Page 1In den Rajonen (Zarasai, Ignalina, Švenčionys u. a.), in denen seit jeher zahlreiche Russen und Angehörige anderer Nationalitäten leben, sind zwei Tendenzen zu beobachten: 1) die Herausbildung eines sozial aktiven litauisch-russischen Bilinguismus und 2) ein vergleichsweise geringer gesellschaftlicher Bedarf an aktivem russisch-litauischem Bilinguismus. Diese Tendenzen entstehen dadurch, dass die russische Sprache in national gemischten Rajonen weithin als Mittel der Verständigung zwischen den Nationalitäten fungiert. Litauisch lernen jene Russen, die längere Zeit in der Republik leben und es für ihre Arbeit und Tätigkeit benötigen. Besonders nötig ist die litauische Sprache für Russen, die auf dem Land leben. Die Beherrschung des Litauischen unter den Einwohnern russischer Nationalität in der Republik verhält sich im Allgemeinen umgekehrt proportional zur Dichte der russischen Bevölkerung. In Rajonen mit einem hohen Anteil russischer Einwohner sind die Litauischkenntnisse gering. So machen im Rajon Zarasai den Ergebnissen der Volkszählung von 1970 zufolge die russischen Einwohner 20,3% aus, doch nur 41,1% beherrschen Litauisch. Im Rajon Šiauliai dagegen, wo Angehörige der russischen Nationalität insgesamt nur 3,1% der Bevölkerung ausmachen, sprechen 71% der Menschen russischer Nationalität Litauisch.
Eine gewisse Regelmäßigkeit zeigt sich auch darin, wie Bilinguale ihre Muttersprache bestimmen. Wird in der Familie eine Sprache verwendet, so betrachten Informanten aller Nationalitäten (Litauer, Russen, Polen u. a.) die Sprache ihrer Nationalität als Muttersprache; bei Informanten aus gemischten Familien stimmt die Muttersprache dagegen häufig nicht mit der Sprache ihrer Nationalität überein.
V. Michalčenko unterscheidet zu Recht zwischen der Beherrschung einer Zweitsprache und ihrer Verwendung in verschiedenen Lebensbereichen. Die jüngere und die mittlere Generation der Einwohner der Republik lernte Russisch in der Schule; daher lässt sich annehmen, dass die meisten Litauer mehr oder weniger gut Russisch beherrschen. Ganz anders verhält es sich jedoch mit seiner Verwendung. Litauisch-russischer Bilinguismus ist nur unter bestimmten ethnischen Bedingungen sozial aktiv (bei einem hohen Anteil russischer und anderer Nationalitäten). Hier wird Russisch als Verständigungsmittel zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten verwendet; außerdem wird darin Fachliteratur gelesen und die Sprache kommt in den Bereichen Rundfunk, Fernsehen und Presse zum Einsatz. Sozial aktiver litauisch-russischer Bilinguismus ist für die Industriezentren der Republik und einige Rajone (Šalčininkai, Vilnius, Švenčionys u. a.) charakteristisch. Die übrigen Einwohner der Republik beherrschen Russisch weniger gut; folglich ist die Verwendung der russischen Sprache dort weniger aktiv. Der schulische Spracherwerb ist möglicherweise nicht durch lebendige Kommunikation gestützt, weshalb sich in ähnlichen Fällen nur sehr bedingt von Bilinguismus sprechen lässt.
Simas Karaliūnas
Indeks – słownik do „Daukšos Postilė“. Opracował Czesław Kudzinowski. Tom I (A – N), VI + 543 p. Tom II (O – Ž), 527 p. Poznań, 1977.
Die Postille von Mikalojus Daukša aus dem Jahr 1599 ist eines der bedeutendsten Denkmäler der alten litauischen Schriftkultur. Wegen der Korrektheit ihrer Sprache, ihres reichen Wortschatzes und besonders der Kennzeichnung der Akzentstelle werden die Angaben in diesem Buch von Sprachwissenschaftlern umfassend genutzt – nicht nur in litauistischen, sondern allgemein auch in indoeuropäischen Arbeiten. Der polnische Linguist Czesław Kudzinowski hat diese Angaben nun für die Wissenschaft leichter zugänglich gemacht: Er veröffentlichte einen umfangreichen, zweibändigen (sage und schreibe 1076 Seiten!) Index und ein Wörterbuch, in dem alle Wörter und Formen der Postille Daukšas erfasst sind.
