Page 1RAMUNĖ VASKELAITĖ
Bank von Litauen
KOSTEN – ZU VERMEIDENDER FREMDAUSDRUCK ODER UNVERMEIDLICHKEIT DER WIRTSCHAFTSTHEORIE?
SCHLÜSSELWÖRTER: Lehnwort, zu vermeidender Fremdausdruck, Wortbedeutung, Norm, Sprachgebrauch, Terminus, Begriff.
EINLEITUNG
Die Umstände, unter denen die litauische Sprache in den vergangenen zwei Jahrzehnten funktionieren musste, sind der Grund dafür, dass sich die Aufmerksamkeit der Sprachpfleger vor allem auf eine Schicht des entlehnten Wortschatzes richtet, nämlich auf die neuen Fremdwörter. Diese Umstände sind wohlbekannt und verständlich: die ausgeweiteten politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und nahezu alle anderen Bereiche umfassenden Beziehungen des Landes, in dem die Sprache gesprochen wird, ihre Pflege überwiegend auf Englisch, die Mitgliedschaft in einer Ländergruppe, in der ebenfalls Englisch vorherrscht, sowie Integrations-, Konvergenz- und Globalisierungsprozesse und anderes mehr, die den Status dieser Sprache weiter aufwerten.
Wenn sich die Aufmerksamkeit vor allem auf neue Fremdwörter und die Grundsätze ihrer Normierung konzentriert, geraten Wörter, die schon früher ins Litauische gelangt sind oder Aufnahme begehrten, etwas in den Hintergrund. Natürlich ist ihre Problematik im Hinblick auf die Norm geringer. Diese Wörter werden lange Zeit im Sprachgebrauch erprobt, und diejenigen, die sich darin als notwendig erweisen, werden gewöhnlich als Norm anerkannt. Umgekehrt bleiben für den Sprachgebrauch nicht relevante Wörter fremden Ursprungs, die sich leicht durch eigene Entsprechungen ersetzen lassen, meist außerhalb der kodifizierten Norm. Das diachrone Kriterium der Relevanz für den Sprachgebrauch, das durch den Zeitraum zwischen dem Eintritt des fremden Wortes in die Sprache und der Gegenwart bestimmt wird, vereinfacht die Grenzziehung zwischen normgerechten und nicht normgerechten älteren Fremdwörtern erheblich. Es wird nicht nur in normierenden, sondern auch in lexikologischen Arbeiten zuverlässig herangezogen. In Letzteren werden Wörter, die in früheren Zeitabschnitten ins Litauische gelangt sind, in im allgemeinen Sprachgebrauch etablierte Lehnwörter und für den Sprachgebrauch nicht relevante Wörter eingeteilt (Jakaitienė 2010: 233). In normierenden oder mit der Normierung verbundenen Publikationen werden Erstere gern als Lehnwörter oder echte Lehnwörter bezeichnet, Letztere dagegen unter Hervorhebung ihrer Unzulässigkeit als Fremdwörter (nicht zu empfehlende, zu vermeidende), wobei zusätzlich ihr Unterschied zu unzulässigen Wörtern betont wird, die in der gegenwärtigen Zeit in die Sprache gelangen – sie heißen ältere Fremdwörter.
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Page 2für die Standardsprache – Fremdwörter (nicht zu empfehlende, zu vermeidende), wobei zugleich auf den Unterschied zu unzulässigen Wörtern hingewiesen wird, die in der gegenwärtigen Zeit in die Sprache gelangen: Sie werden als ältere Fremdwörter bezeichnet (KPP1 1976; KPP2 1985; Girčienė 2004; KP4 2005, 2013; Vaicekauskienė 2007). Für den Sprachgebrauch nicht relevant sind meist solche Lehnwörter, für die es geeignete litauische Ersatzwörter gibt, die die Bedeutung des fremden Wortes vollständig wiedergeben.
Das diachrone Kriterium der Relevanz für den Sprachgebrauch sollte eigentlich eine völlige Übereinstimmung von Sprachgebrauch und Norm voraussetzen, aber lässt sich eine solche immer feststellen? Zumindest bei einem Substantiv, das der Gruppe des fremden Wortschatzes zugerechnet wird – kaštas –, zeigt sich keine solche Übereinstimmung zwischen Sprachgebrauch und Norm. In der 1976 erschienenen Ausgabe von Kalbos praktikos patarimų (im Folgenden KPP1) wurde dieses Wort als unzulässiges Fremdwort bezeichnet (KPP1 1976: 122). Auch in dem Heft Kalbos patarimų (im Folgenden KP4), das die gegenwärtige Norm für Lehnwörter darlegt, wird es recht streng bewertet – als ein im Sprachgebrauch zu vermeidendes Fremdwort (KP41 2005: 64); dieselbe Bewertungsstufe wurde auch in der gerade erschienenen Neuauflage des Heftes beibehalten (KP42 2013: 37). In einem so wichtigen Bereich der Verwendung der Standardsprache wie der Wirtschaftstheorie hingegen ist kaštai weit verbreitet. Fast kein Wirtschaftslehrbuch, auch kein Schulbuch, kommt ohne dieses Wort und die gesamte damit gebildete Terminologie aus; zudem ist es in Terminologiewörterbüchern verzeichnet. Dies lässt unmittelbar die Annahme zu, dass die Verwendung dieses Wortes kein zufälliger Verstoß gegen die kodifizierte Norm ist, sondern ein durch bestimmte Argumente begründeter Widerspruch des Sprachgebrauchs zur Norm.
Darauf, dass sich Wirtschaftswissenschaftler und Sprachwissenschaftler über kaštai uneinig sind, hat Zofija Babickienė (2012) hingewiesen, den größeren Abstand zwischen Norm und Sprachgebrauch hat sie jedoch nicht untersucht. Die Frage nach kaštai als wirtschaftswissenschaftlichem Terminus wurde auf der dritten Konferenz des Terminologieforums der Europäischen Union und der litauischen Institutionen und Einrichtungen am 7. Juni 2013 aufgeworfen1; für eine eingehende Analyse des Phänomens war eine Diskussion am Nachmittag jedoch zu kurz. Gerade diese Diskussion veranlasste die Autorin des Artikels, diesen außergewöhnlichen Fall der Nichtübereinstimmung von Norm und Sprachgebrauch näher zu untersuchen. Das Phänomen ist in der Tat bemerkenswert: Das Wort, dessen Gebrauch vor fast vierzig Jahren zu korrigieren begonnen wurde, verschwindet nicht aus dem Sprachgebrauch; folglich müssen gewichtige Faktoren dafür verantwortlich sein. Ziel der Analyse des Sprachgebrauchs im Wirtschaftsbereich ist es, diese Faktoren zu ermitteln, zumindest soweit, wie es die sprachwissenschaftliche Kompetenz zulässt. Denn es wird gewagt, ein komplexes Gebiet zu untersuchen – die Wirtschaftstheorie als Wissenschaft. Ihre Feinheiten können Sprachwissenschaftler, die kein Studium dieser
1 Über die Konferenz und die Diskussionen zur Frage der kaštai wird auf der Website des Forums berichtet; erreichbar über das Internet unter <http://ec.europa.eu/translation/lithuanian/ltf/index_lt.htm>.
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Page 3Wer sich mit Fachgebieten befasst, verfügt nicht über dieselben Möglichkeiten wie Wirtschaftstheoretiker; folglich können manche Faktoren unberücksichtigt bleiben. Andererseits haben Vertreter der Wirtschaftswissenschaften, die in der Regel keine Sprachwissenschaft studiert haben, nicht die Möglichkeit, sämtliche Feinheiten des Sprachsystems, seiner Funktionsweise und der Sprachnorm zu erfassen. Dieser wechselseitige Mangel an Möglichkeiten ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass sich bislang niemand an die Untersuchung der sprachlichen Aspekte des Problems kaštų gewagt hat; das Fehlen einer eingehenderen Analyse könnte seinerseits dazu geführt haben, dass sich eine Kluft zwischen der kodifizierten Norm und dem Sprachgebrauch herausgebildet hat, zumindest aber ein schwieriges Verhältnis entstanden ist.
Wie berechtigt der Widerspruch zur kodifizierten Norm ist, lässt sich anhand von Texten wie Lehrbüchern und Wörterbüchern besonders gut klären. Dort werden Fachbegriffe nicht nur verwendet, sondern auch erläutert; die durch sie bezeichneten Begriffe werden definiert, sodass alle semantischen Aspekte des fraglichen Wortes sichtbar werden. Da eine Gesamtheit von Fachbegriffen vorgelegt wird, werden zudem auch die Beziehungen zwischen ihnen deutlich. Vor allem aber liegen Lehrbücher und Wörterbücher nicht außerhalb oder am Rande der Standardsprache. Sie sind ein Bereich des Sprachgebrauchs von herausragender Bedeutung und haben großen Einfluss auf den gesamten Sprachgebrauch in diesem Bereich und darüber hinaus2.
VERBREITUNG UND UNKLARHEITEN DER GEGENWÄRTIGEN SCHRIFTSPRACHLICHEN NORM
Eine Bewertung des Substantivs kaštas ist zunächst in den Publikationen zu suchen, die die lexikalische Norm des Litauischen festlegen. Davon gibt es drei, mit gewissen Vorbehalten vier. Es handelt sich um das Wörterbuch der Gegenwartssprache Litauens (im Folgenden DŽ), KP41 und KP42; das Wörterbuch der litauischen Sprache (im Folgenden LKŽ) ist dieser Gruppe nur mit Vorbehalten zuzurechnen, da die Normierung der Sprache nicht sein Hauptziel ist. In den online verfügbaren elektronischen Ausgaben von DŽe und LKŽe ist die Bewertung des Wortes kaštas dieselbe wie in den gedruckten Ausgaben3.
In allen Publikationen fällt die Bewertung des besprochenen Substantivs unterschiedlich aus. Im LKŽ wird kaštui keine negative Bewertung zugewiesen; lediglich die Wortbedeutung wird angegeben.
2 Als dieser Artikel bereits zum Druck gegeben war, wurde das Problem praktisch angegangen: Der Fachbegriff wurde von der VLKK erörtert, und auf der Grundlage der Argumente von Fachleuten aus Wirtschaft und Rechnungswesen wurde beschlossen, seine Verwendung mit bestimmten Bedeutungen als Fachbegriff der Bereiche Wirtschaft und Management-Accounting zu empfehlen. Somit hat sich die Kluft zwischen Norm und Sprachgebrauch verringert; wie jedoch aus den festgelegten Definitionen hervorgeht (siehe http://www.vlkk.lt/lit/104940),), sind Fragen offengeblieben. Dieser Artikel könnte dazu beitragen, die Kluft weiter zu verringern.
3 Im Folgenden werden die online verfügbaren Ausgaben von LKŽe und DŽe herangezogen; daher werden keine Seitenzahlen angegeben. Gibt es Unterschiede zwischen der Online- und der Druckausgabe, wird die Druckausgabe genannt.
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Page 4Als Herkunftsquelle wird das polnische Substantiv koszt genannt; außerdem werden die Orte aufgeführt, an denen das Lehnwort belegt ist. Schon diese Orte belegen eine weite geografische Verbreitung, die alle Regionen Litauens umfasst: Léipalingis, Seirijai, Sìmnas, Liškiavà, Rozalìmas, Dùsetos, Joniškėlis, Pasvalỹs, Skìršnemunė, Viekšniai, Mažeikiai, Plùngė. Belege für den Sprachgebrauch stammen aus Taurágnai, Daukšiai, Bagótsilis, Alytus, Geistarai (Didvyžiai), Veiviržėnai, Alsėdžiai, Rietavas und Kùktiškės. Dass kaštas auch in der Schriftsprache verwendet wurde, belegen das vom LKŽe angeführte Wörterbuch Lietuvių–vokiečių ir vokiečių–lietuvių kalbų žodynas von Pilypas Ruigys aus dem Jahr 1747 (das Material dafür wurde auch aus litauischen Büchern gesammelt) und dessen Lietuvių kalbos tyrinėjimas, die etwas später erschienenen Schriften von Jurgis Pabrėža (1771–1849), Mykolas Miežinis’ Lietuviškai–latviškai–lenkiškai–rusiškas žodynas (1894) und Lietuviška gramatika (1886) sowie Belege aus Antanas Juškevičius’ (Juška) Lietuvių kalbos žodynas (1897–1922). Beispiele für den schriftsprachlichen Gebrauch sind auch den Schriften von Simonas Daukantas (1793–1864) sowie weniger bekannten schriftlichen Quellen aus dem ehemaligen Ostpreußen und dem Memelland entnommen.
Obwohl das LKŽe ein weites Verbreitungsgebiet des Wortes und einen alten Sprachgebrauch aufzeigt, wäre dies noch kein Argument dafür, es in der heutigen Standardsprache zu verwenden. Die Struktur des LKŽe zeigt, dass die Auflistung der Orte, an denen das Wort belegt ist, vielmehr ein Hinweis auf seine regionale Färbung ist; außerdem findet sich in den alten Schriften unvermeidlich Fremdwortschatz. Andererseits ist die Normierung nicht das Hauptziel des LKŽe. Dieses Wörterbuch ist in erster Linie ein erklärendes wissenschaftliches Wörterbuch. Gleichwohl enthält es normierende Aspekte: Fremdwörter werden mit dem Zeichen × markiert, Lehnwörter erhalten unmittelbar nach dem Stichwort in Klammern eine Entsprechung in der Sprache, aus der das Wort entlehnt wurde. Zu kašto wird eine polnische Entsprechung angegeben, aber kein Zeichen × gesetzt; demnach wird es im LKŽe lediglich als Lehnwort eingestuft. Auch die stilistische Kennzeichnung psn. (veraltet), die in diesem Wörterbuch zur Markierung selten verwendeter Wörter dient, fehlt. Zwar steht das Zeichen × bei einigen Wörtern mit der Wurzel kašt- (kaštaunas, kaštaunus, kaštaunai, kaštaunumas ir kt.), doch werden sie offensichtlich aufgrund ihrer für das Litauische unzulässigen Wortbildungseigenschaften markiert. Das Verb kaštuoti bleibt im LKŽ wie das Grundwort ohne ein Zeichen, das den Fremdwortstatus kennzeichnet; lediglich die polnische Herkunft (von kosztować) wird angegeben. Ein solches Zeichen fehlt auch bei den Ableitungen kaštavimas, kaštytis (und įsikaštyti, išsikaštyti), kaštuodintis (įsikaštuodinti, išsikaštuodinti); das Zeichen zusammen mit der angegebenen korrekten Form kaštuoti beim Verb kaštavoti würde hingegen zeigen, dass dieses Wort wegen eines nichtlitauischen Suffixes unzulässig ist.
Kaštą muss zwangsläufig anhand des DŽ hinsichtlich seiner Aktualität im Sprachgebrauch beurteilt werden, da in dessen Einleitung angegeben wird, dass es sich auch um ein normatives Wörterbuch handelt. Seit der zweiten
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Page 5Von der Ausgabe von 1972 bis zur letzten4 werden sowohl kaštas als auch kaštuoti mit dem Verweis žr. (=siehe) versehen. Die Bedeutung dieses Verweises ist nicht ganz klar. In der Ausgabe von 1972 heißt es, er „weise den Leser von einem Wort, das nicht als Sprachfehler gilt, auf ein häufigeres, geläufigeres Wort hin“ (DŽ 1972: III), während es in neueren Ausgaben heißt, mit ihm würden „weniger gebräuchliche, dialektale, veraltete, entlehnte und ähnliche Wörter oder Wortbildungsvarianten auf in der Standardsprache häufiger verwendete Wörter verwiesen“ (DŽ 2000: XII). Demnach kann der Verweis nicht nur einen selteneren Gebrauch, sondern auch den Entlehnungsstatus eines Wortes kennzeichnen. Wenn also nur Letzterer angegeben wird, folgt daraus, dass kaštas im DŽ nicht beanstandet wird, zumal in der Einleitung steht, dass jene älteren Entlehnungen ins Wörterbuch aufgenommen werden, die sich in der Standardsprache etabliert haben oder für die sich keine eingebürgerten litauischen Entsprechungen finden (DŽ 2000: VII). Zwar enthält der DŽ auch für die Standardsprache unzulässige Fremdwörter, doch ihr Fremdwortstatus wird durch die Abkürzung ntk. und ein Gleichheitszeichen (nicht zulässig=) kenntlich gemacht. Unabhängig davon, aus welchem Grund kaštas mit dem Verweis žr. versehen wird – wegen seiner eingeschränkten Verwendung, seines dialektalen Charakters, seines Entlehnungsstatus oder aus mehreren Gründen –, gilt es in der heutigen Standardsprache vermutlich nicht als weit verbreitetes Wort.
Die Entscheidung, kaštą auf häufiger verwendete Wörter zu verweisen, könnte als Möglichkeit verstanden werden, den Sprachgebrauch selbst entscheiden zu lassen, inwieweit dieses Wort benötigt wird. Diese Wahlfreiheit wird jedoch durch ein anderes Werk zur Normierung von Entlehnungen erheblich eingeschränkt – durch das bereits erwähnte Heft KP4. Hier werden kaštai (angegeben ist nicht die Singular-, sondern die Pluralform) als zu vermeidendes Fremdwort eingestuft: svet. vngt. (KP41 2005: 64). Als zu vermeiden gelten hier solche bewerteten Erscheinungen, die nicht als Norm der Standardsprache anerkannt sind: Sie sind entweder bereits nicht normgerecht und haben keine Zukunftsperspektive mehr oder noch nicht normgerecht, unzureichend untersucht usw. (KP41 2005: 11). Offenbar gelten kaštai als bereits nicht normgerechtes Wort ohne Zukunftsperspektive; die Grundlage dieser Entscheidung ist jedoch unklar.
Im Vorwort des Werks heißt es, dass bei der Aufnahme von Entlehnungen in die Liste zwei Arten von Quellen berücksichtigt werden: frühere oder gegenwärtige schriftliche Korrekturen (die Ausgaben von KPP aus den Jahren 1976 und 1985, die von der VLKK bestätigte „Liste der groben Sprachfehler“, Korrekturen von Pranas Skardžius und Juozas Vaišnys, Online-Datenbanken für Sprachberatung u. a.) sowie der öffentliche mündliche Sprachgebrauch (KP41 2005: 5–6). Zweifel daran, dass Letzterer herangezogen wurde, weckt der Verweis fin., der darauf hinweist, dass die Entsprechung sąnaudos für Finanztexte empfohlen wird. „Die Liste der groben Sprachfehler
4 Ausgaben des DŽ: I – 1954, II – 1972, III – 1993, IV – 2000, V – 2003, VI – 2006, VII – 2012. Im Internet ist die Ausgabe von 2006 verfügbar.
