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LORETA VAIČULYTĖ-SEMĖNIENĖ

Institut für Litauische Sprache

Forschungsschwerpunkte: Morphosyntax, Typologie, Valenz, Semantik.

DAS KONZEPT DER MENSCHLICHEN IDENTITÄT AUF DER GRUNDLAGE VON TAPATUS, -Į UND SEINEN ABLEITUNGEN IN DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN MEINUNGSPUBLIZISTIK

Konzept der menschlichen Identität auf der Grundlage von tapatus, -i und seinen Ableitungen im zeitgenössischen litauischen Meinungsjournalismus

ABSTRACT

Gegenstand dieses Artikels ist die menschliche Identität auf der Grundlage des Adjektivs tapatus, -i sowie seiner verbalen und nominalen Ableitungen. Der strukturelle Bedeutungsansatz wird hier mit einem kognitiven Ansatz kombiniert. Auf der Grundlage des publizistischen Materials des Textkorpus der Gegenwartssprache Litauisch (im Folgenden DKT) wird erörtert, worin das Konzept der menschlichen Identität besteht. Die Untersuchung zeigte, dass die menschliche Identität, ausgehend von den Valenzaktanten der untersuchten Wörter und den Prädikaten, deren Aktanten sie selbst sind, ein einzigartiges Ganzes der Person ist, das von Geburt an empfunden und wahrgenommen und/oder nach Teilhabe geschaffen wird: als enge Wechselbeziehung des Menschen mit Teilidentitäten – der angeborenen bzw. nicht angeborenen, der göttlichen bzw. der irdischen. In dieser Hinsicht ist die angeborene Identität beständiger als die nicht angeborene. Der Wandel hängt mit dem Ausdruck in unterschiedlichen Formen von tapatus bzw. tapatinti(s) zusammen.

SCHLÜSSELWÖRTER: Adjektiv tapatus, -i, Ableitung, Konzept, strukturelle Semantik.

ANNOTATION

Der Artikel behandelt die menschliche Identität ausgehend vom Adjektiv tapatus, -i und dessen verbalen und nominalen Ableitungen. Er verbindet einen strukturalistischen Bedeutungsansatz mit einem kognitiven Ansatz. Auf Grundlage der im Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache (CCL) gespeicherten Daten aus der Meinungsjournalistik arbeitet der Artikel das Konzept der menschlichen Identität heraus. Die

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Untersuchung ergab, dass die menschliche Identität, gemessen an den Valenzaktanten der diskutierten Wörter und den Prädikaten, deren Aktanten sie selbst sind, ein eigentümliches Ganzes der Person darstellt, das von Geburt an auf der Grundlage einer Dualität empfunden, wahrgenommen und/oder geschaffen wird: als enge Beziehung der Person zu einer partiellen Identität – einer angeborenen oder nicht angeborenen, himmlischen oder irdischen. Aus zeitlicher Perspektive ist die angeborene Identität beständiger als die nicht angeborene. Variabilität hängt mit dem Ausdruck durch verschiedene Formen von ya tapatus und tapatini(s) zusammen.

SCHLÜSSELWÖRTER: Adjektiv tapatus, Ableitung, Konzept, strukturelle Semantik.

1. EINLEITUNG. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

Im vergangenen Jahrzehnt ist es in Mode gekommen, über Identität zu sprechen. Dieses Thema wurde von zahlreichen litauischen Autorinnen und Autoren unter historischen, soziologischen, philosophischen, sozialen, kulturellen und anderen Gesichtspunkten untersucht; sie alle hier zu nennen wäre schwierig und ist letztlich auch nicht das Ziel (inter alia Morkūnienė, Hrsg., 2012; Matonytė, Morkevičius 2013; Rubavičius 2014; Grigas 2016 sowie die dort umfangreich zitierte Literatur). In den vergangenen Jahren hat Identität auch sprachwissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten: Sie wurde unter soziolinguistischen (Ramonienė, Hrsg., 2016) und ethnolinguistischen (Rutkovska, Smetona, Smetonienė 2017) Gesichtspunkten untersucht.

Romualdas Grigas sagt: „Mich selbst [...] kann ich nur erkennen und verstehen, indem ich mit meinen Angehörigen, Gleichgesinnten, Kolleginnen und Kollegen und überhaupt mit der mich umgebenden Welt kommuniziere. [...] So verhält es sich auch mit einer Nation. [...] Sie entsteht, entwickelt sich, festigt sich, verfällt und verschwindet nur im Verhältnis zum ‚Anderen‘“ (Grigas 2016: 18). Oder, wie im Oktober 2005 auf der Internetseite bernardinai.lt geschrieben wurde¹: „Identität bestimmt nicht nur, wie man sich selbst wahrnimmt, sondern auch, wie andere einen wahrnehmen. Identität ist vielschichtig und komplex. Jemand hat einmal formuliert, dass wir mehrere Identitätsschichten haben – wir sind gleichsam wie Zwiebeln.“

Nachdem Kristina Rutkovska, Marius Smetona und Irena Smetonienė (2017) die Semantik der Bezeichnungen grundlegender Werte nach den Prinzipien der kognitiven Ethnolinguistik untersucht haben, ermöglichen sie es, die Identität der Litauerinnen und Litauer „kennenzulernen“. Die Verfasser der Monografie analysierten anhand der von Jerzy Bartmiński und seinem Team ausgearbeiteten Methodik des sprachlichen Weltbildes (S. 29–35) die Konzepte FEUER, WASSER, HAUS, FAMILIE, ARBEIT, EUROPA, FREIHEIT und EHRE und kamen zu dem Schluss, dass „die Vielfalt und die Hierarchie der konzeptuellen Sphären zur Beschreibung und Wahrnehmung des Selbst als Individuum beitragen und durch das Individuum auch zum Selbstausdruck der gesamten ethnischen Gruppe“ (S. 260). Es zeigt sich, dass die von ihnen erörterten veränderlichen litauischen Werte

1 Zitiert nach dem Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache bereitgestellten publizistischen Material.

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stark mit der Ethnizität und der alten baltischen Kultur verbunden, „was wiederum mit einer hohen Wertschätzung des Selbstbewusstseins, der Wertschätzung der Sprache und dem Ausdruck der Liebe zum Vaterland zusammenhängt“ (S. 259).

Loreta Vilkienė betrachtet Identität als fortwährende Suche des Individuums nach Selbstverständnis und als Prozesse der Selbstgestaltung (Ramonienė, Hrsg., 2016: 135, vgl. auch die dort zitierte Literatur) und untersucht die ethnischen, sprachlichen und kulturellen Identitätsfragen von im Ausland lebenden Litauern, Personen litauischer Herkunft und Emigranten, die Zusammenhänge zwischen der litauischen Sprache und der Identität von Emigranten sowie die Rolle der litauischen Sprache für deren Verständnis ihrer ethnischen Identität (S. 117–185). Die Autorin stellt fest, dass „die Sprache für Litauer ein bedeutsamer Indikator ethnischer Identität ist“ (S. 118, siehe auch S. 128–129, 132, 152) und, wie Simas Karaliūnas (1997: 163) schreibt, eine identifizierende und einigende Funktion erfüllt. Anders gesagt: Ethnische Identität lässt sich am flexibelsten und besten durch die Sprache offenbaren, die im Zentrum der Identität liegt (Bucholtz, Hall 2006: 369), und die hier untersuchten Personen identifizieren sich im Wesentlichen offenkundig mit der litauischen Sprache (Ramonienė, Hrsg., 2015: 152). Andererseits „muss man auch anerkennen, dass eine positive Einstellung zur litauischen Sprache auch ohne Kenntnisse des Litauischen möglich ist“ (S. 132). Ein anderes Verhältnis besteht L. Vilkienė zufolge zum Ort – Litauen –, der für die ethnische Identität von Emigranten „nicht besonders wichtig“ ist (S. 125); genauer gesagt, „findet ein Prozess der ‚Entterritorialisierung‘ ethnischer Identität statt, da die Verbindung zu Litauen eher emotionaler als territorialer Art ist“ (S. 132). Die kulturelle Identität der im Ausland lebenden Litauer, der Personen litauischer Herkunft und der Emigranten ist in unterschiedlichem Maße hybrid, enthält jedoch einen starken litauischen Anteil; geschätzt werden die litauischen kulturellen Besonderheiten – Sprache, Geschichte, Symbole usw. (S. 184).

In diesem Artikel wird die menschliche Identität aus der Perspektive der strukturellen Semantik betrachtet, genauer gesagt wird der strukturalistische Bedeutungsansatz mit einem kognitiven Ansatz verbunden. Soweit bekannt, wurde die menschliche Identität unter diesem Gesichtspunkt bislang nicht behandelt. Es wird davon ausgegangen, dass „strukturelle Bedeutung explizierte kognitive Bedeutung ist“ (Jakaitienė 1988: 58; vgl. Jakaitienė 2010: 56; Gudavičius 2011: 117). Hier werden die Beziehungen zwischen Wörtern analysiert und untersucht, welche Informationen sie ausdrücken, das heißt, was oder wie das Konzept der menschlichen Identität verbalisiert wird, insofern es sich um veränderliche konzeptuelle Informationen, den Inhalt des Denkens und eine Strategie handelt, die im Bewusstsein der Sprachbenutzer verankert sind (vgl. Jakaitienė 1988: 42–43, 57–94; 2010: 17–18, 45–46, 50). Auf dieser Grundlage lässt sich von einem sogenannten sprachlichen Weltbild sprechen, also von einem in den Sprachelementen festgehaltenen Verständnis von Inhalten und einer bestimmten sprachlichen Interpretation der Wirklichkeit (ausführlicher siehe Gudavičius 2007: 10; 2009: 11–17, Rutkovska, Smetona, Smetonienė 2017: 20–22, 29 sowie die dort zitierte Literatur)3.

2 Plg. Rutkovskos, Smetonos, Smetonienės (2017: 22) vartojamą terminą pasaulio vaizdas kalboje.

3 Die ethnolinguistische Konzeption des Konzepts stützt sich beispielsweise auch auf die Arbeiten von Jurij Stepanov (Степанов 1997), Valentina Maslova (Маслова 2001), Svetlana Ter-Minasova (Тер-Минасова 2000), Algirdas Ruškys (2011), Regina Kvašytė und Silvija Papaurėlytė (2013), Silvija Papaurėlytė (2013) sowie Ned Jurgaitytė (2015) (siehe auch die dort zitierte Literatur).

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Gegenstand dieser Untersuchung sind verschiedene Formen des Reziprokverbs tapatūs, -i und seiner verbalen (tapatinti, tapatintis, susitapatinti, sutapatinti) und nominalen (tapatybė, tapatumas) Ableitungen, wenn mindestens einer ihrer Aktanten explizit oder implizit als Mensch oder Menschengruppe bezeichnet wird, z. B.: Karalius tapatūs valstybei DLKT; Ein Mensch beginnt, sich selbst (vgl. einen Menschen) mit der Gemeinschaft gleichzusetzen DLKT; Serien haben eine therapeutische Wirkung und spiegeln die Identität des Volkes wider, genauer gesagt das, womit es sich selbst zu identifizieren geneigt ist DLKT. Ziel ist es, auf der Grundlage einer Analyse des Adjektivs tapatūs, -i und seiner Ableitungen in publizistischen Sätzen⁴ das Konzept der menschlichen Identität⁵ als Teil des Weltbildes im menschlichen Bewusstsein, als eine bestimmte Weise des Wahrnehmens, zu definieren. Untersucht wird, wie sich in der Sprachverwendung⁶ durch die erörterten Wörter und ihre Valenzaktanten, d. h. ihre formale Struktur, die mentale Struktur – die menschliche Identität als Teil des Identitätskonzepts – aktualisiert (sichtbar wird).

Es wurden folgende Aufgaben gestellt: ohne Anspruch auf eine umfassende Literaturübersicht darzulegen, was für den publizistischen Stil am typischsten ist (siehe Kapitel 2), wie das Adjektiv tapatūs, -i und seine Ableitungen in Wörterbüchern definiert und in grammatischen Arbeiten beschrieben werden (siehe Kapitel 3), die erörterten Wörter in minimalen publizistischen Textfragmenten, d. h. in einzelnen Sätzen, zu analysieren und auf der Grundlage dieser Analyse festzustellen, wie sich das Bild der menschlichen Identität entfaltet – des in den Köpfen der Sprecher des heutigen Litauischen existierenden Konzepts (siehe Kapitel 5). Die menschliche Identität wird induktiv definiert.

Als theoretischer Ausgangspunkt der Untersuchung gilt die Auffassung der Vertreter der strukturalistischen Linguistik, Sprache sei ein strukturiertes System bedeutungstragender Elemente, das in den Köpfen der Sprachbenutzer verankert ist und in dem diese Elemente durch ihre wechselseitigen Beziehungen bestimmt werden; entscheidend sind also nicht die einzelnen Elemente x und y, sondern die Beziehung zwischen ihnen (inter alia Hjelmslev 1995: 36–51; Greimas 2005: 47, 50; Vykypėl 2005: 11–44)⁸. Analysiert wird eine konkrete (Ausdrucks-)Form im Sprachgebrauch – ein Satz in einem minimalen (Kon-)Text. Im Satz Karalius tapatūs valstybei sind die bedeutungstragenden Elemente

⁴ Plg. Evaldos Jakaitienės (2010: 32t) vartojamą priedėlio termino terminą.

⁵ Zu Inhalt und Wechselbeziehungen der Termini Bedeutung, Begriff, Konzept und Sinn siehe ausführlicher Gudavičius 2007: 14–23, 2011; vgl. Jakaitienė 2010: 46–48.

⁶ Vgl.: „Die Existenz des Menschen ist identisch mit seiner Funktion in einem beliebigen Satz. Diese Variante verschmilzt mit der gesamten Moderne und Postmoderne, in der das Universum identisch mit den Diskursen ist, die es beschreiben. Solche Aussagen sind eine Folge der Behauptung, dass nicht nur das Universum, sondern auch der Mensch ein materielles, aus Teilen zusammengesetztes Ding ist, das sich daher auch anders zusammensetzen lässt, als es ein Diskurs tut, und sogar nach Beschreibungen, die dem Menschen entgegengesetzt sind“ (Mickūnas 2012: 306).

⁷ Vgl.: „Ein einzelner Terminus-Gegenstand hat für sich genommen keine Bedeutung. Bedeutung setzt das Vorhandensein einer Beziehung voraus: Die Beziehung zwischen Termini ist eine notwendige Bedingung für Bedeutung“ (Greimas 2005: 47).

⁸ Die kognitive Semantik untersucht die Beziehungen zwischen Erfahrung (engl. experience), verkörperter Kognition (engl. embodied cognition) und Sprache (Evans, Green 2006: 50); Bedeutungen werden als mentale Strukturen aufgefasst (Taylor 2006: 569).

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(Lexeme) stehen in einer oppositiven Beziehung: Substantive verschiedener Formen König, Staat stehen zu identisch in Beziehung (als Aktanten vs. Prädikat); das Substantiv König steht zum Substantiv Staat in Beziehung (Subjekt vs. Objekt). Die konkrete Bedeutung des Prädikats identisch wird im Zusammenhang mit anderen Lexemen deutlich – mit den durch Substantive bezeichneten Aktanten. In diesem Fall „konstituieren“ die Lexeme König und Staat gewissermaßen, anders gesagt aktualisieren sie, den Inhalt von Identität (allgemeiner: sie gehen in ihn ein)⁹. Nach dem Kompositionsprinzip wird die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks als Ganzes auf der Grundlage der Bedeutungen seiner Bestandteile bestimmt¹⁰. Die strukturelle Bedeutung steht mit dem Konzept in einer Teil-Ganzes-Beziehung, und zwar in einem bestimmten Sinne; das heißt, sie verbalisiert bestimmte veränderliche Elemente des mentalen Inhalts.

Zunächst wird darauf geachtet, dass identisch, -e und seine Ableitungen auf Satzebene verwendet werden, das heißt, dass es selbst als Prädikat fungiert (identisch, sich (mit etwas) identifizieren) oder dass es einer der valenzgebundenen Aktanten des Prädikats ist (die eigene Identität bewahren). Wie bereits erwähnt, wird darauf geachtet, dass mindestens einer der obligatorischen Aktanten von identisch, -e oder seinen Ableitungen durch ein Wort ausgedrückt wird, das einen Menschen oder eine Menschengruppe bezeichnet; außerdem wird der lexikalische Ausdruck des zweiten Aktanten analysiert – es wird festgestellt, was damit ausgedrückt wird. Untersucht wird, mit welchen Prädikaten substantivische Ableitungen von identisch, -e verwendet werden, das heißt, was den Satzkern bildet, wenn eine Ableitung von identisch, -e nicht als Prädikat, sondern als Aktant fungiert. Untersucht werden Ausdrücke wie der Mensch (x) ist mit y identisch, der Mensch identifiziert sich mit y, die Identität des Menschen wahrnehmen und Ähnliches; gesucht wird eine Antwort auf die Frage, wie und welche Tendenzen des Inhalts menschlicher Identität sich in der heutigen litauischen Publizistik anhand der Ausdrücke auf Satzebene erkennen lassen¹².

