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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA

XLV (2001), 11–38

Merkmale der Entwicklung des Passivs in der litauischen Sprache

Vytautas Ambrazas

Lietuvių kalbos institutas, Vilnius

Das analytische Passiv entstand im Zuge der eigenständigen Entwicklung des Litauischen, obwohl die Voraussetzungen für seine Entstehung bereits im Proto-Baltischen bestanden haben müssen. Die Passivkonstruktionen sind dialektal differenziert. Im west- und nordlitauischen Dialekt wird das Passiv mithilfe kongruierender Partizipien gebildet und ist gewöhnlich agenslos (obwohl Agensgenitive infolge einer Reanalyse in Wendungen mit einem adnominalen Genitiv vorkommen). Im ost- und südlitauischen Dialekt wird das Passiv mithilfe alter Neutrumformen auf *-mo und *-to gebildet, die oft mit Agensgenitiven verbunden sind, z. B. tévo buvo sakoma ‚es wurde vom Vater gesagt‘, kiškio bėgta ‚es wird von einem Hasen gelaufen‘, d. h.: ‚(offenbar) ist ein Hase gelaufen‘. Solche Konstruktionen beruhen auf alten nominalen Sätzen mit neutralen Prädikaten, die den reinen *-o-Stamm ohne grammatische Kongruenz bewahren. Die neutralen nominalen Prädikate (später: neutrale Partizipien) auf *-mo und *-to waren in ihrer Bedeutung verbalen Abstrakta ähnlich; ihnen konnte ebenso wie anderen Verbalnomina ein adnominaler Genitiv zur Bezeichnung des Subjekts/Agens hinzugefügt werden. Die Possessivformen der litauischen Pronomen, die in solchen Wendungen mit neutralen Partizipien wie mit Verbalabstrakta verwendet werden, zeigen eine enge Beziehung zwischen subjektivem und possessivem Genitiv. Der weit verbreitete Gebrauch des Agensgenitivs (subjektiven Genitivs) bei den neutralen Passivpartizipien im Litauischen beruht offenbar auf deren alter nominaler Bedeutung.

1. ANSÄTZE ZUR KATEGORIE DES GENUS VERBI

1.1. Das Passiv oder die passivische Diathese hat sich als morphologische Kategorie wahrscheinlich während der eigenständigen Entwicklung einzelner Gruppen indoeuropäischer Sprachen herausgebildet. In den alten anatolischen, indo-iranischen, griechischen und italischen Sprachen wurden zur Bildung des Passivs finite Verbalformen medialer Bedeutung verwendet, in den slawischen und teilweise romanischen Sprachen dagegen reflexive Verben. Neben finiten Formen wurden in einigen Sprachen (zum Beispiel im Hethitischen, Lateinischen, Romanischen und Germanischen) auch Partizipien einbezogen¹.

In den baltischen Sprachen gibt es keine finiten Verbformen des Passivs. Das Passiv wird hier durch periphrastische Konstruktionen mit den passivischen Partizipien *-mo und *-to gebildet, im Gegensatz sowohl zu Konstruktionen mit aktivischen Partizipien-

1 Es wurde auch die gegenteilige Auffassung vertreten, das periphrastische Passiv sei aus der indoeuropäischen Ursprache ererbt (Costello 1984). Sie stützt sich darauf, dass das periphrastische Passiv in vielen verwandten Sprachen vorkommt und seine Bildung sich mit der Transformations- und Tagmemik-Methode erklären lässt. Sogar der Ausdruck des Agens im periphrastischen Passiv durch präpositionale Konstruktionen wird in die indoeuropäische Ursprache zurückverlegt (Costello 1984: 149–150). Diese Hypothese lässt sich jedoch nur schwer mit der Geschichte der Passivformen in den indoeuropäischen Sprachen, der Entwicklung der Hilfsverben und anderen Prozessen der historischen Syntax vereinbaren.

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sowohl den (z. B.: yra šaikštas – yra šaikęs) als auch den flektierten Verbformen (z. B.: yra šaukiamas – šaukiama).

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Genuskategorie ist das Verhältnis des vom Verb ausgedrückten Handlungssubjekts (Zustandssubjekts) als semantischer Kategorie zum Satzglied Subjekt (oder zum Bezugswort des Partizips)2. Passivformen ermöglichen es, eine Handlung (einen Zustand) zu beschreiben, ohne ihr Subjekt zu berücksichtigen (hier wird geschlafen; so ist es geschrieben3), oder indem ihr Objekt in den Vordergrund gerückt wird und die Funktion des Satzsubjekts erhält (Die Äpfel wurden gebracht); in solchen Fällen kann das Handlungssubjekt durch ein Ergänzungsglied ausgedrückt werden (Die Äpfel wurden vom Vater gebracht).

In litauischen Passivkonstruktionen kann in bestimmten Fällen nicht nur der Akkusativ oder Genitiv des direkten Objekts, sondern auch der Dativ des indirekten Objekts mit Verben wie geben, bringen, befehlen usw. in den Vordergrund gerückt und durch den Nominativ des Satzsubjekts ausgedrückt werden (vgl. Ambrazas, Hrsg. 1997a: 322, Ambrazas, Hrsg. 1997b: 278–279). In solchen Fällen bleibt der Kasus des direkten Objekts in Passivkonstruktionen unverändert, z. B.: Niauzgia kaip katinas, uodega laužomas ALS.; zuikis, galą daromas LTR; Parodytas kelias, jis keliaus toliau PN (LKŽₓₗ 800); Lewas atimtas waikus WP 217₈ usw. (Fraenkel 1928: 13–14).

1.2. Die nach ihrer Genusbedeutung einander gegenübergestellten Partizipien des Litauischen bilden Gruppen von Aktiv- und Passivpartizipien. Zu den Aktivpartizipien gehören Partizipien mit den Suffixen -nt und -us, zu den Passivpartizipien solche mit den Suffixen *-mo und *-to. Diese Partizipialformen sind aus der Zeit der baltischen und indoeuropäischen Sprachgemeinschaft ererbt. Heute bezeichnen Aktivpartizipien meist eine Eigenschaft der Person oder Sache, die handelt oder einen bestimmten Zustand erfährt; ihnen stehen Passivpartizipien gegenüber, die eine Eigenschaft der Person oder Sache bezeichnen, auf die eingewirkt wird. Der Gegensatz dieser Bedeutungen trat bei der Herausbildung der Genuskategorie deutlich hervor. Ansätze dazu lassen sich jedoch bereits in den sehr alten Unterschieden in der Wortbildungsbedeutung und im Gebrauch der verbalen Nomina erkennen, aus denen sich auch die Partizipien selbst entwickelt haben.

In vielen indoeuropäischen Sprachen wurden aus Verben gebildete Adjektive (bzw. Partizipien) mit dem Suffix *-nt schon seit den ältesten Sprachdenkmälern meist zur Bezeichnung von Eigenschaften verwendet, die vom Handelnden selbst oder vom Träger eines Zustands ausgehen (mit Ausnahme des Hethitischen und seltener Relikte im Indo-Iranischen und Lateinischen). Das Suffix *-nt wurde seit alters her auch häufig zur Bildung von Bezeichnungen für Handelnde (nomina agentis) verwendet (vgl. die Bezeichnungen für „Zahn“ in vielen verwandten Sprachen und Substantive wie lat. parentes ‚Eltern‘, got. frijonds ‚Freund‘ usw.). Aus Verben gebildete Nomina mit dem Suffix *-us bezeichneten fast immer Eigenschaften von Handelnden oder Handelnde selbst. Es ist verständlich, dass die Formen mit *-us- und *-nt- bei der Herausbildung des Partizipialsystems die Bedeutung des Aktivs erhielten.

Andererseits waren Formen von Verbaladjektiven mit dem Suffix *-mo hinsichtlich ihrer Beziehung zum Handlungssubjekt seit alters her neutral; Formen mit dem Suffix *-to dagegen wurden, insbesondere bei transitiven Verben, überwiegend zur Beschreibung inaktiver, von einer Handlung oder einem Vor-

2 Mit dem Begriff Subjekt wird hier und im Folgenden das semantische Subjekt bezeichnet – der Agent der vom Verb bezeichneten Handlung oder der Patient, Perzipient bzw. Träger eines anderen Merkmals eines Zustands. Das Satzsubjekt wird anhand der syntaktischen Beziehungen zwischen den Satzgliedern definiert (siehe Ambrazas 1986: 9, 16–18, 23–28; Ambrazas, Hrsg. 1997a: 487, 493–494).

3 Vgl.: „passives center around agents, and their fundamental function has to do with the defocusing of agents“ (Shibatani 1985: 831); siehe auch Keenan (1986: 243–245), Foley, Van Valin (1986: 301 ff.).

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… den vom Prozess betroffenen Gegenständen4. Aufgrund dieser Arbeitsbedeutung bildeten die aus transitiven Verben gebildeten Formen mit *-to einen klaren Gegensatz zu den Formen mit *-us, die zum Ansatzpunkt des Passivs wurden, vgl.: viręs: virtas, nešęs: neštas, davęs: duotas. Außerhalb dieser Korrelation blieb ein Teil der aus intransitiven Verben gebildeten Formen mit *-to, z. B.: báltas (: bá́lti), bìngtas (: bìngti), skýstas (: skýsti), šáltas (: šálti); einige von ihnen unterscheiden sich in der Intonation von den entsprechenden Verben, vgl.: šìltas: šìlti, rìṁtas / rimtas: rimti, praštas: prašti. Es sind alte Verbaladjektive, die somit nicht in das Partizipialsystem aufgenommen wurden5. Hinsichtlich ihrer Bildung und Bedeutung entsprechen sie den lettischen, altpreußischen und anderen sprachlichen Entsprechungen, vgl.: lett. balts, salts, silts, pikts und altpreuß. skijstan III 127₁₀ – rein „schön“ (Akk. Sg.), ructan- (ructandadan E 690 – suwer[m]ilch), vgl. lit. rūgtas.

Die litauischen Verbaladjektive mit dem Suffix *-mo haben ihre alte Genusneutralität in den meisten Fällen bis heute bewahrt. Nur ein Teil von ihnen, nämlich solche, die Eigenschaften des Handlungsobjekts ausdrückten, wurde in das Formensystem der Genuskategorie aufgenommen. In den westhochlitauischen und žemaitischen Dialekten bildeten ihre Maskulin- und Femininformen periphrastische Passivkonstruktionen, im Gegensatz zu Konstruktionen mit *-to-Partizipien, vgl. dort: „Die Beeren wurden gepflückt / gepflückt.“

1.3. Bedeutungsunterschiede in Bezug auf das Verhältnis der Handlung zum Subjekt, die für die Genuskategorie kennzeichnend sind, lassen sich auch bei anderen Verbaladjektiven beobachten, die im Litauischen nicht zu Partizipien geworden sind. So bezeichnen viele Verbaladjektive mit der Ableitungsendung -us Eigenschaften des Subjekts und ähneln insofern den Aktivpartizipien, vgl. kalbūs und kalbantis, sumanūs und sumanantis, lakūs (Pferd) und lėkiantis, paslankūs (Mensch) und pašlenkantis, pajėgūs und pajėgiantis, valgūs und valgantis usw. Dagegen bezeichnen Verbaladjektive mit der Ableitungsendung -as Eigenschaften des Handlungsobjekts, z. B.: atviras (vgl. atvėrtas), paláidas (vgl. paleistas), pašklidas (vgl. pasklidęs). Solche „genusbezogenen“ Bedeutungen sind auch für einige Ableitungssuffixe charakteristisch. Eigenschaften, die sich aus einer Handlung oder einem Zustand des Subjekts ergeben, werden durch Verbaladjektive mit dem Suffix -lus (*-lu) ausgedrückt, z. B.: auglūs „gut wachsend“, kib lūs „zum Anhaften neigend“, rėklus, taiklūs, patrauklūs, ebenso mit dem Suffix -las (*-lo), z. B.: aklas (: akti), dėglas (: dėgti), kūšlas (vgl. lett. kusls „schwach, gebrechlich“: kust „schwächer werden“). Von solchen Ableitungen mit dem Suffix *-lo wurden in den slawischen Sprachen paradigmatische Aktivpartizipien der Vergangenheit, ähnlich den litauischen Ableitungen mit dem Suffix *-us; sie bildeten das Paradigma des periphrastischen Aktivperfekts, das sich später im Russischen zum einfachen Präteritum entwickelte. Die Ableitungen mit dem Suffix -nas (*-no) haben dagegen im Litauischen resultative Bedeutung und bezeichnen seit alters Eigenschaften des Objekts einer Handlung (eines Zustands), z. B.: pìlnas: pìlti, kìlnas: kìlti, plónas: plóti, bá́lnas: bá́lti. Einige entsprechen ihrer Bedeutung nach Ableitungen mit dem Suffix *-to, vgl. pìltas, plótas, báltas. Zusammen mit den Ableitungen mit dem Suffix *-to wurden sie in den slawischen, germanischen und teilweise indo-iranischen Sprachen als Passivformen in das Partizipialsystem aufgenommen. Somit ist der Gegensatz hinsichtlich des Verhältnisses zum Subjekt der Handlung (des Zustands) das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Genus-kate-

4 Pasak Emilio Benveniste’o (1948: 167), jų pagrindinė funkcija buvo reikšti požymio realizavimą objekte (“l’accomplissement de la notion dans l’objet“). Plg. dar Brugmann(o (1906: 246–248) pateiktus įvairių kalbų *-to formų gretinimus ir išsamiai nušviestą jų virtimą neveikiamaisiais dalyviais italikų kalbose (1895).

