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Acta Linguistica Lithuanica 2025, Bd. 93, S. 1–32 Inhaltsverzeichnis-Link / Turinio nuoroda ISSN 2669-218X (online / elektroninis)

DIE REZEPTION DER LIEDER VON PILYPAS RUIGYS: VOM 18. BIS ZUR MITTE DES 20. JAHRHUNDERTS

Die Rezeption der Lieder von Philipp Ruhig: Vom 18.th bis zur Mitte des 20.th Jahrhunderts

Dem 350. Geburtstag von Pilypas Ruigys gewidmet

BIRUTĖ TRIŠKAITĖ Institut für Litauische Sprache E-Mail: [email protected] ORCID ID: https://orcid.org/0000-0003-2286-4080 Forschungsrichtungen: das Schrifttum Preußisch-Litauens im 16.–18. Jahrhundert, die Geschichte der zweisprachigen litauischen Lexikografie und der litauischen Schriftsprache.

https://doi.org/10.35321/all93-09

ABSTRACT Der Artikel ist dem hymnologischen Erbe des Pfarrers von Preußisch-Litauen Pilypas Ruigys (Philipp Ruhig, 1675–1749), eines der produktivsten Schrifttumsschöpfer des litauischen Schrifttums im 18. Jahrhundert, genauer gesagt der Rezeption seiner Lieder in den offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbüchern Preußisch-Litauens vom vierten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gewidmet. Anhand der bis in die Gegenwart überlieferten Primärquellen werden die von Ruigys übersetzten und verfassten Lieder, die erstmals in Johann Behrendts Gesangbuch Iß naujo pérweizdėtos ir pagérintos Giesmũ-Knygos (Königsberg, 1732) veröffentlicht und anschließend auch in spätere Gesangbücher aufgenommen wurden, unter quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten analysiert. Die vergleichende Analyse der evangelisch-lutherischen Gesangbücher Preußisch-Litauens ergab, dass die Zahl der Lieder Ruigys im offiziellen kirchlichen Gesangbuch schrittweise zunahm: von 9 in den ersten Ausgaben des sogenannten Quandt-Behrendt-Gesangbuchs auf 12 in den späteren Ausgaben. Die Beständigkeit dieser Lieder belegt, dass sie bis zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs, d. h. bis zur letzten Ausgabe der Pagerintos giesmių knygos (Klaipėda, 1936), zu einem festen Bestandteil des offiziellen litauischen Gesangbuchrepertoires wurden; darüber hinaus wurde ein Teil von ihnen in das heutige evangelisch-lutherische Gesangbuch Krikščioniškos giesmės (Vilnius, 2007) übernommen. Die Analyse zeigte außerdem, dass diese Lieder ab der ersten Ausgabe mehr oder weniger redaktionell bearbeitet wurden. SCHLÜSSELWÖRTER: litauisches Schrifttum des 18. Jahrhunderts, Lieder, Pilypas Ruigys (Philipp Ruhig), offizielles evangelisch-lutherisches Gesangbuch Preußisch-Litauens, Gesangbuch von Johann Behrendt Iß naujo pérweizdėtos ir pagérintos Giesmũ-Knygos (1732).

Copyright © 2025 Birutė Triškaitė. Herausgegeben vom Institut für Litauische Sprache. Dies ist ein Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Creative-Commons-Attribution-Lizenz verbreitet wird; diese gestattet die uneingeschränkte Nutzung, Verbreitung und Vervielfältigung in jedem Medium, sofern der ursprüngliche Autor und die Quelle angegeben werden. // Išleido Lietuvių kalbos institutas. Šis straipsnis yra atviros prieigos, platinamas pagal „Creative Commons“ priskyrimo licencijos sąlygas, leidžiančias neribotai naudoti, platinti ir atkurti turinį bet kokioje laikmenoje, nurodant autorių ir šaltinį.

Eingegangen: / Gauta: 2025–10–20. Angenommen: / Priimta: 2025–12–17.

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ZUSAMMENFASSUNG

Dieser Artikel ist dem hymnologischen Erbe von Philipp Ruhig (1675–1749), einem Pfarrer aus Preußisch-Litauen und einem der produktivsten Vertreter der litauischen Literatur des 18.th Jahrhunderts, gewidmet; genauer gesagt behandelt er die Rezeption seiner Lieder in den offiziellen kirchlichen Gesangbüchern Preußisch-Litauens seit dem vierten Jahrzehnt des 18.th Jahrhunderts. Auf der Grundlage bis heute erhaltener Primärquellen werden die von Ruhig übersetzten und verfassten Lieder, die erstmals in Johann Behrendts Gesangbuch Iß naujo pèrweizdetos ir pagérintos Giesmû-Knygos [Neu überarbeitete und verbesserte Gesangbücher] (Königsberg, 1732) veröffentlicht und in spätere Ausgaben aufgenommen wurden, quantitativ und qualitativ analysiert. Eine vergleichende Analyse der evangelisch-lutherischen Gesangbücher Preußisch-Litauens hat gezeigt, dass die Zahl der Lieder Ruhigs im offiziellen kirchlichen Gesangbuch allmählich zunahm: von 9 in den ersten Ausgaben des sogenannten Quandt-Behrendt-Gesangbuchs auf 12 in den späteren Ausgaben. Die Beständigkeit dieser Lieder wird dadurch belegt, dass sie alle bis zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs, d. h. bis zur letzten Ausgabe der Pagerintos giesmių knygos [Verbessertes Gesangbuch] (Klaipėda, 1936), zu einem festen Bestandteil des offiziellen litauischen Gesangbuchs wurden; einige von ihnen wurden zudem in das heutige evangelisch-lutherische Gesangbuch Krikščioniškos giesmės [Christliche Lieder] (Vilnius, 2007) aufgenommen. Die Analyse zeigte außerdem, dass diese Lieder bereits seit der ersten Ausgabe mehr oder weniger redigiert wurden.

SCHLÜSSELWÖRTER: litauisches Schrifttum des 18.th Jahrhunderts, Lieder, Philipp Ruhig, offizielles Gesangbuch der evangelischen Lutheraner Preußisch-Litauens, Gesangbuch von Johann Behrendt Iß naujo pèrweizdetos ir pagérintos Giesmû-Knygos (1732) [Neu revidierte und verbesserte Gesangbücher, 1732].

EINLEITUNG

Der Pfarrer von Preußisch-Litauen Pilypas Ruigys (Philipp Ruhig, 1675–1749) war einer der produktivsten Vertreter des litauischen Schrifttums im 18. Jahrhundert: Er war nicht nur Verfasser origineller und äußerst einflussreicher sprachwissenschaftlicher Werke, sondern auch Übersetzer der wichtigsten religiösen Texte. Auch nach drei Jahrhunderten erinnert man sich heute an Ruigys nicht nur als Teilnehmer an der berühmten philologischen Auseinandersetzung, die Anfang des 18. Jahrhunderts in Preußisch-Litauen entstand, als Autor der lateinischen Abhandlung über die litauische Sprache Meletema (1735) und ihrer deutschen Fassung Betrachtung der Littauischen Sprache in ihrem Ursprunge, Wesen und Eigenschaften (1745), als Bearbeiter des zweisprachigen und bidirektionalen Wörterbuchs Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747), als Initiator einer Grammatik der litauischen Sprache Anfangsgründe einer Littauischen Grammatik (1747), sondern auch als einer der Übersetzer der Lieder (1732), der Bibel (1735) und der Postille von Christiano Langhansenas (1660–1727) (1750) ins Litauische.

Nach Abschluss seines Theologiestudiums an der Universität Königsberg und seiner Ordination zum Pfarrer im Jahr 1708 war Ruigys mehr als vierzig Jahre lang in Valtarkiemis (dt. Walterkehmen)1 tätig. Als Angehöriger der dritten Generation eines Geistlichengeschlechts verstand er seine Pflicht als Seelsorger darin, die Litauer religiös zu bilden. Darüber hinaus beteiligte er sich, angeregt durch die von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen (Friedrich Wilhelm I., 1688–1740, reg. 1713–1740) initiierten Reformen und kulturellen Veränderungen und zweifellos in Anerkennung der Verdienste seines Großvaters mütterlicherseits, des Pfarrers von Katniava (dt. Kattenau), Teofilis Šulcas (Theophil Schultz, 1629–1673) (vgl. Abb. 1 und weiter unten), aktiv an dem lituanistischen Projekt des Theologieprofessors der Universität Königsberg, Oberhofpredigers und späteren preußischen Generalsuperintendenten Jonas Jokūbas Kvantas (Johann Jacob Quandt,

¹ QPP IV 34r; Arnoldt 1777: 108; ZM V 1528.

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1686–1772) und trug so zum Aufschwung der litauischen religiösen Literatur bei, der im 18. Jahrhundert in Preußisch-Litauen einsetzte.

Nicht zufällig gehört Ruigys zu jenen Vertretern des litauischen Schrifttums, deren lituanistisches Erbe unter verschiedenen Gesichtspunkten erhebliche Aufmerksamkeit der Forschung erfahren hat. Auch sein hymnologisches Erbe wurde als integraler Bestandteil des offiziellen litauischen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs (1732) untersucht². Bislang gab es jedoch keine speziellen Untersuchungen zur Rezeption seiner Lieder in späteren Gesangbüchern. Daher wird in diesem Artikel Ruigys Tätigkeit als Übersetzer und Verfasser von Liedern erneut thematisiert und die Aufmerksamkeit auf die Funktion seiner Lieder in den Gesangbüchern Preußisch-Litauens bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts, genauer bis 1936, gelenkt, als das letzte evangelisch-lutherische Gesangbuch vor dem Zweiten Weltkrieg erschien, Pagerintos giesmių knygos.

Was die Rezeption der Lieder Ruigys betrifft, ist zunächst festzuhalten, dass die genaue Zahl seiner in litauischen evangelisch-lutherischen Gesangbüchern veröffentlichten Lieder noch nicht vollständig geklärt ist. Die Historiografen der preußischen Kultur und des litauischen Schrifttums geben diese Zahl unterschiedlich an. So behauptete der Pfarrer von Trempai, Gotfrydas Ostermejeris (Gottfried Ostermeyer, 1716–1800), gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der ersten Geschichte der litauischen Gesangbücher Erste Littauische Liedergeschichte (Königsberg, 1793), Ruigys habe dem Gesangbuch „12 Lieder geliefert, von denen eines ein Originalstück ist“ („Zum Gefangbuch hat er 12 Lieder geliefert, von denen eins ein Originaltuck ist“³). Fast anderthalb Jahrhunderte später nannte Ansas Bruožis in seiner Studie Mažosios Lietuvos buvusieji rašytojai ir žymesnieji lietuvių kalbos mylėtojai (1920) dieselbe Zahl der von Ruigys übersetzten und verfassten Lieder: Er erwähnte, dass Ruigys „11 Lieder übersetzt und außerdem eines selbst bearbeitet habe“⁴. Vermutlich Ostermejeris folgend, werden auch in den Kommentaren zu der von Vytautas Jurgutis und Valerija Vilnonytė veröffentlichten Abhandlung Ruigys Lietuvių kalbos kilmės, būdo ir savybių tyrinėjimas (1986) 12 Lieder genannt, von denen 11 Übersetzungen und eines ein Original sei⁵. Vaclovas Biržiška nannte dagegen in Aleksandrynas (¹1963, ²1990) nicht nur die Zahl der Lieder Ruigys, sondern erwähnte sogar die konkrete Gesangbuchausgabe, in der sie seiner Ansicht nach sämtlich erschienen seien: „Für das neue Quandt-Behrendt-Gesangbuch von 1732 lieferte er 12 Lieder, von denen er eines im Original verfasste und alle übrigen übersetzte“⁶. Andererseits werden in der Monografie von Guido Michelini Jono Berento Įpna u jo pėrweizdėtos ir pagerintos Giesmũ Knygos. Mörlino traktato pritaikymas poezijoje (2010), der die Geschichte der Gesangbücher Preußisch-Litauens ausführlich erforscht hat, 9 Lieder Ruigys mit den deutschen Originalen verglichen⁷, sodass damit gleichsam eine ganz andere Zahl nahegelegt wird. Die Angaben aus den Werken zur Historiografie des litauischen Schrifttums mussten in Nachschlagewerke Eingang finden. Dennoch weicht auch die dort genannte Zahl der Lieder Ruigys etwas ab: Mažosios Lietuvos

² Näheres zu den Gesangbüchern Preußisch-Litauens siehe Michelini 2009, insbesondere 97–131; 2010. Zum Verhältnis der im ersten Gesangbuch des sogenannten Quandt-Behrendt-Gesangbuchs veröffentlichten Lieder von Pilypas Ruigys zu den deutschen Originalen siehe Michelini 2010: 162–175.

³ Osterme yer 1793: 259–260; Ostermejeris 1996: 421.

⁴ [Bruožis] 1920: 27.

⁵ Ruigys 1986: 414.

⁶ BrŽA II 21.

⁷ Žr. Michelini 2010: 162–175.

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Enzyklopädie (2009)⁸, Nachschlagewerk der Enzyklopädie Kleinlitauens (2015)⁹ und Allgemeine litauische Enzyklopädie (2011)¹⁰ werden 11 Lieder Ruigys angegeben.

Ziel dieses Artikels ist es, anhand von Primärquellen den Beitrag Ruigys zum Repertoire der von dem Bischof von Įsrutis, Jonas Berentas (Johann Behrendt, 1667–1737), zusammengestellten Liedersammlung Iß naujo pérweizdetos ir pagérintos Giesmû-Knygos (Königsberg, ¹1732), beziehungsweise des sogenannten Quandt-Behrendt-Gesangbuchs, zu bewerten und die Rezeption der Lieder Ruigys in den späteren Bearbeitungen und Ausgaben des offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zu erörtern, wobei der Blick auf zwei Aspekte gerichtet wird: 1) wie viele von ihnen veröffentlicht wurden; 2) welcher Art ihre Bearbeitung war¹¹. Die Analyse erfolgt unter Anwendung historisch-vergleichender sowie analytisch-deskriptiver Methoden.

