Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXVIII (1989)
KALBŲ RYŠIAI IR SĄVEIKOS
LAIMUTĖ BALUODĖ
LITUANISMEN IN DER LETTISCHEN LIMNONYMIE
In der Kartei der Limnonyme (Namen von Seen) des Instituts für Sprache und Literatur A. Upytis der Lettischen Akademie der Wissenschaften sind derzeit etwa 4200 Seenamen verzeichnet (mit Varianten und wiederholt vorkommenden Namen etwa 6800). Die meisten davon (etwa 3800) sind Seenamen, deren etymologische Wurzeln in der lettischen Sprache selbst oder in den Sprachen baltischer Stämme liegen, die einst auf dem heutigen Gebiet Lettlands lebten. Limnonyme, die aus anderen Sprachen stammen, sind vergleichsweise selten – etwa 5% aller lettischen Seenamen. Bei einer genaueren Gruppierung dieser Seenamen fremder Herkunft stehen an erster Stelle Limnonyme mit slawischer Etymologie; davon sind etwa 160 (250)1 verzeichnet (Balodė 1987, 12–20). Unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung könnten wir etwa 45 (105) Seenamen als finno-ugrischen Ursprungs betrachten. Zweifellos gibt es viel mehr Seenamen, die genetisch mit dem Estnischen, Finnischen und Livischen in Verbindung stehen; gemeint sind hier jedoch nur jene Limnonyme, die unmittelbar (ohne appellativische Vermittlung durch das Lettische) aus Lexemen finno-ugrischer Sprachen gebildet sind. Es gibt viele Hydronyme, die mit germanischen Sprachen (konkret: dem Deutschen und seinen Dialekten) in Verbindung gebracht werden, doch Germanismen im eigentlichen toponymischen Sinne sind nur wenige2.
Etwa 50 (90) lettische Limnonyme wurden festgestellt, die in der einen oder anderen Weise mit der litauischen Sprache verbunden sind; längst nicht alle lassen sich jedoch als Lituanismen bezeichnen. Als Entlehnungen aus dem Litauischen können nur jene Seenamen gelten, die aus litauischen Appellativen gebildet wurden. Solche Limnonyme-Lituanismen gibt es nur wenige – 11 (23) Namen:
Arlaks2 Lvv I 42 (|| Arlaka ežers G) in Rauda < (?) *Erloks: (?) lit. ėrlos ‚Heuwiesen‘. Vgl. lit. Érla u, preuß. Arle Apr 11, Erling Apr. 34 u. a. (EŽ 100).
Ašera ežers G (||Ašarainis E II 168) in Kraslava 3: lit. ešerys (dial. ašerys) LKŽ II 1164. In lettischen Dialekten ist die Form ašars ‚Barsch‘ nur im westlichen Teil Lettlands, an der litauischen Grenze, in Rucava verzeichnet (Laumane 1973, 72). Vgl. || Ašāru ežers G – dies ist ein Genitivname, gebildet aus dem Oikonym Ašāri k (ebenda, E II 168), das seinerseits ebenfalls litauischen Ursprungs sein oder später aus dem erwähnten Seenamen Ašarainis entstanden sein könnte.
1 Hier und im Folgenden gibt die Zahl in Klammern die Anzahl der Seenamen einschließlich Varianten und wiederholt vorkommender Namen an. Selbstverständlich sollten die statistischen Angaben nicht als absolut gelten – ergänzt man das Material aus anderen Quellen, können sich diese Zahlen ändern; sie spiegeln jedoch die Proportionen der einzelnen etymologischen Gruppen wider.
2 Apie skolintus hidronimus lietuvių kalboje žr. Vanagas 1981, 124–126.
3 Traditionell wird die Lokalisierung eines Gewässers anhand der Bezeichnung des ehemaligen Landkreises angegeben.
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Page 2Bevorža ežers G in Andrupenė <*Bevordis: lit. bevārdis LKŽ I 790. Vgl. lit. Bevārdis ež EŽ 63.