5 Als subadjektivische Partizipien oder als nach dem Vorbild von Partizipien gebildete Analogiebildungen betrachteten sie Skardžius (1943: 319), Otrębski (1965: 235); die entsprechenden lettischen Bildungen Bergmane (1955: 28).

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gorienkategorie – lässt sich durch die Bedeutungsunterschiede bei der Bildung von Verbalnomina erklären, die aus grauer Vorzeit ererbt sind.

Dieser Gegensatz hängt nicht von der syntaktischen Funktion der Verbalnomina (später: Partizipien) im Satz ab: Er ist gleichermaßen für Formen charakteristisch, die als Attribut oder als nominales Prädikat fungieren, vgl.:

žinanti moteris Kb: žinomas daiktas VRN; ana y(ra) žinanti SKd, KL: visi vagys žinomi PLN; išviręs kiaušinis sukas, žalias – nesusuka ErŽ: sugrūdi bulbas išvirtas ALS; tos bulbės da nelabai išvirusios JRB: manų košikė išvirta ErŽ.

1.4. Unterschiede im Ausdruck des Verhältnisses zum Handlungssubjekt weisen noch nicht auf eine ausgebildete Genuskategorie hin. Von deren Vorhandensein kann erst dann gesprochen werden, wenn Verbaladjektive mit bestimmten Suffixen (Wortbildungseinheiten) zu Aktiv- und Passivpartizipien (morphologischen Einheiten) werden und ihre Verbindungen mit einem Hilfsverb als periphrastische Tempusformen in das Verbalsystem eingehen, die mit anderen Verbformen korrelieren.

Im Litauischen haben sich, wie auch in den anderen baltischen Sprachen, die Verbaladjektive mit den Suffixen *-nt, *-us, *-mo und *-to schrittweise und unterschiedlich zu Partizipien entwickelt. Zunächst etablierte sich die Korrelation dieser Formen auf der Grundlage der Tempusbedeutung (siehe Ambrazas 1979: 39). Die Grammatikalisierung der Genusbedeutungen und ihre Verwendung im periphrastischen Passiv stellen eine weitere Entwicklungsphase dar, die nicht nur in den einzelnen baltischen Sprachen, sondern auch in den verschiedenen litauischen Dialekten unterschiedlich verlief.

2. PASSIV MIT KONGRUIERENDEN PASSIVPARTIZIPIEN

2.1. Die Niederlitauer und die westlichen Oberlitauer begannen lange vor dem Beginn der Schriftlichkeit, ein periphrastisches Passiv mit Partizipien des Präsens (*-mo) und des Präteritums (*-to) sowie dem Hilfsverb sein zu bilden. In den Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts, in denen die Merkmale dieser Dialekte widergespiegelt werden, ist der Aufbau des periphrastischen Passivs in vielen Fällen unabhängig von den fremdsprachigen Quellen, die die Autoren verwendeten.

2.2. Zusammengesetzte Formen mit *-mo-Partizipien bezeichnen meist eine fortdauernde oder wiederholte Handlung, z. B.:

Deine Knechte erhalten kein Stroh BrB II Moz 5,15 (Man gibt deinen Knechten kein stro LB); denn wie etwa der Same auf den Acker in die Erde gesät wird, so wird auch das Wort des Herrn in die Herzen der Menschen gesät BP₁ 209₂₃–₂₅; (Die Treuen werden mit schwerer Last, mit Mühen und Nöten bedrückt MT 203a₁₁; Gerechtigkeit und Heil werden nicht nur erlangt, sondern auch von Gott bewahrt MT 93a₁₂–₁₃ (Iustitia et salus non modo apprehenduntur, sed etiam a DEO conservantur); Eisen wird aus der Erde gewonnen, und aus Steinen wird Erz geschmolzen (oben: geschmolzen) ist Kupfer BrB Job 28,2 (Eisen bringt man aus der erde / vñ aus den steinen schmeltzt man ertz LB).

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Zusammengesetzte Formen mit kongruierenden *-mo-Partizipien bezeichnen in den alten Schriftzeugnissen nur selten eine konkrete, in der Gegenwart andauernde Handlung, z. B.:

dukte mana sunkey nūgi welna esti warginama VEE 45₂₁ (Mein dochter wird vom teuffel vbel geplaget LB Mt 15,22); Schitai, kaczei esch gwalto schaukiu, tacziau ne esmi ischdlausams BrB Job 19,7 (Sihe / ob ich schon schrey vber freuel / so werde ich doch nicht erhöret LB); Laukems ira atsakimas nog tawens Job 34,33 (Man wartet der antwort von dir LB).

Etwas häufiger bezeichnen *-mo-Partizipien eine konkrete Handlung mit einem Hilfsverb im Präteritum, z. B.:

und ein Wirbelwind erhob sich (korr. erhob sich) auf dem See, und sie wurden überflutet BrB Lk 8,23 (Und es kam ein windwürbel auff den see / vnd die wellen vberfielen sie LB); aber er wurde in der Kammer bewacht BrB Teis 16,12 (Man hielt aber auff jn jnn der kamer LB).

Der Gebrauch periphrastischer Formen mit *-mo-Partizipien zur Bezeichnung einer konkreten andauernden Handlung ist auch in den heutigen oberlitauischen und niederlitauischen Dialekten relativ selten (vgl. Slizienė 1974: 86; Ambrazas 1979: 176). Dies weist darauf hin, dass ihre Korrelation mit den einfachen Tempusformen noch nicht fest etabliert ist.

2.3. Zusammengesetzte Formen mit passiven Partizipien der Vergangenheit (*-to) bezeichnen meist einen aus einer früheren Handlung hervorgegangenen Resultatzustand. Seit den ersten Schriftdenkmälern werden sie sowohl in allgemeiner als auch in konkreter Bedeutung verwendet, z. B.:

So wurden die Midianiter vor den Augen der Kinder Israels gedemütigt BrB Teis 8,28 (Also wurden die Midianiter gedemütiget für den kindern Israel LB); Dieser Ort wurde Gilgal genannt BrB Joz 5,9 (dieselbe stet ward Gilgal gennennet LB); damit auch das Leben an unserem Leib sichtbar werde ChNT II Kor 4,10.

Die deutlich breitere Verwendung des Passivs mit *-to-Partizipien lässt vermuten, dass es sich in den westlichen litauischen Dialekten früher herausgebildet hat als mit *-mo-Partizipien. Hier steht das periphrastische Passiv mit passiven Partizipien der Vergangenheit sowohl einfachen als auch zusammengesetzten Perfektformen des Aktivs gegenüber. Ihre Verwendung in den žemaitischen Dialekten lässt sich anhand der folgenden, von Aleksas Girdenis (1996) aufgezeichneten Beispiele aus dem Tirkšliai-Dialekt veranschaulichen:

Ob du nun so oder so gekauft worden bist, du musst arbeiten, bis du stirbst (112); Sie wurde lebend geboren, alles war, wie es sein sollte, sie wurde erwürgt, und die Mutter bekam zwölf Jahre für das Ersticken des Kindes (126); Ich sagte, dass sie damals getauft worden war (123); Man sagt, zuerst wurde dieses Kind dort abgelegt; später wurde es bereits auf den Friedhof gebracht (125); All diese Blumen waren abgeschnitten worden, aber schau nur, Mütterchen, wie sie wieder sprießen! (310).

Die Struktur der Passivkonstruktionen ist nicht vollständig gefestigt. Seit dem 16. Jahrhundert ist eine Variation beim Hilfsverb zu beobachten. Neben den vorherrschenden Formen von būti wird gelegentlich auch tapti, stotis als Hilfsverb verwendet, z. B.:

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Der Jüngling... wird von der Frau Gottes verlassen WP 11112–13; So wurden Himmel und Erde geschaffen BrB I Moz 2,1 (Also ward volendet Himel vnd erden LB); Und er starb und wurde begraben Tes 10,5 (Vnd lair starb / vnd ward begraben LB); eine arme Seele / wie von Dornen durchbohrt, wird geschlagen DP 10042 (nędzna dusza iako cierniem vtrapiona bywa ³W 10162); ghissai stoesi apchrikstitas Mž 107–108 (er... Getaufft werde Mch 170).

Gelegentlich werden diese Hilfsverben auch mit *-mo-Partizipien verwendet, vgl.:

Jesaus prikelimas... swietui tape szinomas Mž 27918–19; Welino mucziams stoiesi BPI 29616.

Ähnlich werden passive Partizipien (wie auch Adjektive) mit Formen von tāpti auch in den heutigen Dialekten Westlitauens verbunden, vgl.:

Juodu abudu tapę nuo staldo velkamu BsV 327; Langas tapę išmuštas KLP.

2.4. In den ost- und südhöherlitauischen Dialekten hat sich bis heute kein eigentliches Passiv mit kongruierenden passiven Partizipien im Maskulinum und Femininum herausgebildet. Periphrastische Formen mit *-mo-Partizipien finden sich hier noch nicht; auch im Lettischen gibt es sie nicht, während vereinzelte Fälle in alten Schriftdenkmälern, die osthöherlitauische Merkmale widerspiegeln, durch die verwendeten Quellen bedingt sind. Die resultativ gebrauchten *-to-Partizipien bilden hier zusammen mit dem Verb būti Konstruktionen nominalen Typs, die nicht mit finiten Verbformen korrelieren. In Sätzen wie Regėjau, tavo langas buvo atdarytas KB; Svirnas pripiltas kviečių Lp fungieren die Partizipien als nominaler Teil des Prädikats, ähnlich wie verbale Adjektive (vgl. atviras, pilnas); obwohl sie Merkmale des Handlungsobjekts ausdrücken, können sie nicht als Passiventsprechungen der einfachen Formen des Präteritums atidarė, pripylė betrachtet werden.

2.5. In Konstruktionen mit kongruierenden passiven Partizipien bleibt das Handlungssubjekt meist unausgedrückt. Dies entspricht der Hauptfunktion des Passivs – eine Handlung zu bezeichnen, ohne deren Ausführenden in den Vordergrund zu rücken. Passivkonstruktionen ohne ausgedrücktes Subjekt sind auch in anderen indoeuropäischen Sprachen vorherrschend; vermutlich sind sie die ältesten (vgl. Schwyzer 1943; Kurylowicz 1964: 72–73; Shibatani 1998: 137)6. Dafür sprechen auch die Unterschiede im Ausdruck des Subjekts. Im Litauischen kann, wie bereits erwähnt, das Handlungssubjekt eines passiven Partizips durch den Genitiv ausgedrückt werden (sog. genitivus auctoris). Der Genitiv des Subjekts ist in den Veden, im Avestischen, im Tocharischen und gelegentlich im Griechischen, Lateinischen und Germanischen belegt. Im Sanskrit und in den slawischen Sprachen hingegen überwiegt der Instrumental, im homerischen Griechisch der Dativ, im späteren Griechisch und in den germanischen Sprachen verschiedene Präpositionalfügungen7. In der jüngeren indogermanistischen Forschung wird der Genitiv zunehmend als besonders archaisches Mittel des Subjektausdrucks angesehen (vgl. Haudry 1977: 408; Schmalstieg

6 Ein solches Passiv ist auch für andere Sprachfamilien charakteristisch und gilt aus typologischer Sicht als grundlegend, siehe Keenan (1986: 247 ff.; 263).

7 Ausführlicher zum Ausdruck des Subjekts in Passivkonstruktionen der indoeuropäischen Sprachen siehe Schwyzer (1943); Schmidt (1963); Jamison (1979; 1981); Luraghi (1986).

