Skip to document
Back
Go to original Localized version was produced by AI. It may contain inaccuracies.
Preparing document pages…

VYTAUTAS KARDELIS

Universität Vilnius

Forschungsschwerpunkte: Dialektologie, synchrone und diachrone Phonologie, Sprachgeschichte, kognitive Semantik.

RYTIS AMBRAZEVIČIUS, ASTA LESKAUSKAITĖ

AKUSTISCHE EIGENSCHAFTEN VON KONSONANTEN: PALATALISIERUNG UND SONORITÄT

Kaunas: Technologija, 2014, 312 p.

ISBN 978-609-02-1135-9

2014 veröffentlichte der Verlag „Technologija“ die wissenschaftliche Monografie Priebalsių akustinės ypatybės: palatalizacija ir balsingumas. von Prof. Dr. Rytis Ambrazevičius von der Technischen Universität Kaunas und der Litauischen Akademie für Musik und Theater sowie Dr. Asta Leskauskaitė, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Litauische Sprache. Das Team aus einem Akustiker für Musik und Sprache, Ethnomusikologen und einer erfahrenen Dialektologin sowie Spezialistin für Phonetik und Phonologie hat bereits vor dieser Monografie gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der akustischen Phonetik veröffentlicht. Die genannte und hier besprochene Monografie ist das gewichtige Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Wissenschaftler.

Die Erstellung der Monografie wurde von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache aus Mitteln des Programms zur Normierung, Verwendung, Förderung und Verbreitung der Staatssprache für die Jahre 2016–2015 unterstützt. Die Monografie wurde von den erfahrenen Phonetikspezialistinnen Prof. Dr. Asta Kazlauskienė, Doz. Dr. Lina Murinienė und Dr. Jurgita Jaroslavienė begutachtet.

Die Monografie besteht aus einer „Einleitung“, zwei umfangreichen Kapiteln, „Palatalisierung der Konsonanten“ und „Sonorität der Konsonanten“, den „Schlussfolgerungen“ sowie einem Literaturverzeichnis, einem Namensregister, einem Sachregister, einem Glossar und einer englischsprachigen Zusammenfassung.

In der „Einleitung“ werden kurz die weltweit und in Litauen durchgeführten Untersuchungen zu akustischen Eigenschaften von Konsonanten überblickt; Forschungsgegenstand und -ziel werden genannt, das Untersuchungsmaterial und die Methodik erörtert und angegeben, welcher Autor die einzelnen Kapitel der Monografie verfasst hat.

296

Acta Linguistica Lithuanica LXXVI

Rytis Ambrazevičius, Asta Leskauskaitė. Priebalsių akustinės ypatybės: palatalizacija ir balsingumas

Die weitere Struktur der Monografie ist klar, logisch aufgebaut und leserfreundlich. Soweit möglich, sind das erste und das zweite Kapitel aufeinander abgestimmt. Beide beginnen mit einem Abschnitt „Allgemeines“ und schließen mit einer „Zusammenfassung“. Im ersten Kapitel „Palatalisierung der Konsonanten“ werden die Palatalisierung von Sonanten, Frikativkonsonanten, Plosivkonsonanten, Affrikaten und Konsonantenverbindungen untersucht. Im zweiten Kapitel „Sonorität der Konsonanten“ wird die Sonorität von Frikativkonsonanten, Plosivkonsonanten, Affrikaten und Konsonantenverbindungen analysiert. Das erste Kapitel besteht somit aus sieben, das zweite aus sechs mehr oder weniger miteinander korrelierenden Abschnitten. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass beide Kapitel und ihre jeweiligen Abschnitte in zwei Teile gegliedert sind: Der eine ist der Palatalisierung und Sonorität der Konsonanten der Standardlitauischen (die Autoren verwenden den Terminus Gemeinlitauisch) gewidmet, der andere den Konsonanten der litauischen Mundarten (der süd- und ostaukštaitische Dialekt von Vilnius sowie die Mundart von Utena). Zu Beginn jedes Kapitels werden allgemeine Merkmale erörtert (zum Beispiel allgemeine Merkmale der Palatalisierung, allgemeine Merkmale der Palatalisierung von Frikativkonsonanten, allgemeine Merkmale der Konsonantensonorität, allgemeine Merkmale der Sonorität von Konsonantenverbindungen usw.); anschließend ist ein Abschnitt der Analyse der jeweiligen akustischen Konsonanteneigenschaft im Standardlitauischen gewidmet, ein weiterer ihrer Analyse in den litauischen Mundarten. Diese Struktur wird in der gesamten Monografie konsequent beibehalten und ist selbstverständlich positiv zu bewerten. Sie erleichtert besonders jenen Lesern die Arbeit, die sich beispielsweise nur für die Standardsprache oder nur für die Dialekte interessieren. Außerdem ermöglicht diese Struktur, dieselben oder unterschiedliche Merkmale unter verschiedenen Gesichtspunkten leicht aufzufinden und miteinander zu vergleichen. Zur Benutzerfreundlichkeit trägt auch das Teilregister wesentlich bei.

