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ROLANDAS KREGŽDYS

Institut für Litauische Sprache

Forschungsschwerpunkte: vergleichende Grammatik der baltischen und anderer indogermanischer Sprachen, baltische Religion und Mythologie, Quellenkunde.

BESONDERHEITEN DER MORPHEMISCHEN SEGMENTIERUNG OSTBALTISCHER PHYTONYME (DIE PROBLEMATIK DER ETHNISCHEN IDENTIFIZIERUNG VON WÖRTERN)

Besonderheiten der morphologischen Segmentierung ostbaltischer Phytonyme (Probleme der ethnischen Identifizierung von Lexemen)

Zum Gedenken an den Baltisten und Indoeuropäisten, Professor ALBERTAS ROSINAS (1938–2010):

Sein Talent war so vielseitig und gleichermaßen auf alles gerichtet, dass man hätte sagen können, er sei für genau das geboren, was immer er tat

(Titus Livius).

Z U S A M M E N F A S S U N G

Der Beitrag untersucht Besonderheiten der morphemischen Segmentierung ostbaltischer Phytonyme – der Abgrenzung von Submorphemen – und erörtert ihre etymologische Entwicklung. Die Bestimmung des kleinsten bedeutungstragenden Wortbestandteils wird als wesentlicher Faktor bewertet, der die Richtung der etymologischen Analyse von Lexemen bestimmt. Die Morphemstruktur wird nicht nach einer atomistischen, sondern nach einer rekonstruktiv-pragmatischen Methode analysiert. Der rekonstruierte kleinste verallgemeinerte Wortbestandteil bzw. formale Alternant wird auf der Grundlage des Usus des prädisponierenden Faktors – des Wertes der Semanteme – rekonstruiert.

Vorgelegt wird eine morphologische (bzw. etymologische) Analyse der folgenden Phytonyme: lit. pastēnis ‚Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse (Malachium)‘, lit. núokana ‚giftige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Cicuta)‘, lit.

SCHLÜSSELWÖRTER: Phytonym, Submorphem, Semantem, Homophon, karmadhāraya-Kompositum, Assoziativum, Appellativum.

SCHLÜSSELWÖRTER: Phytonym, Submorphem, Semantem, Homophon, karmadhāraya-Kompositum, Assoziativum, Appellativum.

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ROLANDAS KREGŽDYS

padaukas ‚Rotkappe (Leccinum aurantiacum)‘, lit. pasienis ‚Pflanze aus der Familie der Korbblütler, džiūgūnė (Hypochoeris)‘ / lit. posaūnis ‚džiūgūnė (Hypochoeris)‘, lit. póminis ‚Schwingel (Festuca)‘, lit. pamienis ‚Knaulgras (Dactylis glomerata)‘, lit. palėpštis / palepštis ‚mehrjährige Zierpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Cytisus)‘, lit. dial. paliepa ‚Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)‘, lit. padraika ‚Teufelszwirn (Cuscuta), Bärlapp (Lycopodium), Vogelknöterich (Polygonum aviculare)‘, lit. pãtaisas ‚mehrjährige Sporenpflanze aus der Familie der Bärlappgewächse, eine Waldpflanze mit verzweigtem Stängel und nadelförmigen Blättchen (Lycopodium)‘, lett. dial. apdzīras / apdziras, apdzires, apdzirenes, apdzīru- / apdzīru-zāles ‚Bärlapp (Lycopodium)‘.

ZUSAMMENFASSUNG

Der Beitrag behandelt die Besonderheiten der morphologischen Segmentierung von Lexemen, d. h. die Methodik zur Abgrenzung von Submorphemen. Außerdem wird eine etymologische Bewertung ostbaltischer Phytonyme vorgelegt. Die Bestimmung der strukturellen Grenzen des Morphems gilt als wesentliches Element von größter Bedeutung für die etymologische Analyse der Wörter. Die Morphemstruktur wird nach der rekonstruktiv-pragmatischen Methode und nicht nach der atomistischen untersucht. Die Rekonstruktion des Morphems als formales alternatives Strukturelement beruht auf dem signifikanten Wert des Semantems.

Diese Phytonyme werden analysiert: lit. pastēnis ‚Pflanze aus der Gattung Decandria Digynia (Malachium)‘, lit. núokana ‚Wasserschierling (Cicuta)‘, lit. padaukas ‚Rotkappe (Leccinum aurantiacum)‘, lit. pasienis ‚Katzenohr (Hypochoeris)‘ / lit. posaūnis ‚ebenso‘, lit. póminis ‚Schwingel (Festuca)‘, lit. pamienis ‚Knaulgras (Dactylis glomerata)‘, lit. palēpštis / palepštis ‚Geißklee (Cytisus)‘, lit. dial. paliepa ‚Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)‘, lit. padraika ‚Teufelszwirn (Cuscuta), Bärlapp (Lycopodium), Vogelknöterich (Polygonum aviculare)‘, lit. pãtaisas ‚Bärlapp (Lycopodium)‘, lett. dial. apdzīras / apdziras, apdzires, apdzirenes, apdzīru- / apdzīru-zāles ‚Bärlapp (Lycopodium)‘.

0. EINLEITUNG

Die Bestimmung der ethnischen Zugehörigkeit von Wörtern beruht üblicherweise auf dem synergetischen Prinzip der linguistischen Untersuchung, d. h. sie erfolgt auf der Grundlage der Ergebnisse einer vergleichenden Analyse formaler (Bestimmung der Zugehörigkeit von Lexemen zu lexikalisch-semantischen Nestern verschiedener indogermanischer Sprachen) und pragmatischer bzw. wortbildungsbezogener Methoden (Existenz von Elementen mit identischer oder ähnlicher morphologischer Struktur). Daher werden Lexeme verschiedener morphologisch-semantischer Gruppen (darunter auch Phytonyme) bei ihrer Untersuchung häufig nach ihrer Arbeitsklasse bestimmt (Primärwort, Derivat [Präfix-, Suffix- oder Flexionsbildung], Kompositum) (ausführlicher siehe Urbutis 1978: 181–183, 188–194, 249–262, 279–291).

Die Bestimmung der Wortbildungsklasse ist für die Bestimmung der Herkunft eines Wortes von entscheidender Bedeutung (unabhängig davon, welcher lexikalischen Schicht es zugeordnet wird), da die morphologische und die etymologische Ebene in einigen sprachwissenschaftlichen Arbeiten häufig als determinativ aufgefasst werden (vgl. PEŽ III 13; Откупщиков 2006: 216).

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Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV

Besonderheiten der morphämischen Segmentierung ostbaltischer Phytonyme (Problematik der ethnischen Identifizierung von Wörtern)

Pastaruoju metu publikuota nemaža rašinių (plg. Gliwa 2002, 2009; Gliwa, Stukonis 2008), skirtų baltų fitonimų etimologijai aprašyti, kuriuose leksemų darybinės analizės principai interpretuojami taikant logorėjos principą, mat vietoj detalios struktūrinės žodžio sklaidos pateikiami itin menkai argumentuoti, asociatyvinėmis fonetinių homofonų lyginimo prielaidomis (suponuotomis atomistinio metodo) grįsti lietuvių ir latvių augalų pavadinimų aprašai.

1. LIE. PASTĖNIS ‘PFLANZE AUS DER NELKENGEWÄCHSFAMILIE (MALACHIUM)’

Das Phytonym lit. pastėnis ² ‘Pflanze aus der Nelkengewächsfamilie (Malachium)’ wird in NdŽ, Mt1, LBŽ (LKŽe) als Kulturentlehnung aus den italischen Sprachen interpretiert und deshalb aus „spätlat. / it. pasta ‘Teig, Nudeln’“ hergeleitet (Gliwa 2009: 87). Eine solche Hypothese wäre durchaus annehmbar, wenn it. pasta ‘Teig, Nudeln, Gebäck; Paste; Art, Charakter; (med.) Pulpa’ eine phytonymische Konnotation aufwiese. Auch Bernd Gliwas Behauptung, Spuren dieser Entlehnung seien in spätlateinischen Sammlungen zu suchen, wäre zutreffend, wenn sich mlat. pasta mit dem hier erörterten botanischen Referenten in Verbindung bringen ließe; dem ist jedoch nicht so. Vgl. spätlat. pasta (pastum) 108b ‘Teig (poln. cyasto)’ (siehe Erzepki 1900: 73), ‘Teig, Teigmasse; Paste; gefülltes Huhn’ (Niermeyer 1976: 770). Der denotative Wert der Vogelmiere (Stellaria) lässt sich nicht mit einer üblichen Konnotation verbinden, denn diese Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse ist giftig und wurde daher niemals als Nahrungsmittel verwendet (siehe LTE XII 540; БСЭ IX 422). Zwar wurde sie bei den Ostslawen (Russen) sehr selten (S. graminea) als trinkbares Heilmittel gegen Bruch verwendet (Анненковъ 1878: 343), doch bezeichnet man mit diesem Namen meist giftige Pflanzen: russ. коньский вех (Анненковъ ibd.) ↔ russ. вех ‘Wasserschierling (Cicuta)’, russ. конобой (← russ. конь ‘Pferd’ + russ. убой ‘Schlachtung, Schnitt’), russ. курья / курячья слѣпота ‘Hühnerblindheit bzw. Nachtblindheit’ (Анненковъ ibd.). Die pharmakodynamische Wirkung dieses Krauts wird in einem russischen Spruch sehr deutlich beschrieben: Уверяют, что коровы траву едят безвредно, пока не коснутся сладкого её корня, от которого одуревают и вскоре околевают Tver (СРНГ IV 207), d. h. Man versichert, dass das Gras den Kühen nicht schadet, solange sie nicht von seiner süßen Wurzel kosten, von der sie benommen werden und bald verenden. Die narkotisierende Wirkung dieser Pflanze führte zur Entstehung ihrer syntagmatischen Bezeichnung russ. пьянная трава ‘berauschendes Kraut bzw. schmalblättrige Vogelmiere (S. graminea)’ (Анненковъ ibd.; БСЭ ibd.).

1 Als Erster verzeichnete eine solche botanische Bezeichnung in seinem Werk Žolynas. Dalis II. Lietuvos augalų žodynas ir augalų taislas (Vilnius, 1906) der aus Kupiškis stammende Povilas Matulionis (zu ihm ausführlicher siehe LE XVII 527–529). Daraus lässt sich schließen, dass ein solches Lexem im Gebiet der ostaukštaitischen Kupiškėner Mundart verwendet worden sein könnte.

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ROLANDAS KREGŽDYS

Kräuter mit neurodynamischer Wirkung werden in litauischen Mundarten häufig durch Komposita des Typs karmad-hāraya bezeichnet: in der litauischen Kupiškėner Untermundart lit. dial. siùtžolė ‘Ackerminze (Mentha arvensis’² Mt – ihre Präparate dienten der Beruhigung der Nerven und der Entspannung von Krämpfen (Gritėnienė 2006: 136); lit. dial. pasiùtžolė 1 ‘(bot.) Stängelpflanze aus der Familie der Windengewächse, Teufelszwirn (Cuscuta)’ J; LBŽ, Lnkv; ‘Stängelpflanze aus der Familie der Weiderichgewächse, Blutweiderich (Lythrum salicaria)’ Mt (LKŽe); ‘Galinsoga (Galinsoga (letztere ist eine aus Lateinamerika eingeführte Pflanze – ausführlicher siehe Кернеръ фонъ-Марилаунъ II 660; LE VI 495))’ (Gliwa ibd.) (← lit. dial. pàsiutas ‘Tobsucht, Raserei, wildes Treiben’ Pš ↔ lit. dial. pasiutỹs 3ᵇ, pasiutìs 3ᵇ ‘ebd.’ Jnšk, Šd, Rm bzw. lit. siùtas 2 ‘großer Zorn, Wut’ NdŽ, Ds, Ps, Vl, Klov, Ll, Žsl, Adm³; ‘Toben, Rasen’ Trgn; ‘Unfug treiben, herumtollen’ Jd, Kn; ‘große Lust’ Slm; ‘Tollwut’ Ds; ‘ein verrückter, schnell handelnder Mensch’ NdŽ, Kp (LKŽe) + lit. žolė 4 ‘Pflanze, deren oberirdischer Teil nicht verholzt und im Winter abstirbt; Futterpflanzen, die von Tieren gefressen werden; Pflanzenbewuchs einer Fläche; diese Pflanze als Futtersorte; eine Pflanze mit praktischer Bedeutung; Samen verschiedener Pflanzen; Blume; Unkraut; Heilkraut; (Pl.) Aufguss oder Abkochung dieser Heilkräuter; (Pl.) Zaubermittel; (Pl.) essbare Pflanzen; (Pl.) für Zeremonien bestimmte Pflanzen (LKŽe⁴)’. Deren Konnotation wird offenbar von Aurelia Gritėnienė (2006: 172) falsch interpretiert⁵, denn die morphologisch-semantische Struktur des Phytonyms beruht nicht auf der funktionalen Eigenschaft ‘ein sehr fruchtbares Unkraut, das sich rasch ausbreitet und schwer auszurotten ist’ (Gritėnienė ibd.), sondern auf pharmakodynamischen Eigenschaften, die eine neurophysiologische Wirkung hervorrufen: Tiere vergifteten sich, wenn sie davon fraßen (LTE II 250), und aus dem Kleeseidekraut ‘C. epithymum’ wurde ein Mittel gegen Melancholie hergestellt (Анненковъ 1878: 118). Ein Phytonym dieser morphologischen Struktur wird auch im Gebiet der westaukštaitischen Kauniškiai-Mundart verwendet: lit. dial. pasiùtžolė ‘ein der Brennnessel ähnliches, aber nicht brennendes Kraut; Galinsoga (?)’ Guobai (KRŽ II 56).

