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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXX (1993)

PERIFERINĖS LIETUVIŲ KALBOS TARMĖS

Anmerkungen. Rezensionen

EINIGE ANMERKUNGEN ZU HIBR. stigavóti

Hibr. stigavóti „behaupten, versichern, glauben (refl. streiten, widersprechen)“ und seine Ableitungen (įstigavóti, pastigavóti, par-/per-stigavóti, susistigavóti; stigavójimas, stigavónė) sind in der žemaitischen Mundart häufig und recht weit verbreitet (besonders in den nordwestlichen Sprechweisen). Das belegt auch das LKŽ (XIII 770). Im Wortnest von stigavóti sind hier Belegbeispiele aus nicht weniger als vierzehn Orten der žemaitischen Mundart angeführt, von denen der größere Teil zu den nordwestlichen Žemaiten gehört (Als, Ggr, Gršl, Klp, Ms, Rt, Slnt, Šts, Šv, Vvr).

Dieses Wort und seine Ableitungen sind auch in den Schriften von S. Daukantas und M. Valančius, Vertretern der Kultur und Literatur des 19. Jahrhunderts, die auf Žemaitisch schrieben, nicht selten. Das geht ebenfalls aus den vom LKŽ angeführten Sätzen hervor; in der Belegkartei des Wörterbuchs finden sich noch weitere.

Unklar ist lediglich die Schreibweise dieses Wortes. Im LKŽ wurde als Normform die Form mit langem Stammvokal angeführt, į-stigavóti, daneben wird auch eine Form mit kurzem Vokal angegeben – stigavóti. Das Belegmaterial vermittelt jedoch ein umgekehrtes Bild. Die nordwestlichen Žemaiten sprechen das Wort stigavóti und seine Ableitungen mit kurzem i aus. Die zwei im LKŽ angegebenen Fälle mit langem i stammen aus dem südlichen Žemaitisch (stygavós, įstygavólja) Užv, Up), obwohl hier auch ein Beispiel mit kurzem i vorliegt (stigavójo Rs). Die von S. Daukantas und M. Valančius verwendeten Formen wurden bisher ebenfalls mit kurzem i geschrieben (vgl. ihre von J. Balčikonis, J. Talmantas und Z. Zinkevičius herausgegebenen Schriften¹ sowie das von A. Kalnius zusammengestellte Wörterbuch zu den Schriften von S. Daukantas²). Auch die Beispiele aus den Schriften von M. Valančius werden im LKŽ mit kurzem i angeführt (stigavojo, susistigavojo, stigavonė), während bei S. Daukantas beide Schreibweisen vorkommen (stigavoti, susistigavojo, bet stygavojimas). Für die Schreibweise mit langem i gibt es jedoch keinerlei Grundlage. Das zeigt deutlich die Mundart der Heimatregion von S. Daukantas; sich allein auf seine Schreibweise zu stützen, ist unzuverlässig, da S. Daukantas lange und kurze Vokale nicht konsequent schrieb. Das vom LKŽ angeführte Belegbeispiel, das aus S. Daukantas’ „Darbai“³ stammt, bestätigt dies gerade (hier bezeichnet der Buchstabe y meist ein kurzes, offener ausgesprochenes i, vgl.: Wynog tu wiru stygawoyimas nieka nie darodis, S. 20).

Auch die aus älteren Wörterbüchern oder anderen Schriften angeführten Belege sprechen für kurzes i. Die Formen dieses Wortes aus M. sind parallel sowohl mit langem als auch mit kurzem i angegeben.

¹ Žr. Valančiaus Raštai. Redagavo ir žodynėlį pridėjo J. Balčikonis. K., 1931. P. 481; Daukantas S. Lietuvių būdas. Redagavo ir žodynėlį pridėjo J. Talmantas. K., 1935. P. 353; Daukantas S. Rinktiniai raštai. Sudarė M. Lukšienė, tekstą paruošė Z. Zinkevičius. V., 1955. P. 465.

² Kalniaus A. Simano Daukanto raštų žodynas (das Typoskript befindet sich in der Wörterbuchabteilung des Instituts für Litauische Sprache). S. 99.

³ Simanas Daukantas. Darbay senuju Lituwiu yr Žemaycziu 1822. Spaudai paruošė Vaclovas ir Mykolas Biržiškiai. K., 1929.

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In Niedermanno' Wörterbuch entstand die Form vermutlich durch die Zusammenführung der Wortnester zweier Wörter dieses Wörterbuchs (Ndž99). Abgesehen von dem im LKŽ angeführten Beispiel mit langem i aus „Tėvynės Sargas“ gab es in der Belegkartei des Wörterbuchs aus derselben Quelle auch einen Satz, in dem dieses Wort mit kurzem i geschrieben wird: jisai jug stigavoja apie mūsų probočių dievobaimingumą (1901, IV-V, 14).

Da das Belegmaterial zeigt, dass als Lemma die Form mit kurzem i angesetzt werden sollte, ist nicht klar, warum umgekehrt verfahren wurde. Man kann annehmen, dass hibr. stigavoti mit langem i an das Wort stýgauti „sagen, eine Meinung äußern, behaupten“ (LKŽ XIII, 769) angeglichen wurde, das bei der ersten Bedeutung von stigavóti angegeben wird; doch auch die Ansetzung dieses Wortes als Lemma mit langem Stamm-i ist fraglich. stygauti mit langem i wird im LKŽ durch drei Beispiele belegt: aus den Schriften von J. Balvočius, aus der Märchensammlung von J. Basanavičius (von dort stammt auch das angeführte Beispiel įstygavojimo) sowie aus S. Daukantas’ „Darbai“. Das aus S. Daukantas’ „Darbai“ angeführte Beispiel mit langem i ist jedoch, wie schon im ersten Fall, nicht genau, da es lediglich die Schreibweise wiedergibt. Tatsächlich ist auch das Beispiel von S. Daukantas hier unpassend, denn der im betreffenden Satz genannte Ausdruck ist nicht die Vergangenheitsform des Wortes stigauti, sondern das Präsens des Verbs stigavoti. Das ist aus dem Kontext deutlich ersichtlich: Pinkerson's stygaw[o]ja sawa rasztuse jog Eurley yr Sarmatay winos gymynies buwa yr wina kalba kalbieja. Tą patį saka antras garsus wir's Maltburn stygawodamas... (S. 11). Wäre es also nicht zuverlässiger, sich auf die von den Wörterbüchern von A. Kuršaitis, M. Miežinis und M. Niedermann gebotene Form stigauti (mit kurzem Stamm-i) zu stützen und die in den Schriften belegte Form mit langem i – stygauti – als Nebenform anzuführen? Vgl. außerdem die im LKŽ (XIII) angeführten Wörter mit derselben Wurzel: įsistigti „hartnäckig behaupten“ (S. 773), stignėti „behaupten“ (S. 771), stiguoti (S. 774).

Birutė Vanagienė

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