Page 1ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XLI (1999)
Alma RAGAUSKAITĖ
Institut für Litauische Sprache, Vilnius
LITAUISCHE HERKUNFTSNAMEN DER KAUNASER BÜRGER IN DER ZWEITEN HÄLFTE DES 16. JAHRHUNDERTS
Die Personennamen der Stadtbürger Litauens sind bereits untersucht worden. An erster Stelle ist die Monographie von Z. Zinkevičius „Lietuvių antroponimika“ zu nennen, in der die Anthroponyme aus den Trauungsregistern der St.-Johannes-Kirche in Vilnius von 1602–1615 sowie aus den Taufregistern von 1611–1616 analysiert werden, ferner einige seiner Aufsätze (Zinkevičius 1973: 17–19; 1974a: 136–143; 1974b: 78–85; 1977; 1980: 151–156). Der Autor erörterte ausführlich die Herkunft der Personennamen der Einwohner von Vilnius und ihre Bildung und analysierte einige Probleme der Familiennamenbildung.
Angesichts der Besonderheiten der Herkunft, Bildung, Entwicklung usw. der Personennamen von Stadtbürgern ist die Untersuchung dieser Anthroponyme aktuell und sollte fortgesetzt werden.
Ziel dieses Aufsatzes ist es, die litauischer Herkunft entstammenden Personennamen der Kaunaser Bürger des 16. Jahrhunderts zu erörtern und sie mit heutigen litauischen Vor- und Familiennamen zu vergleichen. Wichtig war festzustellen, wie viele und welche der im 16. Jahrhundert verwendeten Personennamen bis heute nicht überliefert sind, das heißt, heute im litauischen Namenschatz nicht mehr gebräuchlich sind. Außerdem erschien es sinnvoll, die Wortbildung dieser Anthroponyme zu analysieren und charakteristische slawische Erscheinungen zu erörtern.
Das Material zur Anthroponymie für diesen Aufsatz wurde den Vogtbüchern von Kaunas aus dem 16. Jahrhundert (1561–15651, 1564–15692, 1587–15913) entnommen. Es handelt sich um einzigartige historische Quellen, die seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhalten sind. Diese Vogtbücher von Kaunas wurden von Schreibern in polnischer und lateinischer Sprache verfasst. Die Bücher bestehen aus Einträgen zu den vor dem Vogtgericht verhandelten Fällen4. Die meisten darin verzeichneten Personen sind Litauer – sowohl Einwohner von Kaunas als auch Zugezogene (Kiaupa 1988: 28).
Die Kaunaser Bürger werden in den hier behandelten Quellen unterschiedlich bezeichnet. Am häufigsten werden sie mit zwei Personennamen verzeichnet, z. B.: Wojciech Kiszkielentis miełczanin
1 Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Vilnius (im Folgenden VUBRS). F. 7. Nr. 13846.
2 Ebenda. F. 7. Nr. 13844.
3 Ebenda. F. 7. Nr. 13851.
4 Eine ausführliche Beschreibung dieser Quellen, die Angaben zum Aufbewahrungsort des Dokuments, zur Signatur, zum Zustand des Buches, zur Sprache der Einträge, zur korrekten Blattfolge und zu den Publikationen enthält, siehe Kiaupa 1988: 40–45.
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Page 2Kowien[ki (V₃ 206)⁵, Mikołaj Pempe mieszczanin Kowien[ki (V₃ 206), Grigą Raczułf mieszczanina Kowien[skiego⁶ (V₂ 168), Macziej zalis mieszczanin Kowien[ki (V₂ 167) ir kt.
Es kommen auch Bezeichnungen mit drei Personennamen vor, z. B.: Sczepan Pawłowicz Dowgierdowicz Mie[czanin Kowien(ski) (V₃ 99); Vthcziny Jakubelis Janowicz fuxtulis mieszczanin Kowien[ki (V₂ 49) usw.
Es ist wichtig, klar zu bestimmen, welche in historischen Dokumenten verzeichneten Anthroponyme den Bürgern von Kaunas zugeordnet werden können. Für die Analyse wurden Quellen ausgewählt, in denen vermerkt ist, dass die betreffende Person Bürger ist. Denn in den Kirchenbüchern wurde der Bürgerstatus oft nicht eigens angegeben. Mit diesem Problem befasste sich Z. Zinkevičius bei seiner Untersuchung der Personennamen der Einwohner von Vilnius (vgl. Zinkevičius 1977: 46).
In den Vogteibüchern von Kaunas werden Bürger als civis, mieszczanin bezeichnet, z. B.: Macźiel Połodeli[mieszczanin Kowienski (V₂ 281), Jakuba Sawodonya mieszczanina Kowien- skiego (Gen.⁷; V₃ 324), Macźiei Odega civis Kowien(ski) (V₂ 85) usw. Z. Kiaupa bezeichnet die so gekennzeichneten Personen als eigentliche Stadtbürger (Kiaupa 1989: 31). Sie hatten der Stadt den Eid geleistet und durften an ihrer Verwaltung teilnehmen.
Bei der Identifizierung der Bürger sind Ehrentitel wichtige Elemente der Aktensprache. Einige von ihnen weisen auf die Zugehörigkeit zum Bürgerstand hin, z. B.: spectabilis, godny, zacny, honoratus, famatus, sławetny, circumspецtus, providus, opatrzny, honestus, uczciwy⁸.
Die Vogteibücher der Stadt Kaunas wurden von Schreibern verfasst, deren Muttersprache offenbar nicht Litauisch war. Daher gaben sie bei der Aufzeichnung litauischstämmiger Personennamen bestimmte Formen sehr uneinheitlich wieder. Einige Anthroponyme wurden vergleichsweise korrekt geschrieben, z. B.: Dwilis (V₁ 186)⁹, Kapkasionis (V₃ 185), Krutinonis (V₃ 39) usw. Viele der betreffenden Anthroponyme wurden jedoch auf unterschiedliche Weise verändert. Dies war teilweise durch linguistische Gründe bedingt, insbesondere durch die Wechselwirkung zwischen dem Litauischen und dem Polnischen (vgl. Antonovič 1961: 120–140). Aufgrund des geringen Umfangs des Materials (219 litauischstämmige Anthroponyme) beschränkt sich dieser Beitrag auf die Darstellung der charakteristischeren Fälle der Slawisierung.
⁵ Das Vogteibuch von Kaunas für die Jahre 1561–1565 wird mit V₁, das für 1564–1569 mit V₂ und das für 1587–1591 mit V₃ bezeichnet. Alle angeführten Personennamen sind belegt. In Klammern sind bei jedem Namen die Quelle und die Blattnummer der Quelle angegeben. Bei der Wiedergabe der Personennamen wird versucht, die authentischen, in historischen Dokumenten festgehaltenen Formen beizubehalten. Der Einfachheit halber wurden nur einige spezifische Zeichen geändert, d. h. ð – d, þ – h, ȝ – s.
