Page 1LIETUVIŲ LEKSIKOS IR TERMINOLOGIJOS PROBLEMOS
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXIX (1991)
JONAS KLIMAVIČIUS
EINIGE MIKROSYSTEME HYDROLOGISCHER TERMINI (WASSERFLIESSEN)
Diese Untersuchung, die konkret ist und vielleicht auch der praktischen Terminologiearbeit und dem Terminologiegebrauch von Nutzen sein wird, ist in ihren theoretischen Voraussetzungen, ihrer Problematik und Methodik mit dem früheren Artikel „Melioration, Drainage, Bewässerung: Lehnübersetzungen, Synonyme und Hyponyme (Merkmale der Geschichte, der Systeme und des Sprachgebrauchs)“1 verbunden.
Die Untersuchung geht etwas über die Grenzen der hydrologischen Terminologie hinaus; systemische Verbindungen zu anderen Fachterminologien werden nicht vermieden (auch wenn aus Gründen der Darstellungsfolge auf die Erörterung einiger davon verzichtet werden musste). Die Hydrologie steht hier in engem Zusammenhang mit der Melioration; in einigen Fällen wird auch die geografische Terminologie berührt.
Der Artikel untersucht weniger wissenschaftliche Begriffssysteme als vielmehr sprachlich-semantische Mikrosysteme von Termini, und zwar nicht nur terminologisch, sondern auch lexikologisch: Man begnügt sich nicht mit der bestehenden Realisierung, sondern betrachtet sie als eine von mehreren Varianten und erkundet weiter reichende semantische und nominative Möglichkeiten. Man beschränkt sich nicht auf die Terminologiearbeit, sondern betrachtet auch die Funktionsweise der Termini. Auch Erscheinungen der Determinologisierung werden nicht vermieden; es wird angenommen, dass diese mit der Semantik und Stilistik der Wissenschaftssprache zusammenhängen und sie sogar beeinflussen. Da die Wissenschaft und ihr begrifflicher Apparat international sind, ist es angebracht, auch Erscheinungen der linguistischen Situation zu berücksichtigen – Entlehnung und Lehnübersetzung, Entsprechungen und Unterschiede.
Die Untersuchung des Systems „Wasserfließen“ beginnt am besten mit dem Verb tekėti – als Grundlage der Bildung verschiedener Termini und als Kern des Bedeutungsfeldes „fließen“. Da es stark verzweigt ist, stützt sich jede Teildomäne auf die dafür erforderlichen Bedeutungen von tekėti sowie auf Synonyme (bėgti, srūti, srovėnti,...), ein Hyperonym (judėti), ein Kausativum (tėkinti), Antonyme (leisti, vesti, traukti vandenį) und einige ihrer nichtterminologischen Ableitungen, die die lexikalisch-semantischen Möglichkeiten umfassender erschließen.
1. Fließen und Bewegung: Semantik
In der Alltagssprache fließt Wasser sowohl als auch es läuft; in den Dialekten bedeutet sogar įbėgti „hineinfließen (von einem Fluss)“: Šunija fließt bei Mažintai in die Jūra Skdy (LKŽ D). In der Hydrologie fließt Wasser nur. Das Adjektiv takus, das in der Alltagssprache „strömend“ bedeutet (in der Physik hingegen „nicht viskos, fließend, fluid“), wird hier nicht verwendet. Im allgemeinen physikalischen Sinn kann Wasser sich jedoch auch bewegen. Die Wasserströmung unterscheidet sich von der Bewegung (abgesehen vom selbstverständlichen Merkmal der Fließfähigkeit) mindestens in zweierlei Hinsicht: 1) Sie ist, einfach gesagt, strömungs- und rinnengebunden; daher fließen auch Meere nicht (manche Seen sind abflussreich); 2) sie ist mehr oder weniger gleichmäßig. Für die Bewegung des Wassers sprechen die Dialekte und sogar die Sprache der alten Schriften
1 Lietuvių kalbos specialioji leksika // Lietuvių kalbotyros klausimai. V., 1983. T. 22. P. 26–68.
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Page 2Daten: Und dieses große Aufwühlen gab es nur auf dem Meer DP 78. Aufwühlen des Meeres SD 171. Die See war stark aufgewühlt K II 272. Die See war heftig (d. h. stark) aufgewühlt, in Bewegung geraten K II 336. Das Meer geriet in Bewegung, und ein Drache mit drei Köpfen schwamm heran BsP II 51 (Nm). Ewig schlagen die bewegten Wellen des Meeres V. Piet. Der aufgewühlte Ozean schüttelte und erschreckte den Reisenden P. Cvir. Die zweite Unterscheidung veranschaulichen vielleicht nur nichtmarine, d. h. Namen fließender Gewässer Judis, Judinys, Judra, Judrė, Judreika, Judriukė, Judrinas.
Diese beiden Unterscheidungen werden auch in der hydrologischen Terminologie umgesetzt. Konkrete Realisierungen der Bewegung gibt es offenbar sogar mehr als nötig. Dafür sind nicht sprachliche Faktoren und Begriffe ausschlaggebend, sondern die Klassifikation selbst: Da es Wirbelbewegung gibt, „eine solche Bewegung von Flüssigkeitsteilchen, bei der jedes Teilchen sich nicht nur vorwärts bewegt, sondern sich auch um sich selbst dreht“ MelŽ, und turbulente Bewegung, „eine solche Flüssigkeitsbewegung, bei der die Teilchen ihre gegenseitige Lage ungeordnet verändern“ MelŽ, ist der Systematik halber auch laminar eine Bewegung, „eine solche Flüssigkeitsbewegung, bei der sich die Teilchen nicht miteinander vermischen – ihre Bewegung erfolgt entlang paralleler gerader oder gekrümmter Linien“ MelŽ, und keine Strömung; ebenso gibt es neben der ungleichförmigen Bewegung, deren „Geschwindigkeit in Bewegungsrichtung nicht gleichmäßig ist“, auch die gleichförmige Bewegung MelŽ neben der instationären, d. h. „zeitlich veränderlichen“, die stationäre Wasserbewegung MelŽ. Eine solche mechanische Angleichung von Termini nach der Klassifikation, die semantisch nicht begründet ist, ist kein solides normierendes Kriterium, denn man kann ebenso in umgekehrter Richtung angleichen – nach Strömung. Und tatsächlich ist dies auch verwirklicht: laminare, wirbelnde, turbulente Strömung MelŽ, gleichförmige und ungleichförmige Wasserströmung MelŽ. Im Englischen steht hier überall motion, was offenbar auf die größere Vorliebe der Sprache für allgemeinere Wörter zurückzuführen ist. Im Russischen wird unterschieden zwischen течение und движение: fluid motion — течение жидкости: rotational fluid motion — вихревое течение жидкости, turbulent motion — турбулентное движение, laminar motion — ламинарное движение, ламинарное течение Гидр сл. Die litauischen Termini sollten in ähnlicher Weise normiert werden: Wasser-/Flüssigkeitsströmung: laminare Strömung, Wirbelbewegung/-strömung, turbulente Bewegung/Strömung, gleichförmige Strömung, ungleichförmige Bewegung/Strömung, stationäre Strömung, instationäre Bewegung/Strömung.
2. Strömung, Strom, Fluss, Wasserlauf
Obwohl die Synonyme von Strömung in der Hydrologie nicht terminologisiert und folglich nicht verwendet werden, sind die Synonyme des Verbs fließen hier anders repräsentiert – als Grundlage für Ableitungen. Strömung, Fluss, Strom sind in der Hydrologie keine Synonyme. Ihre Bedeutungsunterschiede sind jedoch in Fach- und allgemeinen Wörterbüchern sehr unklar: 1) tekmė — помок, течение – „Strom eines Flusses oder einer sonstigen fließenden Flüssigkeit“ MelŽ, 1. „Rinne fließenden Wassers; Strom“ DŽ₂; 2) srautas — помок – „Wassermasse, die an der Erdoberfläche oder unterirdisch fließt ⟨…⟩; Strom, Strömung“ MelŽ, 1. „Flüssigkeitsstrom, Strömung“ DŽ₂; 3) srovė — течение, помок – eine Masse von Flüssigkeit, die sich in eine Richtung bewegt und von der Umgebung ganz oder teilweise durch feste Flächen getrennt ist; Fluss, Strömung“ MelŽ, 1. „Wasserströmung“ DŽ₂. Bezeichnenderweise gibt es in der russischen Terminologie hierfür nur zwei Bezeichnungen – помок und течение: помок — 1. Strom, Strömung, 2. Fluss, während течение — 1. Strom,
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Page 32. tėkmė, 3. 〈…〉 GeolŽ; поток — srautas, о течение — 1. srovė, (atmosferos tėkmė, 2. 〈…〉, 3. 〈…〉 MetŽ. Somit bringen weder die Bedeutungsangaben noch die Entsprechungen in anderen Sprachen Klarheit.
