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Institut für Litauische Sprache
DER NAME SALANTAI IN ZWEI TAUFREGISTERBÜCHERN DES 17. JAHRHUNDERTS
In der Literatur wird erwähnt, dass Salantai früher Skilandžiai genannt wurde. Bei der Schilderung der Vergangenheit von Salantai hat Motiejus Valančius dies wiederholt in Erinnerung gerufen. In Antanas Tretininkas’ Erzählung „Der Kampf bei der Burg von Salantai“ heißt es: „Von Kretinga nach Salantai, damals Skilandžiai genannt, gab es keine befestigte Straße“ (R I 384). In der Bistumsgeschichte Samogitiens steht, dass „Mikalojus Pasanauskis 1630 in Skilandžiai, oder Salantai, eine Holzkirche errichtet habe“ (R II 116). Unter den heute weithin bekannten Veröffentlichungen erinnern Enzyklopädien an den alten Namen von Salantai, Skilandžiai. Der Salantai gewidmete Artikel in der Bostoner Litauischen Enzyklopädie beginnt entsprechend: „Salantai, früher Skilandžiai...“ (LE XXVI 326); anschließend heißt es nochmals: „Anfangs wurde der Ort Skilandžiai genannt“ (ebd., 327). Auch in der Enzyklopädie Sowjetlitauens steht, dass „Salantai an der Stelle des Dorfes Skilandžiai entstand“ (TLE III 614). Auch das Jahr der Namensänderung wird angegeben: „Der Ort begann 1638, Salantai genannt zu werden.“ Worauf diese Behauptung beruht, wird nicht gesagt.
Den doppelten Namen Salantais, den Wandel von Skilandžiai zu Salantais und die Durchsetzung der Bezeichnung Salantai belegen am besten die Taufregisterbücher der Kirche von Salantai aus dem 17. Jahrhundert (1631–1640 und 1641–1659). Sie bestätigen die zitierten Aussagen zum Namen Salantai – mit Ausnahme der Behauptung, der Ort sei ab 1638 Salantai genannt worden.
SKILANDŽIAI UND SALANTAI IN DEN EINTRÄGEN VON 1631–1640
Das alte Ortsnamens und dessen Änderung belegt das Taufregisterbuch der Jahre 1631–1640. Auf seiner ersten Seite steht als Haupttitel (einige Buchstaben sind inzwischen verblasst): Metrica sive registrum baptizatorum ecclesiae Skitandensis; darunter wurde in kleineren Buchstaben erläuternd hinzugefügt: Salanty od r. 1631 do roku 1640 (eine ähnliche Aufschrift, Chrztu Salanty od r. 1631 do r. 1640, ist auf den Buchdeckel geklebt). Das Buch wird in der Handschriftenabteilung der Martynas-Mažvydas-Bibliothek aufbewahrt.
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Page 2In den Einträgen des Buches von 1631 bis einschließlich 1639 lautet der Ortsname Skilandžiai, doch wird er nach den Rechtschreibprinzipien des Polnischen und mit der polnischen Endung -ie geschrieben. Die Schreibweise ist jedoch uneinheitlich und inkonsequent; es sind zahlreiche Varianten verzeichnet. Am stärksten schwankt die Schreibung des Konsonanten „ł“ und des Diphthongs „an“. Der Konsonant „ł“ wird meist mit dem Buchstaben samt Härtezeichen wiedergegeben – ł –, seltener (aber keineswegs selten) mit dem einfachen Buchstaben l. Es gibt Schreibungen mit zwei l-Buchstaben, die ebenfalls teils einfach (ll), teils mit Härtezeichen geschrieben werden (łł). Der Diphthong „an“ wird meist als qn geschrieben, aber häufig auch als an; mitunter finden sich Schreibungen mit on und sogar mit un. Auch die Schreibung der ersten Silbe weicht ab: Neben dem üblichen Ski- kommen auch Sky- und sogar Skie- vor. So sieht die ganze Vielfalt der Schreibungen aus: Skiląndzie, Skiląndzie, Skilandzie, Skilandzie, Skilląndzie, Skilląndzie, Skillandzie, Skilondzie, Skielondzie. Diese Nominativformen werden nach der Präposition de – de Skiląndzie, de Skilandzie usw. verwendet; daneben kommen polnische Genitivformen vor, die an die Präposition angepasst sind: de Skiląndz, de Skilląndz, de Skylląndz, de Skillundz, sowie Formen mit der Endung -ow – de Skillandziow.
