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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVIII (1997)

Milda LUČINSKIENĖ

EINIGE MERKMALE DER MORPHOLOGISCHEN NORMIERUNG IN DEN EVANGELIEN VON 1858

Eines der am häufigsten herausgegebenen und überarbeiteten religiösen Bücher bis zum 20. Jahrhundert war „Ewangelie polskie i litewskie“. Sie wurden im 17. Jahrhundert von Jonas Jaknavičius in den ostaukštaitischen Interdialekt übersetzt. Später wurden sie mehrmals neu aufgelegt, doch die sprachliche Grundlage blieb bis 1705 unverändert, als sie in den mittleren Interdialekt der Schriftsprache übertragen wurden (Zinkevičius 1988: 268–2690). Im 18. Jahrhundert veränderte sich ihre Sprache nur wenig. In der Ausgabe der Evangelien von 1858, betitelt „Ewangelje polskie i žmudzkie na niedziele i wszystkie święta całego roku“, wurden archaischere Sprachformen durch neuere ersetzt, die für den damaligen mittelaukštaitischen Dialekt charakteristisch waren.

In diesem Artikel betrachten wir einige wichtigere morphologische Merkmale. Die Evangelienausgabe von 1858 wurde mit der Ausgabe von 1856 verglichen (ein Drittel dieser Texte wurde systematisch überprüft: 1856 – S. 4–98, 244–253, 1858 – S. 7–136).

Unter den festgestellten Änderungen ist die Gruppe der Überarbeitungen des Dativs im Plural der Nomina am umfangreichsten (114 X). Erwähnenswert sind außerdem die Änderungen bei den Postpositionslokativen (62 X) und bei den athematischen Verben (17 X).

1. Die Endung des Dativs im Plural der Nomina -mis wird systematisch durch -ms ersetzt (mis → ms 108 X), und -mus wird durch -ms ersetzt (mus → ms, z. B.: iemis → iems (47 X), įumis → įums (45 X), mum is → mums (6 X), tiemis → tiems (3 X), židamis → židams (1 X), iemus → iems (2 X), žmonemus → žmoniems (1 X).

Aus den Beispielen geht hervor, dass am häufigsten die Pronomenformen geändert wurden. Die längeren Pronominalendungen waren in den Evangelien von 1856 deutlich besser erhalten, obwohl bereits im 17. Jahrhundert eine markante Verkürzung zu beobachten war: Schon damals gab es neben Formen auf -mus (sie sind aus allen bekannten Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts belegt) auch danebenstehende verkürzte Formen auf -ms (Palionis 1967: 117–118; Zinkevičius 1980: 193). Aus den Grammatiken von D. Kleinas und anderen litauischen Schriften jener Zeit lässt sich schließen, dass diese Verkürzung bei Substantiven schneller, bei Adjektiven und Pronomen dagegen etwas langsamer vor sich ging. Dies spiegelt sich auch in den Evangelien von 1856 wider, in denen die Pronomen häufiger die längere Endung bewahrt hatten. Substantive hingegen wiesen sie hier nur sehr selten auf. Der Herausgeber der Evangelien von 1858 behandelte die Endung -mus sowohl bei Pronomen als auch bei Substantiven als Archaismus. Diese alten Formen des Singular-Dativs gibt es auch in den heutigen Dialekten nicht mehr (Zinkevičius 1966: 232–233, 303).

In der sprachwissenschaftlichen Literatur werden am häufigsten die Endung -mus und seltener -mis erwähnt

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trumpėjimas. Jau Pr. Skardžius (1930: 117), palyginęs Evangelijų ir Universiteto kalbą, pastebėjo, kad ir Universitete, ir Evangelijose dgs. naudininkas dažniausiai turėjo galūnę -mis, rečiau -ms ir -mus. Panaši situacija buvo ir 1856 m. Evangelijose, o 1858 m. leidimo redaktorius vengė formų ir su -mis, ir su -mus.