Nur s r ū v i s „Teil eines Wasserstroms“ DŽ₂ – mok GeolŽ, MetŽ: vandens s r ū v i s — mok vody „begrenzte Bewegung einer Wassermasse, Teil eines Flusses“ MelŽ – hebt sich ganz deutlich ab. Doch gleich hier wird s r ū v i s mit srove: mok — srovė, s r ū v i s MelŽ synonymisiert: линия мока — s r ū v i o linija MelŽ und srovės linija — линия мока — MelŽ, während ein Synonym von srovės in MelŽ srautas, tėkmė ist. Auch PolŽ₂ schafft keine Klarheit: линия мока — 1. Hydr. tėkmės linija, 2. Meteor. s r ū v i o linija, 3. srovės linija, линия потока — srauto linija, потоковая линия — srovės linija. Somit ist auch s r ū v i s nicht überall klar differenziert.
Eine ähnlich undifferenzierte Vielfalt findet sich auch in der Terminologie anderer Sprachen. Im Lettischen entspricht течение sowohl straume, plūsma, tece, ток — als auch strāva, plūsma Hidromet vard. Am größten ist die Vielfalt im Englischen. Laut Гидр сл. gibt es hier stream — 1. река; ручей; поток; течение; струя²; flow — 2. течение; ток; поток; струя; 〈…〉; streamflow — 2. речной поток; current — течение; поток; струя; torrent — поток; fluent — струя воды; поток; flux — поток; 〈…〉; pour — 1. поток, течение; run — 2. течение; squirt — струя; jet — 1. струя. Nur filament ist klar differenziert – dafür wird nicht nur eine einzelne Wortentsprechung angegeben, sondern präzise Bedeutungsumschreibungen: отдельный ток струи; небольшая струя.
In Texten werden tėkmė, srautas, srovė kein bisschen anders verwendet. Beispielsweise heißt es bei der Einführung eines theoretischen Schemas der Wasserfiltration: 〈…〉 Die Filtrationsströmung wird schematisiert; man nimmt an, dass die Filtration nicht durch die Poren des Gesteins, sondern über den gesamten Querschnitt der Filtrationsströmung erfolgt Hidrogeol 217. Unmittelbar darauf tritt an die Stelle von tėkmės srautas: Der Teil der Gesteinsschicht, in dem die Filtration des Wasserstroms stattfindet, wird Filtrationsbereich genannt Hidrogeol 218. Danach wird tėkmė als Hyponym von srauto verwendet: Bei der mathematischen Untersuchung der Filtrationsströmung werden kleinere Strömungsteile oder -läufe verwendet, die der allgemeinen Bahn des Flusses entsprechen. Dazu lassen sich die sogenannten Stromlinien herausarbeiten. Hidrogeol 218. Im Folgenden finden sich nur noch Wasserstrom Hidrogeol 229 ff. und Stromlinie Hidrogeol 233 ff. Und s r ū v i o ir s r ū v i o linijos kommen hier überhaupt nicht vor. Übrigens werden die Termini srautas und tėkmė hier weder erläutert noch definiert. Anderswo wird srovės tėkmė im Sinne von „Stromströmung“ verwendet: Ozeanologen entdeckten eine 1200 Meilen breite Kaltwasserströmung. Allerdings ist die Strömung sehr langsam: 〈…〉 MG 1975 10 36.
Die fehlende Differenzierung dieser Termini ist natürlich kein schwerwiegender Mangel und führt vermutlich nicht zu großer sachlicher Verwirrung; dennoch sollte sie korrigiert werden. Wenn (künftig) Fachleute der Hydrologie dieses terminologische Mikrosystem ordnen, könnten wir die Termini in ein- und zweisprachigen Wörterbüchern präziser darstellen und unterschiedliche ungeordnete Verwendungen klarer beurteilen (z. B.: Der Strom der verzögerten Druckfront brachte es zurück in die Strömung P 1980 9 37).
² Aus der Doppeldeutigkeit von stream – „Strom, Fluss“ und „Fluss“ – stammt offenbar eine journalistische Lehnübersetzung: Hier entspringt der größte „Fluss“ des Weltozeans – der Golfstrom T 1976 291 2. Die Wassertemperatur des „Flusses“ Golfstrom ebenda.
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Page 43. Sich bewegen und fließen: Derivationsfähigkeit. Bewegung und Zirkulation
Wie bereits gesagt, wird srovė als „Masse einer sich bewegenden Flüssigkeit“ MelŽ erklärt, srūvis als „Bewegung einer Wassermasse“ MelŽ. Allgemein gesprochen wird auch bei der Beschreibung der Dynamik des Grundwassers die Wasser-Bewegung verwendet: Wenn Wasser die Gesteinsporen füllt und sich nicht bewegt, gelten die Gesetze des hydrostatischen Gleichgewichts Hidrogeol 215. Wenn Wasser, das alle Gesteinsporen füllt, unter Einwirkung verschiedener Kräfte in Bewegung ist, wird das hydrostatische Gleichgewicht gestört und es gelten die Gesetze der Hydrodynamik. Die Bewegung des Wassers durch Gesteinsporen und Klüfte wird als Filtration bezeichnet Hidrogeol 217. Inkonsequenterweise kommt aber auch „Fließen“ vor (sogar turbulent!): Die Wasserströmung in Gesteinen kann laminar und turbulent sein Hidrogeol 224. „〈…〉“ im Sand ist ein stationäres Wasserfließen oder eine stationäre Wasserfiltration Hidrogeol 224.
Aus sich bewegen haben wir jedoch keine Ableitung wie jene, die es zu fließen gibt: Fluss; aus strömen: Strom und Stromfluss. Das Ergebnis der Wasserbewegung ist also ein Strom: Die Grundwasseroberfläche kann ein Gefälle in die eine oder andere Richtung aufweisen. Dann bewegt sich das Grundwasser; diese Bewegung hängt vom Gefälle des Grundwasserleiters oder vom Relief des Geländes ab und bildet einen Grundwasserstrom Hidrogeol 134. Natürlich kann es wirbelnde oder turbulente Wasserbewegung, filtrierende Wasserbewegung durch Poren und Klüfte geben, Wasserbewegung im Boden MetŽ, obwohl hier auch Fließen möglich ist (und tatsächlich auftritt) (aber nur Bewegung der Feuchtigkeit im Boden MetŽ, Bewegung von Wasser und Wasserdampf Hidrolog 25). Mitunter findet sich eine Verbindung der Bedeutungen in Strom- oder Flussbewegung: Der Grundwasserstrom bewegt sich gewöhnlich zu den tiefsten Geländepunkten: Flüssen, Bächen, Gräben, Tälern, Seen, Senken, „〈…〉“ Hidrogeol 134. In zentrumsgebundenen Strömungssystemen bewegen sich Flussläufe radial, gleichsam um ein Zentrum herum, „〈…〉“ Hidrolog 50. Sprachlich angemessener wäre zu sagen, nicht der Strom bewegt sich, sondern der Strom fließt (und tatsächlich gibt es neben der Bewegung des Stroms Hidrogeol 234 auch das Fließen des Stroms Hidrogeol 233); nicht die Strömungen bewegen sich radial, sondern sie wirbeln und bilden Strudel.
