Page 1JOLANTA VASKELIENĖ Akademie Šiauliai der Universität Vilnius ORCID-ID: orcid.org/0000-0002-8516-8608
Forschungsgebiete: Wortbildung, Morphologie, Textlinguistik, Stilistik, Variation. DOI: doi.org/10.35321/all88-17
Daiva Murmulaitytė
NAUJAŽODŽIŲ DARYBOS IR MORFEMIKOS TYRIMŲ PERSPEKTYVOS (LIETUVIŲ KALBOS NAUJAŽODŽIŲ DUOMENYNO ATVEJIS)
Vilnius: Institut für die litauische Sprache, 2021, 184 S. DOI doi.org/10.35321/e-pub.16.naujadaros-tyrimu-perspektyvos ISBN 978-609-411-289-8
Die Monografie von Daiva Murmulaitytė ist das erste Buch, das dem seit 2011 aufgebauten und kontinuierlich erweiterten Datenbestand der Neologismen der litauischen Sprache¹ (im Folgenden – ND oder Datenbestand) und den von ihm gebotenen Forschungsmöglichkeiten gewidmet ist. Gegenwärtig enthält der ND mehr Lemma-Neologismen und illustrative Beispiele als zum Zeitpunkt der Abfassung der Monografie², sodass einige Einsichten der Monografie bereits jetzt durch die Analyse neuer Daten noch stärker begründet und ergänzt werden können (oder vielleicht
¹ „In diesem Datenbestand werden neue Wörter (Entlehnungen und Neubildungen), Wortverbindungen und Abkürzungen, die seit dem Ende des 20. Jahrhunderts in der litauischen Sprache entstanden sind und im gegenwärtigen öffentlichen Sprachgebrauch entstehen, neue Wortbedeutungen sowie Informationen über die Herkunft, den Gebrauch und die Normierung von Neologismen gesammelt.“ (https://ekalba.lt/naujažodžiai/apie/ND%20%C4%AEvadas [abgerufen am 25.01.2023]).
² Nach Angaben der ND-Ersteller umfasste der Datenbestand Ende 2022 7920 beschriebene Neologismen und mehr als 28 000 illustrative Beispiele (https://ekalba.lt/naujažodžiai/apie/ND%20Duomenyno%20sandara, abgerufen am 25.01.2023); in der Einleitung der Monografie („Die Forschungsquelle“) wird angegeben, dass der ND im November 2020 6300 Neologismen und 23 000 illustrative Beispiele enthielt.
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und widerlegt werden?) auf der Grundlage der Ergebnisse der Analyse neuer Daten³. Die Autorin der Monografie, Daiva Murmulaitytė, hat sich dafür entschieden, die litauische Neubildung (unter Nutzung des Materials des ND) zu untersuchen und diesen Datenbestand als Instrument der Wortbildungs- und Morphemikforschung darzustellen⁴. Dafür ist die Autorin der Monografie bestens vorbereitet; sie hat sich in den Untersuchungsgegenstand tief eingearbeitet – dieses Buch ist die Fortsetzung und Zusammenfassung verschiedener, 2017 begonnener, mit dem ND verbundener Untersuchungen von Daiva Murmulaitytė. Offensichtlich ist sie auch mit den Arbeiten anderer Wissenschaftler, die denselben Untersuchungsgegenstand gewählt haben, bestens vertraut und hat sich nicht nur in die in Litauen, sondern auch in die weltweit durchgeführten Forschungen zur Wortbildung, Neologie, Kontamination und anderen Bereichen vertieft. Wer die im Buch dargelegten Kenntnisse in die eine oder andere Richtung erweitern möchte, kann die in verschiedenen Sprachen veröffentlichte, angegebene Literatur nutzen (das Verzeichnis umfasst 111 Titel).
