Page 1Litauische medizinische Termini von Vincas Kudirka
Zum 150. Geburtstag von Vincas Kudirka
Fast jeder Schritt eines Menschen ist mit einer Erwähnung der Gesundheit verbunden. Nur kostbare Dinge erwähnen wir häufig.
V. Kudirka. Varpas
PALMIRA ZEMLEVIČIŪTĖ
Institut für litauische Sprache
X Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich mit dem Aufkommen der litauischen nationalen Wiedergeburtsbewegung die Herausgabe litauischer Druckschriften. Die Zahl populärmedizinischer Broschüren und Artikel in Zeitungen und Kalendern nahm zu. Über Fragen der Gesundheit und Behandlung klärten bekannte litauische Ärzte und gesellschaftliche Persönlichkeiten die Menschen auf: Juozas Bagdonas (1866–1956), Jonas Basanavičius (1851–1927), Kazys Grinius (1866–1950), Stasys Matulaitis (1866–1956), Adomas Sketeris (1859–1916), Jonas Šliūpas (1861–1944), Antanas Vileišis (1856–1919) und andere. Zu ihnen gehörte auch Dr. Vincas Kudirka (1858–1899).
Jonas Staugaitis (1868–1952), der V. Kudirka bereits seit dessen Studienzeit an der Medizinischen Fakultät der Universität Warschau kannte, schrieb, V. Kudirka sei ein erfahrener Arzt gewesen, habe mit modernen medizinischen Instrumenten gearbeitet, medizinische Literatur gesammelt und regelmäßig medizinische Zeitungen auf Polnisch und Russisch gelesen. J. Staugaitis stellte aus den Schriften V. Kudirkas die Anforderungen zusammen, die dieser „an Ärzte im Allgemeinen und insbesondere an litauische Ärzte“ stellte (Staugaitis 1925: 43). V. Kudirka verkündete folgendes Ideal des Arztes: „Ein Arzt muss ehrlich, unbestechlich und kein Ausbeuter sein, ein kollegialer Kollege, mit medizinischem Wissen gut gerüstet, nicht auf ein enges medizinisches Fachgebiet beschränkt, sondern auch in anderen Wissenschaftszweigen hinreichend gebildet, ein leidenschaftlicher Vaterlandsliebender, ein eifriger Volksaufklärer und ein Erwecker des nationalen Bewusstseins im Volk“ (Staugaitis 1925: 43). V. Kudirka selbst war genau ein solcher Arzt.
V. Kudirka veröffentlichte wenig auf dem Gebiet der Medizin – in der Zeitung Varpas vier medizinische Artikel zur Hygiene unter dem Pseudonym Higienos tarnas –
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Palmira Zemlevičiūtė | Lietuviški Vinco Kudirkos medicinos terminai
Page 21889 „Tee“, „Kaffee“ und „Tabak“ sowie 1895 „Alkohol und Alkoholismus“. Mit den Worten J. Staugaitis’: „Alle diese Schriften sind in einer sehr lebendigen und anschaulichen Sprache verfasst, die für die breite Öffentlichkeit verständlich und zugänglich ist“, und obwohl sie vor recht langer Zeit geschrieben wurden, „stehen sie in keiner Weise im Widerspruch zur heutigen Hygienewissenschaft über diese Dinge“ (Staugaitis 1925: 33).
Es ist festzuhalten, dass zur Zeit der Redaktion des von V. Kudirka herausgegebenen Varpas ausschließlich populärwissenschaftliche medizinische Literatur veröffentlicht wurde und seine Artikel für einfache Leute geschrieben waren. Die hier behandelten medizinischen Schriften V. Kudirkas bilden nur eine kleine Episode seines umfassenden gesellschaftlichen und kulturellen Wirkens.
Gegenstand dieses deskriptiven Beitrags sind medizinische Termini litauischer Herkunft1, die etwas mehr als zwei Drittel (70%) aller medizinischen Termini in den genannten Artikeln V. Kudirkas ausmachen. Somit überwiegen die medizinischen Termini litauischer Herkunft.
Zwei Fünftel (40%) dieser Termini werden in der heutigen Sprache der medizinischen Wissenschaft verwendet; einige unterscheiden sich zwar in der Schreibweise, zusammengesetzte Termini außerdem in der Reihenfolge ihrer Bestandteile. Dazu gehören:
1) Bezeichnungen von Körperteilen und Organen sowie der von ihnen produzierten Flüssigkeiten: Auge2 VrpKdr 1889 4 60, VrpKdr 1889 10 152, VrpKdr 1889 1 8, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1895 9/10 155, VrpKdr 1895 11 174, Träne VrpKdr 1889 4 60, Ohr VrpKdr 1889 3 41, Mund VrpKdr 1889 8 120, VrpKdr 1889 9 139, VrpKdr 1889 3 40, Zahn VrpKdr 1889 11 168, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 9 139, Kopf VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 10 153, VrpKdr 1889 11 168, VrpKdr 1895 11 175, Gehirn VrpKdr 1889 10 153, VrpKdr 1889 1 9, Kehle VrpKdr 1889 10 152, Ader VrpKdr 1889 9 139, Niere VrpKdr 1895 9/10 157, Stirn VrpKdr 1889 3 41, Leber VrpKdr 1895 9/10 156, Bein VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 2 25, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1895 9/10 156, Blut VrpKdr 1889 9 139, VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 10 152, VrpKdr 1895 9/10 156, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 4 60, VrpKdr 1889 11 168, Brust VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 10 152, Körper VrpKdr 1889
1 Neben Termini litauischer Herkunft verwendete V. Kudirka Lehnwörter und Termini gemischter Herkunft (Einwort-Hybride und zusammengesetzte Termini mit Bestandteilen unterschiedlicher Herkunft). Lehnwörter machen in den Artikeln V. Kudirkas 20 Prozent aller Termini aus. Viele davon sind Internationalismen, die auch heute noch verwendet werden, z. B.: Alkoholismus, Bakterium, Dextrin, Physiologie, Halluzination, Hygiene, Idiotismus, Koffein, Konvulsion, Medizin, Nikotin, Pathologie, Protein, Psychiater, Psychiatrie, Puls, Skorbut, Tannin, Therapie usw. Am seltensten sind Termini gemischter Herkunft (nur 10%), z. B.: Arterienwand, chronische Entzündung, Nervensysteme, ätherisches Öl, Bauchkatarrh, Geschlechtsorgan, Magnesiumsalz, Körpergewebe, psychische Krankheit, Reflexempfindlichkeit, Tabakrausch, Tabakbenommenheit, zoopische Halluzinationen usw.