⁶ In historischen Dokumenten verzeichnete Abbreviaturen werden aufgelöst. Ergänzungen werden in Klammern angegeben.
⁷ Im Beitrag werden folgende Abkürzungen für Kasusbezeichnungen verwendet: Gen. – Genitiv, Dat. – Dativ, Instr. – Instrumental.
⁸ Für diese Zwecke wurde bei der Materialsammlung ein System polnisch-lateinischer Begriffe herangezogen, das Bürgerberufe und -tätigkeiten sowie die Hierarchie der Titel widerspiegelt (Prinke 1992: 109–120).
⁹ Der Kürze halber werden hier nur die zweiten Personennamen angeführt.
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Page 3Die häufigsten Fälle von Lautsubstitution: a wird zu o, z. B.: *Sausagrobis – faušograbīja (Gen.; V₁ 165; V₂ 254), *Sausakojis – faušokaiβ (V₂ 24), *Savadūonis – Sowodūonya (Gen.; V₃ 122), *Sedeika (*Sėdeika?) – Jėdeyko (V₂ 215) u. a. o wird zu ą, z. B.: *Arvydavičius – Orwidowicza (Gen.; V₂ 139). au wird zu ow, z. B.: *Daugirdavičius – Dowgierdowicz (V₃ 99) u. a. s wird zu š, z. B.: *Kairys – Kayriβ (V₂ 132), *Kimeklis – Kimekliβ (V₁ 144), *Plikis – Plikiβ (V₂ 156), *Skersys – Skierbiβ (V₂ 55), *Spalis – Sjpal (V₃ 18) u. a.
Die Personennamen werden meistens mit Endungen geschrieben; nur vereinzelte Ausnahmen kommen vor, z. B.: Gotarth (V₂ 63), Jkirmont (V₃ 118), Skolondɜ (V₃ 77), βpal (V₃ 18). Nur ein Fall wurde sowohl mit als auch ohne Endung gefunden: Lankielis (V₃ 175) und Lankyël (V₃ 222).
Personennamen, die mit litauischen patronymischen Suffixen gebildet sind, werden gewöhnlich mit Endungen geschrieben. Nur ein Personenname mit dem litauischen patronymischen Suffix -ūnas ist ohne Endung belegt: Swiencziun (V₃ 245). Ableitungen mit den slawischen patronymischen Suffixen -evič, -ovič werden ohne Endungen geschrieben, z. B.: biwÿlyowicz (V₃ 210), Dwiliewicz (V₃ 154), Eÿthwÿlowicz (V₁ 10) usw.
In den untersuchten historischen Quellen sind Zweinamensformen von 900 verschiedenen Personen10 – Einwohnern von Kaunas – belegt. Nach einer Herkunftsanalyse ihrer zweiten Namensglieder wurden zwei Gruppen von Personennamen unterschieden: litauischer und nichtlitauischer Herkunft (vgl. Maciejauskienė 1997b: 108). Die erste Gruppe ist deutlich kleiner. Sie umfasst 219 (24%) Anthroponyme, die zweite 681 (76%). In der letzteren sind 410 (~61%) Anthroponyme enthalten, die auf christliche Vornamen zurückgehen, 206 (30%) Personennamen, die von verschiedenen slawischen Appellativa abgeleitet sind, 35 (5%) germanischer und 30 (4%) unklarer Herkunft.
Wie bereits erwähnt, untersucht der Beitrag nur Anthroponyme der ersten Gruppe, d. h. litauischer Herkunft – sich herausbildende Familiennamen oder sie vertretende Personennamen. Dabei wird V. Maciejauskienės Auffassung gefolgt, dass Personennamen litauischer Herkunft nur solche sind, die „aus genetisch eigenen Wörtern der litauischen Sprache“ hervorgegangen sind (Maciejauskienė 1997b: 109). Beispiele dafür sind die im Beitrag angeführten Belege: *Balčius – Balcziuβ (V₂ 1), vgl. lit. báltas „hell, von nahezu schneeweißer, milchweißer u. a. Farbe“ (LKŽ II 609–610); *Smilgius – Jmilgus (V₁ 225), vgl. lit. smilgìus „jemand, auf dessen Land nur smilgos (Quecken) wachsen“ (LKŽ XIII 173); *Sprindis, *Sprindys – Jprÿndzja (Gen.; V₂ 85), vgl. lit. sprìndis, sprindỹs „Maß, das dem Abstand zwischen dem Daumen und einem anderen seitlich ausgestreckten Finger entspricht“ (LKŽ XIII 515); *Stulgis, *Stulgys – Jtulgÿβ (V₂ 174), vgl. lit. stulgỹs „Waldwasserläufer (Tringa ochropus); Waldschnepfe“, stulgùs „länglich-rund, oval; stolz, hochmütig“ (ebd., 1022–1023) u. a.
10 In den Büchern des Kaunaser Vogts finden sich Fälle, in denen dieselbe Person mehrmals verzeichnet ist. Daher kann das zweite Glied der zweigliedrigen Namensform, das dieselbe Person bezeichnet, gelegentlich Varianten aufweisen; vgl. S. 149. Es ist somit mit einer gewissen Zählungenauigkeit zu rechnen.
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Page 4Die 219 untersuchten Personennamen weisen unterschiedliche Bildungsweisen auf. Nach ihrer Bildung lassen sich zwei größere Gruppen unterscheiden: patronymische und nichtpatronymische Personennamen. Die letztere Gruppe ist wesentlich umfangreicher. Sie umfasst 109 (49,7%) Anthroponyme, z. B.: Pawła Belzgy (Gen.; V₃ 159), Piotrowi Bridzju (Nutz.; V₃ 159), Jana Burny (Gen.; V₁ 190), pawła Jedy (Gen.; V₁ 229), Mikołai Trumpoł (V₂ 60) u. a.
Die erste Gruppe umfasst 67 (30,6%) Patronyme. Ein Teil davon weist die litauischen patronymischen Suffixe -aitis, -(i)onis, -(i)ūnas auf, z. B.: Mikolaia Burbaicza (Gen.; V₂ 150), Macžiei Manukaiczis (V₂ 16), Bernot Narubaicził (V₁ 301); Janowi Jagminonis (Nutz.; V₃ 157), Jurgia Jagwilanis (Gen.; V₁ 77), Pawel Jaфwilanіł (V₁ 102); Pawlowy Gniewzunowi (Nutz.; V₃ 189), Gregier Sedeikun (V₁ 275) u. a.
