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dem Krakauer Professor Wiszniewski sowie Simonas Daukantas erzählte er, er habe ein Wörterbuch der žemaitisch-litauischen Sprache verfasst. Doch in diesen Briefen findet sich Unwahres. Wiszniewski gegenüber prahlt Kajetonas damit, er selbst habe ein Büchlein über Bienen verfasst (1823), und zwar unter dem Namen seines Bruders Kiprijonas (obwohl die Sprachanalyse Kiprijonas, nicht Kajetonas, als Autor bestätigt), dass Kanzler N. Rumiancevas ihm für diese Übersetzung gedankt habe (in Wirklichkeit dankte er Kiprijonui), dass er das Büchlein Rozmyślania wieśniaka rolnika gedruckt habe (den Autor Dionizas Poška verschwieg er jedoch), dass Dziennik Wileński einen Bericht über seine Reise durch Žemaitija veröffentlicht habe (obwohl dort nur Poškas Baublys beschrieben wird) – auf diese beiden letzten Fälle hatte bereits V. Maciūnas hingewiesen. In seinem Brief an S. Daukantas erwähnte Kajetonas bei der Aufzählung seiner Verdienste weder die Übersetzung des Büchleins über Bienen noch Rozmyślania wieśniaka rolnika – er dürfte geahnt haben, dass Daukantas deren wahre Verfasser kennen könnte. In beiden Briefen behauptet Kajetonas außerdem, sein Wörterbuch abgeschlossen zu haben, obwohl das verbrannte Manuskript lediglich bis zum Beginn des Buchstabens K reichte (V. Maciūnas). Wie aus den Briefen von I. Loboika hervorgeht, hatte Kiprijonas sein Wörterbuch hingegen nur bis zum Buchstaben K verfasst. Daher lässt sich kaum bestreiten, dass Kajetonas gern mit fremden Werken prahlte.

Außerdem ist von Bedeutung, dass Kajetonas ein Geistesverwandter von D. Poška und zugleich ein Konkurrent Kiprijonas’ war. Poška schrieb: „Ich habe keine bessere Orthografie gesehen als [...] in Kajetonas Nezabitauskas’ Elementarbuch.“ Andererseits begann Poška, während Kiprijonas noch an seinem Wörterbuch arbeitete (März 1825), ebenfalls ein konkurrierendes Wörterbuch zu verfassen, das heißt, mit Kiprijonas um die Schaffung und Einführung einer Schriftsprache auf der Grundlage des Žemaitischen und Litauischen zu konkurrieren. Wäre Kajetonas der Verfasser gewesen, hätte sein Freund Poška dessen Arbeit wohl kaum missbilligt und sich entschlossen, mit ihm zu wetteifern, statt ihn zu unterstützen.

Somit sprechen, selbst wenn die Handschriften nicht erhalten geblieben sind, zahlreiche Argumente dafür, dass Kajetonas, der gern prahlte und sich selbst lobte, auch das unvollendete litauische Wörterbuch seines Bruders Kiprijonas für sich beanspruchen wollte. Daher ist, wie A. Kaupūž bereits festgestellt hat, Kiprijonas Nezabitauskas als Verfasser dieses Wörterbuchs anzusehen.

EIN BUCH ÜBER DIE BALTISCHEN SPRACHEN

In Deutschland, das auf eine lange Tradition der Erforschung der baltischen Sprachen zurückblickt, sind in den vergangenen Jahren neue, für die Baltistik bedeutsame Arbeiten erschienen. Eine davon ist das 1994 veröffentlichte, von drei Linguisten auf Deutsch verfasste Buch „Die baltischen Sprachen. Eine Einführung“.1 Das schön gedruckte, 416 Seiten umfassende Buch besteht aus vier Hauptkapiteln.

Der Verfasser des recht umfangreichen Einleitungskapitels (S. 15–70) ist Rainer Eckert, ein Linguist, der sich um die Baltistik und ihre Popularisierung große Verdienste erworben hat. In äußerst knapper, geradezu enzyklopädischer Form vermittelt er wichtige Informationen über alle baltischen Sprachen und Völker, ihre Bezeichnungen und ihre Geschichte; er behandelt die ausgestorbenen Völker sowie die von anderen Völkern assimilierten Prußen, Sudauer, Jatwinger, Kuren, Semgallen und Selonen. Verständlicherweise wird der Geschichte der beiden noch bestehenden baltischen Völker – der Litauer und Letten – hier der größte Raum eingeräumt: Erwähnt werden die entscheidenden Ereignisse, die diese Völker von den ältesten Zeiten bis in die jüngste Vergangenheit begleitet haben.