2 Die Termini werden in authentischer Schreibweise (in alphabetischer Reihenfolge) in der Form des Nominativs Singular angegeben, die in den meisten Fällen rekonstruiert wurde.
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Page 33 40, Atemwege VrpKdr 1889 10 152, Lippe VrpKdr 1889 8 120, VrpKdr 1889 9 139, Nase VrpKdr 1889 4 60, VrpKdr 1889 3 40, Haut VrpKdr 1895 9/10 157, Niere VrpKdr 1895 9/10 156, Bauch VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 8 120, VrpKdr 1895 9/10 157, Kohlenstoff VrpKdr 1889 3 41, Hand VrpKdr 1895 11 174, VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 2 25, VrpKdr 1889 3 41, Gelenk [? -ys] VrpKdr 1895 9/10 156, Speichel VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 8 120, Auswurf VrpKdr 1889 9 139, VrpKdr 1889 10 152, Gesicht VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1895 9/10 156, Wange VrpKdr 1889 3 41, Darm VrpKdr 1889 2 25, VrpKdr 1889 3 41;
Page 4Unruhe VrpKdr 1889 3 41, Gesundheit VrpKdr 1889 1 8, VrpKdr 1889 3 40, VrpKdr 1889 11 168, Schwindel VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 2 25, Herzklopfen VrpKdr 1889 3 41.
Einige Begriffe wurden sowohl innerhalb desselben als auch in verschiedenen Artikeln von V. Kudirka uneinheitlich geschrieben. Diese orthografische Variation war allgemein eines der charakteristischen Merkmale der periodischen Presse des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Palionis 1995: 238), z. B.: Wodka VrpKdr 1889 11 168 / Wodka VrpKdr 1895 11 173, VrpKdr 1895 9/10 155, Zunge VrpKdr 1889 8 120, VrpKdr 1889 9 139 / Zunge VrpKdr 1889 3 41, Lungen VrpKdr 1889 10 152 / Lungen VrpKdr 1889 10 152, VrpKdr 1889 1 8, VrpKdr 1889 9 139 / Lungen [? -iai] VrpKdr 1889 3 40 / Lungen VrpKdr 1895 9/10 156, Gehirn VrpKdr 1889 4 61, VrpKdr 1889 11 168 / Gehirn VrpKdr 1895 9/10 156, VrpKdr 1889 2 25, Herz VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 10 152 / Herzen VrpKdr 1895 9/10 156, Eingeweide VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 9 139 / Eingeweide VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 9 139, VrpKdr 1895 9/10 156.
In den Artikeln von V. Kudirka finden sich zahlreiche medizinische Begriffe litauischer Herkunft, die in der heutigen medizinischen Sprache nicht mehr verwendet werden – sie machen drei Fünftel (60%) aller Begriffe aus. V. Kudirka verwendete zahlreiche litauische Bezeichnungen für Körperteile und Organe (anatomische Begriffe), die sich in der heutigen medizinischen Terminologie nicht durchgesetzt haben. Dazu gehören Augenweiß, Tränenkanal, Gewebe, Zahnfleisch, Nerv, Knäuel, Gefäß, Bindegewebe, Pupille, Bauchfell, Gewebe, Bauchspeicheldrüse, Pleura, Lymphe. Alle diese Wörter sind im LKŽ mit den Bedeutungen aufgeführt, in denen V. Kudirka sie verwendete; bei den meisten sind illustrative Belege aus den erwähnten Artikeln V. Kudirkas verzeichnet. Einige dieser Wörter werden in der lebendigen Sprache verwendet (Augenweiß, Kanal, Gehirn, Knäuel, Bauchspeicheldrüse), andere könnten damalige Neuschöpfungen gewesen sein. J. Palionis, der die Sprache des Varpas untersuchte, hielt die Wörter Bindegewebe, Pleura, Lymphe für Neuschöpfungen V. Kudirkas. Nach Ansicht des Forschers waren diese Neubildungen morphologisch und semantisch misslungen und setzten sich weder damals noch später im Wortschatz der litauischen Literatursprache durch (Palionis 1952: 238–239). Daher wollen wir die genannten anatomischen Begriffe aus V. Kudirkas medizinischen Schriften etwas ausführlicher besprechen.
Der Teil der äußeren Faserschicht des Augapfels wurde mit dem Begriff Augenweiß bezeichnet, z. B.: Der gesamte Organismus eines solchen Menschen zeugt jedoch von der Vergiftung durch Tabak4: Gesicht und A u g e n w e i ß5 sind gelblich, der Körper ist erschöpft, Trägheit und
4 Hier und an anderen Stellen sind die Begriffe im Original kursiv gedruckt.
5 In diesem und anderen Sätzen V. Kudirkas sind die Begriffe von der Autorin dieses Artikels gesperrt gesetzt.
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Page 5Trägheit bei manueller und geistiger Arbeit“ VrpKdr 1889 3 41. Den Angaben des LKŽe zufolge ist Augenweiß „der weiße Teil des Auges“ aus der gesprochenen Sprache bekannt – aus Grūžiai (Raj. Pasvalys) und Šėta (Raj. Kėdainiai); verwendet hat es auch K. Sirvydas. In der heutigen medizinischen Fachsprache ist der von P. Avižonis eingeführte Begriff Lederhaut (lat. sclera) gebräuchlich, in der Umgangssprache wird jedoch auch Augenweiß verwendet.
