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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LI (2004), 15–27
Lit. barzdà ‚Bart‘: zur Herkunft der Konsonantenverbindung -zd-
ROLANDAS KREGŽDYS
Vilniaus universitetas
Der Artikel behandelt den Ursprung der Konsonantenverbindung in lit. barzdà ‚Bart, Klinge‘. Während Būga davon ausging, dass die Verbindung ererbt sei, führte Endzelins sie auf slawischen Einfluss zurück. Otrębski beschrieb ihre Herleitung als unklar. Die ins Finnische entlehnten Formen weisen auf -d- statt auf -zd- hin, könnten jedoch sowohl auf germanisch barda ‚Bart; securis‘ als auch auf baltische Wörter zurückgehen. In diesem Artikel wird die Auffassung vertreten, dass lit. barzdà ererbt ist und eine indogermanische dialektale Bildung widerspiegelt. Die Analyse bestätigt Būgas Annahmen zur ursprünglichen morphologischen Struktur des Wortes. Daraus folgt, dass lit. barzdà und lett. dial. bàrzda älter sind als lett. bārda.
1. EINLEITUNG
Die Herkunft der Konsonantenverbindung -zd- in der Struktur der Nomina des Litauischen hat Kazimieras Būga schon vor langer Zeit erörtert. Er führte mehrere Beispiele mit den Alternanten -zd-: -z- an und postulierte die historische Existenz des konsonantischen -zd-; das heißt, er zweifelte nicht am hohen Alter dieser Verbindung: lit. liždas ‚eingerichteter Ort zum Legen und Ausbrüten von Eiern sowie zur Aufzucht von Jungtieren (bei Vögeln, Insekten); Nest‘ (DLKŽ⁵ s.v.) – dial. lizàs ‚ebd.‘¹, lit. blauszdà ‚Teil des Beins vom Knöchel bis zum Knie‘ – dial. blauzà ‚ebd.‘, lit. lazda ‚bearbeiteter Stab zum Abstützen beim Gehen; jemandem einen Schlag versetzen u. a.‘ – dial. lazà ‚ebd.‘, lit. barzdà ‚Behaarung des unteren Gesichtsteils‘ – dial. baržà ‚ebd.‘ (Būga 1958: 273). Zigmas Zinkevičius stellt fest, dass „in der Vergangenheit die litauische Verbindung zd sporadisch zu z wurde“ (1980: 129 f.), das heißt, er hält diese Verbindung für sehr alt.
Die Funktionalität der Verbindung -zd- (-d-) im Verbsystem des Litauischen hat Erdvilas Jakulis am Rande erörtert. Es wurde festgestellt, dass der Frikativ /z/ meist erhalten bleibt, obwohl er nicht immer etymologisch ist (Jakulis 2002: 35, 62): bėzda – bėza ‚furzen; stinken, übel riechen, die Luft verpesten‘, lett. bezdēt, -u, -ēju ‚ebd.‘; lit. kūza, -ėti, -ėjo – kūzda, -ėti, -ėjo ‚flüstern; zittern, beben‘; lit. splàzda – splàza ‚flattern‘ u. a. Eine ähnliche Tendenz zur Bewahrung des Frikativs lässt sich auch in den lettischen Dialekten nachweisen: lett. dial. brāzēt, -u, -ēju – brāzdēt ‚krachen‘ (Jakulis 2002: 92, 108); vgl. ferner ein Beispiel mit der Verbindung -z(ž)g-: lett. dial. blīzgēt ‚flimmern, schimmern‘ = lett. dial. blizēt (Jakulis 2002: 87).
Auf Grundlage lettischer und altpreußischer Daten versuchte Endzelynas, den späten Ursprung der im Litauischen verwendeten Bezeichnung für den Bart mit -zd- nachzuweisen (Endzelin 1902a).
1 Vgl. ferner PEŽ III 54 ff.
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Ziel der Arbeit: 1. die arealen Grenzen der Formen mit -zd-, -z-, -d- in den litauischen und lettischen Sprachen zu bestimmen; 2. die Bedeutung finnischer Lehnwörter für die Bestimmung der urbal[tischen] Form der Bezeichnung barzdos neu zu interpretieren; 3. die Ursachen zu bestimmen, aus denen unterschiedliche morphonologische Varianten mit -zd-, -z-, -d- entstanden sein könnten.
2. ANALYSE DES MATERIALS
Ein bislang ungeklärtes Problem der baltischen Bezeichnungen für barzdos ist die Abweichung im strukturellen Wurzelmodell im Litauischen sowie entsprechend im Lettischen und Altpreußischen: In den ostbaltischen Dialekten werden Formen mit dem wurzelinternen Konsonantencluster -zd- (im Lettischen auch -d-) verwendet, im Altpreußischen dagegen nur die Form mit -d-: lit. barzdà bzw. lett. dial. bàrzda – lett. bārda bzw. altpr. bordus E 101. Für diese Abweichung gibt es zwei Erklärungshypothesen: 1. Die Formen mit dem Cluster -zd- sind alt, aus der indogermanischen Ursprache ererbt und daher als Relikte zu behandeln; sie sind vergleichbar mit altind. bhr̥stís ‘Schneide, Rand’, altisl. und ahd. burst ‘Borste’, altengl. byrst ‘Borste’ usw. (Būga 1958: 273; ME 273; LEW 36; Kurylowicz 1935: 118; Vasmer I 196) – zu rekonstruieren ist urbalt. *barzdā ‘ebd.’ (LEV 108). Eine solche Formrekonstruktion setzt auch eine Korrektur der indogermanischen Urform voraus: Anstelle des bislang allgemein anerkannten idg. *bhar-dhā² ist *bhars-dhā zu rekonstruieren (ME ebd.), von dem bislang die slawischen Wörter für ‘Furche’ abgeleitet wurden (ESSJ II 220); 2. Die Formen mit -zd- sind spät und wurden von ähnlichen Wörtern wie urslaw. *borzda³ ‘Furche’ und >russ. borozda ‘ebd.’ usw. beeinflusst (Endzelin 1902; ESSJ II 198; Varbot 1984: 216; PEŽ I 151), oder sie sind von baltisch *bard- + *-da > *barzda abzuleiten (Skardžius 1943: 99; Endzelynas 1957: 100) – zu rekonstruieren ist urbalt. *bardā ‘Bart’ (Fem.) (Trautmann 1923: 27). Dieser Rekonstruktion stimmen Toporov (PJA 241) und Mažiulis (PEŽ I 151; vgl. auch ESSJ II 198, 220) zu, obwohl einige Linguisten den Wechsel -zd-/-z- schlicht als ungeklärt bezeichnen (Otrębski 1958: 334 f.).
