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PALMIRA ZEMLEVIČIŪTĖ
Institut für die litauische Sprache
ORCID-ID: orcid.org/0000–0002–8679–3253
Forschungsgebiete: litauische Terminologie, Geschichte der litauischen medizinischen Terminologie.
DOI: doi.org/10.35321/all88–03
APIE KAI KURIUOS DETERMINATYVINIUS XIX A. PAB. – XX A. PR. MEDICINOS TERMINUS DŪRINIUS SU DAIKTAVARDINIU ANTRUOJU SANDU
Über bestimmte determinative medizinische Komposita des späten 19th. – frühen 20th. Jahrhunderts mit einem Substantiv als zweitem Bestandteil
ZUSAMMENFASSUNG
Der Beitrag untersucht vorwiegend unter strukturellen Gesichtspunkten determinative Komposita als terminologische Einheiten aus Veröffentlichungen zu Medizin und Gesundheit des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts, die (oder deren Bedeutungen) im LKŽe nicht verzeichnet sind. Erörtert wird ein Bildungstyp dieser Komposita – Komposita mit einem substantivischen zweiten Bestandteil – sowie dessen Strukturmodelle; untersucht wird, welche Sachverhalte die Komposita benennen, welche Bedeutungen die ersten Bestandteile haben und auf welche Weise die Bestandteile verbunden werden; außerdem werden problematische Fragen des Verhältnisses der Bestandteile, der Auswahl der Grundwörter und weitere damit zusammenhängende Fragen behandelt. Für die untersuchten Komposita sind die Strukturmodelle D + D, B + D, V + D und P + D kennzeichnend. Am produktivsten sind Komposita, deren beide Bestandteile Substantive sind. Meist sind die Grundlage beider Bestandteile und ihr Verhältnis leicht zu erfassen; die terminologischen Bedeutungen ergeben sich aus den Wortbildungsbedeutungen und sind daher problemlos zu identifizieren. Die Komposita bezeichnen Körperteile, Organe und Krankheiten. Bei manchen Komposita ist es jedoch schwierig, die Grundlagen der Bestandteile zu begründen; die Verbindung der Bestandteile kann unterschiedlich interpretiert werden oder ist überhaupt schwer zu beschreiben. Mit den ersten Bestandteilen des Strukturmodells D + D werden meist Zugehörigkeit und der Artbegriff bezeichnet,
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während B + D und V + D ein Merkmal ausdrücken. Die Bestandteile der Komposita des Strukturmodells D + D werden häufiger durch Verbindungsvokale verbunden (vorherrschend ist der Vokal –a–) als ohne diese, während bei B + D, V + D und P + D umgekehrt beide Bestandteile überwiegend ohne Verbindungsvokale verbunden werden.
Der Beitrag untersucht vorwiegend unter strukturellen Gesichtspunkten die determinativen Komposita als terminologische Einheiten aus medizinischen und gesundheitsbezogenen Veröffentlichungen des späten 19th. – frühen 20th. Jahrhunderts, die (oder deren Bedeutungen) in The Dictionary of the Lithuanian Language nicht verzeichnet sind. Im Mittelpunkt steht ein besonderer Bildungstyp dieser Komposita, nämlich Komposita mit einem Substantiv als zweitem Bestandteil, sowie dessen Strukturmodelle; untersucht wird, was durch die Komposita bezeichnet wird, welche Bedeutungen die ersten Bestandteile vermitteln und auf welche Weise diese Bestandteile verbunden werden; außerdem werden problematische Fragen des Verhältnisses zwischen den Bestandteilen, der Auswahl der Grundwörter usw. erörtert. Die untersuchten Komposita zeigen folgende Strukturmodelle: D + D, B + D, V + D, P + D (D steht für Substantiv, B für Adjektiv, V für Verb und P für Präposition). Am produktivsten sind Komposita mit Substantiven als beiden Bestandteilen. In der Regel lassen sich das Grundwort der beiden Bestandteile und ihr Verhältnis leicht bestimmen; ihre terminologischen Bedeutungen leiten sich aus ihren Wortbildungsbedeutungen ab und sind daher leicht zu identifizieren. Die Komposita bezeichnen Körperteile, Organe und Krankheiten. Die Grundwörter bestimmter Bestandteile sind jedoch schwer zu erklären; das Verhältnis zwischen den Bestandteilen kann unterschiedlich interpretiert werden oder ist überhaupt schwer zu beschreiben. Die ersten Bestandteile des Strukturmodells D + D bezeichnen gewöhnlich Zugehörigkeit und den Begriff der Art/Gattung, während die Strukturmodelle B + D und V + D ein Merkmal ausdrücken. Die Bestandteile des Strukturmodells D + D werden häufiger durch Verbindungsvokale verbunden (wobei der Vokal –a– vorherrscht), während bei den Strukturmodellen B + D, V + D und P + D umgekehrt beide Bestandteile gewöhnlich ohne Verbindungsvokale verbunden werden.
Traditionell wird in der litauischen Sprachwissenschaft unter einem Kompositum ein Wort verstanden, das auf dem Weg der Univerbierung aus einer Verbindung zweier selbstständiger Wörter entstanden ist und eine lexikalische sowie eine Wortbildungsbedeutung besitzt (letztere setzt sich aus den lexikalischen Bedeutungen der Bestandteile und ihrem gegenseitigen
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Über bestimmte determinative medizinische Komposita des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts mit einem substantivischen zweiten Bestandteil Verhältnis) zusammen. Es ist im Litauischen nicht problematisch, es zu identifizieren und zu definieren¹ (Urbutis 1961: 65; LKG I 1965: 437; KTŽ 1990: 196; LKE 2008: 148, 281, vgl. Stundžia, Jarmalavičius 2019: 18–19, 52).
Nach der Feststellung des litauischen Wortbildungsforschers Pranas Skardžius reicht die Produktivität der Komposita² bis in die Zeit der indogermanischen Ursprache zurück. Bei Komposita ist die „innere (bedeutungsmäßige) Verbindung der Wörter“ das Wichtigste; seit jeher wurden sie vor allem in der „speziellen wissenschaftlichen Terminologie“ verwendet. Als „inhaltsspezifischere“ Gebilde eignen sich Komposita „ihrem Wesen nach vor allem für eine genauere, kondensiertere und inhaltsreichere, bedeutungsvollere Ausdrucksweise“, um einen gemeinsamen Sachverhalt zu bezeichnen (Skardžius 1996 [1943]: 396–397, 401, 403).
Stasys Keinys, der Klassiker der litauischen Terminologieforschung, der die Bildung litauischer terminologischer Komposita gegen Ende des 20. Jahrhunderts wohl am ausführlichsten behandelt hat³, wies auf die große Aktivität der Komposition in der heutigen litauischen Terminologie hin, die er vor allem durch die internen terminologischen Bedürfnisse zur Benennung komplexer Begriffe erklärte. Die Komposition ist auch deshalb praktisch, weil sie hilft, relativ kurze Artbezeichnungen zu bilden und so eine Häufung von Attributen zu vermeiden. Komposita sind gewöhnlich auch terminologischer als die entsprechenden Wortverbindungen (Keinys 2005 [1983]: 129–130).
Gegenstand dieses Beitrags sind 72 determinative medizinische Komposita⁴ mit substantivischen zweiten Bestandteilen (ohne Varianten⁵), die (oder deren
¹ Näheres zur neuen Auffassung von Komposita und ihrer Klassifikation siehe Lieber, Štekauer 2009: 4–8; Guevara, Scalise 2009: 101–128.
² Pr. Skardžius bezeichnete das Kompositum mit dem Terminus sudėtinis žodis („zusammengesetztes Wort“) (Skardžius 1996 [1943]: 393). Neben dem Terminus dūrinys („Kompositum“) wird in der linguistischen Literatur auch der Terminus sudurtinis žodis („zusammengesetztes Wort“) (KTŽ 1990: 196; LKE 2008: 148, 281), kompozitas („Kompositum“) (LKE 2008: 148; Stundžia, Jarmalavičius 2019: 18) verwendet.
³ Die Komposition von Termini wurde mehr oder weniger von folgenden Forschenden untersucht: Auksoriūtė 2001, 2015, 2016; Gaivenis 2014 [1998]; Gedrimas 2003; Kaulakienė 2014 [1981, 1983]; Kurmiņa 2012; Labanauskienė 2009, 2010; Pospelova 2017; Rutkienė 2017, 2019, 2019a, 2021; Stunžinas 2004; Umbrasas 2005; Zemlevičiūtė 2016, 2019 und andere.
