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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA

LII (2005), 67 – 82

Die Markierung des intransitiven Subjekts mit Nominativ und/oder Genitiv*

LORETA SEMĖNIENĖ

Institut für Litauische Sprache, Vilnius

In diesem Beitrag werden die Faktoren untersucht, die den Gebrauch des Nominativs und des Genitivs als Kennzeichnungen des intransitiven Subjekts im Litauischen bestimmen. Folgende vorläufige Schlussfolgerungen werden formuliert: Subjekte, die hinsichtlich ihrer kategorialen Eigenschaften prototypisch sind, werden mit dem Nominativ markiert, obwohl diese Regel durch andere Faktoren wie Numerus, Referentialität usw. außer Kraft gesetzt werden kann. Weniger prototypische Subjekte können mit dem Nominativ oder dem Genitiv markiert werden; Belebtheit ist nicht der herausragendste Faktor, der die Wahl bestimmt. Definitheit und Wortstellung sind wichtige Faktoren. Definitive Subjekte in Sätzen mit unmarkierter Wortstellung zeigen eine starke Präferenz für den Nominativ. In weniger typischen Konfigurationen wie VSdef oder SindefV werden Nominativ und Genitiv häufig als Kennzeichnungen der Definitheit beziehungsweise Indefinitheit verwendet.

0. EINLEITENDE BEMERKUNGEN

0.1. Das Subjekt litauischer negativer intransitiver Sätze1 wird auf dreierlei Weise ausgedrückt: i) in negativen intransitiven Sätzen wird, wie auch in positiven intransitiven Sätzen, der Nominativ des intransitiven Subjekts (im Folgenden auch Subjekt) verwendet, z. B.:

(1) Jonas miega.

(2) Jonas nemiega.

* Der Beitrag wurde 2003 während eines Aufenthalts in Deutschland (Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg) zur Drucklegung vorbereitet. Die Autorin dankt ihrem Betreuer, Prof. habil. Dr. Gerd Hentschel, herzlich für jede Unterstützung und die Ratschläge sowie der DAAD-Stiftung (Deutschland) für die Finanzierung des Aufenthalts. Prof. habil. Dr. Axel Holvoet danke ich für die während der Grammatikseminare geäußerten Bemerkungen. Für die sorgfältige Lektüre des Beitrags sowie wertvolle Bemerkungen und Korrekturen danke ich Dr. Roland Mikulskis und den Gutachtern des Beitrags herzlich.

1 In Untersuchungen zur litauischen Grammatik werden die Begriffe Subjekt im Sinne einer syntaktischen Kategorie und Subjekt im Sinne einer semantischen Kategorie verwendet (Balkevičius 1963: 74ff.; Paulauskienė 1994: 107ff., 115). In einigen Grammatikwerken gelten der Nominativ des Subjekts und der Genitiv des Subjekts in positiven und negativen intransitiven Sätzen als Subjekte (Ambrazas, ed., 1997: 476; Balkevičius 1963: 77); in anderen wird der Genitiv des Subjekts in negativen intransitiven Sätzen syntaktisch als Objekt analysiert, während der Nominativ des Subjekts in positiven intransitiven Sätzen als Subjekt gilt (vgl. Ulvydas, Hrsg., 1976: 291; Ambrazas, Hrsg., 1994: 606, 625; Labutis 1998: 220; Sirtautas, Grenda 1988: 25, 107; Paulauskienė 1983: 190ff.). Das Subjekt wird traditionell anhand eines formalen – des Kasus – Kriteriums und des Typs der syntaktischen Beziehung definiert: Üblicherweise gilt als Subjekt ein Nominalausdruck im Nominativ, der mit dem Prädikat durch eine wechselseitige Beziehung verbunden ist (im weiteren Sinne kongruiert) (Ambrazas, Hrsg., 1994: 487; vgl. Jablonskis 1957: 453ff.; Ulvydas, Hrsg., 1976: 279ff.; Sirtautas, Grenda 1988: 54, 57, 86; Ambrazas, ed., 1997: 475ff.; Labutis 1998: 211ff.). Der in diesem Beitrag verwendete Begriff des intransitiven Subjekts (Subjekts) ist typologisch zu verstehen; ein solches intransitives Subjekt bezeichnet das einzige Argument einstelliger Prädikate, das syntaktisch nicht nur im Nominativ, sondern auch in anderen Kasus (Genitiv, Dativ, Akkusativ usw.) ausgedrückt werden kann (ausführlicher siehe Holvoet 1991: 50f., 80).

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ii) In positiven intransitiven Sätzen wird der Nominativ des Subjekts durch den Genitiv des Subjekts ersetzt2, z. B.:

(3) Jonas ist zu Hause.

(4) Jono ist nicht zu Hause3.

iii) In negativen intransitiven Sätzen können im Unterschied zu positiven grundsätzlich sowohl der Nominativ als auch der Genitiv des Subjekts verwendet werden, vgl.:

(5a) Zunächst, als ich mich von „Žalgiris“ verabschiedete, war es schwer. Noch während ich spielte, hegte ich die Hoffnung: Wenn ich aufhöre, werde ich Trainer. Doch damals fand sich in Kaunas kein Mensch, der mir eine solche Stelle anbieten konnte. Wenn man mich nicht ruft – soll ich dann etwa selbst darum bitten? KT

(5b) Nachdem die Ärztin Regina Valatkienė durch einen Kollegen aus Šiauliai ersetzt worden war, wunderten sich nicht wenige Mediziner: Warum kann R. Valatkienė nicht länger Chefärztin sein, gab es etwa in Kaunas keinen Menschen, der sie ersetzen konnte? Der Chefarzt des Bezirks, K. Stankaras, sagt heute, er bereue, R. Valatkienė abgesetzt zu haben. KT

(6a) Der Künstler wurde auf dem Rasų-Friedhof beigesetzt, doch das Grab ist nicht erhalten geblieben, obwohl der Ort bekannt ist, an dem Wissenschaftler, bedeutende Künstler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beigesetzt wurden. KT

(6b) Der Dichter und Pädagoge starb 1897 in Warschau, wo er sich damals behandeln ließ. Sein Grab ist nicht erhalten geblieben. Zu Sowjetzeiten wurde der Name S. Gimžauskas verschwiegen; kein einziges seiner Gedichte wurde gedruckt. KT

(7a) Für die Franzosen, Polen und Deutschen bestand keine Gefahr des Verschwindens; mehr noch – sie assimilierten andere Völker und wuchsen auf deren Kosten. Und bei ihnen stellte sich nicht die Frage: Wer sind wir? Das war selbstverständlich. KT

(7b) Beim Lesen der Briefe von Jurgis Jankus stellte sich kein einziges Mal die Frage: Wie viel davon ist der Mensch des Alltags und wie viel der Schriftsteller, also ein Mensch, dem sein Talent hilft, alles […] aus einer höheren Perspektive zu betrachten. KT

0.2. Wie in der Literatur festgestellt wird, hängt in den letztgenannten Fällen die Verwendung eines der Kasus vom semantischen Typ des intransitiven Satzes ab.