Die Wasserbewegung wird nicht nur durch ihre mangelnde Ableitungsfähigkeit eingeschränkt, sondern auch durch die Unmöglichkeit, Präfixformen zu bilden. Diese gibt es nur bei fließen, Fließen: Die Grundwasserzuflüsse setzen sich aus folgenden Elementen zusammen: 1) Wasser, das aus anderen Bereichen desselben Grundwasserleiters zufließt; 2) Wasser, das aus anderen Grundwasserleitern zufließt; 〈…〉. Die Abflüsse des Grundwasserleiters setzen sich aus folgenden Elementen zusammen: 1) Abfluss in andere Bereiche des Grundwasserleiters; 2) Abfluss in andere Grundwasserleiter; „〈…〉“ Hidrogeol 211. Zunächst müssen wir wissen, auf welche Weise das Wasser die Poren füllt, durch die es fließt, und unter welchen Bedingungen das Volumen des in einen bestimmten Porenabschnitt eingeströmten Wassers dem des ausströmenden Wassers entspricht Hidrogeol 222.
Die Wasserbewegung wird auch durch die Verwendung von Wasserkreislauf eingeschränkt, obwohl der Inhalt dieses Begriffs neben dem Abfluss noch drei weitere Bestandteile umfasst — Verdunstung, Niederschlag und dessen Infiltration Hidrogeol 94 — und sich der Kreislauf daher nur als Bewegung beschreiben lässt: Das Wasser in allen Erdsphären — Atmosphäre, Biosphäre, Hydrosphäre und Lithosphäre — steht in engem Zusammenhang. Unter entsprechenden Bedingungen, die durch Veränderungen von Druck und Temperatur sowie durch Transpiration, Dehydration, Kondensation und Infiltration entstehen, wechselt Wasser unter Veränderung seines physikalischen Zustands von einer Sphäre in eine andere. Dieser fortlaufende
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Page 5Prozess der Bewegung des Wassers von einer Sphäre in eine andere wird als Wasserkreislauf bezeichnet Hidrogeol 94. Man sagt sogar das Gegenteil: Durch den Wasserkreislauf findet in der Hydrosphäre eine kontinuierliche Wasserbewegung statt; ein Teil davon verdunstet und wird wieder erneuert Hidrolog 26. Natürlich hat Kreislauf — круговорот, круговорот — „Fließen ringsherum, circuliacija“ ein internationales Synonym, circuliacija — циркуляция — „Kreislauf, kreisförmige Bewegung“ MelŽ; doch die Verwendung von circuliacija zur Beschreibung des Kreislaufs anstelle von Bewegung wäre zwar möglich, würde Bewegung hier aber keineswegs verdrängen.
Wasserkreislauf wird überall konsequent verwendet; gelegentlich kommt jedoch Wasseraustausch vor Hidrogeol 166 (ebendort auch Wasserkreislauf Hidrogeol 165, 166), Grundwasseraustausch Hidrogeol 136, geschlossener Wasseraustausch Armand 62, obwohl Austausch weder definiert noch erläutert wird. Das ist lediglich eine Verwechslung von Begriffen. Der Wasseraustausch zwischen Ostsee und Nordsee T 1982 53 4 ist natürlich möglich, aber das ist kein „Kreislauf“.
Die Derivationsfähigkeit des Verbs fließen (Einströmen, Ausströmen, Zufließen, Abfließen, Fluss, Kreislauf) sowie Strom, Strömung, Fließen schränken also den Geltungsbereich des Begriffs Wasserbewegung ein. Er kann nur als allgemeinster hydrodynamischer Begriff bestehen bleiben und darf den für die litauische Sprache sehr charakteristischen Gebrauch konkreter Verben nicht verdrängen. Zum Beispiel: Flussabfluss — 1. Bewegung des Wassers (= Fließen) im Prozess des natürlichen Kreislaufs, wenn es im Flussbett abfließt MelŽ. 〈…〉 Die Geschwindigkeit der Wasserbewegung (= des Fließens) verändert sich von null bis zu bestimmten Maximalwerten Hidrogeol 217. 〈…〉 Das Grundwasser bewegt sich (= fließt) mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten oder bewegt sich kaum (= fließt nicht, steht) Hidrogeol 135.
Es fällt schwer, Synonyme für die Fließgeschwindigkeit wie strömt, fließt, rieselt/sprudelt, schießt/sickert zu bevorzugen.
4. Fließen, fließen lassen, ablassen, leiten
Nachdem der semantische Vorrang von tekėti gegenüber judėti geklärt ist, sollte man nicht meinen, dass tekėti allein in der Hydrologie und der darauf aufbauenden Melioration sowie in der Wasserbautechnik und anderswo völlig ausreicht. Keineswegs. Die Grenzen der Semantik von Tekėti werden in einem Rätsel treffend beschrieben: — Wohin fließen alle Gewässer? — Abwärts. Daher sind folgende Definitionen als etwas pleonastisch zu betrachten: Ein Fluss ist eine konzentrierte Wassermasse, die in einer durch die Neigungsrichtung vorgegebenen, in einer langen Vertiefung ausgebildeten Rinne fließt Hidrolog 48. Das Flussbett ist der tiefste Teil des Tals, durch den das Wasser in Neigungsrichtung fließt Hidrolog 54.
Wenn das Wasser aufgestaut steht, muss man es ablassen; gibt es jedoch kein Gefälle oder lässt sich keines herstellen, muss man es ableiten oder abführen.
Das Kausativ tekinti wird in der Hydrologie nicht verwendet. Tekinti kann man Harz, Teer („fließen lassen“), Bier, Kwas, Maische, Wein („abziehen“), Molke, Quark („abtropfen lassen“), Milch („melken“), Blut, Speichel, Tränen („träufeln lassen“), Schnaps („brennen“). Tekinti hat auch die Bedeutung „schmelzen“ (physikalisch: „schmelzen lassen“): Damit die helle Sonne aufgehe, damit sie den Eisklumpen schmelze (rot.) Ds. Wasser wird, wenn überhaupt, nur aus dem Wasserhahn oder über ein Wehr abgelassen. Nur der wortgewandte J. Baltrušis und der stilvolle Vaižgantas verwendeten tekinti in einer der Bedeutung „fließen lassen“ nahen Bedeutung: Und der Regen strömte, prasselte, plätscherte. Die Erde trank und konnte nicht mehr aufsaugen, da bedeckte sie sich mit einer schwarzen Kruste, ließ das Wasser nicht mehr eindringen, sondern leitete es hinab zu den Wiesen, Tümpeln, Sümpfen, 〈…〉 J. Balt. Im Frühling leiten die östlichen Höhenzüge ihre reichliche Feuchtigkeit
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Page 6durch diesen Bach ab, wobei sie die Wiesen weithin überschwemmen Vaižg. In der Hydrologie hat ein ähnlicher Sprachgebrauch jedoch keine Zukunft.
In der Hydrologie muss man zwischen tekėti und leisti, also „fließen lassen“, sowie vesti, also „zum Fließen bringen“, unterscheiden. So wird auch verfahren. Wir geben einen kurzen Überblick über den Gebrauch der Verbindungen vandenį leisti, vesti (und ihrer Ableitungen) und weisen zugleich auf verschiedene Mängel und Unzulänglichkeiten hin.
Wasser wird abgelassen, wenn ein Gefälle vorhanden ist, aber kein Zug: Das Wasser ist aufgestaut oder angestaut, durch einen Schieber oder Wasserhahn abgesperrt und kann nicht von selbst entlang des Gefälles abfließen, zum Beispiel: Wasserabsenkung — водопонижение — „Absenkung des Wasserspiegels (z. B. in einem See) mithilfe von Wasserregulierungsanlagen“ MelŽ, im Gegensatz zu vandens pakėlimas — водоподъём — „Anhebung des Wasserspiegels zu Bewässerungs- und anderen Zwecken“ MelŽ; vgl. vandens pakilimas — паводок, половодье — „Anstieg des Wasserspiegels in einem Fluss infolge von Schneeschmelze oder nach einem Starkregen; Hochwasser, Überschwemmung“ MelŽ. Die Hauptaufgabe der Drainage ist es, das Grundwasser abzulassen, <…> Kel 127. <…> eine Anlage, die Wasser ableitet — Drainage Kel 129. Es gibt Ableitung von Regenwasser [Abführung] — отвод дождевых вод MetŽ, Auslassschleuse — выпускной шлюз MelŽ, Ablassschleuse — спускной шлюз MelŽ (in sie wird die Ableitungsschleuse — сбросной шлюз geleitet), Reparaturauslass MelŽ, Auslasskanal — впускной шлюз MelŽ, ŽŪŽ, Auslass MelŽ und Wasserableitungskanal — водосбросный канал ŽŪŽ.