Andere Personennamen dieser Gruppe sind mit den slawischen patronymischen Suffixen -evič, -ovič belegt, z. B.: Macžieia Balłjewicza (Gen.; V₂ 53), Thomas Sзpaliewicz (V₃ 146), Crȳbtoph Zagarewicz (V₃ 213); Bartholomeus Meylowicz (V₁ 129), Jana Narkowycza (Gen.; V₃ 67), Janka Puфphilophiczа (Gen.; V₃ 136), Jana Radwiłowicza (Gen.; V₃ 107), ƒtaniławowi Wilbutowiczowi (Nutz.; V₃ 137) usw.
Ein Teil, nämlich 43 (19,7%) der untersuchten Anthroponyme litauischer Herkunft, sind Ableitungen mit den Diminutivsuffixen -elis (-elė), -ėlis (-ėlė), -ikas, -ikis, -ulis, -utis, z. B.: Mikas Karwielis (V₃ 216), Janelis Kuprelis (V₁ 110), Jakubelia Pilvelia (Gen.; V₁ 120), Pawel Wergelił (V₂ 203); Januз Kiermielis (V₃ 224), Jan Wawerela (V₁ 82); Tomała Knuxdzika (Gen.; V₁ 293), Jakub Winxnikos (V₁ 174); Jan Winxnikisз (V₁ 174); Jan Skorulis (V₁ 125, 292; V₃ 106); Jakub Pumpuczjis (V₃ 86) u. a. In einigen Fällen können diese Suffixe auch patronymische Bedeutung haben (Zinkevičius 1977: 238; Maciejauskienė 1991: 229; 1994: 42).
Die hier erörterten Personennamen von Einwohnern litauischer Herkunft werden aus Patronymen und aus nichtpatronymischen Anthroponymen rekonstruiert. Die rekonstruierten Formen sind mit einem Sternchen gekennzeichnet und alphabetisch in litauischer Schreibweise aufgeführt. Anschließend werden die in den historischen Quellen belegten Personennamen angeführt, auf deren Grundlage die Form des Anthroponyms rekonstruiert wurde.
Die rekonstruierten Formen werden mit den heutigen Vor- und Familiennamen im „Lietuvių vardų kilmės žodynas“ (LVKŽ) und im „Lietuvių pavardžių žodynas“ (LPŽ) verglichen. In einigen Fällen wurden mehrere theoretisch mögliche Varianten beibehalten. Wenn sich im heutigen Namensverzeichnis keine genauen Entsprechungen fanden, werden einige charakteristische Personennamen mit derselben Wurzel (oder demselben Stamm) angeführt.
Aus den in den Quellen belegten Personennamen werden Formen ohne patronymische Suffixe rekonstruiert. Denn in den slawisierten Formen der Anthroponyme erscheinen die slawischen patronymischen Suffixe -evič und -ovič; es wird jedoch angenommen, dass Litauer in der gesprochenen Sprache in vielen Fällen litauische patronymische Suffixe (-aitis, -ėnas, -onis, -ūnas usw.) verwendet haben könnten (vgl. Maciejauskienė 1994: 25–31). Z. Zinkevičius verfuhr anders
11 Das Patronym wird folgendermaßen definiert: „ein Personenname, der mit speziellen Suffixen aus einem beliebigen Namensglied des Vaters gebildet wird.“ (Maciejauskienė 1991: 16).
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Page 5Die Patronymika der Wilnaer zu Beginn des 17. Jh., die die Suffixe -evič, -ovič aufweisen, werden zu Personennamen mit dem Suffix -aitis rekonstruiert (vgl. Zinkevičius 1977: 118). Rekonstruierte Formen ohne patronymische Suffixe sind auch deshalb praktischer, weil dieselbe Person in den untersuchten Quellen häufig (manchmal sogar auf derselben Seite) unterschiedlich bezeichnet werden kann – es werden verschiedene Formen des zweiten Personennamens verwendet, z. B.: piotr powirpanis (V1 102), piotra powirpowicza (Gen.; V1 189, 262, 289, 302; V2 6, 9), piotr Powirpos (V2 50); Tomaſ Jermuxnianis (V1 168, 229), Tomaſu Jermuxniu (Dat.; V1 261; V2 97, 146), Tomasa Jermuxniewicza (Gen.; V1 305), Tomasu Jermuxniewiczu (Dat.; V2 134), Tomas Jermuxnianib (V2 177, 235), Tomas Jermuxnib (V2 224), Tomaſ Jermuxniewicz (V1 261) usw.
Bei der Wiederherstellung der Endungen rekonstruierter zweistämmiger Personennamen wird K. Būgas Auffassung gefolgt, dass „zweistämmige Familiennamen im Nominativ Singular gleichermaßen die Endungen -as oder -a wie auch -is haben können“ (Būga 1958: 224).
Im Artikel werden onomastische Fachbegriffe verwendet, die in der Monografie „Lietuvių pavardžių susidarymas“12 definiert und erörtert werden.
Die behandelten Personennamen litauischer Herkunft sind in alte litauische zweistämmige Personennamen, deren Kurzformen und daraus abgeleitete Suffixbildungen sowie in Übernamen als Personennamen (Spitznamen) unterteilt. In dieser Reihenfolge werden sie auch präsentiert.
Alte litauische zweistämmige Personennamen
Unter den behandelten Anthroponymen litauischer Herkunft der Kaunaser Bürger des 16. Jh. sind 29 solche, aus denen sich alte zweistämmige Personennamen rekonstruieren lassen. Im Folgenden werden 15 solcher Rekonstruktionen vorgestellt (das entspricht 19% aller wiederhergestellten Personennamen).
*Ar-vyd-as: Orwidowicza (Gen.; V1 139). Vgl. den heutigen Vornamen Arvydas (LVKŽ 80).
*By-vil-is: Biwilis (V3 7), Biwilewicz (V3 45, 210), Biwylyewiczowy (Dat.; V3 196). Vgl. heutige Familiennamen Bivilis, Bivylis, Bývilis, Bývilis (LPŽ I 269).
*Dau-gint-as, *Dau-gint-is: Daugintowicza (Gen.; V1 240). Vgl. die heutigen Vornamen Daugintas, Daugintis (LPŽ 469).
*Dau-gird-a, *Dau-gird-as: Dowgierdowicz (V2 22). Vgl. den heutigen Vornamen Daugirdas (LVKŽ 118), die Familiennamen Daugirda, Daugirdas (LPŽ I 469).
*Dau-nor-a, *Dau-nor-as: Dawnaranis (V1 247). Vgl. den heutigen Vornamen Daunoras (LVKŽ 122), die Familiennamen Daunara, Daunora, Daunorà, Daunóras, Daunõras (LPŽ I 473–474).
*Eid-vil-as: Eydwilowicz (V1 10, 54, 86, 94), Eydwilowicza (Gen.; V1 107). Vgl. den heutigen Vornamen Eidvilas (LVKŽ 136).
*Go-tart-as: Gotarth (V2 23). Vgl. den heutigen Vornamen Gótartas (LVKŽ 185).
