Page 1doi.org/10.35321/term28-09
Ursachen synonymischer Ausdrucksformen in der astrologischen Terminologie
RAMUNĖ VASKELAITĖ
Institut für Litauische Sprache
ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0001-6063-9699
ZUSAMMENFASSUNG
Die Synonymie von Termini ist eines der meistdiskutierten Themen der Terminologie. Wie empirische Arbeiten zeigen, kann sie sowohl Forschungsgegenstand als auch ein bestimmter Forschungsaspekt sein. Wird eine Anwendungsdomäne der Terminologie unter diesem Aspekt untersucht, lässt sich anhand der Verbreitung von Synonymen häufig beurteilen, welches Entwicklungsstadium die Terminologie dieser Domäne erreicht hat: ob sie sich noch herausbildet, bereits fortgeschritten oder mehr oder weniger gefestigt ist. Dieser Beitrag, der ebenfalls empirisch ausgerichtet ist, konzentriert sich auf einen Gegenstand, dem Terminologieforschende, die sich mit der Synonymie von Termini befassen, bislang deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt haben: die Ursachen der Synonymie. Anhand typischer und atypischer Fälle synonymischer Ausdrucksformen in der astrologischen Terminologie wird untersucht, inwieweit sie sich durch das in terminologischen Arbeiten angeführte Ursachenbündel erklären lassen und in welchem Maß dieses auf Grundlage der Terminologie dieses Fachgebiets präzisiert oder ergänzt werden könnte.
SCHLÜSSELWÖRTER: Termini, Astrologie, Synonyme Termini unterschiedlicher Herkunft, Synonyme Termini gleicher Herkunft, Einworttermini, Mehrworttermini, Verwendung in Texten.
ABSTRACT
Die Synonymie von Termini ist eines der meistdiskutierten Themen der Terminologie. Wie empirische Studien zeigen, kann sie sowohl Forschungsgegenstand als auch ein bestimmter Forschungsaspekt sein. Wird ein Anwendungsbereich von Termini unter diesem Aspekt betrachtet, gilt die Verbreitung von Synonymen häufig als Hinweis darauf, welches Entwicklungsstadium die Terminologie eines bestimmten Bereichs tatsächlich erreicht hat: ob sie sich noch entwickelt, fortgeschritten oder vielleicht mehr oder weniger gefestigt ist. Dieser ebenfalls empirisch ausgerichtete Beitrag konzentriert sich auf die Ursachen der Synonymie, denen Forschende, die sich mit der Synonymie von Termini befassen, bislang weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt haben. Anhand typischer und atypischer Fälle synonymischer Ausdrucksformen in der astrologischen Terminologie untersucht der Beitrag, inwieweit sie sich durch das in terminologischen Arbeiten angeführte Ursachenbündel erklären lassen und in welchem Maß dieses auf Grundlage der Terminologie dieses Fachgebiets überarbeitet und ergänzt werden könnte.
SCHLAGWÖRTER: Termini, Astrologie, heterogene synonyme Termini, homogene synonyme Termini, Einworttermini, Mehrworttermini, Verwendung in Texten.
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Page 2EINLEITUNG
Die Terminologiesynonymie, die im Folgenden aus Gründen der Ökonomie als Synonymie bezeichnet wird, und die terminologischen Synonyme entsprechend als Synonyme, ist zweifellos eine der meistdiskutierten terminologischen Fragen. Allerdings gibt es in der litauischen Terminologie wesentlich weniger theoretische Erörterungen dazu als empirische Untersuchungen. Alle Letzteren aufzuzählen wäre schwierig, ist aber auch nicht nötig, da Übersichten über diese Arbeiten von anderen Forschenden vorgelegt wurden (Zemlevičiūtė 2001: 35–38; Mitkevičienė 2015a, 2020; Auksoriūtė 2018: 247–248). Daher genügt es vorerst, die wichtigsten Bereiche zu nennen, die im Hinblick auf Synonymie untersucht wurden. Dazu zählen Physik und Technik, Informatik und Informationstechnologie, Literaturwissenschaft und Sprachwissenschaft, Philosophie und Religion, Bauwesen und Architektur, Medizin und Botanik, Wirtschaft und Recht, Aufkleberei und Chemie.
Dieser Artikel befasst sich mit der Astrologie. Das darin verfolgte Ziel unterscheidet sich jedoch etwas von dem, das üblicherweise in empirischen Synonymieuntersuchungen angestrebt wird. In vielen dieser Arbeiten werden die in einem oder anderen Bereich verwendeten Synonyme untersucht: Ihre Typen werden erörtert, und die Reihen, Zusammensetzung, Länge usw. der Synonyme werden gezählt (z. B.: Kitkauskienė 2005; Šilobritaitė 2007; Stunžinas 2010). In anderen Arbeiten wird die Verbreitung von Synonymen bewertet und daraus abgeleitet, welches Entwicklungsstadium die Terminologie erreicht hat (z. B.: Kaulakienė 2002, 2003, 2006; Kaulakienė, Rimkutė 2008). Denn es ist schon seit Langem festgestellt worden, dass Synonyme in den Anfangsphasen der Terminologiebildung zahlreich sind und im Zuge der Entwicklung der Terminologie weniger werden (z. B.: Kaulakienė 1994b: 51; Gaivenis 2002: 125). Gestützt auf diese Regelmäßigkeit wird daher anhand der Verbreitung von Synonymen beurteilt, ob sich die Terminologie eines bestimmten Bereichs noch im Entstehen befindet oder bereits ein reiferes, vielleicht sogar voll ausgereiftes Entwicklungsstadium erreicht hat. Dieser Artikel konzentriert sich auf einen anderen Gegenstand, der deutlich weniger Aufmerksamkeit von Synonymieforschenden erhält: die Ursachen der Synonymie.
Es ist nicht so, dass diese Ursachen überhaupt nicht erwähnt würden. In verschiedenen terminologischen Arbeiten werden sie aufgezählt. In den wenigen theoretischen Erörterungen zu diesem Thema werden die Ursachen jedoch lediglich angeführt (z. B.: Keinys 1980: 98–102; 2005a: 45–46); auch in empirischen Arbeiten werden sie als allgemeine Faktoren genannt, häufig noch bevor die Synonyme untersucht werden (z. B.: Kvašytė 2000: 76; Stankevičienė 2012: 22). Nur selten findet sich unter den übrigen Schlussfolgerungen die eine oder andere Aussage darüber, wodurch die Synonymie der Termini im untersuchten Bereich bedingt ist. In den Arbeiten wird üblicherweise nicht das Ziel verfolgt, dies festzustellen. Tatsächlich ist es mir nicht gelungen, auch nur eine einzige empirische Arbeit zu finden, in der ein solches Ziel formuliert wird. In diesem Artikel wird dieses Ziel verfolgt: Ziel der Arbeit ist es, die Ursachen synonymischer Ausdrucksformen in der astrologischen Terminologie zu untersuchen.
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Page 3Um über die Ursachen urteilen zu können, müssen selbstverständlich die Fakten selbst, das heißt die synonymischen Ausdrucksformen, untersucht werden. Bei einer Ausrichtung auf die Ursachen ist es jedoch nicht erforderlich, jeden im Untersuchungsmaterial vorkommenden Synonymiefall und jede Reihe von Synonymen eines bestimmten Typs samt ihrer Länge und Zusammensetzung zu nennen. Untersucht werden nur die für das Untersuchungsmaterial charakteristischsten synonymischen Ausdrucksformen. Ihre Untersuchung ist eine der Aufgaben dieser Arbeit und wird im zweiten und dritten Kapitel in Angriff genommen. Eine weitere Aufgabe, die zuerst (im ersten Kapitel) behandelt wird, besteht darin, einen Überblick über die in terminologischen Arbeiten am häufigsten genannten Ursachen der Synonymie zu geben. Nachdem eine bestimmte Auswahl solcher Ursachen zusammengestellt und die Synonymie eines konkreten Bereichs untersucht worden ist, lässt sich feststellen, welche dieser Ursachen die synonymischen Ausdrucksformen astrologischer Termini erklären können; möglicherweise wird sich auch zeigen, welche der in terminologischen Arbeiten angeführten Ursachen auf Grundlage dieser Terminologie präzisiert oder ergänzt werden könnten. Dies sollte im Schlussfolgerungskapitel deutlich werden. Die wichtigsten in dieser Arbeit angewandten Methoden sind Analyse, Vergleich und Synthese. Es sei darauf hingewiesen, dass die Untersuchung die litauische astrologische Terminologie betrifft und sich auf die in litauischen terminologischen Arbeiten hervortretende Auswahl von Synonymieursachen konzentriert. Ein Vergleich sowohl der synonymischen Ausdrucksformen selbst als auch ihrer Ursachen mit Daten aus anderen Sprachen und der Sprachwissenschaft wäre Gegenstand gesonderter Arbeiten.
Das Untersuchungsmaterial ist dasselbe, auf dessen Grundlage in der vorangegangenen Ausgabe von Terminologijos astrologische Termini nach ihrer Herkunft untersucht wurden (Vaskelaitė 2020). Es umfasst zwölf Websites zum Thema westliche Astrologie (ananta.lt; antropoteosofineastrologija.lt; astrodaiwa.com; astrologe.weebly.com; astrologijosmokykla.lt; dharma.lt; sadhanacentras.lt; uranija.lt; vidineastrologija.lt; wolmer.lt; zachh.lt; zodiakas.com)1. Einbezogen werden auch die auf zwei dieser Websites, nämlich zodiakas.com und ananta.lt, veröffentlichten kurzen Glossare: jeweils Astrologijos sąvokos (im Folgenden AS) und Astrologijos terminų žodynėlis (im Folgenden ATŽ). Seit der Einreichung des vorherigen Artikels ist jedoch einige Zeit vergangen, und in dieser Zeit wurden auf einigen Websites neue Texte veröffentlicht. Daher wird das frühere Korpus um neues Material ergänzt (veröffentlicht bis zum 20. Juni 2021). Wie zuvor werden die Websites der Kürze halber als Websites bezeichnet und mit denselben Abkürzungen gekennzeichnet. Ihre Erläuterung findet sich im Quellenverzeichnis.
Die Auswahl des Untersuchungsmaterials wird im Wesentlichen durch den bereits hervorgehobenen Faktor bestimmt: die Schwierigkeit, das Verhältnis der Astrologie zur Wissenschaft zu bestimmen (Vaskelaitė 2020: 129). Zuvor
1 Auf einigen Websites werden auch Texte aus anderen Bereichen veröffentlicht (ananta.lt; antropoteosofineastrologija.lt; dharma.lt; sadhanacentras.lt; uranija.lt; wolmer.lt; zachh.lt) – berücksichtigt werden daraus ausschließlich Texte aus dem Bereich Astrologie.
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Page 4Obwohl Astrologie mehrere Jahrhunderte lang an Universitäten gelehrt wurde, wird sie derzeit zumindest in Litauen nicht als Wissenschaft anerkannt; daher werden weder wissenschaftliche Studien noch Lehrbücher für Hochschulen oder litauische Wörterbücher astrologischer Fachbegriffe erstellt. Websites sind wohl die wichtigste schriftliche Quelle für die Entwicklung der Terminologie dieses Fachgebiets. Wie schon die Untersuchung der Einwortterminologie gezeigt hat, werden dort zahlreiche Termini verwendet und definiert sowie erläutert; Astrologie-Websites sind somit eine recht geeignete Quelle für terminologische Untersuchungen.
1. URSACHEN DER SYNONYMIE
Eine Ursache der Synonymie lässt sich aus den bereits erwähnten Aussagen erschließen, dass Synonyme für die anfängliche Entwicklungsphase einer Terminologie besonders charakteristisch sind und im Laufe der Zeit weniger werden. Eine solche Entwicklung wurde in der litauischen Sprachwissenschaft wohl vor allem bei der Untersuchung von Termini aus Physik und Informatik festgestellt (Kaulakienė 1994a, b, 1997a, b, 2000, 2002, 2003, 2006, 2009; Kaulakienė, Rimkutė 2008; Auksoriūtė 2018), wobei sich in diesen Bereichen zahlreiche bestätigende Belege fanden. Sie wird jedoch auch durch Untersuchungen der Terminologie anderer Fachgebiete bestätigt. So finden sich in Quellen aus früheren historischen Zeiträumen, als die litauische Terminologie vieler Fachgebiete erst entstand oder sich noch im Entstehen befand, zahlreiche Synonyme (z. B.: Zemlevičiūtė 2003, 2004, 2018b; Mitkevičienė 2007, 2014, 2015b); Untersuchungen jüngerer Quellen oder ihr Vergleich mit älteren zeigen, wie der Übergang zu einer geringeren Zahl von Synonymen erfolgt (z. B.: Zemlevičiūtė 2001; Vladarskienė 2015; Auksoriūtė 2018). Auf Grundlage dieser Untersuchungen ließe sich die Annahme aufstellen, dass die Ursache der Synonymie in einer noch nicht ausgebildeten, nicht gefestigten Terminologie liegen müsse, wenn es in einer solchen Terminologie bereits viele Synonyme gebe. Diese Annahme muss jedoch gar nicht erst aufgestellt werden, da sie von Forschenden der Synonymie häufig direkt formuliert wird: So wird etwa aus den zahlreichen Synonymen in der Computerterminologie geschlossen, dass die Terminologie „nicht vollständig gefestigt und ausgebildet ist“ (Celišienė 2011: 29). Diese Ursache wird nicht näher erörtert. Nur in wenigen Artikeln wird erläutert, dass die Synonymie in der Anfangsphase der Terminologieentwicklung darauf hindeutet, dass nicht nur die Termini, sondern auch die Begriffe selbst und ihr Umfang noch nicht hinreichend klar sind (Kaulakienė 1994b: 51; Kvašytė 2000: 76) und dass sie eine Erscheinungsform der Variation bei der Benennung ist (Kaulakienė 1994a: 140).