Die Endung -mis ist die alte vollständige Instrumentalendung des Plurals, die auch in der Dativfunktion des Plurals verwendet wurde (Kazlauskas 1968: 166–170). Im Atlas der litauischen Sprache (Lietuvių 1991: 80, Karte Nr. 75) wird angegeben, dass Dativformen des Plurals, die mit den Instrumentalformen des Plurals übereinstimmen, mumìs, jumìs, in einigen westaukštaitischen Mundarten vorkommen (in der Gegend von Kėdainiai und Kaunas). Sie sind auch in einigen Texten des 16.–17. Jahrhunderts belegt, die auf dem mittleren Aukštaitischen beruhen (z. B. in Morkūnas’ Postille sowie in den Schriften von M. Daukša und M. Petkevičius), ebenso in einer anonymen Grammatik von 1737 (Universitetas 1981: 73–74) und in den Schriften von A. Tatarė, der aus Grįškabūdis stammte. Es ist jedoch anzumerken, dass in der anonymen Grammatik neben -mis bereits auch die verkürzte Endung -ms angegeben wird (kalbomìs, kalboms).

Die Dativform des Plurals -mis in den Evangelien von 1856 könnte also auf einen seit alters her erhaltenen Dialektismus hindeuten. Es ist jedoch klar, dass Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl die Formen mit -mus als auch jene mit -mis vom Herausgeber als Archaismen aufgefasst wurden. Die Durchsetzung der neuen Formen verlief somit recht konsequent und einheitlich.

2. In den Evangelien von 1858 wird versucht, die alten postpositionalen Lokativformen aufzugeben.

Der Illativ wird sehr häufig durch eine Präposition mit Akkusativ (34 Belege) und selten durch den Genitiv ersetzt, z. B.:

awinicion → ing awiniczia (1 Beleg), namosna → ing namus (2 Belege), piedosna → ing piedus (1 Beleg), weidon → in weidą (1 Beleg), garbien → ing garbę (1 Beleg), szonan → ing szoną (2 Belege), winiczion → ing winiczia (4 Belege), erszkiecziosna → tarp erkiecziu (1 Beleg), Jerycho → prie Jericho (1 Beleg).

Der häufig redigierte Illativ zeigt, dass er in der Aukštaitischen Mundart Mitte des 19. Jahrhunderts bereits im Schwinden begriffen war. In Texten des 16.–17. Jahrhunderts war er weit verbreitet (Palionis 1967: 121), im Universitetas (1981) jedoch deutlich seltener. Heute ist der Illativ als lebendiger Kasus nur noch in den ost- und südaukštaitischen Mundarten erhalten; anderswo wird er meist durch die Präposition į mit Akkusativ ersetzt (Lietuvių 1991: 54–55, 76, Karte Nr. 48).

Der Allativ wurde meist durch eine Präposition mit Akkusativ sowie durch den Genitiv (20 Belege), den Dativ und den Lokativ ersetzt, z. B.:

Diewop → pas Diewą (1 Beleg), grabop → pas grabą (3 Belege), Tiewop → pas Tiewą(ą) (6 Belege), iop → pas jį (1 Beleg), Kaifosiump → nuog Kajifosziaus (1 Beleg), Diewop → Diewuje (1 Beleg), Jezusop → Jezuj (1 Beleg), minium[p] → miniomis (1 Beleg), musump → mumise (1 Beleg).

Aus den Beispielen geht hervor, dass in den Evangelien von 1858 vor allem der Allativ Singular redigiert wurde (korrigiert wurden nur drei Beispiele des Allativs Plural: jusump, minium[p], musump), der in der früheren Ausgabe der Evangelien besser erhalten geblieben war.

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Lietuvių kalbos atlase (Lietuvių 1991: 55–56, žemėl. Nr. 48) nurodoma, kad kaip linksnis vns. aliatyvas vartojamas pačiame pietrytiniame lietuvių kalbos ploto pakraštyje – Dieveniškių apylinkių ir Gervėčių, Lazūnų, Žietelos šnektose. Kitose tarmėse vns. aliatyvas dabar vartojamas retai ir užfiksuota tik aliatyvo kilmės prielinksnių. Tuo tarpu dgs. aliatyvas šiandien jau iš viso išnykęs (Laigonaitė 1957: 31–32).