Die hauptsächlich angewandte Forschungsmethode ist die deskriptiv-analytische Methode der grammatischen und semantischen Analyse.

Bei der Untersuchung des heutigen litauischen Sprachgebrauchs stützt sich die Studie auf Beispiele, die im Zentrum für Computerlinguistik der Vytautas-Magnus-Universität gesammelt wurden

9 „Die Bedeutung der meisten prädikativen Wörter wird erst in einer zwei- oder mehrgliedrigen Verbindung deutlich“ (Jakaitienė 2010: 51). Zu dieser Frage siehe auch Cruse (2001: 16). Vgl. den von Louis Hjelmslev verwendeten Begriff Verwandtschaft: „Diese Verwandtschaft ist eine Art Anziehungskraft, die eine bestimmte Substanz in einer bestimmten Form anzieht; sie besteht sowohl auf der Ausdrucks- als auch auf der Inhaltsebene“ (Vykypė 2005: 18).

10 Vgl.: „Die Grundlage der Auffassung von struktureller Bedeutung bilden die Kenntnisse der Sprachbenutzer über die systemischen Beziehungen zwischen Wörtern und über die Regeln und Normen ihres Gebrauchs in Texten. [...] Die Untersuchung der Beziehungen zwischen Wörtern ist das Verfahren, das es ermöglicht, Bedeutung zu erkennen und bestimmte kleinere semantische Bestandteile zu explizieren. Deshalb lässt sich Bedeutung unter strukturellem Aspekt als organisierte (d. h. auf eine bestimmte Weise geordnete) Gesamtheit semantischer Elemente definieren“ (Jakaitienė 2010: 56).

11 „Es ist nicht einmal ganz richtig, von ihrer [der Wechselwirkung von Wortbedeutung und Begriff] Wechselwirkung zu sprechen, denn Wechselwirkung würde eine gewisse Getrenntheit implizieren. Tatsächlich begegnen wir hier einem Phänomen, das jedoch, obwohl es sehr komplex ist, zwei Erscheinungsformen hat: eine eher oberflächliche – die Wortbedeutung – und eine tiefere, innerlichere – den kognitiven Begriff. In genetischer Hinsicht lässt sich dem Begriff gegenüber der Wortbedeutung Vorrang zusprechen“ (Gudavičius 2007: 18; vgl. auch Jakaitienė 1988: 57–58).

12 „Bei der Beschreibung des Sprachgebrauchs, der sich ständig verändert und daher sehr schwer festzustellen (zu definieren) ist, kann man nur mit Tendenzen arbeiten“ (Vykypė 2005: 20).

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bildet das Korpus der Gegenwartssprache des Litauischen (im Folgenden: DKT). Den größten Teil des seit 1992 bis heute erstellten DKT machen schriftliche, häufig redigierte Sprachtexte verschiedener Genres aus: publizistische, fiktionale, nichtfiktionale oder administrative Literatur. Ein Teil davon sind Übersetzungen. Beispiele gesprochener Sprache sind im DKT deutlich seltener. Das Korpus publizistischer Texte macht 63,8 Prozent des gesamten DKT-Materials aus. Für die Analyse wurden 100 publizistische Sätze13 ausgewählt, in denen die untersuchten Wörter vorkommen. Gegebenenfalls wird auch der minimale Kontext der Sätze berücksichtigt (300 Zeichen gemäß der Breite der DKT-Konkordanzzeile).

2. WARUM PUBLIZISTIK

Die Publizistik wurde nicht nur deshalb als Quelle gewählt, weil sie den größten Teil des DKT ausmacht, sondern auch wegen ihrer Eigenschaften als „Vermittlerin“ (vgl.: Bitinienė 2007: 17; Župerka 1983: 108).

Traditionell wird die Publizistik im Rahmen der Stilistik – der funktionalen Stile14 – behandelt (inter alia Pikčilingis 1971; Župerka 1983, 2012; Bitinienė 2007). Entsprechend den Bereichen des Sprachgebrauchs und den grundlegenden Sprachfunktionen15 wird der publizistische Stil neben dem alltäglichen umgangssprachlichen Stil, dem offiziellen Sachstil, dem wissenschaftlichen und dem künstlerisch-literarischen Stil unterschieden (Pikčilingis 1971: 286f.), oder neben dem wissenschaftlichen, administrativen, alltäglichen (umgangssprachlichen, nach Župerka 2012: 91) und künstlerischen Stil (Župerka 1983: 12, 99, 101; vgl. 2012: 80–97).

Kazimieras Župerka (1983: 99, 101, 108; plg. 2012: 79) kalba apie tai, kad du ryškiausi potilius – laikraštinį16 (rašytinį) ir oratorinį (s说ytinį) turintis publicistinis stilius esąs meninio ir nemeninio (dalykinio resp. buitinio) stilių, arba kalbos sferų, sandūroje, tiksliau, arčiau nemeninio stiliaus (Župerka 2012:

13 Plg.: „Sakinys yra bazinis objektas, kuriame įkūnyta kalbos Semantika“ (Стенанов 1981: 4, cituojama iš Jakaitienė 2010: 42).

14 „Ein funktionaler Stil ist eine historisch entstandene Varietät der Standardsprache, deren stilistische Merkmale und sprachliche Mittel durch den Sprachgebrauchsbereich, den Inhalt und die Funktionen bestimmt werden“ (Župerka 2012: 78; zu einer etwas abweichenden Auffassung vgl.: Župerka 1983: 12, 99; Pikčilingis 1971: 277; Gaivenis, Keinys 1990: 67; Ambrazas 1999: 204). „Ein funktionaler Stil besteht aus bestimmten, im kollektiven Bewusstsein verankerten und verinnerlichten Tendenzen und Leitlinien des Sprachgebrauchs, einem recht abstrakten Modell; die ganze Vielfalt des sprachlichen Ausdrucks entfaltet sich jedoch in einem Text, der auf einen bestimmten Stil ausgerichtet ist“ (Bitinienė 2007: 10).

15 Zu den Sprachfunktionen, den Kriterien für ihre Unterscheidung, ihrer Anzahl und ihrem gegenseitigen Verhältnis siehe ausführlicher Karaliūnas 1997: 113–175 sowie die dort zitierte Literatur. Zu dieser Frage vgl. ferner Župerka 1983: 99–100; 2012: 79, Marcinkevičienė 2008: 33–77 sowie die dort zitierte Literatur.

16 „Zu den journalistischen Genres zählen Nachricht, Artikel, Feuilleton, Reportage, Skizze und andere. Es gibt auch Mischformen, etwa die wissenschaftliche Publizistik“ (Župerka 1983: 101f.; siehe ferner S. 108). Zu den der Publizistik zugeordneten Genres, ihrer Typologie, den Klassifikationskriterien usw. siehe ausführlicher Marcinkevičienė 2008.

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79). „Anders als die Sachstile (der wissenschaftliche und der administrative) ist die subjektive Bewertung ein charakteristisches Merkmal der Publizistik. Der publizistische Text [...] befindet sich also gewissermaßen auf halbem Weg zwischen Sach- und Kunststil“ (Župerka 1983: 108; vgl.: Župerka 2012: 87; Bitinienė 2007: 24; Marcinkevičienė 2008: 91–92). Dem besprochenen Stil, dessen Ziel es ist, „nicht nur Fakten darzustellen, sondern den Leser entsprechend einzustimmen und zu überzeugen“, ist eine Verbindung kommunikativer und expressiver Funktionen (Župerka 1983: 108) eigen, oder anders gesagt, eine Verbindung der Mitteilungsfunktion (aktueller Information) und der Wirkungsfunktion (Agitation und Ausdruck). Audronė Bitinienė versteht den publizistischen Stil enger – als Periodika (Zeitungen und Zeitschriften) – und stellt fest, dass „die primäre Aufgabe der Publizistik darin besteht, das gesellschaftliche Leben widerzuspiegeln (Fakten und Ereignisse festzuhalten) und es erst danach zu beeinflussen und zu lenken“. Oder, wie S. Karaliūnas unter Berufung auf Grace Andrus de Laguna (1927) sagt: „Sprache ist ein wichtiges Mittel, um die Kooperation von Menschen zu verwirklichen. [...] Menschen sprechen nicht nur, um ihre Gefühle zu beruhigen, ihr Herz auszuschütten oder ihre Meinung zu äußern, sondern auch, um bei ihren Partnern und Gefährten eine Reaktion hervorzurufen und deren Einstellungen, Ansichten und Handlungen zu beeinflussen“ (Karaliūnas 1997: 108). „Interaktion und Kommunikation gibt es auch zwischen Menschen, die einander nie unmittelbar begegnet sind oder begegnen, aber durch ein komplexes System gesellschaftlicher Institutionen aufeinander einwirken, dessen Funktionieren durch die Übermittlung von Mitteilungen über technische Kommunikationsmittel über räumliche Distanzen hinweg ermöglicht wird. Ein solcher Typ von Interaktion und Kommunikation besteht beispielsweise [...] zwischen dem Verfasser eines Artikels und breiten Schichten der Zeitungsleserschaft, denen der Verfasser seine Meinung mitteilt“ (S. 96; vgl. Bitinienė 2007: 12). Schließlich gilt: „Da die Übermittlung von Information und ihre Zirkulation in der Gesellschaft als Kommunikation betrachtet werden, bedeutet Kommunikation unter psychosozialem Aspekt letztlich offenbar die Veränderung und Regulierung menschlichen Verhaltens“ (Karaliūnas 1997: 107). A. Bitinienė fügt dazu hinzu: „Dem Adressaten [Leser] wird gewissermaßen die Vielfalt der Welterkenntnis genommen, die Möglichkeit, die Welt mit eigenen Augen zu betrachten: Der Adressat muss sich der Überzeugungskraft des Absenders beugen und dessen Sicht auf die Erscheinungen der Wirklichkeit übernehmen“ (Bitinienė 2007: 20). Gerade solche „willenlosen“, des Lesens und Schreibens kundigen, aber unkritischen Menschen „machen mehr als die Hälfte der Zuhörer oder Leser aus“.

Aus dem bisher kurz Gesagten wird also deutlich, dass Texte, die der Publizistik zugerechnet werden, dazu dienen, die Meinung der Mehrheit der Leser beziehungsweise die öffentliche Meinung zu informieren, zu bewerten und (mit)zuformen. In Anbetracht dessen lässt sich wohl annehmen, dass das in den publizistischen Sätzen des DKT sichtbare Konzept menschlicher Identität der aktuell herausgebildeten Identitätsdeutung in den Köpfen vieler von uns – aktiver Leser – entspricht oder ihr ähnelt.

17 Siehe Župerka 2012: 79, 87, 97; vgl.: Pikčilingis 1971: 307; Marcinkevičienė 2008: 34–35, 53ff.

18 „Wichtig ist nicht, was die Menschen denken, sondern wie sie denken sollten“ (Bitinienė 2007: 12).

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3. DEFINITIONEN DES ADJEKTIVS TAPUS, -I UND SEINER ABLEITUNGEN IN WÖRTERBÜCHERN UND GRAMMATIKALISCHEN ARBEITEN

Um den Inhalt von tapus, -i und seinen Ableitungen näher zu bestimmen, und angesichts der Auffassung, dass die allgemeine Wortbedeutung intuitiv erfasst wird und eine Abstraktion ist (Karaliūnas 1997: 277–278), ist es wichtig zu betrachten, wie die betreffenden Wörter in Wörterbüchern verzeichnet sind.

Didžiajame Lietuvių kalbos žodyne (toliau – LKŽe) būdvardis tapatus, -i aiškinamas kaip identiškas, tolygus (žr. 1–2 sakinį), Dabartinės lietuvių kalbos žodyne (toliau – DLKŽe) – toks pat¹⁹, identiškas²⁰, tolygus²¹. Atskirai teikiamas daiktavardis tapatumas LKŽe siejamas su tapatus kaip pastarojo vedinys, o būdvardinis tapatybė čia apibrėžiamas kaip turintis dvi reikšmes, kurių viena – ‘objekto lygybė²² pačiam sau arba kitam objektui, tolygumas, vienodumas²³’ – šiame straipsnyje aktuali. DLKŽe būdvardinis priesagas -umas abstraktas tapatumas teikiamas leksografiniame tapatus, -i straipsnyje, o tapatybė – atskirai kaip ‘tapatumas’. Būdvardinis veiksmažodis tapatinti LKŽe apibrėžiamas kaip ‘laikyti tapatų, identifikuoti’, DLKŽe – ‘laikyti tapatų’. Čia aktualu minėti ir paties laikyti reikšmę ‘manyti esant kuo, turint tam tikrų ypatybių’ (DLKŽe)²⁴, suponuojančią subjektą kaip percepientą²⁵, pvz.: Visi [Pc] jį laiko išmintingu (žr. Šlienė 1994: 370). Atsižvelgiant į tai, DLKT pateiktą konstrukciją Su herojais [mes] tapatiname patys, tapatiname visą tautą galima perfrazuoti į Mes manome patys esantys tapatūs su herojais ir visą tautą esantį tapačią jiems arba Mes manome, kad pats esame tapatus herojams ir kad visa tauta tapati jiems (plg. Šlienė 204: 297).

Valingumo pagrindu (Šlienė 1994: 15–57; plg. Jakaitienė 2010: 65–71) aptariami žodžiai, kurie, pagal minėtas leksikografines apibrėžtis, nusako

¹⁹ Vgl. DLKŽe: toks pat, tokia pat Vergleichspartikel – so wie ein anderer.

²⁰ Vgl. DLKŽe: identiškas, -a – 1. gleichwertig, gleich, identisch.

²¹ Vgl. DLKŽe: tolygus, -i – 2. gemeinsame Merkmale aufweisend, gleich.

²² Vgl. DLKŽe: lygus, -i – 2. von gleicher Größe, Breite, Güte u. Ä., gleich: Er ist mir gleich.

²³ Vgl. LKŽe: vienodas, -a – 1. nahezu oder völlig gleiche Eigenschaften aufweisend, gleich: Alle gingen gleich weg Rdn.

²⁴ Vgl. LKŽe: laikyti – transitives Verb, 20. jemanden/etwas für etwas halten: Wofür hältst du mich? J. Jabl. BLKŽe: laikyti – 4. (jemanden/etwas für etwas) meinen, jemanden/etwas als etwas oder als so und so anerkennen: Wir halten einander für Brüder.

²⁵ „Perzipient – eine Lebewesen eigene Funktion des Erlebens psychischer Zustände: Lebewesen nehmen damit Sachverhalte der Wirklichkeit wahr, haben ihnen gegenüber eine bestimmte Einstellung und reagieren psychologisch auf sie“ (Šlienė 1994: 20–21).

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die Ähnlichkeitsrelation zwischen Dingen26 sind zweiwertig (identisch, identitär, Identität usw.) oder dreiwertig (identifizieren), d. h. ihre Bedeutung eröffnet zwei oder drei freie Stellen – Positionen27, die im Satz von Wörtern bestimmter Bedeutungen und ihren Formen besetzt werden.

Das Adjektiv tapatus, –i und seine Ableitungen (tapatinis, tapatybė) sind lexikalische (inhärente) Reziprokprädikate28, mit denen eine wechselseitige (engl. mutual) Beziehung zwischen mindestens zwei Situationsbeteiligten (engl. mutant) – x und y – ausgedrückt wird. Inhärent ist eine wechselseitige Beziehung symmetrisch. In der Regel ist sie invers: Wenn behauptet wird, dass x mit y identisch ist, bedeutet das, dass y mit x identisch ist. Neben solchen typischerweise symmetrischen Fällen (vgl. Mes tapatiname pirmiausia ir labiausiai su savo tauta DLKT) gibt es auch Fälle, die sich der Inversion weniger leicht fügen – weniger symmetrische (engl. semi-symmetric, quasi-symmetrical, sometimes-symmetrical) Fälle, vgl. Mes tapatiname su savo istorija DLKT, aber: *Istorija tapatinasi su mumis. Symmetrie ist somit graduell30. Im hier behandelten Fall hängt die inverse Symmetrie mit der Bedeutung des Verbs tapatintis zusammen, die ein lebendes Subjekt – einen Menschen – voraussetzt. Anders gesagt: Bei der Verwendung verschiedener Formen von tapatintis oder seiner Ableitung (tapatinamasis) kann der Mensch den Bezugspunkt bilden, vgl.: Tik tokiu atveju galima kalbėti ir apie pasiro žmogaus tapatinimąsi su tam tikra tauta ir jos kultūra DLKT, aber:?Man kann von einer Identifikation der Kultur mit dem Menschen sprechen.