Daher kann man vorsichtig vermuten, dass lit. pastėnis ‘Pflanze aus der Nelkengewächsfamilie (Malachium)’ als eine litauische Wortbildung erklärt werden kann, die von *pas-iu-t-enis abgeleitet ist (mit Absorption des wurzelinternen -iu-, vgl. lit. dial. gyvenà 3ᵃ ‘Leben, Dasein’ A 1883,

2 Vgl. Subst. lit. siùtžolė 1 ‘(bot.) Ackerminze (Mentha arvensis)’ Mt, NdŽ; ‘Bilsenkraut (Hyoscyamus)’ rš. (LKŽe).

3 Die hervorgehobenen Verweise auf areale Erhebungspunkte und schriftliche Quellen (Abkürzungen) sind hinsichtlich der Verbreitung der untersuchten Lexeme in der Dialektzone integral (unter dem Gesichtspunkt der Lokalisierung), d. h. Wörter mit unterschiedlicher morphologischer Struktur setzen wortbildungsmäßig eine Primär- und eine Sekundärform voraus.

4 Zur Bestimmung des semantischen Extensionalbereichs von Wörtern, deren dialektale Lokalisierung für die hier erörterte Problematik keine Aussagekraft besitzt, siehe LKŽe.

5 Vgl. lit. dial. p a s i ù t dagis ‘Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium)’ Krp, p a s i ù t rope ‘ebd.’ Akm; ihre wortbildungsmäßige semantische Struktur ist durch die Wirkung der Pflanze auf den Organismus von Mensch oder Tier bestimmt, d. h. bei einer Vergiftung wird „d a s z e n t r a l e N e r v e n s y s t e m s t a r k e r r e g t, d e r M e n s c h s c h e i n t w a h n s i n n i g z u w e r d e n“ (Gritėnienė 2006: 170–171).

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Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV

Rytų baltų fitonimų morfeminio skaidymo ypatumai (etninės žodžių identifikacijos problematika)

15, BŽ 142, Ll, Rt, J, Žem; ‘Lebensweise, Zustand’ Vdk, Up, Pvn, J; ‘Lebenslauf, Biografie’ rš. (LKŽe; DünŽ 95) ← lit. gyvén-sen-a 1 ‘Lebensweise’ BŽ 305, Skd, Šts (LKŽe))⁶ ← lit. dial. pasiutas ‘Tollheit, Raserei, Toben’ Pš (↔ lit. dial. pasiutỹs 3ᵇ, pasiutìs 3ᵇ ‘ebd.’) + (sekundäres) Suff. *-enjo- (ausführlicher dazu siehe Skardžius I 234–237), und nicht die Bezeichnung einer italienischen Teigware – daher muss Gliwos Vermutung offenbar grundlegend korrigiert werden.

2. LIT. NÚOKANA ‘(BOT.) GIFTIGE PFLANZE AUS DER FAMILIE DER DOLDENBLÜTLER (CICUTA)’

Der litauische Name niúokana 1 ‘(bot.) giftige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Cicuta)’ BŽ 99; Mt, rš, LBŽ (LKŽe) für die giftige mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler, die weder im litauischen etymologischen Wörterbuch von Ernst Fraenkel (LEW) noch in dem von Wojciech Smoczyński (LEŽ) erwähnt wird, erklärt Gliwa (2002: 3) als Ableitung aus dem Präfix nuo- und der Wurzel -kan-, die seiner Vermutung nach vom Verb lit. kanóti/kãnōti Brs ‘vernichten, töten; quälen, martern’ G 89, Arch XVI 395, Jn, J; ‘dahinsiechen, niedergehen, sterben’ Pns, Lzd; ‘hungern, schlecht gekleidet sein, sich abplagen, sich quälen’ M, Rmš; ‘mit Appetit essen, schmieren’ Lnkv (LKŽe) vorausgesetzt wird. Die vom Autor der Hypothese rekonstruierten Sememe *‘woran jemand leidet’, *‘was jemanden martert’ sind selbstverständlich semantisch plausibel, um die Konnotation der Giftpflanze zu veranschaulichen. Dennoch kann man dieser Vermutung wegen des Mangels an morphologischer Analyse nicht trauen (Gliwa (2002: 3–5) bietet sogar drei Erklärungsansätze zur Herkunft dieses Phytonyms: 1) Präfix nuo- + -kan-; 2) Präfix nuo- + -kand- (letzteres beruht auf Fraenkels äußerst misslungenem Versuch, die Herkunft des Verbs lit. kanóti zu begründen (siehe weiter unten)); 3) *nuok- + Suff. -an-), was die Suche nach einer eindeutigen Etymologie dieses Wortes bedingt).

6 Bislang wird üblicherweise behauptet, lit. dial. gyvenà sei ein ursprüngliches Deverbalnomen zum Verb lit. gyvénti ‘lebendig sein, existieren; erfahren, erleben; sich an einem bestimmten Ort befinden; eine Unterkunft, ein Obdach haben’ (LKŽe) (siehe Būga II 68; Skardžius I 229); Pranas Skardžius (I 548) stellte zwar die schwach begründete Hypothese auf, dieses Verb sei ein Denominativum zu lit. dial. gyvenà. Solchen Überlegungen kann man aus einem ganz einfachen Grund nicht trauen: dem äußerst begrenzten Verbreitungsgebiet von lit. dial. gyvenà steht das äußerst breite Verwendungsgebiet des Verbs lit. gyvénti gegenüber (d. h. es kommt in allen litauischen Dialekten und Unterdialekten vor (!!!)). Daher ist die Annahme zuverlässiger, dass lit. dial. gyvenà ← lit. gyvénsena eine Reflexbildung der reflexiven Form *gyvenā-si ist (vgl. lit. dial. mùšenos ‘das Sich-Schlagen’ < *mušenā-si (Skardžius I 229)); die absorbierte Form lit. dial. gyvenà kann keinesfalls als Grundlage des Verbs lit. gyvénti erklärt werden, da diese Form ein Denominativum zum Adjektiv lit. gývas, -à 3 ‘mit Leben ausgestattet, lebend, nicht tot; nicht schlafend, wach, aufgewacht, aufgestanden’ (LKŽe; zu seiner Herkunft ausführlicher siehe LEW 154–155) ist; somit ist für das Verb das denominative Semem ‘lebendig sein’ anzusetzen. Vgl. Beispiele desselben Wortbildungsmodells: Adjektiv lit. graudùs, -ì 4 ‘rührend, elend, traurig, beklagenswert; heftig, böse; unangenehm, grimmig; grausam’ (LKŽe) → Verb lit. graudénti ‘traurig machen, verarmen lassen; bemitleiden, bedauern; drohen, einschüchtern; sich beklagen, jammern, klagen, bereuen; drohen; leicht donnern, leise grollen; härten, festigen’ u. a. (siehe Skardžius I 549).

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Auf der Grundlage der Rekonstruktion der Wortbildungskategorie der strukturellen Basis des Lexems lässt sich vermuten, dass dieses Substantiv ursprünglich ein Verbalsabstraktum (nomen actionis) war, das im Laufe der Zeit durch semantische Konkretisierung eine für nomen abstractum typische Bedeutungsnuance erhielt. Vgl. lit. dial. kānas 2, 4 ‘ein habgieriger, geiziger Mensch; Ende’ (LKŽe) → lit. nuo-kana *‘das, was den Tod verursacht’ (wie lit. dial. núo-maras 1 ‘(med.) eine bestimmte Nervenkrankheit, Epilepsie’ (LKŽe) ↔ lit. māras 4 ‘eine hoch ansteckende epidemische Krankheit (pestis); Epidemie dieser Krankheit; T o d, S t e r b e n’ (LKŽe; Skardžius I 442, 454)), d. h. das strukturelle Element der Bildung, nämlich das Präfix nuo-, bewirkte einen Bedeutungswandel der Wortbildungskategorie. Das erwähnte Subst. lit. kanas ‘Ende, Tod’, das das Subst. lit. kanybà ‘ausgemergelter, magerer Mensch’ J II 28 voraussetzt (Skardžius (I 92) war sich über dessen Herkunft nicht sicher), lässt sich offenbar weder mit dem Verb lit. kąsti ‘mit den Zähnen packen, drücken, verletzen; schneiden; stechen; essen, kauen; fressen; brennen; nagen’ (LKŽe) noch mit dem Verb lit. kęsti ‘Schmerz, Unannehmlichkeit und Not empfinden oder erleiden; Geduld haben, warten; aushalten, ertragen’ (LKŽe) verbinden (LEW 214–215; Gliwa ibd.), da es eine defektive Form mit absorbiertem Wurzelbestandteil -pa- reflektiert: Subst. lit. kāpas 4 ‘Ort, an dem ein Verstorbener begraben ist; an dieser Stelle aufgeschütteter Erdhügel; oberer Teil einer Grube, Hügel’ (LKŽe; zu seiner Herkunft ausführlicher siehe PEŽ I 270–271) + Suff. -ana- > lit. dial. kāpana ‘Vergehen, Sterben’ Ls (LKŽe) / lit. dial. kāpanos ‘Tod, Angst’ Rumbonys (Bez. Alytus) (siehe Skardžius I 228), vgl. Verb lit. kâpanoti / kapanóti ‘im Liegen Arme und Beine bewegen, um sich zu befreien oder zu retten; zappeln; schwer arbeiten; mühsam gehen, sich hindurchgraben; schwer krank sein, dem Tode nahe sein; sterben, zugrunde gehen, krepieren’ (LKŽe; Skardžius I 505). Somit ist lit. núokana (< Präfix nuo- + ka-pa-na ‘Ende, Tod’) kein Deverbalnomen, sondern ein Denominativum, das das Protosemem *‘das, was den Tod herbeiführt bzw. Todespflanze’ voraussetzt.

3. LIT. PADUKAS ‘ROTHUT (LECCINUM AURANTIACUM)’

Das Subst. lit. padaukas ‘Rothut (Leccinum aurantiacum)’ (LBŽ 466) leitet Gliwa (2009: 87) vom Verb lit. padūkti ab, obwohl er feststellt: „Die Übertragung des Begriffs auf den Pilz ist nicht sonderlich plausibel [...]“. Bei der Erklärung der Herkunft später Neubildungen im Litauischen – und der hier besprochene Pilzname ist offenbar eine solche – sollte die semantische Begründung einer der maßgeblichen Argumentationsfaktoren sein; ohne sie kann jede Vermutung, selbst die ausgeklügeltste, als Beispiel einer kasuistischen Analyse gelten.

Die Bezeichnung dieses Fungonyms ist durch seine unmittelbare Basis völlig klar motiviert, nämlich lit. (Lehnwort) padálka (< le. podolek, ostw. надалак) 1 ‘unterer Rand eines Kleidungsstücks, Saum, untere Kante (↔ ‘padurkas’ (Skardžius I 161)); unterer Teil eines alten Frauenhemdes, Schöße; schräg an der Wand eines Gebäudes befestigtes Brett’ (bzw. lit.

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Rytų baltų fitonimų morfeminio skaidymo ypatumai (etninės žodžių identifikacijos problematika)

dial. padálkas 1 ‚unterer Rand eines Kleidungsstücks, Saum, Besatz‘) ↔ *padauka7 (mit -al- > -au-; ein solcher Wandel ist besonders für Lehnwörter charakteristisch, vgl. lit. kalniėrius (< 1e. kol-nierz) 2 [K], J, kalniėrius 1 ‚Kragen‘ ↔ lit. dial. kauniėrius 2 ‚dasselbe‘ (LKŽe; Zinkevičius 1966: 164) < balt. кауне́р; lit. kaldrà (< 1e. kołdra) 4 Krok, 2 NdŽ ‚Bettdecke, Überwurf, Decke‘ (bzw. kaldra) ↔ lit. dial. kaudrà ‚Überwurf, wattierte Decke‘ < balt. кой́дра, doch kommen solche Fälle auch bei alten Erbwörtern vor: lit. alka ‚Opfer‘ / alkas ‚Heiligtum, bewaldeter Hügel‘ ↔ lit. aukà, aukas ‚dasselbe‘ (weitere Beispiele siehe Zinkevičius 1966: 102, 164) (zu lit. aukà siehe Mažiulis 2008: 92) ↔ adj. lit. dial. padurkìnis, -ė 2 ‚mit einem Unterzwickel versehen, durch einen Unterzwickel verlängert‘ K I 608 (LKŽe), subst. lit. dial. padurkìniai ‚kurze und anschließend verlängerte Hemden‘ Nč (Skardžius I 252), d. h. zu rekonstruieren ist die Form adj. lit. dial. (Lehnwort) *padalkinis ‚uneben (faltig, weil zusammengenäht) wie ein Unterzwickel‘ > subst. lit. dial. (Lehnwort) *padaukas ‚Pilz mit unebenem, faltigem Stiel‘, denn der Stiel des Rotkappenröhrlings ist „struppig“ (LTE IX 343). Somit lässt sich vorsichtig vermuten, dass dieser Phytonym der lexikalischen Gruppe der Entlehnungen aus den slawischen Sprachen und der derivationellen Gruppe der Denominativa zuzurechnen ist.