Es finden sich drei Beispiele für die Überarbeitung des Adessivs: manimp → maniej(e) (2 ×), sawimp → pas sawe (1 ×).

In den älteren Schriften gab es mehrere Typen des Adessivs bei nichtgeschlechtlichen Pronomen: a) manip, tavip, savip und b) manimp, tavimp, savimp. In den Evangelien von 1856 wird die zweite Variante verwendet. Obwohl der Adessiv der Nomina aus unseren Schriften schon früh zu schwinden begann (bereits im 17. Jahrhundert), blieben die Adessivformen der Personalpronomen noch viel länger erhalten (Zinkevičius 1982: 25). Dies zeigt sich auch in den Evangelien von 1856; in der Ausgabe von 1858 sind Adessivformen hingegen vollständig verschwunden. Auch in den heutigen Dialekten sind sie kaum noch anzutreffen, ausgenommen am südöstlichen Rand des litauischen Sprachgebiets um Žietela, Lazūnai und Gervėčiai; anderswo werden an ihrer Stelle systematisch Präpositionalfügungen verwendet (Lietuvių 1991: 55–56, 77–78).

Die hier angeführten Beispiele zeigen, dass die postpositionalen Lokalkasus im mittellitauischen Dialekt zu Beginn des 19. Jahrhunderts stark zurückgegangen waren, vom Herausgeber der Evangelien von 1858 als Archaismen aufgefasst und deshalb durch für die damalige Umgangssprache typischere Formen ersetzt wurden.

3. Die Ersetzung der Form eimi durch einu (7 ×) würde auf das Schwinden athematischer Formen hindeuten. Es wurde jedoch auch eine andersartige Überarbeitung festgestellt: Die Form esmu wurde durch esmi ersetzt (10 ×). J. Senkus (1958: 82) schrieb: „Die Präsensformen des Verbs būti sind im Gebiet von Kapsai und Zanavykai recht vielfältig, nämlich: aš esu, esu (esmu), esmi und būnu, buvu.“ Die Form esmi ist selten und kommt in der Sprache älterer Menschen im Rajon Ukmergė um Šešikai, im Rajon Panevėžys um Raguva und Karšakiškis sowie in der Umgebung von Maišiagala, Kybartai und Naujoji Ūta, ferner in der Folklore vor. Die Form esmu (entstanden, indem sich an den Konsonanten m der athematischen Endung die thematische Endung u anfügte) ist etwas weiter verbreitet, vor allem im ostlitauischen Dialekt (Lietuvių 1991: 82, Karte Nr. 78).

Die Ersetzung der Form esmu durch die alte, bereits schwindende Form esmi könnte auf den Dialekt des Herausgebers der Evangelien von 1858 hindeuten, obwohl es bislang schwierig ist, diesen Dialekt zu lokalisieren.

Die gemeinsame Tendenz fast aller hier genannten Änderungen besteht darin, den Text zu normieren und zu modernisieren, d. h. ihn bewusst zu vereinheitlichen und offenbar die Evangelien an die damalige Umgangssprache anzupassen.

Auf den Titelblättern der Evangelien von 1856 und 1858 ist angegeben, dass sie von Motiejus Valančius (Mathias Wolonczewski) approbiert wurden. Dies lässt vielleicht die vorsichtige Vermutung zu, dass dieser Klassiker unserer Literatur oder seine Mitarbeiter an der Korrektur, Überarbeitung oder Zusammenstellung dieser Texte beteiligt waren. Dabei ist hervorzuheben, dass sich Mitte des 19. Jahrhunderts um M. Valančius Intellektuelle scharten, die bereit waren, eine litauische Gemeinsprache zu schaffen,

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tiesa, daugiausia žemaičių tarmės pagrindu (Subačius 1993: 8 tt ir lit.). Tad Evangelijų redagavimas buvo reikšmingas tuometiniam lietuvių kalbos norminimo procesui.