⁴ Im Beitrag werden Komposita ausgeklammert, die in struktureller und/oder semantischer Hinsicht problematisch sind, deren einer Bestandteil schwer zu begründen ist oder deren Bedeutung überhaupt unklar ist (selbst aus dem Kontext), z. B. kastligė.
⁵ In den Veröffentlichungen des behandelten Zeitraums wurden Varianten von Komposita nicht nur in verschiedenen, sondern auch in denselben Texten festgestellt. Variante wird hier in engem Sinne verstanden, d. h. als formale Ausprägung desselben Wortes mit derselben lexikalischen und grammatischen Bedeutung sowie morphologischen Struktur (Miliūnaitė 2009: 141, vgl. Mitkevičienė 2004: 124, 140). Mit anderen Worten ist hier die formale strukturelle Variation gemeint, die die Grenzen der Identität des Terminus nicht überschreitet und keine semantischen Verschiebungen des Terminus bewirkt, d. h. sie hängt nicht mit der semantischen Differenzierung des Terminusinhalts zusammen (Tatarinov 2006: 173). Wenn ein Kompositum Varianten hat (im gesamten empirischen Material variieren 11 verschiedene medizinische Termini), werden diese im Beitrag als Reihe angegeben, deren Glieder durch Schrägstriche getrennt sind. Die Variabilität medizinischer Komposita ist jedoch nicht Gegenstand dieses Beitrags; die Varianten werden daher nicht ausführlicher untersucht, sondern sind Gegenstand einer gesonderten Untersuchung. Es sei lediglich angemerkt, dass manche Komposita hinsichtlich der Schreibweise variieren
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Bedeutungen) im LKŽe nicht verzeichnet sind. Als determinative6 Komposita gelten hier solche Komposita, deren erster Bestandteil gewöhnlich den zweiten determiniert, indem er dessen Bedeutung einschränkt (Urbutis 1961: 68; 2009: 205; LKG I 437; KTŽ 1990: 196; LKE 2008: 148; Stundžia, Jarmalavičius 2019: 52).
Die Komposita wurden aus Veröffentlichungen zu Medizin und Gesundheit des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts gesammelt – aus Büchern und Broschüren, die nicht nur von Ärzten, sondern auch von Vertretern anderer Berufe verfasst oder übersetzt wurden; berücksichtigt wurden auch die in damaligen Zeitungen und Kalendern veröffentlichten Artikel. In fachlicher (medizinischer) Hinsicht sind diese Veröffentlichungen nicht gleichwertig, doch ihr Inhalt ist für das rein linguistische Ziel – die Struktur medizinischer Komposita mit substantivischem zweitem Bestandteil zu untersuchen – unerheblich. Auch der semantische Aspekt wird berücksichtigt: Es wird untersucht, die Bezeichnungen welcher Begriffe die untersuchten Komposita sind und welche Bedeutungen die ersten Bestandteile haben. Zur Lösung dieser Aufgaben eignet sich am besten die analytisch-deskriptive Methode, die Methode der wortbildnerischen Analyse; herangezogen werden die Interpretationsmethode und gegebenenfalls die Vergleichsmethode sowie die Zählmethode, um quantitative Beziehungen der Komposita aufzuzeigen.
Im deskriptiv-analytischen Teil des Beitrags werden neben den Komposita angegeben: die Abkürzung der Quelle, die lexikalische Bedeutung des Kompositums (sie wurde von der Autorin des Beitrags auf Grundlage der Informationen aus der Quelle bzw. den Quellen formuliert), während die Wortbildungsbedeutung aus den in Klammern angegebenen Grundwörtern hervorgeht. Ist ein Kompositum in den Quellen mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt, werden diese Bedeutungen mit den bibliografischen Angaben der Quellen (Abkürzung, Jahr, Nummer, falls es sich um eine Zeitung handelt, Seite) angegeben. Bisweilen werden die Bedeutungen des Kompositums von der Autorin nicht paraphrasiert, sondern es werden illustrative Sätze oder Auszüge daraus angeführt, insbesondere dann, wenn der minimale Kontext informativ genug ist, um die Wortbildungsbedeutung des Kompositums zu begründen.
durch graphisch unterschiedlich gestaltete Vokale, z. B. storžarnė und storžarnė. Solche werden als Schreibvarianten betrachtet. Andere Komposita variieren hinsichtlich der Endungen und der Verbindungsvokale, z. B.: narikaulis und narykaulis, krioklīgė und kriokliga. Sie werden als wortbildnerische Varianten betrachtet (mehr dazu siehe Vaskelienė 2013: 208–210). Wortbildnerische Varianten werden hier als „Ableitungen mit denselben Grundwörtern und demselben Wortbildungsaffix verstanden, die sich durch irgendwelche sekundären Wortbildungsmittel unterscheiden“ (Vokalwechsel der Wurzel, Verbindungsvokal und/oder Endung) (Vaskelienė 2019: 212). Die Endung wird hier nicht unter dem Gesichtspunkt der Flexion, sondern der Wortbildung betrachtet; Varianten, die sich durch die Endung unterscheiden, gelten daher nicht als morphologische (vgl. Mitkevičienė 2004: 133–135), sondern als wortbildnerische Varianten (mehr zum Verhältnis zwischen wortbildnerischen und morphologischen Varianten siehe Vaskelienė 2019: 209).
6 Determinative Komposita nannte Pr. Skardžius prijungtiniais, apspręstiniais dūriniais, da ihr erster Bestandteil den zweiten bestimmt (Skardžius 1996 [1943]: 407, 410, vgl. Urbutis 1961: 68).
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MEDICINOS TERMINAI DŪRINIAI SU DAIKTAVARDINIU ANTRUOJU SANDU
Das semantische und grammatische Zentrum litauischer terminologischer Komposita (wie auch einfacher Wörter) ist gewöhnlich der zweite Bestandteil, den der erste auf die eine oder andere Weise bestimmt bzw. näher bezeichnet. Bei der formalen, morphologischen Einteilung der Komposita⁷ wird der Zusammenhang des Grundworts des zweiten Bestandteils mit einer Wortart berücksichtigt. Nach dieser Klassifikation bilden Komposita mit einem substantivisch fundierten zweiten Bestandteil einen der grundlegenden und vorherrschenden Typen. Die ersten Bestandteile von Komposita dieses Typs können auf anderen Wortarten beruhen; daher werden die Komposita weiter danach unterteilt, welcher Wortart das Grundwort des ersten Bestandteils angehört (Urbutis 1961: 68–104; Keinys 2005 [1983]: 134, 164).
Bei den Komposita des untersuchten Typs werden unter diesem Gesichtspunkt folgende Strukturmodelle unterschieden (siehe Tabelle 1): Komposita aus zwei Substantiven (D + D), aus einem Adjektiv und einem Substantiv (B + D), aus einer Verbform und einem Substantiv (V + D), aus einer Präposition und einem Substantiv (P + D), die im Folgenden ausführlicher erörtert werden. Der substantivisch fundierte zweite Bestandteil dieser Komposita bestimmt gewöhnlich die Bedeutung des gesamten Kompositums (eine konkrete oder abstrakte), und der größte Teil dieser Komposita sind gewöhnlich Artbezeichnungen für Sachverhalte, die durch die Substantive als Grundwörter des zweiten Bestandteils bezeichnet werden (vgl. Keinys 2005 [1983]: 135).
¹ LENTELĖ. Strukturmodelle determinativer medizinischer Komposita des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts mit substantivischem zweitem Bestandteil nach der Wortart des ersten Bestandteils
Strukturmodell | Anzahl der Komposita | Prozentualer Anteil (%) D + D | 48 | 67 B + D | 14 | 19 V + D | 8 | 11 P + D | 2 | 3
1.1. Komposita aus zwei Substantiven. Die terminologische Bedeutung der Komposita dieses Strukturmodells ergibt sich weitgehend aus den Bedeutungen beider Bestandteile, anders gesagt, sie stimmt ungefähr mit der Wortbildungsbedeutung überein (wie aus den weiter unten behandelten Beispielen ersichtlich sein wird, ist diese Übereinstimmung jedoch nicht in jedem Fall gleich stark). Vom zweiten Bestandteil dieser Komposita hängt ab, welche Art von Gegenstand bezeichnet wird; der erste, der ein bestimmtes
⁷ Näheres zur Klassifikation der Komposita siehe Scalise, Bisetto 2005: 319–332.