1. ZEUGNISSE RUIGYS UND SEINER ZEITGENOSSEN ÜBER SEINE LITUANISTISCHE TÄTIGKEIT (LIEDER)

Kvantas, in dessen von ihm zusammengestellter Reihe von Pfarrern Preußisch-Litauens Ruigys an der Abfassung litauischer religiöser Schriften mitarbeitete, erwähnte in dem Artikel über den Pfarrer von Valtarkiemis, Ruigys, in seiner handschriftlichen Presbyterologie Preußische Presbyterologie (bis 1772), abgesehen von den wichtigsten biografischen Angaben, lediglich eine 1705 erschienene theologische Abhandlung über antike Götzen und nur eine lituanistische Tätigkeit – eine Abhandlung über die litauische Sprache –, widmete jedoch weder den Liedern noch anderen religiösen Texten, nicht einmal der Bibelübersetzung, ein Wort (vgl. Abb. 1):

1708. Philipp Ruhig. «Reg. Pr uffus. →» 'Cattenau–Prufus. ‖ wurde 1708 ♀ poſt 20. Trin. 3u Schloß ‖ von D[.] Deutſchen ordiniret. Er ist gebo r[en] ‖ in Cattenau 1675. 31. Martij. Wurde ‖ alhie introduciret 1708. D[omi]n[ic a[m] 24. p. Trin. ‖ Hat disputiret P[rae]ſide D[.] Wegner de Scr[iptur]ae S. ‖ 1703. auch ein Tract. editet de idolo omni u[m] ‖ primo 4° 1705. imgleich[en] de Lingua Lituanica. ‖ S. Vorfahr[en] kom[m]en auß Meißen her, da f. ‖ Eltervater George Ruhig Burgermeister ‖ in Liebenwerda, v. deßen Sohn Paul Ruhig ‖ Ingenieur v. Capitain über die Wibranzen in Memel gewesen. ‖ ‘Ein Sohn Philipp Ruhig Paft. vnd Enckel ‖ von Mutter Seiten Theophili Schulzen ‖ beyderseits Pfarrern in Kattenau † 1749. ‖ 5. April. ‖ ſepult[us] ‖ [?]7. April.¹².

⁸ Vgl.: „Er trug wesentlich zur Vorbereitung der Bibel von 1735 und des Quandt–Behrendt-Gesangbuchs von 1732 bei (darin sind 11 von R[uigys] verfasste und übersetzte Lieder abgedruckt)“ (MLE IV 143).

⁹ MLEŽ 496. Auch in den englischen (2014) und deutschen (2018) Fassungen dieses Nachschlagewerks werden 11 Lieder Ruigys genannt (MLEŽa 561; MLEŽv 612).

¹⁰ Vgl.: „Er trug wesentlich zur Vorbereitung der Bibel (1735) und des Gesangbuchs von J. J. Quandt und J. Behrendt bei (1732; darin sind 11 von [Ruigys] verfasste und übersetzte Lieder abgedruckt)“ (VLE XX 412).

¹¹ Unter quantitativen Gesichtspunkten wurden bereits die Lieder und ihre Rezeption in den Gesangbüchern vom 18. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Petras Gotlybas Milkus (Peter Gottlieb Mielcke, 1695–1753), dem Pfarrer von Jurbarkas (dt. Georgenburg) und später von Mielkiemis (dt. Mehlkeh­men) sowie Mitarbeiter von Pilypas Ruigys bei der Abfassung litauischer Schriften, analysiert (siehe Triškaitė 2021: 98–116).

¹² QPP IV 34r. Im Zitat aus dem Manuskript von Kvantas zeigt der Pfeil →, worauf korrigiert wurde. Mit den Zeichen ¬ ¬ werden später eingetragene Wörter oder Sätze gekennzeichnet (über der Zeile, am Rand oder in der zweiten leeren Spalte der Seite). Im in gotischen Lettern geschriebenen Manuskript werden die darin vorkommenden Fragmente des lateinischen Textes (Wörter oder Wortteile) im Zitat kursiv wiedergegeben. Näheres

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Abbildung 1. QPP IV 34r: Kvantas über den Pfarrer von Valtarkiemis, Ruigys, in der handschriftlichen Schrift Preußische Presbyterologie; GStA PK: XX. HA Hist. StA Königsberg, Hs, Nr. 2, Bd. 4

1708. Pilypas Ruigys, der Preuße aus Katniava. Von Dr. Deutsch am Freitag nach dem 20. Sonntag nach Trinitatis 1708 in der Schlosskirche ordiniert. Er wurde am 31. März 1675 in Katniava geboren. Hier am 24. Sonntag nach Trinitatis 1708 eingeführt. Unter Leitung von Dr. Wegner disputierte er 1703 über die Heilige Schrift; außerdem veröffentlichte er 1705 eine Abhandlung über antike Götzen im Quartformat, ebenso eine über die litauische Sprache13. Seine Vorfahren stammten aus Meißen; dort war sein Großvater Jurgis Ruigys Bürgermeister von Liebenwerda, und dessen Sohn Povilas Ruigys war Ingenieur und Hauptmann der Schützen in Memel. Der Sohn des Pfarrers Pilypas Ruigys und mütterlicherseits Enkel von Teofilis Šulcas, beide waren Pfarrer in Katniava14. Er starb am 5. April 174915 und wurde am [?] 7. April beigesetzt.

Der Verfasser der anderen preußischen Presbyterologie Kurzgefaßte Historische Nachrichten von allen im Königreiche Preußen befindlichen Kirchen und Predigern bei denselben (1757), Friedrich Pastenaci (1718–1770), erwähnte lediglich, dass Ruigys neben anderen religiösen und sprachlichen Werken einige Lieder übersetzt habe, nannte jedoch keine konkrete Zahl:

Er war ein recht fertiger Litthauer, und hat an der Ueberſetzung des A. und N. Teſtaments, welche 1733 heraus gekommen, fleißig gearbeitet. Die ersten eilf Predigten aus M. Langhanſens [Kinder=]Poſtill16 über die Evangelia sind von ihm überſetzet, wie auch einige Lieder. <…>

Über dieses nach dem Zweiten Weltkrieg von litauischen Forschern als verschollen betrachtete und erst kürzlich wieder in den wissenschaftlichen Umlauf gelangte handschriftliche Werk von Kvantas, eine wichtige Quelle für die Biografien der Vertreter des litauischen Schrifttums, siehe Triškaitė 2018: 125–176.

13 Mit der Abhandlung „de Lingva Lituanica“ (QPP IV 34r) meinte Kvantas wahrscheinlich Ruigys sprachwissenschaftliches Werk, das zunächst, noch vor 1708, in lateinischer Sprache verfasst, später überarbeitet und 1735 unter dem Titel Meletema nach England an den in London lebenden Landsmann Dovydas Vilkas (David Wilke, Wilkins, 1685–1745) geschickt wurde, um dort veröffentlicht zu werden, schließlich jedoch 1745 in Königsberg auf Deutsch unter dem Titel Betrachtung der Littauischen Sprache in ihrem Ursprunge, Wesen und Eigenschaften gedruckt wurde (siehe Zinkevičius 2008: 164–165).

14 Für die Übersetzung des Zitatfragments vgl. Blažienė 2020: 27.

15 In anderen Quellen wird angegeben, dass Ruigys am 6. April 1749 starb (siehe Pastenaci 1757: 109; Arnoldt 1777: 108; BržA II 20; ZM V 1528).

16 Der in eckigen Klammern [] angegebene Teil des Kompositums wurde handschriftlich am Rand der Publikation eingetragen.

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Anno 1745 gab er eine critische Betrachtung der litthauischen Sprache, und 1747 ein litthaufch=deutsches und deutſch=litthauſches Lexicon heraus, welches das erſte iſt, ſo in Preuffen gedruckt worden. Sein Sohn Paul Friedrich Ruhig, welcher damals Lehrer des litthauſchen Seminarii in Königsberg war, gab auch in eben demselben Jahr eine litthauische Grammatic heraus, welche sein Vater übersehen und verbessert hat¹⁷

Er war ein wahrhaftiger Litauer und übersetzte eifrig das A[lte] und N[eue] Testament, das 1733 erschien.¹⁸ Er übersetzte die ersten elf Predigten über das Evangelium aus der Vaikų postilės des M[agisters] Langhans, ebenso einige Lieder. <...> 1745 veröffentlichte er eine kritische Untersuchung der litauischen Sprache, und 1747 ein litauisch-deutsches und deutsch-litauisches Wörterbuch, das erste in Preußen gedruckte Wörterbuch. Sein Sohn Povilas Frydrichas Ruigys, damals Lehrer am Litauischen Seminar in Königsberg, veröffentlichte im selben Jahr ebenfalls eine Grammatik der litauischen Sprache, die sein Vater durchgesehen und verbessert hatte.

Ruigys selbst erwähnte seine Lieder ebenso wie die Übersetzung anderer religiöser Texte – der Bibel und der Postille von Langhans Kinder-Postille – in den Vorworten zu zwei sprachwissenschaftlichen Werken: der Abhandlung Betrachtung der Littauischen Sprache in ihrem Ursprunge, Wesen und Eigenschaften (Königsberg, 1745) und dem zweisprachigen und bidirektionalen Wörterbuch Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (Königsberg, 1747). Im Vorwort des Wörterbuchs schrieb Ruigys:

Anno 1723. wurde nebft andern Confratribus zur Ueberſetzung des neuen, und hernach des alten Teſtaments, gezogen. Als solche Arbeit A. 1733. geendiget war, auch einige Lieder, und die erſten eilf Predigten Herrn M. Langhanſens eingeſchickt hatte, fing ich an dieſes Wörterbuch zu fertigen¹⁹.

Im Jahr 1723 wurde ich zusammen mit anderen Amtsbrüdern zur Übersetzung zunächst des Neuen und danach auch des Alten Testaments herangezogen. Als diese Arbeit 1733 beendet war und ich einige Lieder sowie die ersten elf Predigten des Herrn [Magisters] Langhanzen bereits abgesandt hatte, begann ich, dieses Wörterbuch zu schreiben²⁰.

Im Vorwort der Abhandlung schrieb Ruigys dagegen:

<...> durch GOTTes Gnade die neue Ueberſetzung der Bibel und Lieder herfür kam, und auch mir aufgetragen wurde²¹.

¹⁷ Pastenaci 1757: 108–109. ¹⁸ Es sei darauf hingewiesen, dass tatsächlich das Alte Testament 1733 fertig übersetzt wurde, während das Neue Testament bereits 1727 veröffentlicht worden war und die vollständige litauische Bibel 1735 gedruckt wurde. ¹⁹ Ruhig 1744–05–11: [4r]. ²⁰ Ruigys 1986: 384. ²¹ Ruhig 1745: 4.

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<...> durch die Gnade [G]ottes kam die Zeit, neu zu übersetzen die Bibel und die Lieder, und auch mir wurde diese Aufgabe übertragen²².

Wie ersichtlich, erwähnt Ruigys in den Vorworten seiner Werke, an der Übersetzung religiöser Texte aus drei Gattungen mitgewirkt zu haben: der Bibel (sowohl des Neuen als auch des Alten Testaments), von Predigten und Liedern. Ruigys Formulierungen legen nahe, dass er diese Tätigkeit im Auftrag der kirchlichen Obrigkeit aufnahm (wahrscheinlich auf Einladung von Kvantas oder Berentas). Weder im Vorwort des Wörterbuchs noch in dem der Abhandlung gab Ruigys die Zahl seiner Lieder an. Wie bereits erwähnt, schwankt die in der Historiografie des litauischen Schrifttums angegebene Zahl etwas (siehe Einleitung). Im Folgenden ist daher zu klären, was die Primärquellen belegen – die bis heute überlieferten Ausgaben und Bearbeitungen des offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs Preußisch-Litauens.

2. KIEK RUIGIO GIESMIŲ PUBLIKUOTA OFICIALIAJAME BAŽNYTINIAME PRŪSIJOS LIETUVOS EVANGELIKŲ LIUTERONŲ GIESMYNE?

2.1. Die Lieder Ruigys wurden erstmals 1732 veröffentlicht – in der ersten Ausgabe des von dem Bischof von Įsrutis, Berentas, zusammengestellten erneuerten offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs Jß naujo pèrweizdetos ir pagérintos Giesmū–Knygos, die in Königsberg in der Druckerei von Johanno Friedrich Reusnner erschien (siehe Abb. 2)²³. Diese und die späteren Ausgaben erschienen unter der Aufsicht des bereits genannten Theologieprofessors der Universität Königsberg und Oberhofpredigers Kvantas. Dies ist das sogenannte Quandt–Behrendt-Gesangbuch. Grundlage dieser neuen Liedersammlung war die dritte Ausgabe des Gesangbuchs von Danielius Kleinas (1609–1666) Naujos Giesmių Knygos (Königsberg, 1666), die unter dem Titel Naujos pagérintos Giesmiū–Knygos (Königsberg, 1705) erschienen und von Friedrich Sigismund Schuster (1671–1750)²⁴ bearbeitet worden war. Das sogenannte Quandt–Behrendt-Gesangbuch erschien noch fünf weitere Male: ²1735, ³1738, ⁴1740, ⁵1745, ⁶1748 mal.

Dieses Gesangbuch setzte im Wesentlichen die in den früheren Gesangbüchern lebendige Tradition fort, die Verfasser der Lieder zu nennen; in ihm wurden jedoch die Übersetzer oder Autoren der neuen Texte, anders als ihre in früheren Jahrhunderten lebenden Vorgänger, nicht mit Nachnamen, sondern mit Kryptonymen angegeben. Der Grund für diese Unterscheidung wurde von Kvantas selbst im deutschen Vorwort des Gesangbuchs erklärt: Die Namen verstorbener Liederdichter und Übersetzer sollten nicht vergessen werden, während die Lebenden nicht der Versuchung des Hochmuts ausgesetzt werden sollten²⁵.

²² Ruigys 1986: 108.

²³ Gegenwärtig ist nur ein Exemplar der ersten Ausgabe (1732) dieses Gesangbuchs bekannt; es wird in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (dt. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz; SBB PK: En 9820) aufbewahrt (siehe Kaunas 1986: 269; LBP 18, Nr. 135).

²⁴ LB I 45, Nr. 135. Näheres zu diesem Gesangbuch siehe Michelini 2009: 97–131; 2010.

²⁵ Das einzige heute bekannte Exemplar der ersten Ausgabe (siehe Anm. 23) enthält kein Vorwort. Das früheste bekannte Vorwort von Kvantas findet sich in der zweiten Ausgabe; siehe Quandt 1735–12–01: [VII–VIII].

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Abbildung 2. G1732: Titelblatt; SBB PK: En 9820

Sowohl in der ersten als auch in den späteren Ausgaben sind die Lieder Ruigys mit dem Kryptonym „P. R. P. W.“ gekennzeichnet, d. h. lat. P[hilippus] R[uhigius], P[astor] W[alterkemensis] (lit. Pilypas Ruigys, Valtarkiemio kunigas [Pilypas Ruigys, Pfarrer von Valtarkiemis]) (siehe Abb. 3, 4), sodass sie leicht zu identifizieren sind. Aus diesen Kryptonymen geht hervor, dass in der Ausgabe von 1732 insgesamt 9 Lieder Ruigys veröffentlicht wurden. Es sei daran erinnert, dass die erste Ausgabe des sogenannten Quandt-Behrendt-Gesangbuchs aus einem Hauptteil (G1732 1–358, Nr. 1–301) und einem Anhang „APPENDIX arba Kittos naujos Giesmės ßwėžey pridėtos“ (G1732 359–408, Nr. 302–335) bestand. Lieder Ruigys finden sich in beiden Teilen des Gesangbuchs. Im Hauptteil stehen sechs seiner Lieder²⁶:

1) „Nun mit den Engelscharen“²⁷ (G1732 8–9, Nr. 10),

2) „Jesus, der Liebste, kam“ (G1732 13–14, Nr. 14),

²⁶ Hier und im Folgenden werden sie in der Reihenfolge aufgeführt, in der sie in dieser Gesangbuchausgabe angeordnet sind.

