Skip to document
Back
Go to original Localized version was produced by AI. It may contain inaccuracies.
Preparing document pages…

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ

Universität Vilnius

Forschungsgebiete: litauische Akzentologie, Dialektologie, Onomastik, Bildungswissenschaft.

VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Universität Vilnius

ORCID-ID: orcid.org/0000-0001-9451-5993

Forschungsgebiete: baltisch-slawische historische Akzentologie, vergleichende Grammatik der baltischen Sprachen, Baltistik mit Schwerpunkt Altpreußisch, Lettistik.

DOI: doi.org/10.35321/all91-04

LIETUVIŲ KALBOS VEIKSMAŽODŽIŲ SU PRIESAGA −(I)UOTI KIRČIAVIMO RAIDA

Geschichte der Akzentuierung litauischer Verben auf −(i)uoti

ZUSAMMENFASSUNG

Der Beitrag untersucht die Entwicklung der Akzentuierung litauischer Verben mit dem Suffix −(i)uoti, indem die Daten heutiger Dialekte, der Standardsprache und akzentuierter alter Texte mit dem rekonstruierten Zustand der Protosprache verglichen werden. In der heutigen Sprache ist für Ableitungen mit dem Suffix −(i)uoti der Suffixakzent charakteristisch, während die in den Quellen belegten Fälle des nichtsuffixalen Akzents das allmähliche Verschwinden dieses Akzents und die Durchsetzung des Suffixakzents bezeugen. Ein Teil der Fälle nichtsuffixaler Akzentuierung kann als bewahrter Archaismus gelten (z. B. Ableitungen von Nomina der Akzentklasse 1), ein anderer Teil ist später entstanden, etwa Verben des Typs lūkuriuoti oder baltuoti (mit einem Wurzelzirkumflex als ikonischem Träger der Funktion einer verlängerten Handlung). Dieser letztgenannte Typ weist in den Dialekten eine besonders große Vielfalt an Akzenttypen auf; ihrer Übersicht ist der größte Teil des Beitrags gewidmet. Im westlichen Dialektareal (besonders in Kleinlitauen) ist der nichtsuffixale Akzent auch bei anderen Verben möglich, z. B. bei onomatopoetischen und anderen expressiven Verben, bei Germanismen sowie bei Umgestaltungen von Ableitungen mit dem Suffix −(i)uoti.

Straipsniai / Articles

77

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

SCHLÜSSELWÖRTER: Litauisch, historische Akzentologie, suffigierte Verben, Akzenttyp, Akut, Zirkumflex, Akzentdominanz, ikonische Funktion, Metatonie.

ZUSAMMENFASSUNG

Der Beitrag behandelt die Geschichte der Akzentuierung litauischer Verben auf –(i)uoti, indem Daten aus modernen Dialekten, der Standardsprache und akzentuierten alten Texten mit dem rekonstruierten Zustand in der Protosprache verglichen werden. Im modernen Litauischen sind Verben auf –(i)uoti durch den Suffixakzent gekennzeichnet, während verschiedene belegte Fälle des nichtsuffixalen Akzents das allmähliche Verschwinden dieses Akzentuierungstyps und die Etablierung des Suffixakzents bezeugen. Einige Fälle des nichtsuffixalen Akzents können als Archaismen gelten (z. B. Ableitungen von Substantiven der Akzentparadigmaklasse 1), während andere späteren Ursprungs sein könnten, etwa Verben der Typen lū́kuriuoti und báltuoti (mit einem Wurzelzirkumflex als ikonischem Kennzeichen einer verlängerten Handlung). Der letztgenannte Typ zeichnet sich durch eine große dialektale Vielfalt an Akzenttypen aus; der Untersuchung dieser Vielfalt ist der größte Teil des Beitrags gewidmet. Im westlichen Dialektgebiet (besonders in Kleinlitauen) ist der nichtsuffixale Akzent auch bei anderen Arten von Verben möglich, etwa bei onomatopoetischen und anderen expressiven Verben, bei Germanismen oder bei umgebildeten Verben auf –(i)oti.

SCHLÜSSELWÖRTER: Litauisch, historische Akzentologie, suffigierte Verben, Akzenttyp, Akut, Zirkumflex, Akzentdominanz, ikonische Funktion, Metatonie.

1. ĮVADAS (DABARTINĖ PADĖTIS)

§ 1. Das Suffix –(i)uoti der Verben der litauischen Standardsprache wird der Klasse der dominierenden starken Suffixe zugeordnet1: Seine Ableitungen weisen gewöhnlich unabhängig vom Bildungstyp, der Bedeutung oder der Akzentuierung des Grundworts den Suffixakzent auf, z. B. kain-úo-ti (← kaĩn-a 1), bals-úo-ti (← bal̃s-as 4); raudón-úo-ti (← raudón-as 1/3), gyv-úo-ti (← gýv-as 3); važ-úo-ti (← vež-ti) usw. (vgl. Stundžia 2014: 168).

§ 2. Eine Ausnahme bilden allenfalls einige Verben mit erweiterten Suffixvarianten (meist Deverbativa mit –ul-iuoti, –ur-iuoti), die nach den gegenwärtigen Normen sowohl im Suffix als auch in der Wurzel (im Stamm des Basisworts) betont werden können, z. B. nyk-ul-iúo-ti / nỹk-ul-iuo-ti; lū́k-ur-iúo-ti / lū̃k-ur-iuo-ti; snyg-ur-iúo-ti / snỹg-ur-iuo-ti. In der Variante mit Wurzelbetonung ist der Akzentton der Wurzel gewöhnlich ein Zirkumflex – er kann aus dem Basiswort übernommen sein (z. B. nỹk-uliuo-ti ← nỹk-ti), metatonisch (z. B. lū́k-ur-iuo-ti ← láuk-ti) oder neu in einem verlängerten Vokal entstanden sein (z. B. snyg-ur-iuo-ti ← snìg-ti). Bei einzelnen Denominativa,

¹ Zu den im Beitrag verwendeten akzentologischen Fachbegriffen siehe z. B. Rinkevičius 2010; 2015: 34, 47–52.

78

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

ist gewöhnlich, besonders in Archaismen, auch der bewahrte Akut der Wurzel des Grundworts möglich, z. B. varpuč-iuo-ti / várpuč-iuo-ti ← várput-is 1. In älteren normativen Werken (z. B. Laigonaitė 1978: 79² oder in früheren Ausgaben des DLKŽ) wird für solche Wörter nur der Wurzelakzent angegeben; die Variantenakzentuierung wurde erst in den letzten Jahrzehnten kodifiziert (beginnend mit der siebten Ausgabe des DLK޳; vgl. ferner die Empfehlungen des VLKК von 2005 und 2013), sodass eine offensichtliche Tendenz zur Durchsetzung des Suffixakzents erkennbar ist.

2. ARCHaismen DES NICHTSUFFIXALEN AKZENTS UND IHRE HERKUNFT

§ 3. Es besteht kein Zweifel, dass der Wurzelakzent (genauer: der Akzent des Grundstamms) bei Ableitungen mit dem Suffix –(i)uoti in früherer Zeit erheblich häufiger war als in der heutigen Sprache.

So akzentuierte Mikalojus Daukša noch: apijuok-uo-ti, ášar-uo-ti, ˈmėlyn-uo-ti, ˈpánč-iuo-ti, ˈraudon-uo-ti, vielleicht auch vákar-uo-ti⁴ (vgl. Skardžius 1935: 230ff. [1999: 266ff.])⁵.

Im litauisch-deutschen Wörterbuch von Friedrich Kurschat (Kurschat 1883) finden wir noch: áuks-uo-ti, áušč-iuo-ti, čiùlb-uo-ti, gąšč-iuo-ti, páik-iuo-ti, páin-iuo-ti, pánč-iuo-ti, pǘl-iuo-ti, rùìšč-iuo-ti, sódž-iuo-ti (d. h. sṓodž-iuo-ti), tvỹč-iuo-tis, žìng-iuo-ti, žiáuk(š)č-iuo-ti; bált-uo-ti, gẽlt-uo-ti, juód-uo-ti, márg-uo-ti; áugal-uo-ti, býdel-iuo-ti, búter-iuo-ti, dárgan-uo-ti, ébel-iuo-ti (und (h)ével-iuo-ti), gárban-uo-ti, priẽsgyn-iuo-ti, pǘder-iuo-ti, šérpet-uo-ti, úkan-uo-ti; gẽlton-uo-ti, gõmur-iuo-ti, grõmul-iuo-ti, maňgal-iuo-ti, márgal-iuo-ti, mėlyn-uo-ti, pýpel-iuo-ti, plũdur-iuo-ti, raũdon-uo-ti, skar̃mal-iuo-ti, svam̃bal-iuo-ti, viñzel-iuo-ti, výtur-iuo-ti (neben výtur-iav-imas); ášar-uo-ti, kãtur-uo-ti (und kãtul-iuo-ti), prãkait-uo-ti, prãvar̃dž-iuo-ti, traškãn-uo-ti, vákar-uo-ti, vàsar-uo-ti; čìvyr-uo-ti⁶,

² Und sogar Laigonaitė 2002: 105.

³ Einige ehemalige Archaismen mit Wurzelakzent (z. B. grúod-uo-ti) wurden in die neueren DLKŽ-Ausgaben überhaupt nicht aufgenommen.

⁴ Aus der belegten Form des Partizips Präteritum priwákarawufis (DP 618₃₀) lässt sich nicht erschließen, ob es sich um eine Ableitung mit dem Suffix –uoti oder –auti handelt.

⁵ Aus M. Daukšas Orthografie ist der Wurzelton der Wörter ˈpánč-iuo-ti, ˈmėlyn-uo-ti, ˈraudon-uo-ti unklar. Zum vermuteten Akut des ersten vgl. pántis, pánčioti. Der Ton der beiden übrigen ist weniger eindeutig: Zumindest mėlyn-uo-ti ist in den Dialekten mit beiden möglichen Tönen belegt (siehe §§ 19–20).

⁶ Neben čivyr-úo-ti (vgl. § 31 und Fußnote 50).

Straipsniai / Articles

79

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

grėvez–uo–ti, išgašč–iuo–ti, kăbar–iuo–tis, kăkal–iuo–ti, kămaš–uo–ti, kliūper–iuo–ti, lėket–uo–ti, mạdar–uo–ti, mùster–uo–ti, tālaž–uo–ti⁷

Neben den bereits genannten (und den in § 15 noch zu nennenden) Beispielen belegt das LKŽ aus verschiedenen Quellen ebenfalls etwa: gyv–uo–ti „lebhaft schreien (über eine Ente)“, grū́od–uo–ti, kárp–uo–ti, miél–uo–ti, mìlt–uo–ti, mýl–uo–ti, rēm–uo–ti, snárgl–iuo–ti, spéig–uo–ti⁸, súp–uo–ti, tùlk–uo–ti, séil–iuo–ti, vėj–uo–ti; jómark–uo–ti, pléiskan–iuoti⁹, šéker–iuo–ti, šiū́pel–iuo–ti; ė́kel–iuo–ti; pùsryč–iuo–ti usw.¹⁰

§ 4. Aufgrund der üblichen Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Akzentuierung von Suffigierungen in den baltischen und slawischen Sprachen kann angenommen werden, dass der Wurzelakzent (des Grundstamms) zunächst für Ableitungen von Grundwörtern mit festem Akzent (akzentuell starken Stämmen) charakteristisch war (z. B. vėj–uo–ti ← vėj–as 1), der Suffixakzent dagegen für Ableitungen von Wörtern mit mobilem Akzent (schwachen Stämmen) (z. B. kelm–úo–ti ← kélm–as 3). Mit anderen Worten: Das Suffix –uo–ti ist wie andere verbale Bildungssuffixe aus der baltisch(-slawischen) Klasse der nichtdominierenden starken Suffixe abzuleiten. Später wurde das Prinzip aufgegeben, die Akzentuierung der Ableitungen von der Akzentuierung der Grundwörter abhängig zu machen, und zwar aufgrund der allgemeinen Tendenz zur Durchsetzung dominierender Suffixe (d. h. Suffixe, die stets eine einheitliche Akzentuierung der Ableitungen bestimmen). Die Wahl des Suffixakzenttyps als verallgemeinerte Form wurde dadurch bestimmt, dass in einem Teil der Wörter die Zahl der Fälle mit Akzent auf dem Suffix überproportional zunahm, nachdem der Akzent aufgrund des Saussureschen Gesetzes von der nichtakuten Wurzel auf das akute Suffix gesprungen war (z. B. *parš–uo–ti > parš–úo–ti) (vgl. Dybo 1981: 201; Rinkevičius 2015: 47–52).

Nach dem dargestellten Entwicklungsszenario konnte der nichtsuffixale Akzent nur in akuten einsilbigen Grundstämmen (z. B. áuks–uo–ti) sowie in der letzten Silbe mehrsilbiger Grundstämme fortbestehen, unabhängig von Ton oder Quantität (z. B. dárgan–uo–ti, á̄sar–uo–ti, pùsryč–iuo–ti). Bei alten Denominativa kann ein solcher ursprünglicher Wurzelakzent (des Grundstamms) nur in Ableitungen von Nomina der Akzentklasse 1 (starken Stämmen) möglich sein.