2 Nach Markis Hypothese ist uridg. *bhardhā eine Innovation mit der Bedeutung „Bart“, die uridg. *barzdos ersetzt hat: smonkru „Bart“. Dieses Genus ist seiner morphologischen Struktur nach vergleichbar mit altind. bhr̥stís „Schneide“ (fem.), lat. far „Brot, Mehl“, got. barizeis „Gerste; Hordeum sativum“, altisl. bar „Getreide; Gerste“ u. a. Es wird vermutet, dass dieser Ackerbauterminus von Bewohnern der westlichen urindogermanischen Dialektzone noch vor der Wanderung nach Europa aus dem Semitischen entlehnt wurde. Die Anhänger einer solchen Hypothese deuten uridg. *bhardhā als Mischbildung: Das erste Glied *bhar- wird als alte indoeuropäische Bezeichnung für Gerste (Hordeum sativum – Markis Hypothese) interpretiert, abgeleitet von hebr. bar „gebeiztes Korn“, arab. bur „Getreide“, südarab. bor, barr „Körner, Getreide“ (Otkupščikov 1963: 89). Ferner wird angenommen, dass diese Getreidebezeichnung in der späten urindogermanischen Zeit (zu Beginn der Aufspaltung in Dialekte) entlehnt worden sein könnte und nicht erst nach ihrer Aufspaltung in Dialekte (Ivanov 1985: 162 ff.). Die Hypothese einer Entlehnung aus dem Arabischen hatte zuvor bereits Meillet vorgeschlagen (1914: 143). Vertreter der borealischen Linguistik behaupten, dass die spätere Semem-Bedeutung „Bart“ von uridg. *bhardhā gegenüber der älteren „pflanzlichen“ Bedeutung durch die rekonstruierte borealische Form *barzda „Gebüsch“ bestätigt werde, vgl. georg. bard- „dasselbe“ u. a. (Klimov 1988: 153). Nach Porcig bedeutete uridg. *bard- von Anfang an „behaarter Teil des Gesichts (Körperteil [bei Tieren]); Borsten“ und fungierte in der Ursprache als bhardhānomen collectivum; später ersetzte es uridg. *smek- (Porcig 1964: 302). Er stützt sich auf die Hypothese, dass für uridg. *bhar- das Semem „scharf“ zu rekonstruieren sei (vgl. Otkupščikov 1963: 89). Die traditionell rekonstruierte ursprachliche Form *bhardhā wird als indoeuropäisches Erbwort aufgefasst: < uridg. *bhār- „hervorragen; Borste; Spitze; Granne“ (Pokorny 110; Fraenkel 36) < verb. uridg. *bher- „reiben; schneiden; ritzen; schlagen, stoßen; spalten, zerteilen“ (LEV 108) > verb. uridg. *bhar- „hervorragen, vorstehen“ (Pokorny 110; ESSJ II 197) → „Borsten“ (Porcig ibd.; Gamkrelidze, Ivanov 1984: 69).
3 Außerdem wird versucht, einen Zusammenhang mit russ. dial. borozdavka ‘Warze’, kšb. barzovka ‘ebd.’ herzustellen (Nepokupnas 1983: 20, 47; Endzelin 1902b/1971: 221).
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An der Beweiskraft der zweiten Hypothese bestehen Zweifel, da keine Einigkeit über die CVRC-Rekonstruktion des strukturellen Wurzelmodells der altpreußischen Bezeichnung für barzdos herrscht. Auf Grundlage des altpreußischen onomastischen Materials wird die Wurzel *barsd- rekonstruiert, d. h. ein altpreußisches CVRCC-Modell für barzdos angenommen, auf das V. Toporov⁴ (PJA₁ 197 ff.) und A. Kaukienė⁵ (1999: 21) hinweisen; vgl. altpr. Barsde (Göttername), altpr. Claus Barsde (Eigenname – Trautmann 1925: 17), kur. Barsdemin (Eigenname) (Toporov PJA₁ 199) und möglicherweise den altpreußischen Eigennamen Borssythe – Herman Borssythe 5a, 51 = 5b, 62 Schalwe – Trautmann 1925: 20 (zur Herkunft dieses Personennamens siehe ausführlicher Kregždys 2004: 35).
Bevor die Ursachen für das Auftreten der Alternanten -zd-/-d- in den baltischen Sprachen und die Möglichkeiten zur Rekonstruktion der Urformen näher untersucht werden, sollten zunächst die arealen Grenzen bestimmt werden, innerhalb derer die jeweilige Form verwendet wird.
In den älteren litauischen Schriften wird das Wort barzdà ‘Gesichtshaar am Unterkiefer; Haarbüschel am Fesselgelenk des Pferdes; sm.žras’ (LKŽ₁ 673 f.) nur mit dem Cluster -zd- belegt: barłdą (Akk. Sg.) BB Ez 5,1; Barzdà, -õs f. ‘Bart’ R₁ 13, R₁₁ 52, R₂₁₉; Gaidžio Barzdà ‘Hahnenkamm’ MŽ₂ 281 = R₁₁ 211; Barždà, -õs f. MŽ₂ 27; Barzda SD⁵ 19; barzdà ‘Sensenrücken, der vor dem Mähen des Grases umgedreht wird’ M޲ 292; Strėlà su Barzdà ‘Pfeilspitze’ R₁₁ 276 = Strėlõs barzdà K₁₁ 107; barzdà BzF 99; barzdà K₁ 167, 675; bárzdà M 28; barzdà Leskien B 214; Barzda, bardzėlė ISPL 84; barzda ‘Bart’ ZCh 183₉, 184₇...; barzd’õs (Gen. Sg.) P 230, bard’õms (Instr. Pl.) V 444 (Buch 1961: 41); oder mit -z-: barze MPDP 149; barza SG II 59; barzā, -ās Jrk 62; barza BsP I 99.