Da der Name Skilandžiai nicht weiter verbreitet war und keine Tradition hatte, lässt sich diese Vielfalt der Schreibungen nachvollziehen und zum Teil rechtfertigen. Es gab jedoch auch wirklich sonderbare und unverständliche Schreibweisen. Eine Zeit lang (im Jahr 1635) finden sich Einträge, in denen der Herkunftsort der Eltern und Paten mit Varianten einer Singularform angegeben wird (geschrieben mit einfachem l): Skiląndis, Skilandis, Skylląndis, Skiląndzis: Christophorus Aleknaytis Skiląndis, Christophorus Kripaytis Skylląndis, Stanislay Jocubaytis Skiląndzis. Wenn Skilandis oder eine Variante davon nach dem Familiennamen steht, kann es nicht als Familienname gelten; es bleibt nur, es als Ortsangabe zu verstehen. Da außerdem keine Präposition de vorangestellt ist, sind diese Formen als Beifügungen zu betrachten, ähnlich dem Adjektiv skilandiškis: Kristupą Aleknaitį Skilandį lässt sich verstehen als Aleknaitį sklandiškį.
In den Einträgen aus diesem Zeitraum gibt es ähnliche Ableitungen auch von anderen Ortsnamen: Petrus Butkaytis Notenis – Petras Butkaitis noteniškis; Georgiy Wisgaudaytis Gruszlaukis – Jurgis Visgaudaitis grūšlaukiškis; ferner Orlianis, Klausgaylis, Tuzis, Imboris und andere, vgl. erleniškis, klausgalviškis, tuziškis, imbariškis. Sie werden sogar nach Frauennamen angefügt – Agnes Wallentinayte Kumpikis – oder auf Mann und Frau zugleich bezogen – Petrus Jucaitis et Anna Žeymis. Grammatisch stimmen sie hier nicht mit den Familiennamen überein; man kann jedoch verstehen: Agnė Valentinaitė kumpikiškė, Petras und Ona Jucaičiai žeimiškiai.
Bei einigen Einträgen aus dem Jahr 1640 steht vor der Singularform Skilandžio der Buchstabe e, der vermutlich eine Kurzform der Präposition ex darstellt. In einem dieser Einträge (April)
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Page 3Die Eltern des Kindes sind eingetragen als: Nicolao Petrauskaytis et Catharina Gustaite e Skielundis. Hier lässt sich die Singularform als Ortsname verstehen – aus Skilandžio. Es gibt einen Eintrag aus dem Jahr 1635, bei dem nicht nur die morphologische Bedeutung des Ortsnamens schwer verständlich ist, sondern auch das Wort selbst. Eine solche Ortsangabe findet sich einmal im August Shallton: Es heißt, dass das Kind von Christophory Jankiewicz Commendary Shallton getauft wurde, der Taufpate des Kindes Georgius Zebitis Shallton war und das Kind der Sohn von Christophori Cripa Shalltondis. Man muss annehmen, dass das Kind vom Kämmerer von Salantai getauft wurde; demnach müsste Shallton Salantūs bedeuten. Vielleicht ist hier ein Teil von Salantų oder Salanto als Salon wiedergegeben? Shalltondis sieht dagegen wie ein Hybrid aus den Wörtern Salantai (oder Salantas) und Skilandis aus.
Skilandžiai wurde im März-Eintrag des Jahres 1636 erstmals als Stadt bezeichnet: Die Eltern des Kindes, Jakutaitis und Grigalaitė, sind als de Skiląndzie eingetragen – aus Skilandžių; der Taufpate Aidukas (Ayduk) ist als de oppido verzeichnet. Ein Ortsname fehlt, doch ist zu verstehen, dass dieses „oppidum“, also die Stadt, Skilandžiai ist. Ein Jahr später, im März-Eintrag von 1637, werden bereits sowohl die Stadt als auch ihr Name zusammen genannt – de oppido Skilandzie, de oppido Skiląndziow.