LITERATŪRA

Ewanielie na niedziele i wszystkie święta w języku polskim i litewskim, przedrukowane Wilno, 1856.

Ewangelje polskie i żmudzkie na niedziele i wszystkie święta całego roku, Wilno, 1858.

Kazlauskas J. 1968: Lietuvių kalbos istorinė gramatika, Vilnius: Mintis.

Laigonaitė A. 1957: Pašalio vietininkai dabartinėje lietuvių kalboje. – Kai kurie lietuvių kalbos gramatikos klausimai, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 21–39.

Lietuvių 1991: Lietuvių kalbos atlasas 3, Vilnius: Mokslas.

Palionis J. 1967: Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a. Vilnius: Mintis.

Senkus J. 1958: Kai kurios kapsų ir zanavykų tarmių veiksmažodžių ypatybės. – Lietuvos TSR mokslų akademijos darbai. Ser A, 2(5).

Skardžius Pr. 1930: Dėl „Universitas linguarum Litvaniae“ autoriaus. – Archivum Pholologicum 1.

Subačius G. 1993: Simono Daukanto Didysis lenkų-lietuvių kalbų žodynas. – Simono Daukanto raštai. Didysis lenkų-lietuvių kalbų žodynas 1. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 8–54.

Universitas 1981: Anoniminė 1737 m. gramatika: Universitas Linguarum Litvaniae. Vilnius: Mokslas.

Zinkevičius Z. 1966: Lietuvių dialektologija, Vilnius: Mintis.

Zinkevičius Z. 1980: Lietuvių kalbos istorinė gramatika 1, Vilnius: Mokslas.

Zinkevičius Z. 1982: Lietuvių kalbos postpoziciniai vietininkai. – Baltistica 1988: 18(1), 21–38.

Zinkevičius Z. 1988: Lietuvių kalbos istorija 3: Senųjų raštų kalba, Vilnius: Mokslas.

EINIGE ZÜGE DER NORMIERUNG DER MORPHOLOGIE IN DEN „EVANGELIEN“ AUS DEM JAHRE 1858

Zusammenfassung

„Ewangelie polskie i litewskie“ („Polnische und litauische Evangelien“) gehören zu den Büchern religiösen Gehalts, die im 19. Jahrh. am häufigsten neu herausgegeben wurden mit Verbesserungen. Der Vergleich der Ausgaben dieser „Evangelien“ von 1856 und 1858 erlaubt auffallende Besonderheiten in den morphologischen Verbesserungen festzustellen, die auf einen sprachlichen Modernisierungsprozeß hinweisen:

1. Die Flexionsendungen des Dativs Plur. -mis und -mus werden durch -ms ersetzt (-mis → -ms und -mus → -ms)(108X), vgl.: židamis → židams, žmonemus → žmoniems.

2. Der Illativ, Allativ und Adessiv werden durch präpositionale Konstruktionen ersetzt (34X), vgl.: namosna → ing namus, grabop → pas grabą, sawimp → pas sawe.

3. Auch die athematischen Verben werden verbessert (17X), vgl.: eumi → einu und esmu → esmi (in dem Ersatz von esmu durch die ältere schon aus dem Gebrauch schwindende Form esmi spiegelt sich vielleicht der Dialekt des Redakteurs wider, der jedoch vorläufig schwer zu lokalisieren ist).

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Die Verbesserungen in den Neuausgaben weisen auf die Bestrebungen hin, den schon im Laufe 200 Jahren in mehreren Ausgaben erschienenen Text der Umgangssprache anzupassen. Die Verbesserungen in der Anordnung des Textes und der Sprache zeugen davon, daß man sich des Prozesses der Entwicklung einer Sprachnorm bewußt ist.

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