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VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
ZU EINER WEITEREN MÖGLICHKEIT DER ENTSTEHUNG LITAUISCHER FAMILIENNAMEN
Bei der Untersuchung des Systems litauischer Personennamen im 19. Jahrhundert1 möchte man unter anderem so umfassend wie möglich die Frage beantworten, welche Umstände und Ursachen die Beschaffenheit des heutigen Gesamtbestands an Familiennamen geprägt haben. Bei der Beschreibung dieses Bestands unter strukturellem Gesichtspunkt ist zunächst auf die große Zahl von Familiennamen mit slawischen Suffixen hinzuweisen – verschiedene Typen auf -sk- sowie -avičius, -evičius. Dies wurde bereits in Untersuchungen zur litauischen historischen Anthroponymie bewertet, als die Besonderheiten der endgültigen Festigung der entstandenen litauischen Familiennamen erörtert wurden, insbesondere die Slawisierung dieser Personennamen (siehe Maciejauskienė 1991: 169–214; Ragauskaitė 2005: 63–74) und ihre Flexionsvariation (Maciejauskienė 1997: 73–75, 77–80; Ragauskaitė 2005: 93–94). Darüber hinaus wurden auch die wichtigsten Entstehungsmöglichkeiten aller Familiennamen dieser Struktur herausgestellt – die Slawisierung und Entlehnung von Personennamen –, wobei zugleich anerkannt wird, dass Familiennamen mit den Suffixen -avičius, -evičius auch auf natürlichem Wege aus dem 16. Jahrhundert (und auch später) hervorgegangen sein können, und zwar aufgrund der sprachlichen Situation im Staat Litauen aus besonders häufigen und weit verbreiteten Patronymika mit diesen Suffixen (Maciejauskienė 1993: 82–83, 84–85; 1996: 60).
Bei der Erörterung der Slawisierung von Familiennamen wurde unter anderem auch darauf hingewiesen, dass die Wurzeln (Stämme) dieser Personennamen ins Polnische übersetzt wurden, wobei sich zugleich meist auch die Struktur der übersetzten Familiennamen grundlegend änderte (Maciejauskienė 1991:
1 Gemeint ist die von der Autorin dieses Artikels verfasste Monografie.
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Page 2209–211; 1993: 86–88)2. Eine solche Übersetzung beeinflusste zweifellos nicht nur den endgültigen Herkunftskontext der heutigen Familiennamen, in dem genetisch litauische Familiennamen vergleichsweise selten sind3, sondern auch das Gesamtbild ihrer Struktur. Wenn man anerkennt, dass der Herkunftskontext litauischer Familiennamen neben anderen Faktoren auch durch ganz objektive Ursachen geprägt wurde (bekanntlich entstanden die meisten Familiennamen aus christlichen Vornamen4), während die slawische Struktur dieser Personennamen auf die bereits genannten Entstehungsmöglichkeiten zurückgeht, muss man zugleich einräumen, dass keineswegs alle damit zusammenhängenden Fragen bereits beantwortet sind.
Die noch fehlenden Antworten muss man natürlich durch die weitere Sammlung und Untersuchung historischer anthroponymischer Daten suchen und dabei berücksichtigen, dass unter diesem Gesichtspunkt insbesondere die Personennamen des 19. Jahrhunderts von Bedeutung sind – einer Zeit, in der sich die Formen der entstandenen litauischen Familiennamen weiter stabilisierten5. Schon jetzt ist offensichtlich, dass die Bewertung der Anthroponymie dieses Jahrhunderts nicht nur die bisherigen Schlussfolgerungen bestätigt, sondern die Untersuchung auch um neue Daten unterschiedlicher Art erweitert. Darunter fanden sich auch solche, die möglicherweise die Vermutung stützen, dass es weitere, in bisherigen Untersuchungen noch nicht benannte Entstehungsmöglichkeiten für unsere Familiennamen slawischer Struktur und fremder Herkunft gab.
Eine dieser Möglichkeiten wird in diesem Artikel behandelt. Ihre Darlegung und zumindest hypothetische Begründung wurde durch in Quellen des 19. Jahrhunderts belegte Personenbezeichnungen ermöglicht, bei denen ein Vorname mit zwei Familiennamen durch die Wörter oder, anders gesagt, verbunden ist. Je nach Sprache der Quellen erscheinen diese Wörter als lateinisch alias, russisch или, иначе; außerdem wird das lateinische Wort vel oder lediglich dessen Abkürzung v verwendet: Maciej Wersocki alias Szykszna, Янъ Марцинкевичъ или Клестонь, Мацей Версоцкій иначе Шикина, Casimirus Kijzkis vel Moteiko, Gasper Ajewski v. Margas6. Wie man sieht, sind in den Personenbezeichnungen jeweils zwei
2 Dabei wurde auf die Erörterung der Polonisierung von Personennamen in den Büchern der Vilniuser St.-Johannes-Kirche aus dem frühen 17. Jahrhundert zurückgegriffen, in der unter anderem zahlreiche Beispiele solcher Übersetzungen angeführt werden (siehe Zinkevičius 1977: 105–111).
3 Es wird angenommen, dass solche Familiennamen nur etwa 30 Prozent aller heutigen Familiennamen ausmachen (siehe Vanagas 1982: 64).
4 Dies wird unter anderem auch durch die Bewertung der Herkunft von Personennamen aus dem 17. Jahrhundert belegt, also aus dem Jahrhundert, in dem sich litauische Familiennamen am intensivsten herausbildeten (siehe Maciejauskienė 1991: 230–243).
5 Die Anthroponymie des 19. Jahrhunderts eignet sich für die Untersuchung besonders gut, weil zwischen ihr und der Sammlung der sogenannten heutigen Familiennamen – der aus der lebendigen Sprache aufgezeichneten litauischen Familiennamen, auf deren Grundlage das LPŽ erstellt wurde – nur ein vergleichsweise kurzer Zeitraum liegt (die Sammlung wurde in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts zusammengestellt). Das erhöht die Zuverlässigkeit der Identifizierung historischer und heutiger Familiennamen, des Vergleichs ihrer Verbreitungsdaten und natürlich der damit verbundenen Schlussfolgerungen erheblich.
6 Hier wird jeweils nur ein Beispiel für solche Schreibungen angeführt, da angenommen wird, dass die Häufigkeit der Verwendung dieser Wörter und die Schreibweise der Abkürzung von vel sowie andere ähnliche Einzelheiten aus den nachfolgend angeführten und erörterten Fällen solcher Personenbezeichnungen hervorgehen.
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Page 3Nachnamen, und dies unterscheidet sie alle vom für diese Zeit üblichen Kontext der litauischen Benennung mit Vor- und Nachnamen7. In früheren Publikationen war bereits festgestellt worden, dass solche Benennungen in Quellen des 19. Jahrhunderts vorkommen (siehe Maciejauskienė 1993a: 104; 1997: 83–84), doch eine ausführliche Bewertung wurde bislang nicht vorgelegt. Einige solcher Benennungen wurden im Zusammenhang mit der Slawisierung von Nachnamen erwähnt (Maciejauskienė 1991: 209–210).
Bei dem Versuch, die Struktur und Herkunft der in allen gesammelten Benennungen dieser Art festgehaltenen Nachnamen zu bewerten, zeigte sich, dass sich mehrere Typen dieser Schreibweisen unterscheiden lassen. Grundlage für eine solche Unterscheidung wären die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachnamen, die vermutlich auch auf verschiedene Gründe für das Entstehen solcher Benennungen hindeuten – Gründe, die hinreichend klar oder möglicherweise nur zu vermuten sind.
GRÜNDE FÜR DAS ENTSTEHEN VON PERSONENBENENNUNGEN MIT ZWEI NACHNAMEN
Wie bereits festgestellt, können die Gründe für das Entstehen solcher Benennungen sowohl klar als auch lediglich zu vermuten sein.