Je nach gewähltem Bezugspunkt lassen sich dieselben Beteiligten einer wechselseitigen Situation (engl. mutual situation) unterschiedlich bezeichnen: einzeln oder als Gesamtheit. Im folgenden Satz 1 wird als Bezugspunkt ein einzelner Beteiligter der wechselseitigen Situation (x) gewählt – der als Subjekt fungierende König oder im Satz 2 wir, in den Sätzen 3–4 dagegen die Gesamtheit der Situationsbeteiligten (x und y), die durch die Pluralform eines Substantivs bezeichnet wird.

An den in den Sätzen 1–3 ausgedrückten wechselseitigen Situationen sind einzelne Menschen oder eine Gruppe von Menschen beteiligt (Einzelne bzw. Gruppe), in den Sätzen 4–9 dagegen Dinge. Mit anderen Worten

26 Dalijos Tekorienės (1990: 74) nuomone, tapatų formomis reiškiamas lygybės tarp daiktų santykis.

27 Ausgenommen sind Fälle, in denen die betreffenden Wörter im Plural verwendet werden; dann sind sie ein- oder zweiwertig (vgl. Satz 3).

28 Vgl.: „Lexikalische Reziprokprädikate (auch allelische Prädikate genannt) lassen sich als Prädikate definieren, die eine wechselseitige Konfiguration aus sich heraus ausdrücken, ohne dass eine grammatische Markierung erforderlich ist. Sie bestehen aus einer semantisch eingeschränkten Gruppe von Prädikaten, deren Bedeutungen im Allgemeinen in die Klassen sozialer Handlungen und Beziehungen („heiraten“, „streiten“, „befreundet sein“), räumlicher Beziehungen („angrenzen“, „neben“) sowie von Identitäts- und Nichtidentitätsbeziehungen („gleich sein wie“, „verschieden sein von“, „ähneln“) fallen“ (Haspelmath 2007: 2090).

29 Vgl.: „Eine nichtsymmetrische Relation wird zu ‚einer Relation, die mindestens eine asymmetrische Instanz aufweist‘“ (Parte 2008: 4). Zum Beispiel impliziert jiedu pasiveikino, dass jis pasiveikino su ja oder ji pasiveikino su juo, aber nicht notwendigerweise umgekehrt, d. h., wenn sie ihn begrüßte, muss er sie nicht unbedingt begrüßt haben.

30 „Wechselseitige Situationen sind selten vollkommen symmetrisch“ (Haspelmath 2007: 2088; eine ähnliche Auffassung findet sich auch bei Knjazev 2007: 116f.). Näheres zur graduellen Symmetrie allelischer Prädikate siehe Parte 2008.

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Sprachlich unterscheiden sich die lexikalischen Valenzen der Aktanten von tapatus und seinen Ableitungen und werden durch das „Gesetz der semantischen Kongruenz geregelt“ (Jakaitienė 2010: 69; vgl. Sližienė 1994: 28–29)31. Wie Evalda Jakaitienė schreibt: „Die Analyse der lexikalischen Valenz konkretisiert die Beschaffenheit der allgemeinen Komponenten. Dies gelingt nicht anhand eines einzelnen Satzes, sondern wenn man über mehr Texte verfügt, [...] die den Gebrauch zeigen (Jakaitienė 2010: 71).

Im Folgenden liegt der Schwerpunkt auf der Erörterung von 1–3: auf Fällen, in denen die lexikalische Valenz des Aktanten mindestens eines der behandelten Wörter Hum ist, also ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen; Fälle wie 4–9 bleiben dagegen außer Betracht. Berücksichtigt werden jedoch die Sätze 10–12, in denen der Aktant des Prädikats durch ein Wort bezeichnet wird, das ein abstraktes Ding benennt, aber inhärent (aufgrund der Semantik) einen Menschen impliziert.

Es wird davon ausgegangen, dass jedes Wort mit eigener Bedeutung und grammatischer Ausdrucksform, durch das im Satz ein Aktant von tapatus und seinen Ableitungen bezeichnet wird, als Teil, der sich zum Ganzen verhält, in das Konzept der menschlichen Identität eingeht.

1) Der König war nicht nur das Staatsoberhaupt; praktisch war er mit dem Staat identisch, denn es gab keine andere vereinigende Kraft, die ihn zusammengehalten hätte.

2) Wir werden in der Tat weder mental noch sozial noch politisch jemals mit Westeuropa identisch sein; daher werden wir sowohl den Osten als auch den Westen erst dann dazu bringen, uns ernst zu nehmen, wenn wir zeigen können, dass wir anders sind, aber existieren.

3) Es ist unmöglich, dass zwei Menschen nahezu identisch sind.

4) Schließlich finden wir im Leben keine zwei völlig identischen Blätter oder zwei identischen Wassertropfen. Auf unserem Planeten ist jedes Ding ein Individuum.

5) Ist ein Online-Buch identisch mit einem traditionellen [Buch]?

6) Wir setzen Aristoteles’ Säulen fälschlicherweise mit der Antike gleich.

7) Und ich setze die Zeit mit dem Theater gleich.

8) Kleine Kinder setzen gewöhnlich die Begriffe Zeit, Raum und Bewegung gleich.

9) Vermutlich setzen die Einwohner von Vilnius schon instinktiv die Verzierung mit dem Folklorefest „Skamba skamba kankliai“ gleich.

10) Die Äußerungen oder Gedanken von Figuren sollte man nicht mit der Sichtweise des Autors gleichsetzen (vgl. Figuren mit dem Autor gleichsetzen).

11) Ist es möglich, auf der Bühne eine Rolle zu finden, die deinem Bild entspricht (vgl. ein Bild, das dir / deinem Gefühl entspricht)?

12) Die gemeinschaftliche Erfahrung wird vom individuellen Bewusstsein geprägt, doch dieses [individuelle Bewusstsein] ist nicht identisch mit dem kollektiven [Bewusstsein] (vgl. das Individuum ist nicht mit dem Kollektiv identisch).

31 „Die lexikalische Bedeutung der Wörter, aus denen Verbindungen bestehen, wird als die von Wörtern vermittelte Information über von Menschen wahrgenommene Wirklichkeitsgegenstände und ihre Beziehungen verstanden“ (Jakaitienė 2010: 62).

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Acta Linguistica Lithuanica LXXIX

Das Konzept der menschlichen Identität anhand von tapatus, –i und seinen Ableitungen in der gegenwärtigen litauischen Publizistik

4. AUSWAHL DES EMPIRISCHEN MATERIALS

Die Untersuchungssätze mit tapatus, –i und seinen verbalen oder substantivischen Ableitungen wurden der Reihe nach ausgewählt, indem in das erweiterte Suchfeld des DLKT der Wortanfang eingegeben wurde, zum Beispiel tapat, tapatyb, und das Kästchen „nur publizistische Quellen analysieren“ angekreuzt wurde. Verwendet wurde das Suchkriterium beginnt mit. Bei der Suche lieferte DLKT für die Anfrage tapat 1371 Belege. Darunter waren verschiedene Formen der Adjektive tapatus, –i, tapatingas, –a, des Verbs tapatintis), des Partizips tapinamas, –a und der Substantive tapatingumas, tapatumas. Unter Berücksichtigung dessen, dass mindestens ein Aktant der untersuchten Wörter explizit oder implizit als Mensch bezeichnet wird, d. h. die lexikalische Valenz des Aktes Hum ist, wurden 360 Beispiele ausgewählt. Die Anfragen su(si)tap und tapatyb ergaben 562 bzw. 2054 Belege mit verschiedenen Formen des Verbs su(si)tapinti und des Substantivs tapatybė. Der Reihe nach wurden 314 bzw. 326 Beispiele ausgewählt. Für die Analyse mit minimalem Kontext wurden Sätze herangezogen, in denen die untersuchten Wörter selbst als Prädikat fungieren (vgl. Sätze 1–3) oder Aktant eines anderen Prädikats sind (vgl. Sätze 13–15); konsequent beibehalten wurden auch Sätze, in denen sie als (nicht)kongruierende Attribute auftreten, also auf der Ebene der Wortgruppe (vgl. Sätze 4, 16–21). Andererseits werden (nicht)kongruierende Attribute in Nominalphrasen berücksichtigt, wenn sie für die durch Aktanten bezeichneten Lexeme relevant sind (vgl. Sätze 22–23).

13) Ein wahrer Jünger ist nicht der, der ruft: Herr, Herr!, sondern der, der den Geist des Sohnes empfangen hat und den Willen des Vaters tut. Von diesem hängt unsere Identität ab; deshalb spielt es keine Rolle, welcher Nation oder Kultur man angehört – damals wie heute.

14) Der Mensch erlangt seine Identität durch die Beziehung zu seinen Vorfahren und zu jenen Ereignissen, die ihren Charakter geprägt haben.

15) Damit wir unserem Leben Sinn geben und unsere Identität erkennen können, müssen wir imstande sein, sagte Taylor, unser Leben als eine sich wandelnde Geschichte zu betrachten.

16) Man könnte sich an diese zauberhafte Blume überhaupt nicht erinnern, gäbe es nicht die identischen Hauptbestandteile beider Erzählungen: einen vielversprechenden Jüngling, eine wundervolle Blume und ein ebenso wundervolles Mädchen.

17) Die Familie lernt, die Fruchtbarkeitsmerkmale zu erkennen, die allen fruchtbaren Frauen gemeinsam sind.

18) Bei der Erörterung der Frage nach der persönlichen Identität schlug er vor, die Sprache als Mittel der Kommunikation und nicht der Selbstinterpretation zu verwenden – wie es auch andere hermeneutisch orientierte Denker tun.

19) Es ist nicht schlimm, wenn unser Ideal von Identität ein wenig von der Wirklichkeit abweicht.

20) Taylor sieht keine Bedrohung der Freiheit des Individuums darin, dass die Person in ihrer Ganzheit mit der Gruppe verschmilzt.

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21) Daraus folgt die Unmöglichkeit, das Ich mit dem Anderen gleichzusetzen, gerade wegen dieser Verschiedenheit, wegen der Diachronie.

22) Žemės tauta būna tapati valstybei tautai.

23) Didele dalis gyventojų vis dar tapatinasi su sovietiniais žmonėmis.

5. MENSCHLICHE IDENTITÄT IN DER PUBLICISTIK DES DKT

5.1. Wird zur Erörterung der inversen Identitätsbeziehung die menschliche Perspektive als Ausgangspunkt gewählt (engl. personal identity), wird die Perspektive des Anderen (engl. enacted identity), d. h. wer sich mit dem Menschen identifiziert (der Mensch aus der Sicht des Anderen), nicht gesondert untersucht.

Es scheint sinnvoll, die Erörterung der Identität eines Menschen oder von Menschen mit ihrer Beziehung zu sich selbst zu beginnen und sich anschließend der Beziehung zum Anderen zuzuwenden. Wie nimmt der Mensch sich selbst wahr (engl. consciousness of self) – sein eigenes Ich (engl. individual self): als unabhängiges Ich (engl. independent self) mit einer bestimmten, nur für es charakteristischen Gesamtheit persönlicher Eigenschaften oder (auch) als wechselseitig abhängig (engl. independent self)? Anders ausgedrückt: Besteht das sprachlich betrachtete Selbstverständnis des Menschen – die Wahrnehmung dessen, wer und wie ich selbst bin – aus der Vorstellung einer individuellen (einzigartigen) Identität als Gesamtheit persönlicher Eigenschaften oder (auch) aus der Begründung der persönlichen Identität durch Ähnlichkeit mit einem Anderen (vgl. Mayers 2008: 57–64)? Nach Ansicht von John E. Joseph (2008: 37) sind in der Identität tatsächlich Einzigartigkeit des Menschen, der Andere, Eigenheit und Ähnlichkeit miteinander verflochten32. Demnach lässt sich von einer mehr oder weniger relationalen Identität des Menschen sprechen (Joseph 2008: 81–82) und diese anhand verschiedener Kriterien definieren, die unterschiedliche, miteinander verbundene Schichten menschlicher Identität bilden und bestimmen, womit sich der Mensch identifiziert: mit sich selbst oder (auch) mit einem Anderen.

Ausgehend von der Auffassung, dass sich in der menschlichen Identität Eigenart und Ähnlichkeit miteinander verbinden, und gestützt auf das den genannten Wörtern inhärente Symmetrie- und Spiegelprinzip (ausführlicher siehe Mayers 2008: 62 und die dort zitierte Literatur)33, sind Sätze wie Der Mensch ist sich selbst gleich. Mit wem identifizierst du dich? Warum identifizieren Sie sich mit ihnen? Die Herrscher Litauens setzten die Žemaiten mit den Litauern gleich usw., in denen das direkte oder indirekte Objekt koreferent ist oder nicht,

32 „Identität als Gleichheit wird vor allem durch die Begegnung mit dem Verschiedenen erkannt, während Identität als Einzigartigkeit weitgehend durch die Überschneidung von Kategorien der Identität als Gleichheit konstituiert wird“ (Joseph 2008: 37).

33 Jacques Lacan „führt aus, dass die Selbstidentifikation des Individuums als Anerkennung seiner selbst nicht von der Anerkennung durch den Anderen zu trennen ist; im Anderen sehen wir keinen Anderen, sondern erkennen uns selbst wieder“ (Lacan 1998; zitiert nach Kuzmickas 2012: 26).

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Žmogaus tapatybės konceptas pagal tapat(us), -i ir jo vedinius dabartinės lietuvių kalbos publicistikoje

Gemeinsam mit dem Subjekt werden sie erörtert. Betrachtet wird, was die Bedeutungen der behandelten Wörter auf der Grundlage ihrer lexikalischen Valenz über die Eigenart und Ähnlichkeit menschlicher Identität „verraten“. 5.2. Zeitliche Dimension Die in den Sätzen 24–29 ausgedrückte Identität eines Menschen mit seinem eigenen Ich lässt sich als Sein der Identität und als Werden auffassen. Das Sein der Identität wird durch ein statisches, das Werden durch ein dynamisches Prädikat bezeichnet (mit sich selbst identisch sein bzw. sich mit sich selbst identifizieren). Das Werden wird im Kontext von Satz 26 zusätzlich durch das Temporaladverb heute hervorgehoben (vgl. mit wem identifizierst du dich heute). Das Sein der Identität hängt nicht nur mit relativer Beständigkeit (Statik), sondern auch mit Ganzheit zusammen, also mit dem Gefühl innerer Harmonie als Harmonie grundlegender Persönlichkeitsmerkmale (Savicka 2004: 78). Ein identischer Mensch als Träger eines Zustands oder das Selbst [P] ist ein ganzheitlicher³⁴ Mensch (vgl. Sätze 24, 27–28)³⁵. Das semantische Merkmal der Ganzheit hängt, wie Satz 24 zeigt, mit Eigenart zusammen. In dem Fall, in dem von einem identischen Menschen die Rede ist, wird im Satz seine Ganzheit als Person betont (vgl. Jonas ist ein ganzheitlicher Mensch). Das semantische Merkmal der Ganzheit bleibt im Bedeutungsgrund von identisch (engl. background), wenn durch die Angabe einer mit dem Subjekt koreferenten Ergänzung oder der Ergänzung „mit sich selbst“ die Eigenart des Menschen in den Vordergrund (engl. foreground) gerückt wird, vgl.: Jonas ist ein ganzheitlicher Mensch (d. h. ganzheitlich); Jonas ist ein Mensch, der sich selbst treu ist (d. h. eigenständig); Jonas identifiziert sich mit sich selbst. Im Satz Jonas identifiziert sich mit sich selbst36 entspricht das als Subjekt fungierende Jonas sowohl dem Perzipienten als auch dem Selbst, genauer gesagt der Doppelfunktion des hierarchisch strukturierten Perzipienten mit dem Selbst als Ergänzung [Pcp] (ausführlicher siehe Drūteinis 2009), vgl.: Jonas [Pcp] glaubt, dass er [P] sich selbst identisch ist. Diese Doppelfunktion des Subjekts [Pcp] tritt hervor, wenn ein Mensch sich gleichsam von außen betrachtet. Dann wird im Satz die Form des Verbs identifizieren verwendet, vgl.: Jonas [Pcp] setzt sich selbst gleich [P] mit seinem eigenen Bild; Jonas [Pcp] hält sich selbst [P] dem Bild gleich. Somit entsprechen im Satz das Mit-sich-selbst-identisch-Sein (mit sich selbst) bzw. das Sich-mit-sich-selbst-Identifizieren bzw. das Sich-selbst-mit-dem-eigenen-Bild-Gleichsetzen verschiedenen semantischen Merkmalen, die in den Bedeutungen der behandelten Prädikate angelegt sind, und aktualisieren diese.