Die Fülle an Synonymen zeigt sich jedoch nicht nur in Untersuchungen zur Terminologie früherer Zeiträume, sondern auch in mehreren Bereichen oder Teilbereichen des gegenwärtigen Sprachgebrauchs der Terminologie: Cybersicherheit (Stunžinas 2017), Bezeichnungen für Kryptowährungen
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Page 5vartojimo aplinka (Stunžinas 2018), ekonomika plačiąja prasme (Stankevičienė 2016). Žinoma, dabartinė terminija irgi gali būti dar tik besiformuojanti arba, kaip iš sinonimų gausos nusprendžiama apie ekonomikos terminiją, vis dar besiformuojanti: „<...> ekonomikos terminija, nors ir turi senas tradicijas, dar yra kuriama ir tikslinama“ (Stankevičienė 2016: 69). Vis dėlto negali būti taip, kad iki šiol dar tik formuojasi ar vis dar formuojasi visų sričių terminija. Tačiau sinonimų randama kone visose srityse, jei tik jas imamasi tirti sinonimijos požiūriu. Negana to, kai kurie darbai atskleidžia, kad laikui einant sinonimų tik daugėja (Gaivenytė 2000; Kazlauskaitė 2000), nemaža jų nė kitose kalbose (Kvašytė 2000; Stankevičienė 2012), o tai jau prieštarautų savaiminio mažėjimo teorijai ir keltų klausimą dėl daugėjimo priežasties. Tačiau ši sinonimijos priežastis straipsniuose taip pat įvardijama – kaip mokslo ar mokslo kalbos raida. Štai sinonimijos požiūriu ištyrus viso XX a. fonetikos terminus ir antrojoje XX a. pusėje nustačius sinonimų išplitimą, jis aiškinamas paties fonetikos mokslo išaugimu, kuris lem iąs naujų terminų poreikį (Kazlauskaitė 2000: 28). Palyginus fizikos terminus dviejuose fizikos terminų žodynuose ir pastebėjus, kad naujesniame dalis sinonimų išnyko, bet atsirado naujų, kaip šio padaugėjimo priežastis įvardijama ne mokslo, o mokslo kalbos raida (Gaivenytė 2000: 66). Ištyrus sinonimus ir variantus Juozo Balčikonio Rinktiniuose raštuose, apimančiuose kalbininko viso gyvenimo darbus, ir jų radus taip pat ir vėlesniuose darbuose, kaip priežastis nurodoma mokslo raida: lietuvių kalbos mokslas per tą laiką labai kito, buvo plėtojamos tradicinės kryptys, kuriamos naujos teorijos, taisyklės, randami nauji kalbos tyrimo atžvilgiai (Andriuškaitė 2000: 68). Mokslo kalbos polinkį į tarptautinius terminus kaip dvikalbių sinonimų atsiradimo pamatą minėjo ir Jonas Klimavičius (1975: 91).
Direkt benannt wird auch eine weitere Ursache der Synonymie – der Sprachkontakt (Stankevičienė 2016: 66–67). Auf der Grundlage des heutigen Litauischen ist verständlicherweise häufiger nicht von wechselseitigem Sprachkontakt, sondern vom Einfluss einer Sprache – des Englischen – die Rede. So wird bei der Untersuchung von Computertermini darauf hingewiesen, dass ihre Synonymie auf die große Zahl englischer Synonyme und den enormen Zustrom neuer Begriffe zurückzuführen ist, dass es in England und den USA keine staatlichen Einrichtungen zur Normierung der Wissenschafts- und Techniksprachen gibt und dass zahlreiche gleiche oder sehr ähnliche Begriffe gleichzeitig in vielen Wissenschaftszentren entstehen und häufig unterschiedlich benannt werden (Kaulakienė 2000: 53; 2006: 23; Grigas 2008: 33; Kaulakienė, Rimkutė 2008: 34).
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Page 6Die in den Arbeiten hervorgehobene Entwicklung der Terminologie hin zu einer Abnahme der Synonyme würde auf die Selbstläufigkeit und Selbstregulierung des Prozesses hindeuten; in mehreren Arbeiten wird der Rückgang der Synonyme jedoch auch mit der Bearbeitung und Normierung von Termini in Verbindung gebracht (Kaulakienė 2007: 108; Šilobritaitė 2007: 155; 2010: 77), was auf einen von außen wirkenden Faktor schließen ließe. Seine Erwähnung wirft verständlicherweise die Frage auf, was den Rückgang der Synonyme letztlich bewirkt: die eigenständige Entwicklung der Terminologie oder ihre Bearbeitung? Zumindest die historischen Untersuchungen zur Terminologie lassen jedoch darauf schließen, dass sich beides nicht widersprechen muss. So war die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einerseits keine Entstehungsphase der medizinischen Terminologie mehr; andererseits wurde im Zuge der nationalen Wiedergeburtsbewegung angestrebt, litauische Termini zu verwenden, sodass die Terminologie bewusst bearbeitet wurde. Vermutlich finden sich deshalb im zwischen 1889 und 1906 erschienenen Varpas viele Synonyme, und es werden keine gefunden (Zemlevičiūtė 2009). Auch das terminologische Bearbeitungsprinzip „ein Terminus – ein Begriff“ könnte sich aus der Anpassung an die erkennbare Tendenz zur selbstläufigen Abnahme von Synonymen ergeben haben. Eine andere Frage ist, wie weit dieses Prinzip praktisch umsetzbar ist, wenn objektive Ursachen wie die wissenschaftliche Entwicklung und der Sprachkontakt die Synonymie fördern. Vielleicht wird deshalb in jüngster Zeit, angesichts der tatsächlich intensiven wissenschaftlichen Entwicklung und des besonders starken Einflusses des Englischen, das Prinzip, für einen Begriff einen Terminus vorzusehen, zunehmend diskutiert (siehe Mitkevičienė 2020).
Die terminologische Bearbeitung und Normierung werden jedoch nicht nur als Ursachen für den Rückgang der Synonymie, sondern auch für deren Entstehung genannt. Eine solche Ursache wird beispielsweise sowohl bei der Untersuchung von Katechismustermini des 16. Jahrhunderts als auch jener vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angeführt und konkret als Bestreben der Katechismusautoren beschrieben, die Sprache zu reinigen (Rimkutė 2007: 143). Auch die Analyse der in den Artikeln von Antanas Vileišis verwendeten medizinischen Termini würde auf eine solche Ursache hindeuten (Zemlevičiūtė 2003: 103). Asta Mitkevičienė formuliert nach ihrer Untersuchung der literaturwissenschaftlichen Termini ausdrücklich den Gedanken, dass „synonyme Termini sowohl Ursache der Terminologiebearbeitung sind (es wird nach dem geeignetsten Terminus gesucht) als auch deren Ergebnis (eine Zeit lang werden, meist in verschiedenen Quellen, mehrere Termini für die Bezeichnung desselben Begriffs verwendet)“ (Mitkevičienė 2015b: 19). In einer theoretischen Arbeit über Synonymie wird dieser Gedanke noch weiter ausgeführt (Mitkevičienė 2020). Zwar ist nicht immer klar, was die Autoren unter terminologischer Bearbeitung und was sie unter Normierung verstehen; in einigen Arbeiten wird jedoch die Uneinigkeit unter den Fachleuten, die Termini prägen, oder ihre mangelnde Bereitschaft, sich darüber zu verständigen, was und wie zu litauisieren ist, erwähnt (Kaulakienė 2006: 24; Kaulakienė, Rimkutė 2008: 34), was wohl mit der terminologischen Bearbeitung in Verbindung zu bringen ist.
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Page 7Der in anderen Artikeln genannte Wunsch, einen Begriff rationaler als bisher zu benennen (Kaulakienė 1994b: 53; Stunžinas 2005: 15), ist wohl eher mit der Bildung oder Verwendung von Termini in Verbindung zu bringen. Ähnliche Ursachen führte Stasys Keinys an: „<...> aus Unkenntnis der von anderen Autoren verwendeten Termini, weil diese als ungeeignet oder unzuverlässig gelten, werden eigene Termini gebildet“ (Keinys 1980: 98); „<...> für manche ist ein Terminus geeigneter, während andere für denselben Zweck eher einen anderen Terminus verwenden“ (Keinys 2005b: 255); unterschiedlich sind „die Neigung der Terminusverwender, ihre Sprachkenntnisse oder andere Ursachen, beispielsweise die Vertrautheit eines Wortes (aus dem heimischen Dialekt oder nicht)“; es werden Neubildungen geschaffen oder Lehnübersetzungen hervorgebracht (Keinys 1980: 100–101; 2005b: 255). Kazimieras Gaivenis nannte in einem Artikel zwei häufigste Ursachen der Synonymie in der Wissenschaftssprache und führte als eine davon ebenfalls einen nutzungsbezogenen Grund an: Synonyme entstehen als zusätzliches Benennungsmittel, wenn der Autor nicht weiß oder unsicher ist, welchen Terminus er wählen soll (Gaivenis 2005: 201). Bei der Aufzählung von Ursachen, die mit der Bildung oder Verwendung von Termini zusammenhängen, wird allerdings gewöhnlich nicht berücksichtigt, dass Terminusverwendern (und auch Terminusschöpfern, sofern sie keine Terminologen sind) terminologisches Wissen fehlen kann. Dies wurde offenbar nur bei der Untersuchung der Bezeichnungen für Kryptowährungen ansatzweise erfasst, bei der als Ursachen der in diesem Bereich auftretenden Variation das mangelnde Verständnis wesentlicher Unterscheidungsmerkmale, der Versuch, sich mit englischen Lehnübersetzungen zu behelfen, und die Verwendung von Termini mit Bedeutungen, die ihnen nicht zukommen, genannt wurden (Stunžinas 2018: 142). Dass es sich dabei um Mängel bei der Bildung oder Verwendung von Terminologie handelt, ist für Terminologen selbstverständlich; für Fachleute eines bestimmten Gebiets, die nach einem Äquivalent für einen englischen Terminus suchen, und erst recht für Sprecher der Gemeinsprache muss dies jedoch nicht unbedingt klar sein.
Die genannten Ursachen werden in terminologischen Arbeiten ausdrücklich benannt. Andere treten lediglich stärker hervor; eine solche Ursache ließe sich als Adressatenfaktor zusammenfassen. So wird in der erwähnten Untersuchung zu Katechismustermini bei Fällen, in denen neben einem litauischen Wort ein Lehnwort steht, z. B.: duona (ostija), stebuklas (čiūdas), erwogen, dass damit wohl Äquivalente angeboten werden sollten, die für alle verständlich wären (Rimkutė 2007: 139). In der Untersuchung synonymischer Ausdrucksformen in der Zeitungsbeilage Sveikata wird darauf hingewiesen, dass diese Beilage für die breite Öffentlichkeit bestimmt war und der Popularisierung medizinischen Wissens diente; vermutlich bemühten sich die Autoren deshalb nicht besonders darum, Synonyme zu vermeiden (Zemlevičiūtė 2004: 98). Auf den Adressatenfaktor würde indirekt auch die Erörterung der für populärwissenschaftliche Texte typischen Verfahren zur Erläuterung von Termini hindeuten – als eines der Verfahren zur Erläuterung für Leser
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Page 8būdų minimas sinonimų vartojimas (Petrėnienė 2003: 49). O apžvelgus 1918 m. periodinėje Lietuvos spaudoje skelbtų populiarinamųjų publikacijų terminų sinonimus adresato veiksnys nurodomas gana tiesiogiai: „Medicinos, sveikatos ir gydymo temomis rašantiems autoriams reikėjo įsivaizduoti savo adresatą – paprastą lietuvių skaitytoją, taigi dalykinę informaciją jie turėjo pateikti populiariai ir suprantamai, vartoti daugiau lietuviškų terminų, kurie būtų žinomi ir aiškūs skaitytojui“ (Zemlevičiūtė 2018b: 193). K. Gaivenis, be jau minėtos terminų sinonimijos priežasties, minėjo, kad sinonimai gali būti teikiami kaip terminų istorijos šaltiniai, t. y. šalia norminių paminimi tie, kuriuos praeityje vartojo žymūs mokslininkai (Gaivenis 2005: 201). Tokią priežastį taip pat būtų galima sieti su adresato veiksniu, tik šiuo atveju veikiausiai orientuojamasi ne į paprastą skaitytoją, o į dalyko žinovą, specialių žinių ar jų poreikį turintį adresatą.