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Page 6klaidų sąraše“ (LKK 1998: 127–177) nei daiktavardžio kaštai, nei veiksmažodžio kaštuoti nėra. Šie žodžiai taisyti tik 1976 m. KPP1 leidime, tikriausiai ir pasiremta juo, nes į antrąjį leidimą – KPP2, išėjusį 1985 m., žodis kaštai neįtrauktas. DŽe pratarmėje neminimas, bet jei būtų remtasi juo, nebūtų pateikiamas palyginti griežtas žodžio vertinimas. Be to, KP41 teikiamas ir kitoks nei DŽ pakaitas – sąnaudos. Tai, kad vengtina svetimybe laikomas daugiskaita pavartotas daiktavardis ir jis taisomas kaip finansų srities terminas, leistų daryti prielaidą, kad žodis vertinamas kaip leksikalizavęsis, t. y. terminijoje įgijęs kitą reikšmę.
Diese Annahme wird jedoch durch KP42 weniger plausibel. In der dort enthaltenen Liste lexikalischer Entlehnungen werden kaštai ebenfalls als zu vermeidendes Fremdwort aus dem Finanzbereich bewertet (KP42 2013: 37), doch werden drei Ersatzformen angegeben, von denen zwei – išlaidos, lėšos – mit den in den vorwiegend auf Grundlage des allgemeinen Sprachgebrauchs erstellten Wörterbüchern DŽe und LKŽe angegebenen übereinstimmen. Das wirft die Frage auf, ob bei der Bewertung des Terminus die Unterschiede zwischen den Verwendungsbereichen hinreichend berücksichtigt werden. Auch die Empfehlung dreier Ersatzformen ist eher für den allgemeinen Sprachgebrauch als für die Terminologie charakteristisch. In der Frage der terminologischen Synonymie gibt es unterschiedliche Auffassungen, doch wird sie gewöhnlich als Merkmal einer noch im Anfangsstadium befindlichen Terminologieentwicklung betrachtet (Zemlevičiūtė 2001; Umbrasas 2004; Stunžinas 2005; Rimkutė 2007). Werden drei Wörter als unterschiedliche Ersatzformen empfohlen, deutet dies ebenfalls auf eine Problematik der Bewertung (oder der bewerteten Erscheinung) hin – wahrscheinlich wird die Bedeutung des zu korrigierenden Wortes nicht angemessen wiedergegeben.
Eine Übersicht über die kodifizierte Norm würde zeigen, dass diese Norm recht uneinheitlich und unklar ist: Im LKŽe gilt das Wort als Entlehnung, wahrscheinlich auch als Dialektwort, wird aber nicht korrigiert; in KP41 und KP4 gilt es als Fremdwort und wird korrigiert. Als was kaštas im DŽe gilt, lässt sich anhand des angegebenen Verweises žr. schwer feststellen; offensichtlich wird ihm jedoch nicht der Status eines unzulässigen Fremdworts zugewiesen. Ein weiterer Widerspruch der Norm besteht darin, dass KP41 und KP42 den Terminus als zu vermeidendes Fremdwort einstufen, während in keinem der Wörterbücher eine Kennzeichnung zu finden ist, die den Terminusstatus des Substantivs kaštas anzeigt. Da seine Zulässigkeit für den allgemeinen Gebrauch der Standardsprache in diesen Werken grundsätzlich nicht bestritten wird, ist es wenig wahrscheinlich, dass ein Wort, das verwendet werden kann, als in einem Fachgebiet zu vermeidender Terminus gelten könnte. Dass die Wörterbücher keine Kennzeichnung für den Terminusstatus enthalten, bedeutet allerdings nicht, dass kaštas dort nicht als Terminus gilt. Dies soll im Folgenden untersucht werden; sollte sich jedoch herausstellen, dass zwischen Substantiv und Terminus nicht unterschieden wird, bleibt der Normwiderspruch bestehen: In KP41 und KP42 wird dieser Terminus wesentlich strenger bewertet.
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Page 7ENTSPRECHUNGEN UND BEDEUTUNGEN IN ALLGEMEINEN WÖRTERBÜCHERN
LKŽ und DŽ sind keine terminologischen Wörterbücher, doch nehmen sie auch Wörter aus Fachgebieten auf. So werden im LKŽ zwar die Dialekte als Hauptquelle des Wortschatzes bezeichnet, eine weitere wichtige Quelle sind jedoch schriftliche Quellen vom ersten litauischen Buch bis in die Gegenwart. Im LKŽe wird angegeben, dass der Wortschatz für das Wörterbuch nicht nur aus bedeutenden Texten der Belletristik, des Journalismus und anderer Bereiche, sondern auch aus wissenschaftlicher Literatur gesammelt wurde; außerdem wurden alle wichtigeren gedruckten und handschriftlichen Wörterbücher herangezogen. Als eine der Wortschatzquellen des DŽ werden wissenschaftliche Termini genannt, die in populärwissenschaftlicher Literatur, in der Presse und in Lehrbüchern allgemeinbildender Schulen vorkommen (DŽ 2000: VII). Besonders die wissenschaftliche Terminologie sollte im DŽe berücksichtigt worden sein, denn hier wurden „sowohl bei der Auswahl der ins Wörterbuch aufzunehmenden Wörter als auch bei deren Erläuterung sämtliche litauischen erklärenden Wörterbücher des 20. und des frühen 21. Jahrhunderts sowie litauische Enzyklopädien herangezogen. Wichtige Quellen für die Suche und Auswahl von Wörtern waren litauische Terminologiewörterbücher sowie einige zweisprachige allgemeine Wörterbücher. Bei der Erstellung des Wörterbuchs stützte man sich auf wissenschaftliche Arbeiten zur litauischen Sprache und auf sprachpraktische Publikationen <...>. Zur Erklärung bestimmter Termini und anderer Wörter wurden, wo nötig, erklärende Wörterbücher und Enzyklopädien anderer Sprachen herangezogen.“
Diese Beschreibung der Wortauswahl lässt natürlich nicht erkennen, ob bei der Aufnahme des Substantivs kaštas in die Wörterbücher der allgemeine Sprachgebrauch oder die Terminologie maßgeblich war. Das lässt sich jedoch anhand der angeführten Beispiele, der Bedeutungserläuterungen und schließlich der Struktur der Wörterbücher herausfinden.
Dass im LKŽe bei dem Wort kaštas litauische Kleinstädte und Dörfer genannt werden, würde darauf hindeuten, dass die Hauptquelle die alte Volkssprache ist, in der das Wort nicht als Fachterminus verwendet worden sein kann. Dass es dies tatsächlich nicht war, zeigen die Beispiele: Ohne Kosten kannst du nichts machen (Tauragnai); Auf seine Kosten wird er fahren (Daukšiai); Er hatte viele Kosten (Bagotoji); Diese Arbeit ist großer Kosten wert (Alytus); Ich habe keine Mittel – woraus soll ich es machen? (Geistarai); Seine Kosten gingen verloren, nur die Summe erhielt er (Geistarai); Ich gab die größten Kosten aus, damit ich mir eine Kuh anschaffen konnte (Veiviržėnai); Nur Kosten und Kosten (Alsėdžiai); Ohne Kosten gibt es keine Schrift (Rietavas); Wie viele Kosten habe ich für dich aufgewendet (Kuktiškės). Eine Verwendung ähnlich der gesprochenen Sprache zeigt sich auch in der Schriftsprache – in einem Beispiel aus den Schriften von S. Daukantas (Die Kosten waren hoch), sowie in weniger bekannter Literatur aus dem ehemaligen Ostpreußen und dem Memelland (Sie gaben auf eigene Kosten drei Büchlein heraus).
Wie bereits erörtert, wird e kaštas im LKŽ hinsichtlich der Norm nicht negativ bewertet; es werden lediglich Entsprechungen angegeben, die auch als Bedeutungserläuterung verstanden werden können.
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Page 8Kaštas wird als Ausgaben, Mittel erklärt; der Unterschied zwischen Ausgaben und Mitteln wird beschrieben, indem Mittel als finanzielle Ressourcen, Geld und Kredite definiert werden, Ausgaben dagegen als ausgegebenes Geld, Mittel. Ein solches Verhältnis zwischen den Wörtern wird auch im DŽ festgestellt. Die Wörter Ausgaben und Mittel werden im DŽ ebenfalls gleich definiert; wie erwähnt, wird kaštas seit 1972 auf sie verwiesen. Da der Verweis siehe in diesem Wörterbuch ein selteneres, weniger gebräuchliches Wort kennzeichnet, ergibt sich, dass 1972 entschieden wurde, das Substantiv kaštas ziehe sich aus dem Gebrauch zurück und könne durch Ausgaben und Mittel ersetzt werden.
Ohne Untersuchungen zur Herkunft könnte man allein aus diesen Wörterbüchern die Annahme ableiten, dass beide Entsprechungen später als kaštą entstanden oder sich zumindest verbreitet haben. Im LKŽe werden Belege zur Veranschaulichung des Substantivs lėšos erst ab den Schriften von Jonas Jablonskis angeführt (Jo lėšos tiek neišneša; Jis lėšose gyvena – daug visko turi). Außerdem wird das DŽe genannt (Pragyvenimo lėšos; Apyvartos lėšos); die Abkürzung (sowj.) sp. beim Satz Liaudies valdžia skiria didžiules lėšas darbo žmonių sveikatai apsaugoti, jiems šviesti, kultūrai vystyti, die darauf hinweist, dass es sich um ein Wort aus der Presse handelt, das sowjetische Realitäten widerspiegelt, ließe vermuten, dass es in der Sowjetzeit beliebt war. Für den Volksmund wird lediglich ein Beispiel aus Léno im Kreis Ukmergė angeführt (Ne jų lėšom sūnus išmokyt), doch auch dieses könnte aus einem späteren Sprachgebrauch stammen. Der Satz zur Veranschaulichung von Išlaidas Šalies pramonės pelno augimas leis padidinti išlaidas kapitalinei statybai (sp.) sowie die im DŽe angeführten Beispiele und der Hinweis, dass die Bedeutung des Wortes derjenigen von pajamoms (Mieste daug išlaidų turėjau; Išlaidų derinimas su pajamomis) entgegengesetzt ist, würden zu der Annahme verleiten, dass auch išlaidos später als kaštas populär geworden ist5. Solche Beispiele repräsentieren den offiziellen Sachstil viel stärker als diejenigen, die kaštą veranschaulichen; die Wortverbindungen pragyvenimo lėšos, apyvartos lėšos sind Fachbegriffe. Da das DŽ kaštas auf Wörter verweist, die mit solchen Sätzen veranschaulicht werden, während das LKŽ kaštas durch sie erklärt, lässt sich annehmen, dass in den Wörterbüchern kein Unterschied zwischen kašto als Wort des allgemeinen Sprachgebrauchs und kaštų als Fachbegriff gemacht wird.
Obwohl kaštas in den Wörterbüchern nur mit išlaidomis, lėšomis in Verbindung gebracht wird, zeigen die im LKŽe angeführten Beispiele keine solche Bedeutungsübereinstimmung. Generell ist es schwierig, aus ihnen die Bedeutung zu ermitteln, zumal in den Sätzen fast keine Wörter vorkommen, die dabei helfen könnten. In den Beispielen Tas vienas kaštas būtų, Jis turėjo daug kašto, Vien kaštai ir kaštai, Kaštas buvo didis lässt sich das verwendete Substantiv sowohl mit Ausgaben als auch mit einem gewissen Verlust in Verbindung bringen, der nicht unbedingt finanzieller Art sein muss. Vielleicht ist es etwas offensichtlicher—
5 Verlässlichere Schlussfolgerungen über das Entstehen und die Durchsetzung der Wörter išlaidos und lėšos ließen sich natürlich nur durch eine Untersuchung des älteren Sprachgebrauchs ziehen; dieser ist jedoch nicht Gegenstand des vorliegenden Artikels.
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Page 9ein engerer Zusammenhang mit den ausgegebenen Mitteln besteht nur in den Sätzen Titis hatte bei der Hochzeit seiner Tochter große Kosten, Sie gaben auf eigene Kosten drei Büchlein heraus. Mit Kosten ist das Verb kosten morphologisch verbunden; tatsächlich würde es darauf hindeuten, dass ein Bezug zu Geld auch fehlen kann. In den vom LKŽe angeführten Beispielen Jedes Rädchen kostet Geld (Žemaitė), Diese Mütze kostet zwei Rubel (J. Jablonskis), Es kostet viel Geld, die Hochzeit auszurichten (Leipalingis), Ein solches Fest kostet wohl tausend Goldstücke (Jurkšaitis) ist dieser Bezug offensichtlich, doch wird er nicht durch das Verb, sondern durch abhängige Wörter mit objektiver oder adverbialer Bedeutung gekennzeichnet: kostet Geld, kostet viel Geld, kostet zwei Rubel, kostet tausend Goldstücke. In den Beispielen Diese Zügel und der Sattel haben ihn ein gutes Pferd gekostet (A. Vienuolis), Das hat mich viel Geld, viel Arbeit gekostet (Kursaitis) zeigen die abhängigen Satzglieder (ein Pferd gekostet, viel Arbeit gekostet), dass kein Bezug zu einem Geldbetrag besteht. Wird dies nicht durch abhängige Satzglieder markiert, bringt das Verb allein einen solchen Bezug nicht zum Ausdruck, z. B.: Ach, Mädchen, Lilienblume, was kostet der Lavendel? (Rudamina); Und was hat der grüne Kranz gekostet? (aus V. Kalvaitis’ gesammelten Liedern der Preußischen Litauer). Demnach wird die Eigenschaft durch das Verb nicht auf der Grundlage eines Geldbetrags beschrieben. Dies bestätigen auch die angegebenen Entsprechungen kosten und zu stehen kommen. Die Entsprechung kosten ist mit Geld verknüpft; auch das LKŽe weist darauf hin, dass seine Hauptbedeutung „einen Geldwert haben“ lautet. Die andere Entsprechung, zu stehen kommen, muss hingegen nicht mit Geld verbunden sein. In den Sätzen Teure Kleidung zu kaufen kommt billiger, wenn sie billig ist (Kairiai), Einen Esel zu halten kommt ziemlich billig (J. Balvočius–Gerutis) lässt sich ein solcher Zusammenhang erkennen, doch wird auch er durch abhängige Satzglieder angezeigt. Im Satz Es kostete ihn viel Gesundheit (K. Boruta) zeigt ein solches Satzglied dagegen, dass ein Geldbezug fehlt.
Somit lassen sich die Bedeutungen der Verben kosten und zu stehen kommen auf monetärer Grundlage unterscheiden, doch sehen die Wörterbücher für das Wort Kosten diese Möglichkeit nicht vor – seine Bedeutung wird ausschließlich mit Ausgaben, Mitteln, mit anderen Worten mit Geld, verknüpft. Die weitere Analyse der Wortbildungsbeziehungen lässt jedoch grundsätzlich daran zweifeln, ob die Wortbildungsbeziehung zwischen den Wörtern Kosten und kosten durch die Bedeutungsbeschreibungen angemessen wiedergegeben wird. Denn die angeführte Entsprechung für kosten – kosten – verbindet es mit Preis; zwischen diesen Wörtern sollten also auch semantische Beziehungen bestehen. Tatsächlich wird in beiden Wörterbüchern kosten als „einen Geldwert haben“ und Preis als „Wert in Geld“ definiert. Wenn die Entsprechung von kosten kosten lautet, müsste auch Kosten mit Preis verbunden sein; da der Preis ein Geldwert ist, wahrscheinlich auch mit dem Wert. Eine der im LKŽe angegebenen Bedeutungen von Wert – „Menge von etwas, gegen die ein Gegenstand gegen einen anderen getauscht wird“ – würde bedeuten, dass die Substantive Preis und Wert,
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Page 10Wie auch die Verben kainuoti und atsieiti differenzieren sie das Objekt auf monetärer Grundlage – der Wert unterscheidet sich vom Preis dadurch, dass er nicht in Geld ausgedrückt ist. Doch wenn die Bedeutung auf diese Weise erklärt wird, wird zusätzlich „Preis, Kaufkraft (des Geldes)“ angeführt, was bereits darauf hindeutet, dass die Bedeutungen gleichgesetzt werden können. Dies würde auch durch die Erklärung einer der Bedeutungen von vertės im DŽe bestätigt: „monetärer Ausdruck eines Gegenstands, Preis“. Unter Berücksichtigung des derivationellen Zusammenhangs zwischen kaštuoti und kašto lässt sich annehmen, dass kaštas die Bedeutungen der Wörter kaina, vertė haben kann.
Tatsächlich wurden Verbindungen mit verte bereits vermutet, allerdings erst nach Erscheinen des LKŽ-Bandes (1959), in den kaštas aufgenommen worden war. Pranas Skardžius vertrat 1962 in Gimtojoje kalboje bei der Erörterung des Substantivs mitas, das im polnisch-lateinisch-litauischen Wörterbuch von Konstantinas Sirvydas Dictionarium trium linguarum neben koszt verwendet wurde, dass kaštas vor allem aus dem Polnischen koszt entlehnt sei, das seinerseits über das tschechische košt aus dem deutschen Kosten stamme (Skardžius 1998: 292). Zugleich heißt es, die Deutschen hätten ihr Kosten „Ausgaben, Kosten“ über die romanischen Sprachen aus dem Lateinischen costus (costa) „Ausgaben, Kosten“ übernommen; genannt werden sowohl das althochdeutsche Wort kosta als auch das mittelhochdeutsche koste, kost „Ausgaben, Preis, Wert“. Erwähnt wird hier auch das Wörterbuch von Viktoras Gailius, in dem das deutsche Anschaffungskosten mit įsigijimo išlaidomis übersetzt wird, Auslage mit kaštu und Kosten mit išlaidomis, iškaščiais, kaštais, was ebenfalls darauf hindeuten würde, dass kaštas nicht ausschließlich mit Ausgaben gleichgesetzt wurde.