²⁷ In den verschiedenen Gesangbüchern variierte die Schreibweise der Titel der Lieder Ruigys (sie stimmten mit der ersten Liedzeile überein) etwas; daher werden sie hier und im Folgenden in der heutigen Schreibweise wiedergegeben. Wenn eine konkrete Gesangbuchausgabe zitiert wird, bleibt die authentische Schreibweise erhalten.

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Abbildung 3. G1732 199: Fragment des von Ruigys übersetzten Liedes „Jesu, meine Freude“ von Johann Franck („Jėzau, džiaugsmas mano“ [„Jesu, meine Freude“]); SBB PK: En 9820

3) „Jėzau, mano džiaugsmas“28 (G1732 199–200, Nr. 182) (siehe Abb. 3), 4) „Nesitūžyk taip, širde­le“ (G1732 204–206, Nr. 186), 5) „Ak, kaip galim svietą šį mylėti“ (G1732 343–344, Nr. 292), 6) „Ak, gražus dangau“ (G1732 356–357, Nr. 300). Im Anhang finden sich drei weitere Lieder Ruigys: 7) „Jėzus, mano mielasis“ (G1732 375–376, Nr. 314), 8) „Ką galiu aš, griešnas, veikti“ (G1732 381–382, Nr. 318), 9) „Dangaus saulelė mieliausi[a]“ (G1732 401–403, Nr. 330).

Durch diese Texte Ruigys wurde das Repertoire des offiziellen Gesangbuchs erweitert, indem mehrere thematische Liedgruppen ergänzt wurden. Die ersten beiden Lieder des Hauptteils wurden in den Abschnitt „Weihnachtslieder über die Geburt Christi

28 In späteren Ausgaben (spätestens ab der 1745 erschienenen fünften Ausgabe) wurde der Anfang dieses Liedes in „Jėzau, džiaugsmas mano“ geändert (Näheres hierzu siehe Abschnitt 4).

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über die Geburt Christi“ aufgenommen, zwei weitere in den Abschnitt „Lieder zur Erheiterung“, die übrigen beiden entsprechend in die Abschnitte „Lieder über den Karfreitag und die Auferstehung“ sowie „Lieder über die ewige Freude im Himmel“. Die im Anhang veröffentlichten Lieder gehören zu den folgenden drei thematischen Gruppen: „An Ostern“, „Lieder über das Bekenntnis der Sünden“, „Zur Abendzeit“.

Daher zwingen die Angaben der Primärquelle dazu, sowohl die in der Einleitung zitierte Aussage Biržiškas, Ruigys habe „dem neuen Quandt–Behrendt-Gesangbuch von 1732 12 Lieder geliefert“29, als auch die Angaben in den Enzyklopädien zu korrigieren.

Es sei daran erinnert, dass neben Ruigys auch der Bearbeiter selbst, Berentas, und mehrere weitere Geistliche Preußisch-Litauens zur Erweiterung des Repertoires dieses offiziellen Gesangbuchs beitrugen: der damalige Pfarrer von Jurbarkas, Petras Gotlybas Milkus, ein äußerst aktiver Helfer von Kvantas und Berentas, und sein Schwager, der Pfarrer von Papelkai, Adomas Frydrichas Šimelpenigis (Adam Friedrich Schimmelpfennig, 1699–1763), ferner der Pfarrer von Želva, Kristijonas Štimeris (Christian Stimer, Stimehr, 1676–1750), der Pfarrer von Klaipėda, Abraomas Dovydas Liuneburgas (Abraham David Lüneburg, 1670–1743), sowie der Pfarrer von Rusnė, Jonas Jokūbas Šperberis (Johann Jacob Sperber, 1679–1741). Aus den in G1732 angegebenen Kryptonymen geht hervor, dass Milkus in der ersten Ausgabe 19 Lieder, Berentas 18, Šimelpenigis 15 und Štimeris 4 Lieder veröffentlichte, während Liuneburgas und Šperberis jeweils eines beisteuerten. Außerdem wurden in G1732 8 Lieder bereits verstorbener Pfarrer aufgenommen: jeweils 3 von Jurgis Andrius Cezaris, dem Pfarrer von Katyčiai (Johannes Andreas Caesar, ca. 1650–1710), und Kristupas Polis, dem Pfarrer von Pilupėnai (Christoph Poll,?–1693), sowie 2 von Frydrichas Kristupas Rabė, dem Pfarrer von Narkyčiai (Friedrich Christoph Rabe, 1669–1720). In der ersten Ausgabe wurden insgesamt 335 Lieder veröffentlicht (siehe G1732); davon waren laut Michelini etwa achtzig neue Texte30. Unter quantitativen Gesichtspunkten war der Beitrag Ruigys (9 Lieder) in der Ausgabe von 1732 weder der größte noch der kleinste: Im Kontext der neuen Lieder machen seine Texte etwa 12% und am gesamten Gesangbuch 2,7% aus.

Bis zum Lebensende Ruigys (er starb am 6. April 1749 im Alter von 74 Jahren) wurden in den Ausgaben des offiziellen Gesangbuchs noch einige weitere seiner Lieder veröffentlicht (siehe weiter unten).

2.2. Nur drei Jahre nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe wurde 1735 in Königsberg die zweite Ausgabe gedruckt31. Diese Ausgabe wurde um 26 neue Gesänge ergänzt, die von zwei Pfarrern Preußisch-Litauens eingereicht worden waren: Fabijonas Ulrichas Glazeris (Fabian Ulrich Glaser, 1688–1747), der erstmals 18 Gesänge im offiziellen Gesangbuch veröffentlichte, und der bereits erwähnte Šimelpenigis, der weitere 8 neue Übersetzungen vorlegte. Die Zahl der Gesänge Ruigys blieb hingegen unverändert – veröffentlicht wurden dieselben 9 Gesänge, die bereits 1732 erschienen waren (siehe Tabelle 1 und Abb. 4). Der einzige Unterschied bestand darin, dass jene drei Gesänge, die in der ersten Ausgabe im Anhang „APPENDIX arba Kittos naujos Giesmės βwžėzey pridėtos“ enthalten waren, in der zweiten Ausgabe bereits in den Hauptteil des Gesangbuchs integriert wurden,

29 BržA II 21.

30 Michelini 2009: 104; vgl. auch die neuesten Texte der Ausgabe von 1732, die zusammen mit den deutschen Originalen und Kommentaren veröffentlicht wurden: Michelini 2010: 67–209.

31 Gegenwärtig ist nur ein Exemplar der zweiten Ausgabe (1735) bekannt; es wird in der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik (tschech. Národní knihovna České republiky; NK ČR: 33 K 139) in Prag aufbewahrt. Näheres zu dieser als verschollen geltenden Ausgabe und zu ihrem kürzlich aufgefundenen Exemplar siehe Triškaitė 2020: 33–82.

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Abbildung 4. G1735 394: Fragment von Ruigys Übersetzung des Gesangs „Schöner Himmelssaal“ von Simon Dach („Ak, gražus dangau“ [„Ach, schöner Himmel“]); NK ČR: 33 K 139

in die entsprechende thematische Gesangsgruppe (wie übrigens auch alle anderen in diesem Anhang veröffentlichten Gesänge): Der Gesang „Jėzus, mano mielasis“ (G1732 375–376, Nr. 314 [App.]) gelangte in den Abschnitt „Gesänge zu Ostern“ (G1735 66–67, Nr. 66), „Ką galiu aš, griešnas, veikti“ (G1732 381–382, Nr. 318 [App.]) in den Abschnitt „Über die Beichte oder das Sündenbekenntnis“ (G1735 141, Nr. 133), und „Dangaus saulelė mieliausi[a]“ (G1732 401–403, Nr. 330 [App.]) in den Abschnitt „Abends zu singende Gesänge“ (G1735 321–322, Nr. 273).

2.3. Angaben zu Ruigys Gesängen in der dritten (1738) und vierten (1740) Ausgabe des sogenannten Kvanto-Berento-Gesangbuchs liegen bislang nicht vor, da gegenwärtig kein erhaltenes Exemplar bekannt ist32. Solange keine Exemplare dieser Ausgaben gefunden worden sind, lässt sich nicht genau sagen,

32 Diese beiden Gesangbuchausgaben sind in der litauischen Bibliografie aufgrund von Quants Vorworten in späteren Ausgaben sowie älteren Bibliografien von Karolis Estreicheris, Silvestras Baltramaitis und Vaclovas Biržiška verzeichnet (LB I 46, Nr. 137–138; Quandt 1745–05–01: [IV]; Quandt 1748–03–01: [V]; Quandt 1757–09–04: 3r; Estreicher 1903: 97; siehe auch Estreicher 1899: 139; Baltramaitis 1904: 14, Nr. 87, 89; Biržiška 1924: Sp. 55, Nr. 158, 161).

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wann und wie viele neue Gesänge Ruigys in das offizielle Gesangbuch aufgenommen wurden. Die erhaltenen Primärquellen (d. h. Gesangbücher) und die Zeugnisse einiger Zeitgenossen (z. B. Quandts und Ostermejeris) erlauben, folgende quantitative Entwicklung des offiziellen Gesangbuchs zu rekonstruieren: G1732 veröffentlichte 335 Gesänge, G1735 – 360, G1738 – [360], G1740 – [400], G1745 – 409, 1748 – 417³³. Da die Gesamtzahl der Gesänge in der zweiten (1735) und dritten (1738) Ausgabe übereinstimmt, ist anzunehmen, dass neue Gesänge Ruigys erst ab der vierten Ausgabe (1740) in das Gesangbuch aufgenommen worden sein konnten.

2.4. Bislang lässt sich zuverlässig nur feststellen, dass in der bis heute erhaltenen fünften Ausgabe³⁴, die 1745 in Königsberg erschien, bereits drei neue Gesänge Ruigys (d. h. in den Ausgaben von 1732 und 1735 nicht veröffentlichte) hinzugefügt worden waren:

10) „Dvasia Dievo tu šventoji“ (G1745 86–88, Nr. 96), 11) „Pabusk dabar, dušele“ (G1745 110, Nr. 120), 12) „Lašelis vynuogėlių“ (G1745 411–412, Nr. 398) (vgl. Tabelle 1).

Mit anderen Worten: Von 1735 (wahrscheinlich jedoch ab 1740) bis 1745, d. h. von der zweiten (höchstwahrscheinlich von der vierten) bis zur fünften Ausgabe, wurde das sogenannte Kvanto-Berento-Gesangbuch um drei weitere Gesänge Ruigys ergänzt. Diese Texte erweiterten jeweils drei thematische Gesangsgruppen des offiziellen Gesangbuchs: „Über den Heiligen Geist“, „Über den heiligen Tag“, „Über die ewige Freude des Himmels“. Diese drei Gesänge finden sich auch in der sechsten Ausgabe (siehe G1748 86–88, Nr. 96; G1748 110, Nr. 120; G1748 411–412, Nr. 398 und Tabelle 1)³⁵. Somit war die Zahl der Gesänge Ruigys im offiziellen Gesangbuch bis zur Mitte des XVIII. Jahrhunderts, genauer: im fünften Jahrzehnt, auf 12 angewachsen.

2.5. Bei der Herausgabe neuer Ausgaben des offiziellen Gesangbuchs und beim Wechsel der Herausgeber und Redakteure wurden Ruigys Gesänge weiterhin in neue Bearbeitungen und Ausgaben dieser Gesangssammlung aufgenommen. Biržiška behauptete: „Alle diese wiederholte auch Šimelpenigis in seinem Gesangbuch“³⁶.

Die Analyse des Repertoires des offiziellen Gesangbuchs belegt, dass sowohl in den Bearbeitungen von Adomas Frydrichas Šimelpenigis und Karolis Gotardas Keberis (Karl Gotthard Keber, 1756–1835) als auch in der von Frydrichas Kuršaitis (Friedrich Kurschat, 1806–1884)³⁷ beständig 12 Gesänge Ruigys veröffentlicht wurden (siehe,

³³ Siehe Triškaitė 2020: 61. ³⁴ Von der fünften Ausgabe (1745) ist nur ein Exemplar bekannt; es wird in der Bibliothek der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg (ЛБ 1044) aufbewahrt (LB I 46–47, Nr. 139) und ist nicht zugänglich. Dennoch konnte diese Ausgabe mithilfe ihres Mikrofilms, der in der Litauischen Nationalbibliothek Martynas Mažvydas aufbewahrt wird (LNB: MF 67–69), in die Analyse einbezogen werden. ³⁵ Gegenwärtig sind zwei Exemplare der sechsten Ausgabe (1748) bekannt: Eines wird in der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SBB PK: En 9822) aufbewahrt (LBP 18, Nr. 140), das andere, unvollständige, in der Bibliothek der Universität Vilnius (VUB: Lᵣ 810/1) (LB I 47, Nr. 140). ³⁶ BržA II 21. ³⁷ Näheres zu den sogenannten Gesangbüchern von Šimelpenigis, Keberis und Kuršaitis siehe jeweils Michelini 2009: 132–153, 181–184, 185–194. Zur Entstehung und Sprache der Gesangbücher Keberis siehe außerdem Kabašinskaitė 2001: 13–54.