Die Struktur der Monografie ist logisch, angemessen und klar – sie besteht (außer einem kurzen Dank) aus einer Einleitung, zwei in Kapitel und Unterkapitel gegliederten Teilen, ausführlichen, mit der Analyse korrelierenden Schlussfolgerungen, Verzeichnissen der Quellen und der Literatur sowie einer ne Seiten umfassenden Zusammenfassung in englischer Sprache⁵, die anderssprachigen Lesern, die sich für Neubildungen, Neologismen, Datenbestände u. Ä. interessieren, die Möglichkeit gibt, sich mit den wichtigsten Forschungsergebnissen und Einsichten vertraut zu machen. Somit ist der Inhalt der Monografie sehr durchdacht und konsequent. In der Einleitung der Monografie werden die Forschungsquelle (ND), der Untersuchungsgegenstand, das Ziel und die zu seiner Erreichung erforderlichen Aufgaben vorgestellt, die Forschungsmethodologie erörtert, ein Überblick über die sich auf den ND stützenden Forschungen gegeben und die Struktur der Monografie vorgestellt. Der erste Teil der Monografie („Der Neologismen-Datenbestand – Quelle und Forschungsinstrument für Neubildungen“) behandelt den ND als Ansammlung von Neubildungen und als Instrument zu deren Erforschung. Dieser Teil besteht aus drei Kapiteln – vorgestellt werden darin die im ND erfassten Arten von Neologismen, lexikalische und semantische Neubildungen⁶ sowie wiederbelebte Lexik; die größte Aufmerksamkeit gilt den wortbildungsbezogen analysierbaren Neologismen. Erörtert werden hier auch die Prinzipien der Auswahl der ND-Daten (es geht um die Regelmäßigkeit von Verbalabstrakta, reflexive Ableitungen und Polysemie; anschließend wird zusammengefasst). Danach konzentriert man sich auf
³ Es sei gesagt, dass nicht nur diese Monografie, sondern auch die im vergangenen Jahr verteidigte, von der Autorin der Monografie betreute Dissertation von Agnė Aleksaitė (2022) auf empirischem Material des ND beruht. Die Verfasserin der Dissertation stützte sich auf 3098 Bildungen, die aus 5319 im ND in den Jahren 2017–2019 lexikografisch beschriebenen Einheiten ausgewählt wurden. Beide konzeptionellen Werke (die besprochene Monografie und die Dissertation) bilden eine gute Grundlage und einen Ausgangspunkt für die Erforschung von Neologismen; die Einsichten beider Werke können andere Wissenschaftler, die Neologismen (oder Neubildungen) untersuchen, nutzen, indem sie die Ergebnisse der Analyse der Neubildungen gegenüberstellen und vergleichen (die Rezensentin hat dies bereits getan, siehe Vaskelienė 2022a).
⁴ Es ist begründet, dass die Autorin sich nicht auf Neubildungen beschränkt, sondern auch Wörter mit neuen Bedeutungen und wiederbelebte Wörter in das Forschungsfeld einbezieht.
⁵ Die Zusammenfassung wurde von Jovita Bagdonavičiūtė übersetzt.
⁶ Mit sehr treffenden Beispielen zeigt die Autorin, welche der im ND erfassten Wörter und aus welchen Gründen als neu gebildete Wörter (lexikalische Neubildungen) gelten sollten und welche als Produkt einer semantischen Entwicklung betrachtet werden könnten.