Noch einmal sei darauf hingewiesen, dass in den Einträgen der Jahre 1638 und 1639 Salantų noch nicht vorkommt, wie auch zuvor ausschließlich Skilandžiai belegt ist. Die Vielfalt der Schreibungen nahm jedoch ab: Varianten mit zwei l verschwanden, während Formen mit einfachem und mit hartem l (ł) miteinander konkurrieren. Ebenso konkurrieren Formen mit qn und an (Varianten mit on sind nicht mehr zu sehen).
Der neue Stadtname Salantai erscheint im Buch im Jahr 1640 (die ersten Einträge stammen aus dem März). Die Schreibweisen sind unterschiedlich, aber nicht so vielfältig wie bei Skilandžių: ein l, einfach oder mit einem Härtungszeichen (ł); der Diphthong wird mit qn oder an wiedergegeben. Neu ist ein am Wortende geschriebener Buchstabe j ähnliches Zeichen; gelegentlich steht eindeutig y. Die häufigsten Schreibungen sind: mit einfachem l und qn – Salantj – oder mit gehärtetem (ł) und einfachem Diphthong an – Salantj. Vor dem Ortsnamen steht gewöhnlich nur die Präposition de – de Salantj, doch gibt es auch Belege mit de oppido – de oppido Saląntj, de oppido Salanty.
Salantai werden in den Einträgen aus dem Jahr 1640 nicht mehr als Skilandžiais bezeichnet, doch es gibt Personennamen mit dieser Wurzel: Skilandaitis und Skilandienė. Skilandaitis ist aus mehreren Orten verzeichnet, und am 18. März sind die Eltern des Kindes eingetragen: Joannes Skiląndaitis et Hedvigis de Salantj; die dritte Taufzeugin ist Hedvigis Skiląndziene (ihr Herkunftsort ist nicht verzeichnet; man kann annehmen, dass sie ebenfalls von dort stammt). Die Stadt der Skilandžiai ist zu Salantais geworden, während die Einwohner blieben, wie sie waren – Skilandžiai.
Insgesamt zeigen die Einträge aus den Jahren 1631–1640 die Vielfalt des Gebrauchs von Skilandžių und ein Gesamtbild des Übergangs von Skilandžių zu Salantų. Wie sich Salantai durchsetzte und wie sich seine Formen wandelten, geht aus dem Kirchenbuch der Jahre 1641–1659 hervor.
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Page 4DER NAME SALANTŲ IM TAUFEINTRAGUNGSBUCH 1641–1659
Dieses Taufregister wird im Archiv der Kirche von Salantai aufbewahrt und trägt den Titel Salantensis Bapt.: Ab Anno 1641 Ad 1659 – so lautet der Eintrag auf seinem Einband. Daraus (und aus den Einträgen im Buch) geht hervor, dass dieser Ort seit 1641 offiziell den Namen Salantų trägt.
Den lesbaren Namen Salantų finden wir im Buch in den Einträgen für den Mai 1641 (die vorherigen sind unleserlich). Am 19. Mai wurde der Taufpate als de oppido Saląnty – aus der Stadt Salantai eingetragen; am 24. Mai waren die Eltern des Kindes de oppido Saląnty, die Taufpaten de Saląntj. Warum es zwei Schreibweisen gibt und worin sie sich in ihrer Bedeutung unterscheiden, ist schwer zu sagen.
Unklar ist auch eine weitere Doppelheit: An einer Stelle ist der Name Salantų mit der deutlich erkennbaren polnischen Endung -y geschrieben, an einer anderen ist die Endung unklar und ähnelt dem Buchstaben j (dieser kann den Laut „i“ oder ein Kürzungszeichen darstellen). Auch der Laut „l“ wird auf zwei Arten wiedergegeben: einmal mit dem einfachen Buchstaben l, ein anderes Mal mit einem Härtezeichen – ł. Diese Varianten werden eindeutig willkürlich und ohne Bedeutungsunterschied verwendet; daher wird ihre Schreibweise hier nicht berücksichtigt und überall das einfache l geschrieben. Eine doppelte, nun aber klare Bedeutung hat die Schreibung dieses Namens mit der ungewöhnlichen Buchstabenfolge ąn: Sie ermöglicht zwei Lesarten – man kann das Nasalzeichen außer Acht lassen und den Namen gemäß den Normen der Schriftsprache als Salantai lesen, oder den Buchstaben n auslassen und ihn unter Berücksichtigung der polnischen Orthografie auf Samogitisch als Salontā (Salontai) lesen.