Das Tränenkanälchen (lat. canaliculus lacrimalis) wurde mit dem Begriff Tränenkanal bezeichnet, z. B.: „Beim Tabakkonsum verstopfen die T r ä n e n k a n ä l e, unaufhörlich fließen die Tränen und die Augen jucken“ VrpKdr 1889 4 60. Im LKŽe ist das Wort Kanal in der Bedeutung „Kanal, Rinne“ aus der Volkssprache aufgenommen – aus Žiliniai (Raj. Varėna), Ylakiai (Raj. Skuodas), Raudėnai (Raj. Šiauliai) und Kuršėnai (Raj. Šiauliai).
In der Bedeutung „Gewebe“ (lat. tela) verwendete V. Kudirka den Begriff Gewebe – Gewebe VrpKdr 1889 9 139, VrpKdr 1889 8 120, Körpergewebe VrpKdr 1889 1 9, Lungengewebe VrpKdr 1889 9 139, z. B.: „Wenn sich der Bissen zusammenballt, das heißt, wenn er nicht bis zum Gewebe die für den Körper notwendigen Stoffe aus ihm herauszieht, wird er an mehreren Stellen weiterverarbeitet: zuerst bereitet ein Ort den Bissen passend für den zweiten vor, der zweite für den dritten usw.“ VrpKdr 1889 8 120. Im LKŽe ist das Wort Gewebe in der Bedeutung „Gewebe“ aus der gesprochenen Sprache nicht belegt.
Das Zahnfleisch (lat. gingiva) wurde mit dem zusammengesetzten Begriff Zahnfleisch – Zahnfleisch VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 9 139, Entzündung des Zahnfleisches VrpKdr 1889 3 41, z. B.: „Zunächst glaubte man, dass die Krim die Krankheit Skorbut (scorbutus) verursache, die das Z a h n f l e i s c h befällt; man überzeugte sich jedoch, dass Tabak diese Krankheit keineswegs heilt“ VrpKdr 1889 3 41; verwendet wurde auch die einfache Form Zahnfleisch, z. B.: „[...] aber auch die besseren oberflächlichen Heilmittel werden das Z a h n f l e i s c h vom Skorbut nicht befreien [...]“ VrpKdr 1889 3 41. Das Wort Zahnfleisch in der Bedeutung „Gingiva“ wird in der gesprochenen Sprache verwendet – im LKŽe sind Verwendungsbeispiele aus Bagotoji (Raj. Marijampolė), Bartninkai (Raj. Vilkaviškis), Jurbarkas und Lukšiai (Raj. Šakiai) angeführt.
Nerv (lat. nervus) wurde mit dem litauischen Begriff dirgsnė – dirksnės bezeichnet VrpKdr 1889 10 153, VrpKdr 1889 2 25, gardumo dirksnės VrpKdr 1889 3 41, ploniu dirksnės VrpKdr 1889 4 60, padilginimas dirksniu VrpKdr 1889 1 9, zum Beispiel: „Wenn man wenig Kaffee trinkt, einmal am Tag, besonders nach dem Mittagessen, schadet man dem Körper überhaupt nicht, sondern regt die Tätigkeit der N e r v e n nur ruhig an, vertreibt den Schlaf und das Unbehagen der Gedanken, so wie beim Trinken von Tee“ VrpKdr 1889 2 25. Verwendet wurde auch das Lehnwort Nerv, das als untergeordnetes Glied im zusammengesetzten Begriff Nervensystem VrpKdr 1895 9/10 157 vorkommt; V. Kudirka verwendete jedoch häufiger den Begriff Nervensysteme VrpKdr 1889 11 168. Es handelt sich um ein Wort aus schriftlichen Quellen – im LKŽe ist nur ein einziger illustrativer Beleg für dirgsnės „Nerv“ angeführt, aus
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Page 6V. Kudirkos raštų. Jis vartojo ir vedinį dirgsninis, -ė – dirksninės ligos VrpKdr 1889 10 153, VrpKdr 1889 11 168, dirksninis širdies tvinksėjimas VrpKdr 1889 2 25, VrpKdr 1889 1 9, pvz.: „Prietiam, darbininkai tie lengvai apserga ant visokiu d i r k s n i n i u l i g u […]“ VrpKdr 1889 11 168, „[…] kavos dar labiaus reikia saugotis prie […] d i r k s n i n i o š i r d i e s t v i n k s ė j i m o […]“ VrpKdr 1889 2 25. LKŽe prie šio vedinio užrašytos tik dirgsninės ligos (V. Kudirkos terminas).
Liauka (lat. glandula) bezeichnete V. Kudirka mit den Termini grumulas ir gru-mulėlis – grumulėliai VrpKdr 1889 8 120, popilvinis grumulas VrpKdr 1889 8 120, prakaito grumulėliai VrpKdr 1889 3 41, seiliniai grumulėliai VrpKdr 1889 8 120 / seiliu grumutėlei6 VrpKdr 1889 8 120, VrpKdr 1889 3 41, z. B.: „[…] tabakas erzina liežuvį ir gardumo dirksnias, o per tai suerzina s e i – l i u g r u m u t ė l i u s, kurie tada nesigaili savo įtūrio; […]“ VrpKdr 1889 3 41. Laut LKŽe ist grumulas „Liauka“ ein Wort der gesprochenen Sprache in Grūžiai (Bezirk Pasvalys) und Svėdasai (Bezirk Anykščiai). Außerdem enthält das Wörterbuch ein Belegbeispiel aus einem Artikel V. Kudirkas mit den Termini prakaito grumulėliai, seilių grumulėliai.