⁷ Vgl. ferner die von Kurschat als unklar (d. h. in eckigen Klammern) angegebenen Beispiele: [mérg–uo–ti; čiėpč–iuo–ti (čiėpčiuju); sviñbal–iuo–ti, žaìbar–iuo–ti].

⁸ Ohne Angabe der Quelle im LKŽ.

⁹ Druckfehler im LKŽ: peí̯škanuoti (vgl. pléiskan­iuoti LKŽ X 127).

¹⁰ Die Liste ist nicht vollständig. Sie wurde nur vorläufig durchgesehen, indem die Liste der LKŽ-Wörter mit der Endung –uoti überprüft und die Akzentuierung der im litauisch-deutschen Wörterbuch von F. Kurschat belegten Verben auf –(i)uoti mit den Daten des LKŽ verglichen wurde. Unter den festgestellten Ungenauigkeiten sei hier etwa erwähnt, dass das im LKŽ genannte žirgliuoti (KI120, d. h. Kurschat 1870: 120, s. v. aufspreizen) fehlerhaft ist – in der Originalquelle ist tatsächlich žirgliuoti akzentuiert (der Zirkumflex wurde offenbar irrtümlich vom unmittelbar daneben genannten Synonym žirgŀinti übernommen). Vgl. ferner Fußnote 50.

80

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

§ 5. Ein beträchtlicher Teil der in den Quellen belegten Verben mit nichtsuffixalem Akzent hat tatsächlich Nomina der Akzentklasse 1 als Grundwörter, z. B. api­juoka 1, ąšara 1, ãuksas 1/3, dãrgana 1/3ᵃ, grūodas 3/1, išgąstis 1 (neben išgąstỹs 3ᵇ), kãrpa 1, miẽlas 3 (←1)¹¹, mãlas 3 (← *1)¹², mìltai 1, pãntis 1, plẽiskana 1, prãkaitas 3ᵇ/1, priešgyna 1, pūlis 1, pūšrytìs 1 (neben pusrytỹs 3ᵇ), rẽmas 1, sėilė 1/3(/4), spėigas 1(/4), súodžiai 1, šérpeta(s) 1, tràškana (und traiškana) 1, úkanaĩ 1/3ᵃ, vãkaras 3ᵇ/1, várputis 1, vėjas 1, vùngis 1(/2). Zur Bewahrung des Wurzelakzents in Ableitungen von Farbadjektiven der Akzentklasse 1 siehe § 23.

Ein Teil solcher Verben mit nichtsuffixalem Akzent kann als alte, aus der Zeit vor dem Saussureschen Gesetz ererbte Archaismen gelten, ein anderer Teil kann auch etwas später entstanden sein, ohne der allgemeinen Gesetzmäßigkeit zu widersprechen, dass der nichtsuffixale Akzent nur in akuten einsilbigen Grundstämmen und in der letzten Silbe mehrsilbiger Grundstämme möglich ist. Bei einigen der aufgeführten Nomina (z. B. vãkaras) kann die Akzentklasse 1 auch sekundär sein¹³ und nur in einem Teil der Dialekte vorkommen (allerdings gerade in jenen, in denen auch das entsprechende Verb mit nichtsuffixalem Akzent belegt ist). Bei nur wenigen Grundwörtern der Verben ist die erwartete Akzentklasse 1 in den Wörterbüchern nicht belegt: snarglys 3/4, áugalas 3ᵃ, pravardė 3ᵇ (oder pravardas), skarmalas 3ᵇ.

3. NEUE FÄLLE DES NICHTSUFFIXALEN AKZENTS

§ 6. Neben den bewahrten Archaismen, die mit der Akzentklasse 1 der Grundwörter zusammenhängen, sind im Litauischen nach dem Saussureschen Gesetz zahlreiche neue Verben mit nichtsuffixalem Akzent entstanden, häufig mit Wurzelzirkumflex, deren Akzentuierung bereits durch andere Gründe als den Akzentwert des Grundstamms bestimmt wurde. Ihre Akzentuierung variiert in den heutigen oder relativ jungen Dialekten erheblich.

Man kann mehrere Gruppen solcher Verben unterscheiden, die sich hinsichtlich Bedeutung, Entstehungsbedingungen und geographischer Verteilung der Akzenttypen unterscheiden: a) der Typ lūkuriuoti; b) der Typ bal̃tuoti;

¹¹ Vgl. M. Daukšas Dativ Singular Maskulinum miél-am (siehe Skardžius 1936: 141 [1999: 105]) und die für nichtabgeleitete Adjektive charakteristische Tendenz zur Durchsetzung des mobilen Akzents (siehe Rinkevičius 2015: 39f.).

¹² Vgl. 1a. mìl̃s, Pr. Nom. Pl. mìlai, sl. *mílъ a. p. a.

¹³ Das Wort vãkaras ist wahrscheinlich als altes Wort mit mobilem Akzent anzusehen (vgl. sl. *věčerъ a. p. c.); im westlichen litauischen Dialektgebiet, vor allem in Kleinlitauen (wo das Verb vakar–uo–ti mit Wurzelakzent belegt ist), kommen jedoch auch Formen mit festem Akzent bzw. Merkmale der akzentuellen Stärke der Wurzel in Ableitungen vor, vgl. vãkaras 1 (LKŽ: Trk), im Wörterbuch und in der Grammatik von Friedrich Wilhelm Haack Adv. (Instr. Pl.) Wákarais, F. Kurschats Nom. Pl. vakarãì, Verb. vãkar–au–ja.

Straipsniai / Articles

81

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

c) onomatopoetische und ähnliche Verben; d) Germanismen oder Ableitungen aus Germanismen; e) Ableitungen mit dem Suffix -(i)oti.

Im Folgenden werden Herkunft, Entwicklung und Vielfalt der Akzenttypen in den Dialekten für die Verben jeder dieser Gruppen gesondert erörtert. Die größte Aufmerksamkeit gilt dem zweiten Typ (balтuoti), der sich durch die größte akzentuelle Vielfalt in den Dialekten auszeichnet.

3.1. Typ Lūkuriuoti

§ 7. Die genannten Ableitungen des Typs –ur–iuoti, –ul–iuoti, gewöhnlich Deverbativa, die eine wenig intensive andauernde Handlung oder einen Zustand bezeichnen (vgl. LKG II 250ff.) und in der Wurzel einen Zirkumflex aufweisen (ursprünglich, metatonisch oder durch Vokalverlängerung entstanden), sind ihrer Herkunft nach als Erweiterungen von Ableitungen gleicher Bedeutung auf –ur–ti, –ul–ti anzusehen (d. h. lũk–ur–iuo–ti ← lũk–ur–ti). Letztere werden mitunter als denominative Bildungen betrachtet (z. B. lũk–ur–ti ← lũk–ur–ỹs 3ᵇ, vgl. Skardžius 1943: 551), obwohl theoretisch auch eine deverbative Herkunft der entsprechenden Nomina nicht ausgeschlossen ist. Aus Ableitungen auf –ur–ti, –ul–ti können auch Bildungen mit anderen erweiterten Suffixen entstanden sein; auch in ihnen weist die Wurzel gewöhnlich einen Zirkumflex auf, vgl. lũk–ur–iau–ti, lũk–ur–o–ti, lũk–ur–io–ti, lũk–ur–no–ti, lũk–ur–nė–ti.

§ 8. Der Zirkumflex (mit anderen Worten: der „kontinuative“ Ton, vgl. Girdenis 2003: 273) und die Vokalverlängerung erfüllen in den Ableitungen auf –ur–ti, –ul–ti (oder deren nominalen Grundwörtern) eine ikonische Funktion: Sie verstärken den Eindruck einer ausgedehnten, langsamen Handlung (vgl. Stundžia 1985: 135). Aus diesen Verben ging der Zirkumflex (bzw. Wurzelakzent und Vokalverlängerung) auch in alle genannten erweiterten Ableitungen über, d. h.: lũk–ti → (lũk–ur–į →) lũk–ur–ti → lũk–ur–iuo–ti, lũk–ur–iau–ti usw.; snỹg–ti → (snỹg–ur–į →) snỹg–ur–ti → snỹg–ur–iuo–ti, snỹg–ur–o–ti usw. Ein gegenläufiger Prozess zeigt sich bei Verben mit momentaner Bedeutung auf –ter–ti, –tel–ti und ihren erweiterten Varianten, in denen der Wurzelakut („punktueller“ Ton) oder der kurze Vokal vorherrscht, vgl.: snaũs–ti → snũs–tel–ti → snũs–tel–ė–ti; tẽmp–ti → t̃mp–tel–ti → t̃mp–tel–ė–ti; láuk–ti → lùk–tel–ti → lùk–tel–ė–ti.

§ 9. Nach den Daten des LKŽ und der Dialektwörterbücher kommt der Wurzelakzent fast in ganz Litauen vor, während der Suffixakzent nur im östlichen Teil des Landes möglich ist (vor allem bei den östlichen Oberlitauern, stellenweise auch bei den westlichen oder südlichen Oberlitauern¹⁴) (siehe Karte 1). Selbst in einem einzigen Dialekt kann eine unterschiedliche Akzentuierung verschiedener Ableitungen desselben Suffixes belegt sein, z. B. plũd–uruoti: lũk–uruoti, snũd–uruoti (LKŽ:

¹⁴ Über die südlichen Oberlitauer liegen nur wenige Daten vor, doch Wörter wie PPAŽ snygulióti könnten indirekt die Möglichkeit des Suffixakzents auch bei Ableitungen auf –uruoti, –uliuoti bezeugen.

82

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Srv); lūk–uriuoti: snyg–uriuoti, snūd–uriuoti (VdškŽ); snąg–uriuoti: snyg–uriuoti (LKŽ: Ėr).

KARTE 1. Akzentuierung der Ableitungen mit den Suffixen –ur(i)uoti, –uliuoti in den litauischen Dialekten:

lūkuriuoti: LKŽ (Kur, Srv);

plūduriuoti: LKŽ (Lzd); Znž (Grš);

snyguriuoti: LKŽ (Ut, Ob, Švnč, Ėr); VdškŽ; snyguliuoti: LKŽ (Mtl);

snūduriuoti: LKŽ (Srv); VdškŽ; snūduliuoti: LKŽ (Ad);

lūkuriuoti: LKŽ (Grz, Alk, Skr); KzRŽ (KzR); ZnŽ (Nm, Lkč); VdškŽ;

plūduriuoti: LKŽ (Skr, Nmk, Srv, Šll); K; Sch15; ŠVŽŽ (Ged, Lu); KrtnŽ; VaigŽ; KzRŽ (KzR); plūduruoti: LKŽ (Ms, Užv, Rdn, Krš); Dunž (Dr, Varp, Krš, Vds);

snyguriuoti: LKŽ (Škn, Yl, Jrb, Dkš, Pv); KzRŽ (Bbr, KzR); KltŽ; snygūruoti: LKŽ (Jž, Skp, Kp, Rš); KpŽ (Skp, Kp); snyguliuoti: LKŽ (Bsg, Krok, Lkč; Alv, Mrs); ZnŽ (Lkč);

snūduriuoti: LKŽ (Mžk, Krkl, Grk, Jrb, Dkš, Mrj, Krs, Dbk, Ds); KrtnŽ; VaigŽ; KzRŽ (Gvlt, KzR); snūduruoti: LKŽ (Rdn); KpŽ (Kp, Ppl); snūduliuoti: LKŽ (Plv; Ds).

15 Siehe Schleicher 1857: 171 (aus der Orthografie ist der Ton unklar: plūduriavo).

Straipsniai / Articles

83

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

§ 10. In der heutigen Sprache setzt sich, wie erwähnt (siehe § 2), der Suffixakzent zunehmend durch.

3.2. Typ Bal̄tuoti

3.2.1. Allgemeiner Überblick

§ 11. Unter allen belegten Ableitungen auf -(i)uoti mit nichtsuffixalem Akzent hebt sich eine kompakte Gruppe von Verben hervor, die durch ihre Semantik und (zumindest in einem Teil der Dialekte) durch den Wurzelton – den Zirkumflex – verbunden sind. Es handelt sich um Ableitungen von Adjektiven, die eine Farbe (oder ähnliche andere Eigenschaften) bezeichnen und meist eine Zustandsbedeutung haben, d. h. „das sein, was durch das Grundwort ausgesagt wird“ (vgl. DLKG 393)16, z. B. balt-uo-ti „weiß sein, weiß erscheinen“ ← Adj. bál­t-as. Der Wurzelzirkumflex kann sowohl metatonisch sein (z. B. bālt-uo-ti ← bālt-as) als auch aus dem Grundwort übernommen sein (z. B. gēlt-uo-ti ← gēlt-as). Ableitungen von Adjektiven mit kurzen oder positionsbedingt langen Wurzelvokalen gehören offenbar nicht zu dieser Gruppe – sie sind in allen Quellen gewöhnlich mit Suffixakzent belegt17, vgl. rud-uo-ti, rus̄u-uo-ti, žal-iuo-ti¹⁸, žāl-uo-ti¹⁹.