Synonymie wird sowohl auf der Grundlage von Texten als auch von Wörterbüchern der Fachterminologie untersucht; der Einfluss dieser Medien der Terminpräsentation auf Häufigkeit oder Anzahl der Synonyme wird von den Forschenden jedoch nicht verglichen. Der Einfluss des Textgebrauchs wird nur in wenigen Arbeiten erwähnt. So erklärte J. Klimavičius bei der Untersuchung von Synonymen in Wörterbüchern: „Die Verwendung von Synonymen internationaler und litauischer Termini in Texten wissenschaftlicher Werke weist ihre Besonderheiten auf. In Texten finden sich häufiger Entlehnungen, die bereits aus dem Sprachsystem verdrängt wurden, sowie Neuschöpfungen, die sich erst allmählich durchsetzen; insgesamt gibt es mehr Vielfalt, Schwankungen und Dynamik des Wandels“ (Klimavičius 1975: 93). Auch S. Keinys wies darauf hin, dass „es leicht zu verstehen ist, dass es viel einfacher ist, Termini in Wörterbüchern zu normieren und zu vereinheitlichen (und, wenn man will, Synonyme vollständig auszumerzen), als zu erreichen, dass zumindest in der gesamten Fachliteratur zu diesem Gebiet ausschließlich die vom Wörterbuch angegebenen Termini verwendet werden“ (Keinys 2005b: 255). Die Aussage, dass es in Texten mehr Synonymie als in Wörterbüchern gibt, hat A. Mitkevičienė in einer empirischen Arbeit vorgelegt (2015b: 18); in einer anderen, theoretischen Arbeit erörtert sie gesondert die Probleme der Erkennung von Synonymen und weist indirekt auf den möglichen Einfluss des Textgebrauchs im Vergleich zum nichttextlichen Gebrauch hin (Mitkevičienė 2015a: 51–56).
In anderen Arbeiten wird ein solcher Einfluss nicht hervorgehoben; noch weniger Aufmerksamkeit gilt dem Einfluss von Genre oder funktionalem Stil, obwohl das Bestreben, verständlich zu schreiben und Termini zu erläutern, für populärwissenschaftliche oder publizistische Werke eigentlich kennzeichnender sein sollte als für wissenschaftliche Werke. Auch diese Ursache der Synonymie lässt sich eher indirekt erkennen. So finden sich in der Terminologie, die der gesprochenen Sprache nahesteht – im viersprachigen Wörterbuch von Mykolas Miežinis (Labanauskienė 2014) und in zwei Wörterbüchern von Jurgis Pabrėža (Labanauskienė
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Page 92004) – zahlreiche Synonyme; die Merkmale der gesprochenen Sprache (Bildhaftigkeit, Expressivität) werden bei ihrer Untersuchung sogar als Quelle der Synonymie genannt (Labanauskienė 2004: 154). Dass Synonymie eine für Volkstermini charakteristische Eigenschaft ist, zeigt die von Robertas Stunžinas (2010) durchgeführte Untersuchung der Bauterminologie.
Insgesamt erweist sich das Spektrum der Ursachen der Synonymie jedoch als vergleichsweise schmal. Zudem werden die Ursachen gewöhnlich als für Synonymie allgemein geltend angeführt, obwohl verschiedene Arten der Synonymie unterschieden werden. So unterscheidet man etwa Wortbildungssynonyme und lexikalische Synonyme (Mikelionienė 2004: 273; Keinys 2005b; Stunžinas 2010), stammesgleiche und stammesverschiedene Synonyme (Umbrasas 2004; Mitkevičienė 2014, 2015b, 2018) sowie, nach ihrer Zusammensetzung, Synonyme einwortiger und mehrgliedriger Termini (Zemlevičiūtė 2001; Mitkevičienė 2005). Häufig untersucht werden Synonyme internationaler und litauischer Termini, unterschieden nach der Herkunft des Terminus (Klimavičius 1975; Kazlauskaitė 2000; Zemlevičiūtė 2001, 2004, 2018b); werden nicht nur internationale Wörter, sondern auch andere Entlehnungen berücksichtigt, so geht es um Synonyme von Termini verschiedener Herkunft, die den Synonymen von Termini gleicher Herkunft gegenübergestellt werden (z. B.: Andriuškaitė 2000; Šilobritaitė 2007, 2008, 2009). Bei der Untersuchung von Synonymen werden zu den Entlehnungen häufig auch hybride Termini mit nichtlitauischer Wurzel gerechnet (Stunžinas 2010; Mitkevičienė 2015b; Stankevičienė 2016), obwohl es unter dem Gesichtspunkt der Herkunft von Termini sinnvoll ist, Entlehnungen und Hybride zu unterscheiden.
Zwar wird in manchen Arbeiten nur ein bestimmter Typ der Synonymie untersucht, sodass sich die auf dieser Grundlage gezogenen Schlussfolgerungen scheinbar allein auf diesen Typ beziehen ließen. So wird bei der Untersuchung der Synonymie internationaler und litauischer Termini gefolgert, dass sie durch die Entwicklung der Phonetik bedingt sei (Kazlauskaitė 2000: 28); andernorts werden Synonyme von Termini unterschiedlicher Herkunft mit der Normierung (Rimkutė 2007: 143) und dem Adressatenfaktor (Rimkutė 2007: 139) in Verbindung gebracht. Dieselben Ursachen werden jedoch auch in Arbeiten genannt, die nicht ausschließlich Synonyme von Termini unterschiedlicher Herkunft untersuchen. So wird etwa die Entwicklung der Wissenschaft als Ursache angeführt, nachdem auch Fälle untersucht wurden, in denen Termini gleicher Herkunft (litauische Termini) synonym verwendet werden (Andriuškaitė 2000: 68). Oder Vilija Celiešienė erklärt die Synonymie in der Terminologie des Enciklopedinio kompiuterijos žodyno, die Termini unterschiedlicher Herkunft umfasst, mit dem Einfluss des Englischen (Celiešienė 2011: 28), während Gintautas Grigas auf Fälle aufmerksam macht, in denen für einen englischen Terminus mehrere litauische Termini geschaffen werden (Grigas 2008: 33), und damit zeigt, dass das Englische auch eine Ursache für die Synonymie einheimischer Termini ist.
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Page 10Übrigens werden häufig nicht nur Ursachen für verschiedene Arten von Synonymie, sondern auch für Variantenbildung als allgemein gültig bezeichnet, obwohl man in der litauischen Terminologieforschung gewöhnlich zwischen Synonymen und Varianten unterscheidet. So gelangt Angelė Kaulakienė, nachdem sie die in Konstantinas Šakenys’ Lehrbuch Fizikos gefundenen Synonyme und Varianten gesondert aufgelistet hat – darunter Fälle, die sich durch die Verwendung einer pronominalen Form unterscheiden –, zu dem Schluss, dass „[S]ynonymie und Variantenbildung, die mit der Variation der Benennung von Termini zusammenhängen, zeigen, dass die damalige physikalische Terminologie noch im Entstehen begriffen war und alle Merkmale einer sich entwickelnden Terminologie aufwies“ (Kaulakienė 2002: 74). Synonyme und Varianten werden in der litauischen Terminologieforschung etwas unterschiedlich beschrieben²; gewöhnlich gelten Erstere als verschiedene Termini, die denselben Begriff bezeichnen (z. B.: Mitkevičienė 2015b: 2; Celišienė 2011: 25), Letztere dagegen als Termini mit geringfügigen Ausdrucksunterschieden (z. B. Umbrasas 2004: 101) oder als unterschiedliche Formen desselben Terminus (z. B. Mitkevičienė 2004: 124). Andererseits ist es nicht einfach, Synonyme und Varianten voneinander abzugrenzen; in einigen neueren Arbeiten zur litauischen Terminologie wird eine allzu scharfe Abgrenzung auch nicht angestrebt, wobei als übergeordneter Begriff bald Synonymie (Umbrasas 2004: 101–102³), bald Variantenbildung (Stankevičienė 2016⁴) verwendet wird. Inwieweit die Ursachen dieser beiden Arten der Variation Gemeinsamkeiten aufweisen könnten, müsste gesondert untersucht werden; der vorliegende Artikel konzentriert sich jedoch ausschließlich auf die Ursachen der Synonymie. Die Frage nach den Grenzen zwischen Synonymie und Variantenbildung lässt sich allerdings nicht umgehen.
2. SYNONYMIE VON TERMINI UNTERSCHIEDLICHER HERKUNFT
Aus dem in der vorangegangenen Ausgabe von Terminologijos veröffentlichten Artikel ging hervor, dass die einwortige astrologische Terminologie hauptsächlich aus Entlehnungen mit griechischer oder lateinischer Wurzel, also echten Internationalismen⁵, besteht; eine kleinere Gruppe bilden Termini litauischer Herkunft. Das würde bedeuten, dass die Synonymreihen einwortiger Termini entweder aus internationalen und einheimischen Termini oder aus einem
2 Sinonimo ir varianto sampratos yra išsamiai aptartos A. Mitkevičienės (2004: 121–124; 2005: 40) straipsniuose.
3 „Im Allgemeinen sind Varianten ein Teil der Synonymie im weiteren Sinne; daher besteht in der Terminologie keine große Notwendigkeit, eine strikte Grenze zwischen ihnen zu ziehen, da es um die Benennung desselben Begriffs geht“ (Umbrasas 2004: 101–102).
4 „In dieser Arbeit gelten als Varianten von Termini sowohl Synonyme als auch Wörter gleicher Bedeutung, aber unterschiedlicher Form, die dieselbe Funktion erfüllen und sich nur im Ausdruck unterscheiden (Gaivenis, Keinys 1990; Umbrasas 2004)“ (Stankevičienė 2016: 66).
5 Obwohl der 2007 von der VLKK verabschiedete Entwurf vorsieht, auch Wörter, die in mehreren großen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch) verwendet werden, als Internationalismen zu betrachten, gelten Entlehnungen lateinischen und griechischen Ursprungs seit Langem als internationale Termini (siehe Žemlevičiūtė 2018a: 153–154).
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Page 11internationale Termini oder ausschließlich Termini litauischen Ursprungs. Synonyme der beiden letztgenannten Arten sind in der Untersuchungsquelle nicht zahlreich; bei der Klärung der Ursachen synonymischer Ausdrucksformen in der astrologischen Terminologie richtet sich die Hauptaufmerksamkeit daher auf die Synonymie internationaler und litauischer Termini. Allerdings wurden bereits bei der Untersuchung einwortiger Termini einige Entlehnungen anderer Herkunft gefunden. Daher ist hier genauer von der Synonymie von Entlehnungen und Termini litauischen Ursprungs zu sprechen, die üblicherweise als Synonymie herkunftsverschiedener Termini bezeichnet wird. Als Entlehnungen gelten in dieser Arbeit Termini mit einer oder mehreren nichtlitauischen Wurzeln.
2.1. Typische Fälle
SYNONYME EINWORTIGER TERMINI
Einer der markanteren Fälle herkunftsverschiedener Synonymie bei einwortigen Termini ist die synonymische Ausdrucksform des Terminus konjunkcija. Dieser internationale Terminus wird gewöhnlich bei der Benennung der von Planeten gebildeten Aspekte verwendet; in den Texten ist sein litauisches Äquivalent jungtis häufig (Am, Antr, Astr, Dh, Vi, W), ebenso wie susijungimas (Aw, Ur, Za, Zo); auf einer Website wird dieser Aspekt lygiagretė genannt (Aw). Alle übrigen Planeten-Aspekte werden jedoch überwiegend mit Termini griechisch-lateinischen Ursprungs bezeichnet, und Versuche, sie durch litauische Äquivalente zu ersetzen, kommen nur vereinzelt vor. So werden kvadratas oder kvadratūra nur auf ein paar Websites auch als ketvirtadalis bezeichnet (W, Dh). Der harmonische Aspekt trinas, auf Websites auch als trigonas bezeichnet, wird nur auf zwei Websites auch als trikampis benannt (Aw, Zo). Ein weiterer harmonischer Aspekt, sekstilis, wird nur auf einer Website šešiakampiu genannt (Aw). Auf dieser Website werden auch noch zwei weitere Bezeichnungen für weniger gebräuchliche Aspekttypen verwendet, nämlich pusiau kvadratas und pusiau trikampis (Aw); seksvikvadratas wird auf dieser Website auch als pusantro kvadratas bezeichnet (Aw). Die so entstehenden Synonymiefälle scheinen zwar mit dem Versuch verbunden werden zu können, eine Entlehnung zu litauisieren; andere Aspekte, und meist auch diese, werden auf den Websites jedoch mit Termini lateinischen Ursprungs bezeichnet. Umso unklarer ist, warum beim Terminus konjunkcija eine ziemlich systematische Ausnahme gemacht wird – sein litauisches Äquivalent wird auf vielen Websites verwendet. Die Ursachen sowohl dieser Ausnahme als auch der genannten vereinzelten Synonymiefälle könnten sich eher erschließen, wenn man sie mit anderen Fällen synonymischer Ausdrucksformen in Beziehung setzt.