Nachdem auch im LKŽe Verbindungen von kaštas mit kaina, verte erkannt wurden, stellt sich die Frage, warum dieses Wort in beiden Wörterbüchern und später auch im KP4 mit išlaidos, lėšos verbunden wird. Schließlich stehen išlaidas derivationell mit išleisti in Verbindung. Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage hilft ebenfalls die Analyse der Ableitungen. Einige Wörter mit dem Stamm kašt- werden im LKŽ direkt mit Ausgaben verknüpft. So wird beim Verb kaštuotis die Bedeutung „Ausgaben verursachen“ angegeben; die angeführten Beispiele Kvailas daiktas te[p] kaštuotis dėl mirusio (Skirsnemunė), Todėl tėvai daug dėl to kaštuovos (K. Donelaitis) würden darauf hindeuten, dass es sich eher mit der Ableitung des Wortes išlaidos, išlaidauti, beschreiben ließe. Die Bedeutung des präfigierten Verbs įsikaštuoti (Nepirk, tik be reikalo įsikaštuosi (Vilkaviškis); Jis gerokai įsikaštavo (Skirsnemunė)) wird als „sich Ausgaben einhandeln“ angegeben; išsikaštuoti bedeutet „Ausgaben haben“ (Su tais svečiais kiek anas išsikaštāvo (Kuktiškės); Kiek išsikaštāvo! (Rumšiškės); Tiek an jo tėvai išsikaštavo (Seinai)); kaštuodintis bedeutet „Ausgaben verursachen, kaštuotis“ (Jis, šitą česnį keldams, daug kaštuodinos (Kuršaitis); Vienok gal nenorėsi kaštuodinties?! („Aušra“); Kiti taip daug nenorėjo kaštuodytis (K. Donelaitis)); kaštytis bedeutet „Ausgaben, Kosten verursachen, kaštuotis“ (Be reikalo, Petrai, kaštijys (Žygaičiai); Nekaštykis daug ant iškilmės sodvos, t. y. neišleisk
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Page 11daug pinigų ir zoposto valgių (A. Juškos žodynas))6. Wie man sieht, haben nur reflexive Verben eine mit Ausgaben verbundene Bedeutung. Daraus folgt, dass der LKŽe semantische Beziehungen nur zwischen dem Wort kaštas und reflexiven Verben verzeichnet hat, während die Bedeutung von kaštas als Grundwort von kaštuoti unerwähnt blieb. Möglicherweise wurde kaštas im älteren Sprachgebrauch, das heißt in den Dialekten und älteren Schriften, nur in der im LKŽe angegebenen Bedeutung verwendet. Anhand der im Wörterbuch angeführten Beispiele lässt sich diese Bedeutung nur schwer bestimmen. Das nichtreflexive Verb kaštuoti steht jedoch offensichtlich ebenfalls in einem Ableitungsverhältnis zu kaštu, sodass kaštas auch mit ihm semantische Beziehungen haben sollte.
Kosten lassen sich mit den in Wörterbüchern nicht aufgeführten Entsprechungen Preis, Wert verbinden; daraus lässt sich weiter die Annahme ableiten, dass dieses Wort mehrdeutig sein könnte, da sowohl der Preis als auch der Wert mehrere Bedeutungen haben. Neben der direkten Bedeutung, die als Geldwert bestimmt ist, wird in DŽe für Preis auch eine übertragene Bedeutung angegeben: „Verlust, Einbuße bei der Verfolgung eines Ziels“ (Der Feind musste um jeden Preis aufgehalten werden). Im LKŽe wird es als „Wert des Verlusts; Ausgaben, die entstehen, wenn man beharrlich etwas anstrebt“ beschrieben und durch Beispiele aus Übersetzungen und sonstigen Schriften veranschaulicht: Der Feind muss um jeden Preis aufgehalten werden! Die Kriegserfolge wurden nur um den Preis großer Verluste erzielt. Im LKŽe wird außerdem die Bedeutung von Preis als „Nutzen, Gewinn“ angegeben. Auch für das Substantiv Wert werden in Wörterbüchern mehrere Bedeutungen angeführt, darunter eine, die für den Wirtschaftsbereich charakteristisch ist. In DŽe wird sie als „Wirtsch. Güte, Kostbarkeit eines Gegenstands“, im LKŽe als „Wirtsch. Eigenschaft eines Gegenstands, die ihn nützlich macht; Nützlichkeit, Brauchbarkeit, Güte“7 bezeichnet.
Für den allgemeinen Gebrauch der Standardsprache und ihre ungezwungenen Stile ist Mehrdeutigkeit akzeptabel, ebenso Synonymie. Wenn kaštas durch die Wörter kaina oder vertė, vielleicht auch lėšos, išlaidos, wiedergegeben werden kann, das Verb kaštuoti durch kainuoti, atsieiti, die reflexiven Verben kaštytis, kaštuotis durch prisidaryti išlaidų oder išsileisti, išlaidauti, kommt der allgemeine Sprachgebrauch möglicherweise auch ohne Wörter mit dem Stamm kašt- aus. Wenn das vom Zentrum für Computerlinguistik der Vytautas-Magnus-Universität bereitgestellte Korpus der litauischen Gegenwartssprache den allgemeinen Sprachgebrauch hinreichend abbildet, lässt sich sagen, dass das Substantiv kaštas im Singular nahezu gar nicht verwendet wird. Im gesprochenen Sprachgebrauch ist der Plural nicht belegt, in der Belletristik nur selten; in Sachliteratur und Publizistik finden sich jedoch Belege: So kommt der Nominativ in den Sachliteraturquellen mit insgesamt 397 377 Wörtern 738-mal vor, unter den 763 798 Wörtern publizistischer Texte 402-mal,
6 Übrigens ist das Verb kaštytis im LKŽe mit dem Vermerk sl. versehen, der darauf hinweist, dass es sich um eine Entlehnung aus einer slawischen Sprache handelt; aus welcher, ist jedoch nicht festgestellt.
7 Ferner gibt das LKŽe „Menge, Fassungsvermögen, Volumen“ sowie Bedeutungen an, in denen vertė als Terminus der Physik (fiz. „Zahlenausdruck“) oder der Linguistik (lingv. „Bedeutsamkeit“) verwendet wird.
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Page 12Der Genitiv – entsprechend 582 (360 525 Wörter) und 549 (775 994 Wörter); auch die Häufigkeit der Verwendung anderer Kasus ist ähnlich (VDU 2013). Die häufigere Verwendung in Sachliteratur und Publizistik sowie der Plural würden darauf hindeuten, dass es sich bei der Mehrheit der Belege um Termini handeln könnte. Das Verb kaštuoja kommt in Verwaltungsliteratur mit 19 496 Wörtern nur einmal vor (kaštavo ist nicht belegt), in Sachliteratur mit 92 134 Wörtern dreimal (kaštavo ist nicht belegt); in der gesprochenen Sprache ist es überhaupt nicht belegt (kaštavo kommt unter 962 Wörtern nur einmal vor). Dass die Häufigkeit der Verwendung der Ableitung und des Grundworts nicht übereinstimmt, würde ebenfalls bestätigen, dass das Grundwort nur als Terminus relevant ist. Der allgemeine Sprachgebrauch müsste jedoch gesondert untersucht werden, da die Publizistik 63,8 Prozent, die gesprochene Sprache aber nur 0,3 Prozent des gesamten Korpusmaterials ausmacht.
Ein weitaus schwierigeres Problem stellen Synonymie und Mehrdeutigkeit in besonderen Anwendungsbereichen der Standardsprache dar – im wissenschaftlichen und im Verwaltungsstil. Dort erfüllen viele Wörter die Funktion von Termini und müssen daher mit einer klar definierten Bedeutung verwendet werden. Die Möglichkeit, Synonyme zu verwenden, sollte also kein Ausweg für die Terminologie sein; ebenso wenig kann es eine Lösung sein, Wörtern mehrere Bedeutungen zuzuschreiben, išlaidos, lėšos, die, wie ersichtlich, keine adäquaten Entsprechungen für die Bedeutung von kašto sind. Im KP4 kam sąnaudos hinzu. Im LKŽe wird dieses Wort als für irgendeinen Zweck verbrauchte finanzielle Mittel, Arbeitskraft, Materialien usw. erklärt und mit Beispielen aus der Presse (Darbo sąnaudos net kelis kartus sumažėjo, o kiek sutaupyta laiko! Darbo laiko sąnaudos) sowie aus 1971 erschienenen Fachwörterbüchern (Materialinės sąnaudos, Pašarų sąnaudos) veranschaulicht. Die 1962 in Gimtojoje kalboje veröffentlichte Antwort von P. Skardžius auf die Frage, ob die in Litauen verwendeten Neubildungen prievaisa und sąnauda geeignet seien, ließe darauf schließen, dass dieses Wort im Litauischen unter dem Einfluss der russischen Terminologie entstanden ist. Es heißt, dass mit dem aus sunaudoti gebildeten Wort sąnauda, das seinerseits von naudo abstammt (daher sollte die Bedeutung von sąnaudos „Verbrauch, das Verbrauchte, d. h. in Nutzen Verwandelte“ sein), das russische Wort zatrata übersetzt wird, das neben zatratit’. verwendet wird. Die Bedeutung des Verbs lautet „(Geld) ausgeben, wobei bestimmte Ergebnisse erwartet werden“, übertragen: „Arbeit und Mühe aufwenden, wobei bestimmte Ergebnisse erwartet werden, izraschodovat’, upotrebít’ trud, usilija.“ Laut P. Skardžius könnte durch die Übersetzung der letztgenannten Bedeutung mit sunaudoti auch sąnauda entstanden sein (Skardžius 1998: 450).
Dennoch zeigt das KP4, dass sąnaudos nicht ausreicht, um die Bedeutung des Lehnworts kaštai wiederzugeben; außerdem werden lėšos, išlaidos genannt. Welche Bedeutung kaštų als Terminus hat und wie sie sich zu den angegebenen Entsprechungen verhält, ließe sich durch eine Analyse der Terminologiewörterbücher besser erschließen.
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Page 13DIE ENTWICKLUNG DES TERMINUS UND SEINE BEDEUTUNG IN WIRTSCHAFTSWÖRTERBÜCHERN
Der Terminus kaštai wird schon seit Langem in Wirtschaftswörterbücher aufgenommen. Im 1966 erschienenen Rusiškai lietuviškame ekonomikos terminų žodyne (im Folgenden RLŽ) wird dem russischen издержки die Entsprechung kaštai zugeordnet; außerdem werden 24 zusammengesetzte Termini aufgeführt: kariniai k., degresyviniai k., papildomieji k., priklausomieji k., nepriklausomieji k., tiesioginiai k., netiesioginiai k., produktyvieji k., neproduktyvieji k., cirkuliacijos k., bendrieji k., prekių laikymo, papildomo apdorojimo, pervežimo, įpakavimo k., gamybos k., visuomeniniai gamybos k., kapitalistiniai gamybos k., prekybos k., transporto k., grynieji k. usw. (RLŽ 1966: 64). Išlaidomis wird in diesem Wörterbuch konsequent das russische расходы wiedergegeben; Termini, die dieses Wort enthalten, sind mit 100 Einträgen vertreten (RLŽ 1966: 187–189). Es zeigt sich, dass die mit išlaidomis gebildeten Termini konkretere Unterbegriffe bezeichnen (i. naujoms produkcijos rūšims paruošti ir įsisavinti, i. naujai technikai sukurti ir įdiegti, gatavos produkcijos realizavimo i., įrengimų laikymo ir eksploatavimo i., gamybos aptarnavimo ir valdymo i., sandėliavimo i., muitų i., paruošų i., pašto ir telegrafo i., kasos i., komunalinės i., darbo i., kelionės i., reklamos i., prekių i., organizacinės i. usw.), es aber auch solche mit stärker verallgemeinernder Bedeutung gibt (būsimosios i., faktinės i., nepaprastos i., laikinos i., pastovios i., kintamosios i., proporcingos i., neproporcingos i., apyvartinės i. usw.). Auch eine gewisse Redundanz wird deutlich: Es werden nicht nur neproduktyvūs k., produktyvūs k., sondern auch neproduktyvios i., produktyvios i. aufgeführt; solche Doppelungen finden sich bei karinės i., degresyvinės i., netiesioginės i., tiesioginės i., bendrosios i., prekybos i., transporto i., gamybos i.. Mit diesen Bestimmungswörtern werden auch einige Termini aufgeführt, deren Grundwort sąnaudos lautet (russ. затраты): netiesioginės s., tiesioginės s., produktyvios s., neproduktyvios s., darbo s., faktinės s., s. gamybai, laikinos s. (RLŽ 1966: 60–61).
Da das RLŽ kein erklärendes Wörterbuch ist, lassen sich aus ihm keine Bedeutungen bestimmen. Es lässt sich lediglich vermuten, dass der Terminus kaštai schon lange verwendet wurde, dass in der Wirtschaftsterminologie der Sowjetzeit išlaidos verbreitet waren, sąnaudos sich erst herausbildeten oder weniger gebräuchlich waren und dass das russische Wort издержки keine lautliche Ähnlichkeit mit dem Wort kaštas aufweist. In der russischen Terminologie, die die litauische Terminologie jener Zeit zweifellos beeinflusst haben muss, wurden издержки, расходы ir затраты verwendet; das Lehnwort aus dem Polnischen (koszt) hatte diese Terminologie jedoch nicht übernommen.
Als das RLŽ herausgegeben wurde, gab es keine normierenden Arbeiten, in denen kaštai strikt korrigiert worden wären. 1935 hieß es in Gimtojoje kalboje als Fremd-
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Page 14mybė įvardytas tik veiksmažodis kaštuoti (Skardžius 1998: 42–43). 1962 m. P. Skardžius teigė, kad mitas to meto žmonių kalboje visiškai nežinomas ir jau nuo pradžios neturėjo didesnio pasisekimo kaip terminas, vietoj jo vartotas kaštas. Kartu atkreiptas dėmesys, kad vietoj kaštuoti vartojami savi pakaitai apsieiti, atsieiti, mokėti, bet kaštui neturima vieno pakaito, tinkančio visais atvejais, tik tam tikrais atvejais tinka lėšos, išlaidos. Taigi, primygtinai nebuvo siūlyta kaštą keisti (Skardžius 1998: 293).
Außerdem war das RLŽ von der Terminologiekommission des Instituts für Litauische Sprache und Literatur der damaligen LTSR-MA überprüft worden; die Terminologen hatten kaštams also zugestimmt. Dieses Wörterbuch war lange Zeit das einzige Handbuch für Wirtschaftswissenschaftler und Redakteure und beeinflusste daher den Sprachgebrauch nachhaltig. Zwischen dem Erscheinen des RKŽ und dem des KPP1, in dem kaštas als im Standardlitauischen nicht zu verwendender Fremdwortgebrauch eingestuft wurde (KPP1 1976: 122), lag ein ganzes Jahrzehnt. Auch nach dem Erscheinen des KPP1 wurde dieses Wörterbuch benutzt, zumal kaštas nicht in das KPP2 aufgenommen worden war. Erst fast 30 Jahre nach dem Erscheinen des RLŽ – 1995, in Heft 6 der Gimtoji kalba – wurde dazu aufgefordert, das Lehnwort nicht zu verwenden. Dort hieß es, dass kaštuoti in der damaligen Sprache kaum gebraucht werde; deshalb müsse auch das Substantiv kaštas nicht bewahrt werden, zumal es dafür Ersatz gebe (Pupkis 1995). Als Ersatz für die allgemeinste Bedeutung wurden Išlaidos angeführt; außerdem wurden lėšos ir sąnaudos genannt. Ergänzend wurde darauf hingewiesen, dass kaštas in der Presse bisweilen auch in selteneren Bedeutungen wie „Wert“ oder „Preis“ verwendet werde. Die lange Gebrauchstradition war einer der Gründe dafür, dass der Vorschlag, das Wort zu ersetzen, auf Widerspruch stieß. In Heft 10 derselben Zeitschrift erschien im selben Jahr ein Leserbrief, in dem es hieß, kaštai sei ein Wirtschaftsterminus mit langer Gebrauchstradition, der in der Sowjetzeit lediglich in Vergessenheit geraten sei; zudem wurde das Wort als international bezeichnet. Unter Berufung auf wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten jener Zeit – das VDU-Lehrbuch Mikroekonomika und zwei 1994 erschienene Wörterbücher – wurde behauptet, dass sich der Begriff kaštai seinerseits in spezielle Teilbereiche gliedere und die genannten Synonyme zu allgemein seien (Banaitis 1995: 26).
kaštai wurden tatsächlich in die damals erscheinenden Wirtschaftswörterbücher aufgenommen, was darauf hindeuten würde, dass die Relevanz des Terminus zunahm. Diese Wörterbücher erschienen während des Wandels des Wirtschaftssystems, als sich die bis dahin in Litauen entwickelte Wirtschaftswissenschaft nach Westen orientierte und somit zahlreiche neue Begriffe entstanden. Die alten mussten aus dem Sprachgebrauch verdrängt oder neu gruppiert werden. Die Tatsache, dass die Zahl der mit kaštais gebildeten Termini zunahm, würde darauf hindeuten, dass sie auch von der neuen Wirtschaftstheorie und ihrem terminologischen Gefüge gestützt wurden.
Das 1991 erschienene Šiuolaikinių ekonomikos terminų enciklopedinis žodynas lietuvių, anglų, vokiečių, rusų kalbomis (im Folgenden ŠET) ist wohl das erste, das …
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Page 15… stellte den Kontakt der litauischen Terminologie im Wirtschaftsbereich mit der weltweiten Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft her. Wie im „Vorwort“ geschrieben steht, wurde die Mehrheit der Termini „aus der englischsprachigen Wirtschaftsliteratur übernommen, die seit langem den größten Teil der Neubildungen liefert“ (ŠET 1991: 9). Das Wörterbuch selbst ist viersprachig, folglich mussten die Termini zwangsläufig auch mit deutschen und russischen Entsprechungen verglichen werden; so konnte sich herausstellen, dass das Wort kaštai phonetisch sehr ähnlich nicht nur dem polnischen koszt, sondern auch dem englischen cost und dem deutschen Kosten ist. Eine solche Ähnlichkeit konnte insbesondere von Nichtlinguisten als Merkmal eines Internationalismus aufgefasst werden; außerdem ist die Verwendung eines Terminus in vielen Sprachen ein Faktor, der ihn erheblich stützt. ŠET führt eine ganze Gruppe theoretischer wirtschaftlicher Begriffe an, die im RLŽ nicht vorkamen; alle englischen Entsprechungen der Termini, zu denen kaštai gehört, enthalten das Element cost, die deutschen Kosten: kaštų–rezultatų analizė (engl. cost–benefit analysis, dt. Kosten-Nutzen-Analyse), kaštų defliacija (engl. cost-pull deflation, dt. Kosten deflation), kaštų infliacija (engl. cost-push inflation, dt. Kosten inflation), kaštų funkcija (engl. cost function, dt. Kosten funktion), kaštų kontrolė (engl. cost control, dt. Kosten kontrolle), kaštų neefektyvumas (engl. cost inefficiency, dt. Ineffektivität der Kosten) usw. Beim Übersetzen der Wörterbücher musste sich auch zeigen, dass in solchen zusammengesetzten Termini, in denen kaštai, išlaidos und sąnaudos variierten, im Englischen nur cost verwendet wird. Wahrscheinlich führte dieses System ebenfalls dazu, dass sich der Bedeutungsumfang des litauischen Terminus kaštai erweiterte und der von išlaidos verengte. Die Definition in ŠET (1991: 90) zeigt, dass Ausgaben lediglich Geldmittel sind, die für den Kauf von (Waren, Dienstleistungen), für Steuerzahlungen usw. ausgegeben werden.
