnet (da die zweite Spitze im Bereich von 0–8000 Hz nicht sichtbar war).

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Bei den labiodentalen lit. [f], [fʲ] liegen die Spektralspitzen im Bereich von 2000–3200 Hz, bei lett. [f] im Bereich von 4500–7000 Hz und bei dem palatalen lett. [ɟ] im Bereich von ~4000 Hz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bereiche, in denen sich die Spektralspitzen konzentrieren, eine Differenzierung der Frikative und Affrikaten in folgende artikulatorische Gruppen ermöglichen: alveolare Sibilanten (ihre Spektralenergie konzentriert sich im mittleren Frequenzbereich), dentale Sibilanten (ihre Energie konzentriert sich im hohen Frequenzbereich) und velare Nicht-Sibilanten (für sie sind die niedrigsten Werte der Spektralspitzenfrequenzen charakteristisch). Die übrigen Konsonanten (Nicht-Sibilanten) lassen sich anhand der Frequenzen der Spektralspitzen nicht differenzieren.

6.1.7. Zusammenfassung der Untersuchung der Spektralspitzenfrequenz

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Werte der Spektralspitzenfrequenzen der Frikative und Affrikaten des Litauischen und Lettischen im Hinblick auf Stimmhaftigkeit, Palatalisierung, Artikulationsart und -ort sowie das Geschlecht der Informanten verglichen.

Es wurde festgestellt, dass die Stimmhaftigkeit der Konsonanten die Werte der Spektralspitzenfrequenzen weder im Litauischen noch im Lettischen beeinflusst (vgl.: Die Untersuchungen von S. Dereškevičiūtė (2013: 138) zeigen, dass sich die Energie stimmhafter litauischer Konsonanten im Vergleich zu ihren stimmlosen Korrelaten im niedrigen Frequenzbereich konzentriert).

Durch Palatalisierung erhöhen sich die Spektralspitzenfrequenzen litauischer Konsonanten, d. h., sie liegen höher als die Frequenzen der nicht palatalisierten Glieder der Opposition. Die Frikative und Affrikaten des Litauischen ordnen sich nach steigenden Spektralspitzenfrequenzen wie folgt:

velare < labiodentale < alveolare/palatalisierte velare < palatalisierte labiodentale/palatalisierte alveolare < dentale < palatalisierte dentale.

Nach Durchführung der Untersuchung und dem Vergleich der Spektralspitzenfrequenzen nicht palatalisierter, palatalisierter und palataler Frikative und Affrikaten des Litauischen und Lettischen wurden folgende Tendenzen festgestellt:

1) lett. [f] weist höhere Spektralspitzenfrequenzen auf als lit. [f], [fʲ] (sowohl anhand der Daten der Männer als auch der Frauen);

2) den Daten der Männer zufolge ähneln die Spektralspitzenfrequenzen lettischer dentaler Konsonanten in den meisten Fällen denen nicht palatalisierter litauischer dentaler Konsonanten (mit Ausnahme von [z]); den Daten der Frauen zufolge weisen lettische dentale Konsonanten höhere Spektralspitzen auf als nicht palatalisierte und palatalisierte litauische dentale Konsonanten;

3) die Spektralspitzenfrequenzen lettischer alveolarer Konsonanten (sowohl anhand der Daten der Männer als auch der Frauen) liegen nahe bei denen palatalisierter litauischer alveolarer Konsonanten (da lettische alveolare Konsonanten ebenfalls durch Palatalität gekennzeichnet sind, diese jedoch nicht phonologisch ist, weil es keine nicht palatalisierten Korrelate gibt; siehe LVG 2013, 64);

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4) 1a. [x] nimmt anhand der Frequenzwerte der Spektralspitze eine Zwischenstellung zwischen lit. [x] und lit. [x̟] ein, da die Qualität von 1a. [x] vom nachfolgenden Vokal abhängt: Seine Artikulation kann von velar bis palatalisiert-velar/palatal variieren;

5) Die den lettischen [v] und [j] nächststehenden Konsonanten – die litauischen Sonoranten [u], [u̯] und [j] – wurden nicht untersucht. Es wurde jedoch festgestellt, dass der Frequenzwert der Spektralspitze des lettischen [v] eher den Werten des litauischen [f], [fʲ] ähnelt als dem Wert des lettauischen [f]. Umgekehrt ähnelt der Frequenzwert der Spektralspitze des palatalen lettischen [j] den Werten des lettischen [ʃ], [ʒ], [tʃ], [dʒ] (d. h. Konsonanten, die im Lettischen das nichtphonologische Merkmal der Palatalisierung aufweisen).