1 E c k e r t R., B u k e v i č i ū t ė E.-J., H i n z e F. Die baltischen Sprachen. Eine Einführung. Langenscheidt. Verlag Enzyklopädie. Leipzig, Berlin, München, 1994.

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Gestützt auf die Arbeiten anderer Forscher und konkrete linguistische Daten hebt R. Eckert die Stellung der baltischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie sowie ihr Verhältnis zu den nächstverwandten Sprachgruppen – den slawischen und germanischen Sprachen – hervor. Er behandelt die wichtigsten schriftlichen Denkmäler des Altpreußischen, Litauischen und Lettischen sowie die Herausbildung der litauischen und lettischen Standardsprache. Einige Bemerkungen widmet er sogar den lettischen und litauischen Volksliedern und nennt die bedeutendsten Liedersammler sowie die von ihnen zusammengestellten und herausgegebenen Sammlungen.

In drei Kapiteln werden die litauische (S. 71–245), die lettische (S. 247–382) und die altpreußische Sprache (S. 383–406) jeweils gesondert beschrieben. Die phonologischen, akzentologischen und morphologischen Systeme der litauischen und lettischen Standardsprache werden unter strikter Einhaltung eines einheitlichen Darstellungs- und Erklärungsplans synchronisch beschrieben von Elvyra-Julija Bukevčiūtė (Phonetik des Litauischen und Lettischen, Akzentuierung der litauischen Substantive und Adjektive, Pronomen, Numerale), Rainer Eckert (litauisches Substantiv und Adjektiv – allgemeine Aspekte und Deklination, Adverb im Litauischen und Lettischen) und Friedhelm Hinze (litauisches Verb und Präposition; lettisches Substantiv, Adjektiv, Pronomen, Numerale, Verb und Präposition).

Der Verfasser des Kapitels über das Altpreußische ist R. Eckert. Im Vergleich mit entsprechenden Daten aus den ostbaltischen Sprachen (Litauisch und Lettisch) behandelt er die charakteristischen Besonderheiten der Akzentuierung, des Vokalismus und des Konsonantismus des Altpreußischen sowie einige morphologische Aspekte – die Deklination der Substantive, die Steigerung und Deklination der Adjektive, Numerale, Pronomen und die Konjugation der Verben.

Das ganze Buch ist sehr methodisch angelegt. Es enthält mehrere Karten zur Verbreitung der westbaltischen Völker und ihrer früheren Siedlungsgebiete sowie der litauischen und lettischen Dialekte. Viele linguistische Daten zur Phonetik und Morphologie der baltischen Sprachen sind in Übersichtstabellen zusammengestellt: Im Kapitel „Litauische Sprache“ finden sich 52, im Kapitel „Lettische Sprache“ 46 Tabellen. Die Bedeutungen der beschriebenen grammatischen Formen (die nicht immer unmittelbare Entsprechungen im Deutschen haben) und ihr Gebrauch werden häufig durch aus verschiedenen Quellen entnommene Wortverbindungen oder Sätze veranschaulicht. Vgl. einige Beispiele aus dem Kapitel über die litauische Sprache:

Unter den flatternden Kopftüchern sah er das blaue mit den weißen Streifen, und er erkannte es sogleich und unterschied es unter der Zahl der gleichen oder ähnlichen. ‘Unter den flatternden Kopftüchern sah er das blaue mit den weißen Streifen, und er erkannte es sogleich und unterschied es unter der Zahl der gleichen oder ähnlichen’. (Gebrauch der bestimmten Adjektivformen.)

Es werden ungefähr noch drei Jahre vergehen. ‘Es werden ungefähr noch drei Jahre vergehen’. (Gebrauch der Kollektivzahlwörter.)

Nežinant kelio, pas mus sunku tękti. ‘Wenn man den Weg nicht kennt, ist es schwer, sich zu uns herzuzufinden’. (Padalyvio vartojimas.)

Zwar begegnet man neben schönen, lebendigen Beispielen auch hin und wieder einer künstlichen, in der natürlichen Sprache nicht verwendeten Form; vgl. die Präsens- und Präteritumparadigmen der reflexiven Verben: žiopsauši, žiopsai, žiopsomės, žiopsotės (S. 183); žiopsojausi, žiopsojaisi, žiopsojomės, žiopsojotės (S. 184).