Der Name Salantų wird auch in den Einträgen aus dem Jahr 1642 uneinheitlich geschrieben – an einer Stelle de Saląnty, an einer anderen de oppido Saląnty. Es gibt jedoch einige Stellen, an denen bei den Taufpaten nur ein allgemeiner Hinweis de Oppido vermerkt ist und der Name Salantų überhaupt nicht erwähnt wird. Aus einer solchen Schreibweise lässt sich schließen, dass ohnehin klar ist, worum es sich handelt.
Etwas anders sind die Einträge vom Ende des Jahres 1642 (November und Dezember), die von einer anderen Person, in einer anderen Handschrift und offenbar in einer durchdachteren Ordnung geschrieben wurden. Hier kommt der Name Salantų nie ohne den allgemeinen Hinweis vor (de Saląnty); überall steht er mit der Abkürzung des Hinweises opp. oder oppd.. Danach ist der Name Salantų stets abgekürzt; die Kürzung ist überall durch ein Kürzungszeichen markiert (hier kennzeichnen wir es mit °) – de oppd. Saląnt°.
Es stellt sich die Frage: Welche Endung wurde hier weggelassen und warum? Vergleichen wir die Schreibweisen de oppido Saląnty und de oppd. Saląnt°, sehen wir, dass die Endung -y fehlt, die der litauischen Endung -ai in Salantų entspricht. Somit lässt sich oppd. Saląnt° ebenso verstehen wie oppd. Saląnty – als Stadt Salantai oder als Stadt Salantų.
Doch die mit weggelassener Endung geschriebene Form Saląnt° lässt hier eine weggelassene Singularendung vermuten und den Stadtnamen mit dem Flussnamen Salantas oder seiner mundartlichen Form Salonts in Verbindung bringen. Daher lässt sich aus dem Eintrag oppd. Saląnt° schließen, dass es sich
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Page 5Stadt Salanto. Es gibt sogar Einträge, die formal unterschiedliche Auffassungen erkennen lassen: an einer Stelle ist die Taufpatin als de opp. Salanton (am 17. November) eingetragen, wobei sich aus der Wortform die Bedeutung „aus der Stadt Salanto“ ergibt, und an einer anderen Stelle ist die Taufpatin als de oppd. Saląnten (am 21. Dezember) eingetragen – „aus der Stadt Salantų“.
Es gab keinerlei Grund, die Pluralform Salantų abzukürzen und den Eintrag oppd. Saląntų in oppd. Saląnto zu ändern. Das bringt nichts Neues. Den Eintrag mit ausgelassener Endung de oppd. Saląnto kann man leichter als einen Eintrag verstehen, bei dem die Singularendung des Flussnamens Salantas ausgelassen wurde und der Name als Stadt Salanto zu verstehen ist.
Als Salantai diesen Namen noch nicht trugen und Skilandžiai waren, waren sie einfach eine Stadt (oder ein Städtchen) am Salantas. Da eine Präpositionalfügung den Genitiv ersetzen kann (vgl. Gäste aus Kaunas – Kaunasser Gäste, Angriff aus der Luft – Luftangriff), konnte es neben der Stadt am Salantas auch die bedeutungsgleiche Form Stadt des Salantas geben. Die anstelle von Skilandžiai, Stadt des Salantas gebrauchte Bezeichnung wurde zu einem Eigennamen, in dem das einen Wohnort bezeichnende Gattungswort Stadt (Städtchen) unerlässlich ist. Der Name eines Flusses kann eine Stadt nur zusammen mit einem Gattungswort dieser Bedeutung bezeichnen.
Der aus dem Flussnamen entstandene Stadtname nahm die Pluralform an – aus Salanto entstand Salantai. Das ist normal; es gibt noch weitere so entstandene Ortsnamen, darunter Pestys – Peščiai. Nachdem Salantai den unmittelbaren Bezug zu Salantas verloren hatten und nur noch die Bedeutung „Stadt“ besaßen, konnten sie auch ohne Gattungswort verwendet werden – möglich sind sowohl Stadt Salantų als auch Salantai. Beide Schreibweisen, oppd. Saląnty und Saląnty, sind somit möglich und gleichwertig.