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beispielsweise G[1752]38, G175739 und Tabelle 1). Alle diese Gesänge Ruigys wurden auch in das 1936 von der evangelischen Konsistorie des Memellandes herausgegebene Gesangbuch Pagerintos giesmių knygos übernommen – die letzte Ausgabe des offiziellen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs Preußisch-Litauens vor dem Zweiten Weltkrieg (siehe G1936 und vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1. Ruigys Gesänge und ihre Rezeption in den Ausgaben des offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs vom XVIII. bis zur ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts

Nr. | Titel der von Ruigys veröffentlichten Gesänge (Anzahl der Strophen) | G1732 Gesangsnummer, Seite | G1735 Gesangsnummer, Seite | G1745, G1748 Gesangsnummer, Seite | G[1752], G1757 Gesangsnummer, Seite | G1832 Gesangsnummer, Seite | G1877, G1936 Gesangsnummer, Seite 1. | „Dabar su angelų pulku“ (4 Str.) | Nr. 10, S. 8–9 | Nr. 13, S. 11–12 | Nr. 15, S. 12–13 | Nr. 15, S. 12–13 | Nr. 15, S. 14–15 | Nr. 15, S. 12–13 2. | „Jėzus miels atėjo“ (4 Str.) | Nr. 14, S. 13–14 | Nr. 17, S. 16 | Nr. 19, S. 16–17 | Nr. 19, S. 16–17 | Nr. 19, S. 16ᶜ | Nr. 19, S. 16–17 3. | „Dvasia Dievo tu šventoji“ (13 Str.) | – | – | Nr. 96, S. 86–88 | Nr. 96, S. 86–88 | Nr. 96, S. 91–93 | Nr. 96, S. 86–88⁴⁰ 4. | „Pabusk dabar, dušele“ (7 Str.) | – | – | Nr. 120, S. 110 | Nr. 120, S. 110 | Nr. 120, S. 119–120 | Nr. 120, S. 110⁴¹ 5. | „Jėzau, džiaugsmas mano“⁴² (6 Str.) | Nr. 182, S. 199–200 | Nr. 206, S. 229–230 | Nr. 248, S. 252–253 | Nr. 248, S. 252–253 | Nr. 248, S. 288–289 | Nr. 248, S. 252–253⁴³ 6. | „Nesitužyk taip, širdele“ (12 Str.) | Nr. 186, S. 204–206 | Nr. 212, S. 237–239 | Nr. 256, S. 260–262 | Nr. 256, S. 260–262⁴⁴ | Nr. 256, S. 298–300 | Nr. 256, S. 260–262 7. | „Ak, kaip galim svietą šį mylėti“ (8 Str.) | Nr. 292, S. 343–344 | Nr. 324, S. 381–382 | Nr. 387, S. 398 | Nr. 387, S. 398 | Nr. 387, S. 364–465 | Nr. 387, S. 398 8. | „Ak, gražus dangau“ (9 Str.) | Nr. 300, S. 356–357 | Nr. 332, S. 394–395 | Nr. 395, S. 408–409 | Nr. 394, S. 406–407 | Nr. 394, S. 475–476 | Nr. 394, S. 406–407⁴⁵

38 Der Beitrag stützt sich auf das im Institut für Litauische Literatur und Folklore aufbewahrte Gesangbuchexemplar, das ohne Titelblatt erhalten ist (LLTIB: B 1956). Quants Vorwort ist auf den 4. September 1752 datiert; auf dem Titelblatt des zusammen mit dem Gesangbuch gebundenen Gebetbuchs ist 1753 angegeben. Im neunten, d. h. 1757 erschienenen, Gesangbuch belegt Quants Vorwort, dass die vorherige, d. h. achte Ausgabe, 1752 erschienen war (Quandt 1757–09–04: 3r). 39 Von der Ausgabe von 1757 ist nur ein Exemplar bekannt, das in der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg aufbewahrt wird (LB I 386–387, Nr. 1099). Für diese Ausgabe konnte ihr Mikrofilm herangezogen werden, der in der Wroblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird (LMAVB: Mf 391). 40 Der Gesang wurde auch in G2007 (176–177, Nr. 119, 6 Str.) übernommen. 41 Unter dem redigierten Titel „Pabusk, manoji siela“ wurde der Gesang in G2007 (237–238, Nr. 165, 5 Str.) übernommen. 42 G1732, G1735: „Jėzau, mano džiaugsmas“. 43 Unter dem redigierten Titel „Jėzau, versme džiaugsmo“ wurde der Gesang in G2007 (415–416, Nr. 310, 4 Str.) übernommen. 44 In G1757 steht „162“ statt „262“. 45 Unter dem leicht redigierten Titel „O, gražus dangau“ wurde der Gesang in G2007 (752–753, Nr. 566, 9 Str.) übernommen.

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9. „Lašelis vynuogelių“ (10 Str.) – – Nr. 398, S. 411–412 Nr. 387⁴⁶, S. 409–410 Nr. 397, S. 479–480 Nr. 397, S. 409–410⁴⁷ 10. „Jėzus, mano mielasis“ (10 Str.) Nr. 314, S. 375–376 [App.] Nr. 66, S. 66–67 Nr. 77, S. 70–71 Nr. 77⁴⁸, S. 70–71 Nr. 77, S. 71–73 Nr. 77, S. 70–71⁴⁹ 11. „Ką galiu aš, griešnas, veikti“ (7 Str.) Nr. 318, S. 381–382 [App.] Nr. 133, S. 141 Nr. 156, S. 148–149 Nr. 156, S. 148–149 Nr. 156, S. 165–166 Nr. 156, S. 148–149⁵⁰ 12. „Dangaus saulelė mieliausi[a]“ (9 Str.) Nr. 330, S. 401–403 [App.] Nr. 273, S. 321–322 Nr. 321, S. 333–334 Nr. 321, S. 333–334 Nr. 321, S. 386–387 Nr. 321, S. 333–334⁵¹

2.6. Es sei außerdem erwähnt, dass Ruigys Gesänge nicht nur im offiziellen Gesangbuch veröffentlicht wurden. So hatte der bereits erwähnte Pfarrer von Trempen, Ostermejeris, obwohl er Ruigys schöpferisches Talent kritisch beurteilte⁵², Gesänge von ihm in das von ihm zusammengestellte Gesangbuch Giesmės Šventos Bažnyčioje ir Namėję giedojamos (Königsberg, 1781)⁵³ aufgenommen. Die genaue Zahl lässt sich allerdings nicht angeben, da bislang kein Exemplar von Ostermejeris Gesangbuch gefunden wurde; aus der Formulierung in seinem Werk Erste Littauische Liedergeschichte geht jedoch eindeutig hervor, dass es mindestens zwei⁵⁴, wahrscheinlich aber mehr waren.

Alle 12 Gesänge Ruigys veröffentlichte der Kantor von Pillkallen, Kristijonas Gotlybas Milkus (Christian Gottlieb Mielcke, 1733–1807), in seinem Gesangbuch Senos ir naujos krikščioniškos Giesmės (Königsberg, 1806)⁵⁵, das er aus eigener Initiative als neue Gesangssammlung zusammenstellte und damit Ostermejeris in Fragen der Prinzipien der Gesangredaktion entgegentrat (siehe MG1806 12–13, Nr. 14; 16–17, Nr. 18; 72–73, Nr. 75; 87–89, Nr. 90; 109–110, Nr. 110; 146–147, Nr. 144; 254–255, Nr. 226; 264–266, Nr. 234; 334–336, Nr. 288; 395–396, Nr. 344; 400–401, Nr. 348; 403–405, Nr. 351).

Interessant ist, dass ein Gesang Ruigys auch für die Pietisten attraktiv war: Inga Strungytė-Liugienė, die das Schrifttum dieser religiösen Gemeinschaft erforscht, hat festgestellt, dass der von Ruigys übersetzte Gesang „Jėzau, džiaugsmas mano“ (← Johann Franck, „Jesu meine Freude“) ohne Angabe des Übersetzers in dem von Kristijonas Endrikis Mertikaitis zusammengestellten Gesangbuch veröffentlicht wurde

46 In G[1752] steht „Nr. 387“ statt „Nr. 397“. 47 Der Gesang wurde in G2007 (720–722, Nr. 542, 8 Str.) übernommen. 48 In G1757 steht „Nr. 57“ statt „Nr. 77“. 49 Der Gesang wurde in G2007 (144–145, Nr. 95, 9 Str.) übernommen. 50 Unter dem redigierten Titel „Ką galiu aš, kaltas, veikti“ wurde er in G2007 (604, Nr. 458, 7 Str.) übernommen. 51 Unter dem redigierten Titel „Dangui saulelė mieliausia“ wurde er in G2007 (581–582, Nr. 440, 4 Str.) übernommen. 52 Oster meyer 1793: 124–128; Ostermejeris 1996: 361–363. 53 Diesen Titel des vermutlich nicht erhaltenen Gesangbuchs nennt sein Herausgeber Ostermejeris selbst (Ostermeyer 1793: 153). Näheres zu Ostermejeris Gesangbuch siehe Michelini 2009: 154–166. 54 Vgl.: „Wer es indeffen wiſſen will, darf die beyden Lieder nur in meinem Gefangbuch nachfehen und mit dem alten Auffatʒ vergleichen“ (Ostermeyer 1793: 128; „Kas vis dėlto norėtų sužinoti daugiau, tepažiūri abi giesmes mano giesmyne ir tepal ygina jas su senąja redakcija“ (Ostermejeris 1996: 363)). 55 Näheres zu Milkųs Gesangbuch siehe Michelini 2009: 166–180.

Visokios naujos giesmės arba evangeliški psalmai (Tilsit, 11817; siehe MerG1825 252–254, Nr. 123), wobei zu beachten ist, dass es sich um eine Variante von Ruigys Übersetzung handelt, ergänzt um 7 Strophen56.

Obwohl die seit der Mitte des XX. Jahrhunderts in Litauen verwendeten und bis heute in Gebrauch befindlichen evangelisch-lutherischen Gesangbücher nicht unmittelbarer Gegenstand dieser Untersuchung sind, ist dennoch wichtig zu erwähnen, dass Gesänge Ruigys auch im heutigen evangelisch-lutherischen Gesangbuch Krikščioniškos giesmės (2007) enthalten sind, das vom Konsistorium der Evangelisch-Lutherischen Kirche Litauens herausgegeben wurde. Hier sind es jedoch bereits ein Drittel weniger – 8 (siehe G2007 und die Anmerkungen zu Tabelle 1); außerdem sind sie hier stark redigiert (zum Charakter der Redaktion siehe Kap. 4).

3. DIE AUTORSCHAFT DER GESÄNGE RUIGYS

Von den 12 Gesängen Ruigys, die im offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuch Preußisch-Litauens veröffentlicht wurden, sind 11 Übersetzungen, während ein Gesang – der Pfingstgesang „Dvasia Dievo tu šventoji“ – ein von Ruigys selbst verfasstes Originalwerk ist. Dies behauptete bereits Ostermejeris, der die erste Geschichte litauischer Gesangbücher veröffentlichte, Erste Littauische Liedergeschichte (das Zitat siehe in der Einleitung)57. Ruigys Originalgesang wurde erstmals spätestens 1745, d. h. in der fünften Gesangbuchausgabe, veröffentlicht (siehe Kap. 2).

Die Autoren der 11 von Ruigys übersetzten deutschen Gesänge waren bekannte Schöpfer der Barockzeit: Heinrich Albert (1604–1651), Simon Dach (1605–1659), Johann Flittner (1618–1678), Erasmus Finx (Francisci, 1627–1694), Johann Franck (1618–1677), Paul Gerhardt (1607–1676), Peter (von) Hagen (Petrus Hagius, 1569–1620), die brandenburgische Herzogin Louise Henriette (1627–1667), Michael Schernack (1622–1675), Christian Scriver (1629–1693) (siehe Tabelle 2). Unter diesen Schöpfern des XVI.–XVII. Jahrhunderts befinden sich zwei als Klassiker der Barockzeit bezeichnete Autoren – Dach und Gerhardt. Drei von zehn – Albert, Dach und Hagen – gehören zum Kreis der Königsberger Gesangdichter58. In Königsberg, vermutlich durch Dachs Anregung, interessierte sich auch der damalige Student der Rechtswissenschaften an der dortigen Universität, Franck, für religiöse Dichtung; nach dem Studium kehrte er in seine Heimat zurück59.

Ruigys übersetzte zwei Gesänge Alberts und von allen übrigen Autoren jeweils einen. Darunter befindet sich Dachs äußerst populärer Gesang „Schöner Himmelssaal“60. Ruigys war offenbar der Erste, der ins Litauische

56 Strungytė–Liugienė 2014: 38, 130.

57 Ostermeyer 1793: 125; Ostermejeris 1996: 362.

58 Der aus Thüringen stammende Albert studierte an den Universitäten Leipzig und Königsberg und diente ab 1631 für den Rest seines Lebens als Organist am Königsberger Dom (Näheres siehe Koch 1973 [1867]b: 191–197); 6 seiner Gesänge wurden ins Litauische übersetzt (Michelini 2009: 276). Der in Klaipėda geborene Dach studierte Theologie und Philosophie an der Universität Königsberg, lehrte dort anschließend Poetik, wurde zum Rektor gewählt, verfasste zahlreiche weltliche Gedichte und Gesänge, ist der Autor des bekannten Werkes „Anke von Tharau“ und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Barockliteratur (Näheres siehe Koch 1973 [1867]b: 182–191); 27 seiner Gesänge wurden ins Litauische übersetzt (Michelini 2009: 279–280). Hagen wurde in Preußen geboren und war fast zwei Jahrzehnte lang Rektor der Domschule Königsberg (Näheres siehe Koch 1973 [1867]a: 275–276); 9 seiner Gesänge wurden ins Litauische übersetzt (Michelini 2009: 287).

59 Näheres zu Franck siehe Koch 1973 [1867]b: 378–385; außerdem Michelini 2009: 282.

60 Zur Rezeption der Gesänge Dachs in litauischen Gesangbüchern des XVIII. Jahrhunderts, insbesondere in der von Kristijonas Gotlybas Milkus vorbereiteten Gesangsammlung, siehe Sidabraitė 2008: 397–409.

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die Gesänge von Flittner und Scriver ins Litauische übersetzte61. Bei der Übersetzung der Gesänge bewahrte er die ursprüngliche Struktur, d. h. er kürzte die Übersetzungen nicht (siehe Tabelle 2)62.

Tabelle 2. Gesänge Philipp Ruigys, die in den evangelisch-lutherischen Gesangbüchern Preußisch-Litauens vom XVIII. bis zur ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts veröffentlicht wurden

Titel der Gesänge Ruigys (Anzahl der Strophen)

Titel der deutschen Originale der von Ruigys übersetzten Gesänge (Anzahl der Strophen)

Autoren der Gesänge

„Ak, gražus dangau“ (9 str.) ← „Schöner Himmelssaal“ (9 str.)63 Simon Dach (1605–1659)

„Ak, kaip galim svietą šį mylėti“ (8 str.) ← „O wie mögen wir doch unser Leben“ (8 str.)64 Heinrich Alberti (1604–1651)

„Dabar su angelų pulku“ (4 str.) ← „Nun laßt uns mit den Engelein“ (4 str.)65 Peter (von) Hagen (1569–1620)

„Dangaus saulė mieliausi[a]“ (9 str.) ← „Der lieben Sonnen Licht und Pracht“ (9 str.)66 Christian Scriver (1629–1693)

„Dvasia Dievo tu šventoji“ (13 Str.) – Pilypas Ruigys (1675–1749)

„Jėzau, džiaugsmas mano“ (G1732, G1735: „Jėzau, mano džiaugsmas“) (6 Str.) ← „Jesu, meine Freude“ (6 Str.)67 Johann Franck (1618–1677)

„Jėzus, mano mielasis“ (10 str.) ← „Jesus, meine Zuversicht“ (10 str.)68 Louise Henriette von Brandenburg (1627–1667)

„Jėzus mielas atėjo“ (4 str.) ← „Unser Heil ist kommen“ (4 str.)69 Heinrich Alberti

61 Žr. Michelini 2009: 282, 301.

