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Endzelīna Darbu izlasē“, S. 38–39).

Unter den im Band veröffentlichten Artikeln zu anderen Themen möchte man zunächst auf den Beitrag von P. Vanagas „Die Herkunft des Textes des lettischen Katechismus von 1586“ („1586. gada latviešu katehisma teksta izcelsme“, S. 52–62) aufmerksam machen, der eine sorgfältige Analyse der Quellen dieses Denkmals der lettischen Sprache enthält.

Für Forscher der litauischen Sprache könnten auch die weiteren hier veröffentlichten Beiträge von Interesse sein: M. Rudzytės „Über die Lexik der Braslawer“ („Par braslaviešu leksiku“, S. 40–43), V. Rūkes-Dravinijos „Alte Zäune in Nordlivland bei Valmiera“ („Senie žogi Ziemeļvidzemē ap Valmieru“, S. 44–51), A. Rekenos „Besonderheiten der Verbformen in J. W. Goethes Übersetzung des ‚Faust‘“ („Verba formu īpatnības J. V. Gētes ‚Fausta‘ atdzejojumā“, S. 63–71), A. Kalnačos „Die Kategorie der Zeit in lettischen Grammatiken“ („Laika kategorija latviešu gramatikās“, S. 72–80), J. Grigorjevs „Die akustische Charakteristik der Vokale der lettischen Standardsprache“ („Latviešu literārās valodas patskaņu akustisks raksturojums“, S. 81–83).

P. Vanagas rezensiert die von dem australischen Linguisten T. G. Fennell herausgegebene neue Ausgabe von Adolphijis lettischer Sprachgrammatik (1685). Außerdem gibt er einen sehr ausführlichen Überblick über die litauische sprachwissenschaftliche Literatur der Jahre 1993–1994. L. Baluodė schreibt über das 1994 an der Universität Vilnius veranstaltete internationale Seminar „Lituanistik an den Universitäten der Welt“ und über die im selben Jahr in Kaunas an der Vytautas-Magnus-Universität abgehaltene Konferenz „Litauen-Lettland: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“. A. Stikanė informiert über die Tätigkeit der Lettischen Philologischen Gesellschaft, T. Karma über eine an der Universität Tartu abgehaltene Konferenz zu Problemen der Schriftsprachen der Völker des baltischen Raums, S. Kliavinia über das in Riga veranstaltete Seminar „Sprache und Technologie in Europa nach dem Jahr 2000. Die baltische Perspektive“.

Es wird des Andenkens an die bedeutende lettische Sprachwissenschaftlerin Alysė Laua (1914–1994) gedacht.

Algirdas Sabaliauskas

SYNTAXE DER LETTISCHEN VOLKSLIEDER

Endlich ist die vor mehreren Jahrzehnten von dem bedeutenden lettischen Sprachwissenschaftler Alfred Gater verfasste Monografie „Lettische Syntax: die Dainas“1 (Lettische Syntax: (Volks-)Lieder) erschienen. Auf der Grundlage eines sehr umfangreichen Volksliedmaterials wird darin die Morphosyntax der Sprache der lettischen Volkslieder eingehend analysiert. A. Gater ist der einzige Forscher, der der Syntax der lettischen Volkslieder eine eigenständige, umfangreiche Arbeit gewidmet hat (der analytische und der synthetische Teil des Buches umfassen zusammen 648 Seiten).

Ein wenig über den Autor dieses Werkes. A. Gater wurde am 24. April 1921 im Nordosten Lettlands, im Bezirk Kalnciems, in Spyvuli geboren. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Madona im Jahr 1941 studierte er 1942 germanische Philologie und indoeuropäische Sprachwissen-

1 Gāters A. Lettische Syntax: die Dainas. Herausgegeben von Hildegard Radtke. Frankfurt am Main; Berlin; Bern; New York; Paris; Wien: Lang, 1993. 679 p.

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Sein Studium begann er an der Universität Litauens. Unter anderem war hier auch J. Endzelynas (Endzelīns) sein Lehrer. 1943 wurde Gateris in die Lettische Legion einberufen. 1945 setzte er sein Studium der germanischen Philologie, der klassischen Sprachen und der vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft unter der Leitung von Professor E. Frenkelis (Fraenkel) an der Universität Hamburg fort. Hier promovierte er 1949 mit der Dissertation „Beiträge zur Bedeutungsgeschichte der ins Lettische entlehnten mitteldeutschen Nomina“ (Zur Bedeutungsgeschichte der aus dem Mittelhochdeutschen entlehnten Substantive im Lettischen). Von 1957 bis 1963 schloss er dort, in Hamburg, erfolgreich auch ein Medizinstudium ab und arbeitete bis zu seinem Tod – dem 2. Juli 1986 – als Arzt. A. Gateris setzte seine Forschungen auch auf dem Gebiet der Philologie fort und veröffentlichte in Zeitschriften und enzyklopädischen Publikationen verschiedener Länder zahlreiche Beiträge zur baltischen Sprachwissenschaft und zur lettischen Literatur. 1977 veröffentlichte er die Monographie „Die lettische Sprache und ihre Dialekte“2 (Die lettische Sprache und ihre Mundarten). Leider vollendete er sein letztes Werk „Lettische Literatur“ (Lettische Literatur) nicht.