Für die Bedeutung „Blutgefäße“ (lat. vas sanguineum) wurden die Termini indas ir indelis – kraujo indai VrpKdr 1895 9/10 156, VrpKdr 1889 9 139, kraujo indelei VrpKdr 1889 4 61, plaučių indai VrpKdr 1889 9 139, z. B.: „K r a u j o i n d a i nelieka neužgauti“ VrpKdr 1895 9/10 156, „Cziaudėjimas sujudina smagenis, o per tai gali plyšti k r a u j o i n d e l e i“ VrpKdr 1889 4 61. Im LKŽe ist die Bedeutung „Leitung, Ader“ des Wortes indas aus der Volkssprache nicht belegt; das Wort ist nur anhand dieser Bedeutung aus P. Matulionis und anderen schriftlichen Quellen (rš) aufgenommen.
Die Verkleinerungsform indelis (der Terminus plonieji indeliai VrpKdr 1895 9/10 157) könnte das kleinste Blutgefäß, eine Kapillare, bezeichnet haben, z. B.: „Oda alkoholikų sausa, o ant jos paviršiaus p l o n i e j i e i n d e l i a i išsiskėtę“ VrpKdr 1895 9/10 157.
Die Bindehaut des Auges nannte V. Kudirka jungplone (der Terminus uždegimas jungplones VrpKdr 1889 10 152), z. B.: „Jaigu akys tankei bus erzinamos dumais, gali įsteigti uždegimas akių (uždegimas j u n g p l o n e s – conjunctivitis), kuris gali užsitęsti ir suteikti akims visas blogas tos ligos pasekmės“ VrpKdr 1889 10 152. Im LKŽe ist der Terminus junglonė „Bindehaut; Konjunktiva“ ausschließlich aus den medizinischen Schriften V. Kudirkas belegt. Der heutige offizielle litauische Terminus lautet junginė (lat. conjunctiva), sein internationales Äquivalent ist konjunktyva.
6 Wahrscheinlich ein Druckfehler (es sollte grumulėlei heißen).
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Page 7Die Pupille des Auges (lat. Pupille) wurde mit dem Terminus lėliukė bezeichnet (der Terminus išsiskėti- mas lėlinkių7 VrpKdr 1889 3 41), z. B.: „Die Zeichen einer schweren Nikotinvergiftung sind: Unruhe, Zittern, Schwindel, ein unangenehm heißes Gefühl in der Brust; gleich danach – Schwäche, Erbrechen, Koliken, Blässe des Körpers, kalter Schweiß, Stirnschmerzen, Erweiterung der Pupillen, Ohrensausen und Verwirrung des Bewusstseins; [...]“ VrpKdr 1889 3 41. LKŽe lėliukė ‚Pupille des Auges‘ ist ausschließlich anhand schriftlicher Quellen belegt (rš).
Für die Bedeutung „Bauchfell“ verwendete V. Kudirka den Begriff Bauchfell, z. B.: „Das B a u c h-f e l l erkrankt ebenfalls sehr häufig durch Alkohol“ VrpKdr 1895 9/10 156. Im LKŽe ist Bauchfell in der Bedeutung „Bauchfell (peritoneum)“ nur aus einem Artikel von V. Kudirka belegt; demnach könnte es sich um einen von ihm geprägten Terminus handeln. In der heutigen medizinischen Sprache wird der litauische Begriff Bauchfell verwendet (lat. peritoneum).
Die Membran (lat. Membran) wurde mit dem Begriff Häutchen bezeichnet – Häutchen VrpKdr 1889 4 60, VrpKdr 1889 8 120 / Häutchen VrpKdr 1889 9 139, Augenhäutchen VrpKdr 1889 10 152, Gaumenhäutchen VrpKdr 1889 4 60, Nasenhäutchen VrpKdr 1889 4 60 (mittleres Nasenhäutchen VrpKdr 1889 4 60), Häutchen um das Herz VrpKdr 1895 9/10 156, Bauchhäutchen VrpKdr 1889 8 120, Gehirnhäutchen VrpKdr 1895 9/10 156, z. B.: „Das A u g e n h ä u t c h e n ist sehr empfindlich; Kohlenstaubpartikel reizen es, und es füllt sich, gereizt, mit Blut – dadurch röten sich die Augen“ VrpKdr 1889 10 152, „Durch das N a s e n h ä u t c h e n kann, wie gewöhnlich durch alle H ä u t c h e n, giftige T a b a k8flüssigkeit ins Blut eindringen“ VrpKdr 1889 4 60. In einigen Quellen unterscheiden sich jedoch die Bedeutungen des von V. Kudirka verwendeten Begriffs Häutchen. So heißt es im erwähnten „Wörterverzeichnis seltenerer Wörter“ in V. Kudirkas Schriften, dass Häutchen eine Schleimhaut sei (Kudirka 1990: 928); im LKŽe ist Häutchen mit der Bedeutung „Häutchen der Oberhaut“ verzeichnet (mit zwei Belegbeispielen aus Artikeln von V. Kudirka). J. Palionis verzeichnete in seinem Dissertations-„Wörterverzeichnis der Neuschöpfungen“ Häutchen in der Bedeutung „Membran“ (Palionis 1952: 336). Die Autorin dieses Artikels stimmt J. Palionis’ Auffassung zu.