Leonardas Babby (1980a; 1980b: 225f.) unterscheidet danach, in welchem Kasus das Subjekt in negativen intransitiven Sätzen markiert ist, negative deklarative Sätze (engl. negated declarative sentences) mit einem Subjekt im Nominativ und negative Existenzsätze (engl. negated existential sentences) mit einem Subjekt im Genitiv. Das in negativen Existenzsätzen im Genitiv markierte Subjekt sei unbestimmt, und solche Sätze seien gewöhnlich rhe­matisch, obwohl bisweilen fakultativ ein durch eine Ortsangabe markiertes Thema möglich sei. In negativen deklarativen Sätzen wird das Satzthema durch den Nominativ eines bestimmten Subjekts ausgedrückt, während das Prädikat zusammen mit einer obligatorischen Ortsangabe bezeichnet

2 Zu Fällen, in denen der Nominativ eines positiven Satzes durch den Genitiv eines negativen Satzes (Negationsgenitiv) ersetzt wird, siehe: Ambrazas, Hrsg. (1994: 584), Šukys (1998: 107ff.); vgl. Ambrazas, ed. (1997: 668f.).

3 Plg. Jono Šukio (1998: 68) teiginį: „Dėl vokiečių kalbos įtakos arčiau buvusios Prūsijos sienos ir žemaičių paribiais klaidingai pasakoma ir Ji nėr namie (= Jos nėr(a) namie), […] taigi nepaisoma, jog neiginys linksnį čia turi keisti“. Akademinėje lietuvių kalbos gramatikoje (Ambrazas, ed., 1997: 666tt, plg. Ambrazas, red., 1994: 625) teigiama, kad intranzityviniai sakiniai, kuriuose neigiama ko nors egzistencija (visų pirma sakiniai su būti), dažniau reikalauja kilmininko, o ne vardininko.

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das Rhema des Satzes. Als negative deklarative Sätze gelten auch Fälle, in denen ein referenziell bestimmtes Subjekt mit dem Negationsgenitiv markiert ist (vgl. Satz (4)).

Vladimiro Borschevo ir Barbaros Partee (2002a: 5tt, 2002b: 8tt; 2002c: 8tt) nuomone, egzistenciniai sakiniai visada susiję su eksplicitiniu ar implicitiniu, t. y. paaiškėjančiu iš platesnio konteksto, vietos nurodymu, žyminčiu sakinyje temą. Kitaip tariant, semantiniu požiūriu egzistencija visada susijusi su buvimu tam tikroje vietoje (angl. being in a location). Skirtingai nei Babby, autoriai laikosi nuomonės, kad skirtumas tarp neigiamų lokatyvinių sakinių (pagal Babby, konstatuojamųjų sakinių), kuriuose subjektas paprastai žymimas vardininku, ir neigiamų egzistencinių sakinių, kurių subjektas tipiškai reiškiamas kilmininku, greičiau susijęs ne su temos vs. temos skirtumais, bet su sakinio perspektyva, t. y. intranzityvinių sakinių skirtumai remiasi egzistencinėje / lokatyvinėje situacijoje (angl. existence / location situation) pasirenkamu perspektyvos centru (angl. Perspectival Center) (Babby terminais kalbant, tema). Egzistencinių sakinių perspektyvos centras yra vieta, o lokatyvinių sakinių – daiktas. Esama sakinių, interpretuotinų kaip tarpiniai lokatyvinių ir egzistencinių sakinių atvejai. Tokiais galima laikyti lokatyvinius sakinius su subjekto kilmininku (dar žr. Holvoet 2005: 3t)⁴.

0.3. Ohne die Geschichte der Fragestellung und die unterschiedlichen Auffassungen der Forscher⁵ ausführlich darzustellen, ließe sich einerseits behaupten, dass die Wahl zweier unterschiedlicher Kasus zur Markierung des Subjekts in markierten negativen intransitiven Sätzen des Typs (5a)–(7b) eine (semantische, syntaktische oder sonstige) Opposition zwischen den Sätzen anzeigt. Anders ausgedrückt, würde eine solche Behauptung auf der Annahme beruhen, dass die Markierung der zum Satzkern⁶ gehörenden syntaktischen Funktion (des Subjekts) mit unterschiedlichen Kasus nicht zufällig, sondern motiviert ist. Andererseits ließe sich annehmen, dass die Unterschiede zwischen Sätzen, die mit zwei unterschiedlichen Kasus markiert sind, grundsätzlich unwesentlich sind und der nebeneinander erfolgende Gebrauch zweier Kasus im Wesentlichen synonym und gleichwertig ist, d. h. Nominativ und Genitiv des intransitiven Subjekts als morphosyntaktische Varianten⁷ verwendet werden. Ausgehend von der Annahme, dass unter bestimmten semanti-

4 Elena Padučeva (1997: 103) neigiamus intranzityvinius sakinius su neiginio kilmininku skiria į du – egzistencinių ir percepcinių – sakinių tipus. Egzistenciniais sakiniais teigiama, kad „X (daiktas) neegzistuoja tam tikroje vietoje ar apskritai pasaulyje“; percepciniais sakiniais teigiama, kad „X nėra stebėtojo percepcijos lauke (rus. перспективное пространство Субъекта сознания)“. Percepcinių sakinių X (subjektas) gali būti žymimas ne tik kilmininku, bet ir vardininku; egzistencinių sakinių X (subjektas) paprastai (bet ne visada) žymimas kilmininku (t. p.: 106tt). Aldonos Paulauskienės (2001: 159) manymu, „yra tokių atvejų, kai neiginys leidžia vardininką ir kilmininką vartoti sinonimiškai. Taip esti, kai loginis subjektas nesutampa su gramatiniu veiksniu ir reiškiamas naudininku: Ar neliko ir man koks kąsnelis (kokio kąsnelio)?“⁴

5 Einen Überblick über Arbeiten zur unterschiedlichen Deutung des Akkusativs/Genitivs in negativen transitiven und des Nominativs/Genitivs in negativen intransitiven Sätzen siehe Hentschel (1992a). Siehe außerdem die von Greville G. Corbett (1986) zusammengestellte Bibliografie zum Gebrauch von Akkusativ/Genitiv in negativen transitiven Sätzen des Russischen.

6 Dabartinės lietuvių kalbos gramatikoje (Ambrazas, red., 1994: 587t) sakinio branduolys apibrėžiamas kaip kiekvienam sakiniui gramatiškai būtinos žodžių formos, t. y. tarinys (predikatas) su gramatiškai būtinomis sakinio dalimis.