Nach den Werten der Spektralspitzenfrequenzen lassen sich folgende artikulatorische Konsonantengruppen des Litauischen und Lettischen unterscheiden:

a) alveolare (Sibilanten): lit. [ʃ], [ʃʲ], [ʒ], [ʒʲ], [tʃ], [tʃʲ], [dʒ], [dʒʲ] und lett. [ʃ], [ʒ], [tʃ], [dʒ];

b) dentale (Sibilanten): lit. [s], [sʲ], [z], [zʲ], [ts], [tsʲ], [dz], [dzʲ] und lett. [s], [z], [ts], [dz].

c) velare (Nicht-Sibilanten): lit. [x], [xʲ], [ɣ], [ɣʲ] und lett. [x]

d) labiodentale / palataler (Nicht-Sibilanten): lit. [f], [fʲ] und lett. [f], [v], [j].

Das Geschlecht der Informanten beeinflusst die Spektralspitzenfrequenzen: Von Männern ausgesprochene Konsonanten weisen niedrigere Spektralspitzen auf als die entsprechenden, von Frauen ausgesprochenen Konsonanten. Da die spektralen Eigenschaften der Konsonanten mit der Größe der vorderen Mundhöhle zusammenhängen und diese von der Größe des Vokaltrakts beeinflusst wird (je größer die vordere Mundhöhle, desto stärker konzentriert sich die akustische Energie im Bereich niedrigerer Frequenzen), ist zu erwarten, dass sich die Energie der von Männern ausgesprochenen Konsonanten in niedrigeren Frequenzbereichen konzentriert als die der von Frauen ausgesprochenen (vgl.: Der Vokaltrakt von Männern ist ~2,8 cm länger als der von Frauen).

6.2. Relative Intensität

6.2.1. Bestimmung der relativen Intensität

Die relative Intensität gibt das Verhältnis zwischen der mittleren Intensität eines Frikativs oder einer Affrikate und der mittleren Intensität des Vokals in seiner phonetischen Umgebung innerhalb eines Zeitintervalls bestimmter Dauer an. Die Messungen wurden mit dem Lautanalyseprogramm PRAAT durchgeführt. Die mittleren Intensitätswerte der Frikative und Affrikaten (dB (μE)) wurden für ein Intervall von 0,01 s bzw. 10 ms ermittelt (siehe Abb. 9 und 11), während die Intensitätswerte der Vokale für ein Intervall von 0,05 s bzw. 50 ms ermittelt wurden, das ungefähr in der Mitte des Vokals liegt (Abb. 10 und 12).

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Bestimmung der mittleren Intensität (μE)

ABB. 9. Stimmloser prevokalischer Frikativ [s] in der Silbe [sas]: Zeitintervall von 0,01 s bzw. 10 ms

ABB. 10. Der Vokal [ɑ] in der phonetischen Umgebung des stimmlosen prevokalischen Frikativs [s] (in der Silbe [sas]): Zeitintervall von 0,05 s bzw. 50 ms

ABB. 11. Stimmlose prevokalische Affrikate [t͡s] in der Silbe [t͡sats]: Zeitintervall von 0,01 s bzw. 10 ms

ABB. 12. Der Vokal [ɑ] in der phonetischen Umgebung der stimmlosen prevokalischen Affrikate [t͡s] (in der Silbe [t͡sats]): Zeitintervall von 0,05 s bzw. 50 ms

Die relative Intensität wurde berechnet, indem der mittlere Intensitätswert des Frikativs oder der Affrikate durch den mittleren Intensitätswert des in seiner phonetischen Umgebung befindlichen Vokals dividiert wurde. Wenn beispielsweise in der Silbe sas [sas] die mittlere Intensität des stimmlosen prevokalischen Frikativs [s] im 10-ms-Intervall 55,06 dB (μE) beträgt (siehe Abb. 9) und die mittlere Intensität des Vokals [ɑ] im 50-ms-Intervall 73,41 dB (μE) (siehe Abb. 10), wird die relative Intensität folgendermaßen berechnet: 55,06 dB (μE): 73,41 dB (μE) = 0,750 dB (μE). Die ermittelten Werte der relativen Intensität wurden mit dem Programm zur statistischen Datenanalyse SPSS verarbeitet: In diesem Programm wurden die statistischen Mittelwerte der relativen Intensität (dB) berechnet, auf die sich dieser Artikel stützt.