Für die Bedeutung „menschliche Drüsen, die für die Verdauung benötigte Säfte absondern“ verwendete V. Kudirka den Terminus saldmesės, z. B.: „S a l d m ė s ė s girtuoklių pa-viršium turi balsganus lyg pieno lašus. Kartais buna padidintos, kartais suminkštėjusios, o atsitaiko ir sukietėjimas lyg rago“ VrpKdr 1895 9/10 156. Im LKŽe sind mehrere Varianten dieses Wortes mit der Bedeutung „Bauchspeicheldrüse“ verzeichnet: saldmeisė aus dem Wörterbuch von A. Juška, aus Šačiai (Bezirk Skuodas), saldmeisės aus Kvėdarna
7 Möglicherweise ein Druckfehler (es sollte lėliukiu heißen).
8 Das Wort tabakas ist im Original durch Sperrung hervorgehoben.
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Page 8(Bezirk Šilalė), Gegrėnai (Bezirk Plungė), der nordöstlichen dùnininkai-Dialekte, Viekšniai (Bezirk Mažeikiai), saldmeisiai aus den nordöstlichen dùnininkai-Dialekten, saldmėsa aus G. H. F. Nesselm*****s Lietuvių kalbos žodyno (1851), saldmėsė aus F. Kuršaitis’ Wörterbuch und saldmėsės aus dem Lietuvių rašomosios kalbos žodyno von M. Niedermann, A. Senn, F. Brender und A. Salys (1932–1968). Neben dem Wort saldmėsės ist nur ein Belegbeispiel aus einem Artikel von V. Kudirka verzeichnet. Neben saldmesių verwendete er auch den heutigen Terminus kasa (lat. pancreas).
Es gab Vorschläge, saldmėsę als offiziellen medizinischen Terminus zur Bezeichnung der Drüse pancreas zu verwenden. In dem 1965 in der Zeitschrift Sveikatos apsaugos veröffentlichten Artikel „Bauchspeicheldrüse und Milz“ schlugen der Linguist J. Paulauskas und die Biologen P. Šivickis und J. Kazlauskas vor, das lateinische pancreas saldmėse zu nennen und kasos aufzugeben, da es angeblich ohnehin viele Homonyme habe (Šivickis, Kazlauskas, Paulauskas 1965: 50).
Für die Schleimhautmembran, die Teile einiger innerer Organe (Kehle, Gaumen, Bauch) überzieht, verwendete V. Kudirka den Terminus slidplonė – pilvo slidplonė VrpKdr 1895 9/10 156, slidplonė gerklės VrpKdr 1895 9/10 156, slidplonė gomurio VrpKdr 1895 9/10 156, z. B.: „Der durch Alkohol verursachte Schnupfen im Hals, der sich durch eine Veränderung der Stimme äußert, ist jedem bekannt; er lässt das Blut in die s l i d p l o n ė g o m u r i o i r g e r k l ė s sickern“ VrpKdr 1895 9/10 156. Im LKŽe ist das Wort slidplonė im Sinne von „glatte, ebenmäßige Haut“ aus A. Kuršaitis’ Lietuviškai–vokiško žodyno (1968–1973) verzeichnet, doch fehlt ein Belegbeispiel. Wie sich zeigt, verwendete V. Kudirka slidplonę schon erheblich früher, nämlich 1895. In der heutigen medizinischen Sprache lautet der offizielle Terminus gleivinė (lat. tunica mucosa).
Ein Blutgefäß, durch das das Blut aus dem Herzen fließt (lat. arteria), wurde von V. Kudirka sunke – sunkes genannt, VrpKdr 1889 9 139, Verengung in den sunkės VrpKdr 1889 1 9, z. B.: „Das Gewebe des menschlichen Organismus wird vom Blut ernährt: dabei fließt es von der linken Seite des Herzens durch die s u n k e s, [...]“ VrpKdr 1889 9 139. Im LKŽe wird sunkės „Arterien“ nur mit einem einzigen Belegbeispiel aus einem Artikel von V. Kudirka aufgeführt. Diese Blutgefäße bezeichnete V. Kudirka auch mit dem Lehnwort Arterien (der Ausdruck Arterienwände VrpKdr 1895 9/10 156), das in der heutigen medizinischen Sprache der offizielle Terminus ist.
Das Blutgefäß, durch das das Blut zum Herzen fließt (lat. vena), bezeichnete V. Kudirka mit dem weiter gefassten Terminus gysla (er schränkte dessen Bedeutung ein), z. B.: „[...] das verdorbene und für die Ernährung der Gewebe ungeeignete dunkle Blut gelangt in andere Blutgefäße, in die g y s l a s [...] und fließt durch sie in die rechte Seite des Herzens [...]“ VrpKdr 1889 9 139. Im LKŽe ist das Wort gysla nicht in der Bedeutung „Vene“ verzeichnet. Heute bezeichnet gysla yra vas ein Blutgefäß, während das hier gemeinte Gefäß mit dem internationalen Terminus vena bezeichnet wird.
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Page 9V. Kudirka bildete Termini zur Bezeichnung des in Arterien und Venen fließenden Blutes. Das in den Arterien fließende Blut nannte er sunkinis kraujas VrpKdr 1889 9 139, das in den Venen fließende hingegen gyslinis kraujas VrpKdr 1889 9 139, z. B.: „[...] das Blut [...] liefert den Geweben den für sie nötigen degį, wodurch das Blut rot ist (s u n k i n i s k r a u j a s) [...]“ VrpKdr 1889 9 139, „[...] das dunkle Blut gelangt in andere Blutgefäße, in die Venen (g y s l i n i s k r a u j a s) [...]“ VrpKdr 1889 9 139. Im LKŽₑ ist zum Derivat sunkinis „arteriell“ nur ein Belegbeispiel aus einem Artikel von V. Kudirka angeführt – sunkinis kraujas. Somit könnte dies ein Terminus von V. Kudirka gewesen sein, ebenso wie der Terminus gyslinis kraujas (im Wörterbuch ist das Derivat gyslinis mit anderen, nichtmedizinischen Bedeutungen verzeichnet). Heute werden die Termini arterinis kraujas und veninis kraujas verwendet.