Auch ein weiteres lexikografisches Werk aus der Übergangszeit der Wirtschaft, das 1994 erschienene Biznio, bankų, biržos terminų žodynas (im Folgenden BBB), dürfte darauf hindeuten, dass Kaštų als Terminus an Popularität gewann. Auch dieses Werk wurde von Terminologen begutachtet – die Termini überprüfte Kazimieras Gaivenis. Der im RLŽ aufgeführte Terminus eksploatacinės išlaidos wird hier bereits als eksploatacijos/naudojimo kaštai (operating/running costs) angegeben, normatyvinės i. als normatyviniai k. (standard c.), pastovios i. als pastovieji k. (fixed c.), kintamosios i. als kintamieji k. (variable c.); von den im RLŽ doppelt aufgeführten Termini gamybos kaštai, gamybos išlaidos ir sąnaudos gamybai blieb nur gamybos kaštai übrig, von den Termini bendrieji kaštai und bendrosios išlaidos nur bendrieji kaštai (total c.), von faktinės išlaidos und faktinės sąnaudos nur faktiniai kaštai (real c.), von cirkuliacijos kaštai und cirkuliacijos išlaidos nur cirkuliacijos kaštai usw. (BBB 1994: 105–107). Die Zahl der Termini, deren Grundwort išlaidos ist, verringerte sich gegenüber dem RLŽ um die Hälfte auf 48, wobei auch verbale Fügungen mit diesem Wort mitgezählt wurden. BBB
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Page 16zeigt eine solche Gruppierung der Terminologie: Für Termini mit dem Element cost werden überwiegend Entsprechungen mit dem Terminus kaštai gewählt; die englische Entsprechung von išlaidų lautet hingegen meist expenses (administracinės i. – office e., iš anksto apmokėtos i. – prepaid e., kanceliarinės i. – office e., komandiruotės i. – travelling e. und weitere), gelegentlich auch charges (grįžtamosios i. – back c., pervedimo i. – remittance c. und weitere), spending (visuminės i. – agregate s., deficitinės i. – deficit s.) und expenditures (nebalansinės biudžeto i. – e. below line). Für Termini mit sąnaudos gibt es nur vier Belege: iš anksto apmokėtosios s. (prepaid expenses), kapitalo s. (capital expenditures), laiko s. (time costs) und s. padengimas (cost recovery); das Wort sąnaudos selbst wird mit input und expenditure(s). verknüpft.
Im im selben Jahr erschienenen Ekonomikos terminų žodyne, in der ersten Übersetzung (im Folgenden ETŽ1), kommt sąnaudų überhaupt nicht vor; zugleich ist es das erste Wörterbuch, in dem auch kaštų vollständig fehlt. Fast alle englischen Termini mit cost werden hier mit litauischen Termini übersetzt, die eine Entsprechung mit išlaidos enthalten. So wird bendrieji k. (total c.) zu bendrosiomis i., ribiniai k. (marginal c.) zu ribinėmis i., gamybos k. (production c., factor c.) zu gamybos i., kaštai (costs) zu išlaidomis; hinzu kommen i. funkcija (c. function), išlaidų ir pelno analizė (c.-benefit analysis), i. mažinimas (c. minimization), sandorių i. (transaction c.), visuomeninės i. (social c.), sandorių i. (transaction c.), ekonominės i. (economic c.) usw. Gelegentlich wird cost mit kaina (c. of capital – kapitalo k.), gamyba (c. price – g. kaina, average c. price – vidutinė g. kaina) usw. übersetzt. Da die 1991 und 1994 erschienenen Wörterbücher keine Anzeichen für einen Bedeutungsverlust des Terminus kaštai erkennen lassen, sondern vielmehr zeigen, dass sich der Terminus verbreitete, kann die Entscheidung des ETŽ1, kaštų aufzugeben, nicht mit der mangelnden Aktualität des Terminus erklärt werden. Erklärbar wäre sie allenfalls durch das Bestreben, das Lehnwort zu litauisieren oder die variierenden Begriffe kaštai und išlaidos zu vereinheitlichen. Wie berechtigt die zweite Annahme ist, lässt sich schwer feststellen; das Bestreben, Internationalismen und Anglizismen zu vermeiden, wird jedoch ausdrücklich genannt (ETŽ1 1994: 5). Das Wort kaštai konnte jedoch nicht als Anglizismus gelten und konnte damals wohl kaum als Internationalismus betrachtet werden.
Ungenaue litauische Übersetzungsvorschläge konnten sich nicht durchsetzen. So konnte sich etwa opportunity cost (economic cost) im Sprachgebrauch nicht als tinkamiausios išlaidos verbreiten. Auch der Vorschlag des ETŽ1, cost in allen Fällen mit išlaidas zu übersetzen, wurde recht bald verworfen – bereits drei Jahre später, als das Wörterbuch 1997 neu aufgelegt wurde. In der neuen Ausgabe des ETŽ2 trat überall an die Stelle von išlaidų sąnaudos: bendrosios s., ribinės s., gamybos s., alternatyviosios s., visuomeninės s., s. funkcija, s. efektyvumas, s. maksimizavimas, sandorių s., implicitinės (netiesioginės) s., eksplicitinės (tiesioginės) s., pridėtinės s. usw. Betrachtet man allein die Entwicklung der Wörterbücher,
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Page 17Das Äquivalent „Aufwendungen“ ließe sich als terminologische Lösung der Wirtschaftswissenschaften ansehen, die gefunden wurde, nachdem man beschlossen hatte, Kosten daraus zu verdrängen. Das ETŽ2 greift den Terminus Kosten nicht wieder auf. Offenbar wirkte sich die Korrektur des Wortes 1995 in Gimtoji kalba aus; als der erwähnte Widerspruch aufkam, druckte die Redaktion unter dem Leserbrief den Vorschlag ab, nicht starr an den Kosten festzuhalten, wenn man schon auf kaštuoti verzichtet hatte. Die weitere Entwicklung der Wörterbücher deutet jedoch darauf hin, dass Aufwendungen kein ausreichender Ersatz für Kosten waren.
Die Termini des 1997 erschienenen Bankininkystės ir komercijos terminų žodynas von Antanas Buračas (im Folgenden BKT) wurden ebenfalls von K. Gaivenis überprüft. Als Grundlage des Wörterbuchs nennt der Herausgeber fremdsprachige mehrsprachige Wörterbücher, Klassifikationen und internationale Computerdatenbanken (BKT 1997: V–VII); demnach dürfte die ausländische Terminologie erheblichen Einfluss auf die Termini des BKT gehabt haben. Vielleicht führte dies dazu, dass Kosten wieder aufgenommen wurden, allerdings mit dem Verweis s. auf Ausgaben. Dem Herausgeber des BKT dürfte jedoch das ETŽ1 nicht unbekannt gewesen sein, in dem Ausgaben vorgeschlagen wurden, ebenso wenig wie das ETŽ2, in dem Ausgaben zu Aufwendungen korrigiert wurden. Auch der damalige Sprachgebrauch musste berücksichtigt werden. Vermutlich wurden aufgrund dieser Faktoren neben den mit dem Terminus Kosten gebildeten Termini jeweils ein Synonym angegeben: Ausgaben (Umsatzk./-ausgaben, zufällige K./-ausgaben, Zirkulationsk./ausgaben, tatsächliche K./Ausgaben, externe K./-ausgaben, variable K./Ausgaben, Transaktionsk./Ausgaben usw.), Aufwendungen (aufgeschobene K./Aufwendungen, Gemeinkosten/Aufwendungen, fixe K./Aufwendungen, Nettokosten/Aufwendungen, Anschaffungskosten/Aufwendungen, externe Kosten/Aufwendungen, Normkosten/-aufwendungen, Grenzkosten/Aufwendungen, interne Kosten/Aufwendungen usw.) oder sogar je zwei Synonyme (indirekte Kosten/-aufwendungen/-ausgaben, zusätzliche Kosten/-aufwendungen/-ausgaben, konstante Kosten/-aufwendungen/-ausgaben, Anfangskosten/-aufwendungen/-ausgaben usw.). Bei fast allen englischen Entsprechungen ist das Grundwort costs. Insgesamt sind 53 synonymische Termini mit dem Wort Kosten aufgeführt.
Diese Synonymie und Vielfalt helfen nicht bei der Entscheidung, welchen Terminus man verwenden soll; dieses Wörterbuch ist jedoch weder standardisierend noch normativ. Es spiegelt lediglich den Sprachgebrauch wider und zeigt, dass ihm allein Ausgaben nicht genügten, aber auch Aufwendungen nicht ausreichten. Auch Kosten werden verwendet. Einer der möglichen Gründe, warum Aufwendungen nicht ausreichen, geht aus den Bedeutungen hervor, die das BKT für den Begriff Kosten nennt: 1) Ausgaben; 2) monetäre Bewertung der Aufwendungen (BKT 1997: 165–166). Kosten sind nicht einfach Aufwendungen – sie sind die monetäre Bewertung der Aufwendungen. Die zweite vom BKT angegebene Bedeutung von Kosten ließe sich auch dem Wort Aufwendungen zuweisen, wenn Aufwendungen nicht schon seit geraumer Zeit, beginnend mit dem 1991 erschienenen ŠET, als im Produktionsprozess eingesetzte Ressourcen definiert würden: „Aufwendungen (input) – wirtschaftliche Ressourcen, die im Produktionsprozess eingesetzt werden (Arbeitskräfte, Materialien und Rohstoffe, Ausrüstung, Kapital usw.).“ (ŠET 1991: 190). Übrigens stimmt diese Definition mit der in den litauischen Wörterbüchern angegebenen überein; demnach stimmen in dieser Frage der allgemeine Sprachgebrauch und die Fachwörterbücher überein.
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Page 18Als Ressourcen, die von Unternehmen zur Herstellung von Waren oder zur Erbringung von Dienstleistungen eingesetzt werden, werden Aufwendungen auch in dem 1999 erschienenen Wörterbuch Ekonomikos terminai ir sąvokos definiert (ETS 1999: 148), während für die Geldsumme der bei der Herstellung der Unternehmensproduktion verbrauchten Ressourcen der Terminus Kosten verwendet wird (ETS 1999: 77). Aufwendungen werden ausschließlich als eingesetzte Ressourcen auch im 2000 erschienenen Aiškinamasis įmonės vadybos terminų žodynas (im Folgenden AĮV) definiert. In diesem Wörterbuch findet sich weder ein Wort für eine andere Bedeutung von Aufwendungen noch der Terminus Kosten, der diese Bedeutung ausdrücken könnte (AĮV 2000: 157). Dieses Wörterbuch behandelt allerdings nicht die Wirtschaftswissenschaften, sondern die Unternehmensführung. Der Begriff Kosten als Konzept der Wirtschaftstheorie wird hier nicht benötigt; vermutlich stellt sich deshalb das Terminologieproblem nicht.
Sie erscheint in einem der jüngsten lexikografischen Werke aus dem Bereich der Wirtschaft – im 2005 erschienenen Wörterbuch der Wirtschaftsbegriffe von Rūta Vainienė. Darin wird versucht, das Problem durch die Angabe mehrerer Entsprechungen zu lösen. Für Kosten (cost) wird der Hinweis nicht empfohlen (=nicht zu verwenden) hinzugefügt; als Entsprechungen werden Ausgaben, Aufwendungen, Preis, und für Selbstkosten genannt; die englische Entsprechung zeigt, dass auch dieses Wort cost lautet. In diesem Wörterbuch finden sich Begriffe der Wirtschaftstheorie wie Kosten-Nutzen-Analyse (cost-benefit analysis), kosteninduzierte Inflation (cost-push inflation), Opportunitätskosten (opportunity costs), variable Kosten (variable costs); der Begriff Aufwendungen wird definiert als „wertmäßiger Ausdruck der wirtschaftlichen Ressourcen, die bei der Herstellung von Gütern und der Erbringung von Dienstleistungen verbraucht werden“ (Vainienė 2005: 242). Dem Wort wird also eine Bedeutung zugewiesen, die mit dem Wert von Ressourcen verbunden ist. Die Ressourcen selbst werden in der Definition beschreibend benannt, während als eigenständiger Terminus Produktionsressourcen aufgeführt sind. Allerdings verweist der Eintrag mit „siehe“ auf Produktionsfaktoren, und letztere werden als „wirtschaftliche (knappe) Ressourcen, die im Produktionsprozess eingesetzt werden“ definiert (Vainienė 2005: 95). Offenbar wird also angenommen, dass die Funktion des Begriffs Aufwendungen, die bei der Produktion eingesetzten Ressourcen zu bezeichnen, auch die Wortverbindung Produktionsfaktoren übernehmen kann. Wie realistisch diese Möglichkeit ist, dürfte sich aus Texten ergeben, die mit Begriffen operieren – im Wörterbuch ist dies nicht erforderlich.
Aus den wirtschaftswissenschaftlichen Wörterbüchern geht jedoch hervor, dass der Terminus Kosten nicht von selbst aus dem Sprachgebrauch verschwand. Gemessen allein an diesen Wörterbüchern wurde er in der Sowjetzeit seltener gebraucht als Ausgaben; in der Terminologie der Übergangsphase der Wirtschaft, die vom Kontakt mit der westlichen Wirtschaftstheorie geprägt war, verbreitete er sich und gewann an Aktualität. Eine konsequente Ersetzung des Terminus durch Ausgaben konnte für die Terminologie eines der Wörterbücher wegen der unzureichenden Bedeutungsübereinstimmung nicht funktionieren; in den Wörterbüchern (oder im Sprachgebrauch) begann man daher, nach anderen Entsprechungen zu suchen. Wahrscheinlich ergaben sich aus solchen Bemühungen anstelle von Kosten die Aufwendungen; die spätere Entwicklung der Wörterbücher zeigt jedoch, dass dieses Wort allein nicht ausreichte, um die Bedeutung von Kosten wiederzugeben.
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Page 19Die 2006 erschienene litauische Übersetzung des Aiškinamasis ekonomikos anglų–lietuvių kalbų žodynas von David W. Pearce unterscheidet sich von den Wörterbüchern dieses Bereichs dadurch, dass sie von einer Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern unter Mitwirkung von Sprachfachleuten aus dem Terminologiezentrum des Instituts für litauische Sprache erstellt wurde. Offenbar führte die Zusammenarbeit – oder vielleicht die Beharrlichkeit des Sprachgebrauchs – dazu, dass der Terminus Kosten nach einer langen Umwegfahrt wiederkehrte: Er wurde als Entsprechung des englischen cost gewählt. Das Wörterbuch nennt allerdings auch andere Entsprechungen: cost wird als Kosten/Aufwendungen/Preis/Ausgaben übersetzt (AETŽ 2006: 131–132). Im AETŽ selbst wird cost ausschließlich als Kosten: Kosten-Nutzen-Analyse – Kosten- und Nutzenanalyse, Kosten-Wirksamkeits-Analyse – Kosten- und Wirksamkeitsanalyse, cost-push inflation (c. inflation) – kosteninduzierte Inflation, Kostenminimierung, Kapitalkosten, Grenzkosten, variable Kosten, fixe Kosten, implizite Kosten, Opportunitäts-/Alternativ-/Zurechnungskosten, Transaktionskosten usw. In den Termini dieser Gruppe wird Aufwendungen nicht verwendet; Ausgaben werden dagegen nur mit expenditure (aggregate expenditure – Gesamtausgaben, expenditure-switching policies – Ausgabenumschichtungspolitik, expenditure tax – Ausgabensteuer, expenditure-variation controls – Kontrolle von Ausgabenänderungen) oder expence (expenditure preference – Ausgabenvorrang) verbunden.
Die kurze Beschreibung des Terminus cost im AETŽ legt im Wesentlichen sowohl den Grund für diese Wahl als auch vermutlich den für die Vielzahl der Entsprechungen offen. Gemeint ist die Bedeutung, die Wirtschaftswissenschaftler dem Begriff Kosten beimessen. Wie dort angegeben wird, setzen sie Kosten gewöhnlich mit Opportunitätskosten (opportunity costs)8 gleich; diese werden als der Wert all dessen beschrieben, worauf man verzichten müsste, was verloren ginge oder was man aufgeben müsste, um etwas anderes zu erhalten (AETŽ 2006: 131). Diese Definition bestätigt die bei der Erörterung der litauischen Wörterbücher aufgestellte Annahme, dass das Wort Kosten zumindest als wirtschaftstheoretischer Terminus nicht mit Ausgaben, sondern vielmehr mit Wert oder Preis verbunden ist; Ausgaben können es folglich nicht ersetzen. Das AETŽ weist auch ausdrücklich auf den Unterschied zwischen Kosten und Ausgaben hin: Im wirtschaftlichen Sinne verstandene Kosten können übereinstimmen, tun dies aber nicht immer mit den Geldzahlungen, die ein Buchhalter als Ausgaben verbuchen würde (AETŽ 2006: 132). Die Begriffsbestimmung zeigt auch einen weiteren Bedeutungsaspekt: das, was man aufgeben müsste, um etwas anderes zu erhalten. Auch diesen Aspekt würde das Wort Ausgaben nicht wiedergeben. Der Begriff Opportunitätskosten ist ein Unterbegriff; wenn Wirtschaftswissenschaftler die Begriffe also gleichsetzen, müsste es dennoch auch einen Oberbegriff geben. Der Terminus Kosten wird in diesem Wörterbuch zwar nicht definiert, aber einige der damit bezeichneten Begriffe…
8 Die in diesem Wörterbuch angegebenen litauischen Entsprechungen für opportunity costs, nämlich Opportunitätskosten, Zurechnungskosten, werden in wirtschaftstheoretischen Arbeiten nicht verwendet; als Terminus hat sich bereits Alternativkosten etabliert (in Lehrbüchern aus früheren Zeiten wurde auch Alternativkosten verwendet).
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Page 20Nuancen der Wortbedeutung verdeutlicht die Erläuterung der Kosten-Nutzen-Analyse (cost-benefit analysis). Als System zur Bewertung von Investitionsprojekten im staatlichen Sektor definiert, unterscheidet sich diese Analyse von einer unmittelbaren finanziellen Bewertung dadurch, dass „alle Einnahmen (Nutzen) und Verluste (Kosten) berücksichtigt werden, unabhängig davon, wem sie zufallen“; der Nutzen wird als Zunahme des Nutzens und die Kosten als dessen Abnahme erläutert, die anhand der Opportunitätskosten des untersuchten Projekts bestimmt wird. Außerdem wird hinzugefügt, dass der Nutzen in vielen Fällen nicht in Geld berechnet wird, während die Kosten als tatsächliche Geldaufwendungen des Projekts ermittelt werden (AETŽ 2006: 132). Somit werden kaštai hier mit einem in Geld bewerteten Verlust gleichgesetzt. Sowohl aus dieser Erläuterung als auch aus der Definition der Opportunitätskosten geht hervor, dass der Begriff kaštai nicht mit Verwendung oder Verbrauch zusammenhängt; das Wort sąnaudos wäre daher zumindest in dieser Bedeutung unpassend. Und tatsächlich zeigen Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaften, dass der Begriff kaštai in der Wirtschaftstheorie nicht durch sąnaudos ersetzt wird, obwohl letzteres Wort ebenfalls verwendet wird.