7 Zugrunde gelegt wird Gerdo Hentscheliōs Konzept morphosyntaktischer Varianten. Morphosyntaktische Varianten sind mehrere (mindestens zwei) unterschiedliche morphosyntaktische Formen desselben semantischen Arguments, die in einer festen strukturellen Position und bei derselben Situationsperspektive verwendet werden und einander ohne Bedeutungsunterschied ersetzen können (ausführlicher siehe Hentschel 1992a; 2001; vgl. Valiulytė 1992: 50; Švambarytė 1992: 7f.). Laut Babby (1980a: 66ff.) sind selbst in den Fällen, in denen beide möglich sind

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Unter den semantischen und/oder formalen Satzbedingungen, unter denen der eine oder andere Kasus des intransitiven Subjekts wahrscheinlicher, aber nicht zwingend ist, müsste geklärt werden, was im konkreten Fall die häufigere Wahl eines der Kasus beeinflussen kann.

Im Folgenden grenzt sich der Artikel von Sätzen des Typs (1)–(4) ab und behandelt, unter Berücksichtigung der Untersuchungen zu anderen Sprachen und der Schlussfolgerungen einzelner Forscher, eingehender die Korrelation semantischer (belebt/unbelebt, bestimmt/unbestimmt) und syntaktischer (Wortstellung) Kriterien mit dem Subjektkasus in Sätzen des Typs (5a)–(7b).

1. KORRELATION VON BELEBTHEIT UND BESTIMMTHEIT MIT DEM KASUS DES INTRANSITIVEN SUBJEKTS

1.0. In vielen Untersuchungen wird bei der Erörterung des Einflusses der Negation auf den Gebrauch des Kasus (des Objekts oder Subjekts) häufig nach Zusammenhängen zwischen Belebtheit (oder Individualität) und Bestimmtheit sowie Unbelebtheit (Abstraktheit) und Unbestimmtheit gesucht8.

1.1. Häufig wird die Belebtheitshierarchie anhand des verallgemeinerten Merkmals Belebtheit unterschieden: belebt vs. unbelebt. Bei der Untersuchung der Ausdrucksweisen des intransitiven Subjekts im Litauischen erschien es sinnvoll, den Einfluss der Belebtheitshierarchie auf den Kasus des Subjekts in negierten Sätzen unter Berücksichtigung dreier verschiedener Hierarchien (Person, Typ des Substantivs (oder substantivisch verwendeten Wortes), Belebtheitsmerkmal) zu erörtern (ausführlicher siehe Croft 1990: 111ff., 127ff.; vgl. Comrie 1989: 128, 185ff.): PRONOMEN DER 1. UND 2. PERSON > PRONOMEN DER 3. PERSON > EIGENNAME > GATTUNGSNAME FÜR EIN LEBEWESEN (EINE PERSON > EIN TIER) > GATTUNGSNAME FÜR EIN UNBELEBTES (KONKRETES > ABSTRAKTES) DING.

Unter Berücksichtigung der Belebtheits- oder Individualitätshierarchie9 wird angenommen, dass im Nominativ (oder im Akkusativ in negierten transitiven Sätzen) bevorzugt ein möglichst belebter oder individueller Referent bezeichnet wird, der durch ein Substantiv (oder ein substantivisch verwendetes Wort) ausgedrückt wird (vgl. Babby 1980a: 11f.; Timberlake 1986: 339; Behnke 2005: 88ff.).

1.1.1. Tatsächlich zeigt sich, dass persönliche Pronomen, wenn sie als Subjekte negativer intransitiver Sätze auftreten und in der Belebtheitshierarchie am höchsten stehen, gewöhnlich im Nominativ stehen, unabhängig davon, ob sie auf belebte (Personen, Tiere) oder unbelebte (konkrete, abstrakte) Dinge verweisen, z. B.:

(8) Wenn du mir dieses Spiel beibringen möchtest, ruf mich an. Die Telefonnummer gibt es bei Arūnas. „Vaida A. aus ‚Exemplum‘, dieser Brief ist für dich. In deinem Leben existiere ich schon nicht mehr, aber du bist wie ein Elixier für meine Seele, die im Alltagssumpf versinkt.“ KT

Beim Gebrauch der Kasus unter Negation gibt es bestimmte (bisweilen subtile) funktionale Unterschiede zwischen den Sätzen; daher könne man aus syntaktischer Sicht nicht von „freien Varianten“ der Kasus sprechen (engl. free variation) (siehe auch Haiman 1985: 19, 71).

8 Zum Einfluss der Belebtheits- und/oder Bestimmtheitshierarchien auf den Subjektkasus in negativen intransitiven Sätzen des Russischen siehe Babby (1980a); Hentschel (1992a); Behnke (2005); zum Einfluss der genannten Hierarchien auf den Objektkasus in negativen transitiven Sätzen ausführlicher siehe Hentschel (1992a); Ueda (1992); Mustajoki, Heino (1991); Schaller (1978); Švambarytė (1992); Timberlake (1986); vgl. Holvoet (1991: 99ff.). Vgl. die Kritik an den Arbeiten von Mustajoki, Heino (1991) und Ueda (1992) in: Hentschel (1996, 1998).

9 Nach den Merkmalen Belebtheit (im engeren Sinne), Definitheit, Numerus, Konkretheit und weiteren wird die Hierarchie der Individualität (engl. Individuation) von Alan Timberlake (1986) unterschieden.

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(9) Im Dorf Petroniškiai, unweit des Burgbergs, wurde ein Geldschatz gefunden. Er ist nicht erhalten geblieben. KT

(10) Der Sänger Deivis ist gleich in drei Kategorien nominiert: als bester Künstler sowie für das beste Album und das beste Lied. „So viel Aufmerksamkeit ist wirklich sehr angenehm. Ich denke, dass sie nicht ohne Grund entstanden ist, denn es wurde lange genug gearbeitet, damit ich dort ankomme, wo ich jetzt bin.“ KT

Das Personalpronomen der 3. Person im Subjektstatus steht nicht nur im NOM, sondern auch im GEN, wenn es eine markierte Pluralform hat. Daher könnte man annehmen, dass im letzteren Fall der Gebrauch des GEN eher nicht durch das Merkmal Belebtheit, sondern gerade durch die markierte Pluralform bestimmt wird; vgl. die Sätze (11)–(13) (vgl. Padučeva 1997: 112)¹⁰. Dafür spricht der Umstand, dass ein Eigenname, der in der Belebtheitshierarchie weiter unten steht, gewöhnlich in der prototypischen Subjektform, dem NOM, steht (vgl. Timberlake 1986: 339; Babby 1980a: 11f.) (siehe auch unten); vgl. die Sätze (14)–(15).