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6.2.2. Vergleich palatalisierter und nicht palatalisierter Frikative und Affrikaten des Litauischen mit lettischen Daten

Die mittleren statistischen Werte (VSV) der relativen Intensität der Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen sind in Tabelle 3 dargestellt.

TABELLE 3. Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen: VSV der relativen Intensität (dB)

C Daten der Männer Daten der Frauen Lit. Lett. Lit. Lett. Frikative [v] 0,788 0,819 [f] 0,648 0,648 0,619 0,608 [fʲ] 0,653 0,630 [s] 0,661 0,779 0,759 0,782 [sʲ] 0,786 0,738 [z] 0,761 0,815 0,783 0,863 [zʲ] 0,766 0,793 [ʃ] 0,699 0,751 0,704 0,752 [ʃʲ] 0,734 0,747 [ʒ] 0,799 0,806 0,816 0,858 [ʒʲ] 0,788 0,810 [j] 0,818 0,852 [x] 0,686 0,712 0,679 0,696 [xʲ] 0,675 0,639 [ɣ] 0,770 0,744 [ɣʲ] 0,802 0,721 Affrikaten [ʦ] 0,701 0,796 0,728 0,818 [ʦʲ] 0,722 0,746 [ʣ] 0,751 0,788 0,765 0,833 [ʣʲ] 0,759 0,774 [ʧ] 0,723 0,785 1,003 0,795 [ʧʲ] 0,765 0,750 [ʤ] 0,766 0,801 0,807 0,837 [ʤʲ] 0,774 0,778

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Die mittleren statistischen Werte der relativen Intensität der Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen steigen in folgender Reihenfolge:

1) Daten der Männer: Lit. [f]<[fʲ]<[s]<[xʲ]<[x]<[ʃ]<[t͡s]<[t͡sʲ]<[t͡ɕ]<[d͡z]<[d͡zʲ]<[z]<[t͡ɕʲ]<[zʲ]<[d͡ʒ]<[ɣ]<[d͡ʒʲ]<[sʲ]<[ʒʲ]<[ʒ]<[ɣʲ], Lett. [f]<[x]<[ʃ]<[s]<[t͡ɕ]<[v]=[d͡z]<[t͡s]<[d͡ʒ]<[ʒ]<[z]<[j];

1) Daten der Frauen: Lit. [f]<[fʲ]<[xʲ]<[x]<[ʃ]<[ɣʲ]<[t͡s]<[sʲ]<[ɣ]<[t͡sʲ]<[ʃ]<[t͡ɕ]<[s]<[d͡z]<[d͡zʲ]<[z]<[zʲ]<[d͡ʒ]<[ʒʲ]<[ʒ]<[t͡ɕʲ], Lett. [f]<[x]<[ʃ]<[s]<[t͡ɕ]<[t͡s]<[v]<[d͡z]<[d͡ʒ]<[j]<[ʒ]<[z].

Der Vergleich der VSV der relativen Intensität palatalisierter und nicht palatalisierter Frikative und Affrikaten des Litauischen mit lettischen Daten ist in Abb. 13–14 dargestellt.

ABB. 13. Vergleich der VSV der relativen Intensität palatalisierter und nicht palatalisierter Frikative und Affrikaten des Litauischen mit den lettischen Ergebnissen: Daten der Männer

Lettische Konsonanten Litauische Konsonanten palatalisiert nicht palatalisiert ● ○ ●

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Die Frikative und Affrikaten des Litauischen weisen etwas niedrigere relative Intensitätswerte auf als hinsichtlich Stimmhaftigkeit und Artikulation entsprechende Konsonanten des Lettischen (basierend auf den Daten sowohl der Männer als auch der Frauen). Einige Konsonanten bestätigen diesen Trend nicht: den Daten der Männer zufolge – lit. [fʲ] > lett. [f], aber lit. [f] = lett. [f]; den Daten der Frauen zufolge – lit. [fʲ], [f] > lett. [f]; lit. [t͡ɕ] > lett. [t͡ɕ] > lit. [t͡ɕʲ] (die von einer Frau ausgesprochene litauische alveolare Affrikate [t͡ɕ] zeichnet sich durch besonders hohe relative Intensitätswerte aus, siehe Abb. 14).