§ 12. Anders als bei den Ableitungen des Typs lū̄kuriuoti ist der Zirkumflexakzent der Wurzel bei diesen Verben nicht aus Gliedern einer Zwischenstufe der Bildungskette übernommen (d. h. láuk-ti → [lãkur-i →] lúkūr-ti → lúkūr-iuo-ti), sondern entsteht bei der Bildung der -uoti-Ableitungen selbst (d. h. bált-as → balt-uo-ti); daher tritt er bei Ableitungen anderer Suffixe von Farbbezeichnungen nicht auf (vgl. balt-é-ti, bál­t-in-ti)20.

16 Mit anderen Worten: Sie bezeichnen „das Ausdrücken und die Existenz der durch das Grundwort bezeichneten Eigenschaft als Prozess“ (vgl. LKG II 248).

17 Vgl. im selben Satz: sã-ko | pãpučǫ. dú-mu. | taį tą pudrà pajūdūoją | parudõją (ZnŽ: Br).

18 Unklar ist nur, wie zuverlässig die im LKŽ angegebene Akzentuierung von žāl-iuo-ti ist (BŽ; siehe Baronas 1932: 175, s. v. зеленѣть). Es könnte sich auch um einen Fall von Hyperkorrektur handeln: Im Wörterbuch wird beispielsweise auch juódoti akzentuiert, obwohl in der Mundart des Biržaiers Jonas Baronas der Wurzelakzent ansonsten nicht zu erwarten ist (vgl. §§ 17, 21 und Karte 3).

19 Wahrscheinlich ist der Wurzelakzent auch bei zwei Verben des betreffenden Typs mit langen Wurzeln nur wegen der Seltenheit der Beispiele im LKŽ nicht belegt, etwa bei bér-uo-ti (Rdm – nur ein akzentuiertes Beispiel, zudem aus einer Mundart, in der der Suffixakzent durchaus zu erwarten ist, siehe § 21) und palv-uo-ti (kein einziges akzentuiertes Beispiel).

20 Das von F. Kurschat in eckigen Klammern angegebene (also dem Autor unbekannte) [gėlton-au-ti] wurde wahrscheinlich mechanisch nach dem daneben notierten bedeutungsgleichen gėlton-uo-ti akzentuiert. ZnŽ marg-au-ti ist wahrscheinlich eine Umarbeitung von mãrg-uo-ti (Letzteres ist im ZnŽ nicht verzeichnet).

84

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

3.2.2. Entwicklung im 20.–21. Jh.

§ 13. Der Wurzelakzent der Verben des behandelten Typs war zu Beginn der Herausbildung der Standardsprache normgerecht. Verschiedene normative Werke des 20.–21. Jahrhunderts spiegeln das allmähliche Verschwinden des Wurzelakzents bzw. die Durchsetzung des Suffixakzents wider.

§ 14. Pranas Skardžius erklärte in seiner Akzentuierung der litauischen Standardsprache von 1936, dass „im Wurzelbereich, nicht im Suffix zu akzentuieren sind [...] die Verben baltuoti, juoduoti, marguoti, mėlynuoti, raudonuoti“ (Skardžius 1999: 381, vgl. auch S. 379), und nahm in das Beispielwörterbuch Verben wie baltuoti, geltonuoti, juoduoti, marguoti, mėlynuoti, palšuoti, pilkuoti, raudonuoti auf (S. 391–421). In seiner Rezension des Lehrbuchs der litauischen Rechtschreibung mit akzentuiertem Wörterbuch von Alfonsas Kalnius, Zigmas Kuzmickis und Jurgis Talmantas erklärte er, darin werde „unangemessen akzentuiert: [...] geltonuoti [...]. Viel weiter verbreitet und daher für die Standardsprache besser geeignet ist: [...] geltonuoti (vgl. pilkuoti, raudonuoti usw.)“ (Skardžius 1998: 660). Ähnlich kritisierte auch Kazimieras Būga in seiner Rezension des Hefts des Wörterbuchs von Jurgis Šlapelis (aus Kupiškis)21 aus den Jahren 1920–1922 die darin verwendete Form pilkuoja als für die Standardsprache nicht geeigneten ostlitauischen Regionalismus; ihr entspreche „in der Schriftsprache pilkuoja. Nach Būga spricht man „[i]n der Schriftsprache auch: juoduoja, marguoja, baltuoja, mėlynuoja, raudonuoja“ (siehe Būga 1959: 144).22

§ 15. In den ersten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienenen Ausgaben des DLKŽ wird für die meisten Verben dieses Typs bereits eine doppelte Akzentuierung angegeben: Wurzel- und Suffixakzent (z. B. baltuoti / baltúoti), bei einigen selteneren sogar ausschließlich der Suffixakzent (z. B. gelsvuoti). Bei den Fällen mit doppelter Akzentuierung wird in der ersten Ausgabe (1954) zuerst die Variante mit Wurzelakzent angegeben (d. h. baltuoti / baltúoti), in der zweiten (1972) bereits die mit Suffixakzent (d. h. baltúoti / baltuoti)³. In der dritten Ausgabe (1993) wird für die meisten Verben bereits ausschließlich der Suffixakzent angegeben (z. B. baltuoti, aber weiterhin pilkuoti / pilkuoti), während in den neuesten Ausgaben (beginnend mit der siebten, 2012) bereits alle Verben mit Suffixakzent akzentuiert werden. Vgl. die Entwicklung der Kodifizierung:

21 Vgl. Zinkevičius 1992: 317.

22 Aufgrund des begrenzten Umfangs des Wörterbuchhefts von J. Šlapelis aus den Jahren 1920–1922 kommt ein Verb des behandelten Typs darin nur einmal vor (pilkuoja), und zwar nur als Verwendungsbeispiel eines ganz anderen Wortes (akmenynas). In den anderen Wörterbüchern Šlapelis’ wird bei den Stichwortformen der entsprechenden Verben eine doppelte Akzentuierung angegeben: baltúoti / baltuoti; geltonuoti / geltonúoti; juoduoti / juodúoti; raudonuoti / raudonúoti (siehe Šlapelis 1921; 1929; 1940).

23 Außerdem wird das Verb gelsvuoti aus unklaren Gründen in der zweiten Ausgabe doppelt akzentuiert, während in der Form mit Wurzelakzent des Verbs juoduoti aus unerfindlichen Gründen ein Akut erscheint (wahrscheinlich ein Druckfehler).

Straipsniai / Articles

85

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

DLK޹, 1954 (= DLK޲ᵃ, 1962)

DLK޲ᵇ, 1972

Varianten | Suffixakzent baltuoti / baltúoti gelsvúoti geltonuoti / geltonúoti geltuoti / geltúoti giedruoti / giedruoti juoduoti / juodúoti keršúoti marguoti / margúoti mėlynuoti / melynúoti melsvúoti palšuoti / palšúoti pilkuoti / pilkúoti raibúoti raudonuoti / raudonúoti rausvúoti

Varianten | Suffixakzent gelsvúoti / gėlsvuoti geltonuoti / gėltonuoti geltúoti / gėltuoti giedruoti / giėdruoti juoduoti / ju̇oduoti keršúoti marguoti / mar̃guoti mėlynuoti / mėlynuoti melsvúoti palšuoti / palšúoti pilkuoti / pilkúoti raibúoti raudonuoti / raudonúoti rausvúoti

DLK޳, 1993 (= DLKŽ⁴, 2000)

DLKŽ⁷, 2012 (= DLKŽ⁸, 2021)

Varianten | Suffixakzent baltúoti gelsvúoti geltonúoti geltúoti giedruoti / giėdruoti juodúoti keršúoti margúoti / mar̃guoti mėlynúoti melsvúoti palšúoti pilkúoti / pilkuoti raibúoti raudonúoti rausvúoti

Varianten | Suffixbetonung baltúoti gelsvúoti geltonúoti geltúoti giedruoti juodúoti keršúoti marguoti mėlynúoti melsvúoti palšúoti pilkúoti raibúoti raudonúoti rausvúoti

86

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

3.2.3. Verteilung der Akzentuierungstypen in den Dialekten

§ 16. In den Dialekten ist eine große Vielfalt der Akzentuierung der Verben des behandelten Typs möglich.

§ 17. Bei Ableitungen von suffixlosen (d. h. Stämme mit einer Silbe besitzenden24) Adjektiven ist eine dreifache Akzentuierung möglich:

• Suffixbetonung (balt-úo-ti);

• Wurzelbetonung mit bewahrtem Akut des zugrunde liegenden Adjektivs (bált-uo-ti ← bált-as);

• Wurzelbetonung mit (metatonischem) Zirkumflex (bált-uo-ti ← bált-as).

Bei Ableitungen von Adjektiven mit unakutierter Wurzel (gelsvuoti, gel­tuoti, melsvuoti, rausvuoti) kommt ein Akut der Wurzel nicht vor.

Auf den Karten 2–5 ist die durch LKŽ und die Dialektwörterbücher bezeugte geographische Verteilung der Akzentuierungstypen der charakteristischeren Verben des behandelten Typs (baltuoti, juoduoti, marguoti, pilkuoti) dargestellt.

Wie ersichtlich, ist der Typ mit Suffixbetonung (balt-úo-ti, juod-úo-ti, marg-úo-ti, pilk-úo-ti) für das östliche Dialektareal (östliche und südliche Hochlitauer, litauische Sprachinseln in Belarus) charakteristischer, während die Wurzelbetonung für das westliche typisch ist. Der bewahrte Akut der Wurzel (bált-uo-ti, juód-uo-ti, márg-uo-ti, pílk-uo-ti) ist für den nördlichen Teil des westlichen Areals (nördliche Niederlitauer) charakteristischer, der metatonische Zirkumflex (bált-uo-ti, juód-uo-ti, márg-uo-ti, pílk-uo-ti) dagegen für den südlichen (südliche Niederlitauer, Kleinlitauen, Kaunaser). Die Grenzen der Areale stimmen selbstverständlich nicht unbedingt genau mit den Dialektgrenzen der wissenschaftlichen Klassifikation überein25. Stellenweise sind auch unterschiedliche Akzentuierungstypen innerhalb desselben Areals oder sogar desselben Dialekts möglich (vgl. die Akzentuierung von juoduoti bei den Kaunaser Hochlitauern, siehe Karte 3 und § 25–27); dies widerlegt jedoch nicht das allgemeine Bild der geographischen Verteilung der Akzenttypen.

24Der Einfachheit halber werden im Folgenden nicht nur morphologisch nicht zerlegbare, sondern auch Adjektive mit konsonantischen Suffixen als suffixlos bezeichnet (z. B. gel-sv-as), als nicht suffixlos dagegen nur solche mit vokalischen Suffixen (z. B. gelt-on-as).

25In diesem Aufsatz werden bei der Bezeichnung der Verbreitungsareale der behandelten Akzentuierungstypen die Adjektive westlich, östlich, nördlich, südlich verwendet (z. B. westliches Areal, nördliche Niederlitauer), bei der Bezeichnung der Einheiten der standardmäßigen Dialektklassifikation dagegen die Genitive der Substantive des Westens, des Ostens, des Nordens, des Südens (z. B. östliche Hochlitauer, nördliche Niederlitauer).

Straipsniai / Articles

87

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

KARTE 2. Akzentuierung des Verbs baltuoti in den litauischen Dialekten:

• baltúoti: LKŽ (MIt; Bsg; Rm; Lp, Lš; Arm); DvŽ (Rm, Žž); DrskŽ, PPAŽ (Knv, Mrc, Rud, Zrv); ZtŽ; ZnŽ (Grš); • báltuoti: LKŽ (Krtn, Brs, Trk); KrtnŽ; ŠVŽŽ (Prlg, Srp, Žbr); DūnŽ (Dr, Vds); ZnŽ (Slv); • baltuoti: LKŽ (Vkš, Šts; Brt; Gs); K; KzRŽ (KzR); ZnŽ (Grš, Lkč, Lkš, Šk); KBūg (Ds).

88

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

KARTE 3. Akzentuierung des Verbs juoduoti in den litauischen Dialekten:

• juoduoti: LKŽ (Dglš; Gs, Lp; Ėr, Pš, Srv, Šd; Pc; Trg; Žr); KpŽ (Skp, Šmn, PnmR, Plvn, Pnd, Slm); VdšKŽ; DvŽ (Gr, Mlk26); DrskŽ; PPAŽ (Mrc, Mst); ZtŽ; ZnŽ (Snt, Lp1, Jnk, Grš);

• juoduoti: LKŽ (Brs, KlvrŽ, Šts; Skr); ŠVŽŽ (Įp, Yl, Ylk, Lyk, Ms, Nsm, Srpt, Vab, Že); KrtnŽ;

• juoduoti: LKŽ (Tl; Vvr; Šk, Žvr; Gs; Ds); K; ZnŽ (Br, Grš, Jnk, Lp1, Lkš, VšR, Snt, Žvr); KBūg (Ds).

26Falls aus M1 zu korrigieren (siehe DvŽ: Lemma juoduoti).

