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ALDONAS PUPKIS

STANDARDSPRACHE?

In der Online-Fachzeitschrift Lietuvių kalba (www.lietuviukalba.lt) veröffentlichten Irena Smetonienė, Antanas Smetona und Audrius Valotka 2016 den Artikel „Zum Begriff Standardsprache“ (im Folgenden: Smetonienė et al. 2016). Darin wird die Frage aufgeworfen, „ob es nicht zweckmäßig wäre, statt des Begriffs Gemeinsprache den Begriff Standardsprache zu verwenden?“ (S. 1). Da die Schlussfolgerungen des Artikels zusammenfassend festhalten, dass „wir den Begriff Standardsprache verwenden müssen“ (Hervorhebung von mir. – A. P.), lohnt es sich, genauer zu untersuchen, warum und auf Grundlage welcher Argumente in der litauischen sprachwissenschaftlichen Terminologie eine recht revolutionäre Entscheidung vorgeschlagen wird.

In der Einleitung des Artikels wird erläutert, warum diese Frage aufgeworfen wird. Den Autoren scheinen vor allem äußere Gründe wichtig, die sich aus dem Austausch mit ausländischen Wissenschaftlern ergeben: Mit ihnen hätten wir angeblich begonnen, uns wegen der in der litauischen Sprachwissenschaft nicht diskutierten Termini (hinsichtlich ihres Begriffsverständnisses und der Synonymie der Termini) nicht mehr verständigen zu können. Es werden auch konkrete Beispiele für Termini angeführt, die nach Ansicht der Autoren nicht diskutiert worden seien (und über die man sich wohl deshalb nicht verständige): wie wir die Termini Lehnwort und Fremdwort, Neuschöpfung, Neologismus und Neologismus verstehen; wie wir die Beziehungen zwischen Sprachpolitik und Sprachplanung erklären1; ob man bei Fragen der Morphologie eher den Terminus Markierer oder Marker verwenden sollte; und was mit den im Bereich der Stilistik konkurrierenden Termini Kanzleistil, Sachstil und Verwaltungsstil zu tun sei. Auch die gewünschte Entwicklung des Sprachgebrauchs wird benannt: „[I]mmer häufiger neigt man dazu, einen internationalen statt eines litauischen Terminus zu wählen, weil man sich so leichter mit Wissenschaftlern aus anderen Ländern verständigen kann“ (Smetonienė et al.: 2016: 1). Ähnlich verhalte es sich angeblich mit den Termini Gemeinsprache und Standardsprache. Nach Ansicht der Autoren „spiegelt der Terminus Standardsprache besser den normativen Charakter, den staatlichen Status und die Offizialität einer bestimmten Sprachvarietät sowie die konsequente und gesetzmäßige Erforschung des Sprachsystems und die Anwendung der Ergebnisse dieser Erforschung in den Prozessen der Sprachstandardisierung und Sprachpolitik wider“ (Smetonienė et al. 2016: 1).

Was die letztgenannten Termini – Gemeinsprache und Standardsprache – betrifft, wird folgendermaßen argumentiert: „Natürlich lässt sich jeder Terminus leicht durch einen anderen ersetzen, ohne den Inhalt zu verändern (das ist lediglich eine Frage der Vereinbarung und Zweckmäßigkeit

1 Es ist schwer nachzuvollziehen, auf welcher Logik es beruht, dass die Beziehungen zwischen Sprachpolitik und Sprachplanung in die Gruppe der Beispiele für nicht diskutierte Termini aufgenommen wurden: Vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte einer der Mitautoren des besprochenen Artikels einen ausführlichen Artikel (siehe Valotka 2015) über die inhaltlichen Beziehungen zwischen diesen Begriffen.

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Frage), <...>, [und] die internationale Praxis zeigt, dass ein lokaler Terminus lokal bleibt und Probleme verursacht, wenn man ihn in andere Sprachen übersetzt“ (Smetonienė et al. 2016: 1). Die Autoren versuchen auch, einen „Inhaltsunterschied herauszuarbeiten, der sich in der Bezeichnung verschiedener Entwicklungsphasen der Sprache manifestiert“. Als wichtiges Argument erscheint ihnen außerdem, dass die Gemeinsprache ihrer Aussage nach in wissenschaftlichen Arbeiten und Dokumenten mit engl. common language übersetzt werde, jedoch „die frühe Entwicklungsphase der Standardsprache widerspiegelt, die das Stadium der modernen Sprache noch nicht erreicht hat“ (Smetonienė et al. 2016: 2); dies wäre also die vorkodifikatorische Phase. Zumindest hinsichtlich der in wissenschaftlichen Arbeiten verwendeten Termini ist diese Behauptung jedoch völlig unbegründet (siehe Tabelle).

TABELLE. Daten zur Verwendung (Übersetzung) der Termini Gemeinsprache, Standardsprache in den Schlagwortabschnitten der Online-Datenbank Lituanistik2

Litauisches Schlagwort

Englische Übersetzung des Schlagworts

Anzahl der Fälle

1.

Gemeinsprache

standard language

1503

2.

Gemeinsprache

common language

64

3.

Gemeinsprache

literary language

45

4.

Standardsprache

standard language

56

Andererseits bleibt, wenn wir bendrinę kalbą mit standard language übersetzen, das Verhältnis des letzteren Begriffs zu common language unklar. Ohne lange nachzudenken, aber indem sie mit den Aussagen eines anderen Aufsatzes (Cizikaitė 2002) manipulieren, schreiben die Autoren auf S. 2, dass bendrinė kalba / common language die Phase vor der Kodifizierung der Sprache bezeichnet, obwohl Dalia Cizikaitė erklärt, dass gerade common language, d. h. bendroji kalba, die Phase vor der Kodifizierung bezeichnet. Dies wird anhand der nachstehend angeführten Zitate aus beiden Aufsätzen deutlich.

2 Eingesehen vom 1. bis 4. Juni 2017.

3 In dieser Zahl sind fast 20 Fälle nicht enthalten, in denen nur bendrinė kalba erwähnt wird und eine Entsprechung des englischen Begriffs weder unter den Schlüsselwörtern noch in den Abstracts vorkommt (hier wie auch an anderen Stellen können bei der Zählung geringfügige Ungenauigkeiten aufgetreten sein).

4 Dieser Begriff kommt unsystematisch vor; nicht immer ist klar, von wem er in die Datenbank eingetragen wurde (z. B. sind für die unter Jono Klimavičiaus Terminologijoje (2000) und Arnoldo Piročkino Gimtajame žodyje (2004) veröffentlichten Aufsätze überhaupt keine Schlüsselwörter angegeben; andere Aufsätze wurden in Polen oder in Publikationen veröffentlicht, die in der litauischen Wissenschaftswelt wenig bekannt sind).

5 Die Begriffe wurden zufällig verwendet und sind nicht systematisch (vgl. Fußnote 4).

6 Dazu gehören auch die Schlüsselwörter Gemein- (Standard-)sprache, die im 2002 erschienenen Sammelband von Giedrius Subačius Res Balticae <...> in einem veröffentlichten Aufsatz angegeben wurden. Ein weiterer Aufsatz von Subačius, der 2004 in der Zeitschrift Metmenų erschien, ist nicht in die Datenbank Lituanistikos aufgenommen worden – der Titel dieses Aufsatzes lautet ähnlich: „Chronologie der Geschichte von Standard- (Gemein-)sprachen“ (Bd. 84, S. 97–115).

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(1) Smetonienė u. a. 2016: 2:

Wenn man jedoch bendrinę kalbą mit Standard language übersetzt, bleibt ebenfalls das Problem des Verhältnisses zu common language bestehen. Bendrinė kalba / common language bezeichnete „Sprachphase“ könnte man als vorkodifikatorisch bezeichnen. Dies ist eine der frühen Entwicklungsphasen der Standardsprache, in denen es noch keine allgemein anerkannten Werke (Grammatiken, Wörterbücher) gibt, die einheitliche Sprachcodes (Normen) festlegen (Cizikaitė 2002: 274; gemeint sein müsste S. 275. – A. P.).