*Jag-min-as, *Jog-min-as: Jegminonis (V3 157). Vgl. den heutigen Vornamen Jógminas, die Familiennamen Jagminas, Jagminas, Jógminas, Jogminas (LPŽ I 783–784, 838).
12 Einen Überblick darüber siehe S. 12–19.
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Page 6* Jog-vil-as: Jagwilanis (V2), Jagwilowiczu (gen.; V2, 24, 87, 135), Jagwila-nių (V2 129, 156), Jagwilonja (gen.; V2 209). Vgl. den Stamm des Namens Jógvilas (LVKŽ 207).
*Mant-vil-a, *Mant-vil-as: Mantwilanis (gen.; V1 77). Vgl. den Stamm des Namens Mańtvilas (LVKŽ 261), die Formen Mańtvila, Mańtvilas, Mantvilas, Mońtvila (LPŽ II 155–156, 269).
*Rad-vil-a, *Rad-vil-as: Radwilowicza (gen.; V3 107). Vgl. den Stamm des Namens Radvilas (LVKŽ 306), die Formen Radvilá, Rādvila, Radvylā, Radvilas (LPŽ II 554).
*Skir-mant-as: Skirmont (V3 188). Vgl. den Stamm des Namens Skirmantas (LVKŽ 333), die Formen Skirmantas, Skirmántas, Skirmontas, Skirmóntas (LPŽ II 742–743).
*Taut-vil-as: Tauthwilanis (V1 254). Vgl. den Stamm des Namens Taūtvìlas (LVKŽ 345).
*Vil-but-as: Wilbutowiczowi (Benutzungsform; V3 137). Vgl. den Stamm des Namens Vìlbutas (LVKŽ 372), die Formen Vìlbutas, Vīlbutas (LPŽ II 1210).
*Žos-taut-as: Zaſtawtaſ (V2 201), Zaſtawtowicz (V2 245). Vgl. den Stamm des Namens Žóstautas (LVKŽ 390), die Formen Zastautas, Žóstaūtas (LPŽ II 1276, 1345).
Wie zu sehen ist, sind die angeführten alten litauischen zweistämmigen Personennamen aus mindestens zwei Dutzend Stämmen gebildet: ar-, by-, but-, dau-, eid-, gint-, gird-, go-, jog-, mant-, min-, nor-, rad-, skir-, tart-, taut-, vyd-, vil-, žos-. Personennamen, die mit solchen oder ähnlichen Stämmen gebildet wurden, finden sich auch in anderen historischen Quellen des 16. Jahrhunderts. Es wurde festgestellt, dass die zweistämmigen Personennamen in den Dokumenten der kommunalen Institutionen von Kaunas aus dem 17.–18. Jahrhundert13 allmählich seltener werden.
Kurzformen alter litauischer zweistämmiger Personennamen und ihre suffixalen Ableitungen
In den Quellen wurden nur 6 (7%) Anthroponyme von Einwohnern Kaunas gefunden, die sich zumindest theoretisch mit Kurzformen zweistämmiger Personennamen und deren suffixalen Ableitungen in Verbindung bringen ließen. Sie wurden aus 10 in den Quellen belegten Personennamen rekonstruiert.
Die Anzahl dieser Anthroponyme und ihre Stellung im litauischen Namensbestand werden unterschiedlich beurteilt.
Z. Zinkevičius ist überzeugt, dass Kurzformen zweistämmiger Personennamen und ihre suffixalen Ableitungen im Kontext der historischen Anthroponymie in großer Zahl vorkamen
13 Magistrato ir vaito knyga. 1603–1629 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13855. Magistrato knyga. 1604–1610 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13856. Vaito knyga. 1606–1608 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13859. Vaito, suolininkų, magistrato knyga. 1608–1616 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13860. Suolininkų knyga. 1610–1622 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13861. Acta cora honorato judicio scabinall civitatis Cavnen sis... ab anno domini ~ 1662 ad annum 1673. [Kauno suolininkų knyga]. – VUBRS. F 7. Nr. 13865. Magistrato ir suolininkų knyga. 1683–1773 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13868. Aktų įrašų knyga. 1738–1749 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13868, 2. Aktų įrašų knyga. 1743–1748 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13868, 3. Aktų įrašų knyga. 1749–1753 m. – VUBRS. F 7. Nr. 13868, 4.
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Page 7(vgl. Zinkevičius 1988: 100). V. Maciejauskienė ist der Ansicht, dass diese Personennamen in der Anthroponymie des 16.–17. Jahrhunderts tatsächlich keine größere Bedeutung hatten (vgl. Maciejauskienė 1991: 245–248; 1997a: 130).
Herkunft und Bildung der hier behandelten Anthroponyme geben den Forschern keinerlei Anlass zu Zweifeln.
A. Salys erklärt, diese Personennamen seien aus alten litauischen zweistämmigen Anthroponymen verkürzt worden, „wobei meist der Stamm des ersten Namensglieds erhalten blieb, oder sie seien bereits seit alters her einsilbig gewesen“ (Salys 1983: 270).
P. Skardžius nennt zwei Bildungsweisen für Anthroponyme dieses Typs: 1) Es wurde ein Glied des zweistämmigen Personennamens verwendet, z. B.: Noras: Nor-butas; 2) an einen Stamm wird auch ein Teil des zweiten angefügt, z. B.: Knystas: Knys-tautas usw. (Skar-džius 1943: 440–441).
Z. Zinkevičius stellt fest, dass aus Kurzformen alter zweistämmiger Personennamen verschiedene suffixale Ableitungen gebildet wurden, z. B.: Ginelis neben Ginas (: Gin-tautas), Darulis neben Daras (: Dargaila) u. a. (vgl. Zinkevičius 1977: 230, 237).
Die folgenden Anthroponyme sind den Kurzformen alter litauischer zweistämmiger Personennamen und deren suffixalen Ableitungen zuzuordnen.
*Girdžius: Girdžiunos (V3 24, 90), Gȳrdžyūna (Gen.; V2 238). Könnte eine Kurzform eines zweistämmigen Anthroponyms mit dem Glied gird- sein. Dazu vgl. die zweistämmigen Vornamen Gird-man-tas, Gird-vainas, Gird-vydas; Al-girdas, By-girdas, Dau-girdas (LVKŽ 181–182; 69, 98, 118) u. a. Ferner vgl. den zweistämmigen Familiennamen Girdžius (LPŽ I 674).
*Maniukas: Maniukaicziß (V2 16). Eine Ableitung mit dem Suffix -ukas aus einer Kurzform *Manys o. Ä. eines alten zweistämmigen Personennamens mit dem Stamm man-. Dazu vgl. die zweistämmigen Vornamen Man-dravas, Man-gailas, Man-gaudas; Al-mantas, Ei-mantas (LVKŽ 257–258; 71, 140) u. a. Ferner vgl. den zweistämmigen Familiennamen Maniūkas (LPŽ II 154).