Unter den einwortigen Termini weist auch der Terminus steliusmas synonymische Ausdrucksformen auf – in den Texten wird häufig sankaupa (Astr, Ur, W) oder telkinys (Dh, W) verwendet; außerdem kommen planetų sankaupa (Astr, ATŽ, Dh, Vi, W, Zo) und planetų telkinys (Astr, Dh, W) vor. Bereits im vorherigen Artikel wurde darauf hingewiesen,
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Page 12kad į tarptautinių žodžių žodynus terminas steliumas neįtraukiamas (Vaskelaitė 2020: 140). Tiesa, iš to straipsnio aiškėjo, kad į tarptautinių žodžių žodynus astrologijos terminų išvis nelinkstama įtraukti, tačiau kiti astrologijoje vartojami terminai (pvz.: konjunkcija, konfiguracija, kvadratūra, opozicija, sekstilis, ekliptika, tranzitas, egzaltacija, ingresija ir kt.) įtraukiami kaip kitų sričių terminai ar bendrosios vartosenos žodžiai, o tai teiktų pagrindo kelti prielaidą, kad steliumo, planetų susikaupimą viename ženkle įvardijančio termino, atitikmenį svetainėse siekiama teikti manant, kad tai skaitytojui mažiau žinomas terminas. Kita vertus, ir paties termino vartotojo jis gali būti nesiejamas su antikinėmis kalbomis, tarptautinio žodžio statusu ir todėl mėginamas keisti.
Bei anderen einwortigen Termini ist keine solche Tendenz zu erkennen. Einwortige litauische Äquivalente haben neben konjunkcijos und steliumo nur noch solsticija – auf Websites wird auch saulėgrįža verwendet (Am, Antr, Astr, W, Za, Zo). Somit werden von den 53 im vorherigen Beitrag erfassten einwortigen Termini griechisch-lateinischen Ursprungs nur konjunkcija, steliumas und solsticija stärker durch einwortige litauische Äquivalente ersetzt. Unter den im selben Beitrag erfassten andersstämmigen Entlehnungen hat nur kryžius einwortige Synonyme – auf mehreren Websites wird pradas verwendet (Sa, Vi, Zo). kryžius ist jedoch eine seit Langem eingebürgerte Entlehnung aus dem Polnischen; die synonymische Ausdrucksform ist in diesem Fall also nicht durch das Bestreben bedingt, den Terminus zu litauisieren.
Da im Vergleich zur vorherigen Arbeit auch neues, auf Websites veröffentlichtes Material in diese Untersuchung aufgenommen wird, erweitert sich das Korpus einwortiger Termini um einige weitere Termini. So werden auf einer Website kompozitas und kombinas als Synonyme genannt; beide sind Entlehnungen, wobei in Klammern nach der Kennzeichnung angl. auch die englischen Termini angegeben werden – entsprechend Composit und Combine (Antr). Anderswo wird Chiron, auf Websites üblicherweise als asteroidas bezeichnet (Am, Astr, Dh, Vi), als planetoidu benannt (Am), wodurch wiederum eine Synonymreihe aus zwei Entlehnungen entsteht. Einige neue einwortige Termini werden in das Terminologieglossar AS aufgenommen (kvintilis, bikvintilis, kverentas, kvezitas, kazimi, antisas, apogėjus AS); sie werden jedoch weder auf der Website, die das Glossar bereitstellt, noch auf anderen Websites verwendet, sodass sich auch keine Tendenz zeigt, sie durch litauische Äquivalente zu ersetzen.
Doch natürlich können nicht nur einwortige Termini Synonyme bilden.
SYNONYME IN MEHRWORTTERMINI
Sowohl das Grund- als auch das Bestimmungsglied eines Mehrwortterminus kann synonymisch verwendet werden. Die untersuchte Quelle zeigt jedoch, dass das Grundglied nicht zur synonymischen Verwendung neigt. Das Grundglied eines Teils der verwendeten Termini ist als Einwortterminus ein Wort lateinischen oder griechischen Ursprungs:
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Page 13Planet, Zyklus, Horoskop, Astrologie usw. Wenn ein Einwortterminus keine Synonyme hat, wird auch das Grundglied des entsprechenden Artterminus nicht synonymisch verwendet. So kommen etwa keine Synonyme des Grundglieds bei den Termini innere Planeten, äußere Planeten, große Zyklen, kleine Zyklen, Mondzyklus, Sonnenzyklus usw. vor. Auch für Grundglieder litauischen Ursprungs ist Synonymie untypisch – verwendet werden Frühlings-Tagundnachtgleiche Am, Antr, Astr, Vi, W, Zo, Herbst-Tagundnachtgleiche Am, Antr, Astr, Dh, Vi, Zo, Sonnenfinsternis, Mondfinsternis Am, Antr, Astr, Aw, Dh, Sa, Ur, Vi, W, Za, Zo, Neumond Am, Dh, Vi, W, Zo usw. Eine Ausnahme bildet lediglich die in einer Website deutliche Neigung, eine der wichtigsten Horoskoparten als Geburtskarte zu bezeichnen, obwohl dort der Einwortterminus Horoskop Zo verwendet wird. Letzterer wird in das auf dieser Website angebotene Glossar aufgenommen; bei seiner Erläuterung wird auch Geburtshoroskop (nataler Horoskop) AS verwendet.
Umgekehrt gilt: Ist eine synonymische Ausdrucksweise für einen Einwortterminus charakteristisch, so hat auch das Grundglied des auf dessen Grundlage gebildeten Terminus Synonyme. Wie sich jedoch bereits gezeigt hat, sind Synonymiefälle in der Einwortterminologie selten; daher ist die Synonymie der Grundglieder der auf dieser Grundlage gebildeten Termini nur bei den Termini Wintersonnenwende und Wintersonnenwende Am, Antr, Astr, Vi, W, Sommersonnenwende Astr und Sommersonnenwende Am, Antr, Astr, Vi, W anzutreffen. Bei anderen Termini ist Synonymie des Grundglieds für die Termini Finsternisperiode Antr, Astr, Ur, W, Za, Zo (oder Finsternisperiode Ur, W) und Finsterniszeitraum Antr, Astr, Za, Zo, retrograde Periode Antr, Vi, W und retrograder Zeitraum Antr, Vi, Za, Zo charakteristisch. Manchmal wird auch Retroperiode Vi verwendet. Die Wörter Periode und Zeitraum werden jedoch, obwohl sie keine Astrologietermini sind, auf den Websites ebenfalls synonymisch verwendet (z. B.: „Die in diesem Z e i t r a u m getroffene Entscheidung wird für jeden auf seine eigene Weise und in seinen jeweiligen Lebensbereichen durch verschiedene Prüfungen auf die Probe gestellt“ Antr und „Diese P e r i o d e ist eine Zeit innerer Transformation und von Veränderungsmöglichkeiten, sowohl für jeden Einzelnen als auch für die gesamte Gesellschaft“ Antr); dies deutet darauf hin, dass die Synonymie von Termini möglicherweise durch Nichttermini-Synonymie beeinflusst wird. Auf einen solchen Grund hat A. Mitkevičienė hingewiesen: Bei der Untersuchung der literaturwissenschaftlichen Terminologie der Zwischenkriegszeit stellte sie fest, dass einige Basiswörter von Terminbildungen Synonyme haben, und behauptete, dies sei eine linguistische Ursache für einen Teil der Synonyme (Mitkevičienė 2015b: 23). Ein ähnlicher Fall zeigt sich im hier untersuchten Sprachgebrauch bei den durch die Wörter Position und Stellung gebildeten Termingruppen: Auf den Websites werden die Wörter Position und Stellung synonymisch verwendet, ebenso werden synonymisch verwendet-
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Page 14Planetenposition und Planetenstellung Antr, Astr, Sa, Vi. Auf den Websites ist die Synonymie der Termini Sonnenposition, Marsposition, Lilithposition usw. verbreitet – verwendet werden auch Sonnenstellung, Marsstellung, Lilithstellung usw.
Synonymie ist charakteristischer für Bestimmungsglieder von Termini, allerdings ebenfalls nur bei einigen. Wie bereits erwähnt, werden die Termini Kreuz und Element auf mehreren Websites synonymisch verwendet; die Einteilung des Tierkreises in Kreuze oder Elemente impliziert jedoch auch drei Arttermini, deren Bestimmungsglied ein Adjektiv lateinischer Wurzel ist: fixes Kreuz (Element), kardinales Kreuz (Element), veränderliches (mutables) Kreuz (Element). Bei zwei der Adjektive wird nicht versucht, sie durch ein litauisches Äquivalent zu ersetzen; mutabel Am, Astr, Sa, W, Zo oder mutabelin Astr, Zo wird auch als wechselnd Sa, Aw oder veränderlich Aw bezeichnet, z. B.: „Die möglicherweise etwas weniger bekannte, in der Astrologie aber nicht weniger wichtige Einteilung der Zeichen umfasst drei Elemente oder, genauer gesagt, die sogenannten Kreuze: kardinal, fix und m u t a b e l (w e c h s e l n d)“ Sa. So können die Tierkreiszeichen eingeteilt werden; daher spricht man von kardinalen, fixen und mutablen oder veränderlichen Tierkreiszeichen, z. B.: „Den v e r ä n d e r l i c h e n Z e i c h e n mangelt es am meisten an Beharrlichkeit und Festigkeit beim Erreichen ihrer Ziele“ Aw.
Eine ähnliche Ausnahme findet sich bei der Bezeichnung von Astrologiearten. Diese sind gewöhnlich Kombinationen aus zwei Lehnwörtern: elektive Astrologie Am, An, ATŽ, Ur, Zo, evolutionäre Astrologie Antr, Ur, Vi, W, Za, Zo, mundane Astrologie An, Am, Sa, Zo usw. Bei den Bezeichnungen zweier Astrologiearten wird jedoch versucht, das adjektivische Glied durch ein litauisches Äquivalent zu ersetzen: choräre Am, Astr, ATŽ, Ur, Zo (horäre Ur) Astrologie wird auch als Frageastrologie Am, AS, Zo bezeichnet, während natalen Astrologie Zo auch als Geburtsastrologie, Geburts- (natale) Astrologie oder natale (Geburts-) Astrologie Zo bezeichnet wird. Die Schwankungen bei letzterem Terminus könnten durch den Zusammenhang zwischen den Begriffen und das Streben nach Systemhaftigkeit der Termini beeinflusst sein: Astrologiearten hängen mit Horoskoparten zusammen, und Horoskoparten werden überwiegend durch Termini mit einem Bestimmungsglied litauischen Ursprungs bezeichnet (Kinderhoroskop Sa, Za, Partnerschaftshoroskop An, Zo usw.). Zumindest wird der Terminus Geburtshoroskop Am, An, Antr, Astr, Aw, Dh, Ur, Vi, Za, Zo auf vielen Websites verwendet (nur auf drei wird vereinzelt nataler Horoskop Antr, Astr, Aw erwähnt), sodass man sich bei der Bezeichnung einer Astrologieart an der Benennung der Horoskopart orientieren könnte. Übrigens wird auf einigen Websites als Synonym für den Terminus Geburtshoroskop Radix Aw, Zo genannt; aus einem Glossar auf einer Website geht zudem hervor, dass auch der auf Websites weit verbreitete Terminus persönliches Horoskop ein Synonym ist – bei dessen Aufnahme ins Glossar heißt es: „Wird auch Natal- oder Geburtshoroskop genannt“ ATŽ. Bei der Erläuterung anderer Termini werden hier auch natale Punkte, natale Planeten ATŽ erwähnt.
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Page 15Obwohl sich der genannte Fall mit dem Streben nach Systemhaftigkeit erklären ließe, ist zugleich festzuhalten, dass weder das Adjektiv natalinis, -ė noch chorarinis, -ė oder mutabilis, -i ebenso wenig wie steliumas in Wörterbücher der Internationalismen aufgenommen werden; eine Momentaufnahme des gegenwärtigen Sprachgebrauchs, die das System Google liefert, würde zudem zeigen, dass diese Wörter weder im allgemeinen Sprachgebrauch noch in der Terminologie anderer Fachgebiete verbreitet sind. Dies stützt die bei der Erörterung des Terminus steliumas aufgestellte Annahme, dass Synonymie durch das Bestreben bedingt sein kann, den Lesenden eine Entsprechung für ein weniger bekanntes Wort oder einen weniger bekannten Terminus anzubieten. Andererseits ließe sich aus den Schwankungen der morphologischen Form (mutabilis ir mutabelinis; die Eigenschaft wird als mutalumas bezeichnet Astr, Zo) schließen, dass bestimmte Wörter mit internationaler Wortwurzel über Vermittlersprachen (vgl. engl. mutable) auf Websites gelangen können und deshalb von den Autorinnen und Autoren als Fremdwörter bewertet und zu ersetzen versucht werden.