(2) Cizikaitė 2002: 274–275:

Der Begriff common language (gemeinsame Sprache) ist im Unterschied zu literary und national language <...> recht selten. <...> common language spiegelte eine frühe Phase der Standardsprache wider, die das Stadium der modernen Sprachentwicklung noch nicht erreicht hatte, sich jedoch bereits deutlich vom Dialekt unterschied <...>. Eine solche Sprachphase könnte man als vorkodifikatorisch bezeichnen. Dies ist eine der frühen Entwicklungsphasen der Standardsprache, in denen es noch keine allgemein anerkannten Werke (Grammatiken, Wörterbücher) gibt, die einheitliche Sprachcodes (Normen) festlegen.

Durch eine derart ungenaue Interpretation der Aussagen anderer und die Vorlage gefälschter Daten gegenüber den Autoren entsteht auch der Gedanke, den Schluss zu ziehen, dass „wir uns der Welt so präsentierend etwas seltsam (genauer gesagt – rückständig) vorkommen“ (Smetonienė u. a. 2016: 2).

Die Akrobatik dieser Behauptungen zu entwirren, ist nicht einfach; auch im Gedankendurcheinander, das mit dem letzten Wort des Absatzes zusammengefasst wird – wir seien atsilikę –, ist es nicht leicht, sich zurechtzufinden. Daher muss man klären, worin wir rückständig sind – darin, nicht übersetzen zu können, Begriffe zu verwechseln oder aus anderen Gründen?

Im ersten Abschnitt des Artikels (warum auch immer wird er als Teil bezeichnet, obwohl später von Abschnitten die Rede ist) „Terminverwendung in anderen Ländern“ wird ein vor fast eineinhalb Jahrzehnten in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichter Artikel der Literaturwissenschaftlerin (nicht Sprachwissenschaftlerin) Cizikaitė über die Geschichte des englischen Begriffs bendrinės kalbos und seine Entsprechungen im Litauischen wiedergegeben (Cizikaitė 2002: 273–284).

Man kann sich fragen, warum die Autoren des rezensierten Artikels sich zunächst nicht unmittelbar, sondern über einen einzigen Vermittler in anderen englischsprachigen Ländern umsehen und nicht im Erbe der Geschichte der eigenen Sprachwissenschaft. Andererseits hätten sie sich selbst über den Inhalt und die Definitionen der besprochenen Begriffe nicht nur in den von Cizikaitė erwähnten, sondern auch in den Sprachen anderer Länder informieren können (besonders fehlt eine Analyse der Entwicklung des deutschen Begriffs, da er einen erheblichen, vielleicht sogar entscheidenden Einfluss auf die litauische Terminologie in diesem Bereich gehabt haben könnte – und tatsächlich hatte! –, ebenso wie ein Überblick über die Terminologie im Estnischen, Finnischen, Norwegischen, Ungarischen u. a.). Cizikaitės Artikel ist nichts Besonderes, sollte aber kurz besprochen werden, da sich die genannten Autoren auf ihn als einzige Quelle stützen.

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Man kann der Aussage der Autorin nicht widersprechen, dass der Begriff Standardsprache die früheren Begriffe im Englischen verdrängt hat (Cizikaitė 2002: 280), dass er zunehmend auch in der Praxis anderer europäischer Sprachen übernommen wird und vielerorts zum maßgeblichen Begriff wird. Ergänzend lässt sich hier die Feststellung einer anderen Autorin anführen, dass „der Begriff Standardsprache eine ‚spezifisch westliche Vorstellung repräsentiert, die durch die kulturelle Tradition verbreitet wurde‘“ (Birštonaitė 2002: 266), und dass „die Begriffe ‚Nationalsprache‘ oder Gemeinsprache <...> der sprachlichen Situation des ehemaligen Britischen Empires überhaupt nicht entsprechen“ (Birštonaitė 2002: 265).

Die Schlussfolgerungen von Dalios Cizikaitės Artikel sind ziemlich widersprüchlich formuliert. Über den litauischen Fachbegriff in diesem Bereich erklärt die Autorin, dass „Gemeinsprache im Unterschied zum englischen common language ein vollwertiger Terminus ist“ (Cizikaitė 2002: 280); in seinen „Definitionen finden wir fast alle wichtigsten und dieselben Seme wie im englischen Begriff Standardsprache: national, normiert, standardisiert, gemeinsam, mit schriftlicher und mündlicher Form, vorbildlich und in vielen Bereichen verwendet. Was in der englischen Linguistik also standard English heißt, wird in der litauischen Linguistik mit dem Begriff Gemeinsprache bezeichnet. Dieser eignete sich am besten dazu, eine neue Etappe der litauischen Sprache und eine neue Sprachauffassung zu bezeichnen, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts herausgebildet hatte“ (Cizikaitė 2002: 281). In der abschließenden Schlussfolgerung heißt es jedoch, „die Begriffe ‚Schriftsprache‘, Gemeinsprache und Literatursprache seien zu eng, um die kodifizierte und normierte litauische Sprache zu bezeichnen. Der Begriff Gemeinsprache sei besonders unpraktisch, wenn die Geschichte mehrerer Sprachen miteinander verglichen werde“ (Cizikaitė 2002: 281–282).

Im zweiten Kapitel des rezensierten Artikels wird der Wandel der in Litauen verwendeten Begriffe überblicksartig dargestellt. Dieser Überblick ist knapp, unvollständig und selektiv. Bisweilen entsteht der Eindruck, man habe zu sophistischen Tricks gegriffen: Es werden nur solche Fälle angeführt, die den Autoren gelegen kommen, und der Überblick über den Wandel endet im Jahr 1980 (genauer gesagt: 1972).

Zunächst überrascht, dass ein Artikel von Prof. Arnoldas Piročkinas (1970), der die Entwicklung dieses Begriffs wohl am ausführlichsten beschrieben hat, überhaupt nicht berücksichtigt wird. Darin wird darauf hingewiesen, dass den Begriff Schriftsprache wohl als Erster Frydrichas Kuršaitis verwendet hat (ergänzend sei meinerseits auf den in den litauistischen Schriften von August Schleicher vorkommenden Begriff Schriftsprache hingewiesen. – A. P.), nicht Jonas Jablonskis, wie man aus dem rezensierten Artikel schließen könnte. Außerdem hätte man bei der Erwähnung Jablonskis’ in einer wissenschaftlichen Arbeit angeben müssen, wo er diese Entscheidung und die bewusste Abgrenzung von der gesprochenen Sprache festgeschrieben hat. Andererseits werden durch das „Vergessen“ von Piročkinas’ Artikel zahlreiche Informationen über das Aufkommen des betreffenden Begriffs, den Wandel seiner Form und andere Termini vorenthalten; letztlich erfahren wir auch nichts über die Position des Artikelsautors Piročkinas.

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Nachdem der Begriff Schriftsprache kurz erwähnt, sein Inhalt aber nicht erläutert wird, wird ausführlich auf den 1927 von Pranas Skardžius geschaffenen und in den Sprachgebrauch eingeführten Begriff Gemeinsprache eingegangen. Diesmal wird offenbar versucht, eine Methodik der unterscheidenden Merkmale anzuwenden. Sowohl beim Zitieren als auch beim Paraphrasieren von Skardžius wird das Merkmal der G e m e i n s a m k e i t dieser Sprachvarietät besonders hervorgehoben: „...dem Schöpfer des Begriffs war es wichtig, die Gemeinsamkeit der Sprache als einen den Staat einigenden Aspekt hervorzuheben <...>. Tatsächlich war dies damals die beste Wahl; sie entsprach sowohl dem politischen als auch dem historischen Geist Litauens jener Zeit“ (Smetonienė ir kt. 2016: 6; Hervorhebung von mir. – A. P.).