Unglücklich formuliert ist jedoch: <…>Ableitung des Wassers durch Entwässerungsgräben Kel 123. Es könnte nur umgekehrt sein. Der Satz Auslassgräben dienen dazu, den Wasserüberschuss abzulassen Drėk 151 weist einen Fehler bei der Präfixwahl auf.
Wasser kann auch ganz anders abgelassen werden — nicht entlang eines Gefälles, sondern senkrecht nach unten: Vertikaldrainage — „eine Drainage, bei der die Entwässerung durch vertikale Rohre erfolgt, durch die das Wasser entweder abgelassen in tiefere durchlässige Schichten geleitet wird (holländische Drainage) oder angehoben an die Erdoberfläche gelangt (kalifornische Drainage)“ MelŽ.
Vom Terminus nutekantis vanduo — стекающая вода — „Anteil des Niederschlagswassers, der entlang der Erdoberfläche in Gefällerichtung abfließt“ MelŽ unterscheidet sich nutekamieji kanalizacijos vandenys — сточные канализационные воды MelŽ. Für diesen Terminus gibt es zwei Varianten: 1) nutekamieji vandenys — durch Verunreinigungen belastetes häusliches, industrielles, Regen- und Schmelzwasser. <…>. Man unterscheidet häusliche, gewerbliche und atmosphärische Abwässer LTE VIII. Es gibt auch eine Singularvariante nutekamasis vanduo PolŽ₂, M ir T 1975 3 43, VN 1983 214 2(nx). Manchmal werden beide sogar nebeneinander verwendet: nutekamieji vandenys Šv 1973 12 26(2x) und nutekamasis vanduo ebenda (7x); 2) kanalizacijos vanduo — сточная вода — „Wasser, das für häusliche oder industrielle Zwecke verwendet wurde und zu Reinigungsanlagen und einem Gewässer abgeleitet (= eingeleitet) wird“ oder „Wasser, das aus Abwasseranlagen abfließt“ MelŽ oder kanalizaciniai vandenys (sie werden eingeteilt in a) häusliche Abwässer; b) Abwässer aus Industriebetrieben — Produktionsabwässer; 3) atmosphärische oder Regenabwässer) Vandentiek 207 (obwohl in einem Interview mit dem Verfasser dieses Buches 20 Jahre später gesagt wird: Auf Ihre Initiative hin wurde 1962 am KPI ein fachbezogenes Labor zur Abwasserreinigung gegründet M ir T 1976 7 29). Die dritte Variante ist synonym: nutekamasis [kanalizacijos] vanduo — сточная вода MetŽ.
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Page 7Gelegentlich kommt es zu echten Kuriositäten: <...> die neuen Anlagen zur Reinigung des aus der städtischen Kanalisation abfließenden Abwassers in Betrieb nehmen Šv 1977 1 25 (aus nicht korrigierten Texten). Es wird sogar mit (Produktions-)Abfällen< verwechselt: Jährlich werden allein in die größten Flüsse des Landes >...< mehr als sechs Millionen Tonnen Abfälle eingeleitet. In Marseille und anderen Großstädten werden Produktionsabfälle >... direkt ins Meer gekippt T 1977 226 3. Man verwendet auch schlicht von Unternehmen abgeleitete Wässer MG 1973 5 13, von Unternehmen abgeleitete Wässer KV 1971 44 13, abgeleitetes Wasser M ir T 1975 3 44, abgeworfenes Wasser Šv 1973 12 26, Kanalisationseinleitungen MG 1977 2 7.
Eingebürgerter ist Abwasser; vielleicht ist sogar die Singularform Abwasser aussichtsreicher. Es ist müßig zu erörtern, warum nicht abgelassenes oder abgeleitetes Wasser. Beide Bezeichnungen wären ungefähr gleichwertig – dieses Wasser wird abgeleitet, also fließt es ab, vgl.: <...> Kanalisation – ein System von Anlagen, mit dem verbrauchtes Abwasser abgeleitet wird Vand ū k. 6. <...> In die Flüsse und anderen Gewässer der genannten Einzugsgebiete fließt deutlich weniger ungereinigtes Abwasser ab T 1976 28 1. Besser, genauer wäre sicher Abwasser wird abgeleitet und nicht abgelassen. Außerdem ist abgelassenes Wasser jetzt не сплошная, о сбросная вода PolŽ₂ (in MelŽ hieß es abzuleitendes Wasser; zu Bedeutung und Eignung dieser Ausdrücke siehe weiter unten).
Wo kein Gefälle vorhanden ist, kann Wasser nur mit mechanischen Mitteln abgeleitet oder herangeführt werden. Es gibt mechanische Entwässerung MelŽ, mechanische Bewässerung MelŽ (vgl. engl. pumping irrigation), Bewässerung durch mechanisches Heben des Wassers MelŽ, ŽŪŽ, sogar Entwässerung durch mechanisches Heben des Wassers MelŽ.
Doch das Derivat ist oft fragwürdig oder sogar eindeutig unbegründet – es wird dort verwendet, wo (Ab-)Lassen stehen sollte. Z. B.: abzuleitendes Wasser — сбросная вода – „Wasser, das von landwirtschaftlichen Kulturen nicht verbraucht wird und von der bewässerten Fläche abfließt“ MelŽ (PolŽ₂ abzulassendes Wasser ist ebenfalls nicht genau und klar genug); Ableitung — отвод – „Entfernung (von Wasser)“ MelŽ, Wasserableitung — отвод воды – „Entfernung von Wasser aus einer zu entwässernden Fläche“ MelŽ; ableitender Teil eines Meliorationssystems — проводящая часть мелиоративной системы – „Gesamtheit der Ableitungskanäle eines Entwässerungssystems, durch die das von den Entwässerungsanlagen [!] gesammelte Wasser in den Vorfluter abgeleitet wird“ MelŽ und ableitender Teil eines Entwässerungssystems — проводящая часть осушительной системы – „Teil des Entwässerungssystems, der aus einem Hauptgraben und Ableitungsgräben besteht“ MelŽ; ableitendes Bewässerungsnetz — сбросная оросительная сеть – „Kanalsystem, dessen Zweck es ist, überschüssiges Wasser von einem bewässerten Feld zu entfernen, das beim Ablassen von Wasser aus Bewässerungskanälen, bei Unfällen usw. anfällt“ MelŽ; zuführendes Bewässerungsnetz — проводящая оросительная сеть – „Teil des Bewässerungssystems, dessen Zweck es ist, Wasser von der Bewässerungsquelle zu den bewässerten Feldern heranzuführen“ MelŽ und Wasserableitungsnetz (Ablassnetz) — водоотводная (проводящая) сеть – „Entwässerungskanäle, durch die Wasser aus dem entwässerten Gebiet in den Vorfluter abgeleitet wird“ MelŽ; Netz der Ableitungsgräben — водоотводная (водосборная) сеть каналов MelŽ sowie Netz der zuführenden Bewässerungskanäle — сеть проводящих оросительных каналов – „Bewässerungskanäle, die Wasser aus dem Gewässer in die bewässerte Fläche heranführen“ MelŽ.