Indem sie sich vom Flussnamen entfernen, entfernen sich Salantai allmählich auch von der mundartlichen Lautgestalt des Wortes. Der Flussname war vor allem den Einheimischen bekannt und lautete auf Samogitisch, mit dem Diphthong on – Salonts. Zunächst dürfte auch die samogitische Form des Ortsnamens bekannter gewesen sein als die offizielle Variante Salantai. Später, als sich der Stadtname vom Flussnamen entfernte und in einen weiteren Gebrauch gelangte, wurde er den anderen in Schriftform verwendeten Eigennamen und den allgemeinen phonologischen Normen angepasst – Salontus verdrängte Salantai. Den Gegensatz zwischen der samogitischen und der schriftsprachlichen Variante schwächt und den Übergang von der ersten zur zweiten mildert auch die diplomatische Schreibweise des Namens mit an; die so geschriebene Form Saląnty ermöglicht den Wechsel zwischen den beiden Formen und den freien Übergang von Salontų zu Salantų.
Die verschiedenen Varianten des Namens Salantų, ihre Schreibweisen und die Veränderungen ihres Gebrauchs treten in den Einträgen der folgenden Jahre deutlich zutage.
In allen Einträgen aus dem Jahr 1643 wird der Name Salantų wie Ende 1642 geschrieben – mit einer Abkürzung des Gattungsworts und mit ausgelassener Endung: de opp.
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Page 6Salant°, de oppd. Salant°. Aus einer solchen Schreibweise kann man Salantus durchaus als Stadt Salanto verstehen. Anders ist nur ein einziger Eintrag – Bakalaureus Salant°; hier lässt sich keinerlei Bezug zum Flussnamen erkennen, und die Bedeutung kann nur eine sein: ein Bakkalaureus aus Salantai.
Die Einträge aus dem Jahr 1644 sind vielfältiger und widersprüchlicher. Zunächst wird häufiger wie im Jahr 1643 geschrieben – de oppd. Saląnt°; es gibt jedoch auch Einträge ohne „opido“, aber mit ausgelassener Endung – de Saląnt°. Selbst im selben Eintrag (vom 3. Januar) sind die Eltern als de oppd. Saląnt° verzeichnet, die Taufpatin dagegen als de Saląnt°. Ab der Jahresmitte setzt sich die zweite Schreibweise durch. Obwohl der Name Salantų mit ausgelassener Endung und ohne Gattungswort so künstlich und unlogisch wirkte, ist es verständlich, dass ab September Einträge mit Endung auftauchen – de Saląnty. Die morphologisch ausgeformte Stadtbezeichnung wird zu einem echten Ortsnamen. Eine klarere Ordnung gibt es jedoch weiterhin nicht: Am 19. Oktober steht de Saląnty, am 21. Oktober de oppd. Saląnt°, am 21. November wieder de Saląnty und am 23. Dezember de Saląnt°. Offensichtlich ist der Gebrauch des Namens Salantų noch unklar und nicht gefestigt.
Die Bemühungen, die Verwendung zu ordnen, zeigen sich in den Einträgen von 1645. Zu Jahresbeginn kehrt man zu den beiden logisch begründeten Schreibweisen zurück. Im selben (Februar-)Monat ist der Taufpate an einer Stelle als de Saląnty, an einer anderen als de oppd. Saląnt° verzeichnet. Der ungekürzte Stadtname steht allein; wenn die Endung ausgelassen wird, steht er mit dem Gattungswort oppd. Einträge ohne Endung und ohne Gattungswort gibt es nicht.
Auch die Schreibung des Ortsnamensstamms vereinheitlicht sich. Ab April wird der Name Salantų ohne die ungewöhnliche Buchstabenfolge qn geschrieben: Das n wird weggelassen, nur der Nasalbuchstabe q bleibt erhalten. An die Stelle der bisherigen Einträge de Saląnty trat de Saląty. Die Merkwürdigkeit der Schreibweise scheint beseitigt, doch entsteht ein anderes Problem: Die neue Schreibweise zwingt dazu, den Namen Salantų ausschließlich samogitisch, mit dem Diphthong on, zu lesen – Salontai (Salontā). Die für den überregionalen Gebrauch benötigten Salantų-Formen verschwinden.