Ausgehend von den Daten des LKŽŽK, LKŽŽKP und TA lässt sich sagen, dass die Form mit dem Cluster -zd- in einem deutlich größeren Areal verwendet wird: barzdà – bei den westlichen Žemaiten (SG), den kretingischen Nord-Žemaiten (bazdà PLT, bárzda PLN, barzdà ŽEM, MS), den Telšiai-Dialektsprechern (ŠARK [bárzda EIG, LK; barzda VGR, SKD, TRŠ]), den varniškiai und raseiniškiai Süd-Žemaiten (bárzda ŠLL, RDN, KRKL), den Šiauliai-Dialektsprechern der westlichen Aukštaiten (bárzda Sk, Škt; barzda Sk, Kdn), den Kauniškiai (ZP, JRB [bazdà BLB]), den Panevėžys-Dialektsprechern der östlichen Aukštaiten (RD, MLN [bárzda SLC; barzda KRIAUŠ, GĖL, ANG, PS, NMR]), den Kupiškis-Dialektsprechern (KP [barzda PD, DRŠ]), den Anykščiai-Dialektsprechern (SV [barzda AND, LDK]), den Utena-Dialektsprechern (LLN [barzda UŽB, ŠPL]), den Vilnius-Dialektsprechern (DKŠT), den südlichen Aukštaiten (VS, AUK, DRSK, DG, VRN [bazdà VLKN, MCL]) und in peripheren Mundarten (LZ, PLS).
Formen mit wurzelinternem -z- werden in einem wesentlich kleineren Gebiet verwendet: ERŽ, VDŽ, ŠAUK, KRŽ – barzà, VLKŠ, VDK, J-E; PGR⁶) (TA), GRV (Kardelytė 1975: 114), vgl. auch LKT 102, 442. Im LKŽK ist verzeichnet, dass solche Formen in der Gegend von Jurbarkas verwendet werden (GRDŽ –
4 Das Fehlen von -z- in altpr. bordus ‘Bart’ E 101 erklärt Toporov mit dem Gebrauch anderer indogermanischer Wörter für barzda ohne frikative Präaspiration: aksl. brada, ahd. bart usw. (PJI 241). Ausgehend von altpr. Barsde (Göttername), altpr. Claus Barsde (Eigenname – Trautmann 1925: 17; PJI 199), kur. Barsdemin (Eigenname) sowie den oberdnjeprischen Toponymen Borzna < *Borz(d)na (?) [Herkunft und Bildung unklar] rekonstruiert Toporov vorsichtig altpr. *barsd-/barzd- (PJI 197).
5 Kaukienė leitet altpr. bordus von *bārdzā ab und verweist auf PEŽ₁ 150, doch Mažiulis behauptet dies nicht. Im Gegenteil, er setzt ein sekundäres -z- aufgrund des Einflusses von urslaw. *borzda an.
6 Jonikas weist darauf hin, dass in der Mundart von Pagramantis die Konsonantenverbindung zd in allen Wörtern zu z wird, nicht nur im hier untersuchten baržà (Jonikas 1939: 28).
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Zinkevičius 1966: 179) ir Skirsnemunėje. Zinkevičius taip pat užsimena, kad barzdą vartojama ir rytiniame lietuvių kalbos ploto pakraštyje – Lazūnuose (Zinkevičius 1966: 180). Vadinasi, forma be -d- vartojama ne tik pakraštinėse pietryčių žemaičių šnektose, bet ir pietų žemaičių raseiniškių šnektoje bei su ja besiribojančiame vakarų aukštaičių pakraštyje, taip pat vakarų aukštaičių kauniškių, rytų aukštaičių vilniškių paribio Lazūnų šnektoje. Fonetškai toks reiškinys, matyt, apibūdinamas kaip progresyvinės asimiliacijos nulemtas kitimas, plg. liet. dial. lazã = liet. b. k. lazdà ir kt. (plg. Zinkevičius 1966: 180).
1. KARTE: SCHWARZE DREIECKE KENNZEICHNEN DEN GEBRAUCH VON FORMEN MIT DER KONSONANTENVERBINDUNG -zd-, WEISSE DEN VON FORMEN MIT -z-.
Einige lettische Linguisten betrachten die morphologischen barzdos Unterschiede zwischen dem Litauischen und dem Lettischen als Einfluss litauischer Mundarten auf die lettischen Grenzmundarten. Damit wird ein späteres Auftreten der Formen mit wurzelhaftem -z- angenommen (Staltmane 1981: 65; Steinbergs 1996–1997: 24); die Herkunft der lettischen Personennamen mit dem Erstglied bārd- wird hingegen mit dem Appellativierungsprozess in Verbindung gebracht, da ihnen die pejorative Färbung fehlt, die den entsprechenden litauischen Beispielen eigen ist: lett. bārda ‚Bart‘ → bārdiņa ‚Bärtchen‘ → Bārdiņš (Familienname), Bārdainis ← bārdainis ‚bärtig‘ (-zd- wird als Dialektismus erklärt). Erwähnenswert ist, dass Staltmanes Behauptung, Familiennamensvarianten mit -zd- könnten das Auftreten von lett. dial. bārzda verursacht haben, schwer zu belegen ist (vgl. Staltmane, ibd.). Eine solche lexikalische Variante könnte parallel zu lett. bārda verwendet worden sein oder als Archaismus zu verstehen sein (vgl. Nilsson 1998: 124).
Eine solche Problemlösung wäre sicherlich überzeugender, wenn diese Formen im Lettischen nur in den Grenzdialekten verwendet würden (z. B. Bsk (235)); sie kommen jedoch weit entfernt von der litauischen Grenze vor: bārzda² – KND (84), VNP, ARLV (65),
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b'ʒrda² – PRE (439), KRTP (357), barzdə² DND (63), VND (75) (vgl. außerdem lett. dial. būorzda ‚Bart‘ (livische Mundart) – Beispiel www.ailab.lv – siehe unten), oder sie liegen zwei bis drei Mundarten entfernt: b'ʒrda² – SNK (353) (ME, 273); vgl. außerdem lett. dial. būorzda ‚Bart; langer Büschel Pferdehaar an den Beinen; langer Haarbüschel an der Unterseite des Tierkörpers‘ (KV, 167 ff.), Beispiele aus der lettischen Folklore: Borzda izauga, a gudreibys nav 527 33449; Boarzda koa krīvam 1268 793 (Beispiel aus dem Gebiet der selischen Mundart, wo ā (-'r- < -ār – LEV₁ 108) > zu oa wird (Rudzīte 1993: 237).