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Page 8Ob vesti („führen“) geeignet ist, ist auch in anderen Fällen nicht ganz klar. Z. B.: Zuführungskanal — проводящий канал – „Kanal, durch den Wasser einem bewässerten Gebiet oder einem anderen Nutzungsort zugeführt wird“ MelŽ, Ableitungskanal — водоотводный канал – „Kanal, durch den überschüssiges Wasser abgeleitet wird“ (in ihn münden Ablass- und Abflusskanäle) MelŽ, Ableitungs-/Auslasskanal — выводящий канал (und Wasser-ableitungskanal — водоотводный канал) ŽŪŽ, Hauptableitungskanal – „Hauptkanal, in den das durch Nebenkanäle abgelassene Wasser geleitet wird und von dort in den Vorfluter fließt“ MelŽ; Zuführungsgraben — проводящая канава – „Graben, durch den Wasser in eine bewässerte Fläche fließt“ MelŽ, Ableitungsgraben (Abflussgraben) — водоотводная канава – „Graben, der Wasser aus einer Entwässerungsanlage [!] sammelt und in einen übergeordneten Entwässerungskanal oder in den Vorfluter ableitet“ MelŽ, Ausleitungsrinnchen — выводная канавка – „Rinnchen, durch das Wasser aus einem übergeordneten Bewässerungsgraben ausgeleitet wird“ MelŽ, Zuführungsfurche — выводная борозда „Furche, aus der Wasser in die Bewässerungsfurchen eingelassen wird“ MelŽ, Ableitungsfurche — сбросная борозда – „Furche, die Wasser aus mehreren Seitenfurchen sammelt“ MelŽ; Zuführungsrohr — проводящая труба, подающая труба – MelŽ, Ableitungsrohr — отводящая труба – „Rohr zur Ableitung von Wasser“ MelŽ.
Manchmal wird Zuführung völlig unnötig verwendet, z. B.: holländische Dränung — <…> Wasser wird in die Tiefe abgeleitet MelŽ. Viel besser formuliert ist: Vertikaldränung — <…> Wasser wird <…> in durchlässige tiefere Schichten abgelassen (holländische Dränung), <…> MelŽ.
Keine Zweifel bestehen nur bei Umleitungskanal — обводный канал – „Kanal, durch den zur Verringerung des Hochwassers ein Teil des Abflusses eines Flusses seitlich abgeleitet und unterhalb des zu schützenden Gebiets wieder in den Fluss zurückgeführt wird“ MelŽ, und Zuführungs-Kolmatationskanal — водопроводный кольматационный канал – „Kanal, durch den Wasser dem zu kolmatierenden Gebiet zugeführt wird“ MelŽ. Vom Umleitungskanal unterscheidet sich offenbar der Umgehungskanal — обходной канал – „Kanal, der eine Anlage (z. B. einen Damm) umgeht“ MelŽ.
Obwohl es konkrete Zweifel und Unklarheiten gibt, ja sogar eindeutige und leider zahlreiche Fehler, kann und muss Wasser im Allgemeinen geführt werden. Dafür sprechen auch die geläufigen Wendungen Wasser einleiten/zuführen, eine Wasserleitung (ein)führen sowie die semantische Korrelation laufen/fließen ↔ führen (ähnlich wie ziehen — lassen). Auch an internationalen und fremdsprachigen Parallelen dieser Semantik mangelt es nicht. Z. B.: Ableitungskanal – „Kanal, durch den Wasser zu den Wasserturbinen geleitet wird“ MelŽ; Aquädukt, Düker < lat. ducere „führen“; vgl. außerdem engl. duct — проход; канал, протока; труба Гидр сл, water conduct — водовод; водопровод Гидр сл, conduit — водоотводная канава Гидр сл, eduction — истечение; выпуск; выход; удаление (жидкости) Гидр сл, eduction pipe — Ausstoß- oder Ableitungsrohr, lead(er) — 1. Kanal; Durchgang (zwischen treibendem Eis); 3. Regenrinne Гидр сл., russ. водовод, водопровод, водоотвод, dt. Wasserabführung usw.
Wasser wird außerdem zugeführt, verteilt, gesammelt, aufgefangen, entnommen und bereitgestellt. Z. B.: <…> Bewässerungssystem mit mechanischer Wasserzufuhr Drėk 21; In allen größeren Bewässerungssystemen werden Zuleitungs-, Verteilungs- und Auslass-
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Page 9Gräben Drėk 150; Zuleitungsrohr MelŽ; Wassersammler MelŽ; Wasserverteiler MelŽ; Sammeldrain MelŽ; Ein Komplex von Anlagen, der dazu bestimmt ist, Wasser in einem vorgesehenen Gebiet zu entnehmen, zuzuführen und zu verteilen, wird Bewässerungssystem genannt Drėk 19. Das Element eines Bewässerungssystems, aus dem Wasser entnommen wird, heißt jedoch Wasserquelle (Fluss, See, Teich) (siehe Drėk 19), während das Element eines Entwässerungssystems, in das Wasser abgeleitet wird, Wasseraufnahme oder Aufnahme heißt (siehe MelŽ); vgl. auch Wasserentnahme MelŽ. In der Wasserversorgung ist es anders: Als Wasserentnahmeanlagen (водозабор) werden dort die Anlagen zur Wasserentnahme in Betrieben bezeichnet (siehe Vandentiek 33, 35).
5. Schwerkraftströmung
Obwohl Fließen seinem Handlungscharakter nach dem Leiten, Führen (und Ziehen) entgegengesetzt ist, handelt es sich doch in allen Fällen um eine gewisse Wasserströmung, ein gewisses Fließen. Somit ist auch die Notwendigkeit des Begriffs savitaka — самотёк verständlich: „Phänomen, bei dem Wasser (eine Flüssigkeit) unter der Wirkung der eigenen Gewichtskraft durch Kanäle oder Rohre mit entsprechendem Gefälle fließt; selbsttätiges Fließen“ MelŽ. Ohne dieses Verständnis erschiene das Verhältnis der Bestandteile von savitaka pleonastisch. Aber wenn man so formal urteilt, müsste man auch saviega, saviraida, savirieda tadeln. Das wäre nicht vernünftig.
Savitaka wird auch adverbial verwendet (ebenso die Variante savitekiu): Der Mist gelangt durch Schwerkraft in die Mistgrube T 1977 70 1, Wasser ⟨…⟩ fließt durch Schwerkraft zurück in die Aquarien M ir G 1978 7 9, Kraftstoff fließt durch Schwerkraft VV I 31, 32, Milch läuft durch Schwerkraft aus VV I 205.
Doch Wasser, zugegeben etwas anders, aber dennoch von ähnlicher Art, ist nicht savitakis (oder savitakinis), sondern gravitativ: Gravitationswasser ist eine Art freien Wassers, das sich in Poren und Spalten von Gesteinen frei bewegt [!], wobei die Gewichtskraft wirkt (= von der Gewichtskraft beeinflusst) und ein Druckunterschied besteht Hidrogeol 102 (ähnlich auch in MelŽ). In anderen Sprachen gibt es auch Gravitationsstrom, -strömung, -abfluss, sogar Wasserversorgungssysteme, zum Beispiel: engl. gravity flow — 1. безнапорный поток, самотёк; 2. гравитационное течение (ледника) Гидр сл, gravity current — гравитационное течение ⟨…⟩ Гидр сл, gravity drain — сток самотёком Гидр сл, rus. самотёчное орошение — poln. nawadnienie grawitacyjne Słow tech, гравитационный водопровод — wodociąg grawitacyjny Słow tech. Im Litauischen werden sowohl savitakis (savitakinis, savitekis) als auch gravitacinis vandentiekis verwendet: laisvo tekėjimo (savitakis) vandentiekis — самотечное водоснабжение PolŽ₂, savitakis vandentiekis — самотечный водопровод PolŽ₂, savitakinis vandentiekis L ir M 1983 47 8, savitekis vandentiekis Vandentiek 7, gravitaciniai (savitakiai) vandentiekiai Vandentiek 16, gravitaciniai vandentiekiai Vandentiek 16, gravitacinis vandentiekis — гравитационный водопровод PolŽ₂.