BEGRIFFSSYSTEM IN LEHRBÜCHERN
Unter den Lehrbüchern der Wirtschaftswissenschaften für Hochschulen gibt es kaum eines, das ohne kaštai auskommt. Allerdings sind diese Lehrbücher nicht alle gleich. Seit Langem werden zwei Teilgebiete der Wirtschaftswissenschaft unterschieden – Mikroökonomie und Makroökonomie. Bei der Darstellung der Makroökonomietheorie, die auf die Wirtschaft als Ganzes ausgerichtet ist, werden Kosten nicht gesondert behandelt; im Mittelpunkt stehen vielmehr Themen wie Arbeitslosigkeit, Inflation und Wirtschaftswachstum. Dass ein Begriff nicht erörtert wird, bedeutet jedoch nicht, dass er nicht verwendet wird. Bei der Analyse verschiedener wirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten und Prozesse wird er als selbstverständlich gebraucht und erscheint in zusammengesetzten Begriffen wie Kreditkosten, Geldhaltungskosten, Opportunitätskosten des Konsums, Arbeitskosten, Kosten der Arbeitslosigkeit, Opportunitätskosten des Arbeitsplatzverlusts, Menükosten, soziale Kosten, Inflationskosten, Kosten der erwarteten Inflation, Kosteninflation, Kosten des Wirtschaftswachstums, externe Kosten usw. (Wonnacott, Wonnacott 1994; Drilingas ir kt. 1997; Paliulytė 2005; Snieška ir kt. 2005; Skominas 2006; Čiegis 2012). Der Begriff der kaštai hängt unmittelbar mit der Produktion zusammen; Produktion wiederum ist ohne Unternehmen – einen der wichtigsten Gegenstände der Mikroökonomie – nicht denkbar. Daher wird der Begriff in allen mikroökonomischen Lehrbüchern ausführlich behandelt (Wonnacott, Wonnacott 1997; Varian 1999; Snieška ir kt. 2000; Skominas 2000; Rastenienė 2005; Klimašauskienė 2006; Panovas 2011).
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Page 21Lehrbücher, die sowohl mikro- als auch makroökonomische Themen abdecken, rücken den betreffenden Begriff in den Vordergrund. Dazu zählen Lehrbücher und Lernmaterialien zur Wirtschaftstheorie und zu den Grundlagen der Wirtschaft, die für Hochschulen bestimmt sind. Das Genre führt zu erheblichen Wiederholungen in den Texten; zudem liegen viele Lehrbücher in mehreren Auflagen vor. Deshalb wird bei der Analyse des darin dargestellten Kostenverständnisses und der dadurch implizierten Begriffsgruppe nicht angestrebt, alle Lehrbücher zu erfassen, sondern es werden typische Beispiele ausgewählt. Im Folgenden werden sie zusammenfassend als Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet; bei Bedarf wird die jeweilige Art angegeben.
Opportunitätskosten und Kosten
Ein Kapitel über Kosten gehört notwendigerweise zu Lehrbüchern der allgemeinen Wirtschaftswissenschaft. Es wird gewöhnlich nach der Erörterung des Marktmechanismus und der Flexibilitätstheorie behandelt; ein Begriff wird jedoch bereits zu Beginn der Lehrbücher erklärt.
Der Kern des Begriffs Opportunitätskosten wird bei der Erörterung des grundlegenden wirtschaftlichen Problems dargelegt, das überall einheitlich als Widerspruch zwischen unbegrenzten Bedürfnissen und begrenzten Ressourcen beschrieben wird (Kerem, Randveer 1998: 16–17; Skominas 2000: 36–38; Martinkus, Žilinskas 2001: 95–99; Jakutis ir kt. 2003: 14–15; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 42; Buračas ir kt. 2005: 24; Rastenienė 2005: 13–16; Snieška ir kt. 2005: 26; Jakutis 2006: 15–16; Davulis 2009: 19–22). Die menschlichen Bedürfnisse sind unbegrenzt, die zu ihrer Befriedigung erforderlichen Ressourcen hingegen begrenzt; deshalb steht jede Gesellschaft vor dem Problem der Ressourcenknappheit. Dieses Problem zwingt dazu, Entscheidungen darüber zu treffen, wie die Ressourcen effizient eingesetzt werden sollen. Verschiedene Wirtschaftssysteme lösen diese Aufgaben unterschiedlich: In einer zentral gelenkten Planwirtschaft (Kommandowirtschaft) beantworten Planungsbehörden solche Fragen, unter Marktbedingungen der Markt selbst; meist wird auch die gemischte Wirtschaft erwähnt (Kerem, Randveer 1998: 20; Martinkus, Žilinskas 2001: 16; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 42–47; Rastenienė 2005: 20; Snieška ir kt. 2005: 25; Davulis 2009: 35–39). Auch die Wirtschaft selbst wird häufig als Wissenschaft darüber beschrieben, wie eine von mehreren möglichen Verwendungen begrenzter Ressourcen ausgewählt wird, um Güter herzustellen (Jakutis ir kt. 2003: 14; Jakutis 2006: 16; Paunksnienė, Liučvaitienė 2009: 7).
Im Weiteren wird das Auswahlproblem mit der gesellschaftlichen Produktion verknüpft, da der größte Teil der wirtschaftlichen Tätigkeit der Herstellung von Waren und Dienstleistungen dient. Da Ressourcen begrenzt sind, kann jede einzelne, wenn sie für einen Zweck eingesetzt wird, nicht mehr zur Herstellung anderer Produkte verwendet werden. Beschließt die Gesellschaft, die Produktion eines Produkts zu erhöhen, stehen ihr weniger Ressourcen zur Herstellung eines anderen zur Verfügung (Martinkus
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Page 22tinkus, Žilinskas 2001: 96–99; Jakutis ir kt. 2003: 15–16; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 42–47; Rastenienė 2005: 13–17). Taigi, pasirinkimas alternatyvus: pasirinkus vieną, prarandama kita. Vadovėliuose nurodomi prancūziški aptariamą reiškinį įvardijantys atitikmenys: alternatif (Lukoševičius, Stankevičius 2003: 42), alternative (Martinkus, Žilinskas 2001: 19). Su pasirinkimo alternatyva susiję kaštai ir pavadinami alternatyviaisiais kaštais, tik šis terminas, kaip matyti ir iš aptartų ekonomikos terminų žodynų, jau siejamas su anglišku atitikmeniu, t. y. opportunity costs (Martinkus, Žilinskas 2001: 20, 213). Pastarasis junginį leistų versti kaip galimybės ar alternatyvos kaštai, bet kaip terminas beveik be išimties vartojamas junginys su būdvardinio dėmens įvardžiuotine forma, retkarčiais pavartojama neįvardžiuotinė (Jakutis ir kt. 2003; Jakutis 2006).
Mit der Herstellung von Gütern verbunden, werden Opportunitätskosten als entgangene Güter verstanden, die aus den für das hergestellte Gut verbrauchten Ressourcen hätten produziert werden können: „Die realen Opportunitätskosten eines beliebigen Gutes lassen sich als jene alternativen Güter definieren, die aus den zur Herstellung dieses Gutes verbrauchten Ressourcen hätten produziert werden können.“ (Martinkus, Žilinskas 2001: 206). Noch konkreter werden sie als die Menge an Gütern oder Dienstleistungen bezeichnet, auf die verzichtet werden muss, um eine bestimmte Menge anderer Güter oder Dienstleistungen zu erhalten (Martinkus, Žilinskas 2001: 97), abstrakt dagegen als die Alternative zur Verwendung von Ressourcen, auf die wir bei der Herstellung eines bestimmten Produkts verzichten (Mikučionis 2000: 46; Rastenienė 2005: 14).
In Lehrbüchern wird das Problem der Wahl jedoch nicht nur mit der Gesellschaft und dem Wirtschaftssystem, sondern auch mit jeder einzelnen Person und jedem Unternehmen in Verbindung gebracht:
Jeder ist mit der Notwendigkeit konfrontiert, Entscheidungen zu treffen und sich mit Problemen der Opportunitätskosten auseinanderzusetzen – Ärzte und Juristen, Unternehmer und Lehrer, Beamte und Verbraucher. Junge Mediziner müssen entscheiden, ob sie sich der Allgemeinmedizin widmen oder weiter Geld in ihre Ausbildung investieren und sich auf ein enges Fachgebiet spezialisieren wollen. Unternehmer müssen eine der möglichen Produktionsarten auswählen und ihr Geld so auf Anlagen, Materialien und Beschäftigte verteilen, dass die Ausgaben die höchsten Einnahmen erzielen. Verbraucher müssen entscheiden, wie sie ihr Geld ausgeben, um die besten Ergebnisse (den größten Nutzen) zu erzielen: Fisch oder Fleisch, Brot oder Kartoffeln, ein neues Kleidungsstück oder neue Vorhänge, ein neues Buch oder eine Konzertkarte kaufen – und in welcher Menge jene Güter, die sie regelmäßig erwerben müssen. (Martinkus, Žilinskas 2001: 20).
So weit gefasste Opportunitätskosten werden häufig einfach als entgangene Gelegenheit bezeichnet (Wonnacott, Wonnacott 1994: 32; Martinkus, Žilinskas 2001: 20; Davulis 2009: 20) oder als die beste aufgegebene Alternative bei der Wahl …
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Page 23rinkimą (Martinkus, Žilinskas 2001: 20). Iš sąvokos aiškinimo akivaizdžiai matyti, kad žodis išlaidos šios reikšmės neperteiktų. Juk dauguma atvejų nieko neišleidžiama – tiesiog renkantis viena prarandama kita.
Die Erläuterungen des Begriffs Opportunitätskosten in Lehrbüchern lassen zunächst eine Bedeutungsverwandtschaft mit der in allgemeinen Wörterbüchern angegebenen übertragenen Bedeutung von Preis erkennen, nämlich „Wert eines Verlusts“; „Verlust, Einbuße bei der Verfolgung eines Ziels“ – zumal diese Kosten auch als Preis bezeichnet werden. In einem Lehrbuch wird diese Bedeutung ausdrücklich benannt: „Die Alternativen bei der Ressourcennutzung lassen uns die einfache Wahrheit erkennen, dass wir nichts umsonst bekommen. Daher entsteht der Begriff Entscheidungspreis oder Preis entgangener Möglichkeiten. Wissenschaftlich wird dies als Alternativwert oder Opportunitätskosten bezeichnet. Die Bezeichnung ändert nichts am Wesen, denn es geht darum, dass jede Entscheidung ihren Preis hat. Das ist eine universelle Wahrheit, die jedoch in der Wirtschaft besonders deutlich hervortritt.“ (Mikučionis 2000: 43). Auf einen Zusammenhang mit der übertragenen Bedeutung von Preis deutet hin, dass Opportunitätskosten als entgangener Nutzen bezeichnet werden: „Der entgangene Nutzen, wenn man die gewählte Alternative der Ressourcennutzung mit der verworfenen vergleicht, bildet die Opportunitäts- oder möglichen Kosten“ (Martinkus, Žilinskas 2001: 213); „Allgemein betrachtet sind Opportunitätskosten der Nutzen der besten Alternative der Ressourcennutzung, auf die verzichtet wurde.“ (Skominas 2000: 41). An anderer Stelle heißt es, Opportunitätskosten seien „der entgangene Nutzen der besten Alternative zur gewählten Tätigkeit“; unmittelbar darauf wird jedoch präzisiert, dass „Opportunitätskosten in der praktischen Analyse gewöhnlich in Geld ausgedrückt werden“ (Kerem, Randveer 1998: 35), was es ebenfalls erlauben würde, den Begriff mit der unmittelbaren Bedeutung von Preis zu verbinden. Tatsächlich wird der entgangene Wert bisweilen mit Geld in Verbindung gebracht; so werden etwa die Opportunitätskosten einer Stereoanlage dem Preis eines neuen Computers gleichgesetzt (Martinkus, Žilinskas 2001: 20).
In Definitionen des Begriffs Opportunitätskosten wird der entgangene Wert gewöhnlich als Wert bezeichnet: „<...> Opportunitätskosten sind der Wert der besten Alternative, auf die verzichtet oder die verworfen wurde.“ (Kerem, Randveer 1998: 16); „Opportunitätskosten sind der Wert anderer Güter, die hätten produziert werden können, wenn die Ressourcen anderswo eingesetzt worden wären“ (Rastenienė 2005: 14). Auch der Begriff Kosten wird als Wert definiert: „Kosten sind der Wert der für die Produktion eines Unternehmens verbrauchten Ressourcen“ (Rastenienė 2005: 72). Auch dies kann mit einem Geldausdruck verbunden werden: „Kosten sind der Wert aller in der Produktion verbrauchten Produktionsfaktoren, d. h. der Wert der Aufwendungen zu tatsächlichen Preisen.“ (Skominas 2000: 142). Wenn Kosten als Wert (der verbrauchten Ressourcen) und Opportunitätskosten als Wert einer Alternative definiert werden, könnte es scheinen, als werde der entgangene Wert, der entgangene Nutzen
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Page 24durch das abhängige Glied des zweigliedrigen Terminus ausgedrückt, während das Grundwort mit Wert oder Preis verbunden ist. Dennoch ist das Verhältnis zwischen den Begriffen Kosten und Opportunitätskosten nicht so eindeutig und klar.
Einerseits können diese Begriffe, wie bereits bei der Erörterung des AETŽ erwähnt, gleichgesetzt werden. Dies wird auch in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern festgestellt: „Ökonomen betrachten alle Kosten als entgangene Möglichkeiten; daher bedeuten die Wörter Kosten und Opportunitätskosten dasselbe. Um jedoch daran zu erinnern, dass bei einer Entscheidung tatsächlich bestehende Möglichkeiten geopfert werden, fügen Ökonomen das Wort Opportunitäts- hinzu.“ (Martinkus, Žilinskas 2001: 20). Folgt man dieser Gleichsetzung, könnte man meinen, dass es genügt, Kosten als entgangene Möglichkeit (Nutzen), als Wert oder Preis des Entgangenen zu definieren, sodass die Präzisierung Opportunitäts- nicht mehr nötig wäre. Das abhängige Glied weist jedoch auf eine Unterart hin; folglich müsste es auch nicht mit Opportunitätskosten verbundene Kosten oder eine andere Auffassung von Kosten geben. Diese wird auf der mikroökonomischen Ebene deutlich, genauer gesagt bei Unternehmen, die Produktionsprozesse durchführen. Diese Auffassung wird im Folgenden untersucht; aus den in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern angeführten Erläuterungen der Opportunitätskosten lässt sich schließen, dass der Begriff sowohl in einer abstrakteren Bedeutung – als eine Art Entgangenes – als auch konkreter verwendet wird, nämlich für einen Verlust, der anhand der Menge an Gütern und Dienstleistungen oder in Geld bewertet wird.
Für das Bezeichnen von Verlusten gibt es im Litauischen folgende Wörter: nuostolis, netektis, praradimas, netekimas, nustojimas, žala. Die Auffassung von Opportunitätskosten zeigt jedoch, dass es sich bei dem erörterten Phänomen nicht einfach um einen Verlust oder materiellen Schaden handelt. Es geht um einen Verzicht, um einen entgangenen Nutzen bei der Wahl oder beim Erhalt von etwas anderem; für diese Bedeutungsnuance fehlt im Litauischen ein Wort. Im allgemeinen Sprachgebrauch könnte die semantische Lücke durch Preis in übertragener Bedeutung gefüllt werden (z. B. der Preis des Lebens, der Preis der Liebe), doch in der Wirtschaftstheorie wird dieses Wort in seiner unmittelbaren Bedeutung und als Fachbegriff verwendet.
Kosten und Aufwendungen
Obwohl, wie zu sehen ist, Kosten in Wirtschaftslehrbüchern mit jeder beliebigen Entscheidung in Verbindung gebracht werden, stehen sie dennoch in erster Linie mit der Produktion in Zusammenhang. Meist werden in einem eigenen Kapitel gerade die Produktionskosten behandelt (Kerem, Randveer 1991: 35–40; Martinkus, Žilinskas 2001: 191–222; Žutautienė 2007: 43–46; Davulis 2009: 49–71). Wie die Opportunitätskosten werden auch sie schlicht Kosten genannt und ebenfalls als Wert oder Preis definiert, in den Definitionen jedoch zumindest nicht mit einem Verlust in Verbindung gebracht.
In Petro Šalčius’ 1933 veröffentlichten Grundlagen der Wirtschaft wird zur Definition der Kosten der Begriff „Gut“ verwendet: Kosten werden als das definiert, was zum Erwerb eines Gutes aufgewendet wird
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Page 25išleistų kitų gaminamų ir vartojamų gėrybių kiekis (Šalčius 1991: 60), tačiau pastarųjų dviejų dešimtmečių ekonomikos vadovėliuose gamybos kaštus linkstama apibrėžti vartojant gamybai naudojamų išteklių sąvoką. Tie ištekliai paprastai aptariami vadovėlių pradžioje ir nusakomi kaip visa tai, kas naudojama prekėms ir paslaugoms, t. y. gėrybėms, gaminti (Skominas 2000: 37; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 37). Ištekliais laikoma žemė, darbas ir kapitalas, atskirai paminimas verslumas, informacija (Martinkus, Žilinskas 2001: 14; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 37–38; Rastenienė 2005: 11–12). Nors neretai terminai ištekliai (ekonominiai ištekliai) ir gamybos veiksniai pavartojami sinonimiškai (pvz.: „Ištekliai – visa tai, kas naudojama prekių ir paslaugų gamyboje, dėl to ištekliai dažnai vadinami gamybos veiksniais“ (Lukoševičius, Stankevičius 2003: 37), kai kur pabrėžiamas terminų skirtumas: „Ekonominiai ištekliai yra tai, kas turi potencinę galimybę dalyvauti prekių ir paslaugų gamybos procese, kas yra riboti, ir kurių apimties didinimas teigiamai veikia visuomenės ūkinės veiklos rezultatus. Dėl šių savybių jie įgyja ekonominį vertingumą, t. y. turi kainą. Gamybos veiksniai yra tik ta ekonominių išteklių dalis, kuri naudojama gamybos procese.“ (Skominas 2000: 235).
Produktionskosten werden als Wert der bei der Produktion verbrauchten Ressourcen definiert. Auf den ersten Blick scheint dieser Begriff nicht jene Bedeutungsnuance zu haben, die bei der Erörterung des Begriffs Opportunitätskosten zutage trat. Eine Ähnlichkeit der Bedeutungen muss sich jedoch nicht allein in den Definitionen zeigen. Denn in denselben Lehrbüchern wird Produktion als zielgerichtete Tätigkeit erklärt, die darauf abzielt, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen und zu ihrer Befriedigung dienende Güter herzustellen, z. B.: „Produktion ist die Schaffung von Waren und Dienstleistungen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse unter Einsatz wirtschaftlicher Ressourcen.“ (Rastenienė 2005: 13). So ließe sich eine semantische Ähnlichkeit erkennen: Mit dem Wort Kosten wird auch in diesem Fall gleichsam das bezeichnet, was man aufgeben muss, um etwas anderes zu erhalten, also ein Gut herzustellen; aus der Perspektive eines Unternehmens, dessen kennzeichnendes Merkmal die Wirtschaftstheorie im Streben nach Gewinn sieht, bedeutet dies, Gewinn zu erzielen. Diese Bedeutungsnuance des Begriffs Produktionskosten wird in den Lehrbüchern jedoch nicht ausdrücklich hervorgehoben.