Nicht alle von V. Kudirka verwendeten litauischen Bezeichnungen für Krankheiten und ihre Symptome sowie für krankhafte Zustände und andere medizinbezogene Begriffe sind in der heutigen medizinischen Sprache erhalten geblieben, z. B.: apjakimas „Erblindung“ VrpKdr 1889 4 61, galvos apkvaitimas VrpKdr 1889 3 41 / apkvaitimas galvos VrpKdr 1889 10 153, degis „Sauerstoff“ VrpKdr 1889 9 139, galvos sopimas VrpKdr 1889 2 25, VrpKdr 1889 4 60, VrpKdr 1889 3 41, kaktos sopimas VrpKdr 1889 3 41, klejojimas VrpKdr 1895 9/10 157, sąnariu bevalda VrpKdr 1889 3 41 / bevalda sąnariu VrpKdr 1889 3 41 usw.
Der Terminus Slogos hatte in den medizinischen Schriften von V. Kudirka eine breitere Bedeutung. Erstens wurde er zur Bezeichnung einer Entzündung der Nasenschleimhaut verwendet (der Terminus Nasenkatarrh VrpKdr 1889 4 60), z. B.: „Bei längerem Gebrauch von t a b o k ą⁹ stellt sich ein N a s e n k a t a r r h ein, [...]“ VrpKdr 1889 4 60. Diese Bedeutung des Terminus findet sich auch in der heutigen medizinischen Fachsprache. Zweitens bezeichnete der Terminus Katarrh auch eine Entzündung der Schleimhäute anderer Organe – des Mundes, des Rachens, der Atemwege, des Bauches, der Lunge und des Magens – einfacher Magenkatarrh VrpKdr 1895 9/10 156, Katarrh (catarrhus) des Mundes VrpKdr 1889 3 41, Rachenkatarrh VrpKdr 1895 9/10 156, Katarrh (catarrhus) des Bauches VrpKdr 1889 3 41 / Bauchkatarrh VrpKdr 1889 9 139, Lungenkatarrh VrpKdr 1889 10 152, anhaltender Bauchkatarrh VrpKdr 1889 9 139, anhaltender Lungenkatarrh VrpKdr 1889 9 140 / anhaltender Katarrh der Lunge VrpKdr 1889 9 139, anhaltender Katarrh der Atemwege VrpKdr 1895 9/10 156, z. B.: „[...] fast alle Raucher haben einen B a u c h k a t a r r h“ VrpKdr 1889 9 139, „Sūdžei, als Ausgestoßene, nicht geladene Gäste, reizen den Rachen und die Lungen – es entsteht Husten, L u n g e n k a t a r r h mit allen Folgen“ VrpKdr 1889 10 152. Wie Katarrh
9 Das Wort taboka ist im Original in gesperrtem Druck gesetzt.
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Page 10Als Synonym verwendete V. Kudirka auch das Lehnwort kataras (die Termini kataras pilvo VrpKdr 1889 1 9, kataras žarnų VrpKdr 1889 1 9). Im LKŽe sind für das Wort sloga in dieser Bedeutung nur zwei Belegbeispiele verzeichnet – aus den Schriften von G. Petkevičaitė-Bitė und aus M. Niedermanns, A. Senno, F. Brenderios und A. Salys’ Lietuvių rašomosios kalbos žodynas; die Pluralform slogos „Entzündung der Schleimhaut eines anderen Organs“ ist dagegen auch in der gesprochenen Sprache verbreitet – in Žemalė (Raj. Mažeikiai), Baisogala (Raj. Radviliškis) und in den Mundarten der nordöstlichen Dzūken. In der heutigen medizinischen Fachsprache werden der eingebürgerte lateinische Terminus kataras und sein litauisches Äquivalent gleivinės uždegimas (lat. catarrhus) verwendet.
In einem Artikel von 1889 über die Wirkung von Tee auf den menschlichen Organismus notierte V. Kudirka neben dem Terminus styris das lateinische Äquivalent tetanus, das in der heutigen medizinischen Terminologie zwei Bedeutungen hat: „Wundstarrkrampf“ und „anhaltende Muskelkontraktion“. Aus dem Kontext des Artikels lässt sich schließen, dass der Autor styrį wahrscheinlich nicht in der im LKŽe angegebenen Bedeutung „Wundstarrkrampf (eine ansteckende Krankheit, die durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht wird)“, sondern in der zweiten Bedeutung von tetanus verwendet hat, zum Beispiel: „Den Menschen erfasst nun auch bei größerer Dosis kein S t y r i s (tetanus), sondern nur die Reflexempfindlichkeit nimmt zu [...]“ VrpKdr 1889 1 9.
Als spezifische Bestandteile zusammengesetzter Krankheitsbezeichnungen verwendet V. Kudirka in seinen Artikeln den Genitiv von Substantiven, zum Beispiel: dvasios ligos VrpKdr 1895 9/10 157, kepenų ligos VrpKdr 1895 9/10 156, liežuvio ligos VrpKdr 1889 9 139; doch verwendete er auch ein Adjektiv mit dem Suffix -inis. So bezeichnete V. Kudirka eine Lungenerkrankung (lat. pneumopathia) mit dem Terminus plautinė liga VrpKdr 1889 9 139 / plautinė liga VrpKdr 1889 10 152, zum Beispiel: „Bei geschwächten Lungen treten später allerlei L u n g e n k r a n k h e i t e n hinzu“ VrpKdr 1889 9 139. Laut LKŽe ist das Adjektiv plautinis „die Lungen betreffend“ aus der gesprochenen Sprache belegt – plautinė dž̌iova (Palanga); es wurde auch vom Arzt V. Lašas in seinen Schriften verwendet (plautinio kvėpavimo mechanizmas). Der Terminus plautinės ligos ist im genannten Wörterbuch nur aus einem Artikel V. Kudirkas belegt. Analog gebildet ist der bereits erwähnte Terminus dirgsninės ligos.