Bei der Darstellung der Phonetik des Litauischen und Lettischen werden alle Beispiele in der heutigen Orthografie dieser Sprachen sowie in der von der International Phonetic Association angenommenen Transkription wiedergegeben. Litauische Beispiele sind im gesamten Buch mit Akzentzeichen versehen (transkribiert-

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tų žodžių žymimas tik kirčiuotas skiemuo, o priegaidė nenurodoma), nors vieno kito žodžio kirtis (atitinkamos priegaidės ženklu) liko nepažymėtas, plg.: šešiasdešimt (p. 153) = šešiasdešimt, kóvo (158) = kóvo, dvidešimt (158) = dvidešimt. Daugiau skaitytoją gali klaidinti neteisingai nurodyta žodžio kirčio vieta, priegaidė, kirčiavimo paradigma ar pan. Iš tokių lietuvių kalbos taisytinų pavyzdžių yra: atvykšite (p. 146), Atvỹko (193) = atvỹksite, Atvỹko, dieną (158, 2x) = dieną, švárraštis (106) = švárraštis, tirpti (107) = tir̃pti, per liepą (107) = per̃ liepą, vilktis (107) = vil̃ktis, ar̃klas (109) = ar̃-klas, ir-štvą (4 kirčiuotė, 109) = ir-stvą (3 kirč.), kilómetrų (160), kilómetro (232) = kilómetrų, kilómetro, raũda (177) = raũda, draug-áv-o, keli-áv-o (177) = draug-áv-o, keli-áv-o, rėngi-a: reng-ė (179) = rengia-a: reng-ė, ne-si-gin-si-u (185) = ne-si-gin-si-u, Kuršiai, gyvuliui (189) = Kuršiai, gyvuliui, išsiuntęs, krėpšio (190) = išsiuntęs, krėpšio, bučiáu-tis (191) = bučiáutis, ap-si-ovil-k-o (191, 2x) = ap-si-ovil-k-o, nulaužtas, stovinčioji (199) = nulaužtas, stovinčioji, atėjo (206, 228, 231), Atėjo (231) = atėjo, Atėjo, at-nėš-ti (208, 220) = at-nėš-ti, Keliaudami, Jeruzalės, priimtų nutarimų (210) = Keliaudami, Jeruzalės, priimtų nutarimų, vaikystė, kryžkelė (212) = vaikystė, kryžkelė, leis-ki-me (214) = léis-ki-me, rytój, arklius, atsikėlęs (217) = rytój, arklius, atsikėlęs, baronienės (219) = baronienės, mūtinai (220) = mūtinai, dingusio brólio, jei dar gyvas (221) = dingusio brólio, jei dar gyvas, ciésarų, į vestuvės (222) = ciésarų, į vestuvės, paėjo (224) = paėjo, juó tolyn, juokómis (225) = juó tolyn, juokómis, aiškiai (227) = aiškiai, knygos (229), knyga (230) = knygos, knyga, (su)pykti (229) = (su)pykti, Nuėjau, laišką (230) = Nuėjau, laišką, savo (231, 2x) = savo, mokyklą (231) = mokyklą, studentų, pirkti (232) = studentų, pirkti.

Gelegentlich findet sich noch der eine oder andere nicht korrigierte Satzfehler, z. B.: Palūžė, Biržiai (44) = Palūšė, Biržai; Kaip čia gražu pasidėti (133) =...pasėdėti; jūs (146) = jūs; Parduotuvė atidaryta nuo devintos iki aštuoniolikos valandos (158) =...aštuonioliktos valandos; devyniose dešimtosiose (162) = devyniose dešimtosiose; kilšči-o-ja, kilšči-o-ju (175) = kilšči-o-ja, kilšči-o-ju; ēm-e (178) = ēm-ė; praėjusieji metai (199) = praėjusieji metai; Ateisančios žiemos ilgumo nežinome (204) = Ateisančios...; džau-ki-s (214) = džiau-ki-s; mokusi, mokúsios (219) = mokíusi, mokúsios (vgl. rašyti, rašė: rašiusi, rašiusios); žiūrėti (225) = žiūrėti; gatvėje (228) = gatvėje; plugų árti (228) = plūgų árti.

Für alle, die sich stärker für die Baltistik oder eine einzelne baltische Sprache interessieren, sind auch die bibliografischen Angaben von großem Nutzen. Jedes Kapitel des Buches schließt mit einem von R. Eckert zusammengestellten Überblick über die wichtigsten Arbeiten zum jeweiligen Thema. So werden am Ende des einleitenden Kapitels neben den Namen der Begründer der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft, F. Boppo (1791—1867) und R. Rask (1787—1832), mit denen der Überblick über die für die gesamte baltische Sprachwissenschaft bedeutsamen Veröffentlichungen beginnt, noch mehrere Dutzend Forscher der baltischen Sprachen aus verschiedenen Ländern genannt — aus Deutschland, Frankreich, Dänemark, den Niederlanden, Norwegen, Finnland, Tschechien, Bulgarien, Polen, Italien, den USA, Japan, Russland, der Ukraine und natürlich Lettland und Litauen. Entsprechend werden auch gesondert behandelt und