Anschließend wird über den 1950 eingeführten russischen Begriff Gemeinsprache berichtet, der den Begriff (= aus dem Russischen übersetzt. – A. P.) Literatursprache ersetzte. Es wird behauptet, er sei keineswegs besser gewesen (wohl im Vergleich zur Gemeinsprache, doch wird nicht gesagt, warum) und habe in Litauen keinerlei Tradition gehabt (obwohl seine Verwendung und die seiner Entsprechungen sogar 100 Jahre zurückreichte; vgl. Piročkinas 1970: 31). Mit einem derart sinnlosen Austausch seien weder die in Litauen noch die im Ausland lebenden Sprachwissenschaftler zufrieden gewesen: Pranas Skardžius und Petras Jonikas hätten mehrfach darüber geschrieben, und auch die litauischen Sprachwissenschaftler hätten lebhaft diskutiert (letzteres ist mir aus der Literatur nicht bekannt; die Diskussionen begannen erst fast 20 Jahre später). Der Begriff Gemeinsprache wurde 1969 wiederbelebt; es wird angegeben, wo er zuerst verwendet wurde. Nicht alle Sprachwissenschaftler hätten dem zugestimmt, und es seien mehrere Diskussionsbeiträge veröffentlicht worden. Besonders bemerkenswert unter ihnen ist die Auffassung von Jonas Palionis (1975), dass neben der Durchsetzung des Begriffs besonders wichtig sei, dass „bei der Übersetzung des litauischen Begriffs Gemeinsprache in andere Sprachen, besonders in die Sprachen der Sowjetvölker, entweder die Entsprechungen des Begriffs Literatursprache dieser Völker verwendet oder in jedem Einzelfall der Begriff Gemeinsprache erläutert werden sollte, also der damit bezeichnete Begriff“ (Palionis 1975: 32). Die Autoren des besprochenen Artikels räumen ein, dass diese Worte Palionis’ zum Leitmotiv ihres Artikels geworden sind: „Es ist unmöglich, den Begriff Gemeinsprache korrekt in anderen Sprachen zu verwenden – allerdings sind damit inzwischen westliche Sprachen gemeint“ (Smetonienė ir kt. 2016: 7).

Doch trotz der Diskussionen (= des ideologischen und bürokratischen Widerstands. – A. P.) setzte sich der Begriff der Gemeinsprache durch, und dies war ein „großer ideologischer Sieg, der das starke Rückgrat der litauischen Sprachwissenschaftler zeigte“ (Smetonienė et al. 2016: 7; Hervorhebung von mir. – A. P.). Der wieder eingeführte Begriff erhielt später „weitere Semen“ (erwähnt wird Jonikos (1972: 1) Aussage, dass man als Gemeinsprache „eine für das gesamte Volk bestimmte kulturelle und zivilisatorische Sprachform bezeichnen kann“), doch dieser Begriff habe nach Jonikos Ansicht auch Nachteile: Es sei schwierig, den Begriff der „Gemeinsamkeit“ genauer zu bestimmen, da auch die Sprache einzelner Familien, eines Dorfes oder einer Pfarrei Gemeinsamkeiten aufweise. Aleksas Girdenis (1973: 45) definierte die Gemeinsprache als Sprache des öffentlichen Lebens eines Volkes; die „Öffentlichkeitsseme“ sei auch in die Enzyklopädie der litauischen Sprache (1999, 2008) übernommen worden. Doch zugleich wird hier die Schlussfolgerung gezogen, dass eine solche inhaltliche Erweiterung des Begriffs (als wäre dies irgendeine

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Ausnahme in der terminologischen Praxis) und seine Annäherung an den weltweit zunehmenden Begriff Standardsprache „nicht gut ist, weil in anderen Ländern die Standardsprache als eine abgeschlossene (?) Etappe betrachtet wird; folglich sollten auch wir diese Frage mit Blick darauf erörtern, dass die litauische Sprache ebenfalls nicht stillsteht, dass die Gemeinsprache ebenso eine bestimmte Entwicklungsphase ihrer Geschichte war, die jedoch, wie in anderen Ländern auch, zu Ende gegangen ist“ (Smetonienė ir kt. 2016: 8).

Das dritte Kapitel trägt den Titel „Warum sollte heute in Litauen der Begriff Standardsprache verwendet werden?“ Dort sollten wir eine klare und logisch nachvollziehbare Erklärung dafür finden, warum der etablierte, traditionelle Begriff Gemeinsprache nicht um neue Seme erweitert werden kann; warum die Entwicklung aller oder zumindest vieler Sprachen – diesen Eindruck kann man aus dem Kontext des Artikels gewinnen – bereits eine neue Entwicklungsphase erreicht hat (oder in sie eingetreten ist) und wie sie zu charakterisieren wäre; warum die frühere Entwicklungsphase der Gemeinsprache im Englischen ebenso wie in den Sprachen der postsowjetischen und anderer postkolonialer Länder sowie der Entwicklungsländer geendet hat oder endet und worin sich dies äußert. Demnach muss weltweit ein Bruch in der Sprachentwicklung (geradezu eine Revolution) stattgefunden haben, den die Autoren des besprochenen Artikels wohl als Erste in Litauen bemerkt haben (oder sie haben den Gedanken von Cizikaitė (2002), vielleicht auch aus einem Artikel von Giedrius Subačius aus dem Jahr 2002 übernommen, obwohl sie Letzteren nicht in ihr Literaturverzeichnis aufgenommen haben) und beschlossen, dass auch wir bei diesen Entwicklungen nicht zurückbleiben dürften; daher sollten wir mit dem Englischen (der Tradition des Britischen Empires) Schritt halten und den dort weit verbreiteten Begriff übernehmen. Darüber hinaus würde dieser neue Begriff auch „eine konsequente und gesetzmäßige Erkenntnis des Sprachsystems und die Anwendung dieser Erkenntnis in den Prozessen der Sprachstandardisierung und Sprachpolitik“ widerspiegeln (Smetonienė ir kt. 2016: 1). Das ist in der Tat ein innovativer Gedanke: Ein Begriffswandel könnte die Forschung in einem ganzen linguistischen Teilgebiet grundlegend anregen – denn, so soll man offenbar verstehen, der Begriff Gemeinsprache könne dies nicht leisten. Leider finden sich weder hierzu noch zu anderen Fragen im Artikel ausführlichere Erklärungen. Er enthält lediglich zahlreiche schwer verständliche Überlegungen, die vor allem in Form von Zitaten aus verschiedenen Quellen oder von verschiedenen Autoren vorgetragen werden. Daher bleibt mir nur, einige sich daraus ergebende Anmerkungen zu machen und den Vorschlag der Artikelautoren zu bewerten.