Straipsniai / Articles

89

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

KARTE 4. Akzentuierung des Verbs marguoti in den litauischen Dialekten:

• margúoti: LKŽ (Rk; Ėr; Drsk, Lp); VdškŽ; DrskŽ; PPAŽ (Mrc, Mst); ŠVŽŽ (Lu);

• márguoti: LKŽ (Lk, Šts; Slnt; Krš); KrtnŽ; DūnŽ (Dr, Krš); KBūg (Als, Slnt);

• marguoti: LKŽ (Jdr; Br, Dkš, Klvr, Mrj, Skr); K; KzRŽ (KzR); KBūg (Ds).

90

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

KARTE 5. Akzentuierung des Verbs pilkuoti in den litauischen Dialekten:

• pilkuoti: LKŽ (Pc; Šts); PPAŽ (Rud); • pilkuoti: LKŽ (Plt; Krš); ŠVŽŽ (Ged); KrtnŽ; DūnŽ (Dr, Krš); • pilkuoti: LKŽ (Grg; Užv; Br, Skr); KzRŽ (KzR); KBūg (Ds)?²⁷.

§ 18. Bei Ableitungen von suffixhaltigen (d. h. zwei Silben umfassende Stämme besitzenden²⁸) Adjektiven kann bei nicht suffixaler Betonung sowohl die Betonung der ersten Silbe des zugrunde liegenden Stammes, d. h. der Wurzel, (gėl̃t-on-uo-ti) als auch die Betonung der zweiten Silbe (d. h. des Adjektivsuffixes) auftreten (gelt-õn-uo-ti, gelt-õn-uo-ti). Abhängig von der Akzentuierung der Adjektive – suffixal (z. B. gelt-õn-as, raud-õn-as) oder wurzelbetont (z. B. mė́l-yn-as) – variiert auch die Akzentuierung der von ihnen abgeleiteten Verben.

§ 19. Adjektive mit Wurzeln zirkumflektischer Herkunft gelt-õn-as, raud-õn-as (vgl. gẽlt-as, raũd-as) sind auf dem Suffix betont. Da das Suffix akutiert ist, d. h. den Akzent nach dem Saussureschen Gesetz an sich ziehen kann, ist historisch nur diese Akzentuierung zu erwarten. Bei den Ableitungen dieser Adjektive sind vier Akzentuierungen möglich: • Betonung des Verbsuffixes (z. B. gelt-on-uo-ti);

²⁷ Aus Būgas Formulierung (siehe das Zitat in § 14 und die unmittelbar darauffolgende Bemerkung: „(sako taip ir dusetiškiai).“) ist nicht ganz klar, ob in Dusetos der Zirkumflex nur in den Wörtern juõduoja, mẽrguoja, bãltuoja, mẽlynuoja, raũdonuoja⟧ oder auch in pilkuoja möglich ist.

²⁸ Vgl. Anmerkung 24.

Straipsniai / Articles

91

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Wurzelbetonung mit Zirkumflex (z. B. gẽlt-on-uo-ti);

beibehaltener Akzentstelle des Grundworts und Akut im Suffix (z. B. gelt-ón-uo-ti);

beibehaltener Akzentstelle des Grundworts im Suffix, jedoch mit metatonischem Zirkumflex (z. B. gelt-õn-uo-ti).

Die geographische Verteilung der Akzentuierungstypen ist auf den Karten 6–7 zu sehen. Wie bei den Ableitungen von suffixlosen Adjektiven (siehe § 17) ist die Betonung des Verbsuffixes (gelton-úo-ti, raudon-úo-ti) für das östliche Dialektareal charakteristischer, während die Betonung des Grundstamms für das westliche typisch ist.

Im nördlichen Teil des westlichen Areals (nördliche Niederlitauer) wird die Akzentstelle des zugrunde liegenden Adjektivs (im Suffix –on-) bewahrt. In einem Teil dieses Gebiets (im Norden, Nordwesten) wird auch der Akut des Suffixes bewahrt (gelt-õn-uo-ti, raud-õn-uo-ti), in einem anderen Teil (im Süden, Südosten) tritt Metatonie ein (gelt-õn-uo-ti, raud-õn-uo-ti).

Im südlichen Teil des westlichen Areals (südliche Niederlitauer, Kleinlitauen, Kaunaser) wird die Akzentstelle des zugrunde liegenden Adjektivs nicht bewahrt – die Wurzel wird betont (gẽlt-on-uo-ti, raũdon-uo-ti).

Vereinzelt ist die Betonung des Grundstamms auch im östlichen Areal (bei den östlichen Hochlitauern) bezeugt. Nicht ganz klar ist, inwieweit hier (in der Zone deutlicher Nivellierung der Intonationen) die Intonationen des Suffixes zuverlässig aufgezeichnet wurden: gelt-õn-uo-ti (1×), jedoch raud-õn-uo-ti (2×). Die zirkumflektierte Wurzelbetonung (gẽlt-on-uo-ti, raũd-on-uo-ti) ist wie bei den Ableitungen von suffixlosen Adjektiven (siehe § 17) nur in Arbeiten von Autoren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeugt, ohne Beispiele aus der lebendigen Sprache. K. Būga erwähnt eine solche Akzentuierung in seinem Heimatort Dusetos29 (nicht übereinstimmend mit der Suffixbetonung in der im LKŽ angegebenen Form aus Ds išraudonávo) und in Anykščiai30, A. Baranauskas im Dialekt R5 (d. h. der Kupiškėner), indem er einen von dessen Vertreterin verfassten poetischen Text akzentuierte31.

29 Būga 1959: 144 (raudonųoja Ds), 480 (raudonųoti Ds).

30 Būga 1959: 480 (geltõnuoti An).

31 „[…] Jou n’abalińksmūs wisi m’adėlei, Kàd gãlțuoja žali lăpelė. Bàe jawũ dỳki wisi łoukėlei. […] Urszulà Tamosziūnàiczа. 1880. m. Łapkrico 21. d. Pajūodupyje“ (Baranowski 1920: 438–439).

92

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

KARTE 6. Akzentuierung des Verbs geltonuoti in den litauischen Dialekten:

• geltonuoti: LKŽ (Ėr, Jnšk, Pn; Dkš); KpŽ (Alz, Slm, PnmR, Plvn); VdškŽ; KltŽ; DvŽ (Sr, Šlt;); DrskŽ; PPAŽ (Mrc, Rud, Žr); LzŽ (Dnr); ZtŽ;

• geltónuoti: ŠVŽŽ (Kdž, Ms, Nsm, Pal, Vin, Šek, Žbr); KrtnŽ;

• geltonuoti: LKŽ (Kt); K; KzRŽ (GvIt); ZnŽ (Grš, Lkš, Žlt); KBūg (An); ABar (R5);

• geltonuoti: LKŽ (Als, KlvrŽ, Šts; Jnšk; Pl); DūnŽ (PvnR32, Vrp); Būga (Kv).

32Die Aufzeichnung eines der vermutlich zwei Fälle aus PvnR mit der Abkürzung PnmR (im Abkürzungsverzeichnis von DūnŽ nicht erklärt) ist höchstwahrscheinlich als Druckfehler zu betrachten.

Straipsniai / Articles

93

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

KARTE 7. Akzentuierung des Verbs raudonuoti in den litauischen Dialekten:

• raudónuoti: LKŽ (Ldk; Ds, Krd, Lel, Trgn; Dglš, Klt; Bd, Dbč, Lp, Smn, Vlk; Kli; Ėr, Lnkv, Rm; Bsg, Pc; Alk, Dkš, Šn, Srd); KpŽ (Skp, Slm, Šmn); VdškŽ; KltŽ; KB ūg (Lkm); DvŽ (Dvr, Mc, Žž); DrskŽ; PPAŽ (Kb, Mrc); LzŽ (Dnr, Psl); ZtŽ; DkšŽ; VaigŽ;

• raudónuoti: LKŽ (Brs, Ggr, KlvrŽ, Lpl, Trk, Vgr, Vkš, Šts; Rš, Smal); ŠVŽŽ (Dauk, Drk, Ged, Kra, Kern, Kul, Med, Ms, Pal, Trkn, Šek, Vin, Žė, Žbr); KrtnŽ;

• raūdonuoti: LKŽ (Dov, Grg, Kl, Rt, Vž; Sg; Kv, Šv, Up; Nmnk, Rs; Grl, Jrb, Skr; Grz; Smn); K; DkšŽ; KzRŽ (KzR); ZnŽ (Jnk, Grš, Lkš, Lkč, Snt, Slv, Žlt); KB ūg (Ds);

• raudónuoti: LKŽ (Rdn; Krš, Užv); DūnŽ (Dr, Krš, PvnR).

§ 20. Būdvardis mél-yn-as (und die Varianten mél-in-as, mél-en-as) besitzt eine akutierte Wurzel, die in der Mehrzahl der Dialekte betont ist; daneben kommt jedoch auch eine in das Suffix verlagerte Betonung vor (vgl. mél-ýn-as DūnŽ: Pkš, Krš) – höchstwahrscheinlich nach dem Muster von gelt-ón-as, raud-ón-as.

Bei Ableitungen mit –uoti sind vier Akzentuierungen möglich: • Betonung des Verbsuffixes (mėlyn-úo-ti); • Beibehaltung der Akzentstelle und der akuten Intonation des zugrunde liegenden Adjektivs in der Wurzel (mėl-yn-ūo-ti);

94

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Beibehaltung der Akzentstelle des zugrunde liegenden Adjektivs in der Wurzel, jedoch mit metatonischem Zirkumflex (mėl-yn-uo-ti);

Beibehaltung der Akzentstelle und der akuten Intonation des zugrunde liegenden Adjektivs im Suffix (mel-ýn-uo-ti) (in Dialekten, in denen die Adjektivform melýnas verwendet wird).

Die geographische Verteilung der Akzentuierungstypen siehe Karte 8. Wie bei den zuvor behandelten Ableitungen ist die Betonung des Suffixes -úo-ti (mėl-yn-úo-ti, mėl-in-úo-ti, mėl-en-úo-ti) für das östliche Dialektareal typisch, während die Betonung des Grundstamms für das westliche charakteristisch ist. Der bewahrte Akut der Wurzel des Grundstamms (mėl-yn-uo-ti, mėl-en-uo-ti) ist nur im äußersten Norden des westlichen Areals bezeugt, der metatonische Zirkumflex (mėl-yn-uo-ti, mėl-en-uo-ti) dagegen im übrigen Gebiet. Die Betonung des Suffixes des Grundstamms (mėl-ýn-uo-ti) kommt nur dort vor, wo auch das suffixbetonte Adjektiv mėl-ýn-as verwendet wird, d. h. in der nordöstlichen Ecke der südlichen Niederlitauer (DūnŽ: Drv, Pkš). (Interessant ist, dass für dieses Gebiet auch die Suffixbetonung des Grundstamms in den Verben gelt-õn-uo-ti, raud-õn-uo-ti charakteristisch ist; anders als im Fall von mėl-ýn-uo-ti findet in ihnen jedoch eine zirkumflektische Metatonie statt, siehe § 19).

Im Gebiet der östlichen Hochlitauer wird der metatonische Zirkumflex der Wurzel (mėl-yn-uo-ti) wiederum nur von K. Būga in Dusetos bezeugt (vgl. jedoch LKŽ numelýnãvo Ds).

Straipsniai / Articles

95

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

KARTE 8. Akzentuierung des Verbs mėlynuoti und seiner Varianten in den litauischen Dialekten:

• mėlynúoti: LKŽ (Ds, Lel, Mlt; Ėr, Lnkv; Prng; VIk, Srj; Pc; Brš, Klvr); KpŽ (Pnd); VdškŽ; DvŽ (Dv, MIk); DrskŽ; PPAŽ (Knv, Mrc); LzŽ (Dnr); ZtŽ; ZnŽ (Grš, Snt, Šk); mėlinúoti: DvŽ (Dv, Šlt); mėlenúoti: DūnŽ (Krš);

• mėlynuóti: ŠVŽŽ (Erk, Kra, Ms, Nsm); mėlenúoti: ŠVŽŽ (Srpt); KBūg (Ms, Slnt);

• mėlynuoti: LKŽ (Ar, Jrb, Pgg, Skr, Smln, VIk; Gs); K; KzRŽ (KzR); ZnŽ (Lkč, Lkš); KBūg (Ds); mėlenuoti: LKŽ (Šts, Rdn; Gršl, End; Prk; Varn, Vds, Pvn); DūnŽ (Užv, Vkšn);

• mėlynuoti: DūnŽ (Dr, Pkš).