Da Ressourcen für die Produktion eingesetzt und darüber hinaus durch sie Nutzen geschaffen wird9, wäre zur Bezeichnung dafür das Wort Aufwendungen geeignet. 1962 schrieb P. Skardžius
9 Vgl.: „Anders gesagt, ist Produktion ein Prozess, in dem die wirtschaftlichen Ressourcen der Gesellschaft zur Schaffung von Nutzen eingesetzt werden, unabhängig davon, welche Form dieser Nutzen annimmt. Indem die Produktion unsere Bedürfnisse befriedigt, schafft sie auch Nutzen.“ (Martinkus, Žilinskas 2001: 162).
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Page 26Obwohl es als Neologismus erörtert wurde, hat es sich in der heutigen wirtschaftswissenschaftlichen Terminologie etabliert. Die von P. Skardžius erkannten Zusammenhänge legen nahe, dass die Bedeutung dieses Wortes in gewisser Hinsicht sogar die Bedeutung des Wortes Kosten wiederholen könnte: Aufwendungen sind das, was zur Erzielung eines Ergebnisses verbraucht wird; Kosten sind das, was bei der Erzielung eines bestimmten Ergebnisses verloren geht. Dennoch werden die Wörter Aufwendungen und Kosten in Wirtschaftslehrbüchern nicht füreinander verwendet.
Das Wort Aufwendungen wird in Lehrbüchern sowohl in einer abstrakteren als auch in einer konkreteren Bedeutung verwendet. In der abstrakteren Bedeutung wird es mit den für die Produktion eingesetzten Ressourcen oder Produktionsfaktoren gleichgesetzt: „Aufwendungen sind die im Produktionsprozess eingesetzten wirtschaftlichen Ressourcen (Arbeitskraft, Materialien und Rohstoffe, Anlagen, Kapital usw.).“ (Martinkus, Žilinskas 2001: 14); „Die Produktionsfunktion definiert die maximale Produktionsmenge (den Output), die bei einer bestimmten Kombination von Ressourcen (Aufwendungen) hergestellt werden kann.“ (Bhaskar 2000: 97). Die konkrete Bedeutung des Wortes Aufwendungen – „Menge der verbrauchten Ressourcen“ – tritt in Funktionen zutage, die wirtschaftliche Zusammenhänge darstellen, vor allem in der Produktionsfunktion. Die Produktionsfunktion, die den Zusammenhang zwischen einer beliebigen Kombination von Produktionsfaktoren und dem maximal möglichen Ergebnis abbildet, wird als Q = f(L, K) geschrieben; Q bezeichnet hier die maximale Produktionsmenge, die bei einem bestimmten technischen Niveau erreicht werden kann, während L und K die in physischen Einheiten gemessenen Aufwendungen an Arbeit beziehungsweise Kapital bezeichnen (Davulis 2009: 189).
Dennoch ist die in physischen Einheiten ausgedrückte Produktionsfunktion lediglich eine Annahme für die wirtschaftliche Analyse, die mit anderen Größen – Wert- oder Geldgrößen – arbeitet. Für diese Analyse ist der Geldwert der Aufwendungen, also ihr Preis, von Bedeutung; dies wird mit dem Wort Kosten bezeichnet. Diese Größe wird berechnet, indem man die Menge mit dem Preis multipliziert, z. B.: „Die einfachsten allgemeinen variablen Kosten sind Kosten, die mit dem Einsatz eines variablen Faktors im Produktionsprozess zusammenhängen. Die variablen Kosten werden berechnet, indem die Menge der Aufwendungen für den variablen Faktor mit deren Preis multipliziert wird.“ (Jakutis 2006: 6); „Geht man davon aus, dass die Aufwendungen für einen Produktionsfaktor (Arbeit) variabel und die für einen anderen (Kapital) fix sind, entsprechen die gesamten variablen Kosten dem Produkt aus dem Preis einer Einheit des variablen Faktors und der Anzahl dieser Aufwandseinheiten: BKK = WL; dabei ist L die Anzahl der Arbeitseinheiten und W der Preis einer Arbeitseinheit.“ (Jakutis 2006: 63). Von den verschiedenen Arten von Unternehmenskosten werden einige ebenfalls als Preis der Aufwendungen beschrieben: „Gesamtkosten BK sind der Preis der Aufwendungen für Produktionsressourcen, die zur Herstellung und zum Verkauf der gesamten Produktion eingesetzt werden.“ (Davulis 2003: 17). Somit bezeichnen die Wörter Aufwendungen und Kosten unterschiedliche Größen: Aufwendungen bezeichnen die Menge der für die Produktion eingesetzten Ressourcen, Kosten den Geldwert der Aufwendungen beziehungsweise ihren Preis.
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Page 27Auch die erhaltene Größe als Kosten zu bezeichnen, ist nicht möglich – das würde zu Verwirrung führen. In einem Wirtschaftslehrbuch, in dem versucht wurde, solche Probleme der Mehrdeutigkeit des Wortes kaštai unter Beachtung der Sprachnorm 10 zu vermeiden, treten beispielsweise folgende Probleme auf: „Die Gesamtkosten umfassen alle Kosten, die mit den Kosten der Herstellung eines Produkts verbunden sind.“ (Jakutis ir kt. 2007: 66). Zwar wird in diesem Lehrbuch vermieden, mit demselben Wort sąnaudos sowohl Kosten im Sinne ihres Geldwerts als auch die Menge der verbrauchten Ressourcen zu bezeichnen; stattdessen werden die Begriffe Ressourcen (Ressourcenmenge), Produktionsfaktoren (Menge der Produktionsfaktoren) verwendet. Dies wäre jedoch eine Neuordnung des Begriffssystems, das sich in der litauischen Wirtschaftstheorie schon seit Langem herausgebildet hat.
Die Größe in einer konkreten Funktion oder Gleichung könnte als Preis der verbrauchten Ressourcen, Preis der Produktionskosten, Kosten in Geldwert bezeichnet werden; Produktionskosten sind jedoch nicht nur diese Größe, sondern auch ein nach verschiedenen Kriterien klassifizierter theoretischer Begriff, sodass solche Wortverbindungen schon allein deshalb unhandlich wären. Andererseits werden sowohl Produktionskosten als auch die Begriffe für ihre Arten gewöhnlich nicht als Preis, sondern als Wert (der verbrauchten Ressourcen) definiert, was darauf hindeutet, dass der Begriff kaštai seine konkrete Bedeutung nur dann erhält, wenn er eine bestimmte Größe bezeichnet. Wie das Wort sąnaudos kann auch seine Bedeutung konkreter oder abstrakter sein. Bei der Erörterung der gesellschaftlichen Produktionstätigkeit heißt es in einem mikroökonomischen Lehrbuch, Güter und Dienstleistungen würden durch Arbeit aus von der Natur bereitgestellten Materialien und Energie hergestellt, wobei natürliche Hilfsmittel und Informationen eingesetzt würden; anschließend wird zusammenfassend festgestellt: „Für ihre Gewinnung sind also Kosten erforderlich (in der Marktwirtschaft: Kosten, in Geld bewertete Aufwendungen).“ (Skominas 2000: 38). Die Verknüpfung von Kosten mit der Marktwirtschaft erklärt teilweise auch, weshalb der Begriff kaštai in Wirtschaftswörterbüchern wieder stärker in den Vordergrund getreten ist – zeitgleich mit dem Wandel der Volkswirtschaft des Landes und der darin betriebenen Wirtschaftswissenschaft.
In nicht spezialisierten Texten, vor allem in publizistischen Texten und im Internet, wo es nicht nötig ist, die Menge der Kosten und ihren Preis mit getrennten Symbolen zu unterscheiden und zu bezeichnen, lässt sich dem Wort sąnaudos leichter die Bedeutung von Kostenpreis, Geldwert, geben. Zwar wird bei Verwendung des Begriffs Kosten-Nutzen-Analyse in diesen Texten gewöhnlich darauf hingewiesen, dass dabei Kosten in Geldwert analysiert werden; dennoch wird das Wort sąnaudos verwendet 11. Auf diese-
10 Die Beachtung der Sprachnorm zeigt sich daran, dass in früheren Auflagen dieses Lehrbuchs kaštai verwendet wurde. Diese Auflage wurde vermutlich von KP₄ beeinflusst, wo der Begriff als zu vermeidender Fremdspracheneinfluss bewertet wurde.
11 Siehe die Google-Suche.
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Page 28In der Wortverbindung wird es wahrscheinlich durch den phonetischen Gleichklang gestützt. In diesen Texten findet sich sogar der Begriff Alternativkosten12, obwohl sie, wie aus der Erläuterung des Begriffs Alternativkosten in Wirtschaftslehrbüchern hervorgeht, nichts mit dem Verbrauch zu tun haben. In publizistischen Texten und Internettexten muss keine Wirtschaftstheorie vermittelt, müssen keine Begriffe definiert und erst recht nicht ganze Begriffssysteme dargestellt werden; deshalb treten systemische Begriffsbeziehungen oder Widersprüche zwischen einem Begriff und seiner Bezeichnung weniger deutlich hervor. Dennoch zeigen die Konkordanzen des Korpus der Gegenwartssprache des Litauischen, dass auch die meisten Verwendungen des Wortes sąnaudos in publizistischen Texten (zum Beispiel kam der Nominativ unter 6 980 355 Wortvorkommen 1 663-mal vor) sich auf eine mengenmäßige Darstellung der verwendeten Ressource oder eine zusammenfassende Bezeichnung der verwendeten Ressourcen beziehen (VDU 2013).
Kosten und Ausgaben. Gegensatz zwischen Buchhaltungs- und ökonomischen Kosten
Die Kosten eines produzierenden Unternehmens stimmen teilweise mit seinen Ausgaben überein. Ein Unternehmen kauft Ressourcen oder Produktionsfaktoren, um Waren herzustellen oder Dienstleistungen zu erbringen; dadurch entstehen ihm Ausgaben. Nach dem Verkauf der produzierten Erzeugnisse erzielt es Einnahmen.
Der Begriff Ausgaben (für die Produktionstätigkeit aufgewendetes Geld) wird in der betrieblichen Praxis häufig dem Begriff Einnahmen (aus Verkäufen oder sonstiger Unternehmenstätigkeit erhaltenes Geld) oder Erlösen gegenübergestellt. In der betrieblichen Buchhaltung werden in Geld ausgedrückte wirtschaftliche Vorgänge und Sachverhalte erfasst, klassifiziert, analysiert und zusammengefasst; einen großen Teil davon machen die Ausgaben aus. Daher würde ein Buchhalter, wie in Wirtschaftslehrbüchern erläutert wird, die Kosten eines Unternehmens zunächst als Ausgaben berechnen. Eine solche Berechnung führt jedoch beim Betriebswirt zu Missverständnissen, denn für ihn sind kaštai in erster Linie eine entgangene Alternative: „Für Ökonomen sind Kosten vor allem Opportunitätskosten. Das heißt, Ökonomen berücksichtigen nicht nur die expliziten buchhalterischen Kosten, sondern auch kalkulatorische Kosten wie den Normalgewinn, der mit dem in ein alternatives Geschäft investierten Kapital erzielt wird.“ (Martinkus, Žilinskas 2001: 214). Zur Erläuterung der Unterschiede zwischen den Auffassungen dieser mit der Unternehmenstätigkeit verbundenen Kosten werden in Wirtschaftslehrbüchern die Begriffe Buchhaltungskosten und ökonomische Kosten verwendet; aus den Erläuterungen, die gewöhnlich verwirrend und widersprüchlich sind, wird jedoch deutlich, dass sie weniger Unterschiede im Kostenverständnis als vielmehr unterschiedliche Verfahren zur Berechnung der Unternehmenskosten bezeichnen.
12 Das zeigt die Google-Suchmaschine.
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Page 29Buchhalterische Kosten werden gewöhnlich als in Buchhaltungsunterlagen eingetragene Ausgaben beschrieben: „Buchhalterische Kosten sind Ausgaben, die in die Bücher eingetragen werden“ (Rastenienė 2005: 72). Ökonomische Kosten sind buchhalterische Kosten unter Berücksichtigung der nicht in die Buchhaltungsbücher eingetragenen Kosten; sie bestehen aus entgangenen Einnahmen (z. B. Zinsen), die ein Unternehmer oder Ressourceneigentümer erzielen würde, wenn er seine eigenen Ressourcen in ein alternatives Unternehmen investierte, Gebäude und Grundstücke an einen anderen Unternehmer vermietete usw. (Bhaskar 2000: 120–122; Martinkus, Žilinskas 2001: 214; Jakutis ir kt. 2003: 43; Rastenienė 2005: 72). Zur Bezeichnung dieser Kosten wird ein weiterer zusammengesetzter Terminus vorgeschlagen, der auch ein nichtlitauischer Herkunft entstammendes Bestimmungswort enthält, nämlich implizite Kosten. Üblicherweise werden auch litauische Entsprechungen angeführt: vermutete oder mutmaßliche Kosten (Martinkus, Žilinskas 2001: 214; Rastenienė 2005: 72), unterstellte oder implizite Kosten (Kerem, Randveer 1998: 46; Skominas 2000: 142), indirekte (interne) Kosten (Bhaskar 2000: 120; Davulis 2009: 55). Implizite Kosten werden als „entgangener Nutzen, der durch den Vergleich der gewählten mit der verworfenen Alternative der Ressourcennutzung bestimmt wird“ beschrieben (Rastenienė 2005: 72); eine solche Beschreibung stimmt mit dem erörterten Konzept der Opportunitätskosten überein. Diese Kosten werden auch gleichgesetzt: „Neben direkten Kosten verwenden Ökonomen bei der Bewertung eines Problems auch indirekte (oder Opportunitäts-)Kosten.“ (Bhaskar 2000: 120). Folglich sind Opportunitätskosten, verstanden als Verlust infolge einer alternativen Entscheidung, für den Eigentümer eines Unternehmens der entgangene Nutzen (Einnahmen), den er bei einer alternativen Investition erzielt hätte. Den impliziten Kosten werden explizite Kosten gegenübergestellt, die auch als direkte (Bhaskar 2000: 119; Skominas 2000: 142), klare (Kerem, Randveer 1998: 35–36; Rastenienė 2005: 72) oder externe Kosten bezeichnet werden (Davulis 2009: 55) und in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern mit buchhalterischen Kosten gleichgesetzt werden. Daher werden ökonomische Kosten nicht nur als Summe impliziter und expliziter Kosten beschrieben (Skominas 2000: 142), sondern auch als buchhalterische Kosten unter Hinzurechnung der vermuteten Kosten (Martinkus, Žilinskas 2001: 214). Somit treten die Begriffe implizite und explizite Kosten, ökonomische und buchhalterische Kosten im Zusammenhang mit den Kosten eines Unternehmens und der Nutzung eigener Ressourcen auf.
Aus volkswirtschaftlichen Lehrbüchern ließe sich schließen, dass die Gegenüberstellung von buchhalterischen und ökonomischen Kosten durch die Gleichsetzung der Unternehmenskosten mit den in die Geschäftsbücher eingetragenen Ausgaben begünstigt wird. Dies bestätigt erneut, dass das Wort Kosten in seiner ökonomischen Bedeutung nicht durch das Wort Ausgaben ersetzt werden kann, obwohl dieses offenbar den buchhalterischen Begriff vermittelt. In der heutigen litauischen Buchhaltung ist der Terminus Ausgaben tatsächlich weit verbreitet. Allerdings unterscheidet man in dieser Buchhaltung in Litauen schon seit einiger Zeit zwei Arten – die Finanz- und die Managementbuchhaltung. Wahr
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Page 3013. Die Unterschiede zwischen ihnen sind vielfältig; meist wird jedoch auf die Kriterien der Nutzer der bereitgestellten Informationen abgestellt: Die Daten der Finanzbuchhaltung sind für externe Nutzer bestimmt (staatliche Stellen, Aktionäre, Einleger, Lieferanten, Käufer usw.), während die Managementbuchhaltung den Führungskräften und Managern des Unternehmens und seiner Abteilungen dient (Kalčinskas, Černius 1997; Mackevičius 2003; Kalčinskas 2007; Lakis ir kt. 2010). Der Bereich, der Management- und Finanzbuchhaltung verbindet, ist, wie angegeben wird, die Kostenrechnung (Lakis ir kt. 2010: 16).
Es scheint, dass zusätzliche Bestimmungswörter zur Differenzierung überflüssig wären, wenn sich der buchhalterische und der ökonomische Kostenbegriff bereits durch die Grundglieder der Wortverbindung unterscheiden (Ausgaben und Kosten). Tatsächlich könnte das Bedürfnis, zwischen buchhalterischen Kosten und ökonomischen Kosten zu unterscheiden, aus der englischen Terminologie entstanden sein, in der in beiden Fällen cost verwendet wird: entsprechend accounting cost und economic cost. Da die ökonomische Theorie überwiegend auf Englisch entwickelt wird und litauische Lehrbücher unter Rückgriff auf englischsprachige Werke verfasst oder aus dem Englischen übersetzt werden, könnte diese begriffliche Unterscheidung eine Folge der Übernahme einer auf Englisch entwickelten ökonomischen Theorie sein. Dennoch wird dasselbe Wort cost zur Wiedergabe des buchhalterischen und des ökonomischen Kostenbegriffs im Englischen wahrscheinlich nicht zufällig verwendet. Darauf deutet bereits ein Überblick über den Begriff hin, der in der Managementbuchhaltung zentral ist und auf Litauisch als Ausgaben bezeichnet wird und in einer litauischen Arbeit zur Managementbuchhaltung dargestellt ist:
Zur Beschreibung von Ausgaben werden verschiedenste Begriffe, Argumente, Belege und Beispiele herangezogen. Sehr häufig heißt es, Ausgaben seien alles, was den Gewinn mindert oder den Verlust erhöht. In dieser Definition bleibt unklar, was sich hinter dem Ausdruck all das verbirgt. Wir meinen, dass all das zunächst einen bestimmten Verbrauch oder Verlust von Ressourcen bezeichnet. Der Verlust bestimmter Ressourcen wird in der Literatur nicht selten als eine Art Opfer erklärt; dafür wird das englische Wort sacrifice verwendet. Die Beschreibung von Ausgaben als Opfer, als Verlust von etwas kann jedoch nicht ausschließlich negativ bewertet werden. Schließlich setzt ein Unternehmen Ressourcen ein, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Der Ressourcenverlust bringt dem Unternehmen also einen Nutzen, da es sein Ziel erreicht hat (beispielsweise ein Produkt hergestellt hat) (Mackevičius 2003: 132).