Zu den ersteren gehört die bereits erwähnte Übersetzung der Wurzeln (Stämme) litauischer Nachnamen ins Polnische (Russische), wobei zugleich auch die Struktur der Personennamen verändert wurde. Dies sind leicht erkennbare Fälle, in denen zwei Nachnamen – der authentische und der slawisch geprägte – in einer Benennung geschrieben wurden. Hier sind zwei solcher Benennungen mit kurzen Erläuterungen:
Georgij Awinas alias Baranowſki (2, 37; 1819)8 – in dieser Benennung aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturkė (Rajon Molėtai) sind die Nachnamen *Avinas und *Baranauskas eingetragen. Der erste lässt sich mit dem heutigen Nachnamen Āvinas gleichsetzen, der von lit. āvinas abgeleitet wird und nicht nur aus Inturkė, sondern überhaupt nicht aus dem Rajon Molėtai bekannt ist (siehe LPŽ I 142). Sie wurde also wahrscheinlich nicht zum offiziellen Nachnamen der in der Quelle eingetragenen Person. Der zweite ist mit dem Nachnamen Baranaũskas gleichzusetzen, der
7 Weil genau diese Art der litauischen Benennung im 19. Jahrhundert in den Quellen zur Norm geworden war (näher dazu siehe Maciejauskienė 1993a: 100–103).
8 Die in Klammern angegebene Zahl verweist auf die Nummer der Quelle im am Ende des Artikels beigefügten Verzeichnis; nach dem Komma folgt der Verweis auf das Blatt oder die Seite der Quelle, und nach dem Semikolon der Verweis auf das Jahr, in dem die Person in der Quelle so eingetragen wurde. Um das Quellenverzeichnis nicht zu umfangreich werden zu lassen, wurde bei der Auswahl der Personenbenennungen versucht, sie aus denselben Quellen zu entnehmen. Gerade deshalb gehören zu den im Artikel besprochenen Benennungen überwiegend solche, die in vier Kirchenbüchern der Pfarrei Inturkė (Rajon Molėtai) festgehalten wurden.
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Page 4gehört zu den häufigsten litauischen Familiennamen9 und ist an verschiedenen Orten Litauens gebräuchlich, darunter auch im Rajon Molėtai (14 Familien in Joniškis, sogar 23 Familien in Molėtai und anderswo). Offensichtlich blieb gerade dieser historische Personenname als amtlicher Familienname erhalten. Bei der Beurteilung seiner Herkunft wird er mit entsprechenden polnischen und belarussischen Familiennamen verglichen, wobei auch der Slawismus barõnas „Widder“ erwähnt wird (LPŽ I 190–191, 199). Es besteht also keinerlei Zusammenhang mit Āvinas, obwohl die vorgelegte Benennung auch eine andere Möglichkeit für das Entstehen dieses litauischen Familiennamens slawischer Struktur und Herkunft erkennen lässt.
Ignatius Wisocki alias Awkƒztolis (3, 5; 1809) – in der Benennung aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturkė finden sich die Familiennamen *Visockas oder Ähnliches und *Aukštuolis. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Visòčkas gleichzusetzen, der auch im Rajon Molėtai gebräuchlich ist (4 Familien in Joniškis); hinsichtlich seiner Herkunft wird der Familienname mit entsprechenden slawischen (belarussischen, polnischen, russischen) Familiennamen verglichen (siehe LPŽ II 1234–1235). Der zweite ist mit dem heutigen Familiennamen Aukštuõlis gleichzusetzen, der ebenfalls im Rajon Molėtai bekannt ist (wenn auch etwas weiter von Inturkė entfernt – 40 Familien in Balninkai) und vom litauischen aukštuõlis: áukštas abgeleitet wird (siehe LPŽ I 139). Welcher Familienname als amtlicher Familienname der eingetragenen Person erhalten blieb, ist in diesem Fall nicht ganz klar; wahrscheinlich ist es jedoch Visòčkas.
Ein weiterer hinreichend klarer Grund für das Entstehen solcher Benennungen hängt ebenfalls mit der Slawisierung zusammen, diesmal jedoch nur mit der Veränderung der Familiennamenstruktur. Es handelt sich um Fälle, die zeigen, dass in den Personenbenennungen zwei Familiennamen derselben Herkunft, aber unterschiedlicher Struktur festgehalten wurden. Auch diese Benennungen werden mit kurzen Kommentaren angeführt:
Францишекъ Борткусъ или Борткевичъ (8, 29; 1850) – in der Benennung aus dem Revisionsverzeichnis der Bewohner des Gutes Drūpiškė (Rajon Kelmė) sind die Familiennamen *Bartkus und *Bartkevičius festgehalten. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Bãrtkus gleichzusetzen, der zweite mit Bartkẽvičius; beide sind an den Orten des ehemaligen Gutes gebräuchlich und stammen von Varianten des christlichen Vornamens Baltramiejus ab (siehe LPŽ I 203–204). Welcher der beiden in der Benennung eingetragenen Personennamen als amtlicher Familienname der im Dokument erwähnten Person erhalten blieb, ist unklar. Die bei den an verschiedenen Orten Litauens gebräuchlichen Familiennamen Bartkẽvičius vermerkten Hinweise žmonės vadina Bãrtkus (siehe LPŽ I 203–204) zeigen jedoch zweifellos, dass der Familienname Bãrtkus bei der Slawisierung durchaus durch einen Familiennamen mit dem slawischen Suffix –evičius ersetzt werden konnte.
Josephi Markuniec alias Markiewicz (2, 37; 1819) – in der Benennung aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Markūnas (*Morkūnas) verzeichnet.
9 Etwa 800 litauische Familien tragen ihn – siehe Maciejauskienė 1987: 74.
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Page 5und *Markevičius (*Morkevičius), die das litauische patronymische Suffix –ūnas und das slawische Suffix -evičius aufweisen. Der erste ist mit den heutigen Familiennamen Markūnas, Morkūnas gleichzusetzen, der zweite mit Markevičius. Sie alle sind neben anderen Orten auch im Rajon Molėtai gebräuchlich, allerdings weiter von Inturkė entfernt (in Balninkai und Giedraičiai). Erwähnt werden kann hier noch der Familienname Morkevičius, der im Rajon Molėtai nicht bekannt ist. Alle Familiennamen stammen von Varianten des christlichen Vornamens Mōrkus ab (siehe LPŽ II 163, 164, 271). Welcher der in der Benennung verzeichneten Personennamen als amtlicher Familienname der Person erhalten blieb, ist unklar.
Die erwähnten durch Slawisierung entstandenen Benennungen, in denen jeweils zwei Familiennamen verzeichnet sind, sind in Quellen des 19. Jahrhunderts nicht häufig. Weitaus öfter kamen andere Benennungen vor. Die Beziehungen zwischen den darin eingetragenen zwei Familiennamen sind unklar. Daher lassen sich auch die Gründe für das Entstehen solcher Benennungen nur vermuten. Es ist leicht zu erkennen, dass in den Familiennamenpaaren Personennamen unterschiedlicher Struktur zusammengekommen sind.
Deutlich seltener unter diesen Benennungen sind solche, in denen zwei Familiennamen unterschiedlicher Herkunft verzeichnet sind, die keine der erörterten Merkmale slawischer Struktur aufweisen (Suffixe vom Typ -sk- und -avičius, -evičius). Hier sind zwei Beispiele für solche Fälle der erwähnten Benennungen:
Casimirus Kiškis vel Moteiko (1, 65; 1805), Jerzy Kiškis alias Moteiko (4, 5; 1814) – in den Benennungen aus den Kirchenbüchern der Pfarrei Inturkė sind die Personennamen *Kiškis und *Moteika (*Mateika) festgehalten. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Kiškis gleichzusetzen, der an den Orten der Pfarrei gebräuchlich ist (5 Familien in Joniškis) und vom litauischen kiškis abgeleitet wird (siehe LPŽ I 1006). Der zweite ist mit dem Familiennamen Matéika, Mateikà gleichzusetzen, der im Rajon Molėtai sehr häufig ist (22 Familien in Joniškis, 14 in Molėtai und anderswo) und sich aus Varianten des christlichen Vornamens Motiejus gebildet hat (siehe LPŽ II 178). Die Angaben zur Verbreitung der heutigen Familiennamen erlauben keine Entscheidung darüber, welcher der in den Benennungen festgehaltenen Personennamen als amtlicher Familienname der betreffenden Personen erhalten blieb. Es ist anzunehmen, dass solche Benennungen mit dem Bestreben zusammenhängen könnten, einen Familiennamen spitznamischen Ursprungs (in diesem Fall eindeutig litauischen Ursprungs) durch einen neutraleren zu ersetzen.