4. LIT. PASIENIS ‚(BOT.) PFLANZE AUS DER FAMILIE DER KORBBLÜTENGEWÄCHSE, FETTHENNE (HYPOCHOERIS)‘, LIT. POSAĪNIS ‚(BOT.) FETTHENNE (HYPOCHOERIS)‘

Als linguistische Kuriosität kann der Versuch gelten, die Herkunft der Phytonyme lit. pasienis, posainis zu erklären (siehe Gliwa 2009: 87–88), da die Wörter mithilfe der atomistischen Analysemethode untersucht werden. Daher werden die Fehler der Redakteure des LKŽ nicht berichtigt, sondern kasuistische Beschreibungen nicht nur baltischer, sondern auch griechischer Lexeme vorgelegt. Auch einem Nichtfachmann ist klar, dass

7 Vgl. lit. dial. padaukas ‚Fußlappen‘ (< lit. dial. padalkas ‚unterer Rand eines Kleidungsstücks, Saum, Besatz‘), das von den Redakteuren des LKŽ offenbar fälschlich mit lit. dial. padaukas ‚Tunichtgut, Nichtsnutz‘ in Verbindung gebracht wird (Deverbativum von lit. padūkti ‚verrückt werden, rasen‘), denn semantisch lässt es sich mit Letzterem nicht vergleichen – der denotative und konnotative Wert dieser Lexeme stimmt nicht überein; lit. dial. padaukas mit sekundärem -au- anstelle des ursprünglichen -al- im Lehnwort lässt sich durch die zahlreichen im LKŽe angeführten phraseologischen Belege veranschaulichen: į padaukùs eiti ‚zu nichts werden, enden, vergehen‘; nè padauko (nebeliko, neberado) ‚keine Spur, kein Hauch‘; padaukais eiti (išeiti, nueiti) ‚zu nichts werden‘; padaukais nueiti (išeiti) ‚verschwinden, sich entfernen‘; padaukais nunešti ‚fortschaffen‘; po padaukais ‚(derb) zum Teufel‘, d. h. die Wortverbindung lit. dial. padalkais išeiti ‚verarmen‘ (bzw. die synonyme Redewendung ubagais išeiti) legt nahe, dass lit. dial. padáuka 1 ‚Landstreicher, Vagabund‘ eine derivationell-semantische Kontamination zweier litauischer Wörter darstellt: lit. dial. padalkas ‚Fußlappen‘ bzw. ‚unterer Teil eines Kleidungsstücks‘ und lit. dial. padaukas ‚Tunichtgut, Nichtsnutz‘. Somit beruht die pejorative Konnotation von lit. dial. padáuka 1 ‚Vagabund‘ nicht auf den charakterlichen Eigenschaften des Referenten (bzw. Toben, Ausgelassenheit, denn wer herumtobt, ist kein Vagabund), sondern auf seiner sozialen Stellung, deren eines Designat alte, zusammengenähte Kleidung ist.

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subst. lit. pasienis ‚(Bot.) Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse, Fetthenne (Hypochoeris)‘ LBŽ, Mt (LKŽe) kann offenbar nicht mit subst. lit. pasienis 1, pãsienis 1 ‚Stelle an der Wand im Inneren oder an der Außenseite eines Raumes; Rand, Grenzgebiet eines Landes‘ (LKŽe) in Verbindung gebracht werden, obwohl dies im LKŽ angegeben wird, denn ihre referentielle Konnotation ist unterschiedlich: Diese Pflanze war keine wertvolle Futterpflanze bzw. keine saftige, dichte bzw. einer dicht bewachsenen Gesamtheit ähnliche Pflanze (einer Wand⁸), sondern ein Kraut trockener Wälder aus der Familie der Korbblütler (Compositae), das Gefleckte (H. maculata) oder das Wurzel-Ferkelkraut (H. radicata) – eine gelb blühende Pflanze hoher Wiesen, von Waldrändern und aus Gebüschen (siehe LE V 317). Eine Verbindung des trockenen Krauts mit einer Wand oder irgendeinem Gegenstand, der eine Grenze bezeichnet, ist somit offenbar nicht möglich. Die Herkunft des Pflanzennamens – eines Assoziativums (zum Begriff siehe Bussmann 2006: 101; Crystal 2008: 41, 349) – ist offenbar nicht sehr kompliziert; er ist durch seinen hyperonymischen Phytonym motiviert, d. h. durch subst. lit. džiugūnė ‚(Bot.) Gattung von Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Hypochoeris)‘ P, LBŽ (LKŽe), das nicht von lit. džiaugtis ‚Freude empfinden, sich vergnügen‘ u. a. (LKŽe) (bzw. lit. dial. džiūgas ‚jemand, der sich über etwas schnell freut‘ ↔ džiugà ‚Freude; jemand, der sich über etwas schnell freut‘ (LKŽe)) abzuleiten ist, wie Gliwa behauptet (ebd.), indem er als semantisches Wortbildungspendant fälschlich gr. ὑποχαίρειν ‚sich mäßig freuen, frohlocken‘, gr. ὑποχολoίς ‚Pflanze aus der Gattung der Zichoriengewächse (Cichorium)‘ (LS 1644) anführt; diese sind genetisch nicht verwandt, auch wenn Gliwa das Gegenteil angibt (siehe unten). Vielmehr ist es von subst. lit. dial. džiūgas ‚niederlitauischer Flechtzaun, der aus verzweigten Fichtenstämmchen errichtet wird‘ (LE V 316) herzuleiten ← lit. *džiu-ža-gas ‚dasselbe‘ (mit Absorption des radikalen -ža- des zweiten Gliedes; Verkürzung von -ū- infolge der erfolgten Eliminierung von -ža- bzw. semantischer Neutralisierung der Glieder der Wortbildung) < *džiūt-žagas ‚dasselbe‘ (zum Wortbildungspendant vgl. subst. lit. mėšla-minỹs ‚Pferd (das viel Mist zertritt)‘ – siehe Skardžius I 435) ← verb. lit. džiūti ‚trocken werden, austrocknen; durch Saftverlust hart werden; durch Verdunstung verschwinden; (von Pflanzen) welken, verkümmern, vergehen, zugrunde gehen; dünn werden, abnehmen; an Schwindsucht leiden‘ (LKŽe) + subst. lit. žãgas 4 ‚großer, im Freien aufgeschichteter Haufen Heu, Stroh oder Getreide, Schober, Kegel; (Pl.) große Menge von etwas, Vielzahl; auf Stangen bewegliches Dach, unter dem Heu, Stroh usw. gelagert wird; Stapel von Brennholz, Ruten u. Ä.; Heuschober; Schober; Gefüge von Sparren; großer Ast, Reisig, trockener Zweig; Zaun aus Bäumen und Ästen; ziemlich großer Reisigzweig, dürre Rute‘ (LKŽe) (vgl. lit. dial. žãgaras 3ᵇ ‚unbelaubtes Zweiglein, Reisig‘ (KRŽ II 524), d. h. lit. džiugūnė setzt das Semem ‚trockenes, vertrocknetes (oder zum Austrocknen neigendes) Kraut‘ voraus (weshalb es auch als Kraut trockener Wälder bezeichnet wird (wie bereits erwähnt)), nicht aber ‚fröhliches Kraut‘ – genau diese Konnotation schreibt Gliwa der Pflanze zu.

Somit lässt sich vorsichtig vermuten, dass auch lit. pasienis den hyperonymischen Referenten und dessen Konnotation widerspiegelt: *pasie-ty-nis ‚wie ein sietynas‘ bzw. ‚trockenes, vertrocknetes Kraut = džiugūnė‘ < Präfix pa- + subst. lit. sietýnas 1 ‚aus Stroh gefertigter Schmuck;

8 Vgl. den semantischen Extension von lit. siena 1: ‚vertikaler Teil eines Gebäudes; seine Oberfläche von innen oder außen; (übertr.) ein Gebäude, eine Einrichtung; hohe Einfriedung, Trennwand; vertikale Seitenfläche von etwas; Fundamentteil; dichte, geschlossene Reihe von etwas; Längenmaß für Stoff (vier Kettstäbe); Stofflänge; Zeichen, das die Webwände markiert; Rain, Grenze; Grenze eines Staates, Landes, Gebiets‘ (LKŽe).

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„ein solches an Flussufern wachsendes Kraut“, was die Konnotation „TROCKENPFLANZE“ bzw. „TROCKENKRAUT“ voraussetzt; vgl. Reikia, kaip ažušals upė, prišienaut s i e t y n o, tai žiemą bus kuom po keltuom klot Btrm (LKŽe), das heißt, die Sememe „Einstreu“ ist vorauszusetzen: lit. dial. kél­tuoas 1 „Rind, Vieh“ ↔ kél­tuva 1, keltuõ 3ᵃ „Rind, Vieh“ (Sing. collect.) Rinderherde, Herde, Rinder; Arbeitstier; (Schimpfwort) Rind“ (LKŽe). Das Subst. lit. posainis 2 „(bot.) Doldengewächs (Hypochoeris)“ NdŽ; LBŽ (LKŽe) ist ebenfalls ein Assoziativum und vermutlich derivationell wie semantisch mit dem Subst. lit. džiugūnė verbunden, dessen hyperonymischer Referent das Subst. lit. dial. džiugas „ein aus verzweigten Fichten errichteter Flechtzaun der Žemaiten“ ist; das heißt, die Sememe „Einzäunen, Flechten“ ist vorauszusetzen, weshalb die Form *p o - s u - k a i n i s „derjenige, der eingesteckt, geflochten, eingezäunt wird“ zu rekonstruieren ist (< Präf. po- + Verb. lit. dial. sukáinoti „verfilzen, verwirren“ Brž, Ppl, J ↔ Verb. lit. dial. káinioti „einstecken, flechten, einzäunen (irgendwie, vorübergehend, schlecht)“ Er, Bsg; „Wandfugen mit Moos, Werg oder etwas anderem stopfen“ BŽ 208; „sich verheddern, sich verflechten“ Brž; „Umgang pflegen, sich anfreunden“ J; „krank sein, sich unwohl fühlen“ Grg (LKŽe) – der Wortbildungszusammenhang dieses Verbs mit der botanischen Nomenklatur ist im LKŽ belegt; vgl. das Subst. lit. k a i n ė „(bot.) Coremium“ Mt (LKŽe), das heißt, der den Pilz ernährende Teil, der aus einer Konidienträgeransammlung besteht) → *po-sainis „ebd.“ (mit -uk- A b s o r p t i o n).

Zum etymologischen Verhältnis von gr. ὑποχαίρειν „sich maßvoll freuen, froh sein“ und gr. ὑποχοιρίς „Pflanze aus der Gattung der Zichoriengewächse (Cichorium)“ (LS 1644) lässt sich feststellen, dass diese Lexeme nichts miteinander gemein haben, außer dem Präf. ὑπο-, denn gr. ὑποχοιρίς stammt nicht vom Verb gr. χαίρειν „sich freuen, sich vergnügen; zufrieden sein“, sondern vom Subst. gr. χόιρος „Schwein; Ferkel“, da Nutztiere sich von den Wurzeln und Blättern der Zichorie (Wegwarte) ernähren (LS 1732) (LE IV 29).

Die Slawen verwenden mehrere durch morphemweise Übersetzung dieses griechischen Terminus entstandene Wörter, die eine zoonymische morphologisch-semantische Struktur des Phytonyms widerspiegeln: russ. dial. рыло свиное трава ‘Cichorium Intybus L.’ (Анненковъ 1878: 98); daher sind russ. dial. свинникъ, поросятникъ ‘Hypochoeris’ (Анненковъ 1878: 173) nicht als usuelle, sondern als hybride Kulturlehnwörter zu behandeln, die die morphologisch-semantische Struktur von gr. ὑποχοιρίς (← Präf. ὑπο- „zur Bezeichnung einer possessiven Konnotation“ + gr. χόιρος „Schwein; Ferkel“) widerspiegeln.

5. LIT. PÓMINIS „(BOT.) SCHWINGEL (FESTUCA)“

Lie. póminis 1 „(bot.) Schwingel (Festuca)“ NdŽ; Mt, LBŽ (LKŽe) wird von Gliwa (2009: 83) als deverbal erklärt (von Verb lit. minti „mit den Füßen drücken, zertreten; den Fuß aufsetzen, stehen, sich mit den Füßen abstützen; Spreu vom Flachs trennen; bearbeiten, weich machen; das Pedal drücken; gehen, schreiten“ (DLKŽ⁵), lett. mīt „treten, zertrampeln, zertreten“); vorausgesetzt wird eine Bedeutung ‚Pflanze, trittfest‘. Diese Deutung von Gliwa wäre überzeugender, wenn der Urheber der Vermutung entsprechende Bildungen (pre-

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Beispiele für Pflanzennamen aus präfigierten verbalen Bildungen (!!!)), die nach der von Skardžius (I 442, 446) vorgenommenen Analyse präfigierter Bildungen einen von drei semantischen Typen widerspiegeln sollten: 1) Namen des Resultats (der Handlung); 2) Handlungsnamen; 3) Agensbezeichnungen. Leider legen die von Gliwa angeführten angeblich stammverwandten litauischen Deverbativa entweder einen Namen des Resultats (der Handlung) mit kausativer Konnotation nahe: ‚getreten (das, was getreten werden muss) / zertreten, zertrampelt / weichgemacht usw. Pflanze‘ (vgl. lit. mỹnė ‚zu tretender Flachs‘), d. h. rekonstruierbar ist das Semem *‚das, was zertreten und weichgemacht werden muss‘, oder einen Handlungsnamen: lit. mỹnė ‚Flachstreten‘; linamynis ‚ebd.‘, pa-myna / pamina ‚Holzteil, das die Füße einer Bank verbindet, Schemel, Stufe; Trift, vom Vieh zertrampelte Stelle‘, nicht aber das vom Autor der Vermutung rekonstruierte Semem mit kontrastierender Konnotation *‚trittfeste Pflanze‘; die Pflanze wäre also nicht mit dem Konnotat ‚trittfest‘, sondern mit der Bedeutung ‚leicht zu zertreten‘ zu verbinden.

Gliwa erklärt die Herkunft des Flexionsformats –is überhaupt nicht, obwohl sie keineswegs so belanglos ist, dass sie außer Acht gelassen werden könnte. Wäre die vom Autor der genannten Vermutung vorgebrachte Erklärung der Wortherkunft richtig, müsste das Genus des Stammes eine Ortsnamen-Konnotation widerspiegeln, vgl. lit. mỹnė ‚Moor, Schwingrasen‘ (siehe auch Skardžius I 450; zum Verhältnis zwischen ē-Stämmen und i̯ō-Stämmen ausführlicher siehe Endzelīns 1957: 64–65; Endzelīns 1951: 425–426; PEŽ II 17; Kregždys 2010a: 65). Noch größere Zweifel weckt die Deutung des Stammvokals, d. h. Gliwa (Gliwa, Stukonis 2008: 66; Gliwa 2009: 83) rekonstruiert die Form *pa-mynis und behauptet, das wurzelhafte *-y- sei ursprünglich und habe anstelle des sekundären, verkürzten -i- gestanden.