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obwohl er ein Merkmal des bezeichneten Gegenstands benennt, bewirkt, dass das Kompositum als Artbezeichnung engerer Bedeutung fungiert. Mit diesem letzteren, determinierenden Bestandteil werden folgende Sachverhalte bezeichnet:
1) Zugehörigkeit:
• Zu welchem Körperteil oder Organ der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand gehört⁸: dirksniatinklis „wichtigstes Nervenzentrum, das sich im Bauch befindet“ Žin 1911 107 (: dirksnis „Nerv“ LKŽe + tinklas), inkstapilvis „Nierenbecken“ KS 1911 160 (: inkstas + pilvas 5. „Vertiefung“ LKŽe). Beide Bestandteile dieses Kompositums fungieren als Organbezeichnungen, und das Kompositum bezeichnet einen strukturellen Teil des Organs, dessen Bezeichnung dem ersten Bestandteil zugrunde liegt. Wie in einem Lehrbuch der menschlichen Anatomie geschrieben steht, ähnelt der betreffende Teil meist einem Trichter, doch seine Form ist sehr unterschiedlich (ŽA 2005: 200). In Abb. 1 ist zu sehen, dass der mit C bezeichnete Teil der Niere etwas gekrümmt erscheint. Es ist schwer zu sagen, welches Motiv der Buchautor bei der Wahl des Substantivs pilvas als Grundlage des zweiten Bestandteils hatte. Vielleicht beeinflusste ihn die Form dieses Teils, vielleicht das lateinische Äquivalent pelvis renalis oder vielleicht ganz andere Umstände?
Längsschnitt durch die rechte Niere, von außen nach innen gesehen: A, Ast der Nierenarterie; C, Nierenbecken; U, Harnweg.
ABB. 1. Längsschnitt durch die rechte Niere; KS 1911 160
⁸ Die Bedeutungsformulierungen der ersten Bestandteile dieses und der meisten anderen Komposita beruhen auf folgenden Quellen: Urbutis 1961: 68–71; Keinys 1983: 135–176; LKG I 438–472.
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odataukiai „von einem Hautanhangsgebilde – den Talgdrüsen – gebildetes und abgesondertes Fett“ S 1907 142 (: oda + taukai),
pilvaodis „Bauchfell“ S 1907 44 (: pilvas + oda 3. „Haut (Epidermis)“ LKŽe),
smarkrakaulis „Kinn“ LB 1887 5/6 58 (: smarkas + kaulas „Knochen“). Die terminologische Bedeutung dieses Kompositums kann auf zweierlei Weise interpretiert werden. Einerseits ist es möglich, dass sie unmittelbar aus der Wortbildungsbedeutung hervorgeht; an dieser Hypothese lässt jedoch zweifeln, dass ein solcher Gesichtsknochen in der osteologischen Nomenklatur nicht unterschieden wird. Daher ist es wahrscheinlicher, dass das Kompositum den nach vorn vorspringenden Teil des Unterkieferkörpers – das Kinn – bezeichnet (siehe ŽA 2005: 76),
smilksniokaulis „Schläfenbein“ S 1907 168 (: smilksnis siehe 1 smilkinys „Bereich des Kopfes zwischen Ohr und Auge, Schläfe“ LKŽe + kaulas),
sprandakaulis „Nackenkrankheit, an der kleine Kinder durch Wiegen, Tragen oder nach dem Herausfallen aus der Wiege und einer Verletzung des Nackens erkranken“ MTV 1898 27, vgl. sprandoligė (S. 5) (: sprandas + liga „Krankheit“). Dieses Kompositum ist insofern interessant, als sein zweiter Bestandteil die Bezeichnung eines Organs, sein erster die Bezeichnung eines Körperteils ist, während das Kompositum selbst eine Krankheit benennt; seine terminologische Bedeutung ist daher von der Wortbildungsbedeutung entfernt,
subingrobis „Mastdarm“ GŽK 1902 6; Šlt 1912 37 583 (: subinė „Gesäß, Hinterbacken“ + grobas „Darm“ LKŽe). Im LKŽe ist dieses Kompositum nur mit der Bedeutung „Enddarm“ verzeichnet, in den untersuchten Quellen wird es jedoch auch mit anderen medizinischen Bedeutungen verwendet – „Dickdarm“ Dž 1903 21, Vorfall des Afters (Prolapsus ani) MTV 1898 36,
žiotkaulis „Kiefer (Maxilla)“ MG 1913 2 11 (: žiotis „Öffnung vom Mund zum Nasenrachenraum“ LKŽe + kaulas „Knochen“);
• Zu welchem Gegenstand der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand seinem Ursprung nach gehört:
balsodėžė „Organ im oberen Teil des Rachens“ KS 1911 110 (: balsas + dėžė „Kasten“). Wahrscheinlich ist hier die Stimmritze (lat. rima glottidis) gemeint (ŽA 2005: 191),
džiovugarai „Unterkunftshütten für Tuberkulosekranke“ LAK 1885 59 (: džiova + garai „Ruß, Dunst“ LKŽe),
• Welchen Teil eines Gegenstands der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand bildet:
kaulgalis „Knochenende“ U 1892 6/7 234 (: kaulas + galas),
rietgalis „Lenden, Kreuz“ VL 1890 38 9 (: rietas 1. „Oberschenkel, Hüfte, Schienbein“, 3. „Innenseite des Oberschenkels, Stelle zwischen Oberschenkel und Unterbauch, Leiste, Schamgegend“, 4. „Taille, Lenden, Körpermitte“ LKŽe + galas). Auf Grundlage der erwähnten la Terminologie
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Kontextinformation: „In manchen Familien sehen wir die Krankheit rietgalio (hyp. disease), eine Deformation der Wirbelsäule“ VL 1890 38 9 lässt sich annehmen, dass hier von mit dem Rücken bzw. der Wirbelsäule verbundenen Krankheiten die Rede ist; dies würde die Bedeutung des ersten Bestandteils des betreffenden Kompositums rietas „Taille, Lenden, Körpermitte“ stützen;
2) Artbegriff: • Welche Artbezeichnung, die in den durch den zweiten Bestandteil bezeichneten Gattungsbegriff eingeht, gemeint ist: dirksnialigė „Nervenkrankheit“ S 1907 255 (: dirksnis „Nerv“ LKŽe + liga „Krankheit“), drigantligė (: drigantas (l. drygant) „Hengst, Fohlen“ LKŽe + liga „Krankheit“). In der Quelle heißt es, dass „diese Krankheit junge Männer befällt, die sich mit großer Lust mit Frauen beschäftigen“ MTV 1898 33. Hypothetisch lässt sich annehmen, dass von einer Krankheit die Rede ist, die heute Satyrisis oder übermäßige männliche Geilheit (Satyriasis) MedŽ 1980: 492 genannt wird, džiovuligė „Tuberkulose“ Žin 1911 158 (: džiova + liga „Krankheit“), kaitraliga / kaitraligа „Malaria“ LK 1890 27 (: kaitra + liga „Krankheit“), kirmelligė „Wurmerkrankung (Helminthiasis)“ MTV 1898 12 (: kirmėlė + liga „Krankheit“), krupligė / krupligė „kroupöser Laryngitis (Croup, Laryngitis crouposa)“ MTV 1898 13, NG (: krupas (l. krup, russ. круп) „Entzündung des oberen Teils der Luftröhre, Diphtherie“ LKŽe + liga „Krankheit“), krutligė „Brustkrankheit“ NotGyd 1879 42 (: 1 krūtis „Brust“ LKŽe + liga „Krankheit“), niežligė / niežligė „Krätze“ SŽL 1886 32, SŽL 1906 30 (: niežai + liga „Krankheit“), opaligė „Nervenkrankheit (Nervositis)“ S 1907 167 (: opa + liga „Krankheit“). Im LKŽe ist die heutige Variante opaligė mit einer völlig anderen Bedeutung verzeichnet: „chronische Erkrankung mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren“, raupleligė „Pocken“ Svk 1913 4 15 (: rauplės siehe raupai „schwere akute ansteckende Krankheit, die sich durch einen Ausschlag äußert, der die Haut höckerig macht (Variola)“ LKŽe + liga „Krankheit“), saldyligė „Zuckerkrankheit“ Svk 1913 2 7 (: saldybė 1. „außergewöhnliche Süße“ LKŽe + liga „Krankheit“). Die Struktur dieses Gebildes lässt sich anhand des ähnlich gebildeten Wortes saldymedis begründen, das nach Pr. Skardžius aus saldyb-medis entstanden sein könnte (Skardžius 1996 [1943]: 421). Analog könnte auch der erste Bestandteil des Kompositums saldyligė aus saldyb-ligė hergeleitet werden. Wie ersichtlich, wurde als Grundlage des ersten Bestandteils der gekürzte Stamm des Grundsubstantivs saldybė genommen. Eine solche Bildung des Grundstamms nannte V. Urbutis eine einfache phonetische Kürzung des Grundstamms (Urbutis 2009: 235), sprandoligė „Krankheit kleiner Kinder: entweder durch Wiegen oder Tragen oder wenn das Kind aus der Wiege fällt und sich den Nacken verrenkt“ MTV 1898 27, siehe sprandakaulis (S. 4) (: sprandas + liga „Krankheit“), taukligė Nom. Sg. „?“ LKA 1907 79 (: taukai + liga „Krankheit“). Dies ist das einzige der untersuchten Komposita, dessen terminologische Bedeutung schwer zu identifizieren ist, weil sie sich nicht unmittelbar aus der Bedeutung der substantivischen Grundlagen der Bestandteile ergibt: „Fettkrankheit“. Der Gebrauchskontext
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ist nicht informativ – der Terminus wird lediglich neben anderen aufgezählten Krankheitsbezeichnungen genannt; daher ist es problematisch zu entscheiden, welche Krankheit mit dem genannten Kompositum bezeichnet wird: utèlige „durch Läuse verursachte Hautkrankheit“ DMS 1912 21 (: utelė + liga „Krankheit“).