Prof. C. Kudzinowski von der Universität Poznań ist ein bekannter polnischer Baltist. 1935 schloss er sein Studium an der Universität Vilnius ab, wo er vergleichende indoeuropäische Sprachwissenschaft studiert hatte. Von 1935 bis 1937 spezialisierte er sich in Helsinki auf finno-ugrische Sprachwissenschaft, von 1937 bis 1939 in Budapest, wo er seine philologische Dissertation zum Doktor der Wissenschaften verteidigte („Das Lautsystem des Finnischen“). Während seines Aufenthalts und Studiums in Vilnius erlernte er Litauisch und wandte sich der Erforschung verschiedener Probleme der baltischen Sprachwissenschaft zu.
1958 veröffentlichte er gemeinsam mit anderen polnischen Linguisten anhand des in London im British Museum aufbewahrten Manuskripts von S. Chilinskis Bibelübersetzung den Text des „Neuen Testaments“. Er hat den 53. Band der Schriften des polnischen Ethnografen und Folkloristen O. Kolberg für den Druck vorbereitet.
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Page 2(„Litwa“, 1966), der Litauistik gewidmet. Er veröffentlichte Artikel über Entlehnungen aus slawischen Sprachen im Litauischen, über Baltismen in seinem heimischen polnischen Dialekt (er wurde 1908 in Wodzilówka in der Woiwodschaft Białystok geboren) und schrieb auch zu anderen Fragen der Baltistik und Litauistik.
Č. Kudzinovskis verfügt über beträchtliche Erfahrung in der Erstellung von Indizes und Wörterbüchern. Er ist überhaupt ein Pionier solcher litauistischen Arbeiten. 1964 erschien der von ihm zusammengestellte Index zu S. Chilinskis „Neuem Testament“1, der in unserer linguistischen Presse positiv bewertet wurde2. Der nun rezensierte Index ist eine unvergleichlich umfangreichere Arbeit (etwa sechsmal so groß) und unterscheidet sich von jenem außerdem dadurch, dass hier auch die Bedeutung der in den Index aufgenommenen Wörter angegeben wird.
Der Verfasser des Indexes interessierte sich bereits 1947 für Daukšas Postille, als in Polen der 350. Jahrestag von J. Vujek begangen wurde. Auf Vorschlag von Prof. J. Otrębski hatte Č. Kudzinovskis geplant, für wissenschaftliche Zwecke eine neue Ausgabe der polnischen Ausgabe von J. Vujeks Postille aus dem Jahr 1596 herauszubringen, aus der M. Daukša übersetzte. Eine solche Ausgabe erschien zwar nicht, doch die geleistete Arbeit war nicht vergeblich. Da Č. Kudzinovskis die Texte J. Vujeks zur Hand hatte, konnte er einen nicht bloß einfachen Index zu Daukšas Postille erstellen, sondern ein Indexwörterbuch (mit Angabe der Wortbedeutungen). Das steigerte den Wert der Veröffentlichung erheblich.
Der Herausgeber hat eine ungeheure Arbeit geleistet: Er hat sorgfältig alle in Daukšas Postille verwendeten Wörter erfasst, ihre Bedeutungen durch Vergleich mit dem Original J. Vujeks ermittelt und sämtliche belegten Formen jedes Wortes angegeben. Dies ist Č. Kudzinovskis Lebenswerk, eine einzigartige sprachliche Enzyklopädie zu Daukšas Postille, die zum Handbuch jedes Baltisten werden wird.
Diese Arbeit werden nicht nur Lexikforscher, sondern auch andere Fachleute nutzen. Sie wird für morphologische Studien sehr nützlich sein (alle Wortformen sind erfasst!), für Untersuchungen zur historischen Phonetik (vgl. die bedeutenden Daukša-Belege von *a viršumi o tirtį: kopėčia <1, kapica, mandotas <1. mandat, Vokalveränderungen in den Wörtern cimentorius ‘1. cmyntarz’, elemožina ‘1. jałmużna’), für die historische Dialektologie (vgl. lytelius ‘Litauer’, pabanga ‘Ende’) und allgemein für die Geschichte der litauischen Sprache (vgl. die Wörter pekus, penukšlas, velinas, siela ‘Gewissen’, sokoras ‘Zucker’ u. a.).