Die Monographie „Lettische Syntax“ hatte A. Gateris bereits vor mehr als dreißig Jahren fertiggestellt, doch bis heute war sie nicht gedruckt worden. Warum kam es dazu? Damals, Ende der fünfziger Jahre, ließen sich weder die nötigen Mittel noch ein Verlag finden, der bereit gewesen wäre, das Buch herauszugeben. Später wollte der Autor, enttäuscht darüber, dass er das Manuskript erheblich kürzen sollte, nicht einmal mehr darüber sprechen und verhielt sich, als gäbe es das Werk nicht mehr. Daher waren A. Gateris’ Freunde fast 30 Jahre lang überzeugt, dass das Manuskript der „Lettische Syntax“ wahrscheinlich vom Autor verbrannt worden sei. Nach A. Gateris’ Tod stellte sich jedoch heraus, dass dem nicht so war. Über den sehr langen und beschwerlichen Weg dieser Monographie zu ihren Lesern schrieb A. Gateris’ Freund A. Dzenis in dem Artikel „Kāda manuskripta neparastais liktenis“ (Das ungewöhnliche Schicksal eines Manuskripts. — Wochenzeitung „Brīvā Latvija“, 10.–17. Januar 1994). Nun ist diese Monographie, wie A. Dzenis schreibt, dank drei optimistischen und tatkräftigen Frauen erschienen: A. Gateris’ Schwester J. Bergholce beschaffte die erforderlichen Mittel, die Philologin, Dr. phil. R. Gryslė (Grīsle) redigierte das Manuskript, und die Medizinerin, Dr. med. H. Radtke, fand einen Verlag und leitete die technische Arbeit.

Obwohl A. Gateris laut A. Dzenis Kürzungen am Manuskript der „Lettische Syntax“ abgelehnt hatte, hat jemand (vielleicht doch der Autor selbst) einiges gestrichen3. Vor allem wurde die Fülle der Beispiele reduziert; stellenweise wurde aber auch der Text des Autors selbst gekürzt (mancherorts wurden sogar ganze Absätze gestrichen), insbesondere dort, wo von den paradigmatischen Beziehungen zwischen den Kasusformen der Substantive die Rede ist (d. h. von Fällen ihres parallelen Gebrauchs), z. B. S. 123–124, 132, 157, 175, oder von einigen ihrer Nebenbedeutungen und Funktionen im Satz, z. B. S. 77, 157, 187. Stellenweise wurden auch Anmerkungen zur Verbreitung bestimmter Formen und Konstruktionen in den lettischen Mundarten gestrichen (solche Anmerkungen sind in der Monographie insgesamt sehr selten), z. B. S. 131, 303, ebenso wie Hinweise auf ihre Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen (Latein, Altgriechisch, Gotisch), z. B. S. 78, 120, sowie auf die ursprünglichen Bedeutungen einzelner Wörter oder die Rekonstruktion von Wurzeln, z. B. S. 120, 224. Es ist schwer zu verstehen, warum die genannten und noch weitere Stellen im Manuskript der Monographie gestrichen wurden. Vielleicht erschien dem Autor dies für die Untersuchung der Syntax lettischer Volkslieder nicht so wichtig; vielleicht dachte er, dass solche Einzelheiten von der Hauptsache ablenken könnten. Oder vielleicht begann er im Laufe der Zeit an der Richtigkeit einiger Aussagen zu zweifeln und meinte, dass dies oder jenes noch

2 K a b e l k a J. (Rec.) — Baltistica. T. 14(2), 1978. P. 159—161.

3 In der gedruckten Monographie ist der vollständige Manuskripttext enthalten; die Stellen der Kürzungen sind jedoch durch eckige Klammern [] gekennzeichnet.

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sollte überprüft werden. Außerdem könnte es sein, dass die Kürzungen nur vorgenommen wurden, um den Umfang des Buches zu verringern — gestrichen wurden lediglich jene Sätze und Absätze, auf die man verzichten kann.