Ein Mangel in Gliwas Hypothese ist das Fehlen einer phonologischen Analyse der Formen mit dem Präfix po- im südsamogitischen Varniškiai-Dialekt (Laurynas Ivinskis, geboren im Dorf Bimbalai, Gemeinde Užventis, unweit von Klovainiai, war ein Vertreter dieser Dialektzone (LE IX 198)), obwohl Vytautas Vitkauskas ein Wörterbuch des nahe verwandten nordöstlichen Dūnininkai-Dialekts der Samogiten – des östlichen Varniškiai-Dialekts – erstellt hat (DūnŽ). Für dieses Dialektgebiet ist eine entgegengesetzte Entwicklung charakteristisch, als Gliwa behauptet: eine Vokaldehnung (des nach dem Präfix po- folgenden wurzelbildenden Elements) in unbetonter Stellung – anzunehmen ist eine qualitative Defonologisierung – Vokall ä n g u n g⁹ (X) oder die Bewahrung eines langen (Y) bzw. kurzen (Z) Vokals in unbetonter Stellung: lit. dial. (samog.) pódūkraY ‚unechte Tochter‘ (DūnŽ 273), vgl. das Subst. lit. pód ukrė ‚unechte Tochter‘ (DūnŽ ebd.) ↔ lit. dukrà 2/4, dūkrà 2 ‚Tochter‘ usw. (LKŽe), pópūtisX ‚sehr krankheitsanfälliger, zarter Mensch‘ (DūnŽ 275) ← Subst. lit. dial. (samog.) pópa ‚Wunde‘ (DūnŽ ebd.) + Suffix (Dim.) lit. -ūtjō- > Subst. lit. pópūtis ‚zarter Mensch, der schnell friert und schnell warm wird‘ (siehe Skardžius I 362–363, 451)¹⁰; Subst. lit.

⁹ Solche Entwicklungen sollten nicht mit ablautenden Formen in Verbindung gebracht werden: Adj. lit. dial. (samog.) póbùgštis, -ė ‚etwas ängstlich, ziemlich scheu‘ (DūnŽ 273) ↔ Verb. lit. dial. (samog.) baugšténti ‚ängstigen‘ (DūnŽ 43) ↔ lit. dial. (samog.) pabūgimas ‚Erschrecken‘ (DūnŽ 55).

¹⁰ Die Herausgeber des LKŽ behandeln offenbar fälschlich die Form mit langem Stammvokal als primär und führen sie vor den Formen mit kurzem Vokalismus und radialen Varianten an; vgl. das Subst. lit. dial. pópūtis 1, pópūtis 1, poputỹs 3ᵃ „Bläschen, Schwiele; Furunkel, Geschwür; ein schwächlicher, empfindlicher Mensch“ (LKŽe).

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dial. (niederlit.) póbėgisY ‘schnelles Gehen, Rennen usw.’ (DūnŽ 272) ↔ lit. dial. (niederlit.) bė́gimas ‘ebd.’ (DūnŽ 44); Adj. lit. dial. (niederlit.) pódrūktis, –ėY ‘ziemlich kräftig, dick’ (DūnŽ 273) ↔ Adj. lit. dial. (niederlit.) drūktas ‘dick, gesund, stark usw.’ (DūnŽ 76); Adj. lit. dial. (niederlit.) pógudris, –ėZ ‘ziemlich schlau’ (DūnŽ 273) ↔ Adj. lit. dial. (niederlit.) gùdras ‘verständig, schlau’ (DūnŽ 104); Adj. lit. dial. (niederlit.) póilgis, –ėZ ‘ziemlich lang (von der Länge eines Gegenstands); ziemlich lange dauernd’ (DūnŽ 273) ↔ Subst. lit. dial. (niederlit.) ilg-liežùvis ‘jemand, der tratscht’ (DūnŽ 107); Adj. lit. dial. (niederlit.) pólytotas, –aY ‘ziemlich regnerisch’ (DūnŽ 274) ↔ Adj. lit. dial. (niederlit.) lýtotas ‘regnerisch’, Subst. lit. dial. (niederlit.) lytùs ‘Regen’ (DūnŽ 179); Adj. lit. dial. (niederlit.) pósūris, –ėY ‘ziemlich salzig’ (DūnŽ 276), pósūrokas, –aY ‘ebd.’ ↔ Subst. lit. dial. (niederlit.) sūrimas ‘salzige Speise’ (DūnŽ 359). Daraus lässt sich folgern, dass man in dieser Dialektzone in unbetonten Silben dazu neigt, kurze Vokale zu längen und nicht lange zu kürzen¹¹. Daher hat die von Gliwa (Gliwa, Stukonis 2008: 66; Gliwa 2009: 83) rekonstruierte Vorform *pamynis offenbar niemals existiert. Aus diesem Grund lassen sich keine genetischen Zusammenhänge mit den im ostvarniškischen Dialekt verwendeten nominalen Formen mynė ‘gestampfter Flachs; gestampfter, ausgepresster Torf’, mynėjas, –a ‘jemand, der knetet, stampft (Ton); jemand, der Flachs stampft’, mýnimas ‘Treten, Zertrampeln; Brechen (von Flachs)’ sowie dem Verb mýnioti ‘zertrampeln’ erkennen (DūnŽ 200–201).

Wegen der Nichtübereinstimmung der Wortbildungs- und Bedeutungsmodelle (ausgehend von Gliwas Hypothese) sollte man diese Wörter offenbar nicht von einer verbalen, sondern von einer nominalen Vorform ableiten (siehe auch Kregždys 2010a: 55–56). Ebenso sollte die physiologische Tatsache nicht außer Acht gelassen werden, die für die der Gattung der Süßgräser zugehörigen mehrjährigen Gräser gilt, die mit dem besonders wichtigen Phytonym Festuca bezeichnet werden: Diese Pflanzen gedeihen nur an feuchten Standorten (LTE III 367 (eračiny- nai (Festucetum sabulosae, Hieracio-Festucetum arenariae usw.) kommen sogar an der litauischen Küste vor, obwohl sie heute sehr selten sind (Balevičienė 1995: 52–53)), Trockenheit hingegen vertragen sie nicht (БСЭ XVIII 278). Es sind zwei etymologische Deutungen möglich (die erste wäre zur Erklärung einer von Ivinskis geschaffenen Neubildung geeignet, die zweite zur Begründung eines alten Erbworts), obwohl zwischen ihnen ein genetischer Zusammenhang besteht:

1) aus dem litauischen Dialekt-Toponym (niederlit.) Pomerie (= Pamirinijes) Rt ‘sechs Ortschaften am Fluss Minija, westlich von Žarėnai und nördlich von Rietavas’ (siehe Būga I 232), d. h. Top. *Paminijys ‘Ortschaft am Fluss Minija’ > *Paminys ‘ebd.’ (mit Absorption von –ij–, vgl. lit. Hydronym Paneržys < *Pa-ne-ve-ržys (Vanagas 1981: 244); siehe auch Крегждис 2009: 280–281) > litauisches Dialekt-Top. (niederlit.) *Pominys, vgl. lit. pa-ežerys ‘Ort am See’ ↔ litauisches Top. (niederlit.) Póžerė ‘Dorf unweit von Tauragė’ (siehe Otręb ski 1966: 327–328; Zinkevičius 1966: 130; Kregždys 2010: 209) → (Appellativ) litauischer Dialekt (niederlit.) pominis *‘Pflanze, die am Flussufer bzw. an feuchten Standorten wächst’;

11 ǔ:ū bzw. ī:ī: Der Konvergenzprozess verlief in diesem Dialektgebiet in der Silbe vor dem Akzent (siehe Zinkevičius 1966: 491).

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2) litauischer Dialekt (niederlit.) póminis *‘Pflanze, die an feuchten Standorten wächst’ < lit. *po-ne-minis ‘ebd.’ (mit Absorption von -ne- aufgrund der Wiederholung phonologisch identischer Silben, d. h. -ne-…-ni-; -i- < -u- infolge regressiver Assimilation; vgl. die Etymologie des bislang als ungeklärter Herkunft geltenden Hydronyms: lit. Minià Fl. Skdv, Minija ‘rechter Nebenfluss der Nemunas’, Minė Fl. Grg usw. < *Ne-mun-ija (Aphärese12 aufgrund der Wiederholung von ne…ni (offenbar aufgrund des Sprachökonomieprinzips); -u-…-i- > -i-…-i- (regressive Assimil.) < lit. Hydr. Nẽmunas Fl. Kn + lit. Suffix -ija (dieser Hydronymbildungstyp ist im litauischen Sprachgebiet äußerst häufig, vgl. Káln-ija Fl. Ds ← lit. kálnas; Kaltān-ija Fl. Klm ← lit. PN Káltanas usw. (Bilkis 2008: 204–205))13)14 < lit. Subst. *po-ne-munis ‘ebd.’ (Substantivierung) < balt. Adj. *nemuna- ‘das, was durch einen feuchten Standort gekennzeichnet ist’ (siehe PEŽ III 177) > lit. nemùnė 2 Ds, nemunė 3b Pn, Lkm, nẽmunė 1 Gdr, Vdšk; LBŽ ‘(bot.) Hallimasch (Anmillaria mellea)’ Grv, Brsl, Pbs, Dglš, Slk, Ut, Ds (LKŽe) ↔ ‘in feuchten Gegenden wachsender budis’ (PEŽ III 177) (zur semantischen Motivation vgl. lit. PN Nẽmunis Vkš, Nemùnis Jnš, Pš, Žg, Nemunis V (LPŽ II: 319) ← lit. Hydr. Nẽmunas Fl. Kn, d. h. die Sememe *‘am Nemunas wohnend’ ist zu rekonstruieren; vgl. lit. PN Nemunėlis Zp / Nemunáitis Luk ‘ebd.’ (Butkus 1995: 322)15).

Es ist anzunehmen, dass die Analogie die Entstehung der Flexionsendung -is beeinflusst haben könnte, d. h. die Verbindung mit lit. dial. (niederlit.) upìs ‘Fluss’, das in den Gebieten der nordžemaitischen Telšiškiai und Kretingiškiai verwendet wurde (siehe Skardžius I 54); südlich davon grenzt das Gebiet der südžemaitischen Varniškiai an, aus dem Ivinskis stammte. Gliwa schreibt ihm gerade die Urheberschaft dieses Wortes zu.

Gliwas Versuch, lit. póminis 1 ‘(bot.) Schwingel (Festuca)’ NdŽ; Mt, LBŽ (LKŽe) mit dem von Jonas Staugaitis, einem Westaukštaiten (geboren im Dorf Štratai (auch Omentiškiai) (LE XXVIII 474–475)), angegebenen Phytonym lit. pamienis ‘(bot.) Knaulgras (Dactylis glomerata)’ LBŽ zu verbinden, ist höchst zweifelhaft (P. Snar (LKŽe)), nicht nur aufgrund des botanischen Unterschieds: Schwingel wächst nämlich an sehr feuchten Standorten, Knaulgras hingegen nur an mäßig feuchten (siehe unten), d. h. mit diesen Wörtern wurden völlig

12 Eine solche Entwicklung spiegelt offenbar auch lit. PN Vėžinis V <? *Ne-vėžinis ‘jemand, der am Nevėžis gelebt hat oder von dort stammt’, wider; es ist also als hydronymisches Appellativ aufzufassen (anders wird seine Herkunft in LPŽ II 1201 erklärt); Ulìnskas/Ulìnskas Šl, Alvt usw. <? *Šia-ulinskas ‘aus Šiauliai stammend oder dort lebend’ (anders LPŽ II 1100); Pedìšius Šmn / Pedìšius Skp <? *Klai-pedìšius ‘aus Klaipėda stammend’, vgl. lit. PN Klaipėdùkas ‘ebd.’ (Butkus 1995: 265)

13 Eine ganz andere und semantisch nicht motivierte Beschreibung der Herkunft dieses Hydronyms bietet Vanagas (1981: 217).

14 Vgl. ferner (progressive Assimilation) lit. PN Nemenìūnas Snt ↔ lit. PN Nemanìūnas Šln, Tt (LPŽ II 317–318).

15 Daher sind auch die litauischen Personennamen Minìotas, Miniótas, Minìotas, Miniotas usw. (LPŽ II: 251) offenbar appellativischen Ursprungs, d. h. mit dem litauischen Hydronym Minià, einem Fluss bei Skdv, Mìnija, Minė, einem Fluss bei Grg, und anderen in Verbindung zu bringen (zu ihnen siehe Vanagas 1981: 217), und nicht mit dem litauischen Verb miñti ‚im Sinn haben, meinen usw.‘ (ausführlicher siehe LPŽ II 249); vgl. ferner den litauischen Personennamen Giniõtas mit dem litauischen Hydronym < Gin- (-upis, ein Fluss bei Gdž), (Prieš-) -ginis, ein Fluss bei Kbr (zu ihnen siehe Vanagas 1981: 116), Gin-auka, einem See bei Dūk. (Bilkis 2008: 252), + litauisches Suffix -ot- (siehe Skardžius I 344).

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verschiedene krautige Pflanzenarten, sondern auch hinsichtlich ihrer Etymologie – ihre Herkunft ist völlig unterschiedlich: lit. pamienis ‘Hundsgras’ < *pa-ka-mienis (mit Absorption des radikalen -ka-, vgl. lit. lajà ‘Gesamtheit der Äste und Blätter eines Baumes, Krone’ DŽ, rš, P. Snar (LKŽe) < lit. la-pi-jà ‘Blätter von Bäumen und Pflanzen, Gesamtheit der Blätter’ K; R 213, K I 96, J, rš, Šv, Vrb, V. Piet, ‘Ort, an dem es viele Blätter gibt’ Tv (LKŽe) – ausführlicher siehe Kregždys 2009: 120–122; Крэгждис 2009: 280–281; Kregždys 2010b: 100, 106), d. h. Präfix pa- + Subst. lit. kamiẽnas 1 ‘Stamm, Stängel einer Pflanze oder eines Baumes’ Š; M, S. Dauk., Mair., A. Vien., J, Sdk, Vv, BsP IV 143, BsMt I 71; ‘dickes Ende, stumpfes Ende’ J; ‘(Anat.) Rumpf (Truncus arteriosus)’ NdŽ ↔ kamiẽna 1 ‘Stamm, Stängel einer Pflanze oder eines Baumes’ J; C II 1152, K. Būg (Ds) (LKŽe).