62 Zur Bestimmung der Autoren der deutschen Originale und der Zahl der Strophen wurde Alberto Friedricho Wilhelmo Fischerio Werk Kirchenlieder-Lexicon (Bd. I–II, 1878, 1879) herangezogen; außerdem wurde das heutige evangelisch-lutherische Gesangbuch Krikščioniškos giesmės (2007) konsultiert, in dem bei den Gesängen die Autoren von Text und Melodie sowie die Übersetzer angegeben sind; ferner wurden die Forschungen Guido Michelinis (2009; 2010) berücksichtigt. Drei von Ruigys übersetzte Gesänge – Alberts „Unser Heil ist kommen“, Dachs „Schöner Himmelssaal“ und Hagens „Nun laßt uns mit den Engelein“ – werden in Fischers Werk nicht erwähnt; zur Autorschaft siehe Koch 1973 [1867]a; 1973 [1867]b; außerdem Michelini 2010: 225–226.

63 Koch 1973 [1867]b: 190.

64 Fischer 1879: 216.

65 Koch 1973 [1867]a: 276; 1973 [1867]b: 257; Wackernagel 1990 [1870]: 333.

66 Fischer 1878: 111.

67 Fischer 1878: 378–379.

68 Fischer 1878: 390–396.

69 Koch 1973 [1867]b: 196, 278.

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„Ką galiu aš, griešnas, veikti“ (7 Str.)

← „Ach was soll ich Sünder machen“ (7 str.)⁷⁰

Johann Flittner (1618–1678)

„Lašelis vynuogelių“ (10 Str.)

← „Ein Tröpflein von den Erasmus Finx Reben“ (10 str.)⁷¹

Erasmus Finx (Francisci, 1627–1694)

„Nesitūžyk taip, širde­le“ (12 Str.)

← „Weg, mein Herz, mit den Gedanken“ (12 str.)⁷²

Paul Gerhardt (1607–1676)

„Pabusk dabar, dušele“ (7 Str.)

← „Wohl auf, Herz und Gemüte“ (7 str.)⁷³

Michael Schernack (1622–1675)

4. TENDENZEN DER BEARBEITUNG DER GESÄNGE RUIGYS

4.1. Die Gesänge Ruigys wurden bereits vor 1732 redigiert, als sie erstmals in der ersten Ausgabe des Kvanto-Berento-Gesangbuchs veröffentlicht wurden. Bis an die Schwelle des Zweiten Weltkriegs unverändert blieb lediglich die Struktur der Gesänge Ruigys, d. h. die Zahl der Strophen (vgl. G1732 und G1936).

Ostermejeris zufolge empörte sich Ruigys darüber, dass der Anfang seines übersetzten Gesangs „Jėzau, džiaugsmas mano“ verdorben worden sei: In den ersten Ausgaben des Kvanto-Berento-Gesangbuchs war „Jėzau, mano džiaugsmas, ir širdies penukšlas“ gedruckt worden; deshalb beschuldigte der Übersetzer den Herausgeber des Gesangbuchs, Berent, und dessen Helfer Milkus⁷⁴. Tatsächlich findet sich sowohl in der ersten als auch in der zweiten Ausgabe folgende Übersetzung: „IEzau mano Džiaugimas, ir Sȝirdies Penukšlas“ (G1732 199, Nr. 182; G1735 229, Nr. 206). Es ist anzunehmen, dass bei der Bearbeitung des Textes dieses Gesangs die Übersetzung dem deutschen Original angenähert wurde: Der von Franck verfasste Gesang, der erstmals 1653 in Johann Crügers Gesangbuch Praxis pietatis melica erschien, beginnt mit den Worten „IEßu meine freude / Meines hertẓens weyde“. Später wurde diese Stelle korrigiert, vermutlich so, wie Ruigys sie ursprünglich übersetzt hatte. Die Korrektur ist in der fünften Ausgabe des Kvanto-Berento-Gesangbuchs zu erkennen: „Jėzau Džiaugsmas mano, kurs man Sȝirdį gano“ (G1745 252, Nr. 248). Diese Übersetzungsfassung gelangte auch bis in die vierte Dekade des XX. Jahrhunderts: „Jėzau, Džiaugsmаs mano, kurs man Sȝirdį gano“ (G1936 252, Nr. 248).

Es sei erwähnt, dass Ostermejeris in seiner Geschichte der litauischen Gesangbücher nahezu alle Gesänge Ruigys beanstandete: „Jėzus, mano mielasis“, „Dvasia Dievo tu šventoji“, „Pabusk dabar, dušele“, „Nesitūžyk taip, širdele“, „Dangaus saulele mieliausia“, „Ak, kaip galim svietą šį mylėti“, „Ak, gražus dangau“, „Lašelis vynuogelių“⁷⁵. Da Ostermejeris das wertvollste Werk Ruigys in dessen lexikografischer Arbeit – einem zweisprachigen Wörterbuch – sah, beurteilte er dessen schöpferisches Talent und Übersetzungen kritisch und erklärte, seine „Poesie ist nicht rein, vielmehr steif und holprig; dasselbe gilt auch für den Originalgesang“⁷⁶. Angesichts dieser kritischen Bewertung ist anzunehmen,

⁷⁰ Fischer 1878: 26–27.

⁷¹ Fischer 1878: 162–163.

⁷² Fischer 1879: 340.

⁷³ Fischer 1879: 406.

⁷⁴ Näheres siehe Ostermeyer 1793: 112–113; Ostermejeris 1999: 356–357.

⁷⁵ Zur Bewertung der Gesänge Ruigys siehe Ostermeyer 1793: 124–128; Ostermejeris 1999: 361–363.

⁷⁶ Ostermeyer 1793: 260; Ostermejeris 1996: 421.

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dass er bei der Aufnahme der Gesänge Ruigys in sein eigenes Gesangbuch Giesmes βwentos Bažnyczioje ir Namej’ giedojamos diese ebenfalls mehr oder weniger redigierte.

4.2. Die vergleichende Analyse der in den Ausgaben von 1732 und 1735 veröffentlichten Gesänge Ruigys belegt, dass ihre Bearbeitung im Wesentlichen sprachlicher Art ist. Die in diesen Gesängen erkennbaren Korrekturen entsprechen den allgemeinen Tendenzen der Textredaktion in G1735⁷⁷.

Am häufigsten finden sich orthografische Korrekturen. So wird das in Kleins litauischer Grammatik Grammatica Litvanica (Königsberg, 1653) eingeführte diakritische Zeichen <č> zur Bezeichnung der weichen Affrikate [č’]⁷⁸, das in G1732 konsequent verwendet wurde, in dem drei Jahre später erschienenen G1735 beharrlich durch das Digraphenzeichen <cз> ersetzt, wobei zugleich auf das die Palatalisierung bezeichnende <i> verzichtet wird, d. h. [č’] <č> → <cз>, z. B.: fėdinčiamui G1732 8 → fėdinčzamui G1735 11; krikβčioniβkay G1732 14 → krikβczoniβkay G1735 16; ne kenčiu G1732 199 → ne kenczu G1735 230; tačiau G1732 204, 205 → taczau G1735 238; mylėčiau G1732 206 → myleczau G1735 239; βiós G1732 376 → G1735 βós 67.

Anstelle von <з> wird zur Bezeichnung der Konsonanten [ž] und [ž’] systematisch das diakritische Zeichen <ž> verwendet, d. h. [ž] und [ž’] <з> → <ž>, z. B.: Žmones G1732 8 → Žmones G1735 11; Žémės G1732 199 → Žémės G1735 230; Žodij’ G1732 204 → Žodij’ G1735 237. Allerdings kam dieses Zeichen gelegentlich bereits in G1732 vor.

Auch die Schreibweise der Affrikate [dž] wurde geändert, d. h. <dз> → <dž>, z. B.: fyndžufi G1732 401 → fyndžufi G1735 321; paffidžaugdama G1732 401 → paffidžaugdama G1735 321; faldžey G1732 357 → faldžey G1735 395.

Der Vokal [eː] wird zunehmend durch das von Klein geschaffene Zeichen <ė> wiedergegeben, d. h. [eː] <e> → <ė>, z. B.: tewiβkay G1732 199 → tewiβkay G1735 230; tyleti G1732 199 → tylėti G1735 230; paƒleptas G1732 343 → paƒlēptas G1735 382.

Die Schreibweise einiger morphologischer Formen wurde korrigiert. So wurde die Schreibweise der Endung der 3. Person des Modus des Gesangs nach dem Konsonanten <j> geändert: te ƒmarkauje G1732 199 → te ƒmarkauja G1735 230; te ruƒtauje G1732 199 → te ruƒtūja G1735 230. Ebenso wurde die Schreibweise der mit dem Suffix -ant gebildeten Partizipien Präsens nach demselben Konsonanten geändert: ƒaugojent G1732 199 → ƒaug ojant G1735 229; lojent G1732 199 → lojant G1735 229.

Der Akut wird zunehmend verwendet; er bezeichnete nicht nur eine breitere, längere Aussprache der Vokale⁷⁹, sondern auch die betonte Silbe, und wenn er auf Diphthongen und gemischten Diphthongen stand, bezeichnete er zugleich den fallenden Tonakzent, z. B.: gelbti G1732 8 → gélbti G1735 11; Meilės G1732 199 → Meílės G1735 230; gers G1732 204 → gę́rs G1735 237; galim G1732 343 → gálim G1735 381; Pakajaus ‘ramybės’ G1732 402 → Pakājaus G1735 321; ten G1732 357 → tén G1735 395.

Phonetische Korrekturen finden sich nur vereinzelt. In der Regel werden Fälle der Vermischung von [eː] und [ie] sowie [oː] und [uo] korrigiert, die durch die für die westhochlitauischen Mundarten Preußisch-Litauens charakteristische ähnliche Aussprache dieser Laute entstanden waren

⁷⁷ Ausführlicher zu den Tendenzen der Bearbeitung der in der Ausgabe von 1735 veröffentlichten Gesänge siehe Triškaitė 2020: 62–67.

⁷⁸ Žr. Klein 1653: 4–5.

⁷⁹ Žr. Klein 1653: 2.

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der betreffenden Laute, mit anderen Worten durch die Diphthongierung von [eː], [oː] und die Monophthongierung von [ie], [uo], z. B.: apgiedints G1732 382 → apgiedints G1735 141; Liėpna G1732 205 → Liėpna G1735 239; nekaddõs G1732 205 → niekaddõs G1735 239; Waldūnui ‘valdovui’ „dem Herrscher“ G1732 9 → Waldonui G1735 12.

Korrekturen auf der Ebene der Morphologie kommen vor. So wird etwa die Endung des Inessivs Plural der Nomina korrigiert, z. B.: Iness. Pl. m. Elgimūfa G1732 8 → Elgimūfe G1735 11; Wargūfa G1732 8 → Wargūfe G1735 11. Diese Richtung der Korrekturen wurde vermutlich durch die in Kleins Grammatik festgelegte Regel angeregt, dass in den Formen des Inessivs Plural des Femininums –sa, im Maskulinum dagegen – –se geschrieben wird⁸⁰. Ebenfalls erwähnenswert ist die Ersetzung des Präfixes pavedinys durch suvedinys: paffigriebijom „wir haben gesündigt“ G1732 205 → fu̇ffigriebijom G1735 239. Allerdings kann diese Korrektur auch mit stilistischen Motiven zusammenhängen. Zu dieser Art von Korrekturen gehört vermutlich auch die Änderung der Adverbform, bei der auf das untypisch hinzugefügte Partikelchen g(i) verzichtet wurde: Dėl’ to G1732 8, 9 → Dėl to G1735 11, 12.

Mehrmals wurde die Lexik geändert: ô G1732 8, 381 → ir G1735 11, 141; Márȯfe G1732 205 → Iurȯfe G1735 239; Patėba G1732 356 → Pagalba G1735 394.

Die verbliebenen Korrekturfehler in G1732 wurden berichtigt, z. B.: Skanũmmo G1732 206 → Skanũmmo G1735 239; Ėkiti G1732 199 → Ėkiti G1735 230. Zu den Druckfehlern gehören vermutlich auch folgende Fälle: Akk. Sg. f. Karaly̆te G1732 344 → Karaly̆te G1735 382; Ranką G1732 375 → Ranką G1735 66; Naktì G1732 403 → Naktì G1735 322; Akk. Sg. m. Iẽžų G1732 401 → Iẽžų G1735 321.

4.3. Von der dritten (1738) und vierten (1740) Ausgabe des Quandt-Behrendt-Gesangbuchs ist, wie erwähnt, derzeit kein einziges erhaltenes Exemplar bekannt; daher liegen keine Angaben dazu vor, wie Ruigys’ Lieder darin redigiert wurden oder ob sie überhaupt redigiert wurden.

4.4. Neue Redaktionstendenzen spiegeln die Ruigyschen Kirchenlieder in der fünften (1745) Ausgabe des Quandt-Behrendt-Gesangbuchs wider. Zunächst ist hervorzuheben, dass regelmäßige gegenläufige Korrekturen gegenüber der zweiten Ausgabe festgestellt wurden. So wurde die zweibuchstabige Affrikate <dž> → <dž> geschrieben, z. B.: Džaugfmas G1732 199, G1735 229 → Džaugfmas G1745 252; Džaugfmui G1732 200, G1735 230 → Džaugfmui G1745 252; Džaugfma G1732 205, G1735 238 → Džaugfma G1745 261; ne geidžiu G1732 204, ne geidžiu G1735 238 → ne geidžiu G1745 261; Kerdžus ‘Hirte’ G1732 204, G1735 238 → Kerdžus G1745 261; atleidž G1732 205, atleidž G1735 238 → atleidž G1745 261; Sudžia ‘Richter’ G1732 343, Sudža G1735 382 → Sudža G1745 398; glaudžey G1732 375, G1735 66 → glaudžey G1745 71; didžų G1732 403, G1735 322 → didžų G1745 334. Dieselbe Tendenz bleibt auch in anderen ähnlichen Fällen erhalten, z. B.: Sźlowės G1732 375, G1735 66 → Sźlowės G1745 71; Grožybe G1732 401, G1735 321 → Grozybe G1745 333.

Bei der Verwendung des Akuts gibt es Schwankungen. Einerseits werden in G1745 die in G1735 sichtbaren Bemühungen fortgesetzt, dieses Diakritikum zu setzen, das gewöhnlich eine breitere, längere Aussprache dieser Vokale oder eine betonte Silbe und zugleich die fallende Intonation bezeichnet, z. B.: Skarbas „Vermögen“ G1732 199, G1735

⁸⁰ Žr. Klein 1653: 29.