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1980: 176–178; 1995), und Spuren davon sind auch in slawischen Präpositionalkonstruktionen zu erkennen, zum Beispiel otъ + GEN. (vgl. 3.14). Dennoch ist der Subjektgenitiv in keiner der indogermanischen Sprachen so fest etabliert wie im Litauischen.

2.6. Die litauischen Daten sind insofern besonders bedeutsam, als sie den Zusammenhang des Subjektgenitivs in passivischen Konstruktionen mit anderen Fällen des alten Gebrauchs dieses Kasus überzeugend belegen. Bekanntlich haben die Personalpronomen und einige andere Pronomen des Litauischen zwei Genitivformen im Singular: nichtpossessive: manęs, tavęs, savęs, ko, kažko, nieko und possessive: mano, tavo, savo, kieno, kažkieno, niekieno (Žulys 1969; Ambrazas, Hrsg. 1997a: 261–262; Rosinas 1988: 23–24; 169–170). Der Gebrauch dieser Formen ist klar unterschieden: Hat das Pronomen eine Objektbedeutung, wird die nichtpossessive Form gewählt; bezeichnet es dagegen Zugehörigkeit oder Zuordnung zu einer bestimmten Person, wird die possessive Form verwendet (mit seltenen Ausnahmen, siehe Žulys 1969: 170–171). In litauischen Konstruktionen mit den Partizipien *-to und *-mo werden nur possessive Genitivformen der Pronomen verwendet, z. B.:

Tę mano visi takai išvaikščioti Vš; Katrie mano bus suprašyti, tie bus svečių suole pasodyti LBr 275; Žiurek, tavo didelės kojinės nusipirktos Rm; Apsivilkau savo megztu megztiniu Ktk.

Nichtpossessive (objektive) Formen der Personalpronomen (*manęs išvaikščioti, *manęs suprašyti, *tavęs nusipirktos) sind in solchen Fällen völlig unmöglich. Dies zeigt, dass der Agensgenitiv (genitivus auctoris) mit dem Possessivgenitiv verwandt ist (vgl. Fraenkel 1928: 95–96) und in die Gruppe der adnominalen Genitivkonstruktionen eingeordnet werden kann (siehe 3.12).

2.7. In bestimmten Fällen kann der Subjektgenitiv unmittelbar aus dem Possessivgenitiv hervorgegangen sein. Ernst Fraenkel (1921: 97; 1928: 95) erkannte den possessiven Ursprung des Genitivs in Fällen, in denen er bei substantivisch gebrauchten passiven Partizipien steht, z. B.: pašlovinti tėvo mano, jos mylėtasis, jo mylimąją oder bei einer Verbindung aus Substantiv und Partizip, z. B.: mano išrinktasis broleli! Don LG 74.

Sätze, in denen ein Genitiv neben einem passiven Partizip mit einer Substantiv-Partizip-Verbindung verknüpft ist, kommen in verschiedenen Dialekten vor. So bezieht sich im Satz Mūsų valgomi burokai tai jau visai sušalo Plm der Genitiv mūsų auf die gesamte Nominalgruppe valgomi burokai. In Äußerungen dieses Typs könnte der Genitiv durch Reanalyse unmittelbar mit dem passiven Partizip als Ausdruck des Subjekts der von ihm bezeichneten Handlung verbunden worden sein, vgl.: Visą audeklą išščupinėju ir neradau tavo įkištos adatos Kp (siehe auch Ambrazas 1990: 197).

Axel Holvoet erklärt den Subjektgenitiv in entsprechenden adnominalen Konstruktionen des Lettischen ähnlich (1994: 132): Die frühere Bedeutung der Äußerung mātes adīti cimdi sei ‚der Mutter {gestrickte Handschuhe}‘ gewesen, später dann ‚{von der Mutter gestrickte} Handschuhe‘, d. h. ‚Handschuhe, die die Mutter gestrickt hat‘.

Den Zusammenhang des Subjektgenitivs mit dem Possessivgenitiv bestätigt auch der Umstand, dass in lettischen Passivkonstruktionen das Handlungssubjekt durch Possessivpronomen bezeichnet wird, die mit den Bezugsnomen kongruieren, z. B.: dziesmas manas padziedātas, nava manas darinātas ‚wörtlich: meine Lieder sind gesungen, nicht meine geschaffen‘ (Gāters 1993: 220). Die subjektische (agentive) Bedeutung dieser Possessivpronomen lässt sich anhand der Annahme erklären,

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dass sie hier früher verwendete Genitivformen ersetzt hätten, die dem possessiven Genitiv des Litauischen entsprechen und gelegentlich in lettischen Dialekten vorkommen8.

2.8. Der Genitiv konnte in adnominalen Konstruktionen mit Passivpartizipien, insbesondere im Präsens, auf ähnliche Weise auch eine Objektbedeutung erhalten, z. B.: tabako trinamas medelis LEX 70, šiandų varomoji lentelė (stogui dengti) ŠTS, alaus daromas kubilas JNŠ, vgl. tes mums sakamassissi Szodis MT BĮ XV, gėlėmis ieškomas Szwinnas (ein Bleywurf) MŽ, 8); seltener mit Partizipien der Vergangenheit (*-to): mėšlo vežti ratai PN. Ein solcher Gebrauch ist auch im Lettischen belegt, vgl.: līnu plūcams (raujams) laiks MEII 405 ‘Zeit, in der Flachs gerauft wird’, zivju duramais zēberklis MEIV 800 ‘Harpune, mit der Fische gestochen werden’; līka vesti kumelīni BW 27495 ‘Pferde, die einen Toten fahren’ (siehe auch Ambrazas 1990: 84–85, 92). Diese Konstruktionen lassen sich ebenso wie die erwähnten subjektischen durch eine Umgruppierung der syntaktischen Beziehungen (Reanalyse) erklären: Der Genitiv, der zuvor vom Bezugsnomen (allein oder zusammen mit einem adjektivischen Partizip) abhängig war, wurde als Objekt der Handlung des Partizips umgedeutet. So avelių {kerpamos žirklės} → {avelių kerpamos} žirklės, vgl. avelių žirklės und kerpamos žirklės, ebenso lett. mutes {mazgājamais ūdens} → {mutes mazgājamais} ūdens ‘Wasser, mit dem der Mund gewaschen wird’, vgl. mutes ūdens ‘Mundwasser’ (MEIV 405). Der Objektgenitiv ist hier ebenso wie der Subjektgenitiv mit Partizipien verbunden, ähnlich wie er seit jeher mit Verbalabstrakta verbunden war, vgl. avelių kirpimas und avelių bliovimas (siehe 3.11).

In bestimmten Fällen kann der Objektgenitiv mit Passivpartizipien anstelle des Akkusativs verwendet worden sein, nach dem Vorbild passivischer Konstruktionen mit Subjektgenitiv: Lekia / bėga kaip galvos (galva) pardaužtas KRTN, LKV, MC; Blaškos it dantų gelams DAUKD 168.

2.9. Der Subjektgenitiv (wie auch der Objektgenitiv) tritt mit Passivpartizipien meistens in Verbindungen auf, die attributive oder appositive Funktion haben. Dies wurde auch im Lettischen beobachtet (Porīte 1955: 153–154; Gāters 1993: 295–296). Verbindungen von Passivpartizipien mit einem Subjektgenitiv können jedoch auch als Prädikat auftreten, vgl.:

Brolelių pirktu (žiedeliu) aš nesidžiaugsiu NIEM 7 – Jei žiedelis bernelio pirktas, skandinčia į dugnelį LTR; Čia mano statytas tvartas VRN – Mūs kluonas dā dieduko statytas DGLŠ; Žento baramas eik pro duris, sūnaus baramas lipk ant pečiaus AN – Boba buvo visų barama PN.

Ähnlich treten auch die entsprechenden lettischen Verbindungen als Prädikat auf, z. B.:

laužu pelta tā meitiņa ‘žmonių peikta ta mergina’ (Mūlenbachs 1928: 209); ābelīte vēja lauzta ‘obelaitė vėjo laužta’ (Gāters 1993: 295). Tas šķūnis vēl tēva taisīts ‘ta daržinė dar tėvo statyta’ (Holvoet 1997: 125).

8 Zur Möglichkeit eines baltischen Ursprungs der possessiven Genitivformen *menā, *tevā, *sevā siehe Rosinas (1988: 167–173; 1995: 26); Schmalstieg (1997: 119–120); zu ihrem möglichen Zusammenhang mit den possessiven Genitiven des Indo-Iranischen Euler (1998: 75). Eine abweichende Auffassung zur späteren Entstehung der possessiven Genitivformen findet sich bei Holvoet (1995: 177); Petit (1999: 215–225) mit Lit.

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Auf der Grundlage von Verbindungen dieses Typs könnte sich ein dreigliedriges Passiv herausgebildet haben, das in den westlichen Dialekten des Litauischen belegt ist, z. B.:

Gal sakysit, kad ir šitos (gėlės) jūsų sodintos? Klm; Kad jis būtų taip visų mylimas, kaip sakai Jablonskis (1957: 319); Rodos, aš daugiau esu jūsų pačių skriaudžiamas Žem 350; Klebonas buvo prieveiktas čigono PL9.

Dennoch ist auch in diesen Dialekten das dreigliedrige Passiv mit kongruierenden Passivpartizipien viel seltener als das zweigliedrige. Beispiele dafür finden sich auch in Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts, die Merkmale der westaukštaitischen und žemaitischen Dialekte widerspiegeln:

Jeden Tag werden wir in Sünden und Schlechtigkeiten hineingeführt / bald vom Teufel / bald von einem bösen Menschen / bald von unserem eigenen Leib BP II 5318–21; der Mensch... ist den Würmern zur Speise BP II 51116; worauf jeder von Gott berufen ist, daran sollen wir arbeiten BP II 9715; Und er verschied, und als der Reiche starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen BP II 1916–8 (vnd ward getragen von den Engeln LB Lk 16,22); bei busit muschti uisų Neprietelių BrB III Moz 26,17 (vnd solt geschlagen werden fur ewren feinden LB).

2.10. In Passivkonstruktionen mit bestimmten Passivpartizipien (insbesondere solchen von Wahrnehmungsverben) kann das Handlungssubjekt durch den DATIV ausgedrückt werden, z. B.:

Ar tau girdėtas toks vardas? Smn; Ten būsi visiems matomas Žg; Vyrui mažai tėra įkandami grynai moteriški verslai JABL (LKŽV 391); Niekam nesuprantamas daiktas IGN.

Der Dativ wird mit Passivpartizipien bereits seit den ältesten Schriftzeugnissen auf diese Weise verwendet, z. B.:

Dala swieto akims regima 3SD 226–227; szinom umus ira MŽ 10616 (So ist euch als Christen unerboren MCh 168–169); kas iem nūg Adama priegimta ira MŽ 1047 (was jm von Adam angeborn ist MCh 166); tas pats Pasauintinis buwa paszytams Wiriausemkungui VEE 1942 (lünger / der dem Hohenpriester bekand war LB Jn 18,15) (siehe auch Fraenkel 1928: 126).

Ein solcher Subjektdativ unterscheidet sich vom Genitiv dadurch, dass er die Person oder Sache bezeichnet, hinsichtlich derer ein Zustand beurteilt oder beschrieben wird (vgl. „das Für-wen-eine-Sache-zutrifft“ Jablonskis 1957: 599). Damit steht er dem Dativ nahe, der bei kongruierenden und sächlichen Adjektiven verwendet wird, vgl. man aiškus / aišku, visiems svarbūs / svarbu und dergleichen. Bei Verbaladjektiven, die Eignung, Möglichkeit oder Notwendigkeit bezeichnen, z. B.: tinkamas, galimas, reikamas, sowie bei Notwendigkeitsformen mit dem Suffix -tinas, -a wird ausschließlich der Dativ verwendet. Auch in Konstruktionen mit Passivpartizipien von Wahrnehmungsverben ist ein modaler Beiklang der Möglichkeit oder Notwendigkeit zu spüren. Er ist auch den meisten lettischen *-mo-Partizipien eigen, die mit dem Dativ verbunden werden, vgl. Sila zeme man arama BW 5220 ‘Waldland, das für mich zu pflügen ist (= zum Pflügen)’; kas man bija

9Weitere Beispiele siehe Jablonskis (1957: 312–318; 586–588); Ulvydas, Hrsg. (1971: 162–167); aus der Standardsprache – Slizienė (1974).