Augustyn Klungis v. Ilgutis (5, 51; 1834–1837) – in der Benennung aus einem Dokument des Gutes Pašvalis sind die Familiennamen *Klungis und *Ilgutis verzeichnet. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Klungis gleichzusetzen, der auch in Pasvalys bekannt ist (1 Familie); seine Herkunft ist vermutlich unklar (siehe LPŽ I 1029). Der zweite ist mit dem Familiennamen Ilgūtis gleichzusetzen, der auch unweit von Pasvalys gebräuchlich ist (2 Familien in Salōčiai) und vom litauischen ilgas abgeleitet wird (siehe LPŽ I 766, 765). Welcher der beiden Personennamen als amtlicher Familienname der Person erhalten blieb und warum sie in einer einzigen Benennung verzeichnet sind, bleibt unklar.
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Page 6Mačkunasth ili Kallade, Andrei Martinovič (7, 201; 1882) – in der Bezeichnung des zum Bauernstand gehörenden Guts Bürgènai (Rajon Pasvalys)10 sind die Familiennamen *Mačkunas (*Mockūnas) und *Kaladė belegt. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Mockūnas gleichzusetzen, der an den Orten des Guts verbreitet ist (2 Familien in Daujėnai, 12 in Krinčinas, 1 in Pasvalys) und sich aus einer Variante des christlichen Vornamens Motiejus entwickelt hat (s. LPŽ II 263). Der zweite ist mit dem Familiennamen Kalādė gleichzusetzen, der nur weiter entfernt von Pasvalys und den anderen Orten des Guts bekannt ist und vom Slawismus kalādė abgeleitet wird (s. LPŽ I 892). Man kann vermuten, dass sich in der Bezeichnung Bemühungen widerspiegeln, einen offensichtlich aus einem Spitznamen stammenden, gleichsam wenig angesehenen Familiennamen durch einen annehmbareren, in gewisser Hinsicht neutraleren zu ersetzen.
Wie man sieht, sind die Gründe für die Eintragung zweier Familiennamen in solchen Bezeichnungen möglicherweise unklar oder nur zu erschließen. Dies bestätigen auch andere Bezeichnungen dieses Typs. So zeigt der Vergleich der im Eintrag Jan Grygzentis v. Tomaszunas (611; 1835) belegten Familiennamen mit den heutigen, unter Berücksichtigung ihrer Verbreitungsdaten, dass der zweite Familienname Tamošiūnas erhalten blieb. Der Vergleich der aus der Bezeichnung der Frau Anna Grodziowna v. Pakultiniowna (1, 85; 1810) rekonstruierten Familiennamen ihres Vaters, *Gruodis und *Pakultinis, mit den heutigen Familiennamen ergab, dass als amtlicher Familienname der Person wahrscheinlich der Familienname unklarer Herkunft Pakultinis bestehen blieb. Von den im Eintrag Michaelis Ilgius alias Aszkaragis (2, 46; 1821) stehenden Familiennamen *Ilgius und *Ožkaragis oder Ähnlichem blieb als amtlicher vermutlich der erste bestehen, wahrscheinlich in der Endungsvariante Ilgis. Welcher der beiden Personennamen als amtlicher Familienname der als Vincenty Kierulis alias Markūniec (1, 64; 1805) bezeichneten Person bestehen blieb – *Kerulis oder *Markūnas (*Morkūnas) –, ist nicht ganz klar; vermutlich war es das an den Orten der Pfarrei besonders häufige Kerùlis, doch ist auch eine andere Möglichkeit denkbar. Ebenso ist die Bezeichnung Adam Szakarnis v. Bedel (5, 52; 1834–1837) zu bewerten, in der zwei Familiennamen verzeichnet sind, die den heutigen Šakarnis und Bedelis oder Bėdalis, Bedãlis zuzuordnen sind.
Man kann vermuten, dass die in solchen Bezeichnungen eingetragenen Personennamen einen unterschiedlichen Status haben – nur einer davon ist ein amtlicher Familienname, der andere ein Spitzname. Der bereits recht gut erforschte allgemeine Kontext der litauischen Namengebung des 18.–19. Jahrhunderts spricht jedoch gegen einen solchen Gebrauch dieser Personennamen. Daher ist anzunehmen, dass diese Bezeichnungen meist mit Bemühungen zusammenhingen, einen aus dem einen oder anderen Grund unannehmbaren Familiennamen durch einen anderen zu ersetzen – einen hinsichtlich seiner Herkunft neutraleren, „schöneren“ oder schlichtweg anderen. Folglich lässt sich auch von einer gewissen Unbeständigkeit des bereits entstandenen Bestands litauischer Familiennamen sprechen, von einer „Bewegung“, die mit der vermuteten Ersetzung bestimmter Familiennamen durch andere zusammenhängt.
10 Er stammt aus einem alphabetischen Verzeichnis; daher werden zuerst beide Familiennamen und erst danach der Vorname und das Patronym geschrieben.
11 Die Blätter der Quelle sind nicht nummeriert; deshalb wird nur ihre Nummer in dem am Ende des Artikels angeführten Verzeichnis angegeben.
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Page 7Diese Annahme wird auch durch die am häufigsten belegten Bezeichnungen dieses Typs gestützt. In ihnen sind zwei Familiennamen unterschiedlicher Herkunft eingetragen, von denen einer in allen Fällen slawische Suffixe aufweist (vom bereits erwähnten Typ -sk- oder -avičius, -evičius). Zunächst folgen drei solche Bezeichnungen aus kirchlichen Quellen der Pfarrei Inturkė mit kurzen Erläuterungen:
Gabrielis Jusewicz alias Mizaniec (2, 26; 1817) – in der Personenbezeichnung sind die Familiennamen *Jusevičius und wahrscheinlich *Miežonis festgehalten. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Jusėvičius gleichzusetzen, der unter anderem auch in Molėtai bekannt ist (2 Familien) und auf eine Variante des christlichen Vornamens Justinas zurückgeht (s. LPŽ I 872, 873). Der zweite ist mit dem Familiennamen Miežonis gleichzusetzen, der fast ausschließlich im Rajon Molėtai verbreitet ist (15 Familien in Giedraičiai, 1 Familie in Molėtai); zu seiner Herkunft vom litauischen miežys, miežis s. LPŽ II 224. In diesem Fall ist nicht ganz klar, welcher Personenname als amtlicher Familienname der betreffenden Person weiterbestand; offenbar sind beide Möglichkeiten denkbar.
Joannes Butera alias Pawłowski (4, 10; 1819) – in der Bezeichnung sind die Familiennamen *Butera und *Paulauskas eingetragen. Der erste hat sich bis heute nicht erhalten, der zweite ist mit dem heutigen Familiennamen Paulauskas gleichzusetzen, der neben anderen, sehr weit auseinanderliegenden Orten Litauens auch ganz in der Nähe von Inturkė verbreitet ist (5 Familien in Joniškis, 4 Familien in Molėtai und anderswo). Es handelt sich um einen der häufigsten litauischen Familiennamen (unter diesen steht er an siebter Stelle)12, der sich aus einer Variante des christlichen Vornamens Paūlius entwickelt hat (s. LPŽ II 408).