Die Verdauung (lat. digestio) bezeichnete V. Kudirka mit dem Terminus žlebčiojimas (auch die Variante žlebčiojimas wurde verwendet) – žlebcziojimas VrpKdr 1889 9 139, VrpKdr 1889 8 120, sužlebcziojimas VrpKdr 1889 8 120, VrpKdr 1889 3 41, stoka žlebcziojimo skystimu VrpKdr 1889 9 139, žlebčiojimo keliai VrpKdr 1895 9/10 156, zum Beispiel: „Speichel ist ein notwendiger Stoff für die V e r d a u u n g der Nahrung“ VrpKdr 1889 8 120, „Bei längerem Konsum alkoholischer Getränke nehmen zuerst die V e r d a u u n g s w e g e Schaden“ VrpKdr1895 9/10 156. Im LKŽe ist als Beleg für das Wort žlebčiojimas (: žlebčioti) „verdauen“ nur ein Beispiel aufgenommen, und zwar aus
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Page 11A. Lalia Lietuviškos ir angliškos kalbų žodyno (1915), iš gyvosios kalbos šis žodis nepaliudytas. Taigi žlebčiojimą „virškinimo“ reikšme V. Kudirka buvo pavartojęs anksčiau. LKŽe variantas žlebčiojimas ta pačia reikšme įdėtas iš V. Kudirkos straipsnio, taip pat ir sužlebčiojimas.
Zur Bezeichnung der Dosis (lat. dosis) suchte V. Kudirka nach einem litauischen Äquivalent – er verwendete den Begriff duosnė – dūsnė VrpKdr 1889 1 9, große Dosis (dosis) VrpKdr 1889 1 9, VrpKdr 1889 2 25, kleine Dosis VrpKdr 1889 1 9, tödliche Dosis VrpKdr 1889 1 9, zum Beispiel: „Deshalb müssen wir sehr große Dosen Kaffee ebenso wie Alkohol und Tabak als schädlich betrachten“ VrpKdr 1889 2 25. Den Angaben des LKŽe zufolge ist das Wort duosnė in der gesprochenen Sprache nicht belegt; in der Bedeutung „Dosis“ wurde es von V. Kudirka verwendet.
Wie unter Ärzten üblich, führte V. Kudirka in seinen Artikeln neben einigen litauischen medizinischen Termini auch lateinische Äquivalente an, zum Beispiel: džiova (phthisis) VrpKdr 1889 10 152, išputimas plaučių (emphysema) VrpKdr 1889 10 152, kasa (pancreas) VrpKdr 1889 8 120, uždegimas jungplonės (conjunctivitis) VrpKdr 1889 10 152, vėžys (carcinoma) VrpKdr 1889 4 60, vietinis žuvimas jautrumo (anaesthesia) VrpKdr 1889 4 60, vilkas10 (lupus) VrpKdr 1889 4 60 usw.
Von V. Kudirka verwendete Termini wie szlapumas VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 2 25 („Urin“), limpanti liga VrpKdr 1889 10 153 („Infektionskrankheit“), gyvastis VrpKdr 1889 3 41, VrpKdr 1889 9 139 („Leben“), myris (der Terminus netikėtas myris VrpKdr 1889 4 61) („Tod“) spiegeln den allgemeinen Sprachgebrauch der damaligen Zeit wider – diese Wörter waren auch in den medizinischen Schriften anderer Ärzte gebräuchlich, zum Beispiel: „[...] währenddessen scheint es dem Kranken, dass er sein L e b e n verlieren wird; doch später beginnt er zu speicheln, zu erbrechen, gibt U r i n ab und entleert den Darm ordentlich – dabei wird viel nikotino ausgeschieden, dem Kranken geht es besser und er schläft ein“ VrpKdr 1889 3 41, „Solange der Organismus die angreifenden Mikroorganismen abwehrt, ihnen nicht nachgibt und ihnen keinen geeigneten Ort bietet, bricht keine I n f e k t i o n s k r a n k h e i t aus“ VrpKdr 1889 10 153, „Schließlich ist auch das Niesen selbst recht gefährlich: Fr. Hoffmann und Glazer fanden Fälle von u n e r w a r t e t e m T o d infolge einer Blutung ins Gehirn nach heftigem Niesen [...]“ VrpKdr 1889 4 61.
10 Die von V. Kudirka mit diesem Terminus bezeichnete Krankheit wird heute Hauttuberkulose genannt (lat. lupus vulgaris) (siehe Kudirka 1990: 898).
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Page 12SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Das schriftliche medizinische Erbe von V. Kudirka ist wenig umfangreich – es umfasst nur einige populärwissenschaftliche Artikel aus dem Bereich der Hygiene; dennoch sind sie wichtige Quellen für die Geschichte der litauischen Medizinwissenschaft und der litauischen medizinischen Terminologie.
2. V. Kudirka bemühte sich, litauische Fachbegriffe zu verwenden – sie machen den größten Teil der Terminologie seiner medizinischen Artikel aus. Außerdem sind viele dieser Begriffe Wörter der lebendigen Sprache (dies bestätigen die Daten des LKŽe). Dieser Wunsch ist verständlich, da er für einfache Leute schrieb. Ein Teil der Begriffe ist auch heute noch in Gebrauch, doch viele fanden keinen Eingang in die moderne medizinische Terminologie.
3. Obwohl V. Kudirka sich nicht eigens der medizinischen Terminologie gewidmet hatte, lässt sich dennoch sagen, dass er zur Schaffung litauischer medizinischer Fachbegriffe beitrug. Da er sich nicht mit Lehnwörtern zufriedengab, suchte er nach litauischen Wörtern zur Bezeichnung medizinischer Begriffe und hat wohl auch einige selbst geprägt. Den Daten des LKŽe und der Dissertation von J. Palionis Lietuvių literatūrinės kalbos normalizacija XIX a. pabaigoje (1880–1901) zufolge könnten die Begriffe jungplonė, pilvaplonė, slidplonė, sunkė und andere Neubildungen von V. Kudirka gewesen sein. In der Sprache der heutigen medizinischen Wissenschaft haben sich diese Begriffe jedoch nicht durchgesetzt.