Esis E II 184 (|| Eša ežers E II 184) || (|| Ješs E II 181 || Ješa ežers Pag. apr. 586) in Bukmuiža (= in Andrupenė): (?) lit. ešys ‘asys’ LKŽ II 1154. So etymologisiert (mit „?“) auch J. Endzelīnas: esiai ‘Kannen kraut’ (Endzelin 1934, 142).
Gīla ežers E II 8 (|| Gīlu ezers Pag. apr. 272) in Asytė: (?) lit. gylē ‘Tiefe, tiefe Stelle eines Sees oder Flusses’ LKŽ III 298. Vgl. auch den lit. Personennamen Gylīs LPŽ I 666 sowie die lit. Hydronyme Gylē u, Gyliōkas ež, Gylupīs u EŽ 115.
Kulis E II 166 (|| Kuļu ezers G) in Skaistā: lit. kulys ‘Bucht, Landzunge, Biegung, Kurve; Ecke, Rand, Stück’ LKŽ VI 836. Vgl. lit. Kulys ež EŽ 170; vgl. auch lett. kulis ‘Pl. das Gesindel, Krethi und Plethi’ ME II 306, doch scheint dieses Lexem als Motivierung des Hydronyms ungeeignet. J. Endzelīnas ordnet das untersuchte Limnonym den Hydronymen ohne produktives Suffix zu (Endzelin 1934, 143).
Kumpotis p (|| Kumpota ežers G || Kumpotu ežers Pag. apr. 530 || Kumpoču ežers G) in Kurcume. Vgl. „Kumpoce“⁴, ein Nebenfluss der Laucesa, Konv XII 22535 =? lit. Kumpotē u in Zarasai: lit. kuñpti LKŽ VI 880. Vgl. auch weitere lit. Hydronyme derselben Wurzel Kuñpē ež, Kumpōnas u, Kumpuōtē ež, Kumpuōlis ež EŽ 171. Doch vgl. auch lett. kùmpt ‘krumm werden’ ME II 312, kùmps ‘krumm’, kumpis I ‘der Bucklige, Krumme’ ME II 312 sowie weitere Ortsnamen dieser Wurzel in Kurland – „Kumpin“ vs U V 293, Kumpiniški vs E II 51. Ein lettischer Ursprung des untersuchten Limnonyms ist auch wegen des untypischen Suffixes -ot- zweifelhaft.
Kesis + ež Lw II 210 in Vilcė: (?) lit. kėsas ‘Moospolster, Hügel’ LKŽ V 633 (obwohl dies aus phonetischer Sicht Bedenken aufwirft). Vgl. lit. Kėšė u, Kesautis u, Kesautē u, von denen A. Vanagas vermutet, dass sie sich (wenn auch unregelmäßig) aus *Kesē, *Kesautis entwickelt haben EŽ 154. Vgl. ferner lett. kesis II ‘ein Einhauer’ ME II 371, kesis III ‘die Kratzbürste’ ebenda, doch eignen sich diese Lexeme semantisch weniger gut zur Motivierung von Hydronymen. Vgl. auch den lett. Personennamen Kesis (Staltmane 1981, 163).
Samañka U V 293 (|| Samañkas ežers G) in Kurcume = lit. Samānis auf dem Gebiet der Litauischen SSR: lit. sāmana LKŽ XII 88. Die parallelen Namen Samaņu ezers Konv. X 18968 || Samañku ežers Pag. apr. 530 sind vom Oikonym lett. Samani k = lit. Samāniai k im Rajon Zarasai abgeleitet, Ladms 271. Vgl. weitere lit. Hydronyme derselben Wurzel: Samānē ež, Samānius ež, Samanūpis EŽ 289.