Leider sind all dies jetzt nur Vermutungen. Insgesamt betrachtet erwecken die erwähnten Kürzungen und die Tatsache, dass der Autor selbst fast dreißig Jahre lang weder über diese Arbeit sprechen noch etwas von ihr hören wollte, den Eindruck, dass die Syntax der lettischen Volkslieder als unvollendete Untersuchung anzusehen ist (was jedoch keineswegs die Bedeutung der Publikation mindert). Da dennoch die vollständige Fassung des Manuskripts gedruckt wurde, kann man dieses Buch als ein geschlossenes Werk betrachten und als solches beurteilen.

A. Gateris’ Untersuchung ”Lettische Syntax: die Dainas” unterscheidet sich insgesamt erheblich von traditionellen /modernen/ Syntaxuntersuchungen, sowohl hinsichtlich ihrer (besonders im ersten Teil) Struktur als auch in bestimmten Fällen hinsichtlich ihres Inhalts (so hat er beispielsweise einem der wichtigsten Gegenstände der Syntax — dem Text — keine Beachtung geschenkt; er spricht weder über die Wortstellung im Satz noch über Fälle der Assimilation und Kontamination einzelner Satzglieder usw.). Größeren Raum nehmen hier morphosyntaktische Fragen ein, die untersucht (d. h. detailliert und sorgfältig inventarisiert) werden. Dies zeigt sich auch in der Aufteilung der Monografieteile: Der erste — analytische — Teil (die Untersuchung des Gebrauchs der Wortarten) umfasst etwa fünfhundert Seiten, während der zweite — synthetische — Teil (die Klassifikation von Sätzen und Nebensätzen, die Analyse von Wortgruppen) nur etwa anderthalb hundert Seiten ausmacht.

Offenbar folgte A. Gateris hier dem Beispiel von Prof. J. Endzelīns’ ”Grammatik der lettischen Sprache”, denn auch darin wurde vor allem die Syntax der Wortformen behandelt — der Gebrauch der Kasus der Nomina und der Verbformen (obwohl sie der Wortlehre, d. h. der Morphologie, zugeordnet ist). Auch den größeren Teil des ersten Abschnitts von A. Gateris’ Monografie bilden Beschreibungen verschiedener Wortformen und ihres Gebrauchs, Erklärungen der paradigmatischen Wechselbeziehungen zwischen diesen Formen und den Funktionswörtern (welche Form oder welches Wort eine andere Form oder ein anderes Wort vertreten kann) sowie Aufzählungen der Funktionen, die jede Wortart oder eine ihrer Untergruppen erfüllen kann. All dies wird durch zahlreiche interessante und recht komplexe Beispiele aus lettischen Volksliedern mit deutschen Übersetzungen veranschaulicht (die Monografie ist auf Deutsch verfasst)4.

Im zweiten, wie bereits gesagt, wesentlich kürzeren Teil der Monografie von A. Gateris werden Sätze und Wortverbindungen analysiert. Die Sätze wurden nach ihrer Semantik, den sie bildenden Wortarten und den Arten der syntaktischen Beziehungen zwischen ihren einzelnen Komponenten untersucht (asyndetische oder syndetische Verbindung). Einige der gebräuchlichsten Wortverbindungen werden hier auch diachronisch betrachtet; so wird beispielsweise auf S. 558 erklärt, dass der in lettischen Volksliedern sehr häufig verwendeten Verbindung tēvs māmīna ‚Eltern‘ (wörtlich: ‚Vater Mutter‘) entsprechende Verbindungen nicht nur im Litauischen, sondern auch im Altindischen und in der Tocharischen Sprache A vorkommen. Stellen, an denen Entsprechungen zwischen Formen so weit entfernter Sprachen (Altindisch, Tocharisch, Albanisch) sowie Wurzeln der indoeuropäischen Ursprache erörtert werden, gibt es in der Monografie nicht viele; sie heben sich daher vom Haupttext ab (z. B. bei der Behandlung der Pronomen auf S. 206–207, 231,

4 A. Dzenis schreibt, dass A. Gateris auf die Frage, warum er sich solche Mühen mache, wo es doch viel einfacher wäre, auf Lettisch zu schreiben, ganz schlicht und logisch geantwortet habe: „Die Lieder gehören zu den größeren Kulturschätzen unseres kleinen Volkes, doch man kennt sie in der Welt nicht, weil es keine Literatur gibt. Wenn wir selbst hier nichts unternehmen, wird es so bleiben.“ (Übersetzt aus dem erwähnten Artikel von A. Dzenis.) Und da alle, die schon einmal versucht haben, lettische Volkslieder zu übersetzen, wissen, wie schwierig das ist, sollten wir nicht an den nicht immer gelungenen Übersetzungen herummäkeln, sondern uns darüber freuen, wie viel A. Gateris getan hat, um auch Menschen anderer Nationalität mit den lettischen Liedern bekannt zu machen.