WICHTIGSTE QUELLEN
Hygijėjos tarnas. Hygijėna. I. Arbata. – Varpas, 1889, Nr. 1, 8–9.
Hygijėjos tarnas. Hygijėna. II. Kava. – Varpas, 1889, Nr. 2, 25.
Der Diener der Hygieia. Hygieia. III. Tabak. – Varpas, 1889, Nr. 3, 40–41; Nr. 4, 60–61; Nr. 8, 120; Nr. 9, 139–140; Nr. 10, 152–153; Nr. 11, 168–169.
Hygienos tarnas. Alkogolis ir alkoholizmas. – Varpas, 1895, Nr. 9/10, 155–157; Nr. 11, 173–175.
WEITERE QUELLEN
Kudirka V. 1990: Raštai 2, Vilnius.
LKŽe: Wörterbuch der litauischen Sprache. – www.lkz.lt
ME 1991: Medicinos enciklopedija 1, Vilnius.
MedŽ 1980: Astrauskas V., Bizulevičius S., Pavilonis S., Vaitilavičius A., Vileišis A. Medicinos terminų žodynas, Vilnius.
LITERATŪRA
Palionis J. 1952: Lietuvių literatūrinės kalbos normalizacija XIX a. pabaigoje (1880–1901) [filologijos mokslų kandidato laipsnio disertacija], Vilnius, VUB RS, F 76–Ds 58.
Palionis J. 1995: Lietuvių rašomosios kalbos istorija, Vilnius.
Staugaitis J. 1925: Dr. V. Kudirka kaip gydytojas, Kaunas.
Šivickis P., Kazlauskas J., Paulauskas J. 1965: Kasa ir blužnis. – Sveikatos apsauga 2, 49–50.
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Page 13LITHUANIAN MEDICAL TERMS OF VINCAS KUDIRKA
The rise of the movement of Lithuanian national rebirth at the end of the 19th century speeded up the publication of works in Lithuanian. Popular books, booklets, articles in newspapers and almanacs on various issues of medicine became more numerous. One of the doctors who was educating people on health issues was a famous Lithuanian public figure Vincas Kudirka (1858–1899). In Varpas magazine he published four articles in the field of hygiene – “Arbata” (“Tea”) (1889), “Kava” (“Coffee”) (1889), “Tabakas” (“Tobacco”) (1889) and “Alkoholis ir alkoholizmas” (“Alcohol and alcoholism”) (1895).
This article deals with medical terms of the Lithuanian origin in the above-mentioned writings of Vincas Kudirka. Such terms comprise up to 70% of terms used by him. 40% of them are still being used (akis (eye), dusulys (shortness of breath), džiova (tuberculosis), gerklė (throat), gydymas (treatment), gydytojas (doctor), kraujas (blood), kudikis (baby), kvėpavimas (breathing), ligonis (patient), sveikata (health), vaistas (medication) and others) and 60% fell out of usage in modern language of medicine.
Vincas Kudirka used quite a lot of Lithuanian names for body parts and organs, which did not take root in the language – akies baltymas ‘odena’ (white of the eyes), ašarinis takas ‘ašarų kanalėlis’ (tear duct), auda ‘audinys’ (tissue), dantų smegenys ‘dantenos’ (gums), dirgsnis ‘nervas’ (nerve), grumulas ‘liauka’ (gland), indas ‘kraujagyslė’ (blood-vessel), jungplonė ‘konjunktyva’ (conjunctiva), lėliukė ‘akies vyzdys’ (pupil), pilvaplonė ‘pilvaplėvė’ (peritoneum), plonė ‘plėvė’ (membrane), saldmėsės ‘kasa’ (pancreas), slidplonė ‘gleivinė’ (mucous membrane), sunkė ‘arterija’ (artery). All these words are given in Lietuvių kalbos žodynas (Dictionary of the Lithuanian language) in the meanings used by Kudirka and the majority of them have illustrative examples from the earlier-mentioned writings of Kudirka. There were also some Lithuanian names of diseases, their symptoms, medical conditions and other terms related to medicine used by Kudirka which did not take root in the language either, for instance apjakimas ‘apakimas’ (loss of sight), duosnė ‘dozė’ (dose), galvos sopimas ‘galvos skausmai’ (headache), gyvastis ‘gyvybė’ (life), limpanti liga ‘infekcinė liga’ (contagious disease), styris ‘tetan as, ilgalaikis raumens susitraukimas’ (tetanus), žlebčiojimas ‘virškinimas’ (digestion). Kudirka, like other doctors, used to give Latin equivalents next to some Lithuanian medical terms, for instance džiova (phthisis) (tuberculosis), kasa (pancreas) (pancreas), vilkas (lupus) (lupus) and other.
Kudirka’s articles are important sources of the history of Lithuanian medical science and Lithuanian medical terminology. Kudirka contributed to the creation of Lithuanian medical terminology, though he did not make a special effort in this. The majority of the words he tried to use as medical were words of folk language. He was not content with borrowings, but was looking for Lithuanian equivalents to name medical concepts and created some Lithuanian medical terms as a result. According to the data from Lietuvių kalbos žodynas and Jonas Palionis thesis Lietuvių literatūrinės kalbos normalizacija XIX a. pabaigoje (1880–1901) (Normalization of the Lithuanian standard/literary language at the end of 19th century) (1952) terms jungplonė ‘konjunktyva’ (conjunctiva), pilvaplonė ‘pilvaplėvė’ (peritoneum), slidplonė ‘gleivinė’ (mucous membrane), sunkė ‘ar-
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Page 14terija’ (artery), sunkinis kraujas ‘arterinis kraujas’ (arterial blood) and other terms could have been created by Kudirka, but they did not take root in the modern language of medicine.
Gauta 2008-12-08
Palmira Zemlevičiūtė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT–10308 Vilnius E. paštas: [email protected]
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