2. KARTE: AN DEN ANGEGEBENEN ORTEN WERDEN FORMEN MIT DER KONSONANTENVERBINDUNG -zd- VERWENDET; DREIECKE KENNZEICHNEN ORTE, AN DENEN SOLCHE FORMEN VERWENDET WORDEN SEIN KÖNNTEN (AUFGRUND VON LETTISCHEN FOLKLORESAMMLUNGEN).
Eine Form mit der wurzelhaften Konsonantenverbindung -zd- ist in der lettischen und litauischen Toponymie belegt: lett. Bārdzaini, Bārdzēni < nom. prop. lett. Bārzda ~ lit. Barzdai, Barzdinė (Endzelīns 1956: 93).
Gegen eine solche Problemlösung spricht auch Toporovs Theorie zur Entstehung dublettischer Wortformen, der zufolge Spuren von Formen mit wurzelhaftem -d- (und nicht -zd-) auch in litauischen Mundarten (im Grenzgebiet zu Lettland) vorhanden sein müssten – an der litauisch-lettischen Grenze ist keine Form *barda (ohne -z-) belegt. Von allen litauischen Eigennamen mit Wurzeln, die mit barzda in Verbindung gebracht werden können, könnten lediglich die Familiennamen Bardišius, Bardyšius (in verschiedenen Gebieten Litauens gebräuchlich – Maciejauskienė 1991: 98) die Wurzel *bard- widerspiegeln; diese Namen werden jedoch als Entlehnungen aus den slawischen Sprachen betrachtet, d. h. sie werden auf poln. Bardyszewski ~ poln. bardysz → lit. bardišius ‚Axt mit langem Stiel zum Zerhacken von Feinden; stumpfes Werkzeug; großer Mensch; schlechtes Tier‘ (LPŽ₁ 194; LKŽ₁ 657) zurückgeführt. Vgl. ferner litauische Toponyme Bardiškėliai (UKM), Bardiškiai (PKR, RS), Bardžiai (ŠLL) u. a. (LAŽ 27), ohne wurzelhaftes -z-, die folgenden Ursprungs sein könnten
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aus Personennamen und mit dem bereits erwähnten polnischen Substrat in Verbindung zu bringen sind, wie das Toponym Barzdūnai (Dorf, ŠLU), mit dem litauischen Personennamen Barzdūnas (Razmukaitė 1993: 154). Ähnlich ließe sich offenbar auch die Herkunft des litauischen Familiennamens Bardžius (ALVT) erklären, der neben Barzdžius vorkommt (vgl. Bardzis Ukм) (LPŽ 195), obwohl er als einziger Fall des Schwunds von -z- im litauischen Sprachgebiet aufgefasst werden kann.
Die Entstehung der morphonologischen Varianten von Barzdos erklärt Būga als sprachliche Eigenheit der südostsamogitischen Mundarten, die Wortstruktur danach zu vereinfachen, ob die Lautverbindung morphologisch relevant war: „zd сократилось до z во всех тех формах, в которых d не имело морфологической ценности“ (ebd.). Ähnliche Lautwandelbeispiele aus anderen Mundarten, bei denen anstelle des erwarteten -zd- das Frikativ -z- verwendet wird, seien nach Būga als sporadische Erscheinungen zu erklären. Die Verbindung -zd- in all diesen Wörtern ist aus urslit. *-zd- herzuleiten (Būga 1958: 273). Mažiulis (PEŽIII 55) und Derksen (2003: 12) stimmen dieser Erklärung zu. Auch Endzelīns (1974: 267–268) spricht vom alten Gebrauch der Verbindung. Zinkevičius stellt lediglich fest, dass „ein Teil der südlichen Samogiten und ihre näheren ostlitauischen Nachbarn d zwischen z und einem Vokal nicht aussprechen“ und dass „der Schwund des Konsonanten d zwischen z und einem Vokal auch am östlichen Rand des litauischen Sprachgebiets beobachtet wurde“ (1966: 179 ff.).
Ein Argument, mit dem sich die Herkunft der urbalto-slawischen Verbindung *-sd- stützen ließe, könnten toponymische Beispiele sein, die zeigen, dass gerade Formen mit der Verbindung -zd- älter sind: lazda – Lazdėnai, lett. lazda ‚Hasel‘ – Lazduone (siehe auch Gerullis 1922: 254). Die litauische Form *Lazėnai existiert nicht.
Ähnlich argumentiert auch Zinkevičius: Zur Veranschaulichung dieses Lautwandels führt er das litauische Adjektiv dial. barzyla ‚bärtig‘ (JRB) sowie das Verb lit. dial. barzuoti < lit. barzdūoti ‚etwas mit dem Bart reiben‘ an (Zinkevičius, ebd.).
Ein passendes Beispiel, um die Komplexität dieses Problems zu veranschaulichen, könnte das litauische Verbpaar bėžda – bėža sein, bei dem -zd- etymologisch ist (vgl. Jakulis 2002: 87, 107, 109); daher ist es nicht verlässlich, hier eine phonologisch-morphologische oder durch semantische Entwicklung bedingte Neuerung anzunehmen. Jakulis versucht, die Entstehung dieser Lautvarianten durch Anfügung des Erweiterungselements -d- an die indogermanische Wurzel *pes- oder *bes- zu erklären (Jakulis op. cit., 109), doch lässt sich eine solche Behauptung kaum allein auf Grundlage des litauischen pėža, -ėti, -ėjo formulieren, insbesondere wenn es um die Rekonstruktion einer indogermanischen Vorform geht – Beispiele aus anderen Sprachen legen nahe, dass dieses Infix bereits in der indogermanischen Ursprache vorhanden war (LEW 42; Vasmer I 163).
Seltener sind Beispiele, in denen der Plosiv erhalten bleibt und das Frikativ /z/ eindeutig ein parathetischer Konsonant ist: spùrzda – spùrda ‚spūrda‘.