Es erschien mir mehr als seltsam, im rezensierten Artikel zu lesen, dass gerade ich bereits 1980 in meinen Grundlagen der Sprachpflege die Auffassung des Begriffs Gemeinsprache an den damals in Europa bereits verwendeten Begriff angenähert hätte Standardsprache (hatte ich also schon damals jene beginnende neue Entwicklungsphase der litauischen Gemeinsprache erkannt?). Darüber hinaus entdecken die Autoren in jenem Buch auch meinen Vorschlag, den Begriff Standardsprache in Litauen zu verwenden (Smetonienė ir kt. 2016: 8; Hervorhebung von mir. – A. P.). Nach der Lektüre solcher Entdeckungen muss ich meine damalige Formulierung dieses Gedankens in den Grundlagen der Sprachpflege in Erinnerung rufen: „Die Gemeinsprache unterscheidet sich von anderen Sprachvarietäten (Dialekten, Jargons, Soziolekten) vor allem dadurch, dass sie normiert und mehr oder weniger ausgearbeitet ist“

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System. Dieses unterscheidende Merkmal zeigt sich in der Kodifizierung, das heißt im Vorhandensein festgelegter Regeln. Andere von verschiedenen Autoren genannte Merkmale der Standardsprache müssen nicht absolut sein und können nicht allen Sprachen oder allen Epochen eigen sein“ (Pupkis 1980: 7). Von den mehreren Bezeichnungen für diese Sprachvarietät, die alle gewisse Nachteile haben, „würde die Spezifik der Standardsprache am besten der Begriff standartinės kalbos [Standardsprache] wiedergeben (standartas wird im „Wörterbuch der Internationalismen“ als ‚Norm, Vorbild‘ erklärt; das Wort kann auch ‚Schablone, Muster‘ bedeuten – die Standardsprache ist keine schablonenhafte Sprache), doch hat er in der litauischen Sprachwissenschaft keinerlei Tradition“ (Pupkis 1980: 8). Ich kann also weder irgendeine „Annäherung“ noch einen „Vorschlag“ erkennen.

Bei der Erörterung der von mir angeführten Begriffe für die Standardsprache und ihrer Merkmale stellen die Autoren all dies in Form einer freien Wiedergabe dar und behaupten, ich hätte damals vier Merkmale der Standardsprache unterschieden: 1) ein normiertes, mehr oder weniger bearbeitetes Sprachsystem; 2) Kodifizierung – festgelegte Regeln; 3) schriftliche Form und Monolog; 4) die wichtigste Funktion – die kommunikative. Im Buch sind diese Merkmale jedoch in etwas anderer Reihenfolge angeordnet, und sie entsprechen nicht ganz der von den Autoren entworfenen Darstellung.

Wie bereits erwähnt, ist die eigenwillige Interpretation der Gedanken anderer Autoren eine der Besonderheiten dieses Artikels, die auch an vielen seiner weiteren Behauptungen und Schlussfolgerungen zweifeln lässt. Liest man weiter, kann man etwa den Eindruck gewinnen, ich hätte nur dieses eine Mal über die Standardsprache und ihre Bezeichnung gesprochen und dies sei meine endgültige Meinung. Doch meine Ansichten sind, wie die vieler anderer Sprachwissenschaftler, kein erstarrter Beton, der sich mit der Zeit nicht verändern könnte. Warum wird zum Beispiel mit keinem Wort meine Beschreibung der Standardsprache (des Begriffs und der Bezeichnung) in Kalbos kultūros studijose (2005) erwähnt? Dort, so scheint mir, wurde – ohne sich allzu weit vom Verständnis des Jahres 1980 zu entfernen – in gewisser Hinsicht ein Schritt nach vorn gemacht; es heißt, dass die Standardsprache nicht nur bewusst bearbeitet, sondern auch eine historisch entstandene Varietät der Nationalsprache ist, die den Bedürfnissen der Kommunikation und des Denkens der gesamten Nation sowie des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens dient und nationale Identität und Repräsentation zum Ausdruck bringt (Pupkis 2005: 30). Hier werden, wie ich zu behaupten wage, gerade die Funktionen der Standardsprache deutlicher hervorgehoben, unter denen die Funktionen der nationalen Identität und Repräsentation besonders wichtig sind.

Offensichtlich hielten es die Autoren nicht für nötig, auch die Bücher und Artikel anderer litauischer Sprachwissenschaftler über die Standardsprache – ihre Bezeichnung, Merkmale, Definitionen, Entstehung, Geschichte usw. – zu studieren. Im Artikel werden weder die Bücher der bedeutendsten Historiker der litauischen Sprache, Jonas Palionis und Zigmas Zinkevičius, noch die darin verwendeten Begriffe, Periodisierungen usw. erwähnt; ebenso wenig die älteren Artikel von Pranas Kniūkšta und Albertas Rosinas oder die Arbeiten von Jonas Klimavičius, Rita Miliūnaitė und anderen vom Beginn dieses Jahrhunderts, in denen zahlreiche mit dem besprochenen Artikel zusammenhängende Fragen behandelt werden.

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Kehren wir zu der von den Autoren immer wieder betonten, ihnen angeblich nicht ganz verständlichen Eigenschaft der Gemeinsamkeit der Standardsprache zurück (zur Erinnerung: Cizikaitė 2002: 280 betrachtet Gemeinsamkeit als ein soziales, nicht als ein linguistisches Merkmal der Standardsprache). Man kann daran erinnern, dass die Autoren auch in älteren Zeiten Zweifler an ihr zu finden meinen (zu erinnern ist an die bereits erwähnten Zweifel Jonikos; er (1972: 1) bezeichnete die Standardsprache jedoch ohne Zögern als „eine für die ganze Nation bestimmte Art kultureller und zivilisatorischer Sprache“). Diese „Gemeinsamkeit“ und ihr kultureller und zivilisatorischer Charakter korrelieren unmittelbar mit Girdenis’ (2000: 316) „Öffentlichkeit“ der Standardsprache („Die Standard- (Literatur-)sprache ist die Sprache des öffentlichen Lebens der Nation (des Schrifttums, der Schule, der Literatur, der Massenkommunikationsmittel)“). Dasselbe wird auch in meinen Kalbos kultūros studijose (2005) betont. Und genau hier äußern die Autoren, wenn auch indirekt und gleichsam abseits der genannten Zitate, ihr eigentliches Anliegen: „Tatsächlich schaffen wir Traditionen selbst, und heute besteht weder die Notwendigkeit noch ein Sinn darin, ausschließlich die Gemeinsamkeit zu betonen oder die Bereiche aufzuzählen, in denen die normgerechte Sprache verwendet werden muss“ (Smetonienė et al. 2016: 8); sie schlagen vor, die von mir 1980 genannten Merkmale hervorzuheben, bei denen die Gemeinsamkeit der Standardsprache nicht als ihr wichtigstes Merkmal herausgestellt wird. Wenn wir Gemeinsamkeit jedoch als linguistisches und nicht als soziales Phänomen betrachten, müssen wir anerkennen, dass das Wesen der Standardsprache selbst, wie Giedrius Subačius (2003: 63) schreibt, auf der Idee der Integration von Sprachformen beruht, das heißt auf dem Ausdruck von Vereinheitlichung und Vereinheitlichungsbestrebungen, die für den Zusammenhalt der Gesellschaft oder Gemeinschaft erforderlich sind, welche diese Sprache verwendet. Das Merkmal der Gemeinsamkeit ist also weder ein Makel noch ein inhaltsleeres Konstrukt, sondern eine Idee, die die Gesellschaft zusammenführt und eint und die heutzutage ganz und gar nicht zu den weithin verbreiteten neoliberalen Desintegrationsbestrebungen passt.

Auf dem Weg der Zusammenfassung müssen noch einige wesentliche Fragen erörtert werden.

Erstens, wie erwähnt, ist den Autoren offenbar am wichtigsten, dass wir mit dem Begriff bendrinės kalbos [Standardsprache] gegenüber Westeuropa zurückgeblieben seien, das in der Sprachentwicklung weit voraus sei. Hier wird gleichsam versucht, interne Bedürfnisse nach terminologischer Veränderung zu erörtern, doch gerät man völlig durcheinander. Es wird behauptet, dass unterschiedliche Begriffe unterschiedliche Entwicklungsphasen von Sprachen bezeichnen, die das Qualitätsniveau dieser Sprachen widerspiegeln. Eine solche Argumentation wäre logisch möglich, doch werden im Artikel zwei wesentliche Aspekte des behandelten Themas nicht geklärt: 1) welche Entwicklungsphasen der litauischen Sprache hier gemeint sind und wo deren chronologische Grenzen liegen, 2) woran die Qualität der litauischen Sprache gemessen wird (oder bereits gemessen worden ist) – auf diesen letzten Punkt wird überhaupt nicht eingegangen, nicht einmal erklärt, was gemeint ist und welchen Inhalt diese Behauptung hat.