*Norka, *Norkys, *Norkus: Narkowicza (Gen.; V1 243; V3 123). Könnte eine Kurzform des alten zweistämmigen Personennamens *Norkantas o. Ä. sein. Zum Glied nor- vgl. die zweistämmigen Vornamen Nór-budas, Nór-gailas, Nór-gėlas; Bei-noras, Dai-noras, Ei-noras (LVKŽ 289–290; 94, 122, 141) u. a. Zum Glied kant- vgl. die zweistämmigen Vornamen Kaṅt-minas, Kaṅt-rimas, Kaṅt-vainas; Bù-kantas, Dau-kantas, Gėd-mantas (LVKŽ 219–220; 103, 121) u. a. Ferner vgl. die zweistämmigen Familiennamen Norkà, Norkỹs, Nõrkus, Nórkus, Nórkus (LPŽ II 333–334).
*Norušas, *Norušis, *Norušys: Narufajcziß (V1 301), Narufowicz (V2 209). Eine Ableitung mit dem Suffix -uš- aus einer Kurzform *Norius o. Ä. eines alten zweistämmigen Personennamens mit dem Glied nor- (LVKŽ 289). Dazu vgl. *Norka (s. d.). Ferner vgl. die zweistämmigen Familiennamen Nãrušas, Nãrišis, Nõrušas, Nòrušis, Norušys (LPŽ II 301, 335).
*Rimka, *Rimkus: Rimkowicz (V1 222). Könnte eine Kurzform des zweistämmigen Personennamens Rìmkan-tas o. Ä. sein. Zum Glied rim- vgl. die zweistämmigen Vornamen Rìm-butas, Rìm-daugas, Rìm-gailas; Aū-rimas, Bùt-rimas, Ei-rimas (LVKŽ 313–314; 87, 106, 141). Ferner vgl. die zweistämmigen Familiennamen Rìmka, Rìmkus, Rìmkaus, Rymkus (LPŽ II 609–610).
*Rimušis: Rȳmu/Jewicz (V2 135). Eine Ableitung mit dem Suffix -uš- aus der Kurzform Rìmas oder einer ähnlichen Form eines alten zweistämmigen Personennamens mit dem Bestandteil rim-. Zum Bestandteil rim- vgl. *Rimka (s. d.).
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Page 8Spitznamen-Personennamen (Spitznamen)
Unter den untersuchten Antroponymen der litauischer Herkunft zugehörigen Einwohner Kaunas' überwiegen Spitznamen-Personennamen. Sie lassen sich mit konkreten litauischen Substantiven, Adjektiven und Verben in Verbindung bringen. Im Folgenden werden 63 (74%) Antroponyme dieser Gruppe angeführt, die aus den 180 in den Quellen belegten Personennamen rekonstruiert wurden.
*Balčius: Balcijųf (V₁ 301), Balcžia (Gen.; V₂ 1). Vgl. den heutigen Familiennamen Balčius (LPŽ I 170).
*Balsys: Bolβia (Gen.; V₁ 295), Bolβia (Gen.; V₃ 215), Balβiewicza (Gen.; V₂ 53). Vgl. die heutigen Familiennamen Bálsis, Balsys (LPŽ I 176).
*Belzga: Belzga (V₃ 138, 159). Vielleicht ist der Name mit lit. bélzginti „Unsinn reden“ in Verbindung zu bringen (LKŽ I 742).
*Braidys: Broÿdβiu (Verw.; V₂ 184); Broÿdʒifβ (V₂ 213). Vom lit. braidýti „waten; beim Waten zertreten“ (LKŽ I 184) oder Ähnlichem.
*Bridžius: Bridžiu (Verw.; V₃ 220). Vgl. den heutigen Familiennamen Bridžius (LPŽ I 308).
*Burba: Burba (V₂ 53), Burbaicžia (Gen.; V₂ 150). Vgl. den heutigen Familiennamen Būrba (LPŽ I 353).
*Burbažentis: Burbožięčis (V₁ 107), Burbožetifβ (V₂ 126, 190, 236, 248), Burbožentis (V₃ 32, 157, 181, 187). Zusammengesetztes Antroponym: *Burb-a-žentis. Der erste Bestandteil stammt vom Personennamen *Burba oder Ähnlichem, vgl. den heutigen Familiennamen Būrba (LPŽ I 353); der zweite vom lit. žéntas „Schwiegersohn; Schwiegersohn, der in den Haushalt der Frau zieht“ (DLKŽ 954)¹⁴.
*Burna: Burny (Gen.; V₁ 190). Zum Bestandteil burn- vgl. die heutigen Familiennamen Burnáitis, Burnalis, Burneikà, Burnéika, Burneikis, Burnekaitis, Burnelaitis, Burnélis, Burnialis, Burnỹs u. a. (LPŽ I 358–359).
*Dvylýs: Dwilis (V₁ 112, 186; V₂ 450), Dwiliβ (V₂ 58). Vgl. die heutigen Familiennamen Dvilýs, Dvylis, Dvylýs (LPŽ I 549).
*Gniaužius: Gniewżiuβ (V₁ 159), Gniewzunowi (Verw.; V₃ 113, 184). Vgl. den Personennamen *Gniaužis (Zinkevičius 1977: 144).
*Juodis, *Juodys: Jedy (Gen.; V₁ 229), Jodiβ (V₁ 146; V₂ 201). Vgl. die heutigen Familiennamen Júodis, Juodỹs (LPŽ I 858).
*Kabald is: Kobaldiβ (V₂ 21). Vom lit. kabálda „jemand, der langsam, humpelnd und hinkend geht; ein Hinkender, ein Taugenichts“ (LKŽ V 4–5).
*Kairis, *Kairys: Kavris (V₁ 112, 163), Kairis (V₁ 265), Kayriβ (V₁ 315), Kayriβ (V₂ 132). Vgl. die heutigen Familiennamen Kairis, Kainỹs (LPŽ I 888).
*Kapk asys: kapkasionis (V₃ 185). Aus lit. kapakasis, -ė „jemand, der ein Grab aushebt; Totengräber“ (LKŽ V 222).
*Karvelis: Karwielis (V₃ 216). Vgl. den heutigen Familiennamen Karvėlis (LPŽ I 936).
*Keida: Kieidÿ (Gen.; V₃ 67, 90). Vgl. den Familiennamen *Keida (Zinkevičius 1977: 153).
¹⁴ Dėl sudurtinių asmenvardžių su sandu žent- dar žr. Maciejauskienė 1973: 177–181; 1991: 30.
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Page 9*Keliuotis: Kieliocsja (Gen.; V₂ 127). Vgl. die heutigen Familiennamen Keliotis, Keliuotis (LPŽ I 968–969).