§ 21. Eine verallgemeinerte Darstellung der Akzentuierung aller behandelten Verben ist auf Karte 9 geboten; daraus ist ersichtlich, dass für Ableitungen auf –uoti von Farbbezeichnungen drei Hauptakzenttypen charakteristisch sind, die in drei recht klar hervortretenden geographischen Arealen vorkommen:

• östliches Areal (vorwiegend östliche und südliche Hochlitauer) – Betonung des Suffixes –uo–ti (balt–úo–ti, juod–úo–ti, marg–úo–ti, pilk–úo–ti, gelton–úo–ti, raudon–úo–ti, mėlyn–úo–ti);

• Litauens nordwestliche Ecke (der nördliche Teil des niederlitauischen Dialektgebiets) – Betonung des Grundstamms und bewahrter Akut des Grundworts:

96

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

in der Wurzel (bált–uo–ti, juód–uo–ti, márg–uo–ti, pìlk–uo–ti) oder im Adjektivsuffix (gelt–ón–uo–ti, raud–ón–uo–ti, mėlyn–uo–ti);

• südwestliches Areal (südlicher Teil der Niederlitauer, Kleinlitauen, westliche Kaunaser Hochlitauer) – Betonung des Grundstamms und Zirkumflex: metatonisch in der Wurzel (bált–uo–ti, juód–uo–ti, márg–uo–ti; pìlk–uo–ti; mėlyn–uo–ti) oder im Adjektivsuffix (gelt–ón–uo–ti, raud–ón–uo–ti), außerdem in der Wurzel entstanden, nachdem die Betonung aus dem Adjektivsuffix dorthin verlagert worden war (gẽlt–on–uo–ti, raũd–on–uo–ti).

Innerhalb der abgegrenzten Areale sind Übergangszonen mit unterschiedlichen Akzentuierungstypen möglich. So sind beispielsweise sowohl die Betonung des Suffixes –uo–ti als auch die Betonung der zirkumflektierten Wurzel in den Dialekten der westlichen Kaunaser Hochlitauer (wahrscheinlich auch der Šiauliai-Hochlitauer) häufig, bisweilen mit beiden Varianten in ein und demselben Dialekt. Eine mögliche frühere weitere Verbreitung der Betonung der zirkumflektierten Wurzel im östlichen Areal wird durch in Quellen vom Beginn des 20. Jahrhunderts erwähnte Relikte einer solchen Akzentuierung bei den östlichen Hochlitauern bezeugt (vgl. auch die weitere Verbreitung der Wurzelbetonung bei Verben des Typs lūkuriuoti in diesem Areal, siehe § 9). Vereinzelt kommen auch andere geringfügige Abweichungen von der beschriebenen geographischen Verteilung vor, die das allgemeine Bild der Verteilung der Akzentuierungstypen im Wesentlichen nicht verzerren.

KARTE 9. Akzentuierung der Ableitungen auf –uoti von Farbbezeichnungen in den litauischen Dialekten (Zusammenfassung)

Straipsniai / Articles

97

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

§ 22. Für die Feststellung einer klareren geographischen Verteilung von Ableitungen aus suffixlosen, zirkumflektierten Wurzeladjektiven (gelsvas, gėl̇tas, rausvas, melsvas, pilkšvas etc.) reicht das bezeugte Material nicht aus. Wie zu erwarten, ist im östlichen Areal oder an dessen Rand die Suffixbetonung bezeugt (gelt-uo-ti Ds, rauso-uo-ti Šd), im Südwesten dagegen die Betonung der zirkumflektierten Wurzel (gėl̇uoti K, Gs). Wie in dem in dieser Hinsicht wichtigsten nordwestlichen, d. h. dem Areal mit betonter akuter Wurzel, verfahren wird, lässt sich leider nicht eindeutig sagen. Alle bezeugten Beispiele stammen aus einem Übergangsgebiet oder aus Orten, an denen eine unterschiedliche Akzentuierung möglich ist; vgl. die Suffixbetonung gelsv-uo-ti (Šts³³) neben der Wurzelbetonung gelsv-uo-ti (Als³⁴, Pln), rausv-uo-ti (Ggr).

3.2.4. Herkunft und Entwicklung der Betonung der zirkumflektierten Wurzel

§ 23. Die dem Saussureschen Gesetz widersprechende Betonung der zirkumflektierten Wurzel in Ableitungen mit dem akutierten Suffix –(i)úo–ti kann nicht alt sein. Dass es sich um eine späte Erscheinung der litauischen Sprache selbst handelt, zeigt auch das Fehlen jeglicher Spuren einer ähnlichen Metatonie in entsprechenden lettischen Ableitungen, vgl. 1a. balt-uo-t ← balts; mėl̇n-uo-t ← mėl̇ns; sãrkan-uo-t ← sãrkans.

Dagegen ist die im nordwestlichen litauischen Dialektareal bezeugte Betonung der akutierten Wurzel wahrscheinlich als bewahrter Archaismus in Ableitungen von Adjektiven der Akzentklasse 1 zu betrachten (vgl. § 4). Für alle genannten farbbezeichnenden Adjektive mit akutierter Wurzel, deren frühere Akzentuierung sich bestimmen lässt, kann eine ältere Akzentklasse 1 rekonstruiert werden:

• bál̇tas: vgl. zemaitisch Nom. Sg. Fem. bál̇t-a³⁵, Nom. Pl. Mask. bál̇t-i³⁶; pronominaler Nom. Sg. bál̇t-as-is³⁷; Adv. bál̇t-ai³⁸, ³⁹; dial. bál̇t-um-as; lett. baļts;

• júodas: vgl. zemaitisch Nom. Sg. Fem. júod-a⁴⁰, Nom. Pl. Mask. júod-i⁴¹, Adv. júod-ai⁴²; júod-ym-ė 1, júod-ym-as 1, dial. júod-um-as; lett. Subst. júods ‚der Böse, der Teufel‘;

³³ Vgl. Šts: balt̄–uo–ti, mėl̇-en-uo-ti; gelt-ōn-uo-ti: júod-uo-ti, márg-uo-ti, raud-ōn-uo-ti: pilk-uo-ti (siehe auch § 27).

³⁴ Vgl. Als: gelt̄–ōn–uo–ti: márg–uo–ti.

³⁵ Girdenis 2008: 58 (Anm. 112 [bã.ltā]), 87 (Anm. 239).

³⁶ Girdenis 2012: 88 (Anm. 189 [bãltē]).

³⁷ KrtnŽ; ŠVŽŽ.

³⁸ Girdenis 2008: 58 (Anm. 112 [báltą]); 2012: 88 (Anm. 189 [baltą]); KrtnŽ. 38.

³⁹ Vgl. Būga 1961: 73.

⁴⁰ LKŽ (Ms, KlvrŽ, Slnt); KrtnŽ; ŠVŽŽ.

⁴¹ Girdenis 2008: 73 (Anm. 180 [jôudė]), 87 (Anm. 244 [jô.udė]); 2012: 133 (Anm. 378 [jôudė]).

⁴² Girdenis 2008: 58 (Anm. 112 [jôudâ]), 73 (Anm. 180 [jôudâ]); LKŽ (KlvrŽ).

98

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

• pilkas: vgl. zemaitisch Nom. Sg. Fem. pilk-a, Nom. Pl. Mask. pilk-i, Adv. pilk-ai⁴³;

• mėlas → mėlynas, mėlinas, mėlenas: vgl. lett. mėļš ‚blau, violett‘, mėļns ‚schwarz‘.

Die akzentuelle Wertigkeit der zirkumflektierten Wurzeln gelt-, raud- lässt sich schwieriger rekonstruieren; die davon abgeleiteten Adjektive geltonas, raudonas gehören jedoch im für uns relevanten nordwestlichen Gebiet Litauens ebenfalls zur Akzentklasse 1 (siehe LKA II Karte 112). Daher kann auch die Akzentuierung ihrer Ableitungen gelton-uo-ti, raudon-uo-ti als regelgerecht betrachtet werden.

§ 24. Der Zirkumflex der Wurzel (die „fortdauernde“ Intonation) ist offenbar als ein derivationales Merkmal mit ikonischer Funktion entstanden (vgl. § 7). Mit ihm wurde die Zustandsbedeutung (andauernde Handlung, siehe § 11) bezeichnet; ihr gegenüber stand wahrscheinlich die Bedeutung des Zustandswechsels (d. h. „zu dem werden, was durch das Grundwort bezeichnet wird“, vgl. DLKG 390f.⁴⁴) und/oder die kausative Bedeutung (d. h. „das tun oder zu dem machen, was durch das Grundwort bezeichnet wird“, vgl. DLKG 387f.⁴⁵), z. B. *bált-uo-ti ‚weiß sein, erscheinen‘: *bált-uo-ti ‚weiß werden‘ und/oder ‚weiß machen‘ (⇒ balt-uo-ti: balt-úo-ti).

§ 25. In den heutigen Dialekten werden alle möglichen Akzentuierungstypen überwiegend mit Zustands- und Zustandswechselbedeutungen verwendet. Wenn in einem Dialekt mehrere unterschiedliche Akzentuierungstypen möglich sind, hängen sie meist nicht (mehr) von der lexikalischen Bedeutung der Ableitung ab, vgl.:

• baltuoti: baltúoti ‚weiß sein oder erscheinen‘ (ZnŽ: Grš), báltuoti ‚ebd.‘ (ZnŽ: Slv);

• juóduoti: juodúoti ‚schwarz sein, schwarz erscheinen; sich schwarz bewegen, wimmeln‘ (ZnŽ: Lpl); pajuóduoti: pajuodúoti ‚schwarz werden, sich verdunkeln (auch übertragen: zornig werden, wütend werden)‘ (ZnŽ: Grš); juóduoti ‚schwarz sein, schwarz erscheinen‘ und ‚schwarz werden, schwarz machen‘ (ŠVŽŽ);

• pilkuoti ‚grau sein, grau erscheinen‘ und ‚grau werden, ergrauen‘ (LKŽ: Grg); išpilkuoti (LKŽ: Plt); išpilkúoti ‚grau werden‘;

• geltonuoti ‚gelb sein, gelb aussehen‘, pageltonuoti ‚gelb werden‘ (LKŽ: Als);

• raudonuoti ‚rot sein, rot erscheinen‘ und ‚rot werden‘ (ŠVŽŽ);

• mėlynuoti ‚blau sein oder blau aussehen‘: pamėlynuoti ‚blau werden‘ (ZnŽ: Lkč)

• usw.

§ 26. Die kausative Bedeutung ist bei den untersuchten Verben relativ selten bezeugt. Die einzigen im LKŽ erfassten Fälle sind: marg-úo-ti (NdŽ, Ėr), gelton-úo-ti (NdŽ), raudon-úo-ti (NdŽ, Srd, Ėr), mėlyn-uo-ti (Ėr, Pc, Lnkv). In all diesen

⁴³ ŠVŽŽ; Girdenis 2008: 87 (Anm. 244); NdŽ.

⁴⁴ Oder die Bedeutung „Entstehung der durch das Grundwort bezeichneten Eigenschaft“ (LKG II 249).

⁴⁵ Oder die Bedeutung „Verleihung der durch das Grundwort bezeichneten Eigenschaft an jemanden oder etwas“ (LKG II 249).

Straipsniai / Articles

99

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Fällen ist nur die Suffixbetonung belegt⁴⁶. Im östlichen Dialektareal unterscheiden sich die Verben mit dieser Bedeutung durch ihre Akzentuierung nicht von den Verben mit anderen Bedeutungen, vgl.:

• marguoti ‚bunt werden, bunt erscheinen‘: pamarguoti ‚bunt machen, bunt färben‘ (LKŽ: Ėr);

• paraudonuoti ‚rot werden‘: suraudonuoti ‚rot färben‘ (LKŽ: Ėr).

§ 27. In den wenigen Fällen, in denen in einer Quelle mehrere Akzentuierungsvarianten desselben Verbs mit unterschiedlichen Bedeutungen bezeugt sind, ist die Betonung der zirkumflektierten Wurzel gewöhnlich für die Zustandsbedeutung, die Betonung des Verbsuffixes dagegen für die Zustandswechsel- oder kausative Bedeutung charakteristisch⁴⁷, vgl.:

• juóduoti ‚schwarz sein, schwarz erscheinen; sich schwarz bewegen, wimmeln‘: juodúoti ‚schwarz werden‘ (ZnŽ: Snt⁴⁸; vgl. auch NdŽ);

• marguoti (= margaliuoti ‘in buntem, farbenreichem Wechsel glänzen, ein buntes Aussehen haben’): margúoti (= márginti ‘bunt machen, bunt färben, bunt durchwirken’), marguotis (= márgti ‘bunt werden, verschiedene Farben annehmen’) (NdŽ);

• pilkuoti (und pilkúoti?⁴⁹) ‚grau schimmern‘: pilkúoti (= pilkėti ‚grau werden, ergrauen‘) (NdŽ);

• geltonuoti ‘gelb scheinen, gelb schimmern’: geltonúoti (= geltóninti ‘gelb färben’) (NdŽ);

• raudonuoti ‚rot erscheinen‘: raudonúoti ‚erröten, rot werden oder rot sein‘ (DkšŽ).

Ein interessanter Fall findet sich in Šatės (in der Kontaktzone des nordwestlichen und südwestlichen Areals), wo das Zustandsverb bãltuoti ‚weiß sein, weiß erscheinen‘ mit metatonischem Zirkumflex belegt ist, die Zustandswechselverben dagegen mit bewahrtem Akut (apsijúoduoti, užjúoduoti ‚schwarz werden‘, pamárguoti ‚bunt werden, bunt erscheinen‘) oder mit Suffixbetonung (išpilkúoti ‚grau werden‘) belegt sind.