Žalva U V 278 kor (|| Žalva U V 278 kor) + ež in Asarė: lit. žalvas Vgl. lit. Žalvas ež, Žalvē u, ež, Žalvys ež, die als selische Hydronyme gelten EŽ 392 (ebenso Būga RR III 278), lit. Žalvē u EŽ 397. Hier ist auch der aus einem Oikonym hervorgegangene Name eines anderen Sees zu erwähnen: Žalvas ežers 1962 (|| Žalvas ežers Pag. apr. 558 || Zalvu ežers) in Agluonė (= in Kapiniai, Silajaniai): Žalva² k in Agluonė 1962, das seinerseits offenbar ebenfalls vom erwähnten litauischen (selischen) Adjektiv abstammt.
Žirgds ežers G in Lyksna: lit. žirgas. Parallele Namen sind Zirgežers Pag. apr. 562 || Zirgu ežers G: lett. zirgs ‘das Pferd’ ME IV 726. Vgl. die lit. Hydronyme Žirgupē u, Žirgupis usw. EŽ 403.
4Nicht überprüfte, unsichere Formen von Toponymen, die meist schriftlichen Quellen entnommen sind, werden in Anführungszeichen gesetzt.
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Page 3Neben diesen Limnonymen – echten Litauismen – stehen auch solche lettischen Seenamen mit der litauischen Sprache in Verbindung, die aus lettischen Appellativen litauischer Herkunft hervorgegangen sind, z. B.⁵:
Dagų ežers G in Bebrene: lett. dagis (wahrscheinlich ein Litauismus) ME I 430 = dad zis ‘die Klette, lanzettblättrige Kratzdistel (cirsium lanceolatum)’ ME I 429. Doch vgl. auch den Oikonym Dag[i] vs (ebenda, E II 49) sowie den lettischen Familiennamen Dagis (Staltmanė 1981, 141); daher ist es sehr gut möglich, dass das untersuchte Limnonym aus einem Oikonym oder Personennamen gebildet wurde.
„Kraipė“ E I 106 in Lielstraupe: (?) lett. kr aipīt ‘sich winden, krümmen’ (belegt in Mežotne und Eleja, d. h. an der litauischen Grenze – stimmt jedoch nicht mit der Lokalisierung des Sees überein) ME II 256; so etymologisiert J. Endzelynas ebenfalls mit „?“ (Endzelin 1934, 143).
Līņģis Lvv II 310 || Līņģu ežers G) in Burtnieki: lett. liņgāt I, linguot ‘schleudern’, ME II 472, liņgāt II, linguot ‘sich wiegen, schweben; wackeln’, das J. Endzelynas entweder aus dem Kurischen oder aus dem Litauischen herleitet (ebenda). In diesem Fall ist die litauische Herkunft des Limnonyms sehr zweifelhaft. Vgl. das semantisch verwandte Līnga ež in Nuogale, E II 118: līņģa ‘die Schleuder; Schlinge, der Umweg, die Brandung’, das wahrscheinlich finno-ugrischen Ursprungs ist (livisch līnga, estn. liņg ‘Schleuder’) ME II 471. Zu dieser Wurzel in Toponymen siehe ferner Dambe 1963, 251; Rudzīte 1968, 186; Duridanov 1969, 44; 1976, 40–41 u. a. Vgl. auch lit. Lingis ež, das A. Vanagas mit lit. lingė ‘Windung’ LKŽ VII 526, lėngė ‘Krümmung; Schlucht, Tal, Mulde, Senke, Grube’ LKŽ VII 330 (EŽ 192) verbindet. J. Endzelynas vergleicht das untersuchte Limnonym ebenfalls mit den litauischen Ortsnamen Lingė k, Lingėnai k Lvv II 310.
Tēviški² 1960 (|| Tēvišku ezers Konv. III 5034) in Demene (= Silene): lett. tēviški, tēviška I ‘Anteil des Altbauern’; 2. ‘das Vaterland, der Geburtsort’, das J. Endzelynas als Litauismus betrachtet, ME IV 177.