*Kimeklis: Kimeklif (V₁ 144), Kimeklis (V₁ 229), Kỹmeklỹa (Gen.; V₂ 12). Vgl. den heutigen Familiennamen Kimėklis (LPŽ I 995).
*Kirmėlis: Kiermelia (Gen.; V₁ 154; V₃ 195), Kiermielis (V₃ 224). Vgl. die heutigen Familiennamen Kirmela, Kirmelaitis, Kirmėlė, Kirmėlėvičius, Kirmėnas (LPŽ I 1001). Vgl. auch den Ortsnamen Kirmėliai, Dorf Juostininkai, Bezirk Anykščiai (LATSŽ II 135).
*Kiškelžentis: Kiškielžentis (V₃ 52), Kiįkielžentis (V₃ 231). Zusammengesetzter Personenname: *Kiškel-žentis. Das erste Glied stammt vom Personennamen *Kiškelis oder Ähnlichem, vgl. den heutigen Familiennamen Kiškelis (LPŽ I 1006); das zweite stammt aus lit. žentas „Ehemann der Tochter; eingeheirateter Schwiegersohn“ (DLKŽ 954).
*Kojelė: Kaiėla (V₁ 72), Kajėla (V₂ 73, 205, 248). Vgl. den heutigen Familiennamen Kojėlė (LPŽ I 1039).
*Kriugždikas, *Krugždikas: Kruzdika (Gen.; V₁ 293). Zum Stamm kriugžd-, kruogžd- vgl. die heutigen Familiennamen Kriugždà, Krugždà, Krùgždas (LPŽ I 1083, 1089).
*Kuprelis: Kuprelis (V₁ 110). Vgl. den heutigen Familiennamen Kuprėlis (LPŽ I 1128).
*Lankelis: Lankielis (V₃ 175), Lankýel (V₃ 222). Vgl. die heutigen Familiennamen Lankėlis, Lankialis (LPŽ II 21).
*Lauželis: Lawželis (V₁ 132). Zum Stamm lauž- vgl. *Laužius (siehe dort).
*Laužius: Lawžus (V₁ 78). Vgl. den heutigen Familiennamen Laužius (LPŽ II 37).
*Meilius, *Meilus: meylowicз (V₁ 4, 129, 135, 143, 154; V₂ 3), Meÿlowicza (Gen.; V₁ 4), Mieilowicза (Gen.; V₁ 154), Meiliowicзu (Akk.; V₁ 143), Meÿtu (Akk.; V₂ 4), Mieitowicзu (Akk.; V₂ 217). Vgl. die heutigen Familiennamen Meilius, Meilus (LPŽ II 199–200).
*Oželis: Ozelib (V₁ 275), Azelis (V₂ 5), Ozelis (V₃ 60). Vgl. den heutigen Familiennamen Ožėlis (LPŽ II 356). Vgl. auch *Ožys (siehe dort).
*Ožys: Azyb (V₂ 151), Ozjis (V₃ 110). Vgl. den heutigen Familiennamen Ožys (LPŽ II 357).
*Pajuodėlis: Poyodelis (V₂ 85, 149), Poiodelib (V₂ 136, 217, 218). Aus lit. pajúodėlis „dunkelgesichtig, dunkelhaarig; dunkel geworden, schwärzlich, ungepflegt, schmutzig“ (LKŽ IX 133). Vgl. auch den heutigen Familiennamen Pajúodis (LPŽ II 369).
*Paršelis: porſſela (Gen.; V₁ 58), Parſzelis (V₁ 137, 147), porſelib (V₁ 308), Porſelia (Gen.; V₂ 26, 50, 63, 81, 198), Porſelis (V₂ 84; V₃ 109). Vgl. den heutigen Familiennamen Paršėlis (LPŽ II 397).
*Pavirpas: powirpanis (V₁ 102), powirpowicзa (Gen.; V₁ 189, 262, 289, 302; V₂ 6, 9), Powirpos (V₂ 50). Möglicherweise stammt der Name von lit. pavirpis, -ė „Träger, Flaschenträger“, pãvirpas „Armer, Habenichts“, pavìrpa „Reizender“ (LKŽ IX 698) oder Ähnlichem.
*Pempė: Pempe (V₂ 206). Vgl. den heutigen Familiennamen Pémpė (LPŽ II 427).
*Pilvelis: pilwelvę (Gen.; V₁ 65, 187), pilwelia (Gen.; V₂ 149). Vgl. den heutigen Familiennamen Pilvėlis (LPŽ II 458).
*Plikažentis: Plikozentis (V₃ 59, 139, 252), plikozentis (V₃ 201). Ein zusammengesetzter Personenname: *Plik-a-žentis. Das erste Glied stammt aus dem Personennamen *Plikis oder Ähnlichem, vgl. die heutigen Familiennamen Plikis, Plikỹs (LPŽ II 476); das zweite aus lit. žentas „Schwiegersohn, eingeheirateter Schwiegersohn“ (DLKŽ 954).
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Page 10*Plikis, *Plikys: plikis (V₂ 156, 167, 216). Vgl. die heutigen Familiennamen Plìkis, Plikỹs (LPŽ II 476).
*Pumputis: Pumpuczis (V₂ 197; V₂ 86, 104). Vgl. die heutigen Familiennamen Pùmputis, Pum̃putis, Pumputis, Pumputỹs (LPŽ II 532).
*Račius: Raczuɟ (V₂ 33, 44, 168). Vgl. den heutigen Familiennamen Rãčius (LPŽ II 550).
*Rudis, Rudys: Rudiewicz (V₃ 19). Vgl. die heutigen Familiennamen Rùdis, Rudỹs (LPŽ II 630).
*Saldžius: saldzuɟ (V₂ 102). Vgl. den heutigen Familiennamen Saldžius (LPŽ II 664).
*Sausagrobis: ʃauſagrabjà (Gen.; V₁ 165; V₂ 54). Aus lit. sausagrõbis „jemand, der abgemagert, dürr ist“ (LKŽ XII 204).
*Sausakojis: ʃauſokajau (Beleg; V₁ 147), ʃauſokais (V₂ 224), ʃauſokajɟ (V₂ 24). Aus lit. sausakojis „jemand mit trockenen, dünnen Beinen“ (LKŽ XII 205).
*Savad(u)onis: Sowodonyà (Gen.; V₃ 122), Sowodonyà (Gen.; V₃ 324). Vgl. den Personennamen *Savad(u)onis (Zinkevičius 1977: 193).
*Sedeika, *Sėdeika: ʃedeikowicɟ (V₁ 183, 275; V₂ 191), ʃedeikuna (Gen.; V₂ 85), ʃedeika (V₂ 153), ʃedeiko (V₂ 215). Vgl. die heutigen Familiennamen Sedėika, Sedeika (LPŽ II 690). Vgl. ferner den Personennamen *Sedeika (*Sėdeika?) (Zinkevičius 1977: 193).