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nerėzdama BW 95,1 ‚was mir unsichtbar war‘ (Endzelīns 1951: §429; Gāters 1993: 125). Es ist möglich, dass die für den heutigen Sprachgebrauch typische Ziel- und Zweckbedeutung dieser Konstruktion den Boden bereitete (vgl. Brugmann 1911: 558–559). In anderen Fällen verbreitete sich der Subjektsdativ im Litauischen stärker und konkurriert nicht mit dem üblichen Subjektsgenitiv.

2.11. Die Bedeutungen des Agens (Handelnden) und des Mittels der Handlung (Instruments) stehen bisweilen miteinander in Zusammenhang. Daher können Erscheinungen, die bestimmte Zustände hervorrufen (gewöhnlich Naturerscheinungen), in Konstruktionen mit passiven Partizipien sowohl durch den Genitiv als auch durch den Instrumental ausgedrückt werden, vgl. žemė esti sniegu / sniego nuklota; miestas apsuptas kalnais / kalnų usw. (siehe Senn 1966: 427–428; Paulauskienė 1979: 99; Schmalstieg 1987: 182–183; Sawicki 1991; Šukys 1998: 230–231). Der in der Bedeutung eines Mittels verwendete Instrumental wurde in einigen Sprachen (indoiranischen, slawischen; vgl. 2.5) als Kasus des Agens in Passivkonstruktionen verallgemeinert; im Litauischen setzte sich diese Tendenz jedoch nicht durch und ist nur in Fällen metaphorischen Gebrauchs zu beobachten, z. B.: Kol parvažiuavo namo, visi arkliai ir karieta aptūpti karveliais SL 156 (LKŽXVII 66). Gelegentlich kommen solche Konstruktionen in älteren Schriftzeugnissen vor, z. B.:

Nęsa kurie Dwasse Diewa yra wedami VEE 96, Denn welche der geist Gottes treibt Rom 8,14); szidu wiresniss mestas daugiu tukschstancziu smanių apsestas ira WP 9835–36

Im Übrigen wird der Instrumental des Mittels bei passiven Partizipien in solchen Fällen verwendet, in denen er auch mit entsprechenden aktiven Partizipien oder finiten Verbformen im Aktiv in Verbindung gebracht werden kann.

2.12. Neben dem präpositionslosen Genitiv wird das Handlungssubjekt in älteren Schriftzeugnissen auch durch die Konstruktion nuog(i) + GEN. ausgedrückt, z. B.:

Luther wurde vom Bischof ordiniert DP 20436–37 (Luther wurde vom Bischof ordiniert3W 21247); Ich halte mich für gering geachtet, damit ich von euch gerichtet werde VEE 55–6 (dass ich von euch gerichtet werde LB I Kor 4,3); damit er von einem rechtschaffenen Mann geliebt würde SPI 22326 (und von ihm geliebt wurde); ich wurde vom Feind versucht – ich wurde vom Feind versucht SPI 24–25; das Kind wird vom Priester gebraucht WP 46a14; damit sie vom Heiligen Geist belebt würden MT 203a16–17 (durch den Heiligen Geist belebt werden); wenn wir vom Herrn gerichtet werden, werden wir zurechtgewiesen MT 13520–21 (Wenn wir gerichtet werden, werden wir vom Herrn zurechtgewiesen).

Solche Präpositionalfügungen verbreiteten sich in älteren Schriftzeugnissen unter dem Einfluss des Polnischen und Deutschen; besonders häufig sind sie in den Schriftzeugnissen von Autoren aus Ostlitauen (Palionis 1967: 179–180). Sie haben jedoch auch im Litauischen selbst eine gewisse Grundlage. Die Präposition nuo + GEN. bezeichnet in anderen Fällen die Quelle einer Handlung, z. B.:

von wem hast du den Brief bekommen? PG; ich erhielt Geschenke vom Sohn KtK; von anderen habe ich gehört KtK.

Auch die Vermittlungsbedeutung steht dem Subjektsgenitiv nahe, z. B.:

siųstas esti angelas Gabriel nog Dewa WP 1157–8, vgl.: Yr atsiustos dovanelės nuo jauno bernelio JD 481;

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Von hier ist es nur noch ein Schritt bis zu Äußerungen wie

damit man nicht irgendwann auch von der Frau Gottes so genannt würde WP 491–3.

Ähnlich verhält es sich mit der Kennzeichnung des Handelnden und der Bedeutung des Urhebers der Handlung, vgl.:

von Gott geboren sind VEE 12,19 (Jn 1,13) – und du bist geboren / von der Jungfrau Maria Mž 747–8

(vgl. auch Fraenkel 1929: 110). Konstruktionen mit nuo + GEN., die das Subjekt der Handlung eines passivischen Partizips bezeichnen, kommen in Dialekten und in der Folklore vor, z. B.:

du wirst von Menschen geehrt Ktk; vielleicht wird hier ein Mensch vom Blitz getroffen KRg; das Mädchen auf dem Brett, von Brüdern und Schwestern mit Seidenstoffen bekleidet LTR (Auk); hier wirst du von deinem Mann geliebt leben KlvD und dergleichen (Ulyvdas, Hrsg. 1971: 601; LKŽVIII 902; vgl. auch: bleib, wie es dir von Gott bestimmt ist! DonAG 37).

Entsprechende Konstruktionen im Lettischen stehen ebenfalls mit dem Gebrauch von nuo + GEN. zur Bezeichnung der Quelle der Handlung in Zusammenhang, vgl.: piedzimu... no večiem ļautiniem BW 3002 ‚ich wurde... von alten Leuten geboren‘ und Žēli raud sērdienīte no bajāra (Variante – GEN. ohne Präposition: bajāriņa) bildināma BW 5117 ‚traurig weint das Waisenmädchen, vom Edelmann (Edelmännlein) umworben‘ (Endzelīns 1951: § 542; 1971: 435–436; Gāters 1993: 297). Es ist daher möglich, dass die deutschen Konstruktionen mit von und die polnischen mit od auch in anderen Fällen die in Litauisch und Lettisch beobachtbare Tendenz gefördert haben, die Bedeutung des Genitivs durch eine Präposition zu verstärken (vgl. Fraenkel 1928: 96; 1929: 112–113; Gāters 1993: 296–297; Schmalstieg 1999: 24–25).

2.12. Das dreigliedrige Passiv mit flektierten Partizipien im Maskulinum und Femininum sowie einem Subjekt im Genitiv ist für die standardsprachliche Schriftsprache am typischsten. Seine Wahl wird hier durch die aktuelle Satzgliederung, das Bestreben beeinflusst, das Handlungsobjekt an den Satzanfang zu stellen und zugleich den Handelnden anzugeben, durch die Beziehungen des Satzes zum vorangehenden Kontext sowie durch weitere Anforderungen an die Gestaltung eines zusammenhängenden Textes. Die Rolle dieser Faktoren wird dadurch deutlich, dass dreigliedrige Passivkonstruktionen dieselbe Situation ausdrücken wie die entsprechenden Aktivkonstruktionen. Darin unterscheidet sich das dreigliedrige Passiv vom zweigliedrigen, das eine besondere Funktion der Subjekttilgung und einen wesentlich breiteren Anwendungsbereich hat.

3. PASSIV MIT PASSIVPARTIZIPIEN DES NEUTRUMS

3.1. Passivkonstruktionen mit Partizipien des Neutrums auf *-to- und *-mo-Suffixen, deren Verbreitungsgebiet die meisten oberlitauischen Dialekte umfasst10, unterscheiden sich hinsichtlich des Gebrauchs des Subjektgenitivs deutlich von den besprochenen Konstruktionen mit kongruierenden Partizipien. Der Subjektge-

10Eine kartographische Übersicht dieser Konstruktionen auf der Grundlage der Daten des Karteikatalogs des Atlas der litauischen Sprache findet sich bei Ambrazas (1977: 37).

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nitiv ist in ihnen häufig und üblich, und die Konstruktionen selbst weisen in vielen Fällen besondere modale Nuancen auf.

Besonders häufig ist der Subjektgenitiv mit INTRANSITIVEN Partizipien des Neutrums verbunden. Personen – Handelnde oder Träger eines Zustands – werden durch Possessivpronomen im Genitiv (a), andere Pronomen (b) und Substantive (c) bezeichnet:

(a) Hier weide ich, nicht du Sb; Wer hat hier gelebt? PL; Ich habe viel gedient Kpč; Vielleicht habe auch ich hier Spuren hinterlassen RdN; Du bist früh aufgestanden Rk; (b) Und er ist zum Markt gefahren Ktk; Hier haben sie gegessen JN; Wie viel sind wir dort gelaufen? Ds; Man sagt, sie hätten gestohlen DGL; (c) In jenem kleinen Birkenwäldchen sucht der Vater Pilze JNš; Wo die Schwester hingefahren ist, mit Rauten bestreut und die Brüder daneben geritten sind ALVT; Um das Feuer herum hat die Jugend getanzt BSO 111.

Auch Genitive von Substantiven, die Tiere (d) oder unbelebte Gegenstände (e) bezeichnen, treten mit intransitiven Passivpartizipien des Neutrums auf:

(d) Nemačiau, ka(d) pupose vištos tupima VŽnS; Karvės ineita kluonan VRN; Čia šunio bėgta PRN, VLK, ŠLČ, Rk; Pažiūro ir žino: šokta kiškio DRSK; Čia kiškio gulėta, čia lapės kasta VLK; Atsigodota katino ir ateita namo Ds; (e) Žemės džiūstama ir išdžiūstama Ds; Žymu buvę, kad girijų čia snausta BARANAŠ 213; Paršelis išsižiojęs, kraujo net patekęta iš burnos Klt; Tę namo degta Ob; Čia trobos būta Jablonskis (1957: 466); Visų turtų išnykta, é tiktai bandelės, kurių buvo davęs ubagui, telikta BM 40 (LKŽVII 497)¹¹.

3.2. Der Genitiv, der das Zustandssubjekt bezeichnet, tritt sehr häufig mit Passivpartizipien des Neutrums des Verbs būti „sein“ auf:

Hier gibt es wohl auch Pilze Kp; Auf der anderen Seite gibt es gute Weiden JNš; Die Burschen gingen hinein und schauten sich um, ob dort zwei Mädchen seien Ds; Und wessen war das dort? DBG; Er war da und ging fort SLM; In Žirmiai gab es Kinder SKP; Früher gab es dort Pilze MLT.

Wenn das mit dem Genitiv verbundene Passivpartizip von būti die Funktion einer Kopula übernimmt, erhält auch der nominale Prädikatsteil eine kongruierende Genitivform, z. B.:

Er ist noch am Leben BM 18; Alle sagten: „Ein guter Mensch“, doch er war der Letzte GMŽ; In der Nacht war es sehr windig Ob.

Das mit dem Subjektgenitiv verbundene Partizip būta übernimmt in Verbindung mit einem anderen Partizip des Neutrums die Funktion eines Hilfsverbs:

11 Taigi taisytinas Masayoshi Shibatani (1998: 123–124) aiškinimas, jog lietuvių kalbos beasmenis pasyvas (t. y. pasyvas su bevardės giminės neveikiamaisiais dalyviais) esąs daromas tik su žmones reiškiančiais protagonistais (subjektais), o gyvūnus bei daiktus reiškiančios jų formos čia esančios „negramatiškos“. Iš tikrųjų jos yra tik retesnės.

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Wir hatten uns schon hingelegt, als er kam Kp; Ich war eingeschlafen, weißt du MlT; Er war schon fortgegangen Brž; Er war bereits weggegangen ALz, ALN, Mlt, Vlkv und andere; Aneliutė war gekommen Vžns.

Als Hilfsverb treten mit Partizipien des Neutrums auch finite Formen des Verbs sein auf, vgl.:

Hier haben offenbar irgendwann Menschen gelebt Sk; Die Hasen sind ja zu den Apfelbäumen davongelaufen Vkš; Und die Kraniche hatten dort gesessen Sb; Ich fand ihn nicht mehr, er war schon weggegangen ALN; Ich verschwand für eine Weile, und er war damals schon da gewesen Ss; Ich hatte zwanzig Jahre gedient Žd; Wir werden schon abgefahren sein Ds; Geht nicht, er wird bereits abgefahren sein Kp.

3.3. Wesentlich seltener wird der Genitiv des Subjekts mit TRANSITIVEN (objektiven) passiven Partizipien des Neutrums verbunden. In solchen Fällen liegen dreigliedrige Passivkonstruktionen vor, in denen das Handlungsobjekt im Nominativ ausgedrückt wird:

Mat ir jų laikoma arklys Jablonskis (1957: 587); Vaikų buvo kėpama bulvės Ds; Mūs čia trys eilės apvažiuota VLk; Jos mokėta rublis Ktk; Jo dar nušpirkta arkliukas Vs (LKT 381); Aš eisiu: tę kilpinis mano pastatyta Pš; Jo ir grūzta padaryta, ir vištukai atpudyta Rdm; Jos jaunos turėta geras balsas Mrc; Mūsų svetelių kiaulės ganyta PRNG; Šitas sodas tai mano sodinta Dkk (plg.: Anos (obel ys) gi mano rankom sodintos AD).