Nach derselben Regelung wie 1645 wird der Name Salantų auch in den Einträgen von 1646 geschrieben: Der Ortsname steht stets mit Endung, und im Stamm steht der Nasalbuchstabe q – Saląty, de Saląty. Nur gelegentlich wird dem Ortsnamen ein Hinweis vorangestellt – de oppd. Saląty.
Am interessantesten und überraschendsten ist jedoch, dass neben Salantų in jenem Jahr der alte Stadtname Skilandžiai auftaucht, ebenfalls mit dem Nasalbuchstaben q geschrieben: Skilądzie. In einem Eintrag vom 19. Januar sind die Eltern und Taufpaten aus Salantų – de Saląty verzeichnet; in einem anderen Eintrag desselben Tages wird der Taufpate Kasperas Klovaitis als aus Skilandžių – de Skiladzie stammend angegeben. Am 29. September stammen in einem Eintrag die Eltern des Kindes aus Skilandžių, während in einem anderen Eintrag desselben Tages der Vater, Kasperas Klovaitis, aus Salantų stammt. Man könnte meinen, dass Salantų und Skilandžių verschiedene Orte bezeichnen; diese Annahme wird jedoch durch die doppelte Schreibweise der Wohnortangabe zu Kasperas Klovaitis’ Eintrag widerlegt –
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Page 7Wohnort. Die Kinder, bei denen der Taufpate als Kasper Klovaitis eingetragen ist, stammen von denselben Eltern – Nikolajus und Marina Jokūbaitis aus Kumpikai –, daher ist anzunehmen, dass auch der Taufpate Kasper Klovaitis in beiden Fällen dieselbe Person ist. Somit muss auch sein Wohnort derselbe sein, nur unterschiedlich geschrieben.
Ab Anfang 1647 wird die Schreibweise des Stammes Salantų erneut geändert – der Nasalvokal ą wird durch einen Diphthong ersetzt; häufiger steht on – Salonty, seltener an – Salanty. Es gibt auch verschiedene andere Abweichungen und Doppelformen. Die Endung wird uneinheitlich geschrieben – an einer Stelle wie zuvor -y – Salonty, anderswo (seltener) -i – Salonti. Es finden sich auch Schreibungen ohne Endung, nun aber ohne Kürzungszeichen – de Salont. Es treten Schreibungen mit zwei l auf – de Sallont, de Sallant. Neben den Ortsnamen finden sich Einträge mit einem hinzugefügten Hinweis: de Salonty und de oppd. Salonty. Weder ein System noch Bemühungen um seine Schaffung sind erkennbar. Verschiedene Schreibweisen kommen sogar innerhalb desselben Eintrags vor: Eine Person ist als de Salonty eingetragen, eine andere unmittelbar daneben als de Salonti, die eine als de Salanti, die andere als de oppido Salanty.
Eine ähnliche Unordnung zeigen die Einträge von 1648 und 1649, doch treten dort einige Schreibweisen deutlicher hervor. 1648 sind Schreibungen mit zwei l – de Sallant besonders häufig; Anfang 1649 verschwinden sie. In jenem Jahr nehmen Einträge ohne Endung zu, doch handelt es sich hier nicht mehr um eine ausgelassene Endung, sondern um eine nichtlitauische, endungslose Genitiv-Plural-Form, die von der Präposition de verlangt wird: Magdalena Kusayte de Salont – Magdalena Kusaitė aus Salantai. Ende 1649 und Anfang 1650 finden sich auch andere Ortsnamen in dieser Schreibweise: de Skaudel – aus Skaudaliai, de Klausgalw – aus Klausgalvai.
Am auffälligsten und am längsten dauert der Wettbewerb zwischen der žemaitischen und der literarisierten Variante von Salantų. In völlig gleichartigen Fällen steht an einer Stelle Salonty, an einer anderen Salanty. Die Schreiber der Einträge wählen die Schreibweise nach eigenem Ermessen. So wird von Anfang 1650 bis Oktober Salonty geschrieben; ab Oktober sind die Einträge von einer anderen Hand verfasst, und der Ortsname erscheint als Salanty. Der Wettbewerb zwischen der dialektalen und der literarisierten Form dauert bis Ende 1653; ab 1654 steht überall Salanty, und ohne den Zusatz oppd. – nur de Salanty. Die heutige offizielle Form des Ortsnamens Salantai bildet sich heraus und setzt sich durch.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. In der Literatur wird erwähnt, dass der ältere Name von Salantai Skilandžiai war. Den alten Namen und die Namensänderung belegen am besten die Taufregister der Kirche von Salantai aus dem 17. Jahrhundert (1631–1640 und 1641–1659).