Bezeichnungen für Hundsgras mit identischer semantischer Bedeutung werden auch in ostslawischen Sprachen verwendet: russ. dial. купкова ‘Dactylis glomerata L.’ (Анненковъ 1878: 121) <? *куп-ин-кова-я, vgl. russ. dial. ку́пуна ‘mit Moos oder Gras bewachsener Baumstumpf’ Pskow, Smolensk (СРНГ XVI 101); russ. dial. палочник ‘Hundsgras’ (Анненковъ 1878: 122), vgl. russ. dial. па́лочник ‘junger Wald, der wegen der Stangen und Pfähle abgeholzt wird’ (СРНГ XXV 175) ↔ russ. dial. палочная трава ‘Hundsgras’ (Анненковъ 1878: 121). Das Aufkommen einer solchen Konnotation ist durch die Standort- und Symbioseeigenschaften des Hundsgrases bedingt – dieses Gras wächst nur an schattigen Orten, an Waldrändern, in Gehölzen und auf Kahlschlägen, also dort, wo es Bäume gibt (БСЭ XV 486).

Die hydrolokative Herkunft dieses Phytonyms lässt sich durch ostslawische Assoziative begründen, die bislang nicht untersucht und mit den Entsprechungen in den baltischen Sprachen verglichen wurden (vgl. Меркулова 1967; Преображенский I 568; ЭССЯ XX 191–193). Echter Wiesenschwingel (Festuca pratensis Huds.) ↔ eraičìnas, eraičýnas ‘(Bot.) ein Futtergras aus der Familie der Süßgräser (Festuca)’ (LKŽe)) wurde im russischen Gouvernement Mogiljow russ. dial. мурогъ genannt (Анненковъ 1878: 144). In anderen russischen Mundarten bezeichnet das Wort andere Pflanzen und botanische Objekte: russ. dial. му́рог / муро́г / муро́к ‘Vogelknöterich’ (Polygonum aviculare L.); Pflanze aus der Familie der Knöterichgewächse’ Brjansk; мург полевой ‘Leinkraut (Linaria vulgaris Mill.)’ (diese Pflanze darf nicht mit Flachs und dessen Verarbeitung in Verbindung gebracht werden, da sie ein an Wegrändern wachsendes Unkraut ist (БСЭ XVIII 278 – vielleicht wurde sie gerade deshalb so benannt (siehe unten))) Woronesch; муро́к ‘Moos, mit dem die Ritzen in Hütten verstopft werden’ Tambow; муро́к ‘Gras’ (vgl. Весь мурок пожелтел, все вытоптали) Swerdlowsk; муро́г ‘dichtes Gras, das an den Rändern der Dorfstraßen üppig wächst’ Brjansk; мурог ‘kleines, niedriges Gras; junges Gras’ Tobolsk, Brjansk, муро́к ‘üppiges junges Gras’ Archangelsk; муро́г ‘Grassode’ Pskow u. a., му́рог ‘grüne Wiese’ Brjansk, муро́г ‘ebd.’ Tjumen, ‘Wiesengebiet’ Archangelsk, ‘Wiese, Stoppelfeld’ südliche und westliche Regionen Russlands (СРНГ XVIII 358). Diese Wörter werden auf das hydroleksemische Substantiv balt.-slaw. *mãura- ‘Schlamm’ (Mask. (Reinholdas Trautmannas (1923: 172) unterteilt diese Form in zwei separate Formen, balt.-slaw. *mãura- ‘Schlamm’ und balt.-slaw. *mãurā- ‘Gras, Grassode’)) > lit. mãuras 3, 1, mãuras 4 ‘(Bot.) Wasserpflanze, Wasserlinse (Lemna); Schlamm, Morast’ u. a., Adj. lit. mūras,

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–à 4 ‘nass, aufgeweicht’, Subst. lit. mùras ‘durchnässter, aufgeweichter Boden’ (LKŽe), lett. murît ‘beschmutzen, beschmieren’ (ME II 670), poln. muł ‘glitschige, zähflüssige Schicht aus Gestein und organischen Resten am Grund oder Ufer eines Gewässers; Schlamm; Sumpf’ (SPW XV 173; Brückner 1957: 348) (< westslaw. *maula- (Trautmann ebenda)) < Adj. idg. dial. *měu-l / rō- ‘glitschig; durchnässt’ < Verb. idg. *meu- / *meų̯ə- (*mū-) ‘abreiben, mit Wasser abwaschen’ (IEW 741–742), das mit dem Verb idg. *mer- / *mṛ- ‘(mit Wasser) durchnässen’ verwandt ist (siehe PEŽ III 134; IEW 735–736) → Verb idg. *merk- (mit dem Determinativ *-k-) ‘ebd.’ > balt.-slaw. *měŕk- / *mìŕk- ‘ebd.’ (PEŽ ebenda; IEW 739–740; ferner siehe Urbutis 1972: 212; Фасмер III 10–11; ЭССЯ XX 191–193)).

Ein weiteres, besonders wichtiges Beispiel, das diese Vermutung veranschaulicht, ist russ. dial. вожец ‘Festuca pratensis’ Archangelsk (Анненковъ ebenda) ~ ‘Festuca Fenas Lag.’ (СРНГ V 12) < russ. dial. *вож-[i]-(н)ец ‘ebd.’ < adj. altkirchenslaw. воднъ ‘Wasser-, wässrig’ (dazu siehe Miklosich 1977: 70) + Suffix (Subst.) slaw. -ъу- (dazu siehe Селищев 1952: 60; Хабургаев 1974: 199–200) (zur Absorption von -n-: russ. dial. -д- + -и- /i/ + -ец (nach slaw. *di > ostslaw. /ж/ (< *d’ž) (siehe Хабургаев 1974: 153; Пивторак 1988: 134)), vgl. adj. russ. dial. вожанный ‘? wässrig’ (Вожаный горох. Холодный гороховый суп, разведенный квасом) (СРНГ V 9–10).

Folglich lässt sich vorsichtig vermuten, dass das hydronymische Assoziativum, das den Wuchsort der Pflanze widerspiegelt, das älteste ist (ein zwingendes Argument für eine solche Vermutung ist russ. dial. мур ‘Schimmel’ Woronesch (Даль II 359), das eine substratische hydroforische Referenz voraussetzt, denn Schimmel wächst nur an sehr feuchten Orten (LE XXII 263)). Später entstanden weitere Bezeichnungen für diese Pflanze, die sich auf ihre Wuchsweise, Struktur, ihren usuellen Wert und andere Merkmale beziehen: russ. dial. метла ‘Besen (Festuca elatior, rubra)’, манна луговая ‘ebd.’ u. a. (ausführlicher siehe Анненковъ ebenda).

5.1. Semantisch-derivationale Motivation von Phytonymen mit den Präfixen pa- / po-

Ein solches Ableitungsverfahren, bei dem Pflanzennamen mit den Präfixen pa- / po- durch ihren Standort motiviert sind, ist bei litauischen Phytonymen (insbesondere Mykon ymen) üblich (es handelt sich dabei nicht um künstliche botanische Termini, sondern um in den Mundarten verwendete Wörter); es lässt sich in zwei Untergruppen gliedern – primäre Lokalisationsreferenz (1 – die semantische Motivation wird durch den Wuchsort des primären Referenten bzw. durch eine paragenetische Verbindung nahegelegt) und assoziative bzw. sekundäre Lokalisationsreferenz (2 – die semantische Motivation wird durch den Wuchsort auf dem primären Referenten oder durch dessen Abwesenheitskonzept nahegelegt): 1) lit. paálksnė 2 ‘(Bot.) Wolliger Milchling, Birkenreizker (Lactarius torminosus); Grauer Milchling (Lactarius trivialis)’ ↔ ‘Ort unter einer Erle’ (LKŽe); lit. paąžuolis 2 ‘(Bot.) Pilz aus der Familie der Röhrlinge, der unter Eichen wächst (Boletus

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luridus); der Bitterröhrling (Boletus felleus); der Rotkappen-Röhrling, Rotfußröhrling (Boletus versipellus’ (= lit. paąžuolė 2 „ebd.“), d. h. „ein in der Nähe einer Eiche wachsender Röhrling“; lit. pabėržis 1 „(bot.) Birken-Raufuß (Boletus scaber’ (= lit. dial. pabėržė 1, paberžė 3b „ebd.; Löwenzahn, Täubling“), d. h. „ein entlang von Birken wachsender Pilz“; lit. paliępė 1 „(bot.) essbarer Pilz aus der Familie der Täublingsverwandten (Lactarius vellereus)’ (= lit. dial. paliepis 1 „ebd.“), d. h. „ein entlang von Linden wachsender Pilz“; lit. pakalnutė 2 „(bot.) duftende, giftige und heilkräftige Wald- und Gartenpflanze aus der Familie der Liliengewächse (Convallaria: C. majalis, C. latifolia)’ (LKŽe), d. h. „Pflanze der Täler und Randgebiete“ (vgl. BCЭ XIV 146), lit. pienažolė pajūrinė „Pflanze aus der Familie der Primelgewächse (Primulaceae), die an feuchten, salzhaltigen Standorten vorkommt (Glaux maritima)’ (LE XXI 447), vgl. lit. pajūrinis pelėžirnis (Lathyrus maritimus), lit. pajūrinis kadagys (Juniperus conferta) ↔ Adj. lit. pajūrinis, -ė 1, pajūrinis 2 „an der Küste befindlich, lebend oder wachsend“ (LKŽe); lit. palazdė 3ᵇ, palazdė 2, pālazdė 1 „(bot.) Europäische Haselwurz (Asarum europaeum); Leberblümchen (Anemone hepatica)’ ⇦ Palazdėlės wachsen eher an den Rändern (an steilen Hängen, Böschungen) Trgn (LKŽe) ↔ Hasel (Corylus), ein Strauch und Baum aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae), wächst in Senken (LE XIV 304) bzw. an Hängen (siehe auch Gritėnienė 2006: 59);

2) lit. paalksnė 2 „(bot.) Pilz, der auf der rissigen Rinde eines Erlenstamms wächst, Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune)’ (LKŽe); lit. palazdė „Schuppenwurz (Lathraea squamaria)’ (KLŽe) – eine Gattung mehrjähriger Kräuter aus der Familie der Sommerwurzgewächse, die auf den Wurzeln anderer Pflanzen parasitiert (insbesondere Hasel, Erle und Linde) (LTE XII 564), „Sand-Röhrling (Boletus castaneus)’ (LKŽe) ↔ lit. smiltė 2 „(bot.) Sandpflanze aus der Familie der Nelkengewächse (Arenaria)’ (LKŽe), wächst in hügeligem Gelände, wo es trocken ist (LE XXVIII 185).

Der zweite semantische Typ von Pflanzennamen mit dem Präfix pa- / po- ist durch formale Merkmale motiviert – durch äußere (physische) Eigenschaften oder einen gebräuchlichen (nutzerbezogenen) Wert:

1) lit. pabėržis „Felsenbirne (Rhamnus (LTE VII 361 (ebenso BCЭ X 430) und LE XVIII 99 bezeichnen mit diesem Phytonym (d. h. lit. medlieva) Pflanzen aus verschiedenen Familien, nämlich Amelanchier vulgaris (lit. paprastoji medlieva bzw. eine Gattung von Sträuchern und niedrigen Bäumen aus der Familie der Rosengewächse) ≠ Rhamnus cathartica (lit. dygioji šunobelė bzw. eine Gattung von Pflanzen aus der Familie der Kreuzdorngewächse (LTE XI 15)))’ Mt (= lit. dial. pabėržė „ebd.“ Trak); „Maiglöckchen (Convallaria majalis)’ Rt, ersteres wohl wegen der gleichen Blattpigmentierung dieser beiden honigtragenden Pflanzen so genannt (d. h. die Blattoberseite ist dunkel, die Unterseite hellweißlich (siehe BCЭ X 430); im Frühjahr sind die Blätter der Felsenbirne (wenn es sich um Amelanchier vulgaris handelt) zudem flaumig behaart (Кепнеръ фонъ-Марилаунъ I 345), ebenso wie die der Birke (Betula) (LE II 442)) und von sehr ähnlicher Form (A. rotundi-folia); möglicherweise beruht der Vergleich dieser Pflanzen auf ihrem gebräuchlichen Wert (wenn medlieva =dygioji šunobelė), denn sowohl aus Birkenblättern und -knospen (LE II 443) als auch aus den Beeren des Kreuzdorns

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(Кернеръ фонъ-Марилаунъ II 699) wurden Farbstoffe hergestellt; das Semem „Maiglöckchen“ ist wohl mit der Anordnung der Blütenstände dieser krautigen Pflanze aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae) verbunden (LE XXI 367), beziehungsweise mit ihrer senkrechten Neigung, die an das Herabhängen von Birkenzweigen erinnert; aufgrund dieser Eigenschaft werden Bäume aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae) in Volksliedern mit „herabhängenden, taubenetzten Zweigen“ mit Armut und Not in Verbindung gebracht (LE II 443);

2) lit. palėpštis 2 LBŽ, palepštis Mt „(bot.) mehrjährige Zierpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Cytisus)’ (LKŽe) < Präf. lit. pa- + Adj. lit. lėkštas, -à 4 „flach, eben, glatt“ (LKŽe) (mit p-k- > p-p- infolge späterer Assimilation), da die Frucht dieser Hülsenfrüchtler-Pflanze eine flache Hülse ist (LTE VIII 426);

3) lit. paliepsnis „(bot.) eine solche Pflanze“ < Präf. lit. pa- + Subst. lit. liepsnà 4 „Feuer, das aus einem brennenden Gegenstand aufsteigt“ u. a. (LKŽe), vgl. lit. liepsnėlė 2 „(zool.) kleiner Singvogel mit roter Brust, Rotkehlchen (Erithacus rubecula); (bot.) Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse mit leuchtend gefärbten Blüten, Lichtnelke (Lychnis)’ (LKŽe; LE XIV 540–541);

4) lit. dial. paliepa „(bot.) Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)’ (LKŽe), die von den Herausgebern des LKŽ fälschlich dem lexikalisch-semantischen Wortbildungsnest lit. paliepà3b, pãliepa 1 „(bot.) Ableger, Schössling, Auswuchs“ (LKŽe) zugeordnet wurde (< Verb. lit. 1. palipti „ein wenig, nicht weit klettern; klettern können“; 2. palipti „sich unten an etwas anheften“ > Subst. lit. liẽptas 2 „Brett oder Baumstamm, der quer über einen Graben oder Bach gelegt wird, um hinüberzugehen; ein am Ufer eines Flusses oder Sees über dem Wasser angebrachtes Brett, auf das man sich beim Waschen oder Wasserschöpfen stellt“ (LKŽe)): lit. dial. paliepa „Große Kapuzinerkresse“ ← *paliep-sn-a (Absorption von –sn– (zu derartigen Veränderungen siehe ausführlicher Креждис 2009: 281)) < Präf. lit. pa- + Subst. lit. liepsnà (siehe vorherigen Text), da die Blüten dieser Pflanze „häufig rot gesprenkelt sind, als wären sie mit Blut bespritzt“ (LE XX 23);

5) lit. pósmilgė 1 „(bot.) Rasenschmiele (Deschampsia)’; „Windhalm (Apera)“; „Liebesgras (Eragrostis); Reitgras (Calamagrostis)’ ↔ pasmilgė „(bot.) Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa)’ (LKŽe; siehe auch LE XXIII 339; XIV 385–386) < Präf. lit. po- (dazu siehe Kregždys 2010: 222) + Subst. lit. smìlga 1, smilga 4, smilgà 3 „(bot.) Gras aus der Familie der Süßgräser mit rispenförmigem Blütenstand (Agrostis); jemand oder etwas Großes und Schlankes; Rispengras (Poa); Reitgras (Calamagrostis); Graues Reitgras (C. canescens); Perlgras (Melica)’ (LKŽe);

6) lit. palazdė „Lerchensporn (Corydalis cava)’ (LKŽe) ⇦ die Frucht dieser Pflanze ist eine Kapsel (LTE IX: 595), die offenbar mit einer Haselnuss in Verbindung gebracht wurde.