Wie in Konstruktionen mit intransitiven Formen kann das transitive Neutrum-Partizip auf *-to ein Hilfsverb haben (gewöhnlich im Präteritum oder Futur):

Bei mir war so ein Baumstumpf eingesetzt worden Ob; Bei mir wurde immer alles fertig gemacht, ausgehöhlt, gekocht, abgewaschen Rg; Bei ihnen waren hier Getreidekörner ausgesät worden Prn; Dieses Pferd wird von ihm gestohlen und verkauft worden sein Kp.

3.4. Konstruktionen mit transitiven und intransitiven Partizipien des Neutrums sind semantisch insofern ähnlich, als in beiden Fällen ein Zustand ausgedrückt wird, der aus einer verallgemeinerten Handlung (mit Partizipien im Präsens) oder einer zuvor vollzogenen Handlung (mit Partizipien im Präteritum) hervorgeht. Konstruktionen mit transitiven und intransitiven Partizipien kommen nicht selten im selben Satz vor, z. B.:

Man setzte sich beim Baumstumpf des Bettlers hin, machte Feuer und ging weiter PšL; Nachts kamen Diebe, brachen den Speicher auf, luden alles auf den Wagen und fuhren davon Jablonskis (1957: 310); Man flog aus der Eiche wie ein Käfer, und der Hals wurde verdreht (ibid.).

Konstruktionen mit passiven Partizipien des Neutrums werden nicht verwendet, um eine gerade stattfindende oder in der Vergangenheit stattgefundene konkrete Handlung auszudrücken. Beispielsweise bezeichnet der Satz Vom Menschen waren Roggen ausgesät worden AUK einen vom Sprecher beobachteten Sachverhalt und unterscheidet sich damit vom Satz Der Mensch säte Roggen, der eine in der Vergangenheit vollzogene Handlung bezeichnet. Die Feststellung eines Zustands bildet den inhaltlichen Kern von Sätzen mit Neutrumformen.

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3.5. Der mit Partizipien des Neutrums ausgedrückte Zustand kann völlig unpersönlich sein und auf kein Subjekt oder Objekt bezogen werden, z. B.:

So ist es nun einmal JNšk; Žū – hier wird schon gepflügt Kp; Hier hat es überhaupt nicht geregnet Imb; Über Nacht hat es leicht geschneit GrŽ (vgl.: Es hatte frisch geschneit Slk); Früher wurde zu jener Zeit schon gemäht TrG; Man musste weit in die Städte fahren, um Salz zu holen BTG; Du gehst hin, und dann ist es erledigt MŽs.

Solche Konstruktionen sind seit den ältesten Schriftdenkmälern unabhängig vom Einfluss fremdsprachiger Quellen weit verbreitet, z. B.:

kalbama ira BrB IV Moz 21,14 – spricht man LB (buwa BP₁₆₉₁₈); žinoma ira SP₁₁₃₇₁₁, 145₅, 159₆; buwa prisch ios karaughema BrB TEIS 5,20 – ward wider sie gestritten LB; liepta iür nuimte... rubus SP₁₁₇₀₁₀; bus kalbeta Czebuwims BrB IV Moz 14,14 – man wird sagen zu den einwonern LB; Tüieg budu tur... darjta buti BrB II Moz 21,31 – Desselben gleichen sol man... handeln LB (siehe dazu Ambrazas 1990: 198).

Die Daten des Altpreußischen bestätigen den baltischen Charakter unpersönlicher Konstruktionen mit Partizipien des Neutrums, vgl.:

bhe kai stesmu nimassi kittawidin pogalbton būt III 115₂₄–₂₅ – vnnd das jhm nicht anders geholffen werden möge ‚und dass ihm nicht anders geholfen werden kann‘; Beggi titet stalli peisāton III 105₂₁ – Denn also stehet geschrieben (vgl. kaip knigase ira parašita SP₁₁₇₂₃).

Dass entsprechende Konstruktionen auch im Lettischen verwendet wurden, bevor das Neutrum verschwand, zeigen solche Relikte in den Dialekten wie jau diezgan gulēta ‚schon genug geschlafen‘ (Dzintars, Ozola 2000: 78), ebenso Sätze, in denen das Neutrum der Partizipien durch das Maskulinum ersetzt wurde, der Typ und die Bedeutung der unpersönlichen Konstruktion jedoch erhalten blieben, vgl.: pie visiem jau bij būts ME₁ 359 ‚bei allen war man schon gewesen‘; jau diezgan strādāts ‚schon genug gearbeitet‘ (Endzelīns 1951: 984; Mülenbachs 1928: 156, 192); (ausführlicher Ambrazas 1990: 199). Ähnlich wurde in einigen litauischen samogitischen Mundarten das Neutrum durch das Femininum ersetzt, vgl.: Kaip lieptā, taip ir dirbk Als; in einigen Mundarten wurde es jedoch auch wie im Lettischen durch das Maskulinum ersetzt, z. B.: Nu, sako, tai man beigts (der Hof brennt) Trk (Girdzinas 1998).

Die Entsprechungen in anderen verwandten Sprachen zeigen deutlich, dass der Gebrauch unpersönlicher Neutrumformen der Partizipien (bzw. der Verbaladjektive) ein Erbe aus der fernen indogermanischen Vorzeit ist (vgl. altkirchenslaw. vъzęto bǫdetъ ASSEM Lk 8,18 – ἀφθήσεται ‚wird genommen werden‘, řečeno estъ MAR Lk 4,12 – εἴρηται ‚ist gesagt‘, lat. dictum est ‚ist gesagt worden‘, itum est ‚ist gegangen worden‘, pugnatum est ‚ist gekämpft worden‘ u. Ä.), vgl. Brugmann (1925: 36–41); Hartmann (1954: 127–138; 166–170); Janke (1960: 58–62); Chodova (1980: 230–233).

Zum indogermanischen Erbe gehören auch zweigliedrige Konstruktionen, in denen Neutrumformen von Verbaladjektiven (bzw. Partizipien) mit einem Nominativ verbunden sind, der den Patiens der Handlung bezeichnet (rugiai sėjama / sėta). Sie haben ebenfalls deutliche Entsprechungen in verwandten Sprachen und entsprechen in ihrer Struktur den Nominalsätzen alten Typs (pienas sveika, alus gardu u. Ä.; siehe Ambrazas 1979: 200–202; 1990: 200–204).

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3.6. Die Verwendung des Subjektgenitivs mit Passivpartizipien des Neutrums wird unterschiedlich erklärt.

Williamas Mathewsas (1955) ir Pavelas Trostas (1960) laikė beasmenes konstrukcijas su bevardės giminės neveikiamaisiais dalyviais pirminėmis, seniausiomis, o subjekto genityvą – jų vėlesniu išplėtimu. Dėl bevardės giminės formoms būdingos beasmenės reikšmės dalyviu žymimo veiksmo subjektas čia negalėjęs būti nusakytas veiksnio nominatyvu, tad lietuvių kalboje jis gavęs genityvo, rusų kalbos tarmėse – genityvo su prielinksniu formą. Taip atsiradusi konstrukcija, panaši į ergatyvines, susiformavusias indoiranėnų kalbose vėlesniais jų raidos laikais (Matthews 1955: 367–371). Panašiai ir Kari Liukonenas (1995) manė, kad subjekto genityvas čia galėjęs išplisti dėl konstrukcijos „antrinės personifikacijos“, kaip plinta nominatyvas prie beasmenio pasyvo formų suomių šnekamojoje kalboje. Tačiau tokios suomių kalbos konstrukcijos yra naujos, ryškiai skiriasi savo sandara ir įžiūrėti jų bendrą kilmę sunku (Christen 1998).

Jūris Maranas (1973) ir Letas Palmaitis (1977: 116–117) subjekto genityvą, siejamą su bevardės giminės neveikiamaisiais dalyviais, jau tiesiogiai kildino iš ergatyvo, o objekto nominatyvą – iš absoliutyvo ir manė, kad ta konstrukcija yra ankstesnio indoeuropiečių sakinio sandaros tipo liekana.

3.7. Die Hypothese über den Zusammenhang zwischen dem Subjektgenitiv und dem Ergativ wurde am ausführlichsten von William R. Schmalstieg entwickelt12. Den Genitiv in Konstruktionen mit transitiven Partizipien des Neutrums betrachtet er als Archaismus, der aus einer Zeit ererbt wurde, als die Struktur der indogermanischen Ursprache vom halbergativischen Typ war, d. h. ergativisch in Sätzen mit Vergangenheitsformen und akkusativisch in Sätzen mit Präsensformen (sog. split ergativity). Der Subjektgenitiv sei hier aus einem Ergativ hervorgegangen, der den Agens bezeichnete, und das Partizip Präteritum Neutrum aus einer flektierten Vergangenheitsform mit *-to, die der 3. Person Singular des Mediums im Altindischen und Griechischen entspricht (altind. ákṛta ‚er machte‘, gr. ἐγένετο ‚es geschah‘ u. Ä.).13 Andererseits seien Sätze im Präsens nach einem akkusativischen Modell gebildet worden. Später habe sich die akkusativische Struktur auch in Sätzen mit Vergangenheitsformen durchgesetzt. In dreigliedrigen Konstruktionen sei der alte Ergativ dann als Genitiv des Agens in einem Passivsatz neu interpretiert worden (genitivus auctoris), das Absolutivum als Subjektnominativ. Der agensbezogene (Täter-)Gebrauch des Genitivs gilt demnach als primär und ererbt.

Nach dieser Hypothese lassen sich unmittelbar nur Genitivkonstruktionen mit transitiven *-to-Partizipien aus dem Ergativ ableiten, während Konstruktionen mit *-mo-Partizipien als Neubildungen gelten, die analogisch entstanden sind. Ebenso wird angenommen, dass auch die Neutrumkonstruktionen mit Genitiv und intransitiven *-to-Partizipien neu sind, da sie sich nicht in das rekonstruierte ergativische Modell einfügen (in zweigliedrigen Sätzen ergativischen Typs wäre ein Absolutivum bzw. Nominativ zu erwarten). Es wird angenommen, dass in zweigliedrigen Sätzen mit intransitiven Partizipien der Genitiv nach dem Vorbild dreigliedriger Konstruktionen den Nominativ ersetzt habe, d. h. tėvo gulėta < *tėvas gulėta nach dem Vorbild von tėvo sėta rugiai. Dies lässt sich nicht leicht beweisen, da Sätze mit Subjektgenitiv

12 Die ursprüngliche Fassung dieser Hypothese findet sich bei Schmalstieg (1976; 1978; 1980: 177). Anschließend wurde sie in späteren Arbeiten präzisiert, detailliert und weiterentwickelt (1982; 1985; 1987: 34–39, 128–142; 185–192; 1994; 1995; 1999 u. a.).

13 Zum Zusammenhang des Passivsuffixes *-to mit der 3. Person des Mediums siehe Hirt (1928: 102); Watkins (1969: 113–114).

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Nominativ und intransitive Neutrum-**-to*-Partizipien (wie *tėvas gulėta) sind nicht belegt14. Konstruktionen mit Subjektgenitiv und Neutrum-**‑mo und *‑to*-Partizipien entsprechen dagegen in ihrer Struktur dem Passiv, wie es für akkusativische Sprachen typisch ist (vgl. Ambrazas 1990: 210–211).

Die Ableitung des Subjektgenitivs mit intransitiven Passivpartizipien des Neutrums aus dem Nominativ stützt sich auf die Annahme, dass Sätze mit transitiven und intransitiven Verbformen einst eine unterschiedliche Struktur aufwiesen (nach dem rekonstruierten Modell ergativischen Typs). Der Gegensatz zwischen Transitivität und Intransitivität ist in den indogermanischen Sprachen jedoch wahrscheinlich nicht ursprünglich. Er trat im Verlauf der Entwicklung einzelner Sprachgruppen deutlicher hervor, und die Daten des Litauischen wie auch anderer verwandter Sprachen lassen seine allmähliche Verstärkung erkennen. Auch Schmalstieg stimmt dem zu, wenn er behauptet, indogermanische Verben und Partizipien seien einst im Wesentlichen intransitiv gewesen (1982: 121; 1994: 13; 1999: 29). Wenn dem so ist, dürfte es auch keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Konstruktionen mit Neutrum-Partizipien transitiver und intransitiver Verben gegeben haben, wie etwa tėvo ariama / árta und tėvo gyvenama / gyventa; der Genitiv könnte sich also in beiden Fällen ähnlich mit dem Neutrum-Partizip verbunden haben wie in den heutigen hochlitauischen Mundarten.