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Page 82. Von 1631 bis einschließlich 1639 lautet der Ortsname in den Einträgen Skilandžiai, wird jedoch sehr unterschiedlich geschrieben, überwiegend nach den Rechtschreibprinzipien des Polnischen: Skiląndzie, Skiląndzie, Skilandzie, Skilondzie und weitere Varianten. Vor dem Namen steht die Präposition de: de Skiląndzie, de Skilandzie...
3. Der neue Name Salantai erscheint erst in Einträgen von 1640 und wird ebenfalls auf unterschiedliche Weise geschrieben: de Saląntį, de Satantį, de oppido Salanty und weitere Varianten.
4. Von 1641 bis 1659 steht durchgehend Salantai, doch gibt es hier noch mehr und vielfältigere Schreibvarianten, die sich fortwährend änderten. Neben den bereits erwähnten finden sich auch: Saląnty, Salanty, Salonty, de Sallont, de oppd. Salonty und andere.
5. Der Hauptgrund für diese Vielfalt ist, dass es sich um einen neuen Ortsnamen handelte, der sich noch nicht gefestigt hatte und keine Gebrauchstradition besaß. Er wird nach den Rechtschreibprinzipien des Polnischen geschrieben; das Verhältnis zwischen dem litauischen Namen und der polnischen Orthografie lässt sich nur schwer bewältigen. Zusätzliche Schwierigkeiten ergaben sich aus dem gleichzeitigen Gebrauch dialektaler und literarisierter Formen.
6. Neben anderen Varianten gibt es Einträge, bei denen vorangestellt der Hinweis de oppido steht und der Name von Salantai mit ausgelassener Endung und einem an ihrer Stelle gesetzten Kürzungszeichen geschrieben ist – de oppd. Saląnt°. Eine solche Schreibung lässt sich als Stadt von Salantai oder als Stadt des Salantas verstehen. Dies lässt die Annahme zu, dass die ursprüngliche Namensstufe von Salantai möglicherweise Stadt des Salantas. gewesen sein könnte.
ŠALTINIAI
Chrztu Salantų od r. 1631 do r. 1640 / Metrica sive registrum baptizatorum ecclesiae Skiląndensis. – Lietuvos nacionalinės Martyno Mažvydo bibliotekos rankraščių skyrius (F 100–407).
Salantensis Bapt.: Ab Anno 1641 Ad 1659. – Salantų bažnyčios archyvas.
LITERATŪRA
LE XXVI – Lietuvių enciklopedija 26, Bostonas: Lietuvių enciklopedijos leidykla, 1961.
TLE III – Tarybų Lietuvos enciklopedija 3, Vilnius: Vyriausioji enciklopedijų redakcija, 1987.
R I, II – M. Valančius. Raštai 1, 2, Vilnius: Vaga, 1972.
Gauta 2008 06 12
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Page 9THE NAME OF SALANTAI IN TWO CHURCH BOOKS OF BIRTH REGISTER OF THE 17TH CENTURY
Summary
Salantai previously had the name of Skilandžiai. A change in the name was best attested in the 17th century birth register books of the church of Salantai. Entries made between 1631 and 1639 contain the name Skilandžiai spelled in different ways: Skiląndzie, Skilandzie etc. The name Salantai is only found in the entries made in 1640 and later; the spelling of the word varies as well, e.g. Salanty, Saląnty, Salonty etc. There are entries giving the reference oppido before the name: (de) oppido Saląnty, (de) oppd. Salonty, some entries have the name with its ending missing: de Salont, de oppd. Saląnt°. The latter form with the mark signalling the absence of ending can be treated as the town of Salantas. The presently used official form Salantai has been firmly established in the birth registers since 1654 (spelt Salanty).
PRANAS KNIŪKŠTA
Lietuvių kalbos institutas
P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
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