Die terminologische Bedeutung der Komposita džiovâligė, krupligė, niežligė, opligė, raupligė stimmt vollständig mit der Bedeutung der als erster Bestandteil auftretenden Substantive überein – džiova, krupas, niežai, opa, rauplės – und bezeichnet jeweils eine „Krankheit“ (vgl. Urbutis 1961: 71; LKG I 440). Die ersten Bestandteile anderer Komposita bezeichnen verschiedene Sachverhalte. Einige sind Bezeichnungen für Körperteile und Organe (dirksnis, krūtis, sprandas), durch die die Lage des durch den zweiten Bestandteil bezeichneten Gegenstands angegeben wird. Aus dieser Gruppe heben sich Komposita ab, deren erster Bestandteil Bezeichnungen für Tiere (drigantas, kirmelė, utėlė), Stoffe (taukai) oder Eigenschaften (kaitra, saldybė) sind und die aufgrund ihrer lexikalischen Bedeutung vielleicht eher neben den Komposita aufgeführt werden sollten, deren erster Bestandteil ein Merkmal bezeichnet. Obwohl die determinierenden Bestandteile aller genannten Komposita semantisch nicht eindeutig sind, sind die Komposita selbst Artbezeichnungen für Krankheiten, die nach unterschiedlichen Grundlagen klassifiziert werden können. Zu einer Terminusgruppe lassen sie sich durch den wiederkehrenden zweiten Bestandteil liga „Krankheit“ zusammenfassen;
3) Merkmal:
• Durch welchen vorhandenen Sachverhalt sich der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand auszeichnet: dilgerauplės „Hautausschläge infolge schlechten Fluchs; sehr hartnäckiger Ausschlag, der einen ungewöhnlichen Juckreiz und große Unruhe verursacht“ SK 1905 50 (: dilgė siehe dilgėlė 1. „krautige Pflanze, deren Stängel und Blätter Brennhaare haben (Urtica)“ LKŽe + rauplės „Pocken“),
dilgiaraupliai „entzündeter Ausschlag in Form ungleichmäßiger Bläschen, gekennzeichnet durch Brennen und unerträglichen Juckreiz, gewöhnlich [entstehend] durch unzureichendes Fluchen“ SK 1905 22 (: dilgė + raupai „Pocken“).
Die ersten Bestandteile beider Komposita beruhen auf demselben Substantiv dilgė; der durch die Komposita bezeichnete Ausschlag erinnert an eine Reizung durch die Pflanze, deren Bezeichnung den genannten Bestandteil bildet,
kaitrastoges Nom. Pl. „Schnupfen, der von Hitze herrührt“ LK 1890 28 (: kaitra + slogos siehe sloga 1. „Entzündung der Schleimhaut eines beliebigen anderen Organs“ LKŽe),
• Wofür der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand zur Bewegung (zum Gehen, Gleiten, Fließen) geeignet ist: mėšlazarnė „Mastdarm“ KS 1911 240 (: mėšlas 2. „Kot, Exkremente“ LKŽe + žarna „Darm“), orangis „Öffnung zwischen den Stimmbändern“ KS 1911 278 (: oras + anga „Luft + Öffnung“). Die terminologische Bedeutung des Kompositums ist höchstwahrscheinlich dieselbe wie die von balsodėžė (siehe S. 5). Ohne Kontext ist sie nicht offensichtlich medizinisch, da auch in diesem Fall die aus dem Verhältnis der Bestandteile erschlossene terminologische Bedeutung und die Wortbildungsbedeutung auseinandergehen,
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pienaindis „Lymphgefäß eines Darmzotten“ KS 1911 52 (heute genannt Darmzotten-limfagysle (ŽA 2005: 176) (: pienas + 1 indas 2. „Gang, Gefäß“ LKŽe). Die terminologische und die wortbildnerische Bedeutung dieses Kompositums sind noch weiter voneinander entfernt – als zweiter Bestandteil fungiert die Bezeichnung des Ganges, als erster die Bezeichnung der durch ihn fließenden Flüssigkeit. Das Kompositum bezeichnet einen Teil eines Organs (siehe Abb. 2). In der Quelle wird erklärt, warum dieser Gang so genannt wird: „Dieses Gefäßchen wird Milchgefäß genannt, weil die darin fließenden fetten Säfte wie weiße Milch sind“;
Zotten des Dünndarms; etwa 80-fach vergrößert. Auf der linken Seite der Abbildung sind die Milchgefäße, a, b, c, mit weißer Flüssigkeit gefüllt; d Blutgefäße. Auf der rechten Seite der Abbildung befinden sich die Milchgefäße selbst, gefüllt mit dunkler Flüssigkeit. Das die Zotten und ihre Muskelfasern bedeckende Endothel ist entfernt.
ABB. 2. Schnitt durch eine Dünndarmzotte; mit den Buchstaben a, b, c sind die Milchgefäße bezeichnet, KS 1907 52
• dasjenige Wesen, das durch den zweiten Bestandteil bezeichnet wird: kraujaleidikas[s] U 1891 9 419 „jemand, der Blut ablässt (indem er eine Vene durchschneidet)“ LKŽe (: kraujas + leidikas < leido < leisti 12. „fließen lassen, laufen lassen“ LKŽe + –ikas). Die Struktur dieses Kompositums ist untypisch und andersartig, da sein zweiter Bestandteil ein abgeleitetes, suffixales Substantiv ist, während in dem untersuchten Material gewöhnlich nichtabgeleitete Substantive als zweite Bestandteile von Komposita auftreten;
5) Ähnlichkeit:
• worin der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand ähnlich ist, woran er erinnert oder womit er verglichen werden kann:
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arklakaulis „Pflugschar (Knochen der Nasenscheidewand) (os vomeris)“ MG 1913 2 11 (: arklas „Gerät zum Pflügen, Pflug, Hakenpflug“ LKŽe + kaulas), piensvyviai KS / piensvyviai KS, Žin „Milchsaft (Lymphe des Darms während der Nahrungsresorption) (lat. chylus)“ MedŽ 1980: 107 (: pienas + svyai), plaukagyslė „Kapillare“ DK 1908 48 (: plaukas + gysla), ragaplevė „Hornhaut“ VK 1913 120 (: ragas + plėvė). Dieser Terminus ist in der Quelle neben dem Terminus leliukė in Klammern angegeben: „von Krankheiten der Pupille (Hornhaut)“. Hier ist nicht ganz klar, ob ragaplevė als Synonym von leliukės gilt oder ob es sich um Bezeichnungen verschiedener Teile des Auges handelt – der Hornhaut (lat. cornea) und der Pupille (lat. pupilla). Obwohl in den Quellen des untersuchten Zeitraums in Klammern gewöhnlich Synonyme angegeben werden, erscheint in diesem Fall die zweite Interpretation wahrscheinlicher. Hinsichtlich des als erster Bestandteil des Kompositums gewählten Grundsubstantivs ragas lässt sich vermuten, dass diese Wahl durch das lateinische Äquivalent bestimmt worden sein könnte (lateinisch bedeutet cornu „Horn“).