§ 28. Der Zirkumflex der Wurzel als Kennzeichen der Zustandsbedeutung ist sowohl in seit alters betonten akutierten Wurzeln entstanden (d. h. in Ableitungen von Adjektiven der Akzentklasse 1, z. B. báltas *1 → *bált-uo-ti ⇒ balt̃-uo-ti, vgl. § 4) als auch in zirkumflektierten

⁴⁶ Išskyrus nebent raudonuoti ist in NdŽ belegt, wo beide Akzentuierungsvarianten (raudonuoti und raudonúoti) zusammen angegeben und alle drei Bedeutungen ohne Bezug zur Akzentuierung genannt werden (anders als bei geltonuoti, juoduoti, marguoti, pilkuoti), doch handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich lediglich um eine redaktionelle Ungenauigkeit.

⁴⁷ Priešingas atvejis matomas nebent A. Baranausko užrašuose literatūriniuose tekstuose: Kàd g'àttonuoja žali lapėlei (Zustandswechsel): Dõ g'àttonuoja plõtai kwietẽlū (Zustand) (die Verfasserin beider Texte ist dieselbe Vertreterin des Dialekts R5 [Kupiškėner] aus Pajuodupis, vgl. Anmerkung 31; die Akzentzeichen hat Baranauskas offenbar eigenmächtig gesetzt), siehe Baranowski 1920: 435, 439.

⁴⁸ Bet plg. tos pačios šnektos pajúoduoti ‚schwarz werden, sich verdunkeln‘ (ZnŽ: Snt).

⁴⁹ Iš NdŽ užrašymo neaišku, ar užrašymas pilkúoti gilt nur für die Zustandswechsel- oder auch für die Zustandsbedeutung.

100

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

in ursprünglich zirkumflektierten Wurzeln: nachdem sie infolge des Saussureschen Gesetzes den Akzent verloren hatten (z. B. gẽl̃tas *2 → *gẽlt-uо-ti > gelt-úo-ti ⇒ gẽlt-uo-ti oder *geltónas 1 → *gelt-ón-uo-ti ⇒ gẽlt-on-uo-ti), vielleicht aber auch in seit alters unbetonten, wenn in den Ableitungen das Verbsuffix den Akzent erhielt (d. h. gẽltas *4 → *gẽlt-úo-ti ⇒ gẽlt-uo-ti; *geltónas 3 → *gelt-on-úo-ti ⇒ gẽlt-on-uo-ti, vgl. § 19).

§ 29. Es ist wahrscheinlich, dass das betreffende Phänomen, das an irgendeinem Punkt des litauischen Sprachgebiets entstanden und sich später über das übrige Gebiet ausgebreitet ist, das nordwestliche Dialektareal nicht erreicht hat. Hier ist bis heute die archaische Akzentuierung des Typs balt-as → balt-uo-ti und geltón-as → geltón-uo-ti erhalten (möglicherweise auch die regelmäßige Akzentuierung des Typs gelšv-as → gelsu-úo-ti, obwohl die Daten dafür keine sichere Aussage erlauben, vgl. § 22). Im Übergangsgebiet zwischen dem südwestlichen und dem nordwestlichen Areal sind auch verschiedene sekundäre Bildungen möglich, z. B. die Einführung des Zirkumflexes nicht in die Wurzel, sondern in das Adjektivsuffix, das die alte Akzentstelle bewahrt (*geltón-uo-ti ⇒ gelt-õn-uo-ti), ebenso Kombinationen verschiedener Akzentuierungstypen innerhalb desselben Dialekts, abhängig vom jeweiligen Verb und/oder seiner derivativen Bedeutung (vgl. Šts: balt-uo-ti, mėl-en-uo-ti, gelt-õn-uo-ti: juod-uo-ti, márg-uo-ti, raud-õn-uo-ti: pilk-úo-ti; Als: márg-uo-ti: gelt-õn-uo-ti).

Im östlichen Dialektareal war der zirkumflektierte Wurzelakzent in Verben des betreffenden Typs früher wahrscheinlich ebenfalls verbreitet (wie bei Bildungen des Typs lūkuriuoti, vgl. § 9), wenn auch nicht im gesamten Gebiet, so doch zumindest weiter als heute, ist jedoch früh (früher als bei Bildungen des Typs lūkuriuoti) geschwunden. Das Schwinden wurde offenbar durch die zunehmende Vorherrschaft des dominanten Suffixakzents bei den Bildungen mit dem Suffix –(i)uoti sowie durch den Wegfall der Notwendigkeit begünstigt, Verben der Zustandsbedeutung von Verben des Zustandswechsels und/oder der Verursachungsbedeutung zu unterscheiden, nachdem für diese Bedeutungen Bildungen mit anderen Suffixen vorherrschend geworden waren (z. B. balt-ėt-i, balt-in-ti). Aus diesem Areal breitet sich diese Akzentuierung über ganz Litauen aus und ist heute in der Standardsprache bereits als einzig mögliche kodifiziert.

3.3. Andere Fälle

§ 30. Neben den beiden besprochenen Typen sind auch verschiedene andere Bildungen mit dem Suffix –(i)uoti und suffixlosem Akzent belegt, die nicht als alte Archaismen gelten können, welche die Akzentklasse 1 der Basiswörter widerspiegeln, gewöhnlich jedoch dem ererbten Gesetz nicht widersprechen. In ihnen ist gewöhnlich die akutierte Wurzel betont (bei einsilbigen Basisstämmen) oder die letzte Silbe mehrsilbiger Basisstämme. Der Wurzelakzent (Akzent des Basisstamms) ist fast immer im westlichen litauischen Dialektareal belegt (vor allem in Kleinlitauen), häufig neben Varianten mit Suffixakzent. Wenn die Wörter auch im östlichen Areal verwendet werden, haben sie dort gewöhnlich nur den Suffixakzent.

Straipsniai / Articles

101

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

§ 31. Unter solchen Verben sind vor allem verschiedene onomatopoetische, lautmalerischen Ursprungs oder ähnliche Bildungen expressiver Bedeutung zu nennen, vgl. čiulb-uo-ti (K; vgl. čiulb-uo-ti Pn, Plš, Dv), gyv-uo-ti (über den Wiedehopf) (Alk; vgl. gyv-uo-ti Tvr, Ar); čiuvyr-uo-ti (K, Sch⁵⁰; vgl. čiuvyr-uo-ti K⁵¹), grėvež-uo-ti (K⁵², Erž, Up; vgl. grevež-uo-ti J), kàbar-iuo-ti (K, NdŽ, Nt, Erž; vgl. kabar-iuo-ti Ds, Ktk), kàkal-iuo-ti(s) (K, Gs, Skr, Brt, Įrb, Vdk, VŠR, Rs), lėket-uo-ti (K; vgl. leket-úo-ti Dbk, Dgl, An, Kp), màdar-uo-ti (K, Pžrl; vgl. madar-úo-ti J, KDonel, Vj), tàlaž-uo-ti (K, NdŽ, Prk, Sg); vìnžel-iuo-ti (K) usw.

§ 32. Der Wurzelakzent überrascht auch bei verschiedenen Germanismen oder Bildungen aus Germanismen nicht, die in Kleinlitauen besonders zahlreich sind, z. B. býdel-iuo-ti, búter-iuo-ti, ėbel-iuo-ti, jómark-uo-ti, púder-iuo-ti, šéker-iuo-ti, šiūpel-iuo-ti, tůlk-uo-ti; màgal-iuo-ti, pỹpel-iuo-ti, ėkel-iuo-ti; kliùper-iuo-ti, mùster-iuo-ti. Hier kann er zunächst den Wurzelakzent der deutschen Wörter widerspiegeln; in den Fällen jedoch, in denen die Verben als Bildungen der litauischen Sprache selbst aufgefasst werden können, sind die Basiswörter gewöhnlich Substantive der Akzentklasse 1 und folgen somit dem ererbten Gesetz, vgl. býdelis 1, búteris 1, ėbelis 1, jómarkas 1/3ᵃ, màngalis 1 (und mangalỹs 3ᵇ), púderis 1, šiūpelis 1, tůlkas 1(/2), kliùperis 1, mùsteris 1⁵³.

§ 33. Ein Teil der von F. Kurschat bezeugten Verben auf -(i)uoti kann von Verben auf -(i)oti abgeleitet sein (entstanden durch die für die Dialekte Kleinlitauens typische Verwechslung der Vokale o und uo, vgl. Zinkevičius 1994: 34); von diesen könnten sie, vor allem als Iterativa, auch den für sie ziemlich üblichen Akutwurzelakzent übernommen haben (vgl. Stundžia 2014: 178), z. B. áušč-iuo-ti, gãšči-uo-ti, páik-iuo-ti, páin-iuo-ti, rùišč-iuo-ti, týč-iuo-tis, žiáuk(š)č-iuo-ti (vgl. in anderen Dialekten und/oder der Standardsprache aušč-uo-ti, gãšči-o-ti, páik-io-ti, páin-io-ti, rùišč-io-ti, týč-io-tis, žiáukšč-io-ti)⁵⁴.

⁵⁰ Siehe Schleicher 1857: 224. Im LKŽ wurde der Wurzelakzent fälschlich auch dem Wörterbuch von P. Ruigys (R) zugeschrieben. Tatsächlich ist in diesem Wörterbuch der Suffixakzent und möglicherweise ein anderes Suffix belegt, d. h. Cžiwirója (siehe Ruhig 1747: 243).

⁵¹ Žr. Kurschat 1874: 24, s. v. Lerche.

⁵² Beim LKŽ ist K unter den Quellen dieses Wortes offenbar deshalb nicht angegeben, weil es im Wörterbuch von Kurschat im Artikel des Stichworts grévežoti belegt ist (siehe Kurschat 1883: s. v.).

⁵³ Die allgemeine Tendenz wird auch durch das einzige ausschließlich mit mobilem Akzent bezeugte Kurschat’sche pỹpelỹs 3ᵇ nicht verzerrt, wenn wir das Verb pỹpel-iuo-ti unmittelbar mit dt. dial. pîpeln verbinden (vgl. LKŽ: s. v.).

⁵⁴ Vgl. ferner die Varianten: pánč-iuo-ti: pánč-io-ti; súp-úo-ti: súp-o-ti; dárgan-úo-ti: dárgan-ó-ti; gárban-iuo-ti: gárban-ó-ti; úkan-uo-ti: úkan-ó-ti; ãšar-uo-ti: ãšar-ó-ti; vãkar-uo-ti: vãkar-ó-ti; vãsar-uo-ti: vãsar-ó-ti; grėvež-uo-ti: grėvež-o-ti. Ihr Wurzelakzent lässt sich häufig auch durch andere im Artikel behandelte Ursachen erklären (Akzentklasse 1 des Basisworts, onomatopoetischer Ursprung usw.).

102

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

4. ZUSAMMENFASSUNG

§ 34. In der Geschichte der Akzentuierung litauischer Bildungen mit dem Suffix –(i)uo-ti lassen sich folgende grundlegende Entwicklungsprozesse hervorheben:

1. In der frühesten rekonstruierbaren Phase fungierte das Suffix als nichtdominantes starkes Suffix: Bildungen aus Wörtern mit festem Akzent (starken Stämmen) erhielten den Akzent in der Wurzel (im Basisstamm), während Bildungen aus Wörtern mit mobilem Akzent (schwachen Stämmen) den Akzent im Suffix erhielten.

2. Nachdem bei Bildungen aus Wörtern mit starken nichtakutierten Stämmen (genauer: mit einer nichtakutierten letzten Stammsilbe) (z. B. Substantiven der Akzentklasse 2) der Akzent infolge des Saussure-Gesetzes von der Wurzel (genauer: von der letzten Silbe des Basisstamms) auf das Suffix verlagert worden war, blieb der suffixlose Akzent nur bei Bildungen aus Wörtern mit akutierten Basisstämmen möglich (genauer: mit einer akutierten letzten oder einer nichtletzten Silbe beliebiger Intonation und Quantität) (z. B. Substantiven der Akzentklasse 1).

3. Mit der Durchsetzung des Prinzips der akzentuellen Dominanz bei der Akzentuierung abgeleiteter Wörter begann man auch bei den verbliebenen Bildungen mit suffixlosem Akzent den vorherrschenden Suffixakzent zu verallgemeinern. Dieser Prozess ist in der modernen Standardsprache im Wesentlichen abgeschlossen; erhaltene Fälle suffixlosen Akzents bei Bildungen aus Substantiven der Akzentklasse 1 werden jedoch noch durch die Texte von M. Daukša, das Wörterbuch von F. Kurschat, frühe normierende Arbeiten und die heutigen Dialekte bezeugt.

4. Bereits nach dem Wirken des Saussure-Gesetzes im Litauischen begann man, neue Verben mit zirkumflektiertem Wurzelakzent zu bilden, in denen der Zirkumflex eine ikonische Funktion erfüllte: Er bezeichnete eine langsame, gedehnte Handlung oder einen Zustand. Es gab zwei Typen solcher Bildungen: lūk-ur-iuo-ti und balt-uo-ti.