Im Folgenden werde ich in dieser Besprechung kurz weitere Aspekte der behandelten Monografie aufführen, die ich für positiv halte.

a) Einen sehr guten Eindruck hinterlässt die geschickte und konzentrierte Darstellung theoretischer Ansätze und Erkenntnisse in der Monografie; dabei stützt sie sich auf klassische und neuere theoretische Arbeiten zur akustischen Phonetik. Die Theorie ist eng und überzeugend mit der Methodologie verknüpft – die methodologischen Aspekte werden fundiert begründet und gelungen mit dem untersuchten empirischen Material verbunden.

b) Ein weiteres positives Merkmal ist die Verbindung zur Typologie: Herangezogen werden Untersuchungen zu anderen Sprachen (Russisch, Französisch, Englisch usw.), deren Methodologie und Ergebnisse. Zwar wird auf allzu ausführliche Vergleiche verzichtet, doch wird das Litauische hier unmittelbar in einen breiteren typologischen Kontext gestellt – gleichsam als Orientierung für künftige Untersuchungen.

c) Wichtig ist, dass auch die klassischen und neueren Arbeiten litauischer Phonetiker berücksichtigt werden: Die Autoren stützen sich auf sie und setzen sich mit ihren Verfassern auseinander. Ebenso wenig bleiben die Arbeiten lettischer Kollegen unberücksichtigt, von denen einige gemeinsam mit litauischen Kollegen entstanden sind.

d) Erfreulich ist, dass auch terminologische Fragen nicht ausgeklammert werden (Fragen der linguistischen Terminologie sind im litauischen linguistischen Umfeld stets aktuell, insbesondere wegen der großen Vielfalt und mitunter auch der mangelnden Einheitlichkeit sowie

Recenzijos / Reviews

297

VYTAUTAS KARDELIS

der daraus entstehenden gewissen Verwirrung). Begriffe, von denen einige in der litauischen phonetischen Fachliteratur neu oder noch nicht etabliert sind, werden nach Möglichkeit klar erläutert; außerdem werden Vorschläge begründet und nach Ansicht der Autoren die geeignetsten Varianten angeboten.

e) Ein weiterer Punkt, den auch die Autoren der Monografie selbst ansprechen, muss hervorgehoben werden: „Diese Monografie kann sowohl als Ausgangspunkt für weiterführende, vertiefte Arbeiten als auch teilweise als Lehr- und Methodenmaterial verwendet werden“ (S. 14). Zwar ist die Monografie ein Text, der vor allem für Phonetikspezialisten verständlich ist, doch können Teile davon, insbesondere der einleitende Abschnitt am Anfang, durchaus für Lehrzwecke verwendet werden. Darüber hinaus stehen diese Texte in einem guten und nützlichen Zusammenhang mit dem 2011 erschienenen Methodenhandbuch eines der Autoren der Monografie, R. Ambrazevičius, Kalbos akustika glaustai. Besonders hervorzuheben und zu verteidigen ist wohl das am Ende der besprochenen Monografie beigefügte „Glossar“ – ein ausgezeichnetes Hilfsmittel für Studierende, die einen Phonetikkurs belegen.

f) Wichtig ist, dass die Monografie reich an Anschauungsmaterial ist, das die Untersuchungen, Überlegungen und Erkenntnisse der Autoren objektiv untermauert.

g) Besonders positiv ist die Untersuchung von Konsonantenverbindungen im Hinblick auf Palatalisierung und Sonorität zu bewerten – vor allem die Untersuchungen des dialektalen Materials. Die Autoren haben hier wichtige Erkenntnisse vorgelegt und Fragestellungen aufgeworfen, mit denen sich künftig nicht nur Phonetiker, sondern auch Dialektologen und Phonologen befassen sollten.

h) Grundsätzlich positiv zu bewerten sind auch die Untersuchung des Materials der litauischen Standardsprache und der Dialekte sowie der Vergleich der Ergebnisse. Diese Vorgehensweise hat ihre Vorteile und wirft zudem gewisse diskussionswürdige Fragen auf – auch das ist ein Vorzug der Monografie.

i) Hervorzuheben ist ferner ein weiterer positiver Aspekt der Untersuchung, der sowohl in der Einleitung formuliert wird („In der Monografie gilt die Hauptaufmerksamkeit den distinktiven Merkmalen, das heißt nicht den Tendenzen, sondern den klaren Unterschieden“, S. 13) als auch in den Schlussfolgerungen zum Ausdruck kommt („Bei der Beschreibung der Eigenschaften verschiedener Konsonantenklassen sollte man dennoch nicht nur eine einzelne Untersuchungsmethode, sondern eine Kombination von Methoden anwenden“, S. 264). Die Suche nach Unterschieden aus einer Perspektive der Komplexität ist ein begrüßenswerter methodologischer Ansatz.