Ein beträchtlicher Teil der lettischen Limnonyme geht auf andere lettische Toponyme zurück, darunter auch solche, die ihrerseits als Litauismen anzusehen sind, z. B.:
– aus anderen Hydronymen:
Ķekavas (dzirnavu) ezers Pag. apr. 20 in Duole: Ķekava u, ein Nebenfluss der Düna, E I 115. Vgl. auch die Oikonyme Ķekava ap p, Ķekavas muiža dv E I 38. K. Būga vermutet, dass diese lettischen Ortsnamen litauischen Ursprungs sind (Būga RR III 624). Vgl. lit. Kekupys, obwohl der Ursprung dieses Potamonyms (Flussnamens) nicht völlig klar ist, EŽ 151. Vgl. ferner lit. Kekuvà vs und pruß. Keckowa ež Lvv II 203.
Šķirnds ezers U V 285 (|| Šķirnas² ezers 1960) in Demene: Škirna u in Kurcums, U V 293. Vgl. auch „Škirna“ vs E II 50 in Demene. Doch vgl. auch Šķirnas ež in Smalvi (derselbe See?), das A. Vanagas mit lit. Skernė u vergleicht, EŽ 304. Diese litauischen Hydronyme könnten aus der Wurzel sker-, skir-: skeryčiuoti, skerloti, skerlà gebildet sein (Näheres siehe EŽ 303), lit. skirti (EŽ 304).
Šunas ezers Konv. III 4792 (|| Šuņa ezers E II 170 || Šunęzers 1962) in Lyksna: Šuņa u, ein Nebenfluss der Düna bei Daugavpils. Ein möglicher Zusammenhang mit lit. šuo lässt sich nicht kategorisch ausschließen. Vgl. Hydronyme gleicher Bedeutung: lit. Šunija u, Šunyks-tà u, Šunupis u EŽ 336, pruß. Suna u, Sune ež Apr. 176.
5 Aufgrund des Umfangs des Artikels wird die Darstellung auf Beispiele beschränkt.
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Page 4– aus Oikonymen-Lituanismen:
Bedušų ezers G (|| Beduša ezers G) in Silenė: Beduši vs E II 49, das J. Endzelynas (mit „?“) mit lit. bedūšiai (Lvv I 94) <bedūšis LKŽ I 712 verbindet.
„Kaitras ezers“ Lvv II 6 in Asūnė: Kàitra k (ebd., E II 164)<lit. kaitrā LKŽ V 82 (so vergleicht es mit „?“ auch J. Endzelynas – Lvv II 6).
Mindaugas ezers Pag. apr. 583 in Barkava: Mindauga² vs (ebd., E II 183) <lit. Personenname Mindaugas, daher lässt sich auch ein anthroponymischer Ursprung des Limnonyms nicht ausschließen. J. Endzelynas vergleicht lettische Ortsnamen mit dieser Wurzel mit lit. Mindaugė k, Mindaugiškiai k (Lvv II 439). Auch K. Būga zweifelt nicht an der litauischen Herkunft dieser lettischen Toponyme (Būga RR III 624).
Pilvelų ezers Konv. XIX 37086 in Rūžina: Pilvelis² || Pilveļi² k (ebd., E II 186 kor.) <lit. pilvas (Dim. pilvelis) LKŽ IX 1025 oder <lit. pilvė „Schlamm, schlammiger Boden“ LKŽ IX 1027. Mit diesem litauischen Appellativ werden auch litauische Hydronyme in Verbindung gebracht: Pilvė u, Pilvija +u, Pilvinas ež, Pilvis ež, Pilvignis ež (EŽ 259). Vgl. auch prußisch-jotvingisch Pilwag, Pilwung ež (Leyding 1959, 44, 60), Pilwin ež, Pilwen u Apr. 123. V. Dambe verbindet das hier untersuchte Limnonym mit den lettischen Wurzeln bal(i)-, pal(i)- mit der Bedeutung „feuchter Ort“ (Dambe 1972, 142).