Jakulis untersucht die Ursachen dieses Phänomens übrigens nicht näher, weist aber darauf hin, dass der Gebrauch von Konsonantenverbindungen wie -zd- neben -z- durch einen semantischen Faktor bedingt sein kann – es wird eine ikonische Funktion angenommen (Jakulis 2002: 42).
Daraus lässt sich schließen, dass die Verbindung -zd- in litauischen Mundarten zu -z- werden kann. Im Nominalsystem kann dieser Wandel mit dem phonetischen Prinzip der „leichteren Aussprache“ in Verbindung gebracht werden, sofern dies natürlich nicht gegen die Regeln der litauischen Morphologie verstößt; vgl. barskutis ‚Rasiermesser‘ DP 563₆ < *barzd-skutis (Otrębski 1958: 367).
Das Auftreten der lettischen Form ohne -z- könnte durch dieselben Ursachen bedingt sein, die zur Erklärung des Auftretens von -z- im litauischen barzdà herangezogen werden. Es ist anzunehmen, dass die von den benachbart lebenden Slawen und Finnen verwendeten Formen ohne die Verbindung -zd- das Auftreten und die Durchsetzung von lett. bārda sowie die Verdrängung der älteren Formen mit der Verbindung -zd- aus dem Gebrauch bewirkt haben könnten
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… nos. Diese Annahme wird nicht nur durch den Gebrauch der Formen mit -zd- in den Mundarten des livischen Dialekts gestützt, sondern auch durch ihren besonders häufigen Gebrauch in den alten lettischen Folklore-Sammlungen, die auf der Internetseite www.ailab.lv veröffentlicht werden. Das Verhältnis zwischen den Formen mit der Lautverbindung -zd- und -d- ließe sich mit 2,3/1 angeben – die Form mit -zd- wird deutlich häufiger verwendet7.
Somit lassen sich die Lautveränderungen lit. -zd- > -z-, lett. -zd- > -d- vorsichtig mit den Prinzipien der sprachlichen „Bequemlichkeit“ und „Ökonomie“ sowie mit dem Einfluss anderer Sprachen in Verbindung bringen. All diese Faktoren könnten das Entstehen und die Verbreitung der untersuchten Varianten in unterschiedlichen dialektalen Gebieten derselben Sprache bewirkt haben. Daher können solche phonetischen Varianten nicht alt sein und nicht unmittelbar mit ähnlichen Wörtern anderer indoeuropäischer Sprachen in Verbindung gebracht werden, die einen Bart bezeichnen und deren Bildung von ganz anderen Faktoren beeinflusst worden sein könnte; vgl. Fraenkels Versuch, das untersuchte Problem als indoeuropäistisches zu archaisieren: ahd. bart ‘Bart’: burst ‘Borsten’, ae. beard ‘Bart’: byrst ‘Borsten’, deren Wortbildung unterschiedlich sein kann (verbalen Ursprungs -st-?) (LEW 36).
Der Einfluss benachbarter slawischer und finno-ugrischer Sprachen auf den Wandel der baltischen Bezeichnung für den Bart ist gesondert und eingehend zu erörtern, da anhand der Daten dieser Sprachen versucht wird, Belege für den Ursprung der slawischen Lautverbindung -zd- zu finden.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Befürworter der Hypothese slawischen Ursprungs der Lautverbindung -zd- in lit. barždà ausschließlich die Bedeutung des morphologischen Faktors hervorheben, der ein Beispiel für eine zufällige Übereinstimmung sein kann – die lexikalisch-semantischen Paradigmen dieser Substantive stimmen nicht überein; vgl. aksl. brazda ‘Furche’, bulg. бразда ‘ebd.’, serb.-kroat. brázda ‘ebd.’, dial. ‘Graben, voll Wasser’, slow. brázda ‘Furche, Falte’, poln. brózda ‘Furche’,
7 [Sprichwörter]: Bārzda aug, bet pats neaug 1225 12801; 699 191; Strīdās kā gar ķeizara bārdu 382 39; [Dainas]: <… Piecī gadi bārzdu dzina …> (14999); <… Ka žīdam liela bārzda…> (34300); [Märchen]: <…so ein Bärtiger, ein solcher Dummkopf; <… ein Alter mit grauem Bart …> (Die Tiere gehen ihre Sünden beichten und fallen in eine Grube. 1. A. 1. 47. 20. 31. R. K. Porietis Šelpis Aizupēs, Zin. Kom. kr. LP, VI, 43, 1. AŠ, II, 3c.); <… Du hast keinen Bart, ich kann dich nicht hineinlassen …> (Die Ziege und der Wolf. 123. L. Ivanovskis Daugavpils apriņķa Kapiņos, N. Rancāna krājumā); <… ein alter Mann mit grauem Bart …> (Wölfe zerreißen den verwandelten Menschen. 1. LP, V, 83, 1. AŠ, II, 41c.); <… in die Spičbārdis gekommen …> (Der Held befreit drei entführte Prinzessinnen. 9. A. 301 A. A. Māturs Grāvendālē. I.P, VI, 115, 15 d. piez. AŠ, II, 86 f.); <… ein kleiner Mann mit einem so langen kupfernen Bart …> (Der Held befreit drei entführte Prinzessinnen. 10. A. 301 A. P. Lielupis Vec-Piebalgā, Brīvzemnieka kr. LP, VI, 115, 16. AŠ, II, 86 h.); <… Am dritten Tag blieb der stärkste Mann zurück und der Alte mit dem Bart …> (Die Tochter des Zemgale-Königs Skaistīte. 5. A. 301A. J. Ozols Saukā, Brīvzemnieka kr. LP, VI, 115, 24. Forts. AŠ, II 86 b); <… ein kleiner Alter mit einem sehr, sehr langen Bart …> (Der Stiprinieks mit seinen Gefährten. 3. A. 301B. J. Ozols Secē, Brīvzemnieka Sborņik, 99 piez. LP, VII, II, 18, 6.); <… ein kleiner Mann mit einem so langen Bart …> (Der Stiprinieks mit seinen Gefährten. 