Dass ein Zusammenhang mit der erörterten Bedeutung von Kosten besteht, zeigt nicht nur dieser Überblick, sondern auch die weiter unten erwähnte Definition von Robert N. Anthony und James S. Reese, die häufig zitiert wird—
13 Diese Art der Buchhaltung wird bislang sehr unterschiedlich bezeichnet: Management-, Management-, Unternehmensführungs-, betriebswirtschaftliche, Ausgabenbuchhaltung usw. Da die englische Bezeichnung management accounting lautet, wäre Managementbuchhaltung die genaueste Übersetzung. Natürlich kann die etablierte litauische Tradition berücksichtigt werden. Über diesen Terminus sollte gesondert diskutiert werden; hier wird eine von mehreren konkurrierenden Bezeichnungen vorgestellt.
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Page 31… in Arbeiten westlicher Autoren, dass Ausgaben der Geldwert der zur Erreichung eines bestimmten Ziels verbrauchten Ressourcen sind. Darin werden drei wichtige Aspekte hervorgehoben: 1) Ausgaben entstehen durch den Verbrauch von Ressourcen bei der Herstellung von Produkten oder der Erbringung von Dienstleistungen, 2) die Menge der verbrauchten Ressourcen wird in Geldwert ausgedrückt, 3) Ausgaben fallen zur Erreichung bestimmter Ziele an – und solche Merkmale sind schließlich auch dem in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern erörterten Begriff der Kosten eigen. Den Bedeutungszusammenhang bestätigt noch stärker die angeführte Definition von Alicja Jaruga, wonach sich Ausgaben aus buchhalterischer Sicht als ein Komplex von Ressourcen definieren lassen, die im Produktionsprozess verbraucht und zu nützlichen Produkten und Dienstleistungen verarbeitet werden, sowie insbesondere David Myddletons Definition, dass Ausgaben das sind, was man aufgeben muss, um das Gewünschte zu erhalten (Mackevičius 2003: 133).
Die Entwicklung der litauischen Buchhaltungsterminologie hat dazu geführt, dass das englische costs durch drei Wörter wiedergegeben wird: Ausgaben, Aufwendungen und Selbstkosten. Im 11. Unternehmensrechnungslegungsstandard, der die Unternehmensbuchhaltung regelt, werden Ausgaben mit dem Verbrauch von Vermögenswerten und deren Wertminderung verknüpft: Sie werden als Verbrauch von Vermögenswerten oder Dienstleistungen und als Wertminderung von Vermögenswerten während der Berichtsperiode definiert. Ausgaben, die künftig Einnahmen bringen, werden den Vermögenswerten zugerechnet; Ausgaben zur Erzielung von Einnahmen der Berichtsperiode gelten als Aufwendungen der jeweiligen Periode (VAS 2013). Arbeiten zur Managementbuchhaltung zeigen, dass Ausgaben nach 27 Merkmalen eingeteilt werden können: in fixe, variable und gemischte, direkte und indirekte, produktionsbezogene und nicht produktionsbezogene, langfristige und kurzfristige usw. (Mackevičius 2003: 135–137). Doch auch in der litauischen Buchhaltungsterminologie ist ein Bedarf an einem „Gattungsbegriff“ spürbar, der Ausgaben, Aufwendungen und Selbstkosten mit einem einzigen Wort bezeichnen könnte (im Englischen wird all dies als cost bezeichnet); ein solcher Begriff wird auch verwendet – Kosten14 (Kalčinskas, Černius 1997; Kalčinskas 2007). Dass der Bedarf an diesem Begriff vor allem in der Managementbuchhaltung auftritt, deutet ebenfalls auf eine gewisse Bedeutungsnähe zu Kosten als Begriff der ökonomischen Theorie hin. Die Daten der Managementbuchhaltung werden den Unternehmensmanagern für Analysen und strategische Entscheidungen bereitgestellt; für sie sind Ausgaben nicht als Rückblick wichtig, sondern im Hinblick auf Prognosen und Alternativen.
Andererseits wird der Terminus Ausgaben nicht nur in der Buchhaltung verwendet. Auch in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern wird er durchaus gebraucht. Einige Arten von Kosten—
14 Vgl.: „Der Gattungsbegriff Kosten bezeichnet die drei wichtigsten Kennzahlen der Managementbuchhaltung: Ausgaben, Aufwendungen und Selbstkosten. Alle diese Begriffe sind gleichermaßen wichtig. Kosten wird zur Bezeichnung allgemeiner Begriffe verwendet; diese sollen jedoch konkrete Termini nicht ersetzen, wenn es um konkrete Kennzahlen geht.“ (Kalčinskas 2007: 781) (Hier steht nach der Klammer bereits kein Punkt mehr)
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Page 32… werden sogar als Ausgaben definiert; so werden Fixkosten als „Ausgaben, die sich bei einer Änderung (Zu- oder Abnahme) der Menge der produzierten Güter (Dienstleistungen) nicht ändern“ definiert, während variable Kosten als „Ausgaben, die sich in Abhängigkeit von der Menge der produzierten Güter (Dienstleistungen) ändern“ beschrieben werden (Martinkus, Žilinskas 2001: 190). In einem schulischen Wirtschaftslehrbuch werden die Definitionen kombiniert: So werden Produktionskosten sowohl als Wert aller in der Produktion verbrauchten Produktionsfaktoren als auch als Ausgaben definiert, die zur Vergütung aller Produktionsfaktoren erforderlich sind (Makutėnas, Makutėnienė 2004: 94); Gesamtkosten gelten als Summe aus Fixkosten und variablen Kosten über einen bestimmten Zeitraum und zugleich als sämtliche Geldaufwendungen für die Herstellung von Produkten oder die Erbringung von Dienstleistungen (Makutėnas, Makutėnienė 2004: 95). In Gediminas Davulis’ Ekonomikos teorijoje wird bei Verwendung des Terminus Produktionskosten in Klammern gewöhnlich Ausgaben angegeben (Davulis 2009: 56). Als Terminus und klassifizierender Begriff wird in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern jedoch, anders als in den meisten Arbeiten zur Kostenrechnung, Kosten gewählt. Unterschieden werden kurzfristige und langfristige Unternehmenskosten, fixe und variable Kosten, Gesamtkosten, Durchschnittskosten und Grenzkosten (Kerem, Randveer 1998: 38–40; Varian 1999: 347–366; Bhaskar 2000: 122–135; Skominas 2000: 149–156; Martinkus, Žilinskas 2001: 193–208; Jakutis ir kt. 2003: 44–52; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 76–78; VDU 2005: 80; Davulis 2009: 49–55; Panovas 2013: 123–129). Auch bei Definitionen der verschiedenen Unternehmenskostenarten wird jedoch versucht, vom Begriff Kosten. Fixkosten werden als Kosten beschrieben, die sich nicht ändern, wenn das Unternehmen sein Produktionsvolumen verändert; variable Kosten sind Kosten, die sich mit einer Änderung des Produktionsvolumens durch das Unternehmen verändern; die Summe aus fixen und variablen Kosten wird als Gesamtkosten bezeichnet; Durchschnittskosten sind die Gesamtkosten geteilt durch die produzierte Menge (Kerem, Randveer 1998: 38; Lukoševičius, Stankevičius 2003: 76–77; Skominas 2000: 149–150; Davulis 2009: 51).
Die Gründe für die Neigung der Wirtschaftstheorie, nicht Ausgaben, sondern Kosten zu wählen, sind vermutlich zunächst in den angebotenen Definitionen der Produktionskosten zu suchen. Produktionskosten werden zwar als Ausgaben des Unternehmens erklärt, in der Wirtschaftstheorie, die häufig als Wissenschaft von der Nutzung knapper Ressourcen definiert wird, jedoch mit der Ressourcennutzung in Verbindung gebracht und als Wert der für die Produktion verbrauchten Ressourcen oder als Preis der Aufwendungen, als Aufwendungen in Geld ausgedrückt, definiert. Das Wort Kosten wird also in einer anderen Bedeutung als „ausgegebene Geldmittel“ verstanden. Es ist nicht mit Ausgaben, sondern eher mit einem Preis verbunden, und dieser Preis ist der Preis der Aufwendungen, also dessen, was zum Zweck eines Nutzens verbraucht wird. Die Produktionskosten eines Unternehmens stimmen im Wesentlichen mit seinen Aus-
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Page 33gaben überein. Die terminologischen Unterschiede sind also vermutlich auf die Bewertung des Phänomens aus unterschiedlichen Perspektiven zurückzuführen. Für die Wirtschaft sind Kosten nicht als chronologische Aufzeichnungen über ausgegebene Geldmittel von Interesse, sondern als theoretischer Begriff. Darauf deutet auch eine ganze Gruppe abgeleiteter Begriffe hin, wie Kostenfunktion, kurzfristige Kostenfunktion, langfristige Kostenfunktion, Kostenminimierung, Kostenkurve, Kosteninflation usw. Diese Funktionen, die wirtschaftliche Zusammenhänge wiedergeben, bestätigen ebenfalls, dass der Terminus Ausgaben zur angemessenen Wiedergabe solcher Zusammenhänge ungeeignet ist: Multipliziert man die Menge der Aufwendungen mit dem Preis, lässt sich die resultierende Größe nur schwer als Ausgaben bezeichnen. Die Neigung, auch die Produktionskosten, die in der betrieblichen Praxis mit den Ausgaben übereinstimmen, mit dem Terminus Kosten zu bezeichnen, wird jedoch vermutlich vor allem durch das in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern erkennbare Bestreben bestimmt, sie in ein einheitliches Kostenklassifikationsschema aufzunehmen.
Allgemeine Kostenklassifikation und Begriffsbeziehungen
Aus den Definitionen in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern ergibt sich, dass das Wort Kosten keine völlig einheitliche Bedeutung hat: In der Wortverbindung Opportunitätskosten bezeichnet es einen Verlust, der dadurch entsteht, dass man sich für etwas anderes entscheidet, einen entgangenen Nutzen oder den Preis einer Möglichkeit; in der Wortverbindung Produktionskosten hingegen bezeichnet es den Wert der für die Produktion eingesetzten Ressourcen, meist in Geld ausgedrückt, genauer: den Preis der Aufwendungen.
Wenn das Wort unterschiedliche Bedeutungen oder zumindest Bedeutungsnuancen wiedergibt, ließe sich daraus schließen, dass sich der allgemeine Begriff Kosten gar nicht definieren lässt. Tatsächlich wird eine Definition sowohl in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern als auch in Fachwörterbüchern vermieden; wenn der Begriff doch definiert wird, dann als Kurzform für Produktionskosten. In einem für die Sekundarstufe bestimmten Lehrbuch findet sich jedoch eine solche Definition. Auf ihrer Grundlage wird angenommen, dass nur eine Bedeutung die Begriffe Opportunitätskosten und Produktionskosten miteinander verbinden kann: die eines Verlusts, der beim Erwerb von etwas entsteht: „Kosten sind das, was wir verlieren, wenn wir beschließen, etwas zu tun oder zu erwerben.“ (Makutėnas, Makutėnienė 2004: 192). Dies wäre gewissermaßen eine Verbindung zwischen den Wortverbindungen Opportunitätskosten und Produktionskosten, zugleich eine Erklärung der Bedeutung des Wortes Kosten und ein Argument dafür, warum der Lehnwortgebrauch in der Wirtschaftstheorie so verbreitet ist: Es fehlt ein litauisches Wort, das diese Bedeutung wiedergibt. Der Gebrauch des Begriffs in Lehrbüchern der Makroökonomie würde bestätigen, dass dem Wort eine ähnliche Bedeutung zugeschrieben wird. So werden persönliche Kosten des Wirtschaftswachstums – ein angespannteres, von Emotionen, Stress, Konflikten und größerer Zukunftsunsicherheit „geprägtes“ Leben – als Kosten beschrieben, „die der Mensch und die Familie tragen müssen, um den höheren materiellen Wohlstand zu erlangen, den das Wirtschaftswachstum mit sich bringt“ (Buračas ir kt. 2005: 255), was darauf hindeutet,
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Page 34dass Kosten als ein bestimmter Verlust bezeichnet wird, der beim Erlangen von etwas anderem entsteht, genauer: als Preis des materiellen Wohlstands. Anderswo werden Arbeitslosigkeitskosten unmittelbar als Preis bezeichnet, wobei das Wort im übertragenen Sinne gebraucht wird: „Arbeitslosigkeit verursacht erhebliche wirtschaftliche Kosten (economic costs). Der wichtigste wirtschaftliche Preis der Arbeitslosigkeit ist die entgangene (nicht produzierte) Produktion.“ (Čiegis 2012: 125). Manche Formulierungen deuten jedoch darauf hin, dass sich die Bedeutung des Wortes Kosten vollständig den Bedeutungen der Wörter Verlust, Wirkung, Folge annähert. So werden im Abschnitt „Kosten der Arbeitslosigkeit“ ein Rückgang des Produktionsvolumens oder des Bruttoinlandsprodukts sowie der Verlust persönlicher Einkünfte und von Qualifikationen usw. aufgeführt (Kerem, Randveer 1998: 104), was auch als negative Folgen der Arbeitslosigkeit bezeichnet werden könnte. Die als Inflationskosten geltende Umverteilung des Vermögens und die verringerte Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Exportmarkt (Kerem, Randveer 1998: 105–106) lassen sich als Folgen der Inflation bezeichnen. Soziale Kosten des Wirtschaftswachstums, etwa die mit der industriellen Entwicklung einhergehende Urbanisierung, die rasche Ausbeutung der Natur und die grundlegende Veränderung der Lebensweise der Menschen (Buračas ir kt. 2005: 255), könnte man als Verluste bezeichnen, die durch das Wirtschaftswachstum entstehen, oder als Folgen des Wirtschaftswachstums. Dennoch lassen sich diese Phänomene auch als ein Preis verstehen, den man infolge von Arbeitslosigkeit, Inflation oder Wirtschaftswachstum zahlen muss. Da die semantische Grenze nicht deutlich ist, werden bei der Erörterung dieser Phänomene an anderer Stelle die Wörter Wirkung, Folge, Verlust verwendet (Snieška ir kt. 2005: 403–406; 448–454), oder diese Wörter und Kosten werden synonym gebraucht (Kerem, Randveer 1998: 104, 106–107; Čiegis 2012: 128).
Welche Bedeutung dem Wort Kosten auch zugeschrieben wird, aus den Definitionen geht hervor, dass es in der Wortverbindung Opportunitätskosten eher mit einem durch die Entscheidung für etwas anderes entstehenden Verlust verbunden ist, also mit der übertragenen Bedeutung des Wortes Preis; in der Wortverbindung Produktionskosten hingegen steht es für in Geld ausgedrückte Aufwendungen, den Preis der Aufwendungen, also die wörtliche Bedeutung von Preis. Das deutet darauf hin, dass es schwierig sein dürfte, eine gemeinsame Klassifikationsgrundlage für Kosten als Oberbegriff zu finden. Tatsächlich werden in fast allen Lehrbüchern für Hochschulen die Kostenarten klassifiziert und definiert, ohne den Oberbegriff zu definieren. Die meisten der unterschiedenen Klassifikationseinheiten sind die bereits genannten Arten von Produktionskosten eines Unternehmens; in das allgemeine Schema werden jedoch auch Opportunitätskosten sowie bilanzielle und ökonomische Kosten, implizite und explizite Kosten aufgenommen, die nach etwas anderen Kriterien unterschieden werden. Manchmal werden außerdem individuelle und gesellschaftliche Kosten erwähnt (Jakutis 2006: 58; Davulis 2009: 56).
Es wird versucht, die Begriffe Opportunitätskosten und Produktionskosten miteinander zu verbinden, indem beide als Wert definiert werden. Der Wert ist jedoch keine Grundlage, auf der sich diese Begriffe durch unterschiedliche Bestimmungswörter voneinander abgrenzen ließen. Va-
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Page 35Die in Lehrbüchern enthaltene Erörterung der Kosten zeigt, dass Opportunitätskosten keine Art von Produktionskosten sind, wie es bei den anderen Arten der Fall ist (variable, fixe und durchschnittliche Kosten usw.). Folglich lassen sich nicht alle Begriffe nach einem einzigen Kriterium differenzieren. Andererseits sind Opportunitätskosten und Produktionskosten keine unverbundenen Begriffe. Wie sich bereits gezeigt hat, können Opportunitätskosten in Lehrbüchern als ein bestimmter Maßstab zur Bewertung von Produktionskosten gelten. Mit anderen Worten: Produktionskosten können anhand des Nutzens bewertet werden, der infolge einer Entscheidung entgeht: Bei der gesellschaftlichen Produktion ist dies der entgangene Nutzen aus der Nutzung von Ressourcen auf eine bestimmte Weise, aus den auf diese Weise nicht hergestellten Gütern oder Dienstleistungen usw.; bei der Nutzung eigener Ressourcen in einem Unternehmen sind es die entgangenen Einnahmen. Nur eine solche Verknüpfung der Begriffe würde auch die Verwendung des adjektivischen Bestandteils rechtfertigen. Der Begriff hingegen, der zu Beginn von Wirtschafts-Lehrbüchern erörtert und auf jede Entscheidung angewandt wird, wäre eher als Opportunitätskosten zu bezeichnen, das heißt als Kosten einer Alternative oder, wie es in Lehrbüchern formuliert wird, als Alternativpreis, Alternativwert, Opportunitätskosten, entgangene Gelegenheit oder Ähnliches.
Der Versuch, die weit gefassten Opportunitätskosten und Kosten als mikroökonomischen Begriff durch ein Grundwort voneinander abzugrenzen, findet sich wohl nur in einem einzigen Wirtschafts-Lehrbuch – dort werden die Begriffe Opportunitätskosten und Produktionsaufwendungen verwendet (Maldeikienė 2003). Wenn jedoch keine anderen Kosten erwähnt werden, stellt sich die Frage, wessen Alternative mit Opportunitätskosten gemeint ist. Andererseits hat sich aus der durchgeführten Analyse ergeben, dass die Ersatzbezeichnung Produktionsaufwendungen den Begriff der Produktionskosten nicht angemessen wiedergibt. Das betreffende Lehrbuch richtet sich an die Klassen 9 und 10; es enthält weder eine Produktions- noch eine Kostenfunktion, und eine Unterscheidung zwischen mengenmäßigen und wertmäßigen Größen im Zusammenhang mit der Produktion ist nicht erforderlich. Daher stellt sich das Terminologieproblem nicht. Auch die dort gegebene Erklärung des Begriffs Aufwendungen mag nur für Schülerinnen und Schüler ausreichen: „Um sein Ziel zu erreichen, muss ein Hersteller also Ausgaben tätigen. Solche Ausgaben werden üblicherweise als Aufwendungen bezeichnet. Aufwendungen sind also in erster Linie die Geldausgaben eines Unternehmens.“ (Maldeikienė 2003: 58).