5. Bildungen des Typs Lūkuriuoti entstanden durch Erweiterung der Suffixe –ur-ti, –ul-ti um das Suffix –(i)uo-ti; bei diesen war der Wurzelzirkumflex als Kennzeichen der Bedeutung einer gedehnten Handlung/eines Zustands charakteristisch. Der zirkumflektierte Wurzelakzent ging auch auf die daraus gebildeten Verben auf –uo-ti und auf Bildungen mit anderen Suffixen über (z. B. lūkūr-iau-ti usw.). Nach den Daten der Quellen des 20. Jahrhunderts war der zirkumflektierte Wurzelakzent fast im gesamten litauischen Sprachgebiet verbreitet, im östlichen Teil Litauens hatte sich neben ihm jedoch vielerorts bereits der Suffixakzent durchgesetzt.

6. In Verben des Typs Bālţuoti, d. h. in Bildungen aus Adjektiven, die Farben (und ähnliche andere Eigenschaften) bezeichnen, entstand der Wurzelzirkumflex wahrscheinlich, um Verben der Zustandsbedeutung (gedehnte Handlung) von Verben des Zustandswechsels und/oder der Verursachungsbedeutung zu unterscheiden. Diese Akzentuierung ist vor allem im südwestlichen litauischen Dialektareal verbreitet. Das nordwestliche Areal hat sie wahrscheinlich nie erreicht, im östlichen Areal wurde sie bereits im 20. Jahrhundert durch den Suffixakzent fast vollständig verdrängt.

Straipsniai / Articles

103

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

7. Normierende Arbeiten des 20.–21. Jahrhunderts bezeugen das allmähliche Schwinden des zirkumflektierten Wurzelakzents (Akzents des Basisstamms) und die Durchsetzung des Suffixakzents bei Verben beider Typen. In der Standardsprache ist bei Bildungen des Typs baltuoti der suffixlose Akzent bereits vollständig verschwunden, bei Bildungen des Typs lūkuriuoti ist er noch als nebengeordnete Akzentuierungsvariante möglich.

8. Im westlichen Dialektareal, das den suffixlosen Akzent besser bewahrt hat, kann dieser auch in Wörtern jüngerer Herkunft entstanden sein, gewöhnlich ohne das ererbte Gesetz zu verletzen, wonach der Akzent nur auf der akutierten Silbe eines einsilbigen Basisstamms oder auf der letzten Silbe eines mehrsilbigen Basisstamms möglich ist. Dies können Verben sein, die reale Geräusche nachahmen (z. B. čivyr-u̯o-ti) oder eine expressive Handlung bezeichnen (z. B. tālaž-u̯o-ti), Germanismen oder Bildungen aus Germanismen (z. B. býdel-iu̯o-ti), sowie Umgestaltungen von Bildungen mit dem Suffix –(i)oti (z. B. páin-iu̯o-ti).

ABKÜRZUNGEN

(Sofern nicht anders angegeben, ist die Quelle der Abkürzungen LKŽ.)

Ad – Adutiškis, Kreis Švenčionys

Alk – Alksnėnai, Kreis Vilkaviškis

Als – Alsėdžiai, Kreis Plungė

Alv – Alovė, Kreis Alytus

Alz – Alizava, Kreis Kupiškis

An – Anykščiai

Ar – Ariogala, Kreis Raseiniai

Arm – Armoniškės, Rajon Varanavas, Gebiet Grodno, Belarus

Bbr – Dorf Bebruliškės und Umgebung (KzR)

Bd – Būdvietis, Kreis Lazdijai

Br – Städtchen Barzdai und Umgebung (ZnŽ)

Brs – Barstyčiai, Kreis Skuodas

Brš – Birštonas, Kreis Prienai

Brt – Bartninkai, Kreis Vilkaviškis

Bsg – Baisogala, Kreis Radviliškis

104

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Dauk – Daukšiai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Dbč – Dubičiai, Kreis Varėna

Dbk – Debeikiai, Kreis Anykščiai

Dgl – Daugiliai, Kreis Utena

Dglš – Daugel iškis, Kreis Ignalina

Dkš – Daukšiai, Kreis Marijampolė

Dnr – Daunoriai (Dauroniai), Kreis Vilija [Belarus] (LŽŽ)

Dov – Dovilai, Kreis Klaipėda

Dr – Dirvonėnai, Kreis Šiauliai (DunŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Dr – Darbenai, Kreis Kretinga)

Drk – Derkinčiai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Drsk – Druskininkai

Ds – Dusetos, Kreis Zarasai

Dv – Dieveniškės, Kreis Šalčininkai

Dvr – Dvariškės, Dorf im Bezirk Dieveniškės (DvŽ)

End – Endriejavas, Kreis Klaipėda

Ėr – Ėriškiai, Kreis Panevėžys

Erk – Erkšva, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Erž – Eržvilkas, Kreis Jurbarkas

Ged – Gedrimai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Ggr – Gegėnai, Kreis Plungė

Gr – Grybiškės, Dorf im Bezirk Poškonys (DvŽ)

Grg – Gargždai, Kreis Klaipėda

Grk – Girkalnis, Kreis Raseiniai

Grl – Garliava, Kreis Kaunas

Grš – Griškabūdis, Kreis Šakiai

Gršl – Grušlaukė, Kreis Kretinga

Grz – Gruzdžiai

Gs – Geist arai (Didvydžiai), Kreis Vilkaviškis

Straipsniai / Articles

105

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Gvlt – Dorf Gavaltuva und Umgebung (KzRŽ)

Yl – Ylakiai, Kreis Skuodas

Ylk – Ylakačiai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Įp – Įpiltis, Kreis Kretinga (ŠVŽŽ)

Jdr – Judrėnai, Kreis Klaipėda

Jnk – Jankai, Kreis Šakiai

Jnšk – Joniškėlis, Kreis Pasvalys

Jrb – Jurbarkas

Jž – Južintai, Kreis Rokiškis

Kb – Kabeliai, Kreis Varėna

Kdž – Kadžiai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Kern – Kernai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Kl – Kuliai, Kreis Plungė

Kli – Kliukščionys, Rajon Pastovys, Gebiet Witebsk, Belarus

Klt – Kaltanėnai, Kreis Švenčionys

Klvr – Kalvarija, Kreis Marijampolė

KlvrŽ – Žemaičių Kalvarija

Knv – Kaniava, Kreis Varėna

Kp – Kupiškis

Kra – Krakės, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Krd – Kirdeikiai, Kreis Utena

Krkl – Karklenai, Kreis Kelmė

Krok – Krokiškialaukis, Kreis Alytus

Krs – Karsakiškis, Kreis Panevėžys

Krš – Kuršėnai, Kreis Šiauliai

Krtn – Kretinga

Kt – Keturvalakiai, Kreis Vilkaviškis

Ktk – Kuktiškės, Kreis Utena

106

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Kul – Kuliai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Kur – Kurkliai, Kreis Anykščiai

Kv – Kvėdarna, Kreis Šilalė

KzR – Kazlų Rūda (Kazlai), Kreis Marijampolė

Ldk – Lyduokliai, Kreis Ukmergė

Lel – Leliūnai, Kreis Utena

Lyk – Lyksūdė, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Lk – Luokė, Kreis Telšiai

Lkč – Lekečiai, Kreis Šakiai

Lkm – Linkmenys

Lkš – Lukšiai, Kreis Šakiai.Linkm

Lnkv – Linkuva, Kreis Pakruojis

Lp – Leipalingis, Kreis Lazdijai

Lpl (1) – Lieplaukė, Kreis Telšiai

Lpl (2) – Dorf Liepalotai (Bezirk Lukšiai) und Umgebung (ZnŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Lpl – Lieplaukė, Kreis Telšiai)

Lš – Liškiava, Kreis Varėna

Lu – Luknės, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Lzd – Lazdijai

Mc – Maciūčiai, Dorf im Bezirk Dieveniškės (DvŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Mc – Kazimieras Macius [...])

Med – Medsėdžiai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Mlk – Milkūnai, Dorf im Bezirk Milkūnai, (DvŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Mlk – Malkava, Rajon Mstislau, Gebiet Mogiljow, Belarus)

Mlt – Molėtai

Mrc – Marcinkonys, Kreis Varėna

Mrj – Marijampolė

Mrs – Miroslavas, Kreis Alytus

Ms – Mosėdis, Kreis Skuodas

Straipsniai / Articles

107

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Mst – Musteika (PPAŽ)

Mtl – Meteliai, Kreis Lazdijai

Mžk – Mažeikiai

Nm – Kudirkos Naumiestis, Kreis Šakiai

Nmk – Nemakščiai, Kreis Raseiniai

Nsm – Nuosamai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Nt – Notėnai, Kreis Skuodas

Ob – Obeliai, Kreis Rokiškis

Pal – Paluknė, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Pc – Pociūnėliai, Kreis Radviliškis

Pgg – Pagėgiai

Pkš – Pakšteliai, Kreis Šiauliai (DūnŽ)

Pl – Palėvenė, Kreis Kupiškis

Pln – Plungė

Plš – Palušė, Kreis Ignalina

Plt – Plateliai, Kreis Plungė

Plv – Pilviškiai, Kreis Vilkaviškis

Plvn – Panevėnėlė, Kreis Kupiškis

Pn – Panevėžys

Pnd – Pandėlys, Kreis Rokiškis

PnmR – Panemunis, Kreis Rokiškis

Ppl – Papilys, Kreis Biržai

Prk – Priekulė, Kreis Klaipėda

Prlg – Prialgava, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Prng – Paringys, Kreis Ignalina

Psl – Pasaliai, Kreis Vilija [Belarus] (LzŽ)

Pš – Pašvitinys, Kreis Pakruojis

Pv – Pivašiūnai, Kreis Alytus

108

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Pvn – Pavandenė, Kreis Telšiai

PvnR – östlicher Teil der Umgebung von Pavandenė (Kreise Telšiai und Kelmė) (DūnŽ)

Pžrl – Paežerėliai, Kreis Šakiai

R5 – Mundart R. 5 (= Rytėčzai penktėji) [Gemeinden Kupiškis, Skapiškis, Čedasai] (Baranowski 1920: 1–31)

Rdm – Rudamina, Kreis Lazdijai

Rdn – Raudėnai, Kreis Šiauliai

Rk – Rokiškis

Rm (1) – Ramygala, Kreis Panevėžys

Rm (2) – Rimašiai, Dorf im Bezirk Poškonys (DvŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Rm – Ramygala, Kreis Panevėžys)

Rs – Raseiniai

Rš – Rimšė, Kreis Ignalina

Rt – Rietavas, Kreis Plungė

Rud – Rudnia, Kreis Varėna

Sg – Saugos, Kreis Šilutė

Skp – Skapiškis, Kreis Kupiškis

Skr – Skirsnemunė, Kreis Jurbarkas

Slm – Salamiestis, Kreis Kupiškis

Slnt – Salantai, Kreis Kretinga

Slv – Slavikai, Kreis Šakiai

Smal – Smalvos, Kreis Zarasai

Smln – Smalininkai, Kreis Jurbarkas

Smn – Simnas, Kreis Alytus

Snt – Sintautai, Kreis Šakiai

Sr – Siaurimai, Dorf im Bezirk Poškonys (DvŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Sr – Feliksas Sragys […])

Srd – Seredžius, Kreis Jurbarkas

Srj – Serijai, Kreis Lazdijai

Straipsniai / Articles

109

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Srp – Serapinai, Kreis Kretinga (ŠVŽŽ)

Srpt – Sriauptai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Srv – Surviliškis, Kreis Kėdainiai

Šd – Šeduva, Kreis Radviliškis

Šek – Šekai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Šk – Šakiai

Škn – Šakyna, Kreis Šiauliai

Šil – Šilalė

Šlt – Šaltiniai, Dorf im Bezirk Dieveniškės (DvŽ)

Šmn – Šimonys, Kreis Kupiškis

Šn – Šunskai, Kreis Marijampolė

Šts – Šatės, Kreis Skuodas

Šv – Švėkšna, Kreis Šilutė

Švnč – Švenčionys

Tl – Telšiai

Trg – Tauragė

Trgn – Tauragnai, Kreis Utena

Trk – Tirkšliai, Kreis Mažeikiai

Trkn – Truikinai, Kreis Skuodas

Tvr – Tverečius, Kreis Ignalina

Up – Upyna, Kreis Šilalė

Ut – Utena

Užv – Užventis, Kreis Kelmė

Vab – Vabalai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Varn – Varniai, Kreis Telšiai

Vdk – Viduklė, Kreis Raseiniai

Vds – Vidsodis, Kreis Kelmė (DūnŽ)

Vgr – Vegeriai, Kreis Akmenė

110

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Vin – Vindeikiai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Vj – Vajasiškis, Kreis Zarasai

Vkš – Viekšniai, Kreis Mažeikiai

Vkšn – Viekšnaliai, Kreis Telšiai (DūnŽ)

Vlk – Valkininkai, Kreis Varėna

Vlkv – Vilkaviškis

Vrp – Varputėnai, Kreis Šiauliai (DūnŽ)

VšR – Višakio Rūda, Kreis Marijampolė

Vvr – Veviržėnai, Kreis Klaipėda

Vž – Vežaičiai, Kreis Klaipėda

Zrv – Zervynos (PPAŽ)

Žbr – Žebrokai, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Že – Žemytė, Kreis Skuodas (ŠVŽŽ)

Žlt – Dorf Žaltynai und Umgebung (ZnŽ)

Žr (1) – Žarėnai, Kreis Telšiai

Žr (2) – Žiūrai (PPAŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Žr – Žarenai, Kreis Telšiai)

Žvr – Žvirgždaičiai, Kreis Šakiai

Žž – Žižmai, Dorf im Bezirk Dieveniškės (DvŽ; nicht zu verwechseln mit LKŽ: Žž – Žiežmariai, Kreis Kaišiadorys)

ZEICHENERKLÄRUNG

>, < – phonetische Entwicklung

⇔, ⇐ – nichtphonetische Entwicklung (Veränderung aufgrund von Analogie u. Ä.)