4. A. 301 B. (650 A.) J. Bergmanis Bārtā, Magazin der Lett.-Lit. Gesellschaft, XVIII, 1887, 17.); <… ein Mann mit einem sehr, sehr langen Bart …> (Der Stiprinieks mit seinen Gefährten. 12. A. 301B. T. Štaūeris Iecavā. LP, IV, Iv, 5. AŠ II, 87e.); <… da kommt ein kleiner Mann mit einem sehr, sehr langen Bart …> (Der Stiprinieks mit seinen Gefährten. 13. A. 650 A. 30t B. J. Gobziņš Durupē. LP, IV, 1, 4 v. AŠ, II, 8i f.); <…der Junge packte eine Spanne und nagelte seinen Bart mit einem Haken am Baum fest …> (Der Stiprinieks mit seinen Gefährten. 16. A. 301B. L. Makevica Nogalē. LP, VI, 115, 24 turp. AŠ, II, 87 d.); <…ein kleiner Mann mit einem langen, weißen Bart …> (Der Sohn des Schmieds. 6. A. 301B. Nameitu Juris, Franka-Sesavā. Jkr. II, 2. LP, VII, II, 18, 4, 3. AŠ, II, 92 a.); <… so ein Mann, rund wie eine Rübe, mit einem längeren Bart als ein Pferdeschwanz …> (Der Sohn des Eisens. 2. B. 301A. Dzirciemā, LP, VI, 115, 19 piez.); <… ein langer kleiner Mann mit einem ellenlangen Bärtchen …> (Der Sohn des Eisens. 5. A. 30113. J. Saržants Garlenē. LP, VII, II, 18, III, l.); <… ein Männchen von der Größe eines Daumens und mit einem sehr langen Bart …> (Der Sohn des Bären. 4. A. 301B. M. Šimiņš (Pērkons) Kurzemes Bruknā. Jkr. II, 1. LP, VII, II, 18, 5. AŠ, II, 90d.); <…mit einem ellenlangen Bart und einem Laib Brot …> (Der Sohn des Bären. 8. A. 301B. Pogu Jānis, Bechmanis, I879. Brambergā und Ezerē, Brīvzemnieka Kr. LP, VI, 115, 10a. AŠ. II, 90h.); <… ein kleiner Mann mit langem Bart …> (Der Sohn der Stute. 3. A. 303. 300. 30IA. 513A. Lauris Bikstos. LP, VI, 115, 2b. AŠ, II, 92c.) es gibt noch mehrere hundert weitere Beispiele, die sich wegen ihrer großen Zahl hier nicht anführen lassen.
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rus. borozda ‘arklio išvagota eilė’ < prasl. *borzda (Brückner 1957: 42). Toks spėjimas būtų kur kas patikimesnis, jei šis slavų vardažodis kuriame nors dialekte reikštų „barzdą“ ar kokį nors kūno organą. Deja, tokių duomenų nėra (plg. ESSJ₂ 220). Suponuoti, kad semema „vaga“ kažkaip susijusi su nagrinėjamos kūno dalies išvaizda taip pat negalima, kadangi slavų kalbose iš šios šaknies pasidaryti kūno dalių pavadinimai išlaiko savo denotatinę vertę: s.-ch. (čak.) brazgotina ‘randas’, slov. brazgotina ‘t. p.’ < s. sl. brazda < prasl. borzda (fonetinė kaita -zd- > -zg-) (Kurkina 1982: 182). Vadinasi, slavų kalbose išlaikomas denotatinis dėmuo „tai, kad įrėžta; išvagota“, kuris visiškai nesusijęs su liet. barzdà denotatu „apatinės veido dalies plaukai“.
Befürworter eines Einflusses der slawischen Sprachen berufen sich häufig auf das in diesen Sprachen belegte Protosemem „Pflanze“; vgl. russ. boroda ‘Bart’, das in russischen Dialekten folgende Bedeutungen haben kann:
1. „Schwad beim Mähen oder Schneiden von Roggen (und anderen Getreidepflanzen)“ (Gebiet Pskow);
2. „zentrales Requisit des bei den Ostslawen der ‚Bart‘ gewidmeten Rituals (im Zusammenhang mit dem Getreideschnitt) – ein künstlicher, aus Stroh gefertigter Bart“;
3. „letzte Getreide- bzw. Roggengarbe“ (Ternovskaja 1977: 80ff.).
Man nimmt an, dass dies mit dem mythologischen Bart zusammenhängen könnte, der beim Erntefest aus der letzten Getreide- oder Roggengarbe angefertigt wird. Dieses Ritual war besonders bei den slawischen Völkern verbreitet; vgl. die russischen Wendungen zavit’ Velesu borodu und zavit’ borodu ‘die Getreide- (Roggen-)Erntearbeiten abschließen’ (Dal’ I 116). Vermutlich wurde dem Menschen (offenbar dem Priester) bei den sakralen Riten ein Bart angelegt – das Ritual symbolisierte eine anthropomorphisierte Gottheit (ausführlicher siehe Ivanov 1985: 163ff.). Es wird behauptet, ein ähnliches Ritual habe es auch bei den baltischen Riten gegeben (Greimas 1990: 479, 484f.); sein Einfluss auf den Wandel der morphologischen Wortstruktur ist jedoch nicht nachgewiesen.
Es ist schwer zu glauben, dass es auch in germanischen Dialekten einen ähnlichen Benennungsprozess im Zusammenhang mit einem mythologischen Bart gegeben haben sollte – ahd. burst ‘Borsten’ steht seiner semantischen Bedeutung nach den ostbaltischen Beispielen für Bart wesentlich näher als den slawischen Wörtern aus anderen Bedeutungsparadigmen.
Auch die morphonologische Hypothese eines slawischen Substrats ist wenig überzeugend, da sie die Struktur der Wörter in anderen idg. Sprachen außer Acht lässt: ai. bhrṣṭís ‘Klinge, Rand’, aisl. und ahd. burst ‘Borsten’, ae. byrst ‘ebd.’. Daher ist es schwer, die Möglichkeit der Existenz eines idg. *bhars-dhā zu bestreiten. Bislang wird allerdings das germanische wurzelanlautende -s- bei der Rekonstruktion des urgerm. *barda- ignoriert (Kluge 1975: 54).