3.8. Anders erklärt Axel Holvoet (1994; 1995) den Subjektgenitiv mit Passivpartizipien des Neutrums. Ausgehend vom possessiven Ursprung des Genitivs betrachtet er dessen subjektische (agensbezogene) Bedeutung als neu; sie sei bei der Herausbildung des Passivs in einzelnen baltischen Sprachen entstanden15. Ursprünglich und ererbt sei eine adnominale possessive Genitivkonstruktion mit kongruierendem Partizip gewesen, z. B.: lett. mātes {adīti cimdi} ‚der Mutter {gestrickte Handschuhe}‘, lit. tėvo {pastatyta troba}. Durch eine in der litauischen und lettischen Sprache jeweils unabhängig erfolgte Reanalyse sei der Genitiv als Agenskasus interpretiert worden, z. B. lit. troba (buvo) tėvo pastatyta; anschließend sei er auf die unpersönlichen Passivkonstruktionen des Litauischen mit Neutrum-Partizipformen übertragen worden16. Man nimmt an, dass der Genitiv auf ähnliche Weise auch mit Partizipien intransitiver Verben verbunden worden sein könnte: Nach dem Vorbild von Vagies eitas kelias könnte *Šis kelias vagies eitas und *Šis kelias vagies eita gebildet worden sein; später sei eine Konstruktion dieses Typs durch eine unpersönliche ersetzt worden: Šiuo keliu vagies eita (Holvoet 1995: 80).

Auch diese Interpretation stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Gegen die Übertragung des Subjektgenitivs aus dreigliedrigen Passivkonstruktionen mit kongruierenden Passivpartizipien auf Konstruktionen mit Neutrumformen spricht vor allem, dass Letztere in dem litauischen Dialektgebiet verwendet werden, in dem kongruierende Passivkonstruktionen überhaupt nicht üblich sind. Außerdem sind dreigliedrige kongruierende Passivkonstruktionen vergleichsweise neu und viel seltener als solche mit nicht kongruierenden Neutrum-Partizipien und Subjektgenitiv.

14 Sätze mit kongruierenden verbalen *-to-Suffixadjektiven, die von intransitiven Verben abgeleitet sind, z. B. Oras šiltas/šaltas (von Schmalstieg 1999: 28–29 angeführt), folgen dem üblichen Modell der Adjektivsätze (vgl. Oras geras; Aš esu sveikas), während die Neutrumformen šilta, šálta nur mit einem Subjektgenitiv verbunden werden können, z. B. jū ten visą naktį šála (die Äußerung *jie šálta ist unmöglich).

15 Vgl.: „Ich nehme an, dass die Passivkonstruktion mit einer Agens-Ergänzung erst im Zuge der eigenständigen Entwicklung des Litauischen aus Konstruktionen mit possessiven adnominalen Genitiven hervorgegangen ist“ (Holvoet 1995: 181); siehe außerdem Holvoet (2001) mit zusätzlichen Argumenten.

16 Vgl. „In dieser Phase konnte der genetivus auctoris auch auf die unpersönlichen agentenlosen Passivkonstruktionen übertragen werden, die sich (wie im Lettischen) unabhängig entwickelt hatten“ (Holvoet 1995: 178).

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3.9. Der Passiv mit kongruierenden und nicht kongruierenden (Neutrum-)Partizipien entstand offenbar in der Zeit der eigenständigen Entwicklung der baltischen Sprachen17. Darauf weisen viele Umstände hin, darunter die Unterschiede bei den Hilfsverben (lit. būti, lett. tikt, tapt, kļūt), der rudimentäre Charakter des Ausdrucks des Agens im Lettischen und die unterschiedlichen Genusformen der Passivpartizipien in den litauischen Dialekten. Daraus folgt jedoch noch nicht, dass in Konstruktionen mit Neutrum-Partizipien allein die possessive Bedeutung des Genitivs ererbt ist. Hier empfiehlt es sich, auf die besondere Funktion der Neutrum-Partizipien hinzuweisen.

Nach dem Verschwinden des Neutrums bei den Substantiven fungieren Neutrum-Partizipien niemals als Attribute zu Substantiven. Daher ließe sich der mit ihnen verbundene Subjektsgenitiv nur schwer durch eine Reanalyse der possessiven Konstruktion erklären. Im Satz stehen passive Neutrum-Partizipien wie Adjektive meist als nominaler Teil des Prädikats, können aber auch als Subjekt oder Objekt auftreten, d. h. sie haben für Substantive typische Funktionen, z. B.: Šukta nedarūta Sb; jie rado šauniai, daug išvogta SCHG 319, vgl. Esu jau ir šilta ir šalta matęs usw. (Jablonskis 1957: 205–206; Fraenkel 1921: 35–36; Valeckienė 1984: 98–99). Den Verbalnomen steht auch die verallgemeinerte Zustandsbedeutung der passiven Neutrum-Partizipien nahe (vgl. Ulvydas, red. 1965: 526; 1976: 374; Ambrazas, red. 1997a: 169). Aufgrund ihrer funktionalen und semantischen Nähe können die Neutrumformen der Passivpartizipien und Verbalnomen in denselben Kontexten verwendet werden, vgl.: Čia dar pernai buvo ganoma / ganiava, ganyklos; nebus jums atleista / atleidimo. Dass die semantische Nähe dieser Formen bereits im älteren Litauischen empfunden wurde, zeigen Beispiele, in denen Verbalnomen des Originals durch Neutrum-Partizipien wiedergegeben werden, vgl.: nei arta nei dagūta (pjauta) nebus BrB I Moz 45,6 – kein pflügen noch kein erndten sein wird LB; wis kas... uszkeikta ira IV Moz 18,14 – Alles verbannete. Ebenso wird auch das preußische Neutrum-Partizip billīton unabhängig vom Original substantivisch im Sinne von ‚das, was gesagt wurde; Äußerung‘ verwendet, vgl. ka ast sta billīton? – was ist das? III 278.

Die Nähe der Neutrum-Partizipien (und Adjektive) zu Verbalnomen, insbesondere zu Verbalabstrakta, hat tiefe historische Wurzeln18 und ist in vielen verwandten Sprachen beobachtet worden. Neutrum-Partizipien mit dem Suffix *-to wurden im Vedischen sehr häufig als Verbalabstrakta verwendet, z. B.: jātám ‘Geburt’, jīvitam ‘Leben’, mṛtam ‘Tod’, yātám ‘Gehen, Fahren’, gītám ‘Singen, Lied’ (Wackernagel, Debrunner 1954: 585–586); ebenso lateinische Neutrum-Partizipien auf -tum, z. B.: factum ‘das, was getan wurde, Tat’, dictum ‘das, was gesagt wurde, Äußerung’, inventum ‘das, was erfunden wurde, Erfindung’, propositum ‘Absicht’ usw. (Kühner 1912: 230–231). Bohuslav Havránek (1937: 111, 118) betrachtete alle slawischen Neutrum-Partizipien mit *-to, *-no, die die Bedeutung eines unpersönlichen Passivs haben, als aus prädikativ verwendeten Neutrum-Substantiven hervorgegangen (ebenso Janke 1960: 57). Das substantivisch verwendete litauische Neutrum-Partizip būta (vgl. būta ir pramanyta) entspricht genau dem russischen Dialektwort byto und hat bis heute dieselbe Bedeutung wie altind.

17 Plg. Ambrazas (1990: 191–197). Šiuo atžvilgiu autoriaus ir Holvoeto požiūriai sutampa, ir diskusija dėl tariamų bandymų nukelti pasyvą į baltų prokalbės laikus (Holvoet 1995: 176) neturi prasmės.

18 Plg.: „Der allgemeine Begriff einer Sache knüpft sich seit uridg. Zeit an das Neutrum“ (Brugmann 1911: 658); žr. dar Pedersen (1907: 159); Lagercrantz (1933: 20–22).

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bhūtám ‚Vergangenheit‘; litauisch sakýta, įsakýta und preußisch billiton entsprechen genau gotisch aibano ‚das, was gesagt wurde‘ (usfullnoda bata gibano Mt 27,9 – ἐπληρώθη τὸ ῥηθὲν ‚es erfüllte sich, was gesagt worden war‘); vgl. ferner lat. iussum ‚Befehl, das, was befohlen wurde‘, cēnsum ‚Bewertung‘ usw.

Tipologiniu požiūriu svarbus Kari Liukkonenno (1993) pastebėjimas, kad ir vakarų finų kalbų veiksmažodiniai daiktavardžiai su priesaga -ma / -mä, pvz.: suom. elämä ‘gyvenimas’, kuolema ‘mirtis’, sanoma ‘žinia’, yra plačiai vartojami kaip neveikiamieji dalyviai ir savo funkcija atitinka rytinių baltų *-mo dalyvius.

3.10. Im Litauischen wird der Subjektsgenitiv mit substantivisch gebrauchten passiven Neutrum-Partizipien ebenso verbunden wie mit anderen Verbalnomen. In dieser Hinsicht sind die Wortverbindungen mano gyvenama / gyventa arba tėvo dirbama / dirbta mit mano gyvenimas oder tėvo darbas vergleichbar; die Äußerung Ten mano gimta Šts bedeutet ungefähr dasselbe wie ‚dort ist meine Heimat‘; vgl. auch den folgenden Auszug aus moderner Prosa: Ką tai reiškia užgyventa? – O tą: ten gimei, ten mirei, ten vaikus užauginai, ten tavo ir užgyventa GRANGD. Den Ersatz einer substantivischen Genitivkonstruktion durch eine synonyme Partizipialkonstruktion sehen wir in Bretkūnas’ Überarbeitung der Bibel:

Persegnėtas bus tawa Pintinys ir tawa atliekama (anstelle des gestrichenen atstankas) V Moz 28,6 – gesegnet wird sein dein korb vnd / dein vbriges LB.

Im Lettischen ist das Neutrum der Partizipien bereits verschwunden, doch der Subjektsgenitiv kann mit einer substantivisch gebrauchten maskulinen Form verbunden werden, z. B.:

Tēva dotu, mātes dotu (= devumu, dāvanu) to sasēju nastinā (Mühlenbachs 1928: 209) ‘tėvo dovana, motinos dovana, tą surišau į nešulėlį’ (plg. duots ‘das Gegebene, die Sache’ ME, 536).

Solche Subjektsgenitiv-Verbindungen mit Neutrum-Partizipien auf *-to, die als Verbalabstrakta verwendet werden, haben direkte Entsprechungen im Vedischen (siehe Wackernagel, Debrunner 1954: 586), vgl. Ved. māma yātám ‚mein Gehen‘ und lit. māno ēita. Mit dem Litauischen lässt sich auch die ähnlich gebaute iranische Konstruktion *mana kṛtam ‚von mir gemacht; meine Arbeit‘¹⁹ vergleichen, vgl. lit. māno kūrta. Jamison (1981: 322–323) zufolge wurde der Subjektsgenitiv im Vedischen überhaupt am häufigsten mit substantivischen Passivpartizipien verwendet.

3.11. Verbalnomen, die mit einem Subjektsgenitiv verbunden sind, werden im Litauischen ebenso wie passive Neutrum-Partizipien meist von intransitiven Verben abgeleitet, z. B.: baisus jos verkimas VLKv; senų žmonių šnekta VN; pereis žuvų nerštas Jž (siehe auch Ulvydas, red. 1976: 204–205); ähnlich auch in den alten Schriften: ischejimas ia WP 52¹³; atsiverimas ziemes, dangaus ³SD 390¹⁷–¹⁸; io kerschta kaip ugnis dega BPₙ 213₁₄ usw. Bei Ableitungen von transitiven Verben tritt der Subjektsgenitiv seltener auf, vgl.: motinos meilė, draugo kvietimas, mokytojo pagyrimas. Ähnliches gilt für das Lettische, vgl.: bēru raudāšana / raudas ‚das Weinen der Kinder / Tränen‘, acu

Ši konstrukcija išsamiai nagrinėta daugelyje darbų, plg. Benveniste (1962: 52 tt.), Cardona (1970); Edel’man (1974); Haudry (1977: 409); Schmalstieg (1995: 19–20); Euler (1998: 75).