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230 → Skárbas G1745 252; Darbas G1732 199, G1735 230 → Dárbas G1745 252; Lutas „Löwe“ G1732 204, G1735 238 → Lút[as] G1745 251. Andererseits sind entgegengesetzte Fälle belegt: durnódams „indem er sich dumm stellte“ G1732 199, G1735 230 → durnodams G1745 252; begédodams G1732 199, G1735 230 → begiedod[ams] G1745 252; Mónai „Täuschung“ G1732 199, G1735 230 → Monai G1745 252.

Anders als in den früheren Ausgaben ist in der fünften eine deutliche Tendenz festzustellen, auf den Akut im Verbsuffix -oti sowie auf den Zirkumflex in der Wortwurzel und in Suffixen zu verzichten, z. B.: jėbḱoti G1732 204, G1735 238 → jėbkoti G1745 261; kilnóti G1732 13, G1735 16 → kilnoti G1745 17; paƒƒidabóti „sich hüten“ G1732 204, G1735 238 → paƒƒidaboti G1745 261; kôl G1732 375, G1735 66 → kol G1745 71; nôr G1732 199, G1735 230 → nor G1745 252; apƒaugôt G1732 8, G1735 11 → apƒa[u]got’ G1745 12; žaibôt G1732 199, G1735 230 → žaibot G1745 252.

Neu in dieser Ausgabe ist außerdem, dass sich die Schreibweise der im Satz anstelle der Namen Dievas und Jėzus, Kristus verwendeten Pronomen jis und tu regelmäßig verändert: Zuvor wurden sie gewöhnlich mit Großbuchstaben geschrieben, in G1745 findet sich dagegen überall der Kleinbuchstabe, z. B.: Iis G1732 200, G1735 230 → jis G1745 253; Io G1732 204, G1735 238 → jo G1745 260; Iam G1732 401, G1735 321 → jam G1745 333; Į G1732 381, G1735 141 → jį G1745 148; Taw G1732 344, G1735 382 → taw G1745 398; Tawẽs G1732 199, Tawęs G1735 229 → taw[ęs] G1745 252; Tawe G1732 357, Tawę G1735 395 → tawę G1745 409; Tu G1732 356, G1735 395 → tu G1745 409; Tawęƒpi G1732 357, G1735 395 → tawępi G1745 409; Tawim’ G1732 357, G1735 395 → tawim’ G1745 409.

Substantivierte pronominale Formen von Adjektiven und Pronomen werden tendenziell mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben: Gerruiũ G1732 356, 357, G1735 394, 395 → ger[r]uiũ G1745 408, gerru[ũ] G1745 409; Pikteji G1732 344, G1735 382 → piktieji G1745 398 (in diesem Beispiel ist auch der Austausch von <e> durch <ie> zu sehen); Sawujũ G1732 357, G1735 395 → ƒawu[jũ] G1745 409; Smutnujũ ‘der Traurigen, Niedergeschlagenen’ G1732 381, G1735 141 → ƒmutnujũ G1745 148 (vgl. das Adjektiv Sudnoj ‘des Jüngsten Gerichts’ G1732 382, G1735 141 → ƒudnoj’ G1745 149).

Das reduzierte Auslautsegment wurde konsequenter durch einen Apostroph wiedergegeben, z. B.: Swiets G1732 199, G1735 230 → Swiet’s G1745 252; atƒtôkit G1732 199, G1735 230 → atƒtokit’ G1745 252; dũkit G1732 199, G1735 230 → dũkit’ G1745 252; iƒklút „entkommen, gerettet werden“ G1732 205, G1735 238 → iƒklút’ G1745 261; priim G1732 205, G1735 239 → priim’ G1745 261; kreipkit G1732 376, G1735 67 → kreipkit’ G1745 71; gywen G1732 382, gywẽn G1735 141 → gywẽn’ G1745 149; užmiegt G1732 402, G1735 321 → užmiegt’ G1745 334. Der Apostroph wird auch anstelle eines „ausgelassenen“ Vokals aufgrund der Silbenzahl geschrieben: Prieƒpinks G1732 199, G1735 230 → Prieƒp’nink’s G1745 252.

Wie zuvor gibt es Korrekturen auf der phonetischen Ebene: Fälle der Vermischung von [ęː] und [ie] sowie [oː] und [uo] wurden korrigiert, z. B.: dowanója G1732 8, G1735 11 → dowanoja G1745 13; Nėkai G1732 199, G1735 230 → Niekai G1745 252; paƒilėkt G1732 205, G1735 238 → paƒiliekt G1745 261; Piktieji G1732 344, G1735 382 → piktieji G1745 398; elgũs G1732 344, G1735 382 → elgùs G1745 398; dėƒos G1732 381, G1735 141 → deƒùs G1745 148.

G1745 belegt, dass in dieser (oder vielleicht bereits in der früheren Ausgabe von 1740) der Anfang von Ruigys’ Lied „Jesus, meine Freude“ korrigiert worden war, über dessen Bearbeitung er sich einst beschwert hatte

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(siehe Abschnitt 4.1): Iɛӡau mano Dӡaugfmas, ir Sӡirdies Penukblas G1732 199, G1735 229 → Iɛӡau Dӡaugfmas mano, kurs man Sӡirdi gano G1745 252.

Außerdem ist zu erwähnen, dass diese Ausgabe auch Veränderungen auf der grafischen Ebene aufweist: Vermutlich aufgrund der Möglichkeiten der Druckerei wird der Vokal [ɛ·] neben dem Graphem <ė> nun abwechselnd auch mit <ė> bezeichnet, obwohl der phonetische Wert gleich bleibt, z. B.: atėjo G1732 13, G1735 16 → atėjo G1745 16.

4.5. Die sechste (1748), d. h. die letzte Ausgabe des sogenannten Quandt–Behrendt-Gesangbuchs, unterscheidet sich nur geringfügig von der fünften (1745); die in Ruigys’ Liedern festgestellten wenigen Korrekturen spiegeln im Wesentlichen dieselben in G1745 angewandten Redaktionsprinzipien wider. Die eine oder andere Veränderung scheint lediglich auf der Ebene der Interpunktion oder bei der Setzung einzelner Diakritika sichtbar zu werden.

4.6. Auch in den im sogenannten klassischen Schimelpenig-Gesangbuch veröffentlichten Liedern Ruigys sind keine neuen, markanteren Redaktionstendenzen festzustellen (vgl. G1748 und G[1752], G1757). Dennoch finden sich hier einzelne Korrekturen verschiedener Art, z. B. wird auf das überflüssige Reflexivpartikelchen verzichtet: nef’ bijokis G1732 204, G1735 238, G1745 260, G1748 260 → nebijokis G[1752] 260, nebijokis’ G1757 260; die Konjunktion o wird gelegentlich durch die Konjunktionen bet ar ir ersetzt: ô wey G1732 204, o wey G1735 238, G1745 260, G1748 260, G[1752] 260 → bet wey G1757 260; ô G1732 204, o G1735 238, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261 → ir G1757 261; auch syntaktische Konstruktionen werden korrigiert: Tai dara Dwaſe βwencziama G1732 9, Tai dara Dwaſe βwenczama G1735 12, tai dara Dwaſe βwencзama G1745 13, G1748 13 → tai Darb’s Dwaſės βwentinnancзós G[1752] 13, G1757 13 usw.

Erwähnenswert ist, dass sich in den Schimelpenig-Gesangbüchern die Grafik einiger Grapheme verändert, genauer gesagt: Die Grapheme für Nasalvokale mit Durchstreichung werden durch Grapheme mit „Tilde“ ersetzt: <ą> → <ą>, <ę> → <ę> (während die beiden anderen Nasalvokale bezeichnenden Grapheme <į> und <ų> die Durchstreichung behalten), z. B.: Diewą G1732 8, G1735 11, G1745 12, G1748 12 → Diewą G[1752] 12, G1757 12; mielą G1732 8, G1735 11, G1745 12, G1748 12 → mielą G[1752] 12, G1757 12; Mergėlę G1732 13, G1735 16, G1748 16 → Mergėlę G[1752] 17, G1757 17.

4.7. In den 1832 in Kebers Gesangbuch veröffentlichten Liedern Ruigys’ sind im Vergleich zu den noch zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Schimelpenig selbst redigierten Texten bereits wichtige redaktionelle Neuerungen sichtbar⁸¹. Zunächst ist zu erwähnen, dass sich eine Tendenz zur Aufgabe der Verdopplung von Konsonanten abzeichnet, die die Kürze des vorangehenden Vokals bezeichnet, z. B.: dangįʃkaffis G1732 205, G1735 239, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261 → dangįʃkafis G1832 300; diddeli G1732 205, G1735 239, G1745 262, G1748 262, G[1752] 262, G1757 [2]62 → dideli G1832 300; labbay G1732 205, G1735 239, G1745 262, G1748 262, G[1752] 262, G1757 [2]62 → labay G1832 300; Meddus G1732 200, G1735 230, G1745 253, G1748 253, G[1752] 253, G1757 253 → Medus G1832 289; mielaffis G1732 8, G1735 11, G1745 12, G1748 12, G[1752] 12, G1757 12 → mielafis G1832 14; tikkrafis G1732 8, G1735 11, G1745 12, G1748 12, G[1752] 12, G1757 12 → tikrafis G1832 14, wobei eine gewisse Vielfalt weiterhin

⁸¹ Zu den sprachlichen Besonderheiten von Kebers Gesangbuch siehe Kabašinskaitė 2001: 45–47.

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unvermeidlich ist. Doppelte Konsonanten werden in den Suffixen der Abstrakta –immas und –ummas⁸² ziemlich systematisch beibehalten, z. B.: Suffimėgtumas G1732 8, G1735 11, G1745 12, G1748 12, G[1752] 12, G1757 12 → Sufimėgtumas G1832 15.

Allmählich kehrt man auch zur Bezeichnung der Palatalisierung von Konsonanten durch den Buchstaben <i>⁸³ zurück, z. B.: mylėčiau G1732 206, mylėčiau G1735 239, G1745 262, G1748 262, G[1752] 262, G1757 [2]62 → mylėčiau G1832 300; Kerdžus G1732 204, G1735 238, Kerdžus G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261 → Kerdžius G1832 299; Klyftančiųjų G1732 204, Klyftanczjų G1735 238, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261 → Klyftancziujų G1832 299; ne geidžiu G1732 204, ne geidžų G1735 238, ne geidzu G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261 → ne geidžiu G1832 299. Es sei daran erinnert, dass in der ersten Ausgabe des Quandt-Behrendt-Gesangbuchs in bestimmten Fällen, meist nach dem Konsonanten <č> und der Affrikate <dž>, ein die Weichheit der Konsonanten widerspiegelndes Zeichen bereits nach Kleins deklarierten Regeln verwendet wurde.

Von den Korrekturen anderer Art ist die Änderung eines Kasus zu erwähnen: Garbe taw Diewui wiffaday G1732 8, G1735 11, Garbe taw, Diewui wiffaday G1745 12, G1748 12, G1757 12 → Garbe taw, Diewe, wiffaday G1832 14.

Erwähnt werden sollte auch eine Veränderung auf der Ebene der Graphematik – der Wechsel der Drucktypen zur Bezeichnung des Vokals [e:], nämlich <ė> → <ė>, z. B.: Tėwa G1732 8, G1735 11, G1748 12, Tėwą G[1752] 12, G1757 12 → Tėwą G1832 14; Iėzus G1732 13, G1735 16, G1748 16, G[1752] 16, G1757 16 → Iėzus G1832 16(c); norėjo G1732 13, G1735 16, G1748 16, G[1752] 16, G1757 16 → norėjo G1832 16(c); mylėti G1732 14, G1735 16, G1748 17, G[1752] 17, G1757 17 → mylėti G1832 16(c).

4.8. Ein besonders markantes Merkmal der Redaktion Kuršaitis, das sich in Ruigys’ Liedern widerspiegelt, ist der noch konsequentere und radikalere Verzicht auf doppelte Konsonanten, z. B.: Gerrummo G1732 205, G1735 239, G1745 262, G1748 262, G[1752] 262, G1757 [2]62, Gerrummo G1832 300 → Gerumo G1877 262; prigimmęs G1732 204, G1735 238, G1745 260, G1748 260, prigimmęs G[1752] 260, G1757 260, G1832 299 → prigimęs G1877 260; wiffaday G1732 8, G1735 11, G1745 12, G1748 12, G[1752] 12, G1757 12, G1832 14 → wiffaday G1877 12, obwohl gelegentlich noch Schreibweisen durchrutschen, die früher üblich waren.

Außerdem kehrt man noch entschiedener zur systematischen Bezeichnung der Palatalisierung von Konsonanten durch das Schriftzeichen <i> zurück, z. B.: Žmonių ‘Menschen’ G1732 9, G1735 12, G1745 13, Žmonių G1748 13, G[1752] 13, G1757 13, G1832 15 → Žmonių G1877 13; įsneboti G1732 13, G1735 16, G1745 17, G1748 17, G[1752] 17, G1757 17, G1832 16(c) → įsnebioti G1877 17; krikščioniškay G1732 14, krikščioniškay G1735 16, G1745 17, G1748 17, G[1752] 17, G1757 17, G1832 16(c) → krikščioniškay G1877 17; Awėlų G1732 204, G1735 238, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261, G1832 299 → Awėlių G1877 261; Angelėlams G1732 205

⁸² Dass in Kebers Gesangbuch die Abstrakta mit den Suffixen –immas, –ummas weiterhin mit doppelten Konsonanten geschrieben werden, siehe Kabašinskaitė 2001: 45.

⁸³ Im Gesangbuch Kebers wurde das Weichheitszeichen nach den weichen Konsonanten [č’], [dž’], [š’], [ž’] eingeführt (Kabašinskaitė 2001: 45).

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238, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261, Angėlams G1832 300 → Angėlėliams G1877 261.

Nasallaute werden verwendet oder <u> mit Zirkumflex in der vorletzten Silbe der entsprechenden pronominalen Formen, z. B.: acc. sg. f. Sz̄wentaje G1732 13, G1735 16, [βω]entaje G1745 17, βwentaje G1748 17, G[1752] 17, G1757 17, βwentaje G1832 16(c) → βwentaje G1877 17; acc. sg. m. mieląjį G1732 13, G1735 16, G1745 17, G1748 17, G[1752] 17, G1757 17, mieląjį G1832 16(c) → mieląjį G1877 17; gen. pl. Gundintujų G1732 205, G1735 238, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261, Gundintujų G1832 299 → Gundintujų G1877 261; gen. pl. Bėdnujų ‚der Bedürftigen‘ G1732 8, G1735 11, G1745 13, B[ẽ]dnujų G1748 13, Bėdnujų G[1752] 13, G1757 13, B[ẽ]dnujų G1832 14 → Bėdnujų G1877 13.