Karulis weist, gestützt auf Endzelins (DI₁ 251) und Vasmers Vermutung über das hohe Alter der Lautverbindung -zd-, darauf hin, dass ihr Ursprung mit der Wiedergabe von -s- in der idg. Grundform verbunden werden kann (LEV ibd.). Diese Auffassung ist wesentlich plausibler, da im Litauischen keine Formen ohne wurzelhaftes -z- gebraucht werden; umgekehrt tritt in einigen Dialekten der Schwund des wurzelhaften -d- und -r- auf, niemals aber der des -z- (siehe die zuvor erörterten litauischen Dialektformen baržà, bazdà). Folglich gibt es keinerlei Grund, urlit. *bardā zu rekonstruieren (Trautmann 1923: 27; Mažiulis I 151). Ebenso lässt sich die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die Form mit -z- auch im Altpreußischen existierte (siehe Anm. 4).
Auf der Grundlage der hier beschriebenen sprachlichen Fakten ließe sich annehmen, dass gerade die litauischen Substantive für den Bart die ältere morphologische Struktur bewahrt haben, weshalb die slaw-
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Der Faktor der Analogie mit der ostseefinnischen Sprache ist auf Beispiele aus dem Lettischen anwendbar; Dialektismen dieser Sprache mit -z- sind als Archaismen zu behandeln.
Ein weiteres wichtiges Problem ist die Behandlung baltischer Lehnwörter in den finnischen Sprachen, denn man vermutet, dass die Finnen die Bezeichnung für barzdos aus dem Baltischen entlehnt haben: suo. parta ‚Bart‘, estn. pard ‚ebenso‘, weps. bard ‚ebenso‘ (Sabaliauskas 1966: 6; 1990, 9; PJĄ₁ 242 mit Literatur).
Zur Stützung der Authentizität der Formen mit -d- bzw. des sekundären Ursprungs von -zd- wird die finnische Form parta ‚Bart‘ herangezogen, deren Entlehnung aus dem Baltischen offenbar außer Zweifel steht. Dennoch ist dies nicht die einzige Bezeichnung für barzdos in den finnischen Sprachen. Im livischen Dialekt der karelischen Sprache wird die Form barde ‚Bart‘ verwendet (Barancev 1967: 8).
Liudikų tarmė lokalizuojama Onegos ežero baseino ribose (Bubrich 1971: 4), t. y. ribojasi su rusų kalbos šiaurinėmis šnektomis, kurių įtaka ypač ryški šios tarmės leksikos darybos kaitai. Labai svarbi aplinkybė fonetiniam skolinio interpretavimui yra tai, kad šioje tarmėje nėra priešbalsių duslusis ↔ skardusis kaitos (konsonantinis sinharmonizmas) (Bubrich op. cit., 5). Todėl kaip tik šioje srityje galima lokalizuoti senesnės formos vartojimo pavyzdžius nei Pabaltijo finų, kuriems ši kaita būdinga.
Folglich müsste man feststellen, dass es in der Gruppe der finnischen Sprachen zwei verschiedene Entlehnungen zur Bezeichnung desselben Gegenstands gibt. Das wäre schwer zu glauben. Da die Anpassung dieses Lehnworts nicht völlig klar ist, könnte man annehmen, dass liv. barde ‚Bart‘ nicht aus den baltischen Sprachen, sondern von anderen benachbarten Völkern übernommen wurde. Als mögliche Entlehnungsquellen kommen nördliche slawische sowie nördliche und westliche germanische Dialekte infrage. Diese Lehnwörter könnten über die Wepsen in den livischen Dialekt gelangt sein; von ihnen werden sie auch hergeleitet (Salo 1971: 57; Serebrennikov 1971: 25, 30).
Eine Analyse der Entlehnungen des Barzdos liegt nicht vor – A. Sabaliauskas rechnet suo. parta, estn. pard, weps. bard sehr vorsichtig zu den Baltismen (1963: 124), vielleicht erwähnt er sie aus diesem Grund später nicht einmal (1966: 65). Es gibt Gründe, sie eingehend zu erörtern, denn davon hängt ab, ob sie als Baltismen behandelt werden können. Es könnte sich um Germanismen handeln: dt. Bart ‚Bart‘ (< urgerm. *barda- ‚ebenso‘, Kluge 1975: 54)8. Das hier angeführte livische Beispiel lässt an der Baltismus-Hypothese zweifeln, denn estn. pard, (Gen.) parra ‚Bart‘ ist mit Sicherheit keine im Livischen verwendete Form. Wie ließe sich dann das Auftreten des im livischen Dialekt verwendeten Wortes erklären? Es wäre schwer zu glauben, dass russ. borodá ‚Bart‘ die Ursache dafür sein könnte, d. h. barde unterscheidet sich morphologisch stark von diesem Wort, und der morphonologische Wechsel -oro- > *-or-9, später verstetigt zu -ar-, ist für finnische Lehnwörter untypisch; vgl. das Beispiel mit der Struktur CVRC- in den ostseefinnischen Sprachen: laudus ‚hölzerner Netzschwimmer‘ < russ. dial. lovdus, lovdas, lovda, lovtus ‚ebenso‘ (Matveev 1959: 14).
Wenn man annähme, dass weps. bard ‚Bart‘, das phonetisch dem liv. barde am nächsten steht, das Auftreten der Bezeichnung für barzdos im livischen Dialekt verursacht haben könnte, müsste man zunächst erklären–
9 Der Wechsel von Stammvokalen in Lehnwörtern finnischer Sprachen ist sehr häufig – /o/ kann nicht nur zu /a/, sondern auch zu /e/ wechseln (vgl. Kregždys 2003: 34). Was auch immer der Grund für diesen Wechsel sein mag, er ließe sich durch Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der morphonologischen Struktur dieses Dialekts erklären. Endzelin stellte fest, dass in finnischen Lehnwörtern slawischen Ursprungs anstelle des slawischen Grundvokals /o/ ein /a/ stehe (Endzelin 1911: 106t).