Ein Vergleich der palatalisierten und nicht palatalisierten Konsonanten des Litauischen zeigt, dass die relativen Intensitätswerte palatalisierter Konsonanten häufiger höher sind. Es gibt jedoch Ausnahmen, vgl.: Daten der Männer – [xʲ] < [x], [ʒʲ] < [ʒ]; Daten der Frauen – [xʲ] < [x], [ɣʲ] < [ɣ], [sʲ] < [s], [t͡ɕʲ] < [t͡ɕ], [d͡ʑʲ] < [d͡ʑ], [ʒʲ] < [ʒ]. Auch der lettische palatale Laut [j] weist einen der höchsten (laut den Daten der Frauen) beziehungsweise den höchsten (laut den Daten der Männer) Intensitätswerte auf. Es ist anzunehmen, dass die Korrelation zwischen Palatalisierung und relativer Intensität bei der Untersuchung weiterer Daten oder durch den Einsatz anderer Analyseprogramme noch deutlicher zutage treten würde.

ABB. 14. Vergleich der relativen Intensitätswerte (dB) palatalisierter und nicht palatalisierter Frikative und Affrikaten des Litauischen mit den Ergebnissen des Lettischen: Daten der Frauen

Lettische Konsonanten | Palatalisierte litauische Konsonanten | nicht palatalisierte △ | △ | ▲

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Dabartinių baltų kalbų pučiamieji priebalsiai ir afrikatos: akustinių požymių lyginamoji analizė

6.2.3. Vergleich stimmhafter und stimmloser Frikative und Affrikaten

Die Untersuchungsergebnisse zeigen (siehe Abb. 13–14, Tabelle 3), dass die relativen Intensitätswerte stimmhafter Frikative und Affrikaten sowohl im Litauischen als auch im Lettischen in der Regel höher sind als die ihrer stimmlosen Entsprechungen. Folglich beeinflusst die Stimmhaftigkeit der Konsonanten den Wert der relativen Intensität. Im litauischen Untersuchungsmaterial bestätigt der von einem Mann ausgesprochene stimmhafte palatalisierte dentale Konsonant [z̪] diesen Trend nicht; sein mittlerer statistischer Wert (0,766 dB)) ist niedriger als der des stimmlosen dentalen [s̪] (0,786 dB)). In der Untergruppe der nicht palatalisierten Konsonanten bildet die von einer Frau ausgesprochene stimmhafte alveolare Affrikate [dʒ] eine Ausnahme: Ihr mittlerer statistischer Wert der relativen Intensität (0,807 dB)) ist niedriger als der der stimmlosen Affrikate [tʃ] (1,003 dB)). Auch für stimmhafte lettische Konsonanten sind höhere Werte der relativen Intensität charakteristisch als für ihre stimmlosen Korrelate. Eine Ausnahme bildet die von einem Mann ausgesprochene stimmhafte dentale Affrikate [dʒ], deren mittlerer statistischer Wert (0,788 dB)) niedriger ist als der der entsprechenden stimmlosen Affrikate [tʃ] (0,796 dB)).

6.2.4. Vergleich der Daten von Männern und Frauen

Die unterschiedliche Physiologie der Geschlechter, die bei Männern zu einem längeren Vokaltrakt führt (vgl. Länge des Vokaltrakts: Männer ~16,9 cm, Frauen ~14,1 cm), lässt auch unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich der relativen Intensität erwarten. Die Ergebnisse der Untersuchung lettischer Konsonanten bestätigen die erwarteten Tendenzen: Höhere Werte der relativen Intensität sind häufiger für von Frauen ausgesprochene Konsonanten charakteristisch. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, vgl.: Die von Männern ausgesprochenen Konsonanten [f], [x] weisen höhere relative Intensitätswerte auf als die entsprechenden von Frauen ausgesprochenen Konsonanten. Beim Vergleich der Daten von Männern und Frauen für denselben Frikativ oder dieselbe Affrikate des Litauischen wurden keine systematischen Unterschiede festgestellt.