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die Daten der Wortbildung und Morphemik des ND (Struktur, Erforschungsstand, Forschungsaussichten) sowie die Frage der Eignung der ND-Datenbank für eine umfassende Analyse der Wortbildung von Neologismen. Der zweite Teil der Monografie ist der Vorstellung der Forschungsrichtungen und der Probeforschungen zur Neubildung gewidmet. Dieser Teil besteht aus zwei Kapiteln, die thematisch in Unterkapitel gegliedert sind. Im ersten Kapitel des zweiten Teils der Monografie („Erfassung und Analyse der Tendenzen bei der Bildung neuer litauischer Wörter“) werden die Tendenzen der Neubildungsbildung vorgestellt; ausführlicher geht es um die Neubildung von Substantiven, wobei den Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung, den Wortbildungstypen, der morphämischen Zusammensetzung ihrer Basissämme und den Klassifikationsproblemen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Wertvoll ist, dass in der Monografie nicht nur durch morphologische Wortbildung entstandene Neologismen (d. h. Neubildungen), sondern auch auf nichtmorphematische Weise geschaffene Bildungen, Kontaminanten, analysiert werden: Der Begriff der Kontamination wird erläutert, als Kontaminanten geltende Bildungen werden erörtert, problematische Fälle werden behandelt und weitere Leitlinien für die Erforschung von Kontaminanten werden aufgezeigt7. Das zweite Kapitel des zweiten Teils („Untersuchungen der wortbildnerischen Beziehungen von Neologismen“) ist der Erörterung und Darstellung von Wortbildungsnestern, Wortbildungskategorien, Wortbildungstypen und lexikalisch-semantischen Gruppen gewidmet. Sehr nützlich ist, dass die Unterkapitel mit Zusammenfassungen abgeschlossen werden. Insgesamt ist festzuhalten, dass die in der Monografie vorgestellten Einsichten und Forschungsergebnisse in den meisten Fällen keinerlei Zweifel aufkommen lassen. Besonders zu erwähnen sind die anschaulichen, den Text ergänzenden 18 Tabellen und 12 Abbildungen8. Es ist zu begrüßen, dass die Autorin bei der Erörterung einzelner Aspekte auch kontroverse Fragen nicht ausklammert, auftretende Probleme aufzeigt und mögliche Lösungen vorschlägt; somit wird in der Monografie nicht nur (und nicht so sehr) ein Überblick über das bereits Geleistete gegeben, sondern es werden auch sehr überzeugend und präzise die Unterschiede sowie die Aspekte und Möglichkeiten der Ergänzung, Verbesserung und Anwendung des ND für Untersuchungen unterschiedlicher Art aufgezeigt; zudem geschieht dies nicht vage, sondern anhand konkreter Beispiele. Es sei gesagt, dass sowohl die Monografie als Ganzes als auch ihre einzelnen Teile verschiedenen Zwecken dienen können: Wer sich etwa mit morphologischen Bildungen vertraut machen möchte, kann ein Kapitel lesen, an Kontamination Interessierte ein anderes, und wer sich für die Bildung von Neubildungen interessiert, kann das dafür vorgesehene Kapitel studieren; wer sich für einzelne Wortbildungskategorien (Bezeichnungen von Geräten, geschlechtsbezogene Bezeichnungen) interessiert, kann entsprechend die ihrer Analyse gewidmeten
⁷ Daiva Murmulaitytė ist insgesamt eine der wenigen litauischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die kontaminative Bildungen konsequent erforschen.
⁸ Beispielsweise sind die im ND erfassten Arten von Neologismen in der 2. Tabelle sehr klar und anschaulich dargestellt; in der 3. Tabelle werden mögliche Aspekte der Erforschung von Neologismen und Morphemik informativ aufgeführt und ihre (Un-)Möglichkeit der Untersuchung angegeben; die in der 9. Tabelle enthaltenen Daten über die Typen von Komposita und Beispiele für diese Typen können für verschiedene Zwecke genutzt werden usw.
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Kapitel usw. Die Monografie von Daiva Murmulaitytė ist in wissenschaftlichem Stil verfasst, ordentlich und angemessen redigiert. Dieses Buch ist auch praktisch nützlich – das darin präsentierte Material, die Einsichten und Vorschläge können zur Verbesserung und weiteren Erweiterung des ND – der größten Quelle für Neologismen der litauischen Sprache – beitragen.
Nicht weniger wertvoll ist, dass die Monografie nicht nur neue Informationen vermittelt, sondern auch zum Nachdenken, zur Formulierung von Fragen und zur Diskussion anregt. Daher sollen einige solcher Momente erwähnt werden.