Aus Č. Kudzinovskis’ Arbeit wird der außerordentliche Wortreichtum von Daukšas Postille deutlich: Das Indexwörterbuch umfasst fast doppelt so viele Seiten wie Daukšas Postille selbst. Obwohl Daukša, wie viele andere Übersetzer seiner Zeit, am Prinzip der wörtlichen Übersetzung festhielt, bemühte er sich bewusst darum, die Sprache seiner Übersetzung abwechslungsreicher und wortreicher zu gestalten. Dafür gab es gute Gründe. Um sich an Geistliche anzupassen, die damals nur wenig oder gar kein Litauisch beherrschten, verwendete er reichlich lexikalische Parallelismen: Er stellte paarweise ein entlehntes und ein litauisches Wort nebeneinander. Viele Parallelismen entstanden aus Daukšas Wunsch, den Angehörigen verschiedener Dialekte entgegenzukommen und von ihnen richtig verstanden zu werden. Es ist jedoch hervorzuheben, dass nur ein Teil der sogenannten Parallelismen aus Wörtern mit völlig gleicher Bedeutung besteht, ohne stilistische Nuancen oder Bedeutungsunterschiede. So finden sich neben Paaren wie žvevys || žuk- lijas, išgydyti || išvaistyti auch zahlreiche Paare wie šapelis || šiaudelis, arklys || žirgas || kuin as und Ähnliches. Oft gibt Daukša für ein Wort des Originals mehrere litauische Entsprechungen mit unterschiedlichen stilistischen Färbungen an. So wird der vargsas als bėdulis, benamis, nuvargęs, pavargėlis, pavargulis, pavargęs, rudulis oder vargeta bezeichnet. Daukša begnügte sich also nicht mit farblosen Wörtern des Originals von allzu allgemeiner Bedeutung, sondern suchte nach genaueren litauischen Entsprechungen, die den jeweiligen Sachverhalt besser ausdrücken.
Der Verfasser des Indexwörterbuchs hat Daukšas Bemühungen leider nicht verstanden und nicht angemessen gewürdigt. Das zeigt sich unter anderem an der Aussage in der Einleitung, Daukša habe Synonyme oft „bez widocznej potrzeby“ verwendet.
Die polnischen Entsprechungen Vujeks, die im Indexwörterbuch anstelle von Bedeutungsangaben aufgeführt sind, können natürlich nicht all diese Bedeutungsnuancen wiedergeben; häufig sind sie überhaupt nicht
1 Biblia litewska Chylińskiego. Nowy testament. Tom III — indeks. Wydał Czesław Kudzinowski. Poznań, 1964, VIII+169 p.
2 Siehe V. Žulys’ Rezension: Baltistica, Bd. I (1), S. 88–91.
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Page 3Sie sind Daukšas Wörtern nicht adäquat, da sie sich von ihnen sowohl der Form nach (z. B. tulkas – wielu) als auch der Bedeutung nach (z. B. šionai – dziś) unterscheiden. Ungeachtet dessen ist die Wiedergabe der Entsprechungen im polnischen Original sehr positiv zu bewerten: Č. Kudzinovskis hat den Forschenden damit einen großen Dienst erwiesen, denn das Original ist vielen praktisch nicht zugänglich.
In der linguistischen Literatur kamen bereits vor mehreren Jahrzehnten Zweifel daran auf, ob Daukša die gesamte Postille allein übersetzt habe3. Anlass zu solchen Zweifeln gaben die vorhandenen Formen und Wörter unterschiedlicher Dialekte sowie deren uneinheitliche Betonung. Auch Č. Kudzinovskis neigt dazu, diese Auffassung zu vertreten, und führt folgende weitere Argumente an: 1) Erst ab S. 512 wird der Vokal e durch die Buchstaben ia wiedergegeben; 2) nes wird nur auf S. 175–254 verwendet, nesa dagegen auf S. 199–252; 3) ė finden wir nur am Anfang des Buches, ab S. 495 sporadisch; 4) v kommt nur am Kapitelanfang vor; 5) Wieszpats erscheint nur bis S. 69, danach Wieszpatis.
Diese Argumente jedoch, ebenso wie ähnliche zuvor vorgebrachte, sind nicht überzeugend. Sprachliche Unterschiede dieser Art können auch im Werk eines einzelnen Verfassers auftreten. Schwankungen in der Orthografie und der Wechsel einzelner Merkmale sind auch für andere Bücher jener Zeit charakteristisch, darunter für solche, die zweifellos von einer einzigen Person zusammengestellt wurden. Auf der Titelseite der Postille wird Daukša als Übersetzer genannt. In beiden Vorreden (der lateinischen und der polnischen) bezeichnet er die Übersetzung als sein eigenes Werk. Andere Übersetzer oder Helfer werden nirgends erwähnt, und es ist kaum anzunehmen, dass es solche damals gegeben haben könnte. Die sprachlichen Uneinheitlichkeiten und Widersprüche lassen sich in vielen Fällen durch Daukšas Wunsch erklären, einem breiteren Leserkreis entgegenzukommen – sowohl den Aukštaiten als auch den Žemaiten4.