6.2.5. Einfluss der Artikulationsart und des Artikulationsortes der Konsonanten auf ihre akustischen Merkmale

Weder im Litauischen noch im Lettischen erlauben die Daten zur relativen Intensität, Frikative und Affrikaten nach Artikulationsart und -ort zu unterscheiden. Den Daten zur relativen Intensität zufolge ließen sich vermutlich Sibilanten, d. h. „hellere“ Konsonanten (mit höherer Intensität), von Nicht-Sibilanten, d. h. „dumpferen“ Konsonanten (mit geringerer Intensität), unterscheiden. Die Theorie der Sprachakustik besagt, dass die geringste Intensität bei stimmlosen Nicht-Sibilanten auftritt (zum Beispiel −15 dB), während die höchste Intensität bei stimmhaften Sibilanten auftritt

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(0 dB); die Intensität stimmhafter Nicht-Sibilanten und stimmloser Sibilanten ist ähnlich – ~5 dB (siehe Ambrazevičius 2011: 38).

Die Ergebnisse zeigen, dass sich im Litauischen und Lettischen in den Gruppen der von Männern produzierten stimmhaften Frikative und Affrikaten anhand der mittleren statistischen Werte der relativen Intensität Sibilanten nicht von Nicht-Sibilanten unterscheiden lassen; das heißt, in der Gruppe der nicht palatalisierten litauischen Frikative und Affrikaten [z], [ʒ], [dʑ], [dʒ] hebt sich [ɣ] nicht ab; in der Gruppe der palatalisierten litauischen Konsonanten [zʲ], [ʒʲ], [dʑʲ], [dʒʲ] hebt sich [ɣʲ] nicht ab; in der Gruppe der lettischen Frikative und Affrikaten [z], [ʒ], [dʑ], [dʒ] heben sich [v], [j] nicht ab.

Auf Grundlage der Daten von Frauen lassen sich im Subsystem der stimmhaften litauischen Konsonanten die stimmhaften Nicht-Sibilanten [ɣʲ] und [ɣ] von den stimmhaften Sibilanten [z], [zʲ], [ʒ], [ʒʲ], [dʑ], [dʑʲ], [dʒ], [dʒʲ] unterscheiden: Die Nicht-Sibilanten [ɣʲ] und [ɣ] weisen niedrigere Mittelwerte der relativen Intensität auf als die Sibilanten. Im Subsystem der stimmhaften lettischen Konsonanten hebt sich der Nicht-Sibilant [v] von den Sibilanten [z], [ʒ], [dʑ], [dʒ] ab; er weist etwas niedrigere Mittelwerte der relativen Intensität auf (ebenfalls nur anhand der Daten von Frauen).

Sowohl im Litauischen als auch im Lettischen helfen die Werte der relativen Intensität in der Gruppe der stimmlosen Frikative und Affrikaten, Sibilanten (mit höheren Mittelwerten) von Nicht-Sibilanten (mit niedrigeren Mittelwerten) zu unterscheiden. Vgl.: In der Gruppe der nicht palatalisierten litauischen Konsonanten unterscheiden sich die Sibilanten [s], [ʃ], [ts], [tʃ] von [f], [x] (nur anhand der Daten von Frauen; die Werte der von Männern produzierten Konsonanten [s] und [x] überschneiden sich); in der Gruppe der palatalisierten litauischen Frikative und Affrikaten unterscheiden sich die Sibilanten [sʲ], [ʃʲ], [tsʲ], [tʃʲ] von den Nicht-Sibilanten [fʲ], [xʲ] (anhand der Daten beider Geschlechter); im Lettischen unterscheiden sich in der Gruppe der Frikative und Affrikaten die Sibilanten [s], [ʃ], [ts], [tʃ] anhand der Werte der relativen Intensität von den Nicht-Sibilanten [f], [x] (auf Grundlage der Daten von Informanten beider Geschlechter).

6.2.6. Zusammenfassung der Untersuchung der relativen Intensität

Die Frikative und Affrikaten des Litauischen weisen etwas niedrigere Mittelwerte der relativen Intensität auf als die hinsichtlich Sonorität und Artikulation vergleichbaren Konsonanten des Lettischen. Diese Ergebnisse könnten auf die Tonaufnahmen zurückzuführen sein: Obwohl die technischen Aufnahmeparameter in Litauen und Lettland vereinheitlicht wurden, galt während der Aufnahmen das Hauptaugenmerk der Qualität der Aufnahmen (da die Aufnahmen zur Untersuchung verschiedener akustischer Merkmale von Lauten verwendet wurden17) und nicht der Gleichmäßigkeit des Schallsignals, die aufgrund individueller Stimmeigenschaften der Informanten oder durch Ermüdung nach längerem Sprechen in ein Diktiergerät schwanken konnte. Dieser Ton

17 Die Aufnahmen wurden im Rahmen des Projekts „Gegenwärtige baltische Sprachen: spektrale Lautmerkmale (instrumentelle Untersuchung)“ (Nr. MIP-081/2013) angefertigt.