Diese Beispiele sind auch für die Bestimmung des Wortbildungsmodells von Pflanzennamen mit dem Präfix pa- / po- von großer Bedeutung: Belegt sind deadjektivische und denominative Typen, nicht aber der von Gliwa postulierte, durch keinerlei Beispiele belegte deverbalische Typ (!!!). Eine solche Formulierung lässt sich auch durch die morphologische Analyse litauischer und lettischer Pflanzennamen stützen, die angeblich eine verbale Wortbildungsbasis widerspiegeln (siehe Gliwa 2009: 84; siehe unten).

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6. LIT. PADRAIKA ‘(BOT.) BRANTAS (CUSCUTA); PATAISAS (LYCOPODIUM); KNOTERICH-TROSKRAUT (POLYGONUM AVICULARE)’

Lit. padraika ‘(Bot.) brantas (Cuscuta); pataisas (Lycopodium); rūgtis takažolė (Polygonum aviculare)’ LBŽ (LKŽe) (Substantivierung) < Präfix lit. pa- + Adj. lit. draĩkas, -à 4 ‘ausgebreitet, schlank’ (LKŽe) (wie Adj. lit. dial. (žem.) paimlùs, -ì ‘mit gutem Kopf, lernbegabt’ (DūnŽ 232) (↔ Adj. lit. imlùs, -ì 4 ‘fähig, etwas aufzunehmen, sich davon durchdringen zu lassen, rezeptiv; geräumig’ (LKŽe)), Adj. lit. dial. (žem.) paplókščias, -ia ‘flach’ (DūnŽ 239) usw.), und nicht unmittelbar mit dem Verb lit. driė̃kti ‘(etwas Langes, Zähes, Formloses) ausziehen, ziehen, zerren; sich hinziehen; sich strecken; auseinanderfliegend dahinfliegen; zerzausen, ausbreiten; gehen, sich schleppen; Rinde abziehen’ bzw. dem Verb lit. padriė̃kti ‘ausbreiten; schütteln; unordentlich hinlegen, hinwerfen; ausgebreitet daliegen; sich hinziehen, sich erstrecken; sich verbreiten, sich ausbreiten; beim Fallen hinlegen, sich ausstrecken; auswachsen, sich strecken’ (LKŽe) zu verbinden, wie Gliwa (ebd.) vorschlägt; lit. šùn-d r a i k a 1, šundraika 1 ‘Bärlapp (Lycopodium)’ ↔ šundraikas 1 ‘ebd.’ wurde bereits von Kazimieras Būga als Zusammensetzung aus zwei Substantiven (!!) erklärt (RR I 219).

7. LIT. PĀTAISAS ‘(BOT.) SPORIGER, MEHRJÄHRIGER WALDPFLANZE DER BÄRLAPPGEWÄCHSE MIT VERZWEIGTEM STÄNGELCHEN UND NADELFÖRMIGEN BLÄTTCHEN (LYCOPODIUM)’

Lit. pãtaisas3ᵇ ‘(Bot.) sporige, mehrjährige Waldpflanze der Bärlappgewächse mit verzweigtem Stängelchen und nadelförmigen Blättchen (Lycopodium)’ Lkm, Kp, Pn, Sv, Brž, Srj, LBŽ, Mlt, Dglš, Trgn, Grl, A. Vien., Ln; ‘(Bot.) Gundermann (Glechoma hederacea)’ Jrb, J (LKŽe)¹⁶ wird bislang von den polysemen Verben lit. tiẽsti17 abgeleitet (genau-

16 Vgl. ferner die Variante des Substantivs lit. ō/ā-Stammalternationen (zur Entstehung solcher morphologischen Varianten ausführlicher siehe Kregždys 2010: 51–58) pataisà3ᵇ ‘Lycopodium’, das im Gebiet des ostaukštaitischen Utena-Dialekts verwendet wurde.

17 Vgl. das semantische Extensionalspektrum des Verbs lit. tiẽsti: ‘gerade machen, begradigen, ebnen; ziehen, verlängern; hineinstecken, heranbringen; geben, hineinschieben; (gewöhnlich etwas Langes) herstellen, führen, verlegen; gerade oder geradlinig machen, führen, ziehen; spreizen, ausweiten, ausbreiten, ziehen; über etwas hinwegziehen und dabei zwei Seiten verbinden; auf eine Oberfläche legen; richten, Bettzeug geben, ein Bett machen; auseinandergebreitet bedecken, umhüllen; schütteln, ausbreiten; mit einer Schicht bedecken, auflegen; sich hinziehen, sich erstrecken’ (vgl. (refl.) P a t a i s a i p a r ž e m e t i e s i a s Klt); ‘sich erstrecken, sich hinziehen, ausgestreckt daliegen’; beschmutzen, hobeln, hacken, ritzen, schlagen; niederlegen, umwerfen, zu Boden schlagen; fallen, umstürzen, einstürzen, stürzen; kräftig wachsen, in die Höhe schießen; sich hinziehen, andauern; sich hinziehen, gleiten; schnell gehen, laufen, fahren; kräftig arbeiten, sich an die Arbeit machen; ziehen, reißen, singen; brünstig sein, sich paaren’ (LKŽe).

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weiter – Verb lit. patiẽsti18), wie Gliwa (ebd.) behauptet, obwohl alle litauischen Bildungen mit der Wurzel -tais- von einem Verb lit. mit einer Wurzel auf einer anderen Ablautstufe abgeleitet sind: taisýti19 (siehe auch Smoczyński 2007: 675–676); diesem liegen vier Sememe zugrunde, die geeignet sind, die semantische Konnotation des Phytonyms zu begründen (siehe Anmerkung 19): 1. ‘heilen’, denn aus den Sporen des heilkräftigen Bärlapps (Lycopodium clavatum) wird Streupulver zur Behandlung von Wundsein hergestellt (siehe LE XXII 150; ferner KŠŽ 205); 2. ‘sich ausbreiten, sich erstrecken’ – entsprechend der Morphologie der Pflanze, d. h. der Stängel des Sporophyten verläuft am Boden und verzweigt sich mit nach oben gerichteten Zweigen (LE ebd.); 3. ‘sich der Länge nach hinlegen, sich ausstrecken’ = Semem 2; 4. ‘mit etwas schmücken, verschönern’, da die Pflanze dekorativ ist und zum Flechten von Kränzen verwendet wird (LE ebd.). Nur die beiden Sememe (1, 4) werden jedoch vom Substantiv lit. pãtaisas gestützt, denn die Sememe 2 und 3 sind für das Verb lit. pataisýti20 nicht charakteristisch,

18 Vgl. das semantische Extensionalspektrum des Verbs lit. patiẽsti: ‘etwas gerader machen, begradigen; sich nach der Arbeit ausruhen, sich strecken, tief aufatmen; herausstrecken, anheben, ausstrecken; etwas lang machen, hinlegen, einrichten; umlegen, etwas über etwas hinwegspannen, wobei zwei Seiten verbunden werden; e t w a s a u f d e m B o d e n a u s b r e i t e n u n d a u s l e g e n; auseinandergebreitet hinlegen; ein Bett machen; auseinandergebreitet bedecken, umhüllen; schütteln, ausbreiten, auseinanderziehen; auseinanderfliegen, sich ausbreiten; sich erstrecken, flach liegen, hingestreckt daliegen; hinlegen, niederwerfen, zu Boden schlagen; sich hinlegen, sich hinlümmeln, sich ausstrecken, hinfallen; umkommen, töten, ermorden, erschlagen, erschießen, schlachten; sich strecken, wachsen; sich neigen, sich drehen, nachgeben’ (LKŽe).

19 Vgl. das semantische Extensionalspektrum des Verbs lit. taisýti: ‘Defekte beseitigen, etwas wieder gebrauchstauglich machen; durch Beseitigung von Unebenheiten fahrbar machen; gerade machen; Lücken und Löcher schließen, flicken; Fehler, Ungenauigkeiten, Irrtümer und Unstimmigkeiten beseitigen; ein Dialektwort durch ein standardsprachliches Wort ersetzen; Missstände beseitigen, ausrotten; etwas Schlechtes, Beeinträchtigtes verbessern; besser machen, vervollkommnen; fruchtbarer, nährstoffreicher machen; h e i l e n; einen Zahn plombieren; gesund werden, heilen; (eine Verrenkung) wieder einrenken; den Nacken massieren, reiben; zunehmen, dicker werden; ordentlich, eben und passend machen; (glätten), reinigen; auf bestimmte Weise kämmen, locken, frisieren, ausdehnen, ausbreiten; s i c h a u s b r e i t e n, s i c h e r s t r e c k e n; s i c h d e r L ä n g e n a c h h i n l e g e n, s i c h a u s s t r e c k e n; ordnen, beaufsichtigen; auf den Wagen laden; bearbeiten, zerlegen, reinigen; befestigen, einsetzen; ein Buch binden; Einbände und Umschläge anbringen; einrahmen; (ein Bett) machen’ NdŽ, Brs, Trkn, Žr, Slnt, Mžš, Kair, N 123, LLD III 275 (Grz), Mžš, Rm; ‘anziehen, mit Kleidung bekleiden; tragen; mit Kleidung versorgen; bedecken, auslegen; in schöne, prächtige Kleidung kleiden; m i t e t w a s s c h m ü c k e n, v e r s c h ö n e r n; dem Aussehen Schönheit verleihen; einen Gegenstand herstellen, anfertigen; (einen Weg) anlegen; einen Zaun errichten; (ein Nest, einen Bau usw.) bauen; etwas in einer bestimmten Form gestalten; aufladen, anbauen; aus Lauten eine Einheit bilden; bauen, errichten (ein Gebäude); Innenausbauarbeiten ausführen; gründen, einrichten, vorbereiten; Speisen, Getränke, Futter zubereiten, bereitstellen; für eine Arbeit oder einen Zweck herstellen; entsprechend einem vorgesehenen Ziel gestalten, sich anzupassen bemühen; versuchen; sich verhalten; vorgeben, scheinen; Scherze, Streiche, Unannehmlichkeiten usw. aushecken; verleumden, verlästern; für eine Reise, Tätigkeit oder Veranstaltung vorbereiten; beabsichtigen, wollen, meinen, vorhaben (etwas zu tun); sich einem Beginn nähern, sich durch wahrnehmbare Anzeichen eines künftigen Ereignisses bemerkbar machen; ein Gerät, Werkzeug oder sonstiges Hilfsmittel so herrichten, dass es gebrauchstauglich ist; üben, trainieren; abstimmen; eine Patrone in das Patronenlager einer Schusswaffe einlegen; zur Aussaat vorbereiten, (den Boden) bearbeiten; sich kümmern, sich versorgen; beschaffen, erwerben, kaufen; ansammeln, aufladen, aufhäufen; dafür sorgen, irgendwohin zu gelangen oder aufgenommen zu werden; (eine Hochzeit, ein Festmahl) ausrichten; organisieren, veranstalten; sich versammeln, zusammenkommen; (auf ein Ziel) zielen; in die erforderliche Richtung lenken; sich nähern in der Absicht, etwas zu tun; sich annähern, sich anpassen, sich an etwas Angenehmes anschmiegen; auftreten, sich zeigen, sich einstellen (von Krankheit, Schmerz); gierig essen, hineinhauen; schlagen, prügeln; vernichten; teuer verlangen, ausbeuten, schinden’ (LKŽe).