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Wenn der Begriff bendrinės kalbos [Standardsprache] eine Phase der Standardsprache bezeichnet, die das Stadium der modernen Sprache noch nicht erreicht hat, wo ist dann die Grenze zur modernen Sprache zu ziehen? Ab wann kann die normierte litauische Sprache als modern gelten – seit der Zeit der Aušra, seit der Zeit des Varpas? Vielleicht aber auch seit Beginn der wiederhergestellten Unabhängigkeit Litauens im Jahr 1918, als die Sprache Staatssprache wurde und sich die funktionalen Sprachstile rasch zu entwickeln begannen? Doch damals gab es den Begriff bendrinės kalbos noch gar nicht. Vielleicht also ab 1927, als der Begriff bendrinės kalbos aufkam? Oder ist die vorjablonskianische Epoche gemeint oder gar eine noch ältere Zeit (in der man den Begriff bendrinės kalbos vergeblich suchen würde)?7 Andererseits wird mit historischen Daten durcheinandergeraten: Man hätte genau angeben müssen, wann diese neue Phase der Standardsprache (in Westeuropa und Litauen) begann, wenn ich doch schon 1980 die Auffassung des Begriffs bendrinės kalbos in Kalbos kultūros pagrindai, wie die Autoren schreiben, bereits „dem damals in Europa schon verwendeten Begriff Standardsprache angenähert“ hätte (Smetonienė et al. 2016: 8)8. Wenn also die Wahl des Begriffs vom „Qualitätsniveau der Sprache“ bestimmt werden soll, wer erklärt uns dann, von welchem Niveau hier die Rede ist, und überzeugt uns davon, dass die von den Autoren besprochenen Begriffe und Sprachstufen einander nicht widersprechen?

Ich bin überzeugt, dass diese Verwirrung nicht entstanden wäre, wenn die Autoren sich den Fachbegriffen der litauischen Sprachwissenschaft aus litauischen sprachwissenschaftlichen Quellen genähert hätten, statt sich in erster Linie auf ausländische Praxis zu stützen. In unserer Sprachwissenschaft sind die Fachbegriffe dieses Bereichs seit Langem etabliert; ein Blick etwa in Palionis’ Arbeiten hätte genügt, damit sich alles gefügt hätte. So bezeichnet Palionis (1995) in seinem Buch Rašomosios kalbos istorija [Geschichte der Schriftsprache] die Sprache der Schriften der sogenannten vornationalen Periode als rašomąja kalba [Schriftsprache], behandelt ausführlich die Entstehung der litauischen bendrinės rašomosios kalbos [gemeinsamen Schriftsprache] Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und verwendet im gesamten weiteren Buch ausschließlich den letztgenannten Begriff (Palionis 1995: 3–5). Übrigens betont er, dass man hier „unter Wahrung der früheren Tradition und angesichts der Tendenzen des gegenwärtigen Sprachgebrauchs auf den Begriff literatūrinės kalbos [Literatursprache] verzichtet hat (obwohl er seiner Meinung nach nicht besonders schlecht ist) und stattdessen die Begriffe rašomosios kalbos [Schriftsprache] und bendrinės kalbos [Standardsprache] wiedereingeführt hat. Der letztgenannte Begriff wird jedoch nur in der Bedeutung der seit der Zeit der Aušra entstandenen, der gesamten litauischen Nation gemeinsamen geschriebenen und gesprochenen („standardisierten“) Sprache verwendet“ (Palionis 1995: 7). Hätte man Cizikaitės Artikel sorgfältiger gelesen, wäre leicht zu verstehen gewesen, dass der dort erwähnte Begriff common language, in Klammern mit den Worten „gemeinsame Sprache“ übersetzt und anschließend erklärt, einfach ’irgendeine

7 Kiek anksčiau Smetonienės (2014) buvo pasakyta aiškiau: svarbiausiais standartinės kalbos (pradžios) metais laikytini 1922 m., kai Konstitucijoje lietuvių kalba paskelbta valstybine, Švietimo ministerija Jablonskio gramatiką pripažino standartu, o Kaune buvo įsteigtas universitetas. Klausimą dėl šio teiginio čia reikėtų formuluoti kitaip: ar kalbos istorijos periodizacija priklauso nuo istorinių politinių, socialinių ar kultūrinių aplinkybių, kad ir labai svarbių visuomenės gyvenime, ar nuo kokybinių ir (ar) kiekybinių pačios kalbos struktūros (sistemos) ir vartosenos pokyčių?

8 Man hätte sich beispielsweise auf das in meinem Buch Kalbos kultūros studijos dargestellte Entwicklungsschema der heutigen kodifizierten litauischen Sprache stützen oder darüber diskutieren können (siehe Pupkis 2005: 45–46).

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bendra kalbá (Cizikaitė 2002: 274, 275), kuri Palionio knygoje atitinka rašomąją kalbą, bent ikijablonskinį jos laikotarpį.

Zweitens, darf man bei der Änderung von Termini die benachbarten Fachtermini, die das gesamte Mikrosystem dieser Gruppe umfassen, nicht aus dem Blick verlieren. Den Autoren des Artikels ist zuzustimmen, dass die Terminologie dieses Fachgebiets (Theorie und Praxis der Standardsprache) nicht vollständig geordnet und angemessen diskutiert ist. Die Autoren grenzen sich jedoch von einer Überprüfung des gesamten Mikrosystems ab und überlassen dessen Ordnung anderen. Sie ziehen lediglich den Schluss, dass „die Termini für die allgemeine und die Standardsprache im Kontext des litauischen linguistischen Denkens durcheinandergebracht sind – der erste impliziert beide Entwicklungsperioden der allgemeinen Sprache (die nationale und die vornationale? – A. P.), während der zweite aus irgendeinem Grund gemieden wird“ (Smetonienė ir kt. 2016: 11). Hier ist hinzuzufügen, dass er nicht aus irgendeinem Grund, sondern deshalb gemieden wird, weil er tatsächlich kaum verwendet wird; wie können diese Termini also durcheinandergebracht sein?

Obwohl der Terminus Standardsprache also nicht weiter verbreitet ist, würde seine Einführung doch „helfen, sich aus dem Spinnennetz der derzeit verwendeten und vorgeschlagenen Termini zu befreien“ (Smetonienė ir kt. 2016: 11). Oder knüpft nicht gerade ein solcher Vorschlag dieses Spinnennetz?

Wie sich herausstellt, soll dieses Spinnennetz dadurch entstanden sein, dass die gegenwärtig verwendeten Termini litauische Sprache, allgemeine Sprache, Staatssprache, Amtssprache verwendet werden und Vorschläge laut werden, zusätzlich eine normierte allgemeine Sprache einzuführen; angeblich fielen nach Ansicht mancher Linguisten auch Dialekte unter den Begriff der allgemeinen Sprache usw. Eine solche Äußerung in einem wissenschaftlichen Artikel ohne Quellenangabe (insbesondere im letztgenannten Fall) ist inhaltsleer. Statt zu erörtern, worin sich die hier genannten Termini unterscheiden – die den meisten Forschenden und Nutzern der allgemeinen Sprache mehr oder weniger klar sind –, hätte man zumindest die Grenzen des betreffenden Mikrosystems abstecken müssen. Wenn wir beispielsweise die allgemeine Sprache durch die Standardsprache ersetzen, hätte man dann nicht wenigstens kurz erklären müssen, wie sich die Termini Norm und Standard zueinander verhielten, ob wir die Normierung (mit anderen Worten: die Verallgemeinerung) durch Standardisierung ersetzen sollten, wie sich diese dann zur Normalisierung verhielte usw. (die auf S. 10 des Artikels gegebene Tabelle sagt hierzu im Wesentlichen nichts aus).