(11) T. Kosciuszko ist im Profil dargestellt, und zu seinen Füßen liegen die Sensen, die den Aufständischen als Waffen dienten. A. Vivulskis schuf noch weitere Werke, doch sie sind nicht erhalten geblieben. KT

(12) Über die Prostitution in Litauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts lässt sich kaum etwas Konkretes sagen. Zunächst fehlen die Fakten. Das liegt nicht nur daran, dass sie nicht erhalten geblieben sind, sondern auch daran, dass die polizeiliche Kontrolle damals schwach war und weder Listen der Prostituierten noch der Bordelle angelegt wurden, wie es in der zweiten Jahrhunderthälfte geschah. KT

(13) Beide dieser vermeintlichen Präpositionen sind Lehnübersetzungen aus den slawischen Nachbarsprachen (vardan ist älter, ženklan neuer). In den Dialekten kommen sie nicht vor, insbesondere ženklan nicht. Der Gebrauch von vardan als Präposition oder Postposition (KKP erkennt nur den Gebrauch als Präposition an) wird eher toleriert. KT

(14) Raimondas hat eine Frau, Kinder und eine Mutter. Wir müssen wissen, wo er sich aufhält. […] Raimondas tauchte auch am Morgen nicht auf. Der Mutter kam der Gedanke nachzusehen, ob alle Hubschrauber an ihrem Platz waren. Doch sie fuhr nicht zu ihrem Stationierungsort, sondern zu einer Reparaturwerkstatt. KT

(15) [Der Sternenmagier] teilte ihr auch die schreckliche Nachricht über den Schwarzen Mond mit. Als der Sternenmagier Dūnias Entsetzen bemerkte, erklärte er, dass der Schwarze Mond in der alltäglichen Realität nicht existiert, aber dennoch unerbittlich das Schicksal eines Menschen beeinflusst. Dūnia dachte an ihr eigenes Schwarzes Loch, das in Wirklichkeit ebenfalls nicht existierte. KT

In den Fällen, in denen das INTRANZITIVE SUBJEKT durch Gattungsnamen ausgedrückt wird, werden sowohl der NOM als auch der GEN nebeneinander verwendet (vgl. die Sätze (5a)–(7b)). Es zeigt sich, dass belebte Gattungsnamen im negativen intransitiven Satz sogar häufiger mit dem nichtprototypischen Subjektkasus, dem GEN, markiert werden als weniger prototypische Subjekte – unbelebte Gattungsnamen (siehe Tabelle 1; siehe auch unten).

10 Płg. Šukys (1998: 70; dar žr. t. p.: 100t) teigia tam tikra prasme priešingai: „neapibrėžto kiekio kilmininkas vartotinas, kai pirmą kartą pristatoma nežinomo ar nebūtino žinoti skaičiaus daiktų, reiškinių bei asmenų grupė, kartais – ir tam tikros visumos neapibrėžta dalis. […] Kai neapibrėžta grupė skaitytojui ar klausytojui jau buvo pristatyta, toliau apie ją kalbama kaip apie apibrėžtąja vartojamas vardininkas“. Toliau (Šukys 1998: 101) teigiama, kad „dalies (kiekio) kilmininkas dažniausiai reiškiamas daugiskaitos formą turinčiu konkrečiuoju daiktavardžiu. Paprastai toks kilmininkas vartojamas tik tada, kai nežinomo ar nebūtino žinoti kiekio vienarūšių daiktų grupė minima pirmą kartą. Toliau apie tą grupę jau kalbame kaip apie žinomą ir vartojame vardininką. […] Renkantis dalies kilmininką, daugiausia lemia veiksmažodžio reikšmė, nemaža – ir daiktavardžio skaičius, jo reikšmė; be to, svarbu kontekstas“.

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Loreta Semėnienė

TABELLE 1. KORRELATION DER KASUS DES DURCH BELEBTE UND GATTUNGSNOMEN AUSGEDRÜCKTEN INTRANSITIVEN SUBJEKTS11

BELEBT (Person, Tier)

UNBELEBT (konkret, abstrakt)

NOM

56 (44%)

NOM

224 (64%)

GEN

71 (56%)

GEN

125 (36%)

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass Namen, die in der Belebtheitshierarchie ganz oben stehen (Personalpronomen, Eigennamen), gewöhnlich im Nominativ des intransitiven Subjekts stehen; Namen, die in der Hierarchie weiter unten oder ganz unten stehen, können sowohl im Nominativ als auch im Genitiv stehen. Im letzteren Fall werden Nominativ und Genitiv des intransitiven Subjekts als morphosyntaktische Varianten verwendet.

Pripažįstant Gerdo Hentschelio (1996: 276tt) kritiką, esą neiginio linksnio aiškinimas, remiantis gyvumo hierarchija, esąs tik faktų aprašymas ir būtina ieškoti kitų vieno iš neiginio linksnių pasirinkimo priežasčių, toliau aptariama apibrėžtumo ir intranzityvinio subjekto linksnio koreliacija.

1.2. Definitheit sagt uns nach Babby (1980a: 12; vgl. Hentschel 1992a; Gladrov 1992; 240ff.; Plungian 2003: 286f.), wie der Sprecher das Wissen des Hörers einschätzt12. Eine definite Nominalphrase (ein Substantiv oder ein substantivisch verwendetes Wort) wird als bereits im Diskurs erwähnt verstanden. Ein durch eine solche Nominalphrase bezeichneter Referent ist dem Hörer gewöhnlich bekannt; er kann den Referenten identifizieren und von anderen Referenten derselben Klasse unterscheiden. Eine solche Nominalphrase vermittelt bereits vorhandene, d. h. alte Information. Die Definitheit einer Nominalphrase kann nicht nur aus dem sprachlichen Kontext, sondern auch aus der Situation oder dem gemeinsamen Wissensbestand der Gesprächspartner hervorgehen (engl. general knowledge). In diesen letzteren Fällen ist die Nominalphrase, obwohl sie im vorausgehenden sprachlichen Kontext nicht erwähnt wird, implizit „aktiv“, d. h. aus dem situativen Kontext erschließbar13. Ein durch eine indefinite Nominalphrase bezeichneter Referent ist in Bezug auf den Kontext gewöhnlich nicht identifizierbar: Eine solche Nominalphrase vermittelt neue Information; der bezeichnete Referent ist dem Hörer noch unbekannt.

11 Lentelės sudarytos remiantis Kauno VDU Kompiuterinės lingvistikos centro dabartinės lietuvių kalbos tekstyno duomenimis (prieiga internetu: http://donelaitis.vdu.lt).

12 Ausführlicher zur Definitheit siehe Lyons (1999a; 1999b); Givón (1978a). Christopher Lyons (1999a: 253ff.) erklärt Definitheit als grammatische Kategorie; Definitheit ist die Grammatikalisierung der Identifizierbarkeit (engl. grammaticalization of identifiability). Talmy Givón (1984: 399ff., 427ff.) unterscheidet die Opposition definit vs. indefinit im Hinblick auf die Fähigkeit des Hörers, die referentielle Definitheit der Nominalphrase festzustellen (engl. specify) und die referentielle Identität (engl. referential identity). Zur Markierung von definit vs. indefinit im Litauischen ist nur wenig geschrieben worden (siehe Ambrazas, ed., 1997: 142ff.; Ambrazas, red., 1994: 174ff.; Grenda 1979; Valeckienė 1986; 1998: 261ff.; Rosinas 1980; Kalėdaitė 2002: 169ff.; vgl. Lyons 1999a: 83).