Smelines ezers G (|| Smelīnes ezers G || Smelina ezers G || Smelinskas ezers U V 293 || Smelinu ezers Konv. X 18969) in Kurcums: Smeline ap 1970 = Smēlyne k Ladms 284 <lit. smėlynė „sandiger Boden, Feld, Erde“, LKŽ XIII 153, smėlis, smėlys (ebd.). Vgl. lit. Smėlynė ež in Smalvos EŽ 308 =(?) See in Kurcums.
Šešku ezers 1963 (|| Šešku ezers G) in Škiaunė: Šeški k p || Šeški ap 1942 < lit. šeškas. Vgl. litauische Potamonyme dieser Wurzel: Šeškinė u, Šeškynė u, Šeškinis u, Šeškupė u, Šeškupis u, Šeškupys u EŽ 329.
Špaku ezers 1975 in Silajaniai: Špaki k (ebd., E II 187)<(?) lit. špōkas.
Urvy ezers Pag. apr. 501 (|| Urvas ezerinš 1960) in Elkšniūi: Urvas vs (ebd., E II 58)<lit. ūrvas. Möglicherweise ist der Seenname unmittelbar aus dem litauischen Appellativ gebildet (gegen diese Hypothese spricht auch die Semantik des Appellativs nicht). Vgl. lit. Urvenų u EŽ 355. Vgl. aber auch lett. urva I „eine Vorrichtung zum Anbinden von Kühen — ein hölzerner Pflock“ ME IV 308 oder ūrva II „Schimpfname für ein Schwein“ (ebd.).
Es sind mehrere lettische Limnonyme verzeichnet, die aus litauischen Personennamen gebildet wurden, zum Beispiel:
Jonužd ezerinš Lvv I 391 in Nereta: lit. Personenname Jonišis, Jonušys LPŽ I 844.
Petrauskų² ezers 1956 in Kaunata: lit. Personenname Petrauskas LKil.
Rimšas² ezers 1962 in Medniai: lit. Personenname Rimša LKil, vgl. aber auch lett. Personenname Rimša (Staltmanė 1981, 119). Vgl. auch das Oikonym Rimšas² k (ebd., E II 173); die Genitivform Singular des Limnonyms bezeugt jedoch, dass der Seenname durchaus anthroponymischen Ursprungs sein könnte. Hier wäre auch ein weiteres lettisches Limnonym zu erwähnen: Rimšu ezers G in Nirza, das wahrscheinlich unmittelbar aus dem Oikonym Rimši² k (ebd., E II 179) entstanden ist. K. Būga betrachtet lettische Ortsnamen dieser Wurzel als Toponyme litauischer Herkunft (Būga RR III 624). Vgl. litauische Potamonyme Rimšiškė, Rimšupis, Rimšupys, Rimšulys – auch diese Namen sind offenbar überwiegend anthroponymischen Ursprungs (EŽ 278).
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Page 5Šumsku ežers Konv. VIII 15462 in Silajaniai: litauischer Personenname Šumskas LKil (doch ist auch ein Zusammenhang mit dem identischen polnischen oder lettischen Familiennamen möglich).