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redžėjums ‘akių regėjimas’ ir pan. (žr. Endzelīns 1951: § 400–401; Lepika 1954: 66–67; Ozols 1961: 183).

Bemerkenswert ist, dass im Litauischen bei Verbalnomen dieselben possessiven Pronomenformen verwendet werden wie bei passivischen Partizipien, z. B.: mein Weinen beneidete niemanden KLM; dieses dein Reiben taugt zu nichts SLNT; was ist das für ein Mitleid von dir – du weinst ohne Tränen LDK. Der Objektgenitiv hat dagegen eine nichtpossessive Form, vgl.: das Reiben an dir, das Finden deiner (LKŽXVI 1057); das Suchen / Warten auf mich usw. Dies zeigt, dass der Genitiv, der das Handlungssubjekt von Verbalnomen bezeichnet, ebenso mit dem Possessivgenitiv verbunden ist wie der bei passivischen Partizipien verwendete.

3.12. Der historische Zusammenhang zwischen den subjektischen und possessiven Bedeutungen des adnominalen Genitivs ist in vielen indogermanischen Sprachen seit Langem erkannt worden (vgl. Delbrück 1893: 342–352; Brugmann 1911: 599–604; Krahe 1972: 74)20, doch betonte bereits Brugmann (1911: 604), dass daraus noch nicht folgt, dass der Subjektgenitiv bei Verbalnomen aus dem Possessivgenitiv hervorgegangen ist. Spätere Untersuchungen legen nahe, dass die subjektische Bedeutung ursprünglich ist und den Grundstein für die objektische und andere Bedeutungen des adnominalen Genitivs gelegt hat21. Offenbar gehören der subjektische und der possessive Genitiv bei Verbalnomen und Partizipien zu einer umfassenderen Gruppe adnominaler Konstruktionen, die die Zuordnung eines Handlungsmerkmals zu einer bestimmten Sache oder Person ausdrückten. Der aus grauer Vorzeit ererbte und im Litauischen äußerst produktive Gebrauch des Subjektgenitivs bei Verbalnomen muss einer der Faktoren gewesen sein, die den breiteren Gebrauch des Subjektgenitivs auch bei neutralen passivischen Partizipien begünstigten, deren Bedeutung und Funktion den Verbalnomen ähneln. Daher ist verständlich, dass wir in beiden Fällen dieselben possessiven Genitivformen der Pronomen vorfinden.

3.13. Günstige Bedingungen für den Gebrauch des Subjektgenitivs bei neutralen passivischen Partizipien schuf das Zusammenfallen der subjektischen und partitivischen Bedeutungen des Genitivs in Sätzen, deren Prädikat Verben des Seins und Existierens (būti, gyventi) oder des Zustandswechsels (dygti, augti usw.) sind. In solchen Fällen bezeichnet der Genitiv, der eine unbestimmte Menge ausdrückt, zugleich das Subjekt (den Patienten) des Zustands; er ist sowohl von finiten Verbformen als auch von neutralen passivischen Partizipien abhängig, vgl.:

In unserem Wald gibt es noch Eichen; Hier gab es vor Kurzem Pilze.

Die partitivische Bedeutung des Genitivs wird durch den parallelen Gebrauch aktiver und passiver neutraler Partizipien deutlich, vgl.:

Wie viele Krähen es dort gibt! PLš – Hier soll es Käfer geben Mž; Heute Nacht hat es Wölfe gegeben PLš – Es habe viele Blaubeeren gegeben KP.

20 Apie agento (resp. subjekto) genityvą posesoriaus reikšme plg. dar Keenan (1986: 264).

21 Plg. Benveniste (1962: 17–18) apie konstrukcijas lot. ludus pueri ‘vaiko žaidimas’, risus pueri ‘berniuko juokas’ kaip vėlesnių mos pueri ‘berniuko įprotis’, liber pueri ‘berniuko knyga’ pagrindą. Apie kai kur galimą objektinio genityvo kilmę iš subjektinio žr. dar Haudry (1977: 66).

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Der den Zustandssubjekt (Patienten) ausdrückende Genitiv wird in ähnlicher Weise mit den finiten Formen des negierten Verbs nebūti sowie mit aktiven und passiven neutralen Partizipien verbunden, vgl.:

Hier gibt es / gab es kein Wasser;

Hier soll es kein Wasser geben / gegeben haben;

Hier ist kein Wasser vorhanden gewesen / vorhanden gewesen.

Es wurde bereits erwähnt, dass die neutralen passivischen Partizipien des Verbs būti (insbesondere das Partizip būta) sehr häufig mit dem Subjektgenitiv verwendet werden (siehe 3.2). Das Zusammenfallen beider Bedeutungen muss zur Etablierung des Subjektgenitivs in Konstruktionen mit neutralen passivischen Partizipien intransitiver Verben beigetragen haben, die einen Zustand bezeichnen. Die partitivische Bedeutung des Genitivs ist im Litauischen sehr gut erhalten geblieben, während der Gebrauch des Negationsgenitivs verallgemeinert und grammatikalisiert worden ist.

3.14. Der Subjektgenitiv wird im Litauischen bei neutralen passivischen Partizipien umfassender verwendet als in anderen verwandten Sprachen; dies deutet jedoch keineswegs darauf hin, dass die Konstruktion selbst neu wäre. Mit dem Verschwinden des Neutrums im Lettischen entfielen auch die Voraussetzungen für den Subjektgenitiv bei neutralen passivischen Partizipien. An seine Stelle trat der Nominativ Maskulinum Singular, der lediglich den persönlichen Gebrauch beibehielt, ähnlich wie der Nominativ Femininum Singular in einigen žemaitischen Dialekten des Litauischen (vgl. 3.5). In lettischen Konstruktionen mit kongruierenden passivischen Partizipien ist der Subjektgenitiv jedoch bis heute erhalten, vgl. etwa die von Indanė (1986: 101, 107) angeführten Beispiele aus dem Dialekt von Dignāja: burkāni peļu sagrauzti ‚die Karotten sind von Mäusen angenagt‘; deķi vēl mātes ausi ‚die Decken hat die Mutter noch gewebt‘ (vgl. Mülenbachs 1928: 209; Endzelīns 1951: § 398; Gāters 1993: 295–296), siehe auch 2.7–8. Ein solcher Subjektgenitiv wurde wahrscheinlich auch mit den lettischen neutralen passivischen Partizipien verwendet, bevor diese verschwanden.

Deutliche Parallelen finden sich in den nordrussischen Dialekten, wo der Subjektgenitiv mit der Präposition u oder ot bei transitiven und intransitiven passivischen Partizipien auf *-to und *-no weit verbreitet ist, darunter auch beim Partizip byto (vgl. lit. būta), z. B.: u tebja vezde byto ‚bei dir ist überall gewesen‘; u doždžja (=doždja) byto ‚es hat geregnet‘; u nego vypito ‚von ihm wurde getrunken‘; u menja otodchuto ‚bei mir ist ausgeruht worden‘; ot Pet’ki pisano ‚von Pet’ka wurde geschrieben‘ usw. (siehe Matveenko 1961: 121–128; 1970; Kuz’mina, Nemčenko 1971: 18–19; Kuz’mina 1984: 27; Sabenina 1983: 56; Sobolev 1998). Die Konstruktion ist auch in altrussischen Texten belegt, z. B.: ot te zapovědano obnoviti vetčhii mir LAVR. 11 ‚dir ist versprochen worden, die alte Welt zu erneuern‘ (Borkovskij 1968: 172–173). Man nimmt an, dass die Präpositionalphrase hier einen älteren präpositionslosen Genitiv ersetzt hat22, ähnlich wie griechisch ὑπό + GEN. (zum präpositionslosen Subjektgenitiv im Griechischen siehe Schwyzer 1975: 119). Die entsprechende Präpositionalphrase nuo + GEN. wurde im Litauischen und Lettischen deutlich durch das Polnische und Deutsche gefördert (vgl. Palionis 1967: 179–

22 Schmalstieg (1980: 177–178; 1985: 31; 1995: 7–8, 14; 1999: 25). Šiuo atžvilgiu pažymėtinas subjektą reiškiančių u + GEN. konstrukcijų (u menja otodchnuto) ir neprielinksninio genityvo su verba finita (volkov zdes’est’) arealų sutapimas šiaurės rusų tarmėse, plg. Kuz’mina (1984: 27–29).

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180; Endzelīns 1951: § 542), doch die Dialekt- und Volkskundedaten legen nahe, dass sie auch innere Entwicklungsmotive hat (vgl. 2.11). Präpositionale Konstruktionen mit der Bedeutung des Subjekts und Passivpartizipien Neutrum wurden auch im Lateinischen verwendet, z. B.: a nobis dictum est ‚von uns gesagt ist‘ (Hartmann 1954: 138).

Unter Berücksichtigung dieser und der zuvor (3.5, 3.9, 3.10) erwähnten Entsprechungen in verwandten Sprachen lässt sich feststellen, dass die Neutrum-Passivpartizipialkonstruktionen transitiver und intransitiver Verben im Litauischen mit einem Subjektgenitiv ein uraltes Erbe sind.

4. SCHLUSSFOLGERUNGEN

1. Das Passiv ist ebenso wie die Genuskategorie selbst im Litauischen ein relativ junges Sprachphänomen. Es entstand während der eigenständigen Entwicklung des Litauischen und weist in den verschiedenen Dialekten eigenständige Merkmale auf. Die morphologischen und semantischen Voraussetzungen der Genuskategorie – die Bildung von Verbaladjektiven und den daraus hervorgegangenen Partizipien mit den Suffixen *-mo und *-to sowie der Gegensatz ihrer Bildungsbedeutungen hinsichtlich des Verhältnisses der Handlung zum Subjekt – sind jedoch aus dem baltischen Altertum ererbt.

2. Das Passiv mit kongruierenden Passivpartizipien begann sich in den westlichen litauischen Dialekten vor dem Beginn der Schriftlichkeit herauszubilden und ist in den Texten von Autoren dieser Dialekte seit dem 16. Jahrhundert belegt. In den östlichen und südlichen Dialekten Litauens sind bis heute nur Ansätze eines solchen Passivs zu beobachten.

3. Das Passiv mit nicht kongruierenden Passivpartizipien im Neutrum ist in den östlichen und südlichen litauischen Dialekten weit verbreitet, während einstellige (unpersönliche) Partizipialkonstruktionen im Neutrum seit alters allen Dialekten und der Gemeinsprache eigen sind. Grundlage dieses Passivs sind indogermanische Sätze des alten nominalen Typs mit nicht kongruierenden Verb- und Adjektivformen.

4. Der Subjektgenitiv mit Passivpartizipien im Neutrum, die eine den Verbalnomina ähnliche Bedeutung hatten, konnte einst ähnlich wie bei anderen Verbalnomina verwendet werden. Er ist seit alters eng mit dem Possessivgenitiv verbunden; diese Beziehung zeigen die Possessivformen der Personalpronomen und einiger anderer Pronomen im Litauischen, die sowohl mit Passivpartizipien als auch mit Verbalnomina verwendet werden.

5. Die Produktivität von Subjektgenitivkonstruktionen mit Passivpartizipien im Neutrum im Litauischen lässt sich durch folgende interne Bedingungen erklären:

(a) die gut erhaltene prädikative Funktion nicht kongruierender Neutrumformen, die auf dem alten nominalen Satztyp beruht;

(b) der weitverbreitete Gebrauch des Subjektgenitivs bei Verbalnomina, deren Bedeutung in vielen Fällen derjenigen von Neutrum-Partizipien ähnelt;

(c) die Überschneidung der subjektiven und partitiven Bedeutungen des Genitivs in Konstruktionen mit Passivpartizipien von Zustandsverben.

ABKÜRZUNGEN

Ad – Adutiškis, Rajon Švenčionys

Aln – Alanta, Rajon Molėtai

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VYTAUTAS AMBRAZAS

Als – Alsėdžiai, Rajon Plungė

AlvT – Alvitas, Rajon Vilkaviškis

Alz – Alizavà, Rajon Kupiškis

An – Anykščiai

Auk – Aukštadvaris, Rajon Trakai

BARANAŠ – Baranauskas Antanas. Anykščių šilelis, Vilnius: Staatlicher Verlag für schöne Literatur, 1949.

BM – Litauische Mundarten, gesammelt von A. BARANOWSKI, 1. Texte, hrsg. von F. SPECHT, Leipzig, 1920.