Fälle der Vermischung von [ė] und [ie] werden korrigiert, z. B.: teber G1732 204, teb er G1735 237, tebėr G1745 260, teb[ė]r G1748 260, tebėr G[1752] 260, G1757 260, tebėr G1832 299 → tebier G1877 260; Praes. 2. Sg. wertės G1732 204, G1735 238, wert[ẽ]s G1745 260, wertės G1748 260, wertės G[1752] 260, G1757 260, wertės G1832 299 → werties G1877 260; Ne wienėms Gerrėm’s G1732 204, G1735 238, G1745 261, G1748 261, Ne wienėms Gerrėm’s G[1752] 261, G1757 261, Ne wienėms Gerėm’s G1832 299 → Ne wieni ems Gerėm’s G1877 261; nėkin G1732 205, G1735 238, G1745 261, G1748 261, G[1752] 261, G1757 261, nėkin G1832 299 → niekin G1877 261.

Unter den Korrekturen auf der morphologischen Ebene ist zu erwähnen, dass in Ruigys’ Lied „Jėzus miels atėjo“ die Ableitung mit dem Suffix -ėlis durch eine Ableitung mit dem Suffix -ulis ersetzt wurde: Pawargelis G1732 13, G1735 16, Pawargėlis G1745 17, G1748 17, G[1752] 17, G1757 17, Pawargelis G1832 16(c) → Pawargulis G1877 17.

4.9. Im letzten vor dem Zweiten Weltkrieg erschienenen evangelisch-lutherischen Gesangbuch Pagerintos giesmių knygos, das 1936 in der damals bereits zur Republik Litauen gehörenden Stadt Klaipėda in der Druckerei „Lituania“ gedruckt wurde, sind in Ruigys’ Liedern keine neuen redaktionellen Tendenzen erkennbar. Vielmehr wurden die bereits im 19. Jahrhundert angewandten Prinzipien der sprachlichen Redaktion noch konsequenter befolgt; beispielsweise wurden in früheren Ausgaben durchgerutschte Fälle der Konsonantenverdopplung (besonders mit <<ff>>) korrigiert, und das die Palatalisierung der Konsonanten kennzeichnende Schriftzeichen <i> wurde noch konsequenter gesetzt. Der von Kuršaitis vorgeschlagene Arbeitsvariant paůargulis wurde allerdings nicht übernommen; man kehrte zu der einst verwendeten Ableitung mit dem Suffix –ėlis zurück – pavargėlis. Das Wort marios wurde durch marės ersetzt und nach einer anderen Paradigma flektiert. Auch die Interpunktion wurde überprüft: Die Satzgrenzen wurden neu festgelegt, und innerhalb des Satzes wurde entweder seine Segmentierung präzisiert oder es wurden andere Satzzeichen gewählt (z. B. ein Doppelpunkt statt eines Semikolons).

Domas Kaunas zufolge wurde dieses Gesangbuch wegen seines außerordentlich großen Umfangs (696 Lieder) ungünstig beurteilt. Außerdem war sich die damalige Gesellschaft über die Sprache der Lieder uneinig, die sich im Laufe mehrerer Jahrhunderte bereits deutlich vom tatsächlichen Sprachgebrauch entfernt hatte: Die ältere Generation der Gläubigen wollte die Stabilität bewahren und sprachlichen Veränderungen nicht zustimmen, während die Intelligenz forderte, die Sprache des Gesangbuchs sorgfältig nach den damaligen Normen zu redigieren; darüber hinaus wurde vorgeschlagen, von der gotischen zur

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lateinischen Schrift überzugehen⁸⁴. Wie die Untersuchungen von Darius Petkūnas belegen, bemühte sich das Konsistorium der evangelisch-lutherischen Kirche Litauens in Zusammenarbeit mit dem Konsistorium der evangelisch-reformierten Kirche Litauens um die Vorbereitung eines ökumenischen Gesangbuchs in der Standardsprache; eine neue Liedersammlung wurde jedoch 1942 nur von den Reformierten gedruckt⁸⁵.

Ohne näher darauf einzugehen, wie es den Herausgebern des ökumenischen Gesangbuchs gelang, ihre Ziele zu verwirklichen, warum die Lutheraner es nicht übernahmen, und ohne die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Litauen und in der Diaspora verwendeten evangelisch-lutherischen Gesangbücher zu analysieren, lässt sich dennoch knapp feststellen, dass Ruigys’ Lieder während ihres dreihundertjährigen Fortbestehens am intensivsten bei der Vorbereitung des heutigen lutherischen Gesangbuchs Krikščioniškos giesmės (2007) redigiert wurden: Hier sind unter Ruigys’ Namen 8 Texte veröffentlicht, die ihre ursprüngliche Gestalt am stärksten verändert haben. Der Charakter der Redaktion ist nicht nur sprachlicher Art (d. h. Rechtschreibung, Interpunktion, Lexik, Morphologie und Syntax wurden korrigiert), sondern umfasst auch den künstlerischen Ausdruck; zudem gibt es strukturelle Veränderungen (d. h. die Zahl der Strophen wurde verringert). Unter den übernommenen Liedern befinden sich nicht nur Übersetzungen, sondern auch das von Ruigys selbst verfasste Lied „Dvasia Dievo tu šventoji“, allerdings erheblich gekürzt: Von 13 Strophen sind 6 verblieben. Den Herausgebern des neuen Gesangbuchs zufolge zwang das Bestreben, das kulturelle Erbe der litauischen Hymnodie zu bewahren und alte Lieder in das Repertoire der Liedersammlung aufzunehmen, zugleich aber auch den gegenwärtigen Bedürfnissen der lutherischen Gemeinschaft zu entsprechen, zwangsläufig zu einer radikaleren Bearbeitung der alten Texte: nicht nur zum Verzicht auf lexikalische und syntaktische Fremdheiten sowie auf archaische Wörter und ihre Formen, sondern auch zur Sicherung eines flüssigen Versbaus unter Beachtung der Regeln der Metrik, zur Anpassung des Liedtextes an die Melodie, d. h. zur Abstimmung des Rhythmus der Melodie auf die natürliche Betonung der korrekten Sprache, zum Streben nach einer möglichst guten Artikulation der Texte beim Singen und zur Verringerung der Strophenzahl, um Inhaltswiederholungen zu vermeiden, u. a.⁸⁶

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN

1. Die auf Primärquellen gestützte Analyse ermöglichte es, Ruigys’ Beitrag zur Erweiterung des Repertoires des offiziellen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs zu rekonstruieren. Einerseits zeigte sie, dass das litauische Gesangbuch schrittweise durch von Ruigys übersetzte und verfasste Lieder ergänzt wurde. Andererseits bestätigte sie die Aussage Ostermejers, des Verfassers der ersten Geschichte der litauischen Gesangbücher Erste Littauische Liedergeschichte (1793), dass Ruigys dem litauischen Gesangbuch insgesamt 12 Lieder gegeben habe.

2. Ruigys’ Lieder, die erstmals in Behrendts Gesangbuch ĮB naujo pėrweizdėtos ir pagėrintos Giesmū-Knygos (Königsberg, ¹1732) veröffentlicht wurden, wurden zu einem festen Bestandteil des Repertoires des offiziellen litauischen kirchlichen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs und gelangten nicht nur bis in die vierte Dekade des 20. Jahrhunderts, sondern einige von ihnen – freilich in stark erneuerter Gestalt – sogar bis in die Gegenwart.

⁸⁴ Zum damaligen Urteil über die 1936 und zuvor (1930) in Klaipėda erschienenen Pagerintų giesmių knygų sowie zu den Bestrebungen der Intelligenz siehe Kaunas 1996: 618–619.

⁸⁵ Ausführlicher zu den Bemühungen der evangelisch-lutherischen Kirche vor dem Krieg, ein Gesangbuch in litauischer Standardsprache herauszugeben, siehe Petkūnas 2012: 7–26; zum gemeinsam von Lutheranern und Reformierten vorbereiteten ökumenischen Gesangbuch und zur 1942 nur von den Reformierten approbierten und gedruckten Liedersammlung siehe Petkūnas 2019: 41–68; zum während der Sowjetzeit nach den Normen der Standardsprache erarbeiteten Gesangbuch und seinen drei Ausgaben (Maldų ir giesmių knygelė ¹1956, Giesmių ir maldų knygelė ²1982, ³1988) siehe Petkūnas 2023: 54–77.

⁸⁶ Ausführlicher zu den Redaktionsprinzipien des neuen evangelisch-lutherischen Gesangbuchs Krikščioniškos giesmės siehe Kiseliūnaitė 2012: 59–65.

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3. Anders als Biržiška annahm, wurden in der ersten (1732) Ausgabe des sogenannten Quandt-Behrendt-Gesangbuchs 9 Lieder von Ruigys veröffentlicht (dies wurde bereits durch Michelinis Forschungen nahegelegt). Sie machten etwa 12% der neuen Lieder dieser Ausgabe aus. Genau ebenso viele wurden auch in der zweiten (1735) veröffentlicht. Derzeit liegen keine Angaben zu Ruigys’ Liedern in den dritten (1738) und vierten (1740) Ausgaben vor, da bislang kein Exemplar dieser Ausgaben bekannt ist. Die durchgeführte Analyse zeigte jedoch, dass das Repertoire des offiziellen Gesangbuchs bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts durch neue Lieder von Ruigys ergänzt wurde: In der fünften (1745) Ausgabe wurden weitere 3 seiner Lieder veröffentlicht, mit anderen Worten, ihre Gesamtzahl stieg auf 12. Somit wurden ungefähr seit den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts alle diese Lieder von Ruigys bis zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs nachgedruckt: In der letzten Ausgabe der Pagerintos giesmių knygos (Klaipėda, 1936) sind weiterhin 12 Lieder von Ruigys enthalten. Sie finden sich auch im heutigen evangelisch-lutherischen Gesangbuch Krikščioniškos giesmės (Vilnius, 2007), allerdings um ein Drittel weniger – 8, darunter auch Ruigys’ originales Lied „Dvasia Dievo tu šventoji“, wenn auch stark gekürzt und redigiert. Diese nahezu drei Jahrhunderte währende Überlieferung der Lieder Ruigys’ zeugt von ihrer Beständigkeit und ihrer Bedeutung für die heutige lutherische Gemeinschaft.

4. Ruigys’ Lieder wurden nicht nur im offiziellen evangelisch-lutherischen Gesangbuch veröffentlicht: So erschienen einige von ihnen in Ostermejers Liedersammlung Giesmės βwentos Bažnyčioje ir Namėję giedojamos (Königsberg, 1781), und alle 12 wurden in Milkaus Senos ir naujos krikščioniškos Giesmės (Königsberg, 1806) übernommen.

5. Beginnend mit der ersten (1732) Ausgabe des Quandt-Behrendt-Gesangbuchs wurden Ruigys’ Lieder mehr oder weniger redigiert. Die Übersicht über die Redaktion dieser Lieder in Gesangbüchern des 18. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigte, dass im Wesentlichen sprachliche Korrekturen vorherrschten. Sie betrafen mehrere Ebenen: Am häufigsten wurden Orthografie und Interpunktion korrigiert, gelegentlich kamen jedoch auch Korrekturen der Phonetik, Morphologie, Lexik und Syntax vor. Einige Korrekturen könnten durch stilistische Motive angeregt worden sein. Es ist wahrscheinlich, dass die festgestellten markanteren Tendenzen bei der Korrektur von Ruigys’ Liedern auch die allgemeinen Redaktionstendenzen der jeweiligen Gesangbücher sowie die sich im Laufe der Zeit verändernden sprachlichen Auffassungen ihrer Herausgeber widerspiegelten.

ŠALTINIAI

G1732: Iß naujo pérweizdėtos ir pagerintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books] / kurrûſe brangiaûſos fėnos ir naujos Giefmes ſuraßytos / Diewui ant Garbės / ir Prūſû Karalystėje eſantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgânimo / podraug ſu Maldû=Knygomis / kurrûſe ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra, Karalaucźuie, Anno 1732. Ißpaustos Jono Prideriko Reufnero; SBB PK: En 9820. (Internetinis leidinys: Jonas Berentas, Iš naujo perveizdėtos ir pagerintos giesmių knygos, 1732, dokumentinį perrašą ir žodžių formų konkordancijas par. B. Triškaitė, V. Zinkevičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2025. Prieiga internete: https://senie jirastai.lki.lt.)

G1735: Iß naujo pérweizdėtos ir pagerintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books] / kurrûſe brangiaûſos fėnos ir naujos Giefmes ſuraßytos / Diewui ant Garbės, ir Prūſû Karalystėje eſantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgânimo, podraug ſu

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Maldū=Knygomis, kurrūfe ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra. Antra Karta išspāu̇tos Karalāučzuje, Mėte 1735. <...>; NK ČR: 33 K 139.

G1745: Iß naujo pérweizdėtos ir pagėrintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books] / kurrūfe brangiáufos fėnos ir naujos Giefmes furaßytos, Diewui ant Garbės ir Prufû Karalyftėje eßantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgánimo podraug fu Maldū=Knygomis, kurrūfe ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra. Penkta Karta išßpáuftos Karaláučzuje, Mėte 1745. Raßtais Reufneraus; Rusijos mokslų akademijos biblioteka Sankt Peterburge: Л6 1044; LNB: MF 67–69 (mikrofilmas).

G1748: Iß naujo pérweizdėtos ir pagėrintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books], kurrūfe brangiáufos fėnos ir naujos Giefmes furaßytos, Diewui ant Garbės ir Prufû Karalyftėje eßantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgánimo podraug fu Maldū=Knygomis, kurrūfe ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra. Szeßta Karta išßpáuftos, Karaláučzuje, Mėte 1748. Raßtais Karalaus; SBB PK: En 9822.

G[1752]: [Iß naujo pérweizdėtos ir pagėrintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books], kurrūfe brangiáufos fėnos ir naujos Giefmes furaßytos, Diewui ant Garbės ir Prufû Karalyftėje eßantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgánimo podraug fu Maldū=Knygomis, kurrūfe ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra. <...>, Karaláuczjuje, Mėte <...>]; LLTIB: B 1956 (def., pavadinimas pateiktas pagal 1748 m. leidimą).

G1757: Iß naujo pérweizdėtos ir pagėrintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books], kurrūfe brangiáufos fėnos ir naujos Giefmes furaßytos, Diewui ant Garbės ir Prufû Karalyftėje eßantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgánimo podraug fu Maldū=Knygomis, kurrūfe ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra. Dewintą Karta išßpáuftos, Karaláuczjuje: Raßtais išßpáuftas pas Ioną Endr. Artungą, Mėte 1757; Rusijos nacionalinė biblioteka Sankt Peterburge; LMAVB: Mf 391 (mikrofilmas).