Jacobi Kulwinjki alias Kulszys (1, 92; 1811) – in der Bezeichnung sind die Familiennamen *Kulvinskas und *Kulšys oder Ähnliches eingetragen. Der erste ist den heutigen Familiennamen Kulvinskas, Kulvinskis zuzuordnen, deren Verbreitungsdaten keine Verbreitung in den Orten des Rajons Molėtai belegen (s. LPŽ I 1118). Der zweite ist mit den Familiennamen Kūlsis, Kulšys in Verbindung zu bringen, die auch im Rajon Molėtai bekannt sind (in Giedraičiai, Joniškis, Molėtai) und vom litauischen kūlšė, kūlšis abgeleitet werden (s. LPŽ I 1117). Somit ist vermutlich der Familienname Kulšys oder Kūlsis als amtlicher bestehen geblieben.
Wie man sieht, sind in allen drei Fällen die zwei in solchen Bezeichnungen eingetragenen Familiennamen völlig unterschiedlichen Ursprungs, und einer davon weist ein slawisches Suffix auf (-evičius, -auskas und -inskas oder -inskis). Wichtig ist, dass Bezeichnungen dieses Typs, wie bereits erwähnt, in den durchgesehenen Quellen des 19. Jahrhunderts am häufigsten vorkamen und dass sie einen etwas ungewöhnlichen Gebrauch von Familiennamen mit slawischen Suffixen neben Familiennamen anderer Struktur und Herkunft zeigen. Wie bekannt, machen solche Familiennamen (insbesondere mit Suffixen vom Typ -sk-) einen ziemlich großen Teil unseres gesamten Familiennamenbestands aus, und einige von ihnen sind außerdem sehr oder zumindest recht
12 Diesen Familiennamen tragen etwa 1000 litauische Familien (s. Maciejauskienė 1987: 74).
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Page 8häufig. Doch weder die große Zahl dieser Familiennamen im Gesamtzusammenhang unserer Familiennamen noch die auffällige Häufigkeit einiger von ihnen lässt sich im Wesentlichen mit den Gesetzmäßigkeiten der spontanen Herausbildung unserer Familiennamen oder allein mit den bereits erörterten Besonderheiten der endgültigen Festigung ihrer Formen als Personennamen verbinden (gemeint ist hier vor allem ihre Slawisierung); noch weniger lässt sie sich durch die Entlehnung von Familiennamen erklären13. Folglich müssen auch andere Möglichkeiten ihres Entstehens in Betracht gezogen werden. Könnten gerade die soeben erörterten Namensnennungen eine davon belegen? Wahrscheinlich ja, sofern die Gründe für ihr Entstehen mit den Bestrebungen zusammenhingen, einen Teil der bereits entstandenen Familiennamen litauischer Struktur (oft auch litauischer Herkunft) im 19. Jahrhundert künstlich durch andere Familiennamen zu ersetzen. Letztere hatten slawische Suffixe, waren gewissermaßen universeller oder neutraler und kennzeichneten meist auch die Namengebung der benachbarten slawischen Sprachen. Die Frage, wem ein solcher vermuteter Austausch bestimmter Familiennamen gegen andere wichtig und nützlich gewesen sein könnte – den Benannten oder den Personen, die die Quellen verfassten –, lässt sich nicht leicht beantworten (durchaus möglich ist, dass es in jedem Einzelfall anders war). Mit den nachfolgend angeführten Namensnennungen soll daher lediglich gezeigt werden, welche Familiennamen durch welche anderen ersetzt werden sollten, um die Möglichkeit eines solchen Austauschs möglichst überzeugend zu begründen.
Die Namensnennungen werden in drei Gruppen gegliedert, die danach unterschieden werden, welcher der beiden darin belegten Personennamen als offizieller Familienname der genannten Personen bestehen blieb (oder bestehen geblieben sein könnte). Zunächst werden Fälle angeführt, die zeigen, dass Familiennamen mit slawischen Suffixen offiziell blieben und im konkreten Fall sämtliche oder zumindest einen Teil der anders strukturierten Familiennamen ersetzt haben könnten. Danach folgen Namensnennungen, die belegen, dass solche Familiennamen nicht die offiziellen Familiennamen der genannten Personen blieben. In der dritten Gruppe stehen Namensnennungen, die sowohl die ersten als auch die zweiten Fälle der Aufzeichnung mit zwei Familiennamen ergänzen können, denn die Daten zum Vergleich der dort verzeichneten Familiennamen mit heutigen Familiennamen lassen keine genaue Feststellung zu, welcher der beiden Personennamen als offizieller Familienname der so bezeichneten Person bestehen blieb.
Nicht Janūtis, sondern Mackevičius, nicht Ladūkas, sondern Sakaláuskas
In der ersten Gruppe werden Namensnennungen angeführt, die zeigen, dass ein Personenname mit einem slawischen Suffix als offizieller Familienname bestehen blieb (oder bestehen geblieben sein könnte); in den Quellen kam er am häufigsten vor
13 Plačiau dėl to žr. Macijauskienė 1991: 207–208.
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Page 9. Der Titel des Unterabschnitts enthält zwei Paare von Familiennamen, die in solchen Namensnennungen von Personen aus den Kirchenbüchern der Pfarrei Inturkė aufgezeichnet wurden. Hier sind sie: Ignatij Mackiewicz alias Janutis (2, 14; 1814) – die Namensnennung enthält die Familiennamen *Mackevičius (*Mockevičius) und *Janutis (*Jonutis). Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Mackẽvičius gleichzusetzen, der auch im Rajongemeinde Molėtai vorkommt (5 Familien in Giedraičiai, 3 in Joniškis, 10 in Molėtai) und vom christlichen Vornamen Motiejus abstammt (siehe LPŽ II 125–126). Der zweite lässt sich mit den vom christlichen Vornamen Jõnas abgeleiteten Familiennamen Janùtis, Jonùtis in Verbindung bringen, die beide weit entfernt von der Rajongemeinde Molėtai verbreitet sind (siehe LPŽ I 807, 845). Die angeführten Daten zeigen, dass in diesem Fall der in der Pfarrei gebräuchliche Familienname Janùtis ar Jonùtis durch den Familiennamen Mackẽvičius ersetzt worden sein könnte. Dies ist ein vergleichsweise häufiger litauischer Familienname (etwa 570 Familien); außerdem ist er auch in der Namengebung benachbarter slawischer Völker – der Belarussen und Polen – belegt (siehe LPŽ II 125–126).
Joannes Laduk alias Sokolowski, Petri Laduk alias Sokolowski (2, 2; 1813), Joannis Sokołowski alias Ładukas (2, 28; 1817), Petri Sokołowski alias Laduk (2, 46; 1821), Antonii Sokołowski alias Laduk (2, 47; 1822), Antonius Laduk v Sokołowski, Petrus Ładuk v Sokołowski, Vincentus Ładuk v Sokołowski (4, 15; 1823) – in den Namensnennungen sind die Familiennamen *Ladukas und *Sakalauskas oder Ähnliches belegt. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Ladùkas gleichzusetzen, dessen unklare Herkunft aufgrund der unterschiedlichen Verbreitungsgebiete (siehe LPŽ II 14) kaum eine Verbindung mit dem historischen Personennamen nahelegt. Der zweite ist mit dem Familiennamen Sakaláuskas in Verbindung zu bringen, der in verschiedenen Gegenden Litauens, darunter auch in der Rajongemeinde Molėtai (11 Familien in Giedraičiai, 8 in Molėtai), verbreitet ist. Er ist der zehnthäufigste litauische Familienname14 und kommt auch in den Namengebungen slawischer Völker – der Belarussen, Polen und Russen – vor (zu seiner Herkunft siehe LPŽ II 659). Die angeführten Daten lassen den Schluss zu, dass in diesem Fall Sakaláuskas wahrscheinlich der offizielle Familienname der in den Quellen genannten Personen blieb und dabei den zweiten in den Namensnennungen belegten Familiennamen Ladùkas ersetzte.