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… die Flexionsabweichung 10 -V: -Ø11 zu erklären. Somit lässt sich vorsichtig vermuten, dass gerade das bei den Liiven bezeugte bardė das ursprüngliche Lehnwort ist, das die lautliche Struktur des entlehnten Wortes am besten bewahrt hat. Ebenso lässt sich vermuten, dass es sehr früh entlehnt wurde und das ältere Germ. *bardą widerspiegelt. Dies ist natürlich nicht leicht zu beweisen, da auch A. Sabaliauskas darauf hinweist, dass „es am schwierigsten ist, die Echtheit der einen oder anderen Entlehnung genau festzustellen, weil wir hier mit sehr großen Zeiträumen zu tun haben“ und dass „die finnisch-baltischen Sprachen ihrer Struktur nach sehr weit entfernt sind und ein Wort, das aus einer Sprache in eine andere gelangt, im Laufe einer so langen Zeit den Gesetzmäßigkeiten der neuen Sprache unterliegt und sich so verändert, dass es schlicht unmöglich ist, es wiederzuerkennen“ (1963: 130; 1966: 67). Dennoch wird der Beweiswert der hier vorgelegten Version durch das Anpassungsprinzip der Entlehnungen im Livischen gestärkt, die morphologische (und lautliche) Struktur des Wortes möglichst authentisch zu bewahren.
Daher ist die Annahme, dass diese Entlehnungen nicht baltischen, sondern germanischen Ursprungs sind, wesentlich zuverlässiger. Dies würde die hier eingehender untersuchte vokalische Gestalt des livischen bardė erklären, obwohl der Anlautkonsonantismus des Wortes (vgl. westfinn. bard) noch gesondert zu erklären ist. Wahrscheinlich muss man annehmen, dass finn. parta einen doppelten konsonantischen Silbenharmonieprozess durchlaufen hat: Zunächst wurde germ. bart(a)12 (< germ. *barda, Pokorny 110) zu *para (diese Form übernahmen die Esten), später wandelte es sich infolge der bereits erwähnten Silbenharmonie zu part.
Somit lässt sich vorsichtig vermuten, dass karl. dial. bardė ganz sicher keine Entlehnung aus dem lettischen oder litauischen Sprachareal ist, in dem Beispiele mit der Lautverbindung -zd- dominieren.
Das Problem der Anpassung finnischer Entlehnungen ist auch unter diachronischer Perspektive zu untersuchen; dafür ist jedoch eine detaillierte interne phonologische Analyse der finnischen Dialekte erforderlich, die in den genannten Dialektbeschreibungen (der Liiven) fehlt. K. Būga führt einige lautliche Unterschiede finnischer Entlehnungen an, die bei derselben Entlehnung auftreten, wenn diese zu verschiedenen Zeiten übernommen wurde (1959: 233ff.), doch sind sie für das hier untersuchte Problem nicht aufschlussreich.
Dieses Problem lässt sich ähnlich behandeln wie bei ostbaltischen Beispielen, die in verschiedenen Dialektzonen verwendete Dubletten mit -z-:-zd- widerspiegeln. Die Gründe für das Entstehen dieser Varianten lassen sich wohl tatsächlich in der Lexik anderer Sprachen suchen; zunächst wären jedoch die Gründe zu bewerten, aus denen sie entstanden sein könnten – der bereits erwähnte semantische Faktor, das Prinzip der Sprachökonomie und die Möglichkeit, die schwer auszusprechende Lautverbindung -zd- zu vereinfachen (dies wurde zur Vielfalt der Lautstruktur von Wörtern gesagt, die in litauischen Dialekten verwendet werden).
Abschließend lässt sich feststellen, dass die Ursachen für das Entstehen und den Gebrauch von nominalsuffixalen Alternanten mit den Wurzellauten -zd-/-z-/-d- noch wenig erforscht sind. Die Deutung der morphologischen Struktur mancher Wörter wirft erhebliche Zweifel auf; vgl. lit. skruzdìs, -ìės ‚Ameise‘ – lit. dial. (Ost-Aukštaitisch) skrudė ‚dasselbe‘, skrud-ėlė (Ds, LNKM), wobei -zd- von verschiedenen Autoren unterschiedlich gedeutet wird: Būga behauptet eindeutig, es habe pralit. *skrus, Gen.
10 Liud. bardė Das flektierende -ę ist ein vorderer, mittlerer, ungerundeter, offenerer Vokoid als /e/, der gelegentlich auch grafisch als ä wiedergegeben wird (Barancev op. cit., 16).
11 Dieses livische Flexionssuffix -ę kann einen großen Archaismus widerspiegeln, d. h. das Wort kann eine wesentlich archaischere Form bewahrt haben als andere finnische Beispiele; vgl. germ. *barda, ‚Bart‘. Somit besteht keinerlei Anlass, die Entlehnungen mit baltischen Flexionsbeispielen in Verbindung zu bringen (zur Anpassung baltischer Endungen siehe ausführlicher Dolja, Suchanova 1971: 53).
12 Vgl. die Beispiele: isl. barða ‚Axt‘ und asächs. barda ‚Bart‘ (Pokorny ebd.).
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*skruzdės (1959: 368), daher setzt er eine Grundform mit -zd- an (1958: 289), obwohl Formen ohne -z- in den alten Schriften zahlreich sind (vgl. LEW 819; Ambrazas 2000: 54). Dieser Argumentation folgt auch Fraenkel („Im Ostlit. kommen z-lose Formen vor...“), Karulis widerspricht jedoch (LEV₂ 208f.). Es ist möglich, dass von der Behandlung dieser Konsonantenverbindung auch die Erklärung der Wortherkunft abhängt.
3. SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. DasAuftreten morphonologischer Varianten der Bezeichnung für den Bart mit -zd-: -z- lässt sich nicht nur durch die Eigenheit einiger Mundarten erklären, die Wortstruktur danach zu vereinfachen, ob die Konsonantenverbindung morphologisch relevant ist, sondern auch durch die Prinzipien der Sprachökonomie und der bequemen Aussprache.
2. Die Verbreitung und Verwendung der lettischen Bartbezeichnungen in alten Schriften und in der Folklore lässt auf eine ältere Form mit -zd- schließen und nicht, wie bislang angenommen, mit -d-.
3. Die sekundäre Herkunft der Verbindung -zd- in lit. barzdà durch die Verbindung dieses Substantivs mit finnoischen Lehnwörtern zu begründen, ist sehr zweifelhaft, da die Wörter der ostseefinnischen Sprachen für Bart germanischen Ursprungs sein können.
ABKÜRZUNGEN
ARLV – Ārlava (65)
BSK – Bauska (235)
DND – Dundaga (63)
KND – Kandava (84)
KRTP – Krustpils (357)
PRE – Preiļi (439)
SNK – Sunākste (353)
VND – Vandzene (75)
VNP – Ventspils
ABKÜRZUNGEN DER QUELLEN
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