Weitere Versuche, die Begriffe durch unterschiedliche Grundbestandteile zu differenzieren, gibt es nicht. Die Suche nach verschiedenen Ersatzbezeichnungen wird vermutlich auch dadurch erschwert, dass in der auf Englisch entwickelten Wirtschaftstheorie sowohl der mit der Entscheidungsalternative verbundene entgangene Nutzen als auch das Wort, das die Produktionsaufwendungen eines Unternehmens in Geld ausdrückt, cost lautet. Wird beschlossen, das Lehnwort zu vermeiden, wählt man in allen Fällen ebenfalls ein und dieselbe Entsprechung: Aufwendungen (Jakutis et al. 2007) oder Ausgaben (Paunksnienė, Liučvaitienė 2009).
Wenn man sich vornimmt, das Lehnwort zu vermeiden, ließen sich für die Begriffe vielleicht verschiedene Ersatzbezeichnungen suchen; es stellt sich jedoch die Frage, ob eine solche Suche überhaupt nötig ist. Denn das Wort
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Page 36kaštai hat in der wirtschaftswissenschaftlichen Terminologie bereits eine lange Verwendungstradition – eine hinreichend lange, um als Fachterminus anerkannt zu werden; auch das ältere Lehnwort ist für den heutigen Sprachgebrauch relevant. Für die Terminologie der im Sowjetzeitraum vorherrschenden Wirtschaftsordnung war dieses Wort vielleicht weniger relevant, doch in der Marktwirtschaft sind Preis und Geldwert von herausragender Bedeutung. Wie sich zeigt, werden auch die Produktionskosten mit dem Preis der Aufwendungen in Verbindung gebracht. Andererseits gibt es kein litauisches Wort, das sich als wirtschaftswissenschaftlicher Fachterminus für die Bedeutung „das, was beim Erwerb von etwas verloren geht“ eignet. Vermutlich sind es vor allem diese semantischen Faktoren, die dafür sorgen, dass das Lehnwort kaštai verwendet wird.
GRÜNDE FÜR DIE DISKREPANZ ZWISCHEN NORM UND SPRACHGEBRAUCH
Die Analyse der Norm für das Substantiv kaštai und seiner Verwendung in Wirtschafts-Lehrbüchern zeigt, dass es mehrere und recht komplexe Ursachen für die entstandene Diskrepanz gibt. Die wichtigsten sind jedoch, wie die durchgeführte Analyse ergeben hat, eine unzureichende Berücksichtigung der Semantik des Wortes und der Besonderheiten seines Verwendungsbereichs.
Da das Substantiv kaštas in litauischen Wörterbüchern lediglich als „Ausgaben, Geldmittel“ definiert wird, kommt nur eine Bedeutungsnuance des Wortes zum Ausdruck. Als Begriff der Wirtschaftstheorie wird dieses Wort gerade mit den in Wörterbüchern nicht genannten Bedeutungen von kaštas verbunden, das heißt mit „Preis“ und „Wert“. Zugleich wird das Lehnwort in der Wirtschaftstheorie in einer Bedeutung verwendet, für die es kein litauisches Wort gibt. Gemeint ist das, was bei einer Entscheidung, beim Erhalten oder beim Erwerb von etwas verlorengeht. Es handelt sich nicht einfach um einen Verlust; daher geben die Wörter Verlust, Schaden, Einbuße, Verlust, Verlust diese Bedeutung nicht angemessen wieder. Im allgemeinen Sprachgebrauch könnte das Wort Preis in übertragener Bedeutung diese Bedeutung ungefähr wiedergeben, doch im wirtschaftlichen Bereich würde es Mehrdeutigkeitsprobleme verursachen.
Die kodifizierte Norm schlägt jedoch nicht einmal Preis und Wert als Ersatzbezeichnungen vor. In normativen lexikografischen Werken und in litauischen Wörterbüchern, die Bedeutungen erläutern, werden als Ersatz für das Lehnwort kaštai die Wörter Ausgaben, Geldmittel und Aufwendungen genannt. Die Analyse des tatsächlichen Sprachgebrauchs anhand wirtschaftswissenschaftlicher Texte zeigt, dass man diese Ersatzbezeichnungen nicht gern verwendet; die in den Texten enthaltenen Begriffsdefinitionen zeigen zudem, dass sie gar nicht verwendet werden könnten. Die Ersatzbezeichnung Aufwendungen wird, wie in einem anderen Wörterbuch vorgeschlagen, im selben Fachgebiet mit einer anderen Bedeutung verwendet – als Begriff für die bei der Produktion verbrauchten Ressourcen oder deren Menge. Ausgaben setzen sich in der Wirtschaftstheorie ebenfalls nicht durch, wahrscheinlich auch aus semantischen Gründen.
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Page 37Gründe: Das Phänomen wird in diesem Bereich als Wert der verbrauchten Ressourcen, als Preis verstanden und nicht als die von einem Unternehmen für den Erwerb dieser Ressourcen aufgewendeten Geldmittel. Das Ersatzwort Geldmittel wurde in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern gar nicht erst zu verwenden versucht, da seine Bedeutung zur Bezeichnung des untersuchten Phänomens überhaupt nicht passt.
Die Ersatzwörter Aufwendungen und Ausgaben würden den Kern des Begriffs Opportunitätskosten keineswegs vollständig erfassen, denn dieser Begriff hängt mit einem bestimmten Verlust bei der Wahl einer Alternative zusammen. In wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern, die überwiegend die auf Englisch entwickelte Wirtschaftstheorie vermitteln, werden die Begriffe Opportunitätskosten und Produktionskosten tendenziell mit demselben Grundwort verbunden. Der Einfluss des Englischen lässt sich nicht völlig ausschließen, denn sowohl in Litauen als auch in anderen Ländern der Europäischen Union überwiegt die auf Englisch entwickelte Wirtschaftstheorie, und bei ihrer Vermittlung auf Litauisch wird das Begriffssystem berücksichtigt. Dieser Einfluss zeigt sich auch in wirtschaftswissenschaftlichen Wörterbüchern: Mit der Westorientierung der Wirtschaftswissenschaften nahm die Zahl der Einträge mit dem Wort Kosten dort deutlich zu. Es kamen zahlreiche Begriffe auf theoretischer Ebene hinzu, die das Wort cost enthalten; mit diesem Wort wurden auch zusammengesetzte Termini gebildet, deren Grundwort in früheren Wörterbüchern Ausgaben gewesen war.
Andererseits ist die normative Bewertung des Wortes kaštai nicht konsequent. Die kodifizierte Norm ist uneinheitlich – weder synchron noch diachron. Noch heute gilt das Wort als ein in der Standardsprache eingeschränkt verwendetes Wort oder schlicht als Entlehnung (DŽ), als Entlehnung mit dialektaler Färbung (LKŽ) und als zu vermeidender Fremdwortgebrauch (KP4). Als zu vermeidender Fremdwortgebrauch wurde der Terminus kaštai erst mehr als 30 Jahre nach seiner ersten negativen Bewertung eingestuft (ntk.), die in KPP₁ (1976) erfolgte. Bis dahin hatte sich der Gebrauch des Terminus bereits durchgesetzt. Dass kaštai nicht in die 1985 erschienenen KPP₂ aufgenommen wurde, deutet ebenfalls auf Schwankungen der Norm hin. Diese zeigen sich auch in der Bewertung des Wortes in der Periodika. Nachdem P. Skardžius 1962 die Ersatzwörter Ausgaben und Geldmittel vorgeschlagen hatte, wurde darauf hingewiesen, dass sie nur in manchen Fällen passen. 1995 wurde ebenfalls festgestellt, dass das Wort kaštai im publizistischen Sprachgebrauch auch als Wort für Preis oder Wert verwendet wird; als Ersatz wurden jedoch Geldmittel, Aufwendungen, Ausgaben vorgeschlagen (Pupkis 1995: 14). Außerdem wurde bei der Erörterung des Wortes kaštai eine weitere Bedeutungsnuance nicht berücksichtigt, nämlich der Zusammenhang mit dem Verlust, der entsteht, wenn man etwas anderes erhält, mit dem Wert des Verlusts. Das zu korrigierende Substantiv wurde mit dem Verb kaštuoti in Verbindung gebracht; als Argument diente der Rückgang des Gebrauchs dieses Verbs. Die analysierten wirtschaftswissenschaftlichen Texte zeigen, dass das Verb kaštuoti heute gar nicht mehr verwendet wird, das Substantiv für die Wirtschaftstheorie jedoch als Terminus relevant ist.
Das Englische, das bei der Entwicklung der Wirtschaftstheorie vorherrscht, fördert nicht nur die Beachtung begrifflicher Entsprechungen, sondern weist auch auf den phonetischen Anklang zwischen dem englischen cost und dem litauischen kaštai hin—
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Page 38netischen Anklang. Wie bereits erwähnt, weist auch das deutsche Kosten eine ähnliche phonetische Struktur auf. Der heutige Kontakt mit weiteren Sprachen der Welt zeigt, dass ein Wort derselben Wurzel auch in vielen anderen Sprachen verwendet wird: span. costo (coste), ital. costo, port. custo, niederl. kosten, frz. coût, norw. kostnad, belaruss. koum, dän. omkostning, finn. kustannus usw. Z. Babickienės Artikel bestätigt die etymologischen Erkenntnisse von P. Skardžius: Der Terminus kaštai ist indoeuropäischen Ursprungs. Der Autorin des Artikels zufolge gelangte er aus dem Altfranzösischen ins Mittelenglische: cocter, to cost – lot. cōnstāre, „to be fixed“, const (Babickienė 2012: 57). Diese Wortherkunft verändert seinen Status als Fremdwort und ist ein weiterer Faktor, der seinen Gebrauch begünstigt. Unabhängig von seiner Herkunft ist das Wort jedoch phonetisch und morphologisch vollständig angepasst und unterscheidet sich nicht von Wörtern, die nicht als Fremdwörter gelten, wie paštas, raštas und dergleichen.
Wie sich zeigt, sind die Faktoren, die das Wort kaštai in der wirtschaftswissenschaftlichen Terminologie stützen, stark; das Problem ist vielschichtig und umfasst zahlreiche Bereiche. Weitere Faktoren für die Diskrepanz zwischen Gebrauch und Norm würden deutlich, wenn andere Anwendungsbereiche eingehender untersucht würden, vor allem der Bereich des Rechnungswesens. Die vorgelegte Analyse würde außerdem durch eine Untersuchung der Verbreitung des Wortes im allgemeinen Sprachgebrauch, insbesondere in wirtschaftswissenschaftlichen oder buchhalterischen Fachartikeln, sowie durch eine ausführlichere Untersuchung der Entwicklung des Terminus wesentlich ergänzt. Es gibt also noch viele mögliche Forschungsrichtungen; dieser Artikel ist vielmehr ein erster Ansatz, das Verhältnis zwischen Gebrauch und kodifizierter Norm sowie die Faktoren ihrer Inkohärenz zu untersuchen.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. In den neuesten Arbeiten zur kodifizierten Norm (KP41 und KP42) wird das Wort kaštai normativ negativ bewertet, das heißt, es gilt als zu vermeidender Fremdwortgebrauch. In Texten zur Wirtschaftstheorie, insbesondere in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern für Hochschulen, wird es jedoch häufig verwendet. Dieses Verhältnis lässt sich als eine Kluft zwischen Norm und Gebrauch bewerten.
2. Eine Ursache dieser Diskrepanz ist die Uneinheitlichkeit der Norm selbst – sowohl der geltenden als auch der früheren. Im LKŽe gilt das Wort kaštas lediglich als eine in den Dialekten verbreitete Entlehnung (aus dem Polnischen); im DŽe ist der Verweis „siehe“ lediglich ein Vorschlag, das Wort durch die gebräuchlicheren Wörter litauischen Ursprungs išlaidos, lėšos zu ersetzen, während dieses Wort im KP4 als zu vermeidendes Fremdwort aus dem Finanzbereich gilt. Streng bewertet wurde kaštai im KKP1 – als nicht zu empfehlendes Fremdwort; in das KKP2 wurde es jedoch nicht aufgenom-
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Page 39Das bedeutet, dass zwischen 1976 und 2005 ein recht langer Zeitraum sprachpflegerischer Arbeit lag.
3. Bei der Korrektur des Substantivs in sprachpraktischen Publikationen beruft man sich gewöhnlich auf den selbsttätigen Rückgang des Derivats kaštuoti im Sprachgebrauch. Dieses Derivat wird in Texten der Wirtschaftstheorie nicht verwendet, das Substantiv kaštai hat sich jedoch als Terminus etabliert. Die Analyse des Sprachgebrauchs zeigt, dass dieses Lehnwort in der Wirtschaftstheorie eine besondere Bedeutung vermittelt: „Verlust beim Erwerb von etwas“, für die ein entsprechendes litauisches Wort fehlt. Mit den Wörtern nuostolis, netektis, praradimas, žala lässt sie sich nicht hinreichend wiedergeben. Im allgemeinen Sprachgebrauch könnte die übertragene Bedeutung von kaina diese Bedeutung ungefähr ausdrücken; für die Wirtschaftstheorie ist dieses Wort jedoch wegen seiner Mehrdeutigkeit ungeeignet. Als Terminus für Produktionskosten und ihre Arten wird das Wort kaštai gewöhnlich mit einem monetären Wertausdruck – dem Preis – und somit eher mit der unmittelbaren Bedeutung von kainos in Verbindung gebracht.
4. Die in sprachpflegerischen Publikationen vorgeschlagenen Ersatzwörter lėšos, išlaidos, sąnaudos geben die Bedeutung des Begriffs nicht hinreichend wieder; zudem werden sie im selben Bereich in anderen Bedeutungen verwendet. Der Terminus išlaidos grenzt außerdem die Bereiche der Wirtschaftstheorie und der Buchführung voneinander ab.
5. Einer der Faktoren, die das Wort kaštai in der Wirtschaftstheorie stützen, ist das Bestreben, ein allgemeines Klassifikationsschema für Kosten bereitzustellen; dieses Bestreben wird von der auf Englisch entwickelten Wirtschaftstheorie und der Darstellung von Begriffen im Englischen beeinflusst. Dies bestätigen wirtschaftswissenschaftliche Terminologiewörterbücher, die aus dem Englischen übersetzt oder unter Berücksichtigung der englischen Fachterminologie zusammengestellt werden.
6. Der Terminus kaštai ist im Wirtschaftsbereich schon recht lange gebräuchlich. Er wurde auch in einem wirtschaftswissenschaftlichen Terminologiewörterbuch aus der Sowjetzeit (1966) verwendet; Wörterbücher, die während des Übergangs zur Marktwirtschaft und zu einer Wirtschaftswissenschaft, die deren Prinzipien formuliert, erstellt wurden, zeigen, dass der Terminus noch größere Aktualität erlangt hat.
7. Den Terminus stützt in der wirtschaftswissenschaftlichen Terminologie auch seine lautliche Ähnlichkeit mit entsprechenden Termini in anderen Sprachen. Dieses Wort ist nicht polnischen, sondern indoeuropäischen Ursprungs; zudem hat es sich im Litauischen phonologisch und morphologisch angepasst.
8. Die Faktoren, die Kaštus als wirtschaftswissenschaftlichen Terminus stützen, sind recht gewichtig, während die bisher vorgeschlagenen Ersatzwörter die Bedeutung nicht angemessen wiedergeben. Daher sollte sich der weitere Gebrauch im Fachgebiet damit befassen, ob neue Ersatzwörter gesucht oder unter Wahrung des Kontinuitätsprinzips weiterhin der Terminus kaštai verwendet werden soll. Angesichts dessen, dass die Bedeutungsnuancen des Wortes kaštai in der Wirtschaftstheorie unterschiedlich sind – es bezeichnet sowohl den Wert (Preis) des Verlusts, der aus der Notwendigkeit einer Wahl entsteht, als auch den Wert (Preis) des Aufwands –, ist jedoch zu erwägen, ob es für die wirtschaftswissenschaftliche Terminologie nicht nachteilig ist, in beiden Fällen dasselbe Wort zu verwenden.
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Gauta 2013 12 09 Priimta 2013 12 20
KAŠTAI – A BARBARISM TO BE AVOIDED OR AN INEVITABILITY OF ECONOMIC THEORY?
Summary
The article addresses a case of word use which is in disagreement to the codified norm – the use of the noun kaštas (English cost) in the economic language. Based on the analysis of the use of this word and the whole group of terms formed with it in the economic theory textbooks for higher education institutions as well as the
R. VASKE LAITĖ. Kaštai – vengtina svetimybė ar ekonomikos teorijos neišvengiamybė?
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Page 44treatment of the term in the dictionaries of economic terms, the article aims to find out the factors determining the contradiction between the norm and actual use.
A rather varied evaluation of the noun kaštas in terms of norm in various dictionaries and standardising publications is considered one of such factors. Such norm variations is one of the factors of the spread of this word in the actual use, however, this loanword is special by its spread in a special area exclusively – economic theory. It means that the theory employs this word as a term for rendering a special meaning.
The analysis of the texts on economic theory, revealing the meaning of the word kaštai as a term of economic theory, also unravels the reasons of the word’s insusceptibility to corrections: the proposed replacements išlaidos (expenses), lėšos (funds), sąnaudos (expenditure) do not render the meaning of the word; what is more, they are used in the same area in different meanings. The term išlaidos also separates the spheres of economic theory and accounting.
Whereas a Lithuanian word rendering the specific meaning is lacking, the loanword is used. One of the factors in favour of the use of the loanword is also its spread in various languages, not only Polish, which was considered the source of arrival of this word in Lithuanian dialects. Contemporary interaction with other world languages shows that the word of this root is also used in other European languages. The loanword is also supported by the fact that economic theory is predominantly created in English and the arrangement of concepts in it has influence on the arrangement of Lithuanian concepts.
On the other hand, the use of the term kaštai in the economic sphere is rather old. As the norm of this word tends to vary and it is being corrected from time to time, it has already established itself in the economic language and, in contrast to the new Anglicisms, it has been adapted in Lithuanian phonetically and morphologically. Its replacement would mean the reformation of the long-established system of concepts in the science of economics; however, the major problem pertains to the fact that the replacements proposed to date do not render the meanings of this word in the economic theory. It should be up to the representatives of the economic theory, i.e. authors of new textbooks and compilers of the dictionaries of terms, to decide whether it is meaningful to search for new replacements or to support the long-established system of concepts.
KEYWORDS: loanword, barbarism to be avoided, meaning of the word, norm, use, term, concept.
RAMUNĖ VASKELAITĖ
Lietuvos bankas
Gedimino pr. 6, LT-01103 Vilnius
[email protected]
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