Auch das Sein der Identität verändert sich im Laufe der Zeit. Dies zeigen die Formen der Kopula, vgl.: ein Mensch war sich selbst gleich (das heißt, er ist nicht gleich), wird gleich sein (das heißt, er ist noch nicht gleich),

34 Vgl. LKŽ: ganzheitlich – 4. aus einer Masse bestehend, vollständig. || ununterbrochen, ohne Unterbrechung, ohne Pausen: Anhaltender Regen. 5. widerspruchsfrei, kohärent: Eine ganzheitliche Persönlichkeit.

35 „Bei der Beschreibung des Menschen als Individuum ist zunächst zu sagen, dass er ein Einzelnes und ein Ganzes, das heißt unteilbar ist (lat. individuus – unteilbar), sich jedoch im Laufe der Zeit verändert. Dasselbe wird auch über die Identität des Individuums gesagt, obwohl man sie unter verschiedenen Aspekten betrachten kann, indem man jeden einzeln herausgreift und behandelt. Daher ist das Individuum, obwohl es im Allgemeinen ganzheitlich ist, zugleich vielfältig und facettenreich; bedingt lassen sich Teilidentitäten wie die soziale, kulturelle, nationale, politische, konfessionelle und weitere unterscheiden – je nachdem, wonach wir suchen und auf welcher Grundlage wir dies tun“ (Kuzmickas 2011: 65).

36 Beispiele dieses Typs aus DKT liegen nicht vor.

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wird identisch usw. In zeitlicher Hinsicht ist das Wesen der menschlichen Identität ein Prozess (Geschehen), der, wie aus Satz 29 ersichtlich, auch mit dem Selbstwertgefühl des Menschen verbunden ist.

24) Postmodernioje arba postsubjektinėje epochoje subjektas nėra tapatus sau. Jis atsiskiria ir skiriasi nuo to, kas būdinga, kas savita tik jam.

25) Tačiau reikia pasakyti, kad „tapatatis“ nereiškia „būti tapačiam“, t. y. sau prisikiriamą tapatybę nėra visuomet aktualiai egzistuojanti.

26) Pagalvok, kur slypi tavo išmintis ir su kuo tu susitapatini, kuo tampi? Įvertink, ką tu šiandien asimiliuoji ir kiek disimiliuoji, kaip tau tai sekasi daryti – šiame procese atrasi savo tikrąją tapatybę.

27) Fragmentuota sąmonė, fragmentuotas pasaulio vaizdas, šizofreniška kalba. Žmogus, kuris nebeatrodo esąs tapatus sau, svetimėja ir kitiems.

28) Būti tapačiam sau ir būti savimi yra pagrindiniai liepiniai, kurie išsaugo asmens tapatumą garantuojančių archetipų lobyną.

29) Taigi neesu tapatus savo paties vertei.

Die menschliche Identität besteht nicht nur in der relativ dynamischen Beziehung des Menschen zu sich selbst (er ist identisch bzw. wird sich selbst identisch sein; identifiziert sich bzw. sich mit sich selbst identifizierend; vgl. das entsprechende kalba(s)i), entfremdet sich von sich selbst³⁷), sondern auch in der Beziehung zu einem anderen (identifiziert sich mit y; identifiziert sich selbst mit y). Mit den Worten von Įtartė Morkūnienė gesprochen: „Das Individuum ist nicht isoliert, getrennt: Es ist verkörpert, ‚beteiligt sich‘ an Subjekten“ (Morkūnienė 2012: 120). Bronislovas Kuzmickas zufolge „wächst der Begriff der Identität als Ausweitung der reflektierten Innerlichkeit, deren Kern als Bild des ‚Ich‘ hervortritt, das sich im Gespräch und in der sonstigen Kommunikation mit anderen Personen herausbildet“ (Kuzmickas 2012: 26). Subjekte „sind in der Zeit, das heißt, sie dauern und verändern sich, und in diesem Wandel bleiben sie dieselben, wenn auch nicht gleich“ (Kuzmickas 2008: 167).

Wer (oder was) ist (bleibt) im Fluss der Zeit „derselbe“ Mensch, wenn er sich selbst verändert und sich bei der Begegnung mit einem anderen verändert und den anderen verändert? Wenn man anerkennt, dass die Menschen, denen man begegnet, Einfluss auf die Identitäten aller Beteiligten haben, ist es kaum möglich, dass zwei Menschen die ganze Zeit identisch wären (siehe Satz 30).

30) Neįmanoma, kad du žmonės būtų beveik tapatūs. Ypač partnerio ketoniškumą pajuntame, kai pradedame nuolat bendrauti, kai santykiai pasidaro tvirti³⁸.

37 Vgl. DLKT-Beispiele: Spricht er mit sich selbst, um zu verstehen, worüber er nachdenkt? Im Leben geschieht es oft, dass ein Mensch, der mit sich selbst spricht, so tut, als spräche er mit einem anderen. Das Unmittelbare, das Unerfahrene, das heißt das Abstrakte – unabhängig davon, ob es mit sinnlichem Sein oder nur mit gedanklicher Einfachheit zusammenhängt – entfremdet sich von sich selbst und kehrt danach aus dieser Entfremdung zu sich selbst zurück; dadurch wird es erst zum ersten Mal seine Wirklichkeit und Wahrheit und zugleich Eigentum des Bewusstseins.

38 Vgl. ein Beispiel aus dem DLKT, in dem tapatus attributiv verwendet wird: Auf der Welt gibt es keine zwei identischen Menschen, abgesehen von eineiigen Zwillingen... geboren im Abstand eines Augenblicks. Wir alle sind verschieden. Unsere Werte, unsere Lebensweise, unsere Gewohnheiten, unsere Bildung und anderes unterscheiden sich.

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Das Konzept der menschlichen Identität anhand von tapatus, –i und seinen Ableitungen im gegenwärtigen litauischen Journalismus

Aus dem Kontext der folgenden Sätze 31–35 wird ersichtlich, dass die Identität zweier (nicht)konkreter Personen zwar behauptet wird, jedoch nur teilweise gilt – in bestimmter Hinsicht, etwa aufgrund eines ähnlichen Arbeitsstils, Aussehens, innerer Eigenschaften oder Ähnlichem. Aus den Sätzen 32–35 wird zudem deutlich, dass die (un)bestimmte andere Person, mit der jemand gleichgesetzt wird oder mit der sich jemand identifiziert, nicht eine tatsächlich existierende Person ist (Juozas Stackevičius, Rolandas Paksas, Erica Jennings usw.), sondern vielmehr ein bestimmtes, von jemandem geschaffenes inneres Bild dieser Person als „Maßstab“ (eines erfolgreichen Designers, eines gescheiterten Präsidenten, der Freiheit, des Kosmopolitismus, der Heiligkeit usw.). Dasselbe vom Menschen geschaffene Andere wird in den Sätzen 36–41 aktualisiert, in denen sich ein Mensch mit einer Figur als Symbol, einer Idee oder dem Autor eines Werks identifiziert oder mit ihr gleichgesetzt wird. In den Sätzen 42–46 wird das geschaffene Andere als unbestimmter Träger einer bestimmten verbalen oder nominalen Eigenschaft beschrieben – als Figur, die sich jeder von uns vorstellt und die für jeden etwas anders ist. Anders gesagt: Wenn sich ein Jugendlicher in Satz 46 mit einem Ritter, Rennfahrer oder einer anderen Figur identifiziert, stellt er sie sich auf Grundlage seines Wissens und/oder seiner Erfahrung etwas anders oder etwas anders als ein anderer Jugendlicher vor.

31) Mein Aussehen ist so, obwohl ich meinem heimlichen Freund in mancher Hinsicht ähnlich bin. Deshalb versucht er, sich mit mir zu identifizieren. So dringt er mir ins Herz, dass ich ihn am liebsten umbringen würde. Besonders morgens und abends, wenn wir zu zweit unterwegs sind und niemand uns sieht.

32) Doch schon bald bemerkte er [der junge Mann], dass viele ihn mit Juozas Stackevičius gleichsetzen und seine Arbeiten loben.

33) Sich als Persönlichkeit zu behaupten und zu beweisen, dass sie nicht nur Hausfrau oder Anhängsel der Familie ist. Aufgrund dieses Gefühls hat sie sich wohl eine Zeit lang mit Žemaitė identifiziert. Hat R. Merkelienė nach dem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben ein glücklicheres Leben geführt?

34) Kaum jemand hat sich wohl mit R. Paksas identifiziert. Da wird es auch niemandem einfallen, sich mit Erica Jennings zu identifizieren. Schließlich sind das nur Emotionen – Sexualität, Freiheit, Jugendlichkeit, Kosmopolitismus.

35) Ein größeres Werk über ihn entstand jedoch gerade deshalb nicht, weil der Autor sagt, er habe es nicht gewagt, sich mit jenem außergewöhnlich spirituellen, lichtvollen heiligen Menschen zu identifizieren. Ist es nicht auch solchen Umständen geschuldet, dass man Mindaugas’ Charakter nicht von innen heraus zu erschließen wagt?

36) Die Darstellerin identifizierte sich mit der dargestellten Figur, wurde zur wirklichen Giselle, durchlebte ihr Schicksal und hatte nicht die Kraft, in die Wirklichkeit zurückzukehren.

37) Heutige Kinder identifizieren sich immer häufiger mit erfundenen Figuren und immer seltener mit realen Menschen.

38) Doch selbst aus der Ferne spüre ich die Kraft dieser Musik. Wenn ich heute Musik von A. Piazzolla spiele, versuche ich, ihren Geist zu erfassen und mich mit dem Komponisten zu identifizieren. So verbinden sich zwei unterschiedliche Mentalitäten, zwei unterschiedliche Temperamente.

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39) Im neuesten Buch identifiziere ich mich mehr oder weniger mit einem Menschen, der die Welt erfahren hat.

40) Auch die Schriftstellerin identifiziert die Hauptfigur eindeutig mit sich selbst: „Ich bin Lisa. Wie sie, ein Kind der Macht, konnte ich mich in der Natur frei austoben.“

41) Mato, ich habe mich immer mit mir selbst identifiziert, mich mit Odysseus verschmolzen. Ein Weltreisender, der schließlich nach Hause zurückkehrt … Ein Grieche!

42) Ich hatte mich mit irgendeinem marxistischen Propagandisten identifiziert (der Komponist lächelt), der die kapitalistische Welt kritisierte.

43) Er identifizierte sich in seiner Vorstellung mit den Gefangenen der Polarnacht Gefangenen, und daraus erwuchs die ekstatische Dankbarkeit für jeden Sonnenaufgang und jede Scheibe Brot.

44) Unablässig wende ich mich an alle, die noch heute an Lepra erkrankt sind: Sie haben noch einen Fürsprecher – Pater Damian, der sich auch vor seiner Erkrankung oft mit den Kranken identifizierte und sagte: „Wir, die Aussätzigen.“

45) Ein Baby auf dem Arm einer Frau, die ein Glas Wodka umklammert (Mutter Ente ist der Prototyp einer Alkoholikerin). Kein Wunder, dass Mädchen ihnen nicht ähneln wollen und sich mit den Schöpferinnen identifizieren, während Jungen vor solchen kinderreichen Hausmüttern zurückschrecken.

46) Jugendliche sind oft leidenschaftliche Rennfahrer, Gefangene, Piloten, Allmächtige, Zauberer und unbesiegbare Kämpfer; sie identifizieren sich mit den genannten Figuren. Mediziner warnen, dass genau darin die Gründe liegen, weshalb junge Menschen geistig gern mit Autos „fliegen“.

Aus dem Gesagten zu den Sätzen 31–46 wird deutlich, dass der Andere, der den abhängigen Teil oder die Schicht der menschlichen Identität formt, keine wirkliche, sondern eine von der Person selbst geschaffene Person ist, mit der sie sich identifiziert. Was aber macht das unabhängige Ich des Menschen aus? Was ist in der menschlichen Identität wirklich und beständig, und gibt es überhaupt etwas derartiges?

In der DLKT-Publikation wird die menschliche Identität ihrer Natur nach in zwei Bereiche unterteilt (Geist bzw. Körper): in ein Inneres bzw. Äußeres (siehe Sätze 47–49) sowie nach Geschlecht (Mann bzw. Frau; siehe Sätze 50–51) und Alter (jung bzw. alt; Sätze 52–54). Der innere oder inhärente Teil der menschlichen Identität ist mit den fünf grundlegenden Sinnen nicht wahrnehmbar. Wenn wir akzeptieren, dass – wie in Satz 48 behauptet – das, was wir sind, mit der in uns vorhandenen geistigen Energie identisch ist und den beständigsten Teil der menschlichen Identität bildet, dann lässt sich der mit den Sinnen (eher) wahrnehmbare oder (eher) äußere Teil der Personenidentität (Geschlecht, Alter) als weniger inhärent – stärker veränderlich oder veränderbar – betrachten³⁹. Der Mensch besitzt seine innere und äußere Identität von Natur aus, d. h. er „erhält“ sie bei der Geburt. Die angeborene Identität ist die wahre menschliche

39 Vgl.: „In jedem Fall lässt sich der unveränderliche Begriff der Substanz eines Individuums gut mit dem Wandel seiner Eigenschaften vereinbaren: Sie ist das, was im Individuum verbleibt, während sich seine Eigenschaften ändern. [...] [N]icht selten wird auch heute noch das, was im Individuum verbleibt, während sich seine Eigenschaften ändern – die menschliche Substanz – Seele genannt. Die Seele ist das Lebensprinzip – das, was einen lebenden Organismus zu einem Ganzen organisiert. Die Teile des Ganzen können sich verändern,“

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Identität. Die nicht angeborene (nicht-inherente) Identität eines Menschen ist das vom Individuum für sich selbst geschaffene Ich (Illusionen, Träume usw.) und/oder das für andere geschaffene Ich (Image, Maske, Etikett usw.) (siehe Sätze 55–56, ferner vgl. Sätze 36–41; Joseph 2004: 4). Der selbst geschaffene Anteil der Ich-Identität ist das, was ein Mensch werden (nicht)will oder (nicht)kann, d. h. die mögliche Schicht der menschlichen Identität⁴⁰. Anders gesagt: Mögliche Identitätsanteile können zur tatsächlichen Identität eines Menschen werden, d. h. die Vorstellungen (wie ein Mensch sein möchte oder zu sein träumt) motivieren sein Verhalten, seine Ziele usw. und können zum tatsächlichen oder wirklicheren Ich werden (das, was der Mensch in sich als inherenter wahrnimmt). Mögliche Identitäten sind veränderlich.

47) Ein von mir geschätzter Denker nannte den Zustand „Verkörperung“, in dem [der Mensch] mit dem Geist völlig mit dem Körper verschmilzt, meist mit einem alternden und leidenden Körper. Jedem ist das Gefühl vertraut, wenn das ganze menschliche „Ich“ nur noch eine schmerzende Niere ist.

48) Was wir sind, ist identisch mit der in uns vorhandenen geistigen Energie.

49) Betrachten wir das „Ich“ von einer anderen Seite, sehen wir, dass wir, wenn wir sehr hungrig sind, uns vollständig mit dem Körper identifizieren; wenn wir auf jemanden wütend sind, fühlen wir uns als ein einziger Klumpen cholerischer Emotionen; vertiefen wir uns in wissenschaftliche Literatur, identifizieren wir uns mit dem Verstand. Wo unter diesen verschiedenen Aspekten ist das wahre Ich?

50) In solchen Familien wachsen Söhne heran, Jugendliche, die ohne klare Richtlinien für Fürsorge reifen und keine nahestehende Person haben, mit der sie sich und ihre Sexualität identifizieren könnten...

51) Nijolė Arbačiauskienė: Frauen und Männer – gleichwertig, aber nicht identisch.

52) Ebenso verhält es sich mit dem Unterschied zwischen Persönlichkeiten: Wie reif eine Persönlichkeit auch sein mag, in jüngerem Alter kann sie nicht mit einer Persönlichkeit höheren Alters identisch sein.