Und nun einige diskussionswürdige Anmerkungen und Gedanken, die mir bei der Beschäftigung mit der besprochenen Monografie gekommen sind.

a) Zur Methodik der Arbeit lassen sich kaum kritische Anmerkungen machen – die Autoren der Monografie beherrschen sie ausgezeichnet. Hinsichtlich der Materialauswahl ließe sich jedoch eine diskussionswürdige Frage aufwerfen. Für die Untersuchung der Standardsprache wurden die Aufnahmen aus der Beilage – der CD – zu den Büchern von Aldonas Pukys und Antanas Pakerys Lietuvių kalbos bendrinė tartis. Kompaktinės plokštelės tekstai (2004) verwendet. Das dialektale Material wurde anhand von Tonaufnahmen spontaner Sprache von sieben männlichen Informanten untersucht. Die Autoren der Monografie erklären: „Zunächst ist zu sagen, dass die Grundlage dieser Untersuchung nicht unter idealen Bedingungen (isolierte oder künstliche …“

298

Acta Linguistica Lithuanica LXXVI

Rytis Ambrazėvičius, Asta Leskauskaitė. Prebalsių akustinės ypatybės: palatalizacija ir balsingumas

in Verbindungen), wie es in Arbeiten zur akustischen Phonetik üblich ist, während in spontaner Sprache (Monologen, Dialogen) verwendete Laute – Konsonanten“ (S. 11). Es ist völlig unklar, ob das Kriterium der Spontaneität für dialektale Sprache geeignet ist; hinsichtlich seiner Anwendung auf die Standardsprache hätte ich jedoch Zweifel. Die Standardsprache ist in diesem Fall nicht völlig spontan. Schließlich wurde die CD von einem Sprecher aufgenommen, und der Zweck der Aufnahme ist eindeutig: lietuvių kalbos bendrinė tartis, das heißt, man kann annehmen, dass an den Sprecher entsprechende Anforderungen gestellt wurden und seine Aussprache vorbildlich sein sollte. Von einer solchen Spontaneität, wie sie in Dialektaufnahmen vorliegt, kann man im Falle der Standardsprache also wohl kaum sprechen. Schließlich sagen auch die Autoren selbst: „Selbstverständlich kann die unterschiedliche Ausdruckskraft spontaner dialektaler Sprache und der demonstrativen Sprache eines Schauspielers die erörterten Phänomene beeinflussen“ (S. 62). Der Standard verlangt von sich aus möglichst wenig Variation und Fakultativität, während spontane dialektale Sprache gerade in diese Richtung geht. Dennoch ist ein solcher Vergleich grundsätzlich recht interessant und wertvoll. Genau genommen betrifft diese Anmerkung eher die Terminologie als die Untersuchung selbst. Im Übrigen wird dem Leser klar mitgeteilt, welches Material untersucht und verglichen wird. Zur Untersuchung der dialektalen Sprache wurden „<...> zufällig ausgewählte Sprecher der ältesten Generation herangezogen (Durchschnittsalter: 70 Jahre) – sie bewahren die traditionellen Dialektmerkmale am besten“ (S. 12). Theoretisch – ja, praktisch – nicht unbedingt; außerdem wäre es interessanter und vielleicht auch wertvoller gewesen, wenn man sich nicht strikt an das NORM-Kriterium gehalten hätte. Vielleicht wären die Untersuchungsergebnisse dann interessanter ausgefallen und hätten die tatsächliche Lage der Mundarten besser widergespiegelt.

b) Eine weitere, ebenfalls mit der Terminologie zusammenhängende Anmerkung betrifft die Verwendung der Begriffe palatal, palatalisiert, Palatalisierung und weich, hart. In der Monografie werden sie nebeneinander verwendet, obwohl es meines Erachtens besser gewesen wäre, sich ausschließlich für palatal, palatalisiert, Palatalisierung zu entscheiden.