Ausnahmen, die nur einen der Termini betreffen, gibt es auch bei den Termini zur Bezeichnung von Aspektarten. Aspekte werden auf Websites nach zwei verschiedenen Kriterien klassifiziert, und eine dieser Einteilungen setzt das Terminuspaar minoriniai aspektai ir mažoriniai aspektai An, Antr, Astr, Dh, Za, Zo voraus. Eine solche Einteilung ist allerdings selten, sodass das Terminuspaar nicht auf allen Websites vorkommt. Dennoch gibt es für den ersten Terminus keine Synonyme, während der adjektivische Bestandteil des Terminus mažoriniai aspektai auch auf Litauisch angegeben wird, z. B.: „In der Astrologie werden hauptsächlich 5 G r u n d a s p e k t e (auch M a j o r a s p e k t e genannt) verwendet“ Zo. Der angeführte Satz könnte auch eine Erklärung für die Ausnahme sein, die nur bei einem der Artbegriffe gemacht wird – der Terminus minoriniai aspektai ist in der Astrologie weniger relevant. Etwas schwieriger lässt sich allerdings die Ausnahme erklären, die auf Websites bei der Klassifizierung von Aspekten nach ihrer Günstigkeit gemacht wird. Dies setzt das Terminuspaar harmoningi aspektai ir neharmoningi aspektai Am, Antr, Astr, Dh, Zo, W voraus; doch selbst bei der Darstellung der Klassifikation und insbesondere in Texten wird das zweite Glied dieses Paares auch als įtempti aspektai Am, Astr, ATŽ, Aw, Zo, įtampos aspektai Antr, Vi, Sa, negatyvūs aspektai Am, Antr sowie neigiami aspektai Aw, Sa, Ur bezeichnet.
Synonymische Ausdrucksweisen sind auch für ein weiteres Paar adjektivischer Bestandteile kennzeichnend. Bereits bei der Erwähnung von Fällen synonymischer Verwendung der Hauptbestandteile wurde darauf hingewiesen, dass retrogradinis periodas und retrogradinis laikotarpis synonymisch verwendet werden. Mit dem Adjektiv lateinischen Ursprungs retrogradinis, -ė sind jedoch noch weitere Termini gebildet: retrogradinis judėjimas Am, Antr, Astr, Sa, Vi, W, retrogradinė fazė Am, Antr, Astr, Za, Zo, retrogradinė planeta Am, Antr, Astr, ATŽ, Dh, Sa, Ur, Zo. Sie beziehen sich sämtlich auf die Erklärung des Phänomens, dass es von der Erde aus betrachtet so scheint, als bewege sich ein Planet rückwärts. Da dieses Phänomen die meisten Planeten betrifft, sind auch die Termini retrogradinė Venera, retrogra- weit verbreitet.
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Page 16dinis Saturnas, retrogradinis Merkurijus usw. Das Phänomen, bei dem sich die Planeten gewöhnlich bewegen, wird mit einem anderen Adjektiv bezeichnet: direktyvus (direktyvinis) judėjimas Am, direktyvinė fazė Am, Antr, Astr oder direkcinė fazė Astr, direkcinis Marsas, direkcinis Merkurijus, direkcinis Neptūnas usw. Es werden jedoch auch litauische Entsprechungen verwendet, z. B.: „Tatsächlich bewegt sich der Planet in der Realität weiter in seiner gewohnten Richtung; die Rückwärtsbewegung ist unsere visuelle Perspektive von der Erde aus, die durch die unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeit der Planeten entsteht“ Antr; „Am 19. August drehte Merkur aus der rückläufigen (retrograden) Bewegung in die direkte Richtung“ Ur. Die Erklärung dieser astrologischen Phänomene auf Websites zeigt besonders große Möglichkeiten für nichtterminologische Synonymie auf. So kann beispielsweise der Terminus retrogradinis Marsas durch ein nach dem Bezugswort stehendes erweitertes Attribut ersetzt werden: „Den aktiven Verlauf bremste vorerst Mars, der rückwärts läuft“ Astr. Vgl. ferner: „Merkur, der Bote des Tierkreises, der göttliche Vermittler, wird sich diesmal rückwärts durch das von ihm beherrschte Zeichen Zwillinge bewegen“ Vi. Solche Möglichkeiten können ihrerseits eine Ursache für terminologische Synonymie sein. Andererseits zeigen Beispiele wie „Am 10. September wurde Mars rückläufig und wird sich etwa zwei Monate lang so bewegen“, „Während sich Venus rückläufig, d. h. rückwärts zu dem Ort bewegt, an dem sie bereits war, kehren wir sozusagen in die Vergangenheit zurück“ Antr oder „Merkur wird ab dem 19. August direktläufig (d. h. beginnt, sich direkt zu bewegen)“ Astr und andere, dass die Wirkung in beide Richtungen gehen kann – terminologische Synonymie kann nichtterminologische Synonymie beeinflussen.
Fälle, in denen Haupt- oder Nebenbestandteile anderer Termini durch ein litauisches einwortiges Äquivalent ersetzt werden, kommen nur vereinzelt vor. So wird neben dem seltener vorkommenden Terminus Mėnulis be kurso Am, Sa, Zo auf einer Website auch das Synonym tuščias Mėnulis Am verwendet. In einem der Glossare wird der Terminus astrologinis (žvaigždinis) dydis AS aufgeführt, obwohl er weder auf der Website, die das Glossar bereitstellt, noch auf anderen Websites verwendet wird. Dort wird außerdem als Synonym für den Terminus elektyvinė astrologija der Ausdruck pasirinkimo astrologija AS und weitere angegeben.
SYNONYMIEN ZWISCHEN EINWORTIGEN UND MEHRWORTIGEN TERMINI
Auch auf Websites gibt es nicht viele Fälle, in denen ein einwortiger Terminus mehrwortige Synonyme hat.
Ein prägnanterer Fall sind die Entsprechungen des Terminus septeneras (septeneris) Am, Astr, der nur auf zwei Websites verwendet wird. In einem Satz wird als Entsprechung septyniukė Astr gebraucht, andernorts jedoch zweigliedrige Termini: „Von
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Page 17Schon seit langem waren sieben mit bloßem Auge sichtbare Planeten des Sonnensystems bekannt: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Sie werden als die große Sieben (oder Septener) bezeichnet“; „So schenkte uns die babylonische Zivilisation die Tierkreiszeichen, das System der sieben Planeten – den großen Septener – sowie das erste Horoskop“ Astr. Wie zu erkennen ist, hat sich die Entsprechung nicht etabliert; zugleich zeigt sich jedoch eine Tendenz, den Terminus dem Leser zu erläutern, man orientiert sich also am Adressaten. In einem Fall wird das Lehnwort septeneras jedoch nach Verwendung des litauischen Terminus genannt, was darauf hindeuten kann, dass man sich an einen Adressaten mit speziellen Astrologiekenntnissen richtet.
Eine ähnliche postpositive Verwendung ist auch für das Lehnwort soliaras Am, An, Antr, Astr, ATŽ, Dh, Ur, Vi, W, Za, Zo charakteristisch (auf zwei Websites wird solaras Sa, Antr verwendet), z. B.: „Die Analyse der astrologischen Jahrestendenzen umfasst gewöhnlich die Interpretation des Horoskops zum Zeitpunkt der Sonnenwiederkehr eines Menschen, des sogenannten Solars (lat. solaris – sonnig)“ Antr; „Wenn Sie eine individuelle Jahresprognose – ein Soliar – bestellen möchten, tun Sie dies am besten mindestens einen Monat vor Ihrem Geburtstag“ An. Dieser Terminus kommt jedoch auf Websites häufig vor (er wird auf 11 Websites verwendet), und aus seinem Gebrauch geht hervor, dass er zudem mehrdeutig ist: So werden sowohl eine Horoskopart als auch eine Prognosemethode und ein astrologisches Phänomen bezeichnet. In letzterer Bedeutung wird häufig das Synonym Saulės grįžimas Sa, Vi oder Saulės sugrįžimas An, Vi, Za verwendet. Die Ursache der Synonymie kann in diesem Fall also das Bestreben sein, den mehrdeutigen Terminus zu differenzieren. Auf eine solche Ursache weist A. Mitkevičienė bei der Untersuchung der literaturwissenschaftlichen Termini der Zwischenkriegszeit hin (Mitkevičienė 2015b: 19).
Mehrdeutig ist auch der Terminus sinastrija. Bereits in einem früheren Artikel wurde darauf hingewiesen, dass damit auf Websites sowohl eine Methode als auch eine astrologische Richtung und eine Horoskopart bezeichnet werden, wobei unterschiedliche Entsprechungen für den Terminus angegeben werden; die Horoskopart wird jedoch häufig auch als suderinamumo horoskopas oder sinastrinis horoskopas bezeichnet (Vaskelaitė 2020: 147). Die Ursache oder zumindest der Anlass für diesen Synonymiefall kann also ebenfalls das Bestreben sein, einen mehrdeutigen Terminus zu differenzieren. Andererseits zeigt sich auch das Bestreben, den Terminus dem Leser zu erläutern, z. B.: „Ob Menschen füreinander geeignet sind, gibt die Synastrie – das Kompatibilitätshoroskop – an“ An.
Weder mit einem solchen Bestreben noch mit Mehrdeutigkeit ließe sich jedoch die Synonymie des Terminus erklären, mit dem die zwölf Teile eines Horoskops bezeichnet werden. Zwar gibt es Texte, in denen die Bezeichnung būstai überwiegt An, Dh, Ur, W; häufig werden jedoch nicht nur auf derselben Website, sondern auch im selben Text sowohl astrologiniai būstai als auch horoskopo būstai, sowohl astrologiniai namai als auch horoskopo namai sowie namai verwendet,
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Page 18Zum Beispiel: „Astrologische Häuser (Häuser) werden als eine imaginäre Einteilung der Ekliptik in 12 Sektoren definiert, die unterschiedliche Lebensbereiche, bestimmte Umstände oder Menschen bezeichnen, mit denen wir in Berührung kommen und in denen sich die Planeten manifestieren. Wenn also die Tierkreiszeichen zeigen, wie ein Planet seine Energie zum Ausdruck bringt, zeigen die Häuser, in welchem Lebensbereich er sich am stärksten manifestiert. In erster Linie weisen die Horoskophäuser auf einen bestimmten Lebensbereich hin“ Zo. Dies würde darauf hindeuten, dass der Terminus nicht gefestigt ist. Mit der fehlenden Festigung ließe sich auch die Synonymie des Terminus mittlere Planeten Astr, Dh, Planeten mittlerer Distanz, Planeten mittlerer Reichweite Astr erklären.
In einem der Glossare werden die Termini großes Trigon und Trigon AS als Synonyme angegeben; im Text wird außerdem einmal die Bezeichnung großes Dreieck Zo verwendet. Die im Glossar angegebene Definition („Aspektkonfiguration, die aus drei Trigonen besteht, welche drei Horoskop-Punkte verbinden“) würde darauf hindeuten, dass Trigon auf dieser Website nicht als Synonym für Trigon angesehen wird; der Terminus großes Trigon wird auf dieser Website jedoch nicht verwendet, und großes Dreieck Zo kommt ebenfalls nur ein einziges Mal vor; auch dieser Synonymiefall ist also ein Einzelbeleg, der nur auf dieser Website vorkommt. Auf dieser Website werden astrologische Konzepte besonders ausführlich erläutert, weshalb dort mehr Termini als auf anderen Websites verwendet werden und somit auch mehr Fälle von Synonymie unterschiedlicher Herkunft auftreten: arabische Punkte (Pars), böse Planeten werden als Metafaktoren Zo bezeichnet usw.
2.2. Atypische Fälle
Für die Terminologie des untersuchten Bereichs sind Eigennamen besonders charakteristisch, doch vier von ihnen – Lilit und Selena, Rachu und Ketu – weisen eine atypische Synonymie auf. So werden vier mathematisch berechenbare Horoskop-Punkte bezeichnet, die in Texten häufig zusammen mit den Namen von Planeten erwähnt werden. Zugleich wird ein Unterschied hervorgehoben: Planeten seien reale Himmelskörper, diese Objekte hingegen existierten nicht als materielle Himmelskörper, sondern würden als Verhältnis der Planetenbahnen zueinander berechnet. In diesem Zusammenhang werden die Wortverbindungen fiktiver Planet oder fiktive Planeten Am, Dh, Sa, Ur, W, Za, Zo verwendet, doch handelt es sich eher um kontextuelle Synonyme (zu den Problemen der Bestimmung von Synonymen siehe Abschnitt 3). Allerdings tendiert die Wortverbindung fiktive Punkte Antr, Astr, Vi, Zo zum terminologischen Gebrauch; als ihre Synonyme werden in Texten karmische Punkte Astr und esoterische Punkte Dh, W verwendet. Dies sind Fälle von Synonymie bei einem untergeordneten Element.
Für die Bezeichnungen konkreter karmischer Punkte ist ein anderer synonymischer Gebrauch charakteristisch – sie werden in Texten nicht ohne ein Synonym verwendet. Für die erste oppositionelle Paarung – Lilit (auf einer Website Lilith Za) und Selena – lauten die Synonyme Schwarzer-
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Page 19dasis Mond und Weißer Mond. Selbst wenn im Text Lilit oder Selena verwendet wird, wird zumindest bei der ersten Erwähnung stets auch ein Synonym genannt, z. B.: „Bis zum 21. November bewegt sich die Sonne im Zeichen des Skorpions zusammen mit Selena oder dem Weißen Mond“ W; „Der Weiße Mond oder Selena hält sich in jedem Zeichen etwa 7 Monate auf“ Sa; „Am 6. August 2018 wechselte Lilit (Schwarzer Mond) in das Sternzeichen Wassermann“ Am. Darüber hinaus können Synonyme eine Wortverbindung bilden, deren Bestandteile in einem Appositionsverhältnis stehen, z. B.: „Donalds Geburts-Schwarzer Mond Lilit steht gerade im Schützen“ Ur.