Das Gravitationswasserversorgungssystem steht im Gegensatz zur Druckwasserversorgung mit mechanischer Druckerzeugung: Als Druckwasserversorgungssysteme mit mechanischer Druckerzeugung werden jene bezeichnet, bei denen das Wasser mithilfe von Pumpen in das Versorgungsnetz eingespeist wird; bei Gravitationswasserversorgungssystemen gelangt das Wasser dagegen durch Schwerkraft in das Versorgungsnetz, ⟨…⟩ Vandentiek 16. Diese Begriffe sind jedoch nicht fest etabliert; es werden auch andere verwendet — Druck- und drucklose Wasserversorgung:
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Page 10Wasserversorgungssysteme können drucklos oder unter Druck betrieben werden ŽŪVand 175; Druckwasserversorgung mit mechanischer Wasserförderung ŽŪVand 6; Druckwasserversorgung mit Wasserturm ŽŪVand 6; Hochdruckwasserversorgung ŽŪVand 7.
Die Wahl zwischen diesen nicht fest etablierten Bezeichnungen für Wasserversorgungssysteme ist eher Sache der Fachleute. Nur zum durch Schwerkraft gespeisten Wasserversorgungssystem lassen sich auch sprachliche Überlegungen anführen. Dieses sowie auch die durch Schwerkraft erfolgende Wasserversorgung MelŽ scheinen den Mangel einer unangemessenen Verbindung der Bestandteile — Selbsttätigkeit (fließen) und Tätigkeit (zuführen) — stärker aufzuweisen als savitaka selbst. Natürlich ist eine Wasserleitung kein Fluss: Sie hat Schieber und Wasserhähne, deren Öffnen nicht nötig ist, damit die Wasserleitung bestehen bleibt; doch ohne sie gibt es auch kein Fließen und keine Schwerkraftströmung. Dennoch klingt durch Schwerkraft ablassen Vandentiek 307 am wenigsten störend, Milch wird durch Schwerkraft aus den Behältern abgefüllt VV II 253 — schon mehr, Wasser wird durch Schwerkraft zugeführt Vandentiek 30, Wasser wird durch Schwerkraft aus der Quelle zum bewässerten Gebiet geleitet und dort verteilt Drėk 21 — noch mehr, und Wasser wurde durch Schwerkraft aus den Quellen von Vingriai ins Stadtzentrum geleitet Vandentiek 7 — am meisten.
In dieser Hinsicht weniger störend sind Schwerkraftentwässerung MelŽ, Entwässerung durch Schwerkraft MelŽ, Schwerkraftbewässerung MelŽ, ŽŪŽ, Bewässerung durch Schwerkraft MelŽ, Schwerkraftbewässerungssystem Drėk 21, Schwerkraftkanal MelŽ, Schwerkraftrohr MelŽ.
6. Ableiten, abfließen lassen, führen Ableitungen mit Präfix und Endung
In der hydrologischen, geografischen, meliorationskundlichen und meteorologischen Terminologie gibt es recht viele Ableitungen mit Präfix und Endung vom Verb tekėti: intakas und, seltener, ištakas (z. B.: Pisos ištakas iš Vištyčio ež. Turist 206. Rakyte išteka iš pietrytinio Rako pakraščio. Pats ištakas pasislėpęs tirštuose švendruose, ‹…› MG 1973 7 34. ‹…› natūralus ištakas, kuriuo nubėgtų [iš ežero] vandens perteklius MG 1977 5 16), vandens įtekis — nпумок воды — „Wasserzufluss in ein bestimmtes Gebiet“ MelŽ, nuotakas, nuotakis, nuotėkis, protaka, protakas, protakis, protėkis, pertaka, pertakas, prietaka — nпумок — „Zufluss (Zuströmen) von Wasser“ MelŽ (sowie vandens prietaka — nпумок воды „Zufluss von Wasser“ MelŽ, außerdem oro prietaka — nпумок воздуха MetŽ, šilumos prietaka — nпумок тепла MetŽ), prietėkis (z. B.: ‹…› Zufluss von Oberflächen- und Grundwasser in den Aralsee T 1981 70 4), santaka, užtaka (Kälteeinbruch im Rückseitenbereich eines Zyklons [auf der Rückseite] MetŽ), užtakis, užutekis. Somit sind nahezu alle Möglichkeiten ausgeschöpft. In den Dialekten gibt es noch einige ähnliche Ableitungen: aptaka „Übertreten eines Flusses“, attaka(s) „Bucht; Anspülung“, atotekis „Rückströmung“.
Hier geht es lediglich um die wichtigste Tatsache: den großen Umfang der Ableitungen und ihren terminologischen Charakter. Einige davon sind nicht Gegenstand dieses Artikels. Das Thema dieses Unterabschnitts erfordert eine ausführlichere Erörterung nur einiger weniger.
Zunächst sind dies nuotakis und nuotėkis. Manchmal gelten sie als Varianten eines Terminus, manchmal als zwei verschiedene Termini. DŽ₂ führt den zweiten als Hauptvariante an: nuotakis žr. nuotėkis 1. „Abfluss, Ablaufen: von Wasser, Gas, elektrischem Strom“; 2. fachsprachlich „Wassermenge, die in einer bestimmten Zeit abfließt“. Die zweite Bedeutung ist lediglich die erste, hinsichtlich des Gegenstands und der Menge eingeengte Bedeutung. LKŽ VIII setzt sie nur teilweise gleich: Die allgemeine Bedeutung von nuotėkio „Abfluss, Ablaufen, Strom (von Wasser, Gas,
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Page 11Elektrizität) wird in der engeren (gegenstandsbezogenen) Bedeutung „Abfluss von Wasser an der Oberfläche oder im Untergrund unter Einwirkung der Schwerkraft“ mit dem Wort nuotakis 1 bezeichnet; noch stärker eingeengt (hinsichtlich der Menge) ist die zweite Bedeutung dieses Wortes – geografisch „Wassermenge, die während eines bestimmten Zeitraums abfließt“. Auf diese Bedeutung verweist auch nuotėkis 2. (während nuotėkis 3. „Wasserableitungsgraben, Rohr“, obwohl nicht ausdrücklich angegeben, nuotakas 3 gleichkommt). Ebenso in MelŽ: nuotėkis žr. nuotakis – сток – 1. „Wassermenge, die in einem bestimmten Zeitraum (Tag, Monat, Jahr) durch einen Fluss (oder Kanal) strömt“; 2. „Abfluss von Wasser an der Oberfläche oder im Untergrund unter der Wirkung der Schwerkraft“. Nuotakis wird auch in PolŽ₁ und ŽŪŽ verwendet. In der Meliorationsliteratur war es ebenfalls gebräuchlicher, z. B.: Ein Teil der auf dem Land niedergehenden Niederschläge fließt an der Oberfläche ab und bildet Oberflächenwasser oder Oberflächenabfluss (Flüsse, Bäche, Seen), ein Teil versickert in den Boden und bildet Grundwasser oder unterirdischen Abfluss, ein Teil verdunstet wieder Mel 14. Die Wassermenge, die innerhalb einer Zeiteinheit von einem bestimmten Einzugsgebietsareal an der Oberfläche abfließt, wird als Oberflächenabfluss bezeichnet Mel 18. GeolŽ, GeogrŽ, PolŽ₂ und LTE VIII verwenden jedoch nuotėkis. Auch in der neueren Meliorationsliteratur überwiegt dieser Ausdruck: Als Abfluss wird die Wassermenge bezeichnet, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Stunde, Tag, Woche, Monat, Jahr oder vieler Jahre) abfließt Hidrolog 79.