20 Vgl. das semantische Extensionalspektrum des Verbs lit. pataisýti: ‘Defekte beseitigen, gebrauchstauglich machen; durch Beseitigung von Unebenheiten fahrbar machen; flicken; anders umarbeiten, überarbeiten; Fehler, Irrtümer und Unstimmigkeiten beseitigen oder aufzeigen; Missstände beseitigen; etwas Suspendiertes, Ungeeignetes verbessern; vervollkommnen, umerziehen; aufklaren; h e i l e n; e i n e n Z a h n p l o m b i e r e n; g e s u n d w e r d e n, h e i l e n; e i n e V e r r e n k u n g w i e d e r e i n r e n k e n; ausmassieren, ausreiben; abmagern, abfüttern; dicker werden; K r a f t g e w i n n e n, s i c h e r h o l e n; …

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aus dem das erwähnte o-Stammbildungselement abgeleitet werden könnte (falls es sich um ein Deverbativum handelt) (siehe Fußnote 20). Die Usualisierung einer therapeutischen Funktion würde jedoch die Rekonstruktion eines Hyperonyms ‚Heilpflanze‘ voraussetzen, was angesichts des geringen pharmakotherapeutischen Werts der Pflanze wenig wahrscheinlich ist: Mit ihr wurden lediglich Hautbeschwerden exogener Herkunft behandelt, die die biologische Existenz des Menschen nicht bedrohten; mit dem Bärlapp (L. annotinum) dagegen wurden Frostbeulen behandelt (LE ibd.). Gerade die Bezeichnung der letztgenannten Bärlappart lit. šundraika ‚ebd.‘ legt jedoch die Bedeutung der Pflanzenmorphologie (vgl. Gritėnienė 2006: 183) und nicht des konnotativen Gebrauchswerts nahe; vorauszusetzen sind also Konnotate wie ‚kriechend, am Boden dahinschleifend‘, denn der Hauptstängel des Bärlapps (Lycopodium) ist ein liegendes Rhizom (LE XXII 150); vgl. lit. dial. valkata šniūrininkė, die wegen ihres kriechenden Stängels der „[...] Bärlapp-Pflanze – einer Heilpflanze des Waldes mit langem, ausgebreitetem Stängel“ ähnelt (Gritėnienė ibd.).

Auch die Rekonstruktion von uzema ‚Schmuck‘ ist zweifelhaft, da das semantische Extensional der Lexemform eine solche Bedeutung nicht widerspiegelt. Die Hypothese, es handle sich um ein Deverbativum mit o-Stamm vom Verb lit. pataisyti (zu diesem Wortbildungstyp ausführlicher siehe Skardžius I 26–36), ist wegen des Zusammenhangs zwischen Wortbildungsmodell und semantischem Wert der Ableitungen dieses Verbs zweifelhaft: Reflektiert werden Bezeichnungen des nomen instrumenti, vgl. lit. dial. pãtaisas ‚Werkzeug, Vorrichtung‘ (DūnŽ 249) ↔ (Ableitung mit Suff. *-lō-) lit. dial. pãtaisalas m. (3⁴ᵇ) ‚Werkzeug, Vorrichtung‘ Trš; ‚(Koll.) zubereitete, servierte Speisen‘ J. Balt. (LKŽŽe).

Das Herkunftsrätsel des erörterten Phytonyms lässt sich leicht erklären, wenn man von dem bereits erwähnten Nichtassoziativum21 lit. dial. valkata šniūrininkė ‚Gundermann (Glechoma)‘ ausgeht, das die Form“

mäßig, eben und passend machen; gerade machen, ausrichten; sich der Länge nach ausstrecken; ordnen, säubern, bepflanzen; (ein Bett) machen; sich anziehen, sich (Kleider) anziehen; sich umziehen; schmücken; einen Gegenstand herstellen; entstehen, sich bilden; (einen Weg) anlegen; (einen Zaun, Pferch usw.) errichten; (ein Nest) bauen, herrichten; etwas in eine bestimmte Form bringen, formen; (ein Bauwerk) errichten; einrichten, installieren; gründen, stiften; vorbereiten, zusammenstellen; (Speisen, Getränke, Futter usw.) zubereiten, servieren; für eine bestimmte Arbeit oder einen bestimmten Zweck herstellen; künstlich, zum Schein tun; sich zu etwas machen; sich als etwas ausgeben, als etwas erscheinen; Unannehmlichkeiten bereiten; sich ereignen; treffen, irgendwohin gelangen; geschehen; (für eine Handlung, Tätigkeit, ein Ereignis) vorbereiten; sich einstellen, beabsichtigen (etwas zu tun); herrichten, vorbereiten, damit etwas gebrauchstauglich wird; für die Arbeit vorbereiten (ein Gerät, Werkzeug, Gefäß usw.); zurechtmachen; (den Boden) bearbeiten; beschaffen, erwerben; auswählen, sparen; bestimmen, anweisen, was jemand tun oder sein soll; (eine Hochzeit, ein Fest) ausrichten; ein Phänomen hervorrufen; (ein Übel) heraufbeschwören; in eine bestimmte Richtung lenken; einen Bissen essen, hineinbeißen; verprügeln; töten, ermorden; (ein Mädchen) verführen, betrügen; stehlen; ausgeben, verschwenden (LKŽŽe).

21 Vgl. die durch die morphologische Struktur der Pflanze nahegelegten K o n n o t a t e des Substantivs lit. drieka 1 ‚Pflanzenteil, der sich zum Weben von Stoffen eignet, Faser; netzartiges Gewebe; eine bestimmte (Faser-)Menge, ein Büschel; (Bot.) Bärlapp, driekana, rietena, šarkakojis (Lycopodium)‘ / driekana 1 ‚(Bot.) sich ausbreitendes Gartenunkraut‘ sowie des bereits erwähnten lit. padraika ‚(Bot.) Teufelszwirn (Cuscuta); Bärlapp (Lycopodium); Vogelknöterich (Polygonum aviculare)‘ LBŽ (LKŽŽe) mit ihren genetischen A s s o z i a t i v e n: Substantiv lit. padraika 1 ‚ausschweifende Frau, Hure‘ / padráika 1, pãdraika 1 ‚leichtsinniger Mensch, Tunichtgut; lang aufgeschossener, hochgewachsener Mensch‘ (LKŽŽe).

Die Unterscheidung dieser semantischen Ebenen ist äußerst wichtig, da manche Forscher Assoziative als ursprüngliche Deverbativa interpretieren, obwohl sie als Denominativa zu behandeln sind; vgl. lit. patárška / patérš-ka ‘Briza media’, das Gritėnienė (2006: 61) mit dem vom Wind verursachten Geräusch der herabhängenden Ährchen verbindet (vgl. lit. patárška

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das den zweiten semantischen und derivationellen Typ von Pflanzennamen mit Präfix pa- / po- bezeichnet, der durch formale Merkmale motiviert ist – durch die Bedeutung äußerer (physischer) Eigenschaften: Der Stängel dieser Lippenblütler (Labiatae), der kriechenden Gundermänner (G. hederaceae),22 ähnelt dem Bärlapp (Gritėnienė ibd.); die horizontale Ausrichtung des Hauptteils der oberirdischen Pflanze und die entsprechende Blattmorphologie bedingen also die Gegenüberstellung der Namen zweier verschiedener Pflanzenarten beziehungsweise legen parallele Semanteme und morphologische Strukturen nahe (vgl. das adjektivstämmige Substantiv mit abstrakter Bedeutung nomen agentis lit. válkata ‚Herumtreiber‘ (Skardžius I 336) ← Adj. lit. valkùs, -i 4 ‚dehnbar, elastisch, weich, klebrig, zäh; schlaff, biegsam, federnd, elastisch; biegsam, geschmeidig (gewöhnlich auf den Menschen oder Körperteile bezogen); unbiegsam, nicht spaltbar, hart, faserig; brüchig, krümelig; träge, schwerfällig; glitschig, klebrig, dickflüssig; fest, beständig, ausdauernd (über Menschen, Tiere); lange Milch gebend (über eine Kuh)‘ (LKŽe) + Suff. -at-) in den Formen.

Folglich lässt sich mit Sicherheit behaupten, dass lit. pãtaisas ‘Lycopodium’ kein deverbal gebildetes Wort, sondern ein d e n o m i n a t i v e s Wort ist, das als Hypernormalismus zu behandeln ist (mit der Wurzel -ai- statt des etymologischen -ą- (zu seiner Entstehung ausführlicher siehe Urbutis 1998: 55–56)), das mit dem Substantiv lit. p a t ą s a i Pl. 3b ‘(bot.) mehrjährige Waldpflanze aus der Familie der Bärlappgewächse mit verzweigtem Stängel und nadelartigen Blättern (Lycopodium)’ Švnč, Kli (LKŽe) verknüpft werden kann < Präfix lit. pa- + Adj. lit. dial. *taisus ‘biegsam, elastisch’ (Hypernormalismus) ↔ Adj. lit. tąsùs, -i 4 ‘w a s s i c h z i e h e n l ä s s t, s i c h d e h n t, r e i ß f e s t i s t; e l a s t i s c h, b i e g s a m, z ä h, nicht spröde; hart; klebrig; lange andauernd, anhaltend’ (LKŽe) oder Subst. lit. tąsà 4 ‘(d i e s e l b e S a c h e) d a s W e i t e r g e h e n, d i e F o r t s e t z u n g; das Ausführen, Tun oder Geschehen, das Weiterführen oder Fortdauern’ (LKŽe) ~ Subst. lit. patąsa (scom.) 1, patąsà3b ‘S c h l e n d r i a n, Landstreicher, Herumtreiber; T r ö d e l p e t e r, Schlendrian’ (vgl. phytomymische Konnotation: Der Vater patąsa, die Mutter pamplė, die Kinder čiūčiurukai (E r b s e) Kos 84) (LKŽe), Subst. lit. dial. patąsai Pl. 2 ‘Werg mit Flachsschäben, das beim Schwingen des Flachses anfällt’ Prng, Dv (LKŽe)23. Folglich lässt sich das Semem ‘Pflanze, die sich beim Ziehen dehnt und weich wird’ rekonstruieren.

1 ‚jemand, der viel schwatzt, klappert‘ ↔ patérška 1 ‚ebd.‘ (LKŽe)); Gliwa (2009: 84) erklärt es außerdem sowohl als verbale Ableitung vom Verb lit. tarškìti ‚ein klapperndes Geräusch von sich geben, klappern; klappernd fahren; einen Schlag versetzen, klacken; schwätzen, plappern; knirschen‘ beziehungsweise vom Verb lit. patarkštì ‚ein wenig klappern, knuspern; ein wenig plaudern, schwatzen‘ (LKŽe) wie auch als Denominativum vom Substantiv lit. tárška 1 ‚Schwätzer, Plauderer‘ ↔ teršà 4 ‚ebd.‘ (LKŽe), obwohl er das Lexem der Unterklasse der Deverbativa zuordnet.

22 Vgl. Substantiv lit. pataisiniai 2 ‚(Bot.) Klasse der Stängelsporenpflanzen (Lycopodineae)‘ LBŽ (LKŽe).

23 Diese Deverbativa stammen vom Verb lit. tąsýti ‚an etwas fassen und daran ziehen, zerren; ziehen, damit etwas schleift oder kriecht, schleppen; durch Schieben in eine bestimmte Richtung bewegen, versetzen, schieben, ziehen; zupfen, schubsen, zerreißen, quälen; durch Arbeit ermüden; an einem fest sitzenden oder schwer erreichbaren Gegenstand ziehen, um ihn herauszuziehen; durch Ziehen ausstrecken, ausbreiten; schwer tragen, heben; schwer transportieren; fortsetzen, verzögern, verschleppen; sich hinziehen‘ u. a. (LKŽe) ↔ Verb lit. patąsýti ‚an etwas fassen und ein wenig daran ziehen, zerren; ein wenig melken; sich schubsen, sich prügeln; beim Schleppen ein wenig zerren, ein Stück weit schleifen; schubsen; zerreißen; zerstören; durch Ziehen ausbreiten, auslegen; sich ausbreiten, zerstreuen; ein wenig gedehnt aussprechen; sich bedecken, sich umhüllen‘ u. a. (LKŽe).

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8. LA. DIAL. APDŽIRAS, APDŽIRAS, APDŽIRES, APDŽIRENES, APDŽIRŲ- / APDŽIRŲ-ŽALĖS ‘BÄRLAPP (LYCOPODIUM)’

Die Herkunft von lett. dial. apdžiras, apdžiras, apdžires, apdžirenes Jaungulbene (410), apdžirų- / apdžirų-žales Lielauce (112) ‘Bärlapp (Lycopodium)’ ist bisher ungeklärt (vgl. Gliwa 2009: 83–84). Auf Grundlage des im Wörterbuch von Karl Mühlenbach (ME I 84) angeführten Materials lässt sich vermuten, dass es in lettischen Mundarten zu einer phytonymischen (linguistischen) Panmixie der Bezeichnung dieser Pflanze gekommen ist, wie sie auch für litauische Mundarten charakteristisch ist. Ausgehend von der von Mühlenbach angegebenen litauischen Entsprechung dieses Lexems, apgirios ‘Germer (Veratrum)’, lässt sich eine Hyperonymisierung der Bezeichnungen verschiedener Pflanzenarten annehmen (nach dem ersten arbeitsweisebezogenen semantischen Typ – der Lokalisierung); vgl. lit. dial. atgirė ‘eine solche Waldpflanze (Lycopodium selago)’ (DūnŽ 34), d. h. ‘Bärlapp der Wald- oder Moorgebiete’ (LE XXII 150), obwohl die von Vitkauskas (DūnŽ ibd.) angeführten Belegbeispiele für das Lexem eine Germer-Konnotation nahelegen (Veratrum) – mit dem Saft dieser Pflanze (‘Germerwasser’) werden Läuse bekämpft (!!!). Die Vermischung der Pflanzennamen wurde offenbar durch die Identität des Standortes ausgelöst, d. h. durch den Wuchsort – den Wald (des Bärlapps), den Waldrand – des Germers (vgl. apdžiras aug(u)ot priežu mežuos un esuot lidzigas staipekļiem (ME ibd.), d. h. „Der Germer wächst am Waldrand und ist dem Bärlapp sehr ähnlich“) – sowie durch den Gebrauchswert: Beide Pflanzen sind Heilpflanzen, werden jedoch zur Behandlung unterschiedlicher Krankheiten verwendet. Die etymologische Analyse dieses Wortes ist somit unkompliziert: lett. apdžiras *‘Pflanzen aus dem Waldgebiet bzw. vom Waldrand’ < Präfix lett. ap- ‘(bezeichnet einen Gegenstand, der sich um etwas herum befindet)’ + Subst. lett. dzira (dzīre) ‘Wald’ (siehe ME I 555). Daher ist Gliwas Behauptung (ibd.), diese denominative Bildung sei eine verbale Ableitung, als Beispiel für Volksetymologie zu betrachten.