13 Larsas Behnke (2005: 78t), remdamasis Givóno aktualumo (angl. topicality) sąvoka, skiria tris jo laipsnius: nauja informacija (vardažodis pirmą kartą minimas diskurse); implicitinė informacija (daiktavardis nėra minimas ankstesniame kontekste, bet yra implicitiškai numanomas (via asociacijas) iš situacijos), sena informacija (ankstesniame diskurse minėtas vardažodis). Daroma išvada, kad nė vienas iš aktualumo laipsnių neturi lemiamos įtakos intranzityvinio subjekto linksnio vartojimui.

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Die Definitheitshierarchie (DEFINIT > INDEFINIT14) steht mit der Belebtheitshierarchie in Zusammenhang: Je belebter (individueller) ein Ding ist, desto definitiver ist das es bezeichnende Nominal (Substantiv oder substantivisch gebrauchtes Wort). Umgekehrt gilt: Je definitiver das ein Ding bezeichnende Nominal ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Genitiv der Negation verwendet wird (Timberlake 1986: 339, 342; vgl. Babby 1980a: 60f., 67f.; Paulauskienė 2001: 160, 162)15.

1.2.1. Die Personalpronomen der 1. und 2. Person in Subjektposition eines intransitiven Satzes sind inhärent definit; sie werden, wie bereits erwähnt (siehe 1.1.1.), gewöhnlich im Nominativ markiert (vgl. Satz (8))16. Die Kasusmarkierung der ebenfalls definiten Personalpronomen der 3. Person kann durch den Numerus beeinflusst werden: Die Personalpronomen der 3. Person Singular stehen im Nominativ (vgl. Sätze (9)–(10)), die Personalpronomen der 3. Person Plural sowohl im Nominativ als auch im Genitiv (vgl. Sätze (12)–(15)) (vgl. Timberlake 1986: 342).

Ähnlich wie Personalpronomen werden auch substantivisch gebrauchte Demonstrativpronomen tas, šis und dergleichen verwendet, ebenso wie Relativpronomen kuris, kuri, die als Subjekt eines Nebensatzes auftreten und ebenfalls definit sind: Das intransitive Subjekt wird nicht selten im Nominativ ausgedrückt (vgl. Hentschel 1992a), zum Beispiel:

(16) Edvardas wartete in Ignas’ Büro, doch als dieser nicht erschien, ging er selbst ins Zimmer seines Sohnes. Ignas machte sich schon bettfertig. – Warum bist du nicht vorbeigekommen? – fragte der Vater. – Wozu? – fragte der Sohn gleichgültig. – Ich bin müde. KT

(17) Der Apostel hatte, noch vor dem uns bekannten und zuvor erwähnten ersten Brief, an diese Gemeinde einen Brief geschrieben, der bis in unsere Zeit nicht erhalten geblieben ist. Der zweite Brief an die Korinther wurde im Herbst des Jahres 57 in Makedonien verfasst. KT

Der Genitiv ist eher in Fällen zu erwarten, in denen mit substantivisch gebrauchten Demonstrativpronomen oder Relativpronomen in Subjektposition eines Nebensatzes ein nichtreferentielles Ding bezeichnet wird (vgl. Satz (13)), vgl.:

(18) K. Regelis hatte dies bereits im Dezember 1922 vorausgesehen, als er in der ausländischen Presse bekannt gab, dass ein Fachmann für die Stelle eines Gärtners gesucht werde, denn in Litauen fand sich kein solcher. Inzwischen wurde K. Grybauskas vorläufig zum leitenden Gärtner ernannt, und ab 1924 P. Martynaitis, der bis dahin als Verwalter auf dem Gut Freda gearbeitet hatte. KT

(19) Moskau schlug vor, auch Kunstschaffende mit einem Jubiläumsabzeichen auszuzeichnen, wenn sie in ihren Werken die Arbeit der sowjetischen Miliz dargestellt hatten. Solche fanden sich in Litauen nicht. KT

14 Apie apibrėžtumo hierarchiją (apibrėžtas vs. neapibrėžtas) plačiau žr. Croft (1990: 115tt).

15 Babby (1980a: 12tt; plg. Hentschel 1992a; Padučeva 1997; Behnke 2005) manymu, neiginio kilmininkas intranzityviniuose sakiniuose yra neapibrėžtumo rodiklis.

16Besondere Beachtung verdienen solche negativen intransitiven (lokativen) Sätze wie: nejaugi tu vakar nebuvai namie; nejaugi tavęs vakar nebuvo namie, in denen ein Personalpronomen (oder ein anderes referentiell definites Nominal) im Nominativ oder im Genitiv stehen kann. Offen bleibt die Frage, ob Nominativ und Genitiv stets semantische Unterschiede markieren. Falls ja, welche; falls nein, wann können beide Kasus als morphosyntaktische Varianten verwendet werden? Näheres zu den semantischen Unterschieden eines referentiellen definiten Subjekts im Nominativ oder Genitiv siehe Padučeva (1992: 56ff.); Borschev, Partee (2002b: 25f., 32ff.; 2002c: 10f.); Holvoet (2005: 3f.).

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(20) Skinner zufolge lässt sich nicht zwischen moralischen und unmoralischen Gesellschaftsordnungen unterscheiden, sondern nur zwischen solchen, die fortbestanden, und solchen, die nicht fortbestanden. Fortbestand ist der höchste gesellschaftliche Wert. KT

(21) Auf Vasenmalereien sind viele Haushaltsgegenstände abgebildet, die aufgrund ihrer Vergänglichkeit nicht erhalten geblieben sind. Dazu gehören auch hohe, flache Schalen, auf denen die Griechen wie auf Betten halb liegend ihre Feste feierten. KT

Referenten, die mit Eigennamen bezeichnet werden, sind gewöhnlich bestimmt; zur Kennzeichnung des intransitiven Subjekts wird am häufigsten der Nominativ verwendet (vgl. die Sätze (14)–(15)) (vgl. Gladrov 1992: 255). In bestimmten Fällen ist auch der Negationsgenitiv möglich, vgl.:

(22) Historiker behaupten, die materielle Kultur der Prußen sei sogar höher entwickelt gewesen als die der Litauer. Doch sie hatten keinen eigenen Staat, sondern waren lediglich ein Zusammenschluss von Stämmen. Unter ihnen trat kein Mindaugas hervor. Man kann nur darüber nachdenken, was geschehen wäre, wenn beispielsweise Herkus Mantas nicht erst 1260 auf der historischen Bühne erschienen wäre. KT