*Skalandis: Skolondɟ (V₃ 77). Vgl. den heutigen Familiennamen Skalandis (LPŽ II 728).
*Skarulis: Skorulis (V₁ 125, 292; V₃ 106). Vgl. den Familiennamen Skarùlis (LPŽ II 732).
*Smilgius: ʃmilugus (V₁ 225). Vgl. den Familiennamen Smilgìus (LPŽ II 771).
*Spalis: ʃpal (V₃ 18), ʃpaliewicz (V₃ 146), Spalyewicz (V₃ 225), ʃpalifa (Herkunft; V₃ 225). Vgl. den Familiennamen Spãlis, Spalỹs (LPŽ II 780).
*Sprindis, *Sprindys: ʃpryndzia (Herkunft; V₂ 85). Vgl. die Familiennamen Sprindis, Sprindỹs (LPŽ II 786).
*Stangelis: Stangielia (Herkunft; V₃ 120). Zu stang- vgl. die heutigen Personennamen Stangáitis, Stangỹs (LPŽ II 800).
*Stirta: Stỹrta (V₁ 275; V₂ 58, 148). Verwandt mit litauisch stirta „ein großer Haufen aufgeschichteten Strohs, Getreides oder Heus; ein großer Haufen von etwas“ (LKŽ XIII 826). Ferner vgl. litauisch stìrti „hart werden, unbiegsam werden; unbeweglich werden, erstarren, steif werden (gewöhnlich infolge von Kälte oder Durchblutungsstörungen; durch Schmutz verkleben, verkrusten)“ (LKŽ XIII 826–827).
*Stulgis, *Stulgys: ʃtulgɟ (V₂ 174). Vgl. die Familiennamen Stùlgis, Stulgỹs (LPŽ II 845–846).
*Šermukšnis: ʃermuxnianis (V₁ 168, 229), ʃermuxnia (Herkunft; V₁ 256), ʃermuxniu (Instrumental; V₁ 261; V₂ 97, 146), ʃermuxniewiczɟ (Herkunft; V₁ 305), ʃermuxniewiczu (Instrumental; V₂ 134), ʃermuxnianif (V₂ 177, 235), ʃermuxnif (V₂ 224), ʃermuxniewicz (Herkunft; V₁ 261). Vgl. den Familiennamen Šermùkšnis (LPŽ II 914).
*Trumpas: Trumpa (Herkunft; V₁ 161), Trumpof (V₂ 60). Zu trump- vgl. die Familiennamen Trùmpa, Trumpáitis, Trumpáuskas, Trumpávičius, Trùmpius u. a. (LPŽ II 1073–1074).
*Uodega: Odega (V₂ 57, 173, 208). Vgl. den Ortsnamen *Uodega (Zinkevičius 1977: 211).
*Varnažentis: Wormoʒięciowicz (V₁ 231). Zusammengesetzter Anthroponym: *Varn-a-žentis. Das erste Glied stammt aus dem Anthroponym *Varna oder Ähnlichem; vgl. die Familiennamen Várna, Várnas (LPŽ II 1165), das zweite aus litauisch žéntas „Ehemann der Tochter; Schwiegersohn, der ins Haus einheiratet“ (DLKŽ 954).
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Page 11*Vergelis: Wergelia (Gen.; V2 200), Wergelić (V2 203), Wergielić (V2 210). Vgl. auch den Familiennamen *Vergelis (Zinkevičius 1977: 216).
*Vinkšnikas, *Vinkšnikis: Winxnikos (V2 174), Winxnikis (V2 174). Dėl vinkšn- plg. db. pvd. Vinkšna, Vinkšnaitis, Vinkšnas, Vinkšnėlis, Vinkšnys (LPŽ II 1225).
*Voverėlė: Wawerela (V1 82). Zu vover- vgl. die Familiennamen Voveraitis, Voveras, Vóverė, Voverė, Vóveris, Voveris u. a. (LPŽ II 1256).
*Žagaras: Zagarewicz (V3 213). Vgl. den Familiennamen Žagaras (LPŽ II 1307).
*Žalis, *Žalys: Zalis (V2 167). Vgl. die Familiennamen Žalis, Žalys (LPŽ II 1311).
*Žeimis, *Žeimys: Ziemianis (V1 173). Vgl. die Familiennamen Žeimis, Žeimys (LPŽ II 1320).
*Žvirblis, *Žvirblys: Zwierbla (Gen.; V1 116). Vgl. die Familiennamen Žvirblis, Žvirblys (LPŽ II 1354).
Wie bereits erwähnt, überwiegen unter den Personennamen litauischer Herkunft die soeben angeführten Spitznamen-Antroponyme. Dies könnte auch mit der Besonderheit der untersuchten Quellen zusammenhängen. Vor dem Vogtgericht wurden meist kleinere Fälle aus den unteren Schichten der Stadtbevölkerung verhandelt (vgl. Kiaupa 1988: 27). Die Analyse der Einträge zeigt, dass gerade Spitznamen für Angehörige dieser Schichten charakteristisch waren, etwa für Kleinhändler und Handwerker: Ythcзywy Gregier Sedeikowicz Miełczanin Kowien(ski) (V1 183); Kieziu бewczu Kowien(skiemu) (Kauf.; V2 62); jana Kieidÿ Kożemiaki¹⁵ człowieka Kowien(skiego) (Gen.; V3 90) usw.
Von den zweiten Gliedern der 219 Bezeichnungen von Stadtbewohnern wurden 84 Personennamen litauischer Herkunft aus dem 16. Jahrhundert rekonstruiert und mit heutigen Vor- und Familiennamen verglichen. Dabei zeigte sich, dass 64 (76%) von ihnen auch heute noch gebräuchlich sind. Ein Teil, nämlich 7 (8% aller rekonstruierten) Spitznamen-Antroponyme, hat Entsprechungen in heutigen Familiennamen gleicher Herkunft, jedoch unterschiedlicher Bildung. Dies sind *Keida (V3 67, 90) – heutiger Familienname Keidaitis, *Kirmėlis (V1 154; V3 195, 224) – heutiger Familienname Kirmėlė, *Lauželis (V1 132) – heutiger Familienname Laužys, *Stangelis (V3 120) – heutiger Familienname Stangys, *Trumpas (V1 161; V2 60) – heutiger Familienname Trùmpa, *Vergelis (V2 200, 203, 210) – heutiger Familienname Vergūtis, *Vinkšni- kas, *Vinkšnikis (V2 174) – heutiger Familienname Vinkšna.