→, ← – Richtung der Ableitung

Straipsniai / Articles

111

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

ŠALTINIAI

A Bar – Antano Baranausko tarmių tekstai (žr. Baranowski 1920: 435, 439).

BŽ – Jono Barono žodynas (žr. Baronas 1932).

KBūg – Kazimiero Būgos raštai (žr. Būga 1959: 144, 488).

D kšŽ – Daukšių krašto žodynas, aut. V. Labutis, Vilnius: Alma littera, 2002.

DLKŽ – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, įvairūs leidimai, e. variantas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Prieiga internete: https://ekalba.lt/dabartines-lietuviu-kalbos-zodynas/.

DP – Mikalojaus Daukšos Postilė, 1599 (pavyzdžiai cituojami pagal: Skardžius 1935).

DrskŽ – Druskininkų tarmės žodynas, aut. G. Naktinienė, A. Paulauskienė, V. Vitkauskas, Vilnius: Mokslas, 1988.

DūnŽ – Šiaurės rytų dūnininkų šnektų žodynas, aut. V. Vitkauskas, Vilnius: Mokslas, 1976.

DvŽ – Dieveniškių šnektos žodynas 1–2, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005–2010.

J – Antano Juškos žodynas ir nespausdintos dalies rankraštis (cituojama pagal LKŽ).

K – Frydricho Kuršaičio žodynai (žr. Kurschat 1870–1874; 1883).

KDonel – Kristijono Donelaičio tekstai (cituojama pagal LKŽ).

KltŽ – Kaltanėnų šnektos žodynas, aut. A. Vilutytė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008.

KpŽ – Kupiškėnų žodynas 1–4, aut. K. Vosylaitė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2007–2014.

KrtnŽ – Kretingos tarmės žodynas, aut. J. Aleksandravičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2011.

KzRŽ – Kazlų Rūdos šnektos žodynas 1–2, aut. A. Pupkis, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.

LKŽ(e) – Lietuvių kalbos žodynas 1–20 (1941–2002), e. variantas, red. kolegija G. Naktinienė, J. Paulauskas, R. Petrokienė, V. Vitkauskas, J. Zabarskaitė, vyr. red. G. Naktinienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008 (atnaujinta versija, 2018). Prieiga internete: https://ekalba.lt/lietuviu-kalbos-zodynas/.

LzŽ – Lazūnų tarmės žodynas, aut. J. Petrauskas, A. Vidugiris, Vilnius: Mokslas, 1985.

112

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

N d Ž – Wörterbuch der litauischen Schriftsprache. Litauisch-Deutsch / Lietuvių rašomosios kalbos žodynas. Lietuviškai-vokiška dalis 1–5, bearb. / sud. M. Niedermann, A. Senn, F. Brender, A. Salys, Heidelberg: Carl Winters Universitätsverlag, 1932–1965.

PPAŽ – Pietinių pietų aukštaičių šnektų žodynas 1–2, aut. A. Leskauskaitė, V. Ragaišienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2016–2019.

R – Pilypo Ruigio žodynas (žr. Ruhig 1747).

S ch – Augusto Schleicherio darbai (žr. Schleicher 1857).

Š V Ž Ž – Šiaurės vakarų žemaičių žodynas 1–2, aut. R. Vanagienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2014–2015.

V aig Ž – Dabartinės Vaigu vos šnektos žodynas, aut. I. Švarcaitė, Vilnius: Versmė, 2023.

V d š Ž – Vidiškių šnektos žodynas, aut. Ž. Markevičienė, A. Markevičius, Vilnius: Lietuvos edukologijos universitetas, Lietuvių kalbos institutas, 2014.

Z n Ž – Zanavykų šnektos žodynas 1–3, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2003–2006.

L I T E R A T Ū R A

B a r a n o w s k i A n t o n 1920: Litauische Mundarten 1: Texte, Leipzig: Verlag von K. F. Koehler.

B a r o n a s J o n a s 1932: Rusų–lietuvių žodynas, 2-as leidimas, Kaunas: Sakalo bendrovė.

B ū g a K a z i m i e r a s 1959: Rinktiniai raštai 2, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla.

B ū g a K a z i m i e r a s 1961: Rinktiniai raštai 3, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla.

D L K G – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, red. V. Ambrazas, 4-oji pataisyta laida, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2006.

D y b o V l a d i m i r A. 1981: Slavjanskaja akcentologija. Opyt rekonstrukcii sistemu akcentnych paradigm v praslavjanskom, Moskva: Nauka.

G i r d e n i s A l e k s a s 2003: Teoriniai lietuvių fonologijos pagrindai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.

G i r d e n i s A l e k s a s 2008: Žemaičių dzūkai. Tekstai su komentarais, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.

G i r d e n i s A l e k s a s 2012: Šiaurės žemaičių Skuodo zona. Tekstai su komentarais, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla.

Straipsniai / Articles

113

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

Kurschat Friedrich 1870–1874: Deutsch-littauisches Wörterbuch 1–2, Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses.

Kurschat Friedrich 1883: Littauisch-deutsches Wörterbuch, Halle a. S.: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses.

Laigonaitė Adelė 1978: Lietuvių kalbos akcentologija, Vilnius: Mokslas.

Laigonaitė Adelė 2002: Lietuvių kalbos akcentologija, Vilnius: Gimtasis žodis.

LKA II – Lietuvių kalbos atlasas 2: Fonetika, ats. red. K. Morkūnas, Vilnius: Mokslas, 1982.

LKG II – Lietuvių kalbos gramatika 2: Morfologija, vyr. red. K. Ulvydas, Vilnius: Mintis, 1971.

Rinkevičius Vytautas 2010: Kai kurie teoriniai morfologinės akcentologijos koncepcijos aspektai. – Baltistica 56(1), 9–43.

Rinkevičius Vytautas 2015: Baltų ir slavų kalbų kirčiavimo istorija 1, Vilnius: Vilniaus universitetas.

Philipp Ruhig 1747: Littauisch-Deutsches und Deutsch-Littauisches Lexicon, [Königsberg:]: J. H. Hartung.

Schleicher August 1857: Litauisches Lesebuch und Glossar, Prag: J. G. Calve’sche Verlagsbuchhandlung.

Skardžius Pranas 1935: Daukšos akcentologija, Kaunas: VDU Humanitarinių mokslų fakultetas.

Skardžius Pranas 1943: Lietuvių kalbos žodžių daryba, Vilnius: Lietuvos mokslų akademija, Lietuvių kalbos institutas.

Skardžius Pranas 1998: Raštai 3, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.

Skardžius Pranas 1999: Raštai 5, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.

Stundžia Bonifacas 1985: Lietuvių bendrinės kalbos kirčiavimo sistema, Vilnius: Petro ofsetas.

Stundžia Bonifacas 2014: Bendrinės lietuvių kalbos akcentologija, Vilnius: Eugrimas.

Šlapelis Jurgis 1920–1922: Lietuvių kalbos žodynas, išverstas rusiškai, lenkiškai ir vokiškai, Vilnius: „Žaibo“ spaustuvė.

Šlapelis Jurgis 1921: Lietuvių ir rusų kalbų žodynas, Vilnius: M. Šlapelienės knygynas, „Žaibo“ spaustuvė.

Šlapelis Jurgis 1929: Lenkiškas lietuvių kalbos žodynėlis, Vilnius: „Rucho“ spaustuvė.

114

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Lietuvių kalbos veiksmažodžių su priesaga –(i)uoti kirčiavimo raida

Šlapelis Jurgis 1940: Kirčiuotas lenkiškas lietuvių kalbos žodynas, antroji laida, Vilnius: M. Šlapelienės Lietuvių Knygynas, spaustuvė „Raida“.

VLKK 2005: Valstybinė lietuvių kalbos komisija. Rekomendacija Dėl kai kurių priesaginių veiksmažodžių kirčiavimo, 2005 m. gegužės 5 d., Nr. R–8 (k–15).

VLKK 2013: Valstybinė lietuvių kalbos komisija. Protokolinis nutarimas Dėl Valstybinės lietuvių kalbos komisijos 2005 m. gegužės 5 d. rekomendacijos Nr. R–8 (k–15) „Dėl kai kurių priesaginių veiksmažodžių kirčiavimo“ pakeitimo ir papildymo, 2013 m. spalio 3 d., Nr. PN–10 (k–15.1).

Zinkevičius Zigmas 1992: Lietuvių kalbos istorija 5: Bendrinės kalbos iškilimas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.

Zinkevičius Zigmas 1994: Lietuvių kalbos dialektologija, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.

Accentuation History of Lithuanian Verbs in –(i)uoti

SUMMARY

In the accentuation history of Lithuanian verbs in –(i)uoti, the following processes could be observed:

1. In the earliest reconstructible stage, the suffix –(i)uo– functioned as a non-dominant strong one: verbs derived from accentually immobile words were stressed on the root (derivational base), e.g., vẽj–uo–ti ← vẽj–as a. p. 1, while verbs derived from mobile words were stressed on the suffix, e.g., kelm–úo–ti ← kẽlm–as a. p. 3.

2. In verbs derived from immobile non-acute words (more precisely, words with a non-acute stem-final syllable, e.g., a. p. 2 nouns), the stress shifted from the root (i.e. the last syllable of the derivational base) to the suffix due to Saussure’s law, e.g. *par̃š–uo–ti > parš–úo–ti (← par̃š–as a. p. 2), making non-suffix stress impossible save in verbs derived from immobile acute words (i.e. words with an acute stem-final syllable or a stressed non-stem-final syllable regardless of tone/quantity, e.g. a. p. 1 nouns).

3. With the spread of accentual dominance in derivatives, suffix stress came to be generalized to verbs that had retained their non-suffix stress after Saussure’s law. This generalization has already been largely completed in today’s standard Lithuanian, but instances of retained non-suffix stress in verbs derived from a. p. 1 nouns are attested in Mikalojus Daukša’s texts, Friedrich Kurschat’s dictionary, early normative dictionaries, and modern dialects.

Straipsniai / Articles

115

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ, VYTAUTAS RINKEVIČIUS

4. In the period after Saussure’s law, new verbs with a stressed circumflex root began to appear, in which the circumflex had an iconic function: it marked a slow, prolonged action or state. There were two types of such verbs, exemplified by lūk-ur-iuo-ti and balt-uo-ti, respectively.

5. The lūkuriuoti type is the result of the extension of the suffix -(i)uoto verbs in -ur-ti and -ul-ti, which were characterized by root circumflex as a marker of attenuate durative meaning. Root circumflex was transferred from these verbs to -(i)uo-ti verbs, as well as to other suffixal verbal formations (e.g. lūkur-iau-ti etc.). According to 20th-century sources, this circumflex root stress is shared by almost all Lithuanian dialects, albeit, in much of eastern Lithuania, it is attested alongside suffix-stressed forms.

6. In baltuoti-type verbs, i.e. derivatives from adjectives denoting colors (and similar qualities), the root circumflex has probably emerged as a means to distinguish essive verbs from fientive and/or factitive verbs. This accentuation type (i.e. circumflex root stress) is mainly found in southwestern dialects. It has probably never existed in north-western Lithuania, where the inherited form balt-uo-ti is still in use, whereas, in the east, it was almost totally displaced by suffix stress (i.e. balt-úo-ti) in the 20th century.

7. The normative works from the 20th and 21st centuries testify to the gradual disappearance of circumflex root stress and the spread of suffix stress in both types of verbs. In standard Lithuanian, non-suffix stress has completely disappeared in baltuoti-type verbs, while it is still possible in the lūkuriuoti-type verbs.

8. In western Lithuanian dialects (especially in Lithuania Minor), non-suffix stress may also appear in various other verbs of more recent origin, usually without violating the inherited principle that stress is only possible in acute monosyllabic roots or non-final syllables of multisyllabic derivational bases. These can be onomatopoeic (e.g. čivyr-uo-ti) or otherwise expressive verbs (e.g. tālaž-uo-ti), recent Germanisms (e.g. bȳdel-iuo-ti), and remodeled verbs in -(i)oti (e.g. páin-iuo-ti).

Įteikta 2024 m. birželio 25 d.

SANDRA LUKŠAITĖ-RAMONIENĖ Baltistikos katedra Vilniaus universitetas Universiteto g. 5, LT-01131 Vilnius, Lietuva [email protected] [email protected]

VYTAUTAS RINKEVIČIUS Vilniaus universitetas Baltistikos katedra Vilniaus universitetas Universiteto g. 5, LT-01131 Vilnius, Lietuva vytautas.rinkevič[email protected]

116

Acta Linguistica Lithuanica XCI

Document details