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die wichtigsten Arbeiten, die das Litauische, Lettische und Altpreußische beschreiben und untersuchen. Neben diesen Übersichten finden wir am Ende des Buches auch ein ausführliches Gesamtverzeichnis der Literatur (184 Einträge): Werke einzelner Autoren und Sammelwerke, Fortsetzungs- und Periodika, die in Litauen, Lettland und anderen Ländern erschienen sind und sich sowohl allgemeinen Fragen der baltischen Sprachwissenschaft als auch jeweils einer der Sprachen — Litauisch, Lettisch oder Altpreußisch — widmen. Allerdings sind auch im Literaturverzeichnis einige kleinere Satzfehler zu berichtigen: J. GERULIS. Senieji lietuvių skaitymai (S. 408; Eintrag 20) =... skaitymai; P. JONIKAS. Lietuvių bendrinės rašomosios kalbos kūrimasis antroje XIX a. pusėje (412; 119) =... kūrimasis antrojoje XIX a. pusėje; V. PAULAUSKAITĖ (412; 151) = V. PAULAUSKIENĖ; A. UBEKAITĖ (413; 176, 177) = A. UBEIKAITĖ.

Die genannten und sonstigen geringfügigen Fehler mindern den Wert der besprochenen Publikation keineswegs. „Baltų kalbos. Įvadas“ ist ein sehr sorgfältig erarbeitetes und notwendiges Buch. Es ist ein hervorragendes Lehrbuch für alle, die an Hochschulen in Deutschland und anderen Ländern baltische Sprachen studieren, sich für deren Geschichte interessieren oder selbstständig modernes Litauisch und Lettisch lernen möchten. Für die geleistete umfangreiche Arbeit und für eines der ersten Exemplare dieses Buches, das sie direkt von den Autoren erhalten hat, ist auch das Institut für Litauische Sprache den Autoren dankbar.

Kazys Morkūnas

EIN DENKMAL FÜR JAN SAFarewicz

Glücklich sind Lehrer, die gute und dankbare Schüler haben. Eine große Zahl solcher Schüler hatte auch der berühmte polnische Sprachwissenschaftler Jan Safarewicz (1904—1992), Professor an den Universitäten Vilnius und Krakau und Ehrendoktor beider Universitäten, der unter anderem auch in der Litauenforschung tiefe Spuren hinterlassen hat. Als Ersten unter diesen dankbaren Schülern sollte man jedoch unbedingt Wojciech Smoczyński nennen, dessen Arbeit und Organisationstalent das beeindruckende, J. Safarewicz gewidmete Werk „Analecta Indoeuropaea Cracoviensia Ioannis Safarewicz Memoriae Dicata“ (Edenda Curavit Wojciech Smoczyński, Cracoviae MCMXCV) hervorgebracht haben. Es handelt sich um eine Sammlung von Aufsätzen, in denen J. Safarewiczs Persönlichkeit und seine Verdienste um einzelne Bereiche der Sprachwissenschaft gewürdigt werden, sowie um Einzelstudien zu Problemen, die dem berühmten polnischen Wissenschaftler nahe waren.

Der größere Teil der veröffentlichten Aufsätze besteht aus Vorträgen, die am 5. und 6. April 1993 in Krakau auf dem Symposium „Sprache in Zeit und Raum“ anlässlich des ersten Todestages von J. Safarewicz gehalten wurden. Insgesamt werden nicht weniger als 56 Aufsätze veröffentlicht, außerdem eine von W. Smoczyński sehr sorgfältig zusammengestellte Bibliografie der Arbeiten J. Safarewiczs und der Literatur über ihn. Die Aufsätze erscheinen auf Latein, Englisch, Französisch und Deutsch. Selbstverständlich ist es in einer kurzen Annotation unmöglich, sämtliche hier veröffentlichten Aufsätze sowohl zu besprechen als auch aufzuzählen. Wir erwähnen nur diejenigen, die für Forscher des Litauischen von besonderem Interesse sein könnten, sowie diejenigen, die unmittelbar mit dem wissenschaftlichen Nachlass J. Safarewiczs zusammenhängen.

Aus diesem letztgenannten Bereich ist ein Aufsatz von Mariano Plezia (Plezia) über J. Safarewiczs Forschungen zur griechischen und lateinischen Sprache veröffentlicht („De Ioannis Safarewicz

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