53) Und der echte Blick wird sich einstellen; ich werde – davon war ich aus irgendeinem Grund fest überzeugt – irgendwie anders sein. Vielleicht teilweise sogar mir selbst nicht gleich, sagen wir, als Zwanzigjähriger. Aber ich blieb derselbe, sogar für mich selbst, als Fünfjährigen. Die Person ist nirgendwo verschwunden, keine Erfahrung, welcher Art auch immer, hat etwas überdeckt; ich bin derselbe. Mit fünf oder dreißig.

54) So lernt das Kind, Abstand zu gewinnen. Auch die Mutter muss zu dieser Zeit lernen. Sie muss etwas reifer sein als das Kind. Wenn sie sich zu sehr mit ihm identifiziert hat, fällt ihr das schwer.

55) Ausländische Fernsehserien und die Menschen, die sich um sie scharen und versuchen, sich zu identifizieren mit dem Süßlichen, schön mit Illusionen Ausgemalten, und später seichte Handlungen über „Liebe“ und „Nichtliebe“, „Glück“ und „Unglück“ erzählen.

Doch das organisierende Prinzip bleibt dasselbe: So ist die Dialektik der Eigenschaften des menschlichen Individuums und seiner Seele“ (Aleksandričius 2012: 216).

40 Näheres zum Begriff des tatsächlichen bzw. möglichen Selbst aus psychologischer und psychosozialer Perspektive siehe Markus, Nurius 1986, Oosterwel, Oppenheimer 1993 und die dort zitierte Literatur.

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56) Ein zur Theatralik neigender Mensch identifiziert sich manchmal mit seiner Maske und vermag sie selbst im Kreis nahestehender Menschen nicht abzulegen41.

Aus dem, was bisher anhand von Beispielen aus DLKT gesagt wurde, geht hervor, dass sich über menschliche Identität als Zustand und als Werden sprechen lässt. Zeitlich betrachtet impliziert der Zustand der Identität relative Beständigkeit, das Werden hingegen Dynamik. Semantisch gesehen ist der beständigste Teil die innere, angeborene menschliche Identität – die Seele42; grammatisch handelt es sich um Formen des Präsens von *būti* („sein“), die mit dem Adjektiv *tapatus* („identisch“) verwendet werden, vgl.: Der Mensch ist der Seele identisch, d. h. der Mensch ist derselbe oder gleich wie die Seele; der Mensch ist seinem Äußeren identisch (dem Körper, dem Aussehen), d. h. der Mensch ist so wie sein Äußeres (Körper, Aussehen), aber: Der Mensch ist dasselbe wie sein Äußeres (Körper, Aussehen)44; am wandelbarsten ist die nicht angeborene menschliche Identität – der für sich selbst und/oder für andere geschaffene Teil der Identität, der grammatisch durch Partizipialformen des Präteritums von *paties* markiert wird. Zeitlich betrachtet kann man von Schichten der menschlichen Identität sprechen, die sich in ihrem Wandelbarkeitsgrad unterscheiden: die angeborene (innere bzw. äußere) bzw. nicht angeborene (für sich selbst bzw. für andere geschaffene) Identität einer Person. Wie Povilas Aleksandravičius feststellt, ist Identität „sowohl Bewegung als auch Identität“, d. h. das, was bestehen bleibt – „mein Ich oder meine Seele – verwandelt alles, was sich so unvermeidlich verändert, in mein Eigenes, in meine Erfahrung“ (2012: 214ff.; siehe auch die dort zitierte Literatur; eine abweichende Auffassung findet sich bei: Mickūnas 2012: 302; Joseph 2004: 645). Das harmonische Zusammenspiel der genannten Teilidentitäten bildet die Grundlage menschlicher Ganzheit und Eigenart. Darüber hinaus ist die Ausdrucksweise

41 Vgl. DLKT: Das Etikettieren, die Stigmatisierung und andere Verfolger konnten nicht einmal die stärksten Menschen beeinträchtigen. Nicht wenige Menschen waren zumindest teilweise gezwungen, sich mit den Etiketten der „Gezeichneten“ zu identifizieren; Erzählungen zeigen, dass in den Lebensgeschichten einiger dieser Menschen noch immer unverarbeitete Erfahrungen einer misslungenen Traumabewältigung fortwirken.

42 Vgl. DLKŽ: *siela* („Seele“) – 1. Rel. immaterielles, unsterbliches Prinzip des Menschen, das dem Körper Leben verleiht und sich beim Sterben von ihm trennt. 2. Innenwelt, Psyche: Sie öffnete ihre Seele. LKŽ: *siela* – 1. innere psychische Welt des Menschen, sein Bewusstsein, seine Gefühle und Erlebnisse: Es ist schwer, den Körper zu heilen, wenn die Seele leidet Pt. 2. religiös: unsterbliches, immaterielles Prinzip des Menschen, das den Menschen mit Gott verbindet; Geist: Meine Seele preist den Herrn brš.

43 Vgl. DLKŽ: *dvasia* („Geist“) – 2. psychische Kräfte des Menschen als Antrieb zum Handeln: Den Geist der Menschen stärken. 3. übertr. eigentliche Bedeutung, Wesen: Der Zeitgeist. 4. Phil. im Individuum konzentriertes gesellschaftliches Bewusstsein. BLKŽ: *dvasia* – 5. Sg., Philosophie: schöpferisches Prinzip, das, indem es in sich selbst existiert, sich selbst erkennt, zeitlich und räumlich unbegrenzt und dem Sein gegenüber offen ist: Das Verhältnis von Geist und Materie analysieren. Der heilige Augustinus behauptete, die Vernunft liege im Licht des göttlichen Geistes.

44 Vgl. das Beispiel aus DLKT: Das bedeutet wiederum, dass die äußere Komponente des Menschen (das Image) mit der inneren Komponente (der Identität) gleichgesetzt wird. Ich bin = ich sehe aus.

45 Vgl.: „Unsere Identitäten, ob kollektiv oder individuell, sind keine „natürlichen Tatsachen“ über uns, sondern Dinge, die wir konstruieren – im Grunde Fiktionen“ (Joseph 2004: 6); „Das moderne Subjekt hat kein Wesen: Es schafft sich selbst und seine Umgebung als Autonomie, und in diesem Fall schafft es sowohl Objekte als auch neue Wünsche nach ihnen“ (Mic-kūnas 2012: 302).

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Žmogaus tapatybės konceptas pagal tapatą, –i ir jo vedinius dabartinės lietuvių kalbos publicistikoje

Die Wahl zwischen „mit sich selbst identisch sein“ bzw. „sich mit sich selbst (mit den eigenen Illusionen) identifizieren“ bzw. „sich mit den eigenen Illusionen gleichsetzen“ zeigt im Satz auch die größere bzw. geringere Distanz, mit der ein Mensch sich selbst betrachtet.

Welche weiteren zusammengesetzten Teile oder Schichten der Identität gibt es neben den genannten, die sie zu einem Ganzen formen, und wie viele sind es? Offenbar wissen die meisten von uns wenig darüber, was und wie die eigene oder die Seele eines anderen ist – wie jemand ist oder wer er im Inneren ist, d. h. worin der beständige Teil der Identität einer Person besteht (vgl. Joseph 2004: 8). Das Meiste, was jeder von uns über einen anderen sagen kann, ist, indem er die eigene Identität mehr oder weniger kennt, eine auf sich selbst zugeschnittene Version der Identität dieses anderen zu „schaffen“, die dem „Schöpfer“ als dessen wahre Identität erscheint. Wie im Gespräch, sieht einer nach dem Spiegelprinzip durch das Bewusstsein der eigenen Identität (das Sich-Identifizieren) die Identität des anderen, während der andere die Identität des Ersten durch seine eigene interpretiert.

Es gibt Fälle, in denen dem Dualitätsprinzip als Einheit von menschlicher Natur (Innen bzw. Außen) und persönlicher Identität (angeboren bzw. nicht angeboren) folgend (vgl. Satz 47), zwei getrennte Identitäten zu einer verschmelzen, d. h. zwei getrennte Wahrnehmungen eines Menschen erscheinen als eine (siehe Sätze 61–63, vgl. auch Satz 38), oder umgekehrt: Ein Mensch wird „aufgespalten“ und erscheint wie zwei getrennte Menschen (siehe Satz 64, vgl. auch Satz 53). Die Verschmelzung zweier Personen oder die Aufspaltung einer Person ist partiell (ähnlich wie in den Sätzen 31–35) und erfolgt nach einem bestimmten Kriterium: Alter (jung bzw. alt, Kind bzw. Erwachsener), Geschlecht (Mann bzw. Frau) oder (auch) soziale Rolle⁴⁶ – Familie (Ehemann bzw. Ehefrau, Eltern bzw. Kinder, Bruder bzw. Schwester). Letzteres zeigt sich deutlich in den Sätzen 65–66, während es sich in Satz 67 mit dem Benennungskriterium verbindet.

61) Wenn er sechs Monate alt ist, sollte der Vater der Mutter mehr helfen. Denn die Frau versinkt sehr in der Welt des Kindes. Wenn sie sich [meiner Meinung nach] zu lange mit dem Kind identifiziert, lernt dieses nicht, selbstständig zu sein, und wird abhängig.

62) Sie ändert ihr Schicksal und schlägt einen anderen Weg ein. – Empfehlen Sie Frauen nach der Hochzeit nicht, ihren Nachnamen zu ändern? – Wenn Menschen einander lieben, wollen sie verschmelzen, sich miteinander identifizieren, als würden sie sich mit einer einzigen Decke zudecken, und werden zu einem energetischen Wirbel.

63) Zwillinge sind viel stärker voneinander abhängig; außerdem sind sie immer Rivalen. Bis zum Alter von fünf Jahren setzte der Junge sich einfach mit seiner Schwester gleich; sie war sein zweites „Ich“. Und plötzlich... Der Grund für den Verlust kann ein zufällig von einem Kindermädchen oder einem Freund ausgesprochenes Wort sein, ein Bemerkung.

46 Soziale Identität ist „die Identität des Individuums als gesellschaftliches, gemeinschaftliches Wesen, denn das Individuum lässt sich weder in der Realität noch in der Theorie von anderen Individuen isolieren; ebenso wenig gibt es eine Gesellschaft als homogenes Gebilde, sondern eine Beziehungsstruktur zwischen Individuen, die Gesellschaft genannt wird. In Überlegungen zur sozialen Identität können wirtschaftliche, politische, nationale, kulturelle, staatsbürgerliche oder die Identität einer bestimmten Gruppe usw. unterschieden werden“ (Morkūnienė 2012: 96). „Soziale Identität ist ein Prozess, dessen handelnde Personen Individuen sind“ (S. 121).

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64) Später blieb Frau Aldona noch lange in Erinnerung, doch sie erkannte den großen Mann [Erwachsenen] nicht als denselben wieden Schüler [Kind], der einst in irgendeinem Saal gesessen hatte. Das Gedächtnis kann die Gesichter und Namen der Schüler, die im Laufe eines halben Jahrhunderts ins Leben entlassen wurden, nicht fassen.

65) Ein Junge muss einen Mann als Vorbild haben. Mit ihm [dem Mann, dem Vater] könnte das Kind [der Junge] nicht nur befreundet sein, sondern sich auch mit ihm identifizieren. Das bedeutet, die eigene Geschlechtsidentität zu festigen.

66) Er geht sanft mit Spielzeug um, küsst und umarmt es... Erst später „entdeckt“ er den Vater und bemüht sich, ihm ähnlich zu werden. Davon, wie sich derselbe Mensch mit der Mutter und mit dem Vater identifiziert, hängt die Einstellung zur Vaterschaft ab.

67) Pakeisti padarė šis vyriškis nutarė todėl, kad nenorėjo būti tapatinamas su savo broliu. Achremov⁴⁷, kuris yra nuteistas kalėti iki gyvos galvos už žurnalisto Vito Lingio nužudymą.

Die Identifikation des Menschen mit einem anderen als einer kleineren oder größeren Gruppe – einer Gruppe (Familie, Partei⁴⁸, Elite, Mittelschicht usw.) bzw. einer Gemeinschaft bzw. einer Gesellschaft bzw. einer Nation – oder mit einem Vertreter dieser Gruppe wird in den Sätzen 68–74 aktualisiert. Das soziale Kriterium der menschlichen Identität, etwa das Getrenntsein und Handeln des Menschen, unter anderen und gemeinsam mit anderen (vgl. Sätze 75–78), verknüpft sich in den Sätzen 79–80 mit dem Ortskriterium. Die Identifikation des Menschen mit einem Ort wird in den Sätzen 81–89 aktualisiert. Nach der Nähe zum Menschen lässt sich das Ortskriterium in ein nahes und ein fernes unterteilen; konkreter gesagt sind dies der Wohnort (wo der Mensch geboren wurde und/oder lebt; vgl. Sätze 81–82) bzw. eine Region (vgl. Satz 83) bzw. ein Land (vgl. Satz 84), ein Staat (vgl. Sätze 85–86) bzw. ein Kontinent (vgl. Sätze 87–88, auch vgl. Satz 82) bzw. die Welt (vgl. Satz 89, auch vgl. Satz 82).

68) Aber wird der Erfolg ähnlicher Experimente nicht durch das Bedürfnis bestimmt, sich von der Masse abzuheben? Als ich jung war, wollte ich immer mich mit jemandem identifizieren. Ich beneidete meine Eltern darum, dass sie an der Studentenbewegung der 1960er Jahre teilnehmen konnten, ein Ziel hatten und versuchten, die Welt zu verändern.

69) Jugendliche identifizieren sich manchmal sogar mit einer Gruppe – die Clique wird zum Verhaltensmaßstab. Daher spielen Gleichaltrigengruppen im Sozialisationsprozess Jugendlicher eine bedeutende Rolle.

⁴⁷ Vgl. auch den DKT-Satz: „Tatsächlich ist eine solche Litauisierung nichts anderes als die Verunstaltung von Familiennamen.“ Der Familienname ist Teil der Identität einer Person. Wenn wir daher den Vor- und Familiennamen einer Person verunstalten, erweisen wir dieser Person keine Ehre.

⁴⁸ Vgl. das DKT-Beispiel: Eine Partei, die sich mit einem einzigen Führer identifiziert, ist zum Scheitern verurteilt; sie hat keine Zukunft. Abgesehen von den 19 Prozent der Wähler, die tatsächlich apolitisch und passiv sind, identifizieren sich 14 Prozent mit den traditionellen Konservativen, die die Interessen der Großunternehmen sowie das Paradigma des Wirtschaftswachstums und der Globalisierung vertreten. Moderne Liberale identifizieren sich gern mit der gesamten westlichen Gesellschaft.

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Das Konzept der menschlichen Identität anhand von tapatus, –i und seinen Ableitungen in der gegenwärtigen litauischen Publizistik

70) Ich mag keine Menschen, die sich mit der Masse gleichsetzen49, sich nur so verhalten, wie es üblich ist, und nach bestimmten Regeln leben. Sie haben immer ihre eigene Meinung, und nur wenig könnte sie ändern.

71) „Wenn ein Mensch beginnt, sich mit einer Gemeinschaft gleichzusetzen, gelangt er in den Kreis der ‚Auserwählten‘. Wer mit diesen Ideen nicht einverstanden ist, findet sich unter den ‚Ausgestoßenen‘ wieder.

72) Die Antworten auf die Frage, welcher sozialen Schicht sie sich zuordnen würden, überraschten uns sehr: Fast 90 Prozent nannten die Mittelschicht. Mit ihr identifizierten sich sowohl ein Akademiker als auch ein ehemaliger Arbeiter, der in Gariūnai Eisenwaren verkauft und sich als Unternehmer betrachtet.

73) Die „Tochter des georgischen Volkes“ Rolandas Paksas setzt sich erneut mit dem „Volk“ gleich und grenzt sich von der „Elite“ ab. Die Zustimmungswerte des Präsidenten werden wegen dieser Geschichte sicherlich nicht sinken.

74) Und das Gefühl der Zugehörigkeit zum Volk ist nach wie vor ziemlich stark: Die überwältigende Mehrheit, 95%, der Befragten identifiziert sich mit dem litauischen Volk. 75% identifizieren sich mit ihrer Gemeinschaft, 72% mit den Einwohnern der Europäischen Union50.

75) Die erwähnte Person versetzte sich so sehr hinein, dass sie sich nicht als ein getrenntes, isoliertes „Ich“ begreift, sondern sich mit ihrer Tätigkeit identifiziert.

76) Stimmt es, dass in Neringa das Amt des Bürgermeisters mit der Person des Bürgermeisters S. Mikėlis gleichgesetzt wird? Ja, sagte sie, das stimmt.