Warum schwankte der Gebrauch so – in GeolŽ stand nuotėkis, danach überwog vielerorts nuotakis, und nun hat sich erneut nuotėkis durchgesetzt? Offenbar fürchtete man Mehrdeutigkeit: nuotėkis ist ein anderer Terminus – утечка: Austritt von Gas oder Wärme, Austritt radioaktiver Stoffe FTŽ, PolŽ₂ usw. Tatsächlich besteht hier aber keinerlei Mehrdeutigkeit, denn утечка und сток bezeichnen Begriffe aus völlig verschiedenen Fachgebieten. Wenn sie im Litauischen beide gleich ausgedrückt werden – nuotėkis –, wird deshalb niemand die Begriffe der beiden Fachgebiete verwechseln. In einem dritten Fachgebiet kann es noch ein drittes nuotėkis geben, z. B.: Wird Zucker nach dem Zwei-Produkte-Schema hergestellt, wird der ausgekochte I. Füllmasse-Zucker zentrifugiert: Der I. Rohablauf (Sirup) wird von den Zuckerkristallen getrennt, aus ihm wird die II. Füllmasse gekocht; ⟨…⟩. In der Zentrifuge werden die nach dem Zentrifugieren der I. Füllmasse verbliebenen Zuckerkristalle mit heißem Wasser (75–80 °C) oder überhitztem Dampf gebleicht. Der dabei entstehende Weißablauf wird zum Kochen der I. Füllmasse zurückgeführt LTE II 448.
Verwendet wird auch das Abstraktum des Verbs nutekėti, nuotakas. Sein Bedeutungssystem ist weit gefächert und widersprüchlich. Bei DŽ₂ bedeutet es 1. „Flussgebiet“; 2. „Wasserableitungsgraben oder -rohr“; bei LKŽ VIII: 1. geografisch „Abflussgebiet eines Flusses und seiner Nebenflüsse, eines Sees oder des Meeres, Einzugsgebiet“ (auch nuoteka); 2. „Abfluss“ (auch nuotaka 1. „Abfluss, Abfließen, Abflussverhalten“); 3. „Wasserableitungsgraben oder -rohr“; bei MelŽ – водоотвод „Wasserableitungsgraben oder -rohr“, aber vandens nuotakas – водосток – „Stelle des Wasserabflusses“ MelŽ, während водоотвод „Ableiter, Wasserableitung“ bedeutet (und vandens nuvestuvas MelŽ – водоотвод – „Vorrichtung zur Ableitung von Wasser“, nuvestuvas – водоотводный канал – vgl. Ableitungskanal) und водосток „Wasserableiter“; bei PolŽ₂ bedeutet водоотвод 1. Wasserableitung; 2. Ableiter; водосток 1. Wasserableiter; 2. Regenwasserkanalisation (bei PolŽ₂ nur Regenwasserkanalisation); водоотводная und отводная, водосточная und сточная канава – Entwässerungsgraben, Ableiter (bei PolŽ₂ водосточная канава – Wasserableitungsgraben, отводная канава – Entwässerungsgraben); водоотводная труба – Ableiter, Drainage, отводная труба – Ableiter (bei PolŽ₂ – Abzweigrohr), от-
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Page 12vandenų truba – nuotakas (bei PolŽ₂ – Ableitungs-, Entwässerungs- oder Wasserableitungsrohr).
Somit bezeichnet nuotakas sowohl den Abfluss (selbsttätig, gelenkt, abgeleitet) als auch den entsprechenden Wasserlauf (Graben, Drainage, Rohr). In der zweiten Bedeutung ist nuotakas nötiger; für die erste wäre nuotaka besser geeignet (2. „Abfluss, Ablaufen, Abflussverhalten“: vandens nuotaka DŽ₂), während nuotakas in der Bedeutung „Einzugsgebiet“ (oder nuoteka) veraltet und entbehrlich ist.
Übrigens wird nuotakas ähnlich auch in der anatomischen Nomenklatur verwendet, z. B.: Durch einige Öffnungen in den Schädelknochen verlaufen Venen, die die Blutleiter der harten Hirnhaut mit den Venen außerhalb des Schädels verbinden. Dies sind venöse Ableiter, emissaria. In ihnen befinden sich Ableitungsvenen, venae emissaria. Žmog anat 460. Scheitelbein-Ableiter. Warzenfortsatz-Ableiter. Höcker-Ableiter. Hinterhaupt-Ableiter Žmog anat 460. Warzenfortsatz-Ableitungsvene Žmog anat 120.
Es gibt auch das Adjektiv nuotakinis, -ė „wasserableitend“ LKŽ VIII, doch aus unerfindlichem Grund wird es fast gar nicht verwendet. Das Substantiv nuotakinė, das in der Gegend von Pilviškiai und anderswo in Suvalkija im Sinne von „Hauptentwässerungsgraben“ gebraucht wird, fand nicht einmal Aufnahme in LKŽ.
Bei einem Blick in die Volkssprache finden wir auch Ableitungen mit Endungen von Verben wie ableiten, ablassen – nuotrauka: Nachdem man draußen einen Graben ausgehoben hat (einen Entwässerungsgraben), entsteht dennoch eine nuotrauka Salamiestis. Schau nur, wie kümmerlich der Roggen steht: Es gab gar keinen Abfluss – das Wasser hat ihn bei Dovilai plattgedrückt; und nuotraukis: Hier ist der Wasserabfluss groß Ėriškiai; nuolaida „abschüssige Stelle“: Grabe es auf – dann steht das Wasser wie in einer Schüssel (in einer Schale), ohne jede Absenkung Juodaičiai. Wasserdurchbruch von den Senken, etwa Piniava, und auch „ein Rinnsal, um Wasser abzuleiten“: Entlang des Ackerrands gräbt man nach der Aussaat des Roggens einen Ableitungsgraben A. Juškos Wörterbuch. (In selbstständiger Bedeutung beginnt nuolyda verwendet zu werden: Hier kann man sich sowohl an schattigen karpatischen Fichtenwäldern als auch an weitläufigen Abhängen alpiner Wiesen erfreuen M ir G 1977 4 22.) Allerdings verzeichnet MelŽ nuolaiduma, nuolaida, doch nur in der Bedeutung покатное место, скат – „abschüssige Stelle, Abhang“. Für die Hydrologie ist die zweite Bedeutung wichtiger. In der ersten Bedeutung steht in MelŽ nuolydis – Gefälle eines Hangs, des Flussbetts, der Flusssohle, der Wasseroberfläche, des mittleren Abflusses (vielleicht sollte ihm nur die Bedeutung der pleonastischen Termini natürliches und direktes Gefälle vorbehalten bleiben, die semantisch mit Abfluss und Abfließen korreliert, vgl.: Der wichtigste morphometrische Reliefparameter, von dem die Größe des Oberflächenabflusses weitgehend abhängt, ist das Gefälle MG 1977 6 18, wobei die oxymoronischen Ausdrücke künstliches Gefälle durch den terminus technicus nuolaidis ersetzt werden könnten, und umgekehrtes Gefälle – Gegengefälle).
In einigen älteren zweisprachigen Wörterbüchern wurde auch nuovada sowie nuovadas in der Bedeutung „Ableitungsrohr“ verwendet, LKŽ VIII.
Bei der Aufnahme dieser Wörter in die hydrologische Terminologie ließen sich zwei Mikrosysteme bilden: 1) nuotaka — nuolaida nuovada — nuotrauka und 2) nuotakas — nuolaidas — nuovadas — nuotr aukas. Die Fachleute sollten selbst vereinbaren, ob nuotakui, nuolaidui, nuovadui, nuotr aukui nur die Bedeutung eines bestimmten Wasserlaufs, etwa eines Grabens, oder mehrerer, etwa sowohl eines Grabens als auch eines Rohrs, gegeben werden soll, oder ob sie anders verfahren wollen – ihnen eine allgemeine, verwandte Bedeutung als Wasserlauf zuzuweisen und die einzelnen Arten mithilfe davon abgeleiteter Adjektive zu benennen – nuotakinis griovys, nuotakinis ka-
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Page 13nalas, Ablaufdrainage, Ablaufrohr und entsprechend abfallend, abführend, abziehend, wobei sie von den entsprechenden Partizipien unterschieden werden – abfließendes, abgelassenes, abgeführtes, abgeleitetes Wasser.
Es ist auch Sache der Fachleute zu entscheiden, ob und, wenn ja, welche Ableitungen von den Verben fließen, lassen, führen mit anderen Präfixen benötigt werden, z. B.: Einlass, Einlassleitung, Auslassleitung, Zulauf, Zulaufleitung, Ablaufleitung usw. Einige dieser Wörter sind in der Sprache bereits vorhanden oder waren es früher; die fehlenden lassen sich leicht bilden. Übrigens werden manche davon bereits in der Hydrotechnik verwendet, z. B.: Als Einleitung bezeichnet man die Rohrleitung, die zwischen dem äußeren Wasserversorgungsnetz und der im Gebäude befindlichen Wasserzählereinheit installiert ist ŽŪVand 233.