Hier bezeichnet der Eigenname – anders als in den vorangehenden Sätzen (14)–(15) – einen nicht-individualisierten Gegenstand; der Satz handelt nicht von einer konkreten (identifizierbaren, individuellen) Person namens Mindaugas, sondern davon, dass unter den Prußen kein Mensch von der Art des litauischen Königs Mindaugas hervortrat. Aus ähnlichen Gründen, nämlich weil ein nicht-individualisierter, nicht-referenzieller Gegenstand bezeichnet wird, kann ein Eigenname mit dem Negationsgenitiv markiert werden, auch wenn er zusammen mit einem Demonstrativpronomen verwendet wird, vgl.:

(23) Hätten sie ihn gesehen, hätten sie vielleicht ihre Entscheidungen geändert. „Offenbar hast du überhaupt kein Herz, wenn du mit dir selbst wie ein Henker umgehst“, schrieb V. Š. in einem Sonett. Leider gab es keinen solchen Hamlet, einen kühnen, launischen Propheten-Philosophen. Für einen Katholiken ist die Frage „sein oder nicht sein“ entschieden. Sein! KT

Hinsichtlich der Bestimmtheit bilden Personalpronomen und Eigennamen den stärksten Gegensatz zu Gattungsnamen, die abstrakte Gegenstände bezeichnen und häufig unbestimmt sind. In letzterem Fall könnte man einen häufigen Gebrauch des Negationsgenitivs erwarten (vgl. Gladrov 1992: 255). Wie die Sätze (24)–(25) jedoch zeigen, werden sowohl der Nominativ als auch der Negationsgenitiv verwendet (vgl. auch die Sätze (7a)–(7b)): Der prototypische Subjektkasus – der Nominativ – tritt sogar häufiger auf als der Genitiv¹⁷. Vgl.:

(24) Es mag wie kein besonderes Ereignis erscheinen – im Geschäftsleben scheitern täglich zahlreiche Verhandlungen und Hunderte von Geschäften werden abgebrochen. Doch diesmal kam es in Litauen beinahe zu einer Panik. Vor allem deshalb, weil alles, was mit „Mažeikių nafta“ zu tun hat, nahezu ebenso große Leidenschaften weckt wie das bevorstehende Weihnachtsfest. KT

(25) Bereits nächste Woche soll ein verpflichtendes öffentliches Angebot zum Kauf der verbleibenden Aktien der Kaunaser Brauerei angekündigt werden. Obwohl am Markt keine Panik aufkam, überlegen Wertpapiermakler intensiv, wie viel die estnische Holding für die Aktie zahlen wird. KT

17Gattungsnamen, die abstrakte Gegenstände bezeichnen, stehen in 97 (61%) der Sätze im NOM und in 62 (39%) der Sätze im GEN.

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In negativen intransitiven Sätzen werden der Nominativ und der Negationsgenitiv parallel verwendet, auch wenn die Gemeinnamen, die abstrakte Gegenstände bezeichnen, im Kontext definit sind, vgl.:

(26) Ar kapitonui Henrikui Žalandauskui niekada nebuvo kilusi mintis viską čia mesti ir likti ten, kur vertinamas žmogaus darbas? Ne, sako jis, tokia mintis nekilo. Kapitonas tikina nesuprantąs, kodėl žmonės palieka Lietuvą. KT

(27) Aber sie wird schrecklich wütend werden, anfangen zu schimpfen und mich Egoist nennen. Ich muss auf eine Gelegenheit warten, bei der sie nichts sieht und nichts hört. Doch eine solche Gelegenheit ergibt sich einfach nicht. KT

(28) Doch in den von Litauern bewohnten Gebieten waren noch Überreste des Heidentums geblieben. Daher stellte sich den Litauern selbst die Frage, wer sie eigentlich seien. Eine solche Frage stellte sich beispielsweise den Polen nicht, denn sie bildeten damals in ihrem eigenen Staat die Mehrheit, und bis zur Reformation waren fast alle Einwohner Polens Polen. KT

Nur bei dem negativen unbestimmten Pronomen niekas, das abstrakte Gegenstände bezeichnet, wäre der Negationsgenitiv zu erwarten (vgl. Hentschel 1992a). Doch wie aus den Sätzen (29)–(30) ersichtlich ist, wird nicht nur der Genitiv des intransitiven Subjekts, sondern auch der Nominativ verwendet, vgl.:

(29) Ich wusste, dass ich ein Risiko einging. Doch Angst, Verantwortung – all das verschwindet, wenn die Lust zu stehlen aufkommt. Nichts existiert. KT

(30) Der Kreativität muss man einen großen Teil von sich selbst, seinen Gefühlen und Erlebnissen widmen. „Beim Schaffen findet man sich gleichsam in seiner eigenen Welt wieder, und um einen herum existiert nichts“, versichert A. Deltuva. KT

Ähnlich wie definite und indefinite Gemeinnamen, die abstrakte Gegenstände bezeichnen (oder das indefinite Pronomen niekas), werden definite und indefinite Gemeinnamen verwendet, die Belebtes (Personen, Tiere) und Unbelebtes (konkrete Gegenstände) bezeichnen. Es zeigt sich, dass unabhängig von Definitheit und Belebtheit sowohl der Nominativ als auch der Genitiv verwendet wird (siehe auch die Sätze (5a)–(6b)), vgl.:

(31) Ein Gerät, das dazu dient, die Bewegung von Planeten mit Monden um die Sonne nach dem kopernikanischen System zu demonstrieren. Bis in unsere Zeit ist dieses interessante Gerät nicht erhalten geblieben. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde für den Unterricht ein anderes angeschafft, das man heute im Wissenschaftsmuseum der Universitätsbibliothek besichtigen kann. KT

(32) Er versucht, mit einigen in Ciceros Werk „Über den Redner“ dargelegten Behauptungen zu polemisieren. Das gesamte Werk Caesars ist nicht erhalten geblieben, und aus seinen Fragmenten lässt sich schließen, dass Caesar ein entschiedener Anhänger der Analogie in der Sprache war, der einheitliche Formen des Lateinischen festzulegen versuchte. KT

(33) Jede Existenz beginnt in der Zeit: Solange der Gegenstand nicht existiert, kann auch seine Zeit nicht existieren. KT

(34) Ich würde so gerne morgen bei Ihrer Aufführung sein, dass ich zum letzten Mittel greife – Sie zu belästigen. Es ist wirklich ärgerlich, dass für mich im Theater keine Karte aufzutreiben war …Ich schreibe vorsichtshalber und bitte, mir meine rein kindische Aufdringlichkeit zu verzeihen. Im Geiste treu ergeben, J. Baltrušaitis. P. S. Die Antwort werde ich morgen durch einen Boten schicken. KT