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Die Unregelmäßigkeit des Signals könnte die Ergebnisse der Intensitätsmessung beeinflusst haben. Daher lässt sich vorläufig sagen, dass die Untersuchung bei den Konsonanten der lettischen Sprache eine größere Schallstärke beziehungsweise Intensität als bei denen der litauischen Sprache erkennen ließ. Um den Einfluss technischer Parameter vollständig auszuschließen, wären jedoch künftig ausführlichere Untersuchungen erforderlich.

Die Ergebnisse zur relativen Intensität palatalisierter und nicht palatalisierter Konsonanten der litauischen Sprache zeigen, dass eine gewisse Korrelation zwischen der Palatalität der Konsonanten und ihrer relativen Intensität besteht, d. h., die Palatalisierung erhöht die Intensität der Konsonanten. Dies bestätigen auch die Daten des Lettischen: Die Intensität des palatalen Konsonanten [j] ist unter allen untersuchten Konsonanten am höchsten (nach den Daten der Frauen eine der höchsten).

Der Zusammenhang zwischen relativer Intensität und Stimmhaftigkeit steht außer Zweifel: Sowohl im Litauischen als auch im Lettischen sind die Mittelwerte der relativen Intensität stimmhafter Frikative und Affrikaten höher als die ihrer stimmlosen Äquivalente.

Die Untersuchung bestätigte keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der Informanten und der relativen Intensität: Physiologische Unterschiede haben keinen nennenswerten Einfluss auf die Werte der relativen Intensität.

Weder im Litauischen noch im Lettischen erlauben die Daten zur relativen Intensität, Frikative und Affrikaten nach Artikulationsart und -ort zu unterscheiden.

7. ZUSAMMENFASSUNG

In der Untersuchung wurden die Werte der Spektralspitzenfrequenz und der relativen Intensität von Frikativen und Affrikaten im Litauischen und Lettischen hinsichtlich Stimmhaftigkeit, Palatalisierung, Artikulationsart und -ort sowie des Geschlechts der Informanten verglichen.

7.1. Spektralspitzenfrequenz. Eine Korrelation zwischen den Spektralspitzenfrequenzen und der Stimmhaftigkeit der Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen wurde nicht festgestellt.

Durch Palatalisierung steigen die Spektralspitzenfrequenzen der litauischen Konsonanten; sie liegen also höher als die Spektralspitzenfrequenzen ihrer nicht palatalisierten Äquivalente.

Anhand der Werte der Spektralspitzenfrequenz lassen sich folgende Konsonantengruppen im Litauischen und Lettischen unterscheiden: alveolare und dentale (Sibilanten) sowie palatale und labiodentale / palatale (Nicht-Sibilanten) artikulatorische Gruppen.

Das Geschlecht der Informanten beeinflusst die Spektralspitzenfrequenzen: Die Spektralspitzenfrequenzen der von Männern artikulierten Frikative und Affrikaten sind niedriger als

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die Frequenzen der von den entsprechenden Frauen ausgesprochenen Konsonanten. Die Absenkung der Frequenz des Spektralmaximums hängt mit der größeren Größe des vorderen Mundraums bei Männern zusammen.

7.2. Relative Intensität. Die Untersuchung zeigte einen Zusammenhang zwischen der relativen Intensität und der Stimmhaftigkeit in den heutigen baltischen Sprachen: Die relative Intensität stimmhafter Frikative und Affrikaten ist größer als die ihrer entsprechenden stimmlosen Korrelate.

Es wurde eine Korrelation zwischen der Palatalisierung der Konsonanten und ihrer relativen Intensität festgestellt: Palatalisierte Frikative und Affrikaten im Litauischen weisen eine höhere relative Intensität auf als ihre nicht palatalisierten Äquivalente. Auch die relative Intensität des palatalen Konsonanten [j] im Lettischen ist höher als die anderer lettischer Konsonanten.

Weder im Litauischen noch im Lettischen erlauben die Daten zur relativen Intensität, Frikative und Affrikaten nach Artikulationsart und -ort zu unterscheiden.