Die übrigen Namensnennungen dieses Typs werden alphabetisch nach dem jeweils zuerst aufgezeichneten Familiennamen angeordnet:
Georgij Cziulis alias Czywinki (1, 90; 1811), Jakób Cziula alias Czywinki (4, 8; 1818) – in den Kirchenbüchern der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Čiulis, *Čiula und *Čivinskas belegt. Derzeit gibt es keine Familiennamen, mit denen sich die Formen der ersten historischen Personennamen gleichsetzen ließen. Ihrer Herkunft nach waren dies wahrscheinlich aus Spitznamen entstandene Familiennamen, deren Stamm *čiul- mit lit. čiulénti, čiùlyti „saugen“, čiuliúoti „wiegen, schaukeln“ in Verbindung steht.
14 Etwa 900 litauische Familien tragen ihn (siehe Maciejauskienė 1987: 74).
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Page 10(LKŽ II 149) oder Ähnliches. Der zweite Familienname ist mit dem heutigen Čivińskas gleichzusetzen, der auch im Rajongemeinde Molėtai vorkommt (eine Familie in Giedraičiai).
Georgii Jwanowski v Turka (2, 46; 1821) – in der Personenbezeichnung aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Ivanauskas und *Turka verzeichnet. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Ivanáuskas gleichzusetzen, der sich aus dem christlichen Vornamen Jõnas entwickelt hat und an verschiedenen Orten Litauens vorkommt, darunter auch im Rajongemeinde Molėtai (je zwei Familien in Giedraičiai und Joniškis, sogar 15 Familien in Molėtai) (siehe LPŽ I 775). Auch dies ist einer der häufigsten litauischen Familiennamen15, der unter anderem auch im slawischen Namensbestand vorkommt. Der zweite Familienname hat unter den heutigen Familiennamen keine genaue Entsprechung, lässt sich jedoch mit ethnonymischen Familiennamen Tūrkas, Tūrkus vergleichen, die nur weit entfernt von Molėtai belegt sind. Diese Daten lassen darauf schließen, dass der zweite in der Personenbezeichnung verzeichnete Familienname *Turka nicht bis in unsere Zeit überliefert ist.
Szymon Maculewicz alias Bindziuk (1, 79; 1808), Georgij Bindziuk alias Maculewicz (1, 84; 1810), Jacobi Bindziuk alias Maculewicz (2, 47; 1822) – in den Personenbezeichnungen aus den Kirchenbüchern der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Maculevičius und *Bindziukas (*Bindžiukas) belegt. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen gleichzusetzen, der sich aus Formen des christlichen Vornamens Motiejus entwickelt hat und auch im Rajongemeinde Molėtai recht häufig ist (2 Familien in Giedraičiai, 13 in Joniškis, 7 in Molėtai) (siehe LPŽ II 125, 124). Der zweite Personenname hat unter den heutigen Familiennamen keine Entsprechung.
Янъ Шимона сынъ Марцинкевичъ или Клестонъ (8, 5; 1834), Габріель Сьмона сынъ Марцинкевичъ или Клетонась (8, 15; 1834) – in den erweiterten Personenbezeichnungen aus den Dokumenten des Guts Drupiškė (Rajongemeinde Kelmė) sind, mit einem Hinweis auf den Namen des Vaters, die Familiennamen *Marcinkevicius und *Klestonas oder *Kletonas verzeichnet. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Marcinkėvičius gleichzusetzen, der vom christlichen Vornamen Martýnas abgeleitet ist und relativ häufig vorkommt (etwa 590 litauische Familien tragen ihn); er ist somit an verschiedenen Orten Litauens belegt, darunter in Kelmė – eine Familie, in Kražiai – zwei Familien (siehe LPŽ II 158). Der zweite Personenname hat unter den heutigen Familiennamen keine Entsprechung. Wie ersichtlich, sind die verzeichneten Formen unterschiedlich, sodass Zweifel an seiner Authentizität bleiben. Das hindert jedoch nicht an der Annahme, dass der offizielle Familienname der genannten Personen Marcinkėvičius blieb.
Casimiri Miłsiewicz alias Petraſzaniec (2, 36; 1819) – in der Personenbezeichnung aus einer kirchlichen Quelle der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Misevičius und *Petra-šonis (*Petrošonis) oder Ähnliches verzeichnet. Der erste hängt mit dem heutigen Familiennamen Misėvičius zusammen, der sich aus einer Form des christlichen Vornamens Mýkolas entwickelt hat und auch in Molė-
15 Etwa 740 litauische Familien tragen ihn (siehe Maciejauskienė 1987: 74).
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Page 11tai belegt ist (siehe LPŽ II 254). Der zweite lässt sich nur mit dem weit entfernt von Molėtai bekannten Familiennamen Petrošionis gleichsetzen, der von einer Form des christlichen Vornamens Pėtras abgeleitet ist (siehe LPŽ II 442). Daher lässt sich vermuten, dass ein solcher (oder leicht abweichend geformter, z. B. *Petrašonis, *Petrušonis) in der Pfarrei Inturkė gebräuchlicher Familienname durch den Familiennamen Misevičius ersetzt wurde.
Jakób Petrukianiec alias Miseuicz (4, 6; 1815) – in der Personenbezeichnung aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Petrukonis und *Misevičius verzeichnet. Der erste hängt mit dem heutigen Familiennamen Petrukónis zusammen, der sich aus einer Form des christlichen Vornamens Pėtras entwickelt hat; Verbreitungsdaten weisen nicht darauf hin, dass er zumindest in der Nähe des Rajongemeinde Molėtai vorkommt (siehe LPŽ II 443). Der zweite ist mit dem bereits erwähnten und in Molėtai bekannten Familiennamen Misevičius gleichzusetzen. Dieser und der zuvor angeführte Fall könnten deshalb interessant sein, weil sie auf wiederholt belegte Bestrebungen hindeuten, Familiennamen litauischer Struktur (beide haben das Patronym-Suffix –(i)onis) durch denselben Familiennamen Misevičius anderer Herkunft und Struktur zu ersetzen. Ob diese beiden Personenbezeichnungen tatsächlich so zu deuten sind, ließe sich offenbar erst nach der Sammlung wesentlich umfangreicherer Daten klären.
Josephi Pietkiewicz alias Smeledis (1, 88; 1810), Mathei Pietkiewicz alias Smeledis (1, 91; 1811), Casimiri Pietkiewicz alias Smeledis (2, 37; 1819), Thomas Pietkiewicz alias Smeledis (4, 11; 1820) – in den Personenbezeichnungen aus den Kirchenbüchern der Pfarrei Inturkė sind die Familiennamen *Petkevičius und *Smėledis oder Ähnliches verzeichnet. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Petkevičius gleichzusetzen, der sich aus Formen des christlichen Vornamens Pėtras entwickelt hat und an verschiedenen Orten Litauens vorkommt, darunter auch im Rajongemeinde Molėtai: 4 Familien in Alanta, 3 in Giedraičiai, 14 in Joniškis, dem Inturkė am nächsten, und 6 in Molėtai (siehe LPŽ II 435). Auch dies ist ein relativ häufiger Familienname (etwa 660 litauische Familien tragen ihn), der auch im slawischen Namensbestand bekannt ist. Der zweite hängt nur mit den in Molėtai bekannten, aus Spitznamen hervorgegangenen Familiennamen Smėlėdis – eine Familie – und Smeliādis – zwei Familien – zusammen (siehe LPŽ II 769). Die angeführten Daten, insbesondere die Häufigkeit des Familiennamens slawischer Struktur und die außerordentliche Seltenheit des zweiten, lassen darauf schließen, dass zumindest ein Teil der Familiennamen litauischer Herkunft durch den hinsichtlich seiner Herkunft neutraleren und universeller einsetzbaren Familiennamen Petkevičius ersetzt worden sein könnte.