Aus dem Gesagten geht hervor, dass in markierten negativen intransitiven Sätzen die prototypische Kennzeichnung des Subjekts durch den Nominativ in den Fällen typisch ist, in denen das Sub-

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jektas wird prototypisch ausgedrückt: durch definite Personalpronomen (insbesondere der 1. und 2. Person) und Eigennamen. Offenbar besteht eine Tendenz, den Genitiv der Negation zu verwenden, wenn das durch einen Eigennamen (siehe Satz (22)), ein Demonstrativpronomen (siehe Sätze (18)–(19)) oder ein Demonstrativpronomen mit einem Eigennamen (siehe Satz (23)) beziehungsweise mit einem Gattungsnamen bezeichnete Objekt nichtindividuell und nichtreferenziell ist18. Wenn das in Bezug auf seine kategorialen Eigenschaften weniger prototypische intransitive Subjekt (d. h. wenn seiner Ausdrucksform keine inhärente Definitheit eigen ist) vorliegt, kann es sowohl durch den typischen als auch den atypischen Subjektkasus ausgedrückt werden; das heißt, Gattungsnamen, die belebte oder unbelebte Dinge bezeichnen, werden synonym sowohl im Nominativ als auch im Genitiv der Negation ausgedrückt19. Dann kann in Bezug auf den Kontext durch beide Kasus des intransitiven Subjekts sowohl ein definites als auch ein indefinites Substantiv bezeichnet werden. Es zeigt sich, dass man dazu neigt, einen definiten (belebten oder unbelebten) Gattungsnamen im Nominativ und einen indefiniten im Genitiv zu markieren (siehe Tabelle 2a) (vgl. unten). Allerdings sind die Tendenzen zur Verwendung des Genitivs dort, wo man ihn am ehesten erwarten würde, d. h. bei den am wenigsten typischen Subjekten – Gattungsnamen, die abstrakte indefinite Dinge bezeichnen –, schwächer (vgl. Tabelle 2b). Daher lässt sich annehmen, dass ein indefiniter Gattungsname im Litauischen wahrscheinlich nicht nur morphologisch (durch den Kasus), sondern auch auf andere Weise markiert wird (vgl. Gladrov 1992: 242ff.).

TABELLE 2A. KORRELATION VON BELEBTHEIT UND DEFINITHEIT MIT DEM KASUS DES DURCH EINEN GATTUNGSNAMEN AUSGEDRÜCKTEN INTRANSITIVEN SUBJEKTS

Belebt (Person, Tier) | Unbelebt (konkret, abstrakt) | NOM | GEN | NOM | GEN | definit | 36 (71%) | 15 (29%) | definit | 130 (73%) | 47 (27%) | indefinit | 13 (22%) | 45 (78%) | indefinit | 57 (49%) | 59 (51%)

18 Zu dieser Frage möchte ich im Artikel einerseits wegen des begrenzten empirischen Materials keine konkreteren Schlussfolgerungen ziehen; andererseits sollte der Einfluss der Referenzialität auf den Kasus des intransitiven Subjekts auch in den Fällen genauer untersucht werden, in denen das Subjekt durch weniger oder am wenigsten prototypische Mittel ausgedrückt wird – durch Gattungsnamen, die belebte (Personen und Tiere) oder unbelebte Dinge bezeichnen. Dies ist jedoch nicht das Ziel dieses Artikels.

19 Dennoch wird der Nominativ des intransitiven Subjekts nicht immer durch den Genitiv ersetzt und umgekehrt. Es gibt Fälle, in denen die Verwendung eines der Kasus durch den Kontext, die syntaktische Distribution usw. bedingt ist, z. B.: [Varšui] wurde die geheime Aufgabe übertragen, Skirgailas Drohungen an Vytautas zu übermitteln: „Du hüte dich vor mir, und ich mich vor dir.“ Offenbar ist der Name dieses Dieners, Varšas, nirgendwo sonst überliefert. KT. Es ist kaum möglich, (zumindest stilistisch) fünf Genitive direkt hintereinander zu verwenden, vgl.: Offenbar ist der Name dieses Dieners, Varšo, nirgendwo sonst überliefert(?).

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TABELLE 2B. KORRELATION VON BELEBTHEIT UND DEFINITHEIT MIT DEM KASUS DES DURCH EINEN GATTUNGSNAMEN AUSGEDRÜCKTEN INTRANSITIVEN SUBJEKTS

BELEBT (Person, Tier) | NOM | GEN | UNBELEBT (konkret) | NOM | GEN | UNBELEBT (abstrakt) | NOM | GEN | definit | 36 | 15 | 79 | 24 | 51 | 23 | (71%) | (29%) | (77%) | (23%) | (69%) | 31%) | indefinit | 13 | 45 | 11 | 20 | 46 | 39 | (22%) | (78%) | (35%) | (65%) | (54%) | (46%)

1.3. Das bisher über den Genitiv der Negation beim intransitiven Subjekt Gesagte lässt sich wie folgt darstellen:

NOM > NOM / GEN

PERSONALPRONOMEN / EIGENNAME > GATTUNGSNAME FÜR EIN BELEBTES / UNBELEBTES DING

DEFINIT > DEFINIT / INDEFINIT

2. KORRELATION ZWISCHEN DER WORTSTELLUNG UND DEN KASUSMARKIERUNGEN DES INTRANSTIVISCHEN SUBJEKTS

2.1. Die unmarkierte Wortstellung in litauischen intransitiven Sätzen ist SV20. Das prototypische Subjekt steht am Satzanfang und wird durch Personalpronomen (insbesondere der 1. und 2. Person) sowie durch den Nominativ von Eigennamen ausgedrückt (Hentschel 1993: 105; 1992b: 238)21. Das prototypische Subjekt vermittelt gewöhnlich alte, bereits gegebene und bekannte (definite) Information; diese wird tendenziell vor neuer, unbekannter (indefiniter) Information genannt. Ausgehend von diesen Aussagen stellt sich die Frage, ob in den Fällen, in denen das Subjekt in negativen intransitiven Sätzen grundsätzlich durch morphosyntaktische Varianten (Nominativ, Genitiv) ausgedrückt werden kann, der Nominativ (mit dem, wie erwähnt, tendenziell definite Substantive markiert werden) häufiger am Satzanfang, also in der prototypischen Subjektposition, steht22. Anders gesagt: Ist die Wortstellung in Sätzen unmarkiert (SV), wenn das intransitive Subjekt durch den Nominativ ausgedrückt wird, der definite Appellativa markiert?

20 Vgl. „In Sätzen mit aktueller Gliederung, deren Kern aus S und V besteht, ist die Wortstellung SV vorherrschend und neutral“ (Ambrazas, Hrsg., 1994: 648).