77) Die Arbeiten von V. Kisauskas sind dramatisch, schmerzvoll. Und wie war er selbst als Mensch? Das Werk wird oft mit dem Menschen gleichgesetzt. Vincas war ein ziemlich schwieriger, komplizierter Mann, von sehr ruhigem Wesen; auf alles reagierte er sensibel und feinfühlig.

78) Informationen über die eigenen Leute sammeln wir selbst. Die Menschen setzen uns mit dem KGB gleich.

79) Das bedeutet nicht, dass ich versuche, mich mit der „Domus galerija“ oder einem anderen Unternehmen gleichzusetzen.

80) Vor allem Einwohner von Städten, insbesondere der Großstädte, identifizieren sich stärker mit Litauen und dem litauischen Volk. Unter den Stadtbewohnern fallen jedoch die Einwohner von Kaunas durch eine, wie Experten es beschreiben, „recht negative Einstellung zur eigenen Staatsbürgerschaft“ auf.

81) Wenn Menschen die Orte verlieren, mit denen sie sich identifiziert hatten, die von ihrer Herkunft zeugten und ihnen ein Gefühl der Sicherheit gaben, verlieren sie ihre Orientierungspunkte, die nur bei neutralen Bindungen möglich sind.

49 Vgl.: „Mania – das sind Menschen ohne kulturelles Rückgrat, ohne höhere Bildung [...]. Deshalb verstehen sie die Gesellschaft als Ganzes nicht und haben Angst vor ihr“ (Morkūnienė 2012: 165).

50 Vgl. das Beispiel aus DKT: Wir identifizieren uns in erster Linie und am stärksten mit unserem Volk. „Über das litauische Volk kann man, wie über jedes andere auch, auf zweierlei Weise sprechen – als über eine Masse von einer Million einzelner Individuen und als über ein Ganzes mit eigenen Besonderheiten, das man, wie jede andere Allgemeinheit, losgelöst betrachten kann, indem man den Begriff der Identität benennt und ihn von anderen vergleichbaren Allgemeinheiten mit anderen Besonderheiten unterscheidet“ (Kuzmickas 2008: 168t).

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82) Die Identifikation der Litauer hat deutlich zugenommen – nicht mit Europa oder der Welt, sondern mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. 1990 identifizierten sich etwa 25% der Menschen mit ihrer Stadt oder ihrem Wohnort, 2005 waren es bereits doppelt so viele, nämlich 49%.

83) Die Litauer im Süden und Nordosten des Wilnaer Gebiets können schon deshalb nicht identisch sein, weil ihre Gebiete geografisch nicht zusammenhängen. Sie trennt ein für die nationale Zugehörigkeit fremdes Element, das den mittleren Teil des Wilnaer Gebiets bildet.

84) Die Litauer identifizieren sich bis heute nur mit dem Gebiet des ethnografischen Litauens51.

85) Denn es war das unvergessliche Jahr 1988 – der Beginn des nationalen Wiedererwachens, als sich wohl jeder sich selbst, seine Hoffnungen und Erwartungen mit Litauen identifizierte, an das Land dachte, es fühlte und den Wunsch hatte, wenigstens irgendetwas für es zu tun.

86) Ich bin Litauer, ich identifiziere mich mit einem freien Staat. Sollte ich etwas für andere Menschen tun, denen diese bedingte Freiheit fehlt?

87) Wir werden tatsächlich weder mental noch sozial noch politisch jemals mit Westeuropa identisch sein; daher sind sowohl der Osten als auch der Westen gezwungen, uns ernst zu nehmen – aber erst dann, wenn wir zeigen können, dass wir anders sind und dennoch bestehen.

88) Dennoch: Identifizieren sich die Japaner mit dem asiatischen Kontinent?

89) 1990 ordneten sich 1% der Befragten Europa zu, im Vorjahr waren es 3%. Mit der Welt identifizierten sich 1990 4% und 2005 6% der Einwohner Litauens.

Das Ortskriterium umfasst die reale und/oder vorgestellte Natur oder einen Gegenstand, mit denen sich die Person in den Sätzen 90–97 identifiziert oder mit denen sie identifiziert wird. Hier wäre es genauer, weniger von der Identifikation einer Person mit einem konkreten Gegenstand oder Naturphänomen zu sprechen als vielmehr mit dem dahinterliegenden Inhalt bestimmter Eigenschaften – einer Abstraktion, Idee, einem Symbol oder Ähnlichem. Das wird in den Sätzen 98–100 deutlich.

90) Wenn man mit Worten spielen wollte, um zu unterscheiden, ob er den Menschen mit der Natur gleichsetzt oder die Natur erweckt.

91) Die Tage werden kürzer, ein kalter Hauch des Vergehens liegt in der Luft wie im Herbst über den Kartoffelkrautreihen. Die müde Natur lehrt uns, uns auf den Winter vorzubereiten. Ach, könnten wir doch sagen: Ich identifiziere mich mit dem Herbst! Mit diesem klaren, ungetrübten Licht, mit der letzten Wärme, die sich unerwartet auf die Schultern legt, mit der so deutlich und schmerzlich widerhallenden Ruhe.

92) In der Lyrik von J. Degutė identifiziert die Sonne, ähnlich wie am ersten Tag, das Kind mit der Mutter.

93) Ein Raum, der mit Müll bedeckt ist und so einen Nährboden für gesundheitsschädliche Zecken bietet. Ein solcher Wald ist dem Menschen fremd, unsicher und unsympathisch; man möchte sich dagegen mit einem Wald identifizieren, der viele Möglichkeiten bietet und eine reiche Natur hervorbringt

51 Vgl. auch DKT: Auch für die Römer stellte sich kein Problem ethnischer Territorien, weshalb sie sich als Adoptivkinder nicht mit einem Volk und dessen Land, sondern mit der gesamten Republik identifizierten – einschließlich der eroberten Gebiete anderer Völker.

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Žmogaus tapatybės konceptas gal tapatus, – i ir jo vedinius dabartinės lietuvių kalbos publicistikoje

Reichtümer, ewig sicher, mächtig und zugleich die Geheimnisse der Zeiten bewahrend, mystische Wälder.

94) Schließlich identifiziert man sich damit mit dem Pre, nutzt dein Gesicht und dein Handwerk, sagt V. Martinaitis. – Aber sie bieten so viel, und wenn du nicht einverstanden bist, kannst du ablehnen.

95) Und eine Frau mit einem Computer gleichzusetzen (du drückst einen Knopf – eine sexuelle Reaktion tritt ein) ist dumm...

96) Pietūs turi kažko šviesaus, sąlygiškai šventiško, lyg į burnas simboliškai užsikimę savo prisiminimus. Maistas – tai mes, arba tai, su kuo tuoj susitapatinsime52.

97) Wer sich mit Reichtum identifizierte oder selbst reich wurde, gewann auch in der Politik immer mehr an Bedeutung.

98) Die Menschen müssen sich mit dem Zeichen, seiner Idee und dem darin verkündeten Slogan identifizieren.

99) Womit wird sich also ein Mensch identifizieren, der vielleicht gerne mit dem Ideal des Besitzes von Vermögen identifizieren würde, aber schon weiß, dass er es niemals besitzen wird?

100) Mit der Frau wird sowohl das Tiefste und Verborgenste identifiziert als auch das Oberflächlichste.

101) Die vom Skandal um die Präsidentschaftskanzlei ernüchterten Menschen wenden sich zunehmend Premierminister Algirdas Brazauskas zu, den viele mit der Rückkehr der Stabilität gleichsetzen.

Aus den Sätzen des DLKT wird deutlich, dass die Identifikation des Menschen mit einem Ort, der ihm besonders nahesteht, mit Kriterien wie der Sprache (siehe Sätze 102–103) als Merkmal der Eigenart des Volkes (Morkūnienė 2012: 140), der Staatsbürgerschaft (siehe Sätze 104–105), der Kultur (Kunst, Literatur, Wissenschaft; siehe Sätze 106–107), der Geschichte (siehe Sätze 108–109) und der Konfession53 (vgl. Sätze 110–112) verflochten ist.

Wie Vytautas Rubavičius schreibt: „Alle menschlichen Gemeinschaften leben an bestimmten Orten, an denen sie eine bestimmte Kultur und das ihr eigene kulturelle Gedächtnis bewahren. [...] Der Ort bringt das soziale Umfeld des Menschen hervor und erhält es aufrecht. [...] Das primäre Material der Selbstbildung von Identität sind die Bilder und Erzählungen eines Ortes, das Bild und der Klang der Heimat. [...] Ich wage zu behaupten, dass alle sozialen Identitäten, ebenso wie die ethnokulturelle, ethnische und nationale Identität, zunächst lokale Identitäten sind, da sie durch das Zusammenleben mit anderen Menschen und mit einem konkreten Ort getragen werden“ (Rubavičius 2014: 96). Folgt man dieser Sichtweise (siehe auch Rubavičius 2014: 9454), also dem Vorrang des Ortes bei der Bestimmung der menschlichen Identität, würde Satz 113 wichtig werden, in dem, wenn man beurteilt

52 Vgl. auch den Satz aus DLKT: Du assimilierst Leberwurst, dann dissimilierst du einen Teil davon, und alles, was übrig bleibt, trägst du in dir als wesentlichen Teil deiner Identität. Die Identität verwandelt sich, wie ein Laib Teig, der mit allerlei Gedanken und Gefühlen schimmelig wird – so lebt man eben.

53 Vgl.: „Die konfessionelle Zugehörigkeit kann ebenfalls ein Faktor sein, der die gemeinsame kulturelle Identität eines Individuums prägt“ (Kuzmickas 2012: 15).

54 „Kultur ist die historisch auf der Grundlage der Muttersprache entstandene Gesamtheit von Verhaltensweisen, die das Zusammenleben der an einem bestimmten Ort lebenden Menschen und Gemeinschaften mit diesem Ort und seiner Natur gewährleisten, mit

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Ausgehend von der Entwicklung des Menschen (des Kindes) scheint es natürlich, sich zunächst mit der gesamten Umgebung zu identifizieren⁵⁵. Eine andere Auffassung vertritt Įratė Morkūnienė (vgl. auch: Kuzmickas 2012: 16, 24, Ramonienė, Hrsg., 2015: 152). Sie argumentiert, dass der Mensch „als soziales Wesen als offenes System betrachtet wird“, weshalb „nur die Beziehung zur Umwelt, das heißt zur Gesellschaft und zur Welt, eine Voraussetzung für sein Leben und sein Wesen ist“ (Morkūnienė 2012: 100, siehe auch S. 137). Sie räumt dem sozialen Kriterium den Vorrang ein. Aus sprachlicher (struktureller) Sicht scheint das zuvor erwähnte Verhältnis zwischen dem Zustand und dem Werden von Identität bedeutsamer zu sein, das mit der genannten Auffassung von P. Aleksandravičius korreliert; der „Vorrang“ eines bestimmten (örtlichen, sozialen oder sonstigen) Kriteriums hängt hingegen von seiner Bedeutung in der Kommunikation – im Satz – ab.

102) Wenn er nur „Brot“ sagt und sonst nichts tut, dann berichtet er lediglich von seiner Herkunft, identifiziert sich mit der Region, dem Volk, identifiziert sich mit einer spezifischen kollektiven Erfahrung. Und mehr tut er selbst „von sich aus“ nicht.

103) Denn wir verkehren gewöhnlich nur dann mit anderen, wenn wir Bestätigung unserer eigenen (kulturellen, sprachlichen und sonstigen) Identität und ein Gefühl der Nähe suchen. Wenn wir uns nicht mit Muttersprachlern identifizieren wollen, mit Landsleuten, die fern der Heimat leben, bedeutet das, dass wir uns in etwas unterscheiden. Und zwar sehr. Oder wir haben uns unmerklich voneinander entfernt, sind einander fremd geworden …⁵⁶

104) Die Bürger des Großfürstentums Litauen bezeichneten sich selbst als Litauer. Nach feudaler Weltanschauung war die Sprache kein Merkmal des Volkes. Das Volk wurde mit der Staatsbürgerschaft gleichgesetzt. Allerdings erwachte unter dem Einfluss der Renaissance das Interesse an der eigenen Geschichte und Sprache.

105) In einem Staat leben Menschen verschiedener Nationalitäten, die als Bürger dieses Staates sich zunächst mit ihm identifizieren – dies wird mit den Begriffen staatsbürgerliche Identität oder Identifikation mit der politischen Nation beschrieben.

106) Die Bürger haben sich an die verschiedenen Anforderungen des Staates angepasst oder sind durch bestimmte Bindungen mit der ethnischen Nation verbunden – sie teilen deren Sprache und Bräuche, identifizieren sich mit ihrer Kultur; Litauen wird als Vaterland bezeichnet, sie leben und handeln nach ähnlichen Werten und fühlen sich historisch verbunden.

107) Und seit jenem Mal hat sich auch die Einstellung zur Malerei völlig verändert. – Sie haben es „herausgebracht“? – Ja. Das Spiel war vorbei – nun, ungefähr hatte sich etwas zusammengefügt, wenn auch nicht das eine, dann etwas anderes …

„sich als Gemeinschaft zu verstehen, mit ihrem historischen und kulturellen Erbe und der Umgebung benachbarter Gemeinschaften, Stämme oder Völker“ (Rubavičius 2014: 94).

55 Vgl. auch den Satz aus DLT: Die drei Dimensionen, in denen der Mensch existiert, sind: der Ort seines Daseins, die Zeit seines Daseins und die Weise seines Daseins. So seltsam es auch sein mag, der Ort ist das primäre Element, die primäre Dimension menschlicher Identität. Erst wenn man an diesen und an einen anderen Ort kommt, kann man erst durch „Verortung“ Kultur schaffen – die eigene stärken oder eine andere übernehmen.

56 Siehe auch Beispiele aus DLT: Das Römische Reich beispielsweise wurde niemals mit einem Volk oder gar mit einer Sprache gleichgesetzt. Für die Litauer in Vilnius ist die Sprache kein Merkmal der Identifikation mit den Menschen in ihrem Umfeld, denn ein Drittel der Litauer spricht sogar innerhalb der Familie mehrere Sprachen.

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Ich habe mich mit jemandem identifiziert. Ist Ihnen der Zustand vertraut, wenn man beim Zuschauen mitgerissen wird? Und hier wird man noch mehr mitgerissen als beim Zuschauen.

108) Die Komponente der kulturellen Identität kann auch dann unverändert bleiben, wenn man im Gebiet eines anderen Volkes lebt; so identifizieren sich beispielsweise viele Litauer, die Amerikaner geworden sind, historisch mit Litauen und dessen Geschichte.

109) Man kann die Sprache verlernen und nicht mehr im eigenen Land leben, aber Litauer bleiben – solange man sich mit der Geschichte des Volkes identifiziert.

110) Auch wenn man in Litauen kaum 30 Prozent praktizierende Katholiken zusammenbekäme, identifizieren sich fast 80 Prozent noch immer mit der katholischen Kirche.

111) Istorijoje buvo laikotarpių, kai šeima buvo mėgstama sutapatinti su vals-tybe, Bažnyčia ar mokslu. Valstybė šeimai kūrė kontrolės ir socialinio garantų projektus, Bažnyčia rūpinosi įstatymo programa.

112) Indem M. Valančius sich von den Überresten des alten Glaubens abwandte, setzt er den Katholizismus mit dem Litauertum gleich, erkennt bereits entstandene Traditionen und bemüht sich, sie zu schaffen: Er macht das Singen von „Pulkime ant kelių“ vor der Messe verpflichtend.

113) Wenn es in der Küche keine gefährlichen Gegenstände gibt, ist das Kind sicher; es kann ruhig mit Grütze schütten, rät Viktorija Grigaliūnienė. „Ich selbst.“ Bis etwa zum Alter von drei Jahren identifiziert sich das Kleinkind mit seiner Umwelt und bezeichnet sich nicht als Person. Deshalb sagt es: „Petrukas geht nach draußen“, „Onutė zieht die Schuhe an.“

Wie die Beispiele gezeigt haben, sind das soziale und das örtliche Kriterium häufig miteinander verflochten. Anders gesagt: In die Familie, in die ein Mensch hineingeboren wird, beginnt er zugleich, seine Identität an einem bestimmten Ort aufzubauen. Damit wird auch das Zeitkriterium wichtig. Das Verhältnis zwischen dem Menschen und der Zeit (Vergangenheit bzw. Gegenwart bzw. Zukunft) oder einem Ereignis, das sich in einem bestimmten Zeitraum ereignet hat, ereignet oder ereignen wird, ist mehr oder weniger stark mit dem Ortskriterium verflochten und wird in den Sätzen 114–120 aktualisiert.