In der litauischen Sprachwissenschaft gibt es (leider) keine einheitliche (gleichartige) Auffassung zu einigen Fragen der Wortbildung (dies erfordert noch eine eingehendere Betrachtung und Erörterung, sollte aber auch in einer Rezension nicht übergangen werden). Es ist erfreulich, dass die Autorin der Monografie (siehe S. 14–15) über Unterschiede in der Auffassung der Wortbildungsverfahren schreibt, etwa über die unterschiedliche Behandlung von Bildungen mit be- (begalvis, -ė), und feststellt: „[I]n dieser, der Neubildungen des Datenbestands gewidmeten, Untersuchung wird ebenfalls die traditionelle Auffassung der Präfixableitungen beibehalten [Hervorhebung der Rez.] [...] größtenteils deshalb, weil die Tendenzen der Neubildungsbildung mit den Gesetzmäßigkeiten der traditionellen Wortbildung verglichen werden, wie sie in den Grammatiken der Gegenwartssprache beschrieben sind.“ Nach traditioneller Auffassung würde die Bildung begalvis, -ė als Präfixableitung mit dem Präfix be aus dem einen Basiswort galva¹⁰ behandelt. Auf S. 68 der Monografie wird auf die unterschiedliche Behandlung von Bildungen mit be zurückgekommen¹¹; bei der Bildung bežidinis, -ė werden zwei Möglichkeiten angegeben: Es wird geschrieben, dass es sich um eine Bildung gemischter Art – Präfix und Suffix – aus židinys handeln könnte oder dass hier ein suffixales Wortbildungsverfahren zu erkennen sei, wobei nicht ein Wort (židinys), sondern eine Wortverbindung (be židinio) als Grundlage diene. Es sei gesagt, dass gewöhnlich als gemischtes Wortbildungsverfahren die Suffigierung–Paradigmatisierung (präfixale–suffixale Bildung) nicht angegeben wird¹²; weshalb steht bei bežidinis, -ė nicht mehr die traditionelle Auffassung, dass es sich um eine Präfixableitung mit dem Präfix be aus einem Wort židinys handelt? Somit bleibt letztlich unklar,
⁹ Besonders zu erwähnen ist der von der Autorin verwendete Terminus alternatyvių daryba (S. 66) – er scheint von anderen Wortbildungsfachleuten nicht verwendet zu werden, ist aber passend; wahrscheinlich entspricht er bei Vincas Urbutis (2009: 109–110) den Bildungen mit parallelen Basiswörtern (verwendet, wenn die Ableitung einer Bildung sowohl auf ein als auch auf ein anderes Wort bzw. andere Wörter zurückgeführt wird).
¹⁰ Siehe auch S. 11 der Monografie, wo betarmis, -ė als Präfixableitung mit dem Präfix be und einem zusätzlichen Wortbildungsmittel (Suffix) gilt; vgl. in Urbutis’ Monografie (2009: 260) die Bildung bedarbis, -ė, an der das präfixale Wortbildungsverfahren illustriert wird, bei dem das Präfix mit einer Änderung der Endung verbunden ist.
¹¹ Dies ist tatsächlich wichtig, weil die eine oder andere Position das Wortbildungsverfahren der Neubildung bestimmt.
¹² Siehe S. 13 der Monografie: „[...] in der litauischen Sprache kommen auch Bildungen gemischter Art vor, bei denen gleichzeitig zwei Wortbildungsverfahren angewandt werden, beispielsweise Präfix-Suffix-Bildungen (Präfigierung-Suffigierung; so wurden die bereits früher belegten povestuvinis, -ė, prieškarinis, -ė, pakylėti, paeiliui und andere gebildet) oder Kompositions-Suffix-Bildungen (Komposition-Suffigierung, beispielsweise: pelėkautai, žmožgėdar und andere) (Urbutis 2009: 340–342; Jakaitienė 2009: 254; Keinys 1999: 82–83, 97, 102).“