Außerdem wird nicht zwischen der Kodifizierung und dem Gebrauch der allgemeinen Sprache unterschieden. Wie würde in diesem Schema der Terminus Standardaussprache aussehen? Wie sollten wir den im Gebrauch bestehenden Wettbewerb zwischen Varianten (nicht nur in der Aussprache) bewerten, der in einem Standard wohl kaum möglich wäre? Es gibt mehr Fragen als mögliche Antworten. Auch die Überlegungen, wonach die terminologische Verwirrung dadurch entstanden sei, dass in der Definition des Terminus allgemeine Sprache die nationale und die vornationale Entwicklungsperiode der allgemeinen Sprache vermengt worden seien, sind, gelinde gesagt, nichtig, denn die Grenzen dieser Perioden und das Wesen der in ihnen verwendeten Termini sind nicht geklärt. Übrigens,

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wäre es besser gewesen, wenn die Autoren ihre Schlussfolgerungen nicht aus der Luft gegriffen, sondern zum Beispiel versucht hätten, sich mit den auch in meinem Buch verwendeten Termini Vergemeinschaftung, Kodifizierung usw. auseinanderzusetzen (Pupkis 2005: 30 ff.). Eine Änderung der besprochenen Termini kann nicht unabhängig von Fragen der litauischen Stilistik erörtert werden. Bereits in meinem Buch von 1980 wurde gesagt, dass der Terminus Standardsprache, der das Wort Standard enthält, das nicht nur „Norm, Vorbild“, sondern auch „Schablone, schematische Form“ bedeutet, zu der Auffassung führt, die allgemeine Sprache lasse sich als schablonenhafte, schematische Sprache verstehen (Pupkis 1980: 8). Die Autoren selbst zitieren den russischen Linguisten Leonid Krysin mit der Aussage, dass sich in Russland der Terminus Standardsprache wegen der negativen Konnotation des Wortes Standard nur schwer durchsetzen könne, da die Bedeutung dieses Wortes mit den Begriffen „Schablone“ und „Klischee“ verbunden werde (Smetonienė ir kt. 2016: 3). Doch vielleicht ist hier nicht das Entscheidende, wie die Standardsprache mit der poetischen (künstlerischen) Sprachfunktion in Beziehung gesetzt (oder eben nicht in Beziehung gesetzt) werden soll, wenn Klischees und Standards in Texten dieser Art ein Zeichen mangelnder Qualität sind? Oder: Wenn wir anerkennen, dass ein solcher umgangssprachlicher (alltäglicher) Stil existiert, wie sind dann die zahlreichen nicht standardsprachlichen Elemente in ihm zu bewerten? Die Frage ist also viel komplexer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag, und wir sollten erkennen, dass man nicht einfach vorschlagen kann, einen Terminus durch einen anderen zu ersetzen, ohne den umfassenden terminologischen Kontext dieses Wissenschaftsgebiets zu berücksichtigen.

Drittens, da weder äußere noch innere Vorzüge der einen Termini gegenüber den anderen bestehen, muss man zu außersprachlichen Argumenten greifen. Ein solches Argument ist die Übersetzung. Es ist befremdlich zu lesen, dass in anderen Sprachen der litauische Terminus (nicht etwa seine Übersetzung?!) bendrinė kalba verwendet werden soll. Wie erwähnt, schrieb Palionis zu Sowjetzeiten, dass die Übersetzung des Terminus allgemeine Sprache in andere, insbesondere in die Sprachen der Sowjetvölker, Schwierigkeiten bereite (Palionis 1975: 32); nun aber heißt es: „[D]er Terminus allgemeine Sprache ist besonders unpraktisch, wenn die Geschichte mehrerer Sprachen vergleichend behandelt wird. Natürlich sollte man keine neuen Termini schaffen, denn die Schaffung ex novo von etwas, das bereits als seit Langem etabliertes Modell existiert, ist eine sinnlose Energieverschwendung <...>. Bei Bedarf kann man auf die Erfahrungen anderer Sprachen (vielleicht des Englischen) zurückgreifen“ (Cizikaitė 2002: 281–282). Beide Gedanken führen zur Pragmatik des Sprachgebrauchs – der erste nach Osten, der zweite nach Westen –, im letzteren Fall mit einer deutlichen Anbiederung an die englischsprachige Tradition. Die Haltungen zweier unterschiedlicher Richtungen stimmen auf recht bezeichnende Weise überein. Ich erinnere daran, dass die Moskauer Sprachpolitik zu Sowjetzeiten (soziolinguistische Arbeiten, Beschlüsse der Taschkenter Konferenzen) die Linguisten der Sowjetvölker nachdrücklich dazu anhielt, einen möglichst großen (breiten), allen Sowjetvölkern gemeinsamen Fundus internationaler Wörter (Termini) zu schaffen – verständlicherweise auf Grundlage des russischen Sprachgebrauchs –, damit die Sowjetvölker, deren Regierungen die Aufgabe gestellt worden war, homo sovieticus möglichst rasch heranzubilden, schneller zusammenwüchsen. Nun werden wir von unseren eigenen Linguisten aktiv

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dazu angehalten, eine weitere Gruppe kosmopolitischer Mankurts, homo liberalis, heranzuziehen, für die internationale Wörter schneller Teil ihrer (eigenen sprachlichen) Identität würden und möglichst viele gute traditionelle Wörter der eigenen Sprache aus dem Gebrauch verdrängten.

Meines Erachtens erschwert nicht die Übersetzung der betreffenden Termini die Verständigung mit ausländischen Kolleginnen und Kollegen. Vielmehr sind es der tief in jede unserer Zellen eingewachsene Minderwertigkeitskomplex und die daraus erwachsende Neigung, lieber unterwürfig andere zu kopieren, als eigenständig etwas zu schaffen. Dass man sich mit litauischen Termini durchaus gut verständigen kann, zeigen nicht nur die zuvor angeführten Zitate aus Cizikaitės Artikel, sondern auch zahlreiche Passagen aus dem erwähnten Artikel von Palionis (1970).

Viertens, betont dieselbe Autorin, Cizikaitė, in ihrem Artikel, dass „[i]n den Arbeiten litauischer Linguisten das Äquivalent von standard language, standartinė kalba, bislang [2002] nicht verwendet wird“ (Cizikaitė 2002: 280). Ihren Erläuterungen nach könnte man meinen, Subačius habe den aus dem Englischen stammenden Terminus im Litauischen eingeführt9, zweifellos beeinflusst von seinem englischsprachigen (amerikanischen) Umfeld. Seine Doktorandinnen Cizikaitė und Birštonaitė bemühten sich verständlicherweise, der Meinung ihres Betreuers Rechnung zu tragen, sofern er sie ihnen mitteilte. Doch diese englische Lehnübersetzung, die vor mehr als einem Jahrzehnt kurz aufgetaucht war, scheint später im Sprachgebrauch nirgends weiter verbreitet verwendet worden zu sein. Erst in den letzten Jahren erinnerten sich die Autoren des rezensierten Artikels wieder daran und machten sich daran, sie in ihren Schriften und Vorlesungen für Studierende zu verbreiten. Sie legen sogar eine Liste der Befürworter ihrer Auffassung vor (Smetonienė ir kt. 2016: 12): Neben dem bereits erwähnten Subčius10 und Birštonaitė stehen dort auch Smetonienė, Jūratė Lubienė und Dalia Pakalniškienė, Daiva Aliūkaitė sowie Audrius Valotka. Auch Wissenschaftler der Universität Vilnius verwenden den aus dem Englischen stammenden Terminus in Artikeln für die Öffentlichkeit, öffentlichen Vorträgen und Diskussionen. Sie errechneten sogar, dass am 26. August 2016 mit der Suchmaschine Google der Terminus in verschiedenen Kasus 1 784-mal gefunden wurde. Die Zahl ist natürlich beeindruckend, doch es wird nicht gesagt, in welcher Bedeutung der Terminus gebraucht wird (vielleicht auch im Sinne von „schablonenhaft“?). Andererseits ist eine solche Untersuchung, wenn es keinen Vergleichswert gibt (hier den Terminus allgemeine Sprache), nichts anderes als eine plumpe Augenwischerei11.