114) Die Regierungspartei trägt die Verantwortung dafür, dass ein großer Teil der Jugend, die wir mit der Zukunft des Volkes identifizieren, unwiederbringlich für Litauen verloren gehen kann57.

115) Virgilijus Čepaitis aimanavo, kad lietuviai virsta „žalgirio“ sirgalių tauta. Su kuo dabar tapatintis? Su nesugrįžtamai išnykusia praeitimi? Su vis labiau karikatūrėjančia dabartimi? Su šviesa Europos sąjungos ir NATO ateitimi?

116) Die Vergangenheit wird zum wichtigsten Antrieb, der dazu aufruft, weiterzugehen, immer weiter, und sich selbst und anderen näherzukommen. So werde ich zu dem, was war; ich identifiziere mich mit allen Ereignissen der Geschichte und Kultur, mit Menschen – mit denen, die gelebt, gedacht und geglaubt haben. Und ich spüre, dass ich all das in mir vereint habe.

57 Vgl. auch das Beispiel aus DKT: Vytautas Žalakevičius mit dem siebten„Tauwetter“-Jahrzehnt gleichzusetzen – ist es nicht eine allzu große Ehre, dem „Tauwetter“ zuzukommen?

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117) Ich glaube nicht, dass wir uns mit Revolutionen identifizieren sollten im Theater – wir versuchen nichts zu verändern, sondern lediglich, nicht hinter dem zeitgenössischen Theater zurückzubleiben –, sagte der Regisseur des Stücks „Der nackte König“ [...].

118) Ich spreche von den sogenannten Menschen der „Tauwetter“-Generation. Diese Menschen identifizierten sich ganz eindeutig mit dem Zweiten Weltkrieg.

Schließlich lässt sich auf Grundlage der Sätze 119–123 ein gesondert erwähntes Kriterium anführen: Gott als Ewigkeit, das mit allen zuvor genannten Kriterien verbunden ist oder sie umfasst: der Mensch als Einzelwesen (siehe Sätze 119–120), als Angehöriger einer kleineren oder größeren Gruppe (siehe Sätze 121–122) sowie als jemand, der zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort seine Identität besitzt und gestaltet (siehe Sätze 123–125). Anders ausgedrückt: So wie der Mensch sich mit Gott identifiziert oder mit ihm identifiziert wird, identifiziert sich auch Gott mit allen Menschen und mit jedem Einzelnen gemäß allen genannten Kriterien. Nach dem Spiegelprinzip ist jeder einzelne Mensch, indem er mit sich selbst identisch ist, zugleich identisch mit Gott, der immer und überall und in allen gegenwärtig ist.

119) Im Augenblick der Vereinigung mit der Idee reiner Schönheit verwirklicht unsere Seele die Möglichkeit, sich mit dem Ewigen gleichzusetzen. Zugleich macht unser Denken es im höchsten Sinne des Wortes unsterblich.

120) Durch die Fähigkeit, Leben zu schenken, wird die Frau mit Gott gleichgesetzt. „In ihren Augen schlummert weiterhin dieselbe Kraft des Anfangs, unaussprechliche Geheimnisse des Lebens und der erste Herzschlag jedes kommenden Lebens.“

121) Man muss glauben. Woran? An die Nähe zu einem selbst, denn sie ist Gott, wenn du dich ihm, ihnen ganz hingibst und dich mit ihr identifizierst.

122) Meine Mutter gab meinem Vater immer nach und hielt ihn für den weisesten Menschen überhaupt. In gewisser Weise setzte ich ihn mit Gott gleich, weil ich glaubte, mein Vater wisse und sehe alles.

123) Grundsätzlich ist es nicht falsch, Gott als Person mit Institutionen gleichzusetzen. Das schafft Klarheit. Aber vielleicht sollte man es besser nicht tun. Man spürt einfach, dass er da ist. Man spürt Gott im Alltag.

124) Wir identifizieren uns stärker mit Gott dort, wo Leid ist, wo Schmerz ist, wo das Kreuz ist, als mit dem Gott, der auferstanden sein kann; dazu sind wir seltener bereit.

125) Da lässt sich nichts machen – obwohl man sich beim Planen als Herr seiner Erinnerungen fühlen kann, sich mit Gott gleichzusetzen... Alle „Zukunftsvisionen“ vereint, dass keine von ihnen jemals verwirklicht wurde.

126) Tatsächlich widersprechen die Evangelien selbst dieser Doktrin. Wir haben nicht nur eine großartige, schematische Geschichte von Gott, der sich mit der Menschheit identifiziert.

Aus den Sätzen 127–133 geht hervor, dass sich durch alle Kriterien – das individuelle, soziale, örtliche, zeitliche oder göttliche – auch die Identifikation des Menschen mit einem abstrakten Gegenstand zieht, als eine geschaffene Schicht der Identität.

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Das Konzept der menschlichen Identität anhand von tapatus, -i und seinen Ableitungen im gegenwärtigen litauischen Publizistikstil

127) Der Mensch muss spüren, dass er wirklich lebt: sinnvoll, schön, gut. Vor allem sinnvoll. Womit soll er sich identifizieren, sich als mit einer Idee, einem Ziel, einem Wert, einem Streben gleichsetzen, damit ihm dies ein Gefühl von Sinn vermittelt?

128) Doch die ständige Selbstanalyse sehnt sich danach, sich narzisstisch mit einem anderen Menschen gleichzusetzen (vgl. mit anderen Menschen). Die Psychologen der Gegenwart sind sich offenbar einig, dass der Mensch dann am glücklichsten ist, wenn er sich selbst vergisst.

129) Womit also soll sich ein Mensch identifizieren, der sich zwar mit dem Ideal des Besitzes von Reichtum gleichsetzen möchte (vgl. mit Reichtum), aber bereits weiß, dass er ihn niemals besitzen wird?

130) Der Mitarbeiter identifiziert sich mit den Werten eines florierenden Unternehmens (vgl. mit einem florierenden Unternehmen), nimmt sie als Teil seiner selbst an, und sein persönlicher Erfolg wird untrennbar mit dem Erfolg des Unternehmens.

131) Sein Autor wurde mit dem Geist archaischer Nahrung gleichgesetzt (vgl. mit einem Archisten, mit einer Figur).

132) Dauguma B. Sruogos kartos rašytojų tapatinosi su pagrindinėmis modernumo epistemos imperatyvais: kriticizmu, subjektyvios savimonės idėja.

133) Hier muss man lediglich anerkennen, dass sich Bürger frei mit bestimmten Formen des Gemeinwohls identifizieren können (vgl. mit Gott).

1 ABB. Schichten der menschlichen Identität

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5.3. Aus dem, was auf der Grundlage des DKT-Materials gesagt wurde, wird deutlich, dass die menschliche Identität gleichsam aus einzelnen, miteinander verbundenen Teilen (Schichten) zusammengesetzt wird. Ihr einzigartiges Anfangs-„Detail“ ist die Seele. Hinzu kommen weitere, langsamer oder schneller veränderliche Details – die Schichten der menschlichen Identität –, die tatsächlich vorhanden sind oder erst zu tatsächlichen werden können.

Die menschliche Identität ist dual: erinnernd bzw. nicht erinnernd. Sie ist sowohl Zustand als auch Werden. Das Beständige ist der erinnernde innere Teil der menschlichen Identität (die Seele), grammatisch die Formen des Präsens von būti, die mit tapatus verwendet werden (der Mensch ist seiner Seele identisch; vgl.?der Mensch war / wird / wird sich seiner Seele identisch, aber: der Mensch bleibt seiner Seele identisch); das Veränderliche ist die nicht erinnernde Identität des Menschen – der für sich selbst und/oder andere geschaffene Teil der Identität, grammatisch durch finite Formen von tapatinti(s) gekennzeichnet (der Mensch identifiziert sich mit einem Image, vgl. der Mensch wird dem Image identisch sein). Hinsichtlich ihrer Dynamik korreliert die duale menschliche Identität somit mit ihrem Ausdruck.

Die menschliche Identität, die sich aus dem mehr oder weniger zeitlich veränderlichen tatsächlichen (angeborenen) und möglichen (nicht angeborenen) Ich zusammensetzt, wird anhand von drei miteinander verbundenen irdischen Kriterien geschichtet – sozialer Zugehörigkeit, Ort und Zeit –, die ein viertes Kriterium, Gott⁵⁸, umfasst. Der in Abbildung 1 gezeigte Indikator ist entsprechend dargestellt; die drei irdischen Kriterien erscheinen als farbige Felder, deren jeweiliges Unterscheidungsmerkmal semantischer Art ist: „Person“, „Ort“ oder „Zeit“. Dies entspricht dem Verhältnis des Menschen zu sich selbst und seiner Umwelt: wie oder was für ein Ich ich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort mit mir selbst und anderen bin.

5.4. Aus den vorliegenden DKT-Sätzen wird deutlich, dass die Identität eines gesunden Menschen einem ständigen Wandel unterliegt, der im Augenblick der Geburt an einem bestimmten Ort beginnt (vgl. Sätze 134–137). Weiterhin ist es angebracht, auch andere Prädikate zu erörtern, deren Argumente substantivische Ableitungen von tapatus sind. Anders gesagt: Was tut der Mensch mit seiner Identität, die dabei ebenfalls mitgemeint ist, wie empfindet er sie, ob er sie überhaupt empfindet usw.?

134) Wo entsteht die europäische Identität?

135) Die Identität verändert sich, wenn bestimmte Rollen (und die jeweilige Lebensweise) aufgegeben oder abgelegt und andere Rollen sowie eine andere Lebensweise übernommen werden.

136) Tatsächlich verändert sich die menschliche Identität ständig und wird sogar bewusst verändert. Die Identität, die sich nun fortwährend wandelt, kann sogar als eine Art Wettbewerbsinstrument betrachtet werden.

58 Vgl.: „Identität ist ein Netzwerk von Merkmalen, die das Individuum als ausschließlich ihm zugehörig anerkennt und die seine individuelle Persönlichkeit ausmachen. […] Identität entspringt jedoch nicht einzelnen, isoliert betrachteten inneren Eigenschaften des Individuums; sie wird sozial konstruiert und ist nur mithilfe der „Anderen“ erreichbar“ (Morkūnienė 2012: 137); „Beachten Sie, dass trotz der immer stärker werdenden individualistischen Einstellungen der Gesellschaftsmitglieder die Selbstwahrnehmung in erster Linie über die Zuordnung zu bestimmten Menschengruppen und Gemeinschaften erfolgt, während die Wahrnehmung des Selbst als eines selbstgenügsamen und unabhängigen Individuums relativ schwach ausgeprägt ist“ (Savicka 2008: 189).

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Žmogaus tapatybės konceptas pagal tapatą, –i ir jo vedinius dabartinės lietuvių kalbos publicistikoje

137) Užsienyje įsidarbinau vienoje telekomunikacijų įmonėje. Atsirado naujų draugų, atsivėrė kitas gyvenimas. Tačiau mano tapatybėje niekas nesikeitė. Mirkau giliame depresijos liūne.

Aus den Sätzen 138–150, in denen nominale Ableitungen von identisch als Objekte von Wahrnehmungsverben auftreten, geht hervor, dass der Mensch seine Identität als Wahrnehmungsgegenstand fühlt, wahrnimmt und erlebt, von ihr weiß und sie erkennt; und wenn er sich mit der eigenen oder der Identität eines anderen auseinandersetzt, kann er sie infrage stellen und sie (nicht) wollen, um sie trauern oder sich ihrer nicht schämen, sie vergessen oder verleugnen.

138) Aber wir schweifen vom Thema ab. Eine Persönlichkeit der technokratischen Kultur, die versucht, eine Zugehörigkeit zu irgendeiner Menschengruppe zu erspüren, hat keine Lebensgeschichte, hört nicht, wie diese die Sagen der Eltern oder Vorfahren berührt.

139) – Und wie fühlen Sie sich [dabei] mit Ihrer Identität? Fühlen Sie sich als Einwohner von Kaunas, als Künstler aus Litauen oder einfach als Kosmopolit?

140) Letztere, besonders die Generäle, waren bei der „Fermentation“ der katholischen Intellektuellen ein hervorragender Katalysator, der uns dazu anregte, unsere Identität besser zu artikulieren59.

141) Katalikų Bažnyčia Lietuvoje skatini ieškoti gyvo kontakto, padėti gilinti ekumenines nuostatas, kartu išgyvenant savo krikščionišką tapatumą, kad Pilnos Evangelijos judėjimas vėl neužsidarytų savo siaurai supratame konfesionalizme, kuris stabdo vieną pačių bendruomenių brandą.

142) Die Intelligenzija muss unbedingt einen wirklichen oder eingebildeten Feind finden, damit sie sich durch ihn definieren und ihre Gruppenidentität erfahren kann.

143) Damit wir unserem Leben Sinn verleihen und unsere Identität erkennen können, müssen wir, so Taylor, unser Leben als eine sich entfaltende Geschichte betrachten (unfolding story60).

144) Erst dann werden wir unsere Identität erkennen, und das Toben böser Ideologien61 wird uns keine Angst mehr machen.

145) In einer solchen Situation ist es kein Wunder, dass die Familie in eine Krise gerät: Weder Mann noch Frau kennen ihre Identität mehr, sie sind ständig beunruhigt und in Sorgen versunken, die Kinder fühlen sich verwirrt und haben keine Möglichkeit, emotional zu reifen.

146) Erst wenn wir es wagen, unsere eigene Identität infrage zu stellen, gewinnen wir die Kraft, sie zu gestalten. Das heißt: Unsere Eltern gaben uns Wurzeln. Aber sie gaben uns auch Flügel!

59 Vgl. auch das Beispiel aus DLKT: Eine gebildete Persönlichkeit heranzubilden, die ihre religiöse, nationale und staatsbürgerliche Identität.

60 Siehe auch die Beispiele aus dem DLKT: Das „Ich“ erkennt seine Identität und wird erst in der Familie zu einer vollwertigen Person. Eine Person erkennt ihre Identität, indem sie einem anderen gegenübersteht, der im tiefsten Wesen verschieden (anders) ist, in jenem Austausch von Gaben, dessen einzige Quelle eben die „Person“ ist.

61 Vgl. den Satz aus dem DLKT: Die Reise hat mich als einen Menschen gestärkt, der seine Identität erkannt hat – was für ein Mensch ich sein werde, der gebraucht wird.

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147) Ich hasse dieses Abbild. Und die Farben und den Pinsel – ich vernichte sie, übermale das Bild und lasse keine Hinweise zurück, die mich noch an irgendetwas erinnern könnten. Ich will diese Identität nicht, deshalb versuche ich, mich auf diese Weise von ihr zu befreien. Es gelingt.

148) Am wichtigsten ist, sich nicht für die eigene Identität zu schämen und in einer Welt der „Na-kų“ und McDonald’s nach den eigenen Prinzipien zu leben; wer aber keine solchen Prinzipien hat, braucht auch keine Globalisierung, um erfolgreich vor die Hunde zu gehen.

149) Ein Mossad-Vertreter, Efaimas (Geoffrey Rush), nimmt Kontakt zu ihm auf und bittet ihn, seine schwangere Frau zurückzulassen, seiner Identität abzuschwören und in den Untergrund zu gehen.

150) Adam und Eva vergessen ihre Identität (wer von ihnen Adam und wer Eva ist), „doch jeder Spieler kennt seine empirischen Präferenzen.

In Fällen, in denen Ableitungen von „tapatus“ als Objekt von Handlungsverben auftreten, kann Identität – der Mensch als Ausführender und Initiator einer Handlung (also als Agent) – verbergen, verraten und auf sie kann verzichtet werden; sie kann offengelegt, ausgedrückt und verteidigt (gestärkt, (wieder)hergestellt, gepflegt), verwirklicht, gesucht und bewahrt werden; man kann sie (über)prüfen, feststellen und dergleichen (siehe Sätze 151–162).

151) Da die Anforderungen der KDP an ärmere Bauern nicht gestellt werden, zwingt man sie, ihre Identität zu verbergen – oder sie emigrieren in die westlichen Städte der Türkei.

152) Nachdem die offene Konfrontation zwischen A. Brazauskas und Andrius Kubilius nachgelassen hatte, erklärte der Philosoph, dass die Sozialdemokraten, sollte dies geschehen, endgültig ihre Identität verraten würden.

153) Sie gehen ein Risiko ein, weil die große Mehrheit illegal arbeitet. Sie geben einen Teil ihrer Identität auf, indem sie öffentliche Beziehungen meiden.

154) Man kann annehmen, dass in der poetischen Schöpfung auftretende Gefühle die zuvor verborgene Identität von Lorcas Persönlichkeit offenbaren.