9. ZUSAMMENFASSUNG

Auf Grundlage der vorgelegten kurzen Analyse der besprochenen Phytonyme kann Albert Rosinas methodischer Forderung, phantasmagorische Interpretationen bzw. kasuistische Argumentationen zu vermeiden, uneingeschränkt zugestimmt werden (1997: 73): „[...] Bei der Klärung komplexer Fragen zur Entwicklung der Morphologie muss auf zufällige Untersuchungsmethoden und zufällige Vergleiche mit anderen indoeuropäischen Sprachen verzichtet werden, deren Daten, wenn ihre internen Entwicklungsmotive nicht untersucht sind, häufig in die Irre führen können. Jede sprachliche Tatsache muss unter dem Gesichtspunkt der systemischen Beziehungen der betreffenden Sprache (oder Mundart) untersucht werden; mit Blick auf ihre Verwendungskontexte und Pragmatik sind die internen Motive ihrer Veränderungen innerhalb des Systems der Sprache (oder Mundart) selbst zu suchen.“

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10. SCHLUSSFOLGERUNGEN

10.1. Der wesentliche Faktor, der die Richtung der etymologischen Analyse von Lexemen bestimmt, ist die Bestimmung des kleinsten bedeutungstragenden Wortbestandteils, der mit der rekonstruktiv-pragmatischen Methode ermittelt wird.

10.2. Das Fehlen eines kleinsten abstrahierten Wortbestandteils bzw. eines formalen Alternanten ist auf der Grundlage des Usus der Semantemwerte zu rekonstruieren.

10.3. Es wurde folgende morphologische (bzw. etymologische) Entwicklung litauischer und lettischer Phytonyme festgestellt:

10.3.1. lit. pastēnis ‚Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse (Malachium)‘ ← *pas-iu-t-enis (mit Absorption des radialen –iu-) ← lit. dial. pāsiutas ‚Raserei, Wut, Toben‘ (↔ lit. dial. pasiutýs, pasiutìs ‚dasselbe‘) + (sekundäres) Suffix *-eniō-;

10.3.2. lit. núokana ‚Giftpflanze aus der Familie der Doldenblütler (Cicuta)‘ ← Präfix nuo- + Substantiv litauischer Dialekt kãnas ‚Ende‘ (< litauischer Dialekt kāpana ‚Verwelken, Vergehen‘) < Präfix nuo- + litauisch ka-pa-na ‚Ende, Tod‘ (← *‚das, was den Tod verursacht bzw. eine Todespflanze‘);

10.3.3. Substantiv litauisch padaukas ‚Rotkappe (Leccinum aurantiacum)‘ < Substantiv litauischer Dialekt (Lehnwort) *padaukas ‚Pilz mit unebenem, runzligem („struppigem“) Stiel‘ < Adjektiv litauischer Dialekt (Lehnwort) *padalkinis ‚uneben (runzlig, weil zusammengenäht) wie ein padurkas‘ ← litauisch (Lehnwort) padálka ‚unterer Rand eines Kleidungsstücks, Saum, Besatz‘ (mit –al- > -au-, für Lehnwörter charakteristisch);

10.3.4. litauisch pasienis ‚Pflanze aus der Familie der Korbblütler, džiūgunė (Hypochoeris)‘ < *pasie-ty-nis ‚eine solche Pflanze (–ia) wie ein sietynas‘ bzw. ‚trockenes, verdorrtes Gras = džiūgunė‘ < Präfix pa- + Substantiv litauisch sietýnas ‚Strohschmuck; ein solches an Flussufern wachsendes Gras‘;

10.3.5. litauisch posainis ‚džiūgunė (Hypochoeris)‘ ← *po-su-kainis ‚dasjenige, was eingesteckt, geflochten, eingezäunt wird‘ (mit Absorption von –uk-) < Präfix po- + Verb litauischer Dialekt sukáinioti ‚verfilzen, verwirren‘ ↔ Verb litauischer Dialekt káinioti ‚hineinstecken, flechten, einzäunen (behelfsmäßig, vorübergehend, schlecht)‘; ‚Wandfugen mit Moos, Werg oder etwas anderem ausstopfen‘ und anderes (~ Substantiv litauisch kainė ‚(Bot.) Coremium, d. h. der den Pilz ernährende Teil, der aus einer Ansammlung von Konidiophoren besteht‘);

10.3.6. lie. póminis ‘eraičinas (Festuca)’ ← a) (apeliatyvas) lie. dial. (žem.) pominis *‘augalas, augantis paupyje resp. drėgnose vietose’ < top. lie. dial. (žem.) *Pominys (< *Paminys ‘t. p.’ (su –ij- absorbcija ir –a- > -o-, plg. lie. pa-ežerys ‘vieta prie ežero’ ↔ top. lie. (žem.) Pó-žerė ‘kaimas netoli Tauragės’) < top. *Paminijys ‘vietovė prie Minijos upės’ < top. lie. (žem.) Pomenie (= Paminijės) ‘6 vietovės prie Minijos upės, į vakarus nuo Žarėnų ir į šiaurę nuo Rietavo’; b) lie. dial. (žem.) póminis *‘augalas, augantis drėgnose vietose’ < lie. *po-ne-mìnis ‘t. p.’ (su –ne- absorbcija dėl fonologiškai tapačių skiemenų kartojimosi, t. y. –ne-...-ni-; -i- < -u- dėl regresyvinės asimiliacijos) < subst.

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lit. *po-ne-munis ‚ebenso‘ (Substantivierung) < adj. balt. *nemuna- ‚das, was durch einen feuchten Ort gekennzeichnet ist‘;

10.3.7. lit. pamenis ‚Knaulgras (Dactylis glomerata)‘ ← *pa-ka-mienis ‚Gras, das nur an schattigen Stellen, an Waldrändern, auf Waldhängen und an Schlagstellen wächst, d. h. dort, wo es Bäume gibt‘ (mit Absorption des Radikals -ka-) < Präfix pa- + lit. Subst. kamiėnas ‚Stamm, Schaft einer Pflanze oder eines Baumes‘ usw.;

10.3.8. lit. palėpštis / palepštis ‚mehrjährige Zierpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Cytisus)‘ ← *palėkštis ‚Pflanze, die flache Hülsen hervorbringt‘ (mit p-k- > p-p- infolge Fernassimilation) < Präfix lit. pa- + lit. Adj. lėkštas, -à ‚flach, eben, glatt‘;

10.3.9. lit. dial. paliepa ‚Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)‘ < ← *paliep-sn-a ‚Pflanze mit rötlich gesprenkelten, wie mit Blut bespritzten Blüten‘ (Absorption von -sn-) < Präfix lit. pa- + lit. Subst. liepsnà ‚Feuer, das aus einem brennenden Gegenstand auflodert‘ ↔ lit. liepsnėlė ‚(Bot.) Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse mit leuchtend gefärbten Blüten, Pechnelke (Lychnis)‘;

10.3.10. lit. padraika ‚Teufelszwirn (Cuscuta); Bärlapp (Lycopodium); Vogelknöterich (Polygonum aviculare)‘ < Präfix lit. pa- + lit. Adj. draīkas, -à ‚ausgebreitet, schlank‘;

10.3.11. lit. pãtaisas ‚mehrjährige Sporenpflanze aus der Familie der Bärlappgewächse, eine Waldpflanze mit verzweigtem Stängel und nadelartigen Blättchen (Lycopodium)‘ – Hypernormalismus (mit der Wurzel -ai- statt des etymologischen -ą-), in Verbindung zu bringen mit lit. Subst. patašai ‚(Bot.) mehrjährige Sporenpflanze aus der Familie der Bärlappgewächse, eine Waldpflanze mit verzweigtem Stängel und nadelartigen Blättchen (Lycopodium)‘ < Präfix lit. pa- + lit. dial. Adj. *taisus ‚biegsam, elastisch‘ (Hypernormalismus) ↔ lit. Adj. tąsùs, -ì ‚der sich beim Ziehen verlängert, sich dehnt, nicht bricht; elastisch, biegsam, zäh, nicht spröde‘ usw.;

10.3.12. lett. dial. apdžiras, apdziras, apdzires, apdzirenes, apdziru-/apdziru-zāles ‚Bärlapp (Lycopodium)‘ < Präfix lett. ap- ‚(bezeichnet einen Gegenstand, der sich um etwas herum befindet)‘ + lett. Subst. dzira (dzīre) ‚Wald‘.

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Morphological segmentation peculiarities of Eastern Baltic Phytonymes (ethnical identification topics of the lexemes)

S U M M A R Y

The article deals with the analysis of lexemes’ morphological segmentation peculiarities, i.e. methodology of the submorphs discernment. Determination of the structural verges of morpheme is handled as the essential element, which is of the most importance of the etymological analysis of the words. The morpheme structure is tested in accordance with reconstruction-pragmatic method in opposition to atomistic. Reconstruction of morpheme as formal alternative structural element is based on the semanteme significant value.

Due to the etymological analysis of the Phytonymes, these conclusions are drawn:

1) Lith. pastēnis ‘a plant of a genus decandria digynia (Malachium)’ ← *pas-iu-t-enis (with the absorption of radical -iu-) ← Lith. dial. pāsiutas ‘fury, rabidity, tear’ (↔ Lith. dial. pasiutȳs, pasiutìs ‘ditto’) + (secondary) suff. *-enìō-;

2) Lith. núokana ‘cowbane (Cicuta)’ ← pref. nuo- + subst. Lith. dial. kānas ‘death’ (< Lith. dial. kāpana ‘dying’) < pref. nuo- + ka-pa-na ‘death, passing’ (← *‘that, which fates to die resp. plant of dissolution’);

3) Lith. padaukas ‘orange-cap boletus (Leccinum aurantiacum)’ < subst. Lith. dial. (loan) *padaukas ‘fungus of uneven, crinkly, shabby stipe’ < adj. Lith. dial. (loan) *padaukinis ‘uneven (crinkly be cause of being crappy) as a skirt’ ← Lith. (loan) padálka ‘tuck’ (with the shift of -al- to -au-, which is characteristic feature of borrowings);

4) Lith. pasienis ‘cat’s ear (Hypochoeris)’ < *pasie-ty-nis ‘the same as Lith. sietýnas’ resp. ‘dry, sear grass = cat’s ear’ < pref. pa- + subst. Lith. sietýnas ‘straw decoration; riverbank growing grass’;

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ROLANDAS KREGŽDYS

5) Lith. posāinis ‘cat’s ear (Hypochoeris)’ ← *po-su-kainis ‘used for wattling, pleatching’ (with the absorption of -ūk-) < pref. po- + v. Lith. dial. sukáin(i)oti ‘tangle, snarl’ ↔ v. Lith. dial. káinioti ‘to pop, fence, wattle (tol-lol; fair-to-middling)’; ‘to caulk interstice of walls with moss, gasket’ etc. (~ subst. Lith. kainė ‘(bot.) Coremium’);

6) Lith. póminis ‘fescue (Festuca)’ ← a) (appellative) Lith. dial. (Samogitian) pominis *‘riverbank and soaks growing plant’ < Toponym Lith. dial. (Samogitian) *Pominys (< *Pam-inys ‘ditto’ (with the absorption of -ij- and -a- shift to -o-, cf. Lith. pa-ežerys ‘lakeside’ ↔ Toponym Lith. dial. (Samogitian) Pó-žerė ‘village near Tauragė’) < Toponym *Pamin-ijys ‘terrene near river Minija’ < Toponym Lith. dial. (Samogitian) Pomenie (= Paminijės) ‘6 terrenes near river Minija (westward from Žarėnai and northward from Rietavas’; b) Lith. dial. (Samogitian) póminis *‘soaks growing plant’ < Lith. *po-ne-minis ‘ditto’ (with absorption of -ne- due to repetition of phonologically identical clusters, i.e. -ne-…-ni-; -i- < -u- by virtue of regressive assimilation) < subst. Lith. *po-ne-munis ‘ditto’ (substantivisation) < adj. Balt. *nemuna- ‘appropriate to soak’;

7) Lith. pamienis ‘orchard grass (Dactylis glomerata)’ ← *pa-ka-mienis ‘outskirts, shady places and slash growing grass, i.e. arboreal terrenes plant’ (with absorption of radical -ka-) < pref. pa- + subst. Lith. karnėnas ‘shaft, stem’ etc.;

8) Lith. palėpštis / palepštis ‘bean-trefoil (Cytisus)’ ← *palėkštis ‘legume with a tabular pod’ (with a shift of p-k- to p-p- due to incontiguous assimilation) < pref. Lith. pa- + adj. Lith. lėkštas, -à ‘tabular, smooth, equal’;

9) Lith. dial. paliepa ‘great Indian cress (Tropaeolum majus)’ ← *paliep-sn-a ‘freckled in red (like blood sloppy) blooming plant’ (with absorption of -sn-) < pref. Lith. pa- + subst. Lith. liepsnà ‘blaze’ ↔ Lith. liepsnėlė ‘(bot.) a plant with gaily colored blossom of a genus decandria digynia (Lychnis)’;

10) Lith. padraika ‘dodder (Cuscuta); club-moss (Lycopodium); knotgrass (Polygonum aviculare)’ < pref. Lith. pa- + adj. Lith. draikas, -à ‘sprawling, slender’;

11) Lith. pãtaisās ‘club-moss (Lycopodium)’ is to be interpreted as an atypical formation (with a radical -ai- instead of inherited -ą-), correlative with subst. Lith. patąsai ‘(bot.) club-moss (Lycopodium)’ < pref. Lith. pa- + adj. Lith. dial. *taisus ‘supple, ductile’ (atypical formation) ↔ adj. Lith. tąsus, -ì ‘supple, ductile; resilient, tough’ etc;

12) Latv. dial. apdziras, apdziras, apdzires, apdzirenes, apdzīru- / apdzīru-zāles ‘club-moss (Lycopodium)’ < pref. Latv. ap- ‘(used for denotation ‘to be around of smth.’)’ + subst. Latv. dzīra (dzire) ‘wood’.

Įteikta 2011 m. spalio 20 d.

ROLANDAS KREGŽDYS

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Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV

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