9 Subačius selbst verwendet in seinen Artikeln meist den Terminus allgemeine Sprache; Standardsprache kommt nur selten vor, vor allem in früheren, in Amerika verfassten Artikeln (siehe die Datenbank für Litauistik).

10 Siehe Fußnote 9.

11 Die Internetsuchmaschine Google lieferte bei der Suche nach den Wendungen „bendrinė kalba“ und „standartinė kalba“ folgende Ergebnisse: Die erste wurde 19 600-mal gefunden, die zweite 1 030-mal. Bemerkenswert ist, dass Standardsprache hier sowohl mit Bezug auf andere Sprachen (z. B. Chinesisch) als auch auf in der Informationstechnologie angewandte Standards sowie auf die Standardhaftigkeit der Verwaltungssprache, d. h. ihre Schablonenhaftigkeit, usw. verwendet wird (abgerufen am 19.06.2017).

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Die Verfasser des Artikels können, wenn sie diese Zeilen lesen und die Kritik an dem neu eingeführten Terminus Standardsprache hören, leicht erwidern, Girdenis und Pupkis hätten sich damals, als sie den Terminus Gemeinsprache wiederzubeleben begannen, genauso verhalten. Doch gibt es hier einige wesentliche Unterschiede: Damals belebten wir den von den Sowjets verurteilten Vorkriegsterminus wieder und bemühten uns, den von der Obrigkeit aufgezwungenen Terminus Literatursprache aufzugeben; etwas Neues musste nicht geschaffen werden, während jetzt ein Terminus eingeführt wird, der keine lange Tradition hat. Man darf nicht vergessen, dass damals ganz andere Zeiten herrschten: Keine Termini (Wörterbücher, Grammatiken usw.) wurden offiziell kodifiziert, während heute in einem Rechtsstaat die Gemeinsprache als wichtigster und einziger Terminus in der Terminologiedatenbank der Republik Litauen12 festgeschrieben ist, an deren Erstellung auch Irena Smetonienė, die damalige Vorsitzende der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache, mitgewirkt hat. Wer, wenn nicht die ehemalige Vorsitzende der Sprachkommission, sollte den Status des Terminus Gemeinsprache viel besser kennen als andere Mitglieder der Gesellschaft (der Terminus Standardsprache findet sich in dieser Datenbank nicht). Noch bedauerlicher muss sein, dass ein nicht erörterter und nicht diskutierter Terminus, der den Beschlüssen der Sprachkommission widerspricht, in den Text eines für die 6. Klasse verfassten litauischen Sprachlehrbuchs aufgenommen wurde.

Fünftens. Die Staatliche Kommission für die litauische Sprache hat wiederholt einen der wichtigsten Grundsätze der Kodifizierung und Verwendung der Gemeinsprache erklärt – die Stabilität der Sprachnormen. In dieser Hinsicht ist Gemeinsprache als linguistischer Terminus einer der stabilsten Sprachgebrauchsfakten im Litauischen. Darüber hinaus ist er auch als gesellschaftlich-kultureller Terminus (und als Phänomen) bedeutsam. Nur dieser Terminus wird in den während der wiederhergestellten Unabhängigkeit Litauens erschienenen Enzyklopädien (insbesondere in der Enzyklopädie der litauischen Sprache, der Allgemeinen Enzyklopädie Litauens), in Rechtsvorschriften, Schulliteratur und der Bildungspraxis, in den Medien und an vielen anderen Stellen verwendet. Besonders wichtig ist, dass der neu vorgeschlagene Terminus Standardsprache keinerlei Anknüpfungspunkt im Bewusstsein der Sprachbenutzer hat. Es gibt sogar Linguisten, die erklärt haben, die Gemeinsprache werde heute, im 21. Jahrhundert, allgemein verwendet, obwohl angeblich neue Varianten dieser Sprache entstünden (Kalėdienė 2013: 22). Wenn das tatsächlich so wäre, hätten die Verfasser des besprochenen Artikels diese Aussage zumindest mit ihrer eigenen Auffassung verknüpfen (=müssen, ja müssen⟧) und sie nicht verschweigen, sondern kommentieren, bewerten und vielleicht versuchen müssen, sie in ihr Schema einzubeziehen (zum Beispiel sogar erwägen können, ob der Beginn des 21. Jahrhunderts nicht als Anfang einer neuen Entwicklungsphase der litauischen Sprache gelten könnte).

12 Er wird in folgenden Quellen angegeben: 1) Wörterbuch der linguodidaktischen Termini / Meilutė Ramonienė, Jelena Brazauskienė, Nida Burneikaitė, Jurga Daugmaudytė, Eglė Kontutytė, Joana Pribušauskaitė. Vilnius: Universität Vilnius, Verlag der Universität Vilnius, 2012; 2) Gesetzentwurf zur Änderung des Gesetzes über die Staatssprache der Republik Litauen Nr. XP-1320(3) (abgerufen am 14.06.2017).

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Wie bereits erwähnt, ignorieren die Verfasser des rezensierten Artikels mit diesem Vorschlag offenkundig den Grundsatz der Stabilität der Normen der Gemeinsprache und halten sich auch in einigen anderen Arbeiten nicht immer daran (dazu gehören etwa Vorschläge, die Schreibung von Nasalvokalen in den Wortstämmen bestimmter Wörter abzuschaffen; das scharfe und sogar aufdringliche Drängen, die Buchstaben W, X, Q in das litauische Alphabet aufzunehmen; die Einführung fakultativer Zeichensetzung, die in der Schule bis heute Verwirrung stiftet und in den Medien nachhallt; das Unterlassen von Maßnahmen, die eine Revision des traditionellen Systems weiblicher Familiennamen verhindern würden, und anderes). Solche Schritte tragen gewiss nicht zur Stabilisierung der Normen der Gemeinsprache bei; einige haben sie vielmehr erheblich erschüttert und in mehr als einer gesellschaftlichen Gruppe beträchtliche Verwirrung ausgelöst. Diese Desintegration der Sprachnormen führt die Menschen und ihre Gemeinschaften nicht zusammen, sondern spaltet sie.

Erwähnt sei ferner, dass es gemäß der langjährigen Tradition des Lehrstuhls für litauische Sprache der Universität Vilnius die wichtigste Aufgabe der Lehrenden war, keine Reformen der Sprachnormen zu verkünden, sondern grundlegende Forschungsarbeiten zur Gemeinsprache zu verfassen, auf die noch vor nicht allzu langer Zeit die gesamte geisteswissenschaftliche Gemeinschaft stolz war.

Sechstens. Ohne mir die Aufgabe zu stellen, alle Aussagen des besprochenen Artikels im Einzelnen zu untersuchen, wollte ich hier zeigen, dass das rezensierte Werk keinerlei Kritik an seiner wissenschaftlichen Qualität standhält. Es handelt sich um eine Sammlung von Zitaten aus Artikeln mehrerer Linguisten und nacherzählter Gedanken, die zu einem regelrechten Textkonglomerat zusammengestellt wurden. Das Verschweigen der Aussagen und Probleme vieler anderer Autoren, die Manipulation verschiedener Sprachfakten und Zitate sowie der dürftige Rückgriff auf die Literatur zeugen von einer geringen, geradezu oberflächlichen Vertrautheit mit der untersuchten Frage, von der Überbewertung zufälliger Aussagen, insgesamt von armseligem wissenschaftlichem Denken und von weiteren Mängeln, die für eine unreife Arbeit kennzeichnend sind. Das ähnelt einer Simulation von Wissenschaft und nicht einer gut durchdachten, logisch und argumentativ begründeten Lösung der Frage.