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welche Position bei Bildungen mit be- (die traditionelle13 oder die von Antanas Smetona (2005), Aldona Paulauskienė (1983: 100–103; 1994: 81; 2007: 20–22) und in einigen anderen Fällen) in der Monografie vertreten wird. Auch die Rolle des Reflexivs wird in den Arbeiten zur Wortbildung unterschiedlich verstanden, was mit der (Nicht-)Unterscheidung eines reflexiven Wortbildungsverfahrens zusammenhängt. Meist werden zwei Verfahren der Verbbildung angegeben – Suffigierung und Präfigierung –, d. h. es ist von Suffix- und Präfixableitungen die Rede (siehe LKE 593; Paulauskienė 1994: 363–279; LKG 1971: 247–298; R užė 2012: 53–62). In DLKG (2005: 385; 406–409) wird neben den genannten zwei Verfahren der Verbbildung noch ein weiteres – das reflexive – angegeben. Diese Position wird auch in der besprochenen Monografie vertreten14. Übrigens werden aufgrund dieser Auffassung des Reflexivs in DLKG auch die Verben gemischter Bildung sehr weit gefasst – als Ergebnis gemischter Bildung gelten in der Grammatik nicht nur Bildungen des präfixal-suffixalen Verfahrens, sondern auch solche, die mit einem Suffix und Reflexiv sowie mit einem Präfix und Reflexiv gebildet sind (DLKG 2005: 409–410). Somit gilt in der Monografie das reflexive Verfahren als eigenständiges, nur für Verben charakteristisches15 Wortbildungsverfahren: Auf S. 12 werden Suffix-, Präfix- und Endungsableitungen genannt und geschrieben, dass „Verben außerdem mit dem nur ihnen eigenen Reflexivaffix (Reflexivpartikel) gebildet werden. Die Ableitungen werden somit nach ihrem wichtigsten Wortbildungsmittel klassifiziert.“16 Zweifel bestehen nicht an den Beispielen für Suffix-, Präfix- und Endungsableitungen, doch unmittelbar danach werden folgende mit einer Reflexivpartikel gebildete (?) Verben genannt: įsikatinti „eine ausgesetzte Katze zur Aufzucht aufnehmen“ (: įkatinti), užsigr ybauti „Geld durch den Verkauf gesammelter Pilze verdienen“ (: užgrybauti). Ist die Rolle des Reflexivs hier wirklich dieselbe wie die von Suffixen, Präfixen und Endungen bei deren Ableitungen? In den morphologischen Arbeiten wird eine unterschiedliche Anzahl von Bedeutungen des Reflexivs angegeben; am häufigsten werden jedoch die direkte (prausia – prausiasi), indirekte (neša – nešasi, perka – perkasi), die Beschränkung des Handlungsbereichs auf den Handelnden selbst (kelia – keliasi) u. a. genannt (LKE 471). Letztere Bedeutungen lassen sich beim Vergleich der nichtreflexiven und reflexiven Formen įkatinti („eine ausgesetzte Katze zur Aufzucht nehmen“) und įsikatinti („eine ausgesetzte Katze zur Aufzucht aufnehmen [d. h. sie für sich selbst nehmen – Anm. d. Rez.]“), užgrybauti („Geld durch den Verkauf gesammelter Pilze verdienen“) und užsigr ybauti („sich Geld verdienen [d. h. für sich selbst verdienen, sein
¹³ Die Möglichkeit, Ableitungen (siehe S. 68 sočiapi lvis) mit einer Endung aus der Verbindung sočių pilvu zu bilden, widerspricht insgesamt der traditionellen Auffassung, nach der Ableitungen und Komposita (beziehungsweise Ableitung und Komposition) gerade nach der Anzahl der Basiswörter unterschieden werden und Bildungen des Typs sočiapi lvis, -ė als Komposita gelten (siehe Keinys 1999: 18; Urbutis 2009, 333; LKE 148, 590 u. a.).
¹⁴ Dieselbe Position zeigt sich auch im Wortbildungsleitfaden (Murmulaitytė, Aleksaitė 2021) und in der Dissertation von A. Aleksaitė (2022: 167–170).
¹⁵ Dass dieses Wortbildungsverfahren ausschließlich für eine Wortart charakteristisch ist und nicht für alle (für Bildungen aller Wortarten), stärkt ebenfalls die gewählte Position, das reflexive Verfahren nicht als eigenständiges zu betrachten.
¹⁶ Den reflexiven Ableitungen ist das Unterkapitel 1.5.2 der Monografie gewidmet, siehe S. 39–41.