Ein Teil der hier analysierten lettischen Limnonyme ist hinsichtlich seiner Herkunft mehr oder weniger hypothetisch; noch unklarer ist die Herkunft der im Folgenden genannten Seenamen, die jedoch ebenfalls mit der litauischen Sprache zusammenhängen könnten, z. B.:
Asva E II 168 (|| Asvas ezers G || Osvas ezers G) in Kraslava: (??) litauisch ašva ‚Stute‘ (so auch mit „??“ bei Endzelin 1934, 119). Vgl. litauisch Ašvà Fluss, Ašvijà Fluss, Ašvinė Fluss, Ešvinė Fluss EŽ 50, vgl. Asswene Fluss, Asswaylen Apr. 12. Zu dieser Wurzel in Toponymen siehe: Būga RR III 536; Walde, Pokorny 1930, 54; Endzelin 1934, 119; Jonikas 1950–1951, 15; Porzig 1954, 206; Lvv I 45; Otrębski 1965, 37; Toporov 1988,I 136–137; doch bestehen gewisse Zweifel an dieser Verbindung (siehe Vanagas 1970, 145; EŽ 50).
Ādmenis Lvv I 64 in Sinuole: (??) litauisch *odmuo, odmenis ‚Flussmündung‘ LKŽ VIII 995. Vgl. auch litauisch Odmuo Fluss EŽ 234. Parallel dazu sind lettische Seenamen || Ādmiņa ezers E I 83 || Ādmiņu ezers G || Ādmaņa ezers E I 83, die offenbar später aus dem Oikonym Ādmiņi Dorf E I 82 entstanden sind, das vielleicht mit lettisch ādminis ‚der Gerber‘ ME I 236 verbunden werden kann. In diesem Fall ließe sich das -men- des untersuchten Limnonyms damit erklären, dass in Suffixen bisweilen i>e (LGr 35 § b, Lvv I 65). Ein Einfluss der litauischen Sprache ist wegen der Lage des Sees (im Nordosten Lettlands) zweifelhaft; für die Motivation des Hydronyms erscheint die Semantik des litauischen Appellativs jedoch passender.
Indra E II 166 (|| Indras ezers Pag. apr. 572) in Skaistkalne: (??) litauisch indrė ‚Schilfrohr‘ LKŽ IV 108. Vgl. weitere Hydronyme: lettisch Indra Fluss in Skaistkalne Pag. apr. 572, „Indrica“ Fluss E II 190, litauisch Indrailìs See, Indrajà Fluss, Indrajỹs See, Indrinis See, die A. Vanagas ebenfalls mit dem genannten litauischen Appellativ verbindet (EŽ 130). Zum untersuchten Limnonym siehe auch Endzelin 1934, 142, wo es den Hydronymen ohne produktives Suffix zugeordnet wird; Lvv I 362; Būga RR I 444, III 525.
„Kulpines ezers“ Lvv II 169 in Viļaka: (??) Kūlpė Fluss, den A. Vanagas hypothetisch mit litauisch kulpėti, kūlpinti, kulpyti ‚schlagen, prügeln‘ LKŽ VI 847 verbindet; möglich sind jedoch auch andere Zusammenhänge, vgl. ostsorbisch kolp, kaschubisch kelp ‚Schwan‘ LEW 175 (EŽ 171). J. Endzelin vergleicht dieses lettische Limnonym mit dem erwähnten litauischen Flussnamen sowie mit litauisch Kulpidai Bach und mit slawisch *kolpb ‚Schwan‘ (Lvv II 169). M. Rudzytė vergleicht diesen Seenamen mit lettisch Kulpjupīte Fluss und estnisch Kulpjärv (Rudzīte 1968, 184). Auch V. Zeps behandelt diesen Namen als möglichen Finnougrismus (Zeps 1977, 429).
„Skabu ezers“ E II 151 in Puope: (??) litauisch skabùs ‚scharf, leicht schneidend, hackend‘ LKŽ XII 652. In diesem Fall ist eine litauische Herkunft wegen der Lage des Objekts im nordwestlichen Teil Kurlands nicht sehr wahrscheinlich. Vgl. weitere lettische Ortsnamen mit dieser Wurzel: Skabij Bach E II 189 in Vidsmuiza, Skabis Dorf E I 35 in Ādaži, Skabi Dorf E II 71 in Zasa.