Weitere 13 (16%) rekonstruierte Antroponyme der Stadtbewohner haben sich bis heute nicht erhalten und besitzen keine Entsprechungen im heutigen Namensbestand. Dies sind *Belzga (V3 138, 159), *Braidys (V2
¹⁵ Wie ersichtlich, werden in den Vogtbüchern Kaunas aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Ehrentitel, das Handwerk und der Beruf der Stadtbewohner auf Polnisch oder Latein angegeben. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Bezeichnung eines Handwerks oder einer Beschäftigung mit einem litauischen Lexem wiedergegeben wird, zum Beispiel: Mikotaia Burbaicžia [kultodailidy (Gen.; V2 150) – aus lit. skūltas „altes Flussschiff mit Rudern“ (LKŽ II 1128) und dailidė, dailýda, dailýdė, dailydė „Möbelbauer, Tischler; Hausbauer“ (LKŽ II 223). Vgl. ferner з Ythcзyйm panem Janem poczywilowiczem [kilie]iwem Miełczaninem Kowien(skim) (Instr.; V2 244) u. a. Dies wurde auch im Taufbuch von Joniškis aus den Jahren 1599–1621 beobachtet (Litauisches Staatliches Historisches Archiv. F. 1196. Ap. 1. B. 76), in dem folgende Stadtbewohner von Joniškis verzeichnet sind: Caspari Meſinika, omnes de oppidulo Janiſki 1599 (Jnš 1); Grigas Warpininiks... ciues Janiſki 1601 (Jnš 18). Ähnliche Eintragungen lassen sich vermutlich auch in historischen Dokumenten anderer litauischer Städte finden. Auf diesen Sachverhalt hat Z. Zinkevičius bei seiner Untersuchung der Personennamen der Stadtbewohner von Vilnius im frühen 17. Jahrhundert hingewiesen (Zinkevičius 1977: 60).
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Page 12184, 213), *Burbažentis (V₁ 107; V₂ 126, 190, 236; V₃ 32, 157, 181, 187), *Gniaužius (V₁ 159; V₃ 113, 184), *Kabaldis (V₁ 21), *Kapkasys (V₃ 185), *Kiškelžentis (V₃ 52, 231), *Pavirpas (V₁ 102, 189, 262, 289, 302; V₂ 6, 9), *Plikažentis (V₃ 59, 139, 201, 252), *Sausakojis (V₁ 147; V₂ 54), *Savadonis (V₃ 122, 324), *Stirta (V₁ 275; V₂ 58, 126,148), *Uodega (V₂ 57, 173, 203).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die Untersuchung von 900 zweigliedrigen Bezeichnungen von Kaunaser Bürgern, die in den Vogtgerichtsbüchern von Kaunas aus dem 16. Jahrhundert (1561–1565, 1564–1569, 1587–1591) verzeichnet sind, ergab, dass 219 (24%) ihrer zweiten Personennamen (sich herausbildende Familiennamen) litauischer Herkunft sein könnten.
2. In den genannten Quellen wurden bei einigen Personennamen Anzeichen der Slawisierung festgestellt: Lautsubstitutionen, die Verwendung slawischer Suffixe in Anthroponymen litauischer Herkunft, das Weglassen von Endungen und ähnliche Erscheinungen.
3. Anthroponyme der Kaunaser Bürger litauischer Herkunft (die zweiten Glieder der zweigliedrigen Namensgebung) waren nichtpatronymische Personennamen und Patronyme. Letztere wurden mit den litauischen Suffixen -aitis, -onis, -ūnas und den slawischen -evič, -ovič gebildet. Ein Teil der Personennamen hatte Diminutivsuffixe -elis (-elė), -ėlis (-ėlė), -ikas, -ikis, -ulis, -utis.
4. Aus den untersuchten Personennamen litauischer Herkunft wurden 84 Anthroponyme rekonstruiert, deren Lesung keinen Zweifel zulässt. Darunter waren 15 alte zweistämmige Namen (19%), 6 Kurzformen zweistämmiger Personennamen und ihre Ableitungen mit Suffixen (7%) sowie 63 Übernamen (74%).
5. Der Vergleich der rekonstruierten Personennamen mit heutigen Vor- und Familiennamen zeigt, dass 64 (76%) von ihnen auch heute noch in Gebrauch sind. Ein Teil, nämlich 7 (8% aller rekonstruierten Anthroponyme), hat Entsprechungen in heutigen Familiennamen gleicher Herkunft, jedoch unterschiedlicher Bildung. Die übrigen 13 (16%), die bis in unsere Zeit nicht überliefert sind, haben keine Entsprechungen im heutigen Namensbestand.
Eingegangen am 20.03.1999
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SUTRUMPINIMAI
avd. – asmenvardis
db. – dabartinis, -ė
pvd. – pavardė
PERSONENNAMEN LITAUISCHER HERKUNFT DER KAUNASER STÄDTER AUS DER 2. HÄLFTE DES 16. JAHRHUNDERTS
Zusammenfassung
Die Untersuchung der in den Büchern des Kaunaser „Vaitas“ (Verwalters) aus dem 16. Jh. (1561–1565, 1564–1569, 1587–1591) vorliegenden 900 zweigliedrigen Personenbezeichnungen der Kaunaser Städter führt zum Schluß, daß 219 (24%) der zweiten Personennamen (die sich herausbildenden Familiennamen) litauischer Herkunft sein könnten.
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Page 14In den erwähnten Quellen sind gewisse Anzeichen der Slawisierung mancher Personennamen zu beobachten: Substitutionen von Lauten, Gebrauch von slawischen Suffixen in Anthroponymen litauischer Herkunft, das Nichtaufzeichnen von Endungen u. ä.
Die Anthroponyme litauischer Herkunft der Kaunaser Städter (die zweiten Komponenten der zweigliedrigen Bezeichnung) waren Personennamen nichtpatronymischer Herkunft und Patronymika. Die letzteren wurden mit den patronymischen litauischen Suffixen -aitis, -onis, -ūnas und den slawischen -evič, -ovič gebildet. Ein Teil der Personennamen wies die diminutiven Suffixe -elė, -ėlis (-ėlė), -ikas, -ikis, -ulis, -utis auf.
Aus den untersuchten Personennamen litauischer Herkunft gelang es, 84 Anthroponyme zu rekonstruieren, die keinem Zweifel unterliegen. Unter ihnen liegen vor: 15 (19%) uralte zweistämmige litauische Personennamen, 6 (7%) Abkürzungen zweistämmiger Anthroponyme sowie Ableitungen von diesen mit Suffixen, 63 (74%) – Spitznamen.
Der Vergleich der rekonstruierten Personennamen mit den litauischen gegenwärtigen Vornamen und Familiennamen zeigt, daß 64 (76%) noch heute gebräuchlich sind. Ein Teil – 7 (8%) aller rekonstruierten Anthroponyme – hat unter den gegenwärtigen Familiennamen Entsprechungen der gleichen Herkunft, die sich aber ihrer Wortbildung nach unterscheiden. Die übrigen 13 (16%) sind bis auf den heutigen Tag nicht erhalten geblieben, haben keine Entsprechungen unter den Anthroponymen der Gegenwartssprache.
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