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eigene Zwecke – Anm. d. Rez.] Geld durch den Verkauf gesammelter Pilze verdienen¹). Es fällt auf, dass dasselbe Verb užsigrybauti auf S. 53 bereits als Bildung aus Präfix und Reflexiv erklärt wird: „[...] einige nach dem Muster anderer Wörter mit Präfix und Reflexivaffix gebildete Verben (užsigrybauti ‚Geld durch den Verkauf gesammelter Pilze verdienen‘, vgl. užsidirbti, atsiseimauti ‚ausreichend lange, bis man nicht mehr als Seimas-Mitglied tätig sein möchte, Seimas-Mitglied sein‘, vgl. atsivalgyti)“ (S. 53). Es wird angenommen, dass Verben des Typs užsigrybauti Präfixableitungen sind und das Reflexiv ein zusätzliches Wortbildungsmittel¹⁷, ein Bestandteil eines komplexen Formans, ist; vgl. die als Präfixableitungen geltenden Verben užsibūti (: būti), atsivalgyti (: valgyti), išsigulėti (: gulėti) (Keinys 1999: 89–90), persivalgyti (: valgyti), užsižiopsoti (: žiopsoti) (Barauskaitė 1985: 30), atsivalgyti (: valgyti), įsiplepėti (: plepėti) (Ružė 2012: 58) u. a. In der Monografie wird im Wesentlichen die Position von A. Paulauskienė und DLKG vertreten, und dies ist das Recht und die Entscheidung der Autorin (diese Position überzeugt die Wissenschaftlerin also). Dennoch hätte dem als eigenständiges Wortbildungsverfahren geltenden reflexiven Verfahren in der Monografie mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müssen¹⁸; außerdem hätte dieses Verfahren auch bei der Darstellung der Wortbildungsverfahren¹⁹ nicht verschwiegen werden dürfen.
Mit dem Reflexiv hängt teilweise eine andere Stelle der Monografie zusammen, an der die Auswahl des Basiswortes (und seiner Form) behandelt wird – auf S. 11 heißt es: „Auch das Präfix oder das Reflexivaffix des Basiswortes kann entfallen, beispielsweise: džiugena ‚ein sich freuender Mensch‘ (: džiaugtis), išvarža ‚ein gewaltiger Ausbruch von Sonnenplasma‘ (: išsiveržti) (mehr zu Veränderungen der Wortbildungsgrundlage siehe: Urbutis 2009: 231–246; Jakaitienė 2009: 243; Barauskaitė 1985: 21–25; Keinys 1999: 19–20).“ Dazu sind zwei Dinge anzumerken: Der Feststellung, dass das Reflexiv des Basiswortes bisweilen ausgelassen wird und nicht in die Bildung übergeht, ist vollkommen zuzustimmen; in der Rezension hätte jedoch auch die erwähnte Auffassung genannt werden sollen, nach der das Reflexiv in den Arbeiten einiger Wissenschaftler gelegentlich als zusätzliches Wortbildungsmittel, als Bestandteil eines komplexen Formans, gilt. Außerdem hätte bei der Erwähnung, dass das Präfix des Basiswortes möglicherweise nicht in die Bildung übergeht, wenigstens ein Beispiel zur Veranschaulichung dieser Aussage angeführt werden sollen – beide Bildungen (džiugena, išvarža) veranschaulichen lediglich das Weglassen des Reflexivs des Basiswortes.
¹⁷ Beide Möglichkeiten könnten folgendermaßen angegeben werden: už(si)grybauti ‚(sich) Geld durch den Verkauf gesammelter Pilze verdienen‘ (: grybauti).
¹⁸ Gerade die Monografie ist ein Genre, in dem kontroverse und unterschiedlich behandelte Fragen erörtert werden können (und sollten).
¹⁹ An einer anderen Stelle der Monografie (bei der Darstellung der Wortbildungsverfahren) wird das reflexive Wortbildungsverfahren nicht erwähnt – auf S. 13 ist von vier grundlegenden und dem gemischten Wortbildungsverfahren die Rede: „Neben den genannten grundlegenden Wortbildungsverfahren – Suffixableitung bzw. Suffigierung, Präfixableitung bzw. Präfigierung, Endungsableitung bzw. Paradigmatisierung und Komposition bzw. Zusammensetzung (Urbutis 2009: 333–340; Keinys 1999: 22–23) – kommen in der litauischen Sprache auch gemischte Bildungen [...] vor“ – wie ersichtlich, stützt man sich hier auf die Arbeiten von V. Urbutis und S. Keinys; in diesen wird jedoch kein eigenständiges – reflexives – Wortbildungsverfahren behandelt.