Das zweite Paar karmischer Punkte wird zusammenfassend Mondknoten genannt, und seine beiden Mitglieder Rachu (auf einigen Websites Rahu Astr, Vi) und Ketu werden als aufsteigender Mondknoten und absteigender Mondknoten bezeichnet. Die Mondknoten werden jedoch auch karmische Knoten oder karmische Punkte genannt, entsprechend Rachu – karmischer aufsteigender Mondknoten, Ketu – karmischer absteigender Mondknoten. Diese Wortverbindungen werden ebenfalls als Termini verwendet, weisen jedoch sowohl orthografische als auch syntaktische Varianten auf, z. B.: „Das vom absteigenden karmischen Mondknoten (oder Ketu) mitgebrachte Programm sollte nicht als das wichtigste betrachtet werden“ Sa; „Ketu oder der karmische absteigende Mondknoten bringt zum Ausdruck, was wir bereits gelernt haben“ Astr. Es kommen auch Fälle vor, in denen die Synonyme in einem Appositionsverhältnis stehen, z. B.: „Der karmische Knoten Rachu wechselte aus dem Sternzeichen Wassermann in das Sternzeichen Steinbock, und der karmische Knoten Ketu wechselte aus dem Sternzeichen Löwe in das Sternzeichen Krebs“ Sa.
Die Mitglieder dieses Gegensatzpaares haben jedoch noch weitere Synonyme: Rachu wird nördlicher Mondknoten und Drachenkopf genannt, Ketu – südlicher Mondknoten und Drachenschwanz. Auch diese Synonyme werden in denselben Texten genannt, z. B.: „Etwa eineinhalb Jahre lang, bis zum 21. August, befand sich der karmische Knoten Rachu oder der Drachenkopf im Wassermann, während sich der karmische Knoten Ketu oder der Drachenschwanz im Sternzeichen Löwe befand“ W; „Anders heißt er auch aufsteigender Mondknoten, Rachu oder Drachenkopf“ Ur.
In terminologischen Arbeiten wird Variabilität oft gemeinsam mit Synonymie behandelt, und beide Arten der Variation werden nicht selten als Zeichen dafür bezeichnet, dass sich die Terminologie noch nicht gefestigt hat (z. B. Kaulakienė 2000; Zemlevičiūtė 2004). Aus Sicht der Synonymie lassen sich diese Termini jedoch nicht als ungefestigt betrachten, da auf allen Websites dieselben Synonyme verwendet werden. Diese Fälle lassen sich auch nicht mit anderen häufig angeführten Ursachen der Synonymie erklären, etwa mit der Entwicklung der Wissenschaft oder ihrer Sprache, dem Einfluss des Englischen oder der terminologischen Vereinheitlichung beziehungsweise deren Ausbleiben; ebenso wenig lassen sie sich durch Ursachen im Zusammenhang mit der Bildung oder Verwendung von Termini erklären, wie etwa die Vorlieben eines Autors oder die Unkenntnis der von anderen Autoren verwendeten Termini.
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Page 20wie die Entwicklung der Wissenschaft oder ihrer Sprache, dem Einfluss des Englischen oder der terminologischen Vereinheitlichung beziehungsweise deren Ausbleiben, lässt sich ebenfalls nicht zurückgreifen; auch Ursachen im Zusammenhang mit der Bildung oder Verwendung von Termini, etwa die Vorlieben eines Autors oder die Unkenntnis der von anderen Autoren verwendeten Termini, kommen als Erklärung nicht infrage.
Die Termini Mondbahnknoten oder Knoten sowie aufsteigender Knoten, absteigender Knoten werden auch in der Astronomie verwendet. So ist Knoten (sowie absteigender Knoten, aufsteigender Knoten) in das Enzyklopädische Wörterbuch der Astronomie aufgenommen (Straižys 2003). Bei der Erläuterung astronomischer Begriffe zu Mond und Finsternissen werden auch in der Allgemeinen Litauischen Enzyklopädie die Bezeichnungen Mondbahnknoten oder Bahnenknoten, Knoten verwendet; der Begriff wird dort als „Punkte, an denen die Mondbahn die Ekliptikebene schneidet“ erklärt VLEe. So wird der Begriff Mondknoten auch in der Astrologie erläutert, z. B.: „Die Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ekliptik. Der Punkt, an dem der Mond von der südlichen auf die nördliche Himmelshalbkugel wechselt, wird aufsteigender Mondknoten (oder nördlicher Knoten oder Drachenkopf) genannt; umgekehrt – der Wechsel von Norden nach Süden – heißt absteigender (oder südlicher Knoten oder Drachenschwanz)“ Zo. Dies deutet darauf hin, dass eines der Synonyme mit der Benennung eines astronomischen Phänomens verbunden ist6. Eine Erklärung für einige andere Synonyme von Rachu und Ketu findet sich auf astrologischen Websites. Bereits in einer früheren Arbeit wurde darauf hingewiesen, dass die karmischen Punkte Rachu und Ketu in Artikeln zum Thema Astrologie als Planeten der vedischen Astrologie erklärt werden und ihre Namen mit einem mächtigen Dämon in Verbindung gebracht werden, der durch einen Diskuswurf in zwei Teile gespalten wurde: Rahu sei sein Kopf, Ketu sein Schwanz (siehe Vaskelaitė 2020: 152)7. Selena und Lilit werden mit der Avesta, der persischen Astrologie, in Verbindung gebracht: „Karmische Knoten sind in allen astrologischen Traditionen bekannt, Selena und Lilit hingegen vor allem in der Avesta (persischen) Astrologie“ Astr. Und einige Websites (Astr, Antr) bieten auch Darstellungen der Geschichte der Astrologie, die hervorheben, dass die westliche Astrologie kein Erbe nur einer einzigen Tradition ist, z. B.: „Die hellenistische Astrologie war im Wesentlichen ein Gebilde aus den astralen Religionen Mesopotamiens und Ägyptens sowie den auf Ptolemäus’ Werken beruhenden astronomischen Berechnungen der Griechen“ Antr. Dies legt nahe, diese atypischen Fälle von Synonymie mit der Schnittstelle verschiedener Traditionen in Verbindung zu bringen, die in der westlichen Astrologie zusammenflossen.
Atypische Synonymie findet sich auch bei einem weiteren Terminpaar, das Horoskoppunkte bezeichnet. Obwohl auf den Websites die Entsprechungen Himmelsmitte und Himmelstiefe, Zenit und Nadir oder beschreibende Umschreibungen des Terminus vorkommen (über
6 Die Ursprünge der Astronomie sind mit der Astrologie verbunden – darauf wird auch in Wörterbüchern astronomischer Termini hingewiesen, z. B.: „Die Astrologie verhalf in der Antike der Astronomie zu ihrem Entstehen“ (Straižys 2003).
7 So wird es in Artikeln zum Thema Astrologie angegeben, die im Chicago Aid veröffentlicht wurden (Čeremисinas 2015a, 2015b).
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Page 21(zu diesen siehe Abschnitt 3), dennoch dominieren die nicht adaptierten lateinischen Termini Medium Coeli und Imum Coeli sowie ihre Abkürzungen, z. B.: „Der Anfang des ersten Hauses wird Aszendent genannt, der Anfang des vierten Hauses IC (Imum coeli), der Anfang des siebten Hauses Deszendent und der Anfang des zehnten Hauses MC (Medium coeli)“ Zo; „IC (imum coeli, Himmelstiefe) – der tiefste Punkt, an dem die Sonne um Mitternacht steht“ Astr. Diese Synonymie ist durch das in der Astrologie ausgeprägte lateinische Erbe bedingt, das auch durch die im vorherigen Artikel behandelten einwortigen Termini belegt wird – darunter gibt es zahlreiche Wörter lateinischen Ursprungs. Übrigens kommen in den Texten von Websites noch weitere Abkürzungen lateinischen Ursprungs vor, zum Beispiel werden die Abkürzungen der Termini ascendentas und descendentas verwendet: Asc und Dsc, ASC und DSC (z. B. „Wenn Chiron mit ASC konjunkt steht, kann der Mensch eine Narbe im Gesicht haben“ Aw), denn es ist üblich, verschiedene Punkte im Horoskop auf diese Weise zu kennzeichnen.
3. T E X T U E L L E R G E B R A U C H U N D S E I N E E I N F L Ü S S E
Obwohl in litauischen terminologischen Arbeiten Synonyme und Varianten, wie bereits in Abschnitt 1 erwähnt, tendenziell unterschieden werden, ist dies nicht einfach. Manche Fälle lassen sich weder den Synonymen noch den Varianten eindeutig zuordnen.
Es handelt sich um Fälle, in denen derselbe Begriff sowohl mit einem kürzeren als auch mit einem längeren Terminus bezeichnet wird, etwa skystas kūnas und skystimas, skystis oder neigiamasis žodelis und neigtukas. In früheren Arbeiten wurden sie von Synonymen unterschieden und als Varianten bezeichnet (z. B.: Kaulakienė 1994b: 52; 2003: 112–11; Andriuškaitė 2000: 73–74), ebenso wie Termini mit Abweichungen in der Wortbildung, Schreibweise oder anderen Merkmalen chemiškas ekvivalentas und cheminis ekvivalentas, Džaulio dėsnis, Džaulio dėsnis und Joulio dėsnis (Kaulakienė 2003: 112–113). Später galten nur noch Termini mit geringfügigen Ausdrucksunterschieden als Varianten, während Fälle wie skystas kūnas und skystimas den Synonymen zugerechnet und als stammverwandte Synonyme bewertet wurden (Mitkevičienė 2015b, 2018). Fälle hingegen, in denen im Text ein bis zu einer bestimmten Anzahl von Bestandteilen verkürzter Terminus verwendet wird, z. B. elektrometrų apdanga – apdanga, werden weder unter den Synonymen noch unter den Varianten aufgeführt. Sie wurden als „auf besondere Weise verwendete Termini“ bezeichnet (Kaulakienė 2003: 115) und als Lang- und Kurzformen von Termini behandelt (Mitkevičienė 2014: 181, 183; 2015a: 53–54). Als Lang- und Kurzformen von Termini werden sie auch in A. Mitkevičienės ausführlichem Artikel erwähnt, in dem bei der Erörterung der Probleme beim Erkennen von Synonymen im Text zugleich indirekt Fälle des textuellen Gebrauchs von Termini hervorgehoben werden. Solche Fälle sind auch für den hier untersuchten Sprachgebrauch charakteristisch; ebenso treten einige der im Artikel genannten oder nicht genannten Probleme bei der Erkennung von Synonymen auf.
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Page 22Als ein solches Problem werden Lang- und Kurzformen von Termini genannt. Im untersuchten Sprachgebrauch lassen sich manche Verkürzungen von Termini leicht erkennen, z. B.: „Die Mondknoten weisen auch die Richtung, in die sich ein Mensch entwickeln soll, und beschreiben die Formen seiner Evolution. Beide Knoten zeigen, wie der Mensch weiter vorgehen soll“ Za. Das Verhältnis zwischen den Termini Zodiako ženklo valdovas und valdovas wäre jedoch nicht so eindeutig: Selbst wenn das Glossar Zodiako ženklo valdovas aufführt, wird in den Texten meist nur valdovas Antr, Aw, Dh, Vi, Zo8 verwendet. Die Termini aspektai tarp planetų, horoskopo rektifikacija AS hingegen sind im Grunde nur in einem Glossar aufgeführt – auf den Websites werden aspektai, rektifikacija. verwendet.
Der Terminus ženklas ist offensichtlich das Ergebnis der Verkürzung des Terminus Zodiako ženklas, während die Bezeichnungen einzelner Zeichen, z. B. Liūto ženklas, Vėžio ženklas, das Ergebnis der Verkürzung der Termini Liūto zodiako ženklas, Vėžio zodiako ženklas sind. In denselben Texten werden jedoch parallel auch Liūtas, Vėžys verwendet; diese Fälle sollte man eher als Synonyme (mit gemeinsamem Wortstamm) denn als Kurzformen betrachten, ebenso wie Ugnies stichija und Ugnis, Vandens stichija und Vanduo. In den Texten sind jedoch alle drei Bezeichnungen verbreitet (z. B. Vėžio zodiako ženklas, Vėžio ženklas, Vėžys), sodass die Grenze zwischen Verkürzung und Synonymie recht unscharf ist. Außerdem ist nicht immer leicht festzustellen, ob es sich bei einem Terminus um eine Lang- oder Kurzform handelt. So wird eine andere Gruppe von Eigennamen im Wesentlichen nur als einwortige Termini verwendet: Venera, Marsas, Neptūnas, Plutonas usw. Eine Verwendung wie „Der Planet Mars formt den Willen“ Ur ist selten; daher ließen sich die einwortigen Planetennamen nicht mehr als Ergebnis einer Terminusverkürzung bewerten. Ebenso wenig ließe sich der auf allen Websites verwendete Terminus Zodiakas so bewerten, da zodiako ratas nur auf einer Website synonymisch verwendet wird: „Alle diese Himmelskörper durchlaufen auf ihrer Bewegung denselben Weg, der in der Astrologie Tierkreis genannt wird. Der Tierkreis ist ein etwa 16 Grad breiter Streifen der Himmelskugel, durch dessen Mitte die Ekliptik (der Weg der Sonne) verläuft und der 13 Sternbilder berührt.“ Vi. Andererseits wird zodiako ratas hier als astrologischer Terminus verwendet.