21 Dar apie prototipiškus subjekto požymius žr.: Givón (1984: 145–168, 422; 1990: 960); Keenan (1976); plg. Comrie (1989: 107, 110–122, 128tt); Sasse (1982).

22 Zum Einfluss der Wortstellung auf das Objekt in negativen transitiven Sätzen siehe: Mustajoki, Heino (1991: 194ff.); Hentschel (1992a; 1992b: 240ff.); Švambarytė (1992: 11ff.; 1998: 55ff.); vgl. Oginskienė (1979).

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Die vorliegenden Daten zeigen, dass ein durch den Nominativ markiertes definites belebtes oder unbelebtes Appellativ tatsächlich tendenziell vor dem Prädikat steht. Andererseits findet sich am Satzanfang ebenso häufig ein durch den Genitiv markiertes definites belebtes oder unbelebtes Appellativ (siehe Tabelle 3).

TABELLE 3. KORRELATION ZWISCHEN DER WORTSTELLUNG UND DEN KASUSMARKIERUNGEN DES DEFINITEN INTRANSTIVISCHEN SUBJEKTS

Definit belebt (Person, Tier) | Definit unbelebt (konkret, abstrakt) | SV | VS | SV | VS | NOM | 28 (78%) | 8 (22%) | NOM | 102 (78%) | 28 (22%) | GEN | 11 (73%) | 4 (27%) | GEN | 28 (60%) | 19 (40%)

Da ein definites Appellativ im Nominativ und Genitiv meist vor dem Prädikat steht, lässt sich vermuten, dass ein indefiniter Nominalausdruck häufiger nach dem Prädikat (VS) genannt wird. Es zeigt sich, dass ein durch ein Appellativ bezeichneter indefiniter belebter oder unbelebter Gegenstand unabhängig davon, ob er im Nominativ oder Genitiv des intransitiven Subjekts steht, tendenziell nach dem Prädikat genannt wird; das heißt, die VS-Wortstellung ist für den Satz charakteristischer (siehe Tabelle 4).

TABELLE 4. KORRELATION ZWISCHEN DER WORTSTELLUNG UND DEN KASUSMARKIERUNGEN DES INDEFINITEN INTRANSTIVISCHEN SUBJEKTS

Indefinit belebt (Person, Tier) | Indefinit unbelebt (konkret, abstrakt) | SV | VS | SV | VS | NOM | 3 (23%) | 10 (77%) | NOM | 15 (26%) | 42 (74%) | GEN | 13 (29%) | 32 (71%) | GEN | 13 (22%) | 46 (78%)

Taigi lietuvių kalbos duomenys patvirtina Babby (1980a: 115tt; 1980b: 227tt) mintį, esą neigiamuose intranzityviniuose sakiniuose su neiginio kilmininku žodžių tvarka atspindi apibrėžtos vs. neapibrėžtos informacijos žymėjimą: jei sakinio modelis yra SGenV, intranzityvinio subjekto kilmininku žymima apibrėžta informacija, jei sakinio modelis VSGen – tuomet intranzityvinio subjekto kilmininkas žymi neapibrėžtą informaciją. Tačiau duomenys rodo, kad neigiamuose intranzityviniuose sakiniuose su subjekto vardininku žodžių tvarka taip pat koreliuoja su apibrėžtos vs. neapibrėžtos informacijos žymėjimu: jei sakinio modelis yra SNomV, intranzityvinio subjekto vardininku dažniausiai pasakoma apibrėžta informacija, jei sakinio modelis VSNom –

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Mit dem Nominativ des intransitiven Subjekts wird üblicherweise unbestimmte Information ausgedrückt. Anders gesagt: In negativen intransitiven Sätzen des Litauischen hängt die Definitheit bzw. Indefinitheit eng mit der Wortstellung zusammen. Man könnte behaupten, dass die Wortstellung negativer intransitiver Sätze im Hinblick auf die Informationsstruktur des Textes nicht völlig frei ist.

Wird im Satz hinsichtlich der Definitheit bzw. Indefinitheit eine markierte Wortstellung verwendet, so wird entsprechend häufiger der Nominativ oder der Genitiv gewählt (siehe Tabelle 5). Anders gesagt zeigt sich gemäß dem Isomorphieprinzip eine Tendenz, mit einer Kasusform einen Inhalt und mit einer anderen Form einen anderen Inhalt zu kodieren.

TABELLE 5. KORRELATION ZWISCHEN WORTSTELLUNG SOWIE DEFINITHEIT / INDEFINITHEIT UND DEM KASUS DES INTRANSITIVEN SUBJEKTS

Satzmuster | NOM | GEN Sdef V | 130 (77%) | 39 (23%) Sindef V | 18 (41%) | 26 (59%) VSdef | 36 (61%) | 23 (39%) VSindef | 52 (40%) | 78 (60%)

3. SCHLUSSBEMERKUNGEN

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Fällen, in denen das Subjekt in negativen intransitiven Sätzen grundsätzlich durch die morphosyntaktischen Varianten Nominativ und Genitiv ausgedrückt werden kann, die Wahl eines der beiden Kasus von mehreren oder zahlreichen Faktoren beeinflusst werden kann: Der Einfluss mancher Faktoren auf den Kasus ist in einem konkreten Verwendungsfall größer, der anderer geringer. Die hier kurz erörterten semantischen und syntaktischen Kriterien erlauben folgende vorläufige Schlussfolgerungen:

(i) Hinsichtlich ihrer kategorialen Eigenschaften werden prototypische Subjekte im Nominativ markiert, außer wenn andere Kriterien die Kasuswahl bestimmen, etwa Numerus, Referenzialität usw. Weniger prototypische intransitive Subjekte können hinsichtlich ihrer kategorialen Eigenschaften durch die morphosyntaktischen Varianten Nominativ und Genitiv ausgedrückt werden; die häufigere Verwendung eines Kasus wird jedoch eher von anderen Merkmalen als von Belebtheit beeinflusst.

(ii) Die häufigere Verwendung eines der Kasus des intransitiven Subjekts korreliert teilweise mit Definitheit und Wortstellung im Satz. In Sätzen, die hinsichtlich Definitheit und Formalität unmarkiert sind, besteht eine Tendenz, den Nominativ des intransitiven Subjekts zu verwenden, und umgekehrt. In Sätzen, in denen ein definites oder indefinites Gattungsnomen in einer für es untypischen Position steht (entsprechend VSdef oder Sindef V), besteht die Tendenz, im ersten Fall den Nominativ und im zweiten den Genitiv zur diakritischen Markierung der Definitheit vs. Indefinitheit zu wählen.

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ŠALTINIAI

KT – Kauno Vytauto Didžiojo universiteto Kompiuterinės lingvistikos centro dabartinės lietuvių kalbos tekstynas (prieiga internetu: http://donelaitis.vdu.lt).

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Loreta Semėnienė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, 10308 Vilnius, Lietuva [email protected]

Gauta 2005 03 29

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