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Das Prinzip der Darstellung der Basiswörter und -formen bleibt letztlich unklar, z. B.: agurkžuvė (: agurkas + žuvis), įvairiareligis, –ė (: įvairus, –i + religija), kalbaknisys, –ė (: kalba + knisti), aber klišakalbė (: kliša kalba), kalbokūra (: kalbą kūrė) u. a. Da die Bildungstypen mit dem Pluszeichen (+) angegeben werden (siehe die 9. Tabelle – Substantiv + Substantiv, Adjektiv + Substantiv usw.), wäre anscheinend überall dieselbe Darstellung zu erwarten²⁰. Zur Auswahl der Form des Basisverbs: An einer Stelle wird neben dem Infinitiv auch die Verbform angegeben, auf der die Bildung unmittelbar beruht, an anderer Stelle nur der Infinitiv, vgl. etwa auf S. 12 pojautis (: pajausti, pajautė) und keitėjimas (: keistėti), auf S. 63 vargospūdis (: vargas + spaudė) und skrajutė (: skrieti) – keitėjimas beruht auf dem Stamm des Präteritums (keitėjo), skrajutė auf skrieja oder skriejo usw. In jedem Fall hätte das Prinzip der Darstellung der Basiswörter und -formen erklärt werden können.
Einige weitere Kleinigkeiten. Als Komposita unklaren Typs gelten kūnovara und megztipaltis; aus den im ND angeführten Beispielen (mit Erläuterungen) geht hervor, dass sie semantisch mit zwei Substantiven verbunden sind – kūnas, vara und megztinis, paltas (sie sind also vermutlich vom Typ Substantiv + Substantiv; allerdings müsste die Desintegration von megztipaltis erörtert werden); vielleicht könnte diese Bildung neben rašyt namis u. a. eingeordnet werden (siehe S. 85). Zu den unklaren Fällen könnte auch das in der 9. Tabelle (S. 80) mit einem Fragezeichen angeführte Substantiv + Verb gehören, das als Kompositum des Typs šokvaikštis gilt. Es wäre präziser gewesen, in der 4. Tabelle bei der Angabe der Art der Wortbildungsformanten²¹ nicht „Suffixe“, sondern „Suffixe (Endungen)“ zu schreiben, da mehrfach darauf hingewiesen wird, dass Wörter mit denselben Endungen sowohl Bildungen als auch Nichtbildungen sein können (beispielsweise heißt es zu Recht auf S. 52: „Somit kann –acija nicht in allen Fällen als Wortbildungsformant gelten; manchmal besitzen Neologismen diese Morpheme (das Suffix –acij– und die Endung –a) einfach, weil eine solche Form entlehnt und nicht in der litauischen Sprache gebildet wurde.“).
Zum Abschluss der Rezension sei gesagt, dass die Anmerkungen (Überlegungen) diskussionsartigen Charakters die von der Autorin geleistete Arbeit keineswegs schmälern. Daiva Murmulaitytė ist es gelungen, eine inhaltlich und formal hochwertige Monografie zu verfassen – angefangen beim gewählten Untersuchungsgegenstand und Ziel bis zur konsequenten Umsetzung der zu dessen Erreichung erforderlichen Aufgaben. Diese Monografie ist als bedeutender Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaften von der Wortbildung und Neologie (teilweise auch der Lexikologie und Lexikografie) anzusehen. Und obwohl Daiva
20 In Grammatiken und Arbeiten zur Wortbildung werden bei Bildungen gewöhnlich keine Wortverbindungen, sondern zwei Basiswörter angegeben (ohne Pluszeichen). Die unterschiedliche Darstellung der Basiswörter in der Monografie hängt vermutlich mit der Entscheidung der Autorin zusammen, was – zwei eigenständige Wörter oder eine Wortverbindung – als Wortbildungsgrundlage gilt.