Um den Umfang des Artikels nicht auszuweiten, können noch kurz einige charakteristische Fälle solcher Personenbezeichnungen beschrieben werden, die in denselben Quellen belegt sind. So lässt sich anhand der in den Einträgen zu den Personen Jacobi Rynkiewicz v Suduykis (1, 60; 1805), Martinus Rynkiewicz alias Szuduykis (1, 85; 1810), Georgij Szuduykis alias Rynkiewicz (1, 98; 1811), Casimiri Szuduykis alias Rynkiewicz (2, 23; 1816) verzeichneten Familiennamen *Rinkevičius und *Suduikis oder *Šuduikis in den Aufzeichnungen erschließen, dass die offizielle
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Page 12Übrig blieb der Familienname Rinkẽvičius; ein Vergleich mit den im Eintrag Thoma Jackiewicz alias Szupienis (2, 45; 1821) verzeichneten heutigen Namen *Jackevičius und *Šupienis zeigt, dass der zweite Name tatsächlich durch den Familiennamen Jackẽvičius ersetzt worden sein könnte; offensichtlich blieb von den im Eintrag Jacoby Wadil alias Rutkowski (3, 5; 1810) festgehaltenen Namen *Vadila und *Rutkauskas offiziell der zweite mit slawischem Suffix; ein Familienname derselben Struktur, Vitkáuskas, hat wahrscheinlich ebenfalls den litauischen Familiennamen Vištelis, Vištėlis ersetzt, der gemeinsam mit ihm im Eintrag Felicjanus Witkowski alias Wiſztielis (2, 38; 1819) verzeichnet ist. Wie man sieht, entsprechen auch die in diesen Einträgen aufgezeichneten (wahrscheinlich offiziell gebliebenen) Familiennamen Rinkẽvičius, Jackẽvičius, Rutkáuskas, Vitkáuskas den bereits erwähnten Merkmalen universellerer oder neutralerer Personennamen – sie sind in verschiedenen Gegenden Litauens verbreitet, relativ häufig (drei davon tragen zwischen mehr als 400 und fast 600 litauische Familien) und zudem auch im slawischen Namensbestand gebräuchlich.
Nicht Starinskas, sondern Iliùkas; nicht Zmitrãvičius, sondern Samuìlis
Die im Titel des Unterabschnitts angeführten Familiennamenpaare stammen aus Einträgen, die darauf hindeuten, dass wahrscheinlich die Familiennamen ohne slawische Suffixe offiziell blieben. Diese Beispiele werden hier zuerst angeführt.
Vincentii Starzynski v Jluk (2, 46; 1821) – in einem Eintrag aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturke aufgezeichnete Familiennamen *Starinskas (*Staržinskas) oder Ähnliches sowie *Iliukas. Der erste ist mit den slawischen Ursprungs heutigen Familiennamen Starìnskas, Staržìnskas in Verbindung zu bringen, die nur weit entfernt vom Rajon Molėtai bekannt sind (siehe LPŽ II 807, 806). Der zweite ist mit dem Familiennamen Iliùkas gleichzusetzen, dessen Herkunft nicht ganz klar ist und der nur in Molėtai gebräuchlich ist (siehe LPŽ I 767, 764). Somit blieb in diesem Fall wahrscheinlich der zweite im Eintrag verzeichnete Familienname offiziell.
Мамешъ Томаша сынъ Змитровичь или Самуилисъ (8, 5; 1834), Янъ сынъ Томаша Змитровичь или Самуилисъ, Іозефъ Казимировъ Змитровичь или Самуилисъ (8, 6; 1834), Гадевушъ Казимировъ сынъ Змитровичь или Самуилисъ (8, 30; 1850) – in den Einträgen (sie sind um die Angabe des Vaternamen erweitert) aus einem Dokument des Gutshofs Drupiškė (Rajon Kelmė) sind die Familiennamen *Zmitrãvičius und *Samuilis belegt. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Zmitrãvičius gleichzusetzen, der vom christlichen Vornamen Dimìtrijus abgeleitet ist und nur weit entfernt vom Gutshof bekannt ist (siehe LPŽ II 1296). Der zweite Familienname ist mit dem vom christlichen Vornamen Samuèlis abgeleiteten und in der Gegend des Gutshofs gebräuchlichen Familiennamen Samuìlis in Verbindung zu bringen (20 Familien in Kelmė, je 1 in Tytuvėnai und Užventis) (LPŽ II 671). Diese Daten zeigen, dass der zweite in den Einträgen festgehaltene Familienname offiziell blieb.
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Page 13In den geprüften Quellen fanden sich nur wenige Einträge, die belegen würden, dass nicht die Familiennamen mit slawischen Suffixen offiziell blieben (gemeint sind solche des Typs -avičius, -evičius und -sk-); man kann sagen, dass sie nahezu Einzelfälle sind. Zudem fällt auf, dass sich die heutigen Familiennamen, mit denen die in den Einträgen verzeichneten Familiennamen dieses Typs gleichgesetzt werden können, von den in der ersten Gruppe erwähnten solchen Familiennamen unterscheiden: Sie sind weder weit verbreitet noch häufig (die Familiennamen Starinskas, Staržinskas ir Zmitravičius tragen nur jeweils wenige Dutzend Familien), und mitunter hat ein solcher historischer Personenname nicht einmal eine Entsprechung unter den heutigen Familiennamen. Hier sind zwei weitere Einträge, die dies bestätigen:
Joannis Gingiewicz v Kowszynis (1, 60; 1805), Stanislaj Gingiewicz alias Kauszyniec (1, 84; 1810) – in den Einträgen aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Inturke aufgezeichnete Familiennamen *Gingevičius und *Kaušinis. Der erste Familienname hat keine Entsprechung unter den heutigen Familiennamen, während sich der zweite zweifelsfrei mit dem litauischen Ursprungs Familiennamen Kaušinis gleichsetzen lässt, der unter anderem auch im Rajon Molėtai gebräuchlich ist – 23 Familien in Joniškis und 21 in Molėtai (siehe LPŽ I 952).
Gabrielis Wizynis v Jastrzemski (2, 51; 1823), Francisci Wizyn alias Jastrzemski (2, 56; 1824) – in Einträgen aus Quellen der Pfarrei Inturke verzeichnete Familiennamen *Vižinis oder Ähnliches sowie *Jastržemskas, *Jastrem skas oder Ähnliches. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Vižinis gleichzusetzen, der vor allem im Rajon Molėtai verbreitet ist (5 Familien in Joniškis, 7 in Molėtai) und zusammen mit den nahebei gebräuchlichen Familiennamen Vižynis, Vyžinis aus litauisch vyža, vyžius abgeleitet wird (siehe LPŽ II 1244). Der zweite ist mit den slawischen Ursprungs Familiennamen Jastržemškas, Jastremškas in Verbindung zu bringen, die im Rajon Molėtai nicht bekannt sind (siehe LPŽ I 818). Offenbar blieb der litauisch strukturierte und litauischen Ursprungs Familienname Vižinis offiziell.
Gudėlis oder Gadliauskas, Laukis oder Banėvičius?
In diesem Unterabschnitt werden Bezeichnungen angeführt, bei denen die Daten zum Vergleich der beiden belegten Personennamen mit heutigen Familiennamen nicht eindeutig erkennen lassen, welcher von ihnen als offizieller Familienname der bezeichneten Personen bestehen blieb. Solche Fälle kamen nur selten vor, wiederum lediglich einige wenige. Zunächst werden jene angeführt, bei denen die belegten Familiennamenpaare in der Überschrift des Unterabschnitts stehen; danach folgen zwei weitere Bezeichnungen dieser Art (sie alle stammen aus kirchlichen Quellen der Pfarrei Inturkė).
Christophori Gudelis v Godlewski (1, 63; 1805) – aus dieser Bezeichnung lassen sich die Familiennamen *Gudelis und *Godliauskas (*Gadliauskas) rekonstruieren. Der erste wird mit dem heutigen Familiennamen Gudėlis etnonymischen Ursprungs gleichgesetzt, der auch in Alanta (2 Familien), also im Rajon Molėtai, aber weit entfernt von Inturkė bekannt ist (vgl. LPŽ I 736,
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Page 14735). Der zweite ist mit dem vermutlich slawischen Ursprungs Familiennamen Gadliauskas in Verbindung zu bringen, der unter anderem auch ganz in der Nähe von Inturkė bekannt ist – 7 Familien in Joniškis (vgl. LPŽ I 604). Welcher der beiden in einer Bezeichnung eingetragenen Personennamen als offizieller Familienname der Person bestehen blieb, lässt sich nicht genau sagen, obwohl es wahrscheinlicher ist, dass es sich um den Familiennamen Gadliauskas handelt.