BP₁ – [Jonas Bretkūnas] POSTILLA Tatai efti Trumpas ir Praftas Iſchguldimas Euangeliu / ſakamuiu Baſniczoie Kriſchczioniſchkoie / nug Aduento ik Weliku. Per Iana Bretkuna Lietuvos Plebonu Karaliauczuje Prufiſu. Gedruckt in Karaliauczuje von Iurgis Oſterbergeras. Im Jahre des Herrn 1591.

BP₂ – [Jonas Bretkūnas] POSTILLA tatai efti Trumpas ir Praftas Iſchguldimas Euangeliu / ſakamuiu Baſniczoie Kriſchczioniſchkoie / nug Weliku ik Aduento. Per Iana Bretkuna Lietuvos Plebonà Karaliauczuje Prufiſu. Gedruckt in Karaliauczuje / von Iurgis Oſterbergeras. Im Jahre des Herrn 1591.

BrB – Biblia, tatai efti Wiſſas Szwentas Raſchtas Lietuwiſchkai übersetzt von JANA BRETKUNA... Karaliauczuje 1579–1590. Zitiert nach einer Fotokopie des Manuskripts und der fotografischen Ausgabe von Bänden 1, 2 sowie 7, 8 (herausgegeben von J. D. Range und F. Scholz, Paderborn–München–Wien–Zürich: F. Schöningh, 1991–1998).

Brž – Biržai

BsO – Ožkabalį dainos, surinko daktaras J. BASANAVIČIUS. I–IV dalis, Chicago: 1903–1905.

BsV – Išgyvenimo vėlių bei velnių, surinko daktaras J. Basanavičius, Chicago: 1903.

BTg – Betygala, Rajon Raseiniai

BW – Kr. BARONS und H. WISSENDORFS. Latwju dainas 1–6. Jelgawā und Petrogradā, 1894–1915.

ChNT – Czesław KUDZINOWSKI, Jan OTRĘBSKI, Biblia lietuwska Chylińskiego. Nowy Testament 2, Text, Poznań: Zakład Narodowy im. Ossolińskich, 1958.

DaukD – [hrsg. von SIMONAS DAUKANTAS] Dajnes žiamajtiû pagal Zodîu Dajnikû iszraszytas... Petropilie 1846, gedruckt bei C. KRAY.

Dbg – Dubingiai, Rajon Molėtai

Dgl – Daugailiai, Rajon Utena

Dglš – Daugėliškis, Rajon Ignalina

Dkk – Duokiškis, Rajon Rokiškis

Don – Kr. DONELAITIS, Metai ir pasakėčios, hrsg. V. VITKAUSKAS, Vilnius: Baltos lankos, 1994. Im Folgenden bezeichnen die Abkürzungen PL, VD, RG, ŽR, PP, AG, LG einzelne Texte; Zahlen kennzeichnen Textzeilen.

DP – Postilla CATHOLICKA Tái eft: Iſguldimas Ewangeliu kiekwienos Nedelos ir ßwętes per wiſſus metus, Per Kúniga MIKALOV DAVKSZA Kanoniką Médniku / iſ lekiſko pergůldita. Su wala ir dalaidimu wirêwiui. W Wilniui / Drukarniôi Akademios SOCIETATIS IESU. A.D. 1599. Zitiert nach Daukšas Postille. Faksimileausgabe, Kaunas: Verlag der Universität Litauens, 1926.

Drsk – Druskininkai

Ds – Dusetos, Rajon Zarasai

Erž – Eržvilkas, Rajon Jurbarkas

Gmž – Silvestras Gimžauskas, Žodžei isz giwôs kalbos letuvį Linkmeniszkiu ir kiti seine Schriften: Metine Dovanele antra del Lietuvninku ir Žemaiczu verfasst von Mainionis für die Brüder und Schwestern in Vilnius: Druckerei Juozapa Zawadskia. 1891.

GranGD – R. GRANAUSKAS. Gyvulėlių dainavimas, Vilnius: Presvika, 1998.

Grž – Grūžiai, Rajon Pasvalys

Ign – Ignalina

Imb – Imbradas, Rajon Zarasai

Jabl – Zettel von Jonas Jablonskis im Zettelkasten des LKŽ, in denen die Quelle nicht angegeben ist.

JD – Lietuviškos dainos, aufgezeichnet von Antanas Juškevičius. 3 Bände. Druckerei der Kaiserlichen Universität Kasan, 1880–1882.

LIETUVIŲ KALBOS PASYVO RAIDOS BRUOŽAI | 33

Jnš – Joniškis

Jnšk – Joniškėlis

JRB – Jurbarkas

JŽ – Jūžintai, Rajon Rokiškis

Kb – Kabeliai, Rajon Varėna

Kl – Kuliai, Rajon Plungė

Klm – Kelmė

Klp – Klaipėda

Klt – Kaltanėnai, Rajon Švenčionys

KlvD – Lieder der preußischen Litauer. Gesammelt von... Vilus Kalvaitis. Tilsit: Druckerei „Lituanija“ von E. Jagomastas, 1905.

Kp – Kupiškis

Kpč – K>apėčiamiestis, Rajon Lazdijai

KRg – Kretingalė, Rajon Klaipėda

KRTN – Kartena, Rajon Kretinga

Ktk – Kuktškės, Rajon Utena

LB – M. Luther, Das Newe Testament Deutzsch, Wittemberg, 1546. Cit. pagal Weimaro kritinį leidimą: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe 6. Die Deutsche Bibel, Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1929.

LBr – Litauische Volkslieder und Märchen aus dem preussischen und dem russischen Litauen, gesammelt von A. Leskien und K. Brugman. Strassburg, 1882.

Ldk – Lydūkiai, Rajon Ukmergė

Lex – Lexicon Lithuanicum, (ehemaliges Manuskript aus dem Archiv von Königsberg aus dem 17. Jahrhundert. Msc, 1784).

LKT – Lietuvių kalbos tarmės. Chrestomathie, hrsg. von E. Grinaveckienė, K. Morkūnas, Vilnius: Mintis, 1970.

Lkv – Laukuva, Kreis Šilalė.

LKŽ – Lietuvių kalbos žodynas 1–19, Vilnius: Mintis (1, 2, 7–9), Mokslas (10–15), Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla (3–5, 6), Mokslo ir enciklopedijų leidykla (16, 17), Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas (18, 19), hrsg. von J. Kruopas (1, 2, 6–10), K. Ulvydas (3–5, 11–16), V. Vitkauskas (17–19), Vilnius 1968–1999.

Lp – Leipalingis, Kreis Lazdijai.

LTR – Archiv der litauischen Volksüberlieferung (handschriftliche Sammlungen zur Volksüberlieferung des Instituts für litauische Literatur und Folklore).

MAR – Quattuor Evangeliorum versionis palaeoslovenicae. Codex Marianus... hrsg. von V. Jagić, Berolini, 1883.

Mc – K. Macius (1875–1905), jo raštai ir papildymai prie Juškos žodyno.

Mch – G. Michelini, Martyno Mažvydo raštai ir jų šaltiniai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2000. Die Zahlen bezeichnen die Buchseiten, auf denen die Quellentexte wiedergegeben sind.

ME – K. Mülenbachs, J. Endzelīns. Latviešu valodas vārdnīca 1–4, Riga: Bildungsministerium, 1923–1932.

Mlt – Molėtai

Mrc – Marcinkonys, Kreis Varėna.

MT – MARGARITA THEOLOGICA [...] perguldita per Simona Waičhnora [...] I Ch[paul]ta Karaliaucziuie P[ruf] per Jurgi Olterbergen[...]/metūlė/ Christus 1600. Verwendet wurde die von G. Michelini herausgegebene Faksimileausgabe zusammen mit dem lateinischen Original: Simono Vaišnoro 1600 metų Žemčiūga Theologiszcka ir jos šaltiniai, Vilnius: Baltos lankos, 1997.

MTBĮ – Das litauische Vorwort von Zacharijas Blotnas SKAITITOIOP zu S. Vaišnoras’ „Žemčiūgai teologiškai“ (MT).

Mž – Mažvydas. Seniausieji lietuvių kalbos paminklai iki 1570 metams, herausgegeben von Jurgis Gerullis, Kaunas: Švietimo Ministerija, 1922.

MŽi – Anfangs-Gründe einer Littauischen Sprach-Lehre, worinn zwar die von dem jüngern Ruhig ehemals herausgegebene Grammatik zum Grunde gelegt, aber mit starken Zusätzen und neuen Ausarbeitungen verbessert und vermehrt worden von Christian Gottlieb Mielcke... Königsberg, 1800.

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VYTAUTAS AMBRAZAS

Mžš–Miežiškiai, Rajon Panevėžys

NIEM–Litauische Volkslieder aus dem handschriftlichen Nachlass Prof. J. J. Mikolas. Übersetzt und herausgegeben von Eino Nieminen. Helsinki, 1949.

OB–Obėliai, Rajon Rokiškis

PG–Pagiriai, Rajon Kėdainiai

PL–Palėvenė, Rajon Kupiškis

PLM–Palomenė, Rajon Kaišiadorys

PLN–Plungė

PŠ–Palušė, Rajon Ignalina

PN–Panevėžys

PRN–Prienai

PRNG–Paringys, Rajon Ignalina

PŠ–Pašvitinys, Rajon Pakruojis

PŠL–Pūšalotas, Rajon Pasvalys

RDM–Rudamina, Rajon Lazdijai

RDN–Nemunėlio Radviliškis, Rajon Biržai

RG–Ragainė

RK–Rokiškis

RM–Ramygala, Rajon Panevėžys

SB–Subačius, Rajon Kupiškis

SCHG–Litauische Grammatik von August SCHLEICHER. Prag, 1856.

SK–Skaisgirys, Rajon Joniškis

SKD–Skuodas

SKP–Skapiškis, Rajon Kupiškis

SL–Salos, Rajon Rokiškis

SLK–Salakas, Rajon Zarasai

SLM–Salamiestis, Rajon Kupiškis

SLNT–Salantai, Rajon Kretinga

SMN–Simnas, Rajon Alytus

SP–[Konstantinas Sirvydas,] PUNKTÝ KAZAN... PRZEZ Księdza KONSTANTEGO SZYRWIDA / Theologá Societatis IESV... W WILNIE W Drukárni Akademiey Societatis IESV ROKU (I–1692, II–1644; benutzt wurde der Faksimile-Nachdruck: Franz SPECHT, Šyrwids Punktay sakimu, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1929).

SS–Sasnava, Rajon Marijampolė

ŠLČ–Matas ŠALČIUS, Wörterverzeichnis und weitere Schriften.

ŠTS–Šatės, Rajon Skuodas

TRG–Tauragė.

TRK–Tirkšliai, Rajon Mažeikiai

VEE–[Baltramiejus Vilentas]: Evangēlias bei Epistolas / Nedeliu ir šwenczuiu dienofu / skaitomofias... pilnai ir wienai pergulditas ant Lietuwiſchka... per Baltramieju WILLENTA... Iſchſpaujſtas Karalauczui per Jurgi Oſterbergera / Metu M. D. LXXIX.

VKŠ–Viekšniai, Kreis Akmenė

VLK–Valkininkai, Kreis Varėna

VLKV–Vilkaviškis

VN–Vainūtas, Kreis Šilutė

VRNV–Varenāvas, Gebiet Grodno.

LIETUVIŲ KALBOS PASYVO RAIDOS BRUOŽAI | 35

Vs – Veisiejai, Kreis Lazdijai

Všt – Vištytis, Kreis Vilkaviškis

Vžns – Vyžuonos, Kreis Utena

3W – Katholisches Pfarrbüchlein. [...] Durch D. JAKYBA WYKĄ [...] IN KRAKAU, in der Druckerei von Andréia Piotrkowczyjká / Im Jahr des Herrn / 1590. Fotokopie der dritten Ausgabe.

WP – ISCHGVLDIMAS // EVANGELIVM PER WISVS METI|VS [...] 1573. Anoniminė Wolfenbüttelio postilė. Cituojama iš V. Gaidgalaičio paskelbtų ištraukų (GAIDGALAIT W., Die Wolfenbütteler litauische Postillenhandschrift aus dem Jahre 1573, Mitteilungen der Litauischen literarischen Gesellschaft. Inaugural-Dissertation der Philosophischen Fakultät, Tilsit: Druck von Otto V. Mauderode, 1900) ir J. Karaciejaus leidimo (Wolfenbüttelio Postilė, parengė ir įvadą parašė... J. Karaciejus, Vilnius: Žara, 1995), atsižvelgiant į J. Gelumbeckaitės taisymus (Archivum Lithuanicum 2, 2000, 173–194).

Žd – Židikai, Kreis Mažeikiai

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Vytautas Ambrazas

Gauta 2001 09 14

Lietuvių kalbos institutas

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