21 Die Bezeichnung Wortbildungsformant (siehe S. 11 der Monografie) impliziert, dass ein Wort eine Bildung ist (d. h. ein aus einem Basiswort bzw. aus Basiswörtern gebildetes Wort), während –(i)acija sowohl bei Wörtern vorkommt, die als Bildungen gelten können, als auch bei Entlehnungen (zur Behandlung von Wörtern mit –(i)acija und ihrer wurzelgleichen Entsprechungen mit –imas siehe Vaskelienė 2022).
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Murmulaitytė hat ein Buch veröffentlicht, das für Wissenschaftler am nützlichsten ist (vor allem für Fachleute der Wortbildung, Morphologie und Lexikologie), das aber (oder dessen Teile) auch für Leser interessant und nützlich sein dürfte, die sich allgemein für Neologismen, Neubildungen und Datenbestände interessieren; Dozenten, Studierende und Lehrkräfte könnten die Monografie sinnvoll und kreativ nutzen.
LITERATUR UND QUELLEN
Aleksaitė Agnė 2022: Lietuvių kalbos naujažodžių daryba (2011–2019 m. Naujažodžių duomenyno pagrindu): Dissertation, Vilnius: Institut für die litauische Sprache.
Barauskaitė Dalia 1985: Darybinė žodžių analizė: methodisches Hilfsmittel, Šiauliai: Pädagogisches Institut Šiauliai.
DLKG 2005: Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, 4., korrigierte Auflage, hrsg. von V. Ambrazas, Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlagswesen.
Jakaitienė Evalda 2009: Leksikologija, Vilnius: Verlag der Universität Vilnius.
Keinys Stasys 1999: Bendrinės lietuvių kalbos žodžių daryba, Šiauliai: Verlag der Universität Šiauliai.
LKE – Lietuvių kalbos enciklopedija, zusammengestellt von K. Morkūnas, redigiert von V. Ambrazas, Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlagswesen, 2008.
LKG 1971: Lietuvių kalbos gramatika 2, Chefredakteur K. Ulvydas, Vilnius: Mintis.
Murmulaitytė Daiva, Aleksaitė Agnė 2021: Wegweiser der Wortbildung [elektronische Ressource], Vilnius: Institut für die litauische Sprache. Online verfügbar: https://ekalba.lt/zo-dziu-darybos-vedlys/. DOI: 10.35321/zodziu-darybos-vedlys.
ND – Miliūnaitė Rita, Aleksaitė Agnė. Datenbestand der Neologismen der litauischen Sprache [Fortlaufendes Online-Nachschlagewerk seit 2011], zusammengestellt von R. Miliūnaitė, Vilnius: Institut für die litauische Sprache. Online verfügbar: https://ekalba.lt/nauja zodziai/naujienos [abgerufen am 25.–27.01.2023].
Paulauskienė Aldona 1983: Skizze der Morphologie der litauischen Sprache, Kaunas: Šviesa.
Paulauskienė Aldona 1994: Lietuvių kalbos morfologija. Paskaitos lituanistams, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien.
Paulauskienė Aldona 2007: Grundlagen der Morphologie der litauischen Sprache, Kaunas: Technologija.
Ružė Albertas 2012: Lietuvių kalbos morfologija II, Vilnius: Verlag der Universität Vilnius.
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Smetona Antanas 2005: Zur Frage der Unterscheidung der grundlegenden Wortbildungsverfahren. – Acta Linguistica Lithuanica 52, 83–89.
Urbutis Vincas 2009: Žodžių darybos teorija, 2. Auflage, Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlagswesen.
Vaskelienė Jolanta 2022: Zu verwandten litauischen Substantiven mit den Suffixen –(i)acija und –imas. – Respectus Philologicus 41, 94–106. DOI: 10.15388/RESPECTUS.2022.41.46.111.
Vaskelienė Jolanta 2022a: Produktive Typen von Neubildungen der Ableitungen von Substantiven und Adjektiven. – Acta Linguistica Lithuanica 87, 177–199. DOI: 10.35321/all87–09.
Eingereicht am 2. Februar 2023.
JOLANTA VASKELIENĖ Universität Vilnius, Šiauliai-Akademie, Vytauto g. 84, LT-76352 Šiauliai, Litauen [email protected]
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