Mathia Łoukis v Baniewicz (1, 44; 1802), Georgij Baniewicz v Łoukis (1, 53; 1804), Ludvicus Loukis alias Boniewicz (1, 61; 1805), Georgij Laukis alias Baniewicz (1, 80; 1808), Mathia Baniewicz alias Laukis (1, 81; 1808), Mathias Loukis alias Baniewicz (2, 21; 1816) – in den wiederholt vorkommenden Personenbezeichnungen sind die Familiennamen *Laukis (*Laukys) und *Banevičius belegt. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Laukis in Verbindung zu bringen, der vom litauischen laũkis, laũkas abgeleitet wird und unter anderem auch in Molėtai vorkommt (5 Familien) (vgl. LPŽ II 32). Der zweite ist mit dem Familiennamen Banėvičius gleichzusetzen, der auch im Rajon Molėtai bekannt ist (3 Familien in Giedraičiai, 20 in Molėtai) und von einer Form des christlichen Namens Benediktas abgeleitet wird (vgl. LPŽ I 187). Auch in diesem Fall ist nicht ganz klar, welcher Personenname als offizieller Familienname der erwähnten Personen bestehen blieb; durchaus möglich ist, dass dies in den einzelnen Fällen unterschiedlich war. Angesichts der Häufigkeit des Familiennamens Banėvičius im Rajon Molėtai lässt sich jedoch vermuten, dass er einige Familiennamen Laukis durchaus ersetzt haben könnte.
Vincenti Maciulewicz alias Cziuczyn (2, 45; 1821) – in der Bezeichnung sind die Familiennamen *Maciulėvičius und *Čiučinas (*Čiučinis) eingetragen. Der erste ist mit dem heutigen Familiennamen Maciulėvičius gleichzusetzen, der im Rajon Molėtai vorkommt (2 Familien in Giedraičiai, 13 in Joniškis, 7 in Molėtai) und aus Formen der christlichen Namen Mãtas, Motiejus gebildet ist (vgl. LPŽ II 125, 124). Der zweite ist mit dem Familiennamen Čiučinas in Verbindung zu bringen, der nur in Molėtai bekannt ist (2 Familien); seine Herkunft wird anhand russischer Personennamen mit vergleichbarer Wurzel oder Struktur beurteilt (vgl. LPŽ I 431)16. Welcher Personenname als offizieller Familienname der in der Quelle erwähnten Person bestehen blieb, ist unklar.
Georgij Zwerella alias Zuromski (2, 36; 1819), Georgius Zuromski alias Zwerela, Simon Zuromski v Zwarela (4, 12; 1821) – in den Bezeichnungen sind die Familiennamen *Žverelė oder Ähnliches und *Žuromskas belegt. Der erste ist mit den im Rajon Molėtai vorkommenden heutigen Familiennamen Žverėlė (2 Familien in Molėtai) und Žverela (9 Familien in Joniškis) gleichzusetzen; deren Formen sind offenbar nicht ganz ursprünglich, sondern aus *Žverelė verändert und vom litauischen žveris, žvėrelis oder Ähnlichem abgeleitet (vgl. LPŽ II 1352). Der zweite ist mit dem Familiennamen slawischen Ursprungs Žuromškas in Verbindung zu bringen, der unter anderem auch ganz in der Nähe von Inturkė bekannt ist (2 Familien in Joniškis); dazu gibt es
16 Es ist anzunehmen, dass dies nicht ganz gerechtfertigt ist und auch eine andere Einschätzung der Herkunft dieses Familiennamens möglich wäre; um den Umfang des Artikels nicht auszuweiten, wurde hier und an anderer Stelle jedoch auf ausführlichere Kommentare verzichtet.
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Page 15Anmerkung Die Leute nennen sie Žverelė (vgl. LPŽ II 1350). Somit sind beide Familiennamen bis in unsere Tage überliefert, und es ist unklar, welcher von ihnen der in der Quelle erwähnte Person offiziell beigelegte Personenname blieb. Der Inhalt der Anmerkung bestätigt die authentische Form des litauischen Familiennamens und zeigt deutlich, dass der slawische Familienname höchstwahrscheinlich durch Ersetzung des Personennamens *Žverelė oder Ähnlichem entstanden ist.
Wie ersichtlich, zeigt der Vergleich der in sämtlichen Benennungen dieses Unterabschnitts verzeichneten Personennamepaare mit den heutigen Familiennamen nicht eindeutig, welcher von ihnen als Familienname der erwähnten Personen offiziell blieb.
ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN
Bei der Beschreibung des Gesamtbestands litauischer Familiennamen hinsichtlich seiner Struktur und Herkunft ist festzustellen, dass sehr viele Personennamen slawische Suffixe aufweisen (insbesondere vom Typ –sk– und –avičius, –evičius) und dass die meisten unserer Familiennamen genetisch nichtlitauischen Ursprungs sind. Arbeiten zur historischen Anthroponymie haben bereits nach Antworten auf die Frage gesucht, warum dies so ist, und vermutlich wurde mehr als eine Antwort tatsächlich gefunden. Gewiss sind auch noch Unklarheiten geblieben, die sich nur durch weitere Sammlung und Bewertung historischer Personennamen beseitigen lassen. In dieser Hinsicht ist die historische Anthroponymie des 19. Jahrhunderts besonders wichtig: Sie bestätigt nicht nur die wichtigsten Ergebnisse der bereits durchgeführten Untersuchungen, sondern bezeugt auch Sachverhalte, die es ermöglichen, die aufgrund der genannten Unklarheiten entstandenen Lücken zu schließen.
Zu solchen Sachverhalten gehören Benennungen mit einem Vornamen und zwei Familiennamen, die im Kontext der Benennung von Personen jener Zeit insgesamt herausragen und durch die Wörter oder anders verbunden sind. Die Bewertung der Struktur und Herkunft der in solchen Paaren festgehaltenen Familiennamen ermöglicht unter anderem, von einer in bisherigen Untersuchungen noch nicht herausgearbeiteten Entstehungsmöglichkeit litauischer Familiennamen slawischer Struktur und fremder Herkunft zu sprechen.
Letztere ist mit der künstlichen Ersetzung bereits entstandener Familiennamen litauischer Struktur (und oft auch litauischer Herkunft) durch Familiennamen slawischer Struktur und fremder Herkunft verbunden. Letztere lassen sich in gewisser Hinsicht als „universeller“ charakterisieren: Sie sind vergleichsweise häufig, haben kein klar abgegrenztes Verbreitungsgebiet und sind nicht nur für das litauische, sondern auch für das Namengut benachbarter slawischer Sprachen kennzeichnend.
Es versteht sich, dass die im Artikel dargelegte Bewertung der Benennung mit zwei Familiennamen durch weitere Sammlung von Daten zur Anthroponymie des 19. Jahrhunderts noch überprüft und möglichst überzeugend begründet werden sollte. Außerdem sollten wohl auch andere mögliche Gründe für die Entstehung und Verbreitung der hier angeführten Benennungen in den Quellen nicht völlig ausgeschlossen werden.
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Page 16Andererseits würde gerade die Anerkennung dessen, dass ein Teil der litauischen Familiennamen fremder Herkunft mit slawischen Suffixen (insbesondere vom Typ –sk– und –avičius, –evičius) durch ihre Ersetzung litauischer Familiennamen struktureller (und oft auch herkunftsmäßiger) Art entstanden sein könnten, dabei helfen, klarer zu beantworten, warum es so viele solche Familiennamen gibt, warum die meisten davon vergleichsweise oder sogar sehr häufig sind, warum sie keine stärker abgegrenzten Verbreitungsgebiete aufweisen und dergleichen. Wie erwähnt, lässt sich dies weder durch die Besonderheiten der spontanen Entstehung unserer Familiennamen noch allein durch die Slawisierung dieser Personennamen oder gar durch Entlehnung erklären.