155) Žmogus savo tapatumą išreiškia vaidmenimis (motinos, sūnaus, vyro), profesine kompetencija, išsimokslinimu, religiniais jausmais ar politinėm pažiūrom ir kitom vertybėm.

156) Sie werden nicht nur an nationalen Vereinigungen, sondern auch an allen politischen Parteien und gesellschaftlichen Bewegungen teilnehmen; sie werden dazu beitragen, die nationale Identität zu pflegen, und andererseits ihre sonstigen Interessen als normale Bürger des Landes verteidigen.

157) Zu diesem Zweck wurde vorgeschlagen, auch ein europäisches Institut zu gründen, das die Fehler der Vergangenheit untersuchen, das gemeinsame Verständnis der europäischen Geschichte erweitern und die europäische Identität sowie die Achtung der Menschenrechte stärken sollte.

158) Sie spüren und erleben die kulturelle Atmosphäre (statt sie als selbstverständlich hinzunehmen, wissen sie, dass sie ohne sie tatsächlich nicht leben und ihre Identität nicht verwirklichen könnten). Die Hochkultur (Schriftkultur), in der sie erzogen wurden, hat in vielen Menschen ihre Investition, den Kern ihrer Identität, reifen lassen.

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Das Konzept der menschlichen Identität anhand von tapatus, –i und dessen Derivaten im gegenwärtigen litauischen Journalismus

159) Als gäbe es die Litauer überhaupt nicht. Dieses kleine Volk hat seine Identität nur durch ein Wunder bewahrt. Es hatte nicht das Recht zu leben und seine Sprache zu bewahren.

160) Aber Gott sei Dank leben wir noch immer in unserem Geburtsland, in unserer Heimat, und können noch nach unserer Identität suchen, nach unseren Wurzeln und den Verbindungen zu den Generationen der in der Vergangenheit lebenden Menschen.

161) Ein Arzt muss die Identität des gekommenen Menschen überprüfen – ob den Antrag auf Aufnahme in die Spenderliste tatsächlich diese Person ausgefüllt hat.

162) Lankytojui asmens tapatumą buvo būtina nustatyti, nes praėjusiais metais automobilių turgaus prieigose žmiai padaugėjo kriminalinių veiksmų.

Außerdem kann der Mensch als Empfänger eines Nutzens oder Schadens, als Adressat oder Inhaber – als Benefiziär – verstanden werden (siehe Slžienė 1994: 21). Dann verliert oder entdeckt er seine eigene Identität, gewinnt sie zurück oder erhält (erwirbt) sie; sie kann verschwinden, von einem anderen zerstört (ausgerissen, zerschlagen) oder gestohlen werden (siehe Sätze 163–171).

163) Eine nach der anderen drängten sie darauf, Familien zu gründen. Sie beneideten alle, und recht erfolgreich. Durch ihre Heirat verloren sie ihre Identität, denn schon nach einem Jahr Ehe begannen sie zu sagen: „Wir gehen jetzt spazieren“, „Wir essen jetzt“, „Wir gehen zur Untersuchung zum Arzt“, ja sogar: „Wir verrichten unsere Notdurft.“

164) Außereheliche Beziehungen stiften deshalb viel Verwirrung im Leben der Menschen. Nehmen wir an, ein Mann, der viele Frauen gekannt hat, verliert seine Identität, denn sein Geist ist bereits mit vielen Frauen vereint gewesen.

165) Vielleicht gewinnt der Künstler mithilfe der Heilkundigen einen Teil seiner Identität zurück, die man so leicht im Wind der Welt verlieren kann.

166) [Die historische Kultur], so Anthony D. Smith, äußert sich in der jeweiligen Generation auf die eine oder andere Weise in bestimmten nationalen Idealen, und der Mensch erwirbt seine Identität durch die Beziehung zu den Vorfahren und zu jenen Ereignissen, die ihren Charakter geprägt haben.

167) Im Grunde ist dies ein Prozess der Mankurtisierung, denn in der vierten oder fünften Generation kann die eigene Identität völlig verschwinden. In welcher Generation auch immer sagt der Mensch dann bereits, er wisse nicht, wer er sei; noch später „weiß“ er es, weil er sich an nichts erinnert.

168) Dies ist eine der wichtigsten Methoden, die die chinesische Regierung einsetzt, um die nationale Identität und die gesamte Nation mit der Wurzel auszureißen und die ganze Nation auszulöschen.

169) Auslöschen des in den Mentalitäten verankerten litauischen Identität. Die dauerhafte Sehnsucht nach Kultur durch dauerhafte kulturelle Minderwertigkeit ersetzen.

170) Im Grunde vertritt Beauvoir also auch als die Frau befreiende Norm, was Levinas die Situation von Gewalt und Krieg nennt, in der die Identität selbst zerstört wird.

171) Den Nachnamen zu ändern wird schwierig sein, aber nicht schwieriger als das, was man jetzt durchmachen muss. Wie stehlen sie ihr die Identität? Identitätsdiebstahl (wenn jemand

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nutzt den Namen und Nachnamen einer anderen Person, deren Sozialversicherungsnummer sowie andere Informationen auf Schecks und offenen Kreditkarten).

Was auch immer einem Menschen widerfährt, er hat stets die Möglichkeit, seine Identität zu verändern: sie neu zu beleben, zu erschaffen oder wiederherzustellen und sie „anzuprobieren“ (siehe Satz 172–178). Somit lässt sich anhand der Prädikate, deren eines Argument das substantivische tapatus-Ableitungswort ist, bestätigen, dass die menschliche Identität ein ständiger Wandel ist. Anders gesagt ist die menschliche Identität als Ganzes nicht nur das, was ein Mensch sein Leben lang „hat“ status quo, sondern auch das, was er sich im Laufe seines Lebens, indem er sich selbst fühlt und wahrnimmt, als wirklich und möglich erschafft. All das, was durch eine subjektive (eigene), mehr oder weniger enge wechselseitige Beziehung zu sich selbst und/oder zu einem anderen entsteht – einer Person, einem Ort, einer Zeit und Gott –, begründet die Eigenart jedes Einzelnen. In der unterschiedlichen Identifikation zeigt sich die Einzigartigkeit eines jeden. Aus all dem Gesagten wird deutlich, dass die Eigenart eines Menschen sowohl durch seine angeborene, insbesondere innere – von Gott gegebene – Identität als auch durch die von ihm selbst subjektiv empfundene und erschaffene Identität geprägt wird (vgl. Satz 179).

172) Zum Beispiel muss in Anne Cassidys Buch „Išent Džei Džei“ ein Mädchen, das gerade siebzehn Jahre alt geworden ist, seine Identität vollständig ändern, mindestens zehn Jahre lang mit keinem zuvor bekannten Menschen mehr verkehren – und das ist keine törichte Laune, sondern eine Schutzmaßnahme.

173) Analysten beobachten den sogenannten Prozess der Retribalisierung einflussreicher Bevölkerungsgruppen, bei dem die stammes- und sippengebundene Identität wiederbelebt wird; in ihr sucht der Einzelne sowohl Sicherheit als auch seinen Lebensunterhalt in Gruppen, die durch Verwandtschaftsbeziehungen verbunden sind.

174) Um sich gerade als Intellektuelle historisch zu etablieren, sind sie gezwungen, sowohl eine moralische als auch eine kulturelle Identität der Masse neu zu erschaffen.

175) Die Aussteiger sollten zunächst den für die Neuzeit typischen Denkstil aufgeben – die Überzeugung, dass sich Identität wenigstens ein Stück weit im Voraus entwerfen lässt.

176) Wenn Bürger begännen, ihre moralische Identität auf Benthames Behauptung zu gründen, es gebe keine Gemeinschaft, würden sie rasch jedes klarere moralische Verständnis der Dinge verlieren.

177) Unsere bekanntesten Historiker, Alfredas Bumblauskas und Eduardas Gudavičius, bemühen sich bereits seit über zwei Jahrzehnten, eine moderne litauische Identität zu formen und die Vergangenheit Litauens nicht allein durch das von dem Historiker Adolfas Šapoka geschaffene und während der Sowjetzeit auf eigene Weise angepasste Paradigma zu betrachten.

178) Indem der Unbenannte Geschichten erzählt, an die er selbst nicht glaubt und die er nicht versteht, „probiert“ er verschiedene Identitäten aus, bis er erkennt, dass das sinnlos ist.

179) Die Identitäten als Elternteil, Ehemann, Litauer und so weiter wirken wie mehrere Bestandteile, aber sie reichen nicht aus. Die Vertikale zu Gott ordnet alle Konzepte, Paradigmen und Identitäten an ihren Platz und weist ihnen eine dienende Rolle zu. Wann wurde die Vertikale des Selbst aufgegeben? Vor etwa 200 Jahren. Über die Achse, die Vertikale und die Identität.

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Identität, oder Identität, ist die Übereinstimmung mit dem eigenen Wesen, das allen gemeinsam ist. Sie ist auch die Übereinstimmung mit dem Wesen eines anderen. Dieses Wesen ist dein erwähnter Gott, die Vertikale.

6. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN

In den DLKT-Sätzen der Publizistik, in denen verschiedene Formen des Adjektivs tapatus, -i und seiner verbalen (tapatinti, tapatintis) und nominalen (tapatybė, tapatumas) Ableitungen verwendet werden, lässt sich durch die subjektive Identifikation mit sich selbst und anderen ein verallgemeinertes Bild des identischen Menschen erkennen. Der Mensch selbst wird in den Sätzen als Patient und/oder Perzipient, Agens oder Benefizient aktualisiert. Bedeutsam ist hier, in der Publizistik, dass der Kontext oder Text, der es ermöglicht, die Gedanken des Schreibenden „zu hören“, d. h. zu erkennen, was und wie er über sich oder seine Umgebung sagen wollte, dem Lesenden zwar mehr Freiheit lässt, ihn subjektiv zu beurteilen und zu verstehen, dem Lesenden aber dennoch das Identitätsverständnis des Menschen, der schreibt, vermittelt (vgl. Offensichtlich kann eine Erzählung nicht in Stille stattfinden. Dazu ist Sprache erforderlich. Unsere Identität ist unsere sprachliche Artikulation DLKT). Indem der Schreibende indirekt kommuniziert, vertritt er nicht nur sich selbst, d. h. er „textualisiert“ sein eigenes Identitätsverständnis – durch seine Kommunikation beeinflusst er die Identität des Lesenden, formt, gestaltet oder verändert sie62. Somit besitzt offenbar jeder engagiertere Leser publizistischer Texte ein ähnliches, kohärentes Konzept menschlicher Identität; anhand des individuellen Identitätskonzepts, das im Bewusstsein eines einzelnen Menschen existiert, lassen sich Merkmale eines Gruppenkonzepts erkennen.

Aus den für die Untersuchung gesammelten DLKT-Sätzen der Publizistik „entfaltete“ sich die menschliche Identität als eine eigene Ganzheit der Person, die von Geburt an empfunden, verstanden und/oder nach dem Prinzip der Dualität geschaffen wird: als mehr oder weniger enge Beziehung des Menschen zu den Teilidentitäten (angeborenen bzw. nicht angeborenen, göttlichen bzw. irdischen). Die wahre innere Identität des Menschen – die Seele – wird ihm bei der Geburt von Gott „gegeben“. Sie ist der beständige Teil der menschlichen Identität. Nach dem Ähnlichkeitsprinzip, d. h. dem Spiegelprinzip, und anhand irdischer Kriterien (einer anderen Person, eines Ortes, einer Zeit) hat der Mensch die variabelsten Schichten der nicht angeborenen Identität geschaffen, schafft sie oder wird sie noch schaffen. Die von Natur aus gegebene äußere Identitätsschicht (Geschlecht, allgemeine äußere Merkmale) liegt zwischen der angeborenen inneren und der nicht angeborenen Identitätsschicht. Im Zeitverlauf ist die angeborene Identitätsschicht beständiger als die nicht angeborene. Die Variabilität hängt mit der Ausdrucksweise in verschiedenen ist identisch bzw. identifizieren (sich)-Formen zusammen. Die Wahl der Ausdrucksweise identisch zu sein bzw. sich zu identifizieren bzw. zu identifizieren

62 Vgl.: „Identität wird ständig interaktiv auf einer Mikroebene konstruiert, auf der die Identität eines Individuums in der Interaktion und in Beziehung zu den anderen Beteiligten behauptet, angefochten und neu konstruiert wird“ (Norris 2007: 657).

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hebt im Satz die unterschiedliche (enge bzw. ferne) Beziehung des Menschen zu sich selbst oder zu einem anderen in den Vordergrund (vgl. mit sich selbst / einem anderen identisch zu sein bzw. sich mit sich selbst / mit den eigenen Illusionen / mit einem anderen zu identifizieren bzw. sich mit den eigenen Illusionen / mit einem anderen gleichzusetzen).

Der Gebrauch nominaler Ableitungen von tapatūs, die als Aktanten von Wahrnehmungs- und Handlungspredikaten fungieren, lässt den Schluss zu, dass der Mensch seine Identität auf eigene Weise empfindet, versteht und erschafft oder neu erschafft. Dies belegt die Einzigartigkeit der Identität jedes Einzelnen.

Angesichts dessen, dass das Adjektiv tapatūs zwei unterschiedliche semantische Merkmale aufweist: „ähnlich“ und „eigenständig“, die den Wörtern gleich, gleichwertig und anders, eigenständig, originell gemeinsam sind, ist die Wörterbuchdefinition von tapatūs offenbar zu präzisieren. Obwohl der Mensch, wenn er über Identität spricht (schreibt), häufig nach Ähnlichkeiten zwischen sich und einem anderen oder zwischen zwei anderen sucht, sie findet und im Satz hervorhebt, ist diese Ähnlichkeit stets partiell und mehr oder weniger variabel. Dem Wesen nach ist jeder Mensch mit all seinen tatsächlichen und möglichen Ähnlichkeiten eigenständig (sich selbst gleich) – verschieden von allen, denen er in irgendeiner Hinsicht ähnelte, ähnelt oder ähneln wird.

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Concept of Human Identity on the Basis of tapatus, -i and Its Derivatives in Contemporary Lithuanian Opinion Journalism

SUMMARY

The article addresses the content of human identity on the basis of the adjective tapatus and its verbal (tapatinti, tapatintis) and nominal derivatives (tapatybė, tapatumas). It combines structural and cognitive approaches to meaning. A human being is the starting point of the study. It refers to the material collected from the Corpus of Contemporary Lithuanian Language developed at the Centre of Computational Linguistics of Kaunas Vytautas Magnus University.

The material of opinion journalism available at the CCLL enables us to recognise and see the image of an identical human being shared by every more active reader of opinion journalism through the subjective identification with oneself and another human being. The features of the group concept can be seen on the basis of the peculiar concept of identity existing in the consciousness of an individual human being.

In the sentences in question a human being is actualised as the patient and/or percipient, agent or beneficiary.

The research revealed that human identity is a peculiar entirety of the person which is sensed, perceived and/or created on the basis of duality right from birth: as a more or less

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Acta Linguistica Lithuanica LXXIX

Žmogaus tapatybės konceptas pagal tapatus, -i ir jo vedinius dabartinės lietuvių kalbos publicistikoje

close relationship between a human being and partial identities (inherent or non-inherent, heavenly or earthly). The true inner human identity – the soul – is “received” from God at birth. It is the stable part (layer) of human identity. By similarity (the mirror principle) and earthly (another person’s, place, time) criteria a human being created, creates or will create the most variable layers of non-inherent identity. The outer layer of identity received at birth (gender, general external traits) is between the inherent inner layer and the non-inherent identity layer. From a temporal perspective, inherent identity is more stable than non-inherent. Variability (dynamism) correlates with expression by different forms of yra tapatus and tapatinti(s).

The usage of the nominal derivatives of tapatus used as the actants of perceptual and action predicates leads to the conclusion that a human being feels, perceives and (re)creates his or her identity in his or her own way. It substantiates the peculiarity of everyone’s identity.

Considering that the adjective tapatus has two different semantic features – “similar” and “peculiar” – which are also shared by the words toks pat, tolygus and kitoks, savitas, originalus respectively, the dictionary definition of tapatus should apparently be updated. Notwithstanding the fact that when speaking (writing) about identity a human being often tries to find and finds the identity of oneself, another human being or other two human beings as similarity, which he or she brings to the foreground in the sentence, this similarity is always partial and variable. In essence, a human being with all of his or her relevant and/or potential similarities (i.e. partial identity with oneself or another human being) is peculiar – different from everyone with whom he or she was, is or will be similar in some aspect.

Įteikta 2018 m. birželio 8 d.

LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ

Lietuvių kalbos institutas

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