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235, 238, zu den Konjunktionen — S. 579). Am häufigsten werden im ganzen Buch die untersuchten Texte lettischer Volkslieder mit entsprechenden Texten aus der nächstverwandten Sprache — dem Litauischen —, mit Volksliedern und Beispielen aus der Gegenwartssprache verglichen5, seltener mit Entsprechungen aus dem Germanischen, Lateinischen und Altgriechischen. Unter den lettischen Sprachwissenschaftlern stützte man sich vor allem auf die Untersuchungen von J. Endzelynas, A. Uozuolas (Ozols)6, K. Dravinys (Draviņš), V. Rūke—Draviņa (Rūķe—Draviņa) und anderen Autoren sowie auf die „Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika“ (Grammatik der modernen lettischen Schriftsprache. Riga, 1959—1962. Bd. 1—2).

Obwohl zwischen der Abfassung der Monografie und ihrem Druck viel Zeit verging, ist sie aufgrund des weiten Horizonts ihres Autors, der Gründlichkeit der Untersuchung und der zeitlosen Aktualität des Materials selbst nicht veraltet. Wir hoffen, dass diese Studienarbeit von A. Gateris, die eine gute Grundlage geschaffen hat, auch weitere Untersuchungen zu einem der größten Schätze der lettischen Kultur — den Volksliedern — anregen wird. Die Monografie selbst wird, wie anzunehmen ist, die verdiente Aufmerksamkeit und kompetente Rezensionen erfahren (wie A. Dzenis es in dem erwähnten Artikel gewünscht hatte).

Evija LIPARTĖ

NEUE DOKTOREN DER PHILOLOGIE IN LETTLAND

Da zur Baltistik nicht nur die Litauistik, sondern auch die Lettistik gehört, berichten wir auch über einige wichtige Ereignisse der lettischen Sprachwissenschaft der vergangenen Jahre.

Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit (1990) entwickelte sich die lettische Sprachwissenschaft sowohl qualitativ als auch quantitativ beträchtlich weiter. Am 13. November 1990 verteidigte der bekannte lettische Sprachwissenschaftler Antonas Breidakas an der Universität Vilnius seine Dissertation zum Doktor der Philologie (heute entspricht dieser Grad dem Grad eines habilitierten Doktors) mit dem Titel ”Latviešu valodas latgalisko izloksņu fonētika: diahronija un sinhronija” (”Phonetik der latgallischen Mundarten der lettischen Sprache: Diachronie und Synchronie”). Einige Jahre später, als in der Republik Lettland neue Regeln für die Verleihung der Grade eines Doktors und eines habilitierten Doktors eingeführt worden waren, schloss sich ihm eine recht große Gruppe neuer Doktoren beider Stufen an.

Besonders ergiebig war der Zeitraum vom Frühjahr 1993 bis zum Herbst 1994. Damals erwarben 11 namhafte lettische Sprachwissenschaftler für ihre Forschungen den Grad eines habilitierten Doktors der Philologie, und 9 Sprachforscher verteidigten ihre Dissertationen zum Doktor der Philologie

5Zu diesem Zweck wurden umfangreiche Sammlungen der Folklore herangezogen (von J. Balys, J. Dovydaitis und A. Juška gesammelte Volkslieder), die Grammatiken von M. D. Kleinas, A. Schleicher, K. Jaunius, Rygiškių Jonas, J. Otrebski (Otrębski) und anderen Autoren, litauische Wörterbücher, Untersuchungen zur litauischen Sprache von K. Būga, J. Jablonskis, S. Daukantas, E. Fraenkel, E. Hermann (Hermann), Z. Zinkevičius und anderen Sprachwissenschaftlern sowie verschiedene litauische Veröffentlichungen.

6 Da A. Uozuolos Buch ”Latviešu tautasdziesmu valoda” (Die Sprache der lettischen Volkslieder. R., 1961) bis zum Erscheinen der hier besprochenen Monografie die gründlichste systematische Untersuchung des Wortschatzes und der Grammatik (insbesondere der Syntax) lettischer Volkslieder war, ist verständlich, dass sich A. Gateris vielfach auf das erwähnte Werk von A. Uozuolas und auf weitere Arbeiten dieses Forschers lettischer Volkslieder stützte, in denen ihrerseits auch die Forschungen von A. Gateris erwähnt werden.

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