Von den besprochenen Komposita hebt sich auch das Kompositum kaullavoniai „menschliches Skelett“ V 1890 3 38 (: kaulas + lavonas) in anderer Hinsicht ab. Wahrscheinlich sind die Bestandteile dieses Kompositums vertauscht worden, offenbar entweder vom Autor des Artikels selbst oder möglicherweise durch einen Druckfehler, obwohl letztere Vermutung wenig wahrscheinlich ist. Meines Erachtens schließt jedoch weder das eine noch das andere aus. Daher kann auch eine andere Hypothese aufgestellt werden, etwa ob dieses Kompositum nicht aus der Wortverbindung kaulai lavonų entstanden sein könnte, zumal in den Texten des behandelten Zeitraums eine inverse Wortstellung häufig ist, z. B. galvoviršis MTV 1898 und viršugalvis⁹ SK 1905; Žin 1911; Svk 1912–1914, 1920 (Urbutis 1961: 80, 103–104). Diese Vermutung würde auch durch die Informationen im LKŽe gestützt. Nach den Angaben des Wörterbuchs ist in Zeitungen Ostpreußens vom Ende des 19. Jahrhunderts das Kompositum lavonkauliai „Skelett, Gerippe“ belegt: Laukas, pilnas lavonkaulių Kel1881,240. Tekvepia į lavonkaulius, kad jie atgytų Ns1847,2.
Der Terminus narikaulis MTV, BL und seine Arbeitsvariante narykaulis Dž (: narys „Auswuchs, Geschwulst, schmerzhafte Schwellung“ LKŽe + kaulas) ist in den Quellen mit zwei verschiedenen Bedeutungen belegt – einer anatomischen („Drüse“ BL 1904 15, „Wirbel“ Dž 1903 21) und einer klinischen („Nervenknoten; Knoten der Sehnenscheide oder Gelenkkapsel (Ganglion); Geschwulst (Neoplasma); Ansammlung von Fett [Lipoiden] (Atherom); Muskelgeschwulst (Myom)“ MTV 1898 15; MedŽ 1980: 63, 218, 362), während dieses Kompositum im LKŽe nur die Bedeutung „harte Geschwulst an irgendeiner Stelle des Körpers“ hat.
⁹ Es gibt Komposita, deren Bestandteile ihre Plätze vertauschen können, ohne dass sich ihre Bedeutung dadurch verändert. Nach der Feststellung von Pr. Skardžius gibt es in unserer Sprache nur wenige solcher Komposita; sie kommen überwiegend in Dialekten vor oder werden isoliert gebraucht, und ihre Bildung ist recht alt. Somit war galvoviršis wahrscheinlich zunächst galvos viršus, während viršugalvis – viršus galvos war. Dies ist damit zu erklären, dass bestimmte Wortgruppen, bevor sie zu einem Wort wurden, hinsichtlich der Stellung ihrer Bestandteile nicht völlig einheitlich gewesen waren (Skardžius 1996 [1943]: 438).
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Das Verhältnis der Bestandteile des betreffenden Kompositums ist schwer zu beschreiben, und die terminologische und die wortbildnerische Bedeutung sind völlig voneinander entfernt.
Über individuelle, untypische, schwer zu beschreibende oder sogar eindeutig nicht erfassbare Beziehungen zwischen den Bestandteilen von Komposita schrieb der Meister der Wortbildung Vincas Urbutis (Urbutis 1961: 71). Zu solchen Komposita, deren wechselseitigen Zusammenhang der Bestandteile nur schwer zu erklären ist, könnte auch der Terminus padmotai „Schwiele, callositas“ MTV 1898 17 gehören, vgl. rumbuotumas, kietumas (callositas), nuospaudos susidarymas (tyllosis) MedŽ 1980: 86, 562 (: padas + 2 × motas (vgl. 1. szmata) siehe plotas „Stück, Flicken, Fleck“ LKŽe). Aufgrund der neben dem Kompositum in Klammern angegebenen Wortverbindung pado motai lässt sich behaupten, dass seine Bestandteile auf diesen beiden Wörtern beruhen.
Die terminologische Bedeutung des Kompositums šunrauplės (: šuns < šuo + rauplės) ist aus dem Kontext nicht klar: „[Fieber mit Ausschlag] befällt am häufigsten junge Menschen, die Windpocken, šunrauplės und Pocken haben“ SK 1905 56. Der erste Bestandteil šun ist aus dem Substantiv šuo entstanden, hat sich jedoch von ihm entfernt und eine uneigentliche Bedeutung mit abwertendem, verächtlichem Sinn angenommen (Urbutis 1961: 74). Somit könnte šunrauplės „falsche, geringwertige Pocken“ bedeuten.
Besonders zu erwähnen ist das Kompositum pusskritulis „Halbkugel des Großhirns (cerebrum)“ KS 1911 183 (: pusė + skritulys, vgl. 1 pusskritulis „Hälfte eines Kreises“ LKŽe), dessen zweiter Bestandteil den ersten bestimmt, anders als bei den zuvor beschriebenen Komposita.
Die Tendenzen bei der Verbindung der Bestandteile der besprochenen Komposita des Strukturmodells D + D sind in den Tabellen 2 und 3 zu sehen.
TABELLE 2. Verbindung der Bestandteile von Komposita durch Fugenvokale
10 V. Urbutis betrachtet diesen Bestandteil als Präfixoid (Urbutis 1961: 74, siehe auch LKG I 442; DLKG 2005: 152–153).
11 Vgl. šunuotys „Hunds-, d. h. kleine, geringwertige Furunkel“ (Stundžia, Jarmalavičius 2019: 138).
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1.2. Komposita aus Adjektiv und Substantiv. Der erste Bestandteil von Komposita dieses Strukturmodells beruht auf einem Adjektiv, das eine äußere oder innere Eigenschaft des durch den substantivischen zweiten Bestandteil bezeichneten Gegenstands angibt (vgl. LKG I 449; Keinys 2005 [1983]: 150–151).