Dass einige dieser Wörter (Abfluss, Foto, Ableitung, Einleitung, Einlass u. a.) bereits Fachbegriffe anderer Gebiete oder Wörter der allgemeinen Sprache sind, steht ihrer Verwendung als Fachbegriffe der Hydrologie oder Hydrotechnik sowie der Melioration nicht entgegen. Das belegt eindrucksvoll der zuvor erörterte Fall des Abflusses. Im Allgemeinen sind solche lexikalischen Erscheinungen ein Merkmal einer entwickelten Sprache.
KURZE SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die Untersuchung des sprachlich-semantischen Begriffssystems „Wasserbewegung“ umfasst mehrere Mikrosysteme von realisierten Ableitungen (und Benennungsmöglichkeiten) des Verbs fließen, seiner Synonyme, seines Hyperonyms, des Kausativs und seiner Antonyme.
2. Wasser-bewegung und Fließen stehen zueinander im Verhältnis von Hyperonym und Hyponym. Die unterscheidenden Komponenten der Bedeutung von Fließen sind: 1) „strömend, in einer Rinne“, 2) „mehr oder weniger gleichmäßig“; obwohl es auch wirbelnd (turbulent) sein kann, wird in diesem Fall gewöhnlich Bewegung (auch Bewegung von Dampf) verwendet. Die Angleichung aller Arten – sowohl der gleichmäßigen als auch der laminaren – an das Hyperonym Bewegung ist nicht wünschenswert.
3. Fließen, Strömung, Strom sind nicht klar voneinander abgegrenzt. Das führt zwar zu keiner fachlichen Verwirrung, ist dennoch ein Mangel. Ein größerer, zu behebender Fehler ist die wechselnde Verwendung von Strömung (sogar Fließen und Strom) mit Teilströmung im Sinne von „Teil eines Stroms“.
4. Die Verwendung von Wasser-bewegung wird nicht nur durch ihre Semantik und die geringe Ableitungsfähigkeit des Verbs sich bewegen, sondern auch durch die Unmöglichkeit seiner präfigierten Formen eingeschränkt. Solche Formen gibt es bei fließen, Fließen – hineinfließen, zufließen, abfließen, ausfließen; Umlauf, Zufluss und vielen anderen.
5. Auf Synonyme, die Fließgeschwindigkeit und -art bezeichnen, nämlich strömen, fließen, rinnen/sprudeln, schwallartig fließen/sickern, kann die Hydrologie kaum verzichten.
6. Das Kausativ zum Fließen bringen wird in der Hydrologie nicht verwendet. In der Bedeutung „fließen lassen“ wird lassen verwendet (auch die präfigierten Formen auslassen, ablassen, einlassen); in der Bedeutung „bewirken, dass etwas fließt (gewöhnlich durch mechanische Mittel)“ wird führen verwendet (offenbar auch ableiten). Besonders erforderlich sind die präfigierten Formen heranführen, herumführen und ihre Ableitungen, z. B.: Zuleitungskanal, Umleitungskanal. Dies entspricht auch den üblichen Wendungen Wasser zuführen, Wasser heranführen, eine Wasserleitung verlegen. Die Verwendung von Führung, meist Ableitung ist jedoch häufig fragwürdig oder sogar unbegründet – sie wird dort verwendet, wo (ab)lassen stehen müsste, z. B.: Ableitungswasser „Wasser, das nicht für landwirtschaftliche Kulturen verwendet wird und von der bewässerten Fläche abfließt“ Melž.
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Page 147. Ob von selbst, durch Freigabe oder durch Zuführung – Wasser fließt in jedem Fall. Um also auszudrücken, dass es von selbst fließt, ist der Begriff savitaka erforderlich. Verwendet werden auch das Adverb savitaka und das Adjektiv savitakis: Entwässerung, Bewässerung, Kanal, Rohr; die Wasserversorgung ist selbstfließend/gravitativ (im Gegensatz zu druckbetrieben), das Wasser dagegen nur gravitativ (verwendet vielleicht nur in der Theorie – in der Hydrogeologie).
8. Für eine genauere Unterscheidung der von den Endungen präfigierter Formen des Verbs tekėti („fließen“) abgeleiteten Wörter werden Ableitungen von nutekėti („abfließen“) benötigt. Entsprechend dem überwiegend üblichen Sprachgebrauch wird folgende Unterscheidung vorgeschlagen: 1) nuotekis „Wassermenge, die innerhalb einer bestimmten Zeit abfließt“ (veraltet nuotakis), 2) nuotaka „Abfluss, Abflussfähigkeit“ (veraltet nuotakis), 3) nuotakas „Abwasserleitung (Graben, Drainage, Rohr) (veraltet: ‚Flussbecken‘). Durch die Integration terminologischer und ähnlicher Ableitungen aus älteren Wörterbüchern von nuleisti, nuvesti, nutraukti („ablassen, ableiten, unterbrechen“) ließen sich zwei hydrologische Mikrosysteme bilden: 1) nuotaka – nuolaida – nuovada – nuotrauka und 2) Wasserleitungen: nuotakas – nuolaidas – nuovadas – nuotraukas, ferner die spezifizierenden Formen: nuotakinis – nuolaidinis – nuovadinis – nuotraukinis Graben, Kanal, Rohr (nur das Wasser müsste als nutekamasis – nuleidžiamasis – nuvedamasis – nutraukiamasis, also abfließend – abgelassen – abgeleitet – unterbrochen, bezeichnet werden). Falls nötig, gibt es ähnliche Ableitungen auch von anderen ähnlichen präfigierten Verben: įlaida, išlaida, įlaidas, išlaidas, įvada, išvada, įvadas, išvadas, … Dass einige davon – nuotaka, nuotrauka, nuovadas, įlaidas, įvadas und andere – bereits Fachbegriffe anderer Bereiche oder Wörter des allgemeinen Sprachgebrauchs sind, steht ihrer Verwendung auch als Begriffe der Hydrologie, Hydrotechnik und Melioration nicht entgegen. Solche lexikalischen Erscheinungen sind ein Kennzeichen einer entwickelten Sprache.
ABKÜRZUNGEN
Hier werden dieselben Abkürzungen verwendet wie im Aufsatz des Autors „Melioracija, drenažas, irigacija“, auf den in Fußnote 1 verwiesen wird.
PolŽ wird hier als PolŽ₁ bezeichnet.
Zusätzlich werden folgende Abkürzungen verwendet:
FTŽ – Fizikos terminų žodynas / Red. P. Brazdžiūnas. V., 1980.
PolŽ₂ – Rusų–lietuvių kalbų politechnikos žodynas / Sudarė G. Daugėla. V., 1984.
Vandentiek – Vabaliečius S. Vandentiekis ir kanalizacija. V., 1954.
VN – Vakarinės naujienos.
VV I – Klenikovas V., Iljinas N. Automobilis / Lehrbuch für Fahrer der ersten Klasse. V., 1976.
VV II – Sabininas A., Plechanovas I., Černiaikinas V. Automobilis / Lehrbuch für Fahrer der zweiten Klasse. V., 1973.
Й. КЛИМАВИЧЮС
EINIGE MIKROSYSTEME HYDROLOGISCHER TERMINI
(Wasserströmung)
Zusammenfassung
Die Untersuchung des sprachlichen Terminsystems „Wasserströmung“ stützt sich auf die Semantik sowie die Wortbildungsrealisierungen und -potenziale des Verbs tekėti „fließen“ und umfasst mehrere Mikrosysteme, in denen auch Derivate seiner Synonyme, seines Hyperonyms, seines Kausativs und seiner Antonyme verwendet werden. Es werden bestehende Mängel, Schwankungen und Unvollkommenheiten sowie ihre Entstehungsursachen aufgezeigt und konkrete Maßnahmen zu ihrer Beseitigung vorgeschlagen.