c) Obwohl es sich bei der Monografie eindeutig um eine Arbeit zur Phonetik handelt, kommen an einigen Stellen auch vereinzelte phonologische Termini vor, zum Beispiel Opposition, distinktive Merkmale, relevante Position (S. 14, 20, 38, 41). Mitunter geht die Darstellung ein wenig in Richtung perzeptiver Phonetik – es erscheint der Begriff Wahrnehmung (S. 33, 36, 53, 54, 86). Der Begriff Erkennung gibt mitunter Anlass, innezuhalten und zu klären, ob damit der perzeptive Aspekt gemeint ist oder die „phonetische“ Erkennung eines Lautes, das heißt anhand seines Spektrums (vgl. S. 54) – schließlich können erfahrene Phonetiker anhand des Spektrums viel über einen Laut aussagen. Vielleicht sind solche Exkurse an sich auch kein großes Übel, doch sie stören ein wenig die kohärente phonetische Konzeption und Struktur der Monografie. Außerdem ist es bisweilen schwierig zu erkennen, ob ein Begriff in einem phonetischen oder einem phonologischen Kontext verwendet wird, zum Beispiel Depalatalisierung (S. 61). Vereinzelt finden sich aus synchroner Sicht unzutreffende Formulierungen, zum Beispiel: „Es sei daran erinnert, dass in den Mundarten der südlichen und östlichen Aukštaiten die Verbindung lė hart ausgesprochen wird“ (S. 68) – wenn lė ausgesprochen wird, handelt es sich nicht um eine „harte“ Verbindung.

Recenzijos / Reviews

299

VYTAUTAS K A R D E L I S

d) Der letzte Diskussionspunkt betrifft stärker das dialektologische Material der Monografie und dessen Untersuchung. Die Autoren haben spontan ein Problem erfasst (vgl.: „An den östlichen Rändern der Areale der südlichen und östlichen Aukštaiten sowie der Vilnius-Aukštaiten ist die Opposition von Hartheit und Weichheit variabel, weshalb einige historische und assimilativ palatalisierte präkonsonantische Laute unterschiedlich ausgesprochen werden können“, S. 42), es jedoch nicht vollständig klar formuliert. Dieses Problem – oder genauer gesagt, ein wichtiger Untersuchungsaspekt und ein sprachliches Phänomen – ist die Variation und Fakultativität einiger sprachlicher Phänomene in spontaner Sprache. Wer mit empirischem Material aus den litauischen Dialekten vertraut ist, erkennt meines Erachtens deutlich, dass eines der charakteristischsten Merkmale der litauischen Dialekte nicht nur die klassische diatopische, diastratische und diaphasische Variation ist, sondern auch die große Zahl fakultativer, miteinander konkurrierender Varianten, die wohl auf nahezu allen Ebenen der Sprachstruktur anzutreffen ist. Wichtig ist auch, dass fakultative, konkurrierende Varianten in der Sprache ein und derselben Auskunftsperson vorkommen. Besonders ausgeprägt ist diese Konkurrenz bei den östlichen Aukštaiten aus der Region Vilnius, wenngleich sie, wie bereits gesagt, grundsätzlich im gesamten litauischen Sprachgebiet anzutreffen ist. Obwohl die Autoren die Bedeutung individueller sprachlicher Merkmale der Gewährspersonen klar erkennen, vgl.: „Die individuellen sprachlichen Merkmale einer Gewährsperson können also die Werte der F2-Loci der präkonsonantischen Laute beeinflussen; daher sollten diese vorsichtig berechnet, aggregiert und interpretiert werden“ (S. 124), scheint die Monografie der Variation im Allgemeinen und der Fakultativität beziehungsweise den konkurrierenden Varianten in diesem Fall nicht genügend Aufmerksamkeit zu widmen. Diese Anmerkungen sind dennoch eher auf die Zukunft gerichtet: Die Autoren könnten sie bei der Fortführung ihrer Arbeit gesondert bedenken.

Zum Abschluss dieser kurzen Besprechung möchte ich den Kollegen wünschen, ihre begonnene Arbeit fortzusetzen und die linguistische Fachgemeinschaft mit neuen Forschungsergebnissen zu erfreuen. Die besprochene Monografie und die Ergebnisse der darin durchgeführten Untersuchungen fordern nicht nur die Phonetiker heraus, sondern geben auch den Phonologen einiges zu bedenken: Wie lassen sich die neuesten Ergebnisse der Forschung zur akustischen Phonetik in die phonologische Theorie und Praxis integrieren?

Eingereicht am 3. Juni 2017.

VYTAUTAS K A R D E L I S

Vilniaus universitetas Filologijos fakultetas

Universiteto g. 5, LT-01513 Vilnius, Lietuva

[email protected]

300

Acta Linguistica Lithuanica LXXVI

Document details