TABELLE 3. Verteilung der Komposita, deren Bestandteile durch Fugenvokale bzw. ohne Fugenvokale verbunden sind
Strukturmodell | Anzahl der Komposita, deren Bestandteile ohne Fugenvokale verbunden sind | Anzahl der Komposita, deren Bestandteile mit Fugenvokalen verbunden sind D + D | 20 | 30 B + D | 11 | 6 V + D | 8 | 1 P + D | 2 | –
Die größte Gruppe der betreffenden Komposita bilden Bildungen, die als Krankheitsbezeichnungen fungieren. Ihre ersten Bestandteile bezeichnen eine Eigenschaft, die dem durch den zweiten Bestandteil bezeichneten Gegenstand eigen ist, durch die er sich auszeichnet oder charakterisiert ist; die terminologische Bedeutung dieser Komposita weicht mehr oder weniger von der wortbildnerischen Bedeutung ab, z. B.:
geltondrugis „[Krankheit], die durch den Stich einer bestimmten Mückenart übertragen wird, und zwar nur dann, wenn diese Mücke das Blut eines an Malaria erkrankten Menschen aufgenommen hat“ KS 1911 338 (: geltonas + drugys),
pikt-plaukis BGL 1895 18 / piktaplaukis NamG 1907 11 (: 1 piktas 5. „groß, stark; nicht heilend, schmerzhaft“ LKŽe + plaukas). In den Quellen werden die von den Komposita bezeichneten Krankheitssymptome nicht detailliert beschrieben; angegeben werden lediglich die Behandlungsmittel (übrigens fast dieselben, sodass es möglich ist, dass der Autor der späteren Quelle sich auf die frühere Quelle stützte). Aus dem Kontext wird deutlich, dass von einer äußeren Körperwunde die Rede ist, ihre Lokalisation bleibt jedoch unklar. Die Bedeutung des Kompositums wird durch das in BGL angegebene Synonym čėrt-plaukis klarer, vgl. xčertplaukis siehe xčertaplaukis 2. „Panaritium“ LKŽe. Auf Grundlage dieser Information lässt sich daher behaupten, dass die terminologische Bedeutung des Kompositums „Eitergeschwür am Fingerende (unter dem Nagel), Panaritium (Panaritium)“ LKŽe ist,
plikakatis „Kahlheit (calvities, phalakrosis)“ MTV 1898 21 (: plikas + kakta). Im LKŽe ist dieses Wort nur mit der Bedeutung „jemand, der eine kahle Stelle hat“ belegt. Der zweite Bestandteil des Kompositums bezeichnet einen Körperteil (die Stirn), während das Kompositum selbst als Krankheitsbezeichnung fungiert,
negaliu smarkiai bėgti („ich kann nicht schnell laufen“ (Salantai, Landkreis Kretinga)). Man oro trūksta, tokia trumpa dvasia („Mir fehlt die Luft, so kurz ist der Atem“ (Baisogala, Landkreis Radviliškis)). Trumpos dvasios esu, mun vis sunkumas ant širdies („Ich habe einen kurzen Atem, mir liegt ständig eine Schwere auf dem Herzen“ (Palanga)). Das Kompositum in LPr könnte zweifellos auch „schwache, geringe Atmung“ bedeuten, doch die in dieser Quelle verwendete zusammengesetzte Bezeichnung trumpa dvasia bedeutet „Asthma“, was darauf schließen lässt, dass auch die Bedeutung des Kompositums dieselbe sein könnte.
Bei einer anderen Gruppe von Komposita bezeichnet der zweite Bestandteil meist einen Körperteil oder ein Organ (den Gattungsbegriff), während das Kompositum ebenfalls als Bezeichnung eines Körperteils oder Organs fungiert (den Artbegriff), z. B.:
gyvaplaukis „menschliches HautHärchen“ SK 1905 42; KS 1911 51 „Darmzotte“ / gyvplaukis „menschliches HautHärchen“ Ž 1909 2 14; Svk 1914 4 13 (: gyvas + plaukas). Dieses Kompositum wurde in Texten zur Medizin und Gesundheit in zwei Bedeutungen verwendet, und nur eine Bedeutung ist im LKŽe belegt: gyvaplaukis 1. „menschliches HautHärchen (gewöhnlich an Armen und Beinen)“ LKŽe), glitodė „Schleimhaut“ Svk 1914 1 1 (: glitus 1. „schleimig; glatt“ LKŽe + oda), glitplėvė „Schleimhaut“ A 1915 32 418 (: glitus 1. „schleimig; glatt“ LKŽe + plėvė), pasturrukė „Afteröffnung“ BL 1904 16 (: pasturas 2. siehe pastaras 6. „hinterer“ + rukė „Austrittsöffnung“ LKŽe), plonagyslė / plongyslė „Kapillare“ DK 1908 4 (: plonas + gysla), slidžiaodė „Schleimhaut“ ŽD 1913 5 (: slidus + oda), storžarnė KS 1911 54 / storžarnė SŽK 1902 90 „Dickdarm (colon)“ LKŽe (: storas + žarna), tuštviduriai „Haarschaft (scapus pili)“ S 1907 282; MedŽ 1980: 493 (: tuštas 1. siehe tuščias 4. „in dem nichts ist, der leer, unbewohnt ist“ LKŽe + viduriai).
Wie die Beispiele zeigen, bilden meist nichtabgeleitete Substantive die Grundlage der zweiten Bestandteile; es kommt jedoch ein Kompositum vor, dessen zweiter Bestandteil eine komplexere Struktur aufweist. Dies ist das singuläre, untypisch gebildete Kompositum baltkraujigė „bei dieser Krankheit entstehen im menschlichen Blut so viele weiße Blutkörperchen, dass das Blut bald die Farbe von Milch annimmt“, Leukämie“ GŽK 1902 27 (: baltas + krauligė siehe krauligė 2. „Blutkrankheit“ LKŽe). Der zweite Bestandteil dieses Kompositums ist das Kompositum krauligė mit einem verkürzten Stamm des Grundworts des ersten Bestandteils.
Die Verbindungsweisen der Bestandteile des betreffenden Strukturmodells der Komposita und ihre quantitative Verteilung sind in den Tabellen 2 und 3 zu sehen.
1.3. Komposita aus einer Verbform und einem Substantiv. Die Komposita dieses Strukturmodells fungieren meist als Bezeichnungen abstrakter Bedeutungen. Die meisten terminologischen Komposita, bei denen der erste Bestandteil eine Eigenschaft des durch den zweiten, wiederkehrenden Bestandteil bezeichneten Gegenstands angibt, bezeichnen Krankheiten; solche Komposita mit demselben zweiten Bestandteil bilden eine Gruppe von Artbezeichnungen, z. B.: blyšktiligė „Anämie“ DMS 1912 34 (: blykšt–antis, blykšt–amas < blykšti „weiß werden (gewöhnlich vom Gesicht)“ LKŽe + liga). Eine andere Möglichkeit für die Grundlage des ersten
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Bestandteils ist nicht auszuschließen – dieser Bestandteil könnte auch auf dem Adjektiv blyšktus beruhen, siehe blyškus „blass, verblasst, mit hellem Farbton“ LKŽe,
dilginligė „Nesselsucht (urticaria)“ „Schon der Krankheitsname selbst sagt, dass bei dieser Krankheit der Ausschlag völlig dem Ausschlag ähnelt, der auf der Haut entsteht, wenn man sich an einer Brennnessel brennt“ NG 1908 29 (: dilgin-antis < dilginti 1. „ein Brennen verursachen (mit einer Brennnessel)“ + liga / dilgynė „Brennnessel“ LKŽe + liga),
kriokligė „Diphtherie“ LUK 1886 46 / krioklige Nom. Sg. „Diphtherie“ VL 1890 274; 1890 286 / kriokliga U 1890 4 5 „Diphtherie“ U 1892 8 294 (: kriok-iantis, kriok-iamas < 1 kriokti 3. „schwer atmen, röcheln, keuchen“, 7. „husten“ LKŽe + liga). In allen genannten Quellen wird mit diesem variierenden Terminus dieselbe Krankheit bezeichnet – Diphtherie. In der chronologisch spätesten der hier genannten Quellen findet sich sogar eine Erklärung dafür, warum diese Krankheit so genannt wird: „Der Schmerz vom Gaumen geht auf den Hals über. Dadurch verändert sich die Stimme, der Kranke wird heiser, dann beginnt er schwer zu atmen und zu röcheln (daher kriokligė)“ U 1892 8 294,
siutalige V 1890 10 153 / siutlige „Tollwutkrankheit, Tollwut“ V 1891 4 54; VL 1891 10 115 (: siunt-antis < siusti 1. „an Tollwut erkrankt sein“, siutas „Tollwut“, siutus „toll, rasend“ LKŽe + liga). Die Grundlage des ersten Bestandteils dieses Kompositums erscheint am mehrdeutigsten. Erstens kann er mit dem Präteritumstamm des Verbs siut- verbunden werden; dennoch ist ein Zusammenhang mit der finiten Form wenig wahrscheinlich, da eine viel engere Beziehung zum Partizip Aktiv siuntantis („eine Tollwut verursachende Krankheit“) zu bestehen scheint. Zweitens lässt sich auch ein Zusammenhang mit dem Substantiv siutas („Tollwutkrankheit“) erkennen oder drittens sogar mit dem Adjektiv siutus („tolle Krankheit“). Die zweite Deutung des Zusammenhangs des ersten Bestandteils mit dem Substantiv siutas lässt sich durch die Übereinstimmung des Fugenvokals mit dem Stammvokal begründen,
skaudligė „Rheumatismus“ SŽL 1886 30 / skaudligė „Rheumatismus“ SŽL 1906 28 (: skaud-antis, skaud-amas < skaud-ėti, skaudą „Schmerz“, skaudus 1. „schmerzend, schmerzhaft“, 2. „Schmerz verursachend“ LKŽe + liga). Ebenso ist der Zusammenhang der Grundlage des ersten Bestandteils dieses Kompositums zu beurteilen. Dieser Bestandteil könnte sowohl auf einem Partizip (hier ist sowohl ein Partizip Aktiv als auch ein Partizip Passiv möglich) („schmerzende, schmerzende Krankheit“) als auch auf dem Substantiv skauda („Schmerzkrankheit“) oder auf dem Adjektiv skaudus („schmerzhafte Krankheit“) beruhen.