G1832: Iß naujo pérweizdėtos ir pagėrintos Giefmû=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books], kurrofa brangiáufos fėnos ir naujos Giefmes furaßytos Diewui ant Garbės ir Prufû Karalyftėje eßantiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgánimo podraug fu Maldū=Knygomis, kurrofa ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamus yra, Karaláuczjuje: Ißpáuftos karalißkoje Knyg=Drukkawonėjo Artungo. Prieiga internete: www.epaveldas.lt [žiūrėta 2025–10–20].

G1877: Pagėrintos Giefmîų=Knygos [Improved Hymnal], kuriofá brangiáufos fėnos ir naujos Giefmės furaßytos Diewui ant Garbės ir Prufû Karalyftėje eßantiemsiems Lietuwininkams ant Dubû Ißgánimo podraug fu Maldū=Knygomis, kuriofia ne tiktay fėnos, bet ir naujos Maldos randamos yra. Iß Naujo pérweizdėtos per F. Kurßatį, Lietuwininkų Kunigą Karaláuczjuje, Königsberg, 1877. Hartungfche Zeitungs= und Verlags=Druckerei. Prieiga internete: www.epaveldas.lt [žiūrėta 2025–10–20].

G1936: Pagerintos Giefmių Knygos [Improved Hymnal], kuriofe brangiáufos fėnos ir naujos Giefmės furaßytos Diewui ant Garbės ir Lietuwininkams ant Dubių Ißgánymo podraug fu Maldū Knygomis bei nauju trecziosios Dalies Papildymu. Naujai išleido Klaipėdos Krašto

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Klein Daniel 1653: GRAMMATICA Litvanica [Lithuanian Grammar] Mandato & Autoritate SERENISSIMI ELECTORIS BRANDENBURGICI adornata, & præviâ Censurâ primum in lucem edita à M. DANIELE Klein / Pastore Tilf. Litu. Præmissa est ad Lectorem Præfatio non minus utilis, quàm necessaria. <...> REGIOMONTI: Typis & sumptibus JOHANNIS REUSNERI, ANNO χωρισ†γονίας cIo. Ioс. LIII. [1653]. (Faksimilinis leidimas: Pirmoji lietuvių kalbos gramatika. 1653 metai, 65–272; su indeksu. Internetinis leidinys: Danielius Kleinas, Grammatica Litvanica, 1653, dokumentinį perrašą ir žodžių formų konkordancijas par. M. Šinkūnas, V. Zinkevičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2011. Prieiga internete: https://seniejirastai.lki.lt.)

Koch Eduard Emil 1973 [1867]a: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche [The History of Hymns and Church Music in the Christian, particularly in the German Evangelical, Church] 2: Erster Haupttheil. Die Dichter und Sänger, Hildesheim, New York: Georg Olms Verlag.

Koch Eduard Emil 1973 [1867]b: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche [The History of Hymns and Church Music in the Christian, particularly in the German Evangelical, Church] 3: Erster Haupttheil. Die Dichter und Sänger, Hildesheim, New York: Georg Olms Verlag.

LB I: Lietuvos TSR bibliografija. Serija A. Knygos lietuvių kalba 1: 1547–1861 [The Bibliography of Lithuania. Series A. Books in Lithuanian 1: 1547–1861], Vilnius: Mintis, 1969.

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LBP: Lietuvos bibliografija. Serija A. Knygos lietuvių kalba 1: 1547–1861. Papildymai [The Bibliography of Lithuania. Series A. Books in Lithuanian 1: 1547–1861. Supplements], Vilnius: Mintis, 1990.

Michelini Guido 2009: Mažosios Lietuvos giesmynų istorija: nuo Martyno Mažvydo iki XIX a. pabaigos [The History of Hymnals in Lithuania Minor: From Martynas Mažvydas to the End of the 19th Century], Klaipėda: Klaipėdos universiteto leidykla.

Michelini Guido 2010: Jono Berento ĮBnaũjo pērweizdėtos ir pagērintos Giesmũ Knygos. Mörlino traktato pritaikymas poezijoje [Johann Behrendt’s ĮBnaũjo pērweizdėtos ir pagērintos Giesmũ Knygos. The Application of Mörlin’s Treatise in Poetry], Vilnius: Lietuvos mokslų akademijos leidykla.

MLE IV: Mažosios Lietuvos enciklopedija [The Encyclopaedia of Lithuania Minor] 4: Rahn–Žvižėzeris, Vilnius: Mažosios Lietuvos fondas, Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2009.

MLEŽ: Mažosios Lietuvos enciklopedinis žinynas [The Concise Encyclopaedia of Lithuania Minor], Vilnius: Mažosios Lietuvos fondas, Mokslo ir enciklopedijų leidybos centras, 2015.

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MLEŽv: Preußisch–Litauen. Ein Enzyklopädisches Handbuch [Prussian Lithuania. An Encyclopedic Handbook], Vilnius: Stiftung Kleinlitauen (USA, Canada), Verlagszentrum für Wissenschaft und Enzyklopädien (Litauen), 2018.

Ostermeyer Gottfried 1793: Erste Littauische Liedergeschichte [The First History of Lithuanian Hymns], ans Licht gestellet von Gottfried Ostermeyer, der Trempenschen Gemeine Pastore seniore und der Königl. Deutschen Gesellschaft zu Königsberg Ehrenmitglied, Königsberg: gedruckt mit Dreielfischen Schriften.

Ostemejeris Gotfrydas 1996: Rinktiniai raštai [Selected Works], par. ir išvertė L. Citavičiūtė, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.

Pastenaci Friedrich 1757: Kurzgefaßte Historische Nachrichten von allen im Königreiche Preußen befindlichen Kirchen und Predigern bei denselben [Brief Historical Notes on All Churches and Preachers in the Kingdom of Prussia, außerhalb Königsberg, von der Reformation Lutheri an biß auf unsere Zeiten. Herausgegeben von Friedrich Pastenaci, Hospit. Pred. und Rect. zu Gumbinnen, auch Mitglied der Königl. Deutsch. Gesellsch. zu Königsb. in Preußen. Erstes Stück vom Insterburgschen Erzpriefterthum, Königsberg: gedruckt bei I. F. Driest; BN: mf. B19616.

Petkūnas Darius 2012: Prieškario Liuteronų bažnyčios pastangos išleisti giesmyną bendrine lietuvių kalba [Pre-War Attempts of the Lutheran Church to Publish a Hymnal in Modern Lithuanian]. – Res Humanitariae 11, 7–26.

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Petkūnas Darius 2019: 1942 m. „ekumeninis“ giesmynas ir jo įdiegimo sunkumai [The ‘Ecumenical’ Evangelical Hymnal of 1942 and Challenges to Its Implementation]. – Mokslo ir tikėjimo dialogai. Tiltai. Priedas 49, 41–68.

Petkūnas Darius 2023: The Publication of a modern Lithuanian language Lutheran hymnal in the Soviet period. – Mokslo ir tikėjimo dialogai. Tiltai. Priedas 53, 54–77.

QPP IV: [Johann Jacob Quandt, Preußische Presbyterologie [Prussian Presbyterology], Karaliaučius, iki 1772]; GStA PK: XX. HA Hist. StA Königsberg, Hs, Nr. 2, Bd. 4 (rankraštis, autografas su vėlesniais autoriaus ir kitų asmenų papildymais).

Quandt Johann Jacob 1735–12–01: I. N. I. In Christo hertzlich geliebter Leser! [I. N. I. Dear Reader, Beloved in Christ!] – Iß naujo pérweizdėtos ir pagérintos Gieſmũ=Knygos, kur-rūſe brangiáuſos fénoſ ir naujos Gieſmės ſuraßytos / Diewui ant Garbės, ir Pruſũ Karalyſteje efantiems Lietuwninkams ant Dubû Ißgánimo, podraug ſu Maldũ=Knygomis, kur-rūſe ne tiktay fénoſ, bet ir naujos Maldos randamos yra. Antra Karta ißßpáuſtos Karaláucżuje, Mėte 1735. <...>, [III–X].

Quandt Johann Jacob 1745–05–01: I. N. I. In Christo hertzlich geliebter Leser! [I. N. I. Dear Reader, Beloved in Christ!] – Iß naujo pérweizdėtos ir pagérintos Gieſmũ=Knygos / kur-rūſe brangiáuſos fénoſ ir naujos Gieſmės ſuraßytos, Diewui ant Garbės ir Pruſũ Karalyſteje efantiems Lietuwninkams ant Dubû Ißgánimo podraug ſu Maldũ=Knygomis, kur-rūſe ne tiktay fénoſ, bet ir naujos Maldos randamos yra. Pénkta Karta ißßpáuſtos Karaláucżuje, Mėte 1745. Raßtais Reufneraus, [II–VII].

Quandt Johann Jacob 1748–03–01: I. N. I. In Christo hertzlich geliebter Leser! [I. N. I. Dear Reader, Beloved in Christ!] – Iß naujo pérweizdėtos ir pagérintos Gieſmũ=Knygos, kur-rūſe brangiáuſos fénoſ ir naujos Gieſmės ſuraßytos, Diewui ant Garbės ir Pruſũ Karalyſteje efantiems Lietuwninkams ant Dubû Ißgánimo podraug ſu Maldũ=Knygomis, kur-rūſe ne tiktay fénoſ, bet ir naujos Maldos randamos yra. Szęßtą Karta ißßpáuſtos, Karaláucżuje, Mėte 1748. Raßtais Karalaus, [II–XIII].

Quandt Johann Jacob 1757–09–04: I. N. I. In Christo hertzlich geliebter Leser! [I. N. I. Dear Reader, Beloved in Christ!] – Iß naujo pérweizdėtos ir pagérintos Gieſmũ=Knygos [Newly Revised and Improved Hymn Books], kur-rūſe brangiáuſos fénoſ ir naujos Gieſmės ſuraßytos, Diewui ant Garbės ir Pruſũ Karalyſteje efantiems Lietuwninkams ant Dubû Ißgánimo podraug ſu Maldũ=Knygomis, kur-rūſe ne tiktay fénoſ, bet ir naujos Maldos randamos yra. Dewintą Karta ißßpáuſtos, Karaláucżuje: Raßtais ißßpáuſtas pas Ioną Endr. Artungą, Mėte 1757, 1v–[8r].

Ruhig Philipp 1744–05–11: Vorrede des Autoris [Author’s Preface]. – Littauiſch=Deutſches und Deutſch=Littauiſches Lexicon, Worinnen ein hinlänglicher Vorrath an Wörtern und Redensarten, welche ſowol in der H. Schrift, als in allerley Handlungen und Verkehr der menſchlichen Geſellſchaften vorkommen, befindlich iſt: <...> von Philipp Ruhig, Pfarrern und Seniore zu Walterkehmen, Inſterburgiſchen Hauptamtes, Königsberg: druckts und verlegt I. H. Hartung, 1747.

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Ruhig Philipp 1745: Betrachtung der Littauischen Sprache, in ihrem Ursprunge, Wesen und Eigenschaften [Research into the Origin, Nature, and Characteristics of the Lithuanian Language]; <...> von Philipp Ruhig, Pfarrern und Seniore zu Walterkehmen, im Hauptamt Insterburg <...>, Königsberg: druckts und verlegts Johann Heinrich Hartung. (Faksimilinìs leidimas: Pilypas Ruigys, Lietuvių kalbos kilmės, būdo ir savybių tyrinėjimas, par. V. Jurgutis, V. Vilnonytė, Vilnius: Vaga, 1986, 19–164.)

Ruigys Pilypas 1986: Lietuvių kalbos kilmės, būdo ir savybių tyrinėjimas [Research into the Origin, Nature, and Characteristics of the Lithuanian Language]. Lituanistinė biblioteka, par. V. Jurgutis, V. Vilnonytė, vertė V. Jurgutis, K. Egliminas, įvadą parašė V. Mažiulis, Vilnius: Vaga.

Sidabraitė, Žavinta 2008: Die Rezeption der Kirchenlieder von Simon Dach in litauischen Gesangbüchern der Aufklärung [The Reception of Simon Dach’s Hymns in Lithuanian Hymnals of the Enlightenment]. – Simon Dach (1605–1659). Werk und Nachwirken. Frühe Neuzeit 126, Tübingen: Niemeyer, 397–409.

Strungytė–Liugienė Inga 2014: XIX amžiaus pirmosios pusės surinkimininkų giesmynų istorija (genezė ir kalba): daktaro disertacija [The History of the Hymn Books of the First Half of 19th Century ‘Surinkimininkai’ Movement (Genesis and Language): Doctoral Dissertation], Vilniaus universitetas.

Triškaitė Birutė 2018: Rankraštinis Johanno Jacobo Quando palikimas: Prūsijos presbiterologija (prieš 1772) [Johann Jacob Quandt’s Manuscript Heritage: Prussian Presbyterology (before 1772)]. – Archivum Lithuanicum 20, 125–176.

Triškaitė Birutė 2020: Jono Berento giesmyno Iß naujo pérweizdėtos ir pagerìntos Giesmių–Knygos ir maldyno Maldų–Knygélos antrasis leidimas (1735): nežinotas egzempliorius Prahoje [The Second Edition of Johann Behrendt’s Hymn Book Iß naujo pérweizdėtos ir pagerìntos Giesmių–Knygos and Prayer Book Maldų–Knygélos (1735): an Unknown Copy in Prague]. – Archivum Lithuanicum 22, 33–82.

Triškaitė Birutė 2021: Petro Gotlybo Milk aus verstos giesmės Prūsijos Lietuvos oficialiajame evangelikų liuteronų giesmyne: kiekybinis aspektas [The Hymns Translated by Peter Gottlieb Mielcke in the Official Hymn Book for Prussian Lithuania’s Evangelical Lutherans: Quantitative Aspect]. – Acta Linguistica Lithuanica 85, 98–116.

VLE XX: Visuotinė lietuvių enciklopedija [Universal Lithuanian Encyclopaedia] 20: Rėva–Salzuflen, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2001.

Wackernagel Philipp 1990 [1870]: Das deutsche Kirchenlied 5: Von der ältesten Zeit bis zum Anfang des XVII. Jahrhunderts [German Hymns 5: From the Earliest Times to the 17th Century], Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag.

Zinkevičius Zigmas 2008: Mažosios Lietuvos indėlis į lietuvių kultūrą [The Contribution of Lithuania Minor to Lithuanian Culture], Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.

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ZM V: Das „Zwischenmanuskript“ zum Altpreußischen evangelischen Pfarrerbuch 5: Obereigner bis Rzadtki [The ‘Interim Manuscript’ to the Old Prussian Evangelical Presbyterology 5: Obereigner to Rzadtki], auf der Grundlage der Sammlungen von F. Moeller bearb. von W. Müller-Dultz, R. Heling, W. Kranz, Hamburg: Selbstverlag des Vereins [für Familienforschung in Ostund Westpreußen e. V. Quellen, Materialien und Sammlungen zur altpreußischen Familienforschung (QMS)], 2014.

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