Als ein weiteres Problem beim Erkennen von Synonymen im Text nennt A. Mitkevičienė in ihrem Artikel Termini, die sich hinsichtlich ihrer motivierenden Merkmale unterscheiden können. Solche Fälle sind im untersuchten Sprachgebrauch nicht zahlreich. Besonders deutlich sind artimosios planetos Astr, Sa und asmeninės planetos Astr sowie vidurinės Astr, Dh, vidurinio nuotolio
8 Auf solche Fälle wurde bereits bei der Erörterung einwortiger astrologischer Termini nach ihrer Herkunft hingewiesen, da sie die Frage aufwerfen, ob ein Terminus als ein- oder mehrwortig einzustufen ist (Vaskelaitė 2020: 155–156).
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Page 23Planeten und soziale Planeten Astr, Zo. Unterschiede im Motivationsmerkmal werden jedoch auf einer Website durch die Erläuterung des Begriffs deutlich: „Die nahen Planeten sind Sonne, Mond, Merkur, Venus und Mars. Sie werden persönliche Planeten genannt, weil sie einen bestimmten persönlichen Bestandteil des Menschen ausdrücken“ Astr. Andererseits hilft auch die gewählte Stichprobe, sie herauszuarbeiten. So könnte man aus einem einmaligen Beleg – „Im erstellten Diagramm ist die rückläufige Phase der äußeren Planeten nicht dargestellt, weil die rückläufige Phase langsamer Planeten keine besondere Wirkung hat, anders als die Rückläufigkeit schneller Planeten (des Septenars)“ Am – schließen, dass schnelle Planeten ein Synonym für Septenar sind. Die Erläuterung auf einer anderen Website („Seit alters her waren sieben mit bloßem Auge sichtbare Planeten des Sonnensystems bekannt: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Sie werden die große Sieben (oder Septenar) genannt“ Astr) zeigt jedoch, dass das Motivationsmerkmal des Begriffs Septenar nicht eine Eigenschaft der Planeten, sondern deren Anzahl ist. Somit ist die Wortverbindung schnelle Planeten kein Synonym des Begriffs Septenar.
Die Erläuterung von Termini ist ein charakteristisches Merkmal des untersuchten Sprachgebrauchs. Termini werden in Texten auf verschiedene Weise erläutert, z. B.: „Wenn Sie Ihre Geburtszeit nicht kennen und keine Berichtigung in Auftrag geben, können Sie ein astropsychologisches Porträt bestellen – das wird Kosmogramm genannt“ An; „Verschiedene Planeten bilden untereinander bestimmte geometrische Figuren, die Aspekte genannt werden“ Aw; „Quadranten (ein Viertel des Tierkreisrings, das einer astronomischen Jahreszeit entspricht) zeigen, in welcher Lebensphase wir uns am stärksten als Persönlichkeit entfalten“ Zo; „Die mutablen Tierkreiszeichen, auch veränderliche Tierkreiszeichen genannt, bringen Übergänge, Korrekturen und Brüche in Situationen mit sich“ Sa. Erläuterungen könnten eigentlich ein weiteres Problem der Erkennung von Synonymen aufwerfen – es ist nicht immer einfach festzustellen, ob eine bestimmte Wortverbindung ein Terminus oder lediglich eine beschreibende Umschreibung des Terminus, eine sogenannte Periphrase, ist (Mitkevičienė 2004: 54–55). Die für die Untersuchung gewählte Stichprobe hilft jedoch meist, diese Unklarheiten zu vermeiden. Anhand von 12 verschiedenen Websites, darunter zwei mit Glossaren, lässt sich ausreichend deutlich erkennen, ob die verwendete Wortverbindung ein Terminus oder lediglich eine beschreibende Umschreibung – eine Periphrase – ist. Unklarheiten könnten etwa bei der Wortverbindung Weg der Sonne auftreten, die im Satz „Der Tierkreis ist ein etwa 16 Grad breiter Streifen der Himmelskugel, durch dessen Mitte die Ekliptik (der Weg der Sonne) verläuft und dabei 13 Sternbilder berührt“ Vi verwendet wird. Auf nahezu allen Websites wird jedoch der Terminus Ekliptik verwendet Am, Antr, Astr, Dh, Ur, Vi, W, Za, Zo, und die dort gegebene Definition oder Erläuterung dieses Terminus (z. B.,
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Page 24„Der im Laufe eines Jahres an der Himmelskugel sichtbare Weg der Sonne wird Ekliptik genannt“ Zo) zeigt, dass Weg der Sonne lediglich eine beschreibende Wortverbindung ist.
Die Websites sind jedoch hinsichtlich Genre und Stil nicht völlig einheitlich. Sie enthalten Texte, die unmittelbar auf die Erläuterung astrologischer Begriffe ausgerichtet sind und dem populärwissenschaftlichen oder sogar wissenschaftlichen Stil zuzurechnen wären; veröffentlicht werden aber auch Informationsmeldungen über Astrologiekurse und Lehrpläne. Einen großen Teil der Websites machen ausführliche Erörterungen der astrologischen Tendenzen des Monats oder Jahres sowie verschiedener astrologischer Phänomene aus. Auch in solchen Texten zeigt sich eine Neigung, Termini zu erläutern, zugleich aber auch das Streben nach Anschaulichkeit und Ausdruckskraft, z. B.: „Der Tierkreisring ist in einer Reihenfolge aufgebaut, in der jedes Zeichen dem folgenden den Boden bereitet. Ohne das erste durchlaufen und verstanden zu haben, lässt sich das nächste nicht erschließen. Es sind Stufen zum Himmel, und jede einzelne ist sehr wichtig. Manche lassen sich leichter überwinden, bei anderen kann man lange stecken bleiben. Das zeigt sich im Inhalt jedes Tierkreiszeichens, das heißt in den darin befindlichen Planeten, von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt“ Antr. Das Streben nach Ausdruckskraft führt zur Verwendung verschiedener lexikalischer und syntaktischer Synonyme, was wiederum Schwierigkeiten bei der Erkennung mancher Termini verursacht. So können die auf lateinischer Grundlage beruhenden Termini Ingression Am, Antr, Astr und Transit Am, Antr, Astr, Aw, Ur, W, Zo, deren ersteres mit dem Eintritt eines Planeten in ein bestimmtes Tierkreiszeichen, letzteres mit seiner Bewegung durch dieses Zeichen verbunden ist, in Texten dieses Stils vermieden werden, weil sich Möglichkeiten bieten, Wörter in übertragener Bedeutung und andere Mittel zu verwenden (z. B. wird die Bewegung durch ein bestimmtes Zeichen als Bewegung, Reise, Gang bezeichnet). Daher ist es schwierig, das gelegentlich vorkommende Pendant Reise („Obwohl die Reise der Sonne durch das Zeichen Schütze stets Optimismus, Dynamik und Wachstum in verschiedenen Prozessen mit sich bringt, werden sich in diesem Jahr <...> karmische Prozesse stärker bemerkbar machen“ W; „In diesem Jahr ist Jupiter nach einer zwölfjährigen Reise in sein Herrschaftsgebiet im Zeichen Schütze zurückgekehrt“ Vi) als astrologischen Terminus und Synonym für Transit zu bewerten. Es könnte sich lediglich um einen durch das Streben nach Ausdruckskraft begünstigten Fall kontextueller Synonymie handeln.
Wäre es das Ziel dieser Arbeit, die Reihen aller Arten von Synonymen äußerst genau zu zählen, würden die erörterten Fälle ein Hindernis für die Angabe einer sehr präzisen Zahl darstellen. Dies ist hier jedoch nicht beabsichtigt; aus diesem Abschnitt wird vielmehr deutlich, dass für den untersuchten Sprachgebrauch insbesondere die Neigung charakteristisch ist, Termini zu erläutern und zugleich Anschaulichkeit und Ausdruckskraft anzustreben. Auch die in Kapitel 2 hervorgetretenen Ausnahmen bei einigen Termini lateinischen oder griechischen Ursprungs oder deren Bestandteilen (Konjunktion, Stellium, mutabel, chorarin, natal) ließen sich eher mit einer Orientierung am Adressaten als mit dem Bestreben erklären, ein Lehnwort durch ein litauisches Äquivalent zu ersetzen – möglicherweise sollen so weniger bekannte Entsprechungen von Wörtern aus
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Page 25antiken Sprachen geboten werden. Andererseits wird zugleich deutlich, dass astrologische Websites hinsichtlich Stil und Genre kein einheitliches Umfeld für den Terminusgebrauch bilden: Einige Texte ähneln eher populärwissenschaftlichen Texten, andere der Publizistik. Insgesamt bieten sie jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verwendung lexikalischer und grammatischer Synonyme als Texte wissenschaftlichen oder administrativen Stils; wie die Erörterung des Gebrauchs der adjektivischen Bestimmungswörter retrograd, direktiv gezeigt hat, kann dies auch ein Faktor sein, der die Terminussynonymie begünstigt.
Zu erwähnen ist noch eine weitere Uneinheitlichkeit der untersuchten Quelle: Die Websites unterscheiden sich darin, inwieweit die veröffentlichten Texte den Sprachnormen entsprechen. Obwohl auf nahezu allen Websites verschiedene für elektronische Medien typische Korrekturfehler und andere Versehen vorkommen, zeichnen sich zwei Websites durch eine besonders hohe Zahl an Korrektur-, Rechtschreib- und Fehlern auf anderen Sprachebenen aus. Terminologie ist ein untrennbarer Bestandteil der Sprache; eine sprachliche Vernachlässigung der Texte wirkt sich daher auch auf den Terminusgebrauch aus. So wird beispielsweise in einem Glossar auf einer dieser Websites der für die litauische Sprache untypischen Wortstellung folgende Terminus angegeben: Herrscher des Horoskophäuser (astrologischen Hauses) AS. Dass dasselbe Glossar auch den Terminus Herrscher des astrologischen Hauses (Hauses) separat aufführt, deutet bereits darauf hin, dass terminografische oder terminologische Prinzipien nicht angewandt werden; der Grund dafür könnte wiederum in deren Unkenntnis oder unzureichender Kenntnis liegen. Damit ließe sich auch ein solcher Synonymiefall erklären, bei dem das Glossar den Terminus Horoskop aufnimmt und in seiner Erläuterung eine Art wie das Geburts- (natal-) Horoskop unterscheidet, zugleich aber auch den Terminus Geburts- (natal-) Karte AS aufführt.
Synonyme werden also sowohl in Texten als auch in beiden Terminusglossaren verwendet. In den Glossaren sind sie zwar weniger zahlreich als in diesem Artikel erörtert, was gewissermaßen der in terminologischen Arbeiten anzutreffenden Aussage entspricht, dass Synonymie für Texte charakteristischer sei, und zugleich darauf hindeutet, dass Glossare eine ordnende und zugleich synonymiereduzierende Funktion erfüllen. So werden unter den 53 in AS aufgenommenen Termini sieben mit Synonymen aufgeführt: astrologisches Haus (Horokophäuser), Herrscher des astrologischen Hauses (Hauses), astrologische (sternbedingte) Größe, großes Trigon (Trigon), Geburts- (natal-) Astrologie, Geburts- (natal-) Karte, Herrscher des Horoskophäuser (Horoskophäuser). Unter den 39 in ATŽ aufgenommenen Termini werden fünf mit Synonymen aufgeführt: Horoskophäuser – astrologische Häuser, Eckhäuser (Häuser), fallende Häuser (Häuser), mittlere Häuser (Häuser), Synastrie (Kompatibilität). Allerdings sind nicht alle in diesem Artikel erörterten Termini in diese Glossare aufgenommen. So fehlen in beiden Konjunktion, Solstitium, Majoraspekte, harmonische Aspekte, retrograd
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Page 26Bewegung, direktive Bewegung, rückläufige Phase, direktive Phase, Septener oder Synonyme dieser Termini. Außerdem werden Synonyme in Glossaren häufig zur Definition oder Erläuterung von Termini verwendet. So wird in einem Glossar bei der Definition des Terminus Asteroid das Synonym Kleinplanet angeführt („Ein Asteroid oder Kleinplanet ist ein kleiner (bis zu 1000 km Durchmesser) Körper des Sonnensystems, der auf einer Umlaufbahn um die Sonne kreist“ Zo), obwohl dieses Synonym weder auf dieser noch auf anderen Websites verwendet wird. Hier wird auch der auf anderen Websites nicht verwendete Terminus Radix angeführt und darauf hingewiesen, dass er eines der Synonyme des Terminus Horoskop ist. Nach der Angabe des Terminus Herrscher eines astrologischen Hauses werden Arten von Hausregenten genannt, von denen eine sowohl als realer als auch als tatsächlicher Hausregent bezeichnet wird. In einem anderen Glossar heißt es beim Eintrag Mondknoten: „[D]ie aufsteigenden und absteigenden Mondknoten werden auch nördlicher und südlicher Knoten oder Drachenkopf und Drachenschwanz genannt“ ATŽ. Beim Eintrag schwache Planetenstellung werden hier die Synonyme verstoßener Planet sowie Planet im Exil, gefallener Planet und gestürzter Planet usw. genannt. Somit sind diese Glossare weniger ein Faktor der Terminologiepflege, der die Synonymie verringert oder vermehrt, als vielmehr ein Spiegel der Synonymie, die der in Texten verwendeten astrologischen Terminologie eigen ist.
ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
Wie in den meisten derzeit bestehenden Fachgebieten weist auch die astrologische Terminologie synonyme Ausdrucksformen auf, die überwiegend durch die Verwendung eines Lehnworts neben einem litauischen Terminus entstehen. Synonymisch verwendet werden jedoch nur bestimmte Termini oder deren Bestandteile; weitere Fälle der Synonymie zwischen Lehnwort und einheimischem Terminus sind meist vereinzelt und kommen nur auf einzelnen Websites vor.
Obwohl die Ursachen der Synonymie häufig pauschal angegeben werden, wird die Synonymie von Termini unterschiedlicher Herkunft bisweilen mit Sprachkontakten und in jüngster Zeit mit dem Einfluss des Englischen in Verbindung gebracht. In der untersuchten Terminologie ist ein direkter Einfluss des Englischen jedoch nicht erkennbar. Äquivalente werden nicht für englische, sondern für Termini lateinischen oder griechischen Ursprungs gesucht; außerdem werden Latinismen (Medium Coeli, Imum Coeli) oder deren Abkürzungen (MC, IC, Asc, Dsc usw.) verwendet. Zwar könnten einige davon auch über das Englische oder eine andere Vermittlersprache übernommen worden sein (z. B. veränderliches Kreuz), und dies könnte ein Anlass dafür sein, ein Lehnwort durch einen litauischen Terminus zu ersetzen und damit eine Ursache für terminologische Synonymie darstellen. Aus der Verwendung auf Websites allein lassen sich jedoch keine Rückschlüsse auf die Umstände ziehen, unter denen die Termini eingeführt wurden. Dafür müssten auch andere Quellen astrologischer Terminologie untersucht werden, etwa übersetzte Publikationen, von denen zwar nur wenige erscheinen, die aber sowohl aus dem Englischen als auch aus dem Deutschen übersetzt werden.
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Page 27Im Allgemeinen besteht in der untersuchten Sprachverwendung jedoch keine Neigung, auf der Grundlage antiker Sprachen gebildete Termini durch litauische Äquivalente zu ersetzen. Es treten nur einige für die meisten Websites typische Fälle hervor (Konjunktion – Verbindung, Zusammenfügung, Parallelität; Stellium – Ansammlung, Ansammlung von Planeten, Planetensammlung; Septener – die große Sieben; Solar – Sonnenwiederkehr), während andere Fälle nur vereinzelt auf einzelnen Websites vorkommen (Quadrat (Quadratur) und Viertel; Trigon und Dreieck; Sextil und Sechseck usw.). Auch wenn solche Ausnahmen mit dem Bestreben nach sprachlicher Reinigung zusammenhängen könnten, hebt die durchgeführte Analyse dennoch als besonders wichtiges Merkmal des untersuchten Umfelds der Terminverwendung die Neigung hervor, Termini für die Leserschaft zu erläutern. Daher sind auch diese Ausnahmen eher mit dem Adressatenfaktor – dem Bestreben, den Lesern einen verständlicheren Terminus anzubieten – als mit dem Bestreben, Lehnwörter zu litauisieren, in Verbindung zu bringen.
Ein weiteres Merkmal der untersuchten Quelle ist das Streben nach Bildhaftigkeit, Expressivität und Eindringlichkeit, das die Suche nach lexikalischen und syntaktischen Synonymen begünstigt. Dieses Merkmal erschwert zwar mitunter die Erkennung von Synonymen, kann aber auch ein Anstoß oder eine Ursache für die Synonymie bestimmter Termini sein (retrograde Periode und retrograder Zeitraum; rückläufige Bewegung und Bewegung rückwärts; Planetenposition und Planetenstellung). Dieses Merkmal ist nicht auf allen Websites und in allen Texten gleichermaßen ausgeprägt. Selbst wenn manche Texte eher der populärwissenschaftlichen Vermittlung und andere eher dem Journalismus nahestehen, handelt es sich nicht um wissenschaftliche oder Verwaltungstexte; in ihnen sind daher mehr Bedingungen für nichtterminologische Synonymie gegeben. Wie sich zeigt, entstehen in diesen Texten solche Bedingungen auch für Termini mit einem gemeinsamen Bestandteil oder Wortstamm (Mondknoten und Knoten; Tierkreiszeichen Krebs, Zeichen Krebs und Krebs). Diese Fälle werden mit dem Sprachgebrauch im Text in Verbindung gebracht. Um die konkreteren Ursachen solcher Variation zu ermitteln, wäre es jedoch sinnvoll, künftig auch den Einfluss von Textgattung und funktionalem Stil eingehender zu untersuchen. Die hier untersuchten Astrologie-Websites und ihre Texte weisen gewisse Unterschiede hinsichtlich Stil und Gattung auf, doch sind diese nicht so bedeutsam, dass sich eine deutlichere Grenze ziehen oder ein solcher Einfluss untersuchen ließe.
Einige der hervorgetretenen Fälle von Synonymie, etwa die synonyme Verwendung der Termini Solar, Synastrie, lassen sich durch eine weitere, in terminologischen Arbeiten selten genannte Ursache erklären: das Bestreben, Mehrdeutigkeit eines Terminus zu vermeiden. Die untersuchte Sprachverwendung, in der auch ein atypischer Fall von Synonymie deutlich wurde, bei dem Synonyme in Texten nicht ohne einander verwendet werden (Selena und Weißer Mond, Lilith und Schwarzer Mond; Rahu und aufsteigender Mondknoten, karmischer aufsteigender Mondknoten, nördlicher Mondknoten, Drachen
2 1 8 Ramunė Vaskelaitė | Sinoniminės raiškos astrologijos terminijoje priežastys
Page 28kopf; Ketu und absteigender Mondknoten, karmischer absteigender Mondknoten, südlicher Mondknoten, Drachenschwanz), macht außerdem eine in litauischen terminologischen Arbeiten überhaupt nicht erwähnte Ursache der Synonymie deutlich: den Einfluss mehrerer unterschiedlicher Traditionen.
Auch der Faktor der Sprachpflege oder mangelnden Sprachpflege kann einen gewissen Einfluss auf die Synonymie haben, obwohl sich diese Ursache eher als terminologische Variation äußert. Einfluss können auch häufig angeführte subjektive Ursachen haben, etwa unterschiedliche Neigungen der Terminusbildner oder -verwender sowie Zweifel daran, welchen Terminus man verwenden soll. Neben den bereits genannten Ursachen ließen sich damit vereinzelte Versuche erklären, auf einzelnen Websites oder in Einzelfällen Termini auf antiker Sprachgrundlage zu ersetzen. Die Websites lassen außerdem eine kaum erwähnte Ursache der Synonymie erkennen: ungleiche und unzureichende Kenntnis der Grundsätze der Terminologiepflege. Dies tritt jedoch vor allem auf Grundlage einiger weniger Websites hervor.
Auf der Ebene aller Websites zeigt sich eine recht große Übereinstimmung der Synonymiefälle, von denen es nicht viele gibt. Dies bestätigt die bereits in einem früheren Artikel anhand der untersuchten einwortigen astrologischen Termini hervorgetretene Tatsache, dass dieses nicht untersuchte und in wissenschaftlichen Arbeiten nicht weiterentwickelte Gebiet der Terminverwendung über ein recht klar umrissenes Bündel sich herausbildender Begriffe und ihrer Bezeichnungen verfügt. Obwohl Synonymie in terminologischen Arbeiten meist mit einem nicht gefestigten Terminusbestand in Verbindung gebracht wird, der durch Unsicherheiten bei der Benennung erklärt wird, ist dies nicht die Hauptursache der Synonymie in der untersuchten Fachterminologie. Nur einige wenige Fälle lassen sich eher damit verbinden (astrologische Häuser und astrologische Wohnstätten, Horoskophäuser, Horoskophäuser; mittlere Planeten, Planeten mittlerer Entfernung).
Die in Astrologie-Websites auftretende Synonymie lässt sich auch nicht durch eine weitere, am häufigsten genannte Ursache synonymischer Ausdrucksformen erklären: die Entwicklung der Wissenschaft oder ihrer Sprache. Diese Websites gehören nicht zum Anwendungsbereich der Wissenschaftssprache, und Astrologie wird allgemein nicht als Wissenschaft anerkannt. Websites bilden ein besonderes Gebiet der Terminverwendung; daher ließe sich als Ursache der dort auftretenden Synonymie nicht die Entwicklung eines Wissenschaftszweigs, sondern die Entwicklung der Astrologie als Fachgebiet ansehen. Wie stark diese dazu beiträgt, ließe sich verlässlicher erst durch diachrone Untersuchungen der Synonymie feststellen. Insgesamt treten jedoch vergleichsweise wenige Fälle von Synonymie hervor, was darauf hindeutet, dass die Weiterentwicklung der astrologischen Terminologie auf Websites eher ein Faktor ist, der die Synonymie verringert, als einer, der sie vermehrt.
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Page 29ŠALTINIAI
INTERNETO SVETAINĖS
Am – www.astrologijosmokykla.lt
An – www.ananta.lt
Antr – www.antropoteosofineastrologija.lt
Astr – www.astrodaiya.com
Aw – https://astrologe.weebly.com
Dh – www.dharma.lt
Sa – www.sadhana centras.lt
Ur – www.uranija.lt
Vi – www.vidineastrologija.lt
W – www.wolmer.lt
Za – www.zachh.lt
Zo – www.zodiakas.com
INTERNETO SVETAINĖSE TEIKIAMI ŽODYNĖLIAI
AS – Astrologijos sąvokos: www.zodiakas.com
ATŽ – Astrologijos terminų žodynėlis: www.ananta.lt
LITERATŪRA
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REASONS OF SYNONYMOUS EXPRESSION IN THE TERMINOLOGY OF ASTROLOGY
S u m m a r y
Synonyms of terms is one of the most widely discussed topics of terminology, but little attention is paid to the reasons of synonymy. Though they are given, but the considerations of theoretical type only list them, while empirical studies frequently also limit with mentioning them as general reasons, often even before the actual study of synonyms. The conclusions as to what determined the synonymy in the terminology of the field in question are rarely drawn.
Based on the terminology of astrology, the article focuses on the reasons of synonymous terms. After selecting twelve websites on the topic of Western astrology as the source of the study (ananta.lt; antropoteosofineastrologija.lt; astrodai.va.com; astrologe.weebly.com; astrologijosmokykla.lt; dharma.lt; sadhanacentras.lt; uranija.lt; vidineastrologija.lt; wolmer.lt; zachh.lt; zodiakas.com), including small glossaries given in two of them, it is analysed what determined the occurrence of the synonyms of terms in the above sources. What is more, the reasons of synonymous terms mentioned in Lithuanian terminological works are reviewed and a certain set of them is compiled.
Heterogeneous synonymous terms, i.e. borrowed and Lithuanian terms, are discussed as the major characteristic feature in the source under study. Terminological works mention language contacts and the influence of English as the reasons of such synonymy; however, with respect to the studied source, the cases of heterogeneous synonymy encompass the terms deriving from ancient languages rather than English. The analysis highlights the tendency to explain terms to the reader as an especially prominent feature of the studied context in which the terms are used. It also encourages us to connect certain cases where the terms deriving from ancient languages are substituted with Lithuanian equivalents with the factor of the addressee rather than the attempt for language purification, i.e. the intention to give a clearer term to the reader.
Another peculiar feature of the source under study – the attempt for vividness and expressiveness – is also the reason of synonymy of certain terms. The texts of the websites are not absolutely identical from the perspective of genre and functional
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Ramunė Vaskelaitė | Sinoniminės raiškos astrologijos terminijoje priežastys
Page 32style, but they represent freer styles, and such a context does not only create conditions for synonymous terms but also other cases of variation whose relationship with synonymy is not absolutely clear in Lithuanian terminological works.
The analysis also underlines other reasons of synonymy, which are less commonly mentioned in terminological works, such as avoiding the polysemy of terms, insufficient knowledge of terminology management principles, etc. Besides, it highlights the case of atypical synonymy identified in the terminology of astrology where the term is not used without synonyms, and considers the reason of such usage.
Gauta 2021-07-13
Ramunė Vaskelaitė
Lietuvių kalbos institutas
P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
E. paštas [email protected]
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