Von den besprochenen terminologischen Komposita ist nur bei dilginligės und kriokligės die Grundlage der ersten Bestandteile klar – sie beruhen auf Partizipien, sehr wahrscheinlich auf Partizipien Aktiv; bei den übrigen Komposita könnte man über die Grundlage des betreffenden Bestandteils noch streiten.
Die ersten Bestandteile der drei übrigen Komposita, die nicht zur beschriebenen Gruppe der Artbezeichnungen gehören, geben ebenfalls eine Eigenschaft des durch den zweiten Bestandteil bezeichneten Gegenstands an; doch bezeichnen nur zwei von ihnen Krankheiten, während eines als Bezeichnung eines Organteils fungiert, z. B.:
dilginraupiai „dilginraupiai“ (siehe dilgiaraupiai, S. 6) SK 1905 22 (: dilgina, dilgino < dilginti 1. „ein Brennen verursachen (mit einer Brennnessel)“ LKŽe + raupai),
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siurbglislė „Darmzotte“ S 1907 245 (: siurbia, siurbė < siurbti + gysla). Der erste Bestandteil dieses Kompositums bezeichnet wahrscheinlich die Funktion, die der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand ausübt; die wortbildnerische Bedeutung des Kompositums ist somit „ein Gefäß, das Nährstoffe in das Blut saugt“,
traukipirdė „Krampf des Mastdarms (proctospasmus)“ MTV 1898 37 (: traukia, traukė < traukti 26. „über ein schmerzhaftes Ziehen- oder Krampfgefühl in Muskeln oder Gefäßen“ + pirdė 1. „Hinterteil, Gesäß“ oder pirda „lautes Entweichen von Darmgasen“ LKŽe). So wird die durch dieses Kompositum bezeichnete Krankheit beschrieben: „Diese Krankheit entsteht nach langem Sitzen, [...] der Unterbauch und das Ende des Bauches beginnen zu schmerzen; nach einer Stunde befällt den Darm ein Schmerz, der wie ein Ball durch den ganzen Bauch zu rollen beginnt, wie eine Katze, die miaut. Und wenn man zu gehen beginnt, [...] beginnt aus dem Darm Luft zu entweichen und man lässt Winde ab“.
Die Grundlage der ersten Bestandteile der letztgenannten Komposita erscheint nicht problematisch – ihr Zusammenhang mit einer Verbform ist offensichtlich, vermutlich ebenfalls mit einem Partizip Aktiv.
Wie die Bestandteile der Komposita des Strukturmodells V + D verbunden sind, ist in den Tabellen 2 und 3 dargestellt.
1.4. Komposita aus Präposition und Substantiv.
Es fanden sich nur zwei Komposita dieses Strukturmodells. Obwohl beide im LKŽe belegt sind, sind sie insofern interessant, als sie in den Quellen mit anderen Bedeutungen verwendet werden als den im Wörterbuch angegebenen:
tarppnosis „Nasenloch“ SK 1905 15 (: tarp / tarpas + 1 nosis 2. „Nasenhöhle, Nasenöffnung“ LKŽe), vgl. tarpnosis „Raum zwischen den Augenbrauen“ LKŽe, tarpsienis „ryjamoji stemplė [...] guli gangreit visa krūtinėje, bet paskui perduria tarpsienį (der Speiseröhre) und tritt in den unteren hohlen Körperteil ein, wo sie sich mit dem Bauch verbindet“ GŽK 1902 20, vgl. „[Die Speiseröhre] steigt vor der Wirbelsäule ab in das obere und untere hintere Mediastinum, durchdringt das Zwerchfell und [...] endet im Magen“ ŽA 2005: 169 (: tarp / tarpas + siena), vgl. tarpsienis 2. „innere Wand eines Raumes, Trennwand, Zwischenwand“ LKŽe.
Die wortbildnerische Bedeutung dieser Bildungen unterscheidet sich von der terminologischen Bedeutung – beide terminologischen Komposita bezeichnen Organe verschiedener Organsysteme.
Übrigens kann der Zusammenhang des ersten Bestandteils dieser Komposita auf zweierlei Weise erklärt werden. Einerseits könnte man ihren wiederkehrenden ersten Bestandteil mit der Präposition tarp verbinden. In diesem Fall wäre das Strukturmodell der Komposita Präposition + Substantiv. Andererseits kann der erste Bestandteil auch mit dem Substantiv tarpas verbunden werden (vgl. Urbutis 1961: 103). Dann wäre das Strukturmodell dieser Komposita Substantiv + Substantiv. V. Urbutis scheint jedoch eher geneigt zu sein, den betreffenden Bestandteil mit der Präposition tarp zu verbinden. So betrachtet er bei Komposita, deren zweiter Bestandteil einen Körperteil oder ein Organ bezeichnet, den ersten Bestandteil als Präposition mit lokaler Bedeutung (siehe Urbutis 1961: 104).
¹² In diesem und im vorangehenden Satz ist der Text von der Autorin des Artikels – P. Z. – kursiv gesetzt.
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SCHLUSSFOLGERUNGEN
In medizinischen und gesundheitsbezogenen Publikationen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden 72 determinative medizinische Komposita mit substantivischem zweitem Bestandteil gefunden, die im LKŽe nicht enthalten sind oder deren medizinische Bedeutungen im Wörterbuch nicht verzeichnet sind.
Für sie sind vier Strukturmodelle charakteristisch – D + D, B + D, V + D und P + D –, die hinsichtlich ihrer Produktivität den Tendenzen der Kompositabildung bei Termini und auch bei Wörtern der heutigen litauischen Sprache entsprechen.
Am häufigsten und somit am produktivsten sind Komposita, deren beide Bestandteile Substantive sind (67% aller untersuchten Beispiele). Fast fünfmal weniger Komposita haben ein Adjektiv als ersten Bestandteil (19%), während Komposita mit einer Verbform bzw. einer Präposition als erstem Bestandteil sehr selten sind (entsprechend 11% und 3%). Die Zuordnung mancher Komposita zu einem der genannten Modelle kann mehrdeutig beurteilt werden; d. h., der Zusammenhang ihrer Bestandteile mit der einen oder anderen Wortart kann auf zwei oder sogar drei Arten erklärt werden.
Bei der Mehrheit der Komposita sind die Grundlagen ihrer Bestandteile und deren Verhältnis durchsichtig, und die terminologischen Bedeutungen lassen sich leicht identifizieren – sie stimmen ungefähr mit den wortbildnerischen Bedeutungen überein, auch wenn diese Übereinstimmung bisweilen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Wenn sie weniger deutlich ist, hilft der Gebrauchskontext. Mit Komposita werden gewöhnlich grundlegende medizinische Begriffe bezeichnet, d. h. sie fungieren als Bezeichnungen von Körperteilen und Organen sowie Krankheiten; es gibt jedoch einzelne Komposita, deren Bestandteilverhältnis schwer zu bestimmen und deren Wahl der Grundwörter schwer eindeutig zu begründen ist, sodass ihre Bedeutung nur vermutet werden kann oder überhaupt nicht ermittelt werden konnte.
Bei den ersten Bestandteilen der Komposita des Strukturmodells D + D werden am häufigsten Zugehörigkeit (zu welchem Körperteil oder Organ der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand gehört) und der Artbegriff angegeben, seltener ein Merkmal (durch welchen vorhandenen Gegenstand sich der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand auszeichnet), eine Bestimmung (wofür der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand geeignet ist) und Ähnlichkeit (wem oder was der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand ähnelt).
Die ersten Bestandteile der Komposita der Strukturmodelle B + D und V + D geben überwiegend eine Eigenschaft an, durch die sich der durch den zweiten Bestandteil bezeichnete Gegenstand auszeichnet.