Das Geschlecht der Informanten hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Werte der relativen Intensität: Die festgestellten Unterschiede sind nicht regelmäßig.

TABELLE 4.

Korrelation akustischer Merkmale der Frikative und Affrikaten im Litauischen und Lettischen mit Stimmhaftigkeit, Palatalisierung, Artikulation und dem Geschlecht der Informanten

Akustische Merkmale →

Frequenz des Spektralmaximums (Hz)

Lit.

Lett.

Stimmhaftigkeit

Keine Korrelation festgestellt

Keine Korrelation festgestellt

Palatalisierung

Cį ist größer als C: velare: 1470–2680 Hz; alveolare: 70–600 Hz; dentale: 50–150 Hz; labiodentale: 135 Hz.

–

Artikulationsart/-ort

Sibilanten: alveolar: 2440–4600 Hz; dental: 4400–6040 Hz. Nicht-Sibilanten: palatal: 950–3700 Hz; labiodental: 1960–3180 Hz.

Sibilanten: alveolar: 2930–5040 Hz; dental: 5190–6780 Hz. Nicht-Sibilanten: palatal: 1800–2100 Hz; labiodental: 2410–6770 Hz; palatal: 3940–4220 Hz.

Geschlecht

Männer: 950–6040 Hz; Frauen: 1020–6030 Hz.

Männer: 1800–5770 Hz; Frauen: 2110–6780 Hz.

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Frikative und Affrikaten der heutigen baltischen Sprachen: ein vergleichender Analyseansatz akustischer Merkmale

Akustische Merkmale → Relative Intensität (dB) Lit. Lett. Stimmhaftigkeit Stimmlos: 0,620–0,790 (dB). Stimmhaft: 0,720–0,820 (dB). Stimmlos: 0,610–0,820 (dB). Stimmhaft: 0,790–0,860 (dB). Palatalisierung Cᶦ größer als C: palatale: 0,032 (dB); labiodentale: 0,005–0,011 (dB); dentale / alveolare: 0,005–0,125 (dB). – Artikulationsart/-ort Keine Korrelation festgestellt Keine Korrelation festgestellt Geschlecht Keine Korrelation festgestellt Keine Korrelation festgestellt

7.3. Die Ergebnisse der Untersuchung akustischer Merkmale der Frikative und Affrikaten der heutigen baltischen Sprachen sind in Tabelle 4 zusammengefasst. Es zeigt sich, dass die akustischen Merkmale der untersuchten Konsonanten (Spektralspitzenfrequenz und relative Intensität) in beiden Sprachen mit denselben Kriterien korrelieren: Die Spektralspitzenfrequenz korreliert mit der Artikulation der Konsonanten (insbesondere mit ihrer Sibilanz), der Palatalisierung (nur im Litauischen) und dem Geschlecht der Informanten; die relative Intensität korreliert mit der Stimmhaftigkeit und der Palatalisierung der Konsonanten (im Litauischen). Die unterschiedlichen akustischen Merkmalsdaten, die jedoch im Litauischen und Lettischen ermittelt wurden (vgl. Tabelle 4), erlauben Schlussfolgerungen über differenzielle Unterschiede im Konsonantismus der baltischen Sprachen.

7.4. Die Untersuchung offenbarte die folgenden distinktiven Unterschiede zwischen den litauischen und lettischen Sprachen Konsonanten:

7.4.1. Den Spektralspitzenwerten zufolge nähern sich die palatalisierten Konsonanten des Litauischen den entsprechenden nicht palatalisierten Konsonanten des Lettischen an, während die Spektralspitzenfrequenzen der palatalen Konsonanten des Lettischen zu den höchsten gehören (höher sind nur die Spektralspitzen der dentalen Konsonanten beider Sprachen). Es lässt sich feststellen, dass die lettischen Konsonanten „weicher“ sind als die nicht palatalisierten Konsonanten des Litauischen und die palatalen Konsonanten des Lettischen „weicher“ als die palatalisierten Konsonanten des Litauischen.

7.4.2. Für Frikative und Affrikaten des Lettischen ist eine höhere relative Intensität charakteristisch als für entsprechende litauische Konsonanten hinsichtlich Stimmhaftigkeit und Artikulation. Diese Ergebnisse könnten einerseits durch die energischere Artikulation der lettischen Informanten, andererseits durch die Unregelmäßigkeit des Schallsignals während der Aufnahme bedingt sein. Um den Einfluss technischer Parameter auszuschließen, sollten künftig eingehendere Untersuchungen dieser Art durchgeführt werden.