Šlapuk 1962 in Skaistkalne (die Authentizität dieses Namens ist sehr zweifelhaft): (?) litauisch šlāpias LKŽ XIV 1015. Vgl. auch Šlapuki Gehöft in Saliena, S. sowie litauische Hydronyme mit dieser Wurzel: Šlapės Fluss, See, Šlapikė Fluss, Šlapýtė Fluss, Šlapiukai Fluss, Šlāpuņis Fluss EŽ 333.
Bei der Analyse und dem Vergleich lettischer und litauischer Hydronyme finden sich sehr viele etymologisch und wurzelmäßig verwandte Wörter – baltische und indogermanische Lexeme. Es gibt jedoch nur sehr wenige Seenamen, die aus dem Litauischen entlehnt worden wären. Wie zu erwarten
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Page 6zu erwarten, ist die Mehrheit der lettischen Limnonyme, die wir ohne größere Zweifel im eigentlichen Sinne des Wortes als Litauismen bezeichnen könnten, im Grenzgebiet Litauens im südöstlichen Teil der Lettischen SSR registriert.
ABKÜRZUNGEN
ap – bewohnter Ort
avd. – Personenname
brus. – belarussisch
dem. – Diminutiv
dial. – Dialektismus
dš. – rechter (Nebenfluss)
dv. – ehemaliges Gut
est. – estnisch
ež – See
+ ež – trockengelegter oder verlandeter See
jotv. – jatwingisch
k – Dorf
kaš. – kaschubisch
kln – Berg
kor. – korrigiert
kr. – linker Nebenfluss
lat. – lettisch
lyb. – livisch
liet. – litauisch
p – Ergänzungen
plg. – vergleiche
pr. – altpreußisch
sorb. – sorbisch
u – Fluss
vs – Einzelgehöft
|2∧2 – Übereinstimmung der Intonationen
1962... – Jahr der Erfassung (Expedition)
LITERATŪRA
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ЛИТУАНИЗМЫ В ЛАТЫШСКОЙ ЛИМНОНИМИИ
Резюме
Лимнонимы ЛатвССР, которых насчитывается около 4200 (с вариантами и повторяющимися названиями около 6800), по своему происхождению являются не вполне однородным слоем лексики. Подавляющее большинство (около 3800 лимнонимов) — это названия озер, образованные на базе латышского языка. Лимнонимы иноязычного происхождения, т. е. образованные от иноязычных appellативов, составляют около 5% всех названий озер Латвии (лимнонимов славянского происхождения — около 160 (250), финно-угорского — около 45 (105) и т. д.).
Названий озер ЛатвССР, которые с топодеривативной точки зрения можно назвать литуанизмами, немного — около 11 (23), напр.: Ašarainis, Bevorža ezers, Gīļa ezers, Kulis, Kesis. Это лимнонимы, образованные непосредственно от литовских appellативов. Абсолютное большинство латышских лимнонимов-литуанизмов обнаруживаем неподалеку от границы Литвы, главным образом в юго-восточной части республики.
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Page 8Латышских лимнонимов, генетически связанных с литовским языком, несколько больше — около 50. Это названия, образованные от латышских апеллятивов, которые в свою очередь являются литуанизмами, напр.: Dagū ežers: лтш. dagis < лит. dagýs; Deguta ežers: лтш. deguts < лит. degūtas; Tēvišķe? лтш. tēvišķe < лит. tēviškė. В определенном смысле с литовским языком связаны также лимнонимы, образованные от других латышских топонимов-литуанизмов или фамилий литовского происхождения, напр.: Durbes ezers: Durbė река < (?) лит. durbė; Šešku ezers: Šeški деревня < лит. šeškas; Jonuša ezeriņš: лит. фамилия Jonušis, Jonušys. Немало и таких латышских лимнонимов, которые можно связывать с литовским языком только с большой долей гипотетичности, напр.: Asva, Ādmenis, Indra, Kulpines ežers, Skabu ežers.