Es wurde festgestellt, dass die Bestandteile der Komposita des Strukturmodells D + D häufiger durch Fugenvokale verbunden sind (vorherrschend ist der Vokal –a–) als ohne sie (Verhältnis der Komposita 31 zu 20); bei den Komposita der Strukturmodelle B + D, V + D und P + D dagegen werden beide Bestandteile überwiegend ohne Fugenvokale verbunden (Verhältnis der Komposita 10 zu 6, 7 zu 1, 2 zu 0).
Die Untersuchung zeigte, dass unter den Substantiven, die als zweite Bestandteile von Komposita auftreten, -ligė / -liga der aktivste Bestandteil zur Bildung einer Gruppe von Arttermini ist.
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ŠALTINIAI
KNYGOS IR KNYGELĖS
BL – Apie blogąją ligą arba syfilį (prancus), pagal d-ro M. Členovo veikalėlį sutaise d-ras A. V., Tilžėje, 1904.
BGL – Būdai gydymo nekur(i)ų ligų, išleido Sveiklinkis dėl pagalbos savo brolems lietuviams, 1-oji laida, Tilžėje, 1895.
DK – Daktaras kiseniuje: aiškūs pamokinimai kaip užlaikyti sveikatą ir kaip nuo ligų apsiginti, su daugeliu receptų surinktų nuo geriausių daktarų, sutaise M. Paltanavičia, Worcester, Mass: spausdinta spaustuvėje M. Paltanavičiaus, 1908.
DMS – Daktaras bei mokslas apie sveikatą: naujausia knyga, Philadelphia, Pa.: išleido The Philadelphia Medical clinic, 1912.
DN – Daktaras namuose, arba, Aprašymas ligu ir ju gydymas, pagal daktarus Basanavičiu, Vileizsi, collins, Stout ir daugelį kitu sutaise K. W. Gedeminas, So. Boston, Mass.: [išleid. ir] spauda Gedemino ir Mickevičiaus, 1906.
Dž – Dr. Knopf Siegmund A.: Džiova ir kova su ja: populiariškas konkursinis darbas, apdovanotas ant kongreso Berlyne (24–27 geg. 1899 m.), susirinkusio apsvarstyti kovos įrankius su džiova, sutaise D-ras A. V., Tilžėje, 1903.
GŽK – Kaip apsireiškia gyvastis žmogaus kune? Sutaise pagal Lunkevyčių D-ras A. V., Tilžė, 1902.
KS – Sveikata, arba, Tiesus ir trumpas kelias į sveikatą, sutaise dr. A. L. Graičunas, Chicago, Ill, 1911.
LPr – Ligonių Prietelius. Kelrodys visiems tiems, kurie prie atsirandančių Ligų patys sau pirmąją Pagalbą prisiteikti nor ir tai Progai geras Namų Pyprowas įsiteikti uelėjęs, Friedrich Adolph Richter, Leipcikėj’ Rikterio Iszleidimo Įtaisymas (Drukawotos prie F. Ad. Richter & Draugai, Rudolstadt), 1883.
MTV – Medega musu tautiszkai vaistinykystai, parupino Dr. J. Basanavicius, atspauda isz „Dirvos“, Shenandoah, Pa, 1898.
NamG – Naminis gydytojis, parašė A. Aitvaras, Ryga: lesos A. Macejevskio, [i.e. 1906] (Ryga: H. Hempel ir ko), 1907.
NG – Naminis gydytojas: Trumpas aprašymas prasčiausių ligų ir prasčiausių vaistų kovoje su jomis: D. 1. Apie žmonių ligas ir jų gydymą, sutaise D-rs A. Vileišis, Seinai, 1908.
NotGyd – Isz dyka suglaudimas isz Dr. Airy’o „Noturôs-gydymo-mokinimo“, arba Isztikimas privedimas, pagal kurį tankiausey prie žmonių atsirantanczias ligas per prastas
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bey permegotas priprovas tvirtay bey greitay pats gali gydyti: su daugeropais į raszto zōdzius įdrukawotas ž́mogaus, senarū dalykeliu abrozais, perdirbtas Dr. Adolpo Richterio, kuriai yra Ricerys portogyziško Kristaus=garbės=zenklo bey tuneziseziszko niszan istikar zenklo apturetojis ricerijų= kryziaus bey auksinės wertybės=medalijos nu gan maryno draugsanaris auksz taymokitu draugyscziū Paryzuze bey Neapolyje irtoliaus, Leipzig: [s.n.], 1879 ([Rudolstadt: drukawotas pas F. Ad. Richter & Draugai, Rudolstadt]).
S – Sveikata, iš vokiečių kalbos vertė kunigas J. Gerutis [Jonas Balvočius], Kaunas, 1907.
SŽK – Kaip sutaisytas žmogaus kūnas, parašė S. M., Plymouth: Pa, 1902.
SŽL – Svarbiausios žmonių ligos, Petro Nėrio, Tilžėje, 1886.
SŽL – Svarbiausios žmonių ligos, Dr. Mikols, Tilžėje, 1906.
ŽD – Kas reikia žinoti apie džiovą, iš vokiečių kalbos vertė D-ras Bagdonavičius, Vilnius, 1913.
Žin – Žinynas: knyga žinių iš mitologijos, historijos, etnografijos, astronomijos, aritmetikos, medicinos ir kitų mokslų bei jų šakų / iš įvairių šaltinių surinko J. Laukis [Domininkas Keliauninkas], Chicago, Ill.: „Aušros“ knygynas, (Chicago, Ill.: „Lietuvos“ spauda), 1911.
AV – Anatomijos vardynas [elektroninis išteklius], aut. R. Stropus, N. Paužienė, D. H. Pauža, J. Tutkuvienė, E. M. Jakimavičienė, P. Zemlevičiūtė, Kaunas: Lietuvos sveikatos mokslų universiteto Leidybos namai, 2020.
Buivydienė Vaida, Rutkienė Lina 2016: Dabartinės technikos mokslų kalbos leksikos hibridizacija. – Baltų filologija 25(1), 5–19. Prieiga internete: https://dspace.lu.lv/dspace/bitstream/handle/7/38317/Baltu_Filologija_25_1.pdf?sequence=1#page=5.
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On Certain Determinative Medical Compound Terms of Late 19th – Early 20th Century with Noun as the Second Component
SUMMARY
The article addresses the determinative compound terms from the medical and healthcare publications of the late 19th and early 20th century with the noun as the second component, which do not appear in The Dictionary of the Lithuanian Language or their medical meanings are not recorded in the dictionary; it discusses their structural models and attempts to find out what is designated by compound terms, what meanings are conveyed by their first components, in what ways the components are combined; it also considers the problematic questions of relationship between components, the choice of base words, etc.
A total of 72 compound terms demonstrating D + D, B + D, V + D ir P + D structural models and responding to the compounding tendencies apparent in the terms and words of Modern Lithuanian were identified in the study.
Most compound terms have nouns as their both components (67% of the examples). There are nearly five times less compounds featuring the adjective as the first component
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(19%), whereas the compounds with the verb and the preposition as the first component are very rare (11% and 3% respectively). The attribution of certain compounds to one of the above models may be rather ambiguous.
The base word of most of the components and their relationship are transparent, whereas their terminological meanings are easy to identify as they roughly coincide with their word-formation meanings. When the coincidence is not so pronounced, the context of usage is of help. Compounds denote body parts, organs and diseases. The relationship between components is difficult to identify and the choice of their base words is difficult to substantiate in isolated cases only.
As a rule, the first components of the D + D structural model express belonging (to which body part or organ the thing expressed by the second component belongs to) and the concept of type/kind; less commonly, it designates a feature (what makes the thing expressed by the second component distinct from others), purpose (what movement the thing expressed by the second component is intended for) and similarity (what the thing expressed by the second component is similar to).
The first components of compounds featuring the B + D and V + D structural models mostly designate a feature characteristic of the thing expressed by the second component.
The components of compounds which fall to the D + D structural model are more commonly combined by means of linking vowels (with the vowel –a– taking the lead) than without them (proportion 31:20), whereas in the case of the B + D, V + D and P + D structural models, on the contrary, both components are usually combined without linking vowels (proportions 10: 6, 7: 1, 2: 0).
The study revealed that out of all the nouns used as the second component of compound terms, –ligė / –liga is the most active component in forming the group of terms expressing type/kind.