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Acta Linguistica Lithuanica LXXV

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JOLITA URBANAVIČIENĖ, INESE INDRIČĀNE

Fricatives and Affricates of Contemporary Baltic Languages: Comparative Analysis of Acoustic/ Spectral Cues

SUMMARY

In the current paper two acoustic cues – spectral peak’s frequency and relative intensity – obtained for the fricatives and affricates of contemporary Baltic languages have been studied. The research is conducted according to one and the same approach both for standard Lithuanian and Latvian. The aim of this paper is to compare the fricatives and affricates of the two Baltic languages in order to determine the essential spectral differences and the effect of palatalization, voicing, manner and place of articulation, as well as the effect of speaker’s gender displayed by the acoustic cues examined in the paper.

The research object is 34 consonant phonemes of contemporary Baltic languages: 1) 22 fricatives – /f, fʲ, s, sʲ, z, zʲ, ʃ, ʃʲ, ʒ, ʒʲ, x, xʲ, ɣ, ɣʲ/ of Standard Lithuanian and /f, v, s, z, ʃ, ʒ, x/ of Standard Latvian; 2) 12 affricates – /t͡s, t͡sʲ, d͡z, d͡zʲ, t͡ʃ, t͡ʃʲ, d͡ʒ, d͡ʒʲ/ of Standard Lithuanian and /t͡s, d͡z, t͡ʃ, d͡ʒ/ of Standard Latvian.

The recording material consists of isolated CVC syllables pronounced by 12 Lithuanian and 12 Latvian native speakers (at the ages of 20 to 48): 6 males and 6 females within each group.

Data processing was performed using the software PRAAT, MS EXCEL, and SPSS.

The results indicate that spectral peak’s frequency displays the effect of palatalization (in Standard Lithuanian), manner and place of articulation, as well as the effect of speaker’s gender. The palatalization causes higher spectral peak’s frequencies for palatalized vs. non-palatalized fricatives and affricates in Standard Lithuanian. According to spectral peak’s frequency, it is possible to divide the set of fricatives and affricates into sibilants (dentals and alveolars) vs. non-sibilants (labiodentals, palatals, and velars) both in standard Lithuanian and Latvian. The spectral peak’s frequency also displays gender-related differences, since the frequency values obtained for male speakers are lower in comparison to those of female speakers. The spectral peak’s frequency values do not reveal the effect of voicing.

The results obtained in this research show the correlation between relative intensity and voicing: the values obtained for the voiced fricatives and affricates are higher in comparison to their voiceless counterparts. The highest relative intensity values are characteristic of the palatalized fricatives and affricates of Standard Lithuanian, i.e., palatalization increases the strength of the consonant. On the basis of relative intensity, it is impossible to classify the fricatives or affricates of Standard Lithuanian or Standard Latvian according to their manner and place of articulation. The results obtained in this research do not provide the effect of speaker’s gender.

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Dabartinių baltų kalbų pučiamieji priebalsiai ir afrikatos: akustinių požymių lyginamoji analizė

Similar correlations between the acoustic cues examined in this paper and the effect of voicing, manner and place of articulation, as well as the effect of speaker’s gender are observed both in standard Lithuanian and Latvian. However, some differences in the data of the two Baltic languages are also observed. The results show that the fricatives and affricates of Standard Latvian are more similar to the palatalized vs. non-palatalized fricatives and affricates of the same voicing, manner and place of articulation in Standard Lithuanian, i.e., the fricatives and affricates in Standard Latvian seem to be “softer” in comparison to the non-palatalized fricatives and affricates in Standard Lithuanian. It is also observed that the fricatives and affricates of Standard Latvian have a higher relative intensity in comparison to the corresponding fricatives and affricates of Standard Lithuanian. This can be explained either by more energetic articulation of these speech sounds for speakers of Standard Latvian or by some differences related to the recording level.

Įteikta 2016 m. gegužės 19 d.

JOLITA URBANAVIČIENĖ

Lietuvių kalbos institutas

Petro Vileišio g. 5 LT-10308 Vilnius Lithuania

[email protected]

INESE INDRIČĀNE

LU Latviešu valodas institūts

Akadēmijas laukums 1 LV-1050 Rīga Latvia

[email protected]

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