Siebtens, sind auch die formalen Aspekte des Artikels zu erwähnen: Zitierweise, wissenschaftlicher Apparat und Korrektur.

Zunächst fallen verschiedene Verfälschungen der Zitate ins Auge, insbesondere die Missachtung der Schriftarten. So ist etwa auf S. 6 der aus einem Artikel von Pranas Skardžius zitierte Terminus Gemeinsprache in gewöhnlicher aufrechter Schrift wiedergegeben (im Original kursiv; ebenso gemein, allgemein, umgangssprachlich, schriftsprachlich Sprache), während die Wörter Apfel und Stroh, die bei Skardžius in gewöhnlicher aufrechter Schrift stehen, hier kursiv gesetzt sind. Außerdem fehlt nach dem Wort ganz eine Auslassung. In einem anderen Zitat aus Skardžius’ Schriften (S. 6; vgl. Skardžius 1997: 35) sind gesperrt gesetzte Wörter nicht gesperrt gesetzt; hier steht anstelle des Originals vaidinim vadinam. Bei dieser Gelegenheit kann ich auch das Zitat aus meinem 1980 erschienenen Buch, das im Artikel angeführt wird, nicht unerwähnt lassen (siehe S. 8). Darin

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Die ersten beiden Wörter des Terminus standardinė kalba („Standardsprache“) stehen im Original kursiv, im Zitat dagegen aufrecht; die Konjunktion bet („aber“) wurde im Zitat durch die Konjunktion tačiau („jedoch“) ersetzt. Im Artikel und auch sonst variiert die Schriftauszeichnung der besprochenen Termini. Manchmal wird wieder nicht ganz genau zitiert, z. B.: „literary language – das ist die als beste angesehene Variante („as the best“), die ir auch in literarischen Texten verwendet wird“ (Cizikaitė 2004: 277; Hervorhebung von mir. – A. P.) und von den Autoren: „eine Variante, die in literarischen Texten verwendet wird“ (Smetonienė et al. 2016: 2).

Auch mit anderen Dingen wird nicht immer korrekt umgegangen. So lautet der im Literaturverzeichnis angeführte Aufsatztitel von Girdenis „Bendrinė kalba“ und nicht „Bendrinė (literatūrinė) kalba“. Warum werden mehrere Aufsätze von Skardžius aus seinen Rinktinių raštų („Gesammelten Schriften“, Bd. II, S. 34 ff., 587–599, 631–632) zitiert, während einer, der im selben Band abgedruckt ist (S. 337–368), im Literaturverzeichnis nur in der Internetfassung angegeben wird (vielleicht, weil lediglich nach Zitaten gesucht wurde, anstatt die Schriften selbst systematisch zu studieren)? Ich musste lange überlegen, was die in Fußnote 11 erwähnte Tarybinė enciklopedija („Sowjetische Enzyklopädie“) sein soll. Ich schloss daraus, dass hier wohl die sogenannte Didžioji tarybinė enciklopedija („Große Sowjetische Enzyklopädie“, auf Russisch) gemeint ist; doch weder die (wie vielte) Ausgabe noch Jahr, Band oder Seite sind angegeben. In einigen anderen Fußnoten (3, 5) wäre es angebracht gewesen, den Zeitpunkt des Aufrufs der zitierten Quellen anzugeben.

Auch der Korrektur des eigenen Artikels wurde keine Aufmerksamkeit gewidmet. Auf S. 2 ist nach dem Wort (Queens [muss heißen: Queen’s language) kein Komma erforderlich; oben auf S. 10 muss es kalbos („der Sprache“) und nicht kabos heißen.

Es fragt sich, ob es sich für Fachleute der Standardsprache in einer wissenschaftlichen Arbeit – nicht etwa in einem journalistischen Text – ziemt, das umgangssprachliche Wort šiomkart („diesmal“, S. 1; es steht auch nicht im DŽₑ) zu verwenden, nicht nur die Nachnamen von Dantės, sondern auch von Petrarkos nicht zu flektieren (S. 3) und die Position der Sprachwissenschaftler als vieninga („einheitlich“) statt als vienoda, bendra, suderinta („gleichförmig, gemeinsam, abgestimmt“) zu bezeichnen (S. 7). Oder wird hier etwa der Weg zu einer weiteren Sprachreform eingeschlagen: Empfehlungen, die derzeit in Wörterbüchern und Sprachratgebern gegeben werden, sollen missachtet werden. Dafür spräche auch der Satz, den die Autoren in der Einleitung ihres Artikels schreiben: tarptautinė praktika rodo, kad lokalus terminas ir lieka lokaliu („Die internationale Praxis zeigt, dass ein lokaler Terminus lokal bleibt“, S. 1). Bislang galt dieser Instrumental sogar als grober Sprachfehler; hier wird er jedoch ganz selbstverständlich verwendet.

Der besprochene Artikel entspricht also weder inhaltlich noch formal den Anforderungen an wissenschaftliche Aufsätze. Daher stellt sich ganz natürlich die Frage, wie man solchen Texten vertrauen kann, in denen es von sachlichen Ungenauigkeiten und allerlei Verzerrungen nur so wimmelt und die zudem schlecht Korrektur gelesen sind. Solche Veröffentlichungen werfen auch Fragen zur wissenschaftlichen Kompetenz der Gutachter dieser Zeitschrift auf und gereichen der wissenschaftlichen Zeitschrift insgesamt nicht zur Zierde.

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LITERATŪRA

Birštonaitė R. 2002: Kai kurie anglų, slovakų ir lietuvių šnekamųjų standartinių kalbų formavimosi bruožai. – Archivum Lithuanicum 4, 265–272.

Cizikaitė D. 2002: Anglų kalbos terminai common language, national language, literal language, King’s language, standard language ir jų lietuviški atitikmenys. – Archivum Lithuanicum 4, 273–282.

Girdenis A. 1973: Bendrinė kalba. – Mūsų kalba 3, p. 45–47. – Tas pats: Aleksas Girdenis. Kalbotyros darbai 1, 2000, 316–318.

Jonikas P. 1972: Lietuvių bendrinės rašomosios kalbos kūrimasis antrojoje XIX a. pusėje. Čikaga: Pedagoginis lituanistikos institutas.

Kalėdienė L. 2013: Urnėžiūtė R., Valskys V. Dvidešimtoji Jono Jablonskio konferencija. – Gimtoji kalba 10, 21–24.

Palionis J. 1975: Literatūrinė kalba, bendrinė kalba ar kaip kitaip? – Kalbos kultūra 29, 28–32.

Palionis J. 1995: Lietuvių rašomosios kalbos istorija. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.

Piročkinas A. 1970: Literatūrinės kalbos terminas ir jo analogai. – Kalbos kultūra 19, 25–32.

Pupkis A. 1980: Kalbos kultūros pagrindai. Vilnius: Mokslas.

Pupkis A. 2005: Kalbos kultūros studijos. Vilnius: Gimtasis žodis.

Skardžius P. 1997: Rinktiniai raštai 2. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.

Smetonienė I. 2014: Kalbos vieta valstybių politikoje: standartinių kalbų susikūrimas. – Parlamento studijos 16. Prieiga internete: http://www.parlamentostudijos.lt/Nr16/16_kalba_2.htm.

Smetonienė I., Smetona A., Valotka A. 2016: Dėl standartinės kalbos termino. – Lietuvių kalba 10. Prieiga internete: www.lietuviukalba.lt.

Subačius G. 2003: Standartinė kalba – valdžios nuosavybė. – Kultūros barai 12, 63–64.

Valotka A. 2015: Kalbos planavimo ir kalbos politikos terminai. – Parlamento studijos 18, 84–101. Prieiga internete: www.parlamentostudijos.lt/Nr18/files/5.

Gauta 2017 06 20

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