Die Möglichkeit einer weiteren Entstehungsweise von Familiennamen fremder Herkunft und slawischer Struktur, deren Begründung versucht wurde, sollte zweifellos mit der Slawisierung des Gesamtbestands litauischer Familiennamen in Verbindung gebracht werden, genauer gesagt mit einer ihrer Ausprägungen, die in bisherigen Untersuchungen noch nicht benannt worden ist.
QUELLEN17
1. Metryki Chr zestne od 1794 Februarij 2 dnia do 1812 Julij 13 dnia. [Taufregister der Pfarrei Inturkė (Rajon Molėtai). 2. Februar 1794–13. Juli 1812]. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Inturkė.
2. Metryki Chr zestne od 1812 Julij 26 – do 1824 Augusta 15 dnia. [Taufregister der Pfarrei Inturkė (Rajon Molėtai). 26. Juli 1812–15. August 1824]. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Inturkė.
3. Metryki Pogrzebowe od r. 1807 miesiaca Sierpnia 21 dnia do r. 1812 Lipca 16 dnia. [Sterberegister der Pfarrei Inturkė (Rajon Molėtai). 21. August 1807–16. Juli 1812]. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Inturkė.
4. Metryki Pogrzebowe od 1812 Julij 18 do 1825 Januarij 22. [Sterberegister der Pfarrei Inturkė (Rajon Molėtai). 18. Juli 1812–22. Januar 1825]. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Inturkė.
5. Abrechnungen der Einnahmen und Ausgaben des Guts Pasvalys für die Jahre 1829–1830 und 1834–1837. Aufbewahrt in der Handschriftenabteilung der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften, Bestand 43–15254.
6. Rachunek z Włosciანami Pocztowskiemi... [Systematisches Verzeichnis der Pflichten, Abgaben und Frondienste der Bauern des Vorwerks Paštuva (Rajon Kaunas). 1835]. Aufbewahrt in der Handschriftenabteilung der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften, Bestand 38–55.
17 Dies ist ein alphabetisches Verzeichnis, in dem bei der Angabe handschriftlicher Quellen zuerst ihr Originaltitel (gelegentlich etwas gekürzt) und in Klammern – soweit möglich – eine ausführlichere Entsprechung auf Litauisch angegeben wird. In einem Fall (siehe Eintrag 5) wurde der Titel der Quelle dem Bibliothekskatalog entnommen, da das Original nicht ermittelt werden konnte. Nach den Titeln wird angegeben, wo die Quellen aufbewahrt werden.
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Page 177. Alphabetisches Verzeichnis der Grundbesitzer des Gouvernements Kowno. Kowno, 1882.
8. Revisionsliste... des Gutes Druviškės... [Revisionslisten des Gutes Drupiškės (Rajon Kelmė). 1834, 1850]. Aufbewahrt in der Handschriftenabteilung der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften, Bestand 37–62.
L I T E R A T U R
LKŽ II 1969 – Wörterbuch der litauischen Sprache 2, Vilnius: Mintis.
LPŽ I 1985 – Wörterbuch litauischer Familiennamen 1. Verantwortlicher Redakteur A. Vanagas, Vilnius: Mokslas.
LPŽ II 1989 – Wörterbuch litauischer Familiennamen 2. Verantwortlicher Redakteur A. Vanagas, Vilnius: Mokslas.
M a c i e j a u s k i e n ė V. 1987: Die häufigsten litauischen Familiennamen. – Sprachkultur 52, 70–75.
M a c i e j a u s k i e n ė V. 1991: Entstehung litauischer Familiennamen, Vilnius: Mokslas.
M a c i e j a u s k i e n ė V. 1993: Personennamen der Pfarrei Kriaunos im 17.–18. Jahrhundert. – Fragen der litauischen Linguistik 32, 34–99.
M a c i e j a u s k i e n ė V. 1993a: Lietuvių įvardijimas XIX a. pirmojoje pusėje. – Lietuvių kalbotyros klausimai 32, 100–113.
M a c i e j a u s k i e n ė V. 1996: Dėl lietuvių pavardžių su priesagomis –avičius, –evičius vertinimo. – Lietuvių kalbotyros klausimai 36, 60–70.
M a c i e j a u s k i e n ė V. 1997: Variation der Formen litauischer Familiennamen im 19. Jahrhundert. – Lituanistica 2 (30), 71–88.
R a g a u s k a i t ė A. 2005: XVI–XVIII a. kauniečių asmenvardžiai, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla.
V a n a g a s A. 1982: Mūsų vardai ir pavardės, Vilnius: Mokslas.
Z i n k e v i č i u s Z. 1977: Lietuvių antroponimika. Vilniaus lietuvių asmenvardžiai XVII a. pradžioje, Vilnius: Mokslas.
Eingegangen am 30.04.2009
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Page 18ÜBER EINEN WEITEREN HYPOTHETISCHEN URSPRUNG LITAUISCHER FAMILIENNAMEN
Zusammenfassung
Der Beitrag versucht, Argumente für eine weitere hypothetische Annahme zum fremden Ursprung und zur slawischen Struktur einiger litauischer Familiennamen vorzulegen. Dazu gehören Familiennamen mit Suffixen des Typs –sk- sowie mit den Suffixen -avičius, -evičius. Solche Familiennamen sind zahlreich; einige von ihnen zählen zu den häufigsten. Sie sind nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt, sondern im ganzen Land anzutreffen. Sie wirken universell und kommen auch in slawischen Sprachen (Weißrussisch, Polnisch und Russisch) außerhalb Litauens häufig vor.
In der litauischen anthroponymischen Forschung wurden solche Familiennamen als Ergebnis des slawischen Einflusses auf litauische Namen oder als Entlehnungen aus slawischen Sprachen betrachtet. Zugleich wird jedoch eingeräumt, dass sich Familiennamen mit den Suffixen -avičius, -evičius möglicherweise auf eher natürliche Weise entwickelt haben. Im 16th. Jahrhundert und später waren Patronyme mit solchen Suffixen aufgrund der besonderen sprachlichen Situation im litauischen Staat recht häufig. Dennoch scheinen solche Umstände der Namensentwicklung nicht auszureichen; sie erklären weder die große Zahl solcher Namen in der litauischen Onomastik noch deren überaus häufigen Gebrauch.
Die anthroponymische Untersuchung von Namen und Familiennamen des 19th. Jahrhunderts stellte eine Besonderheit der Personenbezeichnung fest: Personen wurden mit ihrem Vornamen und zwei durch die Wörter arba, kitaip („oder“, „anders gesagt“) verbundenen Familiennamen bezeichnet, z. B. Jacobi Wadil alias Rutkowski, Maciey Wersocki alias Szykszna, Thomas Pietkiewicz alias Smeledis. Die Analyse der Struktur und Herkunft solcher Namenspaare sowie ihre Zuordnung zu heutigen Familiennamen, insbesondere unter Berücksichtigung historischer und gegenwärtiger Daten zur Verbreitung von Personennamen, half festzustellen, welcher der beiden Familiennamen später als offizieller Familienname beibehalten wurde.
Die Untersuchung hat außerdem dazu beigetragen, eine weitere hypothetische Annahme zu fremdstämmigen Familiennamen mit slawischen Suffixen (Typ –sk- und -avičius, -evičius) zu formulieren. Solche Familiennamen könnten litauische Familiennamen künstlich ersetzt haben, die bereits eine fest etablierte litauische Struktur aufwiesen (und häufig ebenfalls litauischen Ursprungs waren). Dies wäre ein weiterer, bislang nicht erkannter Hinweis darauf, dass sich litauische Familiennamen unter dem Einfluss slawischer Sprachen entwickelt haben.
VITALIJA MACIEJAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache, P. Vileišio g. 5, Vilnius LT-10308 [email protected]
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