Die Grundsätze, nach denen Č. Kudzinovskis den Index und das Wörterbuch erstellte, sind gut durchdacht. Der Herausgeber bemühte sich, die Publikation so einzurichten, dass sie für die Leser bequemer zu benutzen wäre. Der Aufbau des Werkes ist einfach: Auf das in Großbuchstaben gesetzte Stichwort folgt ohne Satzzeichen seine Bedeutung, genauer gesagt, die polnische Entsprechung bei J. Vujek; anschließend sind, ebenfalls ohne Satzzeichen, in einer bestimmten Reihenfolge die von Daukša verwendeten Formen dieses Wortes sowie Ziffern aufgeführt, die ihre Belegstellen angeben. Alles ist offensichtlich und klar. Der Herausgeber hat den Text nicht mit Abkürzungen, Kommata und anderen Zeichen überladen, wie es die Normen verlangen. In einer Publikation dieser Art wäre all dies tatsächlich überflüssig, würde die Benutzung erschweren und den Umfang des Buches erheblich vergrößern.
Die Form des Stichworts gibt der Herausgeber umsichtig und sogar übervorsichtig an. Hat Daukša ein Wort nur in Pluralformen verwendet, wird gewöhnlich (aber nicht immer) der Pluralnominativ angegeben, z. B. bromos, ponios. Gibt es nur Beispiele im Femininum, wird häufig der Nominativ Femininum angegeben, z. B. burnotina, darbinga, prieteliškos. Manchmal wird die feminine Form als eigener Artikel geführt, manchmal werden beide in einem Artikel zusammengefasst, z. B. bursinykė neben bursinykas, aber draugėtarnis, -ė (= draugi atarnis, -ė). Sogar ein litauischer Genitiv wird anstelle eines polnischen Adjektivs als Stichwort angesetzt (z. B. gyvatės ‘wężowski’, užmarių ‘zamorski’); ebenso wird manchmal eine pronominale Adjektivform als Stichwort verwendet, wenn die entsprechende einfache Form nicht belegt ist (z. B. rodnasis). Auch reflexive Verbformen werden als eigene Stichwörter angesetzt, z. B. draskytis neben draskyti, drūtintis neben drūtinti, gadintis neben gadinti.
Es scheint, dass der Herausgeber hier überall zu weit gegangen ist. Es hätte genügt, die angegebenen Formen nur innerhalb der Gruppen grammatischer Formen gesondert aufzuführen.
Wie im Index zu S. Chilinskis „Neuem Testament“ hat der Herausgeber die Stichwörter künstlich der heutigen Standardsprache angenähert. Dabei ließ er nicht nur Daukšas lautliche, sondern auch seine morphologischen Besonderheiten außer Acht. So ersetzte er etwa das Präfix ata- durch das heutige ati-; statt Daukšas ataduoti, atadengti setzte er daher atiduoti, atidengti als Stichwörter an. Anstelle der Varianten der Präposition ing, in setzte er das heutige į (obwohl
3 Žr. Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1961, t. III, p. 331; Gerullis J. Senieji lietuvių skaitymai. K., 1927, p. 124; Gerullis G. Baltica. – AfSlPh, t. XXXIX, p. 52; Tangl E. Der Accusativus und Nominativus cum Participio im Altlitauischen. Weimar, 1928, p. 21 tt.
4 Siehe auch: Skardžius P. Daukša, der erste Schöpfer der Standardsprache in Großlitauen. – APh, Bd. IV, S. 7–19; Lebedys J. Mikalojus Daukša. V., 1963, S. 231 ff.
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Page 4Daukša verwendete diese Form überhaupt nicht); anstelle von zweiter bleibt, dritter bleibt usw. – zwölfter, dreizehnter, anstelle von sechs Zehner, drei Zehner usw. – sechzig (sic!), dreißig.
Der Herausgeber beachtete häufig den verbindenden Vokal in Daukšas Zusammensetzungen nicht (z. B. setzte er vienširdžiai anstelle von vienaširdžiai an), die Stellung des Reflexivpartikels bei präfigierten Verben (z. B. susizadėti, prisivakaravus anstelle von sužadėtis, privakaravusi), die älteren, vollständigeren Formen (z. B. finden wir anstelle von velinas, visokias velnias, visoks), oder die Zugehörigkeit eines Wortes zu einer anderen Deklination (z. B. wurde Daukšas amžias durch die heutige Form amžius ersetzt.
Wir führen weitere unterschiedliche Beispiele für Änderungen an (das erste Glied des Paares ist ein Sprachbeleg Daukšas, das zweite das Stichwort des Index): vienarkas→vieneriokas (sic!), žvaizdė→žvaigždė, (ne)seniai→(ne)senai, gandžiaus→gandžia, istorija→istorija, byskupas→vyskupas, biedna→bėdna, lilija→lelija, pardostė→pardoustė, pemukšlas→peniukšlas. Vgl. die Eigennamen (sie sind am Ende der Publikation aufgeführt) Grekai→Graikai, Krokavas→Krokuva, Poznania→Poznanė.
Dieses Verfahren wird jedoch nicht überall konsequent angewandt. So ließ er beispielsweise gewöhnlich Daukšas Endung -inyką anstelle der standardsprachlichen Endung -ininkas stehen (und tat damit gut daran), doch finden sich auch ūkininkavimas, vietininkavimas (mit -inink-; Daukša hat nur -ink-). Neben velnias setzte er velinuvą als Stichwort an; neben kaznadėja (anstelle von Daukšas -ieja) kozmadzieją (wie bei Daukša), neben pražiošti (anstelle von -žosti) žosmė (wie bei Daukša). Vgl. ferner Macedonai ‚Makedonier‘, Rymas ‚Rom‘ neben Graikija (bei Daukša steht nur Grecija).
Daukša verwendete keine der hier angeführten Ersatzformen. Es sind Formen, die seiner Sprache fremd sind. Diese Art der Wiedergabe von Formen im Index ist für jene Sprachwissenschaftler praktisch, die mit Daukšas Sprache nicht vertraut sind oder nach diesem oder jenem Wort suchen (Lexikografen, Lexikologen); für die Erforschung von Daukšas Sprache eignet sie sich jedoch nicht, da sie deren Besonderheiten übermäßig nivelliert. Diese werden nur innerhalb der Artikel dargestellt.
Der Herausgeber vereinfachte die Vielfalt von Daukšas Sprache auch dadurch erheblich, dass er von mehreren vorhandenen Varianten nur eine als Stichwort auswählte, gewöhnlich die der standardsprachlichen Norm näher stehende. So setzte er aus dem Dublett arba || alba nur arba an, aus bet || beti || bat nur bet, aus persona || persuna (persūna?) nur persona, aus šėtonas || šatonas || satonas nur šėtonas, aus žmogus || žmuo nur žmogus. Die Formen visagalis und visagalis fasste er in einem Artikel zusammen (unter visagalis). Längere Varianten werden nicht von kürzeren unterschieden, z. B. iki || ik (iki), jis || jisai (jis), jogi || jog (jog), mažai || maža || mažu || maž (mažai), neg || negu (neg), nes || nesa (nes), net || nete (net), nug || nugi (nug), pagal || pagalai (pagal), pats || patis || patsai || patsai (pats), pent || pen (pent), tada || tad (tada), tarp || tarpu (tarp), tas || tasai || tasiau (tas), vienaip || vienaipo (vienaip), viešpats || viešpatis (viešpats). Am häufigsten werden längere Varianten mit dem Partikel g(i) nicht gesondert angesetzt, z. B. drinag (es gibt nur drin), jukai (juk), kanag (kana), kodrinag (kodrin), norintig (norint), nuog, nug, nog (nuo), prieg (auch pri, unter der von Daukša überhaupt nicht verwendeten Variante prie aufgeführt), teipag, teipagu, teipajag, teipjau, teipaug, teipog, teipogu usw. (alle unter dem Daukša fremden taip aufgeführt), vienoking (vienoki). Dagegen werden jeig, kadaig, kaipog neben jei, kada, kaip gesondert angesetzt. Vgl. ferner die Zusammenfassung von Varianten bei Eigennamen (gewöhnlich wird diejenige als Stichwort gewählt, die eher dem polnischen Äquivalent entspricht; sie steht in Klammern): Abrahamas || Abromas (Abrahamas), Barnaba || Barnabas (Barnaba), Christus || Kristus (Christus), Eva || Jeva (Eva), Izidorius || Isodoras (Izidoras — Daukša fremd), Jobas || Jonas (Jobas), Jokūbas || Jakoboas (Jokūbas), Judošius || Judas (Judošius), Saulas || Saulius (Saulas), sogar Vengrai || Ungarai (Vengrai)!
Es ist verständlich, dass es dem Herausgeber in einzelnen Fällen schwergefallen wäre, die Grundform eines von Daukša verwendeten Wortes zu bestimmen, etwa aus dem loc. pl. Synos 91₃₀ den Nominativ der Bezeichnung für China zu rekonstruieren (Sina, Sinos?). Bei solchen Rekonstruktionen hätte man jedoch ein Fragezeichen hinzufügen können. Bei Formen, die sich stark von den heutigen unterscheiden, hätte man Verweise auf die heutigen Formen ergänzen können. Verweise hätten sich auch dazu angeboten, benachbarte Varianten herauszustellen. Es muss gesagt werden, dass der Herausgeber Verweise insgesamt meidet; sie sind
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Page 5recht selten. Durch eine breitere Verwendung von Verweisen hätte man nicht nur den Bedürfnissen der Lexikografen, sondern auch der Erforschung von Daukšas Sprache entsprechen können.
Eine umfassendere und detailliertere Beschreibung des Aufbaus des Index-Wörterbuchs wäre sehr hilfreich und würde dem Leser die Benutzung der Publikation erleichtern. Zumindest hätten die wichtigsten Grundsätze für die Erstellung des Index-Wörterbuchs begründet werden müssen. Vielleicht wäre dann zumindest ein Teil der hier vorgebrachten Einwände gegenstandslos.
Noch einige Bemerkungen zur Behandlung einzelner Formen von Daukšas Sprache. Als Stichwörter führt der Herausgeber beispielsweise dangujejis, dienojejis, žemėjejis, pragarejis, viduryejis⁵, viršujejis usw. an. Es sollte dangujejis, dienojejis, žemėjejis, pragarejis, viduryejis, viršujejis… geschrieben werden. Darauf weisen sowohl die Herkunft der Formen (vgl. die ähnlich gebildete žemaitische pronominale Form loc. sg. m. baltamėjė ‚im weißen‘) als auch Daukšas Schreibweise hin.
Nicht überall ist es gelungen, das Suffix -ymas von -imas zu unterscheiden; vgl. išdraskimas neben papiktymas, sumišymas.
Anstelle von išlepęs, juodkunigai, pasimėgti, paspalytas, prisiegti, treškšti, žėkas, žiegorius, Laurinas, Mednikai, Pilipas, Salamonas sollte es heißen: išlepęs (vgl. Daukšas dialektale Schreibweise im g. sg. išzlāpusio 167₁₈), juodaknygiai (!), pasimėgti, paspalitas, prisiekti, treškšti, žėkas, žiegorius, Laurynas, Mednykai, Pilypas, Saliamonas.
Es gibt auch den einen oder anderen Druckfehler; beispielsweise müsste es anstelle der Stichwörter apsipausyti, binges, įsakymas, išsiūsti, kalinėjs, parsiūsti, pebausti, pelėda, prizopostyjimas, susesti, sutaryti, sužėlesi, takotojas, sirijiškas heißen: apsipjaustyti (apsipjaustyti), binges, įsakymas, išsiūsti, kalinėjs, parsiūsti, perbausti, pelėda, prizopostyjimas, susėsti, sutaryti, sužėlusi, tykotojas, sirijiškas.
Bei Arbeiten dieser Art ist es in der Praxis sehr schwierig, bestimmte Mängel und Ungenauigkeiten zu vermeiden. Doch sie bestimmen nicht den Wert der Publikation. Entscheidend ist, dass die Forscher dank Č. Kudzinovskis nun alle Wörter der Postille von Daukša und sämtliche Formen davon erfasst vorfinden und künftig nicht mehr die ganze Postille nach diesem oder jenem Wort oder einer einzelnen Form durchsuchen müssen. Č. Kudzinovskis hat wirklich eine große und sehr notwendige Arbeit geleistet. Dafür müssen wir ihm alle dankbar sein. Diese beeindruckende Publikation ist uns allen ein Vorbild und regt dazu an, die Erstellung von Index-Wörterbüchern zu weiteren Denkmälern der litauischen Sprache in Angriff zu nehmen.
Zigmas Zinkevičius
5 Neben der Form naktijeja (mit -ij-) könnte Daukšas Dialekt auch -ij- statt -yj- gehabt haben; vgl. dial. loc. sg. naktį ‚in der Nacht‘. Der Herausgeber hätte